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Full text of "Der Freimüthige oder Ernst und Scherz Ein Unterhaltungsblatt"

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BIBLIOTHECA 
REGIA 
MONACENSIS. 








<36507872400010 


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Bayer. Staatsbibliothek 


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3weiter Jahrgang 


Zeitſchriften: 
Freimuthige 


Eruſt und Scher;z. 


I 8 o 4. 


Hera und ge Heben 


von 


A. v. Kotzebue und 8 Merkel. 


Sulius bis December 
— — 00.000.0.00.0000000000000000 — 
Berfhin, 


bei ei an ee ii ri ı 1 


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Inhalts-Verzeichniß 
der Monate Julius, Auguſt, und September, des Freimuͤthigen, 1804 


Hr. 131. Der gute Jüngling ıc. von Emald. — Gleim und feine Freunde, Fortſ. — an den Herausgeber, 
von Buchbol;. 

Nr. 132. Der Plan, Luffe. von Arreſto. — Urania, von Tiedge, Mufit. — Miscellen. — Aus Halle. Anekdote. 

Nr. 133. Literariiche Nachrichten aus Breslau. — Gleim und feine Freunde, Schluß. — Berichtigung einer 
Donauizotiade, — Theaternachricht aus Leipzig. — Bemerkung ju der Kupfertafel. j 

en aus dem Norden. — Theaternachricht aus Wien. 






enfchen. 
Mr. 137. Briefe über Idands Spiel. — Hirtenlied aus Wilhelm Tel, Muſit. — Ueber Schillers Wilbelm 
Tel, Fort. — Der geliebte Hund. — Ebefreuden. — Flach und tief. — Als Lirus deobte. 
Nr. 138. Mes souvenirs etc, p· Thiebault. — Yus Rom. — Tbeaternachricht, aus Wien, Amflerdam, Gtutt 
gardt. — Miscellen aus Rußland. — Das Bad u Lauchſtedt. — Anekdote. 
Me. 139. Gallerie Hiitoriicher Gemälde, von Baur, — Merkwuͤrdige Aeußerungen Kants, von Job. Gottfr. 
Saſſe. — Miscelen aus Rußland und aus franzoͤſiſchen Blättern. — Unerſchuͤtterliche Gewifienbaf- 
tigkeit. — Das wehevolle Herz. , 
Nr. 140. Mufit. — Fragmente ans meinem Journal auf einer Reife von Branffurt nach Würzburg. — The 
aternachricht, Breslau. — Anekdote. — Gedichte. 
. 441. Gallerie alt»beuticher Tra ragmente aus meinem Reifejournal, Fortſ. — Gedanke. — 
Gedichte 
Nr. 142. Bhantafie an einem Sommertage. — Fragmente se. Tortſ. — Miscellen. — Ecfabrungsſaͤhe aus 
verfchiedenen ellern, i . 
Nr. 143. Bebensgeiller ıc. — Mufit. — Unefdote aus der deutichen Geſchichte. — Die Maͤdchen. — Nicht 
politische. Zeitung, Ne. 1. 
Ar. 144. Kunſtmerkwurdigkelten der Leipziger Jubilatemeſſe, im Landſchaftsfache. — Der Tettifche Mathema · 
tifer. — Ein ehbrmurdiger Name, ' 
Nr. 145. Kleine moralifche Erzählungen. — Gedichte des Calyurnius. — Diesjährige Johannisfrenden in Mie⸗ 
“ tau. — Haß und Liebe. 
Mr. 146. Kaiſer Oftavianug. — Magßſtab der literariſchen Kultur von Kaſſel. 
Mr. 147. Kunfmerfwürdigteiten ıc. — nnisfreuden in Mietau. Schluß. — Gedichte. 


Mr. 148. Er geht im die Falle, Lufiip. — Muſik. — Fragmente aus meinem Reiſtjournal. 

























ber Arıt. * 
.Nr. 150. Gedichte von Herrmann. — Kunſtmerkwürdigkeiten sc. Fortſ. — Erinnerungen aus dem verfloſſe ⸗ 
nen Kriege. 


Mr. 151. Meber das Trauerfpiel von Fr. Köppen. Fortf. — Morgenländifche KRampfipiele an einem türkifchen 
Bettage gu Konſtantinovel. - 

Mr. 152. Euphroſyne. — Erinnerungen aus dem verfloffenen Rriene. Fortf, . 

Mr. 153. Kunfimerfwärbdigfeiten ic. Beſchluß. — Etwas, das man den Verehrer der Meligion und Vernunft 
nicht zu überfchlagen bittet. — Univerfitätsmerfwürdigfeiten, — Marg Walter. — Klage der Schd« 
ferin. — Gedanten, 

Mr, 154. Essai general de fortifications par Bousmard. Tome IV, — Erinnerungen aus dem verflofienen 
Kriege, Fortſ. — Herrenrecht. 

Nr. 155. Genua und Rache, von Babo. — Morgenlaͤndiſche Kampfipiele se. Korti. — Gedanken. 

T, 156. Magazin fchreflicher Ereigniffe. — Mufit, — Augsbur Geſchlechtert — Ehre wem Ehre 
ebübret. ren — 

Mr. 157. Iphigenia in Aulis. — Morgenländiihe KRampffpiele sc. Befchluf. 

Mr. 158. Schidfale des Perfers Michaulow unter den Kalmucken. — Mufit. — Jphigenia in Aulis. Fortſ. — 
Sebaflian Schertlin. — Scherse. 

Nr. 159. Die Leiten zu Buchen. — Sebaftian Ilſungs Reife nach Kompoſtello in Spanien im Jahr 1446. 


Mr. 160. Charlotte Corday. — Noch efinas Über die Oper (vom einer berf = 
efeus au a, einer 


Ne. 161. Erzählungen. — Erdenwallen der Poeſte. — Ueber Wahrheit. — Aphorismen, — Scherie. 









7. 


/1y 


. 162, Gedichte von Harries. — Reminiscenz. Am Fluß des Migiberges, — Bemerkung. 
. 163. Der Medicinalrarh und die medicinifch- chirurgifche Fatultde in Salzburg 1304. — Skinen. Fort: 


fepung. — Das Wunderbächlein. 


. 164. Mriels Offenbarungen. — Der Medicinafrath ıe. Beſchluß. — Schilderung der Sitten, welche in 


dem XVI. Yabrbundert in Augsburg berrfchten, 


. 165. Ueber das Trauerfpiel von Fr. Köbren. Fortf. — Fidelis und Fidele, oder Treue dis zum Tode. 
. 166. Heber das Trauerfpiel von Fr. Köppen. Fortſ. — Briefe eines Niederfachfen uber eine Keife durch 


einen Theil von Ghurfachfen und Böhmen. — Auch ein Vergiß mein nicht. 


, 167. Heber das Trauerfpiel sec. Fortſ. — Briefe eines Niederſachſen ꝛc. Fortf. s 
. 168. Das Ideal, von Gruber. — Weber das Leipgiger Theater. — Wilhelm Tell, aus dem Franzöfifchen 


des Hrn. v. Florian. Ein Brucflüf, — Hans und Grete, 


. 169. Mufit — Eine merfmürdige Scene im Schloſſe zu Neapel. — Eine Meine Anekdote vom König 


in Neavel. — Bon dem Nuben oder der Unemtbebrlichfeit der Bertler in wobleingerichteten Staa 
ten. — Die Ahnung. — Charakteriſtik der Dichtungen, 


. 170. Der Tempelberr. — Moderomane. — Schilderung der Sttten in Augsburg im XVII. Jahrhundert. 


Ein Gegenfüd zu der Schilderung im X VI. Jahrhundert. — Gedanten. 


.ırı. si ates und Hirparchia, von Wieland. — Briefe eines Niederfachien ıc. Fortf. 
. 172. Dviate von Sebald. — Schnfacht, Muſit. — Fragmente aus meiner Schreibtafel. 
1 


73. Beleuchtung der Keichardfben Briefe ie, — Aus einem Briefe von Koblenz. — General Hamils 
ton. — Der Kreifel. — Grabfchrift. 


, 174. Ueber das Trauerfoiel re, Fortf, — Das linke Rheinufer. 

. 175. Ueber das Trauerſolel ıc. Schlaf. — Das linke Rheinufer. Fortf. 

. 176. Almanfor, eine Novelle. — Bemerkungen Über Stettin, — Aus Prag. 

. 177. Alexandelne, ‚Gräfin von und zu Frr sc. — Das linte Rheinufer. — Liebe im Alter. — An Rofa- 


lindens Guitarre, — Bildhauer und Baukuͤnſtler. — Gewiſſe Schaufpieler. — Aus Wien. Mufit 
zu Rolla's Tod. 


. 178. Mämoıres, de Bailly. — Augsb. Hocheit- und Tanfordnung v. F. 1423. — Rüge. — Gedanten. 
. 179. Tafhenbuch auf 1805. — Die Bamilie der Fugger in Augsburg. — Das linfe Rheinufer. 
. 280. Der Faitnachtsabend, von Albrecht. — Die Familie der Fugger. Schluß. — Ein aus dem Latein 


überfepter Brief des gelehrten Beatus Rhenanus v. J. 1531, Fuggers Familie betreffend, 


. 181. Staatsgefchichte Europa's, von Poſſelt. — Der Morgen des 31. Auguſt in Dresden. 

. 182. Die Leipziger Meſſe. — Das linte Rheinufer. Schluß. 

. 183. Die Kirche und die Götter. — Etwas über die Grafſchaft Mansfeld. — Mythologiſche umtiſe. 

. 184. Kants Biographie. — Kant, von Waſtangky. — Mothologiſche Umriſſe. Schluß. 

. 185. Düchet, der Apoſtel der Gedächtnigtunf. — Nachfchrift des Redakteur. — Anekdote. 

. 186, Indifche Grottentempel. — Anekdote. — Der Blauderer. — Ueber den Raub eines Diploms, 

. 187. Gedicht von Brinkmann. — Etwas aus Servien. — Beifpiel fchleihender Lil. 

2188. Tafchenbuch für Damen von Hubert ic. — Herjog Auguſt von Sachen» Gotha, von Graffl. 

. 189. Bergmanns Streifereien, — SHerjensergiefung eines Patristen über die fo lang fich versögernde 


Bertbeilung der Marken in der Maingegend um Offenbach. — Aphorismen, 


. 190. Bierteljährliche Unterhalt. von Huber. — Mufil. — Brief von der Ruf. Weltumfcgler- Escadre. 

. 191. Banline. — Brief von der Ruf. te. Escadre. Schluß. — An den Herausgeber des Freimüthigen. 
. 192. Eduard und Margarethe, vom Lafontaine. — Briefe eines Niederſachſen ıc. Fortſ. 

. 193. Almanach von Kotzebue. — Briefe eines Niederfachfen sc. Fortſ. — Literariſche Faſchingſtreiche. 

. 194. Ueber die Ruſſiſche Sprache, — Ueber Stettin. 

195. Der Troubadeur und der Kageilolj. — Audienz bei einem Kalmuͤdiſchen Büren. — Mimif 


einer Katze. — Nicht» politiſche Zeitung, Nr. 52. 





Inhalts⸗Verzeichniß | 
d er + * 
Monate October, November und December des Freimüthigen 1804. 


—ñ — — — — 


a 496. ob. Fr. Reichardts Briefe aus Paris 1. Zter Thl. — Briefe einer . ie, = 
Nicht politifche Zeitung No. 33. 
Ba die rufiiche Sprache. Schluß. — Der Diyrgus. — N. v. 3. No. 5 
. 15 Rortolan und umouriez. — Hechtv ur Bacherlichferten. — Werfpiel | henter Lin, Fortich. — 
- An den Heransuch. Des 7 sreim. — Die Geier und bie Menichen, — Ni. p. 3. 
. = Gejunddrunnen zu Kiebenttein. — Aeflbetiiche Fragmente. Erics Fragment. — jeher Adelungs 
he Berdeufjc). Des Dalpurnius. — I. v. Keif, 56. 
« 200. 3 Wen otif des Llavier- und Pianoforteipiels von sr. Butbmann. — Das Vergigmeinniht. — N: P. 
. Io. 57. 
« 201. Weber Firerafur der Betten. — pas über die Bielsböhle. — N. v. 2. M. 58. 
«= 202. Zafchenbuch tur Freunde und Teunt nnen Des Denen und (# uten, von M. Br. Herrmann. — 
Bunte EIECEGEUE, DEE ECHSENz_IEOFEN => SIEH SOGTERE BER THEMEN, —— GER © = TDIE 07 WIANEIEEN 5 12 
Bildung. — MR. p. 3. Ne. 50. 


.: © eber fiterafur der Yarten, © chluß. — Bannen des So bier. _ ——— — N. pP. 3.0. 60. 
“ 204. Veonore, Oper, — Wriefe cines Miederfachien, W RD 


» 203. N.thode du Chant u TOR de Musique — ER Korn Engel. — Wach ein Börtchen Aber 
mronbdeine — Di. D. 3. 2. 
. 20°. Luna , eim Tafenbuc) au = r 1805. — Ueber den Droden. _ N. v. 3. No. 63. 

761 von & 1 “- Kroba nF 











— Morig von Sachſen ic, — An die Ungarn. — 
über die Mnemonit 
ige on =. ©. er. — Motbolsg. umriſſe. — E 

ul r N. p. 3. No, — — — 
Broben des — 2 von der Mnemonit. — Bemerfungen. N. p 

. v, Q er, — Scenfel und Sommer. — Die Wi 
2 Teufie Sammlung Meiner © , 
nt aus ber Ia ein. Antholog — gwih. — Port. Sch .&. ©. Bürde, 

N rigfeiten in Breslau. — Bericti l Biographie d Pi 


au 
* 3. Me. 68. 
. 212. * oilettengefchenf 












— 














9 


Belang. Grete, — zn jur Karatterifit der Tonangeber. — Als Monbazon Hard, — An 
"223. Bene Dein von Fr. : Beiternet se B. — Bericht über die Berliner ——— Fo 
— 


1895 | E M 

nDie. J— 0. 82 

” 326- Die Deugrischen, — Weinmelieh. — N. v. 3. No. 83. 

» 227. Ueber da * * vom Gra —— — Fragmente aus der Schreibtafel eines 
Reiſenden. — edene Anſichten. — N. u. 3. Ne. 84. 

228. D. u —— — As St. 9 





Wr Det. 1804. — Aneldote — 
aemad  p. 3. 


Ne. 229. Fe N * kan en — Aus Pandshut. — Embleme. — An die Ge 


fangen oNttee | eines Sp ie verbuhlte Dichterin. — Baus rıme'et sans raison. — 
v 


230. Zimmermanns Sn. ber Reifen Ater Jahrg. — Böttingiihes Tafchend _ . 
= man aus a eines 5 ken, Bere, — De Maricha a a er 
ic innere _ 
1. Baterländifces Taihenönh 3 Maier aus Neufchlefien. — i 
* ſchoner —— — Amor. — u Liebe. jr ». je : a ſconen Thale vol un 


Schlegels Sammlung romanr- gen. — Fragmente v 

232. ri — Reini Kia, Di —* — * * Schreibtafel eines Reifenden, 
Juan de Mariana vom nenn meiserbun it — 

* das Selfensbal. — Sopbiens I ee = ingen BADER Dial ctmis aͤe 


234. Müchlers Taͤſchenbuch für 1805, — eutens Tor onshauf, — Mu . 
235: Die Screen Marla vawlowna. — aamente aus det Schreibtafel —8 En 


236, —* un seyfaiare des *8 in —— — Aus Verona den 10. Oct. 1804. — Das Jahe 
1950. ni a > JJ 8* were . — 
7. frummachers Parabein. — En —* e des Theater 2 — 
an er; chreibta = eines Reierden Stich. — Ne. — Bragmente 
238. 83 Ewa Mit Hinficht tlerreich * 5. ce, — „Enrfehungeacn * Theaters 
ortjeh. — Maria Pan —— — re des Lebe 3. 
239. — * © des Fe in Ruakland, Schluß Beanydfihes Blaglum. Bibelmerbal. — 


EN ma, ein-9 benbud von Müller, ste6 Yabr 1505. — Bgaswente an dl 
Rei enden. = — lung. — Opera ommn, Fr, pP, } 


| nt 
adı. Vsemjemberge Berturhe Her etz — nätitäten. eines alten 
x _ Da F AA ——— — 





gmente aus der Schreibtafel eines Reiſen- 
gär. 3. £, Svalbınas — Worte fe der Heiipeflit von Jeau Paul, Fortſeh. — Ueber 


Mobus N Hieberchein. Tarcsenbuch tie ‚00: — ray mente aus ber Echreibtafel eines Reifenden 
neiichen Munebua amd Juforuf., — 1 






2ig. Echitten für Kinder; NaRITLSFICher Te Fine = RR innen aNend. —- Rbaviopifike Hedan 
— tIDer gochr — Singers 
m Nurfalithe — ER: men, Exof. — - Reapfedi- 


iten "17 Ri rortieh. Neuer den — — — — — 
252. Ban — ne ae der Shreibrafei eines Reiſenden, Die Geinſenjagd. — Luther. — 


388. Ficrer Zetäcntun u 1805. — — Brudähde aus der Ebarakteriiif der Mannheimer. — Misch 


! dc ibum —9* Borgebuͤrgs der uten Hoſſnung. — Fraumente aus der Screibtafel dr 
u 55* aaa Sort‘ = PR: chung der optiichen Vorkellungen tes Hrn. Buſch. 
m.» e. tl, - ;; 











Ari er olin - T 
Bean), — v. 3.00 
_ I ur Beichichte der Auftlaͤrung. — Sonett. — N. v. 3. M 

ar or Beltn Dumanitätsfrenr- e. — — des Wort Herr. — das — us vo Frans 

sotiscben, — An Milansern. — Gartula's Girabfchrtit, — Decenomie — R.p 3 * 
259. Brudihtde jur Fiograpbie J. G. Naumanns von A. G, Meifiner 2 Treile. — G. F " Keife. Ein 

Blümchen auf jan Ur Sr * — Gengmente aus der Sqchreibtafel eines Reiſenden ze. Mufeum au Pors 
260. Becie Bat gi: * — Theater; ———— aus der Schreibtafel eines Reifen» 

Muceum zu Vortici, 
rfe, zter und Ster ne: — Ar von Kotzebue. N. p 
wu ar or fun Nummern des Iiterariichen und ne eigen. * 
— —— — — 


1804 





Montag, 


Nro. 131. 
‚ARISTIDES, 
Der Treimütbhbise 
— — oder — ben 2. Julg, 


Ernf 


und» 


She ır .% 





Literatur 


Der gute Juͤngling, gute Gatte und Vater, ober 
Mittel, um ed zu werden. Von. L. Ewald, 
Erfter Band, bei Wilmannd 1804. 


Var fann ich meinen Leſern die Unparteilichkeit 
meines Urtheils über diefes Buch nicht beurfunden, 
als wenn ich Ahnen offen geftehe: ich nahm es mit 
einem entfchiedenen Dorurtheile damwider in die Hand, 
Es giebt wenig Gegenflände, die fo widerlich, fo zu: 
ruͤckſtohend auf mich wirken, als elegantes, füßliches 
Geſchwaͤtz über Moral, in welchem den Lefern ernfte 
Tugend und Weisheit in einem empfindelnden Tone 
sorgetragen wird, indeß der Schwatzende gleichfam 
in den Epiegel blidt, an der Halsfraufe zupft, oder 
ſich feibft die wollen Wangen flreichelt, und durch 
taufend Züge verräth, daß er ihm nur um bie 
Bierlichkeit des Vortrages zu thun iſt. Eben 
fo gern als ein folches Buch Iefen, möchte ich einen 
Papagey Betrachtungen über die Werke Gottes her 
ſchnarren hören, 


Herr Emald ſchien mir in vielen feiner frühern 
Werke nicht wenig an diefer moralifirenden Stutzer⸗ 
haftigkeit zu kraͤnkeln: um deſto erfreulicher iſt es 
mir, ihm bezeugen zu koͤnnen, daß er in dieſem, 
ſeine wichtigen Gegenſtaͤnde trefflich behandelt hat, 
daß es jungen Leuten, und Erziehern mit großer 


Märme empfohlen zu werben verdient, und auch den⸗ 
fenden Männern andrer Klaſſen, als eine anzie 
Hende Unterhaltung. Der Verfaffer beſitzt einnehs 
mende Berebfamkeit, eine fehr ausgebreitete Beleſen⸗ 
heit, und große Kenntniß des menſchlichen Herzens 
und ber Welt, die er lange und mit hellem Blick 
beobachtet hat; und er weiß die Reſultate feines 
Etudiums und feiner Beobachtungen fehr treffend 
und einfichtssoll anzuwenden. Es wäre indef noch 
zu wuͤnſchen gewefen, daß er ſich mancher unedlen 
Ausdruͤcke, z. B. „auf der Geige fragen,“ enthalten 
hätte; daß er mande Edilderungen, durch die er 
warnen wollte, nicht mit einer gewiffen Wärme der 
Phantaſie ausgemalt hätte, die mehr reizt als ſchreckt; 
daß er nicht manche unbedeutende Promenaden : Anek: 
doten eingemiſcht hätte, (und dieſe find es grade 
welche die meiften Kupfer verfinnliden fellen,) — 
und daß feine Beredſamkeit mit ihrem gefälligen 
Reiz, mehr Kraft verbände, da er zu Jünglin: 
gen ſpricht. 


Den zehn DVerlefüngen ift eine Beilage zuge: 
fügt: „Die Höchfte Tendenz, ein dramatifcher Dia: 
log.” Auch dieſe enthält manden fehr guten, 
hellen Gedanken, aber es thut mir leid, fagen zu 
möffen, daß der Derfaffer in derfelben, in feinen 
frübern Fehler, in Empfindelei und widerlich : füßes 
Liebäugeln mit der Keligion jurhdfällt, 


R. L. 





— 2 — 


GSteim und feine Freunde. 


(Eragment eines Abſchnittes in „Gleims 
Leben,“ von Wilhelm Korte.) 


(Bortfehung. ) 
& entffand unter andern, und endete auch ber 
Zwiſt mit Ramler. Sein Anfang war eine Unzufrie⸗ 
denheit Gleims, mit der Jahrzahl 1739 über einem 
Gedichte von Kleift in Kamlers Ausgabe. Ramler 
fah das Unrecht ein, verbefferte aber in allen fols 
genden Ausgaben die unrichtige Jahrzahl nicht, die 
Gleim deshalb beleidigte, weil dadurch feiner Erzäh: 
lung widerfprochen ward, daß erft durch fine Be: 
Sanntfchaft, 1743 Kleift zum Dichter geworden ſey: — 
das dauernde Unrecht war ganz auf Ramlers 
Seite. Dazu kam ein heimlicher, aber um fo hef— 


tigerer Vorwurf, daß Kamler in Kleif’s Leben jene 


Erzählung Gleims durchaus feiner Erwähnung ges 
wuͤrdigt Satte: Hierin iſt wohl nicht leicht gegen den. 
Einen oder Anderm allein zu. entfcheidtem Dann er= 
folgte ein lauter Vorwurf der Heimlichkeit, daß 
er z. B. SGögen’s Gedichte ſchon feit Jahr und Tag 
im Kaufe gehabt habe, ohne fie ihm eher, als nach 
gollendeter Aenderung mitzutheilen: — er wurde abs 
geiban, ohne daß der Vorwurf ganz auf Ramler 
Haften Fonnte, Nun folgten eine ganze Reihe nedens 
der Aeußerungen, üben Ramlers geringen Enthufiaes 
mus, zum Metrieb der Herausgabe von Gleim's 
Merken: — bier war das Unrecht ganz auf Gleims 
Seite, weil- er felbft am menigftens emfig dabei war, 
und fich: zu lange; und zu aͤngſtlich bei den Vorberei⸗ 
tungen aufhielt.*) Bei der fortdauernden Neckerel bins 
gegen über abnehmende Liebe, und daß Kamler Ans 
dern mehr Einfluß über ſich vergönne,- als Gleimen, 
feinem: älteften Freunde; daß er jJ. B. fich durch 
Sſch effner habe bereden. laffen- können, feine Werte 
zu: fammeln;. daneben beftändig Vorwürfe über Kams 
lers Sucht zu Ändern, und ohne alle Schonung, 





+) In ber Berliniſchen Monatfbrift wird febr unrichtig 
geirrtheile: Ramler habe die. Ausgabe derwegen nicht beiricben, 
weil‘ @leinr alles hätte wollen „in 12 Quartbanden“ 
drucen laſſen, ohnt Kritit und Auswahl, Dies ı, und far 
das meſſte jened Aufſatzes, durchaus unrichtig, wie deun über 
baupt alle. jene Auflage: Gleim⸗ und Ramter’ ſehr mmbedeu« 
temd find, indem fie fich nur auf außerlihen Wahrnehmmumgen 
grinden.. Aus dem Vricfwechſel mit Ramler ſowohl, als aus 
Dieims Charakter ift es Mar, dak. er damals viel zu angalich 
war, und viel zu leicht won feinen Poeſteen badıte, ald daß 
er nicht Rautter hätte ermfitich bitten föllen, feine Gedichte iu 
versaditemimmen. Er ſah freb gegen Namler immer nur ald Die 
lestant’ an. 

Was die smölf Auartbände beirift, fo möcht" es 
ſetbſt dent ſchwer fenm, mit allem feinen Poeſteen, deren 
vroätz zu füllen, wer: fie. miche voimig ausfallen. follten. 


Hand an Anderer Poeſieen zu legen, welche Sucht 
nur aus einem alten Herzen entfpringen koͤnne, — 
war das Recht, auf beiden Seiten faft gleich ver: 
theilt, und nur dadurch mehr Schuld bei Gleim, 
daß diefer den Zroift zu Heftig betrieb, — 

Ramler wollte fih während diefer Mißhelligfei: 
ten durchaus rein in den Augen feines Gleims zei: 
gen, und vertheidigte fich bündig gegen deſſen zahl: 
reiche Vorwuͤrfe. So argles und gutmürhig auch 
diefe Dertheidigungen aus Kamlers Seele gefloffen 
ſeyn mögen, fo fand Gleim dennoch gehäffige An: 
fpielungen darin, und ward nur mißtrauifcher und 
unzufriedener; unwillkuͤhrlich ſog er Gift aus jeder 
Arußerung. ; 

Im Jahr 1764 kritiſirte Gleim auf Ramler's 
Bitte, deſſen Alcaͤlſche Ode: „Nicht Friedrichs Hel— 
den, welche ber Brenne liebt” ıc. Er tadelte zwar 
in jeder Strophe diefes und jenes, aber mit Glimpf 
und Surmüthigkeit, und bat Ramler, ihm auf diefe 
Art feine Gabeln zu kritiſiren. Es mochte Ram: 
ler immer: kraͤnken, daß in einer‘ fo Eleinen, von ihm 
fon. forgfältig gefeilten Ode, noch fo viel getadelt 
sourde ; dennoch hätt’ er Gleim’s Bitte um fo fren: 
ger erfüllen, und beffen Gabeln in eben dem Tone 
fritifiren follen. Ramler erwiederte die Kritik auf 
unedle Weiſe, fei eu aus Ei, oder aus argfofer, pe— 
tulanter Jovialitaͤt. Arglos konnte Ramler indeß 
wohl nicht ſeyn, da er Gleims heftigen Charakter, 
und ſeine leiſe Empfindlichkeit fuͤr Worte und Ge— 
behrden kannte. Er ſchickte ihm die Fabeln mit fer 
ner Kritik zuruͤck, weiche aber nicht, wie Gleim's, 
in einem Briefe jufammengejlellt, fondern dem 
Manufcripte felbf auf den Rand gefihrieben 
war, Die erſte Nandgloffe war: „erbettelter 
Keim,” und in diefem Geiffe waren alle bie an: 
dern, in welchen Gleimen unter andern Schmei: 
helei und Heuchelei vorgeworfen worden, "wor: 
aus ich faſt ſchließen möchte, daf Kamler hate mit 
Gleim brechen wollen. Ramler fihrieb ihm indef 
einen fehr freundlichen, berzlihen Brief, den er mit 
mädchenhafter Milde ſchloß, und in diefem Einne: 
„Ihre treue Naide“ unterfchrieb. — Ramler glaubte 
dadurch feinem Tadel alle Schärfe zu nehmen, Gleim 
fah aber nur Lieblofigkeie in den Gloſſen, und beleis 
digende Epielerei in dem Briefe. Er wurde im 
Innerften dadurch verwundet, ſchrieb Ramler fehr 
ernſt darüber, und fagt' ihm vorzüglich: daß er nicht 
begreife, wie Ramler feinen Gleim fo babe behan: 
bein können; er beſchwert fig über die Art der Kris 
tie auch viel mehr, als über die Kritik ſelbſt. Nam: 
lers DVertheidigung hierauf ift aͤußerſt leicht und auf: 
ſallend gleichgültig; fo 4, B. entſchuldigt er gleich die 


erfte Stoffe: „erbettelter Keim!” nur damit: „das 
ift kein fonderlicher- Vorwurf. Aleris* (Ramlers 
poetifiher Name) „frägt nicht viel nach Reimen!“ — 
Nachdem er ſich auf diefe Weiſe hinlänglich entſchul⸗ 
digt zu haben glaube, fährt er in demfelben Briefe 
von ganz gleichghltigen Dingen zu fehreiben fort, lobt 
nebenbei ein kleines Gleimifches Gedicht, und ſagt 
endlih noch: „um Ahnen doch auch etwas von mir 
zu lefen zu geben, fo will ich ein kleines Ding ab: 
föreiben, wovon ich Ihnen einmal den erften Einfall 
in einem Briefe entdedie, ch fagte bei einer ge: 
miffen Gelegenheit: ich hätte Luft, Horazens Ode: 
Parcus Deorum etc. zu parodiren;. ich fand diefen 
poetifchen Gedankenſpahn in meinen aͤlteſten Papies 
ven, und machte daraus folgendes: 
„Die Wiederfeße 
6 Ealtiopend oft Heimlich entflohener 
Jünger, der ich u lange Dir, 
Etolie Kritifa, Dir, Schweſter der tricgliches 
Yaniophia nachtrrete, 
Kıbre reucvon um, eile voll Echnfucht der 
Altgeräligen Gottin im; 
Denn mein Tadel, obgleich ganı in dem lauterſten 
Honig eingetaucht, ſchmerzete 
Weinen Selim, und no ſchwaret feim kraukes Herb 
Ah mun weih ich mich ewig der 
Sñien Mufer Mit ihe fang id der Wälder Lob, 
ang der Gotter und Menſchen Bob, 
und mid; lichte mein Freund. DO: ſich gelicht zu ſehn 
Weide Eereligkeit! Licbe, di 
Tauſcht mein trunkener Seift aicht um bus Zeigen weit 
Singern, um der Verſuchunug 
Sündellatichen, des Boitd chreubezeugendes 
Aufſſetzn; Dich um Geſprache mit 
Groien Königen nicht, noch um die ſchmeich einde 
Taſel ihrer Gewaltigen.“ *) 

„Es mag dies Liedchen eine Art von Vorrede 
zu der Eammlung von Oden feyn, bie ich vielleicht 
bald machen möchte. — Cs kann zugleich zur Ant 
wort auf die natärliche Frage dienen: warum Ich fo 
lange Zeit mit der Herausgabe meiner poetifchen Sa— 
chen gezaudert; oder vielmehr, warum ich gar nichts 
poetifches gemacht babe?" — Aulekt fommen noch 
einige Vorwürfe, daß Gleim fih immer über Kams 
ler erheben wolle, daß er bürgerlich ſtolz fey, und 
der ernfliche Vorſchlag, dab fie völlige republifanis 
fehe Gleichheit unter fich einführen wollten, weil nur 
dadurch ihre Freundfchaft leben und recht gedeihen 
könne.” — Alles dies beleidigte Gleim auf das Em: 
pfindlichfle, vorzüglich der heimliche Stachel der Ode; 
er fah voraus, wie Namler dadurch alle Welt auf 
feine Seite bringen, und Gleim's Gemuͤth in zwei— 


*) Nach Ramlers erſter Hamdidrift, 


felhaftes Licht ſetzen wuͤrde! — ehe Zeche bes Kae 
lerſchen Briefes war ihm, wie er fchreibt, „ein Dolch 
in’s Herj, und die Ode ſchien ibm Gift, um jene 
Dolche zu vergiften." — Man muß fich biefe Ueber: 
treibung dadurch erflären, daß man ſich erinnert, daß 
Gleim einen natärlihen Abfcheu vor Spott hatte, 
und daß ibm die öffentlihe Meinung, jungfräulich 
heilig war, Er hatte eine grengenlofe Eichen vor oͤft 
fentlihen Fehden, and überhäufte gewiß Manchen 
mit Artigkeiten, um fi den Teufel vom Leibe zu 
halten. 


Als Gleim noch in demfelben Monat nach Ber: 
fin fam, fand er Ramlern, troß feiner Vorſicht ihm 
nicht zu begegnen, bet Herrn Nicolai, in Geſellſchaft 
M. Mendelsfohns. Die Freunde waren gegeneine 
Ander gefpannt, es kam indeß nicht zu gegenfeitigen 
Erklärungen, oder ju Veranlaſſungen, fid einander 
soleder zu nähern. Ramler ſchrieb noch an demſel⸗ 
ben Tage einen recht freundlichen Brief, mir der 
Bitte: dab Gleim den folgenden Tag mit ihm jur 
fammen fommen möchte, um ihr Misverfändniß za 
beendigen, und eine Freumdfchaft von neuem zu bes 
gründen, die zwanzig Jahre lang ihr Beiderfeitiges 
Gluͤck ausgemacht habe. Gleim verbat fih alle weis 
tere Derhandlung, befam von allem Xerger ein hitzi⸗ 
ges Fieber, und lag lange in Berlin gefährlich 
krank. — Ramler ſchrieb zwar nah Gleims Abs 
teife von Berlin, noch einmal an ihn, letzter ſetzte 
aber den Briefmechfel nicht for. Dagegen ſchrieb 
Steim ein Jahr vor Ramlers Tode, ohne befondere 
Meranlaffung an ihn, und bat ihn unter anderm, 
ihm eine Abfchrife feiner neueften Gedichte mitzu— 
theilen, damit er fi noch daran ergebe, wenn er 
ihren Drud nicht mehr erleben follte. Ramler flug 
ihm nicht allein die Bitte ab, fondern antwortete 
darauf überhaupt nur mit der LIeberfendung feiner „Far 
bein und Erzählungen.“ Diefe Hebtofe, alte 
Behandlung, fo frät nad) jenem Zwilte, und die 
von neuem abgebrochene DVerföhnung, fo nah am 
Grabe, fehmerzte Selm mehr, ale alles vorige. Dem 
dadurch in feinem Gemuͤthe neu erwecktem Grame, 
muß man die unwilltüßrliche, aber Heftige Bitterkeit 
zuſchreiben, die man in einem Aufſatze von Gleim: 
Berichtigungen zu Ramlers Leben, in der Berlmi—⸗ 
ſchen Monatfcprift finder, Wan muß aber diefe Bit: 
terfeit weniger dem Gemüthe Gleimw zufchreiben, 
als der Deranlaffung diefes Aufſatzes: dem Verdruſſe 
Über das „Leben,“ in dem er fo viel Mangelhaftes 
und Unrichtiges fand, daß er endlih auch einmal 
feine Etimme über einiges geben zu müffen glaubte, 


(De Schluß folgt.) 


en ln. TE TEE 


— 4 — 


Anden Herausgeber. 

8 gehört, fo viel ich mich entſinne, in den Plan 
des Freimäthigen edle menſchenfreundliche Handlun⸗ 
gen vor das Publifum zu bringen, und ihnen durch 
die mit verbdientem Lobe begleitete Bekanntmachung, 
Hin wuͤrdiges Denkmal zu fliften. Das iſt die Urfache, 
worum ich nicht ſaͤume, Ihnen die folgende Anek⸗ 
dote mitzutheilen, die, fo einfach fie ſeyn mag, 
doch menigftens das Verdienſt der Wahrheit hat, mas 
Ihnen um fo bezweifelter feyn wird, da ich nicht 
anftehe meinen vollen Namen zu unterzeichnen. 

— So unbedeutend das Eleine Kiel unter den 
größern Etädten Deurfchlands erſcheint, fo wichtig 
ift die Meſſe, die Hier jährlich im Januar gehalten 
wird, und Die, was den Geldumſatz betrifft, fih mit 
den berühmteften Jahrmaͤrkten vergleichen darf. Die 
Ritterſchaft beider Provinzen, — Schleswig und Hol: 
ftein, der Adel aus zehn Meilen im Umfreife, und 
alles in den Landftädten, was jum Guten gehören 
wit, verfammele ſich bier. Kommen Eie indeß nicht, 
denn Sie würden die fürchterlichfte Langeweile has 
ben, Außer einem Theater, deſſen Mitglieder, in 
Vergleich mit denen des niedrigften Boulevards fin 
fen müffen, einer Truppe Voltigeurs, wie man fie 
in Leipzig fo oft vor dem Peterstbor ficht, und wenn 
es hoch foͤmmt, einem mittelmäßigen Wachsfiguren: 
Kabinet, finden Sie auch nicht bie mindefte Ane 
leitung zur Zerftreuung. Bälle, Koncerte, Redouten, 
das alles fcheint eine terra incognita zu ſeyn. Der 
einzige Cafotti, — fo war, wenn ich nicht irre, der 
Name diefes Seiltaͤnzers, der mit feiner Geſellſchaft 
zugleich pantomimiſche Darftellungen aufführte, — 
war einigermanßen im Etande, das gemifchte Pur 
blikum fortdauernd zu beluftigen, denn mit jedem Tage 
gab er merkwuͤrdigere Proben, wie weit ein menſch⸗ 
licher Körper es in der Agilität bringen fann. Ich 
hatte ihn ſchon früher an andern größern Orten ge: 
fehen; auch bier fand er einen ungeheuren Zulauf, 
den befonders ein Fleiner, bild: (höner Knabe dur 
feine Geuͤbtheit ihm verſchaſſte, bei dem ich mich nie 
erroehren fonnte, an feine Kunſtverwandtin in Mel: 
fiers Lehrjahren zu denken Mit einer lächelnden 
Miene tanjte er, wie ein Eleiner Liebes: Gott, leicht 
und behende einher, und wußte felbft den unnatuͤr⸗ 
lichen Eprüngen, die er machte, eine ganz befondere 
Leichtigkeit und Grazie beijulegen, Aber nichts deflo 
weniger fehlte ihm Dieigung, denn, wenn er am 
Morgen nach vollendeten Erercicen feine Epielfiuns 
den feierte, beklagte er fih mit heißen Thraͤnen über 
fein unglüdliches Loos. Die gefuͤhlvollen Kinder der 
wuͤrdigen Gräfin von Baudiſſin, Geborne Schimmel— 
mann, — Sie ift es würdig, daß man ihren Na 


men ehrfurchtsvoll ausſpricht, — beſchaͤſtigten ſich 
ebenfalls mit ihm, und erfuhren geſpraͤchsweiſe, daß 
er als ein ganz kleines Kind in London gewefen fey, 
daß fein Bater einen großen Stall voll Pferde ges 
habt babe, und daß er fih am liebiten in dieſem 
aufgehalten hätte, bis ihn „ths great als,‘*) fo 
nannnte er feinen Zuchtmeifter, geftohlen hatte. Die 
Gräfin, die dies erfuhr, und Witleiden mit dem 
Knaben fühlte, glaubte das Recht, das Caſſotti bei 
fo bewandten Umſtaͤnden an ihn habe, beftreiten zu 
können, und gab einem Manne, den fie jur Aus: 
führung ihrer edlen Abfichten am tauglichften hielt, 
den Auftrag, ihn durh Geld und Drohungen los 
u machen, Mit zu vielen Schwierigfeiten war die 

ealifirung ihres Dass verknüpft. Denn der Eeil: 
tänzer, der theils ernfthafte Fragen nach des Kna⸗— 
ben Herkunft fürchten möchte, theils ihn als fein wur 
cherndftes Kapital nicht verlieren wollte, huͤtete ihn 
mit ängftlicder Sorgfalt, feit er von jenem Gefpräch 
durch andere Kinder, Machricht erhalten hatte, und 
ließ ihn fogar feltener auftreten. Mur dur eine 
Lift des Poligeimeifters, der ſich gegen ihn verband, 
rourde der Kleine aus feinen Klauen gerifen. Unter 
dem Vorwande, als folle er feinen Kindern die er: 
lernten Sprünge im Haufe zeigen, ließ er ihn zu 
ſich befcheiden, und befragte ihn jeßt gürig nach als 
lem. Lautweinend wiederholte der Knabe das Dben: 
gefagte, und rief unter heißen Thränen, er wolle 
gern travailliren, wie er fih ausdrüdte, er molle 
vom Morgen bis zum Abend travailliren, nur 
möge man ihm einen andern Maitre geben, Früb 
am Morgen ergriffe man ibn, — en. ift unalaublich 
und doch wahr, — bei den Haaren, und hoͤbe ihn 
hoch empor, damit er durch das Zappeln gelenfiger 
würde, Am Tage erhielt er, außer einem Fleinen 
Weißbrode, nichts zu effen, fondern erft am Abend 
nach vollendeten Künften, und menn er denn nicht 
auf dem Theater die lüchelndfte, freundlichfte Miene 
gezeigt hatte, die ihn verfehönern fellte, fo wurde 
er unbarmberzig gefchlagen. Don feiner Familie 
mußte er fih, weil er fie fo klein verloffen hatte, 
nichts weiter zu erinnern, «is daß fein Onfel Uniform 
getragen, und feinelittle Siſter,“ ) die vor der Thür 
—— hätte, als man mit ihm fortgelaufen 
wäre, laut geſchrieen hätte, Auf dieſe Nachricht lief 
der Polizeimeiſter Caſotti ganz troden fagen, daß 
er den ungen nicht wieder erhalten würde, wenn 
er ſich nicht Über die Art, wie er zu feinem Beſitz 
gelangt wäre, legitimirte, und in der That mufite 
er ohne ihn abziehen, ob er gleich anfangs gefchmos 
ren hattte, den Polizeimeifter zu erſtechen, de Graͤfin 
zu maffacriren, und ihr nahe bei der Stadt gelege: 
nes Yandgut in Brand zu ſtecken. — Die edle Dame 
bat den Knaben in ein Erziehungsinftitut aefandt, und 
mie man fagt, fell er in der Folge fiudiren, Welch ei: 
nen Dank wird fie dereinft von dem Sünglinge ende 
ten, wenn er bei reiferen Jahren den Umfang ihrer 
Wohlthat ganz zu fühlen fahig iſt, und welche na: 
menlofe Wonne wird fie felbıt fühlen, wenn fie ihn 
in der Zufunft als einen nüglichen Bürger des Staats 
ſieht! Buchholz. 

+, "Der große Erel. 
**) Kleine Schwenter. 


1304. 


Nro. 132. 





ARISTIDES 
Der freim 


Dienftag, 


Ermnf 





Literatur 
Der Plan. Ein Luftfpiel von Arresfto, 


Sreparte Wiederkaͤuungen des abgedrofchenften 
Mies, die nur Aeſthetikern, die auf Bierbaͤnken und 
in Pfennigfhenten haufen, ein Beifalls: Laden 
abgewinnen können. Für Menſchen, die nur einigers 
mafen gebildeten Geſchmack befigen, taugen fie Fels 
nesweges. Das Ehjet, bas dem vorgenannten Luft: 
fpiel zum Grunde liege, ift fehe abgebraucht. Wer 
bat nicht ſchon oft in Romanen und Luftfpielen den 
Dorfall gelefen, daß ein Mädchen fich verkleidet, um 
ihres Geliebten Treue zu erproben? Das ift eine fehr 
alte Geſchichte, die einer neuen Aufwaͤrmung, noch 
dazu von einem fo fläglichen Koch, als Herr Ar: 
resſto iſt, ganz und gar nicht bedurft hätte, Die 
Sprache, in der dieſes Luſtſpiel abgefaßt ift, paßt 
zur Gefchmadlofigkeit der Fabel vollfommen; denn 
der Bauerndialekt, den Herr Arresfto fleißig 
ſtudirt zu haben feheint, ift hier fehr natürlich nach: 
geahmt. on dem platten Witze, der dabei herrſcht, 
will ich meinen Leſern nur Ein Proͤbchen vorle— 
gen, Seite 35, heihßt es 


-„Obo! wenn all (e) die Mafen zu nieſen anfine 


gen, die ich den Frauenzimmern in meinem Leben 
gedreht habe; man wuͤrde den ganzen Tag nichts 
als: Contentement! hören. “ — hn. 
Auguft v. Kotzebue, der Fllichrling nach Paris, 2 Thl. 
Eine hoͤchſt elende Buchmacher-Spekulation. 
Am beften iſt es freilich, dergleichen Zeug ganz uns 


und 


uthbige 


den 3. July. 


t 3 
— — — 
bemerkt zu laſſen: da das Ding aber gleichwohl Leu: 
ten in die Hände fallen koͤnnte, die manches daraus 
glaubten, fo iſt es micht Überfläffig zu bemerken, daß 
es vom Anfang bis zum Ende nichts als ein ſchlecht 
erfennener, und eben fo fhlecht gefchriebener Roman 
ift. Don allen den Verhältniffen ind Begebenhei— 
ten, die hier von Kotzebue erzählt werden, ift Fein 
Wort wahr: das ganze Buch ift Eine Lüge, ausge: 
nommen die Nachrichten, die aus Reichardts Bries 
fen und aus dem Freimäthigen zjufammengeftoppeit 


find, 
G. M. 
Wen ber 
Urania, ein lyriſch-didaktiſches 


Gedicht von Tiedge; 


wird, zur Ehre des Deurfhen Geſchmacks, ſchon 
eine dritte Auflage bereitet, in welcher das treffliche 
Gedicht noch gereifter und ſchoͤner erfcheinen wird, 
als in der weiten. Der Berfaffer, ein wahrer Künft: 
ler, dem es Ernft um feine und feiner Werfe Mol 
lendung ift, führt fort die Feile mit eben fo viel Eis 
fer als geſchmackvoller Einficht zu brauchen, Er hat 
das Süd gehalt — und er verdient es, — daß die 
Isrifchen Epifoden feines Lchrgedichts einen Compo— 
niften fanden, der mit wahrer Genialitaͤt ihren dich⸗ 
teriſchen Schwung zu fühlen, und ihm glüdlich nach⸗ 
zueifern vermochte. Ich darf Fein weiteres Lob hin: 
zufügen, wenn ich fage, daß es Himmel iſt, der fein 


. glänzendes Talent diefer Arbeit witmete, In kurzem 


— 6 ii 


erſcheint diefe mufifalifche Gallerie. Sch bin foglüde Dichtung zu geben. Eie enthält andre freundlichere, 
lich, den Lefern durch die folgende Kompofition eines leichtere Compofitionen, aber ich wählte diefe ernfte, 
Meibgefanges, mit welchem Tiedge feine dritte Auf weil auch das Gedicht neu iſt. 

lage beginnt, zugleich eine Probe von Hinimels Tons Der Rei, 


Die Weihe 
Sinnig und bedeutend, 


comp. von Himmel. 


[os 


weih’ im Tha⸗le den tief» fen Hain, daß ſei,⸗ ne Befchattung mich 








Geheimnißvell ift dies Friedensreich 
Das flüfternde Lauben umgränen, 
De ift mir am blühenden Roſengeſtraͤuch 
Die Hore der Weihung erfchienen. 

Mein Geift war fern um ein theures Grab, 
Mertieft in unendliches Trauern? 
Da fam auf mich abnendes Leben herab 
Gleich wunderbar feligen Schauern. 

Und ſchoͤn, mie himmliſche Jungfraun ſchoͤn, 
Zur heiligen Botſchaſt erlefen, 
Entfchwebte dem Fichte vergeltender Höhn 
Ein reines, ätherifches Weſen. 

Hell floß um blondes Gelock der Kranz: 
So flrabits an unfterblichen Stirnen! — 
Doch daͤmmert' es ernft durch den leuchtenden Glanz: 
Es war das erhabenfie Zürnen. 

Wer bit du, ſchwebende Lichtgeftalt ? 
Entflobft du den bimmlifhen Reigen? — 
Da, wunderbar ſcholl's durch den fäufelnden Wald: 
Urania! fchol’s in den Zmeigen, 

Gebeutſt du zürnend Erhebung mir? 
O zürne, du Hohe, nicht länger! 
Schon naht fih in frommer Begeifterung bir 
Der einfame, traurende Enger! — 

Und fanfter floß um die Lichtgeftalt 
Die Ruhe der Göttergefilde; 
Und tröftend umfing mich die füße Gewalt, 
Die Kraft unausfprechlicher Milde, 

a, darum weih' ich den tiefen Hain, 
Daß feine Beſchattung mich Hülle, 
Zum ruhigen Heiligthum weih ich ihn ein, 
Zum Tempel der göttlihen Stille! 

Dort ſchwebt verherrlicht mein Geift hinauf 
Entfejfelt hinhber ins Freie, 
"Dort richt" ich den Altar Uraniens auf, 
Sm Hain der erhabenen Weide. 

Kein Frevier nahe dem Altar fich, 
Den heilige Schatten umfchleiern: 
Dort aber fol, hohe Vergdtterte, bich 
Mein fanftefter Harfenton feiern! 

Tiebge, 

















Miscellem 
Barnungdtrafel 


m Jahre 1798 erfchien bei Meißner in Leipzig : 
Bemerkungen und Gefühle auf einer 
Keife über den Harz. Mit einem (er 
bärmlihen) Titelkupfer (das den Eine 
gang In die Baumannshöhle vorftellen follte. ) 
247 ©. 0. 

Ein zweiter Titel zeigte zugleich an, daß es auch 
unter dem Schilde: " 

Neue Reifen in Deutfchland, zweiter 

Theil, 
verfauft werde. Der DBerfaffer hatte fig nicht ges 
nannt, fondern nur auf dem lekten Blatte ein H. 
unterzeichnet, allein es ift der Derleger ſelbſt. Der 
Werth diefes Schriftchens war fehr zweideutig. Das 
Gepräge der raſchen Bearbeitung, die Fluͤchtigkeit der 
Bemerkungen verrieth fih Überall. Hierzu ein durchs 
gehend's fichtbares Beftreben zu mißeln, eine Menge 
von Unrichtigkeiten, gänzlichen Feblgriffen und ein 
Voruͤbergehen an den bedeutendften Gegenfländen , 
genommen, machten, daß das Prohuft, gleich bem 
Ephemeron, ſich bald nach der Geburt wieder enk 
fernte, und- von Wenigen bemerft ben Ladenhüter 
ſchlaf ſchlummerte. 

Was gefchieht? 

Herr Meißner macht Bankerott, Herr Sommer 
in Leipzig fauft das Ding und ruft ibm nach fechs 
Jahren zu: „Erwache zu einem neuen Leben!” und 
es geſchah. — 

Die fo eben verwichene Öftermeffe war die Zeit 
feiner Wiedergeburt, feiner Auferftehung. Es trat, 
mit folgendem Titel verfehen, hervor: 

Fuß: Reife nah dem. Broden und 
über den Harz Ein Wegmeifer für 
diejenigen, welche den Harz bereifen, 
Mit einem Kupfer und einer Reife: 
karte nach dem Broden und Über den 
Harz Leipzig in der Sommerſchen 
Buchhandlung 1804 


Damit run Febermann die co Gr. welche es 
£often fol, fparen fann, und den Wechfelbalg nicht 
für eine neue Erweiterung der Yiteratur des Harzes 
hält, noch an ihm einen treuen Begleiter auf Harz: 
Wanderungen zu finden glaubt, fo warne ich davor; 
denn es find noch ganz die alten „Bemerfungen 
und Gefühle“ von 1798 her. Nur der Titelbos 
gen ift umgedruckt fo wie das legte Blatt, von mels 
em der Buchſtab H fo wie auch die Worte: „m 
September 1797." meggelaffen find, damit die 
Prellerei nicht fogleich in die Augen fallen möge. 
Das Kupfer ftellt wieder den Eingang in die Baus 
mannshöhle, aber eben nicht viel beffer gezeichnet, 
vor. Die neu binzugefommene Karte zeigt den Weg 
von Queerfurt bis auf den Broden und Goslar, 
Sie it ſchon 1799 berausgefommen, und ihr Titel 
verräth es, daß fie zu der Reife in ihrer erften Ge— 
ſtalt, beftimmt war, denn es fteht darauf: „Für die 
Vemerfungen auf einer Reife über den Harz 1799." 

Unter drei verſchiedenen Titeln wird alſo dieſes 
Machwerk verfauft. Geht es dennoch nicht ab, fo 
haben die Herrn Verleger das Yhrige gethan, und 
der Verfaſſer muß fich allein als Urfache anfehen, ©, 





Das Uniformerefen für die Civiliften wird im— 
mer allgemeiner. Auch im Bernburgifchen find juͤngſthin 
verfehiedene Uniformen für Diener angeordnet worden. 

Wenn diefe Neigung zum Uniformifiren fo fort 
fleigt, fo wird in zehn Jahren ein bürgerlich geflei: 
deter Civiliſt eine Seltenheit ſeyn. Die Uniformen 
werben gegen das Uebel, die Mode, das ſeyn, mas 
die Baccination wider die weniger gefährlichen 
Pocken find. 

In Göttingen vereinigen ſich jegt die Studiren⸗ 
den jur Tragung von Uniformen; dieſes verdient 
Unterflüßung; denn, mo iſt der Kieideraufrand 
größer und zugleich unnöthiger, als auf Univerfitäten, 


©. 
us Halle 


Die Anfteflung des Prof. Loder in Halle hat 
fen fo wehlthaͤtig zur Beförderung des Flers der 
medicinifchen Fakultät gewirkt, daß jeßt, feit drei 
Mierteljahren grade noch einmal fo viel Mediciner 
bier fludiren als vorher. Sichtbar iſt der Fleiß und 
das Studium reeller Wiffenfhaften allgemeiner und 
tebhafter geworden: es find unter der großen Zahl 
der bier Studirenden vorzüglich viel gebildete Juͤng⸗ 
linge, die mit binreichenden Borfenntniffen verfehn, 
Wahrheit von blendendem Schein fon zu unter: 
ſcheiden wiſſen. Naturphiloſophiſche Irrwiſche mer: 


ben zwar auch hier eine Zeitlang glänzen; aber, fo 
lange noch Männer von Gelehrfamfeit und gränbti: 
her Einficht auf junge Gemuͤther Einfluß Haben, 
dürfen wir nicht fürdten, daß unfere Sünglinge, 
durch jene Jenaiſche verleitet, den wahren Zweck ih: 
res afademifchen Studiums, ſich zu nüplichen Staats: 
bürgern zu bilden, verfennen werden, 
Mit befonderm Beifall werden diefen Sommer 
wirklich folgende Collegla gelefen: 
1) Die Chemie vom Profeffor Gilbert, 
2) Die Phyſik von eben demfelben, 
3) Die Anatomie und Phofiologie der Pflanzen, 
vom Profeſſor Sprengel 
4) Die Elemente und Kritit der Botanik und 
5) Die praftifchen Uebungen von eben demfelben, 
6) Die Phyſiologie vom Profeſſor Horkel. 
7) Die Pathologie vom Profeffor Neil. 
8) Die Materia Medica vom Prof. Sprengel. 
9) Die Therapie vom Profelfor Keil. 
10) Die Elinifhen Uebungen von demfelben. 
11) Die Chirurgie vom Profeffor Loder. 
12) Die Geburtshülfe vom Profeſſor Meckel. 
23) Ueber die Echukpoden lief't Dr. Senff und 
14) über die Gall'ſche Schaͤdellehre Prof. Meckel. 
Man fieht alfo, daß es an gar feinem nothwen⸗ 
digen Linterricht in irgend einer medicinifhen Difei- 
plin fehle,  * 
Anekdote. 


Der Abt Jerufalem, ein an Herjensgäte und 
Menfchenliebe reicher Mann, unterflüßte in Braun: 
ſchweig viele Arme. Unter dieſen befand fih auch 
eine alte Frau, melde in der drüdendften Armuth 
lebte, und daher von ihm jede Woche etwas Gewiſſes 
erhielt, das fie eine lange Zeit regelmäßig von ihm 
feibft abholte. Mit einemmale blieb fie aus, und de 
fie auch Miemanden zur Abholung der Almofen 
fchidte, fo glaubte Jeruſalem ſchon, daß fie geſtorben 
fey, als er ihr eines Tages auf der Straße begege 
nıte. Er, die Siebe felbft, redete fie freundlih an, 
und freute fih, — da fie ganz anders als zuvor und 
fehr reinlich und mohl gefieidet war, — daß es ihr, 
dem Aeußern nach, jetzt beifer zu gehen ſcheine als 
fonft. 

„J. ſaͤhn fe Ihr Hochwuͤrden — ermwicderte fie — 
it Heft do-An littefe B— — leken annelegt, und 
„bat fägent ufe Herre Gott. * . 

Man denfe fi den ehrwuͤrdigen Greis, ben 
Abt Aerufalem, bei bdiefer Antwort! Unwillig wen: 
dete er fich von der Kupplerin weg, und ließ fie ver 
wundert ſtehen. 








1804. Nro. 133. 
ARISTIDES, 
Der Sreimüthige 
Donnerſtag, — er —— den 5. July, 
Ernſt und S a z. 


Literariſche Nachrichten aus Breslau. 


Mir demfelben Grundfaß, womit ich Ahnen, mein 
ſchaͤtzbarſter Freund, letzthin literarifhe Nachrichten 
aus Breslau lieferte, gebe ich Ahnen die zweite Lieſe— 
rung, als Echluß für jeßo: — nehmlich, der Wahrs 
beit zum Opfer, 


Wieder nur von — Kleinigkeiten kann ih An: 
jeige machen, und numerire fie wieder; fie ſtehn 
fo in Parade recht gut da, wer weiß, ob fie wo 
beffer ſtehen. — Wichtige, große Werle kann ich 
nicht anzeigen; man liebt — modern — das Kleine 
auch hier. Doch vielleicht bringen unſere guten 
Kbpfe bald deſto reichlichere Gaben; die Hoffnung 
ſcheint mir wenigſtens in nicht gar zu weiter Ferne 
zu grünen, 

Slugblätter — fie entſtehen, vergehen, entſtehen 
mieder und vegetiren bier fo gut und bunt, mie 
überall, — follen den Anfang machen, denn feit Neu: 
jahr zählen wir fon wieder eine Anzahl neue, fo 
fehr find fie bier Mode; ob zum Nutz und From: 
men, ift feine Frage. Was geht das die Leute an, 
wenn’s Zeug nur da iſt, — wenn man's nur auch 
bat! — 

1) Eine Pandora, glänzt in gelben leichtem 
Moderöfchen aufs neu erwacht ; als Monatfchrift 
unter unfern Monatsfhriften und zwar pro 
wense Julii ers. Aber fie ift fhon im Mai 
erfohienen, um — zu erforfhen, ob fie wagen 





dörfe im Monat Julius — zu erifliren. Etwas 
politifcher Geiſt fcheint darin zu wehen; fie bat 
übrigens beim erften Eröffnen ihrer Buͤchſe fo 
wenig eigne Fülle gehabt, daß fie anderswo 
geborgte Eentenzen nehmen mußte, um fich 
forpulenter zu machen, bie ſchlechte Auswahl 
verurfachte aber dennoch Magerfeit und fie ver: 
fpricht fo wenig, daß fie gar noch vor ihrem 
Geburtstag — den 1. Julius, — fterben 
dürfte; — ein fonderbares Schickſal! — 

2) Der Beobachter an ber Oder, MWochen: 
ſchrift. Ohne alle Beobachtung an der Ober. 
Der Titel zum Anhalt hätte auch: „Für Alle 
und Keinen, oder Quodlibet” beißen fünnen, 
fo unbeftimmt ift dieſer. Alte, abgedrofchene, ge: 
meine, in taufend Journalen verbrauchte Säch: 
lein, die Feine Seele, wofern fie denkt, weder 
an der Oder, noh an der — Kaibach in 
Schleſien, noch am Mäufebach in Schwaben, 

noch am — Rhein intereffiren fünnen. — 
Der Zweck diefer und mehrerer ähnlicher Blätter 
allhier, fheint zu fein, um das Süd des Erjäb: 
lers, berfich in Rhode’c Händen wieder aufnimt, 
zu bublen, oder die jämmerlichen Erbolungen 
Scalls zu verdrängen: erfleres iſt Gottlob nicht 
zu realifiren, mit fo ſchwachen Buhlerfräften, und 
legteres, fo lobenswerth es ift, um fo unmöglicher, 
als fo ſchwaͤchliche Federn nicht im Stande find, Gemeins 
heiten, die in Bierfneipen Fuß faßten, zu verdrängen, 
3) Das zweite Baͤndchen der erbärmlichen Lügen 


10 


wie gedruckt, das abermals Verleger, Praͤ⸗ 
numeranten und Leſer fand. Dieſe Luͤgen ſind 
fe elend, daß man die Wundergeſchichten, welche 
Trödler verfaufen, noch eher, im Vergleich mit 
ihnen, loben koͤnnte. 

4) Die Aehrenleſe, eine Monatfchrift, bie 
Quinteffenz, eine Wochenſchrift, leben auch 
noch, und feken ruͤſtig fort und — ſcheinen ſich 
zu beſſern. Es gelte denn, muß es feyn, anbdrer 
Arbeit andern anders wohlfeilen Preifes aufjus 
tifhen: — Gluͤck mit ihnen! Sie verbreiten doch 
manche belle Begriffe und Lehren und Kath: 
ſchlaͤge, und — Käufer giebt's. Schlimm iſt 
es, daß mancher gute Aufſatz, der, z. B. aus 
dem Freimuͤthigen geborgt und alfo in Berlin 
die Cenſur pajfirt war, bier entweder die Een: 
fur nicht paffirt oder von ihr verſtuͤmmelt wird: 
eine fonderbare Sache, da die hieſige Cenſur 
doch diefelbe Inſtruktion bat, wie die Berliner, 
und unter demfelben Geſetze ſteht. Der Herauss 
geber der Aehrenleſe ıc. bat in fo fern einen 
flimmen Stand, — und verdient deshalb 
wohl Nachſicht. — 
Patriotiſches Taſchenbuch, von Kapf. 
Gut gemeint, nicht gut gerathen. — Trockne 
Sentenzen, ohne neuen Schwung in der Pro— 
greſſion der Gedanken, langweilen, und tau— 
gen Überhaupt für Bürger im allgemeinen nicht, 
finden bei ihnen feinen Eingang, und find, da 
fie doch diefe Beſtimmung haben, verfehlte, ver 
lorene Arbeit! — 

6) Guido Fioni oder der Kirchhof zu Avila von 
Luife €, Apun. Ein Roman, der Miß Anne 
Radeliff nachgeftümpert, obme Haltung, ohne 
Auszjeihnung — ein Sefchreibfel, behaglich ge 
ſchmackloſen Sefern, die — Kartoffeln und Ge 
muͤſe feil haben, oder außer ſchoͤnen Kleidern 
nichts Intereſſantes fennen. 

7) Berftreute Blätter für Damen. Ein 
liebes Büchlein, werth, auf jeder Toilette zu 
prangen, als lieblide Blume, aus dem dichten 
Kaufen Unfraut, nett und rein hervorgefproffen: 
möge fie blühen für viele Leſer! 

8) Nebenfhüffeln, vem Derf. von „Luife, ein 
Weib, wie ih es wuͤnſche.“ Mebenfhäffeln im 
wahren Einne, voll faftlofen Obftes aus dem 
Treibhaufe der Vielſchreiberei, halb fahl, Halb 
ſchaal, halb gewürzt und halb bitter, — nichts 
Reelles. 

9) Gemaͤlde und Zeichnungen aus der 
wirklichen Welt, d.h. aus der Welt, die eis 
nem Auter im Kopfe — verbrannte. Machwerfe, 


— 


5 


dergleichen man Überall haben und nirgend ge 
niegen kann: — Bakwerk von alter Butter, 
Überzudert mit jufammen :gefcheuerten Zuder: 
ſtaub, inwendig fpröb’ und mager. 

Und nun genug. „Lauter Kleinigkeiten!” Aber 
eben deswegen gerägt, Freund; denn ich meine, das 
Große, Gute befteht und ach: und lebt und webt und 
fomme fort für und durch ſich felbft, und damit es 
das deſto beifer könne, fo müßen wir das Schlechte 
und Mittelmaͤßige und Kleinliche, recht laut und 
oft rügen. 


.»u 0 
Gleim und feine Freunde. 


(Fragment eines Abſchnittes in „Bleims 
geben," von Wilhelm Körte.) 


(Schluß.) 


Wer mag nun über Einen von beiden abfprechen, 
und genau die Reihen von Mißverftändniffen, und 
die gegenfeitige Schuld richtig wägen? — Bei 
Ramler blide offenbar in dem ganzen Briefwechfel 
ber lektern Zeit vor dem Zwifte, die Laft der Dank: 
barkeit hervor, die öfter mehr ertragen zu haben 
glaubte, als der Freundſchaft würdig und gedeihlich 
ſey; der zu oft wegen Kälte und abnehmenden Uns 
tfiufiasmus getadelte und genedte Dichter, wollte 
endlich, bei der eingetretenen Gelegenheit, ein gleis 
cheres Verhältniß fordern, und einrichten, und mag 


freilich nicht die dem Freunde angemeifenfte Art 


dabei beobachtet haben. Das ſei Namiers Unrecht ! 

Gleim hingegen betrieb offenbar den Streit zu 
lebhaft, und bearbeitete ihn im eigentlichften Mer: 
ftande, zu feinem Vortheil. Gleim fuchte, feinem 
Charakter gemäß, die alte Liebe allenthalben, durch 
den neuen Streit zu Überwältigen, und den Freund 
von feiner Schuld zu Überjeugen, aller Welt fein 
Leiden deutlich zu machen, und fein Herz zu retten; 
Ramler hingegen fuchte den neuen Zwiſt durch die 
alte Liebe zu befiegen. So gingen beide auf ver 
fhiedenen Wegen immer weiter auseinander, Gleim 
fühtte ſich zu hart verfucht, und zu ſchmerzlich ver: 
mwundet; Ramler fühlte fi zu oft zurüdgefegt, und 
in dem freien ‚Leben der Freuntfhaft zu fehr die 
£aft der Dankbarkeit, welche Gleimen ein läftiges 
Uebergewicht gegen Ramler zu geben fchien; und fo 
legte Ramler wohl mandpes von Gleim eben fo kuͤnſt⸗ 
lich und unguͤnſtig aus, als es aus andern Gruͤnden, 
Gleim gegen Ramler that. So verfolgte fie beide 
der Argwohn und Mißmuth eines unbehaglichen 
DVerhältniffes in den gegenfeitigen Anſpruͤchen. In 
ihren edein Gemuͤthern felbft lag die feindjeelige Nah⸗ 
rung der Zorn: Flamme. Jeder glaubte ſich feines 


fo lange geuͤbten Edelmuths unerachtet, von dem 
andern verfannt, und beide mißverflanden ſich grade 
in dem, was beide hätte ungertrennlich vereinen fols 
len. Jeder glaubte grade das Beſte in ſich verfannt 
und verſchmaͤht! 

Daß nur Wenige fähig waren, Gleim's Eraftvol: 
lem Gemäthe zu genügen, und es in allen feinen 
Höhen und Tiefen recht zu würdigen, üft fein Wun— 
der. Diele der Freunde wurden in feinem Umgange 
ſchlaff und träge. Sle genoffen ohne weiteres die 
ewigsrege Liebe des edlen Mannes, und begnügten 
fih, den Egoismus des eifernden Freundes gedul: 
dig zu ertragen, und ben heiligen Ernft feiner Liebe 
und Freundſchaft mit gelegentlichen fentimentalifhen 
Scheczen zu erwiedern. Manchem muß das Andenken 
der roftlofen Sorgfalt diefes Freundes, die den Tod 
der freunde, uud feinen eigenen Üüberdauerte, eine glü: 
hende Kohle auf dem trägen Herzen ſeyn, wenn «6 
im Ctande ift, Gleims Liebe und feine eigene Paf 
fivität gegeneinander zu würdigen. — Faft mit allen 
feinen Freunden erlebte Gleim eine traurige ‘Periode, 
jenfeit welcher ibm nice alle treu zu bleiben vers 
mochten. Nur das zärtliche Gemürh, wie Kleiſt's, 
das gern in dem freunde das Lebergewicht fah und 
ehrte, das ſich gern von dem kraſtvollen Herzen bes 
hertſchen ließ, und feine Geſetze mit Findlicher Cuts 
mütbigkeit annahm, mochte ganz die Sehnſucht die: 
fes Mannes erfüllen, der in feinem feurigen Ebel- 
mutbe, feinen Frennden alles ſeyn mollte, und mit 
weiblicher Habfucht und Eiferfucht über fie machen 
konnte, = 
Die edle Geftalt mit den freundlich = heftigen 
Mienen fteht vor mir, uud ich fegne das Andenfen 
des Mannes, deifen heiße Menfchenliebe keine Ören: 
jen kannte, obgleich er taufendmal fich getäufcht (ab; 
der mit dem narben : bededten Herzen der Freund— 
ſchaft bis an fein Ende getreu blieb, obgleich er in der 
iehten Hälfte feines Lebens fagen fonnte: „Das ift 
mein Schidfal, daß ih von Freunden ges 
foltert werde in dbiefem Leben; die andern 
Menfhen thaten mir nichts!“ — deifen liebes 
volle Sorgfalt für die Freunde, ihnfelbft überlebt, obs 
gleich er ſich oft die furchtbare, aber in feinem fe: 
ben vielfinnige, Grabſchrift beftimmt hatte: „die 
Freundſchaft hat ihn umgebradt!” *) 

Daß fein brennender Durft, Freunden ein Freund 
zu feyn, und Verdienſt zuerft mit edlem Stolze 





*) Der geehrte Hr. Einfender mag mir vergeihen, dat mir bas 
bei Sonteneliens Nusivrud über dem Cafe, beifätt: C’est un 
poisou, certes, maıs bien lent, J’ren prens depuis 
quatre = vingt ans. — Gleim farb im vier und acsiaften 
Jahre, De Ro, 


11 


zu erkennen, bis an fein Ende ihm den jugendli— 
hen Enthufiasmus für feine Freunde wach, und le— 
bendig erhielt, beweifen unter andern auch die beis 
den Denfinäler, die er Klopftof und dem Anden: 
fen der Karſchin, in dem legten Jahre feines Lebens, 
weihte. Der Quelle bei Halberftadt, an welcher er 
mit Klopſtock die Waſſerſchlacht lieferte, baute er eine 
marmerne Pforte mit der goldenen Weberfchrift: 
„Klopſtock hat aus diefer Quelle getrunken.” *) — 
Der Kubeflätte der Karfhin mweihte'er einen Mars 
mor mit ihrem Namen, und den mahnenden Wor— 
ten: „Wandrer fennft du fie nicht, fo geh und lerne 
fie kennen.” — 

Der Denfmale, die er feiner treuen Liebe in 
den Herzen edler Menfchen, Unglädlicher und Leis 
dender, feßte, find unzählige, Wie Edelgefteine ha: 
ben wir fie bisher in dem Leben biefes herrlichen 
Mannes fhimmern fehn! 

Sein nachgelaffener Briefwechfrl enthält eine 
lange Reihe von danfbaren Empfangfeinen, und 
Ausbrüchen der freude und der Kührung über 
bereitete Freude, Über erhaltene Hälfe und geleiflete 
Rettung. 

Diefe Stelle in Gleims Leben möchte ih als 
die heiligfte weihen, denn bier fäufeln feinem Andens 
Een-taufend Segnungen nad. Hier tönen die ſchoͤn⸗ 
ften Meledieen des Dichters, die heiligjten Freuden 
des Menfchen, womit er je den Tempel feiner Liebe 
erfüllte. Ich weihe diefen Abfchnitt zu einer Hieros 
glyphe, in welcher jeglichen Freundes Herz die ganze 
Fülle feiner Liebe zu Gleim, und feiner lautejten 
Regungen für ihn, leife angedeutet finden mag! 


Berichtigung 
einer Donquixotiade. 


Kuarzich bat jemand, dem wahrſcheinlich der literä« 
rifhe Flaum um das Kinn zu fprießen beginnt, auf 
den Greifen der Eleganz einen ambfanten Ritterzug, 
doch ohne Lanzenfpige, gemacht, um die Ehre der Mas 
dame Brentano zu retten, deren „Spaniſche 
und Ftalienifhe Novellen“ ih in Mir. 118. 
des Freimäthigen zwar fireng, aber mit warmer Ge: 
rechtigkeitsliebe, beurtheilt habe, Der arme Denqui— 
xote bat in der Eil eine Menge Dinge hingeſchwatzt, 
die gerade für mein Urtheil beweifen, und ic muß 
Madame Brentano aufrichtig bevauern, daß ſich 
ein ſolcher Kitter von der traurigen Geſtalt — fülfi- 
fant genug! — zu ihrem Vertheidiger aufgeworfen 


Ich table die Perioden der Madame Bren: 
") 6, Klopgets Ode; der Wein und das Mader, 





tano wegen ihrer ungebüßrlichen Länge; ihr Ritter 
kann das Gegentheil nicht bemweifen, und entfehuldigt 
biefe langen Perioden damit, dab er fügt: fie befän: 
den ſich in den Spaniſchen Originalen auch. Alſo 
weil fih im Original etwas, wenigftens im Deutfchen 
Schlechtes und Verwerfliches, vorfindet, fo muß das 
auf die Ueberſetzung mit diplomatifher Genauigkeit 
übertragen werden? Wie abfurd! Jh finde in den 
Verſen, die ich in meiner Mecenfion augzeichnete, 
und von derengleichen das Buch wimmelt, Unfinn: — 
der Defenfor kann das freilich nicht Iäugnen, aber er 
dructt es glimpflicher aus als ich, indem er fagt: 
jene Verſe wären nicht Klar und deutlich genug üter: 
fegt! Alfo giebt er mir abermals Recht, und er will 
Madame Brentano vertheidigen? Er? vertheis 
digen? Ei! eil Wie der Kitter der unglädlichen 
Dichterin in die Wolfen haut, die jeder Schlag trift, 
der auf mich gemünzt mar! Ueberhaupt fcheint der 
Mertheidiger der Madame Brentano das Ganze 
mit fehielenden Bliden anzufehen, weshalb denn 
auch Alles fo fchief herausgefommen if, Wie ge: 
fagt! ich bedaure Madame Brentano aufrichtig, 
daß ein foldhes Männlein ihre Farbe an fid reißen 
mußte! Hätte ihr Ritter doch nur lieber geſchwiegen, 
und nah dem Eprüchlein gehandelt: Was Dei: 
nes Amts nicht ift, da laffe Deinen Bor: 
wis; dann würde er fi und feine fonft fehr liebens— 
wuͤrdige Clientin nicht in ein fo laͤcherliches Licht 
geftellt haben. — 


Theater-Nachricht. 
Leipzig den 28. Juny, 1804. 


Imand iſt waͤhrend feines hieſigen Aufenthalts fie 
benmal aufgetreten; zuerſt in der Rolle des Ans 
tonius in Kotzebue's Octavia, dann als Hofrath 
Reinhold in den Hageſtolzen, ferner als Abbe de 
Verde im Taubftummen, als Obriftlieutenant_(?) von 
Nalberg in Elife von Valberg, als Yorenz Stark in 
der Deurfchen Familie, als Herr von Yangfalm im 
ORirrwarr, und endlich, — als Wallenſtein. Eein 
Sriumpb waren auf jeden fall die Rollen des Yo 
ren; Stark und des Abbe te l’Epee. Als Antonius 
und Wallenſtein bat er nicht fo fehr gefallen, wie 
in den übrigen Rollen, weil mande glaubten, daß 
fein Aeuferes Helvenrollen nicht zufage. Als Hof: 
varh Reinhold hat er fi aber einen deſto größern 
Kreis von Verehrern erworben; Schade nur, daß er 
in den beiden letzten Akten fo oft durch Unruhen un: 
terbrochen wurde. Das biefige Parterre nimmt wirf: 
lich zu wenig Rüdficht auf Die fpielenden Perſonen. 
Iffland ſchien es durch Achfeljuden auf der Buͤhne 
feibjt deutlich genug zu verſtehen zu geben, daß er 
fi) über das emige Yärmen und Kuberufen ärgere, 
Eobald aber der Vorhang im Iekten At gefals 
len war, — rief man den großen Künftlers heraus, 
wodurch fid unfer Publifum — — — Iffland 


12 — 


erfehien, wahrſcheinlich des Friedens wegen, danfte 
für den Antheil, den man an feiner Perfon naͤhme, 
und — trat wieder ab. Diefes Herausrufen hätte 
nicht Statt finden follen, da es im biefigen Theater 
etmas Alltägliches iſt. Wen ruft man bier nicht ber: 
aus! Mein Plan war eigentlich, noch etwas über 
Ifflands Epiel zu fagen; da dies aber zu viel Platz 
‚einnehmen märde, und in Kuriem eim Büd: 
Iyein erſcheint, in weldem Dies, ausführlicher 
abgehandelt wird: fo kann ich es fuͤglich eriparen. 
Herr Doftor G. W. Beder hat nehmlich eine Reihe 
von Briefen über Ifflands Spiel in Leipzig gefchrie: 
ben, und diefe werden in wenig Tagen ans Licht 
treten. Herr Beder bat bie Güte gebabt, mir die 
fünf erften Aushaͤngebogen zur Anfıcht zuzuſchicken, 
und ich habe fie mit wahrem Genuffe gelefen. Ach 
taube diefe Briefe eines fehr verftändigen Schrift— 
Acllers, Ahnen und den Leſern unfers Freimuͤthigen, 
die gern etwas Meiteres über Iſſland hören wollen, 
Am Voraus empfehlen zu fönnen. Befonders der zweite 
Brief enthält fehr viel Intereffantes über den Cha: 
rafter des Antonius, — bn. 


"Bemerkung, zu ber hierbei ausgegebe. 
nen Kupfertafel. 


Die fhöne Gartenfunft hat feit act bis zehn 
Jahren in Deuticland große Fortſchritte gemacht, 
Das een: Magazin von Profefor Grohmann, 
welches noch vor jener Periode und während derfels 
ben herausfam, bat gewiß zur Bildung und Lau: 
terung des Geſchmacks nicht wenig beigetragen. Beil 
- biefes been » Magazin für viele zu foftbar ward, 
und viele Ideen darin einen weiten Umfang jur Aus— 
führung erfordern, fo befolgte der Verleger die Wün: 
fhen derer, welche Jdeen, die mit leichtern Koften 
angefchaft und bdargejtellt werden fönnten, verlang« 
ten. Das „Fleine Fdeen:Magazin" erfdien 
und enthält in fechs Folio Heften, mehr als dreihun⸗ 
dert Ideen zu Öarten: und Luſthaͤuſern, Pavillons, 
Bruͤden, Gartenftühlen, Eigen, Portalen, VWonus 
menten, Pracprfegeln, Dolieren, Bienenbäufern, Hüt: 
ten, Einftedeleien, Tempeln und dergleichen. *) Alle 
diefe Darftellungen find nur für diefes Magazin bes 
fonders ausgezeichnet, Fommen in dem größern been: 
Magazin alfo nicht vor, und Fünnen ohne großen 
KRoftenaufwand, durch Tiſchler und Zimmerleute, auf 
befchränften Plaͤtzen und in kleinen Gärten errichtet 
werden. Keiner wird dieſes Magazin, ohne fein De: 
därfniß befriedigt zu fehen, aus der Sand legen, 
Diefes Magazin, woraus wir bier ein Biatt vorle: 
en, ift in der Baumgärtnerifhen Buchhandlung in 
Leipzig berauszefommen und bafelbit, und in allen 
guten Buchhandlungen, für 12 Thlr. oder in Heften 

zu 2 Thlr. zu haben. F. 
Anmert. In den fruͤhern literariſchen Nachrichten aus 
Breslau im —— — find einige ſchlimme 


Drutfebler. 
Seite 362 Zeile drei von unten In der erfien Epalte 


muß „Zwitter,” ſtatt „sweiten,.’” und dareibrt 
Zeile 14 von unten, Gpalte eind „von W.“ ſtatt 
„von 9. * — a. — 


— — — 
+, gnie Tert im Framoſiſcher und Deutſcher Spracht. 


1804. 








Nro, 134. 
‚ARISTIDES, 
Der Sreimütbhbige 
—n oder — den 6. July. 


Freitag, 


Ernſt un 


d Sherry, 





Literatur. 


Die Ruinen von Locaſtro. In zwei Theilen, 
Braunſchweig, bei Fr. Vieweg, 1804. 


&, langweiliges Produkt, beffen Handlung der 
Derfaffer nach Italien verfegt zu haben glaubt, dem 
man es aber beim erften Blicke anſieht, daß jener 
Italien nie gefehen babe, Zwar ſucht er durch die 
detaillirteften Schilderungen uns von feiner Kenntniß 
Italleniſcher Gegenden, Eitten und Charaftere zu 
überzeugen: allein um fo mehr fühlt man das Leere 
und Gehaltlofe des Ganzen. Der Berfafler mag 
etroa die Heliodora und Erminia gelefen haben ; und 
fo entffand wahrſcheinlich diefe verunglüdte Machbil: 
dung, welche alle Fehler der gewöhnlichen Machah— 
mungen reichlich hat. 
Einen Begriff von der Darftellungegabe des 
Derfaffers, giebe ſchon die erfte Eeite, wo es heißt: 
„Die Liebe hatte wohl eigentlih dieſe Berbins 
„dung geichloffen; aber Ehrgeiz und Verſchwendung 
„auf der einen Seite, fo wie auf der andern Weber: 
„gung, Eiferfucht und getäufchte Hoffnungen, bat: 
„ten die zarte Pflanze gar bald ze:fnidt, und unter 
„Ähren welfenden Blättern entſproß Gleichguͤltigkeit 
„und gegenfeltiger Ueberdruß in unglädticher Uep— 
„Ppigfeit. 
? gie kann ber DVerfaffer das Liebe nennen, was 
nad Geite 147 nur blinde, zuͤgelloſe Leidenfchaft 
und Laune war? Wie kann Ueberlegung die zarte 


x Pflanze der Liebe jerfniden? Unb = uͤppig bervorfprof: 


fende Gleichgältigfeit? Das wäre ja ein Bild, foft 
wie jener hyperaͤſthetiſche Dichterling in ekftatifcher: 
„Begeifterung es malte; 
„Gechmeliner Serien frierembes Licht 
„Raufchte ill von dem Olhmp heran !ı'r 

Wann werten doch unfre Romanenfchreiber ein: 
fehen lernen, daß zu einer treffenden Schilderung 
menfchlicher Charaftere, Leidenfchaften und Sands 
lungsweifen, mehr gehöre, [als verworrene Bilder von 
Bildern! 

Den Tharafteren fehle es durchgängig an Ener 
gie und Wahrheit; man erblidt lauter mweichliche und 
weinerliche, oder füßliche Seflalten; und wo man ein 
Fräftiges Mibderftreben gegen fremde Gewalt erwar: 
tet hatte, da machen die Helden des Stuͤcks ihren 
Gegnern fo leichtes Epiel, dag man ſich ärgern 
oder — gähnen möchte, 

Aus jeder Eeite faft, geht es hervor, da der 
DVerfaffer von der Kunft des Dialogs auch nicht den 
entfernteften Begriff habe; überdies ermuͤdet er den 
Lefer unaufhörlih durch laͤſtige Wiederholungen. 
Auch mwimmelt das Buch von Eprachfehlern aller 
Art. Ich führe nur einige davon an, 

Mehrmals heißt eu: „er, oder fie nahm den 
Tuch vor die Augen;“ — „Franjesco wiederholte 
den Geſuchz“ “ Schluchſen, ſchluchſtez“ „du 
laͤßz“ — bald ſchreibt er „Greiheit,“ bald wiede 
„Freyheit“ ıc, 


Doch genug von einem Büchlein, das man nur 
befen kann, um dabei einzufchlafen, oder es ſchnell 


ju vergeffen. 
— rd. — 


Anſichten aus dem Norden. 


Mir ein Eleines Meteor unter großen glänzenden 
£ufterfcheinungen, verfhmwindet das freundliche Kiel 
jwar unter den übrigen Staͤdten, aber es verdient 
dennoch vielleicht die Ehre, dab Lie diefer Skizze 
einen lab in Ihrem Blatte anweiſen. Voraus— 
ſchicken will ih nur das, dab es ehemals, wie be 
Eannt, unter Ruſſiſcher Bothmaͤßigkeit Fand, und ihm 
durch die Begünftigung der großen Ca:harina, manche 
bedeutende Vortheile zugewandt wurden. Daber mag 
es fommen, daß beinahe der fünfte Theil der Eine 
wohner echt Ruſſiſch denft, und aus biejen Geſin— 
nungen fo wenig ein Hehl macht, daß er fi laut 
nach dem Ruſſiſchen Ecepter zuruͤckſehnet. 


DieEnpvirons, 


find reigender, wie bei den gepriefenften Staͤdten 
Deutfchlands; — in der That, Kiel bat eine wahr: 
haft romantifche Lage, Der Zugang ift zwar von 
allen Seiten durch abmechfelnd hohe und niedrige 
Hügel verſchanzt, aber taufendfah mwird man für 


14 


Die Stadt 


felbſt, iſt gothiſch gebaut, und fängt erſt ſeit menis 
gen Jahren an, ſich zu verbeſſern. Haͤufige Privat⸗ 
Anlagen tragen viel zur Verſchoͤnerung bei: fo bat, 
was Ihnen unglaublich fcheinen wird, ein einziger 
Mann in vier Jahren zwei und zwanzig Käufer — 
wie wohl auf Spekulation, — gebauet, und ju bauen 
angefangen. Die öffentlichen Gebäude find im ans 
tifen, oft auch, wie j. B. das ehemalige Grofrürt: 
liche Schloß, in einem geſchmackloſen Stil aufgerührt. 
Der dabei befindliche Garten, der den Einwohnern 
der Stadt offen fleht, hat einen ungeheuern flächen: 
inhalt, und befigt, obgleich jährlich bedeutende Zum: 
mien, zu feiner Unterhaltung verwandt werden, den: 
noch nichts Reizendes. Jeden und Zaͤune von Bux— 
baum und Crataegus Uxyacantla ift alles, was 
man ſieht, — nicht eine einzige intereſſante Partie 
giebt es darin. Echböner ift die nahe dabei gelegene 
fo genannte Waſſer-Allee, die mit den Linden in 
Berun einige Aehnlichteit hat. Paſſender würde mir 
die Benennung Pantoffelboͤrſe ſcheinen, denn zu je: 
der Erunde des Tages ſieht man hier Frauenzimnier 
und mallende Schleier. Die Ordnung, Die in der 
Stadt herrſcht, iſt muflerhaft, und die Polizei. hält 
in Hinſicht der Wachſamkeit, Exactituͤde und & dylaus 


beit, die Vergleichung mit der Pariſer aus, fo mie 


die ausgeflandenen Muͤhſeeligkeiten der Reife entichäs " 


digt, wenn man die Thuͤrme der Stadt zuerſt erblidt, 

die fich friedlich in dem einfamen, fait beftändig: mit 
Rauch umfloffenem Thale erheben, Die Hölzungen 
und die Fülle der Dörfer, die in einem ziemlich weis 
ten Umkreiſe umber zerfireut liegen, machen vereint 
mie dem fehiffeeichen Hafen die Yage der Stadt ſehr 
intereffant. Beſonders reizend ift der Wald zu Tiüs 
flernbrof, in deffen Mitte ehemals der berühmte 
Hirſchfeld feinen Vlufentempel aufgefhlagen hatte, 
der jegt von Moldenhawer bewohnt wird. Kaum 
fünfzig Exhritte ſeitwaͤrts waͤlzt ſich die Oftfee, jen: 
feits welcher die Dörfer Ellerbet und Meumühten, 
die ganz in der Berne erfcheinen, fih angenehm grups 
piren. Noch weiterhin ficht mar Holtenau, wo die 
Schiffe durch den Kanal paffiren, und ganz weit 
hinaus, wo die Wellen des Meeres ſchon in einem 
biäulichen Dunft zerfliefen, dämmert dem fchärferen 
Auge die Citadelle Friedrichs + Orte. Ich bin Über 
zeugt, daß ein junger Dichter hier die beſte Gelegen⸗ 
heit hat, ſich zu prüfen: denn wenn ihm bier beim: 
Anbli der Vereinigung aller möglichen NMaturfchönhei: 
ten die goldne Dichterader nicht fpringt, fo wird er 
beffer thun, ſobald er fich von dem göttlichen Wahn: 
finn infpirire bite, mach Antichra zu fleuern, als 
Nerfe zu fchmieden, 


der Polizeimeifter den Kuhn eines zweiten Zartines 
bat, und für div Moralitaͤt der Einwohner ſpricht ſchon 
das, daß jeit fünf und zwanzig Fahren Fein Kriminal: 
fall eriffirt har. Man herr wohl bieweilen davon, daß 
Maͤnner mit ıhren Frauen — nicht geizen, allein es 
wäre unbiliig, darans allgemeine Schluͤſſe zu ziehen, 


Die Univerfität 


bat berühmte Männer und muſterhafte Inſtitute aufe 
jumeijen, aber nichts deflo weniger wird fie bald die 
Eelige heißen, wenn fie nech fuͤnf Jahre fo raſch 
abnimmt, wie bisher. Bor jehn Jahren waren bier 
dreihundert Etudirende, jet nimmt man — nach 
der allzemieinen Sage, — 96 Lis 100 an. Der bes 
ruͤhmte Weber hat mit unendlichen Fleiße, und jetzt 
unter Beibälfe feines fo gelehrten als liebenswürdis: 
gen Sohnes, der fihen im funfjcehnten Jahre den 
Doktorhut erhieit, einen botaniſchen arten anges 
legt, der viel verfpricht, und zum Theil ſchon viel 
leiftet. Auch ein kliniſches Inftitur iſt von dieſem 
verdienftvollen Mann angelegt, — nur Schade, daß 
die Fakultät, für die man am meiften thut, — ıben 
fo viel Studirende als Profeſſoren zähit! Die Mu: 
fenjohne find im Ganzen geſitiete Wiänner, der Pen⸗ 
nalismus und aͤhnniche Ueberreſte alter Rehheit find 
verbannt, aber dennoch wuͤrde ich meinen Sohn 


15 


nicht auf Diefe Univerfität ſchicken, umd wenn er ums 


fonft da leben koͤnnte. «in ſogenanntes Ehrengericht 
foll Duelle verbüten, fie wuͤrden aber bei den fried: 
liebenden Gefinnungen der meiften ohnehin wohl 
wegfallen. Zwiſchen den Reichen und Armen, fo 
mie zwiſchen den Adlichen und Buͤrgerlichen, ift eine 
ſcharfe Grenzlinie geiogen, die viel Unheil verurfa: 
chen ſoll. Uebrigens möjfen fie ſich Dinge gefallen 
laffen, die auf den andern Afademieen ſchwerlich ges 
duldet würden. Sie murren und braviren auch wohl 
mitunter, — aber was ift Muth ohne Kraft? Ein 
Kind, das Soldaten fpielt, — fagt Stepanew. 

As Echrififteller bekannte Maͤnner, lebenaußer 
Reinhold, Hegewiſch und Echrader bier fehr wenige. 
Ein verfchollner Dicterling, Namens Bielefeld, der 
fih durch fogenannte lyriſche Gedichte und Helden: 
gefänge, die er herausgegeben hat, fo binlänglich cha: 
rofterifirt bat, daß es micht indiskret ift, ihn bier 
zu nennen, ein Pſeudo-Reimer Julius Erendro, der 
Aehalichkeit mit dem Magiſter Laufhardt bat, find 
die einzigen Autoren unter dem Dache, die man bier 

kennt. Lächerlich iſt es, mie der letzte in feinem 
Hournal, das er auf Subſtription druden läßt, und 
das nur von den Holſteinſchen Bauern gelefen wird, 
mit den beruͤhmteſten Schriftſtellern anbindet, die feine 
Invectiven nicht einmal vor Hugen befonimen, Noch 
neulih war ein bämifcher Auffab gegen des Herrn 
von Ketzebue merkwuͤrdigſtes Lebensjahr darin, der 
ihn wuͤrdig macht, fich mit dem Hrn. Epazier zu aſſo⸗ 
cüren. 

Die öffentlichen Beluftigungs orte 

find fparfam, und bei der gemijchten Gefellichaft nicht 
immer angenehm, Obenan verdient Dorfgarten 


zu fliehen, das in Hinſicht der Lage, felbft den bes 


ruͤhmteſten Kainvillefchen Garten in Altena übertrifft. 
Eonit erhebt fib die Einrichtung felbft nicht über 
das Mittelmäßige. Die Ausſicht iſt aber einzig und 
bat mit der bei Neapel frappante Aebnlichkeit, denn 
grade wie dort, ſieht man hinter fih Wald, umd 
im Peripeftive Stadt und Hafen. Mach den Dör: 
fern Wiburg und Petersburg, wo ehemals die Große 
fürften im Sommer refidirten, und ihr Menage de 
Plaisir aufidlugen, — wallfahrtet man felten; — 
die Etudirenden ziehen, mie ich böre, das etwas 
soeiter gelegene Preeß vor, wo vie gefälligen Schö— 
nen viel zur Verihonerung des Ortes beitragen fol: 
len. In Döjierbrod ift unter der Direktion von fünf 
Profefforen eine Seebade: Anſtalt im Werke, die 
in SHinficht der Lage, die berühmte ju Travemünde 
übertrirft, — obgleich fie ſich fonft freilich nicht mie 
ihr meffen darf, denn etwas rillantes erwarte man 
ja nicht in Kiel! 


Das Theater: 


verdient faum eine Anzeige, fo Anter aller Kritik 
ift es. Don Innen und Außen gleicht das Schau⸗ 
ſpielhaus einer Dorfiheune. Im Parterre und Par: 
quer koͤnnen böchften 300 Menſchen Platz finden, 
und die fogenannten Logen find ven der Art, daß‘ 
ich wenigſtens, nie ohne ein heimliches Grauen den 
Hals zu brechen, in fie treten konnte, Die Cchles: 
wigſchen Hofſchauſpieler, die hier, indeß nur zu bes 
flimmten Zeiten im Jahre fpielen, tragen denn auch 
redlich dazu bei, daß das Ganze barıncnire, In der 
ganzen Geſellſchaft iſt nicht ein einziges Mitglied, 
das von hoͤherer Kunft etwas ahnt. Als fie fich 
an Echillers Marla Eruart wagten, duldete fogar 
das hieſige leicht zu befriedigende Publifum, das fein 
Entröegeid nicht gern um Stich läßt, nicht, daß es 
ausgefpielt wurde. Ein gemilfer Herr Stahl, dem 
feine wirklich fihone Figur behülflich iſt, und eine 
Madam KöHt erheben fich freilich in etwas über den 
Haufen, aber wern man einen Talma, Lais und Iff— 
land, eine Düchesnois, Weymer geſehen hat, fo ver 
fhwinden fie freilich wie ein Nebelſtern unser den 
glänzenden Geſtirnen. 


Der Umgang 


iſt ziemlich gefellig, und der Ton im Allgemeinen 
ungezwungen, Fremde finden, mie ich von mir felbft 
erfahren babe, leicht Aufnahme, und man bemüht 
fi, — nur Schade, oft nicht aus den lauterften Ab: 
fihten, — ihren Aufenthalt fo angenehm, wie möglich 
zu machen. Traurig iſt es, daß grade die hofpital: 
fien Familien für den Fremden die unerträglichiten 
find. Da ift Herr &., der fie mit feinem Schwalle 
von Freundfchaftsverfiherungen, Herr M. der fie 
mit feinen fchaalen Verſen verfolgt, und unter Allen 
der ſchlaue Herr 3., der fie auf die ſchlaueſte Weiſe 
im Spiele rupft und beträgt. Das ſchoͤne Geſchlecht 
feine hier im Allgemeinen per antiphrasin fo ges 
nannt zu ſeyn; das Ciciebeat ift fiarf im Gange, 
und bie Cequetterie ift noch unerträglicher, als in 
Sachſen. Huͤten Cie fig vor Madame X., denn 
feit fecbs langen Jahren frebe fie unverdrojfen ihre 
mannbare Tochter an Dann zu bringen, und ohne 
ſich fiören zu laſſen, zäble fie alle Eervietten und 
Dertücher auf, die fie ihr mit zu geben gedenft, 
Der allen Dingen aber bleiben Sie von Madame 
B. entiernt, die in ihrem zwei und dreißigffen Sahre 
glaube, tab ihr Taufſchein fie nothwendig um vier: 
zehn belegen haben muͤſſe, weil fie gar nicht Begrel: 
fen kann, wo die heit geblieben, &ie wird Sie 
verfolgen, um Ihnen zu erzählen, wie viel Körbe 
fie vor ſechszehn, glüdlichen Jahren ausgeryeili hat 


„rechts und Minks,” fie wird Ahnen, Ihrem nieder: 
trächtigen Geldſtolz gemäß ersählen,; wie hoch fich 
ihre Ausjteuer und ihre Kapitalien belaufen, und 
wenn fie nun voll Angft auf den Ruͤckzug benfen, wird 
fie noch ein Kapital von verbergenen Keijen binten 
nad ſchicken. Enfin, — c'est tout comme par- 
tout! " . 
Der Adel träge den Vorwurf des Stolzes mit 
Unrecht, obgleich er wohl dazu verleitet werden fünnte, 
denn mit Nusnahme einiger Wenigen biegt und buͤckt 
fich alles auf eine michtehrende Weiſe vor ihm. Män: 
ner, die fich als gebildet anfündigen, werden mit Aus« 
jeihnung aufgenommen, und wenn man mit dem 
Adel in Wetzlar iu Konnerionen geftanden bat, und 
mit dem hiefigen in Verbindung tritt, — glaubt man 
fih in eine andre Welt verfeßt. Ohne Andisfretion 
darf ich Ahnen bier die Familien Baudilfin, Stolle, 
Bernftorf, Hardenberg, Ranzau und Halftein nen: 
nen, denn obgleich fie das Corps des älteften Adels 
formiren, fo findet man dennoch in wenigen Etäd: 
ten Deurfchlands ein folches Entferntſeyn alles Stol⸗ 
jes, wie bei ihnen, . 


Theater -Nahride 
Hoftheater 
Wien, den 27. Juny 1804. 


Freszentini hat uns in einer zweiten Oper, Alonso 
e Cora, wieder Proben feiner großen Kunft, und 
herrlichen Stimme gegeben. Die Oper ift nad der 
Eonnenjungfrau bearbeitet, nur find die Tharaftere 
hier gar nicht motivirt; Rolla ift weggelaffen, ein 
Einfiurg des Tempels und ein feuerfpeyender Berg 


Binzugefeßt, u. fe w. Die Mufit von Simon Mayer 


gefiel nicht; man findet bier durchgängig zu menig 
Melodie und Driginalitär in den Werken dieſes Ton: 
ſetzers. 

Seit einiger Zeit trat ein gewiſſer Hut bier 
mit Fleineren Stuͤcken in einer Gattung auf, melde 
im Deutichen nech fehr wenig bearbeiten if, — Das 
war ich! und Hab ich nicht Recht? find Kleir 
nigfeiten mit einem hoͤchſt einfachen Plane, der nur 
durch eine giüdliche Wendung der nehmlichen Idee, 
durch viele Naivetẽ der Iharaftere, durch einen feis 
nen, leichten und anziehenden Dialog, und durch 
gluͤckliche Kleine charakteriſtiſche Züge intereffant wer: 
den Fann, tie ohngefähr Launs Werke größten: 
theils durch dieſe Cigenfhaften gefallen, Unſtreitig 
bat Herr Hut viel Talent für diefe leichte Gattung, 
nur iſt es bier fehr fihmwer, befonders bei mehreren 
Arbeiten diefer Art, nicht ins Unbedeutende und Schlep⸗ 
pende zu fallen, da diefe Darficllungs: Gattung fi 
ihrer Natur nah, nur in engen, leichterfhöpften 


16 


Grenzen halten muß, und das ganze Gebiet der Im 
trigue und verwistelten Verhaͤltniſſe aueſchließt. Ein 
ähnliches Stuͤck, Der rechte Weg, if zu gedehne 
und ermüdend, es erhielt aber auch wenig Beifall, 
fo gut au Herr und Madam Rooſe ihre Kollen 
darin ausfuͤhrten. 

Herrn von Koßebues Echaufpiele ſcheinen von 
Dichtern anderer Diationen häufig zu Opern verar: 
beitet zu werden, wobei denn freilich der” urſpruͤng⸗ 
liche Erzeuger nicht viel gewinnt, So haben wir 
bier die Verwieſenen - auf Kamtſchatka, frei von 
Treitſchke nah dem Franzöfifchen bearbeitet, mit 
Veufi von Boildieu, gefehen. Die fhönften Charaks 
tere z. B. der biedere Hettmann find verſchwunden, 
und andere ganz entjtellt, wie Stefano der am Ende 
ganz gegen feinen Iharafter, den vor Froft erflarrten 
Grafen vertet, und ſich mit ihm verföhnt, Der Aus: 
gang des Stuͤckes ift ganz unbefriedigend: der Gou⸗ 
verneur wird von den Verſchwornen befiegt, und 
giebt dem Grafen feinen Degen, feine Burg flammt 
in Feuer auf, er vergiebt den kiebenden und der 
Vorhang fällt. Wie erſchuͤtternd has nicht dagegen 
Kopebue den Schluß zu machen gewußt! — Ob 
Treitſchke durch feine freie Vearbeitung etwas vers 
bejfert oder verfchlimmmert habe, fann ich nicht ent: 
ſcheiden, da ih Düvals Original: Bearbeitung nicht 
kenne. Die Oper gefiel nicht vorzüglih, obgleich 
Boildieus Muſik manche Fräftige und charakteriſtiſche 
Etelle bat, und Herr Demmer jum erjtenmale darın 
auftrat, der wirklich ein ganz braver Tenor und 
brauchbarer Schauſpieler if, 

Mademoifelle Eigenfag trat cinigemal im Baum 
der Diana mit dem ungerbeilteften Beifall auf. 

Kapellmeifter Kighini gab im Redoutenfaale ſei⸗ 
nen Alcide in bivio, und batte ein volles Haus, 
Jeder der ohne Partheilichkeit ureheilt, muß Righini 
einen fehr ehrenvollen Platz unter den beften Stalienis 
f&en Komponiften anweifen; Eühn kann er fich einem 
Salieri und Pär an die Seite ſtellen. Mit Stalienie 
fer Melodie vereint er Deutſche Kraft der Inſtru— 
mentirung, und Niefes Studium der Iharafreriftif, 
Kighinis Dper gefiel, und wuͤrde noch in viel höhe: 
rem Grade Beifall aefunden haben, wenn bier nicht 
ein ziemlich großer Zirkel, der fich zu den Kennern 
zaͤhlt, nur das Abgerifene, Geltfame, Schwerfahz— 
liche, nur ungewöhnliche Modulartonen, und frap: 
pante, wenn gleich nicht paſſende und geihmadvelle 
Uebergänge, mit dem Namen eincs Öeniewerfs zu 
bezeichnen beliebte, worin denn freilih einige neue 
Konmponiften alle andern weit Übertreffen. Wade: 
moijelle Fiſcher fang vortrefflih, und mit dem allge: 
meinften Beifalle, — i. — 


Ueber Lirus. 


Ihr konnt den ungeſtimen Applaus 
Mei Pirus Poſenſpiel wit ermeſſen? — 
Er futlte politaſch das Oberutzaus 
Mit ſeinen Glaubigern und Maitreſſen. 
H— 8. 






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“n 





* 


1804. 


Nro, 135. 





ARISTIDES. 
Der Sreimüthisge 


Eonnabend, 


E rn f 





Theater. 
Berlin am ten July. 


Peach einer lange genährten, oft wenn wir ihre 
Erfüllung nahe glaubten, wieder vergögerten Hoff: 
nung, iſt endlich Schillers Wilhelm Tell auf 
unferer Bühne erfchienen. 

Das Stuͤck iſt ſchon laͤngſt auf Meinern Buͤhnen 
gegeben worden, und es ſind verſchiedene kaltſinnige, 
zum Theil ſelbſt tadelnde Urtheile daruͤber bekannt 
geworden. Das konnte nicht anders ſeyn: denn den 
großen Forderungen die dieſes Stuͤck macht, kann 
nur auf einer großen Bühne entſprochen werden; 
Hundert Erſcheinungen, die hier fehr gefielen, müffen 
auf kleinen Theatern bis zur Lächerlichkeit ärmlich 
und winzig erfchienen feyn, und einen erhabnen Ge: 
genfland kleinlich ausführen ſehn, erbittert, je erhab⸗ 
ner er ift, deſto lebhaſter gegen die Mishandlung 
deifelben, und endlih — gegen ihn felbft. — Das 
konnte nicht anders ſeyn, wiederhol' ih: denn Schil⸗ 
ter felbit bat durch das Genie, mit welcher er bie 
Merirrungen Übte, an denen er bisher oft Gefallen 
fand, einen großen Theil des Publifums für dieſel— 
ben fo fehr beftorben, daß er den Dichter jetzt auf 
falſchem Wege glaubt, weil er ihm nicht auf dem ge: 
wohnten erblidt. — Mad meiner Anfiche, ift dies 
fes Echaufpiel, das vollendetfie Kunftwerf, das 
Schiller gefhaffen hat: ich brauche alfo nicht hinzu: 
zuſetzen, daß ich es für etwas fehr Großes halte. 

Der Plan ift mit einer Reife der Kunfteinficht, 


und 


—— den 7. July. 


Sher,ı 


deren nur das Genie in ſolchem Grade fähig if, an: 
gelegt und ausgeführt: alles wird darin gut vorberei: 
tet, alles tritt an feinem Drte auf; alles ſchreitet 
edel fort und vollendet fich: nirgend eine Luͤcke, aber 
auch nirgend etwas Weberflüffiges, und gleichwohl 
überall blühende, üppige Fülle und eine Reihe von 
Eituationen und Momenten, die fo ſchoͤn, fo Fraft: 
voll vor die Seele treten, daß man jedes Einzelne 
faft für das Schoͤnſte des Stuͤckes hält, bis das Folgende 
heraufglänzt und jenes wieder in Schatten ſtellt. — 
Die Tharaftere find alle lebendig, energifch, und gleich 
wohl durch hundert Ruͤancen von einander gefondert, 
und frei ven Leberfpannung. — Der Dialog if 
meiftentheile, ein Paar Scenen ausgenommen, rein 
von den langen, rhetoriſchen Betrachtungen, den bei 
großer Echöndeit, mäßigen poetifchen Schilderungen, 
den Inrifchen Auswuͤchſen, die Schillers Srüde vom Don 
Carlos an, oft fo fonderbar enıftellten, oft alles Feuer 
derfelben erlöfchen machten. Er bat bier eine Melt 
wahrer, hochherziger, edler Menfhen vor uns aufs 
geftellt, — die in ihrer Wahrheit unendlich mehr er: 
greifen und erheben, als die fublimeften Ideale, — 
Doch, ih muß freilih, indem ich dieſe Lobeserhe— 
bungen niederfehreibe , erinnern, daß ich das Zrüd 
erft einmal ſah, und daß ich im diefem Augenblick 
noch von dem Enthufiasmus erfüllt bin, den es mir 
einflößte. Aber ift nicht das ſelbſt ein großer Beweis 
feiner Vortrefflichfeit, daß es enthufiasmiren konnte? 
Das vermochte die Braut von Mejfina, Maria tu: 
art, ſelbſt Wallenftein und Don Carlos nie über 


F — 18 


mich, obgleich mich viele Scenen derſelben erſchuͤtter⸗ 
ten und entzuͤckten. — Um indeß nichts zu ſagen, 
was ich einft zuruͤcknehmen müßte, fpare ich das de: 
taillirte Urtheil Über das Stuͤck und die Darftellung, 
für die Wiederholung auf, und will mich heute be 
gnügen, den Lefern nur den Inhalt und Gang def: 
feiben vorzulegen, — 

Weber, der talentvolle Derehrer und Nacheife— 
rer Gluck's, bat eine Duvertäre componirt, in wel⸗ 
cher der Geift feines großen Meiſters felbft, zu den 
Kerpen der laufchenden Verſammlung zu fprechen 
ſchien. Cie begann in ländlich: einfachem, ruͤhrend⸗ 
frohem Tone, der das Land und den Charakter dis 
Volkes verfünbigte, die uns jetzt erfeheinen follten; 
fie erzählte dann durch fchmeljende Klagen die harte 
Bedrängniß, die-diefes liebenswuͤrdige Volk erdulde; 
fie erhob fig mit immer mwachfender Energie, zu dem 
Eturme der dadurch in feinem männlichen Geifte 
aufgeregt ward, fie dennerte den Inhalt der legten 
Akte, — indeß bie immer wiederkehrenden erfien 
Toͤne an den Üharafter des Ganzer erinnerten; — 
fie ging endlich in lauten Jubel über und kehrte zu: 
ruͤck zu dem Tone des Anfangs, um den erjten Aft 
einzuleiten, Gin allgemeines Applaudijjement dankte 
dem trefflichen Tondichter, und der Vorhang ging auf. 

An feinem Nachen fchwankte ein Fiſcherknabe 
auf dem Eee und fang: 

Es lädjelt der Ere, er ladet zum Tabe, 
Dre Knabe ſchlier ein am arlinen Geſtade, 
Da hört er ein Klingen, 
Wie Flöten fo füh, 
Wie Stimmen der Engel 
Im Paradies, 
und wie er erwachet, im feliger Eu, 
Da fpüblen die Waſſer ihm um die Bruf, 
und es ruft aus den Tiefen: 
Lich Knabe bir mein! 
ch locke den Echläfer, 
Ich zieh ibn herein. 
Ein junger Hirt flieg von den Alpen nieder, und 
flimmte auf der legten Höhe an: 
Sr Matten, lebt wohl, 
Yır fennigen Weiden ! 
Der Eenne muß ſcheiden 
Der Eommer if bin. 

Wir fahren ju Berg, wir kommen wieder 

Wenn der Kutut ruft, wenn erwachen die Lieder, 

Wenn mit Blumen die Erde fi feider men, 

Wenu die Brünglein Aichen im lieblichen May. 

Ahr Matten Icht wohl, 
Ihr fonnigen Weiden , 
Der Sonne mh ſcheiden, 
Der Eommmer if bin. 

Auf einer hoben Felfenfpige erhob jegt ein Jaͤ⸗ 

ger feine maͤnnnliche Etimme: 
Es donnern die Höhen, es Attert ber Etes, 
Richt grauet dem Schutzen auf ſchwindlichtem Wes. 
Er schreitet vermesen, * 
Uuf Seiderm vom Eis, 


Da yranget Fin Frühling, 

Da grümer kein Reis. 
Und unter den Fußen ein meblichtes Dieer, 
Erkennt er die Etädte der Menſchen nicht mehr, 

Durd den Riß nur ber Wolken 

Erblickt er Die Weit, 

Tief unter den Waſſern 

Das griinende Heid, 


Ein alter Eciffer tritt aus feiner Hütte, Er 
fieht den Föhn (Sturm) nahn, und ruft feinen 
Knaben warnend heim, da flürzt ein Fluͤchtling zu 
feinen Füßen, und flebt ihn an, ibn Über. den See 
zu feßen: er wird von Göldnern verfolgt, weil er 
einen Vogt erſchlug, der fein Weib entehren wollte, 
Aber der Föhn tobt ſchon im Zee, es iſt faft unver: 
meidlicher Tod fich ihm’ anzuvertrauen: der Echiffer 
weigert ſich. Umſonſt fliehen mirleidige Nachbarn, 
umſonſt fleht auch Tell (Iffland): es kann nicht 
feyn. Da wirft Tell fich ſelbſt in den Machen und 
unternimt es, den Unglüdlichen zu retten. Gleich 
darauf flürmen die Sbldner herbei, und da fie ihre 
Beute verfehlten, beſchließen fie alles umher zu vers 
wuͤſten. — Treffliher konnte der Charakter des 
Volkes, des Zeitalters und vorzüglich Tells, nicht 
eingeführt werden, als auf diefe Weiſe. 

Sept folge eine Reihe von Scenen, welche den 
Charakter der andern Hauptperfonen entfalten, indem 
fie zugleich immer newe und fchredlichere Anſichten 
des Drudes geben. Die lebte Ecene zeigt uns Ars 
nold von Melchthal (Herrn Mattauſch) in Walter 
Hürf's Haufe verſteckt, weil der Jüngling fich wider⸗ 
feßte, als ihm ein Vogt das Zugvieh vom Pfluge 
fpannte: aber fein alter Vater bedarf der Pflege, er 
will auf jede Gefahr zu ihm heimfchren. Da erjcheint 
Stauffacher und unter andern Echredlichkeiten die er 
erzähle, iſt auch die, daß der Landvogt Arnolds Das 
ter, um die Aufwallung des Sohnes zu beftrafen, 
die Augen ausfiechen ließ und feiner ganzen Habe 
beraubte. Der Juͤngling flürje aus feinem Schlupf: 
winkel verjweiflungevoll hervor; er reißt die Männer 
zu feuriger Entſchloſſenheit empor: fie gehn ausein 
ander den Bund der Nothwehr zu bereiten. — Diefe 
Ecenen gelangen Herrn Mattauſch unuͤbertrefflich 

On, 
" Im zweiten Akt (ich werde immer nur bie 
Hauptfceren anführen,) fehn wir ben alten Panner: 
berrn von Attingshaufen im Zirkel feiner Dienftleute, 
denen er felbft den Labebecher zutrinft: aber fein 
Neffe, Ulrih von Rudenz, (Hr, Bethmann) vers 
ſchmaͤht, ihn aus der Hand eines Hirten anzunebs 
men. Io glängendem Echmud gebt er, troß den 
ruͤhrenden DVorfteilungen feines Oheims, fort, fi 
auf das Schloß des Landvogts zu bezeben. Liebe 
zu einem Bräulein im Schloſſe des Landvogts, be: 


hört ben Yüngling, und läßt ihn das Recht feines 
Molfes verfennen und verlaffen. — Die Urheber des 
Bundes verſammlen fi mit ihren ausgewählten 
Freunden im Kürlie Thal bei Nacht. Es wird mit 
aller Foͤrmlichkeit getaget, und der Bund der Noth— 
wehr für angeftammte Freiheit, gefchloffen. Diefe 
Ecene bat fehr fchöne Reden und treffende Charaf: 
teräußerungen des Volkes. Cie wurden gut geipro: 
chen und ziemlich gut gefpielt: aber felbft auf diejem 
großen. Theater hatte man ihr nicht genug Feier: 
liches und Großes zu geben vermochte. — Chöre, 
wie eine Machricht vor einigen Monaten fagte, bat 
diefe Scene nicht: man müßte denn das dafür an: 
ſehn wollen, daß die DVerfammleren im Aufmwallen 
ihrer Entſchloſſenheit, die vorgetragenen Beſchluͤſſe, 
zum Zeichen ihrer Beiſtimmung, ein Paarmal laut 
nachſprechen. 

Im dritten Akt ſehen wir Tell im Zirkel ſeiner 
liebenswuͤrdigen Familie. Sein aͤlteſter Knabe ſingt: 


Mit dem Pfeil, dem Bozen 
Dur Gebirg und Thal 
Kommt der SEchutz gejogen 
Grub am Morgenſtrahl. 


Wie im Reich der Lüfte, 
König if der Seih, 
Durch Gebirg und Kuüfte 
Herrſcht der SEchutze Tre. 


Ihm gehört das Weite! 
Was fein Pfeil erreicht, 
Das fit jeine Beute, 
Was da kreucht umd Heuat, 


Ungeachtet der Warnungen feiner Gattin 
( Mome. Ungelmann) wandert Tell nah Altorff, 
und fein fröhticher Knabe begleitet ihn. — U 
rih von Rudenz thut feiner Geliebten Bertha 
(Mdme Fleck) auf der Jagd in einer eine 
famen Gegend das Geftändniß feiner Liebe. ie, 
felbft eine edle Schweizerin, erflärt ihm, fie fonne 
ihn nur veradten, fo lange er die Sache feines 
Moifes verläßt: ihre Hand iſt der Preis für die 
Rettung des Landes, — Auf dem Markte zu Altorff 
ſteht Geßlers Hut aufgerichtet. Tell und fein Knabe 
gehen voräber in traulichem Geſpraͤche. Sie werden 
angehalten; das Volk ftrömt herbei, fie zu befreien, 
aber auch Geßler und eine große Zahl bewaffneter 
Soͤldner erfheint, Mit verbifnem Grimme hört er 
Tell's Entfhuldigung an, bdiftirt ibm die Strafe, 
und befteht troß allen DVorbitten darauf. — Weg 
mit allen Derfüchen, Affland's Spiel in diefen ce 
men zu befchreiben: feine Derimeiflung, feine Ent: 
fehioffenheit, die Ruͤhrung, die ibn wieder übermei: 
ſtert — Endlih, — indeß Rudenz mit dem Yanb- 
vogte jcheltend rechtet, gefchieht der Schuß. Lauter 
Aubel, Aber Geßler fiehe den zweiten Pfeil: neuer 


19 — 


Kampf des faſt erſchbpften Tell mit ſich felbft: doch 
er geſteht feine Beftimmung, und wird zum ewigen 
Gefaͤngniß abgeführt. 

Dierter Akt. Die erfle Scene bes erfien 
Akts. Eturm im See; das Schiff des Landvogts 
im Sturm. Pidglich flürge Tell hinter den Felſen 
hervor und ſinkt betend zu Boden. Er erzählt dem 
alten Echiffer feine Rettung, und der Sohn deifel: 
ben füher ihn auf den Fürzeften Weg nah Kußnach. — 
Um den ftecbenden Attinghaufen find Fürft, rauf 
facher und andre’ Freunde verfammiet, Tells Gate 
tin eilt herein, und fordert ihren Gatten von ihnen. 
Attinghaufen erfährt den gefchloffenen Bund, und 
ftiebe, ihn fegnend. Rudenz erfcheint zu frät, feinen. 
Dbeim von feiner Einnesänderung zu Überzeugen; 
aber auch er iſt gefränfe: der kandoogt bat ihm 
Bertha geraubt, und er, den Fein Volksbeſchiuß zum 
Bögern verbindet, eilt zur Made; die Eidgenofjen 
mit ihm. — Tell allein im Hoblmege, durch den 
Geßler kommen muf. Er prüft feinen Vorſatz vor 
feinem Gemiffen, und findet ihn gerecht. Ein rrober 
ländlicher Hechzeitezug wallt vorüber; ein wehkla⸗ 
endes Weib mit ihren Kindern erjcbeint, um von 
Vesiern die freiheit ihres Gatten zu erflehen. Der 
Landvogt zu Pferde; er weil’: die frau mit Härte 
zurüd, droht fie, die ihm knieend den Weg 
dverfperrt, nieder zu reiten, Tell's Pfeil trifft ibn. 
Er finft vom Pferde, Der Hochzeitszug ehrt zus 

ck. Niemand will dem E&terbenden beifpringen. 
Eine Moͤnchsproceſſion verwellt bei der Leiche, und 
fingt eine ernjte. erhaben : ernfte Todes + Betrachtung. 

Fünfter Akt. Froblodende Verſammlung des 
Volks. Die Niederbrehung der Schloͤſſer. Die 
Nachricht der Ermordung des Kaifer Albrecht, die 
ohne Bedauern, aber auch ohne freude aufgenoms 
men wird, — Tells Gattin und ihre Kinder in ih— 
rem Haufe. Der Kaifermörder, Johann von Schwa⸗ 
ben ſucht Schuß in der Wohnung: alles bebt vor 
feiner bleihen Verbrechergeftalt zuruͤck. Tell felbft 
erfcheint; er will feine einfhaft mit dem le: 

enden, zeigt die Verſchiedenheit pwiſchen ihren 
baren: aber ertheilt ihm Rath und läßt ihm La: 
bung reichen. — Tell unter dem jubeinden Volk. 

Einige Bemerkungen Über das Stuͤck und die 
Ausführung, ferner das Lied der Mönde, und die 
Compofition des Hirtenliedes, im naͤchſten Blatt, 


G. M. 
Ueber Grabmale und Grabfchriften. 


pricht der Geiſt der Zeiten aus einer Gattung von 
Denkmalen aufrichtig ju uns, fo ift es aus Graͤbma⸗ 
len und Grabſchriften. Andre Runftwerke gehören 
nicht dem wahren Zeitgeift, fondern dem deal. von 
DVolltommenheit, zu dem fi der kleine beſſere 
Theil der Mation erhoben hatte, und das von je ber 
nur wenig mit der NWirflichfeit verwandt war. Die 
Grabſchriften find zu gering, um erfünftelt zu werden, 
% heilig, um nicht treu den Glauben darzulegen, 
er bie Bruſt des Eterbenden belebte, 


Ach wandle im Geiſt durch die milden Fluren 
von Griechenland, Ueberall in Kam Wiefen, aus 
dunfeln Echattengängen, an der belebten Ztraße, wie 


von freundlichen Höhen herab, ragen in buntem Ge: 


mifch die Male derer, die ehedem ſich an diefen 
Stellen des Lebens freueten: blumige Hügel, oo, 
von Üüberhangendem Gras ummoben, ſchoͤngeflochtne 
Körbchen mit Opfergaben für die Geifter der Ely⸗ 
fiumsbemwohner flehn, deren Afche bier die Urne um: 
63 ſinnvolle Gebilde, wo der Tod, ein trauernder 
Aüngling, die Fackel fenkt, oder Pfoche nach den 
Syeimatbfluren auffhaut; ragende Säulen, die den 
Damen eines großen Mannes nennen, oder Kunde 
eben von der treuen Liebe des Gatten, von der früh: 
verblühten Jungfrau, von den Myriaden der Helden, 
die hier den Tod fürs Vaterland geftorben, wo, in 
den einfachen Marmor gegraben, den fliehenden Geift, 
ein fühner Gedanke in die Aetherflut, oder ein froms 
mer Ceufier in die ftillen Gefilde der Schattenwelt 
begleitet. Die ganze Flur umher iſt ein beiliger Tem: 
pel der Vergangenbeit, deren Bilder uns in freund« 
lien Phantafieen umſchweben; andächtige Wandrer 
roallen zu diefen heiligen Altären, und fiehn opfernd 
die Manen ihrer Geliebten an, ihnen auch in Ely⸗ 
fium hold zu feyn. 
Griechiſche Grabſchriften. 
Wanderer! Nabe der Statte mit Ehrſurcht? Unter den Hügel 
b Haben bie Mufen den Freund, Gophokles, miebergelegt, 
Der kleine Marmor, theure Kleobule, Tem 
Das Dentmal unirer langen Piebe. Immerdar 
Werd' ih Dich ſuchen. O fo denfe meiner dech 
und ſchorſe nicht im Schattenreiche Lethes Fluth. 
Schickſal, und Du o Hofnung, lebet wohl, 
Ich bin nun in dem Hafen angekommen. 
Hierher legte die Urne der Braut ein trauernder Jungling. 
Harre Du meiner am Strom, ber die Erinnerung tilgt. 
Steige binan im den Schoos der Erzeugung, dem Du entgangen, 
"ein aus der ſammenden Gluth ſchwinge sum Werber Dich aufs 
Aber zurüd in den Schoos der Verweſung finte die Aſche, 
Wis der belebende Weir wieder zum Leben fir wuit, *) 
Eremdiing ! bringe die Kunde den Latedämoniern, 
Fern vom ber Heimath, treu ihren Ermahnungen, ruhn wir, 

Welch ein hoher Geift, welch edle Einfalt fpricht 
uns in diefen Tönen der Vergangenheit an! 

Aber mein Traum ift verfhwunden und ich gebe 
in einem ummauerten düfterm Bezirk, voll bemoster 
Eteine, die ihre dunfein Geftalten über die Gräber: 
fyaaren heben, vol umzaͤunter Hügel, verftümmel: 
ter Kreuze: denn bier hält Feine religidfe Scheu 
die Hand des Frevlers gefeſſelt. Wie eng iſt mir die 
Brust geworden. — Aber mas iſt das?! Graben: 
odem gebt aus den Gruͤften hervor, die jeittwärts in 
den Hallen mich angähnen: ich trete auf moderndes 
Menihengebein. —  seilige Reſte der Verfiorbenen ! 
in eurer Naͤhe mollte ich mich der Ruhe und Weh— 
muth überlaffen; dach ein Todeeſchauer ergreift mich 
in feld" einer Grabeoflur, unter den gräßlichen 
Furchtgerippen, die dräuend ihre Senſen erheben, 

*, Soft midıt ewig zu leben, fonderm im der unendlich 
fich voirderergeugenden Weſenreihe als ein anderer Körper eine ans 
dere Gere zu empfangen Mund eim, neues Leben zu beginnen. 
Die ſoatern Vearife von Wiederdelebung dei Staubes waren 
dieſen Griechen jremd. 


Zwar wohnt auch hier, wie bei den heitern Griechen 
der Glaube unter den Gräbern; aber bie frommeg 
Spruͤchlein, vol Hoffnung, daß der Staub fi wie: 
der fammeln und zu ſchoͤnern Körpern bilden werde, 
fanımt den ungeflalten Engelfnaben, die über dem 
brogelnden Geftein ihre Trompeten erheben und jur 
Auferfiepung blafen: fie vermehren nur das brüdende 
Gefühl, das unfer Herz verengt und traurig eilen 
wir hinweg aus der Verweſung Flur, wo jo Ems 
pfindungtödtende Gebilde uns bedrängen und Moders 
büfte ung anmwehn, — Schoͤne Zeit! wohin bift du 
geihwunden, boldes Blüthenalter der Matur! 
Deutſche Grabſchrift. 

Her litt vergren Hans Heukerlink 

Dor fa bin op fin Föde gint. 

D Herr mat em de Schlnken lik 

und helb em in din Himmelrif, 

Du nimms Dit jo der Lemer am 

So Lat dot of din Buck metgan. 

Hier liegt begraben Hans Hinkerling, 

Der fo ſchief auf felnen Guhen ging. 

O Herr, mach ihm die Schenkel gleich 

und mimm ibn in Dein Himmelreich. 

Du nimm Did ja der Lammer an, 

So laß do auch den Bock mit gahn. 

Zürne oder lache nicht über mich, lieber Leſer, 
daß ich in meinem Unmuth Dir gerade dieſe grajfe 
Grabſchrift vorlege. Ein wenig Einfalt des treuherzie 
gen Miederfachien abgerechnet, möchte fie weht fo 
siemlich einen Driginaltypus für unfere gewöhnlichen 
Grabſchriften abgeben. — Doch ich will auch bier 
das Erbabene treu berichten, wo ich es fand: 

Wir fliegen an einem ſchoͤnen Maitage mit fin 
Fender Eonne den heben Petersberg binauf, der 
fih einfam aus der ebenen Flur emporhebt und ſchon 
in großer Ferne dem Wanderer fein Haupt tief in 
Wolken zeigt. Ich freute mich, wie rings die uns 
endliche Erde fih Immer weiter eröffnete. Seht was 
ren wir über Felsgetrömmer durch das Dorf bie an 
die Kuinen eines Klofters auf den Gipfel binange 
langt und frei lag nun die große Erdenfheibe ausge: 
frannt, allmählig in blauen Duft zerfließend, der 
am Horijont wie in Bellen aan den Himmel an: 
fhlug. Schon begannen die Diebel der Tiefe fih zu 
entreinden und der Mond ſchien heller hinab. ch 
ging die Abendgluth in Werten zu begrüßen und bog 
um das thürmende Gemaͤuer. Schneil durchfuhr 
mich ein heiliger Schauer, denn ich trat in einen 
Gortesader, Die hoͤchſt überrafchende Erſchelnung 
der Graͤber an diefem Ort, unter den Trümmern der 
Bergangenbeit, die hohen Leichenſteine, die in der Abend: 
fonne fchimmerten, und die tiefe Stille ergriffen mich 
wunderbar. Ich ſtand vor einem Srabmape und las: 

„Fremdling! der du heraufgefommen biſt, 
„die fchöne Natur gu ſchauen, erwache über 
„den Sräbern aus deinem Schlummier, und er: 
mbebe Dich zw dem Gedanken der Unjterblich: 
„keit.“ — rſch. 
Harpagon. 
Als nach des Wucherſebens Endung 
um Harpagon die Höllenflamme ſchlus, 
Mief er: o teufliſche Verſchwendung! 
Ein Drittheil heinte ſchon genug. 


Driginal. 


Weberfetung. 





1304. 





No. 156. 


‚ARISTIDES. 
Der Freimuͤthige 


Montag, 


ern ft 


und 


ben 9. July, 


She r 





Literatur 


Polyxena. Ein Trauerfpiel im fnf Ubtheilungen ; 
von Eollin, Berlin, bei Unger, 1804. 


User den Inhalt dieſes Stuͤcks, und fein nicht 
gluͤckliches Schidfal auf der Wiener: Bühne, iſt ſchon 
im vorigen Yahrgange, ſowohl von Ernft und Scherz, 
als vom Freimäthigen, gefprochen worden. Jetzt alfo 
nur Weniges darüber, etwa nur fo viel, als hin: 
reicht, jenes Schickſal zu erflären. 

Das Stuͤck beginnt damit, daß Polyrena auf 
dem Grabe des Achill ein Todtenopfer bringt, und 
ihn anruft, fie mit fih durch den Tod zu vereinigen, 
Fin Donner verfpriht ihr Gewährung: und ihr 
Loos iſt unabänderlich geworfen. Achill erfcheint for 
fort dem Wahrfager Kaldas im Traume und fürs 
dert, dab Polgrena durch Meoptolemos geopfert 
werden foll; er erfcheint diefem ſelbſt, Agamemnon 
und Odoſſeus wachend, indem Kalchas ihnen feinen 
raum erzählt. Umſonſt bereut Polyrena ihr Gebet, 
weil ihr Tod ihre Mutter ganz zu Boden fchlagen 
muß; umfonft wehklagt Hefabe; umſonſt haben alle 
Griechen Mitleid mit Pelgrenen; ja, umfenft wuͤtet 
Meoptolem, den eine heftige Liebe zu ihr ergreift, 
mider die Griechen und die Götter: die Furien ers 
feinen ihm und zwingen ihn, die Geliebte zu ers 
morden. 

Mit Bedauern gefteh’ ich, ich babe in meinem 
Leben kein untauglicheres Suͤjet zu einem Trauer 


fpiel gelefen, als dieſe Fabel if, Es iſt wahr, es 
ift Herrn Collin trefflich geglüdt, aus ihr felbft, das 
antike Schickſal hervorzurufen, und es in feiner ganz 
jen gräßlichen Geftalt hinzuftellen: aber eben dadurch 
bat er auch die Untauglichkeit deffelben für unfre 
Bühne unumſtoͤßlich bewieſen. Das feheußlihe Ge: 
ſpenſt ſteht unverhällter da, als in irgend einem als 
ten, ober neuem Dichterwerfe, da fein Ausfpruch 
durch nichts verfchuldet wird, und in dem ganzen 
Stuͤck auch nicht eine Perſon iſt, die es nicht 
fchmerjte, daß man geborchen muß, befonders aber 
dadurch, daß der Vollſtrecker nur durch die Fackeln 
der Burien zum Gehorſam gezwungen werden kann: 
doch wie konnte Kollin es überfehen, dag nun 
auch unauebleiblich alle feine Helden und Heldinnen 
in erbärmliche Eflayen verwandelt werden mufiten, 
die fih unter einander nur dadurch unterf&eiden, 
daß die einen mit größerm, die andern mit gerins 
germ Widermwillen gehorchen; feines erjten Helden, 
Meoptolem’s, Eträuben muß gar durch Züchtigungen 
gebeuge werden. Man hat das Stuck in Wien 
nur Falt aufgenommen. Mich wundert, daß nicht 
lauter Widermillen ausgebrochen if, 

So ungtädlih wie in der Wahl der Fabel, iſt 
der Dichter auch in den Charafteren gewefen, Kein 
einziger hat Kraft, Fein einziger, Polyrena ſelbſt 
ausgenommen, flößt einiges Intereſſe ein, und auch 
fie, die bald zu fterben, bald wieder zu leben wuͤnſcht, 
wird lanamweilig, und erfcheint am Ende nur als ein 
folgfames Kind, das freilich der Strafe, die es em= 


— 22 — 


pfangen ſoll, gern uͤberhoben wäre, aber ſſch ihr 
gleichwohl unterwirft, weil es weiß, daß Papa und 
Mama es lieb haben, und daß es — die Taſſe nicht 
hätte zerbrechen fellen. Umſonſt wendet der Dichter 
alle Kraft feines wirklich ſehr großen Talents auf, 
die einzelnen Momente, die einzelnen Regungen 
ſchoͤn auszudräden: nichts erhebt feine Charaktere 
über die Winzigkeit, zu der fie das Schickſal berab: 
druͤckt. Sobald der Knecht Ruprecht aufgetreten if, 
fo it alles, was vor ihm zu Winkel Friecht, Kind, 
fol’ «8 auch einen Bart haben, 


Doch genug des Tadels. Ich fühle, dab ich, 
bloß aus DVerdruß darüber, Herrn Collin fein Tas 
tent fo mifbrauchen zu fehen, bitter werde. Kein 
Wort alfo mehr Äber die Fehler des Stuͤks: jetzt 
von feinen Vorzuͤgen, deren es in Ruͤcſicht auf das 
Detail ſehr viel hat, 

Es bat mehrere Momente, die vortreff ich, bald 
erſchuͤtternd, bald fehr rährend, find. Dahin gehört 
zum Beifplel jener, in welchem Kalchas feinen Traum, 
erzählt, und fich diefer vor den Augen der Hören: 
den realifirt; dahin die Scene, in welcher Polnrena 
dem vor Liebe giähenden Neoptolem erklärt, fie 
liebe nur feinen Vater; er werde, felbit wenn er fie 
zwinge, feine Gattin zu werden, noch im Glyfium 
fie nur jenen allein lieben fehn, ihr in weiter Ent 
fernung durch die Yufkgefilde folgen; dabin gehört 
ferner die Scene, in wekher Kaſſandra fie zum Tode 
bereitet. 

Auch iſt die Wallung der Gefühle vorzuͤglich 
im Gemäthe Polnrena’s und Kaſſandra's, binreißend 
zart und ſchoͤn ausgedrädft. In diefer Rüdfiche ſteht 
Collin keinem andern unfrer Dichter nach, — nur 
Schade, daß durchaus im Stuͤcke nur Wallun: 
gen, nicht wirffame Ausbruͤche und Etürme der kei: 
denfhaft Statt finden fonnten. 

Die Diftion iſt durchaus rein, edel, micht ſel— 
ten erhaben; — das Fortſtroͤmen der Merfe, vorzüg« 
lich in den lyriſchen Reden Kaffandra's, voll beiaus 
bernden Weobhlflanaes, und der Gang der Gedanfen 
echt lyriſch. Doech alle diefe Schoͤnheiten eignen das 
Werk mehr zum Lefen, als zum Aufführen. Zu dem 
erften empfehl! ich es mit Wärme; — auf der 
Bühne kann es fein Gluͤct machen, denn es hat 
nur für die Phantafie Leben, nicht für die Dar: 
ftellung. 

Die Form des Ganıen ift Schiller's Nachah— 
mung der Alten nachgeäahmt. Auch Kollin läkt in 
den meiften Scenen die Rede aus dem jambiſchen 
Maafe in lyriſche Veremaaße übergehen, Auch be 
fließt er jeden Akt (die Benennung: Abtheilung, 


ift eine &pielerei,) mit Choͤren, *) die, ohne daß 
der Vorhang finft, am Echiuffe jedes Aftes geſun⸗ 
gen werden fallen. Dieſe dee (fie wurde auch 
fhon im Freimürhigen, wo ich nicht irre, von Hrn, 
Schreibern, aufgefiellt,) ſcheint mir gluͤcklich für 
Erüde dierer Art, in denen im Grunde feine Hands 
tung ift, und die für uns ins Keich der Wundermährs 
hen gehören: ſenſt aber möcht’ es wohl beſſer ſeyn, ſo 
oft ein Ruhepunkt in der Handlung eintritt, die idea 
lifche Welt, Die wir vor uns in Handlung fehn, durch 
das Niederfinfen des Vorhanges ganz verfchiwinden, 
als in derjeiben etwas vorgehen zu laſſen, daß mit 
dem Uebrigen beinah eten fo wenig jujammenbhängt, 
als diefe Welt felbft mie der unjrigen, 
G. M. 


Der moraliſche Krämer, 
Eine wahre Geſchichte. 


err Falſing ein ehemals ſehr beruͤhmter Kauf— 
mann und Spekulant in 3, war durch verfchiedene 
Unglädsfälle ganz beruntergefommen. Indeß, es 
leben die guten Köpfe! — Sie bahnen fich allenthal— 
ben, und unter allen Umſtänden neue Wege! Herr 
Falſing hatte in feinem Yaden nur noch einen unbe 
trächtlichen Ueberreſt alter, labımer Scheeren, verrojteter 
Degen, und Biegeleiien, Haarnadeln, Schachteln, 
Doſen, u. f w. Einſt, als er erübfelig zwiſchen al« 
len diefen Daritäten Rand, fuhr er auf einmal wie 
begeiftert auf. „Ha! rief der pbiloforbifche Handels: 
mann: — ift nicht die Welt ein großes Puppenfpiel? 
Lauter Poffen, zehnmal unbedeutender wie dieſe um 
mich ber, werden gefucht, geicbätt, — anzebetet; — 
alles dreht fich zur Poſſe, und ſelbſt die ernſthafteſte 
Sache von der Welt wird dazu gemacht. Wohlan, — 
ich will diefen Poſſen⸗ Geiſt des Zeitalters benußen, — 
ich will ein geſchmackvoller Moraliſt werden, und in 
Eurjer Zeit die ganze elegante Welt vor meinen Las 
den zaubern!“ — 

Sefagt, gethan! Wald ward Herr Falſing unter 
dem Damen des moralifcben Krämers das Gerede 
der ganjen Stadt. Ein Fremder, der nicht in Falk 
finge Bude gewefen war, wurde dem gleich gehalten, 
der nicht in Nom dem Pabjt die Eoblenfpige gefüßt 


*, Edrilier rügt im feiner Vorrede jur Bram von Mei 
fina better, dag man bei der Tragodie von Choren ſoreche, 
u... Jemand hat im Freimuthagen aurmerniam gemacht, 
tan Schiuler ich ſalbt dieſes Ausdrucks bedient babe. Das 
war eigentiedh mberdnd). Schilers Ruge bewies mar, Bi — 
Nager in ſeiner Seele jew. daher ſchulen Dertemige, ae 
gen den fie eigentlich geriet war. Der Chor iſt die ideau⸗ 
sche Perren der alten Trayddır, der Todte, den Eiller wer 
gebens verudre wand.in zu machen „Die Eupre,” ut wie 
Breite und ward Beuennung der Reden, melde die Als 
thatungen des Chors wechſela. 


— 23 — 


und in Weimar Wieland nicht aus dem Fenfter hatte 


gucken ſehn. — Reißend gingen feine Echnurpfeifereyn 
ab, denn bei jeder Kleinigkeit ergoß fich feine fatiri- 


fe Laune, und allem wußte er durch fie einen ganz 


eignen Werth beizulegen. Man bezahlte ihn zehn: 
fach, nur um einen luſtigen Zug mehr von ihm in 
Affemtbieen und binter Kartentiſchen naderzählen zu 
fünnen, und fo ward er auf dem Wege eines ſatiri— 
fhen Eittenpredigers ein geborgner Mann, Hier 
einige feiner Unterredungen: 


Herr M’ tra ein. — „Haben ie hͤbſche 


kleine Schachteln?“ — Allerdings mein Herr, — 
hier zum Exempel iſt eine allerliebſte, die die ausge: 
fuchteften Cigenſchaften bat. In diefem Schächtel: 
chen, mein Herr, fann ein Hoffmann feine ganze Ehr: 
lichfeit, ein Advefat fein Gewiſſen, und ein Dichter 
fein ganzes Haab und Gut verwahren, und das mit 
Gemaͤchlichkeit.“ — — Herr M. der ein Advokat war, 
lächelte und bezahlte die Schachtel weit über den Werth. 
Mad. X. „Haben Sie feine Ferngläfer?" — 
Aufzuwarten Madame! die fhönften von der Melt, 
„zeigen Cie mir eins" — — Hier iſt ein fehr kurio— 
fes wie noch in England Feins gemacht if. Es bat 
fondertare Vorzüge! „Und die wären?" — Sehn 
Eier, Madam! — Wenn fie durch das eine Ende 
bier hierein jeben, fo erjeheint jeder Gegenſtand ganz 
nabe, vergrößert, und in dem glämzenditen Lichte, 
Aber drehn Sie co um, gleich ericheint alles ganz 
entfernt, in Mebel gehuͤllt, verkleinert, verichrumpft 
und unbedeutend. Durch dieſes Ende fiebt man 
zweierlei. Erſtlich: feine eignen Fehler, und anderer 
Leute Vorzuͤge. Weide zeigen fich uns darin Elein, 
roinzig und unbedeutend. Wollen wir aber unfere 
eigne Größe, oder anderer Fehler dadurch betrachten, 
ſchnell kehren wir das Ding um, und fiche da, — 
wir erjheinen als Tugendhelden, Rieſen der Groß: 
muth und Vortrefflichkeit. Die Schwaͤchen anderer 
dehnen fich darin zu Todſuͤnden aus, und ihre Zplit- 
ter zu Balken! — Madame X. jog bedaͤchtuch ihre 
Voͤrſe, und nahm das Fernrohr mit ſich. — 
Matame L. „Haben Eie Masten?" Mein! 
„Mein Gert keine Masken?“ Keine Maske! „In 
aller Weit, wie gebt das zu?" — „ehr natüır 
lich Diadame! denn da heut zu Tage alles in der Welt 
Maske ift, fo kann man die aus Pappe nicht an 
Mann bringen. 
erröthenten Wange, Unterdruͤdung mastirt fich mit 
dem Dramen der Gerechtigkeit, und SHinterlift mit 
dem € chleier der Weieheit Darren thun geiekt und 
Heuchler herzlich. Schmeichler hängen die Freund: 
ſchaſteſahne aus, und wer heute an eurem Vuſen 
in Zaͤrtlichkeit zerfliege, ficht euch morgen kaltbluͤtig 


Coquetterie verbirge ſich unter der 


hängen, wenn er euch auch mit einem Speciesthaler 
löfen kͤnnte. Die ganze Welt ift Maske, — und 
natürliche Gefichter ſieht man nur im Schlaf und 
im Sarg.“ — Mamfell 8, empfahl fih mit etwas 
Unmillen, wie das Geſpraͤch ſich auf Geſichter lenkte, 
denn fie war fo arg gefchminft, — wie Madame 
GE... d in — — mürde ich fagen, wenn ich die 
Achnlichfeiten liebte. — 

Her W. — „Mein Herr haben ie feine 
feltenen Alterthumsſtuͤkfe?“ — In Menge, mein Herr, 
aus jedem Zeitalter, von jedem Volk, feit der Ers 
ſchaffung der Well. Hier z. B. iſt Eins der feltens 
fien Eröde, Eine Heine Kupferplatte, worauf der 
Heirathsantrag geäjt ift, den Adam feiner Eva 
machte, Die Züge find ganz geichwunden, aber das 
it eben das Antife. Das Remarquabelſte dabei iſt 
dies, daß Evas Reden immer dreimal fo lang find, 
mie Adams, und voll Verfiherungen von Zärtlid: 
keit und Trene. Auch ift hier das Horn eines Böd- 
feins, welches die Mauern vor Jericho niedertroms 
peten half, Mteichfalls eine Lodfe von Simſens Haas 
ren, aufgewidelt auf einen Sappen von Joſephs 
Mantel. — „Was ift das für eine Flöte?” Die 
nebmliche, womit Orpheus dem Teufel das Herz 
meich machte, um fein Weib aus der Hölle zu löfen. 
Hier iſt ein ſtattliches Hirfchgeweih, von einem Sechs⸗ 
jebn: Ender, den Hannibal im dreißigjährigen Kriege 
zur Kurzweil bei Capua erlegte, wo er fo viel trank, 
daß er miche vor Kom konnte. Erken Zie es fich 
auf ven Kopf, und es wird Ahnen fiehen, wie die 
Hörner des Mondes, auf den Kopf eins — — 
der eine hübfche Frau hat. Hier endlich iſt eine der 
feltenften Piecen, die ich befike, und die ich die Pruͤ⸗ 
fungsröhre zu nennen pflege: damit lajfen fich gar 
feltene Erperimente machen, Wenn Eie fie ans Ohr 
feßen, fo werden Sie erflaunen, Nichts dringt durch 
dielelte, als Wahrheit und Weieheit; — Aibernbeit, 
falſcher Wie, Abſurditaͤt und Zoten geben fo wenig 
dadurch, wie ein Kameel durch ein Nadeloͤhr. Mit 
diejer Köhre am Ohre babe ich oft Stunden lang 
in den glaͤnzendſten Geſellſchaſten, runden lang in 
Kaffsefiuben gejeifen, wo der Mund der Frau Muh— 
men und Baaſen, wie ein Windmühlenflägel ging, — 
aber ih — hörte nichts. An den verjogenen Ge: 
fiptern, den geweiteten Nafenlöchern, und den plap: 
pernden Mäulern, ſah ich zwar wohl, daß etwas 
vorgeben muͤſſe, aber für mich war alles Marionet: 
tenipiel. a, mein Herr, ich verfihere Sie, — oft 
hate ih mit diefem Infirument dem feierlichften Got: 


teo dienſt beigemohnt, ich legte es ans Ohr, — und 


Gott fol mir beiten! — ich hörte nichts!" — 
Herr W. war, ein Gandidat, — er faufte die Pruͤ— 


— 24 — 


fimgsrößre und ging, — und hörte nie etwas das 
durch 


Herr M. „Haben Cie Wagſchaalen mein Herr?" 
„Extrafeine, mein Beſter. Hier ift eine fuperbe, — 
das wahre Einnbild der Gerechtigkeit, — ein Haar 
bringt fie aus dem Gleichgewicht.” Genau, fo möchte 
ich be haben, denn ich bin millens einige flatijche 
Erperimente damit zu machen! „Dazu: find die mei: 
nigen fehr geſchickt. Diefe bier, — rine meiner fein: 
5 babe ich felbft verfucht, und frefflich gefunden. &o 

abe ich einmal die Verſprechungen eines Minifters 

in bie eine, und den Flügel einer Muͤcke in die ans 
dere Schaale gelegt, — und fiehe das Bünglein blieb 
ſtehn. Ach habe die MBeisheit eines Stuhers und 
den Wik eines Pedanten gegen einander gewogen, 
und beide nahmen fich nichts, — ich habe gefunden, 
daf Stolz und Citelfeit mit der Dummheit im ges 
naueften Gleichgewicht ſtehe, und daß ein Fingerhut 
voll Zufriedenheit, unendlich mehr wiegt, als eine 
Tonne Gold!“ 

„Aber, lieber Falſing, fragte ihn einſt ein ver 
frauter Freund, wo erlangteft Du dieſe feltene ers 
tigkeit, Lappallen durch noch ärgere Yappalien fo aufs 
——— — Du haft vergeſſen, antwortete er, daß 

eh’ ih Kaufmann wurde, —— ſtudirte. 


Miscellem 


Forise erzählt in feinen gedrudten Vorlefungen über 
Dekiamation, er babe einit in einer Dorfidpenfe eir 
nen Capuziner und eine ganze Schaar von Zuhbrern 
dejjelben, in der Macht dadurch verfügt, daß er jenen 
ducch ein Loch in der Zimmerdede zwei Verſe zuge: 
rufen; die Leute batten geglaubt, den Teufel zu bb: 
ren. — Er eriäblt ferner, ein Kupferftecher habe 
einen Eleinen boshaften Affen, der bie Yeute zu 
beifien pflegte, durch einen ernfhaften Blick zuruͤck⸗ 
geihredt, — „Das wollen Eie uns doch wohl 
nicht für Merkwürdigkeiten geben?“ Ah? Nein! 
Aber das it merkwuͤrdig, dab Larive dergleichen als 
Bemelfe „tür die erfebhtternde Wirkſamkeit der menfch: 
lichen Organe“ anführt, und daß viele Scurnaliften 
fie ihm mit eben fo wichtiger Mine nacherjäblen, 
Man könnte eben fo gut von der großen Kraft der 
Xodsbärte fprechen, da der Knecht Ruprecht mit 
dergleihen die Kinder fihredt, oder der Hundszaͤhne, 
die ein Bullenbeißer nur zu zeigen braudt, um den 
Wanderer in Furcht zu feßen, Wenigftens find diefe 
Geichichrchen ein Beweis, daß auch Kerr Larive 
das neidenswerthe Talent beſitzt, Etwas aus — nichts 
zu machen. 


Wie Pariſer Zeitungen berichten, haben ſich bei 
der verfuchten Luftfahrt des Heren Prof. Bourquet 
zu Berlin, über bunderttaufend Menſchen verfamms 
ler; auch hätte er obme Zweifel da der Verfuch fehl: 
fehlug, fein Leben eingebüßt, wenn nie Se Majes 


. 





ftät der König ibm des Prinzen Louis Königl. Ho⸗ 


heit an der Epige eines Huſaren- Kegiments zu 
Hülfe geſchickt hätten. re doch alles, ſelbſt 
eine Volks: Unrube, in Berlin betrieben wird! Hier 
weiß man Fein Wort davon, R 





Der Abbe Seoffrot if: feitdem bie andern Zei⸗ 
tungen nicht mehr mit ihm janfen, fo dürftig an 
Materlalien, dak er in mehrern Blättern hintereins 
ander lange Auszüge aus Kampe'ns Befchieibung 
ber „Entdedung von Amerifa für Kinder * giebt, 


Buverläßigen Nachrichten zufolge iſt am erſten 
Januar 1904. ein jonderbares nd didium zur Melt 
gekommen, F ſchon vor ſeiner Geburt behauptet, 
zwanzig Jahr alt zu ſeyn, gewaltig gelaͤrmt und 
mangerlei ſehr zmweideutige Dinge verjucht, hat 
fünf Veonat nach feiner Geburt gewaltig altflug ges 
ſprochen, ift aber im jechsten Monat ſchon wieder 
vor Alter Eindifch geworden, . 

Eiche Itum, 142. der Jenaifchen Lit. Zeitung, 


Der Geift des Menſchen. 


Mi tuhnem Adlerſluge bringt 
Des Menſchen Grit ind Reich der Steruc, 
Zahlt ihre Zahl, miht ihre Ferne, 
Berechuet ibre Bahn, und ſchwingt 
Sich dentend zu des Weltalis Granzen 
Wo tauſend Seharenkreiſe glanzen. 

Er ſorſcht, wie ſchnell das Sonnenlicht 
Zur Erde drimat; er ſieht im Keime 
Des Apfelterns die tunftgen Baume 
Mit Blut' und Frucht; ſelbſt das Gewicht 
Son Seuerlammen um» von Winden 
Wagt ar mit Scharfünn zu erarkmden, 

Mas Meer und Errom, was Thal und Flur 
Bewohnt, werß alles er um Mensen: 

Sich ſubſt nur kann er nicht erfenmen ı 
Erin Uriprung, Weſen, Kraſt, Kater 
und Zweck, find ihm, Trog feinen Sorgen 
Sie iu durchſchauen, tief verborgen. 

Er imeifelt ſelbſt an feinem Sein, 
Graat: „Bin ih nur aus Staub geboren? 

u Tod und Untergang erfohren ? 

in ich vielleicht ein bioüze Schein? 

Ein Flammchen, bas der Korper nahret, 
Das ihn umd ſich zugleich verzehrtet? —“ 

„Bin ich vieleicht ein bloies Vild, 

Nur ein verworrmes Bild von Budern? — 
Wie fol ich mir mein Daſeyn ſchildern? 
Welch umerflariih Dunkel fullt 

Mein Junres: Wir kaum ichs erzründen? 
Wo ſoll ich Licht, wo Wahrheit finden? — Hl 

So zroeifele er, und wankt und irrt; 
Our ungewiiem Boden ſchreitet 
Er vor« und ruckwarts; viters oleitet 
Er aus; von ZIweifeln ringe umwirrt, 
Minge fein Verdand um onſt mach Wahrheit: 
Er giebt fie miche in ihrer Klarheit, 

Da tönes in feinem Immera laut: 
„Du fol vorkommen, heilig werden! 
„Das Mana Du nicht auf dieſer Erden, 
„De der, der fie und Di gebaut, 
„Der beitig if, und feinen Willen 
„Ins Herz Dir ſchreidt, thn zu erfütlen:“ 

Der kann und wird, — dran weiſte nit! — 
„Dein ernſtes ruheloſes Etteben 
„Rad Watzrheit, Hetligteit und Leben, 
„Wenn Deines Korpers Bau zerbticht, 
„In einem beſſern Daſeun flilen, 

„Und Dich und Sich Dir gam enthüllen,” 
A. Burdach. 











1504. Nro. 137. 
Der Freimüthige 
Dienftag, — 0 — — den to, July, 
Gr rıff und © et. 





Literatur 


Briefe ber Jfflands Spiel in Leipzig, 
zu Ende des Junius 1804. (In fieben 
Ei Leipzig, im Comptoir für Xiteratur, 


8 iſt eine eigne Sache mit den betaillirten Ent: 
widelungen der theatralifhen Darftellung einer Rolle, 
, Der Künftler — der wahre nehmlich, — fucht den 
Charafter, den er darzuftellen bat, gang aufjufajfen, 
fih ein beftimmtes Bild deifelben vor die Seele zu 
rufen; er überlegt die Weife, mie die Hauptmomente 
—* Reden ausgedrüdt, durch welches Mienenſpiel 
ie unterſtuͤtzt werden muͤſſen; er waͤhlt paffende An: 
fündigungen des Charakters in Kieidung, ang, 
Benehmen: kann er noch mehr thun? Sch glaube 
nicht. Das weitere Detail der Nusführung, die klei⸗ 
neren Momente u. f. w. müjfen durchaus der augen: 
biidiihen Stimmung (fie wird die richtige fern, 
wenn der Künftler wirklich mit ‘ganzer Seele bei 
feinem Kunftgeichäfte ift,) Überlaffen bleiben. Wer 
altes vorher überlegen, einüben weilte, würde leicht 
zur lebendigen Marionette werden. Nun treten aber 
die Beobachter her, und heben taufend Kieinigkeiten 
heraus, bewundern, erflären, verfündigen fie, als 
Diefultate des tiefften Nachdenkens, — indeß der 
Schauſpieler ſich vielleicht ihrer nicht einmal deutlich 
bewußt ift, und morgen in derfeiben Rolle auch nicht 
eine einzige bderfelben mr anbringt: — denn, die 
erwähnten Hauptpunfte abgerechnet, laͤßt fih Zchil: 
lers berühmter Klage über das augenblidliche, fpurlofe 
DMergeben des mimilchen Kunftiverks, recht gut die Des 
merkung entgegen fegen, daß es auch nur Produft des 
Augenblids, und für den Augenblick berechnet ift. 
och, indem ich die Klippe bejeichne, an mel: 
cher die Verichterflatter Über einzelne Darftellungen 


— ſcheltern, muß ih dem Verfaſſer dieſer 


riefe das Zeugniß geben, daß er ſie meiſtentheils 


(nicht uͤberall) vermieden hat. Seine Bemerkungen 
treffen vorzüglich die Weiſe, wie Iffland die Charak— 
tere im Ganzen nahm, und eignen ſich daher recht 
ſehr dazu, vorzüglih von Schauſpielern felbft, mit 
Mugen geleſen ju werden, Schade, daß fie offenbar 
mit zu grober Tile gefchrieben wurden: der Stil iſt 
auferft vernachläffigt, =; 


Hundert Hmperbein auf Herrn Wahls große Nafe, 
in erbauliche hochdeutſche Reime gebracht, 
von Fr. Hophthalmos. ( Stuttgart.) 


Ya, ja! Irdiſche Größe iſt miche immer ein 
Städt! Das beweiſt das Schickſal der armen Heldin 
diefes Buͤchelchens. Ein ganzer Schwarm von Wefpen 
bat ſich an fie gehängt, dach — was bemerkt zu 
werden verdient, — chne zu flechen: fie ſummen 
nur und jeigen den Stachel. Moher fie kommen? — 
Wahrſchemnlich hat Haug fie gefender: denn ich weiß 
unter den jekt lebenden witzigen Köpfen niemand, 
der eine ſoiche Ueppigkeit des Wiges an Einen Ge 
genftand zu verwenden hätte, 

unabwendbar. 
Wer ungeſehm, mer ungeſcheut 
Sid argern will, mein Pieter, 
Eurfernt ſich beimlich meilenmeit 
und alcht dir Naſenſiner. 
Ubentbeuer 
Yünafibin lieh ich die wudhtende Na auf dem Strius ausruhm, 
is ein Bewohner des Sterns kuͤhnlich herapiubr an ibr, 
Doch in der Mitte erblih er vom Hunger aetodtet, 
Und in mein Antlig ach! ſturzt, ein vermoderter Peib! 

Das glaubt man vielleicht, Fann nicht überboten mer 
den? D ja! Teer muthwillige Dichter fließt mit einer 
Abbitte an Herrn Baht. 

Vergleb mir — Du bi von atrechtem G&men 

Ob meinen Naiempasquilien dırrchdramaeit z 

Denn was ih Duperbein nanır im Eden, 

Das find in Wahrheit — Vertleinerungen 


— 26 — 


Hirtenlied aus dem Echillerfchen Schauſpiel Willhelm Tell. 


Andantino. von Bd. U. Weber, 
I —— — —* — — 
| — 





— Se) E ers — 


Ihr Mat » tem Ictt wohl, ihre fon ’ ni: gen 


FSF — 
ED u — 




















ad ibn ritenuto. tempo, 
m — en o — 
— — Sara — —— — — 
EN — 
— den, der Sen⸗ne * ſchei den, der Som⸗mer iſt bin, 
| NN 
ne et BIN 
— —— — — — — Zn, — 
— * ze = 
7 — — ER. Eee = — 8 
Erz — — — 
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un Dee com moto. 
— — 2 
—— —— = == === 

















der, —— der — ruft, wennerswa chen die Lie + 


— = FEFFE en, — 








ee SERIE ——— 
ö—— ec Tao, Me „Ara MR — ha Ar Zu — 
je; ss Ser Son 





der, wennmit Blasmen die Er s de fich Hei, bet nen, 


— — 











4 


ueber Schillers Wilhelm Tell. 


(Fortſehung.) 
Mean wiederholte am 6. Jullus dieſes Trauerfpiel: 
ih bin alfo im Etande, eine nähere Beurtheilung 
deffelben fehnell nachzuliefern. 

Huch nach diefer wiederholten Fälteren Anſicht 
des Stuͤckes, find’ ich nicht Urſache von dem Lobe 
viel zuruͤkzunehmen. Der Plan ift in der That meis 
fterhaft, nehmlich fo meit das Stuͤck gebt, das heißt, 
bis zum Ende tes vierten Aktes: Feine Ecene ließe 


ſich entbehren, ohne daß eine Lüde in der Handlung 


(dieſe ift aber, wohl zu merken, nicht Tell's Ge: 
f&hichte, fondern die Befreiung der Echmweij) 
eneftünde, und für die Hauprfcenen hat der Derfaf: 
fer alles wortrefflich berechnet, was ihren dichterifchen 
Werth erhöhen konnte. Im diefer Ruͤckſicht iſt der 
Schluß des vierten Aftes vorzäglich meifterhaft. Ich 
kenne wenig fo fehöne auf der Bühne ausgeführte 
een, als der Kontraft zwiſchen Tell, der in dem 
Hohlwege, in der Eraltation verjweifelter Entfchlof: 
fenheit, dem Augenblick entgegenfieht, eine That zu 
begehen, die das entſcheidende Loos Über fein Echid: 
fal, das Schickſal feiner Familie und feines Vater: 
landes werfen foll, — und dem frohen Hochzeitsjuge, 
der an ihm voräber wallt; ferner zwiſchen dem Weh— 
flagen von Geßlers Begleiter neben der Leiche, dem 
fiummen, frohen Erftaunen ber befreiten Landleute, 
und dem erhabenen Todtengefange der Moͤnche. Der 
Effekt, den dies Alles zu machen fähig ift, gehört 
zu dem Höchften, was ſich durch poetifche Öruppirung 
leiften läßt. — Der fünfte Akt hingegen aus dem 
nur ein Paar Erenen dem Ganzen nothwendig find, 
ift, wie der von Kotzebue's Huffiten, ein, in kuͤnſtleri— 
ſcher Hinficht, nachtheiliger Zufag, der die Wirfung 
des Ganzen fehr beeinträchtigt, und den Aufchauer 
abgefühlt entläßt. Da er aber wirklich fehr große 
dichterifche Schönheiten befigt, (3. B. die fehauervolle 
Eituation, in welcher der Kaifermörder erfcheint, und 
die Befchreibung von dem Wege nach italien, u. a.) 
befonders aber da die, durch Johanns Erfheinung 
herbeigeführte Erdrterung, warum feine That Selbſt⸗ 
rache, ein Verbrechen, — Tell's That hingegen,als abs 
gedrungene DVertheidigung feiner Familie und Be 
freiung des gedrädten DVaterlandes, verdienſtlich ift, — 
da diefe Erörterung fage ich, obgleich nicht dem Süd, 
doch vielen Aufchauern eine nothwendige Zugabe 
ift, fo betrachte man diefen Aft als ein Nachfpiel, 
und — fehe es nit, wenn man die MWirfung des 
Stüdes ſeibſt ungeſchwaͤcht mit fich hinwegnehmen will, 

In Küdficht der Charaktere verdient bemerkt zu 
werden, dab Schiller feinen einzigen Äber die Na: 


* 


turwahrheit hinaufgetrieben, innerhalb der Graͤnzen 
derſelben, aber fie aͤußerſt kraftvoll und ſchoͤn ausge: 
führt Hat. Es iſt fein einziger unter allen, der zu 
feinen Handlungen, wie in den Altern Schillerſchen 
Erlen bloß durch philofophifch: gefühivolle Sentie 
ments und Anfichten beftimmt wird, fondern jeder 
wird durch Motive die aus dem Drange des Lebens 
felbft genommen find, zum Handeln getrieben. Nicht 
durch Eophismen, dur Thaten und durch Peiden: 
ſchaften werden bier die Thaten erzeugt, 


Am vorzöglichften ift ihm der Charakter des 
Tell felbft ag Tell iſt ein feuriger Mann in der 
Blüthe feiner Kraft, der noch immer mehr durch 
rafches Gefühl als durch langes Nachdenfen beſtimmt 
wird: aber doch ſchon fo reifen Geiſtes iſt, Die Ge— 
fahr der Uebereitung zu erfennen und zu vermeiden, 
So nahm ihn Iffland, fo bielt er ihn im. Eturm 
der Gefühle: überall zeigte er, den Kampf der prüfens 
den Vernunft mit dem aufbraufenden Herien, — und 
durch taufend charafteriflifche Zuͤge bezeichnete er den 
Aufthauern, mas ihn aufden Weg trieb, den er endlich, 
wifchen beiden bin, mit Entfchioffenheit betrat. — 

teben ihm ließ Herr Mattaufh, als Arnold Melch— 
thal, in den leidenfchaftlichen Ecenen faft überall 
fehr ſchoͤn den Juͤngling ſehn, der in wenig Jahren 
ein foicher Mann feon wird, als Tell jetzt if. Auch 
Herrn Bethmann, als Ulrich von Rudenz, Herrn 
Keinhardt als Stauffacher — und der Ausführung vers 
ſchiedener Eleinerer Rollen, gebührte lebhafter Bei— 
fall: — im Ganzen aber ſchien die Darjtellung nicht 
gehörig vorbereitet. Selbſt bei der zweiten Auffüb: 
rung noch, mußte der Gouffleur oft fo laut werden, 
daß er in mancher Ecene allen Effekt vernichtete. 


Der geliebte Hund 
Grabſchrift. 


Dicben ein Lowe, Galanen ein Lamm, 
War er ein Liebling von Herr und Madam. 


Ebhbefreuden. 
Fwei Freuden find's, womit die Eh’ das Herz erfüllt: 
Ein Weib in's Rraut⸗ umd Eterbe: Hemd gehültt. 
OÖ ſuer Etand, im dem bie legte Stunde, 
Co ſchwarz fie auch vel quast niederſteigt, 
Der erſten an Eritzucken gieicht! 


Flach und Tief. 

Once ſchrieb mir ihrem Hirtenſt abe 
In den Sand: Mein ganjıs Herz if deim! 
Jar ſchnitt im die Eiche: „Pig zum Orabe 
Eon dies treue Herz dein eigen Fan, — 
Ad da blies der Weſt! O Jammerklage, 
Ihre Liebe Ara von Flur iu Kur, 
Mit dem amd, auf welchem fie mir ſchwur — 
Ad: und meine wachſt mir jedem Tage. 


Als kfirus droßte. 
Senn mich, ob meiner Kritit und Lehre, 
In feine komtſchen Charaktere 
Der Puftfoielmader aus Grolle miſcht: — 
Entiepliche Rache: — Bei meiner Ehre ! 
Dann werd’ ich wom Publikum ausgeliſcht. 


29. 





1804. 


Nro. 138. 





ARSTIDES, 
Der Treimütbisge 


Donnerflag, 


Ernf 


— ter —— 


und 


den 12. July, 


Sdher, 





Sranzöfifche Literatur. 


Mes souvenirs de vingt ans de sejour & Ber- 
lin, ou Frederic le Grand, par D. Thie- 
bault. En V WVmes, 


HD. Merfaffer war von d' Olivet und D’Alembert 
Friedrich dem Einzigen zum Profeffer an der 
Ecole militaire empfohlen worden. Er fam im 
Jahr 1765. nach Berlin und verließ es folglich, wie 
fih aus dem Titel ſchließen laͤßt, kurz vor 
oder nach dem Tode des großen Könige, — Arie 
drich fprah ihn wenig Tage nah feiner Ankunft, 
und ber verftändige, Fenntnißreiche, aber dabei, wie 
es ſcheint, ſchlichte Mann hatte das Gluͤck dem er: 
habnen Menfchenfenner zu gefallen, Friedrich ließ 
ibn, wenn er in Berlin war, oder wenn Thiebault 
nach Potsdam Fam, fehr oft zu fich rufen, um fich 
mit ihm zu unterhalten, oder fi von ihm etwas 
vorlefen zu laſſen. Thicbault erhielt fich diefe Huld 
durch fein immer abgemejfenes, ehrfurchtsvolles und 
zugleich männliches Betragen, 

Er war das erftemal, als er vor dem Monar: 
hen erfchien, nicht Friechend demüthig, (er weigerte 
fi 5. B. gegen feinen Begleiter, fih dem Gebrauch 
des Rockkuͤſſens zu unterwerfen,) aber er war auch 
nach vielen Jahren nicht Fühner und zutraulicher in 
feinem Betragen, als an dem erfien Tage, Männer 
der Art machen eigentlich faſt nie eine Garriere, aber 
fie verlieren eben fo felten eine Fußbreite des Bo: 


dens; fie zeichnen ſich nie aus, aber fie büßen auch 
nie von der Achtung ein, die fie einmal genießen. 
An diefer ruhigen, feſten Lage verlebte Herr Thie— 
bau't zwanzig Jahr zu Berlin, fah und erfuhr eine 
Menge von Sachen, die zum Theil gar nicht, zum 
Theil fehr entftellt ins Publifum famen; beobachtete 
den größten Mann des verfloffenen Jahrhunderts in 
der Mähe, lernte alle Ausgezeichnete, die ihn auf 
längere oder kuͤrzere Zeit umgaben, kennen; fah den 
Gang der Geſchaͤfte und — legt in biefem Werke 
die Sammlung der Merkwuͤrdigkeiten vor, bie er 
fih aufjeichnete, 

„Ohne Zweifel alfo ein fehr wichtiges Werk!“ 
rufen bier wahrſcheinlich die meiften Leſer aus, aber 
fie irren fich: es iſt nur ein unterhaltender, Zwar, 
der erſte Band hat den engern Titel: Frederic le 
Grand; der greeite: Frederic et sa Fämille; der 
dritte: Frederic, sa Cour, les Voyageurs et 
les Ministres etrangers ; der vierte: Frederic et 
son Gouvernement civil et militaire; der fünfte: 
Frederic, son Acad&mie, ses écoles et s=s Amis 
literateurs et Philosophes, — aber Über alle diefe 
Gegenftände findet man nichts als Anekdoten und 
wieder Anekdoten, von denen noch dazu manche fehr 
den Anfchein zu forgles und leichtgläubig angehörter 
Klärfchereien haben, Diefelbe Nüchternbeit des Gleis 
ſtes, die den DVerfaffer im Zirkel der Gefchäfte und 
des Lebens vor großen Feblgriffen ficheree, machte 
ihn auch unfähig, irgend eine hohe philofephifche 
Anficht zu nehmen; aus dem was er ſah und erfuhr, 


— 30 — 


wichtige Reſultate zu ziehn, oder ſeine Materialien 
auch nur einigermaaßen ſchoͤn zu verarbeiten. Mein! 
Der gute alte Mann erzähle mit der unermuͤdeteſten 
Diedfeligfeit, aber zugleich fo bequem und nadläßig 
als möglich, alles was er weiß, das beißt, zehnmal 
mehr als die Leſer zu willen verlangen, (So gar das 
vergißt er nicht, daß fein fiebenjähriger Sohn, als 
er einft eine Reife mit ihm nah Frankreich gemacht, 
auf einer Terraffe zu Berfailles gefallen ift, daß er 
ihm darauf einige Plaifanterieen gefagt bat, bie er 
für geiftvol zu halten fcheine, und daß darauf — 
man benfe! — einige Umftchende gefragt haben: 
wer er ſey? —) Eein Buch ift daher mohl ein rei: 
ches Magazin voll Materialien zu wichtigen Schrif⸗— 


ten, felbft aber nichts als ein naives Geſchwaͤtz. Ein 


alter Dann erjäßlt bier, was er als ein junger hörte: 
beifer wär’s, hätt’ ein junger Mann gefagt, was ein 
alter dachte. 

Ueber die Richtigkeit oder Unrichtigfeit der er: 
zählten Facta Fann ich, felbit ein Fremder in Deutſch⸗ 
-Sand, nicht urtheilen: aber hoffentlich thut es bald 
der ehrwuͤrdige Senior der Preufifihen Gelehrten, 
der in fo vielfacher Ruͤckſicht fo hochverdiente Greis, 
Micolate Ich muß mich begnügen, meinen Lefern 
gelegentlich einige der Thiebauleichen Anekdoten wie 
der zu erzählen. 

G. M. 


Auszug eines Schreibens aus Rom. 
(Bon einem Kenner.) 


Herr Schick ift mit feinem Gemälde, welches den 
vor dem König Saul fpielenden David vor 
ſtellt, fertig. 

Sch habe mich, da er Parifer Geſchmack mit 
brachte, in ihm fehr getäufcht, denn feine Malerei 
übertrifft alle meine Erwartung, und erhält allge: 
meinen Beifall, befonders von den beiten Stalienk 
ſchen Künfttern, Ich bemerfe diefes ‚weil die Beur: 
theilung in Kunftfachen bier meit richtiger umd 
billiger ift, als irgend fonft, wo man nicht mit an: 
dern in Mergleihung gefeßt werden kann. &o 
bald bier in diefem Sitze der Monumente und 
Kunftwerke aller Gattung, einer Arbeit das Urtheil 
geſprochen wird, fo kann man fich zuverläßig auf 
deren Werth und Gehalt, ſowohl für, als wider, 
verlaffen. Denn bier fann die Mode niemals fo 
ganz ihren.bespotifhen Scepter fhwingen. Wenn 
bier bisweilen unwuͤrdige Künftler durch Antriguen 
und Cabalen ſich auf den Thron des Ruhms erhe: 
ben, fo ift nit die gefunde, Öffentliche Meinung 
und Beurtheilung an ihrem Triumpfe, über den gus 
ten Geſchmack Schuld. ie werden hoͤchſtens von 


reichen, reifenden Ultramontanern, beren materieller 
Sefhmad nichts, als Mode ift, auspofaunt. Die: 
fes Bild des Herrn Schi ift im Geift der Maler 
des funfjehnten Jahrhunderts, von gutem Stil, ſchoͤ⸗ 
nem, fraftvollem Ausdrud, befonders in den Kb: 
pfen, in der Bekleidung groß, und in dem Colorit 
vortrefflich. Aus diefen Eigenfchaften ſchließe ich mit 
Zuverficht, ‚daß fein zweites Werk noch beffer wer: 
ben wird, Er wird feine Kenntniffe, die unfere Kunſt 
erfordert, noch mehr erweitern, feine Arbeit wird 
mehr Gewißheit befommen. Außer Carſtens und 
Wächter, fenne ich feinen Deutfchen Kuͤnſtler, der 
fo etwas zu machen im Stande wäre, Im Colorit 
übertrifft er fie beide weit, und ich glaube, daß er 
bier nur Einen Mebenbubler in diefer legten Partie 
bat, den Landi. Eeine Farbe beträgt ſich völlig mie 
dem großem til, den die höhere, den bublerifchen 
Reiz nicht duldende Malerei verlangt. 

Naͤchſte Woche gehe ih nach Toscana, u, f. w. 


Theater » Nachricht aus Wien. 


ine elende Beärbeitung eines ſchlechten alten 
Stuͤckes: Der junge Herr von Merovig, miß⸗ 
fiel wie billig; Vogel hat in feinem: Bräutigam in 
der Irre, den nehmlichen Stoff ohne Vergleich beffer 
behandelt, Blos die Kolle eines geihwäßigen Notar 
gefiel anfangs, wurde aber in ber Länge widerlich. 
Beſſer wurde eine Operette: die Scheidewand 
aufgenommen; die Muſik ift von einem Herrn Fiſcher, 


"der Anlagen zeigt, und bei fortgefektem Eifer und 


Etudium feiner Kunft, vielleicht einmal etwas Gutes 
leiten dürfte, nur könnte man ihm rathen, fich lie: 
ber die Itallener und Deutſchen, als wie er es zu 
thun ſcheint, die Franzofen zum Muſter zu nehmen. 
Eine neue Oper Seyfriede: Die Ehmänner nad 
der Mode, theilte das traurige Schickſal nicht zu 
gefallen, mit allen ihren frühern Schweſtern. Verge— 
bens wird diefer Komponift durd feinen Fleiß, Feuer, 
Kraft, Melodie und Originalicät zu erringen fuchen; 
feine Wünfchelruthe vermag an einem Orte Gold zu 
entdeden, mo es die Natur nicht erjeugte, Aber 
auch der Stoff von dem Dichter ( 72 Seyfried nach 
einem Franzdfifchen Luftfpiele bearbeitet; daß nehm— 
lich zwei Männer die wechfelmeife in ihre Weiber 
verliebt find, von dieſen bintergangen werden, und 
jeder an dem Beftellungsorte feine Frau findet, — auch 
diefer Stoff ift ſchon oft mie viel mehr Laune und 
fomifcher Kraft aufs Theater gebracht worden, — 
Schlenkerts Bergenappen von Freyburg kamen viel 
zu fpät, Die ſchlechten Ritterſtuͤce find fehon fo lange 
und fo fehr aus der Mode gefommen, daß fie felbit 
eine illuminirte Stadt nicht mehr zu heben vermag. 


— 31 


Amſterdam, den 23. April 1504. 
Am Haag iſt aus dem Palais "des Prinzen von 
Meilburg ein großes Motional: Theater, aber leider! 
nur auf Privat: Eubfeription, gemacht worden, Es 
ward mit dem Trauerfpiele Semiramis (durch 
Herrn Pieter VYypers uͤberſetzt) eingeweiht. Madame 
Ziesenis (geb. Wattier) fpielt dieſe Rolle nıeie 
fterhaft. Ich bewunderte diefe große Frau in ihrer 
ganzen Majeftät, und befonders in der trefflichen 
Ecene, wo fie mit der erhabenften Würde vom 
Throne herab ſpricht. Sie wird nach dem Zeugniffe 
der biefigen Engländer, von der berühmten Miſtriß, 
Seid dons in Fonden, welcher alles Aeußere fehlt, 
nie erreicht werben. — |) 
Etuttgardt, den 26. Juny 1801. 
Unter trefflicher Schauſpieler Vohs iſt gefährlich 
krank. Seine Darſtellungen des Regulus, des 
Nathan, werden uns unvergehlich ſeyn. 


Miscellen aus Rußland. 

Die Petersburger Akademie der Wiſſenſchaften bat, 
auf den Vorfchlag ihres wärdigen Präfiventen, des Ge— 
heimenraths Nomofilzow, der Wittwe des berühms 
ten Akademikers Euler, die bisher nur eine Penfion von 
500 Rubeln genoß, noch 500 Rubel jährlich zugelegt. 

Der Hofrat Emwers, der unlängft aus Jakuzk 
zurücgefommen ift, bat der Petersburger Afademie 
der Wiſſenſchaſten verfchiedene Seltenheiten aus den 
dortigen Gegenden mitgebracht, unter andern einige 
fehr ſchoͤne und feltne Fuchsbaͤlge, mehrere hölzerne 
Gefäße, die mit Schnigarbeit verziert find und von den 
akuten blos mit dem Meffer gearbeitet werden u ſ. w. 

"Herr Adam, der den Grafen Muſſin-Puſchkin 
auf feiner Reife durch den Caucaſus begleitet, ift von 
da zurüdgefommen -und hat fowohl für den Garten 
der Raiferin Mutter ju Pawlowsk, als auch für den 
betanischen Garten der Akademie, verſchledene Pflan: 
jen und Saͤmereien vom Kaufafus uͤberbracht. Bei 
diefer Gelegenheit ift Herr Adam einftimmig von der 
Akademie zum Ehren: Mitgliede erwäbhlt worden. 
Diefer junge Mann, ein Zögling der mosfauifchen 
Univerfität, verfpricht im Face der Naturgefchichte 
viel für die Zufunft. Er reifet jeßt nach Konftanti: 
nopel und von da längs den Hüften Anatotiens über 
Mingrelien und Immertien, nach Gruſien oder Geors 
gien, wo er ſich wieder mit dem Grafen Muffins 
Pufchfin vereinigen wird; Eine furze und vorläufige 
Deichreibung der neuen Pflanzen und Inſekten, die 
der Graf auf feiner Reiſe entdeckt bat, wird durch 
die Afademie befannt gemacht werden, 

Kerr Eewergin wird nächftens einen zweiten 
Theil feiner, im fünften Hefte der Ruff Misch 


Len: angezeigten, Reife in die weftliden Pro: 
vinzen Rußlands heräusgeben, welcher eine Ber 
fhreibung des Souvernements Nomogrod, Pſkow 
oder Pleskau, Witebst und Mohilew, die er 
als Bifitator der Schulen bereifet hat, enthalten wird. 

Der vor furzem nah Eharfom als Profeffor 
der Naturgeſchichte abgegangene D. Willi ift am 
20. Februar diefes M bald nach ſeiner Ankunft 
daſelbſt, geſtorben. Er war von Geburt ein Deutfcher, 
hatte ſich aber lange in England aufgehalten und war 
vorzuͤglich durch feine Englifche Ueberfegung von Pal⸗ 
las Neife in die füdlichen Provinzen Rußlands, befannt, 

Das Bad zu Baldohnen in Lurland, ift 
von dem Afademifer Comwiz und dem D. Vabler 
unterfucht worden. ie fanden in einem Pfunde 
Waſſer folgende Beftandtheile: 


Harzige Subſtan — — — 75 Iran, 
Salfaure Bittererde — — 35 — 
Bitter — — — — * — 
Sauber) — — — — u — 
EiſenſaͤͤureU — — — 5 — 
Kohlenſauren Kalt — — 5 — 
Selenit — — — 13 — 
Kieflede — -— — — 5 — 
Thoͤnerde — — — — 5 — 


Kohlenſaures Gas — — 3 Kubikzoll. 
Hieraus erhellt, daß dieſe Quelle viel Aehnlich— 
feit mit einigen, wegen ihrer Heilkraͤſte eben nicht fehr 
berühmten, Mineralquellen des nordlichen Deutſch⸗ 


lands bat. 
(Die Fortſetzung folgt.) 


Das Bad zu Lauchftede. 
Im Junius. 


8 uchftede liegt in einer zwar fruchtbaren, doch für 
das Auge des Beobachters nichts weniger, als fch 

nen und reigenden Gegend. Cine große Flaͤche von 
allen &eiten, bietet dem Auge überall nur wogende 
Kornfelder dar, und nur ungern vermißt man Ab: 
wechfelung, diefen böchften Reiz ber ländlichen Das 
tur. Ueberhaupt bat die Matur Lauchjtede etwas 
fiefmütterlich ausgeftattet, vorzuͤglich, wenn man «8 
mit Pyrmont, und andern Bädern vergleicht ; indeh 
bat die Kunft manches für feine Schoͤnheit ges 
than. Die Umgebungen der Quelle find ziemlich ars 
tig. Eine große, breite Kaftanienallee iſt der Sam: 
melplaß aller Badegäfte, Überhaupt derer, die das 
bier mächtig ermachende Beduͤrfniß des Epayierens 
fühlen. Zur Rechten ift ein flehendes ſſer, 
welches aber ſehr rein und nett gehalten wird, und 
fo dem Auge einen artigen Anblick gewährt; zur Yin: 
ren eine ganze Reihe von recht niedlich deforirten 
Buden mit Galanterie = und andern Waaren, bie 
man bier zu den unumgänglich nethiwendigen Bes: 
dürfnigfen rechnet. Auf diefe Reihe von Boutiquen, 
auf welchen das Auge mit Vergnügen weilt, folgt ein 


Pavillon kann die Quelle felbft, hinter welcher, in 


einem mäßigen Bwifchenraume, der Tanzfaal it, der 
fih wirklich gan vorn auszeichnet, und in wel⸗ 
chem Mittags und Abends fehr gut, doch auch fehr 
3 geſpeiſt wird. Zur andern Seite der Quelle 
ift die ganz vortrefflich eingerichtete Badeanſtalt, .die, 


— 32 — 


nach dem Urthelle kompetenter Richter, eine der bes 
fien Deutſchlands iſt, und ganz am Ende der Allee 
ift der den Spielern eingeräumte Pavillon, der aber 
dies Jahr wohl allein den Tabacksrauchern offen 
ſtehen wird, da das Hazardfpiel bei 100 Thaler, oder 
Zuchthaus Strafe verboten iſt. Auf der andern Seite, 
jenfeit des Waſſers, wo das Churfuͤrſtliche Schlo 
liegt, — bietet der Schloßgarten, zumal, wenn es 
windig iſt, einen recht angenehmen Spaziergang bar, 
der aber wenig benußt wird, indem alles ſich in die 
Allee drängt. Die Anzahl der Badegäfte iſt in dies 
fein Jahre noch nicht ſehr ſtark, woran aber bie 
Asitterung, und die Maumburger Meſſe Schuld find, 
Erſt in der Mitte des Julius wird es recht brillant, 
Die meiften, die das Dad befuchen, find wohl aus 
Leipzig. und den umliegenden Sächſiſchen Gegenden, 
aus Halle, und auch aus Magdeburg, und zuwel— 
len aus Berlin. Die Theurung ift mit der in ans 
dern Bädern gar nicht ju vergleichen; nur uͤr eine 
amilie, deren jeßt, wie Einfender weiß,“achtjig da 
In. ift es mit vielen Unkoſten verfnüpft, ent: 
meder zur Wiederherftellung der Geſundhelt das Dad 
u gebrauchen, oder fih bios zur Verſcheuchung bb: 
er Grillen bier, mo diefe gar nicht geduldet werden, 
aufzuhalten. Das Wajler felbft, von welchem viele, 
aber mit Unrecht glauben, daß es bios zur Taufe 
aut fen, iſt fehr falpeterreich, und hat einen völlig 
Dinteäbnlichen Geſchmack. Es wird wenig getrun 
ten, aber defto häufiger zum Caffee, deifen Wohigelbinad 
es ſehr bebt, und noch mehr zu Bädern gebraucht. 
Diefe find ganz vorzüglich zur Heilung ſolcher Perſo— 
nen tauglich, die mir gichtiſchen Anfällen, Glieder: 
ſchmerzen, und andern ähnlichen Uebeln behaftet find. 
Uebrigens ift die Quelle, wie bei allen Badedrtern, 
für die Einwohner eine Quelle des Segens; denn 
Yauchftedt an und für fich felbft, iſt ein jämmerliher 
Sieden, der bios Aderbau treibt, und allein dem 
Dade einen gerilfen Wohlftand zu verdanfen hat. 
Die Einwohner fommen mir hier und in allen Bader 
Ärtern, wie die Tagfliegen ver, die, nad einem Fur: 
zen Leben, von ungefähr drittehalb Monaten, wieder 
in ihr Nichts, in eine- todte Leere yerfinfen, Das 
Theater ift, den 23. Junius mit Wilhelm Tell von 
Schiller eröffnet worden. So fehr dieles Stuͤck Ak 
ler Erwartungen gem hatte, fo fehr ſcheint es, 
dem Urtheile des Einfenders zufolge, bie der mehr: 
ften getaͤuſcht an haben. — Die Weimarfhe Ge 
fellfepaft debütirte in diefem Jahre fehr ſchlecht. Das 
Erüd- wurde fo lau, fo Falt geipielt, daß man wohl 
fah, die Zuchtruthe des Meijters fehlte, die allein 
in manche todte, Eunftabgeftorbene Serien Leben zu 
bringen vermag.. Here Haide, ein Helde in Tha⸗ 
liene göttlicher Kunſt, fpielie den Tel fo — huper: 
ſtheniſch, daß er in eine Aſthenie verfiel, — in eben 
dem Grade die Übrigen. Am Eonntage, den 24 
Yunius, gab man die niedliche Operette: Je toller, 
je beffer, wie in Weimar alle Opern, und Üperets 
Käme doch mehr Leben und Feuer 
in Thaliens Jünger, mehr Trieb, auch ohne Am 
© wünfcht mit allen anmwefenden 
infender, der vielleicht öfter Mach: 
richten von feinem Aufenthalt zu Lauchſtedt Du 
q 9 


Anefdbote 


— hatte durch ſein Norum Organon ſeinen 
Ruhm als tiefer Denker und großer Gelehrter ent: 
ſchieden. Er war Direkteur der Akademie zu Wlüns 
chen geworden, aber mannigfaltige Kränfungen be 
wogen ihn, diefen Poſten aufjugeben und nah Ruf: 
land zu gehn, Er nahm feinen Weg durch Berlin, 
Hier fabte Sulzer juerft den Gedanken, daß man 
diefen berühmten Mann nicht müffe weiter geben 
laſſen. Mehrere Gelehrten ſtimmten ihm bald bet, 
und es wurde ein Plan verabredet, den König zu 
bewegen, daß er ihm eine Erelle in der Akademie 
ebe. D'Argens, Lekatt, Guichard Üübernabmen es. 
Ariedrich willigte bald ein, aber er verlangte Yams 
bert vorher zu ſehen. Das war ein Donnerſchlag 
für feine Freunde, denn das Aeußere und das De: 
nehmen Lamberts war nicht dazu geeignet, dem Kö: 
nige zu gefallen. Wan machte Entfhuldigungen ; 
man. geftand endlih die Wahrheit, doch Friedrich 
lachte und that den Vorſchlag, Lambert im Dun: 
feln zu fpreden: man mußte alfo wohl nachgeben 
und die Vorſtellung geſchah. 

Der König redete ihn an. Guten Abend, 
Lambert. Sagen Sie mir doch, welche Wiſſenſchaft 
haben Sie vorzuͤglich ſtudirt? — „Alle, Sire.“ — 
Sie ſind alſo auch ein tiefdenfender Mathematiker? — 
„Da, Sire.“ — Unter mem haben Sie Mathe— 
motit ſtudirt? — „Unter meiner eignen Anleitung." — 
Sie find alſo ein zweiter Pascal? — „Ya, Sire.“ — 
Hier Eehrte der König ihm den Ruͤcken iu, ging la: 
end in fein Cabinet, und erzählte, man babe ihn 
bereden wollen, den es Tölpel, den er jemals 
gefeben habe, zum Mitgliede feiner Akademie zu ers 
nennen. Es dauerte lange, ehe man ihm bewies, 
daß diefer Tölpel ein Wann von großem Genie fey, 
und ihn beweg, ihm mit einer Penfion anzuftellen, 

Indeß man noch daran arbeitete, wollte einer 
von Lamberts Areunden ibm Muth einfprechen, und 
verficherte ihn, der König würde ibn gewiß endlich 
zum Akademicien ernennen. „Darüber bin ich gar 
nicht beforgt, antwortete er; des Königs eigne Ehre 
Iren intereifirt. Es wäre ein leden in feiner 

efchichte, wenn er mich nicht ernennete, “ 

Eines Tages fragte man ihn, wie er die leben: 
den großen Mathematiker ihrem Werthe nad) ſchaͤtze? 
„Der erfte, fagte er, ift Euler und D’Xlembert, oder 
D Alembert und Euler, denn beide find fich jo gleich 
an Werth, dab ich fie nur für eine Perſon anjebe. 
Der zweite ift jeßt La Orange; ich fage jeßt, benn 
ich zweifle nicht daran, daß er die erften beiden bald 
errreichen werde, Der britte bin ih. Die übrigen 
verdienen gar nicht angeführt zu werden.“ 

Nimmt man diefe Aeußerungen iufammen, fo 
fommt man in Verfuchung, Lambert für einen hoch⸗ 
ug Thor zu halten: aber das war er nicht. 
Sie find nur naive Aeußerungen feines richtigen 
Gelbtgefühls, und Beweiſe, daß er nicht eine foge: 
nannte feine Erjlehung erhalten hatte, Wenn on 
eine folche gelehrt hätte, feine Meinung zu verfteden, 
die-Diaste der Demuth vorzulegen: ob er deshalb 
wohl fhäßbarer gewefen wäre? — Hoͤchſtens — an: 
genehmer. 





1804 





Nro. 139. 


Der Treimütbige 


Freitag, 


Ernſt um 


ben 13. July, 


d SS der, 





Literatur 


Gallerie hiftorifcher Gemälde aus dem achtzehnten 
Jahrhundert. Ein Handbuch für jeden Tag bes 
Jahre. 2 Bde; von Sam. Baur, Prediger 
zu Göttingen, bei Um, Hof bei Grau, 1804. 


D. Nee einer ſolchen hiſtoriſchen Gallerie, hat 
ſchon der vor kurzem zu Tuͤbingen verſtorbene Pro: 
feſſor Seybold, vor mehr als zwanzig Jahren mit 
vielem Beifall auegeführt. eine hiſtoriſchen Ka: 
lender, wovon, wenn ich nicht irre, zwei bis drei 
Jahrgänge erfchienen find, waren dem Wefen nach, 
von dem geaenmwärtigen Werfe nur dadurch verfchie: 
den, daß darin auf jeden Tag im Jahr, eine an dem: 
felben erfolgte merkwuͤrdige Begebenheit aus der Ge: 
fchichte erzaͤhlt wurde, bier hingegen auf jeden Tag, 
ein Abriß der Pebens: Gefchichte eines an demfelben, 
entweder gebornen oder geftorbenen berühmten Dans 
nes, des verfloffenen Jahrhunderts in gedrängter 
Kürze mitgetheilt wird. Der Gedanke, durch eine 
ſolche hiſtoriſche Gallerie die biographifchen Kennt: 
niffe von den merfwärdigften Menſchen des achtiehn: 
gen Jahrhunderts zu verbreiten, und fie befonders 
den Yünglingen durch eine gefällige Darftellung ans 
ziehend zu miachen, iſt in der That fehr gluͤcklich, 
und verdiente von einem Manne ausgeführt zu wer: 
den, der fchon durch andere biographifche Schriften 
fein Talent, hiſtoriſche Gemälde aufjuftellen, bemie: 
fen hat. Die in diefer Gallerie enthaltenen 365 Les 


bens: Beſchreibungen der merkwuͤrdigſten Regenten, 
Helden, Staatsmaͤnner, Gelehrten, Kuͤnſtler und 
Abentheurer des achtjehnten Jahrhunderts, fo viel 
bis jegt davon erſchienen Äft, find mit biftorifcher Treue 
und Unparteilidfeit entworfen, und gewähren jeder 
Klaffe von Lefern eine eben fo nüßlihe und beleh— 
rende, als angenehme Unterhaltung. Freilich ift auch, 
wie fich nicht anders erwarten läßt, vieles darin dem 
Kenner der Geſchichte ſchon längft bekannt, allein 
da der Verfaſſer aus manderlei echten Quellen ge: 
fehöpft zu haben f&eint, fo kommen doch auch faſt 
in jeder Biographie einzelne Umftände und Anefdo: 
ten vor, die zuvor noch ziemlich unbefannt waren. 
Außer den angenehmen Erinnerungen aber, die auf 
jeden Fall in dem Gedaͤchtniß des Kenners dadurch 
geweckt werden, gewährt es auch ein eigenes Der: 
gnügen, den ganzen Lebensgang mandes Menſchen, 
der auf dem Schauplatze menfchliger Thätigfeit eine 
ausgezeichnete Rolle gefpielt bat, mit Einem Blide 
überfehen zu koͤnnen. 

Diefe Hiftorifhe Gallerie fol in vier Bänden 
geliefert werden, wovon bie zwei frhon gegenwärtig 
erfchienenen, allerdings die fchnelle Vollendung des 
Ganzen wuͤnſchenswerth machen. Um meinen Le— 
fern wenigftens einigen. Begriff von dem Inhalte 
bes Werfes zu geben, will ich einige kurze Stellen 
aus den Biographien des Marfchalls von Catinat, 
der Ninon von lEncles, und des Abbie des Fontal; 
nes zur Probe mittheilen. 

Nicol, von Catinat ward am 1. Febr. 1637. ge: 


boren. Diefer Held Frankreichs, in den die Armeen, 
weil er feine Entwörfe immer mit der aͤußerſten 
Eorgfalt und Klugheit ausarbeitete, das böchfte Ver: 
trauen fejte, und den fie nur le pöre de la pensde 


zu nennen pflegte, flößte felbft den Feinden, gegen - 


die er zu fechten hatte, Ehrfurcht und Bewunderung 
ein. Beim Ausbruche des Epanifchen Eucceffions: 
Krieges 1702 war anfänglich der Franzoͤſiſche Hof 
unſchluͤſſig, welchem General, ob Villeroi, Vendeme 
oder Catinat? er das Commandd in Stalien gegen 
den Prinzen Eugen übertragen follte, Als hiervon 
im Kaiferlichen Cabinette die Mede war, fagte Eur 
gen: „Kommandirt Dilleroi, fo fihlage ich ibn; 
commandirt Vendome, fo fihlagen wir uns; wenn 
aber Catinat an der Epiße ſteht, fo ziehe ich den 
Kürzern.” — Diefe Prophezeihung ging jedoch nicht 
in Erfüllung ; Catinat wurde bei Ehiari verwundet, 
mufte fich zurädzichen, und verlohr das Ober: Come 
mando. Groß auch im Ungluͤck, ertrug er diefe Des 
müthigung als Mann, und fuchte feinem Baterlande 
auch in einer fubalternen Etelle zu nuͤtzen. — Gek 
ten erfchien er bei Hofe, und als ihn Ludwig XIV, 
einft fragte: was er für Geſchaͤfte hätte, daß er fich 
fo felten bei Hofe fehen ließe? gab er zur Antwort: 
Keine Geſchaͤfte, aber es find da der Leute fo viele, 
und ich möchte nicht gern einem andern den Platz 
verſperren. — Mach der Schlacht bei Stoffard, war 
es feine erfie Sorge, die Verwundeten zu befuchen, 
und ihnen für ihre geleiteten Dienfte zu banken. 
Die Regimenter rudten bei feiner Ankunft aus den 
Belten, und empfingen ihn mit freuden : Gefchrei; 
bei einem darunter, das am meiften zum Siege beis 
getragen hatte, flieg er vom Pferde, und umarmte 
den Dberfien. Die Eolvaten, die eben vor ihrer 
Linie Kegel fpielten, verließen ihr Epiel; als ihnen 
aber Catinat fagte, fie follten nur fortfahren, fo 
ſchlug ihm einer von ihnen vor: er möchte mit von 
der Partie ſeyn. Gatinat nahm die Einladung an, 
und fpielte mit ihnen. Ein anmefender General 
äußerte feine Verwunderung darüber, daß ein Feld: 
herr mit feinen Soldaten nach einer gewennenen 
Schlacht, Kegel fpiele. „Nach einer verlornen Schlacht 
wär" es merfwürdiger, antwortete Catinat.“ — Er 
ift es, der zuerft das fo oft wiederholte Mort fagte: 
Man muß ein fehr großer Held feyn, um von 
feinem Kammerdiener überhaupt für einen angefehen 
ju merden, 

Die berühmte Ninon von l’Enclos war am 15, 
May 1616 geboren. Ahr Vater war ein fehr ge 
bildeter Mann, aberdabei der vollendetefte Epifurder, 
In den letzten Stunden feines Lebens, fagte er zu 
ihr: das Leben iſt nur ein Augenblick, mein Kind! Ge 


nieße es gang, genieße fo viele Freuden, als du 
fannjt, und ſey nur vorfichtig in ihrer Wahl! — 
Diefe Worte waren die Kegel für das ganze Leben 
der ſchoͤnen Ninen: fie wellte durchaus ſich nie ver: 
heurathen; in ihrem Haufe herrſchte die anftändigite 
Freude, die zrwanglofefte Heiterkeit; es war ein Auf: 
enthalt der Liebe, ein Tempel der Muſen, eine rel: 
ftätte der Freundſchaft. Ste verfammelte um fich 
ber, die beſte Geſellſchaft: Die feinften Köpfe ihrer . 
Zeit, und die vornehmften Damen beſtrebten fich 
um ihre Freundfchaft. In ihrem zwei und zwanzig: 
ften Jahre verfiel fie in eine tödliche Krankheit; ihre 
Freunde jammerten, daß fie in der Blüte ihres Al: 
ters der Welt entriffen werden follte; ah, fagte fie 
zu ihnen, ich laffe ja nur Eterbende zuruͤck! — Bol: 
taire ſah fie noch in feinem zehnten Jahre; Ninon 
bemerkte fon damals den Fünftigen großen Mann 
in dem Knaben, und hinterließ ibm zu einem Buͤ— 
cherankauf ein Vermaͤchtnig. Alle ihre Freunde biie: 
ben ihr treu bis in den Tod, ihre Liebhaber wurden 
ihre Freunde, und in dem hoͤchſten Alter hatte fie 
no Anbeter, Sie farb 1706 in ihrem neunzigften 
Jahre, und wurde allgemein befiagt, Der ewige 
Frühling iſt geftorben, fagte einer bei der Machricht 
von ihrem Tode, Dein, fagte ein anderer, der größte 
Dann und das ſchoͤnſte Weib find in Ninon ge: 
ſtorben! 


Der als Kritiker und Bellettriſt bekannte Abbee 
Desfontaines wurde am 2. Jun. 1685 geboren. 
Er hatte ſich durch feine Observations sur les ou- 
vrages nouveaux, einen furchtbaren Richterſtuhl an: 
gemaaßt, wo er, unter feinem eigenen Damen, über 
alte neuen Schriften ein gewöhnlich mit dem bei: 
fendften Salze gewuͤrztes Urtheil füllte, Der Lite: 
ratur feiner Zeit leiftete er dadurch allerdings wer 
ſentliche Dienfte, allein oft haben auch Erbitterung 
und Leidenfchaft feine Feder geführt, und fein bei: 
Gender Srott ſchonte auch der berühmteften und mit 
Net geachtetſten Männer nicht, Als der Abbee Pre: 
voſt ine lieberfekung von Cicero's Briefen heraus: 
gab, ſchickte er dem Abbee Desfontaines ein Erem: 
plar davon zu, und dieſer fchrieb ihm Hierauf: 
„Ah ſchaͤtze Ihre Arbeit hoch, und werde, mie 
„ſichs gebührt, einen Auszug daraus machen; einige 
„kritiſche Anmerkungen darüber werden Sie mir 
„aber erlauben, Die Algierer muͤſten Hungers fler: 
„ben, wenn fie mit aller Welt in Frieden lebten.“ — 
Diefe Worte des Franzöfifhen Kritikers fcheinen 
nur zu fehr noch heut zu Tage der Grundſatz unje 
rer literarifhen Richter zu feyn! 


d. 


Merfwürbige Ueufierungen Kauts von 
einem feiner Zifhgenoffen, Johann 
Gottfried Hafie. 


Hätte der Verfaſſer nicht oft von feinen Schrif— 
ten gefprechen, fo würden wahrſcheinlich die meijten 
Leſer diefer Brochuͤre geglaubt haben, fie rühre von 
Kants Köchin oder Bedienten ber; eine fo erbärms 
liche Kleinigkeitskraͤmerei herrſcht darin, und fo ſchlecht 
ift fie gefchrieben. Man erfährt, wie viel Pillen 
Kant täglich genommen, in welcher Ordnung er die 
Kieider aus: und angejegen wie er dieſes oder jenes 
Wort auegefprochen, mas für Meublen er gehabt 
habe u. dgl. mehr, Merkwuͤrdig habe ich in dem Buche 
nichts gefunden, als daß der große Denker, auch ehe 
ihn das Alter Findifch gemacht hatte, fo wenig efel 
in der Wahl feiner Tifhgenoffen war, daß er einen 
fo unerträglich flachen Muͤckenſeiger, als der Verfaſſer 
feii.t, unter diefelben aufnahm. — In einer Art 
von Vorerinnerung ſagt er: er wolle durch dieſe 
Brochäre nur feinem „Danferfülltem Herze Luft 
machen.” Es wäre dankbarer gewefen, wenn er 
dem großen Kant nicht feine Tiſchgenoſſenſchaft 
nachgeſagt hätte, R. L. 


Miscellen aus Rußland. 
Fortſehung.) 

Der Kaufmann Haidufom zu Wäsma, im 
Emolenstiiden Gouvernement, bat fig anheiſchig 
gemacht, ein Krankenhaus für Arme zu errichten, 
wozu er die Summe von 8000 Kubeln beflimmt bat. 
Kür diefes menſchenfreundliche Erbieten hat ihm ber 
Kaifer eine goldne Medaille Überfchidt, die er am 
Bande des MWladimirerdens um den Hals tragen 
darf. Auch hat ihm der Miniſter des Innern, Graf 
Kotſchubey, bei diefer Gelegenheit in einem befondern 
Briefe das MWohlgefallen des Kaifers mit feinem 
Vorhaben bezeugt. ' 

Der Werth aller, theils einheimifchen, theils 
fremden Waaren, die vom 1. Jenner bis zum 1. 
December des vergangenen Jahres, aus den Viagas 
zinen von Kjächta, an die. Chinefen verfauicht 
worden find, beträgt 1,762,93ı Rubel, worunter fi) 
‚ für 1,137,068 Rubel ausländifhe Waaren, größten: 
theils Tuch, befanden. 

Die Einfuhr in Orenburg, wohin die Karava— 
nen der Bucharen, Chiweſen, (Bewohner von Chi: 
wa) Kirgisfaifaten, und andrer Aſiatiſchen Dölfer 
des Handels wegen fommen, hat im verflojjenen Sabre 
1,756,682 Rubel betragen, die Ausfuhr hingegen 
1,817,598 Rubel, Die wichtigſten Einfuhrartikel 
find; rohe und gefponnene Baumwolle, baummollene 


Zeuge, Bucharifche Kattune, Pelzwerk, befonders 
Buchariſche und Kirgififhe Lämmerfälle, Ahabarbar, 
Pferde, Ochſen, Schaafe, Ziegen. Die Ausfuhrar: 
tifel, worunter die meiften Tranfitionwaren find, 
beftehen in Gemwürznelfen, Naͤhenadein, anfing, 
Glasperlen, Korallen, Kochenille, vergoldetem und 
verfülbertem Bleche, Biber: und Geeotterfellen, Epie: 
gelglas, Zuder, Tuch, Grüße verfchiedener Art, 
Juchten, feidene Tücher, Atlas und Halbpluͤſchen. 

Was Peter der Große in Rüdficht der Haupt: 
ſtaͤdte that, daß er nehmlich fremde Handwerker und 
Kuͤnſtler dur Beguͤnſtigungen und Vortheile dahin 
lodte, das that Catharina die Große in Anfe 
hung der Gouvernements: und Kreisftädte. Allein 
noch immer gab es mehrere Erädte im Innern bes 
Reichs, denen es an den nothwendigſten Handwer— 
fern faft gänzlich fehlte, Der Ruſſiſche Adel in den 
Provinzen hat bekanntlich unter feinen Yeibeigenen 
viele Handwerker, doch arbeiteu diefe felten für An⸗ 
dere, Bei der Einrichtung der Univerfität in Chars 
kow zeigte fich denn auch ein großer Mangel an den, 
für das menfchliche Leben fat unentbehrlichen, Ge 
werben, und deswegen traf die Kegierung Veran: 
flaitungen, ausländifche Handwerker dahin zu ſchicken. 
Bis jetzt find dahin abgegangen, ein Buchbinder, 
ein Glasfchleifer, zwei Tifchler, ein Schloͤſſer, ein 
Kupferfchmide, ein Klempner, ein Zinngießer, ein 
Biechichläger, ein Meſſerſchmidt, ein Töpfer, ein 
Strumpfiwürker, ein Keinweber, zwei Stellmacher, 
ein Dergolder, zwei Huthmacher, zwei Saͤgeſchmiede, 
zwei Sattler, ein Echneider, ein Lobgerber, ein 
Weißgerber, ein Tapezierer, zwei Schuhmacher und 
ein Beder. Diefe Leute, wovon die meiften Deut: 
fe find, erhalten einen jaͤhrlichen Gehalt, wofür 
fie einige Lehrlinge unterrichten müffen. Uebrigens 
iſt der Örtrag ihrer Arbeit einzig und allein für fie. 
Auch haben fie Keifegeld bis an den Ort ihrer Ber 
flimmung erhalten. Merkwuͤrdig ift dabei der Um: 
ftand, daß dergleichen Leute jeßt nicht mehr aus dem 
Auslande verfehrieben werden dürfen, fondern daß 
ſchon die Hauprfiädte fo überflüffig damit verfehen 
find, daß fie die Provinzialjiädte damit verforgen 
fönnen, denn die erwähnten Handwerker find groß: 
tentheils ans Petersburg dahin geichidt worden, 
Gewiß iſt die Gattung von Auffiärung, welche 
durch diefe Ausländer im Innern von Rußland vers 
breitet werden kann, für’d erfte nicht minder wohl 
thätig, als die, welche die dahin berufenen auslän: 
diſchen Profefforen zu verbreiten beſtimmt find, und 
deswegen wäre es zu wünfchen, daß mehrere Provins 
ziallädte mit dergleichen Meiftern der nothigſten und 
populärften Künfte verforgt würden, 


Einige®&tellenausbem merfwärbdigen Ukas 
an den Generalgouverneur von Sibi— 
rien, den Geheimenrath Gelifontew: 
„Der Gelft des Haders und der Verlaͤumdung 

hat fih in Sibirien fo verbreitet, daß mehrere Epi: 

livte unter ſich gleichfam ein Bündniß errichter ha: 
ben, um Denunciatlonen zu machen, wodurch nur 
die Beamten in Verlegenheit gefeßt, und die gericht: 
lichen Unterſuchungen endlos werden, ohne daß da 
durch etwas erdrtert wird, Diefes Uebel muß durch 
die firengfle Anwendung der Geſetze, die gegen leere 

Denunciationen gerichtet find, ausgerottet werden.” 

„Es iſt befannt, daß die sinsbaren Völkerfchaf: 
ten Eibiriens, durch ihre Meigung zum Trunke oft 
in Armuth und Elend gerathen. Zur Abmwendung 
diefes Uebels beftcht das Verbot, ihnen geiftige Ge: 
tränfe zuzuführen. Sollte diefe Verordnung durch 
bie Zeit, oder aus andern Urfachen ihre Kraft ver: 
toren haben, fo müjfen Eie diefelbe wieder in gebb 
rige Kraft und Wirfung feßen. * 

„Dur mehere Ufafen und Verordnungen iſt 
befohlen worden, diefe Voͤlkerſchaften bei ihren ur 
fprünglichen Rechten und Gebraͤuchen zu laffen, nach 
welchen fie unbedeutende Lachen und Prozeffe felbft 
unter fih abmachen, ohne vor Gericht gezogen, und 
durch die gerichtichen Formen lange aufgehalten zu 
erden, &o lange darüber feine andre beflimmte 
Verordnung erfolgt, müffen Sie wiederholt befehlen, 
daß fih durchaus niemand in bergleihen Sachen 
mifcht, Doc find davon Kriminalſachen und andre 
ſehr wichtige Fälle ausgenommen, wo nad) den all 
gemeinen Keichsgefegen verfahren werden muß.“ 

„Außer diefen vorläufigen Verbefferungen ſteht 
Ihnen (dem Generalgouverneur) noch ein großes 
Werk bevor, welches ihrer ganzen Aufmerffamfeit 
werth und der größte Dienft iſt, den ein patriorifche 
gefinnter Staatsbuͤrger feinem Vaterlande leiften 
kann, nehmlich die Gründung der Ruhe und Mopk: 
fahrt Eibiriens auf eine feite und unerſchuͤtterliche 
Grundlage, Sibiriens, das durch feinen Einfluß auf das 
Wohl und die Macht des ganzen Reichs fo ausge: 
zeichnet iſt. Da indejfen die neue Organifation Ei: 
biriens in mehrere Theile zerfällt, fo werden fie die 
Pläne dazu nach und nach, fo wie fie beendige find, 
jur Ausführung erhalten.” u. f. w. 


Miscellen 
aus Frauzbſiſchen Blättern, 


Die fechste Nr. der Archives litteraires ertheilt 
unter andern eine fehr interefjante Nachricht über 
einige noch nicht benußte Manuſtripte ‚von Montes⸗ 


quleu. Sie beſtehen aus kleinen Auffäßen und Ab⸗ 
bandlungen, die anfangs für den Esprit des loix 
beftimmt waren, aber nicht eingeruͤckt werden konn— 
ten; einem kleinen philoſophiſchen Xeman: Le 
Metempsicosiste und, aus drei diden Quart: Baͤn⸗ 
den, mit dem Titel Mes pensees. Diefe legtern 
vorzügtich, enthalten fehr viel treffliche Faden, un: 
ter andern ein langes Fragment Über Ludwig den 
Eilften, das man als das vorzäglicfte ruͤhmt, was 
Montee quieu geichrieben hat. In Nuͤchſicht der Ge 
banfen wird angemerkt: die unbedeutendften Werke 
bie Montesguieu las, pflegten bei ihm bie trefflich: 
fen Gedanken zu veranlaffen ;— eine Erfiheinung, — 
die ſich pſychologiſch leicht erklärt, 


Unerfchütterliche Gewiffenhaftigfeit, 


Bur Zeit der Fronde näherte ſich ein Haufen 
Eoldaten einem Monnenkloſter zu Patay. Die Non: 
nen bereiteten fi zur Flucht, nur eine, die Schweſter 
Urſula, wollte durchaus das Kloſter nicht verlaßen. 
„Aber man wird Sie berauben, Ihnen Gewalt thun — 
„Wie Gott will, antwortete fie mit gefaltnen Händen, 
ich habenicht das Gelübde gethan, mir feire Gewalt 
anthun zu laffen, wohl aber, nicht aus dem Klofter 
zu gehn.“ und fie blieb und duldete die Schickungen 


Gottes, doch, ohne dafuͤr hellig geſprochen zu werden, — 


Diefe ehrwuͤrdige Urfula war übrigens eine Groß: 
Tante von Voltaire, und er foll fie in feiner Pucelle 
d’Orlcans porträtirt haben, 


Das wehbevolle Herj. 


Ein Scottifches Volkslied, 


Grwänn ein Prbender mein Her, 
Sreund, jo gewännft eg du; 
Allein im duntein Grabe fand's 
Buf ewig deine Nuß, 
Tief ruht mein wehvotl Her; bei ihm, 
Drei Her fe mich nur jchlug. 
Und welch ein Herz was ich verlor! — 
Kein Leid erzählt genug, 


Gott rufe mid, die Flehende, 
Noch heute anadig ab! 
Obanz werthlos If mein Leben ja; 
Denn Wilhelm ruht im Grab. 
O ſchaut: — Da ſchwett fein teurer Geif, 
Und zeigt mir meine Tab! 
Sein Auge fraat: „Roc immer Her?" 
Und blickt mic mwundernd an, 


» Ic temm', ich Pomme, trauter Wilm! 
„Und o wie ſreudig: Gich! 
„Ich folge bir, wohin du wink; 
„Zum Bören winkt du nie." — J 
Sit ſorads. Den irommen Blick umhüllt 
Des Todes Duntfciheit. 
Stiu ſteht ihr mwebevoltes Hera 
Datin in all ihr Leid, 


98. 


1804. 


Nro. 140. 





ARISTIDES. 





‚Der greimütbige 


Eonnabend, 


Erınf 


und 


den 14. July, 


Sſcherz. 


Mu fi 


a) Duvertäre und Gefänge aus der Oper: 
Der Portugiefiihe Gajthof, von Cherus 
bini. Clavier: Auszug, 


ie Duvertüre hat den einzigen Fehler, daß fie zu 
lang ift, und fich zu oft in einzelnen Eäßen wieder: 
hole. Sie nimmt beinah die Hälfte des ganzen Hef— 
tes ein. Den Anfang macht ein fugirtes Larghetto, 
worauf ein Allegro folgt, das ununterbrochen bis zu 
Ende der Duvertäre fortdauert, Die Geſaͤnge find, 
wie die meiften Operngefänge, — gereimte und in 
Muſik geiekte Profa. Cherubini's genialifhe Dar: 
ftellung ift befannt. Doch bat er gewiſſe Lieblings» 
Ideen, die er gern wicderbringt. Die ſchoͤnſte unter 
den bier mitgetheilten Arien ift: „Nach dir nur geht 

mein Sehnen.” Sie würde gewonnen haben, wenn 

der Gefang in einzelnen Etellen mehr gejogen 

märe. 

b) Clara, Hexzogin von Britanien, Oper von 
Breßner, mit Diufit ven Bierey. 

Eine der vorzüglicheren Opern, die, einige Epis 
foden abgerechnet, ganz den Charakter Deutſcher 
Muſik trägt; das heißt, fie vereinigt Lieblichkeit mit 
ernftem Ausdruck, Zartheit mit Gravitaͤt, die aber 
leicht, wie bier einigemal gefchehen ift, in Echwers 
fälligfeit ausartet. "Warum mitten in das Allegro 
fpirituofo der Ouvertüre ohne vorhergegangenen Ruhe: 
punft oder andere Vorbereitung, — 14 Takte Andante 


eingewebt find, ift nicht einzufehen. Der rafche Fluß 
der Mufif wird auf einmal unterbrochen, man weiß 
und fühlt nicht, warum? Solche Heine Inkonſequen— 
zen laßt ſich der fonft treffliche Componiſt mehrmals 
zu Edulden fommen, die aber bier unmöglich ans 
geführt werden fünnen, eben weil «8 Kleinigkeiten 
find. Zuweilen ift auch der Tert nicht richtig beban: 
deit. (Freilich iſt es eine eigene Aufgabe, unfere 
gewöhnlichen Opernterte gut zu behandeln, die felbft 
ein Muſter der Schlechtigkeit find.) So arcentuirt 
er flatt: zärtlich im Adagio — zärtlich im Adagio; 
und ©. 49., mo ein ganzes Kegifter von Frauen: 
Charakteren angeführt wird, die Muntern, die Eprb: 
den, die Blonden, Brünerten u. ſ. w. — fließt durch 
die Schuld des Componiſten, der nicht gehörige 
Bioifchenpaufen machte, alles ineinander, fo daß der 
Zuhörer nun von — blonden Brünetten, und fanf: 
ten Sproͤden hört. Das Chor im erften Alt: Seyd 
gegrüßt in Florens Hainen, üft vorzüglich ſchoͤn, und 
auch von Eeiten des Textes erträglich. 


Sachen von Mozart. (Meuherausgelommen 
bei Breitkopf und Haͤrtel.) 

c) Mr. 1. Arie. Mia speranza adorata ete. 

Mozart hat außer feinen Meifterwerken auch 
viele Kleinigkeiten gefchrieben, aber beinab nie eine 
ſchlechte. Die Erfcheinung ift nicht fo gewöhnlich, 
Die Genialität der größten Köpfe bleibt ſich nicht 
immer gleich; bei diefem Meiſter der Tonfunft ift fie 
es faft immer geblieben. Er mar nicht blos merk: 


wuͤrdlg in der muſikaliſchen Literatur, er war einzig. 
Der Genius rubte auf ihm, Die Mannigfaltigfeit 
feiner genialifhen Kraft war unendlich, — Kleinere 
Produkte, wie dag vorliegende, muß man nur als 
ſolche betrachten, die er ohne kuͤnſtleriſche Anflren: 
gung in Etunden der Erholung ſchrieb. Doc tragen 
fie alle das Gepräge des Öenics, 


d) Nr. 2. Hymne Preis dir Gottheit ıc 
(mit dem Xateinifchen Driginaltert: splendente 
te deus) für 4 Gingftimmen, mit Begleitung 
des Orcheſters. 

Eine Hymne voll Kraft und Erhabenheit, und 
immer ſich gleich bleibenden heiligen Enthufiacmus, 
Sie beginnt mit einem Unifonns aller Inſtrumente, 
in welchen nad) einigen Taften fogleich die ing: 
ffimmen einfallen, — und gebt in demfelben Tempo 
bis zu Ende fort, Die eingefireuten Eolefäße find 
vortrefflih, und die legten Worte: „Erfchallet, ihr Lie 
der, von Pol zu Pol,“ die vom ganzen Chor gefun: 
gen werden, lajfen einen tiefen Cindrud im Gemüthe 
zuruͤck. Die ganze Hymne iſt im ernften feierlichen 
Kirchenfit gefchrieben, und der Charakter derfeiben 
fpielt nie ins Opernhafte hinüber, woran fo manche 
neuere Compenijien in diefem Kuche fiheitern. — 
Der Tert zu diefer Hymne if eigentlich Lateiniſch, 
aber auch der untergelegte Deutſche ift gut, Nur 
in der Gtelle: discussa tristis est nox, bie 
M. vortrefflih ausgedrüdt hat, und wo im Deuts: 
{hen die Worte: durch alle Himmel tönt dein 
Ruhm — untergelegt find, macht die Muſik mit 
dem Deutfchen Tert einen — Mieverftand, 


e) Mr. 3. Motette, für 4 Singſtimmen, mit 
Begleitung des Orcheſters. 

Eie ift nicht fo vorzüglich, wie Die eben ange: 
zeigte Hymne, aber doch voll Ausdrud und Kraft, 
Der Anfang in d moll: „Ob furdtbar tobend fich 
Stuͤrme erheben, “ iſt befonders erhaben. 

f) Sefänge fürdie Öuitarre. Bon X. Harder, 

Manche Lieder verherrlicht die Compofition, 
und wir fingen fie gern, wenn wir fie auch nicht 
gern leſen. Hier ift beides gut, Tert und Mufif, 
und einiges iſt verzuͤglich, wie unter andern das letzte 
Lied, die Epinnerin, das ganz die liebliche Schalk⸗ 
baftigfeit ausdräcdt mit der der Dichter das Maͤd— 
den, als ein unbefannter Juͤngling fie kuͤßte, fagen läßt: 

Sagt Schweſtern, ſaget felter an, 
Wars mozlich, dal ich weiter pann? 

Weniger gelungen iſt die Compoſition der Bal— 
lade: ErlEönig von Goͤthe. Dies Gedicht iR an 
fi ſelbſt fo mufifalifh, daß der Compeniſt die ſchoͤ— 
nen Laute nur jart haſchen und nachbilden muß, 


um die Mufif der Eprache nicht zu zerſtoͤren. Die 
hier mitgerheilte Compeſition entſpricht nicht ganz 
diefer Forderung, So wird die zweite Strophe ganz 
nach der erjlen gefungen, und in der zweiten [price 
doch der Nater mit dem Sohn, während in der ers 
fien der Dichter blos erzählt. Dieß iſt ein Uebel⸗ 
fand, der dadurch noch miehr berausgehoben wird, 
daß der Erlkoͤnig (und mit Recht) immer in einem 
von der erjählenden Strophe ganz verfchiedenem 
Tempo fpricht, Einzelne Stellen find recht gut aus— 


“ gedrödt, unter andern, wo das Kind zu dem Vater 


aufichreit: ach Vater, ach Vater, jeht faßt er mich 
an, Erifönig bat mir ein Yeid’s geiban: ıc. Den 
Tert zu den übrigen Liedern gaben Schiller, Hoͤlty ıc, 
g) Monatsfrüdte für Klavier und Gefang 
Sechs Hefte 
Auf dem Titelfupfer des erften Heſts befränzt 
eine weibliche Geſtalt den Apoll, oder einen Eohn 
des Apolls, während dieſer die Eaiten feiner Leier 
berührt. Eoll dies den Kranz des Beifalls bedeuten, 
fo verdienen ihn in der That die Eänger diefer 
Eammlung auch von dilen ſchoͤnen Seelen und 
Sreunden des Geſanges, denen diefe Monatefrächte 
gewidmet find, Reichardt hat einige treffliche Lieder 
dazu gegeben. Himmels lieblihe Mufe — wer fennt 
fie nicht ? Einige Lieder von Hurka find Aufßerft zart 
und gefällig, — und mehrere Clavierſtuͤcke von Guͤr⸗ 


" Üh und W. Wach verdienen von allen Mufikliebs 


babern, die nicht an ſchwerere Speiſen gewöhnt find, 
gekannt zu ſeyn. Auch der Tert ift, zwar nicht immer, 
aber doch Im Ganzen — gut gewählt und intereffant. 
Die Eerlenwanderung der Blumen von R. Werk: 
meifter, iſt recht artig erfunden — aber der Kuß 
von ebendemfelben (erftes Heft &. 20.) ift wenig 
ftens nicht poetiſch. Mer lieſ't ſolche Verſe gern: 

Was nieht Piefentrant dem Schwachen, 

Was fan Dichteratat Anrachen? 

Ad, ein Kur! adı ein KAujt 

Die Sammlung wird fortgefeßt, Möchten fie 
alle Mufitfreunde unterflägen. 

h) Fantaisie et Fugue pour le F. F. par 
J. L. Dussek. 

Man bat Variationen von Beethoven, die — 
genialifh genug, aber fo genialifch ſchwer find, daß 
man fie beinahe nur im Kopfe fpielen fann. Dies 
lektere ift num hier nicht der Kall, doch mill beides 
Phantaſie und Fuge, recht einftudirt feyn, um «6 
gehörig vorzutragen. Dies zur Machriche für die, 
welche eine Elegie fuchen, und einen Dithyramben fine 
den. Daß der Dirborambe Übrigens ſchoͤn fei, läßt 
fih von einem Duſſek fon ermarten, 

(Die Fortſehung folgt.) 


Fragmente aus meinem Journal, 
auf einer Meife von Frankfurt nach Würzburg 1804. 


&; war ein berrliher Morgen am 15. May, als 
wir von Frankfurt abreif'ten, Die Gegend, fo frucht: 
bar und angenehm, die Vlillionen Sonnen, welche 
uns aus den Thautröpfchen auf dem Getraide und 
den Aepfelbluͤthen anftralten, machten es auch hell 
in unfern Gemuͤthern. Wir bemunderten die ſchoͤ— 
nen neuen Objlanlagen bei Frankfurt und Hanau, 
welche ohne Prämien und andere kuͤnſtliche Treibs 
mittel entfiehn, weil die induftrieufen Bewohner von 
ihrem reelien Nuhen überzeugt find. Alles ging gut, 
bis nah Hanau! — Da machten uns de wahrlich 
die Leute aus den Fenftern fo tuͤckiſche, finftere Ge— 
fichter, als wenn fie alle noch nicht ausgefchlafen 
hätten. Haͤtte nicht WB... s Tochter uns noch einen 
freundlichen Gruß zugenidt, ich waͤre auf die Ders 
muthuny gerathen, daß fein Hanauer freundlich fegn, 
daß feiner lachen fonne, Doch ich will nicht zu vor: 
eilig urıheilen! — Nur drei viertel Stunden ließ ung 
der Here Poftmeifter Herla Zeit, die Straßen zu 
durchwandeln, da hatten wir ſchon, troß alles rotes 
fiirens, vor unferer leichten Neifechaife vier Pferde; 
wir waren mit zweien gekemmen. — Dieſer ver: 
armte Deder wird ſchwerlich als Poſtmeiſter verar— 
men, wenn er alle Pajfagiere fo behandelt wie ung, 
Die zwei Fleinen Meilen Wegs bis nah dem Dorſe 
Bernbach, reihnete er für 14 Etationen, und ließ 
"ung, meit über die Pofttare, 10 fl. 36 fr. (etwa 
ſechs Thaler fühl.) dafür bezahlen. — Schwerlich 
weiß der firenggerechte Churfürft von Heſſen, mas 
diefer Herr Herla für ein Dogel if, font würde 
ihm, über den ſchon viele Keifende geflagt haben, 
das Handmwerf gelegt werden. B 

Wir reiftten nun durch die Graffhaft Hanau, 
auf ein hehes mwaltiges Gebirg zu, welches zwiſchen 
denn Mogelsberg und dem Epejfart liegt; man nennt 
es den Birkenhahyner Wald, (Nota bene nur 
bis an den Fuß deffelben brachten uns Herla’s theuer 
bezahlten Pferde), — Ein fehlechter Weg führt über 
daffelbe hin, und doch begegneten uns viele Fracht: 
mwägen, welche aus Franfen famen. ‘Der Meg hier 
durch, aus Mürnberg nah Hanau und Frankfurt 
(ven den Fuhrleuten, die ſtark hier durch von Nürn: 
berg nach Frankfurt fahren, die Birkenhayner Etraße 
genannt) iſt weit kürzer als über den Speſſart ; und 
der Thurfürft, durch deffen Übrige Provinzen fchon 
vortreffiihe Straßen gehn, wird auch, wie man 
fagt, bier eine Chauffee anlegen, und dadurch für 
das Beſte der Anwohner forgen, den Waarentranfport 
in fein Yand ziehen und aufs neue feinen ſchon längft 


begründeten Ruhm als einfichtsvoller, vortrefflicher 
Staatsbkonom, bemähren, 

Wir gingen über die hoͤchſten Punkte des Bir 
fenbauner Waldgebirges zu Fuß. Links zeigt fich 
praͤchtig dus alte Gelnhauſen, welches jetzt auch 
anfgebört hat, eine Reichsſtadt zu ſeyn. Ein Halbe 
jirkel von Bergen umgiebt fie und die alte zerfallene 
Durg, welche eink Friedrich Barbaroffa oft beher— 
berate, und welche ein merfmürdiges, viel zu wenig 
bekanntes Denfmal Alt: Deutfcher Art und Kunft ift, 
Dies iſt aber auch die einzige Burg, welche man in 
der ganzen Gegend erblidt! Ein Beweis, daß bie 
rauhe Gegend im Mittelalter kaum noch bewohnt, 
und ſelbſt den Fultivirenden Benedictinern, und den 
frattlichen Felſenbewohnern, die vom Etegreif lebten, 
ju raub waren, — 


Die Kahler:- Hütte 


Außer Wald und Wild glaubt man faft nicht, 
daß in diefen Gebirgen etwas erifliren könne, und 
doch fie ich bier in einem niedlichen, wohl eingerich- 
teten Haufe, und bringe bier angenehme und Iehr: 
reiche Tage zu. — In bdiefem NBiefenthälchen, am 
Fuße des Speſſart, auf gräflid Schoͤnburgiſchem 
Gebiete, bat der brave und thärige B... feit jehn 
Jahren eine Glashütte etablirt, melde jegt ſchon 
eine der vorzüglichften in Deutfchland ift. — 

Vorder war's bier wuͤſte und leer; B... fom 
und ſchuf ein kleines Dertchen, Eultivirte die nächiten 
Umgebungen zu Aeckern, Wiefen, Gemüfe: und 
Dbftgärten, und flößte den Menfchen, welche er hier 
verfammelte, (aus ranfreih, Böhmen, Eachfen, 
Schwaben ꝛc.) einen Geiſt der Ordnung, Thätigfeit 
und Froͤhlichkeit ein, welcher das Ganze belebt. Die 
meiften Slaswaaren, (nur nicht Epiegel, Lüfres 
und Gtasflüffe,) werden hier vorzüglich gut verfer: 
tigt. Dan findet Mühlenwerke, eine Gtasfchleiferet 
und eine Ölaefchneiderei, eine Schweizerei und an: 
dere treffliche öfenomifdhe Anftalten, ein nmiedliches 
Wirthshaus ıc, hier, im dieſem verlaffenen Winkel— 
chen. — Und mie munderte id mich Über die Ber 
mohner der armen und rauhen Gegend, Ach hatte 
mir milde, rohe Halbmenfhen gedacht, und fand 
fehr manierliche Leute, — Wie Übel find doch die 
armen Geographen daran! In ihren Büchern florict 
noch immer die Glashütte bei Lohr (im Mainzifchen, 
jetzt Erzkanzleriſchen) welche dep gar nicht mehr 
eriftirt; und von meiner jegigen Reſidenz wiffen Sie 
nichts! — Natuͤrlich ärgert mich das! 

Ein Gedanke befhäftige mich irkt flark: mel: 
her Unterfchied wird das feyn, wenn ich ven B., 
von dieſem vaftlos = thätigen Manne, diefem argen 


— 4a — 


Empirifer weg, grade nah DB... komme, wo das 
Licht der neueſten Philoſophie glänzt, welche aller Em: 

pirie fpinnefeind if! — Der Contraft muß groß 
ſeyn! — 

Ach gehe mit großen Erwartungen nah März: 
burg, und hoffentlich werde ich mich nicht betruͤgen; 
aber es ift doch mirflich febr die Frage, ob den Fran: 
fiihen Provinzen ein Dußend ſolcher Empirifer, oder 
ein Dutzend Syſtemphiloſophen zuträglicher wäre, 
Tiefe zanken fih nur, und das folgende Aahrhun: 
dert lache Über fie und ihre Zeitgenoffen; jene fchaf: 
fen Leben, IThärigfeit und Wohlſtand, und dadurch 
Kultur und Sittlichkeit, meiche fo und nicht durch 
E pfieme gedeiht. — DB... ift mir ein fehr ehrwuͤr— 
diger Mann! Er hat zwei Ölashätten, eine Cifens 
huͤtte und eine Handlung, faft alles ſelbſt gefchaffen ; 
giebt dadurch einigen hundert Menſchen Brod, und 
bat ſchon manchen Unglüdtichen dem Elende entrif: 
fen, Denfe Dir diefen Mann, etwa Hrn. Profef: 
for Ed. — — gegenüber: mit welcher Erhabenbeit 
wuͤrde diefer auf jenen hberabbliden! ©... bat nur 
fehr ausgebreiteten Nutzen geftiftet, und der große 
ed. — — hat — das Identitaͤts Syſtem geheckt. — 

Derfenne mich nicht, ich ehre hoch eine gefunde 
Philoſophie, und das den lieben Alten fo theure 
Philosophari: — aber mich edelt vor der jetzigen 
Envftemfucht, vor dem pedantifhen Sophiſtiſiren, 
das aber nicht begriffen wird, und vor dem Servum 
Pecus, meiches fo andächtig hinter den Echreiern 
drein trabt! — Bald mehr von Deinem €, 

(Die Hortfehung folgt.) 


Theater-Nachricht. 
Breslau, den 8. July 1804. 


Her und Madame Kofe, aus Wien, ein wuͤrdi— 
ges Künftierpaar, haben uns in der vorigen Woche 
mit den erften Gaftrollen erfreut, Mad. Rofe trat, 
als Dftavia zum erften, zum zweiten Mal als Fady 
Athol in Eduard von Schottland ‚auf, und erhielt 
raufchenden Beifall, und verdiente Beifall. ie 
fpiette frei, herzlich und wahr, und zeigte in den Haupts 
momenten eine ſchoͤnwuͤrkende Kraft. Ihr bolder 
Anftend, ihr reizendes Maturell und die Nichtver— 
läugnung deſſelben durch allzu hervorſtechende Kuͤnſte⸗ 
lei, — ein Fehler, den man fo häufig finde, — ihre 
reine Deflamation, das füße Moll ihrer Stimme, 
die Überrafchend wahre Mohulation ihres Organs 
entzüdten, Vorzüglich hat fie mir als Lady Athol 
gefallen, vielleicht, weil wir fo gut gefpielt hier diefe 
Holle noch nicht gefeben, und als Oftavia ſchon eine 
brave Echaufpielerin harten. — Kerr Roſe gab im 
Mann von Wort den Maring. — Leicht, frei, feft 


in der Haltung biefes Charafters, verdient auch er 
dos laute Lob, das man ihm gar oft ertheilte. Es 
ift wahr, diefer Kuͤnſtler Hat feine Kunft zu Natur 
veredelt und zeigt gebildete Kraft, aber — fchade iſts, 
daß folch raufhender Beifall die — gewiß auch wiirdi« 
gen — Bemühungen anderer Künfiler in chatten 
ftellt. Gerade bei folchen Anlaͤſſen follte das Publi— 
fum Gerechtigkeit zeigen, wenn es Anpruh auf 
Kumanität und Geſchmack machen, wenn e8 dankbar 
fein will. Auch neben den fremden Künfilern ge 
bührte den Cinheimiſchen Fob: unferm Schwarz, 
Veltheim, Scholz, Julius, unſerer Gepl: 
haar und Malchen Schaffner, und zwar un fo 
mehr, da ſie — trotz des Schattens, den man auf 
fie warf, — mit Fleiß und Wuͤrde und Brapvheit, 
follegialifch beitrugen, das Licht noch fhöner zu flel- 
len, das auf bie Gäfte leuchtete. — Noch in ſechs 
Saftrollen werden wir die willfemmnen Fremden 
ſehen, und dann ein Mehreres und ausführlicher, — 
” 


Anekdote. 


Fladrich der Einzige fand vorzüglich viel Vergnuͤ⸗ 
gen daran, Über die Unſterblichkeit der Seele zu 
ſprechen. Diefer Gegenſtand war einer von denen, 
auf die er gern die Rede brachte, wenn er etwa ei— 
nen Gelehrten, der ihm vorgejtellt wurde, prüfen 
mollte. Es war indeß gefährlich, hierüber andrer 
Meinung zu ſeyn, als er, und fie weitiäuftig zu uns 
terftügen. Er verlor bald die Geduld, und wußte 
dann feine Gegner kurz und gut durch einen Über: 
rafchenden, nicht immer verbindlichen Einfall nieder: 
zufchlagen. Einft führte ihm ein Afademicien eine 
large Reihe von Gruͤnden für die Fortdauer der 
Seele an, aber — „Mie, rief Friedrid, Cie wol— 
len unfterblih feyn? Was haben ie denn gethan, 
das ju verdienen ?* — 


Mollyp. 
„Slieht Amorn! Er betrügt er quält 
ehrt Moin, — Gut und jcdhemt 
Nur darf, wer diefe behre wähle, 
Die Lehrerin nicht ſehn. 


An Moliy 


In der Poetik wild dir Unterricht? 
Gefalten it die Kun, die alle Kunfe meiſtert! 
DO! Wer zu Verſen fo, wie du, begeiſtert, 
Bedarı der Babe, fie zu machen, nicht. 
An Nigra 
aus einer Heiligen wird miensals bein gedacht; 


Doch Inf Du deinen Dann zum Martyrer gemacht. 
5. 


1804. 





Nro. 141 


Der Sreimütbige 


Montag, 


Ernſt un 


den 16, July, 


ı S der 





Literatur der Kunſt. 
Gallerie Alt» Deutfcher Trachten. Heft eind und 
zwei, im Leipziger Induſtrie-Comptoir; beide 
Hefte mit 24 illuminirten Kupfern. 
(Hierbei ein illuminirtes Kupfer. ) 


eben den vielen Bemühungen der Antiquare, feit 
länger als Einem Jahrhundert, die Trachtender Grie: 
hen und Römer uns durh Sammlung aller darauf 
ſich bezlehenden Nachrichten und Abbildungen zu ver: 
gegenmärtigen, ift in neuerer Zeit durch diefe Galle— 
rie ein Anfang gemacht worden, den Liebhaber der 
Deutfchen Vorzeit anfhaulih mit dem Leben und 
eben derer befannt zu machen, die vor uns auf 
diefem Boden mwandelten, und an die wir noch 
durch fo viele Bande geknüpft find. Das Publifum, 
das jüngft wieder fo vielen Antheil an der Nitterzeit 
und der ältern Geſchichte Deutſchlands nahm, hat 
ein Necht zu fragen: „Was befigen wir, neben je: 
nen Chreniken und Gefchichten, die uns fo wunder: 
bar anziehen, nun noch in gleichzeitigem Bildwerk, 
an treuen Darftellungen des täglichen Lebens aus je: 
ner Welt? Wir wollen nicht wiffen, wie denkt fich 
dies ein neuer Zeichner und Maler, der jene Ge: 
ſchichten mit verfinnlihenden Scenen begleitet, fon: 
dern, mie ftellte der Maler jener verfloffenen Jahr— 
hunderte felbft, feine Zeitgenoffen dar? Wie trugen 
fie fich wirklich? Was hatten fie, ftatt der unfrigen, 
für Geräthe und Beduͤrfniſſe? Laßt uns alles aufs 


fammeln, was wir won ſolchen treuen Bildern noch 
haben! Wie würden wir es fhäßen, wenn es Grie— 
hen oder Römer beträfe! und mir follten gleichguͤl⸗ 
tig ſeyn, weil es die thatenreihe Zeit, Kaifers 
Karl des V. und Luthers gilt?“ — 

Daher ift denn ber erſte Heft biefer Gallerie, 
der vor einigen Jahren erſchien, mit allgemeinem 
Beifall aufgenommen worden. Dan bat es erfannt, 
daß diefes Unternehmen zweckmaͤßig geleitet werde, 
das Geſchmack und Gelehrſamkeit fich die Hand ges 
boten haben, den Lefer mit verborgenen Deutfchen 
Alterthuͤmern befannt gu machen, fie auf Eine Etelle 
jufammen zu bringen, dadurch die Vergleihung zu 
erleichtern, und manche Erzählung und Erinnerung aus 
jener Zeit dadurch zu beleben und zu verfinnlichen, 
Die für eine Unternehmung diefer Art außerordent: 
lich gefälligen und angenehm ins Auge fallenden 
Kupfer, mit ihrer treuen Allumination, die bier we: 
fentlich ift, erhöhen den Werth derjelben. Das line 
terfcheidende dieſer Gallerie von Ähnlichen Trachten: 
büchern ift, daß nur gleichzeitige, treue Ab: 
bildungen, nichts Erfonnenes und Erbdichtetes, bier 
geliefert wird; immer foll nachgewiefen werden, mo 
die Originale ſich finden, So gab der erfte Heft 
neun Abbildungen, die eine Folge der Trachten Eich: 
ſiſcher Thurfürften und Herzoge, von 1518 bis 1580 
enthalten, und die ſich in einer hoͤchſtmerkwuͤrdigen 
Sammlung von Gemälden und Handzeichnungen 
auf der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha befinden, 
Daran ſchloſſen ſich drei weibliche Kleidungen von 


— 43 — 


Fürftinnen- aus jenem Jahrhundert, nach gleichzei- 
gen Driginalgemälden. — Die jwölf Kupfer des 
zweiten Heftes geben, erftlich, noch die Übrigen zwoͤlf 
Trachten der Saͤchſiſchen Fuͤrſten, auf drei Kupfer— 
tapfeln, immer vier Figuren auf einem Blatt; (Hier⸗ 
mit iſt jenes ſeltne Buch der Gothaiſchen Bibliothek 
ganz in Kopieen geliefert; der Kommentar enthält 
die Beiſchriften im Original und viele anziehende 
Bemerkungen über jene Zeitgefchichte, und Über alte 
Deutihe Eprade.) — ferner, auf den andern neun 
Kupfern des weiten Heftes wird der Anfang jenes 
berühmten Trachtenbuchs geliefert, das fich als eine 
große Eeltenheit in dem Muſeum zu Braunfchmeig 
befindet. Ein Augsburger angefehener Handelsmann 
und Elegant feiner Zeit, Matthäus Schwarz, 
bat auf 140 Blättern feine Trachten vom Jahr 1500 
bis 1560 freu und nett abmalen laffen, und je 
dem Bilde erflärende, zum Theil recht naive Rand: 
gloſſen beigefeßt. Diefe Gallerie giebt nun die auf 
fallendfien jener Trachten, in farbigten, niedlichen 
Nachbildungen, mit jener Mettigkeit, wie man fie 
von dem Baumgärtnerifchen Verlag gewohnt iff; von 
allen aber liefert fie der Reihe nach, die Beiſchrif— 
ten, mit inftruftiven Anmerkungen durchwebt. Es 
ift leicht zu denken, welchen Genuß diefe verfinn: 
lichende Darftellung des Lebens und des Luxus eis 
nes damaligen Modemannes gewährt! Man begleis 
tet ihn mit imner fleigendem Intereſſe, von der Wiege 
durch alle Nuͤancen feines Lebens hindurch, und if 
mit bei feinen Aufjügen, Hochzeitgelagen, Schlitten⸗ 
fahrten, Scheibenſchleßen. — Das hier beigefügte 
Kupfer, (das lebte im zweiten Heft der Gallerie, ) 
ift eine Kopie des 66 Blattes des Driginalbuches , 
und mag zur Probe von der Art der Ausführung 
dienen. Es fiellt den galanten Schwarz vor, als 
einen jungen Dann von 27 Jahren, als einen Freund 
der Mufif und namentlich. der Laut, Die Bei: 
fhrift im Original heißt: „ız. May 1524. dife 
ſchlap mit guldi ſtofft ift gmöft Horzochs 
von maylant — od’ Düc de barti, fünft ak 
les wie dba flebt. Da lert ih auf d'lau— 
ten.” — Der Tert der Gallerie ſetzt weiter dazu: 
„Wirklich eine ungemein gefällige Kleidung, fo mie 
die ganze Figur voll füdlicher Lieblidfeit und Ans 
muth! Es ift, als fähe man einen provenzaliſchen Trou— 
badour! Auf die Muͤtze legt er felbft in der Beifchrift 
einen großen Werth. Es hatte fie der Herjog von 
Mapland (nah maylant it im Original ein Kaum 
gelajien, fo daß er den Namen des Herzogs noch 
hineinſchreiben wollte,) eder ein Niederländifcher Düc 
getragen, und fie war nur durch die dritte Hand an 
ihn gekommen — Schlap, Schleppe, beißt 


in einigen Gegenden jeßt noch eine Art von Ropfs 
bedefung der Frauen, es kommt von ſchlaff ber, 
und ficht dem fieifen Hute entgegen. Dieſe ſchoͤne 
Schlappe bier, war mit guldi flo ff, mit goldner 
Etiderei und folden Schnüren geihmädt. Auf 
der Bruft hängt ihm ein vieredigter, goldner Puß, 
vielleicht ein Eleines Gemälde, Am rechten Echen: 
kel trägt er eine kleine grüne Taſche von fehr bes 
fimmter Form. Bielleicht ſtect ein Stimmhammer 
oder Dämpfer, der zu feiner Laute gehört, darin, 
da mir diefe kleine Tafche nur gerade bier fehen, 
wo er als Lautenſpieler vorgeftelle if. — deren 
bat er oben ſchon einmal für lernen gebraucht, 
So ſcheint es alfo ein altes Schidfal diefer beiden 
Woͤrter zu feyn, immer falfch gebraucht zu werden." — 
Richtig fügt der Kommentar bier am Schluß des 
zweiten Heftes noch im Allgemeinen bei: „Die Ber: 
gleihung diefer Echmwarzifhen Trachten mit den obi— 
gen der Saͤchſiſchen Fuͤrſten, bietet manche Kefultate 
bar, So wie aus feiner Sprache und Orthographie, 
fo auch aus feiner Kleidung, fieht überall der Diann 
hervor, der näher an Italien wohnt, und es feibft 
befucht bat, Dort, bei dem Morddeurfchen, iſt ernſt⸗ 
hafte, ſchwere Kleidung, bier überall leichtere, bun: 
tere, gefälligere. Ueberall erfennt man bier den reis 
chen, vergnügungsfüchrigen Mann, den Bürger ei: 
ner Stadt, die damals, ehe der Handel ins Mor: 
genland durch den Meg um das Borgebürge der 
guten Heffnung, einen veränderten Gang nahm, ein 
Hauptplatz für den Aſiatiſchen Handel war, Der 
übergroße Reichtfum und Lurus eines der erſten 
Kaufmannshäufer jener Zeit, des Fuggerifhen, zeigt 
fih auch in den Leuten feines Cemtoirs, fo wie das 
leichtere Blut, das der füdliche Deutſche vor feinem 
nordligen Nachbar voraus hat." — 


Kommt Fein Hinderniß dazwifchen, fo liefert uns 
der dritte, und eine Folge von Heften, die übrigen Klei⸗ 
dungen bes Augsburger Schwarz, und dann andere 
ähnliche authentifche aus jener Zeit. Mer follte 
nicht wuͤnſchen, daß diefe wohlangelegte Gallerie im: 
mer mehr bie allgemeine Aufmerkjanikeit erregen, 
und zum Gammelplag der jeiftveuten vwaterländifchen 
Alterthuͤmer biefer Art, durch Beiträge von allen 
Eeiten gemacht werden möchte! 


Fragmente aus meinem Keifejournal ıc. 
Fortfegumg. 
Eines Morgens in der Frühe verließen wir die gu— 
ten und induſtrieuſen Bewohner der Glashütte, de: 


ren Welt und Wuͤnſche dur den Speſſart begrenzt 
werden, und reif'ten durch diefes Waldgebirge gegen 


Franken hin. Ein Dorfpann mußte uns über bie 
fehlechten Wege helfen, und ein Bauer neben ber 
geben, um ben Wagen zu halten, wenn er umjus 
fallen drohte. — Eine Dienge im Walde zerftreut 
liegender, halb oder ganz vermoderter Cichen und Bus 
den, bezeichneten uns das Jahrhundert, welches 
diefem Fledchen von Deutfcpland, diefer Schreckens⸗ 
gegend noch fertdaure, und Fontraftirte fonderbar mit 
dem aufjtrebenden Leben in der neuen Kolonie, welche 
wir eben verließen. 


Nachdem wir an dem verfallenen Barthelſtein 
mieder einmal die dürftigen Ruinen eines Dienfchen: 
werks gefehen hatten, fing die Gegend an, fich auf: 
zuflären. Bei Barthelſtein konnte man böchitens 
fagen, hier Hatten Menjchen gewohnt; aber indem 
wir ung Lohr näherten, konnten wir freudig ausrus 
fen: hier wohnen Menfchen! Diefe Grenz— 
fladt des Fränkifhen Kreifes hat eine ſchoͤne Umge— 
bung, und Arder, DObflgärten, Weinberge, bereich 
nen die Grenze diefer reichen Provinz Deutſchlands. 


Lohr ift eine Churerzkanzleriſche Stadt, — (der 
Reichs deputationsſchluß hat mir einen fchlechten Ge: 
fatten durch die Erſchaffung dirfes ſeche ſylbigen Wor⸗ 
tes gethan; ich geranhe in Verzweiflung, fo oft ich 
es jchreiben muß,) — fie liegt am Vain, und war 
ſonſt biühender, als die fehr anfehnliche Epiegelmas 
nufaftur noch im Gange war, welche jest fehr dar: 
nieder liegt. — Wir bejahen das große Gebäude, 
wo diefe Werkzeuge der Selbſtbeſchauung fabricirt 
werden; es ift viel zu groß für den jekigen Vorrath, 
und die jeßigen Arbeiter, Der Verwalter, welder 
uns die Anftalt zeigte, rühmte die Wahrheit der 
Lohrer Epiegel, da hingegen die Franzöfijchen und 
auch viele Deutfchen immer mehr oder weniger ſchmei⸗ 
cheln. In dieſem Vorzuge liegt vielleicht mit der 
Grund des Verfalls der Fabrik, — vestigia terrent,— 
denn nicht alle Freunde des befchaulichen Lebens find 
auch Freunde der Wahrheit, — Wir mußten unshier 
gefallen layfen, daß fi ein doppeltes Triumvirat uns 
fers Magens bemädtigte, Drei Viierhpferde nahmen 
wir bis zu dem Wuͤrzburgiſchen & rädtchen Car.ftadt; 
fie gehörten drei verfchiedenen Eigenthuͤmern, weiche 
vereint den Kutfcher vorftellten; der premier Cocher 
beftieg das Sattelpferd und peitichte darauf los, die 
beiden andern faßen als bloße Figuranten auf dem 
Bol, So gings über einen Bergrüden, und dann 
wieder durch eine herrliche, große fruchtbare &bene, 
über den Main, nach Carlſtadt, wo das Triumvis 
rat einem Pferdemonarchen wich, welcher uns ſchnell 
und raſch noch denfelben Abend um 11 Uhr nach 
Würzburg brachte, 


Wärzburg. 

Ich habe manches geſehen, gehoͤrt, erfahren, in 
dieſer, dem Deutſchen Patrioten jetzt fo merkwuͤrdi— 
gen Stadt. Aber es iſt mir zu viel Guͤte, zu viel 
Freundſchaft daſelbſt zu Theil geworden, als daß 
nicht Lob mich in den Verdacht der Parteilichkeit, 
Tadel in den der Undankbarkeit bringen ſollte. — Da: 
ber Hieräber nur weniges, und das Wenige doppelt: 
ftreng und unparteiifch geprüft. — Wie ließe fich 
der gute und reine Willen der Regierung verfennen, 
die neugefchaffene Univerfität zu einem Eike hoher 
Kultur und tiefer Selehrfamfeit *) zu machen ; mie 
koͤnnte man verfennen, wie viel ſchon geſchehen ift, 
wer wird billiger Weife in der fehr kurzen Zeit, wo 
man wirft, fon alles verlangen. Der Geift und 
die Kenntniffe, die Humanität und Liberalität des 
Präfidenten der Landesdireftion buͤrgt dafür, daß 
man nicht fille ftehen, daß man etwaige Mißgriffe 
mit rubiger Leberlegung verbejfern, noch vorhandene 
Luͤcken bald ausfüllen werde. —— Es find etwa 700 
Etudenten (oder, wie man bier fpricht, Akademiker) 
bier; ein gewiſſer Ton feine ſich noch nicht recht 
unter ihnen firirt zu haben; das Aeußere der meiften 
Fündigt gefittete, feine Leute an, und fie feinen mir 
am meiften den Söttingifchen Muſenſoͤhnen ähnlich, — 
Unter den ehemaligen Jenaiſchen Studenten, welche 
zahlreich ihren Lehrern hierher gefolgt find, lernte 
ich einige gute Köpfe kennen. Sie fonnten ihr lie: 
bes Jena nicht vergeffen über dem theuern Wuͤrz 
burg, welches ihnen zu viel Zerffreuungen barbietet, 
von melchen man unmillführlich bingeriffen wird. — 
Acht und funfjig Profefforen follen hier ſeyn ; Deutſch⸗ 
land meiß, was für vorzüglihe Männer unter ihnen 
find; GCoflegialirät foll zum Theil noch fehlen: ich 
denfe, die wird ſich auch noch finden. Daß Mäns 
ner, wie Paulus und Hufeland bierin Ausnahmen 
machen, verfteht ſich von felbfl. Man weiß ja fon, 
wie das auf Liniverfitäten iſt; nicht jeder hat die 
Kraft und innere Euperiorität, um fich nicht zuwei⸗ 
im am Kleinen zu floßen. — Von ber andern 
Seite gefiel es mir aber fehr wohl, daß felbft Pro: 
fefforen und andere Gelehrte diejenigen DVorlefungen 
ihrer Collegen befuchen, in melden fie noch etwas 
ju lernen boffen: eine befcheidene Eitte, welche ich 
auf Feiner andern Univerfität bemerkt habe. 

Soll ich denn auch von der „philofophifchen Ten: 
denz diejes erneuerten Diufenfiges fprehen ? — Nun, 
warum nit? eine individuelle Anficht darftellen, 
darf ja auch wohl der Beſcheidenſte, das beißt ja 
nicht: ein Urtheit fällen. — Ich babe mich bemüpt, 


"Anm. des Med. Der Grgenfap AM geifreier, als 
er beim erften Anblick ſcheint. 


fo viel mir bie Zeit erlaubte, die Dorlefungen, bie 
Schriften und den perfönlichen Umgang der Männer 
zu benußen, welche befonders in Betracht kommen. — 
Profefor Mep zeigt innige Vertrautheit mit dem 
Syſteme der Eritifchen Schule, welches er gut vor: 
trägt, nur nicht in der beften Sprache; Profeffer 
Berg lieſ't, fo viel ich weiß, Feine philoſophiſche 
Collegien, fondern Kirchengefhichte, (welche er der 
Sache nah vortrefflih, aber in einem unangenebs 
men und unpaffendem Predigerton vorträgt); er iſt 
aber als feharffinniger und firenglogifcher Gegner 
Schellings, Lefonders durch feinen Sextus befannt, 
und gedenft bald mit einem neuen und eigenem Ey: 
fieme aufjutreten, — Der wichtigfte Gegner Schel— 
lings ift unffreitig Wagner, weil er mit gleichen 


Waffen mit ihm kaͤmpſt. Er war anfangs ein eifris ' 


ger Anhänger deffeiben, äußere und innere Differen: 
zen bewogen ihn aber bald, feinen eigenen Weg zu 
wandeln, Er ift im Beariffe, fein eignes Syſtem 
in Ecriften nnd Vorträgen darzuſtellen. — Mir 
erfchien er als ausgezeichneter Kopf, voll Gradheit 
und Eifer für das Wahre und Gute, der vieleicht 
das Gute, welches das Schellingſche Syſtem hat, 
von dem Unhaltbaren fondern und retten wird, — 
Schelling feibft gefüllt mir beffer als fein Sy— 
fiem. Der Umfang feiner Kenntniffe, fein tiefdrins 
gender philefephifcher Seift, eine hehe Phantaſie, 
feine gefellige Tugenden find nicht zu verfennen. — 
Sein Syſtem darf ich nicht beurteilen, weil ich es 
nicht gefaßt habe, — Du weißt, wie viel von meis 
ner Zeit und felbft meiner Gefundheit, ih dem Stu⸗ 
dium der Philofophie gewidmet habe; wie eifrig er— 
geben ich den damals modernen Syſtemen war, 
bis mich nähere Belanntſchaft mit der Geſchichte der 
Philofephie, von dem Joch der Syſteme befreite, 
Philoſophiſches Etudium war mir daher nicht fremd; 
aber jener fechfte Einn fehlte mir, der dazu zu ges 
bören fheint, um Schellings Syſtem zu fallen, 
Ihn felbft verfiand ich am wenigfien; einigen feiner 
Schüler, befonders dem wadern Profeſſor Döllinz 
ger, danke ich das meifte von dem, was mir flar 
wurde. Noch immer erfcheint mir daher das Ganze 
als eine Vernunftfhwärmerei, welche mehr 
ergreift als begriffen wird, bei welder die 
Imagination auf eine fehädliche Art ehätig ift, und 
die daher vorzüglich junge Leute fo fehr hinreißt. 
Unter feinen zahlreichen Schuͤlern find übrigens un: 
ftreitig viele gute Köpfe, treffliche Jünglinge und 
Männer; die Bekanntſchaft mancher berfelben war 
angenehm und lehrreich. Daß das sequentium P.. 
auch nicht fehle, verſteht fih von felbft; daß dies 


mit eben der Andacht nachfchreiben und nachbeten 
würde; wenn es etwa Cchellingen belieben follte, 
einmal zum Scherz gerade das Gegentheil von dem 
zu behaupten, was er bisher gelehrt bat, iſt ganz 
natürlich. — Wenn es Anhänger Schellings war 
ren, — was meines Wiſſens jedoch noch nicht er 
wieſen ift, — melde ein Pasquil auf feinen Geg⸗ 
ner, Verg, an das ſchwarze Bret anſchlugen, und 
welche Profeſſor KR... die Fenſter einwarfen, fo 
find es ſolche — Aner, folder philoſophiſcher Troß, 
deren — — fireihe man Schellingen hoffentlich 
nicht zurechnen wird, 
Genug und zuviel hiervon, 


(Die Fortſetzung im folgenden Stud, ) 


Gedanke, 


De Nachtviole entfaltet ſich erſt nach Verlauf des ge: 
raͤuſchvollen Tages in naͤchtlicher Stille, einſam, unbe⸗ 
merkt, und ihre Wohlgeruͤche verduften meiſtenthells un⸗ 
genoſſen. So gehn manche Menſchen mit einem Her: 
jen reich an liche, fühig einer energifchen, warmen, 
treuen Freundfchaft, verfannt von Andern durch das 
Leben; nur in der Einfamkeit eröffnet ſich ihr Herz, 
unausfprechliche Sehnſucht erfüllt es, und fie finfen 
dann, — wenn fie Dichter find, — dem Ideale 
in die Arme, Sie tragen ihre Liebe, die fie fo gern 
gegen Einzelne Aufßerten, und nicht äußern können, 
auf die Gattung über: — fo bildeten fich die Rouſt 
feaus und mancher jener liebenswärdigen Schwaͤr— 
mer, die in älteren Zeiten neue Keligionsfekten flifs 


teten, — 
; — bt 


Das getroffene Portrait, 
A. 
Wie gleicht doch das Portrait der jungen Eugenie! 
B. 
O ja, — eh if gefühllos wie Bir! 


Unſchuld im Kerker. 


Died Gemaͤuer, wo Verzweidung bruͤtlt, 
Dieſe Bilde, — dieſe Gitterſtangen — 
Farben todtenbleich dis Unholde Wangen, 
Maten ibm der Höhe ſchwarzes Bild, 
Dod dem Unſchuldrolen, dod den Weiſen 
Sind fie nichts als: „Steine, Holz und Eiſen.“ 


Dihterbefcheidenbeit. 


Herr Wafermann verfidert, er habe 
Kur änfierd wenig Dichter gabe. 
Er jagt es wohl, doch glaubt er's michtz 
Ja giaup’ es wohl, doch ſag' ich's micht, 


u 


1804 


Nro. 142. 





ARSIIDES, 
Der Freimüthige 


Dienfiag, 
Ern ft 


Phantafie 
an einem Sommertage 


Etropdbe 

J der Fruhling entſlohn? Der Radıtigalien 
Meles verhauut? Miche unter Blumen wandelt 
Slora mehr, und im Erofalienen Grotten ſchweigt De Rajade, 
und fein Nektar fehdumt in den Bluthenkelchen: 
Doch die Vlüthe wird Fracht! In neue Saaten 
aut: der ſproſſende Keim; auf goldnen Halmen wiegt ſich 

die Achre. 

In der Frubhling entſtohn? — Sein Aug' war Schimmer, 
Roſenduft fein göttlicder Hauchz auf feinen 
Waugen glühte der Jugend Kraft, auf jeimen Bippen Die Lieber — 


Gegenſtrophe. 
Schon iſt der Eommer! und von Seegen träuft er! 
Sp fein himmtiſcher Sud Gimmandeit, reift die 
Eirogente Saat, und es Arömt um ihn des Lebens Äinpigfte 
Gitter 
ME vom Himmel er niederſant, fein aöttlich 
Bich’n durch alle Naturen ſich ergoien, 
Ward das Leben Gehalt, es ſchwott dei Sorößling⸗ zartet 
Gemweb’ auf! 
Eich! Entixitet im Farb enſchmuck der Jugend 
Biegt das reihe Geñldz won Honig Aeuüt der 
Augenftraiende Hier, von Gilberichmeis tie Blüthe ded Moßnes. 


Strophe. 


Sel und, ſtralender Sommer, 
Du Naͤhrer der Erde, 
 Mehrenbetringter, 





und 


den 17. July. 
S her, 


Ehraenivondender Yüngling, 
Sei uns gegrüft! 


Gegenſtrophe. 
Willkommen, im Fruchtgewande, wiisfgmmen ! — 
Eon ſchatft ſich Die mahende Gicbel, * 
Bald ſchallet der Hügel vom Eribtegefang, 


Strophe 


und hört Du nicht tönen der Genfen Klang? 
und firbft Du micht bligen dem schimmmerbden Stal, 
Gerötbet vom purpurnen Mergenfirai ? 
Ach! entt lattert 
Sintt die Blume, 
und weitt und flirbtt 
So fintt die Bluthe 
Der fräftigen Jugend, 
So welten die Sreuden 
Des Debend dahin! 


Segenfiropße 
Aber erquickt vom atheriſchen Than, 
Grümet vom meuem die blumige Au. 
Im Wechſel iR Dauer, und ewig erichaft 
ich der Naturen Gimmfische Kraft, 
Die Biurbe sreitt, und die Frucht muß jallen : 
Doch wahrt das unendliche Leben im allen, 


Strophe. 
Heiß vom Getirz ſtralt jetzt die Glut der Sonne, 
Mit den Flammen Des Sonnenlichts gegurtet 


Steigt der Mittag herab, — und jdmachtend türen Thäler 
und Auen. 


Segenffropbe 
Tier im Schatten dis Haind, wo fühle Dämmrung 
Aus verfbränttem Gezweige ſintt, und holder Schlummer, 
NRuht der fingende Hirt; — bie Hrerd' umirrt das ſteſle Gchirge. 


Stropdbe 
Mie der Halm fich meist, und der Wipfel Krone! — 
Wie die Erd’ auſdamoft in des Mittags Hige! 
und dns Schattengeweb' unwitlig weicht dem feindlichen Lichte! 


Gegenftropbe 
. Send’ uns Kühlung Gerab, aus Deinen Höhen, 
Milder Aether; emtichleuf des Regens Befte, 
Laf Erauichung uns träufeln aus dem Schooe dunkler Gewaͤſſer. 


EeE tro rbb eo 
Deded Echweigen 
- Feiert umtbıer! 
Aus h:igen Stuten 
Hebt fein glühendes Haupt 
Der Bott der Stroͤme: 
Der Runwhen Urnen 
Stehn vertroctnet, 
In der Kiürte NRacht 
Stischtet die Oread· hinabt 


Gegenſtrophee. 

und rauchtud wält 

um Saum der Gebirge 

Die Wetterwolke ſich daher! — 

Horſt Du das irre Sauſeln, 

Das Schauern der Ihrer — 

Seine Voten ſendet 

Der Donnerer! 

und ſchwarz wie Die Macht, 

Süd ſich des Aethere Dome 

Der Eonne Glauz vertoſcht, 

uUnd alle Goͤtter des Digmps 

Nereiten den Zug aus 

Der ſchwangeren Wollen, 

Und öfucn den Schoos 

Der dunklen Gewaͤſſer! 


Chor. 
Da firgen die Regen, da brauſen die Stürme, 
Aufthurmend den Etaub der erihütterten Flurz 
Es regt ſich lebendig im Straub das Gewurme, 
Von donnernden Echlägen erhebt Die Natur! 
Wie firömen die Urnen der Wotten: wie ſtiegen 
Die ſſammenden Elige durchs duſtere Gran! 
Es trinten die Zaaten die Flut, es wiesen 
Erquicher die Aetzren den goldenen Thau: 


Chriſtian Schreiber. 
Fragmente aus meinem Reiſejournal ꝛc. 


( Bortfehung. ) 
Da ich mich rüdfichtlos, unbefangen und partheiles 
allem bingab, fo hatte ich das Gluͤck, Menſchen von 


fehr verfchiedenen Syſtemen, Meinungen und Par: 
tbeien kennen zu lernen, — Manche jeßt noch wer 
nig befannte, werden fih gewiß in der Zufunft aus: 
zeichnen, z. B. der trefflihe Schulmann Klein; 
Prof. Hoͤcker, der Rival des berühmten von Hart: 
leben. Beſonders intereffant war mir auch die Ber 
kanntſchaft eines fehr gelehrten und wadern Kameras 
liften und Statiſtikers, Scheidler. Eine Statiſtik 
MWöärzburgs, welche er auf Befehl des legten Fuͤrſt⸗ 
biſchoffs angefangen und zum Theil vollendet hat, iſt 
ein Mufter foftematifcher Behandlung, Genauigkeit 
und Vollfländigfeit; wie ein Rieſe gegen einen Zwerg 
würde fie fih zu dem verhalten, was bisher der 
Benedictiner Echipf bierin geleiftet hat. Möchten 
die unſtreitbaren Verdienſte diefes graden und ein: 


° fachen Mannes doch einem Flaren und vorurtheilsios 
ſen Auge nicht länger verborgen bleiben! Es ſcheint 


ein Mittel zu geben, ihn zu bewegen, das Werk 
con amore (dies ift richtig) zu vollenden, und 
dadurch den Wiſſenſchaften, und den Beamten des Fans 
einen gleich wichtigen Dienft zu leiften. — 
Uebrigens foheint, wie bei der kurzen Zeit auch 


nicht anders zu erwarten if, nech alt und neu in 


Wuͤrzburg fich nicht recht zu vertragen; es ſcheint 
noch keine rechte Einigfeit in dem Ganzen, ‚Die 
Würzburger follen nie gern Fremde unter ſich gefes 
ben haben, fie find wenig gelellig, ifeltren ſich gern 
binter ihre hohe Mauern, welche Hänfer, Gärten 
und Hofpläße verfieden; die Fremden, welche Uni— 
verfität und Regierung hierher zicht, möchten gern 
einen gefelligern,, liberalern, fröhlichen Ton einfühs 
ren, und es wird ihnen. gewiß gelingen, denn auch 
der eingeborne Würzburger bat viel Anlage dazu, 
welche aber durch die vorige Negierung und Mer: 
faſſung nicht ſcheint beguͤnſtigt worden zu ſeyn. Diefe 
hatte im Gegentheil eine gewiſſe Tendenz, fie Außerjt 
höflich und etwas verftedt zu machen. — Doch, ich 
möchte um alles in der Welt den übrigens fo inte 
reffanten 'Mürjburgern nicht zu nahe treten, 

Unter den Männern zeigen fi gelehrte und 
talentrolle Köpfe; das weibliche Geſchlecht ift in allen 
Eränden, befonders den mittlern Klaffen, ſchoͤn, voll 
Grazie und Eleganz. — Der ſchoͤne Wuchs, ein 
freier, ſchwebender Gang, der liebliche, oft etwas 
ſchwaͤrmeriſche Blick, verrathen, daß fie Kinder von 
frommen Müttern find, die aur Zeit der Schwanger— 
ſchaft mit doppelt warmem Gefühle in den ſchoͤnen 
Kirchen, betend vor den herrlichen Bildern und Sta— 
tuen erhabener Mefen, knieten; weiche die Hechge⸗— 
benedeite, die heilige Jungfrau zer Dertrauten ihrer 
Wuͤnſche, ihrer Hoffnungen, ihres Kummmers mach: 
ten, — Daher die lieblihen Madonnengefishter, in 


denen irdifche Wuͤnſche und Gefühle fo reizeud von 
dem Himmlifchen werfchleiert werden. — Darum 
fond ich eine gemiffe Lebereinftimmuug unter den 
Schoͤnen der Biſchbfflichen Kefidenzen zu Würzburg, 
Bonn, Coblenz und Mainz; darum verlieren mir 
Preteftanten offenbar, in diefer Ruͤckſicht. Wir haben 
ſchoͤne Weiber und Mädchen, aber bas je ne sais 
quoi, den Echmung, das Ueberirrdiſche haben fie 
nicht, welches den Derehrerinnen der heiligen Jungs 
frau die Palme reicht. — Einiges können die Protes 
flanten thun, durch bie Kultur der ſchoͤnen Künfte 
und des Geſchmackee. — — — Manche wollen be 
baupten, die fhöne Menfchenrace habe man zum Tpeil 
“ auch der Geiftlichfeit zu danken, worunter ehemals 
viele muͤhige, ſchoͤne und reiche Männer gewefen 
wären. Doch, wer möchte fo etwas nachfagen? 

Ein Profeffor und Neifebefchreiber dazu, hat ſich 
einmal im Betreff der garfligen Struͤmpfe der Maͤd⸗ 
Sen und Frauen in einer Provinz erpectorirt; daher 
beffe auch ich wohl hier der Außerft netten Chauſſuͤre 
der Würjburgerinnen erwähnen ju dürfen; fie jeich⸗ 
nen fich dadurch vorzüglich aus. Ein huͤbſcher, fei: 
ner, weißer Etrumpf, ein fehr wohl gemachter Schuh, 
befteidet und erhebt den fehr niedlichen Fuß, melden 
das ſchlaue Mädchen nicht gern dem bemundernden 
Auge verfteft. Die Würzburgerinnen find hierin 
lobens werthe Mufter. — 

Wärzburg ift eine huͤbſche Stadt; ſchon kann 
man fie aber nicht nennen. Man rechnet 1900 — 2000 
Käufer, in melden jekt 23000 Menfhen wehnen 
follen, gegen 4000 Militärperfonen und Etudirende 
nicht mitgerechnet, — Das ehemalige Kefidensfhloß, 
befanntlich eins der vorzliglichften (vielleicht das vor: 
zuͤglichſte) in Deutſchland, iſt jegt der Verfammlungs: 
ort der Yandes: Collegien; ein Geitengebäude wird von 
dem Präfidenten der Landes: Direktion, Grafen von 
Thuͤrheim bewohnt, einem Manne, über beifen 
Werth und Verdienft nur eine Stimme ertönt, Une 
ter mehreren ſchoͤnen Kirchen zeichnen fich die Hau— 
ger Erifteficche, die Schleßkirche, und durch ihre 
dehe und edle Simplicitaͤt ganz vorzüglich die Kirche 
des Auliusfpitals, aus. Der Altar in der Kirche 
des Seminars für junge Weltgeiftliche, ift ein Mei: 
fterfiot von Geſchmack und Eimplicität. 

Das Univerfirätsgebaude ift anfehnlich; das da: 
bei befindliche Obfervatorium wird bald mit beffern 
Spnftrumenten verfehen werden, und die Bibliothek, 
welche durch die Sammlungen der aufgehobenen Kids 
ſter anfehnlichen Zumachs erhalten bat, wird bald ein 
geräumigeres und befferes Lofale befommen. Das 
naturbiftorifche Bach üft fchlecht beſetzt; dem hiſtoriſchen 
merft man es zu feinem Vortheile an, daß einft 


Schmidt, der Gefchichtfchreiber der Deutſchen, Bir 
blietbefar bier war. Wielands Werke bezeichnen bloß 
den Platz wo noch mehrere Deutfche Claſſiker ſtehen 
follten; aus dem aufgehobenen Schottenflofter ſteht 
jeßt eine artige Sammlung Englifher und Franzöfie 
ſcher Claſſiker hier, 

Ueber bie große und hoher Ehre werthe Anſtalt 
des AJulmebofpitale, fage ich dir nichts, als daß die 
Regierung eifrig damit befchäftige ift, fie noch zu 
vervollfommnen, Eine ihr ganz heterogene &tipen: 
bienanftalt für funfjig Schuͤler, ift davon getrennt 
worden, und auch die Verruͤckten und Wahnfinnigen 
follen in eine befonbere Wohnung, in das aufgehor 
bene Klofter Himmelspforten, gebracht werden. — 
Mit einem fonderbaren Gemifch von Pontraftirenden 
Gefühlen ſah ich diefe große Anſtalt; Freude und 
Trauer, Mitleiden und Unmwillen, Wohlgefallen und 
Efel verbrängten eins immer das andere. — 

Eine huͤbſche fteinerne Brüde, welche mit zwölf 
foloffalen Statuen aus inländifhem Sandſtein, ge 
ziert iſt (außer Pipin und Kari dem Großen, meis 
flens Heilige und Bifchöfe,) führe nach dem fleinen 
anf der linfen Mainfeite gelegenen Theil der Stadt, 
und von da nach der Citadelle Marienburg Sie 
hat fih aufs neue durch den, den Franzofen geleifles 
ten Widerſtand befannt gemacht; ift aber nichts weni: 
ger als unüberwindlich, daher die Regierung wahr: 
ſcheinlich wenig auf ihre Erhaltung verwenten wird. 
Sie liegt aber fehr malerifch auf einem etwa 500 Fuß 
hoben Berge. Zu ihren Füßen waͤchſt der vortreff: 
liche Leiftenvoein; gegen Über, auf der andern Maine 
feite, der noch berüßmtere &teinwein. Einft verſuͤn⸗ 
digte fich der heilige Macarius, der erſte Abt des 
Schottenkloſters, in feiner ungeiftlichen Maͤßigkeit fo 
fehr, daß er Wein in Waſſer verwandelte, eine Ver: 
meffenheit, welche jedoch vom Himmel meiter nicht 
gerochen wurde. Es woͤchſt bier herum noch immer 
fehr trefflicder Wein, und bätten feine fremmen Nach— 
folger auch im ganzen Franfenlande eben die Wun— 
dergabe befeifen, ich bin verfichert, fie hätten lieber 
das Wunder von Cana nachgeahmt. — Wilft 
Du einen tiefen Brunnen und einen großen Keller 
feben, fo erfleige die Feſte Marienburg; obendrein 
wird man Dir auch unterwegs eine Saͤule zeigen, 
wo Wilhelm von Gruͤnbach den Biſchof Melchior 
von Zobel meuchelmorden lieh, und in der Kirche den 
Blurflet vor dem Aitare, mo ein Kapuginer den 
Märtyrertod flarb, als Guſtav Adolph die Feſtung 
erſtuͤrmte. Auch wirft Du erfahren, daß bier die 
Eingeroeide (ein michtiger Theil) der Fuͤrſtbiſchoͤfe 
begraben liegen, und daß fie bis zum Aabr 1724. 
ihre Reſidenz bier hatten. — Wahrſcheinlich würde 


— 48 — 


Dich mehr als alles dieſes, die vortreffliche Ausſicht, 
welche man aus den obern Zimmern und von dem 
Thurme auf die umliegende Gegend bat, interejfiren. — 
E chen vor uralten Zeiten foll bier eine Feflung und 
ein Göfentempel gemefen fegn, und letzterer foll dar: 
auf einen Theil der nachherigen Kirche ausgemacht 
haben, weiche die erfie im Franfenlande war, wenn 
anders die Inſchrift: Pruma ecclesia francorum 
etwas beweift. — Die Ausſicht, welche man von 
bieraus bat, führt mich auf die Gegend Überhaupt. 
Wer aus Pommern oder aus der Marf fommt, 
wird fie bezaubernd finden; zu den Reizen der Rhein: 
gegenden verhalten fie fih aber wie fehöne Profa zu 
ſchoͤner Poeſie. 

Außer den philoſophiſchen Spekulationen ließen 
ſich hier auch ſehr intereſſante merkantiliſche, auf 
Kloſterguͤter machen, welche die Regierung um ſehr 
billige Preiſe verkauft. An der Regel die beflen 
Aecker und Weinberge, Wieſen und Waldung, und 
eine reizende Wohnung, waren oft das bischen Ars 
muth der frommen Soͤhne des Himmels, Wollten 
die Götter, mir wärde ein Theil des Irdifchen Gutes, 
womit die Premonftratenfer in der Abtei Oberzell (an 
dem Main, bei Würzburg) ihr befchauliches Leben 
frifteten. Von den trefflichen Aedern, Wieſen und 
Weinbergen will ich nichts fagen, nichts von dem 
fürftlichen Gebäude und den beiden Mühlen; mehr 
als diefes zogen mich die Gärten an, aus denen fich 
alles machen ließe. — — Die prächtige Abtei Ebrach, 
welche im Steigerwalde liegt, fol zu einem Forft: 
inftitute beflimme feyn. — Das Luftfhloß des Fürft: 
bifchofs mit dem Garten, zu Veits Höchheim, eine 
Stunde von der Hauprfladt, iſt jekt ein Öffentlicher 
Vergnuͤgungsort der Würzburger; auch der huͤbſche 
Schloßgarten in der Etadt wird recht fleißig befucht. 
Außerdem find zwei Cafinos errichtet und Graf Ge: 
den wird bald fein neu eingerichtetes "Theater ers 
öffnen: lauter Dinge, welche den Würpburgern neu 
find. — Daß MWohlhabenheit in dem Lande fehr 
verbreitet ſeyn muͤſſe, ſchloß ich auch daraus, daß 
mir faft fein einziger Bettler in Zeit von drei 
Wochen begegnete, — 

Zeit und Papier, vielleicht auch Deine Geduld 
find zu Ende; nicht der Erf — — — 


(Die Fortſetzung künftig.) 


Rio cellen 


Vor etwa drei Jahren brachte ein Deutſcher Tanzes, 
meifter, Namens Sofel, juerſt die Ecoſſaiſe na. 
Moeskau. Er verdiente damit in einem Jahre 36,000 
Clags ſechs und dreißigtaufend) Rubel, Leine Be: 


dingungen beim Unterricht waren: es mußten immer 
zwoͤlf Perfonen zjufammen den Unterricht nehmen, 
und jede die Etunde mit vier Rubeln bezahlen. Ob 
er wohl in Paris oder felbft in London, auf eine 
ſolche Weife, ein ſolches Gluͤc hätte machen können? 
Man erinnert fih der Genfation, die es vor 
einigen Jahren machte, als ein großer Mordifcher 
Monarch piöglich alle junge Leute, die in Deurfch 
land ftudirten, nach Haufe berief und das Beſuchen 
ausmärtiger Univerfitäten verbot. Seht iſt die Mer 
anlafung Fein Geheimniß mehr. Ein Liefländer, der 
fih damals in Weimar aufbielt, fihrieb an den Mo— 
narchen wegen einer Privat: Angelegenheit, und um 
fig die Gewogenheit deifelben zu erwerben, behaup: 
tete er, er babe die in Jena fiudirenden Fiefländer 
Freiheitslieder fingen und ein Pereat — ausbringen 
gehört, Er trieb feine — — — fogar fo weit, ver 
ſchiedene diefer jungen Leute namentlich anzugeben. — 
Gluͤclicher Weiſe wurde von dieſem letzten Theile der 
ſchwarzen Antlägerei nicht weiter Notiz genommen, 


Erfabrungsfägße 
aus verſchiedenen Schriftftellern. 


leichteften fpielt der hellere Kopf mit denen, 
die fich ſelbſt für ausgezeichnet liſtig, verſchlagen und 
meltfiug halten. Sie werden von einem ſieten 
Mistrauen umbergetrieben, das ihnen feine Ruhe 
laͤßt, und frauen am Ende ſich ſelbſt nicht mehr. 
Immer taͤuſcht fie der Dünkel der Selbſtſtaͤndigkeit, 
immer ſehn fie nur Organe um ſich ber, und find 
doch felbjt nur die Puppen der Wirkungen bdeffen, 
der es verfieht, fie zu behandeln. 





Liebe, Ehre, Gold, das find die Achfen um 
die fih die Wuͤnſche der Eterblichen drehen, und 
Echmeichelei ift der Hauptichlüffel zu aller Herzen. 
Diefe der Natur des Oegenftandes gehörig anzupaffen, 
ift die geltende Kunſt. — Fliehſt Du die Menfchen 
fo halfen fie Dich, verachteft Du fie, fo verachteft 
Du Di ſelbſt. Der Weltfluge gebrauchte und ge 
winnt fie, und flreicheit ihr Steckenpferd, erfiärt 
ihre Weiter für Cbaritinnen und Mufen, admirirt 
ihre Kinder, — und verbirgt fein Yächeln dabei, 
2 — Prinzip, aber geltend für die Welt wie 

e iſt. 


O! erfter Schritt zum Lafter, erfter. entfcheiden: 
der Febltritt! Du bift noch feinem gefunfenen Weibe 
leicht geworden. Wie ein Quell —— und unge⸗ 
ae fortriefelt, wo nur mühfelig ſich der erite 

ropfen durchmwand, fo ſtuͤrzt die Thorheit fich die: 
fem Schritte nach, Verblendung und das Fafter mit 
dem langen Gefolge. Ihr warnt, — bittet, — droht, — 
Vergebens! Suͤnde und Reue und neue Suͤnde bes 
gleiten fie bis ans Grab, B— 1. 


1804. 





Donnerſtag, 





Nro. 143. 
ARISTIDES, 
Der Sreimäüthise 
— — o der — — den.1g. July. 
und Scherz. 


Ermnmnſt 


Literatur. 


Lebensgeiſter, aus dem Klarfeldiſchen Archive. Er— 
ſter Band, (Gotha, in der Beckerſchen Buch— 
handlung.) . 


af biefes vortrefflihe Buch, mit dem ich das 
Publikum jetzt näher befannt machen will, noch vom 
feinem Kecenfenten angezeigt, und vielleicht auch von 
den Freunden romantiſcher Lektuͤre uͤberſehen ift, mag 
mwehl an der Verlagshandlung liegen, die den Der: 
faſſer, der durch fein „goldnes Kalb“ fo viele 
Verehrer fi erwarb, auf dem Titelblatte näher zu 
bezeichnen, unterlaffen Bat. Auch der unverftändliche 
Titel ſelbſt, mag manche Lefer abgefchredt haben; 
denn nur dann, wenn man das Buch gelefen und 
darüber nachgedacht bat, Fann man mit dem Worte: 
„Lebensgeifter“, «ine deutliche Idee verbinden. 
Dar if fehe Schade; denn es verdiente von allen ge: 
bildeten Menſchen gelefen zu werden. Man ſieht 
nehmlich, daß der Verfaffer ein erfahrner Mann ift, 
der die Welt, und die unter den Menfchen, befon: 
ders im den hoͤhern Etänden, obwaltenden Verhaͤlt— 
niffe genau kennt. eine Keflerionen darüber theilt 
er nun bier in acht reizenden Erzählungen dem Pu: 
blikum, welches das Müpliche gern mit dem Schoͤ— 
nen verbunden fieht, mit. ie find fehr inferef: 
fante Beiträge zur Philofophie des Lebens , Über die 
in unferm Zeitalter ſchon viel gefhwaßt und geichrie: 
ben worden ift, die aber demungeachtet nur ſelten 





— — — 


praktiſch angewendet wird, weil ſie meiſtens weiſe 
Beherrſchung der Affelten und Begierden bejmedt, 
und es leider! wenige Menſchen giebt, die ſich ſell ſi 
fo in der Gewalt haben, daß fie, dieſe, die ehrendſte 
unter allen Herrſchaften, Über fi) ausüben konnen. 


Gern würde ich mich Über diefen Punkt weit: 
läuftiger erflären; — aber der Kaum gebietet mir, 
bier abzubrehen, um den Lefern des Freimuͤthigen 
noch etwas Über die Erzählungen felbft, die wir bier 
finden, fagen zu koͤnnen. Die erfie, die „Fruͤh— 
lingsleben“ überſchrieben ift, gewährt eine fehr ans 
ziehende Lektuͤre, und verdient befondere wegen bes 
treifiich gezeichneten Charakters des Vaters, viel Auf: 
merkſamkeit. Nicht weniger intereffirt im: „Bil 
dermann,’ der zweiten Erzählung, der Schwaͤr— 
mer Adolf. Ob er aber nicht etwas zu grell ge: 
malt fern mag? ch dächte fall. Die dritte und 
vierte Erzählung, weiche die Worte: „die Werk 
ſtaͤtte“ und — „Nichts“ an der Etirn führen, 
verdienen aber nach meiner Einſicht den Preis, 
In der erſten zeige ber Derfaffer, daf Kultur der 
ſchoͤren Wiſſenſchaften, als Neben beſchaͤſtigung für 
Geſchaͤftsmaͤnner, Die edelſte fen, die fie waͤhlen 
Fönnen, dal fie aber niemand in Ausübung feiner 
eigentlichen Berufspflichten hindern dürfe. D mich: 
ten doch mande Nünglinge, die ohne belohne au 
werden; den Muſen Pflicht und Gluͤck opfern, diefe 
Erzählung bebersigen ; vielleicht wäre diefe Lektuͤre fü: 
big, manchen Verblendeten ju ernfterer Ihärigfet zus 
rädjuführen, und ibn dahin zu bemegen, dab er flatt 
des Dichterlorbers, Birgerfronen zu erringen ſtrebte. 
Die vierte Erzählung wird beſendere jungen rauen: - 

immern, die in das cheliche Veben treten wollen, 
— nuͤtziich werden. Sie erfahren bier ein Geheim 
niß, wie das Unatü mancher Che durch Kinaheit 
der Gattin vermieden werden fünnte, Hier will 


— 50 — 


ich. Ihnen das Geheimniß nicht enthuͤllen, ſchoͤne 
Leſernnen, nehmen Sie die Lebent geiſter zur Hand, 
und Sie werden mir es gewiß danken, daß ich Sie 
auf diefes Buch aufmerkſam machte. — Die fünfte 
Movelle, „die drei Abende,“ it weniger interek: 
font, defto bemerfenswerther aber iſt die ſechſte, „die 
Schiedsrichter,” und die ſiebente, „Dad und 
Fach“ Überfchrieben. Dielsgte, der Seher, komme 
den vorhergenannten an Jutereſſe wieder nicht bei, weil 
das Prinjip der Lebenepbilefopbie, das darin liegen 
foll, etwas in Dunkel gebälle it, und nur ar 
werden kann. — — Alle acht Erjählungen find aber 
in dem vortrefflihen Etile und mir der bejaubern: 
den Vermiſchung ven Wis und Sentimentalitaͤt ges 
fehrieben, die uns in dem goldenen Kalbe fo 
warm anfpradhen, Moͤgte der Derfajfer diefen Lebens 
geiftern bald einige neue Brüder ſchenken, und — 
und aus feinem Inkognito hervortreten! Ein Schrift: 
ſteller von fo enrfchiedenen Talenten un) Berdienften, 
bat in der That nicht nörhig, ſich in die Nebelkappe 
der Anonymität zu huͤllen. — hn, 


M67 
—— ) 

Aus dem Zumfteeg'iben Nachlaß. (Meuheraudges 
kommen bei Breitfopf und Haͤrtel.) 
Mr.ı.An Fanny, (oderder Abſchied), Kantate für 
eine Singſtimme mit Begleitung des Orcheſters. 


Die Kantate hat doppelten Tert. Der Abſchled 
ift derjenige, for welchen Zumſteeg die Muſik eigent: 
lich gefchrieben ‚hat; der zweite, an Janng, iſt von 
einem andern Dichter fpater untergelegt worden. Da 
dies Werfchen tür eine einzige Batyiımme gefchrieben 
ift, fo verdient es mehr den Damen eines mufifalis 
{hen Monolegs, als den einer Kantate. Erfindung 
ſewohl, als geſchicte Anwendung und Verthellung 
der Anfirumente, geben diefer Arbeit große, entſchie— 
dene Vorzüge, 

Nr. 2. Johannens Lebemohl, aus Schik 

lers Jungfrau von Orleans. 

Dies war — dem Titel zufolge, Zumſteegs lebte, 
unvoilendet zurldgelaffene Kempofition, die ein ges 
wiffer Herr Wintzingerode beendigt und den Manen 
des Verewigten geweibt bat. Wie weit 3. gearbei— 
tet, und mo Herr W. die Ergaͤnzung angefangen 

at, ift u engegeben, doch bleibe fich das ganze 
Lli⸗ von Anfang bis zu Ende fo gleich, daß man 
gefiehen muß, ber fpütere Komponift bat, wenn er 
etwas jugefeht, fich un den Geiſt des frühern 
bineinzudenfen gewußt. Das Etüd jelbit bat ein: 
jeine Inne Stellen, doch ift es im Ganzen mehr 
recitativiiche Deflamation, als — inniger Geſang. 
Da diejes Lebewohl der Echmanengefang des be 
rühmten Verfaſſers ift, fo ift es don um deswillen 
interelfant. . 
Vier (geiftlihe) Kantaten, mit Begleitnug bes 

Orcheſters, von Zumſteeg. 

Mr. ı beginnt mit einem feierlichen yon 
dag die Worte des Chors begleitet: Mer it Dir 
gleich, Du Einziger! dann folgt eine Sopran: Arie 
in a dur, blos mit vier Eaiteninfirumenten begleis 


tet, aber voll fehhner Melodie und Mobulation. Die 
Muſik drüdt die ſtille Betrachtung des Grimüths 
üer die Größe des Schoͤpfers aus, 

Darauf tritt der Chor wieder mit voller Beglei: 
tung des Orcheſters ein. Die Worte: Zinft In ven 
Staub hin, betet an! find vwortreiflich gegeben; noch 
beffer aber find die gleich darauf folgenden: „ich bin, 
ih war, id werde ſern, der ich bin,” weiche nur 
von drei Stimmen, — aber mit wahrer, einfacher 
Erhabenheit gefungen werden, Den Beſchluß, mache 
eine Fuge, die für manche ein Muſter ſeyn konnte, 
wie man Augen ausführen foll, ohne daß fie das 
Ohr beräuben, und allen Wehlklang der Sprache fo 
erreißen, daß man eher Stammler, als Eänger zu 

ören glaubt, 

Dr. 2 bat nicht ganz den Werth des Er 
ſtern. Gleich der Anfang ift nicht ausdrudevoll, 
Die Worte: „ort, Urquell der Gnade,“ fängt der 
Komponift mit einem Viertel im Auftadt an, flatt, 
dab auf Bote fo gut wie auf Ur quell — ein be 
fonderer Nachdruck zu legen wor, Das auf den ers 
fien Satz folgende Terzett iſt vortreffiich, aber warum 
die Singſtimmen erſt acht Tackte Zmeivierteltadt, 
und dann fortwährend Dreiachteltackt haben, iſt nicht 
einzuſehen. Das Stuͤck hätte gleich mit Dreiachtels 
tackt beginnen Fönnen, welches auch das Metrum 
des Tertes recht gut zu liege. Doch das find Kiel: 
rigfeiten, die un beewillen auffallen, weil fie ein 
großer Kuͤnſtler überjah. 

Mr. In diefer weht wieder bie Liebe 
und Begeifterung des · Kuͤnſtlers. Es ift ein Pſalm, 
der die Erhabenheit Jehovas befinge. Ohne Inſtru— 
mentalbegleitung beginnt das Chor die Worte: „Brins 

et dem Seren, ihr Soͤhne der Großen, Ruhm und 

riumph!” und nun nach einem Ruhepunkt, fälle 
das Drchefter im Allegro ein, und die ſtile eier — 
gewinnt majeſtaͤtiſchen Ausdruck. Die Beſchreibung 
des Einzelnen paßt für dieſe Blätter nicht. Aber fo 
muß eine Ode, eine Hymne ausgefuͤhrt werden, wenn 
fie mit der ganzen Macht der Töne und des Rith— 
mus auf Ohr und Herz wirken fol. Obne in pie: 
lerei zu verfallen, bat der Komponift das Braufen 
der Stimme Gottes über den Fluten, das Zerfplits 
tern der Cedern auf Libanon. den flammenden Bliß ıc. 
der Empfindung ſtets angemeffen aufgedrüdt, und 
das Gemuͤth wird erhoben, ohne daß feine Freiheit 
beſchraͤntt wird, ‚ 

Mr. 4 iſt mehr ein Eeitenftü zu dem zwei— 
ten, Das Trauerfolo gleich im Anfange, „Mein 
Gott, warum verläfeft du mich?” Zeigt eine hohe 
Epannung des Echmerjes und ter Schwermuth, 
die fich in der Folge in milde Klage und Troft auf 
loͤſſt. Das Ganze dürfte etwas Fürjer fern, und 
würde vielleicht Dadurch an Intereſſe gewinnen, 


(Die Fortfepgung folgt.) 
Anekdote. 


aus der Deutſchen Geſchichte. 


"In Mr. 87 des Freimäthigen, wird die Anekdote 
von Ludwig XIV. erzählt, daß er einft einen Hoͤft 
ling bei der Tafel gut bedienen, aber ihm kein Brod 
geben ließ, weil er einen Bauern gemibhandelt hatte, 


— 51 


Friedrich der Giegreiche, Churfürft von der 
Malz hat diefe dee früber und glaͤnjender auss 
eführe. Im Sommer des Jahres 1462 waren ihm 
Sıraf Ulrih von Wärtenberg, der Marggraf von 
Baden, und der Biſchof von Mek nebft andern feis 
ner Feinde, ins Sand gefallen, batten die Feldfruͤchte 
verheert, und ihren Weg nad Heitelberg mit Brand 
und Raub u chnet. ie wollten dieſe Stadt, in 
der fie den boͤſen Frig, wie fie ihn nannten, nicht 
gegenwärtig — in der erſten Beſtuͤrzung ere⸗ 
een. Der Churfuͤrſt kam ihnen juver, verließ mit 
den Geinigen Heidelberg in der Macht, griff mit 
Tages Anbruh den Feind bei Pieddeneheim an, 
ſchiug ihn total, und machte 500 Gefangene, wore 
unter 240 Grafen und Edelleute und feine drei oben 
genannten Hauptfeinde waren. Im Triumph vs 
der Deutſche Held in Heidelberg ein, traftirte des 
Abends feine neuen Oäfte fürftlih, gab ihmen aber 
fein Drod. — Sie ſehen fich einander bedenklich 
an. Der Ehurfürft ermabnt fie freundlich, fie folen 
eifen, und trinfen und fröhlich fegn. — Endlich 
fagt einer der Gefangenen, fie hätten Fein Brob, 
Wie meint Ihr, erwiedert der edle Sieger, daß 
es meinen Unthertbanen fey, denen Ihr 
alle ipre Früchte verheert und verbrannt 
babe? — Hierauf läßt er dem beſchaͤmten Gäften 
Drod geben. E. 


Die Maädchen. 


Maͤdaen, alei der Yuno 
Mit dem Rouigstritte, 
Madchen gleich der Iris 
Dit dem Flingelſchritte: — 

Ude jung und bluhend, 
Wie die Frichlings roſen, 
Lockend gum Genuſſe, 
Wie bir Abrikeſen; — 

Alte ihön, doch anderd, — 
Alte reif zur Minne, 
Schweben um des Dichters 
Wonnetruntne Sinnt. 

Soll ich Euch ſie malen? 
Kann ich? — Ach! ih Get 
Furchtet nie ein Ende 
Mei vo reichem Gtofe. 

Komus maht geiälig, 

Das Palert iu halten; 
Gautelt denn vorüber, 
Liehliche Geſtalten! — 

Aus dem Bade hünfen 
Mädchen dort vom Bande, 

DO, mie find fie relzend 
Im Naturgewande! 

Dort im Fürftenfaafe 
DOrehn fih ganıe Gruppen, 
Nackend fat, wie Jene, 

Aber ſteif, wie Puppen. 

Dort aus einer Kirche 
Ballt ein Ehor von Bränten, 
Die ah! — nur dem Himmel 
Ihre Ehönheit weihten. 

Dort aus einem Tempel 
Bitterſuger Wonnen, 

Hrpfen auch gar viele, 
Aber — keine Nonnen, 


Meise wenden Ablas 
Jedem ihrer Mängel, 
Eeltft arfallen, bleiben 
Schoͤne Madchen — Engel, 

Andre fch ich Briefchen 
Miübfam buchtabiren; — 
Andre, die Autores 
Classicos ebiren ; 

Viele, die fich heute 
Ernſt an Dieien Inipfen, 
Morgen einem Ecdönern 
In die Arme hüpfen; 


Wenig, deren Kerion, 
Zartlich umd voll Treue, 
Werth es find, daß Ihmem 
Sich ein Yüngling meibe. 


Sleich den M'n fchwärmen 
Dance fonder suite, — 
ande find, wie Schnecken, 
Tag und Made zu Haufe. 


Während Tiere Kitten 
Kon der Pispe hauchen, 
ech id Jene herriſch 
Den Pantofel brauchen. 


Schwaͤrmerinnen ſeh id, 
Die im Mondſchein wandeln, 
Weinen mehr, als laden, 
Geufien,, nimmer — bandelm 


Hier umd da auch Weiſte, 
Die nrit Platos Träumen 
Hure Seele nahrend, 

Nicht den Leib verſaumen. 


ümpie mir ldit das Näschem; 
Stolz auf Eure Tugend, 
Feine Btleifinerinnen ! 
Aalt it mie die Jugend. 


Evens ihlimmiten Töchtern 
Etrömt Moral vom Munde, 
und den Buſen luſtert 
Nach der Echäferkunde, 


Mögen Eure Lippen 
Srenden laut verachten, 
Denen Eure Herzen 
Suill entgegen ſchmachten!: 


Traum! zuletzt erbeutet 
Doch im feiner Tale, 
Trotz der aröiiten Vorſecht, 
Amor Euch, mie allt. 


Neugier lockt die Jungen, 
Sehnſucht die Betagten; 
Muth gewinut die Kecken, 
Euada die Verjagten. 


Kaltfinn reigt bie Etolien, — 
Madchen Hold durch Demuth, 
Rühren oft zu Mitleid 
Thränen Miller Wehmuth, 


Arme Ehönen biendet 
Leicht des Goldes Echinmer, 
und der Hobekt Etralen 
Reihe — Frautnzimmtt. 


Ernft gefällt den Grommen, 
wit und Ehen den Loſen — 
Innigkeit dem Lilien, 

Leichter Sinn dem Roſen. 


Sanſtheit kirrt die Blouden, 
Glut entſlammt die Braunen; 
Leicht erhaſcht man Jede, 
Kennt man ihre Launen. 

Eins beraubert Alle 
Weiße Du fein zu ſchmeichein ; 
Wird die Kaltſte Diebe: 
Fühlen oder — heuchelu. 





— 52 — 


ESüfe Lieder girrend 
Lot’ ich mir ein Taubchen; — 
Jar gewiß ering" ich 
r Auch ein holdes Weitchen. 
O, wie will idh’s preiſen 
In der ſchoͤuſten Ddet 
Und wie werd’ ich's lieben, — 
Lleben bis zum Tode. 


C. H. L. Reinhardt. 


Nicht politiſche Zeitung. Nro ı. 


er Drofefor Eichke arbeitet an einer Edhriit, im welcher 
er beweifen will, daß Zimmermann in feiner Ecriit von 
der (mit in der über die) Einfamkeit, Plagiartus 
geweſen. tr, N 
Herr I. Merrmann hat Montes Meſflas ind Holländiicdhe 
« Aberient, und fordert Kimfler auf mit Zeichnungen, deren Ans 
hate er vorikreibt, zu den fünf erſten Belangen der Auarts 
Unsaabe feiner Ueberſetzuug, zu concurriren. Dieientge Zeichnung, 
bie den Preis erhalt, wird mit So Gulden Houl udiſch bezahlt 
und nach geſchehenem Stich yuriickgeliefert, Die Concurrengs 
Zeichnungen müſſen vor Ende Seot. d. J. am den Prafidenten 
der Lendenſchen Zeichen » Akademle eingeſandt werden. Der Ge⸗ 
genſtand des erſten Aupfers iſt Im erſten Geſange des Meſſtas 
von R. 43 — 144 dis Driginalt, doch muß Bott Bater nicht 
in meniblicher Geſtalt erſcheinen; der des gweiren, im jwelten 
Sc. R. 1917 — 19. Der des dritten, im dritten Gejange 
Verd 196. Der des vierten, im vierten Belange B. 531 — 551. 
Der des füniten, im, fünnten Geſauge, Vers 209 — 249. 


Aud zu Er. Petersburg moied elite Kirerneifh se areifkiiche 


Anſtalt errichten, wie das Beygangſche Muſeum zu Leipig. 
Der Abonmmenrts Preis iR 60 Mubel, 

Der Kalfer von Rußland bat bei einer garoken Bücherver⸗ 
looſung zu Mosfan 1000 Loeſe (jedes zu 10 Rubel) genommen, 
und der Gewinn verichiedenen Lehrauſtalten beſtimmt. 

Im vorkgen Jahre find im Klein: Rufland 15,000, und 
in Diers Eibr und Kurland 2000 Kinder waccinirt worden, 

zu Sauburg find alle Peihbibtiorgefen verboten worden, 
weil die Grade are öffentliche Wibkiotheten bat, die jedermann 
offen ſtehn. a 

In einer Blicher + Auction gu Paris wurde ein Eremplar ber 
Slorentiniichen Nusgabe des Homer, für 3601, Franken verkauft, 

In Paris erſcheint auf Befehl der Regierung eime Charte 
von Aeghoten, in 50 Blattern. Das Eremplar wird 2000 
Branten koſten. 

Der Souperneur yon Litthauen, H. v. Benningſen, gicht 
in Wert über den Cadalleriedicaſt und die Aſiatiſch-Ruſſiſchen 
Etutersien heraus. 


Hoftheater in Stuttgart. 


%; fland wird Gier mit aroher Sehnſucht erwartet. Als er 
vor zwei Jahren bei ms war, temuhte man fich ihm zu zeigen, 
dag man feinem Verdiemt volle Gerechtigkeit erwieſe, und er 
verlieh Etutrgare mit dantbarer Ruhrung. — 

Ser Pauli führe nun aud die Rezie der Over, nach⸗ 
dem Her Weberling foldhe im die Hände der Direktion 
aurüdargsten bar. — 

Un er beliedter Tenorit Krebs Kat einen wiermenatlichen 
Urlaub, und beiimder fich argenmärtig in Wien, wohin er auf 
die gamje Zeit feines. Urlaubs berufen wurde. — 

Herr Sutor, nunmehr lebenstänglich engagirt, dit zum 
Hofmuritus und Chor + Director befördert worden, Here 
Aberile, der vorhin die Choöre dirinirte, bat vei Dieier Ver— 
anderung nichts verloren, und aflitırt den Herrn Kran. — 

Mademoiſeue Bobetm il auf weitere fedhis Monate engar 
girt. Sie Gar eine ſehr angenehme Grimme, einen hübſchen 


ledlalich auf Die 


Vorteng, und (was wir am umferer unversehlihem Sängerin , 
Madame Bley, vermißten) auch — Soleil. — O. 





Schiller bearbeitet jegt dem AttiUla, um ihn zum Hefe 
ben einer neuen Tragodie, Die noch dm Herbie fertig werden 
voll, su maden. Ob aber die Geſchlchte de Attila ſich wohl 
gut zum Satſet eines Trameripield qaualtfigiren may? Je nun! 
wir werden ja ſehen. 

Auf dem Hoftheater zu Weimar iſt fürjlicdh aud der 
Heavtontimorumenos — zu Deutidh: der Exibfiveini: 
ger — mach der Bearbeitung des Herrn von Einfiedel gege— 
ben worden; bat aber misfallen, und Das dähe ſich auch leicht 
deuten. Din Beifall, den Me Bruder erhlelten, muß man 
Rechnung der Neutzeſt Bieter Gattung 
ſchrelben. Als das Madden von Andros erſchten, war bie 
Neugierde ſcon hinlanglich befriedigt worden, und mar — 
gahnte. Bei dem Heabtentimerumenos ſotlen aber viele Zu— 
ſchauer der Gefahr des Einſchlaſens ſehr nahe geweien fein. 
D der arme Terem! — bn, 


Arensburg, auf der Imfel Defel, den zo, Mal, 


Sat Peter dem Brofem hatte unſre Inſel nicht das Glück 
genoren, von Kufılands Behereſchern beruht zu werden. Ieht, 
mac einen Jahrhunderte, ericılen ums wieder Ruthentens Ge— 
nius in Aleranders berriicher Seſtalt. So wie Er die pen 
den Tage feines Hierſtyns, den 12. und 14. Mini 1804. durch 
Seime !earnwart fr bie Geſchichte Defels verewigte, — ſo 
werben fie fir unfere Madtommen auch ſchöne Tage des Wohl⸗ 
thuns und der Freude ſeyn. 

An jedem 13. Mai (ſo if es auf dem RNitterhauſe ber 
ſalo ſen) Ton Beine Art von Frohndienſten gelcidet werden, 
Dieier Tag, ein Freudentag für uns Alle, wird aus dem Re 
gifter der Lauer: Praftanden getilgt ſeyn. — 

um jedem 14 Mai ſoll bei dem Steine am Meinen 
Sunde, au weiden der beite Kalfer Fah, und Sich, wahr 
rend Er fein zurüchaebliebenes Obeinige erwartete, Deveſchen und 
Tirtibrirten vortragen Hei, — an die Armen diefer Inſet eine 
milde Gabe. ansgetbeilt werden. Auch wird Diefer Stein eine 
geſchmackvolle Baluſtrade von Granit und ESilen erhalten, dar 
mit er vor Veſchadigung geichiigt werde. Cine Inpidarlidıe Ju⸗ 
ſchriit, in dieſen Stetn gehauen, wird die Verantaſſung erjablen. 

Ohne pompharte Zaruſtungen, ohne Triumohbogen, empfin: 
sen wir Ihn. Aber icdes Herz war eim Tempel, im welchem 
das heilige Jeuer der unverganglichen Liebe und Treue für ihn 
loderte. Und wer wird uns nicht Beifall geben, das wir auf 
diefe Art unſers Lebens jchönfte Erinnerung auf unſere Nach ⸗ 
kommen jortprlungen ? 


Anzeige. 

Diele, vorniglich der Literatur⸗ und Kunſtgeſchichte gewid⸗ 
mere Reizung, wird regelmañig fortgeſetzt werden. Da der Freis 
mitchise, den alte Klaſſen leſen, der Nichte Weg if, eine 
Nacdricht ichmeit nud allgemein bekannt ju manchen, erſuche ich 
Jeden, der einer intereianten Neuigkeit groge und ſchnetie Pu⸗ 
blleitat wunſcht, fie mie einzuwenden, Der Redafteur, 


en 


1804- 





Nro, 144. 


Der Freimüthige 


Freitag, 


ern ft 


und 


den 20, July, 


She r % 





Kunftmerfwürbigfeiten der Leipziger Jubila⸗ 
temeffe‘, im Landfchaftsfache, 
Kupferwerfe über merkwürdige Höhlen, 


Sie legte AJubilatemeffe ift an Werfen, bei mel 
cher die Landfchaftezeihnung ihr ſchmuͤckendes Amt 
vermaltet, ungemein fruchtbar geweſen, und bat eis 
nen neuen Beweis abgelegt, wenn es anders eines 
folhen Beweiſes bedurfte, daß troß allen Bemühun: 
gen folcher KRunftfreunde, die das Edelſte zum Zweck 
haben, doch die niedern Gattungen der Portrait: und 
Sandfchaftsmalerei auch bei uns allein noch ihren 
Mann nähren und der Kunſtſpekulation günftig find, 
Außer mehrern Derfuchen in pittoreefen Reifen, (wir 
mollen hier nur an die Naturfhönbeiten Saͤch⸗ 
fifder Gegenden, auf einer geſellſchaft— 
lichen Reife gefammelt, von Brüdnerund 
Guͤnther,) wovon drei Hefte mit 36 Landfchäftchen 
(Leipzig, Hinrichs) erfcpienen find, und an die mas 
lerifchen Reifen am Rhein, mit einem Tert 
vom Profeifer Vogt, movon der erfte Keft in 
einem frühern Blatte des Freimuͤthigen wohl et 
was zu firenge beurteilt wurde, erinnern,) ers 
fhienen auch mehrere naturbiftorifche Werke, mel: 
hen zur Erklärung oder Ausſchmuͤckung Landſchafts⸗ 
zeichnungen zugefelfe wurden. So erhielt ein in ges 
gnoftifcher Ruͤckſicht ungemein wichtiges, und den Mis 





Wir gedenten hiervon im der Folge eine austhrlichere 
Unieige in dieſem Journal zu geben. Der Herausg. 


neralogen gewiß willklommenes Werk, des um feine 
Miffenfchaft fo vielfach verdienten Saͤchſiſchen Dice: 
berghauptmanns von Charpentier: Beitrag jur 
geognoftifchen Kenntniß des Niefengebirges Schleſi— 
(den Antheils, (Leipzig, Erufius in 4.) außer ans 
dern feientififchen Kupfern auch jwei brav gezeichnete 
und gut aufgeführte große Landfchaften zur Ausflat: 
tung, die dem Werke auch bei folchen Käufern, welche 
der wiſſenſchaftliche Inhalt zuruͤckſchrecken koͤnnte, zu 
einer fehr einladenden Empfehlung gereichen, und 
alfo gleichſam der Honig um die Lippen des Wer— 
murbsbechers ſeyn müffen. Zwei neu erfchienenen 
Kupferwerfe über merfwürbige Höhlen, verdienen 
aber hier noch eine befondere Erwähnung. In der 
zum Churfuͤrſtenthum Baden gehörigen Landſchaft 
Saufenberg, befindet fih unmeit des Dorfes Haſel 
eine fehr merfwärdige Höhle, oder vielmehr eine ganze 
Reihe aneinderhängenden Höhlen, mit einem unter 
irrdifchen Bach, und einer Menge merfwürdiger Er: 
fheinungen und Maturfpiele, wovon im nörblichen 
Deurfchland freilich bisher nur wenig befannt ger 
worden iſt. Der noch lebende allgeliebte Churfärft 
von Baden flieg fhon vor mehr als dreißig Jah— 
ren, mit der damals noch lebenden Frau Marfgräfin 
in diefen unterirrdifchen Maturtempel, welchen die 
umliegenden Gegenden zu einem Wohnplatz der Gno— 
men und Erdmännchen machen, und davon mans 
ches zu erzählen miffen, mas nur bie Feder eines 
Mufäus oder Veit Weber erwartet, um große 
und Heine Kinder in ganz Deutfehland zu vergnügen, 


Seit diefer Zeit ift die Höhle felbft auf berrfchaft: 
liche Unfoften gangbar gemacht, in einigen Theilen 
durch Eäulenwerf unterflügt, und mit Bruͤcken über 
die unterirdifchen Bäche in diefem ſchauerlichen Schat⸗ 
tenreiche verfehen worden. In den zwei legten Jah: 
ren des vorigen Jahrhunderts ereigneten fich in dem 
Kalfgebirge, in welchen diefe Höhlen eingetauft find, 
im und beim Dorfe Haſel merfwärdige Erdbruͤche 
und vermehrten die fehon befannten Naturerſcheinun⸗ 
gen, wohin befonders auch der nahe Eichenerfee ges 
hört, der, gerade wie der berühmte Zirkniger, auf 
Monate lang plößlich verfchwindet, und dann in eis 
ner Macht wieder da iſt. Es mußte daher auch in 
geognoftifcher Ruͤcſicht eine genauere Beſchreibung 
diejes ganzen Hoͤhlenweſens wuͤnſchenswerth feyn. 
Die legte Meſſe hat uns mit einem gröndlichen und 
unterhaltenden Werke darüber befchenkt, welches der 
Kurbadifche Landfommiffair Lembke in Bafel, bei 
Schoͤll und Komp. herausgegeben hat, *) Außer 
dem fplendiden Drud und Format in groß Folio, 
bat es auch noch befonderes artiffifches Intereſſe, 
durch zwölf Kupfertafeln erhalten, die in neun großen 
Proſpekten, zwei Grundriffen und einem Titel£upfer, 
den Eingang der Höhle vorftellend, beftehn, Cie find 
von dem wadrer Künftler Meichelt gezeichnet und 
geäßt, und koͤnnen als ein Muſter angefehen wer: 
den, wie —* unterirdiſche Proſpekte, die ſo 
reich an Schattenpartien ſeyn muͤſſen, in Aquatinta 
mit Geſchmack zu behandeln ſind. Einige Tafeln, 
wie z. B. der fogenannte große Tempel, auf der drit— 
ten, und die Anſicht der großen Tropfſtein-Hoͤhle, 
auf der vierten Tafel, wärden Dekorationg: und ce: 
nenmalern, die unfere Feen uud Zauberopern mit 
Grottenanfihten und Wunderpalläften im Bauche 
der Erde, oder gar im Tartarus zu verberrlichen ba: 
“ ben, fehr erfprießliche Dienfte leiten. Wir glauben, 
daß dies Werk keinem Eammler von fhönen Kunſt⸗ 
werfen und naturbiftorifchen Monographien fehlen 
dürfe, und eilen um fo mehr es in unferm Kreife 
befannt zu machen, da es fonft leicht im nördlichen 
Deutfhland der Aufmerkſamkeit der Liebhaber entges 
ben könnte, **) 


EEE EEE 
*) Die Erdmanns: Hoble bei Hafel, herausgegeben von €. A. 
Sembke, Kurbabiicher Landtemmiſſair. Ward, bi Scholl, in 
Rem Folio, 21 Seiten Tert, und 20 Aaquatinta-Blatter. 
Merto » Breit 7 Thlr. 12 Gr. "ini 


) Es verdienen wirklich mehrere naturtziſtoriſche und 
VParſagiſten werte aus jenen Gegenden, auch im unſern eine ſchnet⸗ 
lere Beobachtunag. Dahin gehören, um mir mwei Veiſpiele an⸗ 
zumteren, vorzuglich der Voyage pittoresque de Bile & 
Kuenne, par les vallons de Mottiers- Grandval, wovon 
in ber legten Oſtermeſſe die dritte und vierte Lieſerung erſchienen 


it, (man darf zum Lobe des ſchönen Werks nur wien, dab 


Virmanım don Profveht gezeichnet und Beidel den Tert geatr 


So viel man auch fon von der Muggendorfer 
Höhle im Bayreuthiſchen Oberlande gefihrieben hat, fo 
befaß das Publikum bisjegt doch noch Feine vollftän- 
dige Beſchreibung derfelben. Espers keſtbares Werf 
darüber ift theils veraltet, theils wegen des Umfan: 
ges und hoben Preifes nur wenigen zugänglich, Al: 
les übrige ſchraͤnkt fich auf mehr oder weniger aus: 
führliche Erwähnung in Keifebefchreibungen und na: 
turbiftorifchen Merken ein, die einen fo intereffanten 
Gegenſtand nicht ganz erfchöpfen Fonnten, Der auch 
als Anatom ruͤhmlich bekannte Profeffer Rofenmük 
ler, in Leipzig, erwarb fich ſchon früher Verdienſte 
um biefen Theil der Topographie, und gab in den 
Sahren 1794, 1795 und 1796 in Yeipzig und Er: 
langen Befchreibungen und Linterfuchungen dieſer 
Gegenden, und befonders der dort gefundenen Fof 
filien: Knochen, heraus, die allgemeine Theilnahme 
erregten, Er flieg zuerjt bei Muggendorf in die merk: 
"würdige Höhle, die nun den Namen von ihrem ers 
ſten Entdeger trägt, und durch fo manche fpätere 
Befchreibungen (auch in dem eigenen Hoͤhlenwerke 
des Doktor Tilefius, wenn ich mich recht befinne) 
immer bekannter geworden if. Niemand hatte alfo 
einen entfchiedenern Beruf zur Topographie dieſer gan: 
zen Wundergegend, als der fie zwei Jahre lang mit 
fo viel Begeifterung unterfucht, und mit unglaubils 
her Anfirengung fich gleichfam angeeignet hatte. Die 
legte Oſtermeſſe hat uns ein volljiändiges Werf über 
die Merfwärdigkeiten der Gegend um Diuggendorf, ") 
von der Feder und dem Zeichengriffel diefes Mannes 
gebracht, den man gleihjam als den Prieſter der 
Natur anzufehen bat, der uns aus ihren heiligſten 
Hallen ihre Wunder verfündigt, und ihre Geheim: 
niffe entſchleiert. Er bat uns nicht nur mit Zugie: 
bung aller vorhandenen Quellen und Nachrichten 
eine fehr anziehende Erzählung von den Wundern 
diefer merfiwürdigen Gegend gegeben, die man als 
eine zufammenhangende Reiſebeſchreibung lefen und 
in der That wohl nicht eher weglegen wird, als bis 
man zur romantifchen Modachöhle gedrungen, und 
fo den ganzen Kreis der Oberländifchen Grotten, un: 


beltet bat,) nur das biftorifdie Vrachtwert Memoire aptelo- 
zogique vom verforbenen Profefor Hermanı in Straͤsburg, 
mit neun Eolorirten Planzentafsin, in groß Folio. Veide Werte 
find im Verlage von Levrault und Comp. im Etrasturg eridhie 
en, und verdienen die vortheillafteite Ansseichning. 


*) Die Mertwurdigkeiten der Gegeud um Mmggendorf, Eee 
ſchrieben von E. Eh. Roſenmüller. Berlin, bei Unger, 18904 im 
Folio, mit meunsig Seiten Tert und ſechs folorirten Kupfertafein. 
auf Bilinsapier zedrude und im einem farbigten Umſchlag we: 
beitet. Die drei zur Rofenmulierbößfe und zum Brongenſtein 
gehorigen Mauatintae Blatter, werden der Phantañe einen weis 
ten Spietraum omazm Vielleicht erhalten wir bald Roman 
scu aus der Unterwelt. 


terirdifchen MWafferfälle, Styrgewaͤſſer, Opferaltäre, 
Kiuften und Felfenburgen durchgelaufen iſt, fondern 
uns auch die ſchoͤnſten Zeichnungen aus feinem Por: 
tefeuille mitgetheilt, die von Richter und Wittich 
in Aquatinta geägt und geftochen, in fechs illuminirs 
ten Kupfertafein in Folio dem Werke beigelegt find. 
Wenn diefe auch vielleicht in artiftifcher Hinficht noch 
manches zu münfchen übrig ließen, geben fie doch 
eine fehr deutliche Anfchauung einiger Hauptſcenen, 
und werden alle Landichaftsmaler, die auf dem Harze 
und den Eächfifch: Echlefifchen Gebirgen jede Felſen⸗ 
gruppe und jeden malerifchen Baum zu einem künfts 
lerifchen Gemeinader gemacht haben, anreijen, in 
jene Bayreuther Oberlande, wo noch fo manche volle 
MWeizengarbe der Sichel des ämfigen Schnitters ent: 
gegen winkt, ihre artiftifchen Erndten und &pazier: 
gänge anzuftellen. Auch wer Keifebefchreibungen und 
Naturgeſchichten fammelt, darf fih dies Werk, das 
mit aller Eleganz der Ungerſchen Offizin ausgeftattet 
und auch in feiner Außenſeite fehr aniodend iſt, nicht 
tgehen laffen. 
— " (Die Fortfehung folgt.) 
Der Lettiſche Mathematifer, 


Jndeß in dem auf ſeine liberale Conſtitution und 
Geſinnung ſo ſtolzen England einer der wichtigſten 
Proceſſe zum Beſten der unterdruͤckten Menſchheit 
zum zweitenmal, und zwar im Haufe der Pairs, vers 
loren wurde, die Abfchaffung des Sklavenhandels 
zum zweitenmale fehlſchlug, ift in einem Reiche, 
das wohl mande andre Nation im Uebermuth 
der Kultur, noch immer nur für halbwild hält, 
ein andrer, eben fo michtiger Rechtshandel auf 
die großmäthigfte Weife entfchieden worden. Zu mwels 
hen Betrachtungen giebt das Anlaß! 

Man errathet leicht, daß ich von der mit fo er 
habner Menfchenfreundlichkeit befiimmten Aenderung 
der Baurenverfaffungin Rußland und vorzüglich in 
Sief:und Ejiheland fpreche, die Aleranders Regierung 
den erhabenjten Glanz verleiht, den ein Herrſcherthron 
erringen kann. Mas find Eiege, die einen halben Welt⸗ 
theil verdden oder in Feſſeln fehlagen, gegen die Aufs 
richtung, die Wiedereinfekung einer feit soo Jahr 
zu Boden getretenen Nation, in ihre Menfchen: und 
Staatsbürger : Rechte? 

Immer weiter und allgemeiner fcheint ſich uns 
ter dem Adel der genannten Provinzen die edelfte, 
menfchenfrenndlichfte Geſinnung zu verbreiten. Sehr 
häufig werden neue Beweiſe davon befannt, und 
eben fo häufig davon, daß bie Letten und Eſthen von 
ihrem neuen Lebensgläd zu ſchoͤnem, muthigem Auf: 
fireben nach Kultur und Sittlichkeit befeuert werden, 


Hier nur ein Beifpiel, das zugleich für die Talente 
zeugt, die in der Kettifchen Nation nicht felten find, 

Ein Lettiſcher, leibeigener Bauerfnabe von dem 
Gute Luhde, fühlte das dringende Bedürfniß der 
Geiftesbildung. -Er erlernte mühfanı, und ohne An: 
weiſung das Deutfche, von einzelnen Mafulaturblät: 
tern, die er aus den Apotheken erhielt und aus ei: 
ner Dentfben Bibel, die er mit feiner Lettiſchen 
verglih. So bald er darin einige Fortfchritte ge: 
macht hatte, Faufte er fich mathematifche Werfe, und 
fludirte fie mit großer Anftrengung, obgleich leider, 
ohne Plan, da er es ohne Anmeifung that, — indeß 
auch ohne feine Hausgefchäfte dabei zu vernachläßigen, 
befonders da ihn der Tod feines Waters zum Borfte: 
ber feines Guͤtchens gemacht, und er eine alte Mut: 
ter und jüngere Geſchwiſter zu verſorgen hatte. Sein 
ebeldenfender Erbherr, Herr Baron von Wrangel 
und dejien Familie, unterftägte ihn jeßt, fo bald feine 
Talente bekannt wurden, auf mannigfaltige Weife, 
Endlich, da die Univerfität zu Dorpat eröffnet wurde, 
errheilte ihm der Baron einen Freibrief, räftete ihn 
aus, um anftändig unter den andern Studirenden 
erfcheinen zu können und ſchickte ihn, im 26 ften Jahre, 
nah Dorpat. Hier wurde er, nach einem Eramen, 
inferibirt; die übrigen Studirenden Famen dem Schuͤch⸗ 
ternen mit achtungsvoller, Freundſchaft entgegen, und 
gaben ihm auf die für fein Ehrgefühl ſchonendſte 
Weife, eine Unterftüßung vou 200 Kubeln; die Uni: 
verfität felbft aber wies ihm ein Etipendium von 
150 Rubeln an. — 


Ein ehrwuͤrdiger Name. 


Au⸗ die im Brittiſchen Parlemente einſt zuerſt fuͤr 
die Abſchaffung des Negerhandels ſprachen und ſtrit— 
ten, hat Europa mit verdienter Waͤrme bewundert, 
geprieſen. Es gab eine Zeit, da der Name Wilber⸗ 
force als Ehrentitel gebraucht ward. Doch Wilber⸗ 
force und feine Freunde zogen nicht felbft Bortheile 
aus dem Handel, und hatten Feine Nachtheile für fich, 
von ihren Beftrebungen zu fürchten, und — fie has. 
ben vergeblich gerungen, — Weld ein Abftand von 
ihnen zu dem Manne hinauf, den ich den Leſern 
bier nennen will! Der Landrath Friedrich 
non Sivers in Liefland, iſt es, von dem ich 
ſpreche. Er, felbft ein großer Gutseigenthuͤmer, Be: 


fißer einiger taufend Leibeigenen, machte es, von 


wenigen Freunden unterftüßt, feit einer Reihe von 
Jahren zu feinem höchften Kebensgefhäft, die Leib— 
eigenheit in Liefland aufheben, wenigftens ihr alles 
Miederdruͤckende nehmen zu laſſen. Seit 1795 ſtritt 
er auf den Lieflaͤndiſchen Landtagen für dieſe große 


Angelegenheit der Menfchheit. Er mar es, der fie 
vor dem Throne der unfterblichen Catharina verthei: 
digte, und fie einem gluͤcklichen Ausgange nahe gebracht 
hatte, als die Monarchin ſtarb zi Er, vorzüglich, der 
die Bauernkonftitution vom Jahr 1797 durchfeßte, 
die aber Feine Beftätigung erhielt; Er, der bei je 
dem tirannifchen Exceß gegen die Bauern, mit uners 
muͤdetem Feuereifer auf Gerechtigkeit für fie drang, 
und fich dadurch dem Haß und der bitterften, zum 
Gluͤck immer fehlgefchlagenen Berfolgung Aller auss 
fegte, die von den damals beftehenden fehredlichen 
Disverhältniffen Vortheil zogen, oder noch zu ziehen 
hofften; — Er endli, der auch, als in Alerander 
die erhabenfle Menfcenliebe und Gerechtigkeit den 
Thron beftieg, an der Spitze der Großmuͤthigen und 
Edeln im Liefländifchen Adel dahin rang, den Ab: 


56 — 


ſichten des Nordiſchen Titus wuͤrdige Beſchluͤſſe zu 
veranlaſſen. — Endlich bat, wie man weiß, eine 
Commiſſion von gewählten einfichtsvollen Männern, 
auf Befehl des Monarchen, den Letten und Ejihen 
eine Eonftitution gegeben, die das Wohlfeyn und die 
Kechte diefer Völker ſichert. Diefe Conſtitution, die 
unendlich hoch Über ber im Jahr 1797 dem Landtage 
abgerungenen, *) ſteht, ift das Endurtheil der großen 
Kechtsfache, die Sivers anhängig machte, und feit 
zehn: Jahren unermädet und raftios führte. — Un: 
fterblicher Mame! Jede Fünftige Generation in Liefs 
land wird glüdlicher, einfichtevoller , gefitteter feyn, 
weil Dein Befiger einft zu feinen Staatsbärgern gehörte! 
Giebt es einen höhern Lobfpruch, als biefe Wahrheit ?— 


) Man vergleiche. Sie ift zweimal mit Anmerkungen im 
Deutibland gedrucdt worden. 


Riht-politifhe Zeitung. NMNro. 2. 


Hoftheater in Stuttgart, 


Mir der Oper win es bel umd nicht vorwärtt gehen; (0 
viele Muͤhe fih and die Direftion giebt. Man behilit ſich, 
ſeilt man das Publikum mit der Vorfttellung dei „Achttt“ 


umd des „Titus bewirthet bat, gröftentheils mit Cinichiehe 


feln, unter den neueren Ei en bat „Graf Armand“ 
tein fonberliches Bike gewac · An deito größeres, hingegen die 
Dverette: Better Yacob, mit Mufif vom Mebul, von 
Her Keama bearbeitet, @K wurde Cwas bier fehr viel 
fügen will) einige Male nacheinander aufgeüher, und wird, 
wenn nur erft Herr Krebs wieder da fit, gewiß oft wiederholt 
werden. Ein gam entgegengefegted Exhicjal hatte „der Auf 
draufende‘ clirato) biefe Vieblingsoper der Pariſer; fie — 
fiel durch. Meurrlich wurde der „Jahrmart? von Woß 
tersbanfen“ mit Muſtk von Bingareiit, zum erſtenmale 
aufgeführt. Die Mufit kUlugt ziemlich alt, hat aber gleichwohl 
mehrere, ſehr schöne und binreiäende Stellen. Daß der, an 
fi unverdaulide Tert einigermaßen arnieftar wurde, haben 
wir ber Bearbeitung des Herrn Schlotterbeck iu verdanten. 
Diefer mufitaliihe Dichter, deſſen Verſe lauter Wohltlang find, 
fonte mehr für die Oper arbeiten, — 

Die Direttion wird sche wohl daran thunz wenn fie auf 
den Fall, dab Mademoiſelle Boheim, nah Beruf ihres 
neuen Engagements, von hier abgehen ſollte, in Zeiten un eine 
erſte Sängerin ſich umficht. Einen erſten Sanger, oder gine 
erfte Sängerin auf eine Brobe iu verſchreiben, iſt nicht 
rathlich; die guten Ewbiefte laſſen ſich fo etwas nicht arialen, 
und die mittelmähigen eder gar Schlechten wird man nicht 10 
leicht wisder lof, Es folte doch wohl nicht mit fo vielem 
Schwierigteiten verfmüpit ſeyn, cine vorsüglide Sängerin vier 
die hitſtge Bühne gu befommen, da die Diretion eine folce, 
befonders im Verhaltniſſe mit der Socalität, gut bezahlt umd die 
Etramıen wohl zu ertragen find, indem im der Druck, 
wochentlich nur eime Over negeben wird. D. 


Herr Börde, ein meued Mitglied des Deutſchen Theaters it 
Petereturg hat dort gleichralld bereits debutirt. Au⸗h wird ber 
de — rüßmte Mrefo daſelbtt im kurzem, als engagirter 
Scanfpieler, eintreffen. 

Iu Paris arbeitet Verton daran, eine alte Fa aa 
dergeſſene Dover von Gluf: Ech o umd Nareiffus, wieder 
auf die Bühne zu bringen, Manche Theile der Compofhrion 
find ſchon zu fehr veraltet, aber Verton erieit fie, nicht durch 
eigne Arbeiten, ſondern durch andere wenig bekannte Birien 
und f. w. vom Sluck ſelbſt. 

Am 24. Moril dieres Jahres hat gu Parma ber Profe ſot 
Guldotti: die erite Öffentliche Vorleſung Über Chemie ge⸗ 
halten. 

Die Nachricht von dem Tode des berühmten vallas if 
ungegrünbdet, 

Vom erſten Jullus 1903. bis sum 1. Zul, 18904 find 
in Halle 454 Studenten inſtriblrt. Se. Maleſtät der König 
haben den Fonde der Univerfität mit 15,000 Thalern ahrlich 
vermehrt. 

Die Unlverſität Heidelberg erhält eine ganz neue Organs 
ſatlon. Der Kurfurſt bat die jährlichen Eintiinfte derietben mit 
10,000 Gulden erhöht umd 7,000 Gulden zu Anlesung eines 
botanifhen Gartens. angewieien,. 

Anzeisge. 

Es find mir eine Menge Streitſchritten über verſchiedene 
Theater, Berichtigungen der Zeitung für die elegante Welt u, ii. 
eingerendet worden. Ich seige hierdurch am, daß ich fie Kammer 
lich dem Verleger dieſes Blattes zum Einracken in den Anzeiger 
abgeliefert habe, und eriuche, kunftig Muriage Der Art grade am 
ibn zu adrefiven, da fie in den Greimmehigen ſelb ſt 
nicht konnen aufgenommen werden, und id mit dem Anjeiner 
nichts zu thun bate. Es übrigens wohl nicht uüͤberſuiſſig zu 
bemerten, dag das Einrucken im dem Mnsciger bezahlt werden 


muß, 
Der Red, 


—r grrr—— — —  —— wen 





Nro. 145 
ARISTIDES, 
Der Sreimütbige 
— Oder — den 21. July. 


&onnabent, 


Ernſt 


und 


She ır 





Literatur 


Kleine moraliſche Erzählungen aus der wirklichen 
Melt, für junge Leute, beiderlei Gefchlechts. 
Riga, bei Müller, Erſtes Bändchen, 


Fur Veredelung des Herjens und Erweckung gu: 
ter Grundfaͤtze,“ mie es weiter auf dem Titel heißt, 
Das Büchlein enthält ‚größtentheils edle Züge aus 
der neueren Geſchichte, in gebrängter Kürze, die mit 
Denkſpruͤchen abwechſeln, — und in zwei befonderen 
Anhängen: poetifche Erzählungen von Hagedorn und 
Bürger, und einige Charaden und Käthfel, deren 
Auflöfung im zweiten Bändchen nachfolgen fol, 
Diefe leteren fcheinen nicht an ihrem Platz zu ſeyn, 
indem fie weht zur Echärfung des Verſtandes die: 
nen, aber doch fehwerlich zur Erweckung guter Örund: 
füge beitragen koͤnnen. Die Dentfprühe hat ber 
Derfaffer zum Ausmwendiglernen beftiimmt, dem 
er in der Dorrede Überhaupt das Wort redet. Es 
ift werth, ihn ſelbſt darüber zu hören, da er hierin 
von ber herrſchenden Meinung unfrer modernen Er: 
zieher gänzlich abweicht, „Wei dem Lmterricht der 
Jugend — follte man nicht fo ganz gleichgültig 
gegen das Gedächtniß fern. Es ift und bleibe 
eine Seelenkraft, ‚deren Vernachlaͤſſigung mancher 
ſehr theuer bezahlen muß. Wir machen unfern Vor: 
vaͤtern nur gar zu gerne den Vorwurf: daß ſie bei 
ihrer Schul⸗ und Erziehungs: Methode den gefamm: 
ten Unterricht zur Gedächtnißfache machten, folglich 


bie Menfchen zu menig zum &elbfidenfen vorbereite: 
ten. Diefer Vorwurf ift nicht grundios. Aber mie? 
wenn unfre Borväter uns die Anfchuldigung des entges 
gengefekten Fehlers zurüdgeben fünnten? — Ich 
will fagen, daß wir lauter Selbſt denker erziehen 
rollen, aber die Vorrathekammer, in welche die 
Seele den Eroff zum Denfen niederlegt und aus 
melcher fie ihm gelegentlich woleder bervorfuchen muß, 
leer Taffen. Der proftiiche Paͤdageg follte Urtheile: 
kraft und Gedaͤchtniß eben fo wenig von einans 
der trennen, als der Moraliſt Aufflärung und 
Tugend ic.” 

Es ift zu wuͤnſchen, daß die folgenden Bändchen 
diefem erften bald nachfelgen mögen, 


Des Titus Calpurnius ländliche Gedichte, 
übersetzt und erläutert von Friedrich 
Adelung. St. Petersburg, bei Schnoor, 
1804. (S. 255. in q.) 

Der Derfaffer vorftehender (metrifgen) Leber, 
fegung, Kerr Hefrath Adelung zu St. Petersburg, 
verwundert fi in der Einleitung darüber: daß, außer 
dem Fragment, welches Denis feinem Offian anges 
hängt, Feine Verdeutſchung des Calpurnius vorhan: 
den fen, da doch die Franzoſen und Sjtaliener ihn 
bereits mebreremale in ihrer Eprache befäßen. — 
Sollte dies der Fall wirklich feon, wie denn au 
der Verfaſſer gegenmwärtiger Anzeige fi) Feiner Ders 
deutfehung diefes Dichters erinnern zu fünnen, aufs 
richtig geftehen muß; fo giebt es höchftens zu erfens 


nen, daß die Deutfehen je zumeilen bei ihren Ueber: 
feßungen — mwenigftens in der Wahl des Grgenfans 
dee, den Geſchmack zu Rathe gezogen haben. Biel: 
mehr dürfte man fich daher über Herrn Adelung 


wundern: daß derfelbe bei feinen archäolegifhen, und 


nicht geringen Kenntniffen der klaſſiſchen Kiteratur, ſich 
einer fo undankbaren und wenig belohnenden Arbeit 
unterzogen bat, indem Calpurnius befanntlih fein 
eigentlich klaſſiſcher Tichter iſt und Überdies ein bloßer, 
oft woͤrtlicher — und nicht immer gluͤcklicher — Nach: 
abmer Theocrits und Virgils, man ihm übrigens auch 
nur, in Hinſicht mancher einzelnen Aufſchluͤſſe über 
die Sittengeſchichte feiner Zeit, bisher hiſtoriſchen 
Perth zugeftanden hat. 

Hier find nun auch die dem Nemeſian Eicher 
zugefchriebenen Hirtengedichte in bie Ueberſetzung auf 
genommen und, nah Wernsdorffs früherer Mei: 
nung, die nicht geringe Wahrſcheinlichkeit für fich 
bat, dem Calpurnius beigelegt worden, Es befinden 
fi daher hier in allem eilf Idyllen ; bekanntlich 
wurden immer nur fieben unter dem Namen bes 
bier überfegten Dichters angeführt. 


Außer einer Hiftorifchen Einleitung über Colpum 


nius und feine Jdplien, in welcher H. A. bauptfäche 
fih die Aufnahme der Pſeudo; Nemeſianiſchen vers 
theidigt, und Übrigens von feiner Arbeit mit lobens 
werther Befcheidenheiffpricht, hat derſelbe jeder Jdylie 
noch befonders eine’ hiſtoriſche Erftärung und Fritifche 
Anmerkungen beigefügt, die, ohne eben erfchöpfend 
zu ſeyn, oder Meues zu enthalten, zur Verftändlic: 
keit des Dichters das ihrige zwedmaͤßlg beitragen, 
Diefe und ber gegenüberfiehende Lateiniſche Tert 
nehmen den größten Theil des — Übrigens typogras 
phiſch· ſchͤnen — Werks ein, : 
Was die Ueberſetzung felbft betrifft, fo ift 
fie in — Nicht-Veſſiſchen Herametern und, bei 
aller fAgulgerechten Treue, die nicht felten den wah— 
ren Einn entſtellt, groͤßtentheils ohne allen poetiſchen 
Werth. Gleich die Anfongszeilen der erfien Idylle 
mögen hier zur Probe flehn und das Geſagte beftätigen. 
Ornitus. Sintend jähmer der Eommer noch micht die Pferde 
ber Eonne, 
umd doch drückten die Preſſen nun ſchon auf ſaſtige 
Reben, 
Und es fhäumet der gahrende Kot mit bumpfen 
Geränfcht. 
Denitus, fieheft Du wie die ung vom Mater’ Der 
trauten * 
Kühe fich weich gelagert unter ruppigen Ginſter? 
Warum jollen auch wir nidt Schatten ſuchen ber 
nähe? 2 
Sollen geientt das Haupt mit bloüem Huthe be⸗ 
fügen? 


Eotidon. 


Ornktus. Lab und, Bruder, dem Hain, laß jene Hößle uns 
ſuchen, 
Unſerem Fanus gewelht, wo im dichten Walde bie 
Vinien 
Schlank die Aeſte verſchraänken, der brennenden 
Sonne zum Dbdach, 6) 
Wo die Buche beſchattet den Queil, «der Wurzel 
entiprudelt, 
und ibm webet ein fchligendes Zeit mit ivrenden 
Aeſten. 
Wo Du mich immer hinrufſt, ich folge Dir, Orn— 
tus, willig, 
Da mir Beuce verfügt Umarmung und nächtliche 
Freuden, 
5 Stehet mir ofen der Kain des höruertragenden 
— gaunus. 
Das iſt nur die erfte, aber noch nicht bie 
ſch lech te ſt e Etelle im Buch. Auf Härten, Eliſio 
nen, mangelnde Caͤſur und Inverſionen ſtoͤßt man 
häufig. Den Einn des Originals findet, man wohl 
heraus, aber faſt nirgends findet man poetifchen 
Sinn und dichterifchen Ausdrud, — Hätte Kerr 
Adelung nicht vielleicht beffer gethan, da es doch ein: 
mal auf’ eine Verdeutſchung des Calpurnius von ihm 
abgefehen war, fie uns in ungebundener Rede zu 


geben? 
A— 8 


Diesjährige Johannis» Freuden in Mitau. 


in hellerer Punft im Leben der Mitaner ift — 
die Johanniszeit. Der Glanz bes Geldes, welches 
kur einmal im Jahr Hier eine bedeutende Rolle 
ſplelt, erheitert die fonft fo grämliche Phyſiognomie 
der guten &tadt und das Antlik jedes ihrer Bewoh⸗ 
ner. Alle Geldgefchäfte des ganjen Landes werden 
nemllch um diefe Zeit hier In Mitau gemacht, bie 
Contrafte und Pfandbriefe erneuert und neue ge 
ſchloſſen. Dan rechnet, daß auf dleſer jährlichen 
Geldmeffe, in dem Zeitraume weniger Tage, eine 
Halbe Million umgefegt werde. Auch kann man 
eben fo gut annehmen, daß um diefe Zeit das halbe 
Land in die Hauptftadt zuiammengedrängt ſey, bie 
alsdann einem bis oben angefüllten Dedeltopfe gleicht, 


Coridon. 


der inwendig ſiedet und außerhalb ſchaͤumt. Denn 


ſchon außerhalb der Stadt drängen ſich Menſchen 
und Vieh zum Ziel der allgemeinen Wallfahrt und 
drinnen wogt und kocht es wie — eine Rumfordſche 
&uppe, Den Heimifchen mie den Fremden, treibt 


„fein Intereffe dahin; und wer nicht an dem allge 


meinen Geldcommerz befonderen Theil hat, nimmt 
wenigſtens Theil an dem damit verfnüpften Gewuͤhl 
und den mancherlel Freuden in feinem Gefelge. Uns 
ſollen bier gleichfalls nur die letzteren beſchaͤftigen. 
Eine Gallerie derſelben von dieſem Jahr, möge einen 


Begriff von diefer Freudenzeit überhaupt geben. Ich 
ſchweige dabei von dem ungewöhnlichen Leben und 
Treiben in den, fonft verödeten, Straßen, — von 
den aufgefchlagenen Marktbuden und den neufournirs 
ten Moaarenlagern, den Gaffern davor, und ben 
Käufern drinnen, — oder auch umgekehrt, denn nicht 
felten verfperren die erften den letzteren den Eingang. 
Ich fehweige von den Vänfelfängern, Harfenfpielern 
und feiermännern, bie ſich zur freude der Kinder 
des Abends in den Etraßen freugen, — von ber 
Mufif, die am Tage aus den offenen Fenſtern 
aller Gaſthoͤſe lärmt, wie von den Silbertoͤnen 
der in jedem Haufe ausgefchätteten, gezählten und in 
großen und Fleinen Saͤcken umhergetragenen Alber: 
tusihaler, für welche niemand ein Ohr zu haben 
ſcheint. Ich ſchweige von denen, in gebrudten Ans 
ſchlag⸗ Zetteln ſich feibft recenfirenden Zahnärzten, 
Optikern, Bandagen: und Inftrumentenmadern, von 
den Hauſierern und Trödlern, Bilderfrämern und 
Fottofpielern, die nirgends Hätten, aber wohl Buden 
bauen und jedes Jahrmarktes Bewohner find. Auch 
übergehe ich die gewöhnlichen Abendpromenaden un: 
ter Sternenbeleuchtung und Muſik, in dem geſchmack⸗ 
vollen Dftenberg’fchen Garten, der den ganzen Som⸗ 
mer hindurch dem Publitum offen ſteht, aber zur 
Hohanniszgit recht eigentlich preisgegeben wird, — 
fo wie die arrangirten adelichen und bürgerlichen oder 
KRafino: und Klutben- Bälle, die zur Zeit diefes groß: 
ſtaͤdtiſchen Lebens in Mitau, kein Auffehen machen, 
Nur die ungewöhnlichen Erfheinungen, mit Eins 
ſchluß des gewöhnlichen Theaters, follen bier der 
Reihe nach auftreten, und in der Erinnerung noch: 
mals an mir voruͤberziehn. 

Da wir während der diesjährigen Johanniszeit 
mit mufifalifchen Produftionen fo reichlich gefegnet 
waren, daß zuleßt fchon ein Ohren: Mangel eintrat, 
fa möge denn auch bie Mufit hier den Anfang 
machen. 

Zuerft fuchte ein Herr Galliani im Öffentlichen 
Konzert fih auf der Guitarre und dem Pianoforte 
zu empfehlen, was ihm aber ſchlecht gelang; denn 
ſchon das Gerücht, daß er kurze Zeit zuvor in Kiga 
nach der Konzert: Probe förmlich abgemwiefen mors 
den ſeh, gereichte ihm nicht zu großem Vortheile. Seine 
Kaffe muß ihm das deutlich verrathen haben. 

Nah ihm, trat, in einem zweiten Öffentlichen 
Konzert, der Biolonzellift Lamare auf, der im feis 
nem Fache feines Gleichen felten findet. Er hatte, 
von allen die fich Hier proßucirten, das größte Audi: 
torium und die flärffte Einnahme, Die Entree Foftete 
einen Albertusthaler, Zugleich ließ ſich eine junge 
Dilettantinn, die Tochter eines hiefigen angefehenen 


Particuliers, auf der Violine hören: Eine feltene 
muſikaliſche Erſcheinung, die vielleicht mehr Zufchauer, 
als das Konzert des Herrn Lamare Zuhörer gelodt 
baten mögte. Auch der Mufifdireftor Riel aus 
Königsberg, ließ auf dem Flügel feine Finger auf 
und niederlaufen. Denn mehr war es wohl nicht 
als ein Fingers Spiel, was wir hörten. 


In einem dritten Öffentlichen Kongert produzirte 
ein in Moskau lebender Franzofe, Namens Poulleau, 
ein ganz neues Klaviatur = nflrument von feiner Er: 
findung, das er Orch eſtrino nennt, weil es meh⸗ 
rere Inſtrumente zugleich, beſonders die Violine, 
Bratfepe, Hoboedas Violonzell und Horn, mit 
möglichfter Taͤuſchung, nachahmt. Es hat, um: 
geachtet es Blasinftrumente nachahmt, nichts als 
Darmfaiten die jur Hervorbringung tes Eſſekts dies 
nen, und nahm fich in der Ferne wie ein vollſtaͤndi⸗ 
ges, aber ſchwachtoͤnendes, DOrchefier aus. Im 
Grunde feheint das Ganze eine artige mufitalifche 
Spielerei zu feon, und feinen reellen Zweck zu ba: 
ben. Auch ift der Ton des Inſtruments nicht fehr 
angenehm; vielleicht verftand der Erfinder es auch 
nicht gehörig zu traftiren, denn, die von ihm darauf 
gefpielten Stuͤce waren nicht erheblid und ziemlich 
einförmig. ehr übel muß es aber immer ber 
Dann empfunden, haben, bes; bie Ausdauer gehabt 
hat, vierzehn „Jahre auf die, Erfindung und Bollen: 
dung feines Inſtruments zu perwenden, daß die Zu: 
börer fo wenig Ausdauer bei dem Konzerte zeigten, 
und bereits in der Hälfte deſſelben einzeln und Trupp⸗ 
weiſe, nicht ohne Etörung, davon gingen, Aber der 
größte Theil von ihnen war auch nur gefoms 
men um zu fehen, und nicht, wie es fonft in ber 
ganzen Melt bei einem Konzert der Fall zu feyn 
pflegt, um zu hören, — 


Nach dem Erfinder des Orcheitrino gab in dem 
Theater, Vormittags um Zehn, bei einem jablreichen 
Zuſpruch, ein viertes Konzert — Madame Mara, 
von Petersburg kommend, von der fih nichts weiter 
mehr fagen läßt, als: daß fie da gewefen iſt. Den 
Beſchluß der Konzerte machten die drey Ge 
brüder Fagettiften Preumapyr, deren Spiel auf 
diefem fo wenig tractablen Jnftrument einzig ift, und 
die gefranntefte Erwartung hinter fih laͤßt. Ihre 


Kinnahme war fehr gering, aber die Bewunderung 


groß, die fie bei den wenigen erregten, die noch Oh⸗ 
ren für fie übrig hatten, 


Die für das Auge forgten und hauptfächtli die 
Meubegier reißten, fanden ihre Rechnung mehr als 
die, welche durch das Ohr den Eingang zum Herzen 


ſuchten. Ein Herr Kranz Pucci, ber mit dem 
weltberühmten Blanchard mehrere Luftreifen ange: 
ftellt haben wollte, ließ am Abende eines der ge: 
wuͤhlvollſten Tage einen Luftballen von 70 Fuß 
Höhe mit einer lebendigen Kae, zufammt dem Fall: 
ſchirm, ſteigen. Wenn feine Einnahme dabei gering 
gewefen iſt, fo Eonnte er fich doch nicht uͤber Wan: 
gel an Zufihauer befiagen., Denn an allen Ekken 


und auf allen Etrafen hatten diefe feften Fuß ge 


faßt. 
(Die Fortſetzung folgt.) 


Habund Liebe 


Warum gab die Natur div einen Mater? du Armen! 
Sein unfreundlidıer Sina vottet die Tugenden aus. 
Warum rettet fie did nicht aus dem Hinden der Mutter ? 

Ihre Liebe — fie pflanjt jegliches Laſter dir eim. 
Burdach. 


m — —ñ—— DD — — 


Nicht —æpolitiſche Zeitung. 


Ns in Enaland ſcheint man jetzt diirig am einer Mer 
beſſerung des Charakters und der Lage dir jndifchen Matiom zu 
arteiren. Ein kurztich gu London erſchienener „VBeriuch, die Nor 
urtheile gegen die Juden zu vernichten,” erregt und verdient 
vrel Auſmertramteit. 

Nr. 176. der „Allgemeinen Zeltung“ Tierert eine kurze 
aber sehe sur geichriehene Biographie des unvergeßlichen Soul⸗ 
ding, Ss ſchlleüt mir dem Wuniche, „daß ihm seim würdiger 
Sohn, der um jeden Zweig der Philologie verdiente Profeſſor 
Eovalding, mit einer kritiſchen Musgabe feiner, durch ihren Ins 
hatt widitigen, durch ihre Eleganz und Kerreltheit Hagiichen 
Echriften, ein Dentmaal jegem möge“ Wurde diefer Wunſch 
doch nicht Äberhörtt . 

Sram von Krudner in Riga bat dort unter ihren Augen eine 
neue ueberſetzung ihres Romans Balerie veranfalter, die im 
Mitau gedruckt umd, wie es in der Antündiaung davon beißt, mit 
dem Etempel der Berraferin beseicdhner werden wird, um fie fo 
von allen stbrigen — unachten — Ueberfegungen unterſcheiden 
zu können. Diele Ucherrrgung mag alſo ausfallen wie fie wolle; 
fie wird zu einer achten gertempelt, — und das 
von der Berfaferin ſelbit. Wer kann dagegen etwas ſagen? 

Beim Rigiſchen Theater dit gang Birzlich ein neu engagirtes 
Mitglied, Herr La Node aus Hannover eingetroffen und (at — 
mit großem Beifall als Abbde VEpec debutirt. Auch erwartet 
man dort die nicht umbefannte Graponriängerin, Madame 
udermamn, unter dem ehemaligen Namen, Lippert bes 
tannter. — 6. 

Der gelthrte Redakteur des noch gelehhrtern Journal de 
Paris leidet ſchr am den Mugen, und dad verleitet ihn zu man⸗ 
cherlei ſonderbaren Fehlgriffen. Man erinnert ſich wohl des 
tateinifehen Diſtichen, in weichem er Kant den „Furnen der 
Sinfernif nannte, blef weil er im der Philoſovhie deſſelben — 
ne voyoit goutte, Er war es au, der ſoaterhin Tebolst 
in, Edilefien entdeckte: doch jept hat ihm feine — Blodſichtig ⸗ 
keit noch größere Etreidie geipielt, ihm (Nr. 185.) fchen fairen 
dag: - Funchon la Vıelleuse est tradurte dans toutes 
les langues et sur tous les theätres de VEu- 
rope, und daf cette admırable production (ein Wander 
vitles Srück) est plus heureuse A elle seule que tous 
les chefs d’oeuvre reunis de Corneiile, 
Racine et Voltaire. BhmeKogebued Umarbeitung umd 
Himmel? reisende Mufit würde das Stuck auf dem einigen 
miche: jeamzdriichen Theater, auf dem es bis jetzt erichiemen if, 
ſchwerlich au Ende geipielt haben. Uber wie vie weih man 
doc, wenn man — nichts weißt Man plantafirt und glaubt 
au beiehren. 

— Man bat kürslich entdeckt, dah ber Zucker nicht mer 
eim gutes Gegengist, fonderm felbA ein Prajervativ gegen 
das Ein ift, fagt wiederum das J.d.P, als wenn das fchr ven 
fhieden ware. Man bat Thieren Zucker eingegeben und dan 
dir vergifteten Pieile der Indianer gegen fie verfucht: fie 
fühiten „feine Beſchwerden“ davon. Andre Thiere, bie 
feinen Zucker verschlungen Gatten, ſtarben ſchnell, wenn fie mit 
diefen Pfeiten verwundet wurden. Sollte dieſe Verſchieden⸗ 


Nro. 3. 


heit nicht im der des bloßen Verfuchen vom Berwunden 
liegen? 

Die luſti gen Köpfe in Frankreich treiben ihrem Scherz mit 
der Peichtgläubigkeit des Ned. des Journal de P, Kürilich 
hatte ihm einer gemeldet, Olbers babe einen neuen Planeten 
mit ſechs Trabanten entdeht, und der HD. Med, machte e— bes 
kannt. In Mr. 296. erjählt er gar nach, in Nouen ſey ein 
Knabe von 24 Jahren georben, im deſſen Leibe man eimen 
Fotus gefunden habe, der ſchon die äweiten Zähne gehabt, ale 
fieben Jahr alt geweſen ſey. Er ſetzt indeh Hinjw: mais nous 
n’y eroyons que mediocrement. 

Kr. 298 uud 290 zufolge, ihdas Kind im Intestino Colon 
gefunden worden, und nur noch ein Kinmpen, an weichen man 
die Etelle der Mugen, ber Mare, des Mundes entdeckt, der 
aber gleichwohl, obfchon er nicht geöfnet it, neun Rabne ent⸗ 
hält; es bar feine Ohren, ſondern ſtatt ihrer Bäder, keine 
Arme, nur einen Auswuchsſs, der eine Aehmlichteit mit eiuem 
Suse hat: — turzi, Das Ungehtuer Id — am Ende nichts als ein 
Annertidhes Sieiihgewächt, und die Wundererzahlung ein Mähr ⸗ 
Ken, womit man den Hrn. ed. zum Beiten bat. 

Die Nr. 237. bit Dagegen eine gar grümdliche Abhand 
lung über die Hofenträger, umd nimt man hinzu, daß in 294. 
eine cameraliftiiche über — bas Nehreniefen Acht, die zu dem 
nierfwürdigen RNeiwitate jührt: „es fen beifer, die Mebrem auf⸗ 
zuheben, als fie liegen zu laſſenz“ fo bat man eine Gallerie 
vom Koöflichkiiten, die dieſes Vurnal im fechd auf einander fol 
genden Nummern gegeben hat, und die feinen Werth in hohes 
Licht ſezt. In Deutſchtand würden ſechs ſolcht Blätter hinbel 
chen, eine Zeitung zum allgemeinen Gelachter zu machen. 

Eine andere Nachricht it deito reeller, mebmlich, bat ein em 
wachſener Burger zu Rouen wirklich emtbunden worden ik, 
von einem Heinen Gedichte vom 14,600 Verſen, dem er den 
Mamen Dre beilegte, umd das ſogleſch mach der Geburt — 
ſtarb. 


Die Königl. Eorietät der Wiſſenſchaſten zur Drag bat einen 
Preis von 500 Gulden und 400 Eremplaren der Praisicbeirt, 
auf die Beantwortung der Frage gelegt: durch was fie Mittel 
man, ohne Einmiichung der Polizet, die Verfalfhungen der 
Nabrunasmittel verhindern, wenigſtens verringern könne? 

— und einen zweiten Preis von 300 Gulten, und einer 
gleichen Anzahl von Eremplaren, amf die beite Nachweiſung und 
Prüfung der Quellen zur Bohmiſchen Geichichte. 

Ton den Preisichriiten wird au Kofen der Sockttat eine 
Auflage von nur Son Eremplaren gedrucft. Man mu geflehen, diefe 
Nurgaben find mir einer Eiberalität zemacht, die eimer Bönigl. 
Eorterät würdig find, " 


Ton Jean Paul Fr. Richter wird jegt eim Werk gedruckt: 
„Vorſchule jur Aeſthetit.“ Es iſt wahr, Richter bat 
mirgend Veweiſe gegeben, dbi ihm auch nur Die Grundregeln 
der Aeſthetit sche helle geworden, aber es Bann micht anders, als 
böcdrt intereſſant ſeyu, einen ſo gentaliſchen Kopf über die 
philoſovhiſche Throrie der Kunft am hören, follte er auch nichts 
als Phantafien vorhringen. 








1804 





Nro, 146, 


Der Sreimüthige 


Mentag, 


Ernſt un 


— 00 —— 


den 23. July, 


ı SS der, 





Literatur 


Kaifer Octavianus. Ein Luftfpiel in zwei Theis 
Ien, von Ludwig Tieck. Jena, bei From: 
mann, 1804. 


De Heerſchaar von Reformatoren unſerer ſchoͤ— 
nen Literatur, von Verkuͤndigern einer neuen Morgen⸗ 
röthe der poetifcgen Poeſie, iſt zerftoben; die Anz 
führer und Stifter find hierhin und dorthin zer: 
freut, und fiheinen darauf verzichtet zu haben, den 
Geſchmack und den Verftand des Publifums hinlaͤng⸗ 
lich beräuben zu fönnen, um ihm Genies und tiefe 
Denker zu feinen; die Übrigen großen Männer, die 
nech vor einem Jahre foſt monatlich neugeborgn wur: 
ben und uns belehrten, bald daf die Franzofen noch 
gar Feine Dichter gehabt, bald dab — doch wer kann 
alle folche erhabene Offenbarungen behalten? — find 
gleichfalls verflumme, wahrſcheinlich, weil ihre & tu: 
dentenjahbre verfloffen waren, und fie nach Haufe 
mußten, um etwas — Vernänftiges vorzuneh: 
men, Die Literatur hat wieder ihren ruhigen, fittlichen 
Gang gewonnen: das Verdienſt der ältern großen 
Dichter und Schriftſteller wird, ohne Iächerliche, eins 
feitige Abgötterei verehrt; junge talentvolle Köpfe 
dürfen gerechte Anerfennung und die Gunſt des Pu: 
blitums hoffen, one Machbeter irgend einer Schule 
zu ſeyn. Was foll man alfo noch bei jenen Verir⸗ 
rungen, den Verirrten und ihren Produften lange ver: 
weilen? Ganz Furz alfo, 


* 


Dieſer Oktavianus, der wohl endlich erſcheinen 
mußte, weil, wie man ſagt, der Anfang ſchon ſeit 
mehrern Jahren gedrudt war, und der Merleger 
wwahrfcheinlich feine Roften nicht verlieren wollte, — 
fiebt Hrn, Tiefs frühern Phantafieen, feiner Geno— 
veva, feiner Melufine, u. f. w. durchaus ähnlich, if, 
wie diefe, die planlofe Erweiterung, Dialogifirung 
DVerfificirung eines befannten abgefhmadten Pöbel: 
Romans: ein Gemiſch von Perfonen ohne Charak— 
ter, von Ecenen ohne Inhalt, von lächerlichen Aben: 
theuren. Die Verſe find gleichfalls Hrn. Tieds frü- 
bern durchaus gleich, chne portifchen Sinn, mit alt: 
vaͤteriſchen Eprachformen Überladen, leicht und gleich: 
wohl ohne Wohlklang. Der Inhalt? Mun im Ans 
fange verftößt der Kaifer Octavianus feine Gemah— 
lin, weil fie ihm Zwillinge geboren bat, und feine- 
Mutter ihm einbildet, er.fei nicht der Vater derfel: 
ben; im zweiten Theile aber thun diefe Zwillinge ent 
feglich viel Heldenthaten, u. f. w. Vorgeſetzt ift dem 
fegenannten Luftfpiel, (es wird aber darin erſto— 
hen, gehängt und todtgefihlagen, auch pruͤgelt die 
Pringeffin Marcebilla, die erfte Geliebte im Stuͤcke, 
einmal ihre Begleiterin,) — ein Prolog, in welchem 
mancherlei Perfonen in den Wald geben, die Ko: 
manze geritten fommt, bem Dichter ihren Etamm: 
baum mittheilt, und — mas denn Herrn Tiet fo 
meiter eingefallen iſt. Auch in diefer Verirrung läßt 
fib Übrigens nicht verfenuen, daß Hr. Tieck Phan- 
taſie befigt, nur leider fehlen ihm Gedanken, die er 
in ihre Kegenbogengefpinfte huͤllen Ebnnte: diefe flat: 


— 62 — 


tern im Buche los und läßig hin und her, mie die 
Ablaßbriefe und Bullen in Miltons Michtweifen : Pas 
radies. Um ganz gerecht zu ſeyn: bin und wieder 
ift ihm eine halbe Seite nicht übel gelungen, 5. B. 
©. 70; das Gemälde der weiblichen Liebe, zu dem 
es aber eine Menge Vorbilder gab, 

R 8, 


Der beftrafte Argwohn. Ein Luflfpiel in einem 


Alt; von F. B. Schmidt. 


Ernft und Echerz von toll, (ein Spiel in 
Derfen) und dieſer beftrafte Aramohn (in Profa) 
find beide ein und daffelbe Stuͤck, naͤmlich Nachbil: 
dungen Eines Franzefiiben Driginals. Don dem 
erften ift in diefem Blatte einigemal bie Rede ges 
weſen. Das zweite feheint weit weniger Werth zu 
baben, und die etwas häufig eingeſtreuten Franzbſi⸗ 
ſchen Broden der alten Mamfell, find keine Biſſen 
für den Geſchmack. Auf der Bühne thut das Lies 
besfpiel in Zweien (wie es Herr Stoll in eis 
nem Sonett an Demoifelle Jagemann in W. nennt) 
eine Üble Wirfung, wiewohl die Idee der Hand: 
lung nichts weniger als neu, oder kuͤnſtleriſch Hi 


Fragmente aus meinem Reiſejournal ıc. 
GFortſehung.) 
Walthuͤrn, Amorbach, Aſchaffenburg, — die neuen 
Fuͤrſtent hluner Krautheim und Leiningen. 


s war noch immer das trefflichſte Reiſewetter, als 
wir am 30. May, früh Morgens, Wuͤrzbutg vers 
ließen, und der Gefhätte und der Freunde wegen, 
einen Eleinen Ummeg gegen den Odenwald hin mach: 
ten, 

Wir hatten fon das Würzburgifche verlaffen, 
und waren durch fuͤrſtlich Krautheimiſche und Yeininz 
giiche Ortſchaften gefommen, als wir im Yeiningis 
fhen Städtchen Biſchofe heim an der Tauber jum 
Fruͤhſtuͤck eintrafen. Ver uns batten fih ſchon viele 
Mallfahrter da eingefunden, denn vier Etunden Wegs 
weiter liegt das berühmte Wallthuͤrn, wohin auch 
unfer Weg uns führte. — Wir fuhren meiter, und 
fliegen eine Meile vor dem heiligen Orte aus, um 
gleich den übrigen Frommen, die von allen Seiten 
in Kleinen und großen Saufen angegen, zu Fuße da: 
bin zu wallen. — jeden von der Geſellſchaft inter 
reſſirte etwas anders. — Et... der im Geifte der 
aufzeklärten Bayeriſchen Regierung, im franfen: 
lande nuͤtztich wirft, fragte die frommen Einfältigen, 
woher fie fümen, und batte mehr als einnial den 
Verdruß zu hören: aus dem Würzburgifchen, aus 
dem Bambergifhen (wo alle Wallfahrten verbo— 


ten find). Doch kamen fie von daher nur einzeln, 
oder in Fleinen Häufchen; aber im Fuldifchen war 
die Sehnſucht nah dem heiligen Blute zu 
Wallthuͤrn durch ein Verbot fo rege geworden, daß 
dorther nicht, wie font gewöhnlich, gegen 1000, fon: 
dern 1500 Wallfahrter famen. — Der brave und 
männliche Engländer fragte indeffen mit komiſcher 
Naivetaͤt die Voruͤbergehenden: mo denn das Für 
fientdum Krautheim liege? ie fahen ihn mit großen 
Augen an, und wußten feinen Beſcheid zu geben, — 
Doch Du weißt vielleicht auch nicht, mo Du Dies 
Bledchen auf der buntſcheckigen Charte unfers Da: 
terlandes ſuchen ſollſt. — Nun, ſey zufrieden, ich 
mache Dig mit dem neuen Sande befannt. Das 
Mainzifhe Amt Krautheim (an der Yart,) wurde 
einem Grafen Zalın, als heilendes Pflafter auf die 
Wunde gelegt, welche ibm der Kranzofenfrieg ge: 
ſchlagen harte; er lief es darauf zum Kürftenthum 
erheben, unter dem ländlichen Titel Krautbein. — 
Aber, wehe! — Ein Staͤrkerer ſtrecket die Hand 
aus, um das heilfame Wundpflaſter wieder abzu: 
reißen. Bayern reflamirt es, als ein ehemals von 
Wlrjturg an Mainz für 30,000 Gulden verfeßtes 
Pfand .. 

Ich war ganz mit den Wallfahrtern beſchaͤftigt. 
Durch die Dörfer zogen fie fingend und betend; 
unterweges errichteten fie faft vor jedem Cruzifit und 
heiligen Bilde (und deren find fehr viele) ihr Ge— 
bet. — Mabe bei Wallthuͤrn fanden wir im Walde 
eine große Menge verfammelt, um einen Kapuciner, 
der unter einer boben, herrlichen Eiche fand, und 
predigt. — Etelle Dir eine ſchoͤne, maͤnnliche Fi 
gur, mit einem prunfenden Barte und einer Sten— 
torfiimme vor, der mächtig auf die verfammelte 
Schaͤflein hineinſpricht; gar nicht unedel, aber dach 
ganz in der Dianier und Sprache, die bier ihre Wir 
fung nicht verfehlen konnte. — Maddem er recht 
lebendig (ober als echter Kapuciner mt vielen Tau— 
tologien) die Wonne, die Kreude, die See— 
ligfeit der durch Beichte und Abjolution erleichter: 
ten Seele vorgefiellt hatte, dennerte er fie plößlich 
an, daß fie aber auch, alles Unrecht wieder gut ma: 
chen fellten, was noch gut zu machen wäre; fragte 
fie, ob es denn wohl der Mühe werth fen, um ei: 
nen Gulden oder um einen Carolin (eilf Gulden), 
ewig in der Hölle zu brennen ıc. — Endlich machte 
fid das fromme Heer auf und zog, unter Geſang 
und mit Kerzen in den Händen, nach der Kirche, 
Aufmerkſam ließ ich den unüberfehbaren Zug an mir 
vorbei defiliren, Hier fonnte man Deutſche Provin: 
jialtrachten und Provinzialphyſiognemien fludiren! 
Kefonders Fulder, Ellmanger, Kichsfelder, zogen 


vorüber; mehr Weiber als Männer, — Aber wehe 
ung, wenn der Fremde die Deutſchen nah diefem 
bigotten Haufen beurtheilen wollte! — Ich finde 
feine Worte, einen paffenden Ausdrud, um biefe 
kraſſen Gefichter au.fbildern. „x Wenn ich vorhin 
hehauptete, dab Katholicismus und fihöne Hel: 
ligen: Bilder zur Verfhönerung der Menſchenrace 
beitragen, fo gebe ich doch auch gerne zu; daß Bi 
gotterie viel zu einer garftigen Race beiträgt, be: 
fonders, menn dabei Maria, wie eine Viehmagd, 
und der Gefreuzigte, plump, mie ein Fleiſcherknecht 
abgebildet wird, mie man es meiftens auf dem Lande 
finde, — Auch nicht ein ertraͤgliches Geſicht fah 
ih unter den Suͤndern, welche bier Hülfe für Leis 
bes: und Eeelenübel fuchten. Die meiften fahen 
aus, als ob fie. fehon mit dem Schwarzen ſelbſt ge 
buhlt, oder Brüderfhaft mit ihm getrunfen hätten, — 
Doch nein, auch eine ſchoͤne Suͤnderin Enieetevor 
dem Altare. Welch ein Auge! Mein, die hatte noch 
nicht der Suͤnde entfagt; fie wälzte nur die ſchwere 
Laſt von ih, um bald wieder — — Doch was geht 
das mich an? 
(Die Fortiekung folgt.) 


Maafiftab der literarifchen Kultur von Kaffel, 
(Aus einen Brivfe vom 12. Julius.) 


Weine Meinung foll ich fagen Über den gegenwärs 
tigen Zuftand der Literatur in dem Heſſiſchen Chur— 
fürjtenfige? Das heißt viel verlangt von einem 


Manne, der fo gern den ihn umgebenden Dingen _ 


die beſte Seite abzugewinnen trachtet, und der nichts 
lieber fchreibt, als eine Apologie: denn freimüchig 
fen es auf den Altar der Wahrheit niedergelegt, in 
diefem Stuͤcke bieter das fonft fo ſchoͤne, und für den 
Fremden fo intereffante Kaffel, wenig Erfreuliches 
für den Koemopeliten dar. Mirgends findet man 
das Sprichwort: Vor den Warfen fliehn die Muſen, 
beifer bewährt ats bier. Wohin mein Auge auf den 
Straßen bliden mag, ficht cs Soldaten, und faſt 
nichts als Goldaten. Allenthalben wird das Ohr 
von Maffengeräufch durchfauft, und die Mandvers 
der Regimenter auf den Pläsen in und um Kaffel, 
nehmen fein Ende. Offenbar ift bier Bellona die 
Göttin des Tages, und Minerva muß ihr das 
Feld räumen. Es gab eine Zeit, im weicher Kaffel 
nach dem Ruhme ftrebte, ein Athen für Deutfihland 
zu werden, Friedrich der Zweite war in vielen 
Stuͤcken für das Meine Heſſen, was Friedrichder 
Einzige für das große Preußen war; unter ihm 
waren den Wiſſenſchaften und Künften im Yande der 
Meukatten die fehönfien Altäre aufgebauet, und in 
wenigen Ländern Deutjchlands waren Gelehrte und 


Kuͤnſtler fo geſchaͤtzt wie hier, Jetzt iſt in der gan: 


‘zen Nefidenz nur ein einziger — etwa Buchhänd: 


ler? — Mein, nur — Buchfrämer zu finden, ber 
das Schild: Hofbuhhändler führt, und gut 
Buchhändler Kur’ fox ſeyn Fann, da ibm fein 
anderer zur-&eite fteht; dennoch kann diefer kaum 
von feinem Verkehr Färglich leben, Leihbibllotheken 
giebt es zwar einige, aber man findet in ihnen nichts 
als Werfe von Meifter Spieß, Familiengeſchichten 


‚und Rinaldo Rinaldini’s. Es eriflirt hier eine große 


Öffentliche Bibliothek, reich an alten Büchern in 
Echweineleder und Pergament gebunden, aber deſto 
aͤrmer an neuen Echriften. Man mag da fragen 
nah einem Werke, faft nach welchem man will, ven 
dem man erwarten Fann, daß es feiner und viel we— 
niger einer Öffentlichen Bücherfammlung fehle, ums 
fenft: es ift nicht vorhanden. Außerdem behandelt 
man den Gelehrten und Bücherfreund Hier nicht mit 
der Ciberalität und zuvorkemmenden, .gefälligen Hoͤf⸗ 
lichteit, deren man bei ähnlichen Inſtituten, z. B. 
zu Goͤttingen oder Dresden, gewohnt iſt. Faſt ſcheint 
es dem Unbefangenen, als ſaͤhe man es nicht gern, 
wenn man die Wücher der Bibliothek benutzen wolle, 
und ein Dann von Delifateffe flieht daher bald 
einen Ort, wo man fo wenig Humanität gegen den 
Gelehrten und Gebildeten bemeiftt. Das Mufeum 
Fridericianum wird gegen baare Bezablung 
gezeigt, und wer nicht genug giebt, wird fogar mit 
Grobheit behandelt. Den Auffehern ift das vielleicht 
nicht zu verargen, weil das Honorar ihnen ale Theil 
der Beſoldung angerechnet wird. Seitdem fo viele 
reifende Englifche Familien fich hier eine Zeitlang aufs 
zuhalten anfingen, hatte die Angiomanie auch die hie: 
figen Damen ergriffen und die Englifhen Eprach: 
meifter hatten viel zu thun; doch der Eifer war bald 
verraucht, nachdem die Eache aufgehört hatte, eine 
nouveaute du jour zu ſeyn. Kür Muſik iſt viel’ 
Liebhaberei in Kaffel, doch die Mufifhandlungen Eöns 
nen nicht auffommen, da man noch immer nicht von 
der Gewohnheit abgehen will, die vornehmften Sa— 
chen von Keipzig Fommen zu laffen. Das Kortepiano 


"und die Ouitarre find an der Tagesordnung, Ause 


gezeichnete Männer oder Gelehrte von Profeſſion 
giebt es wenige hier; Diejenigen, welche fich über den 
gemeinen Haufen erheben, Eönnte man an den Fin: 
gern berzäbien; alle andere find lauter Bürenufra: 
tifien, und diefe find fi in der ganzen Welt fo ziem: 
lieh gleich. Weberzeugt von ihrer Wichtigkeit, die doch 
meiftens nur in ihrer Einbildung beſteht, haben fie 
für nichts Sinn, als für ihre Departemenssgefchäfte 
und Alten, und ber gebildete Freund der Xtteratur, 
kann wenig Genuß in ihrem Umgang finden. In 


— 64 — 


dem Lyceum zu Kaſſel findet man noch den Penna: 
lismus mit allen feinen folgen in den untern Klaf 
fen, und bei den hoͤhern hat man fo wenig daflır 
geforgt, diefe, von dem Zweiten Friedrich geftifs 
tete Bildungsanſtalt für junge Leute, dem Zeiralter 
anzupaffen, daf die Schüler .auf dem obern Pädas 
gogium wöchentlih nur eine halbe — fage eine halbe, 
Stunde Unterricht in der Gefcichte befommen, das 
gegen aber lets mit dem Ueberfeßen aus dent Grie— 
chiſchen Teſtament gequält werden, ohne Ruͤckſicht, 
ob fie Theologen zu werden, oder einer andern Bes 
flimmung zu folgen gedenken. Die Künfller haben 
hier wenig Beſchaͤftigung; die Portraitmalerei ift noch 


die einzige, dieziemlich bezahlt wird; die Ausſtellun⸗ 
gen der Bildergalerie werden mit jedem Jahre ſchlech⸗ 
ter, und dürften wohl, wenn es fo fort geht, end: 
lich ganz aufhoren, Das Theater hat endlich wieder 
neues Leben erhalten, feitdem der Herr von Apell 
die Direftion übernommen hat, Er wendet alles an, 
was in feinen Kräften flieht, um es zu einem höhe: 
ren Grade der Vollfommenpheit zu bringen. Dies 
find kurz die auffallendften Züge zu einer Charak: 
terifiif des gegenwärtigen Warometerftandes der Liz 
teratur und Kunft in Kaffel; in Zukunft Mehreres 
darüber, Zur 
&, 


Niht-pofitifhe Zeitung. Nro. 4 


Nigifched Theater in Mitau. 


Im daufe bes Jahres min wir hier mit wandernden Thespir 
Titen vorlleb nehmen , deren jeder einen Theil der Tbeatergarderor 
ben im feinem Felleiſert aus dem Rücken tragt. Nur einmal 
während deſtlben gewährt Die Meyrerſche Schauſpieler⸗Gejell⸗ 
ſchaiſt and Riga, uns den Genuß eines ordentlichen Schancbiels. 
Gewöhntich kommt fie fhon acht Tage vor der gewühloolten 


SFobannisjeit heruber und bleibe überhaupt drei Moden hitr. 


Da fie diesmal Abgang und Krankheit einiger lieder in der 
Wahl der auferührenden Stücke beichräntte, haben wir ms Die 
Meverition bereits im vorigen Jahre rrvetirter Morfellungen , 
und unter den noch mit gefebenen Stücken ſogar den arg 
wohniſchen Ehemann geſallen laſſen müſſen. Mehrere 
hatte kurs vorher ſchon eine ambultrende Truppe hier argeben, 
Neu waren Gier diegnal Überbaunt nur folgende: der Amerita⸗ 
mer von Vogel, und der Fndienfahrer von Arectſto z cin paıe 
Blaſenoaſter fr die Langewelle. Beide mißſtelen gewaltig. 
Germer: Vagenftreiche, Rega's Tod, worin Herr Vorſch als 
Rolla und Madame Mende als Eivire ihren hechtten Triumph 
feierten, umd „Was ſeyn fol schickt ĩich wulı," angeblich — 
aber nicht wahrſcheinlich — von Jünger, wie auch Die Oberet⸗ 
ten: De toller je beifer, ber Waſertraͤger, Wdelpb und Liua, 
und die komiidhe Oper, Das letztere Ueine Singſotel dit nad 
dem Franzonichen zur beibchaltenen Munt Deka Marias pon 
dem Riglſchen Scdaufcieler Range bearbeitet, dem Veriafer 
einiger dramatifchen Gelegenheiteſtücke und unter andern des im 
biefiaer Gegend mir jo vielem Berra aufgenommenen Torſpitis: 
die Seretteten. Ob das erwähnte Singſoter daher in 
Deut ſchland betannt fen, weiß ich nicht, Die Jutrigue deſſelben 
in fein und echtsreamidfiich und darum, fo wie auch desbaib 
beſonders nicht fürs große Pabiifum, weil fie In den geiliaeren 
Lebens⸗ Reglonen — unter Kunſtlern — aeeidt wird. Zu er—⸗ 
tlaren war daraus das ganztiche Nisſaten bei der hiengen 
Vorſtellung, ungeachtet der nicht ſclechten Wuät, Der Ger 
ſchmack des hicſigen grogen Theaterhaufens giebt Überhaupt kei⸗ 
nen untidıtigen Varometerſſand für den Werth oder Kawerth 
einer Vorſtellung. Nur eine augenblickliche Beokayeung ft 


hinreichend, deifem dnme zu werben. Gin Theil deſſelben halt 


das Ehaufvieibaus für einen Converſationsort, — und giebt es 
während des Solels siemlich laut zu ertennen; ein anderer und 
beinahe der ardäre Theil firbe don Scheuttiſch fur eine Babe — 
und die Bühne ſelbſt ur einen leeren Schenttiſch an, auf dem 
es nichts zu trinken giebt. Dieſen Leuten geht ent dann ber 
Vorhang auf, wenn er inwendig fallt; kein Wunder, daß fie 
Langeweile haben! — Jene verſaumen ober vervlaudern bie 
Ervorition des Stucks und Hagen hernach Über Manget an Zus 
ſammenhang; aber miemanden fallt cs ein, ſich ſelbſt anzuttagen. 


C’est tout comme chez nous, wird man ſagen. Aber mit 
nichten! Cine Bergleichung mit dem nachten — mit dem Thea⸗ 
ter in Riga, lehrt bon das Gesentheil. Ein Schauſpielhaus, 
in melduem das Serauſch umter dem Zuſchauern aröier als, 
ſelbſt in manden Schladitrüden, Auf dem Theater if, Ander 
man nur, sur Jehanniczelt — und auch wohl außer derſelben, — 
im Mitau. Mo gicht es wohl cin Parterre, im weldem Tut 
terbrod, Wurſt umd geräucherter Lachs bei einem Glaſe Brands 
wein fervirt merden? Nur an einem Ort, wo man den Veweis 
feiner Eriſtenz Ad priori nicht anders als mit dem Munde (im 
Zautforehen nicht weniger als din Efen und Trinken) au geben 
vermag. 

mit dem Theater hat Gier alles veben aurachört, und todt 
dir es rinzs um und ber. Ju einem Jahr indeß ſehen wir der 
Aurerkchung entgegen. 4. 

“uf dem Tiheitre Francais fat man wieder mit grogem 
Neirall eine Aneldote aus der Seſchichte der After Trangonihen 
Dieter, gegeben. Es hetͤt Le Souper d’Autem! und iſt 
von Audrieur. Sein Inhalt id der bekannte Vorgang, Dad 
Chavene, Boileau, Lafontaine und andre ſchoͤne Geifter, die bei 
Moliere eine Abendmahlzeit gehalten und art getrunken hatten, 
fi Plögtich entichlofen den Mithſeligteiten des Lebens durch 
einen Sorung In die Seine au entgchm. Moltere hielt fie dar 
durch zuruck, daß er ihnen vorfehite, ein jo erhabner, philoſo⸗ 
phiſcher Entichtuß mie biitia nuchtern und bei hellem Tage 
ausgefuhrt werden, — Andrieur hat eine lange Reihe von Les 
rühmen im Molierend Landhaus zuſammengefuhrt, bat bie 
ſchonſten Züse ihres Bebens eingeſtochten, har jeden im feinem 
Charatter dargeſtellt und ſelbſt eine Art von dramatischer bands 
tung angebracht: auch hat das Stück den allgemeinſten Beirat 
des Publitums umd ſehr hitzigen Tader im Journal des Di- 
bats erworben, Vorzüglich behandelt dieſes den großen Lully bei 
dieſer Selegenhelt als den verworfenſten Menichen, weil er — 
wocd anf dem Gterbebette einem Monch einem Kleinen unſchuldie 
gen Poren spiche, — Abgeſehen davon: warum haben wir 
neh feine Güde, in weichen une berihmen Dichter und 
Kimftter die Helden md? — 

Dagegen bat Herr Geofroi ein Manuflrive geleſen, das 
ein Kerr Bergae jur Erziehung feines Sohnes geſchrieben bat, 
und fügt: „die Vorſchung babe die Talente aller derjenigen, 
die wahrend der Reroluriom der Vernunft gefolse ſehyen, (man 
weih, darunter versteht er deu Koblergtauben,) mit sichtbar 
rem Wahbsthhum geleganet, „Zum Belege führt cr eine 
lange Predigt von Salbung ber die Bibliſche Stelle an: Ich 
bin, der ich bin.’ Bus Dicker gebt weniaitens fo wich hervor, 
daß, wenn Herr Bergafe ſeit 1789 gewachſen iſt, er vorber 
ſehr Beim geweſen fen muß. — Vermuthlich bat der neue 
T. — — den Auftragt, das Manuſtript zu verkaufen. 





1804. 


Nro. 147. 





Der 
Dienftag, 


ern tf 


Kunſtmerkwuͤrdigkeiten ıc. 
( Fortfehung. ) 
Sechs Feine Landihaften von Halde— 
wang, burc ein Lehrgedicht über die 
Landfhafts » Malerei erläutert, 


Ser Eürzlich in England verftorbene William Gil: 
pin, gab im Jahr 1792. als Anhang von drei Vers 
fuchen über das Pittoreufe, ein Gedicht on landscape 
peinting, bberLandfhafts: Malerei, mit hifio: 
rifchen Anmerkungen beraus, das in England viel 
Gluͤck machte, Gilpin fpricht bier gleichfam als Re— 
präfentant des Englifhen Kunft: Publiftume, die dort 
allgemein angenommenen Grundſaͤtze über das Pitto: 
reske und die Behandlung deſſelben durch den Land: 
ſchafts- Maler, aus, und fo einfeitig auch zum Theil 
feine Vorfcpriften und Kunfturtheile unferen Kunft: 
richtern erfcpeinen mögen, die von weit höhern Princk: 
pin ausgehn, *) fo mwillfommen muß doch dies Lehr: 
gedicht in Hiſtoriſcher Ruͤckſicht ſeyn. Welche Nation 
bat mehr Zinn für das, was fie felbft rural scenery, 
rubige Landſchafts-Darſtellung nennt, gejeigt, als 
die Englifche In ihren Naturgaͤrten, und wer hatte bejfer 
Gelegenheit hierüber Vemerfungen zu machen, als 
=) Zuir dürfen Gier wohl Die meiten mmferer Drfer nur am 
die der Sacht und dem Bortrag nad melſterhaſt aeichrichemen 
Beiee über die Samdbfchafts +» Malerei von Drof, Ferr 
nom im 9. Teutihen Merkur von 1803. erinnern, Die 
vieneiht auf 40 reiten das Zweckmaßigſte enthalten, was in 
Diejem am Miß und Halbverkändmiften jo reichem Kunſtfache bis 
jegt geingt worden if. 


ARBSTIDES, 
reimütbhige 


und 


- Übrigen Schriſten find ſehr forgraltiga nachgetragen. 


den 24. July, 


Sdher, 





Gilpin, deffen Pfarrei an den romantifchen Neumald 


(New forest) in Hampſhire gränzte, worüber er ſelbſt 
au in feinen Remarks on Woodland - views in 
zwoei Theilen, fo manche feine, der Natur abgelaufchte 
Demerfung mitgetheilt bat, Er iſt alfo als 
Etimmführer des Engliſchen Geſchmacks und als 
origineller Beobachter immer auch in feinen Verir⸗ 
rungen noch achtungswerth, und der Deutfche Kenner, 
der feine Bemerkungen über das Pittoresfe 
fo bray bearbeitete (Leipzig, Fritſch 1793), follte 
ung aus allen feinen zablreihen Schriften, worunter 
ſelbſt einige Nachlaßwerke noch viel Gutes enthak 
ten, *) eine gedrängte Ueberſicht liefern. Von je: 
nem Gedicht iſt eben jekt eine möglichft getreue male: 
rifche Ueberfeßung im zweiten Stuͤck des Meufek 
fen Archivs für Künftler und Kunftliebs 
baber **) wohl einige Aufäge des Deutfchen Ueber: 


"7 Dieie, ſo ‚wie den Tod des von feinen banfbarem 
Landdleuten sehr beklagten Mannes, findet man jwar im der 
neuen Ausgatfe von Meuk gelehrtem England terfter Theil 
A—K, Perlin, Nicolai 1804.) nicht amgemerft: allein feine 
Der wür 
dine Hofrath Kenh in Börtinaen bat dur dieſe hochtt mühſame 
Bibliothetar⸗ Arbeit ſich den Dank aller Liebhaber der Enatifchen 
Piteratur erworben, den wir ibm auch won unſerer @eite bier 
gern abftatten wollen. 

“+7 Das bei erh, Fleiſcher im Leidzig erſchienene Kunn* 
Zourmal: neue Mircellaneen artinifdhen Inhalts 
iſt mit dem 14. Stüfe geſchloſſen, und dagegen von drm umers 
müdeten Herausarber eine neue Sammtung ‚die funre) unter 
dem Titel: Archiv für Küunfiler und Kunftteriebhaber 
(Dresden, in der Walthericden Hortwgdrufer) angefangen 
worden. Die bis jept beramdgrfemmenen erſten zwei Gtüde 
entHalten in bunter Reihe aſthetiſche, hinoriſche und krittſche 


m 66 — 


feßers erfchienen, und es verdiente von allen Dilet⸗ 
tanten, bie fich den Genuß des tonreihern Engliſchen 
Originals nicht verfchaffen können. Allein wir fönnen 
unfern Leſern noch eine weit angenchmere Leber: 
raſchung verrathen, die uns die Lektuͤre eines in verk: 
ger Meffe erſchienenen Gedichts: Ideen aus dem 
Gebiet der ſchoͤnen Künfte überfchrieben, *) 
auch dadurch verfchaft hat, das mir darin die Gil: 
pinſchen Regeln mit zartem Kunfifinn ergriffen und 
mit reger Phantafie im Sylbentanz barmenifcher 
Verſe aufgeführt fanden. Der Verleger Tauchnig 
in Yeipzig, wünfchte fechs von Wehle gezeichnete und 
von Haldemwang nad) feiner unvergleichlichen Tufch = 
Manier ausgeführte Landfhafts : Blätter dem gröfern 
Publifum in einer angenehmen Begleitung ju über: 
geben. Herr Carl Lange der, wenn auch nicht im: 
mer unter feinem Namen, ſchon mandes jur inter: 
haltung erwachfener und jugendlicher Lefer beigetragen 
hat und, was die Hauptfache ift, die Anwendung ber 
Nadel und des Grabftichels ſelbſt mit feiner wiffen: 
fegaftlihen Forſchung vereinigt, wählte Gilpin’s 
Ideen zur Grundlage eines Gedichtes über die Lands 
fhafts: Malerei, dem nun die Halderangifchen Aqua—⸗ 
tinta s Blätter eingebeftet zur Erläuterung dienen, 
Die fehs Kupfer von Haldewang find allerliebfte 
fleine KRabinetefiüde, Das fie begleitende Gedicht iſt 
ohne Schwulſt und Gepränge fanft und milde, wie 
eine warme Abend s Landfcaft und jedem, der nur 
guten Willen mitbringt, gewiß wilifommen. Das 
Gedicht iſt dem Profejfer Adrian Zingg in Dress 
den zugeeignet und hätte in der That feinen achtungs⸗ 
mwürdigern Namen an der Etirn tragen fünnen, 

Und Du, mein Jingg, der in der Knuſtler Reiben 

Bis jzu dem schonen Ziele drang, 

Erlaube meinen ſchüchternen Belang 

Sich Dir und Deinem Ruhm zu weihen! 

Was Du vollbrachten, trägt De Spur 

Der tühnen Schorerin Natur, 

Die Nachwelt noch wird fie durch Dich erfennen, 

Dich ihren Sreund, Did ihren Pickling nennen. 


Ad. Zinggs Kupferftih- Merk, Erftes Heft. 


Mie würdig Prof. Zinag der begeifterten Zus 
eignung fey, die ihm ein jüngerer Runftfreund in 





Ariane. Kein Cammer fan ihrer entkehren, Die reine 
hiteriichen und Firgrachlicen Aurjäge umd kleinere Nachrichten 
find die voritalibiten. Die afberiichen vürrten wohl am im 
nigften beivtedigen. Ammer verdient der aufbarrende Muth bes 
Herausgebers und die gute Abſicht der ſoliden Verlags-Hand—⸗ 
dung wahre interhigumg. 

*) Der Titel bar nech den Zuſatz: far Wertraute der 
Natur. Bon dem Veriaffer des Tempeid der Nu 
tur und Kumft. Mir ſechs Blattern von Haldewang. Pepe 
sin, Tauchnitz 180. Das Gedicht beſtetzt aus e.nigen acıtsig 
Strovhen. Die Nufenfeire: Helu Quart, didorider Druckt auf 
Velin vavier. 


obigen Verſen zuſchrieb, beweißt der erſte Heft feines 
Kupferſtichwerkes, der zu den zierlichſten und lieb: 
lihften Blumen gehört, die dem fo mannigfaltig ge: 
ſchmuͤckten Kunft: Parterre der legten Oſtermeſſe ente 
blüheten, Durch ihre Erfheinung wird ein alter 
Wunf der zahlreichen Liebhaber der Zinggiſchen 
Landfhafts : Zeichnungen erfüllt, Sie wußten theils 
durch mündliche und ſchriſtliche Mittheilung des 
eben Schweizers, theils dur die Angabe, - die 
Bingg's wärdiger Kunftfreund Huber von *) den 
von 3. beendigten, aber noch nicht herausgegebenen 
43 Blätter gemacht hatte, daß er theils nach Dresd⸗ 
ner Gallerie: Gemälden, theils nach Zeichnungen von 
ihm felbft nach der Natur oder von andern Meijtern, 
nach und nach geftechen, ihre Herausgabe aber aus 
mehrern Gruͤnden noch immer verfchoben habe. 
Endlich ift alles zur Reife gefommen. Zingg hat an 
dem Buch: und Kunfthändier Tauchnis in Leipzig 
den mwadern Verleger zefunden, den er wuͤnſcht, und 
ber erfte Heft von zehn Maͤttern liege nun allen 
Kennern und Liebhabern vor Augen. **) Er ent 
hält außer den zwei ı «ter Kennern ſchon befannten, 
bier aber in aller Frifchheit, zuerſt beim großen Pus 
blikum erfcheinenden Keceptions: Blättern des Kuͤnſt⸗ 
lers nach Ruisdael und Both, in Folio, Die allein ſchon 
binreichten den Ruhm des treffiichen Darftellers mis 
der Kadirnadel und dem Grabftichel zu begründen, 
zwei Landſchaften nach Gemälden von Brandt, vier 
Landfchaften, in erſter und zweiter Groͤße nach Origle 
naljeichnungen von Ditrih, und zwei Landfchaften 
nach Original: Zeichnungen von Sal. Gefner. Ueber⸗ 
all berrfcht fein Außerft beſtimmter und fleißiger Vor— 
trag; In feinen fFelfenmaffen, Vergränden und 
Schraffirungen verräth jeder Strich den Meifter, der 
es werth war in Eachfen eine eigne Schule der Land⸗ 
fchaftszeichnung und Kupferftecherei gu gründen und 
Schuͤler zu erleben, wie ihm fein Richter geworden 
if. Nichts geht Über die Präcifion und den bewun: 
dernsmwürdigen Fleiß, momit hier jedem Originale 
die reelleſte Gerechtigkeit widerfährt und die, welche 
diefen Fleiß felbjt übertrieben oder gar zu gelede fin: 
den, verrathen nur allzufehr ihr Unvermögen und 
gleichen der Jungfer, die immer nur im morning 
dress oder undress erfcheint, weil fie zum Fulldress 
nie die Mittel bat, Für Freunde der mahren 
Kunft in und aufer Deutfchland iſt es genug zu 
willen, Zingg’s Werf, das feit zwölf Jahren von 


*) SE. Hubers Handbuch für Kunftlichhaber 
und Samler. Deutide Schule Th. II. €. 213. 

2*) Der Het vor der Schrift keſtet 15 Thlr. mit der 
Edirit 10 Thaler. Bier Hefte, Jeder zu 10 Blättern, werden 
Das gange Wert vollenden, 


feinen Freunden mit Ungeftüm verlangt wurde, fommt 
run heraus und übertrifft die Erwartung. 


(Die Fortfegung folgt.) 


Diesjährige Johannis: Freuden in Mita, 


(Schluß.) 
Ein neues Echaufpiel bot der Abend des folgenten 
Tages, an welchem nehmlich im obenerwähnten Gar: 
ten des wirklichen Etaatsraths von Dftenberg, der 
in der Stadt belegen ift, ein Vaurhall oder eigent: 
licher eine Masferade unter freiem Himmel 
Etatt fand. Der durchweg illuminirte ſchoͤne Gar: 
ten, die wogende Macken: Menge, (denn niemand 
darf Hier mit feinem offnen Geſicht erſcheinem) die 
raufchende Mufif und das Zungen: Geräufh — ge: 
währen für eine kurze Zeit auch dem bloßen Bes 
(Hauer eine angenehme Unterhaltung. Da es hier 
befanntlich um diefe Jahreszeit kaum Mache wird, 
fo hat man das Vergnügen, Abends um 8 oder 
9 Uhr, noch ‚beim Sonnenſchein und an hellem Tage, 
fid auf den Straßen unter Masten — und fo für 
einen Augenblid nah Denedig verfegt, zu feben, 
Der immer rege und nimmer zu mäsfirende Pichs 
nimmt, wenigftens am Eingange des Gartens, zus 
ſchauend Theil an dem ſcheinbaren Earneyal, 

Außer den täglichen Schauſpiel- Vorftellungen 
der Meyrerſchen Theater: Geſellſchaft, die eine eigene 
Rubrik füllen mögen, gab es bier noch beftimmte 
säglihe Schauſpiele anderer Art. So hatte unter 
antern «in gewiſſer Potesta in einem Saal des 
Afademifchen Gymnaſiums eine Sammlung angeb: 
tih „feiner Original: Gemälde aus den Schulen der 
beröhmteften Meifter, als Rubens, Vandyck, Al 
brecht Dürer, Raphael, Rembrand, Vernet ı“ zur 
Befhauung für ein mäßiges Entreegeld und zum 
Verkauf ausgeftellt. Ein paar Altar-Stuͤcke, ſchrieb 
er fogar Mubens und Albrecht Dörern felbft zu. 
Wenn 08 bier auch an Kennern gefehlt hätte, um 
ihn Luͤgen zu frafen, fo würde es doch ſchon der 
geringe Kaufpreis gethan haben. Indeß ift nicht 
ju leugnen, daß einige fehr ſchoͤne Stuͤcke fi in 
dieſer Eammlung befanden. Auch follen ein Paar 
derfelben bier verfauft worden ſeyn. — ferner gab 
es, ebenfalls in einem Saal des Gymnaſiums, taͤg⸗ 
lich phyſitaliſche Schaufpiele, die aber wenig 
befucht murden; — die vorzäglichften derſelben waren: 
die Nachahmung des Donnerwetters, des Erdbebens, 
bes Kagelmerters, Darftellung des Planeten: Syſtems, 
eine eleftrifche Kanone, die, mit Hydrogen- Gas ge: 
laden, in einer Minute 24 mal, — und eine Batte 
rie elektriſcher Pifielen, die durch eine bloße Beruͤh⸗ 


rung bes Fingers abgefeuert wurden. Der Mann, 
welcher für Geld alle diefe Wunder that, nannte 
fig „Joſeph Tſchernitz, Erperimental: Phofifus und 
Dlipableiter = Verfertiger.“ Zu gleicher Zeit bot er 
auch in feinem gedrudten Avertiffement Blitz able i⸗ 
ter feil. Da ſolche ater bier feine fourante Waaren 
find, fo wird er damit weiter, nach Süden gejogen 
ſeyn. — Statt der gemöhnlichen Affen und wilden 
Thiere, die in ihrer gewöhnlichen Geſtalt felbit beim 
Poͤbel nit mehr Gluͤck machen wollen, hatten fich 
einige menſchliche Monftra unter Anfuͤhrung des 
„ Königl. Preußifchen general s priviligirten Kunſt— 
frielers Solaro,“ mie er fi nannte, bier eingefuns 
den. Ein Taubfiummer aus Mandombre mit einem 
fehr großen Kropf und ein zwanzigjähriges drei Fuß 
hohes Frauenzimmer, ein Jaͤger aus dem Gebirge 
Piſchlien mit einem doppelten Kropf, eine Manns: 
perfon mit drei Händen, die, indem fie die Violine 
frielt, zugleig eine Piſtole abfeuert, — das waren 
die zur Schau aus geſtellten Maturmunder, die hoͤch⸗ 
ftens Edel erregten wenn man fie wirklich, und nicht 
blos auf der ausgehängten Leinewand ſah. Auch 
verſchwand dabei ein großer Theil des Wunderbaren. 
Eo war z. E. die dritte Hand des Diolinfpielers 
nichts weiter als ein etwas vermachfener Fußß und 
das drei Schuh-hohe Frauenzinimer eine gewöhnliche 
kleine Perfon. Der general: privilegirte Kunſtſpieler 
309g auch, ungeachtet feiner wiederholten Kunft: 
Anzeigen, bald wieder ab; vermuthlich, weil nie: 
mand die Runft, Seid zu verdienen, fo zu ſchaͤtzen 
wußte ale er fie zu Üben verfland, 

Alle diefe Herrlichfeiten waren in die engen 
Schranken weniger Tage gedrängt, innerhalb welchen 
ſich Ordenemann und Bauer in buntem Gewuͤhle 
tummelten, Den le&teren fah man auch auferhalb 
feinem Pferdemarft im Eonntagsftaat behaglich durch 
den Gaſſen fchreiten, oder in flolier Ruhe, die 
Hände auf dem Rüden gefaltet, vor den Bilderbuden 
gaffen —: eine hochmuͤthige Etellung, die man an 
dem lettiſchen Bauer nicht gewohnt ift, weil man 
fenft nur dann bei ihm die Hände auf dem Rüden 
ſah, wenn fie gebunden waren. A. 


Die Wohnung des Gluͤcks. 


as link zu ſuchen, war 

Der weite Sadi Amiga Jahr 
Gewandert, — in dem Glanı der Throne, 
ie in der armen Hütten Duni. 
Wo rand er wohl des Gincks vonfommme Gun, 
Wo, umter welben Himmtlezonen? — 
Mb, nirgends, nirgends fand er fiet 
Ibm ſeltſt werbitterte des Forſchens Müh, 
und Leiden mander Art, dem Kelch des Lebens; — 

Eink irrt’ er ab, im einen dunklen Maid, 
Auf einmal zeigte ſich in Daumen, bocderbraufend, 


Im Grau ber Vorzeit ihm ein Tempel, aft 
und groß und b.kr mie ein Jahrtauſend. 


Stift ſteigt er gu den Feilen Stufen auf, 
und fchreitet eheiwrchtsvon durch die erhabnen Hallen, 
Butegt bemerkt er eine Thür, vorauf 
Die Zeilen Ibm ind Auge fallen: 
„Hiertönt fein Weinen, nagtfein Shmers, 
„hier wohnt das Blüd, bier ruht das Heris!" 


— D feligfte vom meinen Lebensſtunden: 
So hab' ich endlich dich geſunden, 
D Btütt So naht ich endlich bir! 
So ruft der Wille voll Eut utten, 
Und freudig bebend dinet er die Thür. 
Was fieht er? — Mit erloichnen Bitten 
Starrt er im einem weiten Schlund hinab, 
Und firht tief unten — was? — ein Grab, 

. Eh. Gittermann. 


68 


Deredbelung 


Sol de Blume fih ibn umd Immer fchöner entfalten > 
Pranger im fremdes Gefild oft aus der Hrimarlı fie men. — 

utio erhößt fich der Adel des Menſchen im Wechiel des Lebens, 
Wann ihn das Schickſal den Land kindlicher Traume entuhrt, 


Die Seftaltung 


Bildend twcht' ein liebender Belt durchs tobende Ehand: 
Stern’ entalütbten, — und ſchuell mar fie gefaltet — bie bett. 
Ewige Ordnung erhält bie Sonuenheere der Ehöonumg: 
und net Sphaͤrengeſang tönen die Weiten umler, — 
Wandie du treu der Marur, dann bilden ſich ſchöne Geſtalten 
Dir dis Lebens, Gefuhl toͤnet dir Sphärengefang. 


Burbach, 


— —— “᷑——— — — —— 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 5. 


9 


et alten Aeifigen Rheinwelns Trinfernt Der Art tem 
bone zu Edinburg, hat eim neues (2) fchr einfaches Mittel ger 
gen die Geht bekannt gemacht, das tie Edimergen in ein Paar 
Stunden hebt, ohne nachthetlige Folgen für die Geſundheit zu 
baten. Es beſteht darin, dan man dem leidenden Theil dem 
Samore von firdendheiien Waſſer auffegt, und es Dabei bedeckt. 
An einer Stunde heilte er ſich ſelbſt dadurch oft ſo ganz von 
den Poraarı, das er raſch und olme Gchmerigefübl geben 
konnte, Er ia jet Miebalg Nahe alt umd bei dem Geb rauch 
feine? Mittels immer voutommen geſund geweien. 

Die Ar. 291. des Moniteurs giebt aus jwet alten Arabi⸗ 
ſchen Werten ein aniehnliches Beritichniß ehr nahrhafter und 
, müglicer Gewächſe und Fruchte, weiche die Araber chemals im 
Evanien anbauten, und die man jetzt dort gar nicht mehr kuls 
tivirt, aum Theil dort und in amdern Ländern Europas nicht 
mehr kennt. Das Fattum iſt im der That wihtig Indeñ wir 
Europäer täglich fortzufbreiten glauben: — fchreiten wir nicht 
in vielen Stucktu (ehr zurück? 


Chester-Nahridt. 
Peipjig den 19. July, 1804. 


Es find die Wünfche der Leivsiger Theater + Freunde erjilie 
worden, und fie jeben Madame Unzelmaunu, die der hie⸗ 
figen Bühne (don Öfters zu einem Beſuche Hofnung gemacht 
harte, bier aufrzten. Zuerſt erſchien fie ale Granuu Orfina 
in Emilie-Gatottr, und erwarb ſich dem Seifalt, den eine Künfte 
ferinn vom dieſen Talenten ſich durchaus erwerben muste. 
Hierauf entitfte fie uns durch ihre reisende Naivetat in der 
Moite der Gurli, in Herra von Konebues Imdianerm in 
England, und fand gleichen Yeiialt; aber firwahr auch nur eine 
Unselmann dar ſich dent hiefigen- Puklitum als Gurii ser 
gen; jede andere Edriwivielrinn würde im dieſer Note mit 
Kalte aufgenemunen worden ſein, da Madame Hartwigs, dieſe 
liebenẽ wurdize Kimſmneriun, als 
ſchonſteu Triumvhe feieret Die dritie Nolte der Madame Umsel: 
mann war bie Qmife im Schillers Aabale md Liebe; und 
auch dier mal berriedigte fie die Erwartungen der Zuſchauer, und 
dieſe wirrden volltommen sufrieden das Theater verlaſſen haben, 
wenn — Her Schermer ben Mador micht geivieht hätte, Er 
taugt zu Rollen der Art wirttich gan; und gar nicht. O wie 
vermifite man den treglichen Ovig in Dierer Nolte, der fon 
ſeit mehrern Wochen frank int, und deſſen Geneſung das biefige 
Yuriitamı mit tesunendem Verlangen eutgegen febt, Uebrigens 
gekürt den Mitgliedern der hieſigen Pühne noch Das Lob, dal 
fie ſich alle Muhe gaben, um Madame Un zelmann kräftig zu 
anterigen. Warum ſopielte aler Demoiiche Ehriſt nicht in 
den Indianern in England, die Eidg? Wir haben fie ſehr ver 


Gurli immer einen ihrer 


mift! — Von den ütrigen Noten, die Ihre liebenswürdkge 
Mithürgerinn uns moch geben wird, follen Eie nachſtens Nach⸗ 
richten erhalten, — bi. 

Schiner, sagt man, bat den Plan, eine Wettgeſchichte zu 
fehreiten, und fogar ſchon mit einem Merleaer banibır contra 
bir. Eine Weltgeſchichte ven ſeluem grotzen coliden Genie, 
bei feinen erhaben s phllofophtichen WUnfichten, wird wicheicht 
die eimjigemiatiche, tie erhabenne Esopde, deren die neuern 
ur und die neuer: Cultur der Menſchhelt in Europa für 

g iſt. 

Die bleher zu Altorf eriſtirende Uniderſitat wird nach 
Sürmbzen vertegt. So concentrirt ſich bei Stetbenden die Ber 
bensivarıne und die Kraft der Lebentfunttionen aus den Er— 
trenutaten in das Innere, DE — das Ders au icdlagen 
aufhört. 8 


Lord Gremvifte Sat Briefe vom Pitt dem Erften, die ſich 
In feinem Privat: Archiv fanden, heramsargiben und fir, Trug 
feiner öffentlichen Feindſchaft gegen Pirt den Zweitin, demſtle· 
ben dedreirt. 

Entlich if auch Here Barrow's Reife nach China, die man 
feit fo langer Zeit erwartete, im London mit vielen Kupfern 
erichienen. Cie it viel interefanter als die große Stauutonſche 
Prachtreiſe. Der Veriafer bealeitete Bord Macartnen als 
privariefretär nach Peting, und Kat vieles erzahlt, was in 
jener, als office betrachteten Reiſe, nicht gejagt werden harte, 








Der Lie, Nemnich und ein Herr Biörne haben ein Werk 
fiber die Freimaurerei angehindigt, dm welden die hochſten Ger 
bheimmiie der Maurerei enthält werten ſollen. Beide Heraus— 
geber behaunten den hochſten Grad zu befigen. Das Wert wird 
in — Hamdurg mit großer Vegterde erwartet. Bosharte Leute 
behaupten imder, es könne nichts Neues Über dieſen Gegentand 
gefaat werden. Lichtwehr habe die innerſten Geheimnlſſe des 
Ordens fon in den Schluſſworten ſe in ex Gabel: „die Sole⸗ 
ker" oũ entart. 

Ein Herr Profcſſor B— — x, Verfaſſer von einer Griechte 
{den Grammatit und etiwa hundert Charaden, bat unter dem Namen 
VPhilo » Rofeiud in einer Berliner Feitung bekaunt gemacht: daß ibm 
und feinen Freunden die Gonkruftion des Verſes aus Schillers 
Wilhelm Teil: 

„Der Ger kann ſich, der Dandweat micht, erbarmen?‘ 
Bali fie ibm, fane ich, außerordentlich gefalle. So findet 
Esiller denn Won bei feinen Leben den ſchönſten Lohn feiner 
Dichter· Verdienſte. — 

H. Heirath Epater hat in ame Lit. Zeitungen alle dies 
jenigen, die ihm zem Beſten haben, für Böfewihrer em 
klärt, — und es ift doch fo ſchwer, fich deſſen zu euthalteu. 


* 


— — — — 





1804. Nro. 148. 
Der Freimuüthige 
Donnerſtag, — oder — — den 26. Julyv. 
Ernft 112 © er z. 





Literatur. 
Er geht in die Falle. Luftfpiel ineinem At. 


in Doctor Auris liebt die Echmefter eines afıgt: 
fehenen Kaufmanns, die dem Teftament ihres Da: 
ters zufolge, fi vor dem 21. Jahre nicht verbei- 
rathen foll, wenigftens nicht ohne Einwilligung ihres 
Bruders. Diefer aber ift durch nichts dahin zu brin: 
gen, fie zu geben. Man erfinnt daher eine Lift. Die 
Frau des Kaufmanns fucht, — und das wird ihr fehr 
leicht — ihres Mannes Eiferfucht zu erregen und ihn 
glauben zu machen, daß ihr der Doctor nicht gleich 
gültig fer. Da fucht denn Herr Ewart nathrlicher: 
weiſe den gefährlichen Mann fo fehnell ale möglich 
aus dem Haufe zu ſchaffen. Er willigt in die Ver: 
bindung, und der Tag der Bereinigung wird feſtge— 
feßt. Nun entdeckt man ihm, daß er betrogen, und 
alles — bis auf feine Einwilligung — nur Scherz 
feg. Er nimmt das aber recht gut auf, und fehlägt 
vor, — in den Garten zu geben, um ſich des ſchoͤnen 
Abends zu freuen, 

Man kann nicht beffer thun, als feinem Beifpiel zu 
folgen, fich denganzen dramatifchen Vorgang (zu leicht 
kann er nicht genommen werden,)aus dem Zinn zu fehle: 
gen, und allenfalls, wenn man das Stuͤck gelefen bat, ſtatt 
in den Garten zu Bette — zugehen, follte auch der Verf. die 
legten Worte, die er einem alten Diener inden Mund 
legt, auf fich anwenden: 

„Wenn man auch neh fo viel Knoten macht, 

und das Seinlge noch fo rechtichaffen präftirt, fo 


bat man doch nur einen fehnöden Danf. Nicht 
wahr?“ +t 
Muſie. 
( Fortfehung. ) 
i) Sonate pour le P. F. avec accomp. du 
Violon, et V. Celle c. p. H. Reicha. 


Reicha hat Simphonien und andere Werke gefchrie: 
ben, die vorzüglich find. Auch die vorliegende 


‚Sonate bat ihren Werth, doch ſcheint der Komponift, 


befonders zu Ende derfeiben, etwas mit feiner Kunſt 
gefpielt zu haben, Der erfte Cab ift fehr que 
angelegt und durchgeführt, ſchwerer, aber fait noch 
bejfer ift das Adagio, nur das lebte Allegro hat ein 
etwas altmedifches Thema, und wiederholt ſich — 
auch im alten Stil, faft durch alle Täne, 
k) Acht Ranzonetten (tal. und Deutfch) für 
4 Singſtimmen und das P. 5. v. L. Jadin. 

Sie find in der befannten Manier der Kanze: 
netten, aber nicht ohne eigenthuͤmlichen Keij. Gleich 
das erſte Andante klingt fehr gefällig, weniger das 
zweite, das nur Cantabile — überſchrieben 
ift. Der Geſang muß immer fließend, nie bart oder 
widerfioßend ſeyn, und daß die Peobachtung diefer 
Kegel dem DVerfaffer feine Mühe macht, zeige ſich in 
den Übrigen Liedern faft durchgängig. Der Deutiche 
Text iſt der Muſik mit vieler Sorgfalt — angebilder. 
h Sieder und ein Karafteriftifches (!) An: 

dante fd. V.-F.v. ©. Misie 
Die Lieder find gut, und das Andante grade 





— 70 — 


charakteriſtiſch genug, um zu zeigen, daß der Verf. 
Talent fuͤr die Tonkunſt hat. Die zweite Arie iſt 
unſtreitig die gefaͤlligſte und ſchoͤnſte, bei der dritten 


aber moͤchte es ſchwer halten, ſie der Vorſchrift nach 


„mit Ausdruck“ zu ſingen. 


m) Singübungen für eine Sopranſtimme, 
von F. Dansi, erfles und zweites Hefe, Mit 
Begleitung des F. P. 

Diefe Eingübungen entfprehen im Ganzen 
ihrem Zweck fo febr, daß man fie allen Freunden des 
Geſanges empfehlen muß, die ſich ip ihrer Kunft 
zweckmaͤhig üben wellen, und bie ſchon einige Fort: 
fhritte darin gemacht haben. Es ift Echate, daß im 
erften Heft der Singſtimme fein Text untergelegr, 
und der Baßnur beziffert if. Unſere Moten fprechen 
fich viel zu fehwerfällig aus, und wie viel giebt es, 
denen bie Andeutung der Harmonie durch Ziffern 
ganz fremd ft! Im zweiten Heſt ift beiden Maͤn⸗ 
gein abgeholfen. Der erfie enthält 19 verfchiebene 
Stuͤcke, die immer vom Leichteren zum Schwereren 
Übergeben, im weiten find einige Thema's vortreff: 
lich und mit einer großen Wannigfaltigfeit des Aus— 
druds varlirt, welches um fo mehr von Mußen if, 
da fich das Grundthema leicht einprägt, und bei den 
Variatonen dem Gedaͤchtniß immer zu Huͤffe kommt. 


(Die Fortſchung folgt.) 


Fragmente aus meinem Neifejournal ꝛe. 
(Beſchllu ß.) 


Du erinnerft Dich vielleicht, vor 15 — 20 Jah: 
ren in dem „Journal von und für Deutidhland, 
eine ausführliche Befchreibung des Unweſens, in dem 
damals Mainzifchen, jetzt Leiningifchen Wallthürn ge: 
lefen zu haben: — wie drei Wochen lang, um die 
Zeit des Frehnleichnam-Feſtes, die Einfältigen aus 
alten Gegenden bier zufammenlaufen, um vor einem 
Altartuch zu Enieen, worauf einft ein Priefter den 
Abendmahlwein geſchuͤttet hatte, der darauf das blu: 
tige Bild des Gefreuzigten von den Köpfen der eilf 
Apoftel umgeben, zeigte. — Das Tuch ift über dem 
Altar in einer Monftrang zu (hauen; ih Ketzer ſah 
aber Fein Blut, Feine Bilder, fondern nur eine 
fd mußige Serviette. — Um ihretwillen follen bier 
jumeilen über 20,000 Menfehen in dieſem Staͤdt— 
chen von Mirthehäufern, und in dem dabei befind: 
lihen Walde, verfammelt fen. Auf den folgenden 
Abend erwartete man aus Cbln und der Gegend, eine 
Proceffion von etwa taufend Köpfen. Diefe zieht 
immer auf den Krobnleihnamsabend, um neun Uhr, 
jeder Pilgrim mit einer brennenden Kerje in ber 
Hand, ein. — Gewiß, der Anblid muß etwas 


Großes Haben! — — Diefe Republifaner find zehn 
Tage untermeges, von Coͤln herauf. 

An biefem Tage, mo die größte Menfchenmenge 
verfammelt iſt, wird das heilige Blut, (fo nennt 
man die durch den Abendmahlmein gebildeten Figu: 


.ren,) in Proceflion berumgetragen, und unfer 


Führer verficherte mit einem Tone, der bewies, daß 
auch nur nicht der leifefte Broeifel in feine Seele ges 
drungen fey, daß dabei Lahme gehend, Blinde fe: 
hend, und alle mögliche Gebrechen Yeibes und der 
Seelen geheilt werden. — Wer fennt nicht bie 
Macht der Einbildungskraft? — Er ſetzte auch ſelbſt 
binz u: nur muͤſſe man feſſen Glauben und felles 
Dertrauen haben. — Auch Tenfel werden nech aud: 
getrieben! — Sie follten nur hören, fagte er, mie 
die Befeffenen brüllen und rafen, bis durch die Kraft 
des heiligen Blutes und durch den Beiftand der Geift: 
lichen, der Teufel endlich von ihnen weicht, 


Welche Contraſte! dachte ih. In Würzburg 
ift eine Schule der Aufklärung; der Sitz des Wif 
fens alles Wiſſens, der ſublimſten Philoſophie, und 
eine halbe Tagrreife weiter werden noch Teufel aus— 
getrieben! ! — Es heißt hier in mehr als einer Rüde 
fit: les extrömes se touchent! — Der katho— 
liſche Churfürft von Bayern unterdrüdt alle Mall: 
fahrtsörter in feinem Sande, und verbietet alle Wall: 
fohrten ins Ausland, und proteflantifche Fürften 
laffen die MWallfahrtsörter und Kapuzinerfiöfter zu 
Wallthuͤrn und Bornhofen (unmeit Coblenz, an dem 
Rhein) beftchen, indeß fie doch die andern Klöfter 
aufheben, — Mir geziemet es nicht, Über die Gruͤnde 
dieies Verfahrens, Über welche man fehr laut urtheilt, 
zu fprechen; aber ich bin überzeugt, wenigſtens bei 
dem edeln Kürften von Leiningen ift es nicht klein 
liche Ruͤckſicht auf die Paar Kreuger, welche ihm 
Aberglaube, zugleich mit der Unfitte und Faulheit, 
ins Yand brinat, fondern Nachficht und Güte gegen 
feine neuen Fatholifchen Unterthanen, deren Liebe er 
gewinnen will. 


Ich mandelfe noch einmal durch die Menge von 
Buden, welche um die Wallfahrtskirche aufgerichtet find, 
und worin man Wachs kerzen und alle Elieder des menſch⸗ 
lichen Körper von Wache, (zu Opfern in der Kirche) 
Putz, Spielwerk und befonders viele heilige und pro« 
fane Bilder, Liedchen und Bücher finder. Ich be: 
reicherte meine Wiblierhef mit lektern, und könnte 
eine vollfändige, eben nicht uninterejfante Nachricht 
von dem Auftande der Literatur in Wallthürn geben, 
wie man fie biejegt noch in Feiner Literatur - Zeitung 
finde Als Raritaͤt lege ich bier die Prachtones 
gabe von einem Gebetchen bei, ein Spitzenbild, 


wie es in Eger fabrlcirt und nach WB. gebracht 
‚wird. *) 
Manche der Gedichte find im neueften 
ſchmack, — 4 B.: . 
Ich weiß mir ein Garten mit Roſen geiiert, 
Wer mit mir will sehen, 
Der kann ibm fchen, 
Gar fon da ſormirt. 
Tom heilinen Blute eilf Häupter zu fchm, 
D wunderschöne Rofen, 
So längiien entibreiien, 
Im Gorporal ſtehen. x. 1% 
Mir ſchieden von W. mit dem Wunſche: möchten 
wir doch ſtatt deſſen Olympiſche Spiele haben? — 


umorbad 


erreichten wir in zwei Etunden. Unfer Weg ging 
dur ein fehr huͤbſches Thal, wo Waldung mit wohl: 
kultivirten Aeckern, Wieſen und fogar Weinbergen 
abmechfelte, Ueberhaupt ift das neue Fürftenthum 
geiningen, (melches aus ehemaligen Mainzifhen, 
Mälzifchen und Wuͤrzburgiſchen Aemtern jufammens 
geſetzt ift,) ſchoͤner und anfehnlicher als ich glaubte, — 
Es foll über eine halbe Million Gulden Einkünfte 
abmwerfen. — Es liegt zwifchen dem Nedar und dem 
Main, zum Theil in dem malerifchen Odenwalde; 
die Haupt: und Nefidenzftadt Amorbach iſt klein, alt, 
bägtich; die Nefidenz, eine ehmalige Benebictinerab: 
tei iſt (hön; aber ihr Haupefchmuct üft die hoͤchſtlie⸗ 
benswärdige Erbprinzeffin, aus dem Coburgfchen 
Haufe. Der Fürft ift ein lieber munterer reis, 
von 80 Jahren, der fih damit befchäftigt, fein 
Land, fo tie die Umgebungen feines Schloſſes, zu 
verbeifern und zu verfehönern. 

Wie freute ich mich, hier einige Rheinlaͤnder zu 
finden, die man leicht wieder erfennt an der Froͤh⸗ 
lichkeit, Gaftfreiheit, dem geraden, offenen, liebenden, 
barmlofen Gemuͤthe, welches Ihnen vor allen ihren 
Landsleuten in meinen Augen den Vorzug fichert. . » 

Wir mußten den Abend noch nah Milten: 
berg. Auch Hier ging der Weg mieder durch ein 
Außerft anmuthiges und fruchtbares Thal In einer 
Etunde war es zurüd gelegt, und wir befanden uns 
in einem anfehnlichen und huͤbſchen Eräbtchen am 
Main, das vor Amorbach den Vorzug verdient, Der 
Fürft Hat vermuthlich diefes wegen des Reſidenzſchloß 
fes vorgezogen, welches freilich in Miltenberg fehlt, — 

Apropos, Amorbach! Weißt du mohl, wo ber 








* Anm. E beißt: Gebett dum Et, Biuth 3m 
Maltbürn. Kofitares Fluth, welches aus been Wunden 
meines Heytands geflofen und die Eitmd der ganen Weld abs 
wardıer darch Dieicd H. Vluth waſche mich mehr umd mehr 
© Sere von meinen Miſſethaten Die ich begangen habe, Umtn. 


Name herkommt? Amor (Cupido?) foll ber erfte 
Abt des ehemaligen Klofters dafelbft geheißen haben; 
fogar in eine Mönchsfutte verfroch ſich alfe ber 
Schalk, der alle Formen und Geftalten annimmt! 
Auch quillt noch ein Waffer da, welches unfrucht— 
bare Weiber fruchtbar macht, wenn es anders nicht 
feit der Aufhebung der Abtey feine Kraft verloren 
bat. Doch dergleihen Quellen des Lebens find ja 
noch nirgends verfiegt. — — 


Um Frobhnleihnamdtage, 


den letzten Mai, verliefen wir an einem ſchoͤnen 
Morgen Miltenberg, und reiften über Heubach, wo 
der Fuͤrſt von Lömwenftein: Werthheim fein ſchoͤnes 
Reſidenzſchloß hat, nach Aſchaffenburg. — Auf der 
erften Hälfte des Weges umgab uns eine Gegend, 
von welcher der Norddeutſche Feine Idee hat, außer 
wenn er Elifium denkt; welche Echönheit, welche 
Fruchtbarkeit, welche Kultur! Mur gegen Aſchaffem 
burg bin, nimmt dies alles ab. In allen Orten, 
durch welche wir famen, fanden wir die Straßen mit 
Gras, Klee und Blumen beftreut, und alles zu feiers 
lichen Proceffionen gerüftet. Gloͤcklicherweiſe war 
fein Donauirote bei uns, fonft würde er dies für 
einen feierlichen Empfang feiner eigenen ſiegrelchen 
Perfon angefehen haben. Bei Afchaffenburg hallte 
der Donner der Kanonen berrlih in den Bergen 
wider, welche die Stadt auf der einen Seite niales 
riſch begrenzen, Die Proceffion war eben vorüber, 
und Gras und Kiee war fihon auf den Straßen ge= 
trodnet, zur großen Freude der Bauern, denn das 
bedeutet eine gute Heuerndte. — Die Stadt iſt 
ziemlich huͤbſch, und nimmt zu an Einwohnern und 
an Menge und Schoͤnheit der Haͤuſer. — Die 
Schönen diefer Churerjkanzlerifhen Sommerrefidenz 
gefielen mir wohl in ihrem Frohnleihnamspuß; ein 


ſchoͤner Wuchs und Sarg, Fülle, praͤhtige, dunkle, 


bligende Augen — —. Im fhönen Thal fahen 
wir viele luſtwandeln; dies ift ein Park, welther in 
einem Halbzirfel einen Theil der Stadt umgiebt. 
Eine vortrefflihe Promenade! — 

Nach Tifche fuhren wir in den ſchoͤnen Buſch, 
einen Park, in melchem ein artiget Luſtſchloß des 
Ehurerzfanzlers liegt, welcher fih des Sommers ges 
woͤhnlich hier, und nicht in dem ſchoͤnen Nefidenzs 
ſchloß zu Aſchaffenburg aufhaͤlt. Mit Vergnuͤgen 
durchſtreiften wir dieſen Ort, wel hee etwa nur 
eine halbe Stunde von der Stadt entfernt #. Das 
Lokale ift nicht ganz günflig, da es «ben und der 
Boden fehr mittelmäßig iſt; aber Zufall und noch 
mehr wahre Kunft und Geſchmack haben mit leifer 
Hand nachgeholfen, und Künftelei und Epielerei bes 





— 728 — 


merft man faſt gar nicht, Dies giebt ihm Felnen ge: 
ringen Vorzug. — Es ift zugleich eine fehr gut einge: 
richtete Baumſchule Hier, welche befonders auslänbis 
ſche Aträuche und Bäume nach allen Gegenden hin 
verfendet, 


Mir hatten nun vieles gefehen, gehört, gelernt, 
genoffen, und doch waren mir frob, als wir wieder 
noch denfelben Abend beim heimifchen Heerde ein 
trafen, 

€, 


— —— ————— ——— — — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 6. 


Berlim 


An 23. July aaben bier Madame Dumouchel, Demoifelle 
Weck, und Herr Dirmouchel, erfter Temorlit der Bruͤßler Bühne, 
ein Intrumental» und Nekals Consert, in weldem die Erſte 
die Peraiharie, Demoijelie Be das Pianoforte mit groher Fer⸗ 
tigkeit ielten, und Herr Dumouchel befonders durch feinen treff⸗ 
tiven Geiaug ſehr gefiel, Ihro Majeſtaten, der König und die 
Köniain, berbrtem das Concert mit HöchſtgIhrer Gegenwart. 
Zreg der nicht vorrbeilhaiten Jahresset und dem idhönen Wet⸗ 
ter batte ſich ein zahlreiches Publitum verfammelt, und fund 
fehr ansichenden Genutz. Mösen bie intereffanten Reiſenden aͤberall 
auf ihrer Netie die Ausſeichnung finden, die Ihre Wirtuorität 
verdient! Sie gehen nah St. Petersburg. 


Et. Pettreburg, vom Zöften Jun. 


Hr Kosertion berbärtigt ſich ehr angelegentlich mit feiner 
Euftreife. &$ it zu der Füllung feines Baltons derielbe Platz 
im Garten des GaubdettensEorms gewahlt worden, von dem 
Garnerin aufitieg. Da es bier micht auf ein Öfentiher Schau⸗ 
fpict antommt, fordern die Neife bloi zum Mugen ber Wiſſen⸗ 
ſchaften unternommen werden fol, ſo wird, um alle? Zudran⸗ 
gen umd Etoren zu vermeiden, der Tag ber Aufiahrt verbeims 
liebt. Außer der Kaiferlichen Familie und den Atademitern 
werden wohl nicht viel Zuschauer sugelafen werden, — Gines 
beitinen Blutauswurfs balber, wird der beruhmte Chemiter, 
Etattrath Pomig micht mit auifteigen, ſondern ſtatt ſeiner der 
Atademiter und Yrofefor Zacharow. — 


Herr Tieller verrertiat ein Panorama von Gt. Peterdburg, 
zu dem er den Gtanbpunft auf dem afronemifchen Obfirvatorie 
der Akademie gewählt hat, wo er die Newa mit ihren herrii⸗ 
den Kanem vor fi hat. Er wird damit mach Mostwa gchn. 
Erin Panorama von Berlin hat ibm nicht ganı den Bortbeil 
gebradıt, deu er hofte. Es mar auf der Reife ſtart vom Ret 
gen beſchadigt worden, 


Der Diretteur dei Kiefigem Deutſchen Ihenterd, Kerr 
Mird, Hat ven feiner Reiſe nach Deutſchland außer einer 
Due Löwe, einer Die Lange, — umd Herrn Arreifto (iii) 
aud Hamburg, auch Herrn Doktor Schmieder aus Altona, ald 
Afiftenten bei der Direktion, mitgebracht, Man veribricht fich 
hier erwad von diefem Intern. Was Gaben denm diere Leute 
in Deutſchlaud geleifter? 

— 1. — 

Der Red. Ich babe eben nichts Bemerkenswerthes von 
ihnen gehört, ) 


Par ic 


Eine newe Oper in muf Aun., die Barden, componirt 
von Peiienr, bat anf dem grosen Dperms Theater, (das aber 
iegt Academm Imperule de musicue heikt,) das alans 
yendite Gluck gemadıt, Die Fabel derſelben, if aus dem Zei⸗ 
ten Ofians und dieſer Caledoniiche Homer ſeibſt, vereit eine 
Hauptrolte darin. So vi ſich aus den Ausıigen erſehen 
iaßt, it viel Larm und Verwirrung in Dem Stuck, und die 
Handlung ir ſcwach: aber die Muft wird allgemein als 
ausgeieichnet ſchon geprieien ; auch die Ballete darin, jollen 


trefflich ſeyn. Vorzuglich bot ſich dem Deforateur in biefer 
Dver ein welted Feld dar: rauhe, romantiiche Gezenden, Geie 
fer: Paliae in den Wolken, wilde Felſen⸗Grotten, bei denen 
Der Knuſtler fich feiner ſchopferiſchen Dhantafie inberlafen kann. — 
Mel dem hohen Grad der Voilllommenhett, auf den die Kun 
der Detorarion im Paris gebracht if, find die ſchwierigſen 
Anigabın, den Kündlern die liebdten, und fie haben im dieſer 
Dvir gegauber, Am meiſten bewundert man eine Scene, in 
weiber Dfian ſchlummert, und im Traume ben Wolken Pal⸗ 
laſt feiner Ahnen ficht, Die Mut umd die Geitter« Tange in 
diefer Scene Gaben allgemeinen Entiufasmus erwectt. — 


Um De wunderbare Eryihluna von dem Knaben, ber zu 
Rouen am einer Sandangerſchaft farb, zu beweiſen, werben 
im Journal de Parıs vier Beiiplele von ahnlichen Vorfällen 
ersäßte, die ſich in Holland, der Schwelz und Deuribland ers 
eignet Gaben follen; fo gar Hugo Grotius wird amgefihrt, als 
Vürge dafür, dab man bei einer Fran, die an einem Gewaͤchs 
am Halſe farb, in dieſem Gewaͤchs ein Kind gefunden habe, 
Sonderbar if es, daß man Die von gam Griecheuland bezeuge 
ten Beiſpiete des Juviters veraiät, der den Bachus in der Hüfte 
trug, und Minerva mit dem Kopf gebahr: doch wenn die Er 
sähler ich der Minerva erinnert hatten, fo witrden fie wahr 
feheintich weriser glaubig geweſen fen. Uedrigens iſt es 
wohl nicht unnutz, zu erinnern, daß ſich fir dir Wahrheit der 
Eruds umd Teurelsaeidicdhten, auch taufende von Zeugniſſen ame 
führen ließen, Solchen Dingen fehlt nur ein glaubiges Zeital⸗ 
ter, und fie find unwiderleglich. 


Auf Neranlamına bed Montumentd, bad man Luthern ere 
richtet hat, und der im Paris gekronten Preisichrift über Die 
Vortheile der Reformation, Hindist ein Buchbandier ſechs 
Alphabet Predigten sc. — von Quthern an. Was folen uns 
denn die, jetzt, da wir ihre Folgen ſchon feit beinahe dreißunr 
dert Jahren genoſſen haben? Gie münren fehr ſchlecht fen, und 
gar michts gewirkt haben, wenn fie jetzt noch erwas Neues ent⸗ 
bieiten. Die Ankundigung -tonmt mir vor, als ſorache ein 
Aporheter: „Dieſe Mediein that Ihnen vor acht Wochen qute 
Dienttez verſchlucken Sit alſo guttigſt auch noch — die Büchſe, 
im der fie verwahrt lag.“ 


Auch in Paris fofl sent, auf Veranlaſſung bes Institut 
National, eine Luſtiahrt bloß sum Vielen der Wiſſenſchaften 
angeſteut werden, umd zwar durch dem Prof. Bior am Col- 
lege de Frame, 


Der Bürger Maärtre hat die Haut, die ſich auf ber Milch 
Bilder, wenn fie mit Weineſſig vermiſcht umb der Hitze ausge 
fege wird, auf Papier aufgetragen, umd jo eine neue Gattung 
Pergament erhalten, 


Die Brüder Piraneſi veranſtalten zu Varis, im Verbin 
dung mit dem Kuveerſtecher Piroli, eime neue Ausgabe der dere 
entanifden Alterthumer. Sie werden auch die Hereulanifchen 
Gemälde, nach Zeichnungen die im der Bibl. des Inst. Dat, 
vorhanden find, in Kupfer ſtechen. 


Die Zeitichritt Aurora, die im Mimcdhen erſchien, scheint 
aufgebört zu baten, Das ih im der That Schade. Sie hatte 
Gehalt, — obwohl kin Leben, 


u —,, — — ⸗ï 


1804. 





Nro. 149. 
ARISTIDES. 
Der Freimüthige 
— ſoder — ben 27, July. 


Freitag, 


Ernſt un 


d Scher z. 





Ueber das Trauerfpiel, 
Don Friedridh Koͤppen. 


Menretige Andividualirkt mit ihren Umgebungen 
ift für alle ſchoͤne Künfte die Epbäre ihrer Wirffam: 
feit und Schoͤpfung. Der fchaffende Künftter iſt 
ein Individuum, die Welt, für welche fein Kunft: 
werk erfcheint, befteht aus Individuen. Nur eine 
geiftige Kraft vermag hervorzubringen, nur ein gels 
fliges Weſen vermag das Hervorgebrachte zu faffen 
und zu beurtheilen. Alle Kunſt aber ift ein Reden 
des Geiſtes zum Geiſte. Für den Menſchengeiſt giebt 
es feine andre Art der Mittheilung, als den Sinn; 
die Dichtkunſt redet durch die Sprache, die Muſik 
durch Töne, die Malerei und Bildhauerkunſt durch 
Seftalt. Ohne Sprachwerkzeuge verſtummt die Rede 
und mit ihr die Poeſie; ohne das Ohr verſtummt 
der Ton, und mit ihm die Mufif, ohne das Auge 
verfchwindet die Geſtalt, und mit ihr die bildende 
Kunft. Die ganze Kunft ift demnach in die Ephäre 
der Einnlichfeit eingeſchleſſen, wie der Menſch felbft; 
deffen Individualitaͤt eben darin befteht, daf Körper 
und Geift, Einnliches und Ueberfinnliches ungertrenns 
lich in ihm verbunden find. Mit uns ift unfre Kunft 
geboren; fie ſteht, wie wir, unter dem Geheimniß 
unfrer Geburt; ihr ganzes Wollen und Vollbringen 
iſt nicht unbegrängter und erhabner, als unfer eignes, 


Alle ſchͤne Kunft muß in das menfhliche Leben 
treten, um Wirkung zu machen, ja die Kunſt ſelbſt 


ift nur eine Nachbildung des Lebens. Das Leben 
ift nicht aus der Kunft hervorgegangen, fondern diefe 
aus jenem. Unfre eigne Geftalt koͤnnen wir aus mans 
chem Epiegel entgegen ftralend erbliden, aber die 
Geſtalt ſelbſt ift nicht das Werk unfrer Epiegelftel: 
lung. Wenn der Menfch ſich freuet Über den Reflex 
der Kunft, wenn er in ihm feinen beiterften und 
reinften Genuß findet, fann er wohl zu Zeiten in 
dem Epiegel felbft das Urbild fuchen, und vergeffen, 
dab jede Geſtalt der Kunft eine Urgeftalt außer ihr 
vorausfeßt, und daß jeder menſchlichen zweiten Echd: 
pfung, eine frühere erfte vorher ging? 

Vereichnet man die Sphäre des individuellen 
menfchlichen Lebens im Allgemeinen mit dem Worte 
Natur; fo würde man in dieſem Sinne nicht Un— 
recht haben, den fehönen Künften die Nachahmung 
der Natur zu empfehlen. Ein Kunjtwerf, deſſen 
Urbild nicht in diefer Natur zu fuchen wäre, müßte 
alle Wirfung auf das menfchliche Gemüth verlieren, 
Alle Kuͤnſtelei, aller Putz würden in ihrer urſpruͤng⸗ 
lichen Nichtigkelt erfcheinen, und ber größte Kunft: 
aufımand mit feinem fortwährenden Nichtsdahinter, 
müßte Edel und Ueberdruß erregen, Jedoch in ei: 
nem andern, und freilich dem gewöhntichften, Sinne 
iſt diefer Grurdfaß der Nachahmung der Natur ver: 
werflih, und man hätte fehr niedrige Begriffe von 
der Kunft und ihren Zwecken, wenn man fie für 
eine bloße Kopiflin und ſtlaviſche Nachahmerin ber 
Natur erklärte, 

Zur menfchlichen Individualität gehört nämlich 





auch jede Kraft des geifligen Wefen, wodurch es 
fi über feine ihn umgebende und befchränfende 
Welt erhebt, und fie mit Freiheit beherrfcht, Men: 
nen wir nun bios dasjenige Natur, was ſich auf die 
Einnlichfeit des Menfchen bezicht, was ihm in feis 
nen Berhältniffen als Sinnenweſen, theils die Fork 
dauer feiner Eriftenz fichert, theils in dem gewöhn: 
lihen Laufe der Dinge wiederfehrt, fo muͤßte die 
Kunft einer folchen Natur folgend, nethwendig in 
das Gemeinfte und Alltäglichite verſinken. 
feitig wäre aber alsdann die menſchliche Individua— 
Kität aufgefaßt? Sollte grade das Hoͤchſte, das Geis 
flige und Freiefte von der Kunſt ausgeihloffen wer: 
ten, und die Vefchränftheit der gemeinen Empirie, 
welche ſelbſt in Leben einen hohen Menſchen unbe 
friedige läßt, in den Werfen der Kunft aufs neue 
ihm entgegen treten? Das Menſchliche muß erfchei- 
nen in den Künften, wie es iſt, theils in der Mitte 
finnlicher Umgebungen, und abhängig von ihnen, 
theils Über diefelben ſich erhebend und in fie einmwir: 
fend, aus einem unfichtbaren Reiche, dem Reiche der 
een. Die idealifhen Formen, welche dem plaſti— 
ſchen Künftier vorſchweben, nehmen ihren erſten Ur 
fprung in der Einnenmelt, aber fie werden veredelt 
durch den Geift des Kuͤnſtlers; menſchliche Empfin- 
dungen und Thaten werden von dem Dichter und 
der Erfahrung vorgefunden, aber fie werden reiner 
und bedeutender durch die Darftellung eines nach dem 
Schoͤnen und Erhabenen firebenden Geifies. Treue 
Darjtellung einer gemeinen Natur beleidigt das Zart: 
gefühl eines gebilderen Gemuͤths; die rohen Aruße 
rungen der Leidenfchaft find unäfiherifh, und treten 
nur durch Verwandlung in den Kreis der Poeſie. 
Alle Eegenflände der Kunft find Kinder der Ge— 
fchichts : Erfahrung, aber fie muͤſſen von einer höhe: 
ren Macht erjogen werden, um in Vollendung und 
Schoͤnheit zu erſcheinen. Diefe höhere Macht bei 
figt der Genius, er bildet Schöpfungen nach feinem 
eigenen Geſetz; das Ungemeine ift hervorgegangen 
aus dem Gemeinen und Gemöhnlichen, Herz und 
Geiſt werden hingeriffen jur Liebe und Bewunderung, 

Was nennen wir nad diefer Anficht, in der Kunft 
Wahrheit? Unmöglich das bloße Wirfliche, durch 
kein deal und Feinen kräftigen Geift aus der Alk 
tagewelt Gehobene. Es giebt fo gut eine eigene 
Kunftwahrheit, als es eine Erfahrungs: und Eins 
nenmwahrbeit giebt, Weide find unmittelbar gewiß, 
trogen und beben fich durch eigene Macht. Das 
Wahre in der Kunſt beruht auf der einleuchtenden 
Richtigkeit der dargeftellten Charaktere, ihrer Neußes 
rungen und ihrer empirifhen Lmgebungen ; das 
Groͤßte und Ungewoͤhnlichſte menfhlicher Gedanken 


Wie eim . 


und Empfindungen darf von dem Dichter bervorger 
hoben werten, wenn es nur feinen Plab fand in 
der Meenfhenbruft, wenn es nicht widerfprechend 
und unbarmonifch ift mit den individuellen Empfin: 
dungen, die fih als ein Geſammteigenthum der 
Menſchheit verfünden; die flärkfte und vollendetefte 
Geſtalt darf von dem bildenden Künftler dargeftellt 
werden, wenn fie nur nicht das Maaß und die Pros 
portion menfchliher Körper uͤberſchreitet. Die Lüge 
in der Kunft ift nur auf derpelte Weiſe möglich: 
wenn entweder dem Kuͤnſtler durch vorgefaßte Wels 
nungen und fonventionelle Bildung ein faliches deal 
vorfchroebt, dem er aus Gewohnheit und Furcht vor 
dem Alltäglichen entgegen arbeitet; oder wenn er, 
um fich Über die niedere Sphäre zu erheben, falfche, 
finnliche Umgebungen mählt, und darum dem Cha: 
rakteriſtiſchen ſchadet. Der Epifer kann in diefen Feb: 
fer verfallen durch Schiefheit der Charaktere und 
Unnatürlichfeie der Fituationen feiner Helden ; der Ole: 
fehichtsmaler kann ſuͤndigen durch falſche Darfiellung 
des Ausdrucks der Geberden und fehlechte Wahl der 
Etellung und des Coſtumes. 


Moch ließe ſich fragen: aiebt es Äberhaupt et: 
was Wahres im Menihen? Iſt nicht alles Wahre 
ein Pleonasmus des Echeins, ein Sin: und Hermes 
ben zwiſchen dem Irrthum? Luͤgt fih der Menfch 
nicht felbft immermährend in feinen Empfindungen 
und Gedanken? Und wenn der Menfh ein Gleißner 
von Anfang if, wird die Kunft erwas anders ber: 


‚vorbringen Eönnen, als eben diefe Gleißnerei? Frei— 


lich, mir diefer Frage find wir am Ende, Aber es 
jeuget gegen dieſes Nichtsweſen die Weſenheit un: 
fers Daſeyns felbft, es zeuget dagegen die Erhebung 
und Würde eines in fich felbft gewiſſen Geiſtes; ein 
unfichtbares Hut der Menſchheit, was ihr nicht ent: 
riſſen werden kann, und aus bdeffen Beſitz ihr die 
hoͤchſte und befte Freude hervorgeht. Die Freude 
an der Wahrheit muß auch in der Kunſt wiederge: 
funden werden; im Vertrage mit der Kunft, ſoll fich 
die angeborne Zuverjicht zu einem unvergänglichen 
Schoͤnen und Wahren Fräftig flärfen und neu bes 


leben. 
(Die Fortſetzung folgt.) 


Das Heiße Zolerangı 


Dre Grenzen zwiſchen der Toleranz und Gleichguͤltigkeit 
find unbeftinimt. Wenn ich fie beftimmen foilte, fo 
würde ich fagen: Niemand darf gegen fich ſelbſt tole⸗ 
rant ſeyn; niemand darf gegen den intolerant feyn, der 
feine Meinung vorträgt, ohne fie auf zu dringen; 
wer tolerant gegen den iſt, der feine Meinung mit 


dem Piflel in ter Hand gebietet, ift gleichgültig, 
ſchwach oder Sklave. 

Toleranz iſt nad eben den Geſetzen zu beurthei— 
len, nach welchen die Zeibfiverrheidigung beurtheilt 
werden muß. In Sachen des Verflandes bat niemand 
für etwas anders zu Fümpfen, ale für feine Freis 
heit, Meinungen angreifen und Meinungen verrhei: 
digen und Meinungen vortragen, alles das thut der 
Freiheit feinen Schaden; aber dem Denker und dem 
Echmwärmer verwehren wollen, Meinungen zu haben, 
und fie zu fagen, ift ungerecht. Es iſt nicht intele: 
rant fie zu widerlegen. Wer widerlegt, fagt nur, daß 
er die Sache anders anſieht. — Zu feufjen, zu 
frotten, zu drohen, zu fluchen, zu ſchimpfen, zu vers 
folgen, ift intolerant gegen den, der feine Meinung 
nur jagt; Verthe digung gegen den, der fie aufbringen 
will, — Jeder erhebe die Derfnung, durch die er 
in den Karıtätenfaiten gudt, fo viel er will, beweife, 
fo viel er will, daß dies das befte Fenſterchen fey, 
nur laſſe er feinen Nachbar auch gucken und fagen, 
was er will, Drängt er dieſen weg davon, fo ſtehts 
bei dem, ob er wieder drängen will; nur der Ans 
greifer iſt intolerant. — Aber durch Toleranz flieht 
dann jedes Feld jedem Darren offen ?— Wahr, Durch 
Intoleranz nur Einem; welches ift beyfer? — Nur 
in feinem Innern darf man intolerant ſeyn: nur in 
feinem Herzen lafe man nie eine andre Stimme 
laut werden, als die des Nechtgefühls, der Wahr⸗ 
beit, der Dienfchlichkeit, 

K er) pf. 


Minettchen. 


Ja wiegte ſanft im Schoos Minettchen; 
Die Kleine zaͤhlt erſt dreizehn Jahr, 
Hat Wanglein, hen wie Roſenblattchen, 
Ein Mundchen, wie ein Kirſchenpaar. 


Das Näschen, ſchalliſch einachogen, 
DE nicht aus Nom noch von Atheu; 
Doch kam von dorther eins zedogen, 

Es könnt ihr ſchwerlich beſſer Acht. 


Die Aeuglein funteln hell, wie Tröpſchen 
Des Morgenthaus im Sonnenftrahl. 
In Locken ſchwimmt das Engelskopfchen, 

Ein niedlich veiſendes Oval. 


Des Buſens zarte Blut' umſpielen, 
Gleich Bienen, Amoretten ſchon; 
Ahr Herschen fühlt, wie Herren fühlen, 
Es ahnt der Mine ſußen Lohn. 


Eie lehnt ihr Haupt, wie ſchwer von Kummer, 
un mene Grup umd ſeunte tief; 

Zu kampfen ſchlen fie mit dem Echlummer, 
Ward ſtill und ſuller und entſchlief. 


Und tother brammten ihre Wangen, 
Und mit dem, Purvurſchawie bob, 

Den iungen Bufen fun Verkamgen, 
Bis leicht die Hulle ich verſchob. 


Ein Weilchen fah ib mit Entzücken 
Dem Eviel der Ikinen Wellen zu; 
Dann ſtort' ih, Primeln mir zu vnũcken, 

Des ichönen Kindes fie Nuh. 


Eanit Bir ich erſt Die Roſenblattchen, 


Dann glübender das Klrfchenpaar. 
Mimertchen , liebliches Minerrien , 


D wart Du mit erſt dreischn Jahr! — 


Amor ber Arzt 


" Fünztins, im Halue 
Durten noch mehr 
Roſen wie Deine, 
Lieblich und hebr. " 


u Deine serpflüchte 
Nagend der Wurm, 
Mörderiich tnickte 
Dann fie der Sturm,’ 


Blutige Thränen 
Weinteſt Du ihr, 
Stille dein Sehnen, 
Lebe nun Dir!“ 


Tandie, dem heitern 
Edimetterling gleich , 
Blumen und Krautern 
Wintt er zugleich. 


„ Slättert von Jener 
Außend zu Der, 
Duutt fie ihm ſchoner. 

Flattre, wie Er.“ 


„Wem ich gewogen, 
Heil! ich die Bruſt, 
Schwirrend vom Nogen 
Pieite der Lu." 


Tauſend der kleinen 
Seud' id Dir jetzt, 

Goldene, — feinen 
Welcher verlegt. 


q Beichtere drucken 
Leicht ſich ins Herz; 
Goldne entzürden, 
Teen den Scherz.“ 


„Träumer, erwachen 
Wirſt du geſchwinde 

dlſo mit Lachen 
Slichend das Kind, 


und ich errwachte, 
Wie ed entloh, 

Echerite und lachte 
Zugendiich froß, 


„Roſen im Haine 
Duiten ja mehr; 
Ale, wie Eine, 


Lieblich und hehr.“ 
ung bt. 


— —————— —— — ꝰ N— — 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 7. 


Wien den 17. Yulo 1804. 
Hoftheater 


retzentini dit im einer neuen Oper: Pygmalion mit Mufit 
von Cimadoro, elnigennat mit Beifall aufgetreten, obgleich wer 
der die Bearbeitung mod die Mufit vorzüglich gefiel. Im der 
legten Vorſtelluag von Momeo und Julie erhielt Gresjentini 
De ungweideurigften Beweiſe von der Liebe umd Achtung des 
Yubtitums. Nach der ſchonen Arie im Garten, ließen ſich wel 
lebende Tauben mit eimem Lorbeertranz auf ibm herab, von allen 
Seiten warf man ıhm Blymen und Kranze zu, und ein weädhe 
tig gedructtes Italieniſches Sonett erhob feine Talente und Vers 
diente im der Tontund. Der Beifall war allgemein, und in Wahr 
heit, eine fo ſchone, chrende, welhe Stimme, als die feine, mit 
dem Hochſten der Kunft vereint, wird man wohl feiten finden, 
€. bat am unſernu Hoie Me Stetle eines Hofſingmelſters und 
Kammerfangers, wie man fagt, mit 3000 Gulden Gehalt, befoms 
men , jet iſt er aber mach Viacenza geveiit, das dortige mens 
gebaute Theater wilrdig einzwweihen, 

Ein Trio» Seilt amer und Seilſchwinger, Wovon manche 
An Ihrer (ſchouen?) Kunſt nicht ungeſchlckt ſind, wurde vom 
Baron Braun auf einige Monate engagirt, und giebt jegt feine 
Vorſtellungen im Hoftheater 

Theater an der Wien. 


Die Direktion dieſes Ihraters hat fich, wie man behauptet, 
{com wider verändert. Statt Sonnlelthners, deſſen Direktion, 
sem Theil auch wohl aus zufalligen Urſachen, mir wenig ein 
trug, jo nun Schitaneder wieder Die Leitung dieſer Bühne 

übernehmen, und zwar mit der Vollmacht, Schauſpieler umd 
Sanger gam nach Gefallen außunehmen, und au eutlaſſen. 
Man sweiielt am einem gutem Erfolge, Schitaneder, welcher 
vor zehm und mehreren Jahren den Geſchmack des Publitums 
rannte, iſt ſchwerlich mit demſelben vongeruft, Su der Verbeferung 
des Sefchmats haben befonders die Franzonſchen Overn vieles beige⸗ 
tragen, die Schitaueder aus begreiclichen Gründen haft, Auch 
d38 Pubtitum des Theaters am der Wien, it von den Befur 
dern des vorigen Wiedner Theaters ſehr verſchledenz denn die ⸗ 
ſes leiztere wurde als bloßes Vorſtadttheater mit weit mehr 
Schonung und Nachſicht behandelt, die Forderungen daran mas 
won viel geringer als fept, da Gier allerdings Altes zu grozern 
Erwartungen berechtigt. Dech genug von einem Uegennande, 
deſſen weitere Ausführung für den bei weitem größeren Theil 
Ihrer Leſer nicht intereſſant ſeyn durite, 

Dar Honchauſoieler Weidmann iſt im feinen Ferien im 
Theater am der Wien aufgetreten. Man kennt ihm als ein 
großes komiſches Talent, und wer ihn als Bittermann in Mens 
ſaſenhaß und Meue, als Plumper in: Er mengt ſich dm Aues, 
als Kammerrath Hivpeltanz im Coigramme u. m. a. geiehen 


hat, wird auch leicht den dentenden umd ſtudirenden Künftler 
in ihm wahrnehmen. Herr Weidnann wurde oft herausge⸗ 
euren, und jedesmal hielt er mir dem Publikum im werteauter 
fien Zone ganze Gefprade, entweder in Profa oder Kuittelvere 
fen, ersablte, daS ihn die theuern Zeiten bewogen hätten, bier 
auftreten, m. f. fe Mande wolten hierin Mangel am Ach⸗ 
tung she das Publitum finden, das dem Schauſpieler, als ſein 
Nichter und uͤnterſtutzer, Ehrfurcht eindöhen mie, andere 
hingegen eutſchuldigten Weldmann mit ber langen Gewohnheit 
fit) auf diefe Urt mit dem Pubdlikum zu beibeeen, und die 
Lange biefer Seſorache mit ſeinem diter, da er wirtlich mach 
feiner elgenen Angabe 64 Jahr zahlt, 

Die bekannte Heine Operette ans dem Frauzöſiſchen: ber 
Malif von Bazdad, mit Mulit von Boneldien, (jept Diret ⸗ 
teuer der Fransöfifchen Oper iu St. Petersburg.) bat denn jei⸗ 
nern Theile des Publitums ungemein gefallen, md wie ich 
nlaube, mit allem Rechte. Krebs, ein neuenaagirter Te 
norit fang recht brav. Er bat eine angenehme Grimme, ziem ⸗ 
Ih vie Höhe und Kun und ein artzzes Spiel. Much ges 
fielen Krebs und die Demoijelten Laucher und Eigeniah ſo 
gut im dieſer Operette, bah alle drei herausgerufen wurden. 
Die Diufit it leicht, gefallig, und bat am manden Etelien . 
wirklich Werih. 


yıaır io 


Di Gemälde s Austellung Im Musce Napoleon wird am 
erjien Complementärs Tage anfangen, Nur Driginale werden " 
angenonımen. 

Der Leichnam des berlihimten und edetn Admins Colignd, 
der {m der Nacht der Bluthochheit 1572. ermordet wurde, und 
dem man nachdem man ihm aeöpft atte, am dem Weinen auf⸗ 
hing, wurde vom feinen Freunden heimlich entinhrt umd im eis 
nen bieiermen Sarge im ein Keltergewölbe au Chatilon nieder 
geiegt. Hier fand gr bis 1786., da Montesquitu, ein Entel 
des Berfaſſers des Ksptit de lorx, ſich ihn erbat, und ihn in 
feinem Part zu Mauwertuig, in einen Sartovhag vom ſchwarzem 
Marmor aufbewahrte, den cr mit einen ſel, Aufachen aber ger 
fhmadvoien Monument veriah, Man beichirtige ſich jetzt das 
mit, das game Grabmaal in das Musce des Monumens 
Frang; us zu (wagen, als ein Andenten an pwei edle, ehrwür— 
die Manner. — Die Nadımelt id immer gerecht gesen Ber 
diene: aber, ach! — — u finät. 

Cadet de Vaux, beruhmt durch mehrere Erfindungen, 
hat einen Galactometre errunden, ein Inſtrument, durch das 
man dis einem Augenblick entdeten Tann, ob und wie viel 
Waſſer einer Quantitat Mich beiszutiiepe if, Das Infrument 
verdiente auf allem Martten und im alıın Haushaltungen ein⸗ 
gefuhrt zu werden. 

Nach vielfachen Antundigungen hat Blanchard eudlich zu 
Marſeille feine Luffahrt augeſtellt, ſich um Klafter hoch 
erhoben, und etwa cite Viertetmeile von Marſeille wieder mies 
derastagen,. Diele Heldenthat hat eimen je grozen Enthufiads 
mus Fire ſeine Perſon erregt, dag man ihm nicht erlauben 
will, ſich einer ſo getahrnchen Retſe noch einmal auszuſetzen. 





Zwei neue Opern, von Winter: der Triumoh ber brüders 
fihen Yıcbe, und Der Raub der Proſerpina haben in Munchen 
ſehr asialın. 

Der Ehuräten von Vanern (alt zwei Sternwarten erbauen, 
zn Münden und ja Landéhut. 


— ss — — — 


1804. 





ARISTIDES, 


Nro. 150. 





Der Freimüthige 


Eonnatend, 
Ern ſt 
— 


Literatur. 


Gedichte von A. Herrmann. 1805. 
Ser Verfaſſer diefer Gedichte hat viel Aehnliches 
von feinem Namensvetter, dem berühmten alten 
Deutfhen Helden Arminius oder Herrmann; 
er ift, wie diefer, werth, ein Schrecken der Römer 
zu feyn, als Ueberfeker und Derfchönerer nehmlich, — 
und nicht der Römer allein, fondern auch der Grie— 
hen, Üngelländer und anderer Nationen. Wehe 
den eusländifchen Gedichten, die das Ungluͤck haben, 
in feine vertivende Hand zu fallen; fie find ohne 
Gnade und Darmberzigkeit Kinder des Todes, Am 
vorliegendem Werkchen ift der Verfaffer zum Kain 
geworden an Zorhofles, Ariftoteles, Tortäus (Herr 
5. ſchreibt Thyrtäue) Sannazar, Vida, Ulrich 
von Hutten, Celtes, Ebafespear (Herr H. ſchreibt 
Schacksſreare) Crabbe und noch anderen. Auch 
die alten ehrlichen Minneſaͤnger haben den Guignon 
gehabt, von Herrn Hermann abermals in ihrer gan: 
jen poetiichen Bloͤße dem Gelächter des Publikums 
preis gegeben zu werben, 

Ein Lied: Das Mädchen, vom Echenf Ulrich 


von Winterflätten beginnt folgendermaßen: 
In denn nicht mehr Schones, 
Sorach ein altes Weib, 
Denn der Schente ſuzet? 
Das iſt ein Wunder groß! 
Weh mir Dies Getene, 
Das mir dar den Seib 
Und dur die Ohren dringet, 
Das mid; immer verdeoh,; — 


— der — — 


und 





den 28. July. 


S BE u: 


— —“ 


Ja wohl! — weh — wehe, denen dies Ge— 
töne, das mich immer verdroß, dur den 
Leib und durd die Ohren dringet! Doch 
Herr H. liefert au Originalie. Pagina 86 nad 
dem er der Poeſie förmlich entfagt bot, widmet er 
ſich — man rathe! — ſeierlichſt dem Wahnſinn. 
„Willkommen!“ — ruft er: 


willkommen Wahnfinn! deiner Facket Gluthen 
Befreien schnell des Genius Gewalt. 
Wo bin ih? — 


‚Antwort, SKeineswegs in den Lüften; immer 
noch auf der platten Erde — Herr H. erinnerte ſich 
wahrſcheinlich, daß man Plaͤtze, wo Todte ruhn, 
mit VBergißmeinnichten bepflangt, Darum ver: 
mutblich wählte er diefe Blümchen zur Vignette des 
Titelblattes. — dt 


Kunſtmerkwuͤrdigkeiten ıc. 
Fortſetung.) 
Anſichten aus Tirol und Vorarlberg. 


Das Miener Induſtrie- und Kunſtcomptoir machte 
in der lekten Oſtermeſſe durch die Zeitungen befannt, 
daß en mit feinem nach und nach beträchtlich 
werdendem Verlage von Kupferflihen, Mu: 
fitalien und Yandfarten auch auf dem Platze ſey. 
Man muß bei genauer Einfihe und Kenntnif der 
feit einem Fahr neu hinzugekewmenen Kunftartifel 
diefer Handlung, Über die Fortichritte und den feltnen 
Zuwachs derfeiben in allen Fächern, in ein angeneb: 
mes Erftaunen gerathen und frei gefiehen, daß un: 


ter den oft hech und hohlllingenden Meß: Ankuͤndi— 
gungen, tie obige eine der beſcheidenſten und ans 
frruchslofeften genannt werden kennte. Noch nie blühte 
in fo kurzer Zeit in Deurfchland eine Kunſtanſtalt 
auf, von fo großem Umfang und mit fo redlichen 
Streben. Noch nie wurde ein fo ernſter Verſuch 
gemacht, die Deutſche Kunft aus der theuern Ver: 
mundjchaft der Englifchen zu erretten; felbft da, wo 
man in der Auewahl der Gegenflänte und in 
manchem Theile der Behandlung, dem berrfchenden 
Zeitgeſchmack und gebietenden Umjländen nachgeben 
mußte, feuchter doch Überall viel reiner Willen und 
Etreben zum Höhern unverkennbar hervor, Wir 
werden in der Folge nech oft Gelegenheit haben, 
von den preiswärbigen Produften diefer Anftale zu 
ſprechen. Für dieemal gnuͤge es, unfern Lefern auf 
ein vorzögliches Werk diefes Kunffcompteirs, auf die 
Anfihten aus Tirel und Xerariberg nach der Natur 
gezeichnet von Molitor und Gouermann, ge 
fiochen von A. Bartfch, Duttenbofen, Gouer 
mann und einigen andern, aufmerfiam au machen, 
Welch eine große, reiche und eigenthuͤmlich beftimmte 
Natur, wie wahr und gefhmadsoll von den Zeichnern 
aufgegriffen (es koͤmmt bier ja alles auf den genialis 
fhen Takt an, den Gefichtepunft aufjufinden, der 
unter taufend approrimirenden der einzige und glüd: 
lichfte iſt; hieran erprobt fi der wahre Landfchafts: 
maler, bier blinzeln und fielen die Stuͤmperz) und 
wie gefehmadvoll und lebendig in Farben lavirt! Man 
halte einen Aberli dagegen und urtheile unparteiijch! 
Es find bis jekt 4 Lieferungen, jede zu 4 Blätter 
erfdienen. Mur die dritte Kieferung macht in fo fern 
eine Ausnahme, daf fie nur 2 Blätter, die Umſicht 
von Inebruck und Bregenz am Bodenfee lie 
fert, allein, diefe find dech auch als doppelte Blätter 
ju rechnen, da jedes 14 Zoll Höhe und 38 Zoll 
Breite hat, wohingegen die Blätter der andern Liefe: 
rung nur 133 Zoll Höhe und 19 Zell Breite haben, 
Für jedes Blatt der erften, jmeiten und vierten 
Lieferung zahlte man im Eubferiptionspreis 12 Fl. 
Jede einzelne Lieferung beträgt im Eubferiptiene: 
preis 26 Rthl. 16 Gr. Das ganze Werk, wozu die 
Zeichnungen ſchon größtentheils vollendet find, wird 
aus 8 Kieferungen, oder aus 24 Blättern im gewoͤhn⸗ 
lichen, und 4 Blättern in größerm Format befichen, 
Die Lieferungen erfolgen vierteljährig, Die erfie 
4 tieferungen werden an die Eubferibenten zu 
Michaelis alle abgeliefert feyn. Gewiß dies Werk 
lobt feine Meifter, und die Unternehmer, die mit Recht 
darauf flolz ſeyn fonnten, durften es mit vollen Be— 
wuſtſeyn dem Kaifer felbft widmen, der ohne Ge: 
räufcp ein wahrer Freund der Kunft und ein feltner 


Kenner if. Wir baben hier die zwei große Blätter, 
die Gegend um Insbruck und den Bodenfee vor 
uns aufgebangen, und finden, daß felbft der unge: 
bildeteſte Beſchauer davon gefeffelt wird. Nenn nur 
die Koftbarkeit der Sammlung es geffattete, an viele 
Commiffionäre im nördlichen Deutfchland Probe: 
Abdräde zu verfenden: fo würde die Beſchauung 
ſelbſt jedes empfehlende Wort völlig überfläjfig machen, 

Moch bemerfen wir, dab außer diefen lavirten 
Blättern nach Molitor, auch Haldemarng ned zwei 
fraft: und effectvolle große Blaͤtter nach Meoliter, 
die Erraße über den Arlberg und die Mieninger: 
Gebirge im Tirolifhen Ober: Innthale, (jedes 5 Kehl, 
lavirt 7 Rthl. 12 Gr.) gleichfalls im Verlage des 
Miener Kunfl: Comptoirs geliefert bat, die fo wenig 
als das dritte Haldewangifche Aquatinte: Blatt nach 
Wehle, der Tempel des Sylvan benannt, auch in 
diefem Verlage, Liebbabern unbekannt bleiben dürfen. 


(Die Fortfehung folgt.) 


Erinnerungen aus den verfloffenen Kriege. 
(Fortſehung von Nr. 115.) 
Fünfter Brief. Nov 1795. 


Indeſſen man befländig von den unäberwindlichen 
tinien fprad, wodurd Mainz; von Zeiten der blofis 
renden Franzoſen eingefhleffen war, wurden die 
Franzofen aus den Main: und Lahngegenden zuräd: 
gedrängt, bei Heidelberg überfallen und nach einem 
wuͤthenden Gefechte auf Mannheim zuruͤckgeworfen. 
Thut nichte, fagten die Kepublifaner, der Winter ift 
vor der Thüre, wir haben alfo auf dem linfen Ufer 
gute und ruhige Minterguartiere, und Mannheim 
fihert uns einen feflen Fuß auf dem rechten! — 
Micht alfo! es ſollte noch viel Blur fließen, und 
großes Clend verbreitet werden! 

Eeit acht Tagen börte man eine fonderbare, 
dumpfe age von Retirade aus den Linien vor 
Mainz, juverläßige Leute wollten forar bei Franjoͤſi⸗ 
fen Generalen fchriftliche Difpofitionen von ganz 
fonderbarer, jmeideutiger Art gefeben haben. — 
Doch, wer fonnte glauben, daß fo leicht Merfchan: 
jungen verlaffen würden, von deren Unbezwingbar: 
feit man befiändig pralte? — An manden Orten 
wurde verboten von Metirade zu reden... ds 
wurde ſchweres Geſchuͤtz von Mainz zuruͤckgebracht, — 
aber bald wieder dahin geführt. 

Auch ich war ganz ruhig; machte Pläne zur 
Ruͤckreiſe nach Haufe, wohin mich des folgenden Ta: 
ges mein Echmager begleiten wollte. Diefer mar 
aber, weil er nichts beforgte, auf der Jagd, (Mach: 
mittags 28. Oktober 1795.) als plögli das in un: 


* 


ferm Dorfe liegende Depot aufpadte und retirirte. 
Das ſchien bedenflih; man frrach von Küdfjug; wir 
glaubtens nicht; nun fommt auch der Schwager rein 
ausgepländert von der Jagd zuräd; ibm felgen bald 
Flüchtlinge aus dem benachbar:en Staͤdtchen, welche 
als Demokraten, ſich den Liebkoſungen der Rothmaͤn— 
tel (Panduren) nicht auefegen durften... Da mein 
braver Echwager in dem nämlichen falle war, fo 
gefellte er ſich zu ihnen, und überließ mir Amt und 
Frau und Kinder. — So zoq der Water von dan: 
nen, ohne zu wiſſen ob, wie, und wann? er bie 
einigen wieder fehen wuͤrde. Don ferne ſchon fah 
man die fliehenden Horden heran ziehen, ſchon 
wurde an dem einen Ende des Dorfes von den 
wuͤthenden franzofen geplündert, indeß der Vater 
mit ſchwerem Herzen die Eeinigen verlief, um ſich 
ihnen zu erhalten. 


Welcher fehnelle Uebergang! Bor einer Etunde 
faßen mir noch vergnöge zu Tifche; dann fam Schlag 
auf Echlag, eine Echredenspoft, ein Unfall, ein herz 
jerreißendes Echaufpiel auf das andere, 


Die Franzöflichen Finien bei Main; waren wirf: 
lich diefen Morgen vor Tagesanbruch vom General, 
Grafen Clairfait angegriffen, überwältigt und die 
ganze Franz. Armee auseinander gefprengt worden, 
Sie war fo ins Laufen gerathen, daß man bei ung, 
5 Meilen von Mainz, auf allen Wegen die Klücht: 
linge des Nahmittags (don Truppmeis ziehen ſah. — 
Mur einzelne Porten hatten ſich bras gehalten; die 
meiften waren fohimpflih geflohen. Die Eoldaten 
ſchricen laut, ihre Anführer feien Verraͤther. (Dies 
machten damals manche Kleine Umftände wahrfchein: 
lich, und iſt es jekt noch mehr, da man weiß, daß 
Pichegrä der die Armee commanbirte, damals grade 
mit den Franzöfifhen Prinzen in geheimen Unter: 
bandlungen ftand.) 


Doch mir Fehren wieder zum Dörfchen zuruͤck! — 
Da wurde alfo ſchon von einzelnen Ausieiffern ge 
plündert; niemand wagte es zu mwiderfiehen; eine der 
erfien Beuten war die Gemeindekaſſe, die ein Chaffeur 
aus einem Kaufe holte, in welchem er öfters bewir⸗ 
tbet worden war. Mir verftefen nichts, weil wir 
boffen, daß alles ſchnell vorübergehend ſey und bie 
Ruhe bald wieder hergeſtellt werde. Ein jüngerer 
Bruder, mein Neifegefährte, geht fogar auf, um zu 
fehen, was vorfällt; bald fehen wir ihm zurüd laufen, 
mir biutendem Kopfe, ein Bolonrär mit aufgebobnem 
Saͤbel hinter ihm drein. Wir nehmen ihn auf und 
verfehliegen dem wuͤthenden Eoldaten die Thüre vor 
der Naſe; er verfucht vergeblich einzudringen, und 


gebt weiter. Der junge Higfopf war dem VBolontair *) 
begegnet, der feine Echuhe in Requifition feßte, und 
foaleich anfing die Bänder davon aufjubinden. Un: 
willig ſtieß er ihn zurüd; dieſer fahte ihn beym 
Hodkragen, und wie einft Joſeph der Keufchheitsräu: 
berin den Rock in den Händen ließ, und floh, fo 
ließ der Higfopf dem Schuhraͤuber den abgeriffenen 
Kragen in den Händen, und floh mit einem Eäbek 
bieb gezeichnet, ver wirtblichen Heimath zu. Ich 
beiwunderte bier und bei vielen folgenden @elegen: 
beiten die Kefignation, die Ruhe, der guten, duldenden, 
tiefempfindenden Hausmutter; fie, die eben fich vom 
Gatten getrennt, und einen weinenden Saͤugling auf 
dem Echoofe hatte, wufh dem Bruder die Wunde 
auf, ſchor ihm das Haarum diefelbe ab und verband ihn, 
Indeſſen wurde der Lärm immer größer; im 
ganien Doife wurde geplündert; mir "verfchloffen 
Thür und Thor und Fenfier, in der Hoffnung, dem, 
wie wir glaubten, ſchnell voräber eilenden Sturme 
dadurch zu entgehen. — Als es etwas rubiger 
draußen war, wurde die Magd ausgefchidt um Waſſer 
zu holen; indem wir dazu die Thüre dffneten, toren 
a Chaſſeurs herein, Ihre gute Miene ſprach für 
ie; ich nahm Nie freundickaftlih auf; fie bitrugen 
ſich ſehr brav und leiſteten uns manden Dienjt. 
Sie empfahten uns, alles zu verfieden, weil das 
Pluͤndern und Raſen fobald noch Fein Ende nehmen 
würde, Ach hatte bereits, durch das Beiſpiel mei: 
nes Bruders gewarnt, die fehönen Halliſchen Etie: 
fel bei Geite gebrasht, welche Meiſter Heinrich fich 
theuer genug batte bezahlen laffen, und machte in 
bloßen Aüfen die Honneurs. Kaum bemerfte das 
der eine unferer Gaͤñe, als er ein Paar Schuhe aus 
feinem Mantelſack hervor holte, und mir fie anbot. 
Die Nacht war fuͤrchterlich! — Das Gefchrei ges 
mißbandelter und beraubter Menſchen, mitunter Slins 
tenſchuͤſſe, das Einfchlagen der Thüren und Feniter, 
machten mit dem Eturme und Regen eine graufende 
Disharmenie. Ueberall war Motb, und nirgends 
durfte man zu belfen wagen, jeder war in feinem 
Kaufe, wie in einer belagerten (oft ſchon eroberten) 
Feſtung, auf ſich ſelbſt eingeſchraͤnkt. — Sehr oft 
kamen Haufen vor unfer Haus, und verſuchten unter 
Tolın und Yärmen die wehlverrammelte Thäre eins 
zuſchlagen. Sch fluchte und lärnıte mit meinen 
Gärten wieder, und feuchte fie öfters fort, durch 
das Zauberwort: Sacr& nom de Dieu, ne savez - 
vous pas, —* le General loge ici. Einige Mal 
hieben die hraven Chaſſeurs mit ihren Gäbeln zu 
dem der Thuͤre am nächften befindlichen Kenfter bins 
aus; am Schießen verhinderte ich fie durch meine 
Bitten. — Kin Theil des Lazarethe fam an und 
wurde noch vor Tage weiter gebracht. Die Plündes 
rer durchſuchten ſyſtematiſch mit Lichtern die Haͤuſer, 
und zerſtoͤrten und zerſchlugen alles mas fie nicht 
mirnehmen fonnten, — Bergebens baten wir unfere 





+) Aus Volontars oder Nationalgarden, beiland damals faſt 
bie ganze Infanterie. Tenenuung und Einrichtung find ſchon 
langt wisder aus der Gran. Armee verſchwunden. 


— 80 — 


braven Chaſſeurs noch bei uns zu bleiben; auch ſie 
ritten noch vor Tageranbruch weiter, und gaben ung beim 
Abfchied ncch einmal den Kath alles — zu verſtecken. 


Wohin zogen die beiden Chaſſeurs? Gerade nach 
ihrem Vaterlande und Aufenthaltsorte, ſo wie dieſe 
gonze Armee von Ausreißern, melde die allgemeine 
Unordnung benußten und vermehrten, um bepadt mit 
geraubtem Gute, nach der langerfehnten Heimath zus 
rüdjufehren, mohin fdon cine Menge Deferteurs 
vorausgegangen war, — Gebr vielen mißglüdte die: 
fer Plan; fie wurden an der Grenze aufgefangen, 
das geraubte Gut wurde ihnen abgenommen, (menn 
fi) die Cigenthaͤmer fanden, diefen aurbdgegeben) 
und fie felbit mach der Armee zuruͤckgeſchickt. 


Als unfere beiden Befchliker ſich entfernt hatten, 
machten mir uns mit doppelten Eifer an das Ver: 
fteden; doch trauten wir dabei den Kriegern der 
vchen Nation noch zu vie. — Melche Wertigkeit 
Fhrigens die Yeute in der Gegend im Verſtechen er: 
langt baten, dayon kannſt Du Dir feine dee machen; 
oft verfallen fir dabei auf die drolliaften Einfälle, 
Aber noch weit finnreicher find die Franzofen im 
Auffinden des Verborgenen, Lin junger Bauer hatte 
fein Geld in ein Bogelneft auf einem Baume verbor: 
gen, ein anderer unter den äͤußerſten Dachfparren ; 
die erfinterifchen Franzmaͤnner fanden ed. Die 
Bauern in Zaren einem Dorfe bei Lautern, hatten 
ihre beſten Sachen in eine Felfenkiuft verfenkt, Steine 
vor den Eingang gewälzt und diefe mit Moos belegt, 
vergeblich! Der Echak wurde gehoben, — Andere 
vergruben ihre Habe in Eärgen auf dem Gottes: 


acker; als die Franıofen es merften, waren auch bie 
im Schooße der allgemeinen Mutter Rubenden nicht 
mehr ſicher. — Eine arme Frau hette in der Angſt 
ihres Herzens ihrem einigen matten und magern 
Kuͤhchen die Beine gufammen gebunden, es in bie 
Beitſtelle gelegt und mit der Bettung jugededt. Die 
Frangmänner fanden im Bett, was fie da nicht ger 
fucht hätten, lachten und ließen der rau ihr Fleines 
Eigenthum. — Dur einen lufligen Einfall, oder 
durch etwas das ihnen brollig vorfam, fonnte man 
viel bei ibnen erlangen, — Nur Echade, daß fuflige 
oder drollige Ginfälle gewöhnlich unter diefen Um: 
ftänden zulegt kommen, — 

Wie vieie Öreuel wurden nicht in dieſer einzigen 
Nacht in unfrer Gegend begangen! Das Pluͤndern 
und Zerfiören iſt Kleinigkeit; die Mißbandlungen, 
welche ich nieht nennen may, miderfuhren felbit be 
tagten Martronen; oft diefen vorzugsweiſe; ein Uns 
tbier ſtilte feine Luft an einem jungen blühenden 
Mädchen, und mordete nachher barbarifch die meis 
nende Gekraͤnkte. Ein reformirter Prediger wurde 
in feinem Zimmer erfhoffen ; einen katheliſchen Par 
for traf zugleich mit feiner. Köchin die nehmliche 
Kugel; ein Vater von vier Kindern wurde vor feinen 
Haufe gemordet; ein anderer Mater mit feinem ohne 
verwundet. — Doch mozu ein Regiſter von Schandtha⸗ 
ten, die den Deutſchen erbittern, den Franzeſen ſelbſt 
kraͤnken? — War doch auch mancher höchff edle Diann 
unter den Kranzofen, der größeres Elend oft mit Ge 
fahr, ſelbſt mit Derluft feines Lebens abwandte, Euch 
ihr boden, edlen Maͤnner will ich nicht kraͤnken. 

(Die Fortfehung folgt.) 





KRiht-politifhe Zeitung. 


Theater: Nachricht aus Breslau. 


den 21. Nuly, 18904. 

D. folgenden Darſtellungen von Kran. und Madame Nofe 
auf unferer Bühne, gewannen ein höheres Intereſſe, als die ers 
Reren ; fie eigneten fich mehr Ber Natur an, die dieſem Kun 
lervaar Kräfte verlieh, Man kann mit Recht behaupten, das 
Soiel der Mad. Rose in naiven, berjlichen, gutmithiaen und 
tomiſchen Rollen bebt fich weit über Das, was fie im Zragir 
fen leiſtet, zeigt ein vollommeneres Talent, Sie ift da, wie 
u Haufe, — nicht erfimmmar, nicht itppig in malender Aus⸗ 
zeichnung, midıt hiniirebend mit hödıtem Aufwand; — rein, 
wahrer, freier, ſeſter, wender ſich ihr Talent in überraſchend 
fchowem Kusdend, zum Zieie des Natutlichen, sur Vollendung 
der Charaktere. Auch bei ibrem Barren in dies der Fall, frei: 
kb auf eine andre War, ie ſympathiſiren beide in (ir 
nem, — Naivbetat umd naturlicher Walrbeit, — Ms Mira 
&tuart gefiel mir Mar, Horse miche ſehrz ich babe Mad. Unel⸗ 
mann geſchen? — Als Terra in den Huſſtten — bei; aber 
die thut zu viel Fir dieſen zarten weiblichen Charatter. Nur 
wand, Prunt in dem unaur,orlicden Ausmalen benemmt der 
Note das boide Naturtliche, and Word lichtes, zartaaiendes 
Welb, — einfach und ward duldend, — erſcheint zulent wie cine — 
jammernde Drinzefim Unfere Dad. Julius, eine jungs, brave 
Kirmftiorım, Nette he — meines Veduntens — beſſer bar, keit 
ner geiz miche das Aufſtreben mit allen Kraften, nicht das 
Ausarkerten alır Riamzen, die ruhige, Wire, gefiiblvene 
Haltung eunes tief und Mill leidenden Shutterherjens, mit inmis 
ger Zarllichtelt, mit zarten, nur im ſich ſeibſt arbeitenden Ger 
fipien des bohren Samerzes, berilide, rübhrende, nicht hobe 
tragiſche, eridütternde Dellamation, bezeichnen Berta Cha— 


Nro. g. 


rafter richtiger. Mad. Julius entlofte mir Thränen, Mab, 
Noſe ri mid bitter emvert hin im den Jammer, und ic bin 
itterieuat. hatte unfer Julius nicht ein zu monotoniſches Svrach⸗ 
orzan, Inte fie die Modulation der Stimme in der Gewalt, wie 
Map. Hofe, Ihre Bertha wurde durchaus fir bie gelungenere erkaunt. 

Die Krome des Talents der Mad. Kofe — im fo weit wir 
es in ven waar Gañtrollen kennen lernen konnten, — bleibt das 
gegen ihre Eule im Echloh Fimburg und — unibertrenlih — 
ihre Frau Roſe im Perukenſtock. — Es ift eine Fulle von Ye: 
bir, von Wobllaut, von Wahrheit, Naivetat, Welte- und 
Menidentenntnig, Schoͤnheit und Unſchuld, eine Kran im 
dieica ihren Darf Human, die alle Bewunderung, alle 
Sichtung, alt Das Lob, das man laut sofite, verdienen. — 
Diese Woche haben uns Herr und Mad, Roſe wieder veriifen, 
Sie nehmen die Achtung des Puhlitums und die Freundſchaft 
mancher edlen Seele — ſchon erworben — mit, 

Jehzt haben wir die Oper Tirus und Schiltere Wilberm 
Zell su erwarten. Alles iſt gewannt auf letztern, zumal ihr 
Berliner fo widerioredende Meinungen daruber Auf.rt, wie 
no ſelten ter ein Schillerſches Produtt. Es herriſchen bier 
weniger gelehrte Faktienen, vielleicht gewinnen wie im Urtheil 
und Beifall die — Mittel ſraße, und, — wie une Aelter⸗ 
vater meinten, — iſt die nicht zu verachten. f. 


Vetersburg. 


Di: prächtige Marmorkirdie, am welder Catharina bie Zweite 
find und zwanzig Jahr baue Tieh, ebne dau fie ferrig murde, 
and die Kaifer Paul mie Ziegelſteinen vollenden lieij, ſolt jetzt 
nad dem erſten, pradptigen Model in Marmor aufgeriker 
werden. 





1804 





Nro, 151. 


Der Treimüthige 


Montag ’ — — 


Ermn ſt 


d 
Ueber das Trauerfpiel, 
Bon Friedrich Kbppen. 

u (ort feh ung.) 
nfre moderne Aeſthetik will freilich von der Wahr: 
beit nichts wiffen, fondern die ganze Wirkung des 
Kunftprodufts foll hervorgehen, aus bioßer Geftalt 
und Form, ja die Wahrheit felbft ift ihr nichts, als 
eine ausgeblafene Geſtalt. Kein VBelonderes, fein 
individuelles fell in einem Kunſtwerk ericheinen, 
fondern nur das Allgemeine; man glaubt durch die: 
fen Grundfag die Empfindung des Künfllers von 
allen Echranfen zu befreien, und ihr die hoͤchſte 
Freiheit in dem mannigfaltigften Spiele zu ertheilen. 
Um nicht die blos gemeine empirifche Natur zum 
böchften Gegenſtande der Kunſt zu machen, verbannt 
man überhaupt jede treue und richtige Darftellung 
der Matur; um die Ideen berrfcben zu laffen in der 
Einnenwelt, will man überhaupt jede Gemeinfchaft 
wifchen beiden aufheben, Allein, fo gewiß der 
Genf durch feine aufrechte Etellung mit feinem 
Blick nicht gefejfelt ift an die Erde, daß er hinauf: 
fhaue in die unermeßlihe Weite des Himmels: fo 
gewiß muß er doch getragen werden von dem Boden, 
auf welchem er fich fortbemegt. Flügel find ihm 
verfagt, die bloße Luft ift nicht fein Element. Durch 
eine Darftellung irdifcher Gegenftände nach dem Vo: 
gelblick, würde niemand im Stande ſeyn, diefe Ger 
genftände zu erfennen. Ueberdem üft Feine Geſtalt 
noch Form denkbar, ohne eine Individualitaͤt, der 
diefelbe angehört. Der bildende Künftier mag die 
menſchliche Geftalt noch fo koloſſal darſtellen, es müf: 
* ſtets die Proportionen ber einzelnen Theile blei— 
n, mit welchen der natürliche Körper erſcheint. 
Der Dichter mag feine Empfindungen und Gedan— 
ken noch fo fehr erhöhen und verſtaͤrlen, fo wird 


ober 


vwnd 





— — den 30. July, 


Sdher,% 


doch ihre Folge und ihr Verhältniß zu einander eine 
Aebnlichkeit, mit der Art und Weiſe nicht verläugnen 
bürfen, wie der denfende und empfintende Menſch 
fih im Leben zeigt. Sobald Überhaupt eine beftimmte 
Form in ber Kunft hervortritt, wird diefe Form ins 
dividuell ſeyn, das Falſche und Wahre derfeiben wird 
ſich dadurch erkennen laffen, ob ihr in der Wirklich 
feit ein Urbild zum Grunde liegt, oder ob fie den Urs 
bildern der Natur widerfpricht. 

Leichter wird die Auffindung des Richtigen und 
Unrichtigen in den Darftellungen für den Einn des 
Geſichts, weil fih das richtige Verhältniß der Theile 
zum Ganzen durch ein Wach am leichteſten beftim: 
men, und dur unmittelbare Vergleichungen mit der 
Natur am ficherften entſcheiden läst. Obne Schule, 
ohne Kenntniß der einzelnen Theile des menfchlichen 
Körpers und ihrer Verbältniffe, kann weder der Da: 
ler noch der Bildhauer etwas Grträgliches bervors 
bringen ; jeder Zeishnungsfehler läßt fih vollfommen 
anfhaulich machen. — In der Muſik giebt es gemiife 
Grundregeln der Fortfchreitung, die in der Natur 
der Töne felbft gegründet find; ihre Beobachtung ift 
nothwendig, was außer denfelben liegt, bleibe wegen 
der unbeflimmten Darftellung durch Töne, auch un: 
beftimmbarer für das Urtheil, und erfüllt feinen 
Zwed, wenn es Cindruck auf den Hörer macht. — In 
der Dichtfunft leitet feine Schule den Kuͤnſtler; nur 
analogiſch, nicht mit vollkommner Evidenz lajfen fich 
gewiſſe —— geben; nicht der Gedankengang, nicht 
die Darſtellung ſelbſt, fondern nur Metrik und aͤußere 
Form werden von ſinnlichem Maaß und Tackt ber 
vu t. Mangelt deswegen der Poeſie ihr inneres 

Raafı und ihre innere Ordnung? Gemwißi nicht, aber 
fie find das Maaß und die Ordnung der inwendig— 
fen Seele, welche fih nur der Seele bewähren, nicht 
vor die Sinne bringen, und durch Zablenverhält 


— 52 — 


niffe beſtimmen laſſen. Darum werden auch alle 


andere Künjte ausgebildet in der Zeit, erleben ein 


Kindesalter und ein Alter der Vollendung; die Dichts 
kunſt iſt ermwachfen, und vollendet von Geburt an, 
alle Veränderungen der Jahrhunderte verändern bios 
die äußere Form, nicht den innern Gehalt. Je mer 
niger die Vollfommenpheit der Poefie ſich allmalig 
ausbildet und durch Mühe und Anmweifung erreicht 
wird, deſto leichter wird gegen ihr inneres Geſetz ges 
fündigt; je flärfer fie den unfichtbaren Geift des 
Menichen in Anfpruch nimmt, deſto fchwerer laffen 
fih Fehler und Vorzuͤge, Werth und Unwerth eines 
Dichterwerfs Ar Anſchaulichkeit bringen. Aber das 
Madre und Schoͤne felbft, muß fi ewig von dem 
Falſchen und Verzerrten unterfcheiden, 

Die verfchiedenen Formen der Dichtkunſt, welche 
ſchon feit den aͤlteſten Zeiten befanden, entfpringen 
aus der Unmöglichkeit, daß der Dichter mit einems 
male feine ganze Welt, fammt allen einzelnen Ders 
Änderungen darſtelle. Die Erzählung des Epifchen 
Dichters, fucht dem Hörer die verfchiedenen Schi: 
faale eines Helden, feine Gedanfen und Empfinduns 
gen darzuftellen, aber er macht häufig durch eine Reihe 
von Gemälden nur anfhaulich, was in dem eben 
felbft ſich mit einemmale ereignet, Die Begeiſte— 
rung des Igrifhen Dichters fchildert einzelne Dos 
mente der —— und der Leidenfchaft; aber 
diefe Einzelheiten find immer nur Theile des Ganzen, 
in welchem der Menich fich bewegt. Ein vollſtaͤndi⸗— 
geres Werk, als diefe beiden Dichtungsarten, bringt 
die dramatifche Kunft heroor; die lebendigen Geftak 
ten, welche in ihr auftreten, reden und handeln, fiel: 
kon das Bild der irflichfeit nahe vor Augen und 
verftärken den Eindrud der Empfindungen und Ges 
danken, durch die finnliche Erfcheinung der Perſonen, 
denen fie in den Vlund gelegt werden. Das Iyris 
ſche Gedicht, das Cpos und das Drama verhalten 
fi demnach zu einander, wie Empfindung, Ges 
febichte, und Darftellung der Begebenbeit ſelbſt. Be 
gebenheiten der Menſchenwelt werden durch Hand 
lungen bdargeftellt, Handlungen beziehen fih auf 
die Vergangenheit, und find begleitet von gegenwär: 
tiger Empfindung; es find daher weder Empfindung 
noch Gefchichte von dem Drama ausgefchleffen, fons 
dern beide liegen in dem Begriff deffeiben. Es wäre 
demnach in einem Drama nicht ju tadeln, wenn «8 
auch Igrifche und erifhe Schönheiten hätte, nur 
müßte dadurch die lebendige Darftellung der Hands 
kung nicht leiden, und das Gemuͤih nicht, indem es 
bei Berrachtung einzelner Echönheiten vermeilt, den 
Sotaleffeft des Ganzen verlieren. 

An der Tragödie foll ein Ernfihaftes und Großes 
dargeſtellt werden, das Retzende und Gefällige fol 
weniger den Geift feſſeln, als das Erhabene und Ge 
waltige zur Bewunderung binreißen. Bei den Gries 
chen lag ihr hoͤchſter Ernft, und die erhabenfte Ges 
malt in den Gbtierverwondten Helden, und Men: 
fhenverwandten Göttern der Fabelwelt; darum find 
alle ihre tragifchen Kunfiwerfe hervorgegangen aus 
der Tradition und dem Glanben des Dolkes. In 
der Gezenwart war alles Flein und unbedeutend, ver: 
glichen mit jenen großen Öeflalten eines Vorgeſchlechts, 
die Liebe und der Haß diefes Geſchlechts war größer, 


das Menfchliche in ihm hatte eine Foloffale Geſtalt, 
und die Norte vom Kothurn gefprochen,, tönten ers 
habner und auferorbentlicher. Den fpätern Natio⸗ 
nen iſt dieſe Fabelwelt untergegangen, Durch die Der: 
ehrung eines unfichtbaren Gottes kann die göttliche 

raft nicht mebr fichtbar perfonificirt auf der Bühne 
erſchelnen; gemöhnlihe Menſchen find es, die auf 
treten, fie erhöhen nicht mehr ihre Geſtalt durch den 
Kotburn, rühmen ſich feiner auferordentlichen Kraft, 
ausgenommen etwa halbfabelhafte Ritter, denen nach 
der Gage ein ungemöhnlices Maaß der Tapferfeit 
und der Macht zufömmt. Daraus ergiebt fich ein 
weſentlicher Unterfchied der alten und neuen Tra— 
gödie. jene nimmt feinen geringen Theil der Ge 
mwalt aus der dur die Imagination des Volkes 
über das gewöhnliche Leben binausgehobenen He— 
roenwelt; diefe fann ihre Kraft und Wuͤrde einzig 
aus dem wirklichen Leben und feinen Ummandluns 
gen entlehnen. 


Aus der näheren Betrachtung diefes Hauptum 
terfchiedes der alten und neuen Tragödie, erhellt ihr 
beiderfeitiger durchaus verfihiedener Charakter in 
Zweck und Behandlungsart. Darin freilich mäffen 
beide fi gleich feyn, daß ihnen ein individuelles 
menfhlihes Leben zum Grunde liegt. Der Eins 
wurf, daß die —— und fabelhaften Hel⸗ 
den nicht in der Sphaͤre des menſchlichen Lebens 
vorhanden find, alſo auch eine andre als die menſch⸗ 
lihe Individualitaͤt darftellen, bat manches Schein⸗ 
bare; aber verſchwindet gänzlich bei genauer Anſicht. 
Haben je die Dichter des Alterthums ihre Götter 
anders, als mit menſchlichen Leidenſchaften, menichlk 
—* Freude und menſchlichem Schmerz dargeſtellt? 

ind ihre groͤßten Helden weniger unterworfen, den 
Beduͤrfniſſen und Schwaͤchen der menſchlichen Ratur, 
als jeder andre Erdenſohn? Aeußern ſich nicht ihre 
Liebe und ihr Haß mitten unter menſchlichen Um— 
ebungen auf menſchlich Individuelle Weiſe? An dem 
Dromaipına des Aeſchylus iſt Zeus ein beleidigter 
Tprann, der die ihm mißfällige That der Entwene 
dung des Feuers, auf die bärtefte Weiſe beftraſt. 
Hefaiſtos und Krates find die Diener feines firens 
gen Willens; jener fühle Mitleid für den Prome— 
iheus, diefer iſt fühllos und fpottet noch des Gebeug⸗ 
ten. Theilnehmende Freundſchaft äußert der Chor 
der Dfraniden, Dfeanos ertheilt Flugen Kath und 
fucht zu peifen, Jo it durch ihr ungiädliches Schick⸗ 
fal dem Yeidenden verwandt, Hermes ift der liſtige 
Dertraute des Tyrannen, und will von dem Giefefs 
felten ein prophetiſches Wort der Zufunft erforfchen ; 
Prometheus ſelbſt endlich zeigt die unbiegfame Feſtig⸗ 
feit des Mannes, der im Gefühl ungerecht erdulderen 
Schmerzes, fih über denfelben zu erheben weiß; ſich 
zu feiner ſchwachen Klage binreißen läft, wenn ihm 
auch ein Laut des Wehes entführt; deſſen moralifche 
Kraft weit erhaben ift, über allen phoſiſchen Zwang; 
deſſen Mille jtärker iſt, als die Macht der Feſſein. 
Begabt mit Weiſſagung, entdedt er der gebeugten, 
leidenden Jo ihr kuͤnſtiges Schickſal, nicht dem 
Torannen das Keine, obgleich diefer im Fall des 
Ungehorfams die Qualen zu verdoppeln droht. Man 
entferne von diefer Darftellung die Äußere Erfcheis 
nung der Göttergeftalten, das Fluͤgelrauſchen der 


Dfeaniden, den Dogel, auf welchem Dfeanos durch 
die Luft fährt, die Art der Etrafe, welche nur ein 
Unjterblicher zu tragen vermag; und es bleiben menfch: 
lihe Verhaͤltniſſe übrig, menſchliche Empfindungen, 
meiche fih auch in der wirklichen Welt finden, und 
im Helden des Stuͤckes eine anfchauliche Darftellung 
des Fakes: daß die geiftige Kraft des Menfchen, 
als das Erſte in ihm, zu befiegen vermöge jedes 
Leiden und jeden Echmerz, dem die Schwaͤche feiner 
phyſiſchen Notur unterliegt. 
(Die Fortſehung folgt.) 


Morgenländifche Kampfſpiele an einem Tür 
fischen Feſttage, zu Conftantinopel. *) 


8 ift Freitag, der gewöhnliche Sabath der Miu: 
eg Trunfen von befeeligenden Genuͤſſen, has 
en die Reichen und Vornehmen der Hauptſtadt in 
ihren prunfenden Harems, in den weichen Armen 
ihrer auderwählten, reigenden Schoͤnen die Nacht 
durchträumt, und nicht minder befriedigt die Her: 
mern in ihren Hütten von Holz und Leimen, den 
Geboten der Liebe gebuldigt: denn fo will es das 
Geſctz des Propheten, Aurora’s Purpurftralen ru: 
fen alle von den Divans auf, mögen diefe nun mit 
Gold» und Geidenjtoffen, oder mit Strohmatten be 
der feon, und feierlicher und lauter, als an den 
Werktagen, tönen von allen Eden und Enden ber 
Stadtviertel die Etimmen der Vluejems von den 
Minareten aller Diibamien, Moſcheen und Kapellen, 
herab. Die Etunde des feſtlichen Fruͤhgebets iſt da, 
und der unnennbare Großherrſcher aller Dinge und 
Weſen, foll ſchon in jenen Momenten gepriefen wer: 
den, wo er die erſten Echimmer des freundlichen 
Viorgenrotbs, dem blauen, ätherreinen Himmelsge— 
— entfließen laͤßt, und dadurch neues, friſches 
eben 
beginnt. Aber kann es auch wohl eine feierlichere 
und für fromme Herzensergleßungen, föftlichere 
Etunde geben, als diefe? 

Ich wandele den zu den Gebethäufern fich hin⸗ 
woͤlzenden Schaaren nicht nach: denn einem Ungläus 
bigen ift dies verfagt ; aber hierin bin ich auch ganz 
von der Gefte der Merfifchen und Hindeflanifhes 
Suebern: warum muß man denn die Gottheit grade 
in Tempeln verehren? Iſt nicht der ganze Erdball für 
den Tugendhaften ein unendlicher Tempel feiner uns 
erforfplichen Majeftät? — Dafür unternehme ich 
lieber hier in Dielen Fruͤhſtunden einen Gang ins 
Freie, und fehe, bart am fülberhellen Meere, neben 
duftenden Aupreffen gelagert, wie die prächtigen, le: 
bendigen Geſtade, Wohigeruͤche fat ſichtbar in zit: 
ternden Morgenmwölkchen mir entgegenweben, und die 
erg or Wellen vor mir das blendende, eben 
dem Rande des gefärbten Horizonts entiteigende Bild 
der — umgeben von Millionen Feuer: 
funfen und Strahlen, zu mir berantragen, 

Die Neubegier plagt mich zu fehen, ob es in 
Eonftantinopel, an einem Feiertage der berrfchenden 
Deligionepartei eben fo hergehe, wie in Wien, oder 
Paris. Ah raffe mich auf und trete in die nächte 

"aus dem mod ungedeutten vierien Vande des Gemal⸗ 
des von Confantimopel, v FJriedrich Murs 
hard, deſſen Erſcheinung man bald entgegen ficht, 


über alle feine irrdifche Kreaturen auszuglchen 


Straße ein. Mein Xuge biidt nur auf Menfchen: 
gemühle, die Buden find offen, die Gewölbe ange: 
füllt, wie gemöhnlih, aus den offenftehenden Fen: 
fterladen, fallen mir Töne von Handwerks zeugen 
und Arbeiten aller Art entgegen, Käufer und Ver: 
fäufer umgeben mich überall, die mannigfaltigften 
Menfhenfiimmen durchfreugen fih, wie an andern 
Tagen. Tauſende von Pferden, Efeln und Kamee⸗ 
len machen das Gedraͤnge, fo wie das Getöfe voll: 
fommen, ch gelange zu einer Anhöhe, von wo ich 
den Hafen und einen Theil des Kanals Üüberfchauen 
fann: die fpiegelhelle Fläche des Meeres ift immer 
mit- Echiffen und Echiffchen bededt, und wohin ich 
mein Geſicht wende, allenthalben thätige Menfchen: 
gap. Iſt tenn wirklich heute ein Feiertag der 
uͤrken?“ — frage ich betaubt und in Gedanken eis 
nen voräberreitenden Öriechifchen Saflträger, der mit 
feinem Gieftell_ auf dem Ruͤcken, eben jwifchen mir 
und einem ſchaͤumenden Kameele ſich hindurchwand. 
Er blickte mich an, lächelte und verſchwand. „Wie kommt 
es,“ rede ich einen Armenier an, der einen mäch 
—* Geldſack mit beiden Haͤnden auf der Schulter 
felthielt, und mit gefrümmtem Körper mitten durch 
die Menge geſchickt zu fehlüpfen im Begriff war, 
„roie konmt es, dab an einem Türkifchen Feiertage 
alle Arten von Arbeiten erlaubt find?" — „NEas 
gehen ung die Türfifchen Feiertage an?" antwortete 
er barfch und in einem Augenblick ift er mir aus 
den Augen. Ich befinne mich endlich und errathe, 
* 9 Erfahrung mich nach der Hand noch beſſer 
elehrt bat. 
In Konſtantinopel wohnen Hunderttauſende von 
Ehriften, neben Hunderttauſenden von Muſeimaͤnnern, 
andere Neligionsfchismen nicht einmal zu gedenken, 
und religibſe Duldung iſt eine Hauptregel im Koder 
ber Türkifden Geſetze. Jede Religionspartet bat ihre 
eigenen Feſttage, an denen fie den gemeinfchaftlichen 
Gott ungeftört verehrt, und fih um die andern nicht 
S befümmern braucht; aber eben, weil jede einzelne 
eligionspartei an und für ſich fo zahlreich ift, daß 
fie an Menſchenmenge der Benölferuug einer großen 
Stadt gleich kommt, muß es auch geſchehen, daß 
fters eine ungeheure Anzahl von Einwohnern Werk: 
tag bat, während dem eine andere mit religiofen 
Feierlichkeiten ſich beſchaͤftigt. Daher bietet Conftans 
tinopel nie und zu feiner Zeit die feftliche Stille dar, 
welche wir in den großen Staͤdten der Chriftenheit 
benierfen, fo oft ein gottesdienftlicher Tag eintritt; 
bier ſieht man nie eine Störung in der Thaͤtigkeit 
und Betriebſamkeit der Menfchen, und Freitags wie 
Sonntags, find die Etraßen und Plaͤtze, die Baſars 
und die Sewötbereihen angefült, und während ein 
Theil der Bewohner feine Etunden dem Himmel 
weiber, ift immerdar ein anderer, eben fo großer be 
fhäftige, den zunächflliegenden irrdifhen Zwecken 
Hr elbſt die Deufelmänner bringen ine 
dejjen die Freitage nicht fo gewiſſenhaft unthärig zu, 
als ein großer Theil der Chriſten feine Eonntage, 
Nur vorzüglih fremme Türfen enthalten ficy aller 
Arbeiten an ihren gefeierten Feſten, und nur ein Blei: 
ner Theil der — hält die Buden auf dem 
Vafar den ganzen Tag Über verfchlojfen. Uebrigens 
find die Feiertage bei dem Osmann eben fo wie die 
Sonntage bei den Ehriften, vorzügich zu religiöfen 





— 34 — 


Zeremonien und Familienfeſten beſtimmt, und keiner 
derſelben vergeht, woran nicht Hochzeiten und Bes 
ſchneidungen vorfallen, 2 

Einen großen Theil des Tages aber, füllen bei 
den Tuͤrken die Kampfipiele aus, ein hoͤchſt interef: 
fontes Echaufpiel für die Europäer. Ich will es 
verfuchen ‚eine kurze, doch anſchauliche Edhilderung 
davon ju geben, allein vieles — fehr vieles muß ich 
der regen Phantaſie der Leſer überlaffen. 

Die Sſchamien find wieder leer geworden, die 
Imams verfchließen bereits die Pforten. Die 
Wege von der Hauptſtadt nach dem Ofmeidan, — 
fo nennt man in ber Levante einen öffentlichen 
Kampfplatz, — füllen ſich allmälig mit Keitern und 
Fufgangern ; die Straße von Pera noch St Die 
mirri, fielle eine ununterbrochene Ritte von Men: 
(den dar, as die dem ſchoͤnen Geſchlecht gewid⸗ 
meten Fiackers find in Bewegung; die verfchnittenen 
Echmarjen tummeln neben ihnen muthige Roſſe uud 
in ihren bligenden Eäbeln fpiegeln ſich blendend die 
Etralen der Eonne, Grobe Gruppen von Türfins 
nen in geſellſchaftlichen Zirkeln, firomen zu den Thos 
ren der Metropole binaus, und die Hafentichaifen 
find zu Hunderten befchäftigt, diejenigen in ſich auf: 
junehmen, welche an den Geftaden verweilen, um 


ſich Überfegen zu laſſen. Mufelmänner, Chriſten, 
uden, ... Arten ‚ Srieden, Armenier, Franken, 
n der bunteften Wirfung, das ift, was Dein Auge 
allenehalben erblidt, 
ch gelange endlih zum Okmeidan. Es ift ein 
fehr geräumiger Plaß auf einem ebenen Boden, und 
jebt der allgemeine Sammelplatz einer ungeheuren 
Menſchenmenge. Die Gegend it fat ringeum von 
—X heradlaufenden Hügeln umſchloſſen, die, mit 
lühenden Blumen bededt, mie ein bunter Kranz, 
das an Scenen und Figuren fo reiche Bild umfaſſen, 
welches die Ebene den überrafchten Bliden des Bes 
ſchauers darbietet, Cine Menge, fchöner Baumgrup⸗ 
pen erbebe fich über das Gewählt im Thale, und 
von den Anhöhen herab enthüllt die Natur alle na: 
menlofe Meise der Bosporifhen Landfchaft. Das 
Meer fdlängelt fein bebendes, breites Eilberband 
durch die anmurhigen Gegenden der Erde, von Hle 
gen, Gärten und Häufern ohne Ende begränzt. In 
der Ferne prangen blaue waldbewachlene Berge, in 
Eonne: vergoldete Nebel gehällt, über denen fich 
Thürme und Palläfte gleich Anfelchen zu erheben, 
und einen goldenen, ſchwimmenden Arkhipelagus zu 
bilden ſcheinen. 
(Die Fortſetzung folgt,) 


— — —— r———— — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 9. 


Berlin. 
um 28. Jul. 

och immer gehört Schittere Wilhelm Tell, fo oft er auch 
ſchon wiederholt wurde, zu dem Lieblingen bes Publikums und 
ſutit das Haus. Die Darftellung wird ſedesmal, bis in die 
feinten Züge, ausgeführter und vollendeter, umb das Publitum 
hört auf, überall Fehler zu vermutien, wo &didier von feiner 
sewöhnlihen Weile abweicht z es ruht die groien Echönheiten 
des Gtüdes umd erwärmt fich immer mehr daft, — „Die 
Trauer,“ ein (dom altes aber doch beinfligender Nachipiel, das 
man Brzlich aufleben Hei, machte Gluck; ein anderes dagegen, 
ein nenes, der Meine auf hoben Schulen, fiel, obglelch es mel⸗ 
frentleils recht gut gerbielt wurde, — Jetzt ſehen wir einem neuen 
Trauerſpieſe: FJehigena in Aulis,“ entzegen. Der Verfaſſer 
fon, im Ruckſcht der Handlung, weder Eurtrides noch Racine 
aerolzt ſeyn. Man nennt einen hiefinen geſchatzten Gelehrten, 
der mod nie im dramatiichen Fache gearbeitet hat, als Berfafs 
fer. Möge das nur nicht ein unahuftises Voruribeit wider das 
Stüf veranlafen. Ein Publikum, das Pas erite Werk eines 
Ihm verſonlich bekannten Dichters mie Unbefangenheit und offener 
Empranglichteit anficht, iſt eben jo ſelten, als — hochachtungswerth. 





VPoſſelt ſoll fih vorfaplih aus dem Genfer aetürıt baben, 
weil dieier fo fchr verdienſtvolle Deutſche Gelehrte ich mitten im 
Deutichland nicht ſicher Kiel: manche Steluen feiner trefflichen 
Schriften, glaubte er, fönnten auswartigen Seren mißralten Gaben! !t 

Wis Verfaſſer der berühmten Jumius:Briere wird Jet Lord Aſh⸗ 
Burton Öffentlich genannt. Es ericheint eine neue Ausgabe, jo wie auch 
noch eine von Shakeſpears Trauerjpielen, in Heinen wörbentlicen 
Heiten. Diefe Art, große Werke herausisgeben, verdient Nach⸗ 
ahmung. 

Die chemiſche Weiſt des Bleichens der Leinwand hat in Grof⸗ 
brittanlen viel von ihrem Anſehen verloren, da fie Die Leinwand 
oft jerfreffen voll. . 

Der berühmte Joöga arbeitet gegenwärtig am einem Cata- 
logue raisonne der 309 Corhtiſchen Mannicripre in dem Aus 
feum des Cardbinals Borgia. Es laßt Gch eine wichtige Aus 
beute erwartem. (?} 


Der Pabſt Täht das Coliſaum, Die Bozen des Titus und des 
Severus m. f, w. durch Galesreniktaven yon Schutt und um fie, 
ber angchäufter Erde reinigen. Dice Arbeiten ſowohl, ald das " 
Nachzraben bei Ortia, das ſich ſchon fo fehr belohnte, werden von 
Canova geleitet 

Der Numiſche Coflegien« Afetor Pebeden, der eine Reite vom 
Jahren am Hofe des Grofmogul das Amt eines Directeur des 
Spectacles (?) beffeidere, iſt nach Werersburg surlichsetehrt, und 
bat um die Erlaubnih angeſucht, daſelbit eine Kindboftantide 
Druderei amjılegen. Er will die vorzuglichſten Deutichen, Rufe 
fiihren und Framöſiſchen Werte ins Hindoſtauiſche iberfegen umd 
fo in Dfindien verbreiten, 


Der Zeichnunge Meiſter Nette zu Leivig, ber bekannte Hem 
aufgeber der eleganten Strick und Stick Muſter, iſt, auf yelm 
Anſuchen zum — Tedtengräber; Poren befördert worden. — 
(Bemerkung. Das Erefgniß ficht drotliger aus, als es wirt 
lich iſt. Das Todtengeabers Amt bringt weit über 1000 Thaler 
ein und If zu Beinsig, wie im den meiſten Reichstadten, eine 
Sıne = cure,—— nicht etwa, weil Die Pripziger unſterblich find, ſon⸗ 
dern meil der Befiger deſſelben ja eben nicht nothig bat, die Gras 
ber in Verfon zu madıen, Sein Knecht, ber ihm vielleicht kaum 
150 Thaler koſtet, thut es.) 

Die Schauſoleler Geſellſchaft in Frankfurt am Mayn hat ihr 
Yubtitum in wicht geringes Schrecken geſetzt. Ele bat nehmlich 
in Dr, Lig. der Wirrzb. Ettatss und Gel, Zeitung erklärt: dar 
fie auf ibren grünenden Lorbeeren ausruben 
wolle Bas daft fih von ruhen den Kuniklern noch erwar 
ten? Noch dazu vom ſolchen, bie auf einer Streue von Lorbeern, 
die fie ſich ſelbit geſchuttet haben, ruhn? — Hofenrich bedenken 
fie ſich noch, denn Lorbeeren, bie man sum Lager braucht, verdor⸗ 
von ſehr ſcanell. Auch ſchickt es fich wohl nicht für Männer wie 
W. O. S. A. und noch weniger für Damen wie Mids 9. n. 
G. mit jo vielen — ſehr von ihnen verſchiedenen, au Einer Streu 
zu ruhen. — Zum Oli haben fie dem Cowfleur wicht erlaubt, 
ſich mit niederzulegen, vermuthlich damit er Nicht verſtumme. — 
Goüte der Herr Intendant, cin Mann von Einſicht und Geſchmack, 
nicht wohl thun, timftig dergleichen Aufſatze, Matt dag er fie ums 
terichreibt, 6 — corrigen? . 


— — — — — — 


1804. 





ARISTIDES, 


Nro. 152. 


YJ 


Der Freimüthige 


Tientag, 
E rn f 


Literatur 
Euphrofgne. Berlin, bei J. W. Schmidt. 





Dr Kuf ſchreibt diefen Fleinen Roman einer juns 
gen geiftwollen Frau zu. Der Ruf bat wahrſchein⸗ 
lich Recht. Das Buͤchelchen hat alle die Schwaͤchen, 
welche die Dichtungen auch der talentvollften Damen 
zu haben pflegen: die Charaktere find nicht fraftvoll, 
obgleich lebhaft gezeichnet; der Plan ift auf feinen 
Zwed berechnet. Das Buch ift Übrigens gut und 
blübend gefchrieben, und vorzäglich der erfle Theil 
enthält manche feine Bemerfung, manchen fehr glüde 
lihen Zug des Gefühle, — manches mas in der 
That nur eine Frau aus dem weiblichen Herzen vers 
ratben fonnte, RL, 


Lyriſche Briefe und Gefünge eines jungen Ma— 
lerd. Heraukgegeben von v. L—w—n, 


Mehrere diefer Briefe find ſchon in einer gewiſſen 
Zeltung gedruckt und — gelobt worden, aber Leſer 
von Geſchmack und wahrem Gefühl möchten mwehl 
ſchwerlich mehr als zehn Zeilen davon leſen. Ad, 
die Rezenſenten⸗ Pflicht iſt oft drüdend! — Schon die 
fehr moftifch « gefcpriebene Vorrede erwedt von dem 
Buche ſelbſt eine nachtheilige Meinung; denn Herr 
von L. fpricht darin das, mas feine Vorbilder, deren 
Gdtze Jakob Böhme ift, ſchon fruͤher dem Deutſchen 
Publikum »*orphantaſirt haben, treulich nach; als da 
ift Leite VL. das widrige Geſchwaͤtz über Leben, 


— 0 —— 


und 


ben 31. July. 
She rxr% 


— 
gelebt haben u. ſ. w. Cben fo elend als diefe Vor⸗ 
rede ift auch das übrige Gefchreibiel, 

Aber von diefer hartflingenden Beſchuldigung 
Bin ich meinen Leſern überzeugende Beweiſe ſchuldig. 
Ich will fie Ihnen geben. Zuerft einige profaiiche 
Fleskeln, die entweder baaren Unfinn, oder Fehler 
gegen die Deutfche Sprache, ‚von welchen es bier 
wimmelt, oder andere Abgefchmadtheiten enthalten. 
3.2. Eeite 7. ⸗ 

„O ihr bezaubernden Ruͤckerinnerungen! wie 
ſanft macht ihr die Seele verfhmwimmen zu lauter 
Herz!“ (Iſt denn das Herz eine Fluͤſſigkeit, oder ein 
Farbengemifh?) 

Eeite 36, . 

„Freund, die Kunſt keimt allgewaltig in mir; 
gleich einer reifenden Bluͤthe droht fie mein Herz 
zu durdplaßen!” 

Eeite 40 beißt es: „Dort in der Entfernung 
zwitſchert die Peirfche des Aderers hinter dem 
Pfluge.“ — Do genug von dieſen profaifgen Lnges 
reimtheiten. Noch ein Wort von ben podtifchen. 
Deren find faſt fo viele, als Verſe, denn unter allen 
den podtifch: fein: follenden Zeilen iſt nicht eine erträg: 
lich. Mur zwei Proben. Eeite 28. 

An Jutlens Bildnih mit Entzücken 
rest ich don Schleier weg lublicken. CAtt) 
Seite 72. 
Gottes Kindlein ohne Kehle, 
Stche ich die ſromme Eeeie 
Wie die Erdenlaſt fie quale 


— 6 — 


In dem ſtillen Auge Deim! 
Aindlein, bit ein Erdenwunder, 
Kommſt gewi vom Himmel runter, 
Auserwäahlt von Gott befunder, 
Lin Du eine Jungſrau fein. — 
5 — Ihn. 
Reifefcenen und Abentheuer zu Waſſer 
und zu Lande, von Fr. Laun. 


Herrn Launs Yaunen ſcheinen die Folgen eines 
fo bartnädigen Dünfels, daß er gar feine Ruͤckſich⸗ 
ten mehr nehmen fann, fonft müßte wohl endlich in 
ihm die Ueberzeugung erwachen, daß einerlei Sache 
zehnmal vorgetragen, am Ende doch ſtumpf und matt 
werden muͤſſe. Kein Wieland und fein Voltaire ver: 
möchten das, was H. Paun fich zutraut, dieſelbe 
Materie immer und immer und auf eine Ähnliche 
Manier zu behandeln, ohne nicht nur die Geduld der 
Leſer, fondern auch fich felbft zu erfchöpfen. Und nun 
vollends Herrn Laun's Materien und Weiſe! Die 
ewigen Mädchen fraßender Art und flitterhafter 
Manier, die ewigen Herrchen gedhafter Eitte und 
trippelnder Liebe, die 100 und abermals 100 Kapi: 
telchen, und der unerfchöpfliche Nefrain von Saͤchel— 
chen zu Saͤchelchen, müffen einen endlich fo tändelnd 
und fleinlih machen, dab man zum — Kinde wird, 
Auch diefes iſt wieder fo ein tändeindes Werklein, 
troden und waͤſſerig zugleich, ehne Marf, Kern und 
Kraft und Zweck. Es beweiſet Feine ehrende Mei— 
nung des Verf. von feinen Lefern, wenn er glaubt, 
dergleichen Kinderfpiele müßten ihnen Nahrung geben: 
erbärmlich fchlaffe Köpfe und Herzen gehören dazu, 
darinnen etwas zu finden, das nähre und unters 
halte. — Gewiß es muͤßte jaͤmmerlich ausfehn, wenn 
man das Ganze ſolcher Saͤchlein fihten wollte, aber — 
genug, der Verf. hat ja nur für — Diminutiva 
geſchrieben. — a — 


Erinnerungen aus dem verfloffenen Kriege. 
( Fortfebung. ) 
Fünfter Brief. Nov. 1795. 


Den folgenden Tag, Freitags den 29. October, wurs 
den nech immer unfere Thuͤren verfchlefen gehalten, 
die durchfireifenden muͤden und muthloſen Volentärs 
polterten und lärmten vergebens dawider. Mit je: 
dem Augenblick glaubten wir, jegt würden Defireis 
cher eintreffen und die größern Uebel den Fleinern 
meiden. Statt deffen kamen gegen Mittag 20 Neu: 
ter vom dritten Regimente; fie tobten und polterten 
vor der Thlire, riffen endlich einen Laden auf, ſchmiſſen 
ein Fenſter ein und wollten eben einfleigen: da fand 
ich für noͤthig zu Fapiruliven, Cilend öffnete ich bie 


Thüre, ladete fie höflich ein, herein zu kommen, und 
entfehnidigte mich, Laß ich micht eher geöffnet habe, 
roeil ich geglaubt, es fogen wieder Volontärs (die ihnen 
fehr verhaßt find) vor der Thüre. Einige fekten fich 
rubig ins Wohnzimmer ans Effen und Trinfen; bie 
andern rannten die Treppe hinauf, wo meine kranke 
Schweſter mit ihrem Franken Kinde lag, Mit gezoge— 
nen Gabeln und unter Fluchen verlangen fie, daß 
alles ihnen geöffnet werde, und indeß ich hinunter 
eile und um die Huͤlſe ihrer beſſer, denfenden Kame: 
raden bitte, paden fie einen zufällig gegenwärtigen 
Nachbar bei dem Kopfe, floßen ihm denjelben wider 
die and und verlangen Geld von ihm, Die weni: 


. ger Schlechten Famen dazu und machten dem can: 


dal für den Augenblif ein Ende. Mir traftirten 
aun fie und ihre Pferde fo gut wir vermogten; die 
Geſellſchaft vermehrte ſich mit zwei betrunfenen Pos 
lontärs, welche alles voll gerlünverter Waaren fteden 
baten. Der eine, er behauptete ein Parisien zu 
feyn, hatte fogar eine Schuͤrze vorgebunden, welche 
mit Zuder, Kaffee und Roſinen angefüllt war, Als 
fich die Keuter ſatt gegerfen hatten, fehafften fie ſich 
die Volentaͤrs durch ein: allez, fe— — s maurais 
Soldats (Paft Cuch, ihr hundefoͤttiſchen Soldaten) 


aus dem Haufe, Dann fingen fie.an auf eine grobe 


Art allerhand zu fordern, befonders Hemden und 
Struͤmpſe; indeß nahm der eine, er ſchien der Kom: 
mandant der Truppe, auch alles andre was ihm ans 
Hand. — Doch zogen fie bald weiter, nach einer 
Muͤhle, welche fie rein ausplünderten. — Bald dar: 
auf nahmen wir noch zwei Kanoniers, Elfaffer, auf, 
welche fich fehr gut betrugen, — und verbarrifadirten 
dann wider das Haus bis zum Abend, — Es 
fchellte ganz beſcheiden. Sch fchloß daraus, daf feine 
Goldaten, fondeın Bürger vor der Thüre feien und 
Öffnete. Aber, fiehe da! ein Franzofe tritt vor mich, 
Er frage höflich nach der Wohnung des Burgermei: 
ſters, um fich bei demfelben ein Billet de logement 
(Quartierzertel, Auftrag an einen Bürger, ihn aufzu— 
nehmen) zu belen. ch bot ihm fogleih Quartier 
bei uns an; theils wegen feines gutmuͤthigen beichei- 
denen Betragens, theils weil er ung in der Macht nuͤtz— 
lich feon fonnte, Cs war ein alter Kanonier aus 
den Elſaßz, weicher ſchon fiebjehn Feldzuͤge mitge: 
macht hatte, nun bei Mainz Kanone und alle feine 
Habe verlohren hatte, und nichts mitbrachte als das 
Fieber. — Er nahm mit großer Dantbarbeit ein 
altes Hemd an, weiches die Keuter des Mittags ver 
aͤchtlich auf die Eeite geworfen hatten. — Mir 
ſchliefen die Nacht unbefcreiblih gut. — Ich lag 
zwar auf dem bloßen Fußboden, aber ſchwerlich hat 
in ganz Deutfchland jemand beſſer in diefer Macht 


— 87 — 


gefhlafen. — Hieraus merfte ich erft wie erfchöpft 
ih war. Die hoͤchſte Spannung der Erwartung, 
lange Weile, weil man nichts Sefsheutes vornehmen 
konnte, und boch Furcht, diefe lange Weile möge 
unterbrochen werden; — befländiges Schweben 
jroifchen Furcht und Hoffnung; — ein unbefchreibs 
liches Gefühl, wenn Lärm auf der Etraße entftand, 
oder an die Thüre gepoltert wurde, mo man immer 
gefaßt ſeyn mußte, fie einfprengen zu fehen und dann 
alle Scenen des Schredens erwarten durfte, *) da: 
bei der Lärm von drei gefunden und das Ghefchrei 
von einem Franken Kinde (die Mich der Mutter 
war ibm unter diefen Umfländen getrunfen, Fein 
Dalfam des Lebens agemefen,) — das wenige und 
unordentliche Effen: — mußte alles das nicht am 
Ende unbefchreiblih ermatten? — 

Den fenderbarften Contraft mit unfern Leidens— 


fcenen machten die republifanifhen Prunfworte, die 


wir überall hörten und fahen, 

Surete, Propriet@, Liberte, Egalite, Fra- 
ternite, oder das Deutſche: Sicherheit, Eigenthum, 
Freiheit, Gleichheit, Bruderliebe, las man an allen 
Eden und Enden. Selbſt aus den Gemwürjläden be: 
fam man feine Düte, wo es nicht drauf geflanden 
hätte; auch die Patronen, womit die Soldaten 
Bauern erfchoffen, waren aus Kraternitäte : Papier: 
chen gemacht. — D, wie wurde Cuere und unfere 
Hoffnung getaͤuſcht, Ihr edein, Fbilanthropifchen 
Männer, die ihr der Nation diefe Zauberwerte zum 
Motto gabe! — 

Es war ſchon etwas Artillerie durchpaffirt; am 
30. October lemmt wieder einige, und die Kanoniers 
verlangen Futter für Menfchen und Vieh ıc. Ach 
mache den Dolmeticher; habe allerlei Geſchaͤftez ins 
def ich einen Franken Volontaͤr und einige Kanoniers 
in unfer Haus bringe, fallen wieder Plünderer Kot: 
tenweife ine Terf ein; ein Haufe dringt in unſer 
Haus, Ich verfuche fie zu berußigen, biete Eſſen 
und Trinfen an, und als fie immer zahlreicher und 
judeinglicher kommen, ſchlage ich ihnen vor, fie fol: 
len Quartiergettel bei dem Maire nehmen, um in 
mehr Häufer vertheilt, und dann auch beffer bedient 
ju werden. Cinige nehmen den Vorſchlag an, und 
gehn mit mir zu ihm, Indeſſen fangen bie andern 
an zu pluͤndern. Das läßt ſich weiter nicht beſchrei⸗ 
ben.... bier muͤſſen Hogarth und Lichtenberg malen, 

*) Anm. Das Berriegein hat mandıem das Beben ger 
tot und it ein ſehr geiubrliches Mitte; man ſantzt ſich 
iwar badurd vor dem erſten Anlaufz ſetzt ſich aber auch dop⸗ 
veiter Miübandiung aus. Wir thaten es nur, weil wir vor⸗ 
ausiepten, datz enrweder die Oeſtreicher bald einrüfen oder bie 
Franjoien wicher Ordnung herſtellen würden. — Wir battım 
uns gzeitrt! — 


Traurig ſieht unſer alter Kanonier zu und kann 
nichts aͤndern. Ich bitte ihn, auch zu pluͤndern und 
aufzupacken fo viel er kann. Das thut er, ſtellt aber 
wehlfürfiepeig jemand aus dem Haufe Schildwache 
zu feinem Schnappſack, damit er nicht von den an⸗ 
dern geftohlen werde, und padt nun gierig auf fo 
viel er kann. — Die Plünderer, unter denen ſich 
euch ein Soldat befindet, der vor einigen Monaten 
als Kranker in das Haus aufgenoinmen worden mar, 
(der aber traurig zufieht und feinen Antheil an den 
Unthaten nimmt,) finden in einem verfchloffenen 
Schreibepult noch Geld, von dem wir felbft nichte 
wußten; darlıber entſteht ein heftiger Ztreit; fie ent: 
fernen ſich nah und nah, und wir — fehen dem 
alien mit einer Ruhe und Gleichgältigkeit zu, die ich 
mir felbft kaum zu erflären weiß, Mur darauf gebe 
ih acht, daß niemand an feiner Perfon gefränft 
wird, entfehleffen, dann das Aeußerſte zu wagen, 
Kein Pländerer von Ehre nimmt einem ein noth— 
wendiges Kleidungeſtuͤck; höchftens taufcht er Schuhe, 
Hut, Etiefel gegen die Zeinigen ein. Aber ein ver 
dammter Nude unter der Horde, (mit einem Ger 
fibt, wie es Grattenauer zur Titelvignette nicht 
bejjer hatte finden koͤnnen,) fleilt meinem Hemde mit 
wahrer Wuth nach. Wo er mich allein trifft, will 
er mich zwingen es ausjuziehen. Mur das Ehrge— 
fühl der Übrigen, unter die ich mich immer flüchte, 
fügt mich vor dem Verluſt. — Endlich zichen die 
Unbolde weiter, und unfer guter Alter überliefert 
ung alles wieder was er aufgepadt bat. — Diefer 
brave reis, der fih in allen feinen Reden und 
Handlungen als ein Auferft gefcheuter, vernünftiger 
und befcheidener Mann zeigt, ift ein eifriger Royaliſt. 
Er beflagt fein Volk und verwünfcht die Revolution, 
Des frappirt uns! — Aber ohne Urfache, Alle 
Maͤnner die feit an Grundſaͤhen bangen, find brav, 
fo verfchieden diefe auch ſeyn mögen; nur der Haufe 
der Iharafterlofen wird von dem Etrome der Um: 
fände zu jeder Unthat mitfortgeriffen. — (Mad: 
ber fand ich noch oft diefen vielleicht paradar: fcheis 
nenden Eaß beflätigt; die bravften unter den Mäne 
neen, welche ich Fennen lernte, waren fefte Anhaͤnger 
von den verfchiedenften Syſtemen, Ealviniften, Kas 
tholifen, Freunde der Apocalypſe, der Cabbala, des 
Koyaliemus, und vor allen babe und edle Kepublis 
faner, deren Zahl aber nur Flein in ber großen Ke: 
publif ift, die man aber auch Fühn neben Griechen 
und Römer ftellen fann. D wie wohl that es mir 
umeilen, auf folch einen Heros zu floßen, der den 

tauben an die Menſchheit mächtig flärkte, wenn 
auch der Glaube an die Menſchen fich verlor. — 

Wie leicht ift es uns nun ums Herz! — Wir 
haben nichts mehr zu bemachen; brauchen nichts mehr 
zu verrammeln oder zu verſchließen. Selbſt das Der: 


— 88 — 


nden. Thuͤren und Fenſter 
bleiben offen; alles laſſen wir liegen wie es die Un: 
holde zerichlagen und zeritreut haben. Wir figen 
und fehen dem Ding zu; aus langer Weile Iefe ich 
in den Memoires sur Vordre de la Bere ein 
Molontär tritt ins Haus und durchjucht mit komifcher 
Naiverät alle Eden und Winkel, Ich frage endlich: 
que cherchez vous donc, Citoyen? — Rien 
u’une paire desoulliers, car il ınest Impossible 

marcher plus loin dans ceux-ci. ich mar 
lange in bloßen Füßen gegangen, auch Über bie 
Straße, obgleich es ſehr ſchmutzig war, und hatte 
mid an dem einen Fuße In den zerbrochenen Glaͤ⸗ 
fern vermunder, weſche bie betrunfenen Wolontärs 
umber gefireut haften, &eitdem trug ich ein Paar 
noch ziemlich wohl erhaltene Bauerufhuhe. — Er 
eigte mir, daß von einem feiner Schuhe die Sohle 
alt ganz losgerijfen war. ch zeigte ihm meinen 
tranten sub, der mich vechinderte ihm beide Schuhe 
zum Tauſch anınbieren; verficherte ihm aber, daß es 
mich freuen würde, wenn er mir für den einen von 


fiedte ift zum Theil 


den Meinigen, feinen ſchadhaften Überlaffen mollte, 
Er weigerte fi gutmuͤthig; ater fein Bedürfnis war 
7 dringend, und es machte mir zu viel Spaß den 

auſch mit dem.ehrlichen Kerl zu Ztande ju brins 
gen; er mußte den einen meiner Schuhe annehmen, 
und wanderte, freundlich banfend, weiter. 

Gegend Abend mird es ermas ruhiger; bie 
Generale Sandoz und Renaud fommen nach Kirch: 
beim, eine Etunde von bier, und in die Stadt und 
die Gegend lagern fi Truppen. — Nur haben wir 
feinen Biſſen Brodt mehr, — Es leben die Kar 
torfeln! bejonders bie vortrefflihen, welche in der 
Gegend des Donnersberges wachen! Sie fhüßten 
uns und viele Taufend Menſchen in biefem Kriege 
vor dem Hungertode. 

Die Nacht it ruhig! Nur eine Kequifition vom 
Kriegs : Kommiffar Bornet flört meinen Schlaf. 
Mir follen den folgenden Worgen 1000 Pf. Brodt 
nach Kirchheim lieſern. Sogleich werden Anftalten 
um Baden gemacht. 

(Die Fortſetzung folgt.) 


——— — RUNTER — ——— 
Nicht -politiſcheZeitung. Nro. 10. 


Aus Peteröburg. 


V. Öffentlichen Weranfigungen haben wir außer ben Promena⸗ 
den im Gonimergarten, im den Villen der Großen, bie mit 
edier VYopularität dem Volte ihre herrlichen Garten dfnen, und 
in den mahegelögenen Dorfen, ywri bis drei Schauſoielhauſer 
faſt taatih ofen. In zweien die Kalerlih find, wolelen abe 
mwechfeind Kuren, Sranzoien und Italianer und im dritten amd 
fetiehtich Die Deutiche Geſellſchaft des mit Kaiſerlicher Frei⸗ 
gebigteit unterſtutzten Unternehmers Herrn Mire, wweldre im 
Eommer drei Weorkellungen wochentlich, aber biöber größten: 
theils bei ſehr leerent Haufe giebt. Vor allen zeichnet fich Die 
Sransdfircde Oefellfchaft, weram nun freilich altes was jur großen 
Welt gehoͤrt, Mntbeil nimmt, vortbeilbait aus, vorntglich im 
Anſehung der Over, und doc iſt dieſe, außer einigen wenigen, 
“ nicht vorzüglich beſezt. Der erfte Liebhaber und Temoriik 

r. Andrıeux, iſt ſowohl im Attion als ODeiang, weniger als 
mintelmänig. eine einzige Attion if, dag er Die Arme, bie 
an ibm ungewohnlich lang zu deum fcheinen, von ſich ſtreckt, 
und wie mit Flügeln damit Aattert- Im Gejange foringe ibn 
oft die Ouinte. Dergweite — Mr. Bourgeois, tft ichr brav, wenu 
er nur nicht oft mehr leiten wollte, als er vermag und ſeinen 
Gefang jo fehr überladete, — Clapuröde, Bari:Tenor, in 
ein eben jo guter Schaufpieler als Einger; alle brijen aber 
ind fehr unbedeutend, — Vom wweibliden Perfonat find bios 
die beiden Schweſtern Philliıs Andrieux und Phallıs Bertin 
bemertenswerth, die erftere alf eine der lirbenntwürbigiten naiven 
CS chanfpielerinnen, mit einer Ohlotenimme und einem ſehr ger 
bildeten Geſange; die pwoeite im ernſten Nollen ale eine ante 
Schaujpielerin und recht brave Eangerin. Mad, Monpau- 
tier, eine Tochter des befamnten Altvaters der Frauzeſtſchen 
Bhuihne Aulresne, den Friedrich der Einzige selbit ſchatzte, 
und der noch tmiıngit den Abhe de I’Epce mit einer schönen 
Deklamstion und wich Herzlichtelt gab, iſt war eins (che ges 
bildete Sangerin, aber auch eine wahrlich zu ſteife Gdmuinieler 
rin. — Un einem guten Bah fehle es ganz. — Wu der 
teagiden Bühne glänst eine Xaver und Sunval, ein La 
Rorbe und Cluparede; auf der fomifben Mad. Valvılle, 
und di: Herren Ducrosy (der auch im Dpiretten, Invalide 
und dergl. recht brav giebt), La HRoche, Sanclaur, St. Verd, 
der umvergleichlice nemiter Troyeresu. f.w. Boltairens, 
Racinens, Eorneillend Meiſterſücke wechſeln mit den 
Arbeiten neuerer und älterer Dichter ad. Bon Dveretten haben 


"dahin. — 


wir außer ben bekannten, verſchiedene von der herrlichen Keuu 
voition des Katferl. Kavellmelters oyeldien geieben, ber durch 
Alme, reine de Golconde, ſich einen neuen Kran erworben 


‚ bat. Vorzuglich geiſtreich und zrog find die Ouvertüren Diejeh 


Kunftire, wovon Als tant« Ausore und Alıne jeugen. Bel 
den Itallanern bebaupten bie Matiorletti, Pasqua ats Tenorikt, 
Kancom ats treñlicher Barı: Zener dem eri:m Many, oder Dich 
mehr dem einzigen Nana, denn alles übrigt if unter dem Mittels 
masigen Idalıda (die Sonneriungſrau) nach Clmarofa's em 
vofition, — war bie meweite grotze Dver, die allgemeinen Beifall 
erhielt. Die Muſit it meiſterhaft, das Ganze aber zu eimiöre 
mig. Die Rufiiche Geſellſchaft zahle einige ſehr gute Mite 
gliedir, und Darunter einen trewlichen Kometer WB ora yoiew; 
fie wird aber zu wenig geboben und ſoll ficb mit der Werime,. 

item gar nldır meſſen können. Die Donauweibchen, eriter 
uud zweiter Theil, treiben jetzt ihr Weſen und ilen die Kaſſen. — 
Die Ballette, deren Zierde eine Hose- Collinet, die Kuriiche 
Zerpfimere Pletin, ein Divelot, Dutck, Auguste, Vuiberg 
ind, ſtehen am Kunſtwerth und Pracht wohl hrditend nur den 
Darin nad, — Auer den groien heronchen Bauetten, 
wor ehemals Le Pıc als Dichter (fo dari man ihn wohl 
nennen, den glücklichen Nebenduhler eines Noverce) und erſter 
Tanzer, ſo wie feine Gattin als erſte Tanzerin glangten, emdigt 
ſich fat jedes Schauſoiel und jede Ooer mit einem Divertisie- 
ment, jo wie die Oper mit analogen Tansem mntermiicht if. 
Mit welcher Pracht Alıne.geacben wird, davon kann man ſich 
ner einen Begricf machen, wenn man hört, Dad mach edtr 
orientaliihem Komm Mannır und raum Edamwis umbaben, 
wovon jeder einelne mehrere Hunderte doſtet. Die Dekoration 
wu dieſer Ober find atberiech ſchön, vormaglich romamtifch it die 
Fran zoſiſche landliche Gegend im Park der Königin. — Das 
Deutiche Theater Mehr dem Franzoſnchen, und in der Over mas 
tatrlich dem Itatiantſchen weit — weit mad, Men follte man 
wohl gegen dene betannte umd berühmte Namen jehen? — 
Doch bat das Deutſche Theater vor allen übrigen einen Vorzug 
in dem Beſide des trefflichen Bartiten Hübsch. Auder einer 
Ewert in komiſchen Weibern, einem Lindenfkteim din Rollen 
wie Vitternaun, einem Gteimsberg Im Ecneidergeiellen und 
dergt, iR alles übrige, ohne Musmahme wo mie ſchlecht, fo 
doch nichts weniger ald hervorſtechend. Wlied, — ein ſchwerce 
urtheil aber leider mar zu wahr! — Iedob foll ja ice eine 
neue Evoche jur die Deutſche Bühne amgchen, alio Seduld big 


—rt — — — 


mE — 


1804. 





Nro. 155. 


ARISTIDES, 
Der Sreimütbise 


Donnerſtag, 


ern f 


Kunſtmerkwuͤrdigkeiten ıc. 
(Befhluf.) 
Glaude forrain’s Molino, von Gmelin. 


ei einer Ueberficht deffen, was die Kupſerſtecher⸗ 
funft neuerlih im Landſchaftsſache leiftete, darf das 





wahrhaft: fönigliche Blatt von unferm berühmten Lands⸗ 


mann in Rom W. 5. Gmelin, nach dem Original: 
gemaͤlde im Pallafte Toria in Nom il Molino di 
Claudio genannt, (9 Palmi Länge, 6 Palmi 9 3. 
Hoͤhe) nur genannt werden, um zu milfen, wem 
diesmal der erfte Preis zuerfannt werden müffe. Es 
ift ein gar herrliches Blatt von der hoͤchſten Vollens 
dung, in welchem ſich Gmelin felbft übertraf. Ein 
Statiänifcher Himmel voll Klarheit und Wärme, ift 
mit einer, vielleicht nur diefem Kuͤnſtler mit der Ka: 
dirnadel und Machftichel erreichbaren Wahrheit im 
Mittel: und Hintergrunde, ganz in Claude Lorrain’s 
Ton und Durchfichtigkeit, bier wiedergegeben, und 
welch' eine Erde unter diefem Himmele zelt, welche 
Fülle und Haltung! Doch, das Driginal ift ja ein 
Gegenftand der devoteſten Mallfarth aller Liebhaber 
der Kunft, die nach Kom pilgerten, feit langen Jahren 
gervefen. Diele Kupferftecher verfuchten fich daran, Die 
meiften fcheiterten, Sept iſt einem Deutfchen der 
große Wurf gelungen, Wir nehmen freudigen Ans 
theil daran und zweifeln nicht, daß wer auch nur 
an die Wand feines Zinimers einen Zauberjpiegel 
heften möchte, wedurd es ihm gelänge, einen Blick 
in die entzlifenden Hefperiden: Gärten zu thun, hier 


„emmr 


und 


den 2. Auguſt. 


ſchnell zugreifen werde, ehe das Ausland die beſten 
Abdrüde, diedem Kupferdrudf des Jacomini Ehre ma: 
Ken, ganz erfchöpft hat. Der Kuͤnſtler hat dies 
Blatt aus Dankbarkeit feinem Landeherren, dem’ 
Kurfürften von Baden geweiht, und gute Abdrüde 
find nur bei ihm in Kom, oder bei Artaria tn 
Mannheim zu haben, 


Trachten auß Tirol 


Die Liebhaber und Sammler im Landſchafts⸗ 
fache beleben und ſtaffiren gleichſam ihr Vortefeuilles 
durch colorirte Trachten: Blätter jedes Fander. Dies 
bat uns eine wahre Suͤndfluth von National: Trach⸗ 
ten in Umlauf gebracht. Denn wer lallt Hier wenig: 
ftens nicht fein anch’ io son maestro. Das vor: 
süglichere, wo nicht bloß Gtieder: Männchen mit einer 
bunten Muſterkarte von Kieidungs : Lappen bebangen, 
fondern auch charakteriſtiſche Portrait: Figuren mit 
National: Ausdruf und geiffreich aufgegriffenen Me: 
benwerfen aufgeftellt find, iſt aber leider ein weißer 
Rabe. *) Doch dürfen wir ohne Bedenken die im 
Wiener Kunft: und Anduffrie: Comptior jünaft er: 
ſchienenen 4 Hefte, Trachten aus Tirol, nach der 

*) Die unter den Titel: Vovag te ve da 
ques provınces de la — ——— — 
remargtables, sites interessantes etc, Drssinds * les 
lieux et praves par C. G. Geisler. rd ser mit 
30 colorirte Tafeta im Fer, im Leivnger Indunrie: Gomprefr — 
würde des vielen Neuen und Fravvanten wegen. auch unter diefe 
Celtenbeiten zu redınen ſeyn, wenn die fochtlative Verlags⸗ 


Handlung den wackern Künſtlern mehr Mi 7 
pe Ir Wirhe darauf zu wens 








— 00 — 


Hatur gezeichnet von Kapeller, geflochen von 
Warnberger, und in Aberlis Manier fehr treffend 
colerirt (jeder Heft ı Thlr. 8 Gr.) hierzu rechnen. 
Sie machen gleichfam ein Ganzes mit den unter 
nr 4 angeführten Molitorfchen Landfchafts: Blättern 
ous Tirol, und muͤſſen zu den glüdlichiten National: 
Darftellungen gerechnet werden, die wir befißen. 

B. 

Etwas, 


dad man den Verchrer der Religion und Vernunft 
nicht zu überfchlagen bittet, 


Ulntere Philoſophie iſt feit einiger Zeit fo hyperbo⸗ 
räifch geworden, daf nach gerade fich jeder unbefanz 
gene und einfache Mann von ihr zurüdzieht, und 
ſich eben fo wenig um fie befümmert, als um den 
Talmud oder um die Perfifche Kellſchrift. — Dies 
ift fein geringer Schaden; die Größe beffelben zu 
f&ildern, und zu zeigen, wie dadurch unfere Nation 
zurüdgefchleudert werden muß, in wahrer, folider 
Kultur, würde mich jeßt viel zu weit führen; die 
mögen es verantworten, welche das holde, finnende 
Weib, (die Eofrates und der Weife von Najareth, 
und ihre wahren Schüler aller Zeiten, unter den 
Menfchen wandeln lehrten,) mit ihrer MWeicheit auf: 
pujten, und, wie einft Jupiter die June, in finftere 
Wolfen aufhängten, — und zwar noch obendrein 
verkehrt, — bei den Füßen, 
Fuͤr jege iſt nur mein Zwei, die Philoſophl— 
renden, und diejenigen unter meinen £efern, welche 
zugleich Lit und Wärme lieben, melde die hei— 
lige Harmonie zwifhen Kopf und Herz gern erhal 
ten möchten, auf die Norte aufmerffam zu machen, 
roelche ein Deutfcher zu uns fpricht, aus dem Reiche 
zu uns fpricht, welches Napoleons Scepter beherrſcht, 
und das, wie ein Phoͤnix Fräftig, ſchoͤn und jung 
aus der Afche des zchnjährigen Brandes empor jtieg. 

Schade, daß der Mann fich nicht zu nennen 
wagt, welcher fich fo faßlich, fo Fräftig und warın, 
mit foyiel Adel und Schoͤnheit ausdrädt, in dem 
ganz neuerlich erfchienenen Schriftchen: „Abfolute Ein: 
beit der Religion und Vernunft, dargeftellt für den 
denfenden und fühlenden Menfchen, ven & — b. 
Mit befonderer Küdficht auf die Kirchenangelegenheis 
ten des linfen Rheinufers. Frankfurt, bei Mehr. 
(zehn Bogen in 8., elegant gedrudt.)“ — 

Kein edler, denfender Mann, feine gebildete, 
für firtliche Religibſitaͤt zart fühlende Frau, wird dies 
Buͤchelchen ohne Befriedigung aus der Hand legen, 
welches ich ihnen mit Wärme empfehle. 

Der Derfaffer ift kein Syſtemsritter, er fennt 
und ehrt Kant, Fichte und Echelling, und hat fei: 


nen Geiſt durch das parteilofe Studium ihrer &chrif: 
ten bereichert, aber er hinkt nicht auf den Kruͤcken 
des Erftems einher, fondern er fehreitet im Gefühle 
eigner Kraft männlich und feft vorwärts, 

€. 


Univerfitätsmerfwürbigfeit. 


ollte man glauben, daß es auf einer Lniverfität, 
wo man auch nach dem Vollkommeneren ftrebt; auf 
deren Flor, nach dem Zeugniß der gelehrten Zeituns 
gen, die Kegierung eifrig bedacht iſt, noch folche grobe 
Zeloten, ſolche Papiften (man erlaube mir den Aus: 
drud, in dem Einne, wie ihn Luther nimmt, nehme 
lich: „der tollen und rafenden einer, bie ſchier mor: 
den möchten!)‘ geben koͤnne, wie Heidelberg einen 
in ber Perfon des Herrn Geheimen: Raths und Leib: 
arjt der verftorbenen Churfuͤr ſtin, M —. zu 
ſcheint. 

Entweder haͤlt dieſer geſchickte Arzt Laͤcherlichkeit 
für ein vorzuͤgliches Reizmittel, welches er allen vers 
nünftigen Yeuten gratis ausrheilen will, oder er 
findet ein glorreihes Möärtivertbum darin, von 
allen Vernönftigen ausgelacht zu werden. 

Am 10. Juny 1804 feierte der katholiſch Theil 
der Univerſität das Feſt des heiligen Philipp ' 
von Zeil, (mo ich nicht irre, Schutzpatron der Uni: 
verfität, von welchem fie auch einige Güter hat oder 
harte.) Bei diefer Gelegenheit hielt der Stadtkaplan 
Holtermann eine Predigt, welche manches Gute, 
aber auch den großen Fehler hatte, daß fie Religlo— 
fität, als gleichbedeutend mit Kirchthum und wohl 
gar mit Katheliciemus, darftellte, Sie wurde ges 
drudt, und der Arzt M—. begleitete fie mit einer Ne: 
cenfion des Drudkorreftors, worin er gegen 
Auftlärung und Philofephie wuͤtet, und vorzüglich 
vor ehrlichen Männern warnt: 

„Den aufgeblafenen Witzlingen und albernen Der 
„Kgionsfpöttern, weiche an einer gefährlichen Unver— 
„daulichfeit der Kantifhen Philoſophie Fränfeln, (man 
„Sieht, der Arzt verſteht fich fchlecht auf die Eemio: 
„tie des Zeitgeiftes,) und von leidiger Zweifelfucht 
„betäubt, darin einen Ruhm fuchen, an der Der: 
„nunftmäßigfeit der geoffenbarten Neligien grundge: 
„lehrt zu zweifeln, mit dem Munde zwar dem Ger 
„feße der Eittlichkeit, mit den Handlungen aber der 
„gröbern Sinnlichkeit zu huldigen. 

„Wehe dem Staate, der folche heillos : aufge: 
„klaͤrte Univerfitäts = Meteore, ſolche philofophifche 
„Irrwiſche und Veraͤchter vernünftiger Gottesvereh: 
„rung zu Morgefeften un: Etaatsdiener aufnimmt! 
„Wehe der bürgerlichen Gefellichaft, welche Gatten, 
„Hausvaͤter und Familienvorſteher erhält, die von 


„dem Miaema der modernen Philoſophieſucht ange: 
„ſteckt, aus ihren Kindern, ſtatt Chriften, bios aͤſthe— 
„tifche Helden bilden wollen, um das Baterland 
„mit fogenannten ehrlichen Männern zu 
„überfhwemmen.“ 

Kann mau tolleres und fihieferes Zeug ſchwatzen, 
als dieſer Unvernunft: Ehmwärmer? nur die 
modernen Vernunft: &chmärmer, mit melden 
er, ohne es zu wilfen, auf einen Zwed binarbei- 
tet, übertreffen feinen Galimarhias! — Es fehlt nur 
noch, daß der Geheime-Rath den Fürften rather, 
daß fie alle die vermaledeiten Kantiſchen Philoſophen 
aus den Weinbäufern und dB — — jufammen fegen 
und fammt den äfthbetifhen Helden und foge: 
nannten ehrlichen Leuten in den Rhein wer 
fen, oder wenigftens über die Grenze bringen laffen, 
damit £ünftig feiner mehr ein Vorgeſetzter oder 
Staatsdiener werde, der nicht bei den Sefuiten 
das Credo gelernt bat. — Wohl dann dem Herrn 
Geheimen: Kath und Leibarzt der verfiorbenen Ehurs 
fürftin. E. 


Marr Walter. 


Marz Walter, ein Augsburgifher Patrizier, aus 
einem fehr alten, aber fchen längft ausgeftorbenen Ges 
ſchlechte, zeichnete fi unter feinen Zeitgenoffen in der 
Turnierfunft und durch Stärke, vorzäglid aus. Er 
befchrieb felbft feine Heldenthaten und lieb durch 
einen unbefannten Meifter, wunderfchöne Zeichnuns 
gen hinzufügen, welches Werk noch gegenwärtig eriz 
flirt und durch Erbfchaft nach Ilm gefommen if. Walter 
erzählt von feinen Heldenthaten unter andern folgendes : 

„Am Jahr 1487. führte ich Mary Walter einen 
überaus großen Spies, undt rande ein auch wieder 
Jakeb Ridler von Mönich, für alles befuchen, dan 
mich befuchten vir der berempteſten MWappenmeifter 
fo fie auf dißmahl lebten — undt werdt des bes 
fucheng gar nahend drei Etundt, undt was alles zu 
tbon, van daß Spies wegen, dann er ward alfo 
groß, das Ime Otto Launiger auf fein Roß nit aufe 
paß fueren fundt, der was mein Wappenmeiſter, 
aber Ar zween trugen In aufpaß, Einer da vornen, 
der ander da hinten, da meinten meine midertail, 
Ad) fürrt An aus ainiger Kunſt, das dann nit on 
was, dann mit dem Vortail, das nicht niemand weh: 
ren mocht. Alfo ginge darnad die Dede aus, der 
Epies were hol, da fuer ih Marr Walter zu, und 
beritt mich ungefehr auf dem Kronhof (ein freier 
Platz in Augsburg nächft der Domfirche, auf mel: 
chem ehedeffen die Turnire und Stechen gehalten 
wurden) zu Augspurg, undt hat bei mir einen Kna: 
ben dinen, der was in virzehnden Jahr, den ließ 


91 


ih mir auf den Spies ſetzen, und fuert Ihn Über 
den Kronhof und wieder herübere (der Knabe wie 
ihn Malter auf der Lanze fißen läft und mit derme 
felten umher reitet, ift in den feiner Befchreibung 
beigefügten Zeichnungen abgebilder,) das hat gefehn 
und ift dabei geweßen Graf Friedrich von Dettingen 
und fonft viel Leuth, und darnach ſchlug ich das Eis 
fen vom Spies herab, da gooß ich ein Maas Weins 
ins Eries Eifen bintan Insdickh und dranfs aus,“ 
Dft hatte Mare Malter (auch dieſes ift in den 
erwähnten Zeichnungen abgebildet) wenn er zu einem 
Turniere ritt, zwoͤlf Narren um fich ber, junge Leute 
aus ten beiten Familiin, von denen die größern die 
Eleinern auf den Schultern trugen. 
v Stu. 
Klage der Schäferin, 


(Huf Veranlafiung des Gothe'ſchen Liedes: Klage des 
Schaͤfers.) 


Tier unten im einſamen Thale. 
Da tranert mein ſchmachtender Blick; 
Da ruf ich der ſchͤneren Tage 
Verltorene Freuden zurick. 
und ſchaue binın zu dem Hügel, 
Tom Hauche des Abends jo mild; 
Ein heiliges inniges Sehnen 
Mir ahnend den Buſen erſfullt. 
Es tönt mir im Wehen des Windes 
Dis Webenden Klage nicht mehr, 
Micht weider die irrende Heerde 
Am Gange des Hügels daher. 
und einjan, fi mund verlaſſen, 
Den® ich der holden Geſtalt; 
Wohl Aititern die Eaiten der Haren, — 
Ihr zartliches Fluͤſtern verbalit. 
Ein Kranı von ſtillen Zyoreſſen 
Das dunkle Haar nur fchmicdt, — 
Mich! altes mun ich vergeſſen, 
Was ein mein Her bestüct. 
Denn weit in die Ferne gegangen, 
Da wandelt fein irrender Fuß, 
Da reicht nicht hin mein Verlangen, — 
Er hört nicht der Liebenden Gruß, 
Bergebens auf Aüchtiger Welle, 
Zu ibm mein Echnen ficht, — 
Lebt wohl, ihr Fluren und Thaler, — 
Von daumen bie Schaferin sieht. 
C. Schreiber. 


Gedbanfen 


Unter gemwiffen Ztänden ift es gar feine un: 
gewöhnliche Erfcheinung, eine thätige Erziehung 
für unanfländig zu halten, und es als ein nur ib: 
nen zuſtehendes glüdliches Vorrecht anzufehen, ihre 


Rinder bilden zu laffen, flatt ihnen zu erlauben, 
fi felbft unter freier Leitung zu bilden, hr 
Hang, glauben fie, Überhebe das Kind iedes Man: 
gels, jeder Anjtrengung, und ihre Vorrechte ſcheinen 
fie zu entſchuldigen. Ueberfluß mithin ertragen zu 
lernen, iſt ihr Princip. Aber bei allem Echein von 
Wahrheit, if’s doch nur zu gemif, daß jeder Lieber: 
fluß zu unfer Gluͤcſeligkeit mehr denn überflüffig iſt. 
Die Befriedigung unferer Sinne ift Mothöurft, die 
felbft der Mangel noch in einem gewiſſen Grade ges 


— — — ———— —ñ—— N 


Riht-politifdhe Zeitung. 


Fraukreich. 


Mın tat im Derartement von Vauctuſe die Modelle sei 
n:uer Marien ci fage die Modelle, deun die Marrtinen 
keit möchten ſich daverlich auf eine munbare Welle ausübren 
faffen,) erfunden. Mit der einen will man, ohne Zuavishr 
durch Hilfe des Winde, das Feld beſtellen, mit der ander, 
beladne Varten wider den Wind, Stroms auf führen, obme daß 
fie gerogen werden. Ob der Erfinder ein Gascogner if, wird 
nicht gemeldet. 

Gemalde von ſolchen Künſtlern, die noch nicht einem Preid 
erlangt babe, ſollen, che man fie in bie Pariier« Aueenlung 
Auminimt, ſtrenge gevyruft werden. Man glaubt, daß es bie 
Ehre der Knrutler- Akademie beleldigen würde, wenn ſich eine 
Etümperei den Augen des Publikums und der Fremden ausger 
fegt fände, — und man har gewig Recht. Diefe Rorficht ver 
diente iberan nachgeahmt zu werben. 

Bei großen neuen Stucken, die in Paris gegeben werden, 
bat man jest die Gewohnbeit, außer den Dictern und Kompor 
niften, auch den Namen der. Mater bekannt zu machen, weiche 
die Deforationen der einzelnen Abre und Scenen Vverfertigt bat 
ben: denn am jedem Stuck arbeiten mehrere Mater, Das if 
das Mittel, durch erwechten Wetteifer, aud die Kunft der Der 
toration anf einen hoben Grad der Volltonmenheit ju bringen. 

Eden find auf verſchiedenen Theatern im Paris, vier Par 
redien der neuen, betaunttich äugerſt gelungenen Over: bie 
Barden , angetundigt worden. Sie werden gegeben werden, 
werden wahrfcheinlich gefallen, newih aber der Achtung, 
der Bewunderung fiir das große Etitef keinen Eintrag then. 
Der vollendete Leichtſinn in ort tonfequenter ald das ihwerialltgite, 
moralirch + philoſoohiſche Raſonnen; ent. — 

Von Bitaube's pro aiſcher Weberfegung bes Homer, if 
die vierte Auflage enttienen: aber — man mmf auch wien, 
daß fie in fehr viele gelehrte Schuten eingerührt iR. — 
Eine Ueberſetzung! Sonderbar: Warum nicht das Original? 

Der berühmte Franz Ambrofiud Didot, (Vater der beiden 
noch berihmteren Brüder Pierre umd Firmin Didor,) dem die 
Sucdruckrtunf fo große Vervolllommnungen berdanft, der innert 
in Frantreih Belin » Papier verrsrtigte u. [ m., ein eben io 
edler Mensch, aid geſchickter Kunſtler in feinem ade, iſt im 
vier und ſitbenzigſten Jahr: geitorben. Man nlaubt, er habe 
feinen Tod durch den umermuderen Fleiß herbeigerührt, mit 
weichtnu er feit achtzehn Mongaten an einem — Anbalts⸗ 


währt; Erziehung zur Ueberfüllung, ift ein Uebel und 
die Natur ift fo unartig, bei den Folgen von feinem 
Range Moriz zu nehmen. — 

Jeder Zuftand bat etwac Unangenehmes und 
Druͤckendes. Weil wir aber den Druck des Gegen: 
waͤrtigen allein fühlen, den vom Vergangenen und 
Zufünftigen dagegen uns nur vorſtellen, fo find wie 
mit unferm gegenwärtigen Zuflande gemeiniglich nicht 
zum beften zufrieden. — 

K— pf. 





Nro. II. 


Bergeihuiß von „Meontaynens Verſuchen“ arbeitete. Weun 
Montanne noch lebte, er würde wahrſcheinlich, bei dieſer Ver—⸗ 
anlaſſang noch einen Berſuch ſchreiben, mit dem Titel: „An 
was fir Lappalien ſelbſt Manner von Geiſt zuweilen ihr Ber 
ben verſchltudern.“ — 


Salomoniſcher Spruch. 


Vor einem Thore einer Echwäbiſchen Stadt — ihr Name 
mag bier wegbleiben, — ſtand noch vor kurzem eine alte, hoch⸗ 
pruntende Linde, unter welcher im Jahr 1632. Bunap Adolph 
gefeiien hatte, als man ihm in Proceſſton die Echlüd der 
Etadt überreichte. ie wurde als ein Heiligthum betrachtet 
nnd Fremden gezelgt. Der Eigentbümer eines daneben chem 
den Hauſes, lente ein Wirthehaus an, und wollte feine Gaſte 
unter der Binde und dem grünen Platz, der fie umgab, bewir 
eben: dariiber gerieth er mit dem Bitrgerm in Streit, die ein 
Weiderecht auf dieſem Platz behaupteten. Ei kam sum Prosch 
amd die Vebdrde entſchled: „der ſchöne moch volllommen geſunde 
Baum ſolle — umge lauen werden.” Das geicbab, und der Streit 
war freilich geendigt. Das Holz wurde für eiltf Gulden verkauft, 


Aus St. Petersburg. 
Am ıfen Juf. n. Et. 


©. Mai. der Kaifer wird für dieſen Sommer, mie e# heißt, 
das Tauriſche Palais bezlehn. Auch die Paliafte haben oft fe 
fondertar wechſelnde Schickſale, als ihre Bewohner. Died 
Palsis, das Potemkin erbaute und durch die beruhmte Fete im 
mehr als Orientaliſchem Style einmweibte, war der Pichlingsiig 
Carbarina der Grafen; dann ward es dem Katharinen » Etift, 
einer Ersichungdanftalt für Sraufein, eingerhumt, dann jur einer 
Hufarene Caſerne eingerichtet. — Auch diered Prachtagebaude bat 
Kalfer Alerander im feine alten Rechte wieder eingeſezt. 

Der Fingel von Pawleweka, der im vorigen Nabre mit 
eine Minge umerjeglicher Koſtharkelten wom euer verschrt 
wurde, iſt aus feimer Aſche wieder hervorgegangen. Diss iſt 
Marfens Schöpſung umd Ihrem Heriemn ſehr werth. Von 
hieraus ergietzt fie den unverneabaten Strom von Wohlthateu, 
durch welche fie das Gluck der aufwachſenden Generation zu 
erhöhen sucht. Unermudlich iſt Ihe erhabner Eifer für das 
Erziehungs » Weſen. 


Berlin 


&. Maieſtat der König haben allergnädigſt aus KHöchiteines 
ser Vewezung geruht, den ſo verdienſte und talentvollen Miu: 
ſttdirettor Werer dem Titel eines koniglichen Cavellmeidtr im 
ertbeilen. 


— m. — 


1804 


ARIS 


Der Frei 


Freitag, 
Erna ft un 





Nro, 154. 


TIDES. 
müutb 


ige 


den 3. Auguft, 


ı Sherry 





Literatur der Kriegsfunft. 

Essai general de fortifications etc, Tme IV. ou: 
Des tentatives à faire pour perfectionmer 
l’Art de fortifier les Places, et quelques idees 
sur le Relief et le Commandement de For- 
tifications, par M, de Bousmard, Major au 
Corps des Ingenieurs de 5. M. le Roi de 
Prusse. (4to 190 p. avec 5 Planches) Pa- 
ris, &hes Mangimel,. (Berlin, bei Mettra.) 


U. bei dem militärifchen Publifum das Höchfte 
Intereſſe für dieſes Werk zu ermeden, reicht viel 
leicht fchon die Machricht bin, daß es derfelbe Theil 
des Essci general de fortification ift, der Er. Maje- 
ftät dem verftorbenem Könige Friedrih Wilhelm dem 
Zweiten im Manuffript vorgelegt und von Demfelben 
dem Herrn General von Tempelhof jur Prüfung zuge: 
{hit wurde, Er murde fo neu und wichtig befunden, 
daß man den Drud deffeiben unterfagte, Seither hörte 
der Derfaffer nicht auf, um die Aufhebung des Der: 
botes anzufuchen und hat fie endlich erhalten, weil, 
ihrer Natur nach, in der Fertification nicht lange Ges 
beimniffe bewahrt werden koͤnnen und weil in diefer 
Kunft, wie in allen andern, jede Meuerung es be: 
darf, dab man fie den Augen des Publifums aus: 
ſtellt, um ihren ganzen Werth erkennen zu laffen.— 

Auf verhältnißmäßig wenig Seiten hat der Der: 
faßer eine Reihe fehr wichtiger Punfte der Befeftis 
gungefunft abgehandelt, eine Menge Vorurtheile be: 
fritten, Neuerungen von Bedeutung vorgefchlagen. 


In näheres Detail daruͤber einzugehen, iſt hier nicht 
der Pag. Es mag genug ſeyn, hier durch die treue 
Ueberfegung der, Worte, mit welchen er diefen Band 
fließt, den Geiſt zu zeigen, in welchem er ihn ge 
fchrieben Hat. 

„Man befculdige mich nicht, fagt er, in die 
fem Bande mir felbft, und den frühern Bänden mel: 
nes Werks widerfprochen zu haben. In jenem redete 
ich von der Kortififation, wie fie ift, und entwidelte 
ihre Hälfsmittel, das heißt, die verfhiedenen Befeſti⸗ 
gungswerke inallen Berhältniffen, die zwiſchen denfelben 
angenommen find, — und deutete nur fehr leife das 
Fehlerhafte an, daß ich darin erblidte. Hier hinge⸗ 
gen, wo ich unterfuchen will, worin man die Ber 
feftigungsfunft vervollfommnen könne, verfahre ich 
ganz rücfichtsios. Mit gleicher Freimütbigkeit oder 
Kuͤhnheit, wenn man will, zeige id an, was mir 
tadelhaft fcheint, und fihlage vor, wovon ich glaube, 
daß es an die Stelle deifelben gefegt werden muͤſſe. — 
Worin ich Recht, worin ich Unrecht Habe, werden, 
mich die Urtheile der Kunftverftändigen lehren, has 
heißt, der Ingenieurs, der einſichtsvollen Militär: 
verfonen von allen Rlaffen, und endlich des Puktifums.“ 

Don allen diefen verfchiedenen Urtheilen möchte 
der Verfaffer wohl nichts zu fürchten Haben; wohl 
aber die vollftändigfte Beſtaͤtigung der Auferft guͤn⸗ 
fligen Aufnahme zu Hoffen, welche die erften Bde 
feines Werkes fanden, Die typographiſche Eorgfalt, 
fo wie die Eleganz der Kupfer entſpricht übrigens 
der Wichtigkeit des Inhalts. ttr 





Erinnerungen aus dem verfloffenen Kriege, 
(Gortfehung.) 
Sechster Brief. Nov. 1795. 


onntags den 1. Nov. 1795. Schon in ber 
Dachte hatte ich den Bauern die erhaltene Requiſi— 
tion verdeutfcht; am Morgen fehreibe ich für fie 
eine Borflellung, zeige darin die Unmöglichkeit an, 
gleih Brod zu liefern: — auf den Mühlen kann 
nicht gemahlen werden, die Muͤller find durch Miß— 
bandlungen zum fFortlaufen gezwungen; das Mehl 
ift theils geraubt, theils verfchüttet, und was übrig 
ift, kann nicht gebaden werden, weil die Plünderer 
es balbgebaden aus dem Dfen holen, — ich bitte 
deswegen um Sauvegarde. — 


Schon mit Tagesanbruch fing das Pluͤndern 
wieder an, auch in unferm Haufe, und dauerte faſt 
den ganzer Vormittag ohne Unterlaß fort. Du fragft, 
was konnte man denn nun noch plündern? Je nun, 
viele fuchten auch bei aller Anftrengung vergebens, 
andere begnägten fich mit dem, was die vorigen nicht 
gemocht, oder nicht gefunden hatten. *) 

Der vermaledeite Jude, der Freund meines Hem: 
des, hatte ſich wieder eingefunden, und einen alten 
Ueberrof aufgepadt und gleich angejogen. Da fah 
ich erft ganz, wie fchlecht der Flauſch war. Er paßte 
zu dem Menfchen. — Huch mein Hemd nahm er 
soieder in Anfpruch, und die liebe Hallifche ade, 
welche noch ganz ftaubig war, von den Vorleſungen 
über das Naturrecht umd dergleichen. Den Hals 
durft ich dem Burfchen nicht brechen, wegen feiner 
Kameradfchaft, dabei ging er mir mit dem Bajonet 
zu Leibe; ich fing alſo fhon am, mich zu entfleiden, 
als die andern, welche ich indeifen barangnirte, den 
Teufelskerl en der feitdem auch nicht wieder 
erſchlen. — Auch unter Näubern giebt es Grada— 
tionen, 


finn liegt in der legten Gilbe,) da war, verfiedte 
ich meinen fo hoch beneideten Staat und bällte mich 
in einige Lumpen des Pastoris loci, welche aud) der 
ſchuftigſte Pländerer nicht gewollt hatte: 3. ©. ein 
Paar fammene Beinfleider, welche ein Bolontär ſchon 
bis vor das Dorf gefchleppt und da, als völlig uns 
nüß, wieder mweggeworfen hatte, und alles fo nach 
advenant, wie der Rieſe Goliath. — Mebreren 
Leuten und auch une, wird nun das kaum das halb: 
gebadene Brod aus den Baddfen geſtohlen. «in 
Detachement Keuter fommr, um der Kequifittion Machs 
druck zu geben; wir erzaͤhlen ihnen das Schickſal um 
ferer Bäderei, und bitten Zie als Sauvegarde dazu 
bleiben, und die Badbfen iu bewachen. Einer bleibe, 
und die übrigen ziehen weiter, er Fann aber die Vor 
lontärs nicht zurüd halten; er fprengt fort, — fie 
lachen ihm nad, — er Fomimt mit eincm Detache 
ment zuräd, welches fie endlich zur Ordnung iminat, 
7, Inden? meim Bruder des Morgens dım erilen di: Thüre 
Öfuete, wien Nie ihm gleich ſeine baummvuokene Matze vom dem 
derwundeteu Sopft. 


In einem Moment, mo fein Bejuch (der Haupt: 


Endulch find 66 Laib gebacken ; ein anderes Dorf lie: 


fert 200 dazu; es mill fi die Mühe eriparen, fie 
eine halbe Stunde weiter ıns Hauptquartier zu tras 
gen, und dies ung Überiajfen. Wir beftrafen fie für 
den Egoismus, wie ſichs gebührt. 

Es ift indefjen Mittag und ich habe noch nichts 
gegeffen. Mehr aus Dieugier, wie fich der Menſch 
benebmen würde, als aus Hunger, erjuche ich einen 
Delontär, der an einer Portion halbgetadenen Brod— 
teigs nagt, mir einen Theil ju überlajjen; gurmüs 
thig reicht er mir die beite Hälfte dar, und wir hals 
ten jufammen ein Mahl auf offener Ztraße, en 
freres et compugnons. Doc ip konnte nur we— 
nig von dem abıcheulichen Fraß hinunter bringen. 
Gutmuͤthig ſich entichuldigend fagte er: was füns 
nen wir anders thun? Unſere Commijfare find Spitz⸗ 
buben, fie forgen nicht für uns, nur für ſich. Sie 
geben uns fein Brod, indejjen fie ſchwelgen. Wir 
muͤſſen uns atfo ſelbſt welches zu verſchaffen fuchen, 
Daß dabei Unordnungen vorfallen, iſt natürlich; 
das Elend der Cinwohner iſt gruß, aber das der 
Soldaten ift noch viel größer! — Ich fühlte, daß 
er Hecht hatte. Diefe Kriegefommiffäre find die Haupt: 
quellen unjerer Uebel. Wenn taujend von ihnen ges 
hängt würden, würde noch nicht zehn Unrecht ges 
fhehen. — Doch waren dadurch nicht alle entfchuls 
digt; viele hießen Epmwaaren unberührt, und plünders 
ten nur Geld und Geldes werth. 

Andem ich mich noch mit dem Manne unters 
— trat ein Nationalgarde zu mir, deſſen Miene, 

urmürhigkeit und tiefes Clend verrieth. Freunde 
lich nahm er mich bei der Hand, und fragte mit eis 
ner geheimnißvollen Deine: Vous Ctes le ministre? — 
Oui,t.itoyen! — Vous tes Calviniste? — Oi, 
e suis protestant. — Alı vous ctes C.lviniste, 
k Vai deja entendu,. Moi, je suis aussi Galvi- 
niste, *) Und nun fonnte er feine rechtgläubige, 
aber dabei äußerft gutmuͤthige Freude nicht genug zu 
erfennen geben, Er erfundigte fich eifrig, ob meh— 
rere Calvſniſche im Dorfe wären; ob fie eine Kirche 
im Dorfe hätten, und dergleichen, Der Gedanke, fich 
unter fo vielen Bruͤdern in Calvin, zu befinden, ſchien 
ihn recht innig zu ergößen, Anfangs efelte mir vor 
dem entjeklichen Beinamen Calviniſch. Aber das 
Ohr gewohnt fih om alles; beſonders, wenn ein 
Beiname mit fortel inniger Freude und Liebe ausge: 
fpresben wird, und wenn man ganz andere Benen— 
nungen, die ich nicht miederbolen mag, von dem 
rohen Haufen bören muß. - 

Ich führte ven Bruder Calvin iſt ins Haus, es 
jammerte ibn herzlich, als er den Graͤuel der Merz: 
wüjtung ſah: ga fait, pitie! — Ah, que ca fait 
pitie! rief er einmal Über das andere, Alle Kieinige 
feiten, die noch in den Zimmern umberlagen, fams 
melte er, rieth uns fie zu verfieden, und gab gute 
Anſchlaͤge dazu. 


— — 


ein Tatviniſe? — Du, ich bin ein Protenant. — Mb, fie 
find ealviniſch; Ih babe es ſchou gehört; ich bin auch ein Lak 
kiniher. 


— : — 


riſſenes Wamms onzog, das Fisher noch keinen Lich: 
hader gefunden hatte. Mettez le sur le dos, 
re qu’ alors il ne vous sera pas arrache! Ich 

efolgte feinen Nach und danfe es ibm jekt, denn 
es ſchuͤtzt doch ein wenig gegen die Kälte, 

er erzählte viel von den Verfolgungen, welche 
feine Gtlaubensbrävder, bejonders ihre Seriuchen, vor 
der Revolution, ın Frankreich hätten erdulden müf 
fen. — zus Betragen ſeiner Kamaraden juchte er 
mit der Roth, und mit der Bemerkung zu entſchul⸗ 
digen, weiche ich auch von andern oft hören mußte, 
die Gaͤngſerlic (Karferlichen) hatten es in Frankreich 
noch weit ärger gemacht. — Weit gläubiger Cinfalt 
und einem Blid, als wenn er von dem leidigen 
Sort jei bei uns, Ipräche, erzählte er von den Roth— 
manteln, wie die alles morderen, weder Schwaͤngere 
noch Saͤuglinge verichonten, Kınder fräßen, bejon: 
ders gern ſolche, weiche fie eben aus Mutterleibe ges 
riffen hätten, x. Man fieht, welche ſchredliche Be: 
griffe der Diann von der Barbarei friner Feinde 
hatte, 

Da wir uns fo ruhig und fo faltblätig das Pluͤn⸗ 
dern gefallen liepen, und uns wohl gar mit den Kent: 
Gen in ihrer Epräce uncerhieiten, fo waren wir 
juwinliy ficher vor perjönlichen Mißhandlungen; nur 
emmal, als der Larm gar zu roll wurde, und ich uns 
nicht mehr für perjonlich ficher hielt, winkte ich «ei: 
nem Yieuter, welcher eben durch die Straße rtt, def: 
fen edle wirene mir einen Veſchuͤßer verkuͤndigte. Er 
ſah herauf, ritt aber vorbei, Die Pibnverer hatten 
meinen Wink bemerkt und verſtanden; fie flürmten 
erbittert auf mich en, und ich konnte mich kaum 
vor ihrer Wurh reiten, als der Keuter herein trat 
und zeigte, welches Uebergewicht edle Menſchen über 
gemeine haben, Der Draun mit feiner Miene voll 
ruhiger Groͤhe, voll Kraft und Hoheit, umponirte 
den 40 bis 50 Unholden fo, daß fie davon ſchlichen, 
als habe er fie durch einen Talisman an allen (lie: 
dern gelähmt, 

Da nicht alle Leute fih mit ſoviel Philoſophie 
plündern diepen, fo fielen auch manche abicheuliche 
und manche fehr drolige Scenen ver 3. B. eine 
alte Frau, die ihre Habjeligkeiten wohl verſtecktt butte, 
ftand vor der Thüre und ſchrie den ſich nahendeu 
»Plünderern mit großer, fie gerade verratbender Angft 
entgegen: Ach, Ihr lieben Herren, ıch babe ja mus 
mehr, ich habe nichts mehr; man bat mir allen ge 
nommen; gehe nur gar nice heran! — Kap bie 
pfiffige Frau ihren Zweck verfehlte, laͤßt ſich leicht 
Denfen. Einer der Franzoſen bemerkte, wo ſie ihre 
Schluͤſſel verborgen hate, und zog den Saͤbel, um 
fie von dem Riemen loszuichneiden; die alte Virgi— 
nia glaubte ihre Keuſchheit over hr keben in Gefahr, 
that einen Fomijchen Widerſtand, und ließ ein jams 
mergebeul durch die Zfrapr ſchallen. 

Wenn wir des Abends um unjere gefottene Kar: 
toffein verrammeit find, laden wir „pt ber dergleis 
Ken Auftrute; nur werden mir bad wieder durch 
ernſtere Diachrichien ſinſterer geſtimmt. «ben höre 
ich, daß in einer benachbarten wiuhle ein Franzoſe 
auf dem Kopje jicheno zu fchauen iſt. Der Kerl 
war betrunfen, ſagt der Müuller, iſt Die Treppe bınun: 
ser geſtuͤrzt, uno hat fish den Hals gebrochen; ich 


ann nichts dafhır. — Man weiß fon, wie man 
das zu nehmen bat, und zittert für ihn, — In eis 
nem benachbarten Orte iſt ein Quiraffier : Officier, 
welcher dem ändern wehren wollte, erfchoffen 
worden, Kiner feiner Leute hatte auf der Etelle den 
Morder niedergehauen, und dem Generat Pichegrü, 
der bald — vorbei kam, die Sache vorgeftellt; 
diefer bee fein Betragen gebilligt. — Ein Dauer 
knecht bat einen kranken und unbewaffneten Solda— 
ten, der ihn um den Weg nach Lautern fragte, irre 
geführt und mit Schlägen auf den Kopf fa getöb: 
ter. Einige Zeit nachher fand man noch einige Fe: 
bengzeicyen in dem Unglädlihen, der gewiß recht: 
ſchaffen war, denn die ganze Beute feines Mörders 
beſtand in fünf Kreugern! Wäre er ein Räuber 
wie viele andere geweſen, fo hätte er mehr gehabt. — 
Gott, wenn es unfer guter, braver, rechtichaffener 
Canonier wäre! E. 


(Die Fortfchung folgt.) 
Herrenrechht. 


Wir famen fehr vergnägt aus der Norftellung von 
Vivzarts Figaro, — wir: Braut, Braͤutigam, der alte 
Juſtiztar, und ich, Das Abendejfen im Gaſthofe 
war bereitet: wir feßten uns fröhlich und jeder rer. 
fapıulirte, was ibm befonters in der Oper gefallen 
hatte, oder jonft bemerkenswerth ſchien. 

Aber, beganrı endlich die unbefangene Braut, was 
iſt denn das für ein Recht, worüber fo wunderlich 

efprochen wird, — da, wo das erfle Chor Bauern 
bmmt, und hernach auch ? 

Wir Wehnner waren zu befcheiden, zu lachen, und 
zu uͤberraſcht, ernſthaft auszujehen. — Dasijt ein Recht, 
ſtammelten wir wechſelsweiſe, — ein gewiſſes Kecht, — 
ein gewiſſes Herrenrecht, — vormals nehmlich, — in 
Epanien, verfiehen Lie wohl, — 

Dun? fiel die liebe Braut noch neugieriger ein. 
Sie eben fo geheimnißvoll aus! Was auf dem Then: 
ter geiprochen wird, fann doch wohl auch unter Freun— 
den beiprochen merden ? 

Da, — ganzgewiß — fagte jeder von ung, — 
Indeſſen — aber, — es ift nur — — 

Diun was denn? wendere fie ſich an mid. 

Ahr Herr Bräutigam wird Ihnen wirklich das 
om beutlichften machen fünnen. — 

2% fiebeit du, liebe Aibertine, fiel diefer ein; 
th konnte das zwar: aber die Rede ift von einem 
Rechte, — das verfieher unfer ehrlicher Aufligiar 
am bejien vorzutragen — 

Recht gern, ermwiederte diefer zum Präutigam 
gewender; beionders, da ih mich in Ihren Ange: 
legenheiten gerade mit dieſem Rechte habe befannter 
machen miÄ,fen. 

Wir beide fielen ihm menigftens mit Blicken 
ein, und vermiejen ihm feine vermieinte Unartigkeit. 
Er lieb ſich nicht ſtoͤren: 

Denn, auf ihrem Gute haben und ereriiren Sie 
ja dayjelbe Recht bis auf den heutigen Tag. *) 

*) Der Vrautigam Icbt In Churfachfen. Jenes Gut Heat im 
Lerpiuur Kran. Was von die am Gute gejagt wird, gilt mund 
von micht wenigen andern, Die Eudie ik 38 jeder Stunde 
aetichtuch nadamdeijen, 


"rer Bräutigam unterbrach ihn beleidigt, ich 
woar verlegen, die Braut fing ohnehin an unruhig 
ju werden ; der Alte ließ ſich nicht flören: 

Das muß ich ja wilfen, als Ahr Yuftiglar! Erft 
vor furjem bei der huͤbſchen Braut des —E 
Martin, — Bleiben Sie doch fiken: ib will die 
Sache gehörig erörtern! Jenes Recht, (höne Braut, — 
furj, 25 gab ine Zeit, mo dem Adel, auch dem 
Deutfchen, verflattet war, von jeder —— 
Braut die geheimſten und innigſten Gunſtbezeugun-, 
gen — und zwar che der Bräutigam die Rechte, 
bie ihm Liebe und Trauung gab, geltend machen 
durfte, und mit Wiſſen des armen Liebenden, — 
als Abgabe zu fordern, einzuziehen, und im Verwei— 
gerungsfalle durch St rafen herbei zu treiben, 

Pfuy! Entfeglih! Abfcheulich! riefen wir alle, 
und Eins deflamirte heftig über die Schaͤndlichkeit 
des Despotismus des vornehmen, das Andere, über 
die ſtumpfſinnige Miederträchtigfeit des niedern Stan: 
des im mittleren Zeitalter, Das manche vielgelefene 
Schriftſteller «ben jeßt, um etwas Auffallendes zu 
fagen, als — wer weiß, wie jart, «del und groß, 
gar nicht genug erheben und preifen können. 

Mur der AYuftiziar blieb in feiner ruhigen Ge: 
muͤthuchkeit, und fuhr fort, indem er langlam und 
fehr appetitlid feinen Burgunder ſchluͤrfte: Ya, und 
dieſes leidige Recht iſt richtig auf Ihrem Gute im 
Schwange, und Er — — 


INNE EN OO 


Mas? Ich? fiel der Bräutigam ein. 

Sie ererziren es noch — — oder viel⸗ 
mehr Ihre Leute in Ihrem Namen! 

Der Bräutigam fuhr, die Braut ftand auf, 5os 


hen Purpur auf den Wangen. 


Was kann das helfen: es iſt fo! feßte der Jus 
fligiar hinzu. Mur daß es feit geraumer Zeit flille 
ſchweigend zugeflanden ift, daß fg die Braut von 
Ahnen losfauft. 

Nun kam denn endli folgendes Faftum heraus: 
Dede Braut, die als Jungfrau verlobt und eben ge: 
trauet ift, hat ſich noch jetzt nach dem Brautreigen 
in der Macht des Trauungstages dem Beſitzer des 
Gutes in Perfon zu ftellen, und muß fich von ihm 
und jenem Prärogativ Durch einen gerichtlich vorges 
fihriebenen „Silbergrofchen, der aber in ek 
nem Beutel ohne Math gereicht werden 
muß,“ — dosfaufen. Hierbei ift jedoch fehr 
eingefhärft und mohlverfiaufulirt,. (movon man 
die Urſachen auch von ſelbſt finden wird, —) 
daß diefer Aftus durchaus noch vor Sonnenauf: 
gang geſchehen muß, oder die Braut muß für jede 
Etunde, die fie nad Sonnenaufgang koͤmmt, noch 
einen &ilbergrofchen zulegen. 

Es verfteht fih, daß mir nun Über den faubern 
Gebrauch lachten. Unſer Bräutigam aber verſprach 
feiner Albertine, fie folle in Zukunft allegeit den Sil⸗ 
bergrofchen in Empfang nehmen, — z. 





Niht-politifhe Zeitung. Nro. 12. 


Paris. 


E. Vademekum, mac dem Miphaber geordnet, unter dem 
zitet: L’Improvisateur Français, macht viel Glück. Schon 
AR im kurzer Zeit der fechdte Band davon erſchienen, der aber 
erit die Buchſtaben E und D enthalt. Das Tier scheint alſo 
auf eine ſehr arose Anzahl von Vanden berechnet, umd wird 
wahrſcheinlich ein allgemeines Magazin der Bonmots umd der 
Anekdoten aller Zeiten, 

— Die berühmte Schwaͤngerſcchaft eines wiersehmiährigen 
Knaben zu Rouen, wird jegt von den Commiſſarlen der Medir 
unniſchen Societat für eine der nicht ſehr felmen Zwillingsr 
Empfangniie erflärt, im welchen zwei Keime zuſammenwachſen. 
Das unsrhörte Wunder ift alſo ſchon verſchwuuden. 

— Der finnreihe Gader-de-Viaux bat ein Mittel er⸗ 
funden, Waſche bob durch den Dampf der Lauge zu reinigen, 
und die angeßellten Verfuche find alicklich ausgzrallın. 

— @iccard hat wieder am 30. Mefidor im seinem Tanks 
Aummen + Inftitut eine bffeutliche Eigung oder Prudung gehal⸗ 
ten, in welcher er die Theorie feiner Zeichenioriche entwickelte 
und die gewohnlichen Verſuche machen lieh. Am Ende derſel⸗ 
ben lag ein taublummes Madden von sehn Jahren einige auf 
geihriebene Phrasen verſtandlich, doch ohne die Naſentone, her, 
Dieſes Eroeriment wird als Der hochſte Triumph der Untere 
ridts Kunſt aeprieien. Man weiũ au Paris noch nicht, — ober 
ignoriert man es vorſetzlich? — das ber verdienſtvolle Proſeſſor 
Eſchte zu Berlin feit mehrern Jahren schon ſeine Zoglinze ſo 
weit bringt, daß er gar micht der Zeichenſprache mit ihnen be 
darf, fondern dah fie ihm umd jeden der genau artikulirt, bloq 
durch Beobachtung der Gewerungen des Munded, verichn und 
ibm durch geſprochene orte antworten, Er it iogar im Grande 
mit feinen Zoylıngen, ohne Zeichen, in Gegenwart von Horenden 





ein Geſpraͤch zu führen, das dieſe Iehterm micht verfichn, indenu 
er die Bewegungen des Mundes sum Ausipredben macht, ohne 
die Töne laut werden zu dafen. Wenige Fremde verſaumen es 
in Paris, Eiccard zu beſuchen; aber Eichtens ſehr viel merk 
geürdigere Eebranftait tennen ſelbſt aur wenig Berliner geuaun. — 


Berlin, am 2. Auguf, 


8. wurde in der Königl. Periniere fir Wundarineftunſt, 
eine ofentliche Prürung gehalten, die achte ſeit der Stiftung 
dieſer vortreflichen Anftalt, die erſte aber im dem neuen Pallaß⸗ 
ähnlichen Haufe, dad Ge Moietit dem Herrn General: Etnabse 
Chirurgus Gördfe au dieſer Pepiniere geichentt haben. — In Ge 
geuwart Er GErellence des Herrn Feldmaridalt von Möltendorf, 
der Heren Generale von Geuſau, Gotz und Pariich, wieler Win 
lieder der Akademie und eines zahlreichen Nuditorlums von 
eichrten, legten die Zoglinge Der Peviniere Beweiſe ihrer aus—⸗ 
geztichneten Fortichritte im ber Anatomie, der Chirurgie, der 
Phynt umd der Lateiniſchen, Sramorichen und Polnichen 
Soprache ab. Die Reſultate der Prüfung und die muſterhaſte 
Einribtung des Gamen, machen den beim Einfichten und dem 
Charatter des Deren General: Ehiruraus Görfe, Directors 
dieſer Anſtalt, welder Die Armee ſchon fchr ausgejeichnete Man— 
ner verbantt, arofe Ehre. — Zum Veſchlugß der Feietſichtent 
hielt Herr General: Graabs » Chiruraus Murinna eine Node, Er 
erjablte im derſelben die Geichlchte Der Chirurgie in Deutſchland, 
vorzialich im Wreusiihen Gtaate, wahrend dei verlorenen 
Jahrhunderes und mgte eine Würdigung der ausgezeichneteſten 
Lehrer der Wundarznetkunſt Minze, eine Nede war chem io 
lebhaft als gelehrt, und der Vortrag derſelben ubernaichte die 
Zubörer mit der Eutdeckung, dah der Mann, den bie gelehrte 
Wert ſchon wegen io manminiacher Verdienſte ehrt, mit diefen 
auch das Talent des Redners verbindet. 


1804. 


Der F 


Sonnabend, 
Ern ſt 


eiteratur. 
Genua und Rache. Ein Trauerſpiel von Babo. 


re 


—— — 


und 


Di Fabel diefes Stuͤckes, die Herr Babo größten: 
theils aus de Maillys Histoire de G&nes zeg, und 
die fich im Jahr 1372 ereignet bat, iſt folgende: Jakob 
und Cialf, aus dem Haufe £ufignan, haben ihren 
Bruder Pedro, König von Cypern, heimlich vergifs 
ter und fich der Regierung widerrechilich bemächtigt, 
Um deifen Sohn in ewiger Unmoͤndigkeit zu erhalten, 
verfenten fie ihn in den Schlamm aller nur möge 
lichen Wellüfte, — ein Plan, der ihnen bei der 
Charakterlofigkeit des jungen Menſchen ohne Echwie: 
rigfeit auf das vollfommenfte gelingt, Die Mutter 
deffeiben wird von Cialf geliebt. Er. will fie heiras 
then; fie aber flüge feine Hand mir Verachtung 
aus, und entzieht ſich hierauf den meuchelmörderijchen 
Nachſtellungen des Unmenſchen, anfangs durch Ent 
ſchloſſenheit und Vorſicht, — nachher durch erdichtes 
ten Wahnfinn und Froͤmmelei, — jwei Dinge, bie 
fich allerdings fehr gut mit einander vereinigen laſſen, 
wenn fie anders verfihieden find. Die beiden Ufurs 
patoren wuͤthen indeß gieich biutfaugenden Vampyren, 
Gräuel bäufend auf Gräuel. Unter andern lajien 
fie einmal einige hundert Genuefer, unter dem Bors 
wande, daß fie das Volk hätten aufmwiegeln wollen, 
unfhuidiger Weife hinrichten, um das Vermögen 
derfeiben eingiehn zu koͤnnen. 

Die Kepublif Genua rüftet dreizehn Schiffe aus, 





o der —— 





Nro. 155. 


müuthbige 


den 4. Auguſt. 


S ei z. 


— ⸗ 


dieſe Unthat zu beſtrafen. — Hier beginnt die Hand⸗ 
lung des Stuͤcks und zwar damit, daß die Königin 
mit der Erfahrenheit einer Freudenbaus : Vorfteherin, 
eine fchöne edle Genueferin, Roſaura Gamelli, untere 
richtet, wie fie den Prinzen — in ſich vertiebt machen 
könne. Cie bat bierbei die gute Abficht, ihn zu 
prüfen, ob noch ein Aunfen von Ehrgefühl und Zus 
gend bei ibm unter der Aſche feines Herzens glimme, 
und — wenn dies der Fall fein follte, — ihn durch 
Liebe auf die Bahn der Moralität zu führen. Die 
Herren Oheime find unterdejfen auch nicht muͤßig. 
Eie machen den Plan, ihren Hieffen mit Jolen, einer 
natürlichen Tochter des Griechifchen Kaifers Tantas 
eugen, einem wollüftigen, abgefeimten, raͤnkevollen, 
grundböfen Geſchoͤpf, zu verfuppeln, um ibn fo 
unter den Pantoffel zu bringen und in fortdauernder 
Abhängigkeit zu erhalten. — Argliftig genug, und 
doch einfaͤltig: denn hätten fie nur einen Gran Mut 
terwiß, fo müßten fie einiehn, daß ihnen diefe Sole 
weit gefährlicher fein werde, als der bejammernds 
würdige Prinz es jemals werden fonnte, Sole, die: 
fer Abſchaum ihres Geſchlechts, erachtet es hierauf 
für dienlich, ihre Nebenbuhlerin, Roſaura Gamelli, 
durch Gift aus dem Wege zu räumen, Sie voll 
bringt diefe Schandthat mit der größten Eisfälte und 
Beſonnenheit und auf fo liflige Weite, daß der Ders 
dacht des Meucheimerds auf die alte Königin fallen 
muß. — Die Genuefer landen hierauf, und — um 
es furg zu machen — ber Yrinz, durch den Tod 
Kofaurens erſchuͤttert, wird plbblich weiſe, beiden: 


EEE — 


— 19 — 


muͤthig und ſelbſtſtaͤndig. Er ergreift die Zuͤgel der 
Regierung und beginnt die Ausuͤbung feiner koͤnig— 
lichen Gewalt damit, daß er feine wärbigen Oheime 
in: die unterirdifche Gruft, in welcher fein ermors 
derer Vater begraben liegt, auf Lebenszeit einferfern 
läßt, worauf das Trauerfpiel mit Schreden ein Ende 
nimmt, 

Das Suͤjet des Stuͤckes iſt, mie man ficht 
fehr ſchlecht gewählt: denn es hat Fein Intereſſe. 
Rache, Rache und wieder Rache durch Verbrechen 
für Verbrechen, das ift fein Inhalt, Es bat feine 
Handlung, fondern nur ſich durchkreuzende Thätig: 
keit der einzelnen Perfonen, deren Erfolg durch zus 
fällige politiſche Ereigniffe entfchieden wird; es bat, 
roas noch bdrolliger ift, fogar Eeinen Helden, Eeine 
Hauptperfon, welche die Handlung lenkt, nicht ein 
mal eine, die das ntereffe an fich knuͤpft. Den 
erbärmlichen Prinzen könnte man nur aus Ironie 
und Perfifflage fo nennen: denn er iſt gar nichts. 
Zwar einmal — jum erfien Male in feinem Leben — 
bat er den Einfall, einen Eäbel umzuſchnallen; 
allein felbft feinem Oheim Cialf kommt das fo Fomifch 
vor, daf er lachend ausruft: „Nun, ich bin bach 
begierig zu hören, was der Degen und das Prinz 
Ken mit einander wollen.“ — Die Hinrichtung 
der Genuefer nennt er lachend einen — Spaß; 
den Wahnſinn feiner Mutter bdeegleichen. Ja er 
denkt gar fo verrucht, die Unglüdliche, die ihm das 
Leben gab, dem Ghefpötte fremder Mienfchen preiszus 
geben. Don feinem Onkel bettelt er Geld, um eine 
Echäferftunde damit zu bezahlen, und hinterher ers 
fährt man, daß er heimlich Gold zufammengefpart 
und verftedt hat, eine Meinungen und Gefinnuns 
gen werden jederzeit durch das beflimmt, was ibm 
kurz zuvor jemand vorſchwatzte. Er behauptet mit: 
bin in diefer Scene das, und in der nächften gerade 
das Gegentheil davon. Wenn gleichwohl diefe Mario— 
nette gegen das Ende des Stuͤcks, wuͤthend in den 
Feind einhaut; fo kann man das zwar für pſycholo⸗ 
gifch richtig gelten laffen, allein fie ift ſchon zu ver: 
ächtlich geworden, als daß diefe vorübergehende Aufs 
mwallung fie intereffant machen fünnte, — 

Die alten dummeöpfigten Ufurpatoren weiß ich 
nicht beſſer zu charakteriſiren, als mit den Worten 
Gravilles: „Der Herr Jakob würdigt alle Dinge 
in der Welt nur darnach, ob ſich Goldſtuͤcke daraus 
müngen, oder preffen laffen, und für den Herrn 
Cialf hat auch gar nichts eine Bedeutung, als was 
fi ſchlucen, fhlärfen oder auf fonftige Weife ges 
nießen läßt.” Auch diefe Charaktere find gar fehr 
wahr und natürlich, aber — Feine Helden. — 
Kofaura Gamelli wird zwar ein edles Mädchen 


genannt; allein fie iſt nur eine Mebenperfon, und 
ihr Charakter ift nichts weniger als unzweideutig. 
Ein edles und dabei fo Fluges Mätchen als Ru: _ 
faura feyn fell, läuft nicht zu einem ausfchweifenden 
Süngling, der eine Echäferftunde bei ihr bejfellte, 
allein auf das Zimmer; es muß ihr wohl einfallen, 
daß der Prinz fie wenigftens durch verfuchte Gewalt 
befhimpfen koͤnne. — Um nichts bejfer iſt der Cha— 
rafter der Königin. Eine Intriguante die fich Jahre 
lang fo vollkommen verflellen fann, daß fie alles um 
fich ber täufcht, — in deren Herzen nur das Gift 
der Mache Focht, die fich zur Kupplerin erniedrigt, 
um ihren Sohn für ihre Plane zu gewinnen, nein! 
eine dergleichen Perfonnage iſt wenigftens auch feine 
intereffante Heldin. Diefe unnatürlich = verderbte 
Jole endlihd — vorüber! — Ich zweifle, daß der 
Teufel diefe Preatur für feine Tochter erkennen würde, 
fo gar ſcheuslich ift fie. Ihr efelbaftes Yiebesver: 
ffändnig mit dem alten Cialf, ihre Giftmiſcherei, ihr — 
doch ich verfhong den Leſer mit. der Oeffnung biefes 
moralifchen Kadavers. Die Hauptperfonen find, wie 
man fieht, zurüditoßend und es gewährt einen hoͤchſt 
midrigen Anblick, diefe Nichrewürdigen, die Fäden 
ihrer ſataniſchen Kabalen, gleich giftigen Epinnen, 
aus den Echleimbeuteln ihrer hoͤlliſchen Herzen ber: 
vorziehn und in einander verpfiten zu fehn. — 
Uebrigens ift der Dialog faſt immer leicht und 
gut, die Charaktere find, in ihrer Unwuͤrdigkeit, 
größtentbeile richtig dargeftellt, die Folge der 
einzelnen Scenen ift nicht felten mit Einſicht ange: 
ordnet, und manche einzelne Scene thur Effeft, aber 
das Alles kann nicht dafür eröften, daß der Verfaſſer 
eines Otto von Wittelsbach, ein im Ganzen fo böcyft 
mittelmäßiges Speftafeiftüd in die Welt fegen Eonnte, 
— dt. 
Morgenländifche Rampffpiele an einem Türfir 
fhen Fefttage zu Conſtantinopel. 
( Bortfeßung.) 
Hir baben die Tuͤrtinnen befonders ihre Plaͤtze 
eingenommen, um dem Kampfe der Jünglinge aus 
ber ferne mit zu zufehen, und Lob oder Tadel ihren 
aymnaftiihen Uebungen zu fpenden. Doch Ehren: 
preife auszucheilen, — jenen holden Zuſchauerin— 
nen der Turniere, an die Dliter des Spiels, iſt ibe 
nen nicht vergönnt: von den Argusaugen der fchrmare 
jen entmannten Hüter ohne Unterlaß beobachtet, wa: 
gen fie es Faum, fich enthufiastifcher für dirfen oder 
ger der Kämpfer, gegen die Öefpielinnen zu äußern, 
Ilein die weibliche Sungenregfamfeit läßt fich dadurch 
nicht im Zaum balten, und ſchon von fern vernimme 
man die flarfe Muſik ihrer melodifchen Etimmen, 
die ſich unaufbörtih durchfreuzen, und in nnverfländs 
liche Töne verhallen für den Fremden, welcher ſich 
den Dertern nähert, wo die dicht verhüllten Frauen: 
simmergeftalten in mannigfaltigen Gruppirungen neben 
einander ſihzen. 


Ich erftieg eine zunaͤchſt (ngenbe Anhöhe, welche 
jum Gluͤck noch von feinem Harem singenenmen 
mar, Kein troßiger Eunuch vertrat mir den Weg 

nd keine dem Gebieter geborjame Zilasin winkte 
den Befehl entgegen, mich entfernt zu balten. Ein 
bheiteres, ſchlmmerndes Licht hatte ſich Üler alle Envis 
vons des Okmeidans ausgegojfen, die frıfchen Braun: 
geruͤche durchdrangen und jtärkten mich, und die Bb: 
gel wırbelten mit ıbrem froben Geſang mich zu neuer, 
rafcherer Lebensglurh empor, Himmel und Erde ſchie— 
nen mich mit freundlicher Liebe zu umfajfen, und ich 
fühlte mich an Körper und Geiſt ur.ausjpreshlich wohl 
und empfänglich für jeglichen Eindrud, 

Neben den Hügeln hin waren Zelte, von aller: 
lei Geftalt und Groge aufgefchlagen, alle fah ich be 
reits von Mufelmännern und Griechen angerüllt, die 
rubig den Dampf ihrer langen Tabafsröhren, durch 
Mund und Naſe aushauchten, während dem ein 
wilder Boltslärm alle Räume duchdrang. Die 
Kaffetiers und Scherbethaͤndler in ihren Pavillons 
und Buden, tie fo leicht gebauet find, daf fie nur 
für Einen Tag beftimme zu ſeyn fiheinen, haben 
{don alle Hände voll zu thun, und die Verkäufer 
von Platſchinta, Paſteichen, Torten und warmen 
Zuckergebackenem laffen ihre Ereifchenden Etimmen 
an allen Eden hören. 

Zahlreihe Banden von Mufifanten, durchfirei: 
fen indejfen das weit und breit mit Dienfhen be 
fäete Feld, und mo fie ein leeres Plaͤtzchen finden, 
da fihließen fie einen Kreis und laffen den vauıchen: 
den Klang ihrer Inſtrumente erronen, der dem 
mergenländifhen Ohr fo lieblich vorkommt. Hier 
fpringen die Orientalifchen Luſtigmacher wie Sbefeffene 
auf den ſchoͤnen Grasteppichen herum und treiben 
Erüße, wie mweiland unfere Harlekins, doch mit 
beim Unterfdiede, daß keine Zoten oder IRorte, weiche 
ben Wohlſtand und die Sittſamkeit beleidigen, ihren 
Lippen entfliehen; dort ftehen die Arabıfchen Impro— 
vifatoren auf ihren Kednerbähnen, und aufmerk 
famer kann Faum ein Cicero angehört worden feyn, 
ala der Tuͤrkiſche Pübel gaffend und flaunend Dielen 
Oientaliſchen Bänfelfängern zuhorcht. Hier tanzen 
die Öffentlichen Freudendirnen in den barediten Ge: 
wändern, oft halb oder ganz mie Männer Feftundrt, 
mir Federn auf den Köpfen und langen bunten Tür 
chern in den Händen, womit fie die poffterlichften 


Bewegungen machen; dort zeigt ein Muje.männifcher 


Jertules feine feltene Leibesftärfe, indem er ein 
Stuͤck Eifen, far mie ein Nmboß, fchmwebend auf 
ben Händen trägt, es fih auf die Schultern legt, 
dann wieder auf den ausgefiredten Arm, Hier find 
Equitibriften, melche mit Reiſen und Ringen die ge: 
wandteften Bewegungen machen, mit ungeheuren 
Etangen und Baumftämmen balanciren, durch einen 
gefährvollen Salto mortale die Menge um ſich zu 
verjammeln wiſſen; dort machen ein paar raben: 
ſchwarze Maͤdchen Drebtänge ganze Viertelftunden 
lang, und gleichen weniger menſchlichen Mafchinen 
als autematiſchen Kreifeln, deren Beweglichkeit ein 
Käfiner fehmerlich mathematiſch zu deinonftriren 
vermöchte, wenn er noch lebte, * geben die Zau⸗ 
berer ihre Vot ſtellungen, die Quackſalber ihre Rezepte, 
und Meditamente; dort find die Marionetten- und 


Schattenſpiele in einer Bude, und dort die Sud: 
faften aufgeftellt. 

Inzwiſchen erheben fi Staubwolken, von allen 
Seiten und allenthalben kommen Reiter angefprengt; 
glänzende Züge von Pferden mit Gold: und Silber⸗ 
geſtidten Diden, vornehine Türken im ſchimmern⸗ 
den Gedräng' ihrer Dienericaften, Veamten und 
Veziere der hoben Pforte, umgeben von ihren Leib: 
machen und Zflavenfchaaren, ziehen mit Drientali 
fhen Pomp einher. Doch fiche, weich” ein feiers 
liches Gepraͤnge Fommt da vom Meere ber, vom 
Etaube, wie in elnen Hebel gehüllt und dennoch 
durch denfelben firalend von Geld? Vor ibm ber 
wälze fih ein Haufe Boftandfchis im vollen Laufe 

eran, und die Menge macht ibnen an allen Orten 
Maß und firömt rechts und links zjurüd, Schnell 
wendet ſich Alles feitwärts, man fieht überall die 
Teppiche von der Erde aufraffen, die Pferde abfuͤh— 
ren, und felbft die Züge der Tuͤrkiſchen Großen neh: 
men ebrerbierig einen Ummeg, um an den Ort ihrer 
Deftimmung zu gelangen. Es ift die Sultanin 
Malide, die ehrwürdige Mutter des —— 
Kaiſers, die von einem ihrer Sommerſchloͤſſer am 
Bosperus anlangt, um dem Waffenfeſte mit beijus 
rechnen. &tolj, und die ganze verfammelte Menge 
mit einem verachtenden Blick betrachtend, gallopiren 
die verfchnittenen Großen des Seraile heran; ge: 
roohnt, daß jeder ihren Winfen geherſame, und allen 
gleich fürchterlich in der beftändigen Naͤhe des allge: 
waltigen Eeibfiberrfchers, balten fie es faum der 
Muͤhe werth, den fflavifchen Mienen ber Umfte: 
a einen leichten Gruß zu fihenfen; rohe Wild: 
eit ift in ihren Bliden, und ihre Geſichts juͤge vers 
rathen ein Gemiſch von gränzenlofer Kedfheit, Citel⸗ 
keit und Aufgeblafenheit, Endlich, nachdem überall 
Platz geboten und gemacht iſt, kommt der goldene 
Wagen der Kaijerin berbeigefabren, mit zwei Ichönen 
—— beſrannt, deren Geſchirr und Kopfputz von 
Nerlen und Edelſteinen prangt. Um ibn herum be— 
finder ſich ein dichter Haufen verhuͤllter Stlavinnen, 
und die Eultanin figt felbit hinter dem Gitter in 
tiefer Derfchleierung. Hintennach folgen noch ſchwarze 
Cunuchen zu Fuß und ein prächtiger, an drei Orten 
auf den Zeiten zugemachter Balvachin mit Morgen: 
ländifchen koͤſtlichen Verzierungen, wird von weißen 
Derfchnittenen vachgetragen. Den Schluß machen 
nch einige Kapidfchi’s und Boſtandſchis, 
welche gleihfam die Arrieregarde bilden. 

Der Zug der Eultanin begab fi nach einem 
etwas entfernten Hügel, wo die Schwarzen den 
Thronhimmel aufpflaniten, koſthare Teppiche und 
Polſter auf dem Rußboden ausbreiteten und die Trink⸗ 
fbaalen und Erfrifhungen auefiellten. Nachdem fich 
alle, außer den ſchwarzen Verfehnittenen, entfernt 
hatten, flieg die Kaiferin Mutter aus dem Wagen 
und ließ fich, umgeben von gen Eflavinuen, nad 
dem Baldachin geleiten, wo fie fich mit untergefchla: 
enen Beinen niederzuieken fehlen, während dem die 

klavinnen und Eunuchen ſich vor den @ingang 
poftirten, und die weißen Halbmänner und übrigen 
Degleiter mit dem Wagen in einer ziemlichen Diſtanz 


hmen. 
—— ſind ſchon die noͤthigen Vorbereitungen 


ju den Kampfübungen gemacht werden. Hin und 
wieder hat mian auf der Ebene hohe Baͤume und 
Maite — mit Knöpfen oder Kugeln oben 
verfehen. An andern Orten bemerft man Ziele 5 — 6 
Schuͤh hoch, über eine Klafter weir von einander 
fiebend, welche zu dem Mailfpiel zu Pferd ge 
braucht werden, wobei die Kugeln immer zwiſchen 
welen ſolcher Zeilen hindurch getrieben werden muͤſſen. 
- Op Reifen hängen allerhand Arten von Baͤllen und 
auf Pfählen find mancherlei Figuren aufgeitedt, wie 
bei unfern Karroußellen. Mehrere O iziere des 
Etamboli: Effendi fangen an, ven zu ben 
Kampfipielen beitimmten ’Plaß ven müßigen Zr 
(dauern zu reinigen und Die Anzahl, der ſich auf 
einen Punkt verammelnden ‘Pferde und Keuter, 
nimmt mit jedem Augenblick zu. 


Ich ſtreife unterdeſſen auf den weiten Umge— 
bungen des Okineidans umher, und bie mannigfal⸗ 
tigſten Scenen bieten mir Stoff zu Betrachtungen 
ale: Art dar. Das Gewuͤhl iſt bin und wieder uns 
üterjebbar und es iſt ein Gelaͤrm, als bärte man 
<olle von den Ketten losgelaffen. Lett drängt ſich 
auf einmal alles nah dem Kampſplabe bin, und ein 
dibter Kreis ziehe fich im einer beträchtlichen Ent: 
fernung um denielben berum, Die Unordnun ift 
unbeiwreiblich: «einer Überläuft den andern, ſibßt, 
beibmuzt ihn, man tobt, man lärmt, fült, fchreiet, 
jante, mitunter bört man die Kuhe : gebietenden 
Erunmen der Janitſcharen. 


100 — 


Die Rampfluftigen haben fih nun in Reihen 
he und um ihre Anführer yerjammelt. In fau- 
endem Gallop kommen jegt Haufen berielben auf 
den Dfmeidan gefprengt, die Beluſtigungen mit dem 
Dibirid nehmen ihren Anfang. Man nennt fo 
in der ganten Levante eine Art von Wurfirieß , deilen 
ſich die Tuͤrken ſowohl als die Perfer und Araber, 
auch im Kriege als Angrifewarfe bedienen. Es ift 
eine hölterne Stange, vorn zugejpißt, binten etwas 
dit und ungefähr 35 Fuß lang. Diejenigen Dſchi— 
rid's, welche bei den gumnaftifchen Uebungen der 
Morgenländer gebraucht werden, müffen aber allezeit 
von einem tehr leichten Holge, z. B. der Weide oder 
des Dartelbaums verfertigt feyn, weil, wenn es 
fchreerer wäre, leicht Ungluͤck entſtehen könnte. Don 
diejer Art von Epießen bat übrigens dies ganze 
Kampfipiel den Namen Dſchirid erhalten, 


(Die Fortſehung folgt.) 
Gedanken. 


Wr von Jedermann Gutes fpricht, iſt eben fe 
wenig der rechte Diann, als der, weicher von je: 
dem Boͤſes ſpricht. Denft er, was er fügt, fo ift 
er ein Dummkopf und denkt ers nicht, — ein fchlei: 
chender Berrüger, — 

Um voigzig, ſchoͤn, geift: und Fraftvoll zu fehrels 
ben, fihreibt man weniger wahr. Das ift eitel 
und cine böje Plage. — 


— — — —— — — 


Richt: 
Aus St. Petersburg. 


DIL Soarſamtelt it zwar Charatterzug der jegigen begluclen⸗ 
den Regierung, aber wohl verdanden, eine weiſt Sparſamtelt. 
Senn es aufs Wohl der Menſchheit, oder auf wahren Nutzen ans 
tommt, berricht Kaiſerliche Rreigebiateit. Wie viele Miltonen 
foften wicht die Ersiebunseanftatten allein, und die Anſtalt Mir 
Die feidende umd hülftoſe Menihbert, welche von der bohen 
Krone unterhalten werden umd Die offentlichen Vanten, jur Rear 
fchönerumg Verereburg und mehrerer anderer Stadte. Nach eir 
nem ſehr mañtagen Anſchlage tonnen die Bauform allein anf 
ſechs Mitltonen fur dieſes Jahr, gerechnet werden. Das ſchone 
Petersburg wird aber auch nach wenlgen Jahren in einer er— 
köbren Glorie hervortreten, wenn der Vau der Carhedraltinde 
(nach dem Moden der Peterstirche su Nom), die Einutung 
alter Kamale und des rechten Nevaufere mit Granit, die Ber 
einigung der Newa, Da, wo fie beim Newskiſchen Kloſter in 
die Stadt einſtromt und beim Katharinenbor, wo fie (ih bald 
ins Meer ergieft, durch dem gam mew anzulegenden Hi:mmnders 
Kanal, die Kaſerne unwent des Tauriichen Parse, die neue 
Borſe, weiche mit dem Gebaude der Akademie der Wif niciaf⸗ 
ten in Bertindung treten wird, md uns vhlige andere Kroxa6⸗ 
gebäude erft vollendet ſeyn werden. Der huldreiche Monarch, 
der jo gern Die Laſten feiner unterthanen erleichtert, kant alle 
der Krone suikandige Gebäude, welde zucu Theil sehr in Ber 
fat und wnbemohnt waren, in den befien Etan» jenem, um 
den Burgerhauſern die Cinquartirungen des Militairs und der 
Beamten, welche unmittelbar im Dienle des Kaiſerhauſes ſte⸗ 
ben und auf Wohnung angewieſen find, absunshmen, Zwar 
wurden Diee Einquartirungen bisher gemeinialih dent, dir 
darauf Anforirdhe machen konnte, jedoch mad einer wiltiihrlis 
ben Uebersintunit, von den Hauswirthen mit Geld vergutet, 
allein naturlich net Dies auf die Micrhen, Die dadurch rar zu 
einer unerihwinglichen Hohe geſtiegen find, Durch bie abs 


politifdhe Zeitung. 


Nro. 13. 


nabne: dieſer Pa und mehrerer anderer, 4 B. der Straßener; 
leuchtana, der Poltssimarden in den Errafien, (in dem foger 
nankten Wutten.) niinſen die Mischen notwendig falten. Uebri⸗ 
gend iſt es in der That eine auffallende Erſcheinung, daß der 
umahlıaza Bauten von Wohnhauſern ungeachtet, die jahrlich 
Erst gerumden haben und Statt finden, die Mierhen ſo tat 
gen donnten. Ob der Zuwachs dir Menſchenmaſſe, oder der 
zum Bebirinii gewordene Yuras geranmiger Wohnungen, daran 
SEchutd if, Dies vermag ich nicht zu emticheiden. Wenigins iſt 
ſeviel gewi, dag wei einzelne Beute mittlern Standes ohne 
fl? bis ſedn Zimmer nicht aut ſertig werden konnen, und 
dirie toten fieben shis adıtbund.rt, und mir Stallung und Wa— 
genſchrunt, auch wohl tauſend bis zwoͤlihundert Rubel im Ju: 


nern der Stadt. 
Leipzig. 


Einen Vewels, wiewohl ſich der Zeichenmeiſter Netto bei felr 
wem Tedtengeaberumte befinden mag, wicht Die d6. Nr. der. 
Zirung für die etegante Welt. Der Memwirbiihe Herr Hof 
tarh, wie auch Ehreuntalied des Et. Joadıms + Orden Kerr 
Eviyier, bar in derſelben einen mit G. B. tnterhriebenen Brief 
drucken laſſen, im weichem er allen Höfen eimlendiiad zu mas 
dem ſucht, wie viel ie dabei am Girgellac, Federn u. ſ. w. 
gewinnen würden, wenn fie dbm LCoder feine Zettung, sum 
altyenızinen Todtenaninger und Kindtaufbitter beferdirten, Geime 
Borſtellung tik, wie man behauptet, nicht san; iruchtlos gewer 
ven, Ja dem Maroccantſchen Cabinet fol, mad reifer Ucherle⸗ 
gung beftforwen ſeyn, igm Die Würde eines geheimen Ober⸗ 
Leiſderhuhns zu ertweilen ; auch ſagt man, hat der Dalai s Yama 
verordnet, dah barıater Herr Hofrath Spasier regelmatig durch 
Linerins benackricpt werben folle, ſo oft feine Lamattat Medisin 
genommen, 


—r — 


1804. 





4 


ARISTIDES, 


Nro. 156. 


Der Sreimüthise 


Montag, — — 


Ernt 


— —— 


Literatur 
Magazin ſchrecklicher Ereigniſſe und fuͤrchterlicher 
Geſchichten. Verziert mit feinen (1) Kupfer— 
ſtichen. Leipzig, erſtes und zweites Heft. 


enn das fuͤrchterliche Geſchichten ſind, daß man 
aus laͤngſt bekannten Romanen Auszuͤge mat, Ti: 
tel, Namen und Orte verändert, ſtatt feiner Kupfer: 
ſtiche Sudeleien liefert, und dies nun alles als neu 
und fein verfauft, — fo verdient dies Magazin ak 
lerdings feinen Titel im vollen Maaße. Das ganze 
erfie Heft ift ein Auszug aus dem 1797 bei Micolos 
vlus in Königsberg erfhienenen Roman, „die Ita: 
tienerin oder der Beichtftuhl der ſchwarzen Buͤßenden,“ 
(aus dem Englifhen der Mif Anna Radelif 1); 
bier“heißt aber der Titel: ber mitternächtliche Meu: 
chelmoͤrder. Die Dame Ellena di Roſalba, iſt in eine 
Amanda Pufiani, der Herr Vivaldi in einen Gio— 
varıno di Sardo umgerrandelt, u. ſ. w. Ob die fürch 
terliche Geſchichte im zweiten Heft auch ein folches 
Raubſtuͤck ift, ünnen wir nicht angeben. Uebrigens 
iſt nicht zu laͤugnen, daß der Auszug im erften Heft 
gut und ziemlich gedrängt erzähle iſt, daher den Le— 
fern, denen fie aus der Quelle nit befannt ift, 
Unterhaltung gewähren wird. 

Mu 1. 
Sargino. Drama eroicomico in due Atti. Gar: 
gin, oder der Zoͤgling ber Liche, (Don Par.) 


ie Muſik gu biefer Oper iſt reich an neuen und 
ſchoͤnen Gedanken, kuͤhnen Uebergängen, leichter Dos 


ober —— 


und 


den 6. Auguſt. 
Sherry 


dulation, felten einfbrmig, fondern faft durchgängig 
mit Feuer und Ernft gemiſcht. Die Ouvertüre iſt 
nicht, wie in einigen unferer neueften Opern, eine 
raufchente, lärmende, charafterlofe Phantafie, fon: 
dern der Hauptgedanfe iſt mit Kunft durchgeführt, 
und man fieht, der Kompenift bat fein Werk durd: 
dacht. Das erſte Duett üft lieblich und aͤußerſt naiv, 
Die Eomifche Darjtellung in dieſer Mufif ift dem 
Derf. weniger gelungen, aber der fei mir auch ein 
großer Apoll, der im Stande if, eine Buchjtabirs 
übung in Muſik zu fegen, wie Seite 16 ff. mit 
aaa, eee, iii, u. f. w. gefcheben iſt. Der poetifchs 
profaifche Inhalt des Driginals, iſt aͤußerſt dürftig 
und gemein, die Deutfche Bearbeitung nicht wenis 
ger. Stellen wie: „Zufälligerweife hat es fich getrof— 
fen, der Pater iſt eben fpagiren gegangen” — follen 
Derfe fegn und werben gefungen, und feine Toch: 
ter redet ein erboster Vater fo an: 


Sum Henker, gehorche! 
Sonſt glebt es — Gebraußt! 








Bei dieſer Gelegenheit kann ich nicht umhin, dfe 
fentlich zu bedauern, daß felbft die beiferen Tonkänft: 
ler unferer Zeit, ihre Kunft und ihr Talene fo ganz 
finntofen Machwerken bingeben können, wie die mei: 
fien der jegigen Sranzöfifhen, Italieniſchen und Deutz 
fhen Opern find. Der gewöhnliche Einwurf iff: man 
macht uns feine beffern. Das iſt freilich ſchlimm, 
aber ein guter Komponift follte flatt etwas Schlechtes 
lieber nichts fomponiren, denn er ſchadet fich felbft 
und feiner Kunft dadurch. 


Um eine gute Oper zu verfertigen, braucht man 
fein Ehakefpeare, kein Goͤthe, Erin Ariftophanes zu 
ſeyn, aber man muß auch Fein — — — und Compags 
nie fen, Gotter war fein auferordentlicher Dichter, 
aber er hat eine gute Oper gefchrieben, oder — was 
bier einerlei if, — nachgebildet. Der Vorfchlag zur 
Emporbringung der Deutſchen Oper (mitgerheilt in 
der mufifalifchen Zeitung) iſt hoch, ıwie man hört, 
von einigen Köpfen beherzigt worden, deren Refuk 
tate jenes Blatt naͤchſtens mittheilen wird. Dach 
meiner Meinung liegt die Hauptſache zum Theil 
darin, dab die Verfertigung einer guten Oper dem 
Dichter Zeit und Mühe Poftet, die ihm gewöhnlich 
nicht belohnt wird. Seitdem die goldenen Zeiten 
vorbei find, wo die Kuͤnſtler und Dichter der Na— 
tion angehörten, und für reichlichen Lohn und Linter: 
balt nicht zu forgen brauchten, feitdem die Meſſen — 
literarifche Seelmeſſen find, mo die Beutel der ars 
men Autoren aus dem Fegefeuer erlöfit werden, muß 
die Kunft leider Bienen! Es it alfo feinem Känfk 
-fer zu verdenfen, wenn er nur folche Arbeiten unters 
nimmt, die ihn für feine Föftlihe Zeit und Bemuͤ—⸗ 
hung hinlaͤnglich entfepädigen. Dies kann — nad 
der bisherigen Tinrichtung, — bie Verfertigung einer 
Oper nicht, Der Sache könnte vielleicht dadurch 
abageholfen werden, wenn die guten Kemponiſten fich 
vereinigten, Feine Oper mehr in Muſit au feren, 
die nicht von miehrern Sachkundigen entſchieden für 
gut anerkannt worden. Dadurch würden Die Thras 
terdircktionen nothwendigerweife weranlaßt werden, 
Männern von Geiſt und Geſchmack anfehnlichere 
Summen für die Uebernahme einer neuen Oper zu 
bieten, von denen, wenn die Arbeit Fein Gluͤck mas 
en follte, der DVerfajfer fig gern einen verhaͤltniß⸗ 
mäßigen Abzug gefallen laffen wuͤrde. Die 2 erſten 
Borftellungen follten dem Verfaſſer bei jeder neuen 
Dper ausſchließlich gehören, die zwei folgenden dem 
Komponiften, (der ſich mit feiner Arbeit noch befons 
dere Vortheile machen kann.) Manche Opern find 
ja auf großen Bühnen funfzig und mehrernmal bins 
tereinander gegeben worden, Die Direktion, die den 
Verfaſſer auf dieſe Art bonorirte, hätte dann das 
ausfchliegliche Recht, die Oper gegen Entſchaͤdigung 
andern Bühnen mitzurbeilen. Dadurch würde ihr 
jener Vorichuß hinlaͤnglich erfekt. Oder man müfte 
eine Vereinigung der wichtigen Bühnen Deutfch 
lands veranlaffen, aus deren gemeinfcaftiichen Kaſſe 
die Autoren und Konipen:ften beſoldet würden ! _ 


5 
“ Angeburgifche Gefchlechter- Tänze, 
He £ujibarfeiren, meiche die Augsburgiſchen Ge 

ſchlechter oder Patrizier unter einander anjtellten, bes 


r 


ftanden vorzüglih in Schmaufereien und Taͤnzen, 
welhe Geſchlechter⸗ Tänze genannt murden, 
Dielleihe it es manchem Lefer nicht unangenehm, 
hier eine kurze Beſchreibung diefer Tänze zu finden, 

Feierliche Tänze diefer Art wurden gewöhnlich 
des Jahres zweimal, vorzüglich in der Faflnacht, oder 
in dem ale, daß fich große Herren in Augeburg 
aufbielten, angeftellt, Einige junge Parrigier erhiel: 
ten einige Tage vor dem zu bultenden Tanze den 
Auftrag, die Gefellfhaft der Patrizier, nebit dem 
in Augsburg mohnenden Adel, zu denfelben einzulas 
den. Diefe Einladung wurde in einer befondern Kleir 
dung vorgenommen, z. B. es gingen ihrer eilfe in 
folgender alten Tracht: fie hatten „Eramoifin = at: 
laſſene Waͤmmſer, (Jacken) rorhe Beinkleider, mit 
rothem, doppelten Taffet durchzogen, und mit roth⸗ 
feidenen Schnuͤren verbrämt, auch einen Eurjen, ro⸗ 
then, wollenen Mantel, bis an den Gürtel mit eis 
ner rothefeidenen Schnur zugefnöpft, und auf der 
rechten Eeite offen, um den Yeib bangen; auf dem 
Haupt aber trugen fie grüne Sa nuͤre mit goldes 
nen Kränzen ummunden.” Auf diefe Einladung 
kam die Gefellfchaft auf der Stube (wie der Vers: 
fommlungsort der Augsburger Patrizier noch Heutzus 
tage genannt wied,) jufammen, ſpeiſ'ke dort, und 
verfügte fich darauf in das Tanzhaus. 

Nach alten Gemälden zu urtheilen, Deffand fürs 
wohl die Kleidung der Frauen, als auch der Mäns 
ger, bei den Welchlechter : Tanıen in einer Art von 
Masken s Kieivung, und nech befinder ſich auf der 
Geſchlechter· Ztube zu Augsburg die Vorfiellung eis 
nes ſolchen Tanzes, und die auf diefem Gemälde ah: 
gebitteten Kleidungen müßten noch heutzutage auf 
großen Diasferaden eine prächtige, gewuͤnſchte Wirs 
fung bervorbringen, auf Diasferaden, wie Berlin 
fie leßten Winter fah. Sollte jemand eine Abbildung 
biefer Kieidung wünfchen, jo wird der Einfender dies 
fes Auffages, deſſen Damen von der Redaktion des 
Greimäihigen zu erfragen iſt, ſich ein Vergnügen dam 
aus machen, fie mitzutheilen. Die Frauen trugen 
bei diejen Tängen, in den alten Zeiten, wie weiter 
unten angeführte werden wird, Schleier, welche jes 
doch das Geſicht nicht bededten, die Jungfrauen aber 
nicht; Ddiefen muͤſſen die Kleinen Huͤtchen, welche fie 
an deren &telle trugen, artig zu Gefichte geftanden 
haben. Der Schmuck der frauen, befland vorzüg- 
lich in Ringen und goldenen Ketten, auch Kdelge: 
feinen und Perlen. — Die Tünje, welche aufge: 
führt wurden, ſchlenen cine Art Poioneijen geweſen 
zu feon, denn paarweile, in einer langen Neihe, 
tanjte die Geſellſchaft hinter einander, nach einer 
ſchwermuͤthigen Mufit ven Zinken und Pofaunen. 


Hler eine Probe einer folchen Tanz: Mufit, wie fie 
unter einem Gemaͤlde von dem Jahr 1572, das eis 
nen Geichledhter: Tanz vorftellt, aufgezeichnet iſt: 





Sehr weit follen es die Augeburger Frauen in 
ber Tanzfunjt gebracht haben, weshalb fie auch von 
Kaifern und Königen, befonders von Maximilian dem 
Erften bewundert wurden, Vorzüglich aber fahn fie 
babei auf Zucht und Ehrbarkeit, deshalb fang auch 
ein alter Dichter von ihnen: 

Die Aussburniiden Jungirauen 
Laſſen ib wahrlich berbauen, 
Sind beidicig von Angeficht 
Und mit Geberden abgeridıt, 
Mit Neidung alıo angethan, 
Daͤß fie gerauen idermann, 
Ju Haus, auf der Gaſſen, beim Tamg 
Haben fie Acht auf ihren Schatu. 
(Zucht und Ehrbarteit.) 


Bei dieſen Taͤnzen waren auch Narren, welche 
die Geſellſchaſt, vor zuͤglich bei der Tafel, beluſtigten. 
Die Namen einiger dieſer Narren ſind durch die 
Aufſchriſten auf den Gemälden, bis auf unſere Zeis 
ten gebracht worden, als Yung van der Roſen, Kai— 
fer Dearimilian des Zweiten Hof: Marr, ein Elſaſſi 
{her Edelmann, der Bürger in Augsburg, wurde; 
ferner der Konc:Hlarr, der Yang + Marr, der Yungs 
Dar, u. ſ. w. Die Etelle der Tafelmufit wurde 
durch Lieder nach der Weiſe der Meifter: Zänger, 
vertreten. 

Schon bie älteften Thronif: Schreiber von Auges 
burg erwähnen diefer Tanzbelufligungen, denn ſchon 
1303 wurde Kaifer Albrecht und feiner Gemahlin 
zu Ehren ein folder Tanz gehalten; 1418 war Kal 
fer Sigismund auf einem ähnlichen Tanie, bei wel 
cher Gelegenheit er den Gefchlechter : Frauen goldene 
Ringe austheilte, von welchem Tanze in den Brie— 
fen eines Frauenzimmers aus dem funfjehnten Jahr: 
hundert, (ein Bud, das fhon vor dreißig Jahren 
mit ungetheiltem Beifall aufgenommen wurde, und 
noch mit Vergnögen gelefen wird) ſich eine fehr am 
tige Beſchreibung findet, 

An dem Jahr 1577 war der lebte diefer Ge— 
ſchlechter⸗ Tänze, Die Urfache, weshalb fie ein Ende 
nahmen, liegt wahrfcdeinlich in den traurigen Zeiten, 
weiche bald darauf für Augsburg, vorzüglich wäh: 
rend der Calender⸗Unruhen, eintraten, und dem im: 


‘ 


203 — 


mermehr Überhand nehmenden Mistrauen, zwiſchen 
beiden Religionetheilen, auch wurde das Tanıhaug, 
als es baufällig wurde, 1032 abgebrochen, und nicht 


v. St... 
Ehre wem Ehre gebuͤhret. 
Schreiben aus Frankfurt a. M. 13. July 1904. 


Tief niedergebeugt unter das Joch des Morurtheils 
und des Schlendrians, ſchleppte fih das Schulweſen 
in Frankfurt fort, Die Lehrer an den Trivlalfchus 
len wollten. theils, oder fonnten ſich nicht erheben 
aus dem Eumpfe; denn auch die beſſern drüdt viele 
Ardeit und ſchlechter Lohn. — Nichte aus Stolz, faft 
nur aus Nothwendigkeit fonderten die Neichen und 
Vornehmen ihre Kinder meiftens vom dffentlichen 
Unterrichte ab und übergaben fie Privaterziehern. — 

Doch, die Väter unferer Stadt fühlten längft, 
daß es nicht genug ſey die Etrafien zu erleuchten, 
indeß die Köpfe finfter blieben. Unter den wadern 
Männern welche für beifere Lehranſtalten vorzüglich 
wirkten, nennt man, voll Dank nnd Ehrfurcht die 
Damen v. Günterrode und Hufnagel. — 
Das Gymnaſium fieigt empor nnd beginnt befonders 
naͤchſten Herbſt, nach einer neuen, vortrefflichen Or⸗ 
gantſatlon, eine vorzuͤglich glänzende Laufbahn. — 
Aber — die Deutſchen Schulen? — Fuͤr die war 
noch wenig geſchehen, als aus Schleſien ein ſeltner 
Mann kam, mit heiligem Feuereifer für das Beſte 
der Jugend, mit Kraft, mit Beharrlichkeit, mit 
Muth, mit edler Uneigennägigfeit, mit Eigenſchaf⸗ 
ten, welche ihn mehr als Einer Buͤrgerkrone wert 
machen. Klitſcher it fein Name! 

Die Väter unſerer Stadt wußten feinen Werth 
ju fhäßen und fein Talent zu benugen. — As 
Lehrer einer Deurichen Schule, als Vorſteher einer 
Töchterfhule, ale Lehrer am Gymnaſium, und auf 
mancherlei andere Art, hatte fi) der Unermuͤdliche 
ſchon große Verdienſte erworben, da erhielt er auch den 
Auftrag zur Errichtung einer nad dem Geifte nnd 
den Bedürfniffen unferer Zeiten eingeriteten Bär: 
gerſchnle. Vergeblich fuchte er ihn von ſich abzuleh: 
nen, endlid begann er muthig das Werk und Über: 
wand, faft ohne alle Äußere Unterflügung, (erſt 
fpäterhin wurde ihm vom Magiflrate ein geräumiges 
Haus mit Hof und Garten eingeräumt,) viele 
Schwierigkeiten. — Diefe Anſtalt befteht nun ſchen 
über ein Jahr, Heute und geftern war die erfie 
Prüfung der 114 Schuͤler, vor einer Menge Zeu: 
gen. — Hier ift nicht der Ort zu Befchreibung der: 
ſelben. &ie übertraf meine Erwartung und rübrte 
mich; manches hätte ich indeffen anders gewuͤnſcht 


‚mehr aufgebauet, 


aber fielen Fehler vor, fo werden bie meiften durch 


den lobenswerthen Umſtand entfhuldigt, daß fait. 
alles unvorbereitet gefhah, — Peſtalezzis Methode. 


war ſchon meife benußt. — 

Dieſe Prüfung iſt ein Triumph für alle Gute 
in Frankfurt, ein Zeichen daf man in echter Cultur 
einen Schritt vorwärts gethan hat, eine Buͤrgſchaft 
daß die nachwachfende Generation die gegenwärtige 
an Geifies:und Herjensbildung, wie an Kenntniffen, 
übertreffen werde; daß in der Klaffe unferer Veit: 
bürger des gemeinen und mitleren Gtandes die 
wahre Biltung bald eben fo herrfchen werde, wie fie 
fon bier und da in den Häufern der Reichen und 
Vornehmen herrſcht. 


Wer die Erbaͤrmlichkeit unſerer meiſten bisheri— 
gen Unterrichtsanftalten kennt, wird das hohe Ders 
bienft des Mannes gejtehen, der hauptfächlich durch 
feine Kraft, und durch feinen Eifer, (von braven 
Mitarbeitern unterftügt,) die Cache auf einen beſ— 
fern Weg brachte, — Iſt der Mann auch be 
lobne? — Allerdings, fehr! Durch die Achtung al— 
ler braven Leute, die ihn Fennen; dur die Liebe 
und Anhänglichfeit feiner Schuͤler. Mach feinem 
Tode wird man ihm wahrſcheinlich auch einen Stein 
fegen, Aber, Brod? Je nun, das bat er au; er 


104 — 


bat faft halb fo viel, wie unfere meiften Saͤnger und 
Schauſpieler, und Das meiflens von feiner Stelle 
am Gymnaſium. — Gegen 100,000 Gulden wen: 
der man jährlich auf das Theater. Gewiß wird man 
auch bald, wäre es auch nur den zehnten, nur den 
zwanzigſten Theil auf eine Anſtalt verwenden, melde 
diefer Art von Unterflügung noch fehr betarf, und 
weiche der Stadt noch zu größerer Jierde und größe: 
rer Ehre gereichen wird, als das trefflichfte Theater. 
Mit Vergnügen bemerkte ich viele Kinder Juͤdi⸗ 
{er Aeltern unter den Schülern der Buͤrgerſchule; 
fie zeichneten fih zum Iheil in der Prüfung aus. 
Unter andern wurde einem armen Knaben aus Poh— 
len ein Pramium ertheilt, weicher vor etwa zwei 
Jahren fein abgebranntes Baterflädtchen Peuth, 
verließ, einen großen Theil Europens (man kann 
denken, wie?) durchreiſte, und endlich nad) Franf: 
fure fam. Hier nahm fich eine ſehr achtungewerthe 
Geſellſchaft feiner an, und ſchickte ihn in die Bürs 
gerſchule. — Das große Intereſſe unferer Juͤdiſchen 
Mitbürger für beſſern Unterricht, und die Art, mie 
fie dies Intereſſe beweifen, erregt die günftigften 
Ideen und die beten Hoffnungen für den foliden 
Gang diefer Klaffe von Einwohnern, deren Talent 
und Pbantafie fie fonft leicht in andern Städten zum 
Eztravagiren treibt. E. 


— — ñ 8—— —— — 


Nicht-politiſche Zeitung. Xro. 14. 


Berlina. 


A. 3. Auguſt, ald am Geburtstage Er Maleſtat dei Königs, 
erönnete Kerr Direltor Nland die Bühne durch eine Rede; 
dann gab man zum erſtenmale: Jobigenin in Mulis, 
Iraseripiel in fünf Anfsngen, als deſſen Verfaſſer 
man den Profeſſor Penespin memnt, einen ſehr geicbapten Apr 
chaotogen. Es if derfelbe, der kürlich die kritiſche Abhand⸗ 
fung Über die Familie des Lykomed herausgab. — Das Stuck 
hat große Schönheiten ded Details: es wurde wahrend der 
Vorſtellung oft fehr Iehhart applaudirt, aber der Schluß iſt 
nice gut berechnet. Er fühlte die Zuſchauer fo ſehr ab, das 
man nur wenig Neuerungen des Beitalls hört, Ayomerrnon 
wurde von Herrn Beſchort yorreriid gincben; eben jo Mahill 
vom Herrn Bergmann, Jobigenia wurd: von Madame Fled 
ſchr reuend und rührend, vielleicht nicht erhaben genug ausgerührt, 


ton don. 


m. Couchery wird mod in dieſem Jahre einige Mantır 
ſtrivte, die fein unztuckticher Freund vichezru, ihm vor feiner 
Abreife nach Framtreih anvertrauet hatte, drucken laſſen. Er 
wird eimige Motigen binurigen,, welde ben Charakter und die 
Meinungen dieſes beruhmten Mannes jchildern, und beridisdine 
Schritte, auch feiner politischen kaufbahn, die falich dargeſtellt, 
oder wenig befannt find, auilların werden. 

In bieten Tagen (vom 24. Gullus,) fand man dm der 
Gegend von Et. * folgende Betanntmachung augeſchlagen: 
„Dan ſucht einen Volkleredner, mit metallener Stirn und ci 
ferner Lunge. Mus beſondern Gründen verlangt man, dal er 
in allen Gerangniſſen der Haupotſtadt gefeien Gabe, Gpracred: 


Yer wird man vergeiben, wenn er nur bad wahre Erhabent 
kennt. Man wirde es gerne ſehen, daß er irgendwo üwentlich 
ausgeveitidit worden, weil died ein vorteoflices rednertſche⸗ 
Mittel in, Das Miltieiden des Pobels zu geminnen. 

Perſonen, welche vorgeichriebene Qualitäten beſttzen, mel⸗ 
dem fich aurrauenswon dm einem rohen Hotel im Weſten ber 
Etadt, auf dem Wege nad Yreutiord, Das Sublett muß aber 
wenigiims von breisehn Gerangniiwartern ein Certiñtat bringen.’ 

Die Londner Minlons»@eiehifcbait hat von den Mirionale 
ren auf Otaheite Nachricht erhalten, daR Pomarra, der Könia, 
geſtorben iſt. Das Edi Dart, welches dieſe Nachricht gebracht 
hat, lag vor Otaheite; der König kam an Vord und ſtarb am 
Ehlastufe. Er war ein Freund der Miſionairen. Der Thron: 
fotger har diefen feinen Sauttz verſprochen. Die Erfoige der 
Mimonen find gerinzz bie Bewohner find au cher verderdt. 
Otaheite bat unzeſahr nech 7000 Bewohner, (Dabin haben 
es die Root der Europdiicdhen Cultur gebracht. Die Welle, 
durch Brantwein und — unſre Bilbung au pridigen, dit eben 
fo verderbiich, als die alte, dur Feuer und Edwerdt,) 


Bel dem Buchhändler Phillive im London it fo eben 
sine tree Englicche Ieberiegung von Kotzebue's Erinnerungen 
and Parıd. im Jahre 1804, in drei Keinen Oktaubanden erſchie⸗ 
nen; fie bat den Titel: Kotzebue in Paris. 

Der erfle und zweite Theil von Basbington find be 
reits im 8. und 4. erſchien n. Der Nee des beruhmten Man—⸗ 
ns, Dir Marſhall, deorgt Dies Wal Das Game wird vier 
oder vlımy Bande ausmachen. 

Erſchtenen id aub; Das Beben umd die Correipow 
dens du Samuel Richardſon, im ſechs Banden, 





— — — — — — 


m; 





1804. 





en 


ARISTIDES, 


Nro. 157. 


5 





Der Treimütbige 


Dienſtag, — 
Ernſt un 


Sphigenia in Aulie, 


HD. Leſer haben in der Zeitung des vorigen Blat— 
tes die Anzeige gelefen, daß am dritten Auguſt ein 
neues Erb diefes Mamens auf der Berliner Bühne 
mit Gluͤck aufgeführt worden, Eine nähere Würdi: 
gung des Stuͤckes muß bis nach der mehrmaligen 
Wiederholung, oder dem Druck deffelben verfchoben 
merden: aber eine Vergleihung wie drei Dichter 
dreier fehr verfchiedener Zeitalter bdenfelben &toff, 
jeder für fein Publifum, glaubte behandeln zu muͤſſen, 
kann jetzt ſchen gegeben werden, ift hoffentlich nicht 
unintereflant, und kann vielleicht zu manchem nicht 
unmichtigen Nefultate führen, 

Die Eünftterifche Aufgabe war, es zu motisiren, 
daß ein Vater feine zärtlich: geliebte Tochter zur Bes 
friedigung feines Ehrgeizes und zum Wohl feines 
Daterlander, unſchuldig binrichten, den Göttern als 
Dpfer ſchlachten läßt; — und nicht nur au motivi⸗ 
ren, fondern den gräßlichen Vorgang zugleich auch 
fo darzufiellen, daß er zwar erſchuͤtterte, aber 
nicht empörte, 

Beim Euripides bat Agamemnon das Opfer 
berilligt, bloß um gönfligen Wind zu erhalten; 
aber das Stuͤck beginnt damit, daß er feinen Entſchluß 
bereut, daß er einen Boten abfendet, um Tlytämne: 
fira zu marnen, ihr zu melden, daß die angebliche 
Mermählung ihrer Tochter mit Achill nur eine Lift 
fen, fie ins Lager zu loden. Menelaos fängt den 
Boten auf und lieſt das Schreiben; er macht dem 





oder — den 7. Auguſt. 


 ı She r,% 


—ñ— 


Bruder Vorwuͤrfe, — da erhalten ſie die Nachricht, 
daß Ciytoͤmneſtra ſchon mit Iphigenien im Lager 
angelangt iſt. Jetzt will Menelaos ſelbſt dem Opfer 
entiagen: Agamemnen, aus Furcht, daß die Gries 
hen fi gegen ihn empören möchten, beſteht nun 
darauf. — Clyt. und Iphigenia langen an. Aga: 
memnen zuͤrnt mit der erſtern, daß fie mitgefom: 
men iſt, und gebt hin, noch einen Verfuch zu machen, 
ob Calchas einen Ausweg zur Rettung angeben 
koͤnne. — Achill will Ngamemnon über die Derjbge: 
rung des Heerzuges zu Rede ſetzen. Er trift auf 
Eiptämneftra, die ihn als Schwiegerfohn begrüßt 
Er weiß von der Erbichtung nichts, geräth in Erſtau 
nen darüber, und in Zorn, als ein Sklave ihm und 
Eigtämneftra das beſchloßne Opfer meldet. Er ver: 
ſpricht und verfucht, fie zu beſchuͤten. Agamemnon 
will Iphigenia zum Opfer abholen; Clytaͤmneſtra 
widerſetzt ſich; Iphigenia fleht um Erbarmen; Aga— 
memnon behauptet, das Heil Griechenlands bänge 
vom Opfer ab. — Achill bat fi umſonſt beſtrebt. 
Das ganze Sriechenheer, felbft feine Myrmidonen 
find gegen ihn aufseftanden. Auch allein will er fie 
befhügen, aber Iphigenia hat jekt plöglich Seelen— 
größe gewonnen; fie will den Helden nicht für fich 
fterben laffen, will Griechenland retten, will nicht 
zum Altar gefdfteppt werden, Sie ſelbſt geht frei- 
willig hin. Ciptämneftra bleibt wehftagend zurüd, 
Ein Bote bringe ihr die Nachricht, im Augenblit da 
das Opfer geſchehen follte, da Achill ſelbſt Nas Opfer: 
gebet geſprochen habe, fey Irhigenia von Dianen ent: 








— 106 — 


führt worden; ſtatt ihrer hab’ ein Hirſch am Altare gele: 
gen.— Agamemnen nimt Abſchied von feiner Gemahlin. 

Man fieht: der Plan des Stuͤckes iſt ganz ein: 
fach; und feine Perfonen find ganz gewöhnliche Men: 
fen. Agamemnen hat ſich durch feinen Ehrgeiz zu 
einer Uebereilung binreigen laffen; er mil fie aut 
machen; die Furcht hält ihn zuruͤck; Jphigenia und 
Achill allein zeigen jugendlichen Edelmuth; die Gott: 
heit — ein Umftand den man ja nicht überfehen 
muß, — mifcht fih nur ein, um wohlzuthun, 
den Gräuel zu verhäten. Euripides alſo gefiel 
feinen Athenienfern durch Einfachheit des Plans und 
der Motive; er wagte es nicht, das Opfer wirflich 
gefchehn *) zu laffen, und dadurch die Götter als 
blutgierige Defpoten aufjuflellen. 

Kacine glaubte feinem Publikum weder etwas 
fo Einfaches, noch ein fo großes Wunder vorlegen zu 
dürfen, als die Rettung Iphigenia's durch Diana, 
Auch fein Stuͤck beginnt damit, dab Aganıeinnon- Cly⸗ 
tämnefira warnen will, feiner erften Aufforderung 
nicht zu folgen ; aber fein Bote verfehlt die Königin, 
und fie trift ein. Bei R. liebt Achill wirklich Iphi— 
genia, iſt mit ihr verſprochen, und glaubt Agamems: 
non habe fie fommen laffen, um ihn mit ihr zu vers 
mählen: aber mit ihr iſt noch eine Eripbile ange 
langt, die Achill auf Lesbos gefangen nahm, und feis 
ner Braut zuſchickte; diefe hat ſich in Achill verliebt, 
und verfucht immer neues Unheil zu fiften. Iphi⸗ 
genia wird eiferfüchtig; da ihre Mutter eben 
mit ihr nach Arges zurädeilen will, kommt Achill, 
befänftigt fie und hält fie zurüd, Dech da fie jetzt 
die eigentliche Urſache ven der Berufung Jophigenla's 
erfahren, geraͤth Achill in Wuth gegen Agamemnon; 
Clytaͤmneſtra und Iphigenia flehn, und Agamemnon 
entfebließit ſich, fie heimlich nach Argos zuruͤckkehren 
zu laſſen: denn, glaubt er, die Götter Fönnten um 
ein foldhes Opfer auch wohl zweimal fpredhen, und 
das Heer meiß ihren Willen noch nicht, Die Flucht 
mislingt indeß: die boshafte Eriphile verräth den 
Drafelfpruch und die Flucht, dem Heer, Iphigenia 
wird mit Gewalt zurädgehalten und beſchließt, ſich 
aufzuepfern. Achilles allein wagt, fie gegen das 
ganze Heer zu vertheidigen: der Augenblif eines 
fürcpterlihen Kampfes fdeint da — Piöglich geräth 
Calchas in Begeifterung und offenbart: Eriphile heiße 
auch Arbigenia; fie fey eine Tochter Helena's: fie 
wäre es, deren Blut die Gdtter forderten — und fie 
erfüiche ſich ſelbhſſftt. 

Er folate dabel einer alten Voltsſage. Aeſchytus und 
Eovholles laſſen (im Agamemnuon und in der Elektra,) errah⸗ 
ten, Jobigenia fen wirttich geopfert. Homer weih von dem 


ganzen Vorgange nichts. Bei ihm bietet Agamemmon vor Troja, 
Zppigenia dem Naıll zur Gemablin an. 


Kacinen ſchien es alfo nöthig, den tragifchen 
Etoff dadurch zu modernifiven, daß er die ge: 


woͤhnlichen Zuthaten von Liebe und Ciferſucht und 


Intriguen, beifuͤgte. Er wagte ferner zwar nicht, 
die Unſchuld opfern zu laſſen: aber Menſchenblut 
fordern feine Götter gleichwohl, und es bedurfte eines 
großen Aufmwandes von Kunſt, durch den Eriphile ge: 
häffig und der Zufchauer für Irhigenia intereffirt 
wird, um jene Abſcheulichkeit Überjehen zu laſſen. 

Der Deurfche Dichter beginnt fein Stuͤck damit, 
daß Agamemnon den Drafeliprud auf der Bühne 
erhält: „zur Etrafe dafür, daß er in Dianens Hayn 
ohne es zu willen, gejagt und ein heiliges Reh ge: 
toͤdtet bat, fell Sphigenia geopfert werden. Dann 
befiegen die Griechen Troja. Opfert er feine Toch⸗ 
ter nicht: fo muß er nach Haufe kehren, ein andrer 
wird die Griechen anführen und der Auegang bes 
Krieges ift ungewiß.“ — Das Heil Öriechenlands 
fieht auf dem Epiel: das ift das Moriv warum 
Agamemnen, fo fehr auf den Tod feiner Tochter 
befteht; warum Iphigenio felbft heidenminbig beſchließt, 
zu flerben, worum fogar der glühend:liebende Achill 
auf ihre Worflellungen fi in ihren Tod ergiebt, — 
und fie wird wirklich geopfert, 

Die einzelnen Akte will ih in einem künftigen 
Blatte durchgehn; hier nur fo viel: 

Man fieht, der Deutfche Dichter glaubte feinem 
Beitalter idealifirte, reinedie Charaktere, erhabne, patrios 
tiiche Motive und gleichfalls Liebe geben zu muͤſſen. 
Der Intrigue hat er fish enthalten, Der Plan ift 
ohne Zweifel wiel edler als der Euripideifche, viel eins 
facher als der Raciniſche: aber — nicht ein wenig Übers 
fpannt? Und was find die Götter in diefem Stuͤcke 
geworden? Diana, die fuͤr den Tod eines Rehes den 
Tod eines höchſt liebenswuͤrdigen Mädchens nicht 
nur fordert, ihn wirklich auch gefchchen läßt; die 
einen Vater zwingt, feine Tochter binzurichten, meil 
er einft im DVerfehen in ihrem Haine jagte: dieſe 
Diana ift ein Scheuſal, dergleichen die Griechen zur 
Zeit des Euripides nie, wenigſtens auf ihrer tragiſchen 
Bühne, geduldet haben würden, obgleich fie in den bloß 
erzaͤhtten Mythen ihren Gottheiten allerlei nicht löb- 
liche Dinge nachfagten. Wenn die merbelogilchen Gott: 
beiten noch viel mit unfern Dichtern umyugehn gejmuns 
gen find, fo wird die ſchlimme Geſellſchaft bald ibre — 
zbitlichen Sitten verderben: aus den Gottheiten mit 
menſchlichen Echwäcen, werden boehafte Teufel 
werden, — oder wenigſtens Alberne und Liederliche, 
denn wer erinnert ſich nicht hierbei des Sen von 
Herrn Schlegel, in welchem Apoll auftritt um eine 
verlbte Noth jucht fröhlich zu erzählen. Wenn ſo etwas, 
mie dies Vekte, ertragen wird, weiches Licht wirft das 
auf das Zartgefühl und den Geſchmack der Zeit? 


(Die Gortfegung folgt.) 


— 107 — 


Morgenlandiſche Kampfſpiele an einem Tuͤrki⸗ 
ſchen Feſttage zu Conſtantinopel. 
(Beſchlus.) 


Ein Sewirbel von Türfifcher Muſik und lauttönens 
des Trompeten: Geſchmetter giebt das erſte Slignal. 
Muthig baumen fi die Helle, faum den Zeitpunft 
des Hervorbrechens ermwartend, und fiharren unge: 
duldig mit den Vorderfügen in dem Boden; jest iſt 
der Moment gefommen, und glei einem Wirbel: 
winde ſtuͤrzen fie bligfchnell heran. Die fehönen 
Kämpfer mit den männlichen, beroifchen Gefichtern, 
ihre prächtigen, mit Gold und Eilber bedeckten Waf— 
fen, bunten Gewaͤnder und Kürajfe, die mans 
nigfaltig geformten Turhane meiftens von blendender 
Weiße, die prächtigen Anatolifhen und Arabifchen 
Hengfte mit ihren Orienralifhen Zierrathen an Ges 
jaum und Eattel, welch‘ ein Anblick! Anfangs neh: 
men nur wenige Auserwäbite an der Yuftbarfeit Ans 
theil, nachher immer mehrere und wenn ihre Anzahl 
ju groß geworden ift, wird das Zeichen zum allge: 
meinen Küdzug gegeben, und das Epiel beginnt 
nach einer Paufe dann wieder von neuem, 

Es gehört eine außerordentliche Gewandheit und 
Lebung dazu, es mit dem Dſchirid zu einer folchen 
Kertigfeit und Geſchicklichkelt zu bringen, wie Die 
Tuͤrken, und ich glaube, daß es nothwendig erforder: 
lich ft, von Augend auf daran gemöhnt zu fepn. 
Wenn man mit Türkifchen Reitern als Begleitung, zu 
reifen Gelegenheit bat, fo ift nichts unterhaltender, 
als eben diefes Dichiridipiel,. Immer fprengen bie 
Türken voran, werfen ihre Epieße, fangen fie wie 
der, und machen hundert artige Bewegungen im 
fchnellften Gallop, wodurch fie die ungemeine Ges 
lenffamfeit ihrer lieder und die ſeltenſte Geſchmei⸗ 
digfeit des Körpers an den Tag legen. 

Ih mill hier nur einige Theile diefes echt 
morgenländifchen Kampfipiels erzählen : denn fie ale 
aufzuführen möchten faum einige Bogen binreichen. 
Die Reiter theilen fih in zwei Haufen, von denen 
jeder eins von ben Enden des Plakes einnimmt. 
Jeder der Kämpfer hat drei Dſchiride, ſchoͤn gemalt 
ser vergoldet, in einem an der rechten Zeite des 
Pferdes hängenden Futteral. Bei jeglihem Signal, 
meiches gegeben wird, bricht ein Yeiter von beiden 
Eeiten auf und rennt, fo flarf als er fann, jeinen 
Wurfſſpieß in der Hand haltend. Die Gefchidlichfeit 
beilebt nun darin, mit diefem Stock feinem Gegen: 
part eins zu verfeßen, ober dem Echlage beifelben aus: 
zuweichen. Die Reiter tummeln fo fehnell auf dem 
Kampfplatze herum, dab man ihnen mit genauer 
Moth mit den Augen nachfolgen kann. 

Nachdem eine Zeitlang fo einzelne Reiter von 
beiden Kampfparteien fi mit einander gemeſſen ba: 
ben, fprengen endlich auch ganze Haufen ven beiden 
Seiten auf einander ein. indem fie mitten auf 
dem Okmeidan auf einander ftoßen, zertheilen fie fich 
in einem Moment auf dem ganzen Platze umber, 
und das allgemeine Gefecht löft ſich bald in eben 
fo viele einzeine Gefechte auf, als Kaͤmpfer einander 
begegnen. Es ift ein intereffantes Echaufpiel zu 
feben, mie jeder im ſchnellſten Kaufe des Pferdes 


dem andern ausweicht, dann mieder vorwärts jagt, 
bald zu fliehen ſcheint, dann aber plößlich fich wieder 
ummendet, den Dſchirid auf den ihm nachfeßenden 
Gegner abwirft, ihn haſtig wieder auffängt und da: 
mir einen andern verfolgt. Oft rennen fie in Reihen 
auf einander ein, werfen ihre Wurſſpieße, fangen fie 
wieder, drehen dann im ſchnellſten Gallop dem Feinde 
den Rüden zu, fliehen in größter Unordnung davon, 
fammeln fi wieder, ehe man es denkt, und geben 
einen neuen Haufen der Öegenpartei entgegen. 

Nicht felten jagen fie fo wild auf einander ein, 
dos man glauben follte, fie müßten einander über 
den Saufen rennen; aber unerachtet alles in der 
ſchnellſſen Karriere gefchieht, berühren fie doch ein: 
ander niemals. Im bligichnellen Laufe wenden fie 
ihre Pferde, laffen fie Seitenfpruͤnge machen und in 
einem Kalbfreife um den Gegner herumjagen. Den 
geringfien Kaum mweiß * Auge ſchon in der Ferne 
ju meifen, der geringfte Vortheil entgeht ihnen nicht, 
und fein Fehler des Gegners bleibt unbenußt. Wie 
die Pferde einander aus dem Wege rennen, wie fie 
einander pariren, „als fürdteten fie, ihren Herrn 
Schande zu mahen! Wie die Keiter das Ziel mit 
einer Genauigkeit treffen, die der beite Schuͤße faum 
erreicht! Einen Türfen im ſchnellſten Laufe feines, 
bald nach biefer bald nach jener Eeite ſich hinwen⸗ 
denden, gewandten Hengſtes zu treffen, ift nicht viel 
— als das Erjielen einer Schwalbe in ihrem 
Fluge. 

Bisweilen werden auch von einem der Dffiziere 
des Kampfſpiels Bälle aufgeworfen, und alle beftre: 
ben ſich nun, fie mit dem Dfehirid zu erreichen, und 
gefpießt im Triumph mit fortzuführen. Andere Bälle 
werden fchnell auf dem Boden fortarrollt, und die 
Reiter jagen ihnen nach und fangen fie, vermittelſt 
ihrer Wurfſpieße mitten im jagen, bisweilen von 
andern verfolgt, die auch nach dieſer Ehre fireben, 
Dice ſelten wird ein Ball auf einen hoben Etod 
gefteft und nun bemühen fich Alle, ihn von da vers 
mittelſt ihres Dſchirids wegzuhelen, doch indem fie 
diefes Ziel zu erreichen im Begriff find, haben fie 
zugleich mit allen Andern um bie Wette zu kämpfen, 
mwevon jeder nah dem mämlihen Ziel binftrebt, 
Durch mancherlei Kriegeliften fucht einer den andern 
von dem Orte, wo der Ball aufgeſteckt iſt, entfernt 
zu balten, und fo eine ſchickliche Gelegenheit abzu: 
warten, ihn mit fortiunehmen. Ein felrfamer Ans 
blick iſt es, wenn die Reiter, um dem Dicirid des 
nach ſetzenden Gegners zu entgehen, ſich bald vor: bald 
binterwärts auf ihren Pferden beugen, bald fich faſt 
borizontal auf den Ruͤcken des Koffes legen, bald zur 
Seite berabjufallen fcheinen. Es giebt auch viele, 
die im fhnellften Kennen unter den Leib ihrer Hengſte 
durchfriechen, und fid wieder mit einer bemunderungs: 
würdigen Gewandtheit in den Eattel ſchwingen. 
Andere fpringen mitten im Gefecht ab und feken fich 
wieder auf, nachdem fie das, mas fie mit Vorfaß 
auf die Erde fallen ließen, wieder aufgehoben haben, 
oder ihrem Gegner von einer Eeite, wo er ea am 
mwenigften zu erwarten ſcheint, einen Wurf beige: 
bracht haben. Es fallen bier Manduvres vor, die 
ein geſchidter Englifcher Kunftreiter faum mir g’üd: 
lichem Erfolg nachahmen würde, Meiftens endigt ſich 


das Dfehiridfpiel mit einer Art von Friegerifchem 
Ballet oder Scharmuͤtzeltanz in taufendfältig vers 
wicelten Figuren, wo denn Alle, die an den Kampf: 
fpielen mit Antheil genommen haben, noch zu guter: 
legt die auffallendften Proben von ihren Künften an 
den Tag zu legen beftrebt find. Zu bemerfen ift 
übrigens, Yaß die Kämpfer einander allejeit in den 
Ahden zu treffen fuchen, weil fie nach dem Morder: 
leibe nie zielen dürfen. 

Außer dem Dſchiridſpiel macht man auf dem Dfmei: 
dan noch mancherlei andere gumnaftifche und krie— 
erifhe Uebungen. Die Bogenſchuͤtzen zeigen ihre 

eſchicklichkeit im Zielſchießen. Mit ihren Köchern 
auf den Küden, fprengen fie in faufenden Gallop 
in großen Entfernungen, um eine auf dem Platze 
aufgerichtete hehe Etange herum, auf welcher fich 
oben eine Fleine Kugel befindet, und ſchießen, fo oft 
fie fie im Rüden haben, hinterwärts ihre Pfeile nach 
derfelben ab. Die Pfeile, die gut getroffen haben, 
bleiben dann in der Kugel fieden, und felten wagt 
es einer bier öffentlich aufzutreten, der das Ziel zu 
erreichen nicht gewiß iſt. Der Anblick iſt außerft 
merkwürdig, aber die Anzahl der immer von neuem 
auf den Kampfplak vorfprengenden Bogenſchuͤtzen fo 
groß, die Schnelligkeit, womit fie voruͤbergleiten, fo 
erſtaunlich, daß die Blicke nur von einem jum an: 
dern fehweifen, faum einen oder den andern genau 
und aufmerffam firiren koͤnnen. 


108 — 


Zuwellen nimmt der Kaiſer ſelbſt an dieſem 
Spiele Theil. Daß dieſes eine bloße Formalitaͤt ſey, 
ſieht jeder wohl ein. Indeſſen weiß man ihm immer 
eine ſolche Poſition nehmen zu laſſen, daß er das 
Biel —— erreichen muͤß, wenn er auch der 
ſchlechteſte Schuͤtze waͤre. Bisweilen zeigt er auch 
dem Volke feine Kunſt und Kraft im Weitſchießen, 
und die Zchmeichelei der Höflinge fprengt dann — 
eit aus: niemand koͤnne es ihm hierin gleich thun, 
Im dies zugleich faktiſch zu beweifen, muͤſſen nach 
dem Sultan die gefchidteften Idſchoglans auftreten 
und fo zu fagen,- mit ihm um bie Wette ſchießen. 
Diefe hüten ſich dann aber wohl, alle ihre Kräfte 
und Sefchidlichfeit anzuwenden und mäffen auf jedem 
Fall darauf bedacht fen, eine ſolche Stellung zu 
nehmen, daß das vom Kaifer erreichte Ziel außer 
aller möglichen Echußweite zu liegen komme. 

Die Echmeichelei, welche jeden Schuß des Groß: 
berrn zu einer bewunderungs: würdigen Weite kom: 
men laͤßt, gebt übrigens fo weit, dab man fogar dar 
auf denft, ein ſolches Ereigniß durch koſtbare Monu— 
mente zu verewigen. &o oft baber der Kaiſer auf 
dem Okmeidan zwei oder drei Pfeile abgeſchoſſen hat, 
wird bier eine Marmorfäule a. Denkmal errichtet, 
und eine mweitläuftige Anfchrift in Relief darauf ge: 
fest, worin die bemunderungs: würdigen Heldenthas 
ten, die der Kaifer an dieſem Orte vor dem verfammel- 
ten Volke verübt hat, bis zum Himmel erhoben werben, 


— IE N Fin 


A Nicht -politiſche Zeitung. 


ufretne, — ach! — der bewunderte und bewundernswür⸗ 
dige Aufresne it im 76ſten Jahre ſeines Lebens geſtorben. 

Mit der Sram von der Recke, (der ruhmlich befannten 
Ehrififiellerin, die noch kürzlich eine Blogravhie bes Licderdide 
ters Neamder herausgegtben bat,) reift Tiedge nadı Italien. 

In dem ſegenannten Schwediſchen Mecrolog in Mir. R6. 
des Jenaifben Int. Bl. zur Lit. Reitung, erhalten die Carica⸗ 
turs Gennälde dee ver. Dedpris das drollige Bob, daß fie 
alten gerallen haben. Kann man auf feinere Weiſe geſtehen, 
dah fie — funmf waren? 

Die Land ı ftarten Sammlung sc, welhe Se Maleitit 
der König von dem Herrn Och. R. vom Desicıd gelauft bat, 
verſichert diefeite Zeitung, enthalt 68,090 Karten, Wenn dar 
unter nicht ganze Auflagen einer und derſelben Karte find, vo 
würde der Med, jenes Jut. Bl. fehr wohl thun, etwas weniger 
leichtataubta su ſeyn. . 

Die Akademie der @. zu Berlin hat vom ihren neuen 
Mitgliede, dem Herrn von Knobelsdorf, 12 Bde Verſticher 
Kandiceirten erhalten, 

Iu Sr. Petersburg id ein mebicinifher Kath jur 
Verbeſſerung der Hell» dumialten im Meiche, niedergeſetzt worden, 
dem zu Vefoldirngen umd anderweitigen Ausgaben, 57,144 Kur 
bel augcwieren find. 

— Die unternehmer der Alarm. Bit, Zeitung baben ihre 
Preis : Nurgaben noch einmal betannt gemacht. Ele verheiien 
nehnilidı 20 Fedviorund 20 Thaler Honorar für ben Bogen, für 

4) die deſte Darikeltung der Fortſchritte der theologiſchen 
it. von 1785 — 1800. 

2) die befte Nebiſton der Literatur der Naturgeichichte und 

3) der Dichtlunmt, und 2 

4) die bee Wurdigung der hiſtoriſchen Lit. wahrend 
jenes Zeitraumte. Die Preisſchriften muſſen bis zum 
Iiten Dec. eingefande werben, 

Bei dem Bughandier Fleiſcher ber Jüngere zu Peinsig in der 
erſte Vand einer neuen Antgabe von Shateſpeares Werten nach Stee⸗ 
were, in Hein ottav erschienen. Sie iſt ſeht jauder umd ſoviel ſich 


Nro. 15. 


bei einer Alichtigen Anſicht urthellen laft, correttz auch in ihr 
eine Auswahl von Armertungen der zahlreichen Commntatroren 
Ehakriveare's beigerigt worden. Das Unternehmen iſt bei dem hoben 
Preiſe der in England erjchienenen Ausgaben, ſehr verdienftiid. 


HermMeber, bei feiner Ernennung zum Kon. Capell: 
meijter, von den Mitgliedern des Orchefiters. 


Nice um Gold und Schaätze buhlt die Kun ı 
Mein’re Sehnſucht ſanwellt des Künstlers Bujen ! 
Edie ‚lohnt die Huld der faniten Muſen, 

Und der Charitinnen jarte Gunſt: 

heit vom Hauch des Genius durcdafüht, 
Schwingt fein Weit ſich auf zer höhern Eohäre, 
250 er, fern am Biel, den Kran der Ehre 
Sieendem Verdienne winten fieht?! 

Würd’gert — Dein Verdienſt bat aun gefiegt! 
Deinem edien Küntlerdeis jum Lohne 
Meidt eim Muſaget, vom Konigsthroue, 

Dir den Preis, der Deinem Wunch genngt. 

Hoch vom Sternennz des Ruhms herab, 
Roten Ianaft der Polndıorda Meifter, 

Gluͤckt und Molarte dir verwandte Geiſter, 
Dir ver elanen machtgen Zaut erſtab. 

Nimm ihn bin! Er ih Dein Eigenthum ! 
Eie verrraum ihn wurdzen Bruderhänden, 
Hole Meiſterwerke zu vollenden, 

Dir und Deutzchem Kuntatent sum Nubmt 

Non Bewundrung wird die fermite Zeit 
Deinen Namen mit dem ihren nennen; — 
Gleichen Schebrergeiſt Dir zuerkennen! 

Denn die Nachwelt übe Geretigkeit! 

temrer Herzen frohem Mitaenubi 
Wird Dein Herz dies laute Pob verzeihen! 

Have Wunſche, die wir mob Die wriben, 
em’n Dir Rofen auf die Bahn zum Bid. 


———yſ — — — 





1804. Nro, 158. 
"ARISTIDES, 
Der Freimüthige 
Denncrflag, —— betr — den 9. Auguſt. 
GE rıf und Sherry 





Literatur 


Schickſale des Perſers Waßily Michailow unter 
den Kalmüucken, Kirgiſen und Chiwenſen. 
Riga, 1804. (bei Hartmann.) 


Wohrend feines Aufenthalts bei den Kalmuͤcken, 
lernte Herr Bergmann (der Verfaſſer diefes Buͤch⸗ 
leins,) einen ehrwuͤrdigen Alten kennen, der von den 
Periern abflammte und ſchon in fruͤher Kindheit von 
feinen Eltern, aus Armuth, den Kuffen verhandelt 
ward, in der-Folge in Kalmuͤckiſche Gefangenfchaft 
gerieth, bier, wie unter den Kirgifen und Ihimenfen 
die härtefte Sklaverei erduldete, nach manchem ıniße 
lich abgelaufenen Verſuche zur Flucht, in den Aſiati— 
fhen Wuͤſten und Tartarifhen Eteppen mit dem 
böcbften Eiend kümpfie, und fi daraus mit Gefahr 
feines Lebens felbt einen Weg bahnte. Herr Berg: 
mann munterte ihn auf, die merfwürdigften Vorfälle 
feines Lebens aufjuzeichnen, und bearbeitete nach den 
ihm gelieferten Woterialien die vorliegende Geſchichte, 
die nicht ſowohl von Seiten der Darftellung, als 
vielmehr durch ihren Anhalt intereffire. Uebrigens 
erinnert fie faft durchgehende an die ähnlichen Ber 
gebenheiten des Herrn von Briſſon, und feine höchfte 
traurige &klaverei unter den Arabern in der Afrikas 
niſchen Wuͤſte. 
A— s. 


„Marſiük. 
Die Wanderfihaft oder Thaddaͤdl' in der Fremd’! 
fir dad F.. P. von Herrn A. H. Siyora 
Edlen von Eulenſtein. (?) 


Das Hurhängefchitd charafterifirt fo ziemlich den 
Goſthof, in welchen man bier geführt wird, Was 
das Stuͤck fern foll, — eine Operette, oder «ein 
Schwank, oder was fonft, — willen die Götter, 
Es ſcheint für das Wiedner Theater gemacht, deifen 
Geſchmack befanntlih Kerr Echifaneder in feiner 
Macht und Gewalt hat. Die Ouvertüre iſt much 
ganz gut, dann folgen aber beinahe nichts, wie Wied: 
ner Epäße, Wie fih Herr Thaddaäͤdl' auedrüdt, 
daven ein kleines Pröbchen: 

„Jeitzt in's ein Nierteliaßr, 

Daß ich au Tanzibeden war, u 

Mit ein! Grub’ntigerl dein, 

Die war mein Maderleim, 

Habs grühet ind Veihel hin, 

Warn auch Kamm'rade drinn 

Lehrbubn und behnlatai, 

Und — atlerlei!“ 

Dann heißt's auf einmal: „d' Muſik iſt aus!“ 

aber ach! ſie dauert noch eine ganze Weile fort. 


Helene Oper von Mehul. Im Clavier— 
außzug, von Bierey. 

Die Duvertüre hat originelle Gedanfen, und 

athmet einen luſtigen Humor, der feine Wirkung 

nicht verfehlt, Aber gegen das Ende wird fie Durch die 


dftere Wiederholung einiger Paffagen, in die ſich der 
Verf. verliebt zu haben ſcheint, wirklich etwas leiers 
mäßig. In Zufammenfegung mehrerer Singftimmen, 
befonders in Terzetten, ift Herr Mehul vorzüglich 
ſtark. Keine drädt die andere nieder, Eeine vermifcht 
die andere, jede fließt ruhig und harmoniſch neben 
der andern bin. Dies ift eine große Kunſt, die nicht 
jedem Tonfeßer eigen ift, der fonft ſchoͤpferiſchen 
Geiſt und Darftellung befigt. Die Komanze im er: 
fien Aft, un beau troubadour bearnois etc. ift 
ganz im inne der Romanze fomponirt, einfach, 
voltsmäßig, und fo — daß fie jeder gleich mitfingen 
möchte, und auch mitfingen Fann. (In bdiefer Art 
bat auch Zelter einige treffliche Romanzen geliefert.) 
Das Finale des erften Akts, wo junge Schäfer und 
Schaͤferinnen, Bauern und Bäuerinnen ein Chor 
machen, ift fehr gefällig. Mitunter iſt die Deutfche 
Nachbildung recht gut gerathen, wie eben in dieſem 
Sinale, — mitunter fommen aber auch Stellen vor, 
wie folgende: 
Guillot de la jeune Isabelle 
r Depuis long temps est amoureux, 
&# lichet Hand Pant ntonetten, 
und dieje ſchenti ihm Herz und Hand 


+r 


Kphigenia in Aulis. 
(Fortſehung.) 


Hr Gang des Deutfhen Stuoͤckes iſt folgender: 
Im Anfange des erften Aktes find die Heerfuͤh— 
rer vor Agamemnons Zelt verfammelt, und Achill wor: 
züglid dringt darauf, daß man ein Mittel fuchen 
foll, die Götter zu verföhnen. Calchas erfcheint und 
thut den im vorigen Blatt mitgetheilten Ausſpruch, 
der Agamemnon und Achill am tiefften kraͤnkt und 
erfihüttert, Agamemnon fendet nach langem Kampfe 
mit fich felbft, und durch die Machricht von einer 
plöglich ausgebrochenen Peſt beftimmt, Ulyß und 
Diemed ab, Iphigenia ins Lager zu loden; durch 
welches Mittel Überläßt er ihnen, Achill hingegen 
fendet Automedon ab, Iphlgenia zu warnen. 
Euripides uud Racine reißen uns mitten in bie 
Handlung hinein: Iphigenia wird ſchon erwartet, 
als ihre Erüde anfangen. That der Deurfche Dich: 
ter gut daran, von ihnen abiumeichen? Bär’ es 
nicht vorteilhafter für das Antereffe geweſen, uns, 
wie feine Vorgänger den fon gefchürjten Knoten 
vorzulegen, als vor unfern Augen erſt die Faͤden def: 
felben in einander ſchlingen zu lajffen? Man muß 
gerecht fenn. Ohne Zweifel wäre der Gang des 
Etädes rafcher geweſen, aber — mehr gefallen hätte 


es dadurch nicht. Das Publiftum des Euripides for: 


derte nichts als die Darftellung der Begebenheit, eis 
nige erſchuͤtternde Situationen und bdichterifche Be: 
trachtungen; das Publitum des Raeine war mit 
DVerwidelungen, mit lebhaft ausgedrädten, innigen 
Gefühlen, (und bat es darin jemals einen größern 
Meifter gegeben, als Racine? ch zweifle.) und mit 
einem nicht empörenden Ausgange befriedigt. Lin: 
fere Geſchmadsbildung, — (und das ift ein Beweis, 
daß fie in Einem Punfte volltommner ift, als die 
der Athenienſer, und der Franzofen im i7ten Jahr— 
hundert,) fordert außerdem auch noch Entwidelung 
und Haltung der Charaktere, firenge pfochologifche 
Motivirung. Dazu mußte Hr. 8, feine Handlung 
früher anfangen laffen: und im diefer Ruͤckſicht iſt 
es auch eine fehr trefflihe Aenderung, daß er nicht 
Agamemnon felbft den liſtigen Vorwand erfinnen 
läßt, der Iphigenlen ins Lager lädt, der väterliche 
Schmer; mußte ihn dazu wohl unfähig machen; — 
ferner, daß nicht Agamemnen, fondern Achill felbft, 
die Unglädliche will warnen laffen: denn Agamen« 
nen wäre dabei weniger als entichloffener Heid, 
klein erfchienen. 

Beim Euripides kennt Achill Iphigenien nit; 
beim Nacine liebt er fie, weiß aber anfangs nicht 
daß, und warum fie ins Lager geführt werden foll; 
In dem Deurfchen Stuͤcke ift er mit ihr verfprochen 
und iſt Zeuge des graufamen Beſchluſſes. Auch das 
märe eine Derbefferung der Handlung gemefen, wenn 
Hr. L. nur Achillen lebhaftern MWiderftand hätte thun 
laffen, und es motivirt hätte, warum er nicht felbft 
nach Argos eilte. Ueberhaupt iſt fein Achill gar 
nicht der furdhtbare, ſtuͤrmiſche Krieger, der er bei 
den alten Dichtern ift, fondern nur ein feurig lie: 
bender Jüngling. Einen ſolchen beturfte das Stuͤck, 
daher ift die Ummandlung in kuͤnſtleriſcher Ruͤckſicht 
nicht fehlerhaft: aber fie misfülle gleichwohl denen, 
in deren Eeele fich ein anderes Bild des berühmtes 
ften aller Helden feft gefekt hat. 

Echmerer oder vielmehr gar nicht zu rechtferti: 
gen, ift dagegen der zweite Aft. Diefen beginnt 
Iphigenia im väterlihen Pallaft mit Blumenleſen, 
mit Ausſchmuͤckung des Altars, mit Opfern; Uleff 
und Diomed täufchen fie und Kiytämneftra, durch 
die Nachricht, Iphigeniens Vermaͤhlung mit Achill 
folle im Lager vor fich gehn; Automedon, langt zu 
frät an, und da er durchaus in den Pallaſt dringen 
will, um feinen Auftrag zu vollziehn, erſticht ihn 
Diomed, 

Der vorige Aft zeigte uns eine Hinſicht, in 
welcher unfer dramatifhe Geſchmack vollfommner 
ift, als der Ältere und aͤlteſte, dieſer hingegen eine 


— RT 


in welcher er ausgeartet iſt. Diefer Akt iſt nehmlich 
nichts als ein durchaus muͤhiges Gemälde, mährend 
deffen die Handlung beinahe völlig ruht. ein gan: 
jer Inhalt hätte dem dritten Akt durch eine Erzäh: 
lung von dreißig Verfen können einverleibt werden: 
mozu der mößige Aufwand von &cenen? Warum 


folfen wir Iphigenia beten, und Automedon fterben . 


fehn? Das macht den Gang des Ganzen ſchleppend, 
und gewährt gar keinen Vortheil. — Wenn id ben 
Fehlgriff des Herrn L. als ein Zeichen des Zeitge: 
fhmades anfähre: kaum brauche ih noch daran zu 
erinnern, daß dergleichen müßige Gemälde in den 
fehr berühmten Erüden eines größern Dichters fehr 
gewöhnliche Erfcheinungen find, und eine Menge — 
gähnender Bewunderer haben. — 
(Der Beſchluß folgt.) 


Sebaftian Schertlin. 


Das Leben bdiefes Mannes, der als Krieger zur 
Zeit des Echmalfaldifchen Krieges eine fo große Kolle 
fpielte, ift von ihm felbft befchrieben, gedrudt, aber 
diejes Werk ift felten geworden, und es verlohnt ſich 
vielleicht der Mühe, ihn bier, durch eine kurze Schil: 
derung feines Lebens, aus der Vergeſſenheit heraus: 
jubeben. 


Sebafian Schertlin, war in dem Wür: 
tenbergifchen Städtchen Scharrendorf geboren. Er 
ftudirte und erhielt zu Tübingen den Grad eines Ma: 
gifters, allein er fcheint wenig Meigung zu dem ge 
Ichrten Etande gehabt zu haben, denn bald begab 
er fi in Kaiſerliche Kriegsdienfte. An der Echlacht 
bei Pavia, in melcher Franz der Erſte gefangen wurde, 
biele Schertlin ſich fo tapfer, daß er bald nach der 
felben, von dem Bices König von Neapel zum Kitter 
geſchlagen wurde. Mad dem Frieden mit Frankreich, 
kehrte Echertlin nach Deutſchland zuruͤck, und machte 
in dem Bauernfrieg einen Feldzug mit. In der 
Folge ging er in die Dienfte der Reichsſtadt Müren: 
berg, welche er jedoch bald wieder verlief, um abers 
mals mit dem Kaiferlichen Heere nach Italien zu jie: 
ben. Er war, unter der Anführung feines Lande: 
mannes Frondsberg, bei der Belagerung ber En: 
gelsburg in dem Jahre 1527, und der Pländerung 
Kom’s, bei welcher Gelegenheit Schertlin eine Beute 
von 15000 Gulden machte, 

As Schertlin zum zmeitenmale Stalien ver: 
laffen hatte, nahm ihn bie Meicheftade Augsburg 
in ihre Dienſte. Er faufte dort ein Haus, das er 
mit feiner ganzen Familie bejog. In diefer ruhigen 
Periode feines Lebens ergab ſich Schertlin dem Zpiel, 
fpielte glüdlih und ward immer reicher, fo daß er 


im &tande war, die Herrfhaft Burtehbach für 14000 
5. zu Faufen. Mit der Augsburgifhen Mannfchaft 
zog unfer Ritter nach Ungarn, griff in biefem Feld: 
juge mit 500 Schuͤtzen, 20000 Mann an, trieb fie 
der Hauptarmee entgegen, nnd erfocht auf dieſe Weiſe 
einen großen Sieg. Diefe Heldenthat befinder fich 
noch grgenmwärtig in der Kirche zu Burtenbach abger 
bildet. Schertlin fagt in feiner Lebensbefchreibung 
felbft: „Hob dajfeibig wohl groß Ehr eingelegt, das 
von man Echriften macht,“ auch wurde er damals 
von dem Kaifer noch einmal zum Ritter gefhlagen, 
und erhielt eine goldene Kette von 300 Cronen an 
Werd. „Aus dem Krieg, ſchreibt er, bracht ich 
Ehr und 40000 Gulden,” und noc Überdies mach: 
ten ihm viele große Herren Geſchenke und warfen 
ibm Zehrgelder aus, um ibn in einem Nothfall 
gebrauchen zu koͤnnen, indeß verlieh Echertlin bie 
Dienfte der Stadt Augsburg nie. 

Der Echmalfaldiihe Bund, in welchem fich bes 
fanntlich die Stadt Augsburg mit befand, wurde ers 
richtet, und bald brach der für Deutfchland fo trau: 
rige Religionsfrieg aus. Augsburg vermehrte feine 
Feftungswerfe und warb Söldner, und ſtellte Schert⸗ 
lin als Anführer derſelben auf. Schertlin's erfter 
Zug, in dierem Kriege, ging nach Tyrol; er eroberte 
die Ehrenberger Clauſe, plünderte allenthalben und 
mishandelte vorzüglich die Kloͤſter. Indeß von die: 
fer Seite für die Bundesgenoffen gluͤckliche Fort: 
fhritte gemacht wurden, drang auf ber andern 
Karl V. mit einem Heer von 60000 Mann vor, 
und wurde Meifter von der Donau Mit Necht 
befürcptete man in Augsburg eine Belagerung, alles 
war in Schrecken, die reichen Bürger dafelbit fingen 
an ſich mit ihren Habfeligkeiten zu flüchten, und 
Schertlin wurde mit feiner Mannſchaft zuruͤckberu— 
fen, Aber alle Paͤſſe waren von der Koiferlichen 
Armee beiekt und es war Tollfühnheit dazu erfor: 
derlih, ſich durchzuſchlagen, oder überlegene Lift, 
Beide verband Schertlin mit einander und bei 
Lauingen an der Donau, paffirte er, bei Nacht, mit 
feiner Mannſchaft das Kaiferlihe Lager, ob er gleich 
von allen Seiten angegriffen wurde, und fam glüd: 
lich nach Augsburg. Allein, hier mußte er der Ueber— 
macht weichen und die Etadt ergab fich dem Kaifer, 

Schertlin iſt in feiner Lebens: Befchreibung der 
Meinung, dafı wenn ihm, als er ſich in Tyrol um: 
bertrieb, die Bundesgenoffen gefolgt wären, fo wäre 
es mit dem Haus Oeſterreich garaus geweſen, der 
Kaifer fei fein Lebenlang in feinen ſolche Aengiten, 
als damals, wie er ſich der Ehrenberger Clauſe be 
mächtigte, gewefen, auch ſchreibt er deshalb „daß 
ich denfelben Tag (als er den Kath gab den Kaifer 


anzugreifen) nicht von all mein Sinnen fommen, 
das ander ift all geſchehn.“ „Aber, ſagt er bald dar 
auf, ich hab zu diefem Krieg fein Herz ninuner ger 
hatt, fondern wohl gewußt, das Fein rechter Ernft 
zu einem rechtfchaffenen Krieg vorhanden was, und 
ift mir Stund und Zeit dabei zu lang worden. — 
Karl der V. war gegen Schertlin fehr erbittert, fo, 
daß er fich vor ihm flüchten mußte, weshalb er auch, 
als fih Augsburg ergab, der Stadt fein Gut Burs 
tenbach verkaufte, fih nach Koſtanz begab und dort 
auf die Wiedererhaltung der Kaiferlichen Gnade mars 
tete; als er fie aber nicht erhalten Fonnte, begab ſich 
Schertlin in ranzöfifhe Dienfte, weshalb ihn Karl 
der V. in die Acht, erflärte, 

Schertlin half das Buͤndniß zwiſchen dem 
König von Frankreich und dem Ehurfürften Morij 
von Sachſen fcbließen, zeigte ſich aber in dem Feld— 
zuge feibjt nicht ehätig, Als der Paſſauer Vertrag 
geſchloſſen wurde, hofte Schertlin abermals verges 
bens auf eine Ausfohnung mit dem Kaifer, welche 
erft nach langer Zeit bewerkſtelliget werden Fonnte; 
zugleich erlangte er nun große Freibeiten, erfaufte 
von der Stadt Augeburg wiederum jein Out Burs 
tenbach, welches ſich noch gegenwärtig bei der Familie 
der Schertlin befindet, führte Fleine Kriege mit den 
Grafen von Dettingen, wurde noch einmal Haupt⸗ 


113 — 


mann ber Etadt Augsburg; und farb als folher im 
dein 72ſten Jahr feines Alters, 

Schertlin war tapfer, flandhait, großmuͤthig und 
in einem ſolchen Grade offenherzig, das fich gewiß 
niemand über feine Schmeicheleien beflagen fonnte: 
dafür aber hatte er auch viel Feinde und dreimal 
wurde ihm meuchelmörderifcher Weiſe nach dem Le: 
ben getrachtet. Det allem feinen Hange zu dem 
Kriegeweſen, erfannte er doch das Liebel des Krieges, 
und fein Wablfpruch war: Dulce bellum inexpertis; 

v. St.... 


Scherge. 
Die Müttern 
Hr Kteines fchreit, 
Das nenn’ ich mir dor Zärtlichkeit! 
Um niet vor Wehmuth zu vorgeben, 
Enteiten fie — In Afembicen, 


Ein falfches Sprichwort. 
Es ih nicht wahr in umiern Tagen 
Dank Kinder ſtets De Wahrheit ſagen; 
Cie nennen ja den Gatten der Wiama: 
un Pava * 


Der Gpttes-Ader, 
A potion fit denominaho, 
Deikt's in der Kost irgendwo, 
Und nur die wentgſten find wacker: 
Drum fügt: „Der — Gottſeibnune Hifarı" 
— dt. 


— ————— — — — — — — — — 


Nicht -politiſche Zeitung. 


Paris. 


Eon, ein Wundarit und Pimfiter, macht jegt dem Bürger 
Cadet de Baur jaſt alle ſeine Erfindungen freitig. Er jeigt mach, 
daß ſchon felt Tamger Zeit ein Galattometre din Conservatoıre 
des arts aufbewahrt werde, dal man im depöt des arts et 
des mötiers eine Waſch⸗ Maſchine durch Damp? befige u. f.w, 
Cadet wird wenigstens die Ehre behalten müſſen, dar er feine 
Erfindungen, mögen fir ihm nun ganz gehören, oder nicht, auf 
eine gemeinnigige Weiſe verbreitet hat. Mas antzten jene aufı 
bewaberen Raritäten, deren Eriften; man nicht kannte? 


— Der Kupierfieber Goderron, berühmt durch ieh Blatt 
Pſoche, hat mad einem andern Gemalde von Gerard, Diftan 
in Kupir gedoder. Der alte Barde Net auf einem nackten 
Felſen und finme mad Über bie Tage der Vorzeit, die por ihm 
in den Worten gurüchutchren ſcheinen: denn im dieſen ficht 
man die Geier feiner Vater, die Madchen von Morven, die 
er befang, und eine wor ihm gefallenen Sohne, von Biitſtra⸗ 
len Rütchrig beteuchtet, hinſchweben; die Geſtalten find leicht und 
dwedifichtig, wie das Gewolk, das fie tragt. Das Blatt in 
vortreẽlich gelungen, wand vorzugtich dadurch mp: athurdiu, da 
Foderron diwei verſchiedene Wianieren des Kuvſerfechens mir eins 
ander versinigt bat. Difian und ale Forperjichen Gegenſtande 
find durch dem Grabſtichel, die Geiſter in leichter punttirter Ma— 
nier Bargerllt, Das at nice neu aber die Wirkunz iſt ſchön. 

— Tor „L’Umvers, namaton Cpique par Boist 


Nro. 16. 


2 Vs.“ einem der ſonderbarſten Mitteldinge zwiſchen Porfie und 
Wiſſenſchaft, iR eine neue Auflage eribienen. Der held diejer 
epiſchen Etzahlung iA Abrimam, der Periihe Genius des MH: 
fen, umd feine Bemühungen, Unheil zw ſtiſten, geben dem Ver: 
faſſer Gelegenheit, verſchiedene Theorien über die Entiichung 
der Welt und Die Krarte der Natur vorzutragen, auch fiber New⸗ 
ton fange Noten zu macen Wenn man fi bei der neuen 
Aufnge dieſes jonderbarın Werks, des Gimuie du Christianısme 
und des Aurichens erinnert, das dieſes machte, und der rail: 
fonnirenden und Giforiihen Komme, die fein einiger Zeit ſo 
haufig in Frantreich erſcheinen, ſo laßt ſich micht vertennen, 
daß der Geſanack des LeſePublikums im Paris, eine durd 
aus neue, micrkiwirdige Gertalt gewonuen bat, 

— Juge -Ssant- Martın bat die für die Gartenkultur 
sehe wichtige Entdechung gemacht, daß der aufbewahrte Pollen 
oder Saamenſtaub dir männlichen Büren, ſelbſt aufgerro.fuer, 
ein games Jahr feine befruchtende Sirart behalt. Wiederholte 
Verſudee mit dem Hanf, umd dem Tirkiihen Weitzen haben 
ibm dieſe Wahrheit bewieſen. Das iſt ern trefftiches Muse, 

ichte und Vlumen, die durch ihre Verodanzung uach andern 
Weltthciten aus zeartet Kud, wigder su threr urſerunglichen 
Veiſchaf enheit uructlumtzren/ indem man ihre Thüiten durch Saa⸗ 

menſtaub aus ihrem Vaterlande befrachtet. — Dieſe Nachricht 
giebt die Zeitſchrice beinlle da Culurateur, die bei Mar: 
chant zu Parit heenustomme, und auch außerhalbe Frankreich 
baung gelefen zu werden verdient, 


a —— Zn ———— 


1804 





AMro. 159. 


Der Freimuthige 


Freitag, 


E rn tf 


und 


den 10, Auguſt. 


S her, 





Literatur. 


Die Letten zu Buchen. 
Epos, von Fiſcher. Halle, bei Schim— 
melpfennig, 180% 


HD Fabel dieſes Gedichtes iſt folgende: 

Der Baron von Buchen, ein junger Livländk 
feher Gutsbefiger, feiert feinen Geburtstag, durch 
ein Feſt, das’ er feinen Bauern giebt; auch feine 
Braut ımd einige Freunde befuchen ihn, — aber die 
Fröplichkeit des Feftes wird fepredlich unterbrochen, 
Die Bauern mehrerer Gegenden Livlands haben fich 
empdrt; ihr Anführer, Kafimir, bat einen perfünls 
chen Haß gegen den Baron, und führt den wären: 
den Schwarm nad Duden. Zwar find die Unter 
thanen des Barons, die ihn als ihren Wohlthater 
verehren und lieben, bereit, ihn zu beſchuͤtzen, doch 
ihrer find viel zu wenig, als daß irgend ein glüd- 
ficher Erfolg zu Hoffen iſt. Der Baron gebt indef 
den Aufruͤhrern ſelbſt entgegen. Er beruft ſich auf 
die guͤtige Weiſe, mit welcher er feine Bauern be: 
Handelt babe, auf. das Zeugniß fetner Unterthanem: 
die Empdrer fordern von ihm einen Eid, daß er 
diefe frei laffen wolle, fie fordern, daß er ihr Um: 
ternehmen für gerecht erfennen, und fi an ihre Epiße 
ftellen folle. — Da er fich deffen meigert, ſcheint 
fein Leben verloren; aber Liebe und Furcht, reifen 
feine Braut herbei: 


Ein idyll iſches 


Wie Im ein ſchwarzes Gewoͤlt, wenn Fruhgewitter den 
Himmel 
Dein und Donner erſchatit, ein Mofenwöltdien bin 
ein ſch webt, 
Sanſten Fluges und leicht, Aurora's erröthende Tochter: 
So bie Jungfrau hinein ins Gewühl der yürnenden 
Männer. 
drun dem Geliebten umfangend und ſenkend bie glüs 
e hende Stirue 
Un dei Nedlihen Vruſt, forach fie die traurigen Torte: 
Lad mich erben mit Diri — 

Diefe Erfheinung rührt bie Feinde. Net, da 
fie muthiger aufblidt, erfennt fie in dem Anführer 
einen Menfchen, den fie einft von harter Strafe 
durch ihre Vorbitte befreite, Er geſteht es zu, — 
endlich auch, daß es Liebe zu ihr war, was ihm 


Haß gegen den Baron einflößte, — und entflieht. 


Ihres Anführers beraubt, zerſtreut ſich bald auch die 
empdrte Menge, und der Baron bleibt in der Mitte 
feiner giädlichen Untertanen und bei feiner Geliebten, 
begeiftert: froh zuruͤck; aber er bricht bei dem Anbiid 
der Entweichenden aus: 
Zu umglüctichesd Bolt! Eind diefe die Kinder der 
Edeln r 
Deiner Väter, der Fuͤrſten des Landes, die andre mit 
Ehrjurct 
Angeſtaunet? D glücklich: wär laugſt dein Name vers 
f&olten 
Wie manch anderen Voltd, dad Peſt und Fluthen und 
Glammten, 
Und umfeliger Kriez vom Erdenrande vertiisten! — 


Das Shjet, wie man fieht, iſt für ein idolle 
fches Epos wohl etwas zu lebhaft; aber es ift new 
und intereffant. Ob ber Berfaffer es aus der Ge 
ſchichte der lekten Empörung, die vor etwa zwei 
Jahren in Livland entſtand, (Heil ſey Alerander! 
Es ift ſicher die letzte geweſen: denn auch ‚die Letten 
bat er wieder in den größten Theil ihrer Menſchen— 
und Bürgerrechte eingefeßt! Das übrige — reifet die 
Zeit.) — entlehnte, bat er nicht angezeigt: aber es 
iſt wahrſcheinlich. Es ift aut bearbeitet, Freilich hätte 
es zu Echilderungen von größerer, von erſchuͤttern⸗ 
der Wirfung Stoff gegeben, aber Herr Fiſcher hatte 
das ruhige Gluͤck des Barons und feiner Umgebun— 
gen nun einmal zu feinem Hauptgegenftande gewählt, 
und fo mar es gut, daß er, das Schreckliche nur epis 
fodifch und leicht behandelt, — Man denke fi eine 
beitere, lieblihe Gegend, an deren Serijont eine 
fhwarge Hagelwolke beraufzieht: alles fiebt mit ban⸗ 
ger Beklemmung ihr entgegen ; dumpf rauſchend fleigt 
fie immer höher und höher; jegt brauf't fie Über das 
lücheinde Geſild dahin, — doch ohne mehr als ihren 
Schatten auf fie herab zu werfen. Der Sturm 
trägt fie ſchnell hinweg, und fie verſchwindet am ent⸗ 
gegengefeßten Punkte des Himmels, und läßt die Ges 
gend fo ſchoͤn und feöhlicher zuruͤck, als fie fie fand: — 
da hat man dem Cindruck, den das Gedicht macht. 

Her Fifcher ſcheint ein junaer Dichter au feyn; 
ja, vielleicht iſt dieſes Gedicht überhaupt fein erfter 
Derfuh, den er dem Publikum vorlegt. In diefer 
Voransfekung enthalte ich mi einer ſcharfen Pruͤ⸗ 
fung und begnuͤge mich anjuerfennen, daß das Ge: 
dicht fehr fhöne Erellen hat und ein Beweis if, 
der Derfaffer befige in der That feltne Talente. 

— Noch eine Bemerkung. Die frühere Ge— 
ſchichte der Letten und Efihen ift rei an Stoff zu 
dichterifchen Arbeiten, die uns einen, kaum feit feche: 
hundert Jahren zerftörten Maturftand, und die buͤr⸗ 
gerliche Geſellſchaft in einer fehr romantifchen, durchs 
aus neuen Geſtalt zeigen koͤnnten. Diefe Schaͤtze find 
neh beinahe ganz unbenupt, — ne 


Sebaſtian Ilſung's Reife nach Kompoftello im 
; Epanien, im Jahre 1446, 


S esafian : Ilfung, ein Mann aus einer der 
älteften Angsburgifchen Parriziat: Familien, deren Urs 
ſprung fih in das graue Alterffum verliert, lebte 
in der erjien Hälfte des funfzehnten. Aabrhunderts 
in Augsburg, und zeichnete ſich ſchon früher, vorzuͤg⸗ 
lich, in einem Feldzuge gegen die Huffiten, aus. &i: 
nige \ahre darauf aber machte er ſich vorzöglich 
durch eine Dieife nach Spanien, welche er ſelbſt bes 


142 — \ 


ſchrieb, unter feinen Landsleuten umd bei ber Nach: 
welt berühmt, denn noch befigt feine Familie diefe 
Eeltenheit. Obgleich dieſe Reiſebeſchreibung ſchon 
wenigſtens zum Theil abgedruckt ift, *) fo glaube 
ich doch, da jenes Werk, in welchem fie fi befins 
er nur in wenigen Händen ift, daß ich den Lefern 

des Freimüthigen, mit einem gedrängten Ausjuge 
aus derſelben, Fein ganz unangenehmes Gefchenf 
machen werde. 

Sebaſtian Ilſung trat feine Reife am Montag 
nah dem Palmfontage des 1446. Jahres an, ging 
von Nugeburg nach Memmingen, und erbielt dort von 
den Hochmeifter des Deutſchen Ordens Empfehlunge: 
‚fchreiben auf feine Reife, und einen Priefter als Dell: 
metſcher. Zuerſt fam unfer Ritter in die Echweiy, 


wutde aber dort, da er fraufe Haare trug, (mie 
ſehr fich doch die Eitten ändern,) und deshalb für 


einen Deftereicher, und alfo für einen Feind der frei: 
beit angefehen wurde, oft aufgehalten. In Genf 
mard Ilſungen das Groͤck, dem Pabfte Felix V. den 
Pantoffel Eüffen zu dürfen. Felir empfahl ihn feis 
nem Sohne (bekanntlich mar diefer Pabit, ehe er 
den geiftlihen Stand annahm, Herzog von Savoyen 
und verehlißf,) dem Herſoge Ludwig von Savoyen. 
Ilſung murde deifen Gemablin, fo mie auch den 
Prinzen und deren Gemahlinnen vorgeffellt, er Eniete 
por den Frauenzimmern nieder und kuͤßte ihnen die 
Hände, Der Herzog empfahl. Jungen dem Dau: 
phin, und gab ihm auf feine Reife einen Boten mit 
feinem Sthilde mit, auch hatte er einen „Berge 
fant“ oder Bedienten,. der neben den Pferden zu 
Fuße laufen mußte, 

Aufmerkfam und andächtig, befuchte Ilſung alle 
heilige Derter, und befchrieb fie, mie fie heutzutage 
etwa ein wandernder Handwerkegeſelle befchreiben 
würde, mern fie noch vorhanden wären. Er aina 
Aber Toulonfe (in feiner Sprache „Leſon“) und 
Dienne. Don dem dortigen Hechmeiſter fagt er: „der 
tt alfemechtig das man allmeg kniegen muß, wen 
man mit ihm rettz“ indeß aber bemieß er Ilſungen 
ſehr viet „Chr und Zucht,“ und fihenfte ibm, fe 
lange er bei ibm mar, alle Morgen und Nachts re 
then und weißen Mein; auch fihenfte er ibm den 
„Et. Antoni Orden und den mit dem Gloͤdlein.“ — 
Bu „Niemes“ (Neimus) ſah Ilſung das Ampbi- 
theater, von dem er nicht glaubt, daß s Menſchen 
erbauet haben, „dann es mit menfchlih fen,“ und 
macht eine andächtige Vechreibung, wie Kaiſer Karl 


dieſen Tempel. (denn für einen ſolchen bielt er das 


2 Leßensbe HSrelbungen "ur Erwerb ng und u unterbatung 
Pirassticher Tugend. Von Paul, von Statten dem jungern, 
weite Eamunlung, Geite 35 u. €. 


Ampphithenter,) und die Abgötteret der Heiden zer: 
fiört habe, und mie ihm ein Engel ein Schwerdt 
und einen blauen Echild mit drei „gelgilen” (Eilien) 
in die Echlacht gebracht, damit er einen herrlichen 
Sieg erhalten, 

Barcelona, wohin Ilſung nun kam, hält er 
für die ſchoͤnſte und reichfle Stadt, die er auf feiner 
Meife beſuchte. Ben bier aus ging er nad dem Klo: 
ſter Neuſtera Senora bi Meonferrata, in feiner 
Epracde „Münfterroth, “ von welchem er fagt: „da 
bat jedermann zu effen und zu trinfen, wer fommpt, 
und ein Echloß ift auch ainer halben meyl da ob, 
da fieht man die ainfiedler in den Felfen gon, — 
Zu Tortofa fand Ilſung die Königin von Arrago: 
rien, Maria, Alpbons des V. Gemahlin, Diefe 
gab ihm ihre Geſellſchaft, „eine weiße Etol mit ei: 
nem Kettelein daran, auch ein Halsband und ein 
Greif daran, zu Ehren der Himmelsfünigen Ma: 
ria,“ fie hing ihm dies mit eigenen Händen um, 
und fühte ihn auf die Wangen, auch fprach fie viel 
mit ihm, und hatte viele fchöne Jungfrauen. Als 
fung glaubte, fie wäre heilig gemwefen. — In Ars 
ragonien fand Alfung eine Menge Heiden und us 
den. In Navarra („Nafern“) und deffen Haupt— 
ſtadt Dlite, („Olel“) wurde unfer Ritter von dem 
Prinzen Karl von Dienne fehr gnädig aufgenoms 
men, und bejfen Gemahlin vorgefiellt, welche eine 
Deutſche war, (Die Tochter des Herzogs Adolf von 
Eleve) Sie war, als Ilſung zu ihr geführt wurde, 
auf einem Walle, um der frifchen Luft zu genießen, 
in einem „Tabernadel” oder Zelt mit ihrem Echwas 
ger, dem Grafen Gaſton de Foix, der mit ihr ſcherzte 
und ihr zumuthete, mit Ilſungen Deutfch zu fpres 
hen, daf ihr aber „faſt“ ſchwer wurde, da fie es 
nicht mehr in der Hebung hatte, auch wurde Alfüng 
bereder, nach Deutiher Sitte Abfchied zu nehmen, 
das aber in Navarra „faſt ſchimpflich““ war: er fniete 
vor der Königin nieder, und kuͤßte ihr die Hand, 
darauf ging er zu den Sungfreuen, umarmte fie 
und bat ihnen die Hand, welches ihnen fehr zuwi— 
der mar, 

Don Navarra ging Alfımas Reife nach Kaflilien 
und Burgos. Dort ging er mit einer Proceifion, und 
erhielt dafür von dem Erjbifchof ein Geſchenk von 
fehs Paar Kafanen und Kapaunen, und ein Empjebs 
kumgsfchreiben zu feiner weitern Deife, welche nach 
Eapo Finicterre ging. Nah einigen Abentheuern, 
welche Ilſung befand, und in feiner Beſchreibung 
erzählt. fam er gluͤdlich“ „zu tem finjlern flern. aber 
zu intein heißet es ofjinius terra, iſt zu teuſch an 
end bes erdreichs, da ıft ein hoher Berg umd das 
groß weld mer jlojjet an allen Seiten daran.“ It⸗ 


* 


Hof war, fo unterließ er dieſe Reiſe. 


113 — 


ſung ſah dort unſeres Herrn Tritt in dem harten 
Felſen, und einen Brunnen, ben er gemacht bat, 
und in dem Felſen die Seſſel unferes Herrn, auch bie 
von unferer Frauen, auch &t. Johannis, &t. Ya: 
ob, St. Peter, die er in frommer Einfalt beſchreibt 
und endlich fhließt, „und vir den Berg hinaus da 
ift das mer als hoch umd alls ungeflemm, auff zwue 
Tagreiß, wen der Wind dahin fehlecht, der komm pt 
aymermer ber wider, und hat da oft Waſſer und 
Yand ein end,“ 

Von dem finftern Stern ging Ilſung's Reife 
in Heinrich dem IV. König von Kafilien. Ein Herold 
führte ihm zu demfelben in ein Zelt, das „faft koͤſt⸗ 
lich“ war. Er £niete vor dem Könige nieder und 
Fam bis zum Handkuß. Ilſung kat den König um 
feine Liberei und Gefellfchaft, Die er auch am gelben 
und filbernen Bande erhielt, und bei deren. Erthei: 
lung viele Paufer und Pfeiffer zugegen waren. — 
Bon bier aus kam kam Ilſung nach Leon, („Leywo“) 
und einer, menigftens nach feiner Echreibart unbe: 
kannten Etadt, von welcher er erzählt, daß in der: 
felben die gebratenen Hühner wieder lebendig wär: 
den, von welchen belebten Hühnern er noch junge 
Bucht in der Kirche geiehen babe. — Bon Kempo— 
fell in Gallizien erzählt unfer Wanderer: „da let 
die lieb Herr fant Jacob leibhaftig hinter dem Altar, 
und Sant Jarobokirch if vor dien Zeiten ein großer 
beidnifcher Tempel geweſen. Dort fan vedermann 
auf der Kirche gehen, zu oberfi flieht ein Areuz das 
it vom Himmel herabgefommen, dahin die größte 
Fahrt in der Ehriftenheit, das Heilig Grab auege⸗ 
nommen. Es fammen fehr vil Pilger zu Fuß dahin.” 

Den Kompoftell begab ſich Alfung nach Santa 
Maria Ta Real di Mieva, („zu unferer Frauen 
Schiff“) wo er das größte Wunder auf feiner Reife 
ſah, nehmlich ein großes fleinernes Schiff und einen 
ffeinernen „Segelbaum,“ mohl funfjehn Klafter 
lang, und fo ſchwer, daß ihn zwanzig Ochſen nicht 
von der Stelle rüden können. „Wer dahin kommpt, 
fagt Ilſung, und nit in Tod fünd iſt, der rege den 
großen Zegelbaum der von Etain ift mit fein Fin« 
ger, wer aber ain entlibt hatt oder im ban iſt, und 
das mit genzlich gepaffert hatt der Fan ihn nit rie 
ren in fain weg aber Ilſung bat ihn gerieret fehek 
nerlich. 

Noch einmal Begab ſich unfer Ritter nach Kom— 
poftello und fihlug fein Wappen in der Kirche auf, 
wie er auch „aum finftern Stern“ gethan hatte, 

Gerne wäre fung nach Portugal gegangen, allein 
weil damals die Prinzen Peter und Jehannes um 
ter der Dormundfihait fanden, und in Liſſabon ein 
Auch hätte er 


Granada, („Grenat“) wo bamals noch ein heidni⸗ 
ſcher König war, — (ven dem er fihreibt, daß er 
durch das große Out, das er verfchenfe und aus 
gebe, made, daß ihn Die Chriſten nicht vertreiben — 
gerne gefehen; da aber damals die Peſt in biefem 
Reiche herrſchte, fo unterblieb diefe Reife ebenfalls. 
ung war nun auf feine Ruͤckreiſe bedacht, 
wollte über England gehen, allein mit einem male 
ging fein Geldvorrath zu Ende, auch wuſte er fih 
feinen neuen zu verfchaffen, deshalb reif’te er nun 
gradenmeges nach Genf, wo er abermals von dem 
Herzog fehr gnädig aufgenommen wurde, Dem Knechte, 


16 — 


den ber Herzog Ilſungen auf die Meife mit gegeben 
hatte, ſchenkte biefer zehn Kronen und ein Pferd zwoͤlf 
Gulden werth. — Endlich Fehrte Ilſung zu dem 
einen nah Augsburg zurüd, nachdem er in einem 
halben Jahre gegen 1000 Meilen zurüdgelegt hatte, 
und ſchließt die Beſchreibung feiner Reiſe mit folgen: 
den Reimen. 
Sott und Sanct Jacob umd die heiligen hant mid bevarem 
Sih ih die Tan) und Königerih han eriaren 
Das war — ba man zait nach Chriſtus Gepurt 1446 Jar. 
Sebaſtian Flfung. 
©... 


— INDIEN DD — 


NRiht-politifhe Zeitung. Nro.ı7. 


An den Kebafteur, 


ie Gaben nicht? Bemerkenswertged von bem Serrm Dob 
ter Schmleder gehört? (Siche den Freimüthlgen Ar. 148 © 
78.) So will ich denn Ihnen im Vertrauen etwas Bemerltens⸗ 
werthes von ihm mittheilen. Er war innerhalb zehn Jahren, 
1. Hofmeitter, 2. Doktor Juris im Leyden und Amſterdam, 
3. Profefor in Erfurt, 4. privatifirender Gelehrter in Gotha, 
5, Churſachſiſcher Premier + Sientenant uud Reglmentt quartler⸗ 
meiſter in Duben, 6. Theaterdichter in Mainz und Diretteur im 
eutona, 7. Ehaujvieler am verſchiedenen Orten, 8. Buchhinde 
fer in Hamburg, 9 Schriſtſteller überall, (Welche Vieltaus⸗ 
uichteit des Geiſtcs! —) E — e. 


Paris. 


D. Ballet · Meiſter der Oper zu Parit, Gardel, beichwert 
ſich in den Zeitungen bitter daruber, dah jemand „bodhafr 
ter und verkäumderifher Weiſe“ Gabe an werfichen 
gegeben, feine Frau fei so Jahr alt, da fie doch ent ſeit — 
ein und swansig Jahr auf dem Thenter bewundert werde, 

Die Ausrüftungen au Entderlungs « Reiſen in die duft, zum 
Seen der Wiſſenſchaſten, haben Ungluck. Die in Berlin ver 
füchte, ſchlug gradehin fehl; Die In Et. Petersburg unternoms 
mene, tonnte leider der große Chemiter Lowiz nicht mitm 
hen; den Ball emdiich, den die Franzöſtiche Nenierung für 
Herrn Biot ausruſten Mei, (den gröften, der mod jemals 
verfertige worden, ) hat der Wind vom der Plateſorme dei 
Obfernatoriums losgerifen und entiuhrt. 

Die neue Oper, bie Varden, hat Im ſechs Vorſtelungth 
53200 Granfen eingebranit, 





Zwel merfwürbige Werte werben. noch im vorfichenden 
Herbfte bei Vaſchoud zu Genf erichemen. 

1. Extraits des manuscrits de Mr Necker, r&cueil- 
lis par sa Fille (Mme de Stael, 2 Vs. — Es ſoll eine 
Auswahl geiftrelcher umd außerſt achaltwoller Gedanken über 
Mori, Religion, Politik; über die Geſellſchaft, den Charakter 
umd die Lücherlichteit der Menſchen; — ferner einen Heinen 


Roman enthaften, ben er gleichiam zur Wette mit feiner Tode 
ter, ſchrieb. — Die volitiihe Rotle Des merkmürdigen Man 
mes, beurtieide man wie man wolle. Hier ericheint er als 
dentender Privatmann, — umd er dachte richtig umd ſchon. 
Eelne Biographie von Madame Staet wird dem Wert vorge 
fegt werben, . 

2, Voyage sur In scene des sıx derniers livres de 
V’Eneide, suivi de quelques ohservations sur l’ctat pre- 
sent du Latium, — par Mr de Bonstetten, ı Vme, avec 
Cartes. — Mit reicher Gelebrfamteit und jener lebeudigen 
Phantafie, die man an dem Verfaſſer ſchon kennt, ſtelit er hitt 
das alte Patlum Virgils, und das neue der Pabſte in Contraſt. 
Es äh ſich ſehr viel davon erwarten. 


Berlim 


Mie «8 Heiße, wird Die merfwirdige und koſtbare, mad 
Jahrh. geordnete Sammlung von Kırpferkichen, vom Entiichen 
dieſer Kun am, die der Hof Bucdhändier Hr, Mettea beit, 
nach Rußland verkauft, 


un den Redakteur des Freimüthigen, 
. Berlin den 8. Kur. 1804 


Ks ledten Stuck Ihres Blattes, iſt ein Gedicht abgedruckt, 
worund mir dünge die Glieder des Orcheſters vom Königlichen 
Metionat: Theater, ihre freumdicbartlichen Geſinnungen bejeiaten, 
Ms Beweis derfelben war mir aud das flarte Lob werth, 
das meinem Kunſtlertalent ertheilt wird: ich wußte fer wohl; 
wie viel ich davon fir Mahnung des Wohlwollens absuichen 
hätte. Nun aber tft das Gedicht ohne einen ſolchen Abzug oñ 
fenttich eribienen. Was mir im vertrauten Kreife Freude 
machte, mu mich nun befchämen. Sie werden mid verbinden 
wenn Cie dieie. Zeilen mit der Verſicherung drucken laſſen, dad 
id die Bekanntmachung des Gebichtes auch mit auf das 
Gerne verantaßt babe, 
Weber. 


Mit Vergüngen bezeuge ih Int, — Auch iſt das vom Kr. 
Kapelimeidir Weber fo wenig zu erwarten, als vom mir, daf 
ich zugebe, daß jemand fich in diefem Blatte felbit complimentire. 

Du Red, 


EA nn — — 


1804. R 


Nro. 160. 





5 B 
, 


ARISTIDES, 





Der Freimüthige 


Sonnabend, 
ern ft 


Literatur 


Charlotte Corday. Tragödie in fünf Alten 
mit Chören. Hamburg, ber Hofmann 1804. 





ine Tragödie iſt diefes Werk nun wohl nicht, 
denn eine Tragödie muß nicht nur einen Inhalt has 
ben, fondern diefer Inhalt muß aud durch eine ſtreng 
zufammenhangende Handlung bis zur Katastrophe 
forsgeführe werden u. f. wm. — Aber es ift die bes 
Bannte, anziebende Ghefchichte der hochherzigen Schwaͤr⸗ 
merin, mit einigen Erfindungen ausgejchmäcdt, in Vers 
fen bialogifirt und in fünr Abſchnitte getheilt, die 
ſich immer damit ſchließen, dab einige Stunmen (wen 
dieſe gehören oder gehören ſollen, iſt nicht angegeben 
worden,) dichterifche Betrachtungen in Form eines 
Liedes berfagen, — oder fingen, wenn man will, 
Der erfte Akt beginnt damit, daß Eharlortens Eltern 
fie aus Paris zuruͤck erwarten, wohin fie fie geſchickt 
baten, um fie von ihrer Ueberfpannung zu beiten, — 
aber ſie kommt noch uͤberſpannter juruͤck. Im zweiten Akt 
wird ihte That motivirt; im dritten Akt vollführt 
fie den Mordz im vierten ſteht fie vor Gericht; im 
fünften wird fie hingerichtet und das Ganje ſchließt 
die feierliche Vrerdigung Marats. Die Hauptper— 
fonen naͤchſt ihr, find Adam Luchs, ihr vormaliner 
Seliebter, den der Entfehluß zu eben der’ That, die fie 
ausführt, nach Paris gebracht bat, — und fein Freund 
Lagarde, der ihn davon zuräf hält, und Charlotte 
vor Gericht vertheidigr. 

Sobald man diefes Gericht zu irgend einer 
Gattung rechnen will, fo kann man unendlichen Ta: 
del allee Art Dagegen vorbringen; berrachtet man es 
bloß als einen Kegelsund daher anfpruchlofen Ver: 
ſuch, fo verdient es in wielfacher Kädficht Lob. Die 
Eparafter: Zeichnung Sharlotten’s (die uͤbrigen Charat: 


- 


und 


den 11, Auguſt 


S ch et. 


— — 


tere vorzuͤglich der kagardens, find mislungen,) und 
die, Schilderung ihrer Geelenzerrüttuna. ift gut _geras 
then; die fogenannten Chöre haben ſchoͤne Strophen 
und fehr oft trift man auf große, kraftvolle ausge 
Behen —— EP * 

ner Anzeige in der Hamburger Zeitung zu: 
folge, ift diefes Gevicht das Werk einer, erg * 
der That, ſie muß einen edlen, ſtarken Geiſt 
fügen, der —— vieler ſelbſt ausgezeichneter Maͤn⸗ 
ner weit unter ſich läßt. 


Mod etwas über die Oper. 
(Don einer berühmten Dichterin. ) 


Kine Art theatralifiher Vorftellungen wurde bisher 
nachlaͤſſiger bearbeitet, als die Deuriche Oper. Micht, 
als ob es an guten Werfen * Gattung fehle; 
ein Fach, worin ſich Goͤthe, er, aelis, 
Yakcbi, Weihe und andre zeigten, muß gelungene 

tuͤcke aufzumeifen baben;' aber es ift dabei eine 
Verbindung zweier Talente nothwendig. Der Tons 
feßer muß dem Dichter die Hand’ bieten; er muß im 
feinen Geiſt eindringen, feine Gebilye beleben, feinen 
Gedanken gleichſam eine Hölle von Wohllaut er: 
ſchaffen. Surch das traurigſte Geſchick fanden aber 
die meiften beſſere Singſpiele nur mittelmaͤßige, oder 
ar feine Kemponiften, da hingegen oft die ſinnloſe⸗ 
en Nusgeburten eier ungejgelten Eindbildungstraft 
durch eine genia iſche Miuiif mit zauberiſchen Reizen 
eſchmuͤckt wurden: Die Urſache daven mag theilg 
n der geringen aͤſthetiſchen Bildung der meiſten 
Mufiter, eheile in ibrer Beanemlichfett liegen, der es 
Kıtrazlicher if, ein ans bunten Yappen zufanımenge 
flidfrek , ale ein in’ einem großen, einfacher Stole ge 
dachtes Werk gu bearbeiten, — woſu noch kemmt, 
daß das ſuindliche Deuiſchland mehr Mufitgenies, das 
nördliche hingegen mehr aͤſthetiſche erzeugt, fie eins 


vd — 


ander alfo an Ort und Etelle mangeln; — größten: 
theils aber iſt die eigennügige Wahl mancher Theater: 
Direktionen fhuld, die, obne auf die Verbeſſerung 
des Gefchmads zu denfen, oft nur die Stoͤce vorzies 
ben, weiche von Jahn Hagel am zuverläßigften bes 
Flaicht werden. Iſt es ein Wunder, wenn es fo 
dahin Fam, daß des Publifum zu glauben fcheint, 
der Tert einer Oper fen gar nichts Weſeniliches ? 
Menn es den Kompofiteur und Deforateur allein 
beurtbeilet, und dem Dichter nur in fo fern Lob 
oder Tadel wird, als er die Talente diefer Herren 
zu befchäftigen wußte? 
Traurig aber wäre eg, wenn ein ſolches, dem 
ublitum erft eingeimpftes Vorurtheil die beffern 
öpfe von der Bearbeitung diefer Gattung zuruͤck⸗ 
ſchreden follte, in welcher fich die dramatifche Mufe ge: 
wiß eben fo mwohlgefällig offenbaren fann, als in den 
Gebieten der übrigen Echaufpielarten. Hier drüdt fie 
der Angftlihe Regelzwang am ıwenigfien;«bier darf 
fie ihre Phantafie hinausſchweifen iaſſen uͤber die 
Gränzen des NBirkliden, — des Möglichen fogar, 
nur nicht Über die des guten Geichmads; alle ihre 
Schweſtern darf fie herbeirufen, um ihren Triumph 
u verberrlichen: nur muß Sie ſtets die Königin des 

fies bleiben, und niemand hr den erften Kang 
flreitig mad;en, welche die andern 44 Gaſte lud und 
den Vorzug hat, den Geiſt zu befchäftigen, während 
die Übrigen bios die Sinne vergnügen, 

Indeſſen bat es ungemeine Echwierigfeiten, 
eine gute Oper zu fihreiben, Bor Allem fol fie das 
Gemeine in Eujet, Charakteren und Diktien vers 
meiden. Sie weicht, ihrer eigenthümlichen Einrich: 
tung nach, von der Natur ab, da fie den Dialog in 
Geſang verwandelt; um ſich alfo gleich zu bleiben, 
muß de ſich felbit vom Gemöhnlichen entfernen, 
Wohl hat man dies feit ihrer Entitefung ſchon ger 
fühle, und ihr desinegen unbedenklich das Gebier des 
Wunderbaren geöffnet, weiches den Übrigen. Gattuns 

en, mit geringen Ausnahmen, verfchloffen blieb. Die 

rundfäße darüber find aber noch keineswegs aufs 
Deine gebracht, ja kaum halb deutlich geworden, meriwe: 

n man fich fo —— daran verſuͤndigen durfte, 

irflich aber gehört auch eine Verwoͤhntheit feit 
Kindesbeinen dazu, um nicht hoͤchſt abgeſchmackt zu 
finden, daß ein Alltagscharafter mitten in dem trise 
vialjten Geſchwaͤtz zu reinen und zu fingen beginnt, 
in ver Traurigkeit, fo mie in der freude; ganz, wie 
ein fatirifcher Dichter ausruft: 

Jun fing’ umd tanı, o Molk! Zeig deinen Schmerz 
Um fonfequent zu fegn, dürfte die Oper nie aus den 

elden und Fabeljeiten, nie aus dem Götter und 
— ——— herabſteigen. Eine Unwahrfceinlichfeit 
muß da die andre rechtfertigen. Eben daher zjienit 
ihr auch metrifher Dialog vor allen andern Arten 
von Schauſpielen. Es ift beinahe eine nothwendige 
Etufenfolge, daß die Sprache der fenderbaren We— 
fen, die bei jeder Erhebung ihres Gefuͤhls Heime fine 
gen, durchaus poetifch und wohlklingend ſey. Dann 
fallt es wenig auf, wenn bie Leidenſchaft fie bis zum 
Heime begeiftert, welches einer der größten Dramas 
tifer unferer Zeit fich felbft in Echaufpiele mit ent 
fdiedenem Erfolge erlaubt bat. Die E ingpartbien 
möufen aber immer nur liederhaft gehalten, Aug: 


118g — 


brüche des Gefuͤhls, und weder mit Kaifonnemente, 
noch mit poetifchen Blumen überladen ſeyn. 
Daß das bier von der Heldenoper Geſagte, nicht 
auf das Fomifche Singſpiel ausgedehnt fryn will, 
verſteht fih von ſelbſt. Der Sharakter dleſer Gat— 
tung iſt Heiterkeit, Yeichtigkeit, Empfindung, Gelt: 
famfeit;- und da fie ihren größten Reiz aus dem 
Kontraft fchöpft, fo handelt fie gerade im der, der 
großen Oper entgegengefeßten Sphäre, 


Scenen aus Thefeus auf Kreta, einer 
Heldenoper. 
Sechster Auftritt, 


Ariadnens Gemach. Euphorbe, ihre Sklavin, ſingt, 
in ein Fenſter gelehnt, zur Lyra. 


Dim ibe, wohin von jedes Berges Rüden 
Fin Übers Meer mit ſhnſuchtsvollen Blicken 
"Sl meine Augen drehm? 
Nach Athen! 
Wit ihr, wohin, wenn Schwermuth mich umſchwebet, 
und ungitich athmend, meine Brut ſich hebet, 
Stets meine Geufier webn? 
Nach Athen! 
«ist ihr, wornach, went mit vergmitgtem Kerien, 
Der Jugend froh, Geſolelen um mich ſcherzen, 
Js Ag’ mir Thränen ſtehn? 
Nah chen t 
Wit ihr, warum mit jedem neuen Tanze 
So emfig ich ber Gotter Heerd befränger 
. Bas meine Lipven ſtehn? 
. um Athen! 
O Schufucht, Seuſſer, Thrauen und Gebete, 
Das ich mit Euch die Ruckteht doch erdchte ! 
Dich meine Augen ſahn, 
D Alben! (Sie legt die Lora Beifeite.) 
Mer, O Schnſucht nach dem Baterlande, 
Wie tief bewegeſt du mein. Sera! 
Geſchmiegt in ſremde Stiabenbande, 
Steh oft ich am des Uftre Sande, 
Und blick mit namenloſem Schmerz 
um lurtumtränsten Meeresrand 
Umfont nach deinem theuren Straub, 
D Narerland! 
Wie beneide ich des Meere} Wogen, 
Die der Wind an deine Küfte drängt! 
Könımt ein Gdwarm von Kranichen geflogen 
Der den Klug naich demen Ufern leutt, 
O wie fühl Ich da mich nachgerogen 
Hatte dor ein Gott gewogen 
Fittige auch mir geſchtutt: (Sie weint.) _ 
Flicht mur, ihr Thranen! Wenn duch niemand ficht, 
Möge ihr das heiße, ſchlummerloſe Auge 
Wie Than bangen. Doch in Gegenwart 
Der freundiihen Gehbisterinn verſieat. 
Die Gütige, die mir das, Leben rettete! 
Sie almd’ es nicht, daß es ein traurig Gut 
Bon Vaterland und Freumden ferae, ie. 
Vergebens ſucht mit milder Schweſterliebe 
Der Auverwaͤndten ſamerzlichen Verluſt 
Mir Artadne zu erſetzen: ad! 
Nicht nur Geſchwiſter, den Geliebten auch 
kieh ib versweiiend in Arten zuriick, 
Als under Schiff mit feinen Traucrſegeln 
Bei lauten Webacheui vom Bande hie. 
War if aus dir gewordtu? Daft an Erab 
Edon dein Getein, von Gramı verzehrtf 
Betritit du noch Die hoiinungsreiche Erde? 


Wie, bofunnasreih?. — Ya mens Dein He noch is, 
So kann mod ‚immer ein, aentigter Gott 
uns beinige mich ein zuricce führen. 
Ich mahnte ja ſchon ort, werachens ſey 
Bon viersehn Unglücdstindern ib allein 
Dem Tor nicht wunderbar entrifen worden. 
Komm berab auf deinem Edwanendligel 
Holde Hofnung! Wie vom Aufgan zehugel 
Eos Silberthau auf Roſen traut: 
Träufe Balſam fanft im meine Anden, 
Laf mein Herz am fuhen Troft- gefunden 
Daß noch einfi ein fchönrer Kreis von Etundeg 
Mit. der Ihre resem Band mir läuft. *) 
Sorangen nicht ſchon oftmdis Kerterriegel? 
Sal ih Madal nicht mit leichtem Flügel 
Fort ven bier, nad fernen Ufern Richar 
D, fo il das Band, das mich geboren, 
O fo ift er, dem ich audertohren 
Dir vieleicht auf ewig nicht verfohren, 
Und auch mie kann mod ein Brauttranz blühmf 


Siebenter Auftritt. a 
Euphorbe. Ariadne kommt und bleibt in Gedanken ſtehn. 


Euph. Gesieterin, ſei hoch von mir verehrt? rũckt ige 
einen Stuhl.) 
@eränt Dies micht, den Kür und ben Gpeer 
Mir’ darzureichen? Auf dem Terrichſtuhl 
Bon deiner Jagd Beſchwerden ausßuruhn? 
(Wriadne giebt ihr die Waren und jet ſich mechaniſch.) 
Erlauber du, daf ih den Jagdſchuh Idje, 
und leichte Sohlen um den Huf dir fminp? 
rind. ſteht wieder auf) Olaf das jeht. Euphorbe, Freumdin, ach, 
Was hab ich jept geſehn: (ſchmiegt ich am ihre Brun.) 
Eurb. Du ideint bewegt! 
Ariad. Bewegt nur? Sorich erſchüttert, forid verwandelt, 
So wird dein Wort der Wahrbeit näber kommen. 
Eupb. Darf, kuhn durch dein Vertraun, die Stlavm wagen 
Zu ſorſchen, was ſo fehr anf dich zewirtt? 
Ariad. Du ſoricht wohl iManiich, aber wart du mir 
Nicht immer Freundin? Umd mie hab ich mehr 
Ein Hers bedurit, iu das ſich meins erwiches ! 
Wie gab es eines, weiches wärmer Theil 
am meiner Wallung aehmen kann, als deincs. 
Vernaimm So eben hat dein Vaterland 
Das ſchwarzt Schiff auis mene hergtſeudet. 
CEuph. Athen das Todesſchia? 
Ariad: O, was ich Hirt, 
is ich die Unglücksladung kommen fchen, 
und unerbittkicher wis je,. den Konig and! 
Enph. Ihr @örter! Tag fir Tag weht zattte ich, 
Und wufre, das die Fri zu Ende liefes 
Doch da bed Königs Mund dadon ſtets icuvieg» 
So dacht ich, aroßmurhswofl wel er vergeſſen. 
Ariad. Ich dacht ein gleiches, und er hatt' 6 auch, 
War ungeforbert aicht bie Fracht getomen. 
Nun hait Erd ſür das Wert der Nemeſi, 
und will des Schickſale Arena Gericht nicht Mörem 
Euph. Ya, wahrlich Arena, anf unbeiekter Haupt, 
Kom Schuldgen ab, der Rache Blit au leiten! 
Ariad. DO fdimäße deut nicht Die Wergelterin ! 
Den Schuldgen trift es nun, und ſiedenfach. 
Vernimm es etzt nur mit geſtügelten 
Gefvarten Worten: nidıt mehr Kınderios 
ir Aegeut. Es erwuchs vervorgen ihm 
Ein Sehn aus Achras Schooat zu Tröiene 
So wie au Mofa im der Kompben Händen - 
Einf Baechus dem Olgmp. Umb wie der Gott 








) Die Archaalogen find gebeten, ſich über die Canduhr 
wicht au entſetzen, ungeachtet es damals nur Waſſeruhren gab, Th. 


19 — 


Die Hülle plögtih von fih warf, ald. Eieger, 

Geführt pom Vanthern, Judien durchog, 

So trat der Heldenjohm auch aus dem Duntel. 

Auf feiner Reiſt langem Weg befünmpir 

Er alle Räuber, bie, indeh- Nico 

Omohalen dient, fi im Achaia fammeln, 

Und jeder eiten Planen dor fich her, 

Das ihn das Bolt zum Bötteriohn erhebt. 
Euph. So herrlich binht aus men’ Erechtheus Stamm! 
Uriab. Oböre erſt, was für Gefahr ihm droht 

Der edelmuttae Jungling bat ſich jelbit 

Der Schaar der Zobesopier beigcrahlet, 

Uud nun von meinem Water lamt begehrt, 

Mit Minotaur den Todestamp zu wagen, 

“ Damit der König, wenn das Scheuſal fallt, 

Den ſchrecklichen Tribur nicht wieder fordere. 
Euph. D das ih groß und göttlich, die Gefahr, 

Den Tod, ji andrer Rettung aufkwfuchen, 

Und zu befrein von Schmach fein Baterlanbt 
Ariad. Wohl gottlich groht Und wenn dar ihm geichm, 

Edön, wie mir nie eim Gterblider erichien t 

Go rei war an Keroen nie Die Welt, 

Als wir von uniern Tagen rühmen tönmen; 

Die Tyndariden, Neſtor, Phlloktet, 

Admet und Peleus, Meleager, Jaſon 

und Hertules, der herriicie von allen, 

und wie viel andre, deren Namen einſt 

Die Eterne sleren, wandeln unter und; 

Doc ſchatz ich Theſeus tuhn dem Werten ale, 
Eurb. © füde Hofnung für mein Vaterland! 
Ariad. und ſo wich Zrefilichkeit foll untergehm! 

In feiner Tugend crfter, beſter Krait, 

Soll er ber bieichen Larven Schaar vermehren? 

Er fol Ginab, 

Ins dürre Grab, , 

und nicht mihr ſchaus 

Der Eonne Sicht, 

Des Tages süße Hehe 

us ewye Braun 

Des Echattenlands, 

Un Letha's Ncbelquelle , 
Euph. D theme Furſtin⸗ was wersaaft du gan? 

So Irrriich, wie ihm, beine Med" geichildert, 

Kan an jein Arm des Linthierd Meiſfter werben, 
Ariad. Du kennen nicht die wilde Mißgeftalt, 

Halb Menſch, hatb Etier, von mehr als iefentärte, 

dach Menſcheufleiſch begierig, mie ein Hin! 

Mid führte Dadal ein ind Laturimeh, 

Und wies fie mir aus eimem ſichern Fenſter. 

Do nicht vor Minotauren site ic bio! 

An feine Stege kann der Jünsling auch 

Noch dieſen reiben: Das Gebaude nur 

Das ihn umfeblieht, nur dies macht mich versagen. 
Euss, Das Labyrinth ? 


Ariadne. 


Mer, Mus feinen innerſten, verſchlungenen Gewluden 
Kann kein Gedorner Ausgang finden, 
Die Ihren ohne Zahl; die Gange eng und krumm, 
ie Flihren Theſeues fett im Zaubertreis herum. 
und fol er aud den Feind befiegen, z 
Kuh er des Hungers Qual erliegen. 
Euphborbe, 
D graliche⸗ Geht, o firechteriide Wabl! 
Der Entel Yanbiond, fo ſhahlich font er ſterben 
Bumntt nirgend mehr ein Hoffnungeſtrahlr 
" Entreißr tein ort ihm dem Verderben? 
Ariad: © Freundin Lak midı jetzt ein großes Wort 
Vertrauensvoll an beine Gere legen, 
Ein ort — mit bangen Schauder und mit Etols, 


it Freude und mit Neben eve IE aus: 
Nur ich allein, hr ib taun Thetſeus werten! 


Eur. 
Er Dei Lahnrinth + Erbauerd Liebling war Ich, 
An meiner Jugend, meinem regen Ginn 

Für jedes Schöne, hatt! der Künier Freudt. 
Zur mich verfertigt er fo manches Kumitwert , 
Das doppelt nicht die Welt beützt. Tür mich 
Belebte er den Stein, entwarf er Künie, 
Dir gab er endlich vormals. einen Kmanl, 
Der, an der Eingangsoforte iunren Nagel 
Befeſtigt, aus dem Baburintbe führt, ß 
Euph. D ichnalt-gieb Theſeus dieſen Banberknäut! 
Ariıd. Ja, roh ihr — Mur darıber fümprr mein Sirm. 
Eupb. Dein Elan nur; nidt dein Hey kaun es bezweifela 
Obe einen Menſchen rette, ober nicht? 
Hat es gezweifett, ald du mich gerettet? 
Arlad. Da nicht Dom hier giits Sin, beimah Werrath! 
Dem Bater müßt ed eim Geheimnik bleiben. 
Eupb. oft treibt Die Noth auf eimen Mebempes 
Sen trennen Laufer nah dem Ziel der Tugend, 
Dit ehtn andre, von ber Bahn bes Rechte 
Abwelchend, aue gewaltſam mit ſich fort, 
Des Konigs ſtarre Harte nothtgt dich 
nie Fin ein Menſcheuleben zu erretten. 
Ariad. um — Anverſchleiert zeigt mein Herr Mich birt 
Hiche Mitteid Bios, ein Keftiger Geriht, 
Ein niegetannter Trieb, dem ich mittraue. 
Beweat mein Herz für dieſen fremden Mann, 
und diesen ſon ich nachtlich, einfam ſorechen? 
Ich jelbit mar kann ihm dem geheinen Ort, 
E50 man des Fadens Ende knipfe, beitichnen. 
ec. Mir font die Vruſt 
Wie fhuldbewuht. 
Es wandelt nur mit ſicherm Tritte 
Das Weib am zarten Urm der Gitte, 
Werlaßt uns dieſe Fuhrerin 
So it das Gelbitgenibl dabin, 


— Enphborbe 
Dein Erlöfgerhät hat hötre Stüczen 
Die ewig es vorm Sinken fhligen: 
Dein Herz voll edler We blichteit 
Sit feld der Thron der Sittuchteit. 


Ariadne 
In Ailtem, engberhränktem Gieiſe 
Wallt ſtete der Frauen Lebenswene; 
Wenn num das Schictſal fhremg gebeut, 
und pföglich ruft zu Mannerthaten, 
Dann man wohl bange Mengitlschteit 
Die Schwache des: Geſchlechts verrangen.d 
Euphorbe * 
An falten, eugbeſchrautten Gleiſe, 
Wallt zwar der Frauen Lebensweiſe; 
Doch wenn das Schickſal rung gebeut, 
und ſelbtt uns ruft zu Mannerthaten, 
Daun darf auch baͤnge Menaftlichteit 
Ihm unfre Edwäde nicht verrarben ! 
XAriaden 
Wehlan! Ich bin Fereit, 
Du haft mie höhere Muth gegeben; 
In meiner Hand liegt Theſeus Leben 
Dies endet allen EStreit: 
Ya, ich fühl im Buſen bier 
Der Begeiüerung Flamme lobern, 


Eupborbe 
Eich, die Gotter belien dir 
uch voufuhren, was fie fobern, 

Beide 


Dank End, Dank, ihr Unſidibaren, 
Die ihr feet mir (ihr) Muth verleiht? 
Aus des Labyriutho Geſfahren 
Wird der edle Held berreit: 


Ductt. 


— — — — —— — 


Nicht -politißche zeitung 


Berlin 

V. Er Mateſtat dem Könige Gaben der Bildhauer Wider 
mann md der Aupferiteber Wacdsmann, (Aexieibe, der Flarmanas 
Darfieliungen aus dem Homer, im vorigen Jahr jehr rdıön in Kunrer 
ad, ) fir eine aberreichte Arbeit wett einem aufehnlichen Geſchent, 
ein außerſt anadiges Kabinetichreiben ertzalten. Welche Auimums 
terung fir Diere junge, Fünflier, und jur die Knie und Wiſſen⸗ 
ſchaften überhauot, ſich der huldreichen Munmerbiamteit des hoch⸗ 
verebrion Monanten mit Stolz bewugt ſeyn zu durfen! 

Bemerkung. Der junge Vildhauer Carl Widmann, ein 
Schnter Schadowe, hat ſchon eine Neibe jehzr gelungener Arbeiy 
ten geliefert; 4 B. die Buſten Ibrer König. Hobeiten, der Ptin⸗ 
sen Ferdinand, Louis und Auguſtz De iiide Er Durchlaudet bes 
Furg· Miichors von Hohenlohe; — ein Denkmal auf dem neuen 
Kiediboje vor dem Wrenziauer Thore; und jegr Kiralicb Die ſchon 
genrteitete Buſte des Kapelmmeiters Himmel, 

— tim 9. Auguft hieit Die Königl. Akademie der Wiſſenſchaf⸗ 
ten eine bffentlicht Sitzung zur Feier des Geturtaſeſtes Er. Maieſtat 
des Kontza. Die Verbandlungen bei derſclben im uachſten Blatt, 
Preiſe wurden nicht zuerkaunt. — 

Mehr, ſehr viel mehr beachtet ur— werden, ald geichieht, 
verdienen die Gemalde und die Kupferſtichſammlung des Hof 
buchhandiers Herrn Wetten. Die erſte enthalt eigen qronen 
Neichthum reeiiichen. ierte von berihmten. Meilkern und von 
ſolchen, die teribmer zu ſeyn verdienten; — die letzte im 
84 Banden und Porteſcuiltan eine ſeltue Sammy dom 
Kupferiiichen, von der Erfimdunng der Kubierſtechertri an, chrono⸗ 
Toalıcd und nach, den Schulen, georane.. Herr, Meitra bat 


Nro. 18. 


eben einem Catalogue. raisonne von einem Theil feiner Ge 
maldeſammlung herausgegeben, und dieiem eime Heine, aber mit 
wichtigen Bemertungen geflilite Abhandlung iber Semalde⸗ 
Kennmih und Gemälde » Handel vorgeiegt, Dieie Heine Cdhrirt 
wird um Werten der Armen verkauft, umd dient dan jur 
Eintaätarte, um die Ganimiungen, die täglih drei Stunden 
ofen Rehm, nach Belieben zu beichn. 

Madame Meyer verläßt im Oktober dieſes Jahres das 
Theater, um Nimitig mer ihren Smilie zu leben. Stiucke wie 
die Jungſrau, Regutus, Rodoaune, (worin fie die Kbnigin 
madte,) Die Braut von Meiina,-n. f wm. werden dann wohl 
eine Zetrlang ruben milfens es fen denm, bak Herr Dir, 
Stand, der eime neue Nele. nach Stuttgard, angetretc hat, 
ſo atischtih id, won verraten eine Aunfiterin mitzubrtugen, 
die durch ihre Kun und dire. den Meis der Neubeit, im 
Erande IR, das Bild: zu verbunkin, das dem Publikum von 
ten groden Polen vorſchwebt, im weichen Madame Wiener 
glänzte, fo oft. fie wol. E 

Am 8. Auguſt trat bier ein Herr Rinenfeld aut Hamburg 
al? Payngeno.Janf, - Eine Grimme. if kraftig, birafam und 
gefallig, fein Bortrag zeigt Kun: Erin Epiet war froß, 
harte aber eben nicht wich komiſche Kraft. — Bietleicht bat 
es nicht zwei Schauſpieler gegeben, fo lange bie Zaubenlöte 
eriftiet, Die aus dieſer Mole alles machten, was aus ihr ac 
macht werden Bann. Sie it gewitermanfen ein Seitenſtuck zum 
Caliban; Ms gemeine Menichlicbe im ihr. muß auf eime halb: 
thierriche Weiie geamsgre werden, otne umanıktmdig zu werden. 
Aber gewohntiche Schauſoreler machen ans Papageno einen ein⸗ 
faltigen,.. geaneinen poſentertter. 


1804- 


Nro. 161. 





Der Sreimütbhbisge 


Montag, 


E rn ft 


— oder — 


un d 


den 13. Augufl, 


Sſcher z. 





Literatur. 


Erzählungen. Riga, 1804; mit einem Titel⸗Kupfer. 
(Bei Hartmann.) 


Wise Umriſſe; fechs leicht hingeworfene und in 
einem reinen, fliegenden Etil vorgetragene — Anek: 
doten; aber feine eigentliche, oder doch höchftmagere, 
_ Erzählungen. Faſt in allen hat der Verfaſſer fich 
ſelbſt handelnd, und feine Helden bios redend einge: 
führt. In den beiden erfteren, deren Familienähns 
lichfeit dadurch, daß fie nebeneinanderftehen, auffällt, 
werden die Lefer nah Spanien geführt. In der 
erften erwirbt der Merfaffer fich, durch die Rettung 
eines mit zwei Räubern im Kampf begriffenen Offi: 
ciers, einen Freund, der aber nur zu bald verſchwin⸗ 
bet, und nicht eher wieder zum Vorſchein fommt, als 
bis er das PVergeltungsreht an ihm ausüben kann. 
Das gefchieht in einem Schloſſe, wohin der Verf. 
auf eine gebeimnißvolle Weife gelangt, um dort für 
den verbrecherifhen Gatten der Tochter des Haufes 
gehalten zu werden. Diefe felbft klaͤrt endlich den 
Irrthum auf, der, fo wie das Vorhergehende, zu wel: 
ter nichts führt, als — zu ihrer Geſchichte, die fie 
dem Verfaſſer in bandfehriftlichen Bruchſtuͤcken zur 
Mittheilung an feine Lefer, — einhändige, Es find 
größtentheils Briefe an eine Freundin, und werden 
in der Mitte der Begebenheiten plöglich abgebrochen. 
Eonderbar genug! Noch fonderbarer aber ift es, daf 
in einem Anhange am Schluß des Buches, in einer 


{ogenannten Fortfegung, die Hifforie mit mer 
nigen Worten von dem Verfaſſer felbft beendige wird, 
der es dort ſchon vergeffen zu haben ſcheint, daß er 
fie anfangs in Briefen mittheilte. Wie Fonnte er 
fonft die Fortfekung mit den Morten beginnen: 
bier wurde Franzesfa unterbrochen ic.“ — 

In der zweiten Erzählung geraͤth der Verfaffer, 
in den Pyrenaͤen, felbft unter Räuber, faͤllt ſchwer 
verwundet in Ohnmacht, und befindet ſich beim Er: 
wachen abermals in einem Schloß, das, mie ihm 
der Arzt erzählt, von einer ſchwermuͤthigen Dame 
bewohnt wird, bie der Welt und jeder Gemeinfchaft 
mit Menſchen entfagt bat. Seit mehrern Fahren 
ſchon darf, außer dem Arzt und einem alten, treuen 
Diener, fih niemand ihr nahen, und allen ift ihre 
Geſchichte ein Geheimniß. Demungeachtet — diefe 
Unwahrfcheintichkeit ift durch nichts motivirt, — läßt 
fie den Berfaffer vor fich, der fie in einem ſchwarz— 
behangenen Zimmer, unter fehauerlihen Abnun: 
gen, erwarten muß. ie erfcheint, läßt fich mit 
ihm aufs Eopha nieder, — und erzählt ihm ihre 
Geſchichte, damit er diefe gleichfalls feinen Leſern mitthei: 


- len könne; was denn auch treulich gefchieht. Uebri— 


gene hat diefe Dame das mit der Heldin der vor: 
bergehenden Geſchichte gemein, daß fie, wie jene, 
an ein Ungeheuer von Mann geratben, und nun 
außer aller Verbindung mit ihm ift. 

Der König, ein Bettler, Mo. 3, iſt bie 
gelnungenſte von allem Erzählungen, eigentlich ein Pers 
fiihes Maͤhrchen. Die Quelle, aus welcher der Ber: 


— 122 — 


faffer ſchoͤpfte, iſt hier fo wenig, mie bei faſt allen 
übrigen, genannt, 

Mr. 4, der gute Kath. Die Anlage zu bie: 
fer Erzählung ift kemiſch gehalten, der Ausgang ernſt 
und unbefriedigend, und die Erfindung platt. Ein 
humoriftifcher Alter giebt feinem Neffen, bei feinem 
Eintritt in die große Welt, folgenden Kath auf den 
Weg: „Tritt keinem Hunde auf den Schwanz, ſtehe 
nicht lange vor einer zugemachten Thür, und wirf 
fein befchriebenes Blatt weg." Bei einem Beluce 
den der Meffe der vielsermögenden. Gemahlin feines 
Chefs abflartet, um fih zu einer vafanten Etelle 
zu empfehlen, begeht er die Unvorfichtigfeit,. dem 
Schooshunde diefer Dame auf den Schwanz zu tres 
ten, und verfehlt dadurch feines Zwecke. Als Freier 
bleibt er, auf dem: Wege ſich das entfcheidende Ja 
feiner Geliebten zu heilen, vor der Thüre ihres Gars 
tenhaufes flehen, und erhorcht fich die fehredliche 
Nachricht: daß fie ihn nur aus Liebe zu ihrem Dar 
ter heiraten würde. Er eilt zuräd und fehreibt ihr 
einen Abfägebrief. Aber die Sache wird ihm bald 
Bar, er bat fich durch fich ſelbſt getäufcht: Das lies 
befieche Mädchen erfranft, geneft, verreißt zu ihren: 
Verwandten nad) einer andern Stadt, und uͤberlaͤßt 
verzweiflungsvoll einem andern ihre Hand. Fark zur 
nehmlichen. Zeit erhält der Held einen Brief mit 
mehreren andern Papieren, Diefe ftedt er flüchtig. 
ein, jenen. überläuft er flüchtig: Er enthält die Mache 
richt von dem Tode feines Oheims. Zur Erillung 
feines Durſtes, — denn er befand ſich eben. auf der 
Reife zu dem von ihm verlaffenen Mädihen,. und 
brannte vor Verlangen fein Unrecht zu vergäten, — 
muß ihm fein Diener Kirfhen pflüfen. Aber, mwo- 
foll er fie hinthun? Mechaniſch greift er in die Taſche 
und zieht ein Papier heraus, das den Kirfchen zur 
Doͤte dienen muß. Er ift und, giebt das Übrige mit 
dem Papier dem Diener, Bald darauf finder er im 
Briefe. feines Oheims eine Verfchreibung. von 6000 
Thalern erwähnt: Nun werden die eingeftedten ‘Pas 
piere. hervorgejogen und durchſucht. Aber, o wehe! 
das Dofument mar zur Kirfehendäte verbraucht; 
der Wind hat jede Spur davon verweht. Die Hoffs 
nung zur Wiedererlangung feiner Geliebten tröftet. 
ibn,. aber auch nur fo lange,. bis er die Gewißheit 
feines Unglüds aus dem Munde eines redfeligen: 
Gaſtwirths erfährt. inige Zeit darauf ſchließt er 
eine ungluͤckliche Ehe, zeugt drei Kinder, wird glück 
licherweiſe wieder Wittwer, und erzählt feine Ges 
ſchichte — iunferm Verfaſſer. Das hätt er nicht. 
thun follen , denn fie ift abgeſchmackt. 

Nr; 5, die viergebn glüdlihen Tage, 
find noch unglüdlicher, als Ir. 4 ausgefallen. Die 


Rapelle der heil, Gertrud, eine Linländifche 
Movelle, macht den Beſchluß, und hätte wohl eine 
detaillirtere Ausführung und beſſer ausgefhmüdt zu 
werden, verdient. z 


Uebrigens kann man biefen Erzählungen, oder 
wie man fie fonft nennen will, wenn fie auch auf 
bleibenden Werth einen Anfpruch machen, das Ver: 
dienſt einer angenehmen Zeitverkuͤrzung, ſchon ihres 
tebbaften, runden und angenehmen Vortrags wegen, 
nicht ffreitig machen, A— s. 


Erdenwallen der Poeſie. 


Di, sauberreich, im Glan; der Ideale 

Des Menden Herr sum Tempel ſich geweiht, 
Ennit niederichwebend in der Erde Thale, 
» Mir dunkeln Piad der Schoͤnheit Blumen ſtreut, — 


Die, fergensvoll, in der Begeiſt rung Schale 
Dis hohern Lebens gold’nen Netrar beut, 


And, wandelnd auf der Töne Melodien, 
Den Geift erhtbt zu ſchonet'n Harmanicen: — 


Wer in's, die mich aflmädtig angesagen, 
Der leiß und ſtaunend die Bewund'rung ſchwelgt, 
Die hertritt auf der Sterne lichten Wogen, 
Vom ftunpfen Blick des Pobels unerreicht? 
Die durch des Weltalis unermeſſne Bogen 
Voran dem firmen Flug des Scherz fcırge 
Und ihn hinaußieht im das Reich des Schouen, 
Zum Weihgeſaug der göttiihm Kamönın ? 
& it die Hole, die auf Hellas Fluren 
Der Eanger Herzen wunderbar durchdrang, 
Dah fie, erült von höberen Naturen, 
Erbabne Dichtung fehrten im Geſang; 
Die — geld dem Zweigeſtirn der Diosturem, 
Sich um die heit'ge Schweſter liebend ſchlang, 
Mit ſußem Ton der Rede Kraft umwunden, 
Umd mit dem Geit die Harmenie verbunden ! 
Sa. war ed, wo im dichtgedraͤngten Kreife 
Der Höre Schaar dem heil'gen Mund gelauſcht, 
So der Geſang, gehetmnißvroll umd Laie, 
Haid fürmend, wie Orfane, fie umrauſcht 
Eat Görter neigten ſich der bolden Weiſe, 
Kin Opfer ward um Dichters Epb aerauidt — 
Und föngeweihtt zum Sohn der Pierinnen, 
Eat man den Sterblichen — den Gott gewinnen ! 
Da felte die Natur in em’ger Blüte, 
Und jedes Leben ſchuf cin Genius, 
Die OQuelle ſprach wovon die Roſe glühte, 
Am Floras Wangen wehte Zerhyrs Fug. 
Ziet aus dem Schaum des Meers ſtieg Arhrodite, 
Und göttlich wird der menſchuiche Cena: — 
Tas die Natur In ew'ge Nacht verſchleiert, 
Som Genger ward es im Gerang gerriert. 
Und fie die Chövrerin der holden Eitte, 
Die Tochter Jovis und dir Phantafie, 
Et zud rahmbetrant in der. Ghemeihten. Mitte, 


— 123 — 


Die Prieſterin bes Ehönen, Vorfiet 
Und alle Weſen folgten ihrem Tritte, 
Es jog fie am mit beiliger Simparbie: — 
Das Leben hob füb auf des Liedes Wogen, 
‚Sum Hochſten ward der Elan emporgezoges. 


und wie fie schön und lieblich ſich geſtaltet, 
Lag die Natur rein vor bem innern Blick; 
Wie ſich das Ideal dem Geiſt entfaltet, 
Ehaft fih der Menſch ein unſichtbares Stick. 
Das freie Epicl verborg'ner Kräfte waltet, 
Der Traum entlicht, die Tauſchung weicht zurtick; 
Und auf der Menichheit Aillerrung'nen Höhen, 
Eicht man der Wahrhelt Fichten Tempel hen! — 


Welch neuer Geiſt, in beil'ger Glut emubrofen, 
Ruhert meiner Harfe gold'nes Eaiteniiel? 
Ir fie es fehl, von Wetberglang umfeien, 
Die Rammender mir aujrent das Berl? 
as rauſcht, mie wenn fortwalzend ſich ergoiem, 
Auf reicher Trift der ſebenarm'ge Nil? 
Hör ih Abollon's wlrbige Geubſſen, 
Hat ee ſich jelba mir liebend aufgeichlofen? 


Ein kluihhner Aar, theilt mit grwalttgen Schwiugen 
Die Luͤſte Pindar; des Oihympos Hop, 
unſtertlich das Unſterdliche zu fingm, 
Erreicht Homer im Flug der (paper, 
Bon Dirte Hör ich Teios Leier Hinacen, 
Tartaos Muth im Heldentiedern wehn, — 
Den jirien Schwer in Saorhos Klage Hören 
und Zopho.lss dir Gotter Eprade reden: — 


Dech welche Wandlung? Welder duſtre Edielen 
Berbirtt der alten Eänger heil'ges Chor? 
Bas ſtort Minergend, was Dionens Feier, 
Welch Ödes Schweigen teirt mein lauſchend Ohr? 
IR fie veriummt, des Muſengottes Pier, 
Tritt Kiner aus dem Kreis der Himmliſcheu hervor? 
Mas raſtet ihre, Achaias edle Sohne, 
Dim Nachtzatl zu entwerfen Orpheus Töne? — 


Die Muſe ſchweigt! — dom ungeweih'ten Schaaren 
Erfullet ſich der Gottin Heiligthum ! 
Shr Bild umdraugen ſtauueude Barbaren, 
Mit rohem Sinn verfootrend ihren Rubm! — 
Ir keiner, der fie rette dem Geſahren? 
Wird auch die Kunft des Schickfals Eigentum?’ 
Muß auch das Echöne die Gewalt jerfiören, 
Kann ſolch unbeil'gen Frevel miemand wehren? 


Und firh! ein edied Vott am Tiberſttaude, 
Ken gottlicher Vegtiſterung emtafiht, 
Empfangt mir hoher Feier die Verbannte, 
on taufend Lippen ſchaltt der Wethung Plck 
Der Paan ient, — die Bit des Alters brannte, 
Zu ſtiller Andacht ſhwangz lid das Sentüth, 
umd auf der Kavitols erhad'ner Soitze, 
Trug Jovis Adier De geweih'ten Bittze. 
Ch. Schreiber 
Die Fortſetzung folgt) 


Ueber Wahrheit. 
Fragment außd einer Rede 
Behalten im Fahr 179%) 


Nicht jede Wahrheit taugt dazu, bekannt zu 
werden! Manche ift ein beraufcpendes Gift!“ 
Aufgeblafener Thor, der Du fo fprihft! Hält Du 
dich denn für ein Weſen höherer Gattung, daß Du 
vermeineft, deine Brüder vermöchten nicht zu ertra⸗ 
gen, was Du erträgeft? Dermeifener! Weißt Du 
denn nicht: alles was die jegige Generation benft, 
fd nur Reſultat von dem, mas die vorhergehende 
gedacht bat? Der lichte Gedanfe, der in beinem 
Kopfe aufblißt, leuchtete geftern ſchon faufend andern, 
in andern Gegenden der Erde, wird morgen wieder 
saufend andern von felber leuchten, — Die Auftik: 
sung ift eine belle, wohlthätige Flamme, dieäber den 
Erdball ermärmend und erhellend hinflutet. Du, 
Laͤcherlicher, willſt ein Theilchen derfelben in deine 
Hand befchliefen, weil Du fie für ſchaͤdlich haͤltſt, 
indeß dich ein ganzes Flammenmeer ummalle? Wie 
Eindifch! — Und vermöchteft Du es: mie verbreche: 
riſch! Wahrheit ift die Sonne der moralifchen Weit, 
und was im Echatten ficht, artet aus oder erftirbe ! 
Meun Zehntheile alles Ungläds, das je die Menſch⸗ 
beit in großen Maffen, oder rin Individuum elend 
machte, waren Folgen des Irrthums, und feiner 
Tochter, der Inkonſequenz. Wilft Du elnen Be 
weis? Seit Jahrtauſenden fielen alle pelitifche 
und religidfe Einrichtungen und VBerfaffungen auf 
der Erde, in eine andre Welt hinüber, deren Daſeyn 
noch immer problematifch ift. Gieb dem Glauben 
Gewißheit, die vor der ſchaͤrfſten Präfung der Der: 
nunfe befteßt, oder — vernichte ihn durch Gründe, 
weunn er ein Irrwahn iſt, und faft alle Inkonſe— 
queng, am welcher fo viele Generationen aller Volker 
erkrankten, verdarben, iſt verfchmwunden, Keine 
Kreugzüge dann, keine Religionsfriege, feine vertilgte 
Ketjer und Heiden - Bölfer, Feine Kloͤſter, fein 
Tyrannenfinn, oder doch — feine geduldig er 
tragene Sklaverei, & M. 


Aphorismen 


ie wenigften Menſchen find von Natur Thoren, 
die meiften werden es aus Eitelkeit - 

Die größte Tugend ift Die, der Tugend freu zu 
bleiben. 

Der witzige Kopf gleicht einer elektriſchen Wolfe, 
Rde Beruͤhrung flüge Funken aus ihm. Der 
nachlallende Witzling ift der Blikableiter, der den 
Funken auffängt, und ihn — ins Waſſer führt, 


Sherje 
Die Satiriker. 


Sie fpotten ohne Wig mit gefber 
und grüner Galle. 

Den beiten Stoff vergeſſen alle: 
— Sich ſelber: 


un 5—5—1. 


Momus lãchelt Dir Heid, indeh Moll dich verlängnel, 
Alfs verlacht man den Witz und — ben Verfaſſer dazu. 


Todectampf eines Skriblers. 


Der Tob bezwang mit gar geringer 
Anftrengung dıefem armen Tropf. 

Er lahmte blos die fchmellen Finger, 
Senn fängk erlarrt war — Her uud Kopſß. 


Die modernen Venusbilder. 
Erwachten doch vom Todesſchlafe 
Die Marmorfrauen! 
"96 lieh die Meiter dann jur Strafe, 
Mit ihnen — traue, 


— db. 


Niht-politifhe Zeitung. Nro.19. 


gondbo m 
Paris as it was, andas it is, CParid, mie es 


war, und wie eb iſt,) — unter diefem Titel IR ein Wert 


erſchientn, das wahrſcheinlich ein leldenſchaftliches Gegenttück 
zu dem im Paris berausgefommenen: Londres et les Anglow, 
iR, Want ein der Friede wurichtehrr, wann ein bie Erbite 
terung ber triegenden Matlonen gemlldert if: was fir Dent ⸗ 
mäler dieſer Zeit werden aurlcfhleiben, über weiche die Nach⸗ 
welt errörhen wird ! 

Gerner iſt erichlenen: Ancient and Modern 
Malta , eine gemaue Beſchreibung biefer Infel, und die Ser 
ſchlchte des Maltheferordend, von Bolsgellu, im drel Banden 
mit eimer arofen Karte und 21 Kupfern. 

Ferner: eine vom Tooche veriertigte Ueberfegung, von 
Zoltitofers Predigten: „über das Uebel im der Weit,“ 
in zwei bien Oftav » Banden. 


BB eritim 
Die Öfentlihe Eigung der Akademie am 8. Auguſt eröffnete, 
in Gegenwart einer zahlrelchen Berfammiung, Here Direktor 
Merlan mit einer Heinen Zramsöfigchen Unrede, über die Bew 
aulaſſuug der Feierlichteit. 

Kerr VProſeſſor Eralding lad hlerauf eine Latelnlſche Ode 
über denieiben Gegenſtand; ®- 

Herr Direbtor Merian tattete Bericht ab, über bie how 
jährigen Preisfragen, las die neuen Unfgaben ab, und machte ber 
kannt, daß der Mineralog Haun zu Paris, und der berühmte Monto 
zu Edinburg, zu Ebremmitgliedern der Atademie ernannt worden; 

Herr Proſeſſor Bode fad eine Ybhandlung über den Lauf 
der beiden mewentdechten Planeten, Ceres und Pallas ver, und 
erläuterte fie durch Zeichnungen: 

Here Geheime Kath (Erman las hiſtoxiſche Notiiem über 
das EStadchen Kövenit Cin ber Neumark, etwa zwei Meilen von 
Berlin,) vors 

Hierauf, mu Berchluh, Herr Geheime Rath Hufeland 
eine ſehr wichtige Wohandiung: Ueber dem Einduß des 
Clima, der Atmoſphaͤre und der Lotalitat auf Leben, Geſaud⸗ 
geit und vhofifhen Charakter der Beweohner eined Landes eder 
einer Stadt. (Mertwirdig war darin bie Angabe, Das 
Berlin und Petersburg Die gefundenen, Wien, Hamburg und 
das verhältmifmmähig Heine Leiprig die unstſundeſten Stadte 


unter dem wichtigern in Europa find. Im dem erſtern ſtirbt 
jägetih Einer von dreißig, im dem letztera Einer von swaniig.) 

mUeber den Zuſtaud der redenden und zeicdwenden Kine 
Am Mitrzlatter „" die voriihrige Preisangabe, waren mur jet 
Aehandiungen eingelaufen, welche aber der Akademle nidt Ge⸗ 
müge iehteten. Diefe Aufgabe ward ale, bis sum Monat Mat 
1806, noch einmal mis dem Ppreiſe von 100 Dutaten, wit 
derholt. 

Eben fo die Aufgabe der mathematiſchen Klaffe: Ueber bie 
Schlefe der Ehiprit, nit einem Preife von 150 Dutaten; 

wie auch die der phufitatiicden Klaſſe: a. über das Mm 
riottifche Geſetzz 2. Aber den Milibrand beim Hornvieh ; 3. über 
die Erruttur der Lungen; 

und die der philofonhlihen Kaf:: über bie Eizenſchaſtens 
der Analuſis und der analiutiſchen Methode in ber Philo ſovhie. 

Ein vornehmer fremder Gelehrte, bat 50 Louisd'or auf 
die Weontwortung der Frage nefegt: „Woher kommt «6, das 
man die Fivilifation des menſchlichen Gerblehts nur im Orlent 
findet, und daß man bei allen Entbefungen, welche man dm 
Abendlande und im dem zahlreichen Gruppen des Eid rMerred 
gemacht bat, faum eine Spur ber Civitiſation findet?" Die 
Beantwortungen dieier Frage werden bis zum I. Mai 1805 
erwartet, und die Konigl. Akademie wird darüber urteilen. 

it diefem Watte wird ein Kupfer ausgesehen, dad bie 
Geerdigung eines vornehmen und reden Mannes ju Cabenda, 
auf der Meyer » Kite, vorſtellt. Der Leichnam war in alle die 
toſtbaten in⸗ und auslandiſchen Zeuge gewickelt worden, die er 


nagq zeſaſſen hatte; man hatte mit ihm, ſein ganzes übriged bes 


weglicdes Vermögen hineingewtfelt, und fo war aus dem Kor⸗ 
per eine Mafe enthanden, die man ohne Kader uud Maſchinen 
nicht aus der Stelle bewegen konnte, Die Gapitains vom ein 
Paar Schiffen, die im der Nähe vor Unter Sagen, muhten 
Geile hergeben, umd durch das Vorſpannen einiger hundert 
Denidien gelang es endlich, den Körper in vier Tagen eine 
halbe Grunde weit sum Grobe zu tramsportiven, Man Hürpte 
Die Leiche im die Gruft und baute eime Hätte daruber. 

Das Kupfer gehört zu einem meuen Hefte des Muſeum 
des Wundervoillen,“ das in der Baumgart netiſchen Buchhand⸗ 
luug zu Leiplig heraustommit, uud wegen ſeines großen Reiche 
thunis an Mertwitrdigteitem Ichbart empfohlen au werben ver: 
dient. Bon dem erjen Herten if eine Menue Muflage erichlenen. 








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Nro, 162. 





ARISTIDES, 





Der Sreimütbhige 


Dienftag, 
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Literatur 
Gedichte von Heinric) Harried. Altona 1804. 


Man aus der nur gu großen Zahl der Dichter: 
linge Deutfchlands, die verwegen in das goldene Thor 
der Dichtkunſt eindringen, und nur von den mächti: 
gen Antrieben der zehnten Muſe gefpornt, den 
göttlihen Wahnſinn erzwingen mollen, — end: 
lich ein Mann bervortritt der weit die niedrige 
Schaar Überglänzend, fi) an die beiferen Vorbilder 
reiht: welche Hoffnung dürfte das Deutiche Vater— 
land nähren, hätte niche auch diefer Mann ſchon 
feinen Schwanengeſang gefungen, wären die Töne 
feiner Leyer nicht längft verhallt. — 


Ehe Rec. feine Blicke auf die fieblihen Bluͤthen 
feines Geiſtes und feiner Muße wirft, ſey ihm ein 
einziger unmilliger Blick erlaubt auf die Geift: und 
gehaltloſe verangelekte Biographie des Dichters, 
deren Cingang allein erträglich if, ie rührt von 
einem feiner Bekannten ber, der in Anfehung des 
Genies und der Talente aber unendlich weit unter 
ihm flieht. Die Lebensgeſchichte eines Dichters, deffen 
Werke uns vorgelegt werden, follte nichts enthalten, 
als was den Dichter charafterifirt, — was den 
Dichterfunfen zuerft in ihm weckte, entwickelte; felbft 
die kleinſten Begebenheiten, gut erzäbtt, wuͤrden 
Intereſſe erwecken, fländen fie damit in Verbindung. 
Was giebt uns flatt deffen diefer Alltags: Echrift: 
fieller in feiner langweiligen Exhreiberei? Kleinliche 





— — oder — — 


und 


den 14 Auguſt. 


She r 


N — — ⸗ 

Anekdoten ohne Geiſt und Werth, — und nur zu 
oit, mit ermüdender Weitſchweiſigkeit erzählte Dinge, 
bie durchaus nicht zur Sache gehören, Am gelinde: 
ften beurtbeile, mag dieſe Biographie wohl fühig 
feyn, Frau und Kinder des Verfiorbenen an einem 
Winterobende hinter dem Kamin zu unterhalten, — 
aber das Publifum? — Was foll dies daran wiffen, 
daß Harries den erften Kaffee im Torfftalle trank, 
(pay. 169) und in Hamburg lächelte, als man ihn 
auf Fifche einlud (pag. 229); was an der lächerlichen, 
mehr als Eindifchen Furcht des Herausgebers felbft, 
noch in feinem zoften Jahre, vor Käubern, (pag. 23); — 
was an der nadten Aufzählung deffen, was Harries 
in London fah (pag. 48 und 49) die ins Lächerliche 
fälle, — mas daran, daß Harries ihn — mit einem 
Panterthiere, und feine Frau mit einem Amor ver 
glich (711). Und welche Ordnung mag in des Her: 
ausgebers Kopfe berrfchen! Pag. 30 und folgende, 
geht er mit äußerfter Kürze vom Rieſen Antoufch 
auf die Eregefe und Dogmatif, — von biefer auf 
Walchs Tod, und fedann auf Heyne's Pindar Über, 
dem eine gehaltivfe Anekdote, in Schloͤzers Kollegium 
vorgefallen, folgt. Von diefer fommt er zu der ge: 
lehrten Madame Rodde in Lübel, die befannt: 
lich den Dofterhut erhielt, — von bdiefer auf Rod⸗ 
negs Sieg, auf Harries Fehler zu viel Kuchen zu 
ejfen, und zuleßt auf einen ihm (dem Herausgeber) 
ertheilten Kath die Trompete zu blafen, um fich die 
Bruſt zu ſtaͤrken. Hat man je eine barodere Zu: 
fammenfegung auf 4 Oktavſeiten gefehn? In der 


— 126 — 


That kommt man in Verſuchung zu glauben, daß 
das Sinngedicht: „Mancher Autor und feine Feder“ 
11. pag. 87 durchaus auf ihn gemacht ſey. ch 
wende mich mit Freuden von diefem elenden Mach: 
werk, bei dem ich ſchon zu lange verweilte, — und 
gehe zu den Gedichten über, die einem fühlenden 
Herzen reichen Genuß gewähren. Cine reine, bilder: 
reiche, bier und da indeß zu Öppige Phantafie, eine 
leichte, ungegwungene, felten fehlerhafte, abwechfelnd 
gereimte und reimlofe Verſifikation, verbunden mit 
einem hohen Grade liebenswürdiger Beſcheidenheit 
und Anerkennung höheren Verdienfies, die an meh: 
reren Stellen bervorleuchten, geben dem Berftorbe: 
nen geltenden Anfpruh auf den Dichterfranz, den 
die Machmwelt ihm aufjeken wird, 

Schon gleich das erfte Gedicht beurfundet das 
Talent des Derfajfers. "Es ift eine Leberfekung von 
Popens: Father of All. Wer mit fo ängitlicher 
Genauigkeit überfeht, und doch dabei fo wenig durch 
diefe bindenden, ſich felbft angelegten Feſſeln bes 
fehränft wird, daß fein einziger Anglicismus, Feine 
einzige Härte im Versmaaß zu finden ift, und das 
Ganze fo leicht und angenehm zu leſen ift, — der 
ward gewiß zum Dichter geboren. — 

As Volks dichter ift Harries ſchon lange befannt 
gewefen, obgleih nur einzelne Stuͤcke in fliegenden 
Blättern und Provinzialfchriften abgedrudt ſtehn. 
Das Lied von Lieb’ und Treue, erinnere ich mich 
mit Beſtimmtheit ſchon vor geraumer Zeit in den 
Dänifchen Provinzen gehört zu baten, Im Erzählen 
ift er minder glüdlich, wenigitens liefert die Lipsiae, — 
die in 119, Verſen viel böotifchen, wenig attiichen 
Wig enthält, Belege dazu. Mande Ausdrüde wie 
fie fih in DBers 50, — 62 und gn finden, fallen 
ins Pöbelhafte. Sehr gelungen ift dagegen das Ge: 
dicht an die Freundfchaft, daß wenige unbewegt aus 
der Hand legen werden, Mur bie drei erften Stro— 
phen will ih ausheben. Die folgenten 32 find, — 
eine einzige vieleicht ausgenommen, — gewiß eben 
fo ſchoͤn. 

Lieblich iR die Harmonie der Ephiren 

und der reine Wohllaut der Natur! 
edön der Einklaug der im Geifterreicdhe 
Arugios leiter auf der Wahrheit Spur. 


Schoͤner noch die Sumpathie der Herzen. 
Der Gemhle zartlicher Erauf 
um verwandten Vuſen, — das Verſchmtlzen 
Jeder Regung im geweihten Kun. 


Freuudſchaſt, — Freundſchaft, wo, auf welchem Gterme 
Und im weichen Himmel warf du nicht 
Die Beliebte jedes auten Welens, 
Und der Gott dem alled Kranze flicht? u. ſ. w. 


Das AJubellied „für die Lieben die ich meine” 
iR Schillers trefflichem Geſange an die freude, bier 
und da zu offenbar nachgebildet. An einigen Etek 
len findet man fogar woͤrtliche, — aber nicht zu: 
fällige Aehnlichkeiten. Am Anhang finder ſich freie 
lid manches geiftvolle Gedicht, aber auch eben fo 
viel Ausfhuß, was indeß mehr auf Kechnung des 
Herausgebers als des Verfaſſers zu feßen ift, weil 
jener das von diefem gefprochene Veto aufhob. Mer 
follte glauben, daß das in wahrhaft dichterifcher Be: 
geifierung gefchriebene Freiheitslied, — und das ans 
Eclechte grängende „Liebe und Rache,“ von einem 
und bemfelben Verfaſſer ware? 

ee 
Reminiſcenz. 


Am Fluß des Rigiberges. 
An Auguſt von A...dt. 


uͤnf Wochen find es, feit mich die freundlichen 
Thäler der Schweiz beherbergen. Könnte ich fie 
auch die glüdlichen nennen! — Eine hohe, hin 
reißend ſchwaͤrmeriſche Begeiſterung ergriff mich, 
als ich zuerft im Abendlichte die friedlichen Gipfel 
der Alpen dammern ſah. Ich glaubee mich im Ars 
midens Zauberflur verfeßt, umgeben von einem gluͤck⸗ 
lichen Volke das den einfachen Eitten der Morzeit 
getreu, die Tugend und Treue des erſten Menfchen: 
geſchlechtes heilig bersahrte. Die Natur fchien mir 
allenthalben ein lachenderes Antlik wie in meinem 
Materlande zu tragen, die Menſchen fchienen weit 
offener, herzlicder und zutraulicher, und wenn meine 
Phantaſie gleich Manchem ein reijenderes Kolorit 
leihen mochte, als es in der Wirklichkeit trug, fo 
fühlte ih mich doch von einer wohlthuenden Ruhe 
der Seele umfangen. Truͤber murden meine Em: 
pfindungen, als ich tiefer im Lande die Epuren er 
blidte, die der erjürnte Genius von der eben er: 
loſchenen Fadel des Krieges zuruͤckließ. Zwar bluͤh⸗ 
ten die Thäler nach mie vor, in ewig verjuͤngter 
Schoͤne, aber der mütterliche Athem der Freiheit war 
verweht von ihnen, gedüngt das Gefilde mit den Leis 
hen DVaterlande: liebender Jünglinge, befeuchtet von 
den Ihränen weinender Bräute und trofllofer Muͤt⸗ 
ter, Entweiht war die Etäte wo Winkelried der 
Daterlandsliebe das heiligfte Denfmal baute, ent: 
meiht das einft fo glüdliche Land wo Tell, und Er: 
lach der Unſterblichkeit entgegenreiften. Ungluͤckliches 
Daterland der edelſten Patrioten, weiche unbeilbare 
Wunden find dir gefchlagen! - 

Am Wogenftrande des Rhodanus, an den flillen 
Ufern des Lemans theilte ih Salis und Matthiſſons 
füge Schwermuth, und fühlte mich entzüdter durch 


— 127 — 


die Töne ihrer unfterblichen Leier. Aber begeiftern: 
der noch war das Gefühl das meinen Bufen bob, 
als ich auf dem Gipfel des Kigiberges einen Anblick 
gewann, mie ich ihm mie hatte und fchwerlich 
jemals wieder haben werde. WBildend den Mittel: 
punft zwiſchen Zug, Lucern und Schweitz, gewährt er 
eine Ausficht, die das Auge nicht zu fallen verniag, 
die ins Unendliche zu reichen ſcheint. In der Mitte 
des weiten Gebirges, über ſich die Gipfel des Fel: 
fens, die wie hingetuſcht in die Blaͤue des Aethers 
erfeheinen, ſieht man in der Ferne den Pileatos 
und die heiligen Gefilde, wo fich die Entlibucher 
durch ihre Vaterlandsliebe ewigen Ruhm erwarben, 
Den Fuß des Berges umfpielen Seen, die mit dem 
grünen MWiefenplan und den vergoldeten Gipfeln der 
ferne liegenden Cisberge, einen unnachahmlich ſchoͤnen 
Eontraft machen. Das raufchende Plaͤtſchern des Bergs 
ftroms, die mweidenden Ziegenheerden, das Schallen 
der Kinder: Öloden und das ſchwermuͤthige Kanten 
im Dörfchen, das hart am Rufe des Verges licgt, 
das alles machte einen unbefchreiblihen Eindrud auf 
mid. Verſunken in liebliche Träume brachte die Er: 
innerung mich den heimgelaſſenen Lieben nahe, Ich 
dachte mie es bei einem fo meiten Zwifchenraume 
zwifeben ihnen und mir, daheim wohl ginge, und ach 
mas hätte ich darum gegeben, hätten fie an meiner 
Eeite diefe Echönbeiten empfunden und meinen Ge 
nuß getheilt. Zwei Stunden — vielleicht die ge: 
nufreichiten meines Lebens, — brachte ich hier zu, 
ſtieg erft wie die Eonne mit ibren lekten Strahlen 
die Gipfel der Berge vergoldete, hinab, und eilte dem 
Dorfe zu. Ganz vorne ſtand eine einfame Huͤtte, die 
von allen Übrigen getrennt, meine Aufmerkſamkeit 
auf fih zeg. In der Hoffnung, einen gaflireien 
Wirth in ihr gu finden, trat id ein, fand fie zu meir 
nem Erflaunen leer, und ging ins nahgelegene Gärt: 
ben, wo ich endlich einen 336 ſden ſehr 
besagten Greis erblidte, der, fein Haupt on einen 
Hafenhügel gelehnt, zu beten fhien. Er erhob fich 
reie er mich bemerfte, hörte aufmerffam meine Bitte 
um eine furie Aubefiätte, und ladete mich nach: 
dem er fie gewährt hatte, ein, an feine Eeite nie 
derzulaſſen. Die ſchwermuͤthigen Blide, die er auf 
den Hügel heftete, fielen mir auf. Dedt diefer Raſen 
einen vorangegangenen Freund? fragte ich herzlich 
und ergriff feine Hand. Schnell zog er fie zurüd, 
und rief dann mit zurüdgehaltener Empfindung: 
O ſchweig! o —— — Seltſam uͤberraſcht brach 
ich ab. Wohl eine Viertelſtunde verging, ehe eine 
neue Unterredung angefnüpft war. Ich ſprach mit 
ſchwaͤrmeriſchem Entzüden von den Schoͤnheiten der 
Natur, die noch fo eben mein luͤſternes Auge ver: 
ſchlungen hatte, und gerierb mir felbft unberußt, in 
einen Enthufiaemus der einem dritten vielleicht ein 
Lächeln abgeimungen hätte. Mit gefpannter Auf: 
mertjamfeit hörte er mir zu, jog mid dann plößlich 


an fih und ſprach: Du ſcheinſt Gefühl zu haben, 
Sohn, — vielleicht, daß du es verſtehſt ein leidendes 
Vaterherz zu tröften, denn, ach, des Troftes bedarf 


ich ja fo fehr! Er ſchwieg einen Augenblid dann fuhr 


er fort: Aus Glarus gebürtig, kam ich ſchon früh 
bierber. Ach bejaß nichts, aber ich hatte ein Paar 
gejunde Arme und den Willen nüßlich zu ſeyn, und 
to fand ich bereits in meinem achtjebnten Jahre ein 
liebendes Mätchen, das ſich entſchlof meine Gattin 
u werden. Zwei Sbhne fchaufelte fie auf ihrem 
Arm, und fab fie reifen zu Männern, als fie in 
meinem fechs und funfzigiten Jahr mir unerwartet 
noch eine Tochter fenkte. Edli, fo hieß fie, — 
ward unfer Abgott. Ach fie verdiente es ja fo fehr, 
denn fruͤh ſchon war fie an Schoͤnheit und Herjenss 
üteganz das Ebenbild ihrer Mutter, Herangemachfen 
in lieblicher Unſchuld, lächelte ihr der fiebzehnte Frühling, 
und ſchon wollte ich fie dem maderften Juͤnglinge 
des Thales zuführen, als ein ſchrecklicher Eturm die 
Saat unferes Glüͤckes verheerte. Hoch auf begann bie 
Fadel des Krieges in unfern friedlichen Provinzen zu 
lodern, unfre jungen Männer griffen zu den Waf— 
fen, — meine Eöhne, meine hofinungsvollen 
Soͤhne fielen! Mein Vaterherz bilutete, aber nur 
fparfam floffen meine Thränen, denn fie waren ja den 
edeljten Tod, den Tod für des Vaterlandes Freiheit ge: 
fallen, und meine Eidli blieb mir neh. Auch fie ward 
mir geraubt. Ein feindlicher Trupp lagerte fi in uns 
ferm Derje; aber noch waren wir glüdlih im Vers 
gleich mit den umliegenden Gegenden, denn mäb: 
rend weit umber in allen Orten die fehredlichiten 
Erceffe vorfielen, wachte ein junger Dfficier den 
unfer tbränenwertbes Schickſal zu rühren fehien, mit 
der Außerften Etrenge für unfere Ruhe ch, 
wie theuer mußte ih das bejahlen! Obgleich 
er der Feind meines Materlandes war, mußte 
er ſich dennocb meine Zuneigung in einem heben 
Grade zu erwerben, denn oft vermifchten feine Thrä: 
nen ſich mit den meinen, oft beflagte er mit dem 
innigften Echmerje fein graufames Echidfal, das 
ibn zwang, den Eingebungen feines Herzens zuwi— 
der, das Unglüd feinee Mebenmenichen zu veranlaffen. 
Auch auf Cidli hatte er-den günftiaften Eindrud ge: 
macht, den er fchlau genug zu unterhalten wußte. 
Keine Ahnung des flillen Einverffändniffes das zwiſchen 
ihnen maltete, trübte meine Seele. St. Etienne, fo 
hieß er, brach mit feinem Corps nach Bern auf, und 
er Monate nach feiner Abweſenheit hört’ ich mit 
angem Entfeben aus Cidlis Munde: fie werde Mut: 
ter werden. Hingeriffen von Unwillen, von Echmerz, — 
ah ih Grauſamer! Eratt mit der Vetrogenen zu 
klagen, überhäufte ich fie mit den bitterften Vorw 
fen, und fie endete ihr Leben in den Fluthen bes 
ces. Meine Sattin wurde vom Edlage geruͤhrt, 
und fo flebe ich denn einfam ba, ein entlaubter Baum, 
bis auch meine Wurzeln verdorren. Keine Mühe ließ 
ich unangemandt, Cidlis Leiche zu erhalten; — fie 
war nicht umfonft, und — ac), das Linzige was 
ih von ihr noch befike, — ruht unter dieſem 
Raſen! „Matt lehnte er fein Haupt an den Hügel, — 
und weil ich nur zu wohl mußte, daß es feine Phi: 
tofopbie giebt, die ein jerfchmettertes Herz zu bei: 
len um Etande iſt, ehrte ich feinen Schmerz 


- ur 


— 125 — 


ſchweigend. Ungluͤcklicher Bater, möchteft du bald bei 
deiner Eidli feygn! *) — — 
— 3 
Bemerfung. 


Woher kommt es, daß man bie Civiliſirung (civi- 
sation) des menſchlichen Geſchlechts nur im Orient 
findet, und daß man bei allen Entdeckungen, welche 
man im Abendlande und in den zahlreichen Intel: 
ruppen des Suͤdmeeres gemacht hat, Faum eine 
Spur der Eivilifirung antrifft? * 

So beißt wörtlich die ‘Preisaufgabe, auf welche 
ein vornehmer Fremder, durch die Königl. Akad, der 
TE. einen Preis von zo Louisd'or gefebt hat. Es 
zeigt von einem fehr hochachtungewerthen Lifer für 
die Wiſſenſchaften, eine fo anfehnliche Belohnung an 
eine Erörterung der Art zu wenden: aber dem Frei— 
mörbigen ift, feiner Beflimmung gemäß, wohl bie 
Aufitellung eines Bedenkens erlaubt, — 

vaßr fich diefe frage beantworten? — ch 
glaube nicht, fo lange fie ſo daſteht, denn fie jegt 


etwas als wahr woraus, das nicht wahr ift. Cs iſt 


unrichtig, daß die Kivilifirung bloß im Orient eriflirt 
(wollte man auch ganz Europa dazu rechnen,) fons 
dern rund um die ganze Erde, nicht nur wo Europäer 








+) Er war geflorben als ich zurucktehrte, um mod eins 
maf den Gipfel des Kigiberged zu betreten. 


fi anfiebelten, fondern wo irgend ein Volk oder Voͤlk⸗ 
ben fchon lange genug beifammen mar, um das De- 
dürfniß gefelliger Sitten und bürgeriicher Einrichtun: 
gen zu fühlen. — Es iſt ferner unrichtig, daß 
man im Abendfande (menn man auch nur Amerifa 
und die an im Suͤdmeere darunter verfie 
ben mwill,) „kaum eine pur der Linilifirung gefuns 
den babe.“ Merico, Tlarcala und Peru, und felbft 
Dtaheite, waren ja als man fie entdedte, ſchon wöl: 
lig organifirte Staaten, die ihre Religion, ihre Ge: 
fee, ihre bürgerliche Verfaſſung befaßen, und in 
welchen man fon Fortſchritte in vielen Künften ge: 
macht hatte. 

Wenn jemand im Stande fern ſoll, ſich, dem Wunſche 
des hochachtungswerthen Fremden gemäß, mit ber 
Erbrterung diefer Frage zu beicäftigen, fo fcheint es 
durcbaus norhwentig, daß beſtimmt werde, von wels 
&em Zeitalter, und von welchem Grade der Clvili— 
firung die Kede iſt; ſelbſt was für Theile der Erde 
bier unter Drient und Abendland eigentlich verſtan— 
den werden, 

Zoll die Frage heißen: Woher kommt es, daf 
die höhere Civilfirung im Orient, in Afien, früher 
reifte, als in den weſtlichen Theilen der Erde, ſelbſt 
in Europa? — fo iſt fie lüngft beantwortet. Weil 
nebmtich Aſien zuerft bewohnt ward, und feiner. 
phoͤſiſchen Beſchaffendeit nad, am frühefien dazu 
taugte, © M. 


m III DENT — — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 20. 


ee durch die ſinnreiche Erfindung und die tregllche Muse 
führung feiner Dentmminien beruhmte Medallleur Yoos in Bere 
tin, bat eine sehr gelumgene auf die in der Schlacht am 
2. April 1801. bei Kopenhagen gefallenen Krieger vollendet, 


y ar ii 


Di dritte Claſſe des National Inflitutsd hat die Dimimon, 
melde Nevelliires@evaur und Anguetit gaben, mach langen 
Debatten angenommen. un die Erelle des erſtern ſoll Mid 
sonti zum Mitaliede ernannt Werden, 

Die Neife der Kommirarien Chardon de la Rochette und 
Yrunelie durch die Provinzen, um in den umbebentenpern Dir 
Meibeten in Frantreich, fir die Pariſer Bibliorhet wichtige 
Sachen außuſuchen, hat den alücklichgen Erfolz. Sie haben 
vorzüglich zu Troyes eine fehr reiche Ausbeute erlangt, theits 
Urausgaben der Clamter don Aldus, Janta u. a, theils Mas 
nuftripte, Eine Sammlung von Griechtſchen und Lateiniſchen 
Infbrriten it vom den Minit:r, Billoiſon zugeſchickt werden, 
der fie vielleicht herausgeben wird, 

Die Madrricht, das Herr von Mretin zu Minden, dag 
verloren + geslanbte Necwe des Oricchiihen Feuers yerumden 
babe, bat den Winiſter Chaptal bewogen, auch im der Mat, 
Biel. Rachforſchungen anftelten zu laſſen, und man hat vers 
febiedne Handibriiten abnliden Inhalts aufgefunden. Cine 
derielben, Liber ıemmm au comburenrdos hostes, auctore 
Marco Graeo Imt Herr Du Theil iegt drucken laſſen. Sie 
entgäft Anweiſungen, eroige in dem Eirften ftegende Flammen, 
unausiöfdıtare Kerien, fenriged Water umd dal. ars Thiergale, 
Sohannisiwirm.en, Eidediienidhmanzen sc. zu verertigen: Dinge, 
auf welche man bei dem jcgigen Zuftande der Chernie wohl nur 
mit Lacheln hinſehn tann. 


Bayer m 
Aır der Univerfität zu Landahut iſt aner Rang: Unterſchied 


swifben den Fatultäten aufgehobtn wordenz bie Prefeſſoren 
baben künktig alte gleichen Rang. 

Su Würzburg, 100 bieber keine daentliche Euttindungtkan⸗ 
fhalt war, wird eim sche zwerfmahises Gebaude dazu erbaut; 
mit derjelben ſou ein Findelhaus verbunden werden. 


An den Heraudg. bed Freim. 
n %r, 125. det Freim. ſtehen einige Zeiten über Herders 


Mcioizer in Weimar, dem Herrn General » Euperinsendent 


Boat, die einer rugenden Anmerkung bedurftn. 

Wer den humanen, edeidentenden, tharigen und geachteten 
Vogt *), dem Eiienadh — um mur eins anzufnbren, — eint 
zwetmihige Umbildung feine Yandı und Vürgers Eulen wir 
danzt, naber zu kennen das Gluck hat, muR über jene Meuhe: 
rung: „es wolle mod nicht verlauten, eb cr den runsten Theil 
von Herders Ideen Ghreiten werde," bechſt inbignirt ſeyn. 
Sem Rerdienſt, feine Rednerzabe, fin warmer Eifer für echten 
MNeligion, feine raſtloſe Tiarateit Im feinem lisberigen Amt: , 
machten ihn zu dieſer neuen Steuue tuaniz, (die er üiberdies am: 
fange erniktich abzutehnen ſuchte und er wurde nad W. berufen, 
um ein Nachtolger Herders im deſfen Amte, nicht im Sinficht 
feiner Adraft ea zu ſeyn, worauf er ſelbn mie dinſeruch zemacht. 
was wohl fein Deutſcher unternehmen wird, und was überhaubt 
Gier nicht zur Ende gebort. 

Ich home von Ihrer Unvartheilichteit, daf Sie diere Zeilen 
fonteich und mit Unterſchrift meines Namens im Freimmabigen 
abdrucken laſſen. 

Eiſenach, am 8. Julius. 
C. Schreiber. 


Iſt erg am IT, Auguſt eimgefaniem. Der Red.) 


— — — — — 





°) Gr belet nicht Voizt, wie ber Einſender ſchreibt, und IR 
alſo auch fein Breuder des ſo ſehr versbiuagsiwinrdigen Gch. 
Raͤths dieſes Namens in Weimar, 


1804. 





ARISTIDES, 


Nro. 163. 





Der Sreimüthige 


Donnerflag, 

Der Medizinal-Rath und die medizinifch. 
chirurgiſche Fafultär in Salzburg 1804. 
Auf befondres Verlangen, aber mit Freude eingerüdt; 

benn ber Freimuͤthige macht es fich eben fo fehr zur 


Pflicht, zur Anerkennung des Nuͤtzlichen undTrefflichen 
beizutragen, als das Schaͤdliche undThörichte zu ruͤgen. 





u einer Zeit, welche wohl, — wenn anders die 
von allen Eeiten her, erfchallenden feftlihen Mer: 
Fündigungen authentiſche Urkunden für die innere 
Heiligung der Tempel des Aeſkulaps find, — das 
Jahrhundert der Medizin genannt erden fönnte, 
erhebt fich auch der Genius unfers Vaterlandes, um 
fein zwar flilles, aber in eben diefer Beziehung er: 
freuliches Wort zu verkünden. Die unterzeichnete 
Stelle, als das nächfte Organ jenes Worts, hält «6 
für Pflicht, zur Berfländigung deffeiben die Anficht 
des Ganzen — des neu errichteten Mebizinals 
Karhs und der zw gleicher Zeit ggeründeren medk 
ginifh:hirurgifhen Fakultät — aufjuftellen, 
um fomohl dem ausiandifchen als vaterländifchen Pus 
blikum den gehörigen Anfichtspunft diefer neu gefchaffe: 
nen Anftalten nachjuweifen. 

Obwohl fi die Eriftenz der Univerfirät zu Salp 
burg ſchon vom J. 1622 ber bdatirt, in melchem fie 
aus einem Gymnaſium zu folcher erhoben ward, fo 
gab es doch auf derfelben nie eine ordentliche mebi: 
zinifche Fakultät, und in diefem inne entſprach fo: 
bin die Univerfitär, die eigentlich den ganzen Kreis 


und 


den 16, Auguſt. 


S ei 5 


— — Tr — 

der milfenfchaftlichen Bildung nach den vier fogenannten 
Fakultäten umfaſſen follte, ihrem Namen nicht. 
Mur zwei Mal hatte fie, und zwar in ganz verfchie: 
denen Reitpunften, einen medizinifchen Lehrer, wovon 
der erjte, Mamens Antonius Cola, einer der 
groͤßten Anatomifer und Botaniker feiner Zeit, im 
J. 1632 aus Stalien hieher fam; allein unzufrieden 
mit dem damaligen robern Geiſte des Mordens, der 
zwiſchen unfern vaterländifchen Gebuͤrgen für die zars 
tern und hoͤhern Geftaltungen der Kunſt und Wiſſen⸗ 
(haft noch nicht anegebildet genug war, ſchon wieder 
im 9. 1635, in einer Zeitepoche alfo, wo eine ver 
heerende Peftepidemie dem Vaterlande das Beduͤrf⸗ 
nig mebizinifcher Anftalten furchtbar warnend auf: 
drang, unter feinen fanften heimathlichen Himmel 
zurüdfehrte. Ein und zwanzig Jahre fpäter nach 


ihm, betrat fein Yandemann Urbanus Stephanu— 


tius die nümliche Kanzel; aber auch diefer Fonnte 
feine zarte füdlihe Matur mit der nördlichen nicht 
befreunden; er ging eben fo bald und aus eben ben: 
felben Urfachen in das Sand zurüd, wo unter einem 
glüdlihern Himmelsſtriche auch die Veredlung des 
Seiftes früher zur Reife gediehen war. 

Nah diefen zwei mißlungenen Derfuchen ſchien 
der Trieb der hohen Schule, fich wollftändig zu bil: 
den und dur irgend eine mediziniſche Lehranſtalt 
ein Ganzes zu werden, für immer erlofcben zu ſeyn; 
denn länger als ein volles Jahrhundert blieb die 
Kanzel medizinifcher Doftrinen, mie fie auch Na: 
men haben mögen, unbefegt. Erſt im Jahre 1788 


— 130 — 


begann Herr Profeſſor Hartenkeil feine chirur⸗ 
giſche und geburtshuͤlfliche Vorleſungen, und ſetzte 
fie ſiebenzehn Jahre ifolirt fort, als außerordentlicher 
und einziger Lehrer der medizinifchen Wiſſenſchaften. 

Mit dem Beginnen des laufenden Jahrhunderts 
übergab die emige Mutter der Nationen, die Bor: 
fehung, unfer Vaterland einem Färften, dem das 
Beduͤrfniß eines mwohlbefchaffenen Sanitaͤtsweſens 
und der Grundſatz, daß die Organifatien eines fol 
hen nur aus einer ordentlich beftellten Schule ber 
vorblähen könnte, um fo weniger entgingen, als Se. 
Exellenz der Ddirigirende Etaatss Minifter Marquis 
von Manfrebdini ıc. ıc., ein erbabener Freund der 
Wiffenfhaft und Kunft, glei vom erften Augen: 
blide, eine vaͤterlich ſchuͤtzende Hand an die Bildung 
unferer Inſtitute gelegt hatte. Der Patriot wird 
dankbar diefen Seegen feines Landesvaters in dem 
neu errichteten Inſtituten erfennen, deren urſpruͤng⸗ 
licher Entftehungsaft in zwei böchften Patenten vom 
2. Zul, 1804 enthalten if. Das erfte erhebt das 
bisherige Medizinals Kollegium, zu einem fehr 
viel ausgedehnter wirfendem Medizinal:Rarh, 
einer eigenen felbfiftändigen Stelle, — ernennt die 
Mitglieder deifelben (der Direktor ift Herr Hofrat 
Hartenfeil,) und beftimmt deren Gefchäfte und Ger 
halte. — Das zweite confituirt bei der Salzburg 
fhen Univerfität eine mebizinifch: hirurgifche Fafultär, 
ernennt und befept fechs Lehrſtuͤhle derfelben, und 
giebt ihr die Befugniß zur Ertheilung afademifcher 
Grade und Würden, 

In fo fern ſich in dieſen Urkunden die Würdi- 
gung beffen, was eine gütige väterliche Regierung 
zunaͤchſt für die Heiltunft und das gefammte Sani— 
taͤts weſen, und durch diefe für das Wohl des Mol: 
fes gethan bat, ſchon von felbft erklärt, mag bier 
der Genius des Materlandes, des Danfes jeder pa: 
triotifchen Bruſt gewiß, fein Wort enden; in mie 
weit aber die innere Organifation der Schule von 
ihr ſelbſt, und von andern individuellen Beziehungen, 
als: von ber geograpbifchen und topegrapbifchen Lage, 
den Verhältniffen der Lehrer ju den Lernenden, und 
diefer zu jenen, dem Studienplane, -den Unterichts— 
anftalten, in theoretifcher und praftifcher Hinficht be 
dinge it, muß das Wort der Etelle, die den leitene 
den Körper biefer Bedingniffe ausmacht, beginnen, 

Sn wenigen Etädten Deutſchlands ift die Ge— 
legenheit zu praktifcher und ärztlicher Ausbildung fo 
univerfel, als bier. Ealjburg hat Heilungs: und 
Berforgungsanftalten aller Art, die, obwohl durch 
das ertenfive Merbältniß weniger imponirend, doch 
durch ihre innere Einrichtung vielleicht als Muſter für 
fo viele andere Inflitute aufgeftelle zu werben vers 


dienten, die glei optifchen Bildern in Journalen 
weit glänzgender, als in der Mähe vor dem unbefan« 
genen Blicke des Kenners erſcheinen. Diefe Anftak 
ten find: das Et. Johannsſpital, Militärfpital, 


‚ Böürgerfpital, Domfapitelfpital, das Leprefenhaus, ein 


Irrenhaus, zwei Waifenhäufer, eines für Knaben, 
eines für Mädchen, und dann ein Hebammen : Ins 
ſtitut. 

Es wuͤrde zu weit führen, Über jedes dieſer In: 
ſtitute eine befondere Beſchreibung an dieſe Enumera⸗ 
tion. anjuſchlleßen; Über die wichtigern aber, d. i. 
über jene, die vorzugsmeife der heilkundigen Inftrufs 
sion gewidmet find, theilt man bier wenigftens einige 
befchreibende Notizen mit. 

Das St. Jobannsfpital, in welchem die medizis 
nifche und hirurgifche Klinik eröffnet wird, dürfte 
durch feine sopographifche Lage, Größe, KRrankenzafl, 
Reichthum des Fonds, und durch feine architeftos 
nifche Form, manche bedeutende Vorzuͤge vor vielen 
berühmten &pitälern haben. In einer freien, geſun⸗ 
den, malerifchen Gegend, nicht zu fern von der 
Stadt fitwirt, von feiner Seite durch Nebengebäude 
befhränft, bat es eine mufterhafte innere Finriche 
tung, bei 16000 fl. jährlicher Einkünfte, und nimmt 
Im Durchfchnitte, das Jahr über, 1000 Kranke auf, 
Als Beweis der humanen Pflege in deimfelben mag 
das allgemeine Zutrauen des ganzen hiefigen Publi— 
fums gelten, (ein Zeugniß, auf das fich eigentlich 
jede öffentliche Anftalt follte berufen fönnen,) worin 
die in Bezug auf Spitäler fo feltene Erfheinung bes 
gründet ift, daß fich jeder Kranfe, aus jeder Volksklaſſe 
und von jedem Gefchlechte gluͤcklich ſchaͤtzt, in ſelbes 
aufgenommen zu werden. Ale ſewohl medizinifch 
als hirurgiich Kranke, deren Kranfheitsform und Bes 
handlung für den praftifchen Unterricht intereffant 
werben fönnte, werden um fo gemiffer auf die Flini« 
ſche Schule gebracht, als die Lehrer derfelben zugleich 
die ordentlichen Aerzte des Epitals find, Zu allen 
andern oben angeführten öffentlichen Kranken: und 
Berforgungsanftalten, ftebt in inftruftiven Fällen der 
Zutritt offen. Daß es bei fo vielen Spitaͤlern wohl 
nie an der gehörigen Anzahl von Kadavern ju ana 
tomifchen und chirurgifchen Demonffrationen und 
Uebungen fehlen fünne, bedarf nach diefer Aufltel: 
lung kaum mehr verfichert zu werden. 

Da für jetzt noch fein ftabiles kliniſches Anfli: 
tut für die Enebindungsennft organifire iſt, fo ift 
doch vorerft durch eine fogenannte ambulatorifche Kli⸗ 
nik für die technifche Inftruftion in diefem Lehrfache 
geforgt. Herr Hofrath Hartenfeil, unter deſſen Leis 
tung dieſelbe ſchon im Jahr 1792 organifirt wurte, 
bat in einer Ueberfichtstabelle gezeigt, daß in dem 


Zeltraume von zehn Fahren, nehmlich von dem Jahre 
der Errichtung an, bis zum Jahre ı802 in dieſem 
Inſtitute, ebgleih damals no Ui engern Zwecke, 
jum bloßen Unterricht für Hebammen beflimmt, 
dreifundert ein und vierzig Geburten vorgefallen 
find. Mur eine einzige Mutter ftarb am zehnten 
Tage nach der Entbindung, 331 Kinder wurden les 
bendig und 12 tobt geboren. ehrt, wo durch bie 
Echöpfung. einer ordentlich medizinifhr hirurgifchen 
Schule au jener Zweck in eine höhere und ausge: 
dehntere Sphäre gerät iſt, bei dem fchen jetzt bes 
ftehenden ende, beitäufig vou 36000 Fl. bei der für 
arme Schwangere fo mwohlthätigen einladenden Ver— 
mwendungsart Einer Zinfen, und endlich bei dem lie 
beralen Seifte einer Regierung, welche ihr Intereſſe, 
das fie an der guten Sache. der Kunft nimmt, auf 
eine fo glänzende Art dofumentirt bat, und die je: 
dem Guten gern das Siegel der Vollendung aufs 
drüdt, F die Schule auch von dieſer Seſte zu 

fern Hoffnungen berechtigt. Eben fo befißt bie 

chule einen wohl arordneten Vorratb von dirurs 
gifchen und geburtshälflichen Ynftrumenten, alle von 
den beften Englifchen und Franbſiſchen Meiftern gears 
beitet, die für die techniſche Inſtruktion in diefen 
Lehrfächern von ntereife find. 

(Die Fortfegung folgt.) 


Skizzen. 


(Fortſetzung.) 

Fartferitte der Renntniffe ift nichts, als Fortſchritt 
der Freiheit zu offenbaren, was man denkt, Kein 
wirklich großer Mann, (7) — zu feiner Zeit, der nicht 
viel weniger glaubte, als er zu glauben ſchien, der 
nicht in fh elbſt taufend Dinge verwarf, die er 
aus Morficht vor feinen Zeitgenoffen nicht magte zu 
verfündigen. — Man ging Edritt um Schritt, 
zu viel Moprheit fürchteten viele, wuͤrde erichürtern, 
dech fagte jeder ein menig mehr, bis man endlich 
felbft im Sautfagen die Grenzen nicht mehr achtete, 
die man im Denfen längft ſchon Überfchritten hatte, 
Einzelnen Männern war es leicht, ihren Flug 
Über Jahrhunderte weg zu nehmen, aber ber 
roße Haufe, wie eine große Armee, fonnte nur auf 
Een: gebahnten Etraßen und nach vielen Vorbe⸗ 
reitungen dahin kommen. — Jede Meinung, die 
bffentuich werden ſollte, mußte erft im Verbergenen 
unter hundert einverflandenen Geiftern fich fejt beſtimmt 
baten, und die Zeit, die in den Genuß ihres allge: 
meinen Bekenntniſſes eintritt, ift felten die, die ib 
rer Erzeugung fich ruͤhmen dürfte. Die Menge ine 
dei, die fo gern Anfpräche macht, mo fie Fein Ber- 
dienft hat, fäumte Feinesmegs bei der Ehre des Ger 
brauchs, jedesmal den Kuhm der Erfindung ſich zus 
eignen, und fo fam es, daß das vorige Jahrhundert 
ch den Beinamen des — philoſophiſchen zuzulegen 
sagte, weil es als der Inteſtaterbe feiner Vorg 
ger ibre Schaͤtze verpraßte. — 

Warum aber jene erften Ermeder der Wiſſen⸗ 
fhaften und ihre nächsten Nachfolger, Die doch auch 
alle Giriechifche und Kömifche Weisheit vor fich bat: 
ten, nicht fogleich das fennten, was man einige 
Nahrhunderte fpäter erreichte, läßt fich wiclleicht ers 
faren. Der Gefichtspunft, unter dem man feine 


- 


13: — 


Zeit und Zeitgenoffen ſieht, wird das Bild, von dem 
man zur Betrachtung des Menfhen ausgeht und zus 
rüdgebt. Die Umftände machen die Philoſophie, und der 
Geiſt hängt mehr als zuviel von den Eindrüden der 
erfien Jugend ab, o mird jeder Menſch von eis 
nem oder einigen Hauptgedanken beberricht, auf die 
er alles zw beziehen fucht. Er waͤchſt daher nicht, bie 
Zunahme feiner Erfenntniß fehreitet nicht fort an 
Licht und Einſicht, mit dem Derhältniß feiner Jahre, 
fondern nur an lieberzeugung und innerm Echarffinn, 
für die Wahrheit feiner vorgefaßten Grundbegriffe. 
Statt alfo dab fremde Lehren, das Beiſpiel kur 
Vorgänger, ipn ſchnell Über ein weites Geld hinfüh: 
ren follten, fiebt man ihn bald bei einigen Saͤtzen 
til fiehen und glauben, daß er in ihrer Verehrung 
alles gethan habe. Wahrheit oder Irrthum: bie 
Muͤhe zu merhodifiren und den Schein der Vernunft 
auszufinden, ift groß in beiden, größer im lekten. 
Dafür liebt man ihn auch um deſto mehr, ift fo zus 
frieden, das fchöne Gemälde feiner Einbildungsfraft 
in eine Eonfiftente Form gebracht zu haben, bat fo 
viel zu ftügen daran, oder findet im feiner Anwend⸗ 
barkeit fo etwas Unermartetes, Vefriedigendes, daß 
man gar feinen Gedanken für den Wergleich des 
Epftems mit der Natur behält. — So murden 

aradoren, keftrittene Wahrheiten und fdimmernde 

infälle, von jeher das Lieblingsthema der Weiſen. 
Marhrlich if es dem Menfchen dann immer, alles, 
was er in fich befchließt, womit er in feinen Gedan⸗ 
£en ſich familiarifirt hat, für allgemein befannt zu 
halten; er fubtituirt feine Gedanken jedem andern, 
und findet fich beleidigt bei Miderfprüchen, Hierauf 
gründen fich Fitelfeit, De Erf: 
tengeift, Deisverfiandnig, Epftemsfucht, Zwang der 
Meigungen und falihe Geſetze. — Wenn ein fol 
gendes Beitolter von allen diefen Uebeln in etwas jur 
rüdfemme, fo ift es nicht fo fehr der Triumph feir 
ner Erleudtung, als Klugheit, aus einer großen 
Eumme von Be, die man vor fich fiebt, er: 
mwachfen, — Aller Stoly auf Aufklärung ift daher 
eben fo lächerlih, als der Stolz einer reichen Kar 
milie, die som Xeltervater ber, fammelte, auf Geld, 
Ahr Vorzug iſt der Gebrauch aufgehäufter Erfahrun: 
gen, über deren Werth mehr die Zeit, als der Der: 
ftand entfchieden bot. 

Uebrigens ift es eine fonderbare Erfahrung, dafi 
fibertinage und Philofophie oft in dem nehmlichen 
Punkt der Aufklärung aufammentrafen. jene findet die 
nehmliche Sache als Konvenienz, die der Philoſoph 
als Wahrheit findet; fie wirft weg, mas ihr laͤſtig 
dünft, er vermirft, mas ihm unnötig ſcheint. ie 
affeftirt feine Freundſchaft um des Anfehns willen, 
und er ift ſchwach genug, auf Rechnung feiner Be: 
weiſe zu feßen, mas im Örunde nichts als — ſchlauer 
Eigennuß iſt. — — a. — 


(Die Fortfekung folgt.) 


Das Wunder: Bädleln. 


Was kenn’ ich ein Baͤchlein, noch fand ich ed mit: 
Mie blinken die Wellen im irdiſchen Licht, 
Wie alihend die Wandrer fi ſehnen. 
Yom gleichen an bergen + beallichender Kraft, 
Nicht Totay's, nicht Eperman’s toſtlicher Saft, 
Nicht Chriſt bakfamiiche Ihränen. 


— 132 


Das Tränfhen au? Tollwurz und Schierliug gehraut, 
Den Nektar der Licbe, verberriichen laut 
Die Dichter in Feuergeſangen. 2 
Dec immer läßt Kopfweh fein Raͤuſchchen zurüch, 
ein Vachlein erheitert des Liebenden Plich, 
Dem Geujier den Buſen beengen, 
Die Quelle der Mufen iſt lieblich und Har, 
Eie vieter dom Echönfenden Hodhsenufj dar, 
Doc pflegt fie die Zecher zu blahen, 
Ele träumen ſich Götter durch aortlide Kunft: 
Ein Kobold nett fie durch Nebel und Dunſt, 
Uns Bachtein, — Me Träume verwehen. 
Das Baͤchlein des Lebens ift düſter umd ſeicht, 
Wie langiam es traurig oft Steppen durchſchleicht! 
Die Dornen am Ufer vermunden, 


Zwei Tröpichen aus m eimem enquidenben Mad; 
Dann töner durchiammerten Gtunden kein Ad! 

Sie alle find euros verſchwunden. 
Werlangt dich zum Bachtein, mit durflenden Mund, 
Zu kühlen den Buſen, fo heiß und fo wund, — 

gu ſchlurſen in mächtigen Zügen? — 
Ad, Wanderer, es glänge micht im fonmigen Straßf, 
Du hört es nicht rawihen dm freundlichen Thal. — 

„Wo mag es bie Wellen do wiegen?" — 
— Einf reicht dir in langem fehnerweißen Gemanb 
Kin Genius ſchwtigend die Teitenbe Hand, 

umd führt dich am moofige Berte, 
nud ioſchet die Fackel — und wintt jur Gruft: 
Du folgen wohin der Freundlicht ruft, 

Und — findet Das Bachlein — den Leibe, 

u. v. W. 


— — —— ——— — — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro 21. 


Me uand. Am 10. Jullue bat das JItallentſche Nationat-⸗ 
Anmtut feine erſte Sthung gehatten, im dem alten, aroken 
Gommafium. Das dabei abbelefene Eohgedicht auf Bonaparte, 
war von dem beruhmten Bettinelli. 

Paris. Ueber eine meue Opera buffa vom Padfietio, 
lı Grotta di Trofonıo, find die Meinungen fehrgeihettt, Die 
gerechtefte ſcheint zu fon: daß bie Mufit große Rorzuge hate, 
doch mit jener deftelben Componiften zum Ke Iheodoro und 
ur Nora, nicht aleich geftelie werden Fönme, 

Montgolhier’s neuer Waſſerhebel, den man ja auch ſchon 
in Deuribland kennt, wird im Frantreich ſchon öffentlich mit 
dem trefflichaen Erfolge anaewender, Ein Gutsbefiger zu Maur 
ereir madıt im Jownul de Parıs befamnt, daß er durch eine 
gwei Fuß bobe, und 16 Sol breite Gilode das Waſſer einer 
Ducle, die etwa vier Fun falut, 108 Zuk 9 Zou hoch bie zu 
feinem Haufe eigen laſſe, und das ihm die Vorrichtung in 
jeder Etunde 500 Pinten oder Schorven Waſſer gebe, 

Auf dem menen, eifernen Pont des arts in eine ſehr 
fhön + diuhende Neufeeländirche Paame, Metrosideros — Lo- 
phantha, dem Beſchauen des Publikums ausgeſteilt. 


Das Journal de Paris, dies ehemals fo ſchadbare Blatt, 
melder im feiner 313 Nr. „Herr du Petit-Ihouars, Glteb 
einer Familie, die ſich eben ſo fehr durch ihren Geſchmact fur 
die Naturgeſchichte audjeidne, als wegen aller Tugenden, bie 
dem guten Burger ausmachen, adıtungswerrh fen, — der Brm 
den jenes Ariſtides, der bei Mbutir ſo glorreich fiel, habe es 
übernommen" — was meint man wohl? — dem Muſenm ber 
Raturgeſchichte zu Paris, eine junge mondröit Katze zu verſchaf⸗ 
fen, die kürzlich irgendwo geworfen worden. 

zu Et. Mauritte fiel ein totter Hund von ungtheurer 
Größe, nachdem er eine Menge Meuſchen gebiſſen hatte, auch 
eine junge Frau an. Sie harte die Gegenwart umd Größe des 
Geiftes, ihm mit beiden Handen zu ergreiſen, und ihm, indeh er 
fie unaufbortic von neuem bi, icſtzuhatten, bie man ibm im 
hren Armen eriblanen hatte: dann firite aber and fie todt 
nieder, denn er hatte ihr die Kehle far ganz durchaebiſfen. ab: 
vend ihres Kanwies Achte fie die Unatehenden nur an, für ihre 
unglüclichen Kinter zu ſorgen. — Welch ein Weib? Wie wenig 
Männer hatten Entſchloſſenheit genug iu einem foldhen Benehmen 

abe! 

Edinburg. Hier wurde am 24. Jul. im großen Küntg- 
tihren Theater der jahrliche öfentliche Wettkampf auf ber Sack ⸗ 
pfekie, gehadten, im Gegenwart einer großen Berrammfung. Der 
Oberſte Murran vertheilte die drei reife, von denen der erſte in 
einer ſehr ſchon gearbeiteren Gadoreife und vieriig Mark Schot⸗ 
eifcher Münze beiteht. Der Oberite forderte dem, der ihm erhielt, 
Macaregor, auf, zu Glasgow eine Gacpfeifen : Ntadensie amu ⸗ 
fegen, um junge Leute von Genie im diefer alten National ⸗Muſik 
zu unterrichten. Auch wurde unter dem um den Preis Kamprenden 


Eremplare einer Ubhandlung aufgeteilt, „Über die Theorie, bie 
Grundſatze und die Praris dis Sackvieifens.“ — Im Binftigen 
Jahre follen ahnticht Olnmpiihe Sotele zur Weförderung des 
Prügelipieis und der Schottiſchen Gtrohtange augeſtellt werden, — 

London, Karl Eheridan, Bruder des berühmten Parlar 
ments Redners, har einen künfticher: Kvparat erfunden, durch 
den, ohne Hufe vom Epiegeln, ein Menid ober iraend ein Ge 
genſtand, zu gleicher Beit dreifach gefehen werden kann, Es find 
verſcuthue Verſuche, auch vor dem Prinzen von Wales, damit ges 
macht worden, die gludlid amsgeialten ind. Gin ſatyrucher 
Kopi behaupret, dieſes Geheimmih hätten die Mıniter Innaf ber 
ſeſſen und immier ausgeliht, wern fie Das Parlament von dem 
—— der Macht uud dem Wohlergehn der Nation uuter— 

teltem. 

Eın Herr Coates bat eine Maſchine zum Mähen erfunden, 
die jugleidh die Schwaden ordnet und im Haufen legt z auch bat 
ereiu Patent für ein Inſtrument erimiten, das zwanzig Kepfel oder 
Müben zugleich ſchalt. Wie es beißt, foll er dent an einer Mar 
ſcane arbeiten, Die zugleich im zwei Kirchen aredıqt umd dad ie 
prediate nieberibreibt. Man fant, er babe von Deutſchen Buch 
handlern den Auftrag zu einer andern, bie Vucher jchreibt, druckt, 
fie regenfirt und zugleich, was die Hauptiache it, — kauit. 

Paris, Man hat in Paris jegt fehr alucktiche Verſuche ar 
macht, altere (aber nicht antike) Büdhanerarbeiten von den vers 
unaltenden Flechten » Sieden, bie den Marmor jo leicht 
ierören, ji reinigen und fie durch eime warm aufgetragene 
Comvofition von ads und Meiten + Dei gegen den Eins 
Aus der Witterung und amen neuen Anftug der Flechten zu ſichern. 


Stockholm. Die geichagt: Dichterin, Amalie von Imhof, 
gegenwartig, Frau von Helwig, ift zum Ehren-Mitaliede der 
Atademie dir Künfie, zu Stockhelm, ernanut worden. 

Der „Tenwel des großen Linnge“, Das Denkmal das 
man ibm su Upfala errichtet, iſt beinahe woltendet. Es ſteht 
in einem Gaale des unuen Muſeum ber Muturgenbichte, das 
Suſtab der Dritte geſtiftet bat. Der Eingang des Saales il 
aus den teramiiden Garten. Gin maſeſtatuiſcher Vertitus vom 
acht Doriiden Gauten ehe vor demfeiben, Man steigt mehr 
rere Stufen von ſchwarzem und weißem Marmor zu einer 
Nice berauf, die von oben erleuchtet wird, umd aus melcher 
die Bildſaule des groien Naturforichers anf den Garten her 
abblickt. — Auf der einen @eite Höät Dieier Enal an ein fehr 
relches Gewächshaus, auf der andern an den Enal, im weis 
dem die zu der gronen Marurialioniammiung gehörigen Merts 
wirrdigteiten aus dem Thierreiche aufbehalten werden. 

Die Akademie der Wiiomdaftın gu Stodhoſn, die e# 
nicht unrer ibrer Würde halt, Ber febönen Literar 
tur der Nation Dienite zu leiten, hat zwei Preiſe der 
Berediamkeit, und zwei der Peofie, ertheilt, und neue patrions 
ſche Unigaden in beiden Künften gemacht. 


—ñ 7 b n 


Nro, 164. 





den 17. Auguſt. 


Er 





1804. 
Der Sreimüthige 
Freitag, — oder — 
Ernſt und SH 
Literatur 


Arield DOffenbarungen. (Ein) Roman; heraudge 
geben von 8. A. von Arnim, (Göttingen, bei 
Heinrich Dietrich, 1804.) 


Nr Herausgeber, den man burch ein Paar recht 
artige Sachen Fennt, iſt hoffentlich nicht auch der 
Verfaſſer diefes Machwerks. Diefer ſcheint einer von 
den unzäblichen Summkaͤfern zu ſeyn, welche die kühle 
Glut der poetifhen Poefie aus dem Erdreich des 
Obſkurantismus bervor ans Ficht rief; denn man 
braucht in diefen Offenbarungen nur eine Seite ge 
leſen zu haben, um zu erfennen, dab fie zu dem 
Geleler gehören, das uns vor ein Paar Yahren für 
Poefie verfauft ward, Daß er alfo auch ein arger 
Myſtiker ift, brauche ich mach dieſer Erklärung 
nicht hinzuzuſetzen, wohl aber, daß er feine Vorbil— 
der Schlegel, Novalis, Jakob Böhme, und wir die 
großen Leute fämmtlich heißen mögen, vollkommen 
erreicht hat, Uebrigens ift die dee fehr originell 
und fpefulativ, dab der Verfaſſer diefe Keime 
reien unter dem Titel: Noman, vereinigte, und 
ihnen auf diefe Art mwenigftens in die Leib: und Lefe: 
Bibliotheken Eingang zu verfhaffen fuchte. Natuͤrlich 
konnte er vermuthen, daß man fein Buch, wenn er es: 
„Poetifche Ergäffe” oder „Gedichte“ uͤberſchrieb, liegen 
laffen würde, wie dies jetzt nicht felten das Schick⸗ 
fal der Gedichte der fchnellfertigen großen Meifter iſt. 

‚ Mebrigens ift niche zu laͤugnen, daß es in 


diefem Buche fo ergeglich bunt ber geht, als man nur 
von einem Romane für eine gewiſſe Lefewelt, für die 
meder Mieland neh Goͤthe fehrieb, wuͤnſchen Fann, 
Man finder da Winde, die mit einander fprechen, 
Dögel, die fi in Papagenos verwandeln, Dichter 
mit Kudufsmasten, und was dem ähnlich iſt. Doch 
wozu noch länger Über ein fo mislungenes Pros 
dukt ſprechen? Am befien its, ich gebe den Leſern 
eine Stelle aus diefem Buche preis. Unter den vie 
len Liedern, Sonetten, hexametriſchen Stuͤcken u, f.w. 
mähle ich den Anfang aus dem Dialog zweier IBinde, . 
mit dem das Wüchlein beginnt. 


Bergwind. 

Ueber Schnee und Waldgernufe, 
Vereiend, eifend, niederdringend, 
Fuhrt Liete mich vom blauen Haufe 
Zu Dir ringend. 

Turner weile Du im Thale, 
Den feindlichen Geſchlechteru Athen, 
Eirh, wie ih Wolfenmwelten mahle, 
Wollen aaten. 


Thalwind. 

Ueber rothe Wiriel neuer Roſen, 
Sanft arbmend, thauend, treulich wachend, 
Gelagert auf den weichen Mooſen, 

Spielend, lachend. 

Meine Flügel voll von Blutenſtaube, 
Und tieiverrraut der Blumenliebe, 
Erzrug’ ih Düfte mir zum Naube, 
Blumentriche, 


— 134 — 


. Man fießt: zufammengeraffte Halbgedanken, 
ohne Wohlklang und wunderlich bergelallt. Ein fon: 
derbarer Einfall von dem Verfaſſer, für dener wohl 
ſchwerlich einen beiriedigenden ®rund "anführen 
Könnte, wenn es überhaupt die Cache gewiſſer Yeute 
wäre, an Kunfigründe zu denken, ift, daß er 
Ariel mit Odin, Frigga und Heimdal in Verbin: 
dung feßt. Eine Urfache freilich, die ift wohl zu ent: 
decken. Er hatte nehmlich nun einmal eine Menge 
gereimter Ausbrüche iicgen, ermollte nichts davon um: 
fommen laffen, alfo ſchuͤttete er fie ohne Auswahl hin, 
woman ihm ein Pläßchen zugeflanden hatte, — bn. 


Der Medicinal-Rath und die medizinifc)- 
chirurgiſche Zafultät in Salzburg, 1804. 
(Beihluß.) 


Sn Hinſicht auf individuelle Lokalitaͤtsverhaͤltniſſe 
empfiehlt ſich die neu errichtete Schule auch noch 
durch die geographiſche und topographiſche Lage der 
Etadt, und in einer bildlichern Sprache dürfte man 
mohl fagen von ihr: Sie ſtehe da, wie eine lieblich— 
reijende Mutter, ihren freundlich einladenden Blick 
nach allen Gegenden Dentfchlend wendend. Wenn 
as wahr iſt, daß die Umgebung ſchoͤner, hoher Na: 
turformen auf die Gieflaltung des Geiſtes und des 
Gemuͤthes in jungen Menſchen von mefentlichem 
Einfluffe iſt, fo theilt unfere Schule diefen Vorzug 
mit feiner andern in ganz Öermanien, und vielleicht 
bat Salzburg darin felbft vor Helvetien Manches vor: 
aus. Menigftens legen Keifende, die von dort bier: 
ber kommen, gern und laut dies Geſtaͤndniß ab. 
Für die Botaniker ſteht der berühmte, pflanzenreiche 
Untereberg zum täglichen Beſuche nur auf eine 
Etunde entfernt; für die Vlineralogen im höhern 
und niederen Zinne, hauptfüchlih für den Giesgno: 
flifer, vor deffen Blick ſich die Perioden der Erdebil 
dung gleichfam. genetifh darftellen, muß dieſe topo— 
graphiſche Anſicht an fich viel Einladendes haben, 
Mebin er immer fein Auge und feinen Fuß wenden 
mag, überall treten ihm Gegenſtaͤnde entgegen, die 
fein Herz uud feinen Geift in Anſpruch nehmen wers 
den. üben fo befindet fih bier der Vergfundige auf 
einem ſehr inftruftiven Boden. Da bier die ange: 
nehmfte, ſchoͤnſſe Jahrszeit, von der man wohl fa: 
gen kann, daf fie uns das mehr freundliche Italien 
berüter fendet, gerade in den Herbſt, alfo in bie 
Serienmonate füllt; fo gewinnt ter Etudirende Zeit 
und Gelegenheit zu Cxkurſionen zu diefen Behufe, 
und er kann auf dieſe Art ohne großen Koftenauf 
wand mit der reizentfien Erholung, Belehrung vers 
Binden, Diefe Erfurfionen, wen man fie weiter aus: 


dehnen will, koͤnnen felbft in Bezug auf Völker: und 
Länderfunde durch die Maͤhe verjhiedener ‘Provinzen, 
die & aljburgs Umgränzungen bilden, intereffant werden, 

Hingeſehen auf den Vollscharakter in Ealjburg 
fann man ausjagen, dab fi an ihm, mie bei allen 
Gebuͤrgsvdlkern, der alte Geiſt der Deutſchheit, der 
Liebe zur Sittlichfeit, Ordnung und Religion reiner, 
als anderswo, bewahrt hat. Don dem burichifofen 
Tone kleiner Erädte, und dem binreifienden Gewuͤhle 
der großen, gleich weit entfernt, und bei dem ehr: 
baren Anftande, der bier das Öffentliche Leben aus: 
zeichnet, wird die Moralität des Jünglings von kei: 
ner Geite gefährdet werden, fo wie ſich auch von 
der Gutmuͤthigkelt der biefigen Bewohner erwarten 
lift, daß fie dem befcheidenen, füllen, ſittlichen 
Fremden bald ein vwäterlihes Haus anmeifen wird. 

Diefe Bernerfungen mögen als die äußere An: 
ſicht unfers Inſtituts gelten, in fo fern nehmlich der 
Unterricht in bemfelben, befonders in praftifcher Hin: 
ficht, von äußern Bedingniſſen, d, i. Lokalitaͤtsver⸗ 
hältniffen abhängig iſt; in Hinſicht auf die innere 
Anficht aber, in fo fern nehmlich der Werth der 
Schule von ihr felbft, d.i. von dem Geifte und Her 
jen der Lehrer, den Beziehungen derſelben zueinander 
und. zu ven Schuͤlern bedingt iff, glauben diefe, in 
dem fie nach dem alten finnvollen Worte: Das 
Werk muß den Meifter loben, gewiſſe egoiſti— 
fhe Anpreifungen vermeiden wollen, folgende feierliche 
Angelobung niederiegen zu müjlen : 

Da fie in der Geſammtheit einen Lehrkoͤrper, d. i, 
ein Ganzes büden, das Ganze aber nur durch die 
Harmonie der Theile befteht, muß und wird es ihr 
unabläfiges Beſtreben ſeyn, diefe Harmonie fomohl 
auf dem Katheder (afademifh, theoretiſch), am 
Krankenbette (praktiſch), als im Öffentlichen bürger: 
lihen Leben darjufiellen, nie vergeffend, daß dies die 
Forderung ihrer Piliht gegen den Staat und gegen 
die Kunſt if. Mit der vollen Achtung für die Uns 
gebundenheit der Lehrineinungen in einer Doftrin, 
Die vieleicht erft durch dieſe proteusartigen Verſuche 
von Geftaltung die Würde der Wiſſenſchaft Im fren: 
gen Einne erringen muß, werden fie eine gewiſſe 
Sügellofigfeit, mit der der Geiſt der Zeit umher 
frudt, von ihrer Schule fern zu halten wifjen. Das 
alte Wort der Erfahrung verehrend, werden fie die 
neue dee nicht abmweifen, wenn fie die Beſtaͤtigunz 
der erſtern aufweiſen kann. So bie alten Schaͤbe 
treu bewahrend, werden ſie trachten, jede neue Be— 
reicherung der Kuuſt für ihre Schule zu gewinnen, 
ohne deewegen das alte Geld gegen falſche Kamel: 
ſungen umzutauſchen. Sie werden ſuchen, die Schule 
zu erhellen, ohne ſie zu verbrennen; mehr den Geiſt 


— 135 — 


als ben Buchſtaben achtend, werben fie auf dem Ras 
theder und am Kranfenbette Iteber die Idee einfa 
ausfpregen, als durch eine beble, geichraubte, affe 
tirte, geftoblene Eprace das Wort eines hohen Sei: 
ſtes entheiligen, und den Kopf junger Menſchen vers 
wirren. In der Ueberjeugung, daß dem Lehrer nicht 
nur der Kopf, fondern auch das Herz des Schuͤlers 
anvertraut feg, wird es ihnen eine eben fo heilige 
Pflicht ſeyn, auch in Wetreff der moralifchen Auss 
bildung Yebrer zu ſeyn, d. i, in ihrem Betragen Zus 
manität, und diefe durch innere Würde des Tharak- 
ters, durch rege Gefaͤlligeit im gefellfchaftlichen Yes 
ben überall und gegen Jedermann, durch Hingebung 
in den Berufepflichten als Lehrer, Arzt und Menſch 
auszudrüden. Die werden fie aufhören, ihre eigene 
Bildung zu vervollfommmnen, wohl wilfend, daß man, 
wenn man auch Lehrer geworden It, noch nicht auf: 
gehört gi. Lehrling zu ſeyn, und daß eigentlich in 
dieſem Beſtreben einer Eule, vorzuruͤcken, allein 
die Zteigerung jeder Kunft, und SE als jeder an: 
dern, der Heilfunft möglich werde, Endlich glauben 
fie verfichern zu dürfen, dab auf die medizinifch: chis 
rurgifche Schule zu Ealjburg, wenn fie ihrem Zwecke 
nach allen feinen Richtungen entfpricht, das Water: 
land,. die Menfchheit und die Kunft dankbar bliden 
werden, 

Als Hintergrund bdiefer bier aufgeftellten Zeich— 
nung -mößte bier ein Bild, in welchem der Geljt 
unferer vaterländifchen Regierung, auch nur in ſchwa⸗ 
ben Zügen, angedeutet wäre, nicht am unrechten 
Drte ſtehen. Allein diejer Geiſt wendet fich ab von 
jedem Gemälde, in welchem nur der leifefie Anfchein 
eines Yobes liegt. Es fen uns daher bios erlaubt, 
den Blick, der etwa noch darüber anfragen Fönnte, 
auf die, unfere Medizinalverfaſſung und Schule ors 
genifirenden hoͤchſſen ‘Patente zu verweilen. Das 
einzige Wort in derfelben, das Yen Wedizinal-Rath 
zu einer felbitffändigen, antern Regierungsbranchen 
nicht mehr untergeordneten Stelle erhebt, iſt der 
Ausdruf wahrer Kunſtſchoͤzung. Der Feemde, der 
bier die Bildungtjahre verseben will, und den fünf: 
ten Seepter, welcher bier das Öffentliche Leben ords 
net, und biefe flille, ungerrübte, beitere Geftaitung 
in ſelbem erhälr, kennen lernt, wird eben fo ſegnend 
und dankbar, wie die Voͤlker an den lifern der 
Salza und des Arno. den Damen Ferdinand aus 
ſprechen. 

Ealjburg am 15. July 1804. 

Kurfürſtlich « Salgburgifcher 
Medtzinal-Rath. 


Schilderung der Sitten, welche in dem XVI. 
Jahrhundert in Augsburg herrſchten. 


chaſtian Muͤnſter, ein Schriſtſteller des ſechzehn⸗ 
ten Jahrhunderts, jagt in feiner Ceemegraphie: „es 
feynt »* Einwohner (son Augeburg) befonders aber 
die Werbsbiiver, von Geſtatt jeben, an Kleidung 
prächtiich, mie Eſſen und Trinken Fertlich, in Wan— 
del und Worten praͤngiſch, in syandlungen geſcheid, 
an Gebärden auslandiſch, und wegen großem Reich— 
thum viel von fich haldent.“ Berner ſagt derſelbe 


Schriftſteller: „es wolle ein jeder den andern über: 
treffen an Gezierden der Häufer und was darein ge: 
hört — viel Kaufleute haben fich adlen laffen — 
den Armen werde viel Gutes getban, und viel ge 
ſchikter Jungen zu der Lehre innerhalb und außer: 
halb der Etadt reichlich a eg — Ein ande 
rer Echriftfteller der damaligen Zeit, Sebaſtian Franf, 
(reibe in feiner Cormographie. „Es ift vor allen 
andern Orten Deurichlands ein leurfelig, freundlich, 
— gruͤßbar Volk in Augsburg, ein ſchoͤn 
weiblich Bid, das wohl mit der Hofart fan, das ich 
auch ein Eprichweort davon gehört hab, Hofart if 
allendhaltend End, aber in Augsburg ift es Wohk 
ftand, denn fie konnten ſich artig drin ſchicken, daß 
fie gleich vor Hofart dehmärhig ſeyn, und in gro 
fem Beacht und Keichtbume an Bracht.“ 

Ein altes Lobgedicht auf Augsburg, *) das aus 
dem Lateinischen in gar ſchoͤne Deutſche Reime übers 
ſetzt iſt, preißt diefe Stadt auf folgende Meife, 

„Was Ehr uud Ruhm mas dicies fegn? 
Das ale Bürger insgemein 

Kein Koften ſchwer mod Fleiß thun ſparen 
Damit ihr Kinder was erfahrtu. 

In anen Handlen mancherlei 
Eich irben auch im Kunſten frei 

Auf das aus ihmen mit der Zeit 
Erwachſen weiſe Hırge Leutu.“ 

Um das Lob des ſchoͤnen Geſchlechtes in Auge: 
burg zu befingen bricht der Tichter in folgende 
ſchoͤne, erhabene Keime aus, 

„te gam; holdſelig umd wie mild 
Sich da erjeigt ein Frauenbild 
Ewerslich mit Worten und Daten 
Rediorachtg, wie fie auch jo fren 
Ein jeden zu beicheiden welh, 
In Zuchten doch, und hof ich dih, 
Indeſſen nicht genug mich kan 
Verwundern, weun ich dent daran 
— — — — 
Ich ſah Matronen großer Herren 
Gar tugendreich und mild von Ehren, 
Ihr Gang recht im Gewichte schwebt 
Gleich ſich der Gotter Tritt erhebt, 
Sir ihmen her Iumgfranlein jart 
Niierten nach des Adels Art, 
Ele glamten eben ob es war 
Von Sternttin Mar des Dimmeld Heer. 
Sch menmt Frau Benus jelber dam 
Dit ihren S'ſpielen anaenem. 

Mer fann, wenn er die Etropfe. „Ihr Gang 
rechte im Gewichte ſchwebt“ u. ſ. w. lien dieſem 
Gedicht einen hohen neupoetiſchen Schwung abipre 
chen? — ferner ruͤhmt auch dieſes Gedicht die mus 
ſiceliſchen Talente des Augsburgrfchen Frauenzimmers 
in folgensen Keimen. 

Das Werber: Bolt da allzugltich 
IR kunfihich, Hua von Sinnen reich; 
Zrigt ıtiogemein aroh Lieb umd Guuſt 
Zu dir, du edie Gamger: Lund. " 

Vou Gammel Freugellus von Friedenthai, aus Bresiam 
geburtiag, ein miche unbefannter Gelehrter und Dichter, Im 
dem Jahr 1585 las Freugeluus fein Gedicht vor unter dem Titel: 
Angustae Vindelcorum, urbıs ım Geimanıa auglustisste 
mae, brens «t succncla adumbratio, and wurde es 
geöruft, kat ſich aber jelten gemacht. 





— 136 — 


In den Wohnhaͤuſern der Reihen waren in 
jenen Zeiten, die Bäder eines der erſten Beduͤrfniſſe; 
oft wurden fie mit großer Pracht ausgeziert, Die 

ugger trieben auch bier wie Überhaupt in der 
— ihrer Haͤuſer, wie ich ſchon an einem andern 

rte erwähnte,“ ) den Luxus auf den höchiten Punkt. 
Noch ift in einem ihrer Häufer, auf dem Weinmarkt, 
ein ſolches Bad mit Aresfo: Gemälden vorhanden, 
die jedoch zum Theil vergangen find, von melchen 
man aber glaubt, daß fie von Tizian, der in dem 
Jahr 1530 4 bei den, Fuggern in Augsburg auf: 
bielt, und von ihnen für fine Arbeiten 3000 Kro⸗ 
nen erhielt, — verfertiget feyen. — Das Hausges 
räthe der reichen Augsburger, mar in dem ſechzehn⸗ 
ten Sahrhundert von großen Werthe und beitand 
vorjäglich in vielen Giber: Gefchirren, großen Giaͤ— 
fern mit kuͤnſtlich eingefchnittenen Figuren, in Mas 
jolica, von welchen ſich noch gegenwärtig in vielen 
Familien, (häßbare Stuͤcke befinden, praͤchtigen Tep: 
pichen und, kuͤnſtlichem Schnitzwerk in Holz, mit wel: 
chen vorgüglih die Deden der Zimmer, die Thür: 
Geruͤſte, Dettioden, Stuͤhle u. f. m. verziert wur— 
den. In dem Saale des gräflich Fuggeriſchen Echlof: 
fes Kirchheim, befindet fich eine Decke der Art, weiche 
20000 Gulden fell gefoftet haben; auch ift die Dede 
in dem fogenannten goldenen Saale in dem Rath: 
baufe ven Augsburg, meiche aber erjt in fpätern Zei⸗ 
ten verfertigt wurde, mit in Holz geihnigter Arbeit 
verziert. — In den Käufern der Neichen fand man 
damals nicht jelten Affen, Papageyen, rauen, Perl: 
hühner, die Damals in Deutſchſand noch feltenen Ca: 
lefueifche oder Welſche Hübner und andere ausländi: 
ſche Thiere. — Die Kleidung der Männer und 
Frauen war prächtig, fie beftand aus Sammet, Sei— 
de, fie wurde mit Ebdelfteinen und im Winter mit 


+, Schreiben des gelehrten Beatu⸗ Rhenanus, inter die Pracht 
der Fuggeriihen Hauſer in Augsburg, das nächſtens geliefert wird, 





prächtigem Pelzwerk verbrämt, ein vorzuͤglicher Theil 
bes Putes beider Geſchlechter aber muren ſchwere 
goldene Ketten. Das ſchon oben angeführte Gedicht 
fagt Über diefen Giegenitand. 
„Armbänder forlid von Geſchmeid, 

Bon Bold und Bilder au:jzhreit, 

Die Bürger teaaen inszemein 

Die Laud-Art Halt cd alfo ein,” 

Die Fuzger und andere Reiche hatten damals 
ſchon Kuren und ihre Diener trugen Livreen, 
und unfer Dichter fagt. 

„Da (ab ih Rog und Wagen ſtehn, 
Schingt mit Gold und Summer schön, 
GSedacht bei mair mach altem Yauf, 

Da wird ein Fir jetzt ſigen auf 
Oder eines Furſten Fesnenzimmer 
Danu anders hätte ich geglaubt font nimmer.“ 


Don den Gaſtmahlen in Augsburg endlich, ſagt 
unfer Dichter, als er einmal bei einem D, Tradel, 
einem der beruͤhmteſten Kechtsgelehrten feiner Zeit 
feftlich bemwirchet wurde: 

„So gar ein ſtattlich gros Panket 
Zurichren mit Eolennitaet, 
Mit Kofım und mit Blumlein zart, 
Mit Dienten zieren ungeſpart, 
So mande Trachten ofenbar 
Den Gaſten laſſen ftellen dar, 
Ja edle Wein aus fremden Landen 
Pinfchenten aus’ fo mancden Kanden. 
Und ein Posten fo Kofiren, 
Helät das ein fremden Gaft tractirem? 

Gegen das Ende ber erften Hälfte des XVI. 
Hahrhunderts, waren die Luſte- und Trauerfpiele 
der Minnefünger und der Schuͤler der Yateinifchen 
Gomnafien, eine der vorzuͤglichſten Lufibarfeiten der 
Augsburger; doch von dieſen noch vielleicht ein ans 
dermal, ve, — 


NINE IE IIND sten 


gondon 


PB MNurram if erſchlenen: The Flowers of Persian Li- 
terattre, mit einer Engliſchen Ueberſezung und einem „Ders 
ſuche iiber Die Sprache ber Literatur der Perſer.“ Der hen 
ausgeher id, — was man wohl nur im Venden und Peters: 
burg, und micht wieder im Guropa finden möochte, — dehrer 
der Perfifhen Sorache. Wir vie Edler der Mann im Jahr 
haben mag? — Das Buch feive 1 vielleicht auch fir viele im 
Deutſchland eine willtommme Gridieimung. e 

Mepton’s kurzlich eridienene Observations on 1he 
Theory and Practice of Ländscape Gardening if ein 
Wert voll Geller Ideen, mad verdient bald auch Deutich zu er⸗ 
ſcheinen, da die ichöme Gartenkunſt jagt in Deutſchland fo eir 
felg getrieben wird, und die meinten bewunderten Milagen mur 
au ſehr beweiſen, das manche Knnnler in der That nicht recht 
wiſſen, was ihre Kun eigentlich zu leiſten habe. 

Auch Karamſin's Relſebeiſchreidung it ins Engliſche über: 
fegt: won Herder und Engel (die Diät ausgenommen.) nod nichts, 


BP ia vie. 

Man berfiindiat es als eine Merdwürdigteit, dat Demolſelle 
Boutgoing. eine junge Schauſvielerin, ſowohl im Yurpielen als 
in Trauerisielen aurtrere; das fie an Ermem Abende als Joln-⸗ 
genia in Aulis, und als Liethaberin in einem komiſchen Nach 





Nicht-politiſche Zeitung. Nro.22. 


foiele aefalten babe: alſo wird das, was auf ben Deutichen 
und Ergliſchen Thentern immer Grant fand, nehrulich das man 
keine Trennung wiſchen tragiicen und komtſchen Schauſpit ⸗ 
lern machte, and wohl allmäalig auf den Kransofiichen alla 
mein werden. Mechten wir doch dagegen von dieſen annch— 
men, worin fie vorsüglicer find, u B. — doch welches 
Berzeihnid mutzte ich da maden! 


— Zu Meg bat ein Deuticher Miuhler (?) Mamens 
Mayer, auf dam Theater das ganze Purlitum im Enſicken ats 
fegt, durdı jem Talent Vogel: Stimmen nnd Geſfange madıus 
ahmen: deu Sarei des Adlers jo wohl, als den Schlag der 
Nachtigall und das Zwitſchern der Meiſe. Er Takt fich dabei 
unmer von einer faniten melodiſchen Muſit beufeiten, bie zu 
ſeinem Gefange sche aut wait, — Dai er ein Deuticher, 
fein Franzoie iſt, erbeiie (bon aus dem Umfanbe, daß er für 
feine Kun mob keinen imponirenden Namen erfunden bat, 
4. 8, Concert de Ja Nature, oder daigl. 





Die Regferung zu Fern hat der Gefellichaft der Matur : For 
ſcher den auen Kerchhoſ, dir an das Gebaude der Öffentlichen Bir 
bilothet ſtot, zit einen botanischen Garten geibentt. Er ſoll 
mir eitens Deukural Hallers bersiert werden, au dem man Gubr 
Krivhonen Ammeit. Jeder Sabſeribent erhalt ein Eremplar eis 
ner Prachtaus gabe der Haherdiea Gedichte, in 410. 





Nro. 165. 


Der reimüthigse 





1804. 
ARISITDES, 
Eonnabend, — — oder 
Ernſt und 
ueber das Trauerſpiel 


Don Friedrich Köppen. 


( Sortfehung. ) 
Mai das Girfechifche Trauerfpiel befannte Verfaͤlle 
aus der Fabelwelt behandelte, liegt das Intereſſe 
deffelben nicht fomohl in der Entmwidelung der Bege: 
benbeit und der Handlung, als in dem lyriſchen und 
epifchen Schwunge der Handelnden, Die Zufchauer 
waren weniger begierig zu erfahren, was eigentlid) 
geſchehe, als wie es geichehe; — die Kunft des 
Dichters erfiredte fich weniger auf die Erfindung des 
Stoffes, als auf die Are und Weife der Behandlung 
deſſelben. Bei den Meuern darf diefe Bekanntſchaft 
mit dem Gefchichtlichen einer Tragödie weniger vors 
ausgefeßt werden; das Intereſſe des Zuſchauers er: 


ſtreckt fich‘ auch auf die Entwickelung der Begebens 


heit, — und wenn bekannte Begebenheiten der Dors 
weit zum Grunde liegen, läßt fich Doch die Befonnt- 
febaft derfelben bei der Waffe dee Volks unmöglich 
allzemein voraueſetzen. Die epiihe und Inriiche 
Schönheit verurfacht daher nicht die Hauptwirkung 
eines Stuͤches, fondern die Macht der Eituationen 
und Charaktere. Auf unfrer modernen Bühne füns 
nen keine Goͤttergeſtalten mehr erfcheinen, das Girofie 
und Erhabene muß ſich in ben Gefinnungen und 
Thaten gewöhnlicher Menſchen zeigen; nur die Größe 
des Beiftes kann uns zur Bemundrung binreifen, 
da die Heiden der Bühne in ihrer aͤußern Erfcheis 
nung und ihren Thaten, das gewöhnliche Maaß der 





u den 18. Xuguff, 


& er 5 


— — — 


Menſchen nicht uͤberſchreiten. Da ferner bei den 
Griechen die epifche und lyriſche Dichtkunſt fich früͤ— 
her ausgebildet hatten als die dramatifche, mufite die 
Nation gerne ihren früheren Genuß auf der Bühne 
wiederfinden; bei den Neueren hingegen hat bie 
Bühne ſtets Öffentlicher und allgemeiner gewirft als 
Epos und Lyrik; es giebt Feine Saͤnger und Barden 
mehr, die mit ihren Geſaͤngen das Herz der Hörer 
entflammen. Daher haben ſich diefe Dichrungsarten 
genauer gefchieden, jede wendet ihr eignes Maaß an, 
und befelgt ihr eignes Geſetz; Lie rofche dramatiſche 
Handlung muß entfhädigen für die forgfältige epifche 
und lyriſche Darftellung einzelner Begebenheiten und 
Empfindungen, die Begebenheiten muͤſſen fo viel 
möglich dur die Handlung felbft klar werden, die 
Empfindungen muͤſſen fih genau verflechten mit dem 
mas die Kauptperfonen des Stuͤckes thun. Epife: 
den der Erzählung find in unfrer neuen Tragödie 
nur Motbbebeif; die Griechen brauchen dieſelben 
häufiger, und für das Epifche ſowehl als dag Lyrifche, 
fteht ihnen fortdauernd der Chor zu Gebet, der die 
Handlung unterbricht, und von dem Intereſſe der 
VWegebenbeiten auf gewiffe Zeit weglenft, 

Hoch eine andre Haupt: Verſchiedenheit ergiebt 
fih zwiſchen der antiten und modernen Tragödie. 
Die Alten führten ihre Götter auf die Yühne; war 
biefen Allgewale verliehen, fo mußte Verwicklung 
und Fortgang einer Handlung ummöglich werden; 
nur das Erreben einer Kraft gegen einen Wider: 
ftand verzögert die Nueführung des einzelnen Willens, 


und macht ihn abhängig von Umftänden; Allgewalt 
führt unmittelbar zum Zweck und loͤſet jeden Knoten. 
Auch die Götter mußten ſich beugen unter einer 
höheren Ordnung, dem Schidfal; fie konnten ihre 
Einficht und Etärfe brauchen, aber der Erfolg ward 
befördert oder gehemmt durch das Gefeß eines dunf: 
len Fatums. Dies Fatum ift für die Neueren nicht 
mehr im Molfsglauben vorhanden; an deifen Stelle 
trat in den Abendländern der Wille eines unfichtba: 
ren Herrfchers der Welt, und eine moralifche Bezie: 
bung des Menfhen auf den Unfichtbaren, Es er- 
ſchelnt deutlicher die Freiheit des Handelnden, und 
als Folge feiner Schuld oder Unfehuld, das Maaß der 
Furcht oder Hoffnung für die Zufunft. Eine folche 
religiöfe Ueberjeugung muß den Helden der Bühne, 
wenn fie Wahrheit des wirflichen Lebens an ſich 
tragen follen, einen eigenthuͤmlichen Tharafter mits 
theilen; das Große ihrer Gefinnungen und Thaten 
muß fi mehr oder meniger durch ihre Religion 
modificiren,. Wenn auch die Gewalt der Umflände, 
denen die menſchliche Kraft unterliegt, fich empiriſch 
als ein Schickſal darftellt; fo kann doch dieſes Schick⸗ 
fal nicht das Höchfte fegn, welches die Handelnden 
im Auge haben, fondern der Allmächtige, der viel 
leicht nicht in der Gegenwart, doch in der Zufunft, 
die menfhlichen Thaten nach ihrem fitttlihen Werthe 
ausgleicht. Eollte die Herrfchaft des Schickſals mit 
dem Drakelfpiel der Götter wieder auf die neuere 
Bühne gebracht werden; fo müßte man, um nicht 
gegen die Wahrheit zu fündigen, vorher den Glan: 
ben daran in dem Kerzen der Mationen wieberher: 
ftellen. Was dabei für tragifche Kunft gewonnen *) 
würde, läßt fich ſchwer einfehen; denn die menfch: 
liche Schwäche und phyſiſche Abhängigkeit muß fich 
in jeder tragifchen Begebenheit deutlih genug offen: 
baren, die Größe und Erhabenheit des Geiftes aber 
verliert gewiß nicht durch das Mertrauen auf einen 
unfichtbaren Geiſt, und den Glauben an feine Al: 
macht und Naͤhe. 

Nefultat diefer Bemerfungen wäre: Aus dem 
Herzen der Nation muß das Drama betvorgeben, 
wenn es auf Herjen mwirfen fol. Micht die todte 
Kegel, nicht der Überlegende Berftand ift die Ge 
burtsftätte der Wirfung eines Kunftwerfs, fondern 
die lebendige Welt, in deren mannigfaltigem Spiele 
fih der einzelne Menfh bewegt, worin fen der 
jugendliche Einn fi gebildet, und deſſen Geſtalten 
der Ernft des Crwachſenen in der Erinnerung be: 
wahrt. Alle Dichtfunft, und folglich auch alle Tra: 





“) Hm. Aber verioren werden könnte, im Nückicht 
anf wahre Gries: Enktur fehr viel, D. R. 


138 — 


gödie wird die Farbe der Zeit tragen in der fie ents 
fprang; fle wird begleitet fegn von einer Menge 
Individualitäten und Lofalitäten, wie der Menſch 


im Seben felbft von diefen Befonderheiten begleitet ift, 


Weit entfernt, daß diefe Belmifhung dem Kunfk: 
werke zum Nachtheil gereiche, wird es ihm in Ge: 
gentheil feinen wahren Mertb und feine wahren 
Kraft fihern, menn anders Überhaupt ein großer 
Gift in demfelben athmet, und der Kuͤnſtler nicht 
bloß ein Macerzähler von Alltags: Begebenheiten ift, 
Das Griechiſche Trauerfpiel, deffen Geſetz man zum 
Theil allen tragifchen Bühnen überhaupt aufdringen 
will, iſt ganz auf Griechifhem Boden ermachfen, 
und trägt bei aller feiner Hoheit die deutlichen Spu— 
ren feines Werdens. Ehe das Menſchengeſchlecht 
aus verfchiedenen Mationen mit einer verfchiedenen 
Denfungsweife, mit verfchiedenen Eitten, eigens 
thümlihem Glauben, unterſcheidender Gefchichte, in " 
ein Bolt zufammenfhmilzt, dem auch zufolge biefer 
Amalgamation, Gefchichte, Sitten, Glaube, Eins 
werden müßten mit einer etwanigen Univerfalfprache: 
ehe giebt es feine Menfchen ohne Vaterland, und 
feine währe Geſtalten der Bühne ohne Individualis 
tät der Zelt und des Ortes, 

Unfre moderne Tragödie fann demnach Feine 
Griechifche Tragödie feyn. Die ganze Lage der Welt, 
alle Verfaffungen und Sitten zinjelner &taaten 
haben ſich umgewandelt, und nicht einmal ftufenweife 
fortfcpreitend in der Zeit, fondern durch einen Sprung, 
mit welchen alle Obfervan; und Tradition der Bor: 
welt auf der Bühne untergegangen iſt. Unter den 
Römern bildete fich Fein nationelles Trauerfpiel; das 
Volk, deffen Gefchichte fo reich war an tragifchen 
Handlungen, ift arm geblieben an tragifhen Dich: 


- tern; die MWirflichfeit war in diefem Volke vorherr: 


fchend, fein idealifcher Schwung war meiftens bloßer 
Nachhall der Griechen. Nachdem aber auch jene 
Reſte eines frühern Kunftgeiftes in fich ſelbſt zufame 
men fanfen; und durch die gemaltfame Hand nordi: 
ſcher Völker jerfiört wurden, mußte aus der Barba⸗ 
rei eine neue Kunſtepoche hervorgehen, Die moderne 
Bühne mag einem Driginalwerf verglichen werden, 
in welchen manches vielleicht minder glüdlich, das 
Ganze aber aus eigner Schöpfung gebildet iſt. 

Die Trauerfpiele der neuern europäifchen Natig: 
nen haben, verglichen unter fi felbft, einen rigen: 
tbümlichen Charafter, unterſcheiden ſich aber insges 
ſammt fpecififh von der Griechifchen Tragbdie. Die 
Griechen nahmen den Giegenftand ihres Schauſpiels 
aus der Geſchichte ihres eignen Volks, wir Meueren 
benußen die Geſchichte aller Wölfer: jene hatten feine 
Beobachtung des Koflumes und der Eitten des Zeik 


alters. nöthlg, "denn fie Tanden alles, was fie zur 
hiftorifchen Wahrheit brauchten, im wirfiichen Leben 
des Vaterlandes; wir möffen uns richten nach dem 
biftorifhen Maaße des Jahrhunderts, :in welches der 
Etoff des Trauerfpiels fällt, und fehn uns auf der 
Bühne bald unter diefe bald unter jene Mation, und 
fogar in andere WWelttheile verfeßt. Um ber hlſteri⸗ 
fhen Wahrheit nichts zu vergeben, muß das Gigen 
thuͤmliche eines antifen Lokals und der antiken Klei— 
dung beibehalten merden, um aber Eindrud zu 
‚machen auf das Gemuͤth, muͤſſen Sprache und Em: 
pfindung den neueren Zeiten nicht fremd fegn. “Der 
Grieche herrſcht mit größerer Willkuͤhr über feinen 
Etoff, denn hiſtoriſche Fabeln darf die Mufe noch 
zwanglofer umändern, als eine Begebenheit wahrer 
Geſchichte. Alt aber muß der Stoff ſeyn, denn bei 
den neueften Ereigniffen ift die enge Wirklichkeit dem 
Dichter im Wege; nie wird er daraus ein großes 
und erhabenes Kunftwerf bilden koͤnnen. 
(Die Gortfehung folgt.) 


Fidelis und Fidele, 
oder 
Treue bis zum Tode. 


Fire ward, ſich auszubilden, 
” Won feinem Water fortgefandt 
Zu Frankreiche glücktichen Geſilden: 
„geb wohl, geliebte? Vaterland! 
Leb wohl aub Du, Fidele:!“ — 

Die ſchonen Sammethande rang 
Bor Angit die fanfte Eeelr; 
und drauf, wie fie in Obmmadıt fünf, 
Etieg der Oelichte Merbenstranf 
In feinen Neifeawagen; 

Der Schwager aber ieh ind Horn 
urd gab dem Roſſen Veitih und Eperm, 
gort im die weite Welt zu jagen. 

Dant Dir, altgütige Natur | 
Der zärtliche Fidelis fuhr 

Zuerſt mit Thränen, 
Hernach mit — Bühnen, 
Yen Station zu Eratiom, 

Fidele, wie die Mädchen pflegen, 
Begann mach wenig Stunden ſchon 
Den Eonntagfpug zurecht su legen, 
Mud vor dem Epiegel daucht es ihr 

Gap, als gereiche, 
Wenn fie erbieiche, 
Dem Teint ed ju beiondrer Pier, 
Da lohnts der Mühe, ih betrüben ! 
5 Wer nennt mir num der Briefe Zahl, 
Die auf Velinpapier die Lieben, 
Zu Lindrung ihrer Höllenguaal, 
Einander faligrapgiich fdhrieben? 


— 139 — 


zägft man auch wohl den Saud am Were? 
Zahlt man auch wohl das große Hecr, 
Der Fir⸗ und Wandeiſterne, 


"Die Doktor Olbers Rohr nicht keunt, 


Dort in der bunteln Gerne 
Am ungeheuren irmament?? — 


Doch wetter! — Gott! auf einmal Kitchen 


Die Briefein aus — „Ums Simmeld willen! lieben 


Die guten Kinder ſich nicht mehr?“ — 
Nein, werthe Herrn! Eis irren ſchr; 
Sie wolm ſich beide blos erproben. 
Zwar it der Treue Prüfung ſchwer; 
Doch wur um deito mehr au loben. 

— Auch ohne alle Nahrung bremmt 

Der wahren Biebe heilge Flammit. 

Kaum nieht es eime leichte Schramme, 

Kenn Meer und Band zwei reine Herzen treuut; 
Denn Feines Handedrucke und keiner Kühe 
Webirfen fie. — 

Hat bei der Hinmelifor der Gerlenfummpathle 
Entbehrt man gern die manchtriet Genüffe, 
Womit der Meime Gott mehr srchtigt, als belohnt ; 
Das Plaͤtzchen, wo Euthere thront, 

Wird aud von Furien bewohnt, 

Und dennoch finnt, nur dort fich zu bereimem 
Das Kind der Welt, — Allein die Keinen — 
Die Keinen? — 91 die flichn um Mond, — 

on beiden Polen grüßen 
Cie Nachts ſich bier durch einen Wonneblic, 

Laßt aud die. Serien dann in Eins sufanmenflichen s 
Keufch deunoch ehren fie zurück. 


Vergebend rauſcht der fehnellen Jahre 
Gewaltger Strom. Die Kraft der Zeit 
Schwacht nimmer die Verrändigkeit. 
as auch indeh dem Körper wiberfahre, — 
In welcher Bag’ er immer fen; 

Der Geift — ber Bein bleibt ewig trems 

— Dies if in wenig Worten 

Der neue Plan, 
Wonach am wei verichieduen Orten 
Ra Tieberruntuem Wahrn 
Sidelis und Tıbele lebten. 
So ging und fanı ber Leni, 
und alle beide ſtrebten 
Nach immer gröhrer Eonfeaueng. 


Jetzt ward eim Graf, dem Gotte mit ber Beier 
An Witz und Schönheit altich, 
a Muth und Krait ein Hertules und reich 
Wie Kröſus, bei Fıdelen Freier, 
Dergleichen Herrn find allen Madchen theuer 
umd doch — o Redlichteit! — geſtand 
Sie offen ihm: Ihr Herz ſei ſchon vergeben; 
Gnüg’ ihm indeh am ihrer — hand, 
Könn’ er auch ohme Liebe mit ihr leben, 
Wohlan! — fo fei fie ſein. — 

Der fchöne Freier achte 
Und ging den Morſchlag eimz 
Denn in der Etille dachte 
Der Ehrenmann: aub ohne Kerl 
Siebt's m der Ehe manden Eder; — 
Ihm war der Leib das Principale, 
So ward Zibele feine Braut; 
In Kutzem wurden fie getraut, 
Des war vom Epabe das Fluale. 


Ein finftrer Tag, doch ſchön die Nacht! 


(Desunt pauca. ) 
„Der Bein — der Selaͤ bleibt ewig dr)" — 


“ 


— ze 


Da forengt — trarah! — aus fernem Banb 
Ein Reiter ſturmend durch die Gaſſen 
Mit einem Schreiben in der Hand. 
Laut pocht's am Thor. Die GSluͤcklichen erblaiien, — 


Sidef' eriheint im Nachtgewand. 
Gerechter Sort! ein ſchwarzes Siegel; 
Erd theure Aſche deckt der Hügel?” — 
Sit bricht es anf mit Ungeſtnu. 


Das Schreiben handelt vom Getrennten, 
Den eben Ihre Pippen nennten; 
Km Schluſſe beiüt ed fo vom ihm: 


„Der Herr fei amädig feiner Seele, 
Die fih der Treue Ruhm erwarb! 
Sein Iegter Geufjer war: Fidele! 
wis er — am M— dd N—— 3 ar." * 


— 0000000000000 — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 23. 


J 46 Jahren waren wicht mehr als ı8 von dem im Hercula⸗ 
mim arfundınen Handidriften aufgerouut und dechiffrirt werden; 
feitdem der Prinz von Wallis die Unternehmung unterlüpt, Hd 
im zwei Jahren meunyig entzimert. (Es iſt im ber That vortrefflich, 
daß man werigſtens eilt; — denn bie Musbeute, die da su gewin⸗ 
men ſeyn Farin, möchte ſchwerlich der lang gejpannten Erwartung 
werth fen. Man finder vielleicht eintae Mertwürdiateiten: aber 
auch etwas,’ bad zu einen wahren Fortibritt in den Wiſſenſchaf⸗ 
ten führen kann? Schwerlich. Die befien Dichter und Zubrirte 
freier des Alterthume find ums erhalten worden, weil bis Tbe⸗ 
ſchriften ihrer Werke fo banfig waren, als ihr Werth forderte; 
umd eigentlich find wir da wirklich in alten Asien zu weit uiber 
die Griechen umd Römer hinaus, um noch etwas Bedentent es von 
Ahnen leruen zu können. MR. 

In der Era) haben ſich diefen Sommer endlich wieder 
eine große Menge Retiender eingefanden, um bie Etönheiten des 
Landes au-geniehen,. Die friegeriidben Vorfalle der Iipteru Jahre 
Hatten diefe Quelle des Gewinnſtes ir die Sawehzer faſt namy 
verfiegen laſtn. — Es lauft bus Gerücht, da einer dir erften 
Deutſchen Furſten, aber im ſtrengſten Incognito, die Schwen 
durchwandre: das hat die drottige Folge, dar ſaſt ſeder Deutiche 
Reiſende, der einigen Aufwand macht, für dieſen Prinzen angeehn 
und mit einer Eyriurdpt behamdeit wird, vom der man du ber 
Ediweij, als fie noch die alte VElaviicde Verfaſſung befad, wer 
nig Beifwiet hatız 

Indeß ſich weder in Berlin, nodı in Wien ein Framiöfiides 
oder Ensliſches, und in Daris und London kein Deutiches Theater 
halten kann, giebt es in Mostwa, anfer dem Ruſſiſchen, ein 
Polnifches, ein Franoſiſches, und ein Italieniſches, umd man in 
eben damit beichartigt, eim Deutſches zu enabliren. Man muß 
getchn, die Phuſſognomie dieſer größten Stadt in Guramı 
fpat etwas Impoſantes, das — iu ſehr fonderbarın Verrschtuns 
gen fubet. 

euch in Odeſſa am ſchwarzen Meere iſt jent eim Italienlſches 
Theater errichtet, woru der Kater 20,900 Nubel jahrlic, an 
gewieien hat, alſo ein Kamltal von 500 000 Nubeln. 

Unter Kaifer Alerauder if bei allen Standen und Möftern in Rufe 
fand, ein miertwürdiger Enthufasmus fur Verbeſſerungen und für 
Fortſchritte in der Bildung erwacht, Als die Buraten im Gouverne⸗ 
ment Irtutst hörten, daß jenfeit des Waikalı Sees, eine Lande 
wirehicaittiche Kolonie angelegt werden ſoue, trieben ſie aus ih⸗ 
ren Sterren 630 Eruf sabmes Birch dabın, und machten dem 
Etab liſſenent ein Geſchent damit. 


Merkwuͤrdige Eimplieität, 


Fa Fr. 94. der Zeitung F. d. eteg. Weit wilnscht Jemand; „daß 
dem verdientroiten Vardenbeteran (OGleim) zu ehren, ein jahre 
liches halberſtadtiſches Grdadiiminfelh, mid Art der Sotegel⸗ 
feier, eingerliber werden mochte, woran nicht idR der Dichter und 
Geberit, ſondern das ganze gebifdere Publikum Theil nehme!" — 
Sehr wohl? aber, wo ſoll ſich das getildete Pullitum verſam⸗ 
mein, um ſich an heim den — hingeſchiedenen Dichter — 
nu erinnern? — „Im der Nahe — einer niederfänben 
den Kaskade.“ — Immer und immer ber Keſoriſche (Eier 
gante, der feinen Herrn liebtoſen wollte, und ihm Die Sahne cin 
fehlug. Sonte man midt alauben, der Verchrer Gieims baby 
fi über die Poeſie und poeuſche Fruchtbarkeit derſelben, uilig 
miuden wollen? 


Eben daſelbſt war eime ſcherrhafte Ameige eine? verlorenen 
Hundes, yon einer Danıe, eingeruft worden. Sie füngt alſo an: 
e L’aves — vous vu 
Mon chien perdu? 
C'est la plus belle bite, 
Seul helas! ıl n’est pas perdu. 
Car j’aı perdu — ma title, — 
Es flieht mir dem rührenden Verſen: 
Par amitie, 
Prends pitie 
De ma tite er ma böte! 

Mander Mitarbeiter der eleg. Zeitung könnte bei dieſen 
dings Verien in Verſuchung kommen, zu glauben, dad Ge 
dicht Fey weiter nichts als eine Bitte des Heransg. um Briteige, 
jur Abwechſelſlung einmal allegorifch vorgetragen: — aber dem if 
nicht ſo. Dis Gedicht hat fon vor miehrern Wochen im Journal 
de Pıris gefunden, auch (dem eine Antwort, und Gegenautwort. 


* 


rt y 3 tE 


Foinender edelnithi ze Bug, verdient bekanuter gu werben. Ju 
der dipten Leirziger OAermeſſe machte ſich ein udiſcher Kauſmann 
aus Berlin, Namens Naphtali, mit einer Schuldenlaſt von 
150 000 Thalern aus dem Staube. Ein Rum, Namens Proto⸗ 
vorw Hatte lurz vorher zeſmtauſend Rubel auf ihn aſſtänirt, und 
die Aſſtanatienen waren überall angenemmen worden, Eobald 
Protobow aber die Entweſchung des Juden erfuhr, fo Hieh er, 
weit entiernt, andern den Verluſt aufburden zu wollen, ſich die 
Anwerfungen zuruckgeben, und beyablre baar, Aus ber Allg, Zeitung. 


Berlim 


Aın 14. Auauft ſtetlte man auf der mac Potsdam flhrenden Chaufrde 
Verſuche mir einer neuerfundenen Gattung von Yaftwagen ohne 
Achſen an, unter der Antettung des Erfinderd, des Herrn Bleutes 
nauıs von Neander. ine Par von 24 Centuern 47 Priund 
murde anfangs von 5 Menichen, dann von einem Pferde, dann 
von 2 Dienichen, 8OO Schritt weit ohne Nuhalten mit Beidhtig: 
teit ſortgezogen. 


Auszug aus einem Schreiben aus Paris, 
vom 5. Auguſt. 


©. Maieſtat, der König vom Preußen Imben geruht, an ben 
Veriaſſer der Souverars de vingt ans desgjourd Berlin, =) von 
Eharlortenturg aus, am 27. Julius sin jebr huldreiches Echreiben zu 
eria ſen. Er Maieat „haben dad Werf mit dem größten Ver 
gmigen geleſen, umd verdanten ihm fehr anarnelme Hugenblicke. 
Sie wunſcheu, das es in Frankreich eben ſo viel Glück machen 
möge, als es in Bertin, der Natur ſeines Gegenſtandes gemaß, 
gemacht bat." — Zu dieſem Schreiben war eine ſehr Fonbare, 
mir Diamanten beſente Doſe geinat. — 





*) Funf Bde in 8. Im Verlin zu finden im der Koniglichen 
Hof: Euch und Kunſthandlung unter den Linden Ir. 34. Preis, 
8 The. . 





1804 


Nro. 166. 





Der Treimüthige 


Eerıf 


Weber das Trauerfpiel, 
Bon Friedrich Koͤppen. 
eFortſehung.) 


Unser den Nationen, deren Kultur zu einiger Bollens 
dung gediehen ift, hat nah Maasgabe des Charakters 
der Matlon felbft und zufällig einwirfender Umftände, 
das Trauerfpiel eine verfhiedne Behandlung erfahren, 
Den größten Gegenfaß bilden in dieſer Hinſicht die 
Frangofen und Britten, die Franzbfifchen klaſſiſchen 
Tragifer, und der Mepräfentant und größte Genius 
der Englifhen Bühne, Shafefpear. Welch ein 
gänzlich verfchiedenes Denken und Thun! Melde ver: 
ſchiedene Aeußerungen der Eharaftere, welch ein ver 
ſchiedener Plan und Zufammenhang der Handlung, 
welch ein verſchiedener Effekt auf das Gemuͤth! &o 
leicht es iſt, diefen Gegenfaß zu fühlen, fo ſchwer 
mögte es feyn, allemal den Grund anzugeben, wo— 
ber der Gegenſatz ſtamme, und mas für Dinge eis 
gentlich die Wirkung hervorbringen, deren ſich beide 
Theile ruͤhmen bürfen. 

Wollten wir der bloßen ſinnlichen Empfindung 
folgen, fo müßte ung der Britte mit feiner ungeheu- 
ren Phantaſie, mit feinen mannigfaltigen ſich in ein 
ander bewegenden Geftalten, mit der wunderbaren 
Miſchung von Vernunft und Unvernunft, von Tu— 
gend und Lafter, mit der unerſchoͤpflichen Neuheit und 
dem eigenthuͤmlichen Neiz feiner Darftellung uni: 
derftehlich hinreißen. Wollten wir dem bloßen Ders 





und 


den 20, Auguſt. 
© er; 


ftonde folgen, fo müßten uns bie Franzoͤſiſchen Tra: 
gifer durch die feinen Antithefen der Charaktere, die 
finnvolle Anlage der Situstionen, den geſchmackvol⸗ 
fen und gebildeten Ausdruf und die fhönen Gen 
tenjen ftarf anziehen; und wir würden vielleicht das 
Weberladen mancher Shakeſpearſchen Bilder, man: 
chen falſchen Wis, mandes Niedrige und Gemeine 
tadeln, und uns den Genuß, des übrigen verbittern. 
Den Franzöfifgen Kritifern, die blos durch ihr eige: 
nes Theater erjogen find, begegnet dies gewöhnlich, 
und &hafefpear wird von ihnen als ein Muſter der 
Geſchmackloſigkeit dargeftellt. Aber kann man nicht, 
felbft ohne vollendet reifen Geſchmack, ſtark und nad: 
druͤcklich auf das Herz wirken? Kann man nit bei 
forgfältiger Ausbildung des Derftandes und ſcharfer 
Beurtheilungsfraft, des energifhen Gelftes beraubt 
feyn, der die Empfindung mächtig rührt? 

Do, das war es nicht eigentlich, was ich fa: 
gen wollt, — Eine Hauptverfhiedenheit der Be: 
Handlung des Franzöfifchen und Englifgen Trauer: 
fpiels follte angegeben werden, Vielleicht ergiebt fie 
fi (don aus den Charafteren beider Nationen. Dem 


' Brangofen vermandelt fi die Maſſe feiner lebhaften 


Empfindungen und Begriffe leicht in Worte, er re: 
det gerne und hört fich gerne reden; der Britte liebt, 
wie feine Sprache, die Einfilbigkeit, und bricht oft 
nur bei dringenden Veranlaffungen fein Schweigen. 

Diefen Charakter der Mation aͤußern im Allge: 
meinen auch die tragifchen Helden ihrer Bühne. Das 
Franjoͤſiſche Pathos befteht in einem gewiſſen rheto: 


— 142 — 


riſchen Schwunge; das Engliſche Pathos, in dem in: 
dividuellen Ausbruch irgend einer Leidenſchaft. Ober, 
um dem Satz anders auezudrüden: nach der Frans 
zöfiften Manier treten die Perfonen auf die Bühne, 
um große Öhflanungen zu zeigen, fie find die Re 
präfentanten der Grundſaͤtze und Empfindungen, weiche 
fie aueiprechen; bei Shakeſpear hingegen find es die 
Geſinnungen, welche die Perfonalität hervorheben, 
Gruntfüke und Empfindungen werden Nepräfentans 
ten der Perſon, welcher fie angehören, Bei jenen. 
find die Eharaftere der Handelnden leicht aufzufaffen, 
weil fie ihren einmal geäußerten Grundfäßen treu 
bleiben; bei diefen hält es oft ſchwer, ben Charaf: 
ter der Perſon deutlich aus den einzelnen verfchiedes 
nen Zügen zuſammenzuſetzen. Lejfing fagt ganz rich 
tig: die Galantexie bat Moltairen die Zaire diftirt, 
an Ehafeipears Romeo und Auliet hat die Liebe 
felbſt gearbeitet. Galanterie ift der rednerifhe Aus— 
druck der Liebe. Jene begreift man leicht, denn ſie 
hat eine beſtimmte aͤußene Form; dieſe wirkt geheims 
nißvoll im Innerſten der Seele, und zeigt ſich in 
wannigfaltigen Arußerungen, bis fie atlmälig den 
ganzen Menſchen beherrfcht, 

Shakeſpears Behandlung der Tragddie, liege 
dem wirklichen empirif&en Leben. näher, in welchem 
fein. rednerijcher Ausdruck der Empfindung, fondern 
der zufällige Erguß. des Augenblicks herrſcht. Selbſt 
jene Miſchung des Lächerlichen und Ernfthaften, des 
Großen und bes Matten in feinen Stuͤcken, möchte 
hieraus zu erklären feyn, und fogar eine gewiſſe Aus 
toritaͤt entlehnen. Die Franzöfiihe Tragbdie ift ents 
fernter von den gewöhnlichen, wirklichen Leben, in 
den Berhältniffen der Hauptperfonen herrſcht durch 
gängig Feinheit und ſelbſt Etiquette; durchaus aber 
fehlt jene dem. Berftandesurtheil widrige Miſchung 
des Komifchen und Tragifhen, und weder Verfonen 
uoch Ausdruck finken von der Mürde, welche fie eins 
mal auf der Bühne annehmen müffen. Die Negeln 
der Bühne find von Ariſtoteles und den Griechen 
entlehnt, aber ungeachtet diefes Beſtrebens nad) eir 
nem fremden ideale, ift die Franzoͤſiſche Tragoͤdie 
dennoch national geblieben; man hört in ihr die 
Eprache des Hofes, und die tragifchen Verfenen 
erden im Denfen und Thun, die Eitten und bie 
konventionelle Bildung einer großen Hauptſtadt nicht 
verläugnen. Statt ihres Princips der Einheit, be 
folge Shafefpear, vielleicht ohne daran. zu denfen, 
das Princip der Mannigfaltigkeit, flatt der Genera 
lifirung der Charaktere werden fie bei ihm ſpeciali— 
firt, ſtatt des feinen Hoftons giebt er Scenen aus 
der niedrigften Volksklaſſe; kurz, der Gegenſatz der 
Lranzoͤſiſchen und Shakeſpearſchen Behandlung des 


Trauerſpiels erftrede ſich nach Form und Anhalt bie 
auf die geringſten Kleinigkeiten, ſo daß ſelbſt, wie 
Leſſing anmer?t, nicht einmal die Geſpenſter beider 
Bühnen ſich aͤhnlich find. 

Beide Arten der Darftellung, feheint es, haben 
ihre großen eigenthuͤmlichen Schönheiten, und man 
muß nicht die eine mit dem Maaf der andern rich: 
sen wollen. Der rbetorifhe Echwung bei dem Aus 
drucke mirfliher Empfindung Fann ıben fo mohl 
großen Eindruf machen, als der wenig geordnete, _ 
unmittelbar aus der Empfindung hervorgehende Laut, 
Ein vom Bolfsredner mit Andacht gefprochenes Ger 
bet, fann binreißen und die Seele zu erhabenen 
Empfindungen vorbereiten, aber der Meufh daheim 
in feiner Kammer, wird anders beten, minder ge: 
erdnet ımd zufammenhängend, obgleich nicht minder 
nachdruͤclich und für die Umſtaͤnde pajfend, 

Die tragifchen Werke anderer Europäifchen Na: 
tionen ftehen in der Mitte zroischen diefem ftarf Eon: 
traftirenden Charakter der Franzbfifchen und der En: 
glifhen Bühne, und nähern fi mehr oder weniger 
der einen oder der andern Behandlung. Die Epa: 
nier nähern fi in. der Regellofisfeit und dem eich: 
thum der Erfindung dem Ehafefpear, aber ihnen 
fehlt die wahre Zeichnung der Charaktere, die leben: 
dige Andisidwalirit der Perſonen, die Tiefe und 
Grdße der Handlung. Die Wirfung der Stuͤcke des 
&aideron beruht auf dem Nomantifchen der Erfin: 
dung und Ausführung, und es liegt vielleicht ſchon 
in ver Natur des Remantiſchen, daß es weniger das 
wirfliche Leben ergreift, als mit einer angenehmen 
Eprache und poetifhen Reiz gewiſſe allgemeinere 
Verhältniffe darjiellt, und den Zuſchauer der Wirk⸗ 
lichkeit entrüdt, Shakeſpear bat auch nicht feiten 
viel Romantifches im feiner KRompofition, aber es 
wird ihm nie die Hauptiache; und unter allen fans 
taftiihen Umgebungen finden ſich plöklih Züge, 
die aus der innerfien Wahrheit der Menſchennatur 
gefhöpft find. Die Italieniſche Tragödie fcheint nicht, 
wie das Lufifpiel, einen eigenthuͤmlichen Charakter 
gewonnen zu haben, Die Tragifomödien des Gozzi, 
machen felbjt nach der Abficht der Urhebers, einen 
fehr gemifchten Eindrud, obgleich unter aller dieſer 
Miſchung nicht felten eine tragifche Größe fich offen: 
bart, die ſich der Shakeſpearſchen an die Seite feßen 
läßt. Der neueſte tragiſche Dichter Italiens, Aıfieri, 
hält fid ganz offenbar an die Franzofiihe Bühne; 
man findet bei ihm alle Vorzüge derſelben, Kegek 
maͤßigkeit, forgfältige Diktion, nur vermeidet er mehr 
ben rhetorifchen Schwung und fucht nachtrudevofle 
Kürze. Er wollte, wie man deutlich wahrninmt, 
moͤglichſt einfach ſeyn, fuchte besivegen die Anzahl 


— 143 — 


der Perſenen aufs Aeußerfte ju vermindern, und läßt 
oft mit nicht geringer Kunft vier bis fünf Perfonen 
durch fünf Akte ſpielen. Körze und tragiſche Größe 
find ihm oft in beſonderm Grade eigen, aber er vers 
fälle auch häufig in eine gewiſſe Trodenheit, die ihm 
geringen Eindrud auf die größere Menſchenmaſſe ges 
mähren und fein Beiſpiel ohne fonterlichen Reiz jur 
dachahnung laſſen muß. 
(Die Fortſehung fogt.) 


Briefe eines NMiederfachfen, üder eine Reiſe 
durch einen Theil von Ehurfachfen und 
Böhmen, 

Erſter Brief. 


Deines Auftrag, mein geliebter freund, Dir über 
meine nun glüdlich zur&dgelegte Reiſe durch Chur 
fachfen und einen Theil von Böhmen, Nachrichten 
und Bemerfungen mitjutheilen, werde ich mich von 
Zeit zu Zeit mir Vergnügen entledigen, und gleich in 
diefem Briefe werde ich den Anfang damit mrachen. 
Damit Du indeß nicht etwas in biefen Mache 
richten und Bemerkungen erwarteft und fucheft, was 
Du darin nicht finden möchteft, fo muß ich Dir far 


gen: ich reif’te nicht, um etwa Vaterialien zu fans 


mein, ven denen in einem geographiſchen, flatiffiti 
fen, oder fonft in einem wiſſenſchaftllchen Werke 
Gebrauch gemacht werden fönnte; ich reiſ'te nicht, 
um etwa blos Werke der Kunft oder blos politifch 
wichtige Anftalten zu befnchen ; ich reif'te auch nicht, 
um etwa Abentbeuer und Heuigfeiten aufzuſuchen: 
ich reif’te, um alles zu fehen und zu geniefen, was 
fig — dem gebildeten Menſchen Eebens: und Ge: 
niefenswerthes, mir darbieten wärde, Darum wählte 
ih auch aus den für mich erreichbaren Theilen uns 
fers Deutſchen Daterlandes grade ſolche Derter und 
Gegenden aus, von denen ich mir des Eebens: und 
Genießenewerthen vorzüglid viel verfprah, und 
namentlich fegte ich mein Vertrauen gang befonders 
auf Wittenberg, Meißen und Dresden; auf die Zäch: 
ſiſche Schweiz ; auf den Königeftein; auf die Vöh⸗— 
miſche Gebirge; auf Töplig und Freiberg — Wie 
herrlich wurde dies Vertrauen gerechtfertigt! 

Laf mich Dich bei meiner Beſchreibung denfel: 
ben Weg führen, den ich bei meiner Keife nahm, und 
fo begleite mich denn zuerſt nad Wittenberg. 

Wie it es möglich, daß dieſe Stadt von Sei— 
ten ihrer Annehmlichkeiten jo wenig gefannt ifi? Cie 
iſt nicht blos meiftens freundlich und höbſch gebaut, 
fondern bat auch theils dur die Nachbarſchaſt der 
Eibe, über weiche hier eine Brüde führt, theils 


durch bie zwar nicht großen erhahenen und remantl; 
(den, aber doch freundlichen und huͤbſchen Ausficy: 
ten, welche man von dem Walle rund um bie Stadt 
nach allen Eeiten bin hat, eine überaus angenehme 
Lage. Auch find die Feftungsgräben und die Mälle 
fehr — tbeils zu Aeckern und Wieſen, 
tbeils zu Arten und Anlagen benugt, fo daß ſowohl 
von dem Hauptwalle, morauf jedermann fpaziven 
darf, als ven den ſchoͤnen, um die Stadt herum 
führenden Wegen aus, das Auge nie ohne Vergnügen 
berumfehweift. Und für diefe mannigfaltigen —*8 
lich keiten des. Orts und der Gegend, ſcheinen die Wit⸗ 
tenberger auch Sinn und Geſuͤhl zu haben, Theils 
findee man Überall Spuren, daß man der Natur 
da, wo fie gu Derfchönerungen die Hand bietet, nady: 
büft, und mie rübmlichem Tifer die Umgebungen der 
Stadt immer angenehmer macht: theils untertaffen 
auch die Wittenberger nicht, Lie Annehmlichkeiten 
des Orts und der Gegend gehörig zu genießen, Laͤnd 
liche Eraziergänge und freundicaitliche Zuſammen- 
fünfte in Gärten find unter allen Klajfen der Ein: 
wohner fehr häufig, und felbft Die geichtoffenen Ge 
fellihaften halten den Sommer hindurch ihre Zu: 
fammentünfte in einen ®arten. Fremde werden bier 
nicht blos mit der befannten Saͤchſiſchen Arrigfeit, 
fondern auch mir Deurfcher Herzlichfett aufgenommen, 
urd überhaupt ſcheint ein Geift der Freundſchaft, nnd 
ein ofener Einn für Natur und Naturgenuß in dies 
fem Orte einheimifch zu fen, 

Irre ich nicht fehr, fo darf ich diefer beiden Um⸗ 
flände wegen, ein fehr günfliges Vorurtheil von dem 
Charakter der Wittenberger hegen. 

Don der bifteriihen Wichtigkeit, melde Mitten: 
berg durch) Luther erhalten bat, brauce ih Dir eben 
fo wenig erft etwas zu fagen, als ih es Dir erfi 
befannt u maden babe, daß Luther mir feinem 
Freunde Melanchthon in der hiefigen Schleßklrche be: 
— liegt. Aber von dem Hoͤrſaal, in welchem 

uther feine DVorlefungen gehalten, und von ber 
Erube, in welcher er — bat, muß ih Dir et: 
was mittheilen. In dem erftern find die Büpniffe 
der Nachfolger Luthers aufgehängt; aber nur bisauf 
die erfte Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Du fragſt 
gewiß mit mir, warum nicht auch feine übrigen Nach⸗ 
felger, bie auf unfre Zeiten bier aufbewahrt find, 
und noch Fünftig bier aufbewahrt werden follen? Eine 
mächiige Aufmunterung wäre es doch, feinem Platze 
feine Echande zu machen, wenn jeder, ber in 
Luthers Amte bier flände, zum Voraus wuͤßte, daß 
fein Bioniß dert der Macwelt erhalten würde. 
Urbrigene fonnte ich mich beim erften Anblick diefer 
Bilder durchaus folgender Idee nich erwehren. Wie, 
dachte ich, wenn neben jedem diefer Miänner ein kicht 
gemalt wäre, das um fo heller oder dunkler leuchtere, 
je mebr oder weniger der Dann auf feinem Poften 
für Auffiärung und Welehrung feiner Zeitgenoffen 
erban hate? — Eogleich realifirte ich in meiner 
—2 tiefe Idee: ließ neben Luther ein hoch 
aufloterndes Kadelliht und neben feinen Nachfolgern, 
je nachtem es meine, nur nicht jureichende Befannt: 
ſchaſt mit dürfen Männern angab, bald ein belleres, 
baid ein dienkleres Licht brennen: und ich geſtehe 
ih fah in meiner Phantaſie eine intereifante Illu— 


— 144 — 


minatlon. Dielleicht wäre es, falls die aute Eitte, 
die Bildniffe der Nachfolger Luthers bier aufjubewah: 
ren, beibehalten worden, nit ohne Nutzen geweſen, 
wenn man einen Ähnlichen Gedanken auch in der 
Wirklichkelt realifirt Härte. — Do zu Luthers Stube! 
Die habe ich mich fo lebhaft gefreut, das echte Ver: 
dienft auch allgemein anerfannt zu fehn, als beim 
Eintritt in dieſe tube, mo ich alle vier höljerne 
Waͤnde von oben bis unten mit lauter Damen derer, 
welche dieſe Etube befucht hatten, fo befchrieben fah, 
daß kaum noch einige Plaß hatten. Auch Peter der 
Große hat bier dem Merdienfte des großen Reforma— 
tors gehuldigt, und eigenhändig ‚feinen Namen 
(Piere) angejchrieben, welcher ihm zu Ehren unter 
einer Kapfel von Glas vor dem Verwiſchen gefichert if. 
Als ih Luthers Stube verlaffen wollte, wurde 

ſch erſucht, meinen Namen in das Buch einzufchreis 
ben, in welches jeder Fremde den feinigen einzufchreis 
ben pflege. Welche Leberrafchung, als ich in den zu: 
legt gefpriebenen, noch gan Feifchen Zeilen, die 
Hand und den Namen eines theuern Sugendfreuns 
des fand, und hörte, daß er erft diefen Morgen hier 
eweſen fey! Du fannft denfen, mie fchnell ih aus 

Puthers Stube und von Gafthof zu Gaſthof eilte, 
um diefen Freund aufjufudhen; aber — er war vor 
wenigen Etunden abgereij't, Doch ein Erfaß ward 
mir für diefe getaͤuſchte Hoffnung am Abend! Wie 
es mir in Luthers Stube, in, er jenes Ju⸗ 
gendfreundes gegangen war, grade fo war es einem 
andern fremden, in Anfehung meiner, gegangen, 
Er findet meinen Namen in jenem Buche; eilt, mich 


aufjufuchen, und fiehe! es ftürzt in mein Zimmer 
und in meine Arme, — unfer guter, lieber L. und 
gleich nach ihm mit lachentem Munde, ein junges, 
reigendes Weib, das er eben heimführen mollte, 
Meich ein Abend, oder vielmehr, welch eine Mache! 
Denn erft gegen Morgen trennten wir uns, Es lebe 


die Sitte, an merfwärdigen Dertern, ein Buch jur 


Aufbewahrung der Namen ber dort gemefenen Rei— 
fenden zu halten! 
(Die Fortfehung folgt.) 


Auch ein Vergiß mein nicht. 


in Deutfcher Faufte fih in Eübd » Preußen an, 
Er befah feine neue Befigungen und wuͤnſchte einen 
Knaben einer feiner Unterthanen zu ſich nehmen und 
erjiehen zu können. Es fand fih bald eine arme 
Bäuerin, eine Mutter mehrerer Kinder, melde ib: 
ren jebnjährigen Sohn gern dem neuen Herrn über: 
ließ. Der Deutfche will in fein Vaterland zurüd: 
Echren und es koͤmmt zwiſchen Mutter und Sohn 
er Abſchiede. Itzt erwacht das mürterliche Gefühl 
n feiner vollen Kraft; gern Überläße fie ihn feinem 
beffern Geſchick, aber ein Andenken mögte fie ihm 
doch mitgeben. Koftbarfeiten kennt und beſitzt fie 
nicht, aber die Mutter weiß doch eine Eadye von 
Werth au erwaͤhlen. Sie füllt ein Beutelchen mit 
Erde, hoch hebt fie den Knaben empor, kuͤßt ihn 
nicht, drüde ihn heftig an die liebende Bruſt, und 
giebt ihm den Beutel, als ein Andenken, an Mut: 
ter, Gefgwifter und Vaterland, DD... 


—r ——⸗—— ——— ONKDDLIOKIENND annenne 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro.24. 


Aus England. 


in Wundarit wurde kürzlich zu London barüber vor Gier 
richt aesogen, daß er drei Frauen hatte; aber er ſejte den Als 
dermam Curtis durch die Erflarung in Erftaunın, er fei mod 
mit fünf audern copulirt, die ibm wiel zu sche Uebten, ihn 
gu verklagen. — „Aber wie gelang es Euch, fo viele zu betriis 
gen?’ fragte Curtid.  Bicher Herr, antwortete er, kennen fie 
denm micht die Guthersigkeit der Weiber? 

In einem Thurm zu Holtam bat man verſchiedene koftbare 
Mauuſtrivte geſunden, unter andern eine fehr ſchöne Mbichrift 
der Illas umd einen Bivius mit dllmminirten Zeichnungen. 

Ein — „Gentleman, deſen Uterariſche Produtre Beifall 
gefunden Gaben,“ bot Mürilih in dem Morning Chronicie 
Liebenden, die gar nicht, oder nicht elegant mund zartlich genug 
ſchreiben konnen, feine Dienſte an, und verſpricht die Corre⸗ 
ſpondem recht liebevoll zu nhren. 

Mit fehe wohlgefalligem Setbſtaeſuhl erzählten einige Lond⸗ 
ner Zeitungen folgenden Vorgang. Die Neugier hatte eine 
große Menge Beſchauer indas Lager der Deutſchen Truppen 
bei Brighton geftbre. Die bonorabien Herren Craven 
und Melliſch, von zwei fehr bekannten amgeichenen Familien, lie⸗ 
Gen ſich emdiich auch fehm, und zwar im einen Wettkampf, wer 
am beſten durch einen Meif oder über eine gezogene Schnut 
foringen könne Fin Deuticher Soldat vermas fich, es ehem 
fo gur zu maden als fie: aber — es lebe WrsEngland! — 
ver honorable Hr. Erave ſpraug doch beſſer. gt — 


Aud Paris. 


Der berühmte Monvel hat das Theater verlaſſen, weil er mög 
lich das Gedachtnl verlor: man halt es alſo auf dem Framzd⸗ 


ſiſchen Theatern nicht für aan; iberfümig, daf ein Schau—⸗ 
foieler wire, was er ſagen foll? Da find wir in Dentichlamd 
auf mancden Bühnen weiter, Wenn nur ber Souffleur nice 
beifer iſt umd ſein Dicht beim breunt, fo werben wir fertig. 


Eine wichtige Neuigteit, bie jedem Liebhhaber der Wilfene 
ſchaſten anbeſchreiblich theuer feon mu. Herr von Humboldt 
iſt mit feinem Begleiter Bonpland am 18. Thermidor (6. Aus 
auft,) iu Vorbeaur, mach einer 29 tagigen Meiie von Phila 
deiphia, angelangt. Gie bringen fehr groje Gammlungen von 
Raturmertwürdigteiten mit, dreißig Kiſten, außer ihren Her⸗ 
barien. 





Son den Monumens du Musce Napoleon if die fiehente 
Lieferung erichienen. 130 wird das ganze Bert enthalten.) Diefe 
Lieferung it fo sehon gearbeitet, als Die vorigen: aber fie giebt zur 
gleich die unangenehme Machricht, daß der gelehrte Schweighauſer 
Yon der Redattion des erlärenden Tertes abgetreten dt; ſtatt feir 
ner hat fie Petit-Kadel erhalten, bekannt durch mande fehr 
slüctihe — Hupotbefe " 


Bon Delilied Weberfegung ber Menels ſind nicht, wie es Km: 
fanas bieh, vier, fondern 6 bis 8 veridiedene Nusgaben zugleich 
eridiemen, und in jeder weichen fange Stellen ganz von einander 
ab, jo dak, wer Das Delitleſche Wert gans befügen will, gendthigt 
iſt, alle Ausgaben zu kaufen. Die Soetulation iſt in merkantir 
Iicher Xuckſicht ſehr gut: aber ift fie auch — reblich? — Wan 
drucdt im Deutſchland fo viel Fran, Werte nah: durch einem 
eleganten Nachdruck der Deliliefchen Neneide, im welcher alle 
Abweidningen in einem Anbange zuſammengelleſert würden, Eönnte 
ein Nachdru cker endlich einmal etwas Verbienftliches leisten. 





1804. 


Dienfiag D 


erntf 


— ii 





ANISIIDES, 
Der Freimüthi 
oder 


unn d S de 


Nro. 167. 


ge 


den zı. Nugufl, 


ee } 


— —— — 





Ueber das Trawerfpiel 
Don Friedrich Koppen. 


(Fortſehung.) 

U ung Deutfehen haben fich die vorzuͤglichſten 
Tragbdiendichter nah Shakeſpear gebildet, Göthe 
und Schiller, in ihren früheren Werken, ftreben offen: 
bar nad jener Größe, die aus der innern Kraft der 
Verfönlichfeit und dem Geiſte der individuellen Men: 
ſchennatur hervorgeht; beide haben etwas Vortreff: 
liches geleiftet, jener vielleicht mit mehr Tiefe, diefer 
mit mehr Glanz. Das Nationale der Deutfchen 
Wiſſenſchaft und Kunft befteht darin, daß feine eine 
feitige Form und fein befchränfendes Geſetz in ihnen 
herrſchend wird, fondern der Genius fih das Beſte 
aller Länder und Völker aneignen und auf feine Weiſe 
behandeln darf. Unſte Dichter haben fich deswegen 
in den verfcbiedenften Formen verfucht, und in Gib: 
thene Apbigenia herrſcht ungleich mehr Griechifcher 
Geiſt, als in allen Franzöfifhen Trogddien. Bel 
Diefer fertgehenden Perfektibilicht der Deutſchen Art 
und Kunft iſt es alfo nicht zu vwerwundern, daß 
neue Bohnen gebrochen werden, und das Schbne 
und Große fich in allerlei Formen darfiellt. — Noch 
ver wenigen Jahren lieferte Echiller nach dem Bei: 
fpiel Shakeſpears ein vortreffliches hiſtoriſches Trauer 
ſpiel, worin Reichthum der Eompofition, Haltung der 
Charaktere und eine gebildete Sprache gluͤcklich ver 
einigt find, ° “ — 

Seitdem bat ſich indeſſen wieder eine neue 


Kunftperiode vorbereitet. Sie iſt nicht bloß merk; 
mürdig als Epoche der Deutſchen Dichtkunſt, fons 
dern als Epoche der Kunſt Überhaupt. Waͤhrend 
fonft zu allen Zeiten die Meifterwerfe großer Dichter 
das Muſter und Urbild der Philoſophie der Kunſt 
murden, und die Kegeln deffen, was aefchehen follte, 
entiehnt murden, von dem was ſchon geichehen war; 
während Xriftoteles die Grundſaͤtze der Tragddie feſt⸗ 
ftellte, nach den vortrefflichen Tragikern feiner Na— 
tion, denn Aeſchylus, Sophokles und Euripides, mäh- 
rend die Frangöfifhen Kunfteichter ihren. Corneille, 
Racine und Voltaire als Orakel befragten, über das 
tragtjche Verdienft der fpäteren Dichter, ift in Deurfch: 
land die Philofophie Giefeßgeberin der Kunft gemwor: 
den und hat ihr neue Bahnen angewiefen. Es muß 
ein ftarfer Hang zur Epefulation in dem Charakter 
der Deurfchen liegen, daß fi bei ihnen der gemöhn: 
liche Gang der kuͤnſtleriſchen Aurübung umfehren 
fonnte, daß der freibildende Genius zu einer neuen 
und hoͤteren Dchoͤpfung nicht begeiſtert wurde, durch 
eigene Kraft, ſondern erſt durch ein neues philoſophi⸗ 
ſches Syſtem, Energie genug gewann, die bisherigen 
Formen umzuſßteßen und einem ungewöhnlichen Kunft: 
ame nachzufteeben. Curirides Fannte die Ppilofos 
pbie des Anaxageras, aber er entwarf nicht mach 
Biefer Philoferhie den ‘Plan feiner Tranerfpiele; bie 
Größe vergangener Taten, und der Eindrud auf 


feine nach der Bühne ſchauenden Zeitgenoffen, leiteten 


In wie felne Vorgänger, bei den tragifchen Darſtel 
lungen. Wir Deutſchen wollen uns durch folche nie: 


dere Zwecke nicht mehr leiten laffen; die Epefulation 
bat uns hinausgehoben Über die gemeine Wirklich 
keit und Erfahrung, nach fpefulativen Abftraftionen 
entwerfen wir uns das Maaf jeglicher Schönheit und 
Größe; die der Philofophie dienende Kunft, erfchaft 
ſich eine eigne Natur und Welt, unbefümmert, ob 
die feit Jahrtauſenden beflehbende Melt mit diefer 
neugebernen Kunfimwelt übereinflimme oder nicht. 
Dadurch iſt die ganz eigene Erfcheinung möglich ge: 
worden, daß die fpäteren Werke unfrer größten Dich: 
ter ihre früheren, denen ſie Ruhm und Anfehen dans 
fen, verdammen; daf ihre hohe Liebe zur Kunft fich 
zur dienenden Echwefler eines ephemeren miffens 
ſchaftlichen Syſtemes herabgewuͤrdigt hat; daß fie, 
die geſeierten Fuͤhrer und Bildner des Deutſchen 
Kunſtgeſchmacks, angenommen haben die Grundfäße 
ihrer Schmeichler, und durch eine ſeltne Selbſtver— 
laͤugnung fogar die Machahmer ihrer Nachahmer ge: 
worden find, 

Den Beleg biefes Urtheils geben Schillers 
Braut von Meffina und Goͤthens natürliche 
Tochter Beide Tragsdien find, ungeachtet ihrer 
Verſchiedenheiten, auf demfelben Boden ermwachfen, 
dem Boden der Schellingiſchen Philoſorhie. Die 
Dichter fahen mit VBerdruß, daß diefer Boden haupts 
fächlich reich war an Eonetten, und wünfchten feine 
Fruchtbarkeit auch an tragifchen Produften zu ermeis 
fen; fie führen ihre Nation in eine neue den frühe: 
ten Yflanzungen unvergleichbare Pflanzung der 
Kunfitheorie, wo die Ausſicht unbegrängt ift und 
unendlih, wo man über die Natur hinauefchaut, ihr 
nicht nachbildet, fondern die ewigen Formen ſelbſt 
ausgebiert. . Bei. der Erſcheinung der Goͤthiſchen 
Iphigenie fagte ein feiner Kunftrihter: „So lange 
man noch wahre Nachbildung der Natur bewun— 
tern wird, fo lange werden auch noch die meiſten 
von Goͤthens Werken gelefen werden,“ *) Mit dies 
ſem hohen Lobe möchte der Dichter. der Eugenie 
jebt ſchwerlich zufrieden fern, man müßte vielmehr 
das Lob umfehren und ihm Bewunderung verküns 
ten: „fo lange man bie göttlichen Echöpfungen des 
Philefophen und Künftters nach ewigen been, als 
Morbildungen der wirklihen Natur bewundern 
wid.” u. ſ. w. 

Um die Beſtrebungen der neueſten Deutſchen 
Dichtkunſt gehoͤrig zu würdigen, muß man ihr Funde: 
ment, die fpefulative Philoſophie kennen. Nicht die 
Empfindung, nicht die hohe Liebe des Kuͤnſtlers bes 
geiftert an dem Deutſchen Parnaf, fondern ein Ge 
maͤchte der Zeit, eine zur Eaftalifchen Quelle gewor- 





7,8, Bill, der fhönen Wiſſenſchaſten. 


146 — 


dene Aeſthetik. Die Epefulation hat ſich über die 
bieherigen Sedanfen der Menſchheit emporgeihwuns 
gen; fie iſt im Beſitze der Anfhauung des Cinen 
und Aleinen, welches das wahre Weſen aller Dinge 
ausmacht. Die Täufhung, welche diefen vermeints 
lichen Beſitz als das hoͤchſte Gut erblidt, wird aufs 
recht erhalten durch den philofephifchen Aberglauben, 
deffen Akademifche Heiligkeit tief in dem Herzen fei: 
ner Befenner wurzelt. „Alles Beſtehende, lehrt die: 
fer Aberglaube, befteht nur fcheinbar, ift eine blofe 
Seftaltung, eine einzelne Form des Ganzen, das 
Ganze aber ift formies und ohne Geflalt, weil Form 
und Geſtalt nur im Einzelnen flatt finden fönnen, 
Die menſchliche Individualitaͤt iſt nur eine einzelne 
Form der Erfcheinungsmwelt und hat in fich felbft Feis 
nen weitern Beſtand, als jede Pflanze und jedes 
Thier. Jenet Gegenfaß im Menfchen zwiſchen der 
Vernunft und Natur ift Fein wahrer, fendern nur ein 
fheinbarer, da Vernunft und Natur in Wahrheit Eins 
und Dasjelbe find. Nur dadurch, daß fich in diefer Einheit 
die Ideen und das Objektive trennen, find die menfch: 
lichen Andividualitäten, als einzelne Geſtalten jener 
Trennung, hervorgegangen. Dem. Künftter kommt 
es zu, jene Trennung der Ideen und des Objektiven 
aufzuheben, die Ideen objektiv zu machen. Dies 
wird er unmöglih fünnen durch Darftellung des 
Menfchen als eines Individuums, meil grade in der 
individuellen Befchräntung der Gegenfaß des Eubs 
jeftiven und Objektiven, der Sdeen und Gegenflände 
am fehärfiten bervortritt; er muß ſich alfo erheben 
über die rirfliche Crſcheinung ins eigentliche Geburts⸗ 
land der Individualität, feine Geſtalten müffen nicht 
feyn, wie man fie in der Wirklichkeit findet, mit 
ihren Beihränfungen und DBefonterbeiten; fondern 
ber Künjtier muß allgemeine Gieftalten darſtellen, 
in denen teen objeftivirt werden, welche eigentlich 
die Urbilder aller Geflalten ausmachen, und von 
denen einzelne Sudivitualitäten nur als die ſchwachen 
Abbilder zu betrachten find, Der Dichter iſt dems 
nah als Künftter nicht Nachahmer einer wirklichen 
Harur, er, iſt vielmehr ein. Echöpfer diefer Natur 
felbft, indem er das Geſetz anwendet, nach welchem 
die ganze wirflihe Natur hervorgegangen iſt. Die 
mirfliche Welt muß als eine Kopie der originalen 
Dichtungswelt erfcheinen, * 

. IM. man über die durchgaͤngige Nichtigkeit die: 
fer fpefulativen Anſicht, über die Widerfprlche, welche 
fi, immer neu und jung in dieſem Lebrgebäude ge: 
falten, hinweg; bat. man, ſich vermeintlich, ju der 
Anfhauung erhoben, welche fiatt des Nichts ein Al: 
les, und in diefem Nichts die hoͤchſte Wahrheit fieht ; 
fo finden ſich allerdings Eeiten dieſer Kunfttheorie, 


— 147 — 


wodurch ſie ſelbſt dem beſſeren Kuͤnſtler empfehlungs⸗ 
werth ſcheinen kann. Schon die Abweichung vem 
Gewoͤhnlichen, der freie Splelraum, welchen . fie 
dem fchaffenden Talent des Kuͤnſtlers gewährt, die 
böhere Würde, welche fie ihm durch die Schoͤpfung 
der Urbilder zu ertheilen fcheint, wirken auf das Ge: 
muͤth durch die Motive der Meuheit, Ungebundens 
beit und der Ehre, „Wozu alle jene wiederholten 
Aufforderungen grämlicher und verfländiger Kritiker, 
die Matur herrſchen zu laffen in der Poefie, der 
Mahrhelt zu huldigen, in allen Darftellungen, und 
diefe Mahrheit in der wirklihen Welt und Erfah: 
rung aufjufuchen? Die Poefie fehafft ſich ihre eigene 
Wahrheit und ihre eigene Natur, die wirkliche Welt 
muß ſchon nachfolgen mit ihren befchränften Formen, 
wenn ihr die dichterifche unbeſchraͤnkte d. h. formiofe 
Form,  vorangeht! Die Kunft ahmt nicht taͤuſchend 
der Matur nad, fondern die Natur täufcht, dieſe 
Lhgnerin von Anfang, diefe Mutter alles Scheins 
und Wahns!“ Je weniger diefe neue Kunfttheorie ein 
verfländiges Machdenfen über Mittel, Zweck, Wahr: 
fcheinlichkeit und Effekt einer Dichtung befördert, 
defto mehr Raum gewinnt die Phantafie; und da 
der Dichter in ihr fein fchaffendes Vermögen aner: 
kennt, läßt er ſich gern zur Annahme einer Lehre 
bewegen, bie ihn weniger zu hemmen fcheint in feis 
nem Fluge und feine Echöpfungen erleichtert, 
(Die Fortfchung folgt.) 


Briefe eines Niederfahfen x. 
( Fortfchung.) 
3weiter Brief. 


5 verließ Wittenberg kurz vor Sonnenaufgang, 
und genoß einen Morgen wie ih nur wenige im 
Leben hatte. Ein falber Flor von Mebel überfchleierte 
die geftern gefehenen Echönbeiten. Welch eine Auf: 
forderung für die Phantafie, fih die genoßnen, jetzt 
verdedten Echönheiten noch einmal zu vergegenwär: 
tigen: und meld ein Genuß, als nach wenigen Minus 
ten der Mebel vor der Sonne entfloh, und ich nun 
das Bild der Erinnerung noch einmal mit der Wirk: 
lichkeit verglich, 

Meinen Plan Über Torgau nah Meißen zu gehn, 
mußte ich ändern, weil ich über Großenhayn zu rei: 
fen, Veranlaffung hatte, und dahin führt der nächte 
Weg über Annaburg. Welch ein Abftand zwiſchen 
Wittenberg und diefem Ort! NMirgends findet men 
bier einen Stein; flatt des Pflaflers dient für die 
Wagen ein fogenannter Knüppeldamm, der aber fo 
verfunfen ift, daß man ihn nicht einmal ficht, und 


an den Seiten der Etraßen wird der Fußgänger 


allenthalben dur Wohlen vor dem Berfinfen bei 
üblem Wege geficyert, Die Häufer find größtentkeils 
Dorfartig und auch Dorfartig durch Zäune mit eins 
ander verbunden. Der widrige Eindrud, den dieſer 
Anblick bei der Erwartung, eine huͤbſche Stadt zu 
feben, auf mich machte, wurde in etwas gemildert, 
als ich hörte, daß der. Drt eigentlich Lochau heiße, 
und ſich den Iramen Annaburg nur darum angemaßt 
babe, weil das Schloß fo heiße; vermifcht ift indeß 
jener widrige Eindrud noch jeßt nicht in mir, Da: 
gegen war das Schloß und feine berühmte Beſtim⸗ 
mung mir fo intereffant, duß es mich bloß darum 
nie gerenen wird, über Annaburg gereift zu feyn. 
Es iſt diefes Schloß befanntlich zu einem militairis 
ſchen Inſtitut für 300 Coldatenfnaben, und zwar 
vortrefflih, eingerichtet. Auch hat hier alles einen 
militairifchen Anftrih, Gleich am ingange ſteht 
einer von den Knaben in förmlicher Montirung und 
mit einem gewehrartig geformten Holze Schilt wache, 
und wird zur beftimmten Zeit von der aus Kindern 
beftehenden Wache abgelöft; es wird erercirt, und bie 
militairifche Jugend zieht fogar alle Jahr einmal Ins 
Lager; lekteres aber nicht fomohl, um in militairie 
fehen Evolutionen gehbt zu werden, als vielmehr, das 
mit indeffen alle Gemaͤcher und Wohnungen gefcheuert 
und ununterbrochen gelüftet werden koͤnnen. Ueber: 
haupt ift alles, was bier zur Erziehung für das eis 
gentliche militairische Leben gethan wird, mehr Spiel⸗ 
werk als zwedmaͤßige Voruͤbung, und es Fann nicht 
anders feyn, da die bier befindliche Jugend mit dem 
14. Jahre wieder entlajfen wird, um ein Handwerk 
oder eine andere Pebensart zu ermählen, feinesmeges 
aber gleich in Militairdienft tritt. Weberaus wichtig 
aber it diefe Anflalt als bloße Erziehungsanftalt, und 
in diefer Hinfihe kannſt Du Dich fehr ausführlich 
darüber beichren aus des bier als Prediger ſtehen— 
den Herrn M. Weiſe Gefhichte diefes Inſtituts. 

Die innere Einrichtung der Burg, melche ans 
fangs ein Fagdfchloß für die Fürftin Anna war, zu 
der gegenwärtigen Bejlimmung des Gebäudes, ift vor 
treffiih. Allentbalben bemerkte ich übrigens mir Hoch: 
achtung für die Vorfteher und mit wahrer Bewunde⸗ 
rung, die größte NReinlichfeit, und nirgends den mins 
deften üblen Geruch, welches bei einer ſolchen Menge 
junger Knaben wohl feine Kleinigkeit‘ ift. Dagegen 
fiel es mir fehr auf, au hören, daß in dem fehr ges 
räumigen Schlafſaal für 36 Knaben, welchen ich ſah, 
zur Aufficht und zur Hülfe bei etwanigen Zufällen, 
nicht ein Wärter, fondern — eine Wärterin ſchlaͤft. 
Ganz ohne Üble folgen fann dies wohl nicht feyn. 
Ach möchte daher wohl wiffen, was die Morfteher 
zu diefer Verfügung bemogen bat. Als ich mi dar 
nach erfundigen wollte, wurde ich leider! unter: 
brochen, und mein Führer abgerufen, 

Auch mich rufen jegt Gefchäfte ab. Leb daher 
für heute wohl. 

(Die Hortfchung folgt.) 


- 


— 148 — 


Das Selke-Thal am Unterharz. 


ei dem Dorfe Meisdorf tritt man aus ben 
dden Mannsfelder Bahnen in dieſes vomantifche 
Thal, das Thor zum Unterharze, Nur verwitterte 
Schiefer und hundertjährige Schlafen: Hügel boten 
fi: bieher dem Auge; im Eelfe: Thal erheitert fich 
wieder der Blick, atbmer freier die Bruſt, vom fingie 
(hen Dunfte der Schachte nicht mehr beängitigt, 
Sie kruͤmmt und ſchlaͤngelt fich wieder, Die plärfchernde 
Selke, und üppig ar der Boden den fie traͤnkt. 

Balfamifche Lüfte Fühlen den Wanderer, ftärfen 
die Glieder. Srifges Grün kraͤnzt den Wald der 
Gebirge; zur Ruhe lader ihr ſchattigter Fuß. Plößs 
lich it das Thal verſchloſſen; mächtig aufgethuͤrmt 
wirft ein Gebirge ſich entgegen; mit forfchendem Auge 
blide der Neifende auf den ftägenden Etab gelchnt, 
den treuen Helfer auf fleitem IBege, Aber bald dffnet 
fich wieder Die Enge und bietet neuen Genuß, es 
erfreuet die täufcpende Krümmung, Neue Gebirge 


fleigen empor, und wieder neue; und Über dem tau: 
fendjährigen Rüden erhebt fi der Höhere: eine 
furchtbare Kette in wilder, gewaltiger Ordnung. Vom 
fhroffen Abhange bliden der Burgen vermitterte 
Trümmer, furchtbar drohet in’s Thal der graue 
Felfen vom vorigen Kuhepunfte herab, ein fchir 
mendes Dach dem forglofen. Köhler; dunkel herrſcht 
bier die Tanne über dem alten Granit; allem 
thront die taufendjährige Eiche, kroͤnt die Scheitel 
der Berge und unter den Wolfen freifet der fpähende 
Raubvogel. Ewige Ruhe herrfcht hier; fern her nur 
tönen der Heerde Glocken im fehönen Akkord, es 
fallen die einzelnen Schläge der Art. 

Doch endlich verfündet des Baches raufchendes 
Wehren, der Mühlen Gebraufe, der Menſchen gaft: 
lihe Wohnung Mitten in Pans Gebiete ehe 
ſich die rauchende Eſſe Bulcans und feiner Gefellen, 
u glühenden Oefen firöme hier rothes, flüffiges 

en, : 


Dosen 


— ——SS rIñ eÞeoy — — 3 
Riht=-politifhe Zeitung. Nro. 25. 


3. den Kampfivielen in Enstand, gehört aud das Gefichterr 
fhnetden, the Grnmng-match, Ver dem verſammelten 
Volt üben fih die Küinftler, graßliche Verzerrungen zu machen, 
amd wer die geaklicite u Stande bringt, arwinnt eine Yramte, 
Das Epiel it indes geiabrlih, Kürzlich, wurden drei folder 
Virtuoſen mitten im ihrem rühmticen Beſtreben von der Maul⸗ 
foerre und beitisen Convullionen beralten, Zwei farben; ber 
dritte ward gerabriich traut. 

— Zu den mertwürdigſten neuen Produften der Engliſchen Brote 
aehören „Leben und Bricfwechſel des beruhmten Wilke” umd 
Wart's Proſpelte aus der Türkei, Palaftına und Enrien, von 
denen fhon 10 New erichienen ſind; jede Bofket eine Guinee. 

Bon Lafontaine! Romanen find jeyt 24 Bde ins Engliſche 
überfest. 

Der Prediger Graves hat jept auch eine Macrobiotit, ober 
eine Kunſt lange zu leben, unter dem Titel: Ihe Inv..lid, 
berausgeqeben, Er if ein Yolahriger Breld, verdient alio, ale 
Birtuos im feiner Kunſt, gehört zu werden, 


In Italien erſcheinen jetzt zwei Jeitſchriſten, deren einzige 
VBeſtimmung es il, Italien mit der Deutichen Literatur betannt 
zu machen. Die erſte, L’Ape, erſcheint zu Florenz in monate 
liden Heften ; von der zweiten Spirito dei Giornali Lette- 
za deli’ Allemagnı, erfcheinen jahrlich 8 Herte su Kovercto, 


Hannover, den 3. Auguſt 1804. 


Genern foiette unire Deutſche Echaufpieler- Meſell ſchaft (wahrſche in⸗ 
lich) zum Icgten Male, da der Direkteur mir dem Franzeſiſchen, 
der ein Echauſplel⸗Pribilegium fr das ganze Laud bat, umeins 
weworden, Jedoch id von demſelben mod keinem der Contract 
gebiimdist, ale das Ganze noch belſammen. Man gab zum 
Benefier der Madam Fiſcher, welde die Mirrha agirte, Das 
unterbrochne Opferiet, Die Gramofiidıe Geſellſchaft war fo ar 
tig, gu eben dem Zwecte audı ein Heines Stuck in einem Alte, 
aufjufichren (was aber Beinen Beifall fand), jo das das (Yanıe 
von bald 7 bis halb 12 Wlr dauerte. Man mi er ruhmen, 
daß fid das ganze Prriomale ſehr angrif und vorteilhaft jerate, 
woju denn aud bias afkurare Orcheſter beitrug. Doc beionders 
seichneten ſich Die artigen Mesdm. Sicher und Mainzer tald 
Elvira , und der herelide Bam, Here Gtromeier, durch ihren 
Grfang aus, Sie wollten den Zuſchauern ihren maben Verluft 
deſto Unangenehmer machen, — und man mat geben, dah 
fie den Zweck erreichten. Der wißige Herr Gohring foielte dus 
Vedrillo auf dire Jeriorengung nur allein am, und swar im feis 





mer letzten Seene, wo er eben abgehn ſottte. „Es thut mir fo 
web, ſprach er, daß ich vom meinem Waterlande ſcheiden jollz 
allein — Wiederſehn!“ Das vatrlotiſche Parterre fühlte das emd- 
lich, und vodre und Hatidıre heitig. Veim Schluſſe war alles’ 
ungewähnlich fill, weil man befte, da einer der SEchaucvitler 
vom Publite Abſchied zehmen wurde; alten wir wurden ges 
tauſeht und Fehlicben mißmüuthig nach Hauſe. 

Man ſagt zwar: dar die Serellſchaft mad Braunſchweig 
und Hildesheim, umd Pormont gehn wiirde Allein wahr. 
ſcheintleh trennt fie ſich ganz; mehrere Mitglieder gehen ab, 
d. E. Herr Steinbeck nach Caſſel, auch Herr und Madam Fiſcher. 


Antwort auf bie Frage: 
was Simmel fei? - 
im Freimüthigen 1804. 4. Blatt. 14, Seite, 


immel if Min Provinstalidm, aber jedem Landiwirtbe bes 
kannt: denn es bereichnet das männliche, unfruchtbare Geſchlecht 
des Hanfes, welches, nachdem es abgerlüht hat, ausgeprücde 
wird. Das Auspnücden beiüt immeln, und das Ausgenniickte 
Fimmel, Dieier Simmel iſt vorzialih brauchbar zu der fein 
den Hanfleinwand. 


Ueber eine Stelle in der Galebonia, 
4. Band, Seite 33. 


Ja wundere mich, fast die Verrafferin, dab Bruced Lebent⸗ 
geſchichte wicht einem Echottifden Dichter Stoff zu einem ediſchen 
Sationafgedicht gegeben Hat, denn fie iſt vol romantiſcher und 
poetiſcher Zuge.“ — 

Und mich wundert ed, dai die, mit der Engliſchen Litera 
tue möcht unbefanute, Verfaſſerin der Caledonia nicht weiii, 
dad John Burbour, diefen Stop zu einem Heidengedicht, das 
unter dem Titef; The Bruce, or the history of Robert I, 
Kıng of Scotland. Written in Srotish vırse by John 
Barbour ı790 in London bei Nicol, herausgetommen iR, ge 
wahlt hat, Ja, mob mehr wundert e# mich, dai mod kein 
Deuticher Dies Wert Varbours, den eine umierer Literaturzei ⸗ 
tungen den Schottijchen Homer nannte, in umiere Gprade über’ 
fegt hat! 

Mochte doch auch meine Verwunderung Jemand leſen und 
nür fagen: The Bruce je, oder werde nachſtens ind Deutiche 
uberfigt } K. T. Heine, 


— — — —— — 











1804. u Nro, 168. 
ARSIIDES,, 4 — 
Der Freimüthige 
Donnerſiag, — 0 — den 23. Auguſ. 
Erst un d © er; 


Literatur 


Das Jdeal, von Carl Anton von Gruber; Penig, 
1804; bei Dienemann und Comp, 


Di Heldin biefes Romans iſt eine jener erhabe: 
nen Dlaturen, bie mit verworrenen Begriffen vom 
Idealen, bei nicht geringer eigener Unvollfonmen: 
beit, alles um fich her wollfommen und idealifd) ver: 
langen, und die daher nicht nur ſich felbft, fondern 
auch jedem anderen, der das Unglüf bat, ihrem 
Kreife zu nahen, — das Leben verbittern, Die Zeich: 
nung und Haltung des Charakters ift dem Derfaffer 
fehr gut gerathen; felbft die Koftbarfeit des Stils, 
in welchem dergleichen Überirdifhe Wefen ihre hohen 
Dffenbarungen von fich zu geben pflegen, bat er voll: 
kommen getreffen. Die übrigen weiblichen Charak: 
tere feines Romans Fontrafliren glüdlich mit jener 
Närrin, obgleich zu wenig unter einander felbfl. 
Minna von Zaalen ift bios eine Doublette der Fouife 
von Hochberg, und die Gräfin von Klingen nur eine 
Nebenperfon, Die Ecilderung der männlichen Cha- 
raftere hingegen ift bei weitem weniger piochologifch 
richtig, zum Theil offenbar fehlerhaft. Baron Bruͤg 
fol ein Dann von Geift fein, der die Weiber ſtu— 
dirt hat, und diefer gefcheidte Welt: und Menfchen: 
fenner giebt, wie er merft, daß er das Herz feiner 
Gattin verloren bat, weil er ihrem Ideale nicht ent: 
ſpricht, — einem anderen junaen Wanne von ideas 
liſcher Schonheit und ausgezeichneten Talenten, den 





Auftrag, ihm das Herz feiner Gattin wieder. zu ges 
winnen. Dies it nicht Unbedacht amkeit, fondern eine 
erennplarifche Gimpelei an einem Weiberkenner. Nein! 
So fonnte Baron Brüg nicht handeln, und Baron 
Eidingen die aufgetragene Rolle nicht Übernehmen, 
wenn er fo edel, erfahren und verffändig war, 
als er dem Dorgeben des Verfaſſers zu Felge fegn 
fol. — Ein anderer Fehler des Werfs ift, daß bie 
Cataſtrophe, durch eine ganz überjläffige epifodifche 
Liebeegefchichte, unnuͤtzer Weiſe aufgehalten wird. Man 
vermuthet ſchon lange vor der Entwidelung, wie al: 
les foınmen wird, mithin iſt der Schluß ein wenig 
langweilig. — Der Briefjtil des Verfaſſers verdient 
Lob; er iſt fehr leicht und, wenige Nachläßigkeiten 
abgerechnet, Forıeft. Ueberhaupt glaube ich diefen 
Koman empfehlen zu dürfen; er jeichnet ſich unter 
der großen Dienge vortbeilhaft aus und ift im Gan— 
zen fo wohl gerathen, daß er Herrn v. Gruber einen 
ehrenvollen Plap unter uufern Romantikeen fichert. 
Das Aeuhere ift fo elegant, wie man es von 
biefem Verleger gewohnt ift. — dt. 


Ueber das Leipziger Theater. 


Hr Schlegel har Über die Deutfche Literatur ge: 
ſchrieben, ungeachtet er feibjt der Meinung ift, daß 
mir noch feine haben: ich darf alſo wohl etwas über 
unfer Schauſriel in Leipzig fogen, ob es gleich noch 
gewiſſer ift, daß wir feines befigen. Herr Schlegel 
wuͤnſcht vermuthlich, durch feine Arbeiten die’ Litera— 
tur bei uns einzuführen: den nehmlichen Wunſch 


— 150 — 


babe ich für unſer hieſiges Theater. Zwar ein Thea: 
ter haben wir nun wohl, an das man einen Gedan— 
fen nach dem andern anzufeken fucht, der im Ans 
fange vergeffen worden war: aber es fehlt dazu ef 
mas Weſentliches, nehmlich Echaufpieler. Denn mas 
man uns rechts und linfs aus Großmuth, zjumeilen 
(let genug, zukommen läßt, dürfen wir doch wohl 
nicht unfer nennen. Es fragt fi, bat Leipzig nicht 
Fug und Recht zu einer ihm ganz eigenen Bühne? 
Und mas iſt Urſache, dab wir bis jegt durchaus noch 
nicht fagen koͤnnen, es fei in dieſer Küdficht etwas 
bei uns geſchehen? 
Leipzig ift fo zu fagen ein Eropelplaß nicht allein 
aller Deutfhen, fondern auch der meiften übrigen 
Nationen von Europa, Das baten nun einmal die 
Handels : Verbältniffe, die durch die eigenthuͤmliche 
Lage des Orts erjeugt, und durch die fehr liberale 
Regierung befördert wurden,.feit langer Zeit fo ge: 
macht. Es ift fehwerlic eine andere Zradt im Deuts: 
ſchen Baterlande, die allgemein fo wohlhabend wäre, 
wenn es gleich mehrere mit reicheren Individuen 
giebt. Man fann den Leipzigern einen gewiſſen 
Grad feinerer Bildung durchaus nicht abfprechen, 
menn auch nicht alle Kopieen von London und Paris 
gelingen ; Kemuniſſe und Geſchmack find bei weitem 
nicht fo oberflaͤchlich, als man Hier und da glauben 
machen will. Doch gefekt auch beides wäre ſchlecht, 
fo müßte man eben darum nur defto mehr arbeiten, 
um alles beifer zu machen, Es ift wichtig, daß vor: 
zuͤglich das Schauſpiel an einem Drte gut merde, 
wo die gebilderften Individuen oft zufammen kom— 
men, wo man nicht ohne geiffigen Genuß aller Art 
feyn will, und mo die fremden, deren aus allen 
Reichen Europens feine Fleine Anzahl eintreffen, fich 
eine Meinung Über unfere National: Bildung holen, 
-Die Fremden haben, bei den Umjtänden wie fie find, 
wirklich ein Necht, bier feinen Genuß ju erwarten; 
und ed erfordert der Kredit und der Vortheil der 
Einwohner, ihn auf alle ſchickliche Weife zu befoͤr— 
dern. Welches Urtheil kann der fcharffinnige Britte 
und der merfurialifhe ſpoͤttelnde Franzoſe von unſe— 
rer Bildung fällen, wenn er ein noch ziemlich gutes 
Stuͤck zum Theil abfägen, abwuͤthen und radebrechen 
fieht und hört, oder wenn ihm eine alberne Poffe 
durch Ungeſchicktheit und Gefchmadlofigkeit der Vor: 
fiellenden, bis zum E£el widerlih wird? Wenn dies 
in einer Stadt gefchieht, die In Küdficht der Natio— 
nalfultur billig unter die erften gefeßt werden fell? 
Das Schauſpiel iſt ein Bedärfn’f für alle Ghebildetere 
geworden: und je mehr die Bildung fortfchreiter, 
defto höher werden bie Forderungen, die man mit 
Recht an die Unternehmer diefer \fentligpen Vergnuͤ— 


gungen macht. Wie viel find mir aber feit Leffing 
und Edhof vermärts gerät? Oder wie glüdlich has 
ben wir ung auch nur auf dem Etandpunfte diefer 
Männer erhalten? Auch zu dem, was noch geſche— 
ben iſt, bat Leipzig faſt nicht das Geringſte beigetra: 
gen: und diefen Vorwurf fühlt feibft jeder, der nicht 
ganz ohne idbliche Partheilichkeit für feine Vaterſtadt 
it. Diele Heine unbedeutende Derter haben ihre 
Echaufpiele, die den Unternehmern und Theilneh— 
mern Ehre machen; und ein Ort mie Leipjig muß 
ſich für jeden Winter oder Sommer nah allen Ge: 
genden umfehen, und fehr oft mit einem Ausfhuß 
aufrieden fegn, der — —. Eind mir denn zu ohn: 
mächtig, oder zu laͤſſig und fiumpf, um etwas für 
uns felbjt zu wagen? Das Theater, das wir das 


unſrige zu nennen belieben, geht uns gar nichts an, 


und verläßt uns gewöhnlich, wenn mir einer ver: 
nönftigen Erhslung am meiften bedürfen. Geit 
Guardaſonis ſchoͤner Zeit, Üft uns außer der Meffe 
nur felten etwas Gutes geworden. Die Dresdner 
haben allerdings unter ihren Männern mehrere fehr 
wadere Künfiler; aber bas weibliche Perfonale ift 
dagegen fe ärmfich, als es nur bei irgend einer Ge: 
ſellſchaft ſeyn kann. Zwei oder drei gute Kuͤnſtlerin⸗ 
nen unter ihnen, find doch verhäitnißmäßig zu wenig, 
Kaum haben uns nun diefe guten Leute verlaffen, 
fo fomme gewöhnlich Herr Sekonda der Zweite, und 
ſchuͤttet die Kindlein mit dem Bade bei uns aus, 
eine Erfcheinung iſt fehr oft die Weranlaffung zu 
lauten Unerdnungen, die freilich dem Parterre auch) 
Feine große Ehre machen. Nicht felten entſteht fehr 
unzeitig und ungemeffen eine fo grelle Stockmuſik, 
daß mancher Monarch für feine größte Inſpektion 
Infanterie, hinlaͤnglich Trommler aus dem Haufe 
ziehen könnte, Schlechte Vorftellungen machen übel: 
launige und auch wohl Üübelgefirtete Zufchauer; und 
eins verfchlimmert gemöhnlih immer weiter das 
andere, Bei dem beftändigen Kommen und Abjichen 
entflebt nie ein guter, fefter, ernſter Taft des De: 
nebmens. Das ift allen Fremden hoͤchſt auffallend; 
und es thut mir felbft fehr leid, da mir die Ehre 
des Ortes nicht gleichgültig iſt. 

Leipzig wäre vielleicht durch feine Lage, feine erhält: 
niffe und durch die häufigen Befuche der Fremden, vor: 
zuͤglich mährend der beiden Hauptmeffen, vor allen &täds 
ten Deutſchlands am gefdidteften, ein fo genanntes 
National: Theater zu unterhalten; und mir. haben 
faum unfere eigenen Lampenputzer. So oft ich mich 
mwunderte und darnach fragte, febükte man ein Pıi- 
vilegium exclusivum vor, mit welchem die Hof: 
fbaugpieler Befchlag auf die Meffen, und alfo auf 
die befte Einnahme des Jahres legten. Ich konnte 
das im Anfange nicht glauben, weil es mir durchaus 
mit der Öerecprigfeitsliebe zu ftreiten ſchien, die ich 


überall in den Derfügungen der Regierung zu fehen 

ewohnt bin: aber rechtliche verftändige Männer ba: 
en much verfichert, daß es mirklich fo fer. Das 
Scaufpielmefen ift, daͤucht mich, mach jeder guren 
Einrichtung, der Polizei jedes Ortes Üüberlajfen, und 
fteht, wie alles Übrige, nur in fo fern unter der Ober: 
auffiche der Regierung, als Mißbraͤuche daraus ent: 
ffanden find, Weiter gehen die rechtlichen Verhaͤlt⸗ 
niffe ohne Druck nicht. Was vielleicht als lokale 
momentale Verordnung auf einige Zeit heilſam ſeyn 
fann, wird in andern Fällen, wenn es als Vorrecht 
gegeben und aufgebürdet werden fol, durchaus Un: 
gerechtigkeit. — Db jenes Privilegtum wirklich eriftirt, 
weiß ich nichts aber ich kann es mit dem liberalen 
Geiſte der Regierung nicht reimen, und fehe darin, 
außer der Echädlichfeit für Kunft und Geſchmack, 
einen beträchtliben Grad von Härte. Denn daß 
Leipzig oder irgend eine andere Stadt gezwungen 
werden foll, die Hoffchaufpieler zu ernähren, dazu iſt 
meder Recht noch Merbindlichkeit. Auch foll Herr 
Eefonda bdiefes Privilegium fo unbedingt gebrauchen, 
daß er fogar für die mechanifhen Marionettenhaiter 
Dreber und Schuͤtz, während feiner Anmefenheit die 
Derweifung aus der Stadt forderte, Herr Sekonda, 
ein quter, ordentlicher Kaffenhalter, allerdings ein 
Haupttalent eines Theater: Unternehmers, bat übri: 
gens für die Kunft jehr wenig höheren Einn, Dei 
den Griechen maren die yo angefehene Fennt: 
nigvolle Männer, und oft höhere Magiftrars : Perfo: 
nen; eben fo bei den Römern, Wir bekommen des: 
wegen noch Feinen Griechiſchen und Nömifchen Seit, 
wenn mir fie in paßlıchen Zällen nachahmen: auch 
wäre der Menſchheit mit folchem Geifte fehr wenig 
gedient. Zur Errichtung und Feithaltung eines fol: 
hen Inſtituts aber, follten felbjt von der Regierung 
Männer beftellt werden, die etwas mehr verftehen, 
als eine Rechnung abzufchliefen, einen Tranerarent 
zu ſtellen und eine Degengvafte zu binden, 

Leipzig bat fich ſeit dreißig und mehrern Jah— 
ren durch gemwinnüßige Anftalten aller Art fo vor: 
theilhaft ausgezeichnet, dab man beflimmt eriwarten 
Fann, daß bei wohl abgemeffener Unterſtuͤtzung von 
der Kommune und von wohlhabenden Privarleuten, 
menn Männer von Kunflfinn umd Einficht an der 
Spitze flünden, auch das Theater fehr bald einen 
beträchtlichen Grad von PVollfommenbeit erreichen 
würde. Die Defonomie fönnte in allem fparfamer 
ſeyn, febald fie feſt wäre. Die Muſik würde nicht 
mehr koſten und bald beffer werden. Man würde 
bald fingen lernen, wenn nur Einige einmal Enthu: 
fiasmus für Gefang befamen, Das Selpjiger Ton: 
gert führt Eympbenien fehr gut auf: auch Righini war 
mit unferer Anftrumentals Mufif zufrieden. Bach 
und Hiller und Andere find bei uns gemefen; Mara 
iſt gebiltet von bier ausgegangen, und Demoifelle 
Aal befriedige das Ohr der Kenner in Dresden. 

enn nur erjt das Hinderniß des Privilegiums über: 
unden und ein Echaufpiel gegründet wäre, an 
icherem Unterhalt rohrde es nicht fehlen, und die 
Keitit von außen und innen würde ihre Erdrteruns 
gen und MWeitungen reichlich geben; wahrſcheinlich 
weit mehr, als man mit firenger Ueberlegung ans 
wenden fönnte, eume, 


Is — 


Wilhelm Tell: aus dem ranzöfifchen 
des Herrn v. Florian frei überfegt. 
Ein Bruhftüd. ©. 13. 


Tas Seele war edel und bieder, fein Körper ge: 
wandt und voll Kraft. Unter allen Gefährten ragt" 
er der Größte hervor. Kühn erklimme er den Glet⸗ 
ſcher, den fchroffeften Felfen, durchmatete den braus 
fenden Wald: Etrom, fing fpielend die Giemfe im 
Yauf. Meächtigen Arm's beugt’ er die trokige Eiche; 
kaum verlegt‘ Durch die Art, brach er fie Frachend 
vom Stamm, trug den Baum und den Wipfel. 
An den feftlihen Tagen, dem Wettſtreit geweiht 
der Bogen + führenden Schägen, ſaß Tell, (denn ſchoß 
er, gewann fein Anderer den Danf,) unter den Preiß⸗ 
erkennenden Richtern, reif an Erfahrung und ab: 
ren, er der einzige Juͤngling, ungern im ehrenten 
Kreife, geborchend dem Wunſche der Brüder: Un: 
beweglich kaum athmend, folgt er flammenden Blid's 
den die Lüfte durchblikenden Pfellen. Yaut erfcholl 
dann fein Lob des Echügen, ber alle befiegte, 
freudig umfing den Mann, der mürdig war mit 
ihm ſich zu mefjen in dem Kampfe um des Echuf: 
fes Gewinn, Voch waren die Köcher geleert und 
unverlegt noch die Taube, rub’te vom ängftlichen 
Flattern, auf der Stange der Vogel dann aus, 
durchblidte mit arglofem Aug’ feiner Feinde un: 
mächtige Schaar: verderbend erhob fih dann Mil: 
beim, ergriff den furchtbaren Bogen und drei der 
tödtenden Pfeile. Tönend erzittert der Maft vom ers 
ften Schuſſe erſchuͤttert und an feffelnder Schnur, 
flattert von neuem der Vogel. Jetzt durchfchneis 
der das Band der zweite der fehmwirrenden Pfeile, 
ſchnell mit befreieten Echwingen flieht durch die 
tüfte die Taube, Blikend auf Efurm: Wind’s Fluͤe 
geln, in den Wolfen, ereilt fie der dritte: ächjend 
nörzet fie nieder zu den Füßen ber —— Rich⸗ 
ter, „m... 


Hans und Grete 
RNomanje 


Green feiert mein Gedicht! 
Auf dem Felde band fie Garben; 
Ibre Reize von (hem icht 
Eoieiten prächtig alle Farben: 
Eich! da kam von ungefähr 
Die der Sichel Hans daler. 


„Bruh Dich Bor!" — Ei, ſchönen Danf! — 
Blaue Augen ſchlug fie nieder, 

und die rotte Livve fang 
Mit der Lerche Moraenlieder, 
” und es wiegte fich mit But 

Ehwaries Haar auf weißer Brum, 


„Welch ein Enge!" — Mad geichah? 
Sans kam fchne auf den Gedanken: 
Grete fei für Hanſen da, 
Schier vor Zartlichteit erteanten 
Bohr er; doch geſund und rich, 
Blieb er, wie im Bach. der Fiſch. 


Ihm verfaate die Maturz 
Sie iſt gar zu eifenfere. 
Junerlich erkrankt er nur; 
Ooch behagt' ihm nicht Die bene 


— 152 — 


Un und jeder Arzenein 

Gegen herbe Licbetveim. 

Denn der Eheim, ein Hageſton, 
Epvlrte feinen Trieb jur Ehe, 

ob er gleich vor Sehnſucht fchmoll. 
„Ehe — rief er — bringt mur Wehe! 

Dein! ich lobe für und für i 

Sreibeit in der Liebe mir. — 

„Aber ach! mein Flehn erhört 
GSretchen nicht; — was da iu machen? 

Ob fie Echlanbelt wohl berhört? 
Lichesflammen amjufadıen, 

Iſt ein raſcher Dreher aut, 

Und ein Raͤuſchchen mehrt die Out. 4 — 

ah! und Gretchen ſchluͤrfte ein, 
Und im leichten Wirbeltange 

Schlummert· ihre Tugend ein. 
Hande ringend, aus dem Kramge 

xWankte fie mir mattem Schritt, 

— Nahm nicht alles wieder mit, 


unſer Hand indeſſen ſaf 
Wiedar bei der Flaſche und lachte, . 
Freudig leerend Glas auf Bas, 
Jungier Gretchen aber dachte: 
Du bethoͤrtet mich mit Wein; 
Bart'! ich bin nicht minder fein, 


Schlauen Blicks, mit raſcherm Schritt, 
Bodte fie des amdern Tages: 
„Komm doch, Hauschen, komm Doc mit!“ — 
Und am Ende des Gelages - 
Gab im Taumel und empfing 
Häuschen den — Veriobnigsring, 


O, wie matt und klaͤglich ſchlich 
Drauf der Bräutigam — zum Tempel, 
Als der böfe Rauſch entwich: — | 
Nehmt Ibr Hänfe dran Erempel; 
Denn das Zauber : Wörtchen : grau, 
Macht die Greten alle ſchlau. 


— — — — ——— AA — “ 
Niht-politifhe Zeitung, Nro. 26. 


Par ii 


€. Demoifelle Mathieu bat ein Waſchwaſſer erſunden, bad 
die Haut weißer macht, ihr Friſche und Sanſtheit giebt, die 
Sieden weaidaft u. f w.“ Das tft nichts Mertwilrdiges, aber — 
eine Kommiſſion von Chemikern Kat dieſe Komvofinon unters 
fact, ver Möglichkeit ihrer Wirkungen nicht widberfore 
dem umd ihr das Zeuanif gegeben, daß fie nichts Schad⸗ 
Tiches enthalte: — biefer legte Umſtand if wirklich eine 
mertwirrdige Erxitenbeit, 

— Huf den Theater de Ja Porte St. Martin hat ein 
Wielodrama: Tippoo : Eaib, oder die Eroberung von Gerins 
gapatnam, fomponirt von Aler: Viccini großen Weiralı erhalten, 
Bei der erſten Borkcllung tumultuirte das Parterre gewaltig, 
weil es die Darftellung eined Gieges der Engländer beieidigend 
fand; dor ſobald man bie eigentliche Beicdhiftenheit des Erückes 
entdeckte, nahm man es mit braufendem Beifall auf. Die Eug— 
Inder find nehmlich darin als die graßitichiten, ſchändlichſten 
Barbaren dargeſtellt, und das Stück fehlieht damit, dak Ihe 
Feldherr, im dem Angenblick ba er dem Merbenden Eultan auf 
dem Schlachtſelde will Ketten anlegen laſſen, vom Big erichta⸗ 
yen wird. 


— ton ber Geographie mathematique die Edme, 


Mentelle und der Däne Malte Corad Brun beraudgchen, 
iſt ſchon der achte Band erfchlenen. Dieſe Anzahl von Banden 
mus in Erftaunen fegen, aber die Herausgeber beynügen ſich 
nicht mit der mathematiſchen Geographie; fie erzählen ſehr um— 
ſtandlich die Naturmerkwirrdigteiten jedes Yandıd. Das Wert 
wird ſehr geſchatzt, und wie es fcheint, mit Mecht, 

Der Kampf der andern Zeitungen gegen das Journal Mes 
Debats (fein Grund ſchien zu fon, well es in der That oft 
ſchr intereijante Artitel entlielt und 10,000 mal gedrudt wird, ) 
bat nachzelaften: doch jeht beginnt ein neuer gegen den Publı- 
cite, der in der Gazette de Frauce, im Jourwal de Paris 
und im andern Blattern ſehhr Gaufis augegriien wird. Man 
muß geſtehen, er verdient es, denn er wird immer intereifanter, 
und feim Abſatz mimme wahrſcheintich mad Wanhsabe feines 
SIertbes zu. Der Redakteur scheint eine im Frankreich ſettue 
stenntnig der aushändiihen Literatur zu haben und bemupe ſehr 
viel auswärtige Zeitungen, inden die andern Blatter fich beamür 
gen, dem Moniteur nadzuberen. Mit niedrigem Heide fucht 
‚ daher manches andere Viatt ſogar Me politische Loyauid des 
Nedakteurs verbachtig zu machen Wie niedrig? Er verthei— 
bigt fi männlich, aber mit einlichtdvoner Masigung, 

— Man har berechnet, dag täglid 17,000 Menichen über 
Die neue Brücke gu Paris, le Pont des arts, gehn, und daii 


fie, da jider einen Sou bezahlen muß, in iehn Monat 160,000 
Franten eingetragen bat. 

— Es it ein Esprit de Mirabeau, in iwei Bänden er⸗ 
ſchienen, das eln vortreifliches Wert ſcheint. E$ fängt mit eie 
ner Bingranhie des gentevolien Redners an, bie feibit ſehr b% 
redt geſchrieben ül, dann folgen, dm vierzehn Buchern, Aus⸗ 
liuge aus den verſchledenen volitiihen Schriften Mirabeaus, ſehr 
einſichtsvou geordaet. Das erſte Buch beglunt mit einer Wider⸗ 
legung des Rouſtau'ſchen Paradoron, daff der Menſch im 
der Gejellſchaft aus arte. Mirabeau hat während der Zeit, da 
er Authei am der Revolution nahm, vierzig Schriſten heraus 
geacben, von denen aber viele nicht mehr auſßufnden find, — 
Sein fturigſter Wunsch war, Die Leitung der auswartigen Ans 
Helezenheiten zu erhalten, Wenig Stunden vor feinem Tode 
ſagte er; „Vieleicht ſchmeichte ich mirz aber Ich glaube in der 
That, win ich am Leben pliche, ich würde Pitt viel Kummer 
gerurfachen. * 

— Der Doktor Eaifert iu Paris, bekannt durch feine 
lacherliche Umgehaltung der Deutſchen Sprache, hat ein miedir 
sinijches Wert herausgegeben, das gelobt wird. In Deutfchland 
wird man indeß wohl die Franſoſiſche Weberfegung deſſelben 
mehr leſen als das Deutſche Original, weil jene felbſni Deutſchen 
verbindlicher ſeyn nun, als dieſes. Es beit: „Beitrage Jur 
ubſchaftlichen Arimeilchre der Güdten,* 





In London Gat ſich eine neue literariſche Seſellſchaft gebils 
det, unter dem Namen der „Athenienſiſchen Reiſenden.“die⸗ 
mand wird aufgenommen, der nicht im Athen geweſen if. Jeht 
bar die Geſetlſchaft adıtschn Mitglieder. Ihr Zweck ii wahre 
ſcheiulich das Etudlum der Griechiichen Aleribiimer, 


An Herm Hofrath Spazier. 


hat Ihnen gefallen, in Mr, 97. Ihrer Zeitung eine ſehr 
bösgemeinte Deutung davon ju machen, daf einer meiner Mit 
arbeiter Sie mie Ihrem gamsen Titef mannte, wie Cie Geb 
ed gewöhnlich Andern thun. Es wäre leicht zu beweiſen, Daß 
Ihre Deutung eben fo ummwahr als boshaft if, aber ich begnitge 
mic Fürs umd gut, Ihnen zu verſprechen? Es sol im Frei⸗ 
mirthigen nie mehr irgend jemand nachgeſagt werden, daß 
wer Ihnen eine Auszeichnung verlich. G. Merkel. 
Drudfebler. Iu Mr. 23. der Nichtvolitiſchen Zeitung 
Sp. 1 3. 2 von unten, lies: Fruchtbarteit de ffelben, 
ft. derſelben. Im ir. 167. des Sreimürbiaen &, 
148, Ep. 2 3. 14 vom oben lies Wehr: fl. Webren. 





1804. 


ARISTIDES, 





Nro. 169. 


» 


Der Freimuͤthige 


Freitag, 


E rn f 


und 


den 24. Auguſt. 


Scherz. 





Nu fi 
Uriania, (von Tiedge) fomponirt von Simmel, 


E. iſt von dieſer meiſterlichen Kompoſition einer 
trefflichen Dichtung im Freimuͤthigen ſchon die Rede 
geweſen, aber ſie verdient eine naͤhere Wuͤrdigung. 

Mit wahrer Innigkeit und Liebe hat der Ton: 
fünftler den Geift des Dichters gefaßt, nachempfuns 
den, ausgedrüdft. Die Muſik ift fo erhaben, fo ganz 
die Andacht des Gemuͤths erweckend, wie die ſchoͤne 
Dichtung ſelbſt. Das erfte Lied, die Weihe, ift fehr 
innig und bedeutend. Auch ohne Tert würde man 
ahnen, daß die Töne von einem erhabenen Gegen: 
flande reden. feierlicher ift der Geſang an die Hoffe 
nung. Das Herz fühle ſich unſichtbar emporgehos 
ben. Sanft erfephtternd tritt die Klage ein: „Gott! 
ein Bott! ach irrend ſuch' ich ihn!” Die Strophe: 

Draußen in ber blaugewölbten Halle 
Seines Tempels, fuch ich feine Svur, 
Suche Hoffnung, Troſt und Rub' und falle 
Welnend in bie Arme — ber Natur, 

iſt trefflich gegeben, Dann wird der Gefang tiefer 
und ſchwermuͤthiger, bis Xroft aus lichten Fernen 
beräberftralt, und die Mähe des Unendlichen verkuͤn⸗ 
big. Da ermannt ſich das Gefühl: „Es fei fein 
Sort? und tobt find diefe Himmelsflammen ? Nein, 
fei auch mit Dunkelheit des Pilgers Pfad umfchleiert: 

Der Tagend dnet fich das Reich der Harmonie, 

Natur und Tugend — hin jur Gottheit führen fit. 


Jetzt erhebt fih ein felerliher Hymnus an Gott, 
vol Ausdruf und Kraft. Maͤjeſtaͤtiſch beflügeln die 
Adorde den großen Gedanfen des Dichters: 

Es in ein Gott, antworten bie eroigen Eterne 
Durch das Gewolbe der Natur, — 

Es würde zu weit führen, bie Schoͤnheiten bie 
fes Werks weiter zu erörtern, die fih ohnehin mehr 
empfinden als beſchreiben laffen. 

Doch auch einige Fehlariffe bat fich der Verf. 
ju Schulden fommen faffen. Die fanfte Strophe: 

Mir auch war ein Beben aufgegangen, 
Beides reich beträuzte Tage botz 
An der Hoffnung jugendlihen Wangen 
Vluhte noch das erſte jarte Rote — 
Hat eine Melodie mit der folgenden: 
O der Helle, die dem guten Gchmwärmter, 
Nichts in zeigen hat, als feine Mat! 
O des Lichtes, das ben Glauben ärmer 
und die Welsheit doch wicht reicher made | 
Ein und derfelbe Ausdrud bei ganz entgegenge: 
fegten Empfindungen ? ‘ 
Ferner in der Stelle: ba, welch ein Gottes: 
dient der Nahe? — und doch Fein Bott?" er 
wartet man einen mächtigern, aufwallenderen Ausbruch 
des Gefuͤhls. 
Zwoͤlf Canons flr drei Singftimmen, (mit Deutf. und 
Stal. Tert,) von Naumann, (aus deffen Nachlaffe.) 


Der kleinfte Nachlaß eines eben fo gründlichen als 
garten Komponijten, wie Naumann mar, wird den 


— 154 — 


(Freunden der Kunſt intereffant und angenehm feyn. 
Diefe Canons find freilich nur für Liebhaber, aber 
für diefe um fo erwuͤnſchter. Sie find nicht ges 
wöhnlich, nicht leicht und unficher hingeworfen, fons 
zern voll Wohlklang, Rhythmus und gefchidter Ders 
Bindung. Es iſt Schade, daf die drei Etimmen nicht 
untereinander gefekt worden, das würde das 
Einfallen weniger erfcpweren. Auch follte der bzjif: 
ferte Baß jedesmal unter der Singſtimme, und nicht 
‚su Ende des Canons fehen, 


Fanchon, dad Leiermädchen. Erfter At. Nach dem 
Franz. Vaudeville, bearbeitet von A. v. Kogebue, 
fomponirt von Himmel, (Clavierauszug.) 


Eine heitere, tändelnde, und doch finnvelle Muſik, 
die den gewöhnlichen Opern : Galimathias weit hin: 
ter ſich laͤßt. Die komifche Darfiellung in einigen 
dieſer Arien bat nicht jenes Poffenhafte und Bur— 
buske, das dem feinern Ohr unerträglich it, Das 
Naive und Ruͤhrende in der Erzählung des Leiers 
miädchens, hat ber Komponift trefflih aus zudruͤcken 
gewußt. Auch ſtoͤßt man nicht auf efelhafte Wieder— 
dolungen und Ausdehnungen mancher Lieblingafäße: — 
man fieht, dab es der Phantafie des Verf. nicht 
an Stoff fehle, und daß er ihn geſchickt zu verbrau⸗ 
“en weiß, Mur achtet er nicht immer auf die Skan— 
Fon und das Sylbenmaaß der Wörter, — wie z. B. 
in ber Etelle, die er fo ſtandirt: 
w va Tu —— — 
aleicht es don den Minnerk allen dem Jımaling wohl? 
Das Aeußere diefer drei Werke (fie find bet 
Rudolph Werfmeifter in Oranienburg erfchienen,) 
iſt fehr nett, veinlih, und der Drud deutlich und 


ſchoͤn 
Schreiber. 


Eine merkwuͤrdige Scene, im Schloſſe zu 
Neapel. u 
tAus dem dritten noch ungedruckten Theileder Reife 
von Glogau nach Sorrent, von Bendomwip. ) 
enn der König, oder die Königin, oder ber 
Kronprinz ausführt, fo ereignet fich etwas, daß zwar 
nicht fehr feierlich, aber dennoch dem Beobachter fehr 
wichtig iſt. Mor der Thür im innern Hofe des Pal— 
laftes, aus welcher fie berausfommen, verfammelt 
fih eine Menge Menfchen, in deren Antlig nicht ge 
rade Freude und Wohlbehagen gefchrieben ift, fons 
dern: vielmehr ein gewiffes Elend, das vom Hunger 
berzufommen fcheint, Aengſtlichteit und Bloͤße. Sie 
tragen Papiere in den Händen, und reden zu Zeiten 
mit Leuten aus dem Echloffe, die ab und zu gehen. 
Endlich erfcheint die Königliche Perſon. Dan 


merft es an ber plößlichen Bewegung und an dem 
Dordrängen. Da die Treppe dunkel iſt, welche fie 
gewöhnlich herunterfommt, fo treten einige Pagen 
mit Machsfadeln vorauf. Sobald fie aus der Ihüre 
hervorgeht, erhebt fih ein bittendes Gemurmel, zeigt 
fi ein allgemeines Beſtreben, fi bemerkbar ju ma: 
chen, und werden die Bittſchriften mit der möglich: 
fen Empfehlung dargeboten. Die Königin empfängt 
fie mit Lächeln über das Audringliche; der König 
mit einem gemwilfen Wohlwollen, das feiner Miene 
eigen iſt, der Kronprinz mit einiger Aengſtlichkeit. 

Ah, es find fo viel Bittende, und fie mögen 
wohl nicht alle erhört werden koͤnnen; font müßte 
es auch für ein rohes Gemuͤth wohl ſehr füß ſeyn, 
fie zu erhören, Mit vieler Ruͤhrung habe ich von 
niehrern Lippen die bittenden Worte: pane, Maestä, 
pane! ausrufen hören. Denn es iſt leicht einzufe: 
ben, daß nach einer Kevolusion, mie fie in Neapel 
Statt gefunden hat, und wobei fo viel Menſchen ihre 
ganze Zubfiftenz verloren haben, großes Elend berrfchen 
muß. Viele Hunderte, die eine Königliche Bedienung 
hatten, und die während der Kepublif eine Repu— 
blifanifhe annahmen, oft nur, um leben zu koͤnnen, 
ſchmachten jegt in der tiefften Dürftigfeit. Iſt es 
Wunder, daß die Königliche Familie immer mit Bit 
senden umgeben ift? 

Aber es fcheint, als wenn fie während ter Res 
volution auch eine große Bittterkeit aus den mancherlei 
Beleidigungen und Echmähungen, die ihr wider: 
fuhren, werunter auch eine jehr fehredliche Canzone 
di Carolina Maria ift, eingejogen bat, und nice 
immer fie verbergen kann. 


Eine Meine Anefdote vom König in Neapel, 


Eine arme Offiziersfrau, die ihren Mann in den 
revolutionären Unruhen verloren hatte, und mit mehr 
rern Kindern bülfios geblieben war, fuchte Gelegen« 
heit, fih dem Könige zu nähern, als er ſich in dem 
Garten zu Gaferta befand, und bat demüthig um 
Hülfe. Der König blieb verſchloſſen. Eie fuhr fort, 
zu bitten, umd führte unter andern an, daß ihr 
Dann in der Campagne geblieben fei, „Was für 
eine Campagne? rief der König, es ift Feine Cam— 
pagne gewefen; meine Truppen baben mich gleich 
‚anfangs verlaffen!* Die Wittwe entgegnete, ihr Mann 
fei dem Könige treu geblieben, &s iſt nicht wahr, 
rief der König, nissune mı’e stato fidele, Feiner iſt 
mir treu geweſen; — diefer allein, fegte er hinzu, in: 
dem er auf einen Jagdhund zeigte, den er gerade 
bei ſich hatte, diefer allein iſt mir treu geblieben, 
Die Wirwe ließ fih noch nicht abichreden, fondern 


u? > Si 


feßte vielmehr hinzu, fie bäte auch nur um fo viel, 
als die Hunde befämen, — um mit ihren Kindern 
davon leben zu können, 

Diefe unter Ihränen vorgebrachte Bitte frap- 
pirte den König; er ſchroieg einige Augenblide fill, 
und fagte endlich zu einem Diener, der in der Naͤhe 
war: gieb ihr zwei Unzgen! *) 

Diefe kleine wahre Gefchichte mag einen Finger: 
zeig geben, weich ein vermundetes Herz man bei 
dem König, und wel ein Elend man bei der Da: 
tion vorauefehen muß. Die fieben Thaler waren 
nur eine Eleine momentane Hoͤlfe. 8-5. 


Bon dem Mutzen oder der Unentbehrlicyfeit 
der Bettler in wohleingerichteren Staaten. 


E⸗ iſt jetzt Mode auf die Bettler leszuziehen und 

auf die Juden. Da die letzten keiner Vertheidigung 

beduͤrfen, ſo will ich die erſten hier mit einigen Ge— 
dankenzuͤgen vertheidigen, welche ein beſſerer Kopf 
in der Zukunft ergaͤnzen mag. 

1) Man wirft ihnen Muͤßiggang vor, aber mit Uns 
recht; denn in einigen Erädten, 3. €. Yondon, 
Dieapel, giebt es Bettlerzuͤnfte, die ihr Gewerbe 
als ein Handwerk, eine Kunft anfchen. Und 
iſt nicht das Betteln, fogar das Euppliciren, 
(wär's auch um einen Kub) Me fauerfte Arbeit? 

2) An ihnen lernt man om beften, nebmlich durch 
den Augenjchein, wie gut es ift, wohlhabend 
zu ſeyn, um miht bettein zu dürfen. 

3) Da der Etaateverein nur das bezweckt, ſich ſelbſt 
unnöthig zu machen, mit andern Worten bie 
Tugenden feiner Bürger, unter denen das Mit: 
leid, als eine Species der Müchftenlicbe obenan 
ſteht, fo u erhöhen, daß man Feiner Gefeke ges 
gen Verbrechen und Lafier weiter bedarf, fo follte 
der Staat viele Bettler halten, oder machen, 
damit fich die andern Bürger dabei in der Tu— 
gend des Mitleids üben können, welche fonft 
einroften möchte, wie ein ungelibtes Gedaͤchniß. 

Manche Etaaten, j. &...I... und,.n 
k. .. follen dies Syſtem befolgen, und mit wies 
lem Erfolge Bettler machen, Tröftet Euch, ihr 
noch wohlhabende Bürger! Denn Geben ift 
feeliger als Nehmen, — und wird die Reihe des 
Nehmens nicht auch bald an Euch kommmen? 

Hierbei möchte ich den Regenten noch ein 
Mittel vorichlagen, den Grad der Gutmürbigs 
feit ihres Volks zu erſorſchen, einen wahren mo- 
ralometre. Wäre ih Fuͤrſt: fo theilte ih, nach 





+) Zwei Goldſtucke, ungefahr ſieben Thaler Werth, 


Parifer? Weiſe, permissions de mendier aus, 
und fände auf dem Kaffenboden diefer Leute das 
Kefultat der Volksguͤte präcipitirt, 

4) Sie lehren die Keichern Vorficht, eine nuͤhliche 
Eigenfhaft in diefer Welt, Bewahren dieſe ih— 
ren Geldüberfluß nicht ordentlich: fo überneh— 
men jene, gutmäthig genug, die Derwaltung 
dejfelben und bringen ihn gehörig unter die Leute, 

5) Eie befördern dadurch und Überhaupt, den Gelb: 
umlauf, wenigftens der Pfennige, eine dem 
Staat erwuͤnſchte Sache. 


6) Sie find den kuͤhnen Romanciers nuͤhlich, deren 
Helden oft von jenen Kleider borgen, um einen 
geheimen Plan aufzuführen. 

Daher mag es denn kommen, daß dieſe Hel: 
den, wider den Willen ihrer Echöpfer, oft [pre 
chen und thun, wie die Straßenbettler. 


7) Eiereinigen, weil man es ihnen giebt, die Städte 
vom ſchlechten Brodt, verdorbenen Fleifh und — 
pediculis, wie der Blitz die Luft von böfen Dünften, 


8) Siebe «8 ein Fräftigeres Beiſpiel, einen helleren 
MWarnungefpiegel vor allem Uetelthun, für Etaatss 
bärger, als wenn ein Böfewicht, gewöhnlich ein 
Bettler, gerichtet wird ? 

9) Wären fie nicht, wovon follten die Armenvoigte 
leben, die man fonft nicht brauchen fann? 

10) Was follte man mit den Armenbäufern anfangen ? 

11) Ohne fie wäre das Talent der Geſetzgeber nicht 
gewedt, die uns mit fo guten Geſetzen wider das 
Betteln beſchenkt haben. ıc. ı. 

9. ©, 


Die Ahnung 
Weiſſagend flüfert, waltender Grulut, 
Ini Janern deine Stimme der Seele ie, 
Was fern, durch Zeit und Raum geichiehen, 
Weistich das Schirfal in Schatten hüllet. 


Du Ime det Frohen Tritte vom Mofenpfab, 

Wo graufe Schlunde gränien, dem Traurenden 
Zeigſt du berubigend auf dunkelm 

Hrerweg den Ausgang sum Wonnsiele, 


Dem Yüngling, weichem Piche mie lächelte, 
Malt du im Tramme liehlich der Holden Vild, 

Durchſttromſt mit ſerl'gen Vorgefühlen 
Heryen , die liebend um Liebe ſichen. 


Wenn am dis Lebens Abend dem Müden end 

Der Danınerung Schleier tisier amd tiefer finkt, 
Dann triufeit, Troerin, du dem Matten 

Hoffnung und Fritden im die finkende Eeelt. 


M— 6. 


Charakteriſtik der Dichtungen. 


Ein Fragment. 
— Die Fabel birgt im leichtgewebter Hulle 
Geheimen Sinn dir bildlihen Naturz - 
Der Nomrben Ohr auf Miller Hirtentur 
Enziickt das Teile Melos der Jdnde 
Buf Stüten ſchwebt, dem Zeabir gleich, bad Dieb, 


156 — 


Dem Aug entlockend fanfter Rübruma Thränem, 
Fum Weihgeiung des Gottlichen, entaliht 

Der Hymme Kraft die Wellen der Kamönen. 
In ſunen Lauten art die Elegie 

Der Piche Schmerz, der Wehmuth ſtiltes Sehnen; 
Die Ode ſturmt den Flug der Phantaſie, 

Das Hechſte feiernd in der Undacht Tönen, 

Ch. Schreiber, 


— —— ⸗—7—⸗—ñ —— — 


Niht-politifhe Zeitumg. Nro.27. 


A. St. Petersburg, den 27. July (a. St.) 1804. 
22. biefed wurde die hohe VBermählung umferer liebens⸗ 
würdigen Großfürftin Maria Pawlowna mit Er. Durcht. 
dem Erbpringen von Weintar voſtzogen. Seit dem Nezierunasanı 
tritte unferd gelichten Monarchen, wurde bieier Tag jahrlich, 
als der Mamendtag der Witwe Kalferin, mit einer Illumimas 
tion und Masterade im Peterhof gefeiert, welches aber für dies 
Jahr auf den 28. verlegt if, — Die Vermäblung wurde in 
der Stadt volljogen, in Gegenwart bes gazen Hoſes von dem 
Metropotiten, im Beleg desßeneral-Superitrendenten, Hrn. Reun⸗ 
bott. Ein ſolcher Tag iſt genugreicher für dem Zuſchauer, alt 
für das erhabene Paar, dem Die Feder gilt, denn der Ans 
blid einer Kaiferliben Braut in ihrem prachtvoiten Schmucke, 
der noch von Schoͤnheit und Unſchuld itberfieait wird, iſt ger 
weiß fehr reigend. Mm acht Uhr des Morgens verkündigre der 
Donner des Geſchutzes der Stadt dem ferlichen Tag, und da 
ſchwaugen fi aus jedem Herren die innigſten Wunſche und 
Gebete ju dem Geber dieſes Tages empor. — Dies if die 
dritte holde Blüte vom unſerm Kaiſernamm, bie aus dem was 
terländiichen Boden in Deitidlands Fiuren verfgt wird. Die 
Ghiveßerbläten, Die zuerd dies Boos trar, welften ſo frub, — 
fo früh dahin. Wergeibt Ihr guten Deutihen, mern wie nur 
mit Zittern auch dieſe Euren Gerriden zumenden ſehen. Midge 
fie fange unter Euch bien, und dem echten Deutſchen Fiiritens 
ſtamme, den fie ſchmückt, herrliche Seiire tragen. Ihr wer 
det Die Fluren des Nordens ſegnen, denen fie entioroß; lañt 
und Deutichlandd Fluren ſegnen, wo fie binhen wird, Nach 
der Trauung, welche zwiſchen 11 und 12 uhr Statt fand, war 
offae Tafel, zu der Jedermann als Zuſchauer zuzelaſſen wurde. 
Hier fah Alerander dm Kreiſe feiner Familie, die fich eben ſo 
che durch Schönheit, als durch Menſchenſteundlichtelt und Gate 
aussichne, Weldh eim interefanter Anblick; Nicht die Kaifere 
liche Pracht, die jede Beſchreibung am Diem Tage übertraf, 
nicht der Glam der erbabenen Verſammlung, nicht der Geſchmack, 
der Muülands Zeiten eigen dit, Die Herzen die man unter dem 
Yurpur kannte, ſeſſelten die Buke der zahlloſen Zuſchauer. 
Den Abend war bei Hofe Bau und drei Abende hinter eſnan⸗ 
der war die Stadt erleuchtet. Vorznglich ion nahm ſich die 
Feſftung and, deren Sranitzchanzen auserk geſchmafooll wit 
Serons in Yrillantiewer erleuchtet waren. Dive Feſtung, Dar 
ters des Großen Wert, worin die Cathedraltirche, melche die 
entieeiten Hunen der Kalter von dem Grüuder Petersburge und 
der Oröhe Nudlande, bis zu dem letzten Herrſcher hinab ent⸗ 
hätt, und die Münze und die Staategeſangniſſe fich befinden, 
entſtarrt mit ihren Felſenwanden einer Heinen Infel der Tewa, 
deren Wogen Me Mauern beſrulen. Es war ein berrlicher 
Abend und der Epicgel des floisen Stremes ſtralte taufeıdracdı 
den Glanz der Lauwen Wieder, der einem Nordlichte gleich den 
Horisont entſſamuite. Da amd die im ſtolzer Pracht, einem 
Frenſchloſſe ähnlich, und der Zuſchauer konnte fie mir dem bes 
ruhlaenden Bewußtſeyn bewundern: Die glanıendın Mauern 
Hallen nicht etwa von dem Angſtgeſchrei der unterdrärtten Uns 
fchwid wiederz Alerander ommite ihre Kiegel und Tauſende 
entwantten dem dunpfen Kerter, nd erhoben ſegnend ihre reir 
ſelfreien Hande an Himmel, und das Srammeln bes Dante 
drama durch bie Worten. Jetzt baten fie vom Jauchzen froher, 
gifieftidher Menſchen wieder, und nur das Rerbrechen rat 
mit einer Kerte, menſchlich gerichtet und menſchlich behandelt, — 
nicht ſamoder Bilttühr, der Gerechtigleit Ooſer. — Rußer 
der Feſtung jeichneten ſich vorzuglich die Hauſer der Cngliſchen 


und Schwediſchen Geſandten, und des Oberkammerherru 9 as 
rifdlin, ans — Den 24. ging ber Hof mach Veterhof, 
wo Kalle mir Schauſplelen und andern Frierlichleiten abwechſein, 
bis den 28., wo Öffentliche Masterade, JUumination und, wie 
es helät, Feuerwerk ſeyn wid. — Dee Zudrang wird gewiß 
aufierordentlich ſeyn, denn die anflandine Unaenwungenbeit, bie 
jegt im ber Nahe unſers Herrſchers Statt finder, erhöht dem 
Gennuß des reigenden Geh. Eine Illumination im Petersburg 
iſt übrigens an fib unftreitig eias der bezauberndſten Schau ⸗ 
ſpiele. Die hohe Lage des weitlauftigen Schloſſes, welchts die 
gande umlienende Gegend beberricht. der herrliche Park, der ſich 
mir feinen Schatteugangen in den Terraſſen Ds au den Wogen 
des Meerbuſens binabiente, Die Waſerlunſte und Farcaden, bie 
in den Farben Des Regenbogens über die brennenden Lampen bins 
wegſchaumen: — hätte ich ein Funtechen Dichtergeiftes in mir, ich 
wirde verſuchen, den Zraber im Worte zu faſſen; — bie gemeine 
Sorache der Grerblichen vermag 03 mich. 

Bald nach ben Feierlahkeiten wird das hohe, neuvermäblte 
Vaar, wie es beiht, mad Leim, in die Arme der Herjoalis 
dien eltern eilen, dann aber wieder urn ffhren, und bier 
einige Reit im Schoone der erbabenen Kaiſerfamilie gubrinacn. 
Bon ber Pradıt der Ausſeuer, Die auf mehren hundert Waacen 
vor einiam Wochen bereits nach Deutſchland abgegangen iſt, 
kann man ſich darand einen Begriff machen, baf eine Neihe von 
Sackchen mit Perlen bon verſchtedener Grozge angernlt waren, 
ueberhauvt enthait eine ſolche Ausſteuer alles, was am einem 
Furſtlichen Haustande achört, his auf dir Mabein und das Kir 
chengerath Ginab, Der Transport allein koftet an 20000 bl. 

Der Begleiter des Erborinien, der Herr von Wollzogen, 
bat eine Dofe mit Brillanten, und dem Budulſſe des Kairerd 
erhalten, die auf 20009 Rubel geichtgt wird. Auch Er. Durch ⸗ 
laucht haben verihiedene Dofen mit Ihrem Ehii:r den Grosen 
des Hoſes verehrt. — n. — 


Untlam, am 15. Auguſt, 1804. 


An der vergangenen Woche bettelte bier im Autlam ein armer, 
ſchr Kabine getleideter reijender Dandwerköburiche, In ber breir 
ten Wollwebertraße hörte er im einem Hauſe auf fein ſchüchter ⸗ 
nes Klopien am die Ihre, ein ſchwaches, weinerliches Ger 
ein, und da er fie ofnete, fand er cine abgezehrte, ſeit fange 
traut Iegende Fram, die Wittwe eines vormals beim Regiment 
von Schonſeld, ietzt von Bort, das in Greitig garmionter, 
deſtandenen braven Unteroſſiuers, Namens Lareque. Dal hier 
für ibm michts zu erwarten ſtehe, ſah er denn nun wohl ein, 
er empiabl daher die Leidende, maddem er ſich eime kurze Zeit 
über ihre tummervotle Lage unterhalten hatte, diem Schute der 
Vorſehung und ging weiter. Aber was geſchah nach funf Arms 
den? Die Tbitre Ofnere ſich aufs neue, und firhe, der Hereins 
tretende war wieder der Dandwertsburide, die Taſchen voll 
Brod, die Hand voll Kleiner Munze. Hier Murter, iprach er, 
bier ſchictt Dir Gott etwas durch mich, legte darauf Brod und 
Geld, was cr mit Ghriabr dis Verluſtes feiner Freiheit gefams 
melt hatte, {denn jeder aufgegriffene Bettler wird nad dem 
Arbeitsbaufe zu Mchermimde geidict, und ba auf einine Zeit 
au nützlicher Thätigkeit angehalten,) anf den Tiſch, und vers 
ſchwand, ehne den Dank der Kranten abzuwarten. Auch bat 
ten Lob umd kein Geid eins biefigen Reichen dieſem braven 
Manne feine Handlung vergolten, denn nun war er auch dir 
alte verſawunden. — Nicht wahr, dieſe edle That lagen Eie 
Abren Frelmthigen gern erzahlen? — 


— — — ——— — 


1804 





ARISTIDES, 


Nro. 170. 


Der Sreimüthige 


Eonnabend, 
ern f 


Kezenfionen 
Der Tempelberr Zwei Theile, 


Dar Merf, diefes Romans fol auch Verf. der He 
liodora oder Lautenfpielerin aus Griechenland fein, 
die, als Bluͤthe eines jugendlichen Genies, zu angeneh: 
men Erwartungen berechtigte. Der Tempelberr hat 
aber diefe Erwartungen leider getäufcht. Er fchreitet 
fo matt und fraftlos, oder vielmehr fo ungeſchickt und 
harafterlos einher, als nur irgend einer der Ritter 
aus Yulpius, Tramers und Epieffens Kittermagazie 
nen. Es ift weiter nichts darin, als ein langmei: 
liger Zug gen Egypten, eine noch langweiligere Kit: 
ter: Siebesgefchichte in zweckloſer Verknüpfung, zu einer 
alltaͤglichen Aufiöfung ins Nichtsfagende, wie das 
legte Decennium in der Romanen: Fabrikenwelt hau: 
fenweife geliefert, und jeder Leſer von Geſchmack und 
Geiſt laͤngſt unter Makulatur verbannt hat. 


Moderomane, von Ernft Nachersberg. 
Glogau bei Guͤnther. 


Moderemane? — Was ließe fih da nicht er 
warten, wenn Wis, Laune und Phantafie das Ganze 
gebildet und belebt hätten. Aber diefe? — Es find 
feine Romane; es find Fleine Erzählungen, matte, 
ſchwerfaͤllige Darftellungen uninterejlanter Begeben⸗ 
heiten, halsbrechend erfonnene, langweilig dialogifirte 
Scenen, verliebte, Ballenweis ju Kauf ſtehende, oft 
genug befchriebene Empfindeleien und verbrauchte 


uh 





— oder 


— den 25. Nuanf, 


ı © er; 


 ——— — — 


E entenzen, in Geſchichten verwoben. Dies fünnte 
‚man zwar — indem die Mode in der Wielheit bes 
fteht, und abgefhmadte Romane die Vielheit unfrer 
Literatur ausmachen, — auch Moderomane nennen; 
aber modiſch, etwa wie der Putz unfrer Köchinnen, 
E chleufinerinnen, Kellnerinnen :ıc., zuſammengeflickt 
von allerlei abgetragenen Fragmenten ber gnädigen 
Herrſchaft, — ohne Sachkenntniß, ohne Erudium 
des Schoͤnen, Charakteriftifchen, ohne Phantafie und 
gefallende Wahl. 
K— pf. 
Schilderung der Sitten in Augsburg, in 
dem XVII. Jahrhundert. 


Ein Gegenſtuͤck zu der Schilderung der Sitten in 
Yugeburg, in dem XVI. Jahrhundert. 


Die Sefahren und Drangfale des dreißigjaͤhrlgen 
Krieges waren überftanden, vieles kehrte wieder im 
fein altes Gieis zuruͤck, vieles aber hatte fich ge: 
wendet, vorzüglich aber die Sitten nicht nur in ganz 
Deutfchland Überhaupt, fondern auch unter den eins 
jenen Etänden in den Städten, und befonders auf: 
fallend war dieſe Umwandlung in Augsburg, 


Die alte Einigfeit unter den Bewohnern dieſer 
Etadt hatte ihr Ende erreicht, und der immerimehr 
um ſich greifende Religlonshaß, — die ſchrecklichſte 
Gattung von allen Gattungen des Haffes, — ver: 
hinderte immermehr allen gefelligen Verein. Es mar, 


eines der vorzuͤglichſten Vergnügen der Bewehner 


Augsburgs, durch DBerfolgungen, Schmaͤhungen, 
Öffentliche Echimpfreden, Neid und wie alles das 
Gefolge des Religions: Haffes heißen mag, einander 
zu verfolgen, und immer fuchte ein Religionstheil 
hierin den andern zu übertreffen. Schwer möchte es 
auch feyn, zu beffimmen, welcher von beiden die Sch: 
ren: vertraget euch unter einander und erbaue einer 
den andern, — abſichtlich mehr aus den Augen fekte. 
Nicht nur die Kirchen waren bie Orte, in welchen 
der Verfolgungsgeift fich vorzüglich Auferte, (die Con: 
trovers: Predigten aus jenen Zeiten find befannt,) 
fendern die öffentlihen Etraßen waren oft, wie die 
Dier: und Weinfchenfen, die Kampfpläge, auf wel: 
chen ein jeder fein Glaubensſyſtem nicht allein mit 
der Zunge, fondern auch mit der Kauft zu behaupten 
fuchte, und man erzäßle fich von Predigern, daß fie 
fih auf der Straße in Handgemenge einliefen, 
Yange dauerte dieſes Unweſen, ja die Hyder der 
Zwietracht iſt in Augsburg noch bis auf den heutigen 
Tag, nicht vollfommen in ihre Höhle zurädgefehrt. 

Noch ſchuͤttelt fie oft ihre Feſſeln von fich und erregt 
Auftritte, welche verdienten, von Männern der Eache 
fundig, aufgezeichnet, und dem Publifum, ala ab: 
ſchreckende Beifpiele vorgelegt zu werden, "Oft dem 
Anfchein nach unbedeutende Urfachen, ja fehr ver 
nünftige Imwede, geben noch heut zu Tage Anlaß zu 
Verfolgungen, — — Doch wohin verliere ih mich — — 


Diefe traurige Verhaͤltniſſe ſchnitten ſchon gegen 
das Ende des ſechezehnten Johrhunderts, und noch 
mehr nach dem breißigjährigen Krieg, allen gefelligen 
Umgang in Augsburg mit einemmale ab; und nicht 
nur allein zwiſchen den beiden Keligionstheilen, ſon— 
dern auch zwifchen den beiden Geſchlechtern. Die 
Männer verfammelten ſich unter einander an beftinme 
ten Orten, und eben fo auch die Frauen, und jeder wird 
leicht erfennen, daß eine folhe Trennung nie den 
vortheilhafteften Einfluß auf den gefelligen Umgang 
bat: denn gemifchte Sefellfchaften find unumgäng: 
lich erforderlich, zur Belebung der Gefelligfeit, jur 
Derfeinerung der Kitten, zur Erbelung, jur Ausbil— 
dung des Geiſtes. Der Zutritt der Fremden in Ge 
ſellſchaften, welcher doch fo fehr zu allgemeiner Bil: 
dung führt, wurde nicht nur fehr erfchwert, fondern 
beinahe unmöglich gemacht, und die alte Hofpitalicät 
der Augeburger war erlofchen. 


So fehr auch Augeburg durch den faum beens 
digten Krieg gelitten batte, fo nahm doch bei feinen 
Bewohnern Lurus und Heppigfeit bald wieder Über: 
band, Die Frauen trieben in Echmud und Kleidung 


große Merfchwendung, das Hauegeraͤthe war, nad 
damaliger Zitte, prächtig, der Lurus bei den Fami: 
lien: Gaſtmahlen greß, und manches Haus, das ſich 
kaum von dem Kuin des Krieges erholt hatte, rich: 
tete fich durch Luxus abermals zu Grunde — 


Mir Stillſchweigen will ich hier die damalige Sitte, 
mie fich die Frauen in Augsburg kleideten übergehen. — 
Die Hochzeiten waren in den damaligen Zeiten ein 
vorjüglicher Gegenſtand der Verſchwendung, nicht nur 
bei den fen Eründen, fendern durch alle Volks: 
klaſſen hindurch. Nicht wie heut zu Tage, wurde eine 
Hochzeit nur von den nächften Anverwandten des 
Brautpaares befucht, fondern wenn irgend ein Hand: 
werfemann die Dienftmagd aus einem angefehenen 
Hauſe heiratbete, fo wurde beinahe der ganze Magie 
firat, die Kaufmannsfchaft u. ſ. w. mit ihren Frauen 
und Töchtern dazu geladen, Ehrbar erfihienen bei die: 
fen Feſten die Männer in Mantel und Kragen, zud 
gingen oft unmittelbar aus der Rathoſtube zu denfel: 
ben, und ihre frauen waren die Brautfrauen, ihre 
Töchter die Kraͤnzlein⸗ oder Kranz: Jungfrauen. Die 
Tiſche waren mit Zpeifen belaftet und die, welche 
nicht genoſſen werden Fonnten, wurden durch die aufe 
laurende Mägde, unter der Benennung „Abfchröd: 
len“ (wahrſcheinlich entſtand diefer Provinzialiemus 
aus dem Wort Abſchroden, daß fo viel als Abraͤu⸗ 
men bedeutet, ) mach Haufe gefihict. Nach der Mahk 
zeit wurde getanzt und nun erfihienen diejenige junge 
Herren, welche nicht zu dem Feſte gebeten waren, 
um an den Tanze Theil zu nehmen, welches mit 
einer eigenen Benennung „hinter den Tanz gehn" 
belegt wurde, Den Tag nah der Hochzeit wurte 
von den Gaͤſten die Mahlzeit bezahlt, und dem 
Brautpaar ein Geſchenk gemacht. — Auch diefe 
Gelegenheiten waren kein Muſter von Geſelligkeit, 
denn bei den Mahlzeiten ſaßen die Maͤnner an ab⸗ 
geſonderten Tiſchen, und die Frauen ebenfalls, und 
die jungen Leute ſprachen ſich nur während des Tanzes, 


Nah dem Gange der Tagesordnung war der 
Fuf, auf welchem eine familie in Augeburg in den 
damaligen Zeiten unter fich lebte, nicht prächtig. Die 
Freu, Kinder und Moaͤgde bewohnten ein und darfelbe 
Zimmer, oft auch der Herr, oder er lebte, war er 
ein Kaufmann, auf feiner Schreibſtube, oft aber war 
feine Wohnung ser durch eine dünne, bretterne Wand 
von dem oben erwähnten Zimmer getrennt, welche 
nicht vollfommen bis an die Dede reichte, damit in 
dem Winter, dem Fleinern Zimmer von dem größern 
die Wärme mitgeteilt werden konnte. Das Mittag 
und Abendeffen wurde von der Familie und den 


Dienfibeten an Einem Tifche eingenommen, und war 
eine Braut in dem Haufe die von ihrem Bräutigam 
befucht wurde, fo wurte den Paar in einer Ecke des 
Zimmers ein Tifch eingeräumt und damit fie allein 
wären, eine fogenannte Epanifche: oder bewegliche 
Tapetenwand um fie bergefiellt. — Kin jedes Haus 
hatte ein befonderes Befuchjimmer, eine Prangflube, 
‘mie daffelbe genannt wurde, welche als ein eilig: 
thum angefehn, und wo feinen Etäubihen ein Platz 
gegönnt wurde, Das allererfie Appartement in einer 
Hauseinrichtung der damaligen Zeit aber, war die 
Küche, mir dem blanfejten Kupfer und mit dem 
ſchoͤnſten Zinn: Gefchirre verziert, deſſen kuͤnſtliche 
Arbeit damals in ganz Deutſchland bewundert 
wurde, fo daß in Augsburg, die Zinn: Miederlagen 
in dem ange gleich denen dis Eilbers folgten. 
Diefe Küchen wurden allgemein als eine Zier des Hau: 
fes angeſehen, fie waren der Etolz der Hanefrau, und 
damit ja nichts in denfelben dem Verderben unter: 
werfen ſeyn niöchte, fo wurde nie in denſelben gefccht, 
fondern immer war eine andere Küche von minder 
Foftbarer Einrichtung, zu dem täglichen Gebrauch vers: 
banden. Dach den neuen und auch den befiern Dies 
gein der bürgerlichen Baukunſt, wird die Küde in 
den entferntejten Theil des Haufes verlegt, ehederfjen 
aber war fie in der Bellerkrage, gegen die Straße 
binaus, damit die auf derſelben Voruͤbergehenden ten 
Glanz und die Menge der Gefchirre bewundern 
fonnten, 


Sehr fergfältig wurden die Kinder, vorzoͤglich 
die Knaben, in der Keligion und in denjenigen Wiſſen 
ſchaften, weiche damals befannt waren, unterrichtet, 
für die Ausbildung der Eitten aber, wurde wenig 
Gorge getragen. Die Männer, welche ſich nicht auf 
Keifen bildeten, waren rob und ergaben jich dem 
Trunf, der damals in Deurfhland noch Fein Yafter 
hieß. Vollkommen unmijfend aber, und an Rohheit 
durchaus den Maͤgden gleich, unter denen fie groß 
wurden, waren die Augebuszifchen Frauen und Mäd: 
chen, aud von den beften Familien. Auf ihre Er: 
ziehung wurde fo viel als Nichts verwendet; kaum 
konnten fie an den Fingern rechnen und nur mit 
Mühe ihr Geberbuch durchbuchftabiren. &o wenig 
aber auch in Ruͤckſicht ihrer Ausbildung etwas ange: 
wendet wurde, fo ungebeurer Aufwand wurde bei 
der Anfhaffung der Spielwerke getrieben, welche man 
ihnen in die Hände gab. Eines der vorzäglichften 
derfelben, befiand in den fogenannten „Doden: Haus 
fern *, mit welchen die Mädchen fpielten, bis fie Bräute 
wurden. Ein Haus der Art, enthielt alles was ein 


159 — 


vollkommen eingerichtetes Haus enthalten ſoll, Kellers 
raum, Gewölbe, Stallungen, Wagenſchuppen, Vor— 
rlatz. Treppe, Küche, Vorrathskammer, Zimmer u. ſ. w. 
aber auch hier wurde vorzuͤglich auf die Kuͤche und 
die Praugſtube Ruͤckſicht genemmen, auch bier wa: 
ren beide verjoͤglich prächtig, und der Luxus wurde 
bei dieſen „Docken-Haͤuſern“ fo weit getrieben, daß 
ein feldes auf taufend und mehrere Gulden zu fie 
ben kam. 


Deffentliche Luftbarfeiten hatte Augsburg, aufer 
Trink: und Echüpen: Gefellfhaften, wenigftens für 
die höhern Eränte, gar nicht; es fehlte zwar 
nie an Öffentlichen Plaͤtzen außerhalb der Stadt, auf 
welchen man fich des Sommers verfammelte, jedoch 
die Keichen befuchten fie nicht, oder fuhren nur, hats 
ten fie Equipage, nach denfelben, ließen anhalten, 
ein Breit queer Über den Wagen legen, ſich zu trins 
fen und zu eflen geben, verjehrten dies, ohne den 
Magen zu verlajfen und fubren dann wieder weiter. — 
Die Luft: und Trauerfpiele der Meifterfänger, 
wurden noch immer mit vielem Vergnuͤgen angehört, 
auch wurden bie Lateiniſchen Komödien der Schuͤler 
immer gerne geſehen. — Seiltaͤnzer, Lufifpringer, 
Thierhazen, waren ebenfalls damals ſchon Volksbe— 
luſtigungen, befonders aber verdienen zu bdenfelben 
die Kübel: Reiter gezaͤhlt zu werden, welche auf eine 
lächerliche Weiſe die Turniere der Aiten nachahmten. 
Auch Redouten wurden dann und wann gehalten, 
welche vorzüglich der benachbarte Adel befuchte, an 
denen jedech die Buͤrgerſchaſt, vorzuͤglich der prote: 
flantifche Theil derfelben, welchem es von feinen Geiſt⸗ 
lichen als eine Suͤnde angerechnet wurde, Redouten 
zu befuchen, wenig oder gar feinen Antheil nahm. — 
Bei allen Ergiglichfeiten der erſten Etände, herrſchte 
ſehr viel Ernfthaftigkeit und Zreiffpeit und bald kam 
Augeburg in ganz Deutfchland, und zwar mit Recht, 
in Ruͤchſicht der Gefelligkeit, in einen fehr ſchiimmen 
Auf. 


Bis Über die erfte Hälfte des achtjehnten Jabır 
hunderte, wurden alle die erzählten Eitten und Ges 
bräuche, niehr oder minder beibetalten; allein fo wie 
die Frouen anfıngen die Xugsburgifche Kieidertracht 
allmaͤhlig abzulegen, fo legten die Bewohner Augs: 
burgs ihre alten Eitten ab, und — Doch wenn in 
bundert Jahren einer auftritt der die & itten der heutigen 
Bewohner dieſer Stadt zu filtern gefonnen it, fo 
mag er fein Gemälde auf diefeibe Weiſe ausführen, 
auf welche ich das meinige ausführte, mir aber, 
boffe ich, wird biefe Echilderung erlaffen werden. 

v. St. m.“ 


Gedanfen 


Man gefällt ſicherer durch bequeme und in den 
Sharafier der Meiften paffende Fehler, als durch 
gute Eigenfhaften, Am wenigften gefällt man durch 
ein hervorflechendes Verdienſt. Sein Beſitzer wird 
öffentlich gelobt und heimlich gehaßt, und gefällt nur 
in der Ferne — 


Geine Welt lieben, ohne fie zu kennen, ift ein 
gar mirreimäßiges Derdienft ; aber feine Welt kennen 


— —— 


160 — 





und dennoch lieben, iſt wirklich kein gemeines Ver— 
dienſt. — 


Die Natur muͤßte in kurzem erſchoͤpft werden, 
wenn die Erfuͤllung der Wuͤnſche des Menſchenge⸗— 
ſchlechts, in feiner Gewalt fände, — 


Mir werfuchen alles, den Menſchen über den 
Menfchen zu erheben, aber vergebens. Alles fällt 
doch bald wieder zuruͤck in das unguverrädende 
Gleichgewicht, und die Natur triumphirt über alle 
eiteln Bemühungen der Kunft, — K — pf. 
—— t — — 


Nicht —politiſche Zeitung. Nro. 28. 


Etwas über Wilhelm Tell und deſſen 
Aufführung in Breslau, 
Am 19. Auauft 1904. 


— im nun auch auf dem hieſtagen Theater Wirhelm 
Zell von Schiller gegeben worden, und das Haus war 
Fedrangt vol, — Eine lethafte Begierde, mac einem neuen 
Kundwerte Schillere, — leitete die Menge; wmearlich, dieſes 
Anistnlen eines Volts für eine ſchöue Sache id dei Künfterd 
höher Preis! Und wie herrlich belohnt Schillers Genie rin 
Publitum mit dem nenen Geifsövroduki! — Eingefihrt unter 
Heldengifangen, von Shelerd Zaubertrant belebt, ſhauen wir 
ronmantifche Thale der Scnoeis, kommen dm Geiſt unter ein 
hartes, biedered Voltz die Seele ſtartt ſich, and das machtige 
Eiciat gu ermeſſen, dag uber dies Golf waltere, das Wutheun 
des vaſters zu tragen, ihm entgegen Ab zu hmmm, au erglithu 
far Tugend. So vorbersitet, wie emwianalich wird Herz und 
Gel fir das edle Groiet — Das, Game, das der Kutier 
uns auch bis zu den tleinnen Nüanzen trefflich wahr darfielt, 
in ein Ebarakrer« Gemälde, deſſen Werth keine Kritik 
jeriören fan, umd die Wahrheit, welche mit unübertreff · 
licher Energie und reiner Würde es belebt, iſt mehr, wirtt, 
bezwedt, erhöht und erarelft mehr, als alle noch fo glänzende 
Darftellungen heher Ideale. — Hier trite Schiller als erfier 
Voltedichtet auf, und beweiiet dadurch die Höbe ſeines Meines 
niebr, als durch irgend ein anderes feiner Igerfe, deun nur anf 
der wahren, ruhig ſchönen Dariellung bermbt die verlle Kraft 
und Größe des Kienftlerd, und fo iſt, meines Vedünkent, Wil⸗ 
beim Zeit ein vollendetes Drama Was auch die Krititer ſagen 
mögen, die ſich bemüben, das Gegenthell und gewaltige Belt 
grige iu beweiſen; die Ginfadheit, die Wahrheit, Das Keine 
Anrafreriftiiche eines Werts bewahrt deren Vohemdung, utd, 
einige Weitſehweinateit al gerechnet wußte ich nicht, wenn 
Schillers Muſe reiner, zarter, wahrer fich gezcigt hatte, als 
tier, wo fie der Natur und dem Schonen ſo treu blieb. — 
So viel auch bei der bicſigen Mamichem a wezzttaſen werden 
mirste. ſo danken wir doch Rhode's Urtheiletraft, daß es um 
beſchadet des Ganzen geſchah, das und nichts SEchones verloren 
sing, Die Darttattung ſell ſt, iſt Im Adtzomeinen ade zu leten; 
ed fehlte harmonirende Kramvirkung; die Defvranionen wart 
Wiecht, die Haltung der Ebaraltere id nur von enisen Edaus 
jvielern richtig gelandhabt worden. Der Schwarz gab den 
Tel mir Wahrheit und Geht umd zeichnet: ſich ſehr vorzbeils 
haft aus; ein langeres Grudium, das fein Fleißk erwarten laut, 
roied Eald fehen Tadel Iebem Herr Julsas, als Aruold 
von Meachthal, leitete altes, was man fordern Bonnie; bie 
Seene, wo er dus Utzaluck feines Vaters erfanrt, nubrte er, 
rührend wahr und richtig aus, und er biieb ım ber Folge Dem 
Darang entiprinzerden Handlungen und Geruhlen mit reiner Nas 
tur treu. Minder gebaiten, aber vorzuglich schon im Purtand, 
ipielte Herr Ghols den Geüler, nur Schade ware, dai er 


ihn nike fener ausſührte. — Eo wie die Deforitionen, mu 
ich tadeln, daß einige Nebenrollen, beſonders der Hocheitreigen, 
das Chor Kapruiner 26, ſchlecht darzeſtelit wurden. Wie fteire 
Greuadiere markierten Iegiere auf, hart vornen am rontirpice 
dir Bahne und — erregten beinahe allgemeines Lachen, das ju 
mistiktim ware, wenn die leben Geitlichen nicht ſo Wunden 
barlich auszeſehen, vide fo hetzern, ohne alle Sierlichteit, ſich 
benommen, und den fo ſchenen Chor verdorben hatten. — Lad 
den fünten Mir bereit, ſo — — Es iſt ſonderbar, dafß bei 
mehrern der neuen und erſten Tbratiiducte gerade immer der 
fünite in überſtiiſſtger Alt if. Das Ediöne ader, was uns 
Schiller darin nicht, iſt denn doch wohl ſo üterſtuſſig miche, dm 
Gegencheil manchem Herzen, das gewiſſe Kunſtregeln nicht vom 
hartet baben, fiir Genug. Es fi den, wis ibm wolle — 
Shaker und andere anzeſtaunte Genies erliezen nicht ſeiten 
demielben Tadel; and ſie Uererten oft im den, ſonſten Werten 
Liode Crinen, deren Ganes nur aus der Berechnung dis Eins 
zelnen ſich smpiriih dareute, und Srdiheine Teil in mir, trog 
aller Rügen, mach Don Sarlos, Saillers lebſtes dramatiſches 
Prodult. Den Carlos reizt jur Vewunderung bin, aber Wil 
ben Tell zur innigſten Liebe, — Er fand bier aligemeinen 
Beliall, — ... 


we 


Nao vielen milbfamen Verſuchtn su Geiegen fiber bie Prefs 
freiheit, üt die geſetzgebende Mache Überseugt worden, dak ie 
des betailliere Gefen darüber, mehr Billtühr 
deramtiaffen, als verhindern wurde Es in alfe 
eine unbedinate Prefifreibeit zugeſtaunden won 
den, außer in Nüdricht der Jeitumgenz; aucd deefe 
folten aber feiner „preiiminäaren Approbation“ 
bedürfen. An RäAdiibt der Biber if ein Bır 
reau, oder eine Commiſſton des Senats etablirt 
worden, wo ſAch die Echrirtiieller uber Schriften, 
von deren Deutung 1! Machtbell befurchten, 
vor dem Drude Rarbserkolenfounen umvonal 
ler Berantworriiileiriretiungenn Die lieber 
dieſer Tommiſſtontragen weunfie esuorbwendig 
finden, die AUnfrnaen dem PoliseisMinifervon— 
Diefe Einrichtung If in der That murterhart. 
(Aus dem Publicasie vom 13. Auguct.) 

— In der Sr. 324. des Moniteurs (12) ofenbart 
ein Brofefor der Phynt dem Publitum im Frankrerch und gan 
Errooa umſtaudlich, da zwiſgen dem Sabrenbeitihen und 
Reaumurſchen Thermometer ein Unterſchied iſt, und worin bier 
fer deſteht. 

— unter des betannten Ortentaliſten Herrn Hagers Leis 
tung, werden die Chineſiſchen Charattere der Mationafr Bis 
bliothet, geordnet Es find ihrer 86,000, mworumter ſich indeh 
einige Dontierten befinden, Sie fulken ſechs Zimmer, —- 
Wozu mugen fie? ©. 


— — — — 


. 1804. 


Nro, 171. 





ARISTIDES. 
Se dreimüthige 


den 27. Auguſt. 


Montag, 


E rn f 


und 


SS dh er; 





Literatun 


Krates und Hippardhia, eim Seitenftüd! zu Mer 
nander und Glncerion, von C. M. Wieland, 
Zum Neujahrs-Geſchenk auf 1805, Tübingen, 
bei Cotta. (ı Thl. ı2 Gr.) 


eland hat den Zauberpinfel, deſſen Schoͤpfun⸗ 
gen feine Zeitgenoffen entzüdten, und noch die leße 
ten Ururenfel derfelben entzüden werden, niederge 
legt, und zu dem Crayon gegriffen: aber die Gira: 
zien führen ihm bei diefem die Hand, wie bei jenem. 
Diefer Fleine Roman iſt wie jener, deſſen Geiten: 
fü er genannt wird, und wie der Ariftipp, eine 
Eharafter « Gruppe, deren Helden uud Etoff jwar 
aus Wieland's geifligem Baterlande, dem blühenden 
Athen, entlehnt find, deffen Ausführung und Sinn 
aber blos aus Wieland's Menfchenkenntniß hervor 
gegangen ift, alſo unter allen Zeitaltern und Voͤl 
fern zu Haufe gehört. 

Die Aufgabe, welche der Sänger der Grajien 
fih diesmal machte, war eine der delifateften, zu 
welchen feine Schutzgoͤttinnen jemals — durch die Kos 
fenfinger gefehen haben: doch durch feine Bearbei- 
tung nahm der Gegenſtand eine Geſtalt an, auf der 
fie mit TWohlgefallen und unverhehlten Blides ver: 
meilen fönnen, und felbft Minerva kann fich ihnen 
zugefellen. 

Die Geſchichte des Krates und ber Hipparchia 
iſt eine der Argerlichiten Anekdoten, welche uns die 


Handaibfe Chronik Athens aufbehalten bat. Erfon: 
nen ward fie wahrfcheinlich von Zeitgenoffen des Kra— 
tes, niedergeſchrieben aber erft einige Jahrhunderte 
fpäter, Mehrere gelehrte Philologen der neueften 
Zeit gaben ſich Müpe, ihren Ungrund durch Beweife 
darzuthun; Wieland hat ein befferes Mittel erwählt, 
fie zu vernichten: er zeichnet den ganzen Vorgang 
mit pſychologiſcher Wahrheit und reijend 
bin, und nun — fo oft man fih jener Ausgeburt 
plumper Echmähfucht erinnert, wird auch das An: 
denken des Wielandfchen Werlchens vor die Seele 
treten, und durch den Kontraft den Efel erhöhen, mit 
welchem man ſich von jener hinwegwendet. 

Die Enge erzählte: Hipparchia, eine angefehene 
Athenienferin, fei von einer Liebeswurh gegen den 
bäßlihen, ſchmutzigen, pöbelbaften Eynifer Krates 
befallen worden, habe ihm Überall mit ihren zärtlis 
chen Zubdringlichfeiten verfolgt, und ſich endlich fo: 
gar feiner Bedingung unterworfen, in einer offenen 
Halle, in Gegenwart einer Menge von Zufchauern, 
das ekelhafte Beiluger mit ihm zu begehen, 

Wieland macht fie zu einem fehr geiftreichen, 
gebildeten Mädchen, das von dem Rufe des Philos 
fopben fo gereijt wird, daß fie mit einer Freundin 
verfleidet feinen Lehrvorträgen beiwohnt. Diefer zeich⸗ 
net den fehönen vermeinten Jüngling bald durch eine 
befondere Aufmerkfamfeit aus, und da man ihr zu 
eben der Zeit einen Ieerföpfigen Adonis zum Gemahl 
aufdringen will, fo entflammet der Tontraft zwiſchen 
der Thorheit des legtern und der Weisheit ihres Leh: 


rers, ihre Hochachtung für dieſen, fo haͤßlich er If, 
ju einer — Leidenfhaft? — nein, zu einer zartlis 
chen. Zuneigung, die bald in die Ueberzeugung übers 
geht, nur mit ibm. fünne fie glüdlicy leben. Man. 
fieht, in. ihrer gegenwärtigen Geſtalt fönnten unſre 
gelehrtzliebenden Echönen fie allenfalls zur Echuze 
heiligen. wählen. Ihr Dater widerſetzt ſich ihrer Meis 
gung; Krates felbit, ein. einfacher, aber geiftvoller- 
Mann, obgleih er fie heimlich liebt, will es nicht 
geftehn, weil er fürchtet, daß die ſchoͤne und reiche 
Hipparchia nicht lange für ihn. mit Wärme empfins 
den werde. Welchen Ausgang, bdiefe bedenkliche: 
Situation nimmt, wie Hipparchia ohne Beleidigung, 
bes meiblichen. Zartgefühls,. ihrer Wunſch erreicht, 
mögen die Leſer und Leferinnen im Buche ſelbſt 
fen. Es war indeß fehr einſichtsvoll, daß. Wieland 


die Liebhaberin zu einem eyjährigen Mädchen ' 


macht, und fie ſchon vor der Hochzeit in. den. Beſitz 
des. Gluͤckes ruhiger Empfindungen fekte, fonft — 
ließe fi nach. dem Beilager noh manche Wendung; 
ihres. Geſchickes verausfehn. Uebrigens ift das Bü: 
chelchen ein neuer Beweis, daß. man: fi Überall mit 
Wieland, — wohin er einen auch führen 
mag, nice nur in. guter, fondern. in. reigender Ges. 
ſellſchaft befinber.. 

Das Neußere diefes Neujahr: Gefchenkes iſt vbl⸗ 
lig dem: des „Menander und Glycerion“ gleich. 
Möchte Apell- dem ehrwuͤrdigen Dichter doch Zeit- 
laffen , ung eine ganze Bibliorhek folder Berichtiguns 
gem der. Geſchichte aus ben: Annalen: der Menfchens: 
kenntniß und der. Erfahrung, in. Geſtalt Eleiner Ro— 
mane zu ſchenken. 

Das Titelfupfer iſt beſſer gedacht als ausgefuͤhrt: 
es: iſt gleichfam ein Motto für das Buch. Eine Eleine 
Pſyche haſcht begierig, nach einem: intereffanten, aber- 
etwas faunijch : laͤchelnden Eofratesfopfe: aber er iſt 
nichts: als eine Masfe,. in. welche ein. Amor. fein. 
Schalkogeſicht verbirgt, 

G. M. 


Briefe eines Niederſachſen ꝛc. 
(Fortſetzung.) 
Dritter Brief 


Veelleicht haͤtte ih Dir in meinem letzten Briefe ale: 
eine Merfiwärdigkeit von Annaburg noch die Stute: 
rei nennen follen, allein. ich. hätte fie Dir auch nur- 
nennen: und nicht beichreiben fönnen. Denn ich habe 
fie. nicht. befehen, weil id mir für meine Perſon fein 
Verglingen davon: verſprach. — Ueberhaupt harte 
von Annaburg: an: bis Großenhain fo ziemlich aller 
Genuß für mich ein Ende: Eine furje Errede un: 


162 — 


mittelbar am Annaburg ausgenommen, wo ich über 
eine huͤbſche Wiefe fuhr, auf der mich mehrere Heer: 
den von. dreißig: bis vierzig Hirfhen, die bald über 
der Weg vor meinem. Wagen, bald feitwärts umbers 
fprangen ,. gang angenehm unterhielten, war der Weg 
ermüdend einförmig. Auch paifirte ih, das freunds 
lihe Soßdorf abgerechnet, feinen. einzigen angeneh: 
men Drt, vielmehr fand: ich; in. diefer fandigen: Ger 
gend nur wenige und unanfehnliche Dörfer, und in 
den. Häufern „ Zimmer, die nicht& weniger, als ein: 
ladend waren. Eine in der Miederlaufig und andern 
Gegenden. berrfchende Eirte, finder man auch bier: 
ſtatt die Zimmer durch ein Licht oder durch eine 
Lampe zu erleuchten, unterhält man in. einem. drei 
bis vier Fuß über der Erde erhöhten Kamin einen 
Haufen Rienholz im. Brande, von: deifen Schein die 
tube erleuchter wird. — Ueberhaupt flichr der 
Erich: von Sachſen zwiſchen Wittenberg und Gros 
fenhain,. gegen die. Übrigen. Theile dieſes ſchoͤnen Lan: 
des, fehr nachtheilg ab,. fo: daß man: durch dieſen 
Strich durchaus: nicht reife: darf, wenn: manı für 
Sachſen enthuſiasmirt werden: will. Selbſt die Eins 
wohner findet man: nicht ſo, wie die uͤbrigen Sach— 
fen: nirgends die freundliche Artigfeit der Männer, 
nirgends das angenehme, nette Weſen der Frauens 
immer, auch in: Anfehung ihres Anzuge. Alle Baͤue⸗ 
rinnen, die ich fah, gingen. geſchmacklos gekleidet und 
im frenaften Sinn mit bloßen Beinen: denn von 
dem. Diode, den fie trugen, wurden hoͤchſtens die 
Kniee, durchaus: nichts von. den. Beinen: bededt. 
Welch ein Abſtand zwiſchen den &chleppen. unferer 
Damen und den Köden diefer Bäuerinnen! Welche 
entgegengeſetzte · Extreme! Allein wer wollte darum. 
über dieſe Baͤuerinen nachtheillig urtheilen? Nicht 
Eitelkeit, nicht Schamloſigkeit, nicht Koketterie, nein, 
nur. der Umſtand, daß ein. fo kurzer Rock fie am 
mweniaften bei ihren Arbeiten. hindert, beflimmte fie 
zu: diefer Tracht, die gewiß nicht von. der Diode ger 
boten, fondern. von den. frommen: Urgroßmüttern. ib: 
nen. überliefert. iſt. — Viel Bedeckung ſcheint man auf 
diefem Etrich Yandes anch bei den Kindern. nicht zu 
lieben. Nie habe ich fo viele Fleine Kinder in Hem: 
den: umberlaufen- fehen, als bier, obgleich die Mai. 
tage; an welchen ich bier war; nicht. übermäßig warm 
waren. Wäre nur nicht auf der antern. Zeite bei 
etwas größern. Kindern der Kopf bis zum. Empoͤren⸗ 


‘den. warm gehalten: worden !! 


Mach dem, was ih Dir Über den: Landflrich 
auf der rechten Uferfeite der Cibe, von Wittenbera 
an bis Großenhain: gefast habe, wirft Du es ſehr 
natürlich. finden, wenn. ich von. Großenhain keine be- 
fondere Erwartungen hegte. Aber wie angenehm 


— 163 — 


wurde ich getänfcht! Eine freundliche, fhöne und rer 
gelmäßig gebaute Stadt, ift Großenhain, mit durch 
aus neuen und maſſiven Käufern von freundlichem 
Anfehn, und mit einer ganz vertrefflihen, erſt kuͤrz⸗ 
lich vollendeten. Kirche. 

Die Urſache, dab Großenhain durhaus neue 
Häufer und eine fo neue Kirche hat, ift ein Brand, 
der vor fechjig Jahren den ganzen Ort in Afche legte. 
Eeitbem ift durch Unterfiüßung; des Königs Auguft 
der Ort fo ſchoͤn wieder aus dem Schutthaufen nach 
und nach hervorgegangen. Zur Erinnerung daran 
finder fich zw meinem Befremden weiter fein Denk: 
mal, als Über dem Dresdner Thore folgende, doch 
blos auf diefes Ihor Beziehung habende Inſchrift: 

Porta» dirut# ignis furore trıstıbus horis, cle= 

mentis Augustı patri® patriae favore restaurata 

fulget.. * 
wobei zur Bezeichnung des unglüdlichen Jahres die 
Buchitaben, welche die Jahrzahl formiren, groß find. — 
Damit übrigens nicht eim Ähnliches Ungläd wieder 
geſchehen könne, bat alles dergeflalt maſſiv wieder 
aufgebaut werden muͤſſen, daß fogar auch nirgends 
nur eine hölzerne Treppe ſeyn ſoll. 

Hecht anganehm uͤberraſcht wird man, mwenm 
man vom Greßenhain in die Gegend der Eibe bei 
Meißen fommt; indeß iſt doch niemand, der aus 

riederfachien nah Meißen will, anzurathen, daß er 
um: dieſer Weberrafchung willen feinen Weg über 
Großenhain nehme. Ueber Oſchatz und Strehlem 
fommet man früher in feföne Gegenden, und genießt 
fie alfa länger. Obnebin kann man die Gegend nach 
Großenhain von. dem: Domthurm in Meißen über: 
febenz und diefem Domthurm zu befleigen, wird 
wohl niemand: unterlaffen,. dem es um einen koͤſt⸗ 
lihen NMaturgenuß zw thun: if. Denn in welcher 
majeſtaͤtiſchen Herrlichfeit prangen bier die Berge mit: 
MWaldungen oder Weinftöden. befekt!! Welchen Ans 
bit gewährt da: die Elbe mit: ihren reijenden Ufern. 
Und wie wird dort das Herz. von fchönen Ermwars 
tungen gehoben, wenn man über die Stadt hinmeg: 
nach der Gegend hinſſeht, wo neuerlich ein Bad ans 
gelege ift! O der Genuß auf diefem. Domthurm wird» 
mir. unvergeßlich bleiben !: 

Auch der Dem iff fehenswerth ; nur iſt jedenm 
Keifenden: zu wänfchen,. daß er nicht von «einer fo 
unmwijfenden 'Perfon umhergeführt werde, als ich es 
ward, Mur zwei Proben'von dieſer Unwiſſenheit! 
Auf dem. Gemälde von Albrecht Dürer am Eleinen 
Altar, erklärte meine Fuͤhrerin die Darftellung der 

*). Die} Thor, einik in ungtucklichen Stunden dalch des 


Seuees Wuch zerſtort, ſteht jetzt durch Auguſts landesvaterliche 
Milde hergeſtellt, ſo ganzend wieder da. 


Aufopferung Iſaaks, für „einen heidniſchen Goͤtzen 
tempel, worin erſt Menſchen und dann Thiere ge: 
opfert wären, wieman fi) denn ſchon hier einen Wid⸗ 
der in Vereitfchaft gehalten: habe,“ und auf eim Bild, 
das den Hingang Chriſti zum Kreug vorflellte, machte 
fie mich mit den Worten aufmerkjam bier fehen 
Eie den Pontio, welcher unſerm Heiland das Kreuz 
trägt. — Was ich von einer folgen Perfon vollends 
über die hiſtoriſchen Denkmäler diefer Kirche für 
Aufſchluͤſſe zu erwarten hatte, kannſt Du leicht denfen. 

Don der weltberühmten Porzellan : Fabrik, die 
Bier in dem fehr hoch und ſchoͤn gelegenen Schloſſe 
befindlich iſt, neben welchem aud der Dom ffebt, 
ſchweige ich mit wahrem Verdruß. Natuͤrlich, daß 
ich nichts eiliger hatte, als fie zu beiuchen, aber mas 
befam ich zu fehen? Nichte, als eine Niederlage 
von lauter in diefer Fabrif verfertigten Sachen, bie 
freitich ſehr ſehenswerthe, aber doch in den Niederlas 
gen zu Leipzig und Dresden auch zu fehen: waren, 
Was ich hier zu fehem wuͤnſchte, das war die ftufens 
weiſe Veränderung, welheder Ton durchgehen muß, 
ehe er Percellan wird; das waren mandıe befondre 
Arbeiten, welche dabei nörhig find; das war insbes 
fendre die Porcelfanmalerei, Allein: mir ging es, 
wie dem Tantalusr ich haſchte nach einem längft er⸗ 
febnten Genuß, und glaubte, ihm fon gewiß. zu 
haben, als ich darauf Verzicht thun mußte. Denn 
wer in. der Portellan = Fabrit zu Meißen mehr, als 
die Niederlage, fehen will, der muß einen beſondern 
Erlaubnißſcheln von dem Grafen von Marcolini aus 
Dreoden vorjeigerr, und den konnte ich freilich nicht 
haben. Wehe alſo Jedem, der nicht erſt auf Dres⸗ 
den und dann nach Meißen zuruͤckreiſen fann! Er 
muß vom der größten Sehenswürdigkeit in Meißen 
die fehnenden Blicke unbefriedigt hinweg wenden? 
ein fehmerzliches Gefühl, das mit dem Eindrüden 
der herrlichen: Gegend garſtig Fontraftirt. Warum 
man nicht in Meißen felbft jemand mit ber Bollmacht 
verfehen hat, Reiſenden, die man one politifche Be: 
forgniffe in diefer Fabrik ſich umfehen laſſen fönnte, 
wo nicht alle, doch wenigſtens manche Arbeiten: zei⸗ 
gen zw laffen, ift mir unkegreiflih.. *) 

Meifen felbft ift eine amgenefme und recht leb⸗ 
hafte Stadt, und ſteht beſonders mit Dresden in 
Ne a ne ME en een 


*. Anmerk. des Med. Sonderbar kontraſtirt das 
mir der Aufnchme, welche die Beſchauer im der Königlichen 
Yorcellan s Zabrıd am Berten finden, Der oberſte Diretteur 
derielben,, der Herr Geheime Rath Roſenſtit, ein Kann, den 
feine hochſtausgehreſteten Xenntniſſk und ſeine unerrundete, viel⸗ 
feitige Tharigkeit eben fo ſehr auszeichnen, als feine Humami⸗ 
tat, Begleiter nicht ſeiten feiber anfandige Neifend; in der gans 
sen. Fabrick beeum, und halt über altes Gehens>+ und Bremer 
ten⸗ werthe Heine, ſchr lehrreiche Vorträge, 


beffändiger Verbindung, Wer daher, vorzäglih in 
den beifern Zeiten, von bier nach Dresden will, fin: 
det täglich, vielleicht mehrmals Gelegenheit, in ek 
nem leeren Wagen für ein bloßes Trinkgeld dahin 
zu fommen.‘ Ein Vortheil, den Du Dir für deine 
Keife merken magft, wenn Du nicht lieber die reis 
genden drei Meilen zu Fuße machen will, 
(Die Fottſetzung folgt.) 
Epigramme 
An einen praftifchen C?) Philoſophen. 
Du (him, o Weiſer, alle Sinnentuß 
dil⸗ ein entbehrlich fündiged Gef. 


Wilein, mein Freund, das du zu wenig thut, 
Daraus folgt nicht, ein Audrer thu' zu viel. 


Geringer unterſchied. 
Corillus, ſagt man, ehlicht feine Baſe, 
Die langſt fein Haus beſorzt und ihm geyfſegt. 
Das heißt: er druͤckt die Brille, die er trägt, 

Fun ferer auf bie Kuprernait- 


u — III ENDEN III DEE 


Aufat zu einem Theater ettel. 
Wenn dieſem Trauerſolel Thraͤnen fliehen, 
Sieht man ſich Waſſer ım Waſſer ergiehen, 


Als ein Versler ergrimmte. 
Du file mich toll, Aeant, well Deine Berfelet 
Pb ungelefen ließ? — Sp wahr die Mujen leben, 
Ich muß es Die vergeim! Durch meine Waſſerſchtu 
Hab' Ih dem Unlah Dir gegchen. 


Vornebme Haltung. 
Weit die gemtiuſten Leute aufrecht gehem 
Soll man von mie nicht mehr, die Pöbelſitte ſehen.“ 
Erin, der Schwarze, ſprachs, und — troch, 
And kriecht bis dieſe Stunde noch. 


Veits Gedichte im Buchladen. 

Geht, wie jo ganz in unſern Tagen 
Der Einn fiir Recht verſchwaud 
GeRohined Gut im zweiter Hand 


Lo offen feil zu tragen! 
Burt, - 





Riht-politifhe Zeitung. Nro.2g 


Berlin, am 24. Auguſt. 


Dias Sommer hindurch suchte man auf dem Klefinen Then 
ter Die Abweſtnheit batd dieſes, bald jenes der vorzüglichtten 
Mitalieder dadurch überichn zu laſſen, baf man verſchtedene 
alte, ſeit langer Zeit ruhende Stucke wieder gab, wodurch denn 
auch mancher jetzt wenig bemerkte Echaufpieler Gelegenheit fand, 
auf eiut vortheilhafte Weiſe an das zu erinnern, was er ehe 
wials felüete. „Die Mündel" von Yfland, mar eines dies 
fer Stucke. Es wurde fehr brav durchgeſuhrt, aber eine noch 
unendtch wellitemmmere Ersbeinung war das Gingibiel: Julie 
und Romeo, von Benda. Die umvergänglih« schöne Muſik 
entzuchte: das iſt imdeh fat alles was fich davon fagen lat. — 
Geſtern gab man zum erſten Dale: Die drei Gefanger 
nen, Lufipiel in 5. Auft. nad dem Granı. von 
Hrn. Wolf, Schaufn. ıu Weimar. Das Studh, ein 
tumtes Gewebe komiſcher Streiche gefiel; aud wurde es leicht 
und ſehr lebhaft gegeben. Im Gamen hat es ein Paar Akte 
zuviel und dagegen im Dialog zu wenig Witz. Die Intriguen 
find jehr beluſtigend erfunden, obgleich nicht ſehr wahrſcheinlich 
angelegt. 


Heute Gatten wir bad Vergnügen, Madame Ackermann, 
vormalige Binpert, in Axur ald Aftafia auftreten au ſehn. Das 
Yubtilum erinnerte fih bes Genuſſes, den fie bei ihrem vor 
maligen Aufenthalt: in Merlin, durch ihr gerätliged, ſchönes 
Epiel arwährt hatte; es fand, daß fie ſich feitbem als Ganges 
rin fehr amsgebilder bat, Die feltne Schönheit ihrer Grimmen 
und die Kunf ihres Vortrages geben ihr eiuen Ebrenplag ums 
ter den vorjliglichern Gangerinnen der Deutichen Bühne Wir 
werden fie mod als Göttin im Baum der Diana ſehen, und 


uuier Bedauern wird ihr folgen, wenn fie ihre Meife nach er 
tersburg fortiegte, — Man it in Rußland im Midficht der 
Künfkfer, die man ammirbt, gliflicher, als Im Allgemeinen, 
im Ruͤckſcht der Gelehrten. Mit weichen Vergnügen werben 
wir nicht ned Einen R. md B. und H. nach Norden jichen 
ſehn, wenn wir dafiııe Madame Ackermann bier behielten, 


London 

Robert Greene, Hauptmann in dem Vengaliſchen Corps, findht 
in dem Zeitungen Subſtribenten zu elner Ueberſetzung eimes 
Verſiſchen Werts, das den Titel führt: „Chronologlſche, Vio⸗ 
graphlſche und Theologtſche Gerichte des erften Weltalters und 
der kolgenden Zelten, aus ben heiligen Schriften zurammenge⸗ 
tragen von Machmud dem Sohn Javade- Shah.“ — Das 
Original if den Direktoren der Oſtindiſchen Kampagnie debir 
cirt. Die Ucherregumg wird ſechs Binde ausmachen, vom bes 
men jeder nur etwa 18 Thaler kopen fol. Greene geftcht den 
Eubitribenten indeh die Freigeit gu, wenn das Wert ihnen 
nicht aefalle, fordern zu konnen, daß ihr Name aus dem ger 
drudten Verzeichniſſe wegbleibe. — Was dieſe Aukſindigung 
am meiſten ſonderbar macht, id daß der Verfaſſer ſeibſt ger 
freht, das Wert enthalte nichts, ald die Entſtehungsgeſchichte 
der Welt, mie fie Mahomet von Moſes entichnte, und die 
Legenden der Mahometaner, Imdeh veripricht, er viel Kuprer 
und Regiſter. 

Von der Meberiegung bed Werkes „Gomaparte und das 
Seunöfiihe Volk find in London im fedis Boden zwei fehr 
Karte Nuflanen fat gan vergriffen. Das ift ſonderbar, da das 
Miete diefer ſehr mittelmaßig geichrichenen Compilation ern 
aus Englischen Zeitungen iufammengetragen wurde. 


—— — — — — — 


1804 





ARISTIDES, 


Nro, 172. 





Der Freimüthige 


Dienflag, 
e re: u 


Literatur 


Dpiate in Fleinen Erzählungen, bon 
Carl Sebald. Erfier Theil, 1804. 
Freiberg, bei Craz und Gerlach. 


icht ohne Beforgniß, daß der Name diefes Werks 
wirklich Wahrheit enthalten möchte, unterzog ich mich 
der Lektüre deſſelben; ich fand mich aber angenehm 
getäufht, — Herrn Eebalds Opiate, baben blos 
aufheiternde Kräfte, feine narkotifhen. — Man 
findet bier vier Erzählungen von fehr verſchiedenem 
Charakter. 

Die erfle: Der neue Planet, iſt war ein 
wenig unmwahrfigeinlich, aber nur um defto komiſcher. 
Ein junger ſchlauer Abenteurer macht dem Einneh: 
mer in einer Meinen Etadt, der fich ein: großer Aftro: 
nom zu fein duͤnkt, weiß: er wolle es dahin brins 
gen, daß dem neuen Planeten fein (des Herrn Ein: 
nehmers) Mame beigelegt werde, wenn er ihm da: 
für fein Hannchen zur Frau geben wolle, Der arme 
gläubige Thor, durch diefen Vorſchlag bis zum drits 
ten Himmel entzüdt, ruft aus mit Cmphaſe: „Pla: 
neten! — Deren find nun acht. Wir heißen fie? — 
Antwort: Venus, Erde, Mond, Merkurtus, Eatur: 
nus, Mare, Jupiter und — und — Johann 
Gottlieb Schneider.“ — 





In der zweiten: Der Laurepntiusabend,. 


geht die Empfindung ein wenig auf Eteljen. Sie 
iſt abentheuerlich : verwidelt oder beffer, verworren, 


— ober 


und 


‚ Prediger in Lochau bei Halle, 


— — den 28. Auguſt. 


S er. 


fehlecht ausgedacht und angelegt; aber que vorgetra⸗ 
gen iſt fie auch, und menigftens ffellenmweife kann 
man ihr nicht allen Werrh abſprechen. Wahrſchein 
lich nahm der Verf. den Stoff aus dem Franzöfie 
ſchen; dies ſchließe ich aus dem Tone des Gansen, 
Der Gefrerär — fo ift die dritte Erzäßs 
fung Überfchrieben, — gefüllt mir beinahe noch beifer, 
als der neue Planet. Das Quid pro quo, wodurch 
bier Verwidelung entjieht, iſt zwar in mebrern 
Romanen wenn auch nicht ganz, doch beinahe fo 
{don da geweſen, allein durch den Vortrag bat ibm 


der DVerfafer neue Deige zu geben gewußt, Auch 
als dergleichen 


die eingemifchten Verſe find beifer, 
Ali endlich ijt eine —— aus Tauſend 
und eine Nacht, bier mit kieinen Veranderungen 
fehr angenehm nacherzaͤhlht. 

Wenn Her Sebalo fo gut erfinden lernt, als 


er launig darzuftellen verfteht, wird er fich ei pr 
Erzäpler fehr vortheitpaft auszeichnen. ſich * 


Die ebrlide Haut; ein komiſcher Ro— 
man. Mit dem Motto von Sofokles: 
— — Kur atohe Seelen jühlen,, 
wie fehr die Biederfeit uns ehrt. 

Der Titel ließ wenig, fehr wenig vermuthen; aber 
gefchmadvolle Leſer brauchen fich durch den geſchmack 
Iofen, unpaffenden Titel nicht abſchrecken zu laſſen; 
dieſe Novelle iſt wirtlich nicht übel, Der Verfaffer 
erzahlt angenehm, fein Stil lieſt fich gut, und wird — 
obgleib das Werkchen eine Ueberfekung fein fell, — 
durch Feine ausländifchen Wortfligungen und Conſtruk⸗ 
tionen entflelit. Der Ueberfeker neunt ſich äbrigens in 
der Unterſchrift der Debifation an die ale & chriftitellerin 
befannte und geſchaͤtzte Madame Ludwig, K.Witte, 

— hdn. 


- Waare in der Kegel zu fein pflegt. 


— 166 — 
Se ch nn fu 


Amoroso, v. C. Schreiber. 


ſhſ eee — 


Schon nimmt ind ver» trau » lische 















































= — —.— et 
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| B — — Q — — 
cresc. 
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. freund» li, ches Huͤttchen uf ER Mich grü » Het = We —⸗ J Ge— 

















fü » ‚ fer, um +» aths met der dufs tensde Hainz ge» 


Moos fe, "am » fängt mich die Myr s the, bie 





— 167 — 


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Roſez und lei » fe, wie Eai s ten der Pau ⸗ te, wiegt 











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ſchmei / chelnder Luͤff⸗te Ge +» ko os fe, im bimm - linſche Träume mich 


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Bere — ers: 
ein — in binme » li» fche Träusme mich ein, 


Be 








— 1668 — 


Sebnſucht. 


Saon nimmt ins vertrauliche Duͤſter 
Dein freundliches Huͤttchen mich ein; 
Mich grüße der Weſte Geflüfter, 
Umpuftet der blühende Hain; 

Gelagert auf ſchwellendem Mooſe 
Umfängt mich die Myrte, die Roſe, 
Und leife, wie Eaiten der Laute, 
Wiegt fonfter Lüfte Sekofe - 
In dimmlifge Träume mic ein. 


Was hält Dich die Ferne befangen ? 
Was jögert Dein irrender Fuß? 
Ach ftanımle vol füßem Derlangen 
Mit ſchmachtenden Lippen den Gruß; 


20, ſpaͤhe mit fehnenden Bliden, 
ns ſtuͤrmende Herz Dich zu dräden!— 
O meile nicht langer, Maide! 
Derfcheuche des Wahnes Entzöden, 
Verſcheuch' ihn durch Goͤtter-Benuß. 
Ch. Schreiber, 


Fragmente aus meiner Schreibtafel, 


ancher Schriftſteller kaͤuet feine Gedanfen mehr als 
einmalwieder. Gewiß eine ominöfe Eigenfhalt, welche die 
Natur andern animaliſchen Geſchoͤpſen nicht verlie * 

Wie die Aeolsharfe harmoniſcher und praͤchtiger 
zu tbnen beginnt, wenn Eturmminde erwachen und 
ein nahendes Donnermwetter berauffübren; fo ent: 
widelt und zeigt fich die Seele des Helden am herr 
lichfien im KampfemitUnglüd und Verfolgung. Buri, 


— — — ORION — — 
Riht=-politifhe Zeitung. Nro. 50, 


D. Erzbiſchof von Taranto in Yiakien, hat ein Eonett auf 
Herder Tod gemacht umd es Wieland zugeſchickt. In der That, 
es mache den Kenntniſſen und den Geſchtnack der edlem Yralaıı 
ſehr vier Ehre, daß er dieſe große Dianner kenut und uch ihrem 
«erh au ſchatzen weiß. 

— In kuriem wird die von Herem Abramſon zu Berlin 
gearteitete trefliche Diedaitte auf Herder, u baten fen. 

— Auch von dem Medailleur Herrn Loos zu Berlin, if 
eine Medaille auf Kant, erſchienen. Die eine Eeite zeigt Kant'd 
Silber, auf e nein Wurfelz die andre einen Genind, ber auf 
eitten mit zwei Eulen beipanmten Tagen balin führt. Die 

ſchrift heißt: . ß 

. pe domtit volucres, et lumina sparsit. Deutich: 
„Er bandigte das Hchtichene Geritar und verbindrte Klirheit. * 
Droltia, ſehr dronig it es, dau Imand von der Jenatchen 
Pirerarur » Zeitung, (die ſeit einiger Zeit überhaupt ort an Gelr 
fies e Abweſenheit leidet,.) in ihrem Yutelligens + Blatt daruter 
iummpbirte, dal dieſe Idee und Inſchriſt von einem Nichte 
Freunde dev Nachbeter Kant'd, von dem berühmten Archäologen 
Boniger herruhrt. Er bemerkte nicht, daß dieſe Medaille, ins 
dem fie Kant preit, die bitterſte Entire auf feine biodfichtigen 
Nachbeter und Anbanger ih. Der Wagen des Erleuchters wird 
von Geſchöpfen gerogen, die gar nicht fahig find, feines Lichtes 
zu genichen. Kann etwas deutlicher fon? — 

Vielleicht haben wir in Verlin den Genuß, die Barben dar 
Kelfen zu fchn, im Fall nehmiich die Musruhrumg fir die 
Deutfde National »Bühme hieſelbſt miche zu koſtbar iſt, 
und ſich die Ballete entbehren laſſen. Die Deutſche Matier 
nals Bühme hat keine Tamer, fondern fan nur bei um 
umganglicher Nothwendigteit, von der Jralienifhen Bühne 
ir blon im Carneval forelt,) entichnen, wen man ihr aͤberlaſſen wit, 

Sie man fagt, haben wir auch won dem berühmten Ge— 
ſchicht chreiber Johannes von Mulier eine Weltgeſchichte, uud 
jwar nur im äwei bis drei Bänden ju erwarten: das heiät aljo 
wohl, nur Weberfichten der immwandelungen, welche dis Men: 
fdenaserdnecdht und die bitrgerlidie Geſenſchaft, do war wir am 
igrem Urforunge bimaufdringen Fönnen, erlitten — oder 
gewonnen bat, Die pre iſt ihres Beligers würdie, Die 
Weltgeſchichte muß ihrer Natur mac durchaus kurzer ausfallen, 
als die irgend eines bedeutenden Segates: denn im diefer letzten 
ft es Dit wichtig ins Detail eimuschen; — tn jene muß 
ſchon der gerinaite Grad von Ausfuhrlichteit zu erinüidenden 
Wiederholungen uhren. Geiſtvolle Ueberfichten find die einige 
Form, in weicher die Weltg eſchichte lesbar geſchrieben werden tan, 


Aus St. Petersburg. 


Bon direnthichen Arbeiten, die den Gtaat betreiien, zichen iegt 
beſonders die Arbeiten Der Geſetz Komminlon unter dem Vorntze 


des Herrn von Nowahlieh, Auierlihen Rammerheren und @er 
hulſen der Yukise Minifiirs, die Aurmerbianteit auf ih, Die 
fer auſgetlarte Miniſter betleidet mehrere wichtige Poren, und 
erwirbt fich im alten durch feine Thatigkiit und sehen ESifer für 
das Wohl des Staates, die unringeſchraänkteſte öffentliche Achtung, 
fo wie er das erhabene Zutrauen ſeines Monardıen in einem 
boben Grade befige, Er it Enrator der hohen und niedern 
Schuten din Petersburgiſchen SKrelie, Bräfident der Nkadentie der 
Winenichäten, Mitglied der Committee jur Beſorderung der 
Auſtlarung, des tatſerlichen Hauprs» Dirckroriums der Schul ⸗ Ans 
ſtalten des Ruſchen Reiches u. w. Die erwahnte Commiſſton 
in in wei Erveditionen getheile, von denen Die erſte ſich mit 
General s@eiegen far das ame Reich, die zweite mit Sochial⸗ 
WHerenem ſur Die Provinzen berchartigt. — Bon der Errichtung eier 
Ummverfitar in Werersburg, iſt bis jetzt noch die Rede nicht, dage⸗ 
gen wird waͤhrſcheinlich die Mebisimiichr chirurglſche Akademie 
von Mostwa, dahin verlegt werden, —_1— 
Wien am 17. Muguft, 1504. 

Gr Theater ander Wien wird jege das bekannte Ein 
fi: Raul der Blaubart, mit Grems Muſtt, von 
Fiſcher neu infrumentirt, mit grofiem Gluck gegeben, wozu 
aber beiomderd das vortroflide Sviel der Dile Eigenſatz viel 
beiträgt. E⸗ war vorzuglich im dem traglichen Theile des Etliches 
uubeſchreiblich ſchͤn. Ms Maria aus dem Mordzimmer in das 


ſie ſorglos und frob bineinging, wieder Gerausfnrite, fehlen fie 


durchaus ein ganz verwandelted Tieren: der Ausdruck ihres Ente 
fegens, ihre Zerruttung ihr fa bewußtloſes Hinbeben über die 
Bühne, Ihr Niederiinten aus Eriköwung, die ſchauderhaſte 
Seelenquaal mit der fie wieder auffuhr; — ihre mrchterliche 
Todesangſt in der Echauderkene, da Nauf in das Mordiinmer 
negangen if, um Anſtalten zur Hinritung zu treffen, der Ton 
der Verzwelftung mit dam fie Immer Die Frage von deren Ber 
antwortung Leben und Tod abbangen, wiederboft: Siehſt Du ned 
nichts?“ altes dieſes berremmte die Bruſt der Zuſchauer, daß fie fich 
kaum des Aufſchreiens enthalten Fonnten, und ſtraubte chr haar. — 
Eben jo hinreinend gelang der chenen Künmirin das Gegenftirek zu 
jenen Schrecken + Gemalden, ihr ſtufeawetſes Erwachen aus der Ohn⸗ 
macht, zur Wahrnehmung, zur Erkenuung ihrer Retter, zum 
jubelnden Gntiucden über ihre Rettung. — Nach jeder Vor— 
ſtellung wurde Due Eigenfag mit dem rauſchendſten Beifall her⸗ 
ausgerufen, 

Damit Sie Indeh hler nicht einen parteiiichen Bewunderer 
su hören alauben, will ich Ihnen ofen geſtehen, daß fie in 
Dinficht auf Seſang, beſonders auf Intonation und Merhode, 
noch manches zu wünfben übrig, und bei Rauls Rucktehr vom 
der Reife, ihre Angſt alelch zu ſichtbar werden lich. 

Der Aufwand zu diefer Oper an Dekoratiouen und Kleiderm, 
it ſehr glaniend. 


180% 





ARISTIDES, 


ei Nro. 173. 


72 


Der Freimuüthige 


Donnerſtag, 


:-€ rn 


Literaten 


Beleuchtung der „vertrauten Briefe Über Franke 
reich,“ des Herrn 3. 5. Reichardt. Berlin, 
bei Schmidt, 1804. (20 Grofihen) 


En wichtiges Buch und zugleich, was die gehalt⸗ 
vollen Buͤcher ſo wenig als die gehaltvollen Men— 
ſchen immmer find, ein amiehend unterhaltendes, 
auf das ich die Leſer nicht ſchnell genug glaube auf: 
merffam maden zu £önnen, 

Der Derfaffer, — er nennt fih unter einem 
einleitenden Echreiben an Heren Reichardt, Julius 
von Voß, und ift wenigſtens dem Berliner Publi: 
fum als denkender und wigiger Kopf längft befannt, — 
mar kurze Zeit vor Herrn Reichardt gleichfalls in 
Paris gemefen, und hatte. das Meiſte von dem, was 
diefer uns fhildere, auch gefeben: aber freilich ganz 
andere, Mo Herr Reichardt nur an der Oberfläche 
baftete, und fich begnügte, fie lebhaft und unterhal: 
tend fchildern zu wollen, drang Herr von Voß mit 
philoſophiſchem Scharfblick tief ein; mo jener nur 
fah und hörte, dachte diefer; wo jener alfo nur, wie 
es ihm feine jedesmalige Laune, und Neigung oder 
Abneigung eingab, erzählen Eonnte, vermochte diejer 
ein fireng : prüfendes Raͤſonnement aufzuſtellen. Mit 
einer feltenen Beſcheidenheit, die immer den wirklich 
guten Kopf zu harafterifiren pflegt, unterließ er es 
-aber, dem Publiftum feine Beobachtungen und ge: 
fundenen Kefultate vorzulegen, bis ihm die Reichardt⸗ 


* 





und 


den 30. Augufl, 


S BE z. 


— — 


ſchen Briefe in die Hände fielen, — und ihn dieſel⸗ 
ben, wie es fiheint, durch ihre Seichtheit und Dber: 
flaͤchlichkeit, unwillig machten. Jetzt ergrif er die Fer 
der, nicht fomobl um Herrn Keichardt zu widerle: 
gen, als aus Drang die Yüden in dem Werke def 
felben mit etwas auczufuͤllen, das — Hr. R. freilich 
nicht mochte aufzumenten haben. Er führt eine Reihe 
Aeußerungen deffelben an, berichtigt oder ermeitert 
fies: — doch das wäre fehr wenig, wo von einem 
Werke die Rede ift, deſſen Epur und Andenken 
ſchwerlich zwei Oſtermeſſen überdauren fann; — aber 
Herr von Voß wender fih von dieſen Bagatellen 
ſchnell zu einem Raͤſonnement über die berührten 
Gegenftände, oder ihnen verwandte, das durch origis 
nelle, lichtvolle, oft ganz neue Anfichten überrafcht, 
und febr ausgebreitete, vielfeitige, durchaus in Ge: 
banfen verwandelte Kenntniß, (es giebt gar berühmte 
Gelehrte, mit deren uͤberreichem Wiſſen diefe Ope: 
ration nie vorgegangen iſt,) verrärd, Die Hauptze: 
genftänte deſſelben find die Geſchichte der neueften 
Zeit, der Charakter der ausgejeichneteften Helden der: 
felben, die politifhen Verhaͤltniſſe, das Militär (Hr. 
v. Voß diente ſelbſt i7 Jahr im Preußiſchen Heere,) 
bie Sitten und die ſchoͤnen Kuͤnſte, vorzuͤglich das 
Schauſpiel. Hier iſt nicht der Ort, die einzelnen po⸗ 


litiſchen, phileſophiſchen und pſychologiſchen Behanp⸗ 


tungen und bie Kunſturtheile zu pruͤfen. Viele, 
fehr viele Saͤtze bedärfen einer Erörteruns, aber auch 
dasjenige, mas ſich am meiften beftreiten ließe, ift 
Iehrreich und führe zu interejfanten Kefultaten. Mer 


A 


weiß denn nicht, daß es viel anziehender und näß: 
licher iſt, mit einem wahrhaft denfenden Kopfe 
eine halbe Stunde uͤber feine Irrthuͤmer zu dispu— 
tiren, ats einen Michtdentenden Tagelang Wahrheis 


ten vertragen zu hören, an denen niemand zweifelt 


und die jeder Eennt. — 

Dorzäglich lobenswerth iſt die aufgeflärte patrios 
tifche Gefinnung , die in diefem Buche uͤberall durch⸗ 
blickt, die große Unbefangenheit, mit welcher der 
Derfaffer von allem fpricht, und die Gerechtigkeit, die 
er dem berühmten Künftler, den er als Schrift: 
fteller berichtigt, widerfahren läßt. Von der ans 
dern Seite — und ich bitte die Leſer, diefen Tadel, 
wenn Sie fich der vorhergehenden Lobeserhebungen 
erinnern, nicht gu vergeffen, — iſt er an mans 
hen Orten ju weitſchweifig, und verftößt oft gegen 
die Delikateſſe, bald durch verſteckte, bald durch 
offne Angriffe auf Männer, die durch Verdienfte 
zur Schonung berechtigt find, (daß von Hrn. Epas 
zier und‘ Conforten nicht die Rede ift, wo von Verdien⸗ 
fien gefprochen wird, verſteht ſich;) — bald durch 
erwas allju chniſche Aeußerungen, z. ®. bei Oele 
genheit des Ballet. Es iſt wahrlich fhmerjhaft, 
wenn ein Mann, der fo häufig beweißt, daß fein 
Kopf und fein Herz hohe Achtung verdienen, dann 
wieder durch dergleichen unmillig macht, ja, empört. 

Bei einer an Gedanken fehr reichen Echrift, iſt das 
Aeußere, der Vortrag, etwas Untergeordnetes. Herr 
von Voß fagt felbft, daß er Fein gelibter Schriftſteller 
iſt, und das iſt freilich micht zu verfennen, aber er 
it ein fo geiftvoller, daß man die Epuren 
des Mangels an Uebung, gern überfieht. 
Styl ift Übrigens lebhaft und oft fehr Fräftig. 


Aus einem Briefe von Coblen;, 
am Ende July, 1804. 


Auf einer Reife lanbeinwärts, traf ich unfern Freund — 
der jeßt ein Amt in dem neuen Kaiſerthum befleis 
der; eim ſchreckliches Amt, welches ihn noͤthigte, eben 
als ih fam, das Criminal: efängniß zu befuchen, 
Ich ging mit ihm. Mich fehaudert noch vor dem, 
was ich da fah und hörte. — Drei Mörder faßen 
da in abgefonderten Gemaͤchen. Eine noch nicht vier: 
zigjährige Frau, welche ein Pfand — das heiligfte 
der Natur; — unter ihrem Herzen trug; ein ſchb⸗ 
ner Mann, deffen fanfte Miene mich ein Opfer der 
€ innlichfeit und der Verführung in ihm finden ließ, 
feinen boshaften Mörder; und Agathe, die Tochter 
jener frau, ein Mädchen von 17 Jahren. — Lie bat 
weinend um Huͤlfe, — aber ad! für fie giebt es 
keine: fie haben gemeinſchaftlich den Gatten, Vater 


Sein 


— 170 — 


und Herrn gemordet; die Guillotine wartet ihrer; 
vergeblich hoffen ſie auf die Gnade des neuen Kai— 
ſers! — Höre die ſchreckliche Geſchichte. 

Vor einer Woche war der phyſiſch und mora— 
liſch ſchredliche Tag. Wolkenbruͤche ſtuͤrzten fluhtend 
herab, Bäche wuchſen zu Strömen an und verwuͤ— 
fteten die Gegend, welche zugleich der ſchrecklichſte 
Eturmmwind durchraf'te, als Julie, von ihrer Toche 
ter unterfiüßt und von ihrem Liebhaber, mit Falter 
Ueberlegung die Schandthat an dem alten Gatten vers 
übte. ie fing Etreit mit ihm an, der alte ſchwache 
Mann ereiferte fih: da ſchmetterte ihn der Liebhaber 
mit einem eifernen Hammer nieder, trug ihn todt 
die Treppe hinauf und entfernte fich mit der Bub: 
lerin in ein anderes Haus; dann faßte Agarhe, die 
fiebgehnjährige Agathe, den Leichnam, ſtuͤrzte ihn bie 
Treppe herab und machte darauf Lärm, der Dater 


ſei die Treppe herab geſtuͤrzt und habe fich den Hals 


gebrochen. 


Schauder und Abfcheu erfüllen Dich mit Recht 
vor dieſer teufelifchen Unnatur ; ach, Freund, und 
doch wird fi auch Mitleid in dein Gemuͤth «ins 
ſchleichen, wenn ih Dir fage, daß auch Julie nicht 
bös geboren war; daß fie wie taufend andere, das 
Opfer der Einnlichkeit der Männer und der- Tonves 
nien; wurde. 


Du erinnerft Dich noch des verabſcheungswuͤr⸗ 
digen Sch. . . *) des frevlenden Wolluͤſtlings, der 
ungeftraft Friede und Gluͤck in fo mancher Familie 
ftörte, — nein, das iſt zu wenig, ewig morbdete. 
Der mordete auch Juliens Unfhuld, und ift dadurch 
jegt aufs Neue vierfacher Mörder geworden. Gott! 
Ich erinnere mich Julien vor etwa zwanzig Jahren 
gefehen zu haben; damals ein herrliches, aufblühen: 
des, von Geſundheit ſtrotzendes Mädchen, das fo froͤh⸗ 
lid und unbefangen durchs Leben ging. Dem Un: 
ſchuldmoͤrder mar es leicht, fie in feine Netze zu loden _ 
und die ſchlummernde Einnlichfeit zur lodernden Flamme 
anzufachen, daß ſie mit würhendem Ungeftüm fort: 
brannte und jedes Erdengluͤck im Keim ſchon zer: 
flörte. Eie wurde in ihrem ſiebzehnten Jahre durch 
Convenienz gejwungen, einen alten, aber reichen 
Mann zu beirathen, den fie nie lieben fonnte, ber 
ſchwach an Feib und Seele war, für die nun ſchon 
vergiftere Julie alfo ein Null. 

Die Berführte wurde nun Berführerin; fie Fannte 
nur einen, einen Genuß und fuchte diefen auf alle 


*) Bor zwansig oder breiätg Jahren eim angeſehener Beam⸗ 
ter, deſſen Untergebene Brosen gegen ihn Fahrten, amd endlich, 
ald ihnen das Recht verzögert wurde, ſogar rebenirten. Ends 
fich wurde er sur Strafe feines Dienſtes enniegt, und — au einem 
beſſern beſordert. 


— 171 


Art zu befriedigen. Alle ihre Kinder nannten mit lin: 
recht den Erſchlagenen Vater; auch Agathe wußte laͤngſt, 
dag der nicht ihr Water fey, deifen Leichnam fie, die 
gleichfalls früh Derführte, fo geichäftig die Treppe hinab 
geſtuͤrzt hat. — Aulie ſank nah und nach herab 
bis zu Walther ihrem Hausknecht, der Fein rober 
Menſch, nur einer von denen ſcheint, welche den 
Einen großen fehler haben, daß Weiber alles aus 
ihnen machen können, Walther liebte fie mit wi: 
thender Leidenfchaft und doch Fam er auch Agathens 
lauter werdenden Wuͤnſchen fehr zuvorfommend ent: 
gegen, — Julie wurde ſchwanger; der Gatte wurde 
ihr mit jedem Jahr widerlicher und läftiger; dieemal 
war auch fogar der Schein von Möglichkeit verſchwun⸗ 
den, daß er zu ihrem Kinde Vater fey; fie befuͤrch⸗ 
tet: Unannehmlichkeiten und wollte ihnen durch den 
Mord zuborfommen, Walther hätte nur eines Winks 
feiner Gebieterin bedurft, wenn auch nicht die Hoff: 


nung dabei mirgewirft hätte, Julien nachher heiras 


then und der Cigenthuͤmer anjehnlicher Güter wer: 
den zu koͤnnen. — Leicht wurde die fihen ver 
derbte Agarhe, die ganz der Mutter und dem anhing, 
der fie zuerjt das füße Gift der Wollujt kennen lehrte, 
überredet, Gefährtin des Verbrechens zu werden. — 
Es wurde, vollbracht. — 


Es blieb nicht lange verborgen! Freund *** ber 
figt eine ſchreckliche Fertigkeit im Inquiriren. Aus 
lie leugnete am längften, — erft vorigen freitag, um 
Mitternacht, bei der Confrontation mit ihren bei: 
den Mitfchuldigen, die ihr alles unter die Augen be: 
theuerten, — gab fie rach und geftand, Cie fHiebt 
alles auf ihr unbezwingliches Temperament und auf 
ihren tödlichen Haß gegen den Mann, melden fie 
nun ſchon feit zwanzig Jahren gezwungen war, ih: 
ren Gatten zu nennen. ie fäugte ein Rind, wel: 
ches man jedoch jekt von ihr genommen bat, — und 
ſchon trägt fie wieder ein anderes unterm Herzen. — 
Du kennſt ihren braven und rechtſchaffenen Bruder, 
Er fonnte die Örewelnacpricht nicht tragen ; man fuͤrch⸗ 
tet für feinen Verſtand; er ift verſchwunden. 

Ich mogte die Mermorfene (oder Unglüdliche?) 
nicht fehen; Walther faß da in feinem Gefängniffe 
und meinte, mie er faſt immer thut, — Agathe, 
welch ein vermahrlof’tes, unempfindlices, gänzlich 
unerjogenes Mädchen! Gelajfen oder ftumpffinnig faß 
fie in ihrem eigenen Gemach auf der Bank. Sie ver: 
goß nech Feine Thräne als jeht, da fie ihr Leben in 
Gefahr fieht. 

Auf die Frage, woher das Blut gefommen fey, 
das an ihren Händen geklebt habe und welches fie 
am Bache abgewafchen habe; ob von bes Waters 


biutiger Müge, oder vom Hinunterſtuͤrzen des Leich⸗ 
nams, antwortete fie: von dem Wegthun der Muͤtze. 
*** fragte weiter: Sie machten fi alfo nicht blutig 
bei dem SHerunterwerfen des Todten ? Sie zogen ihn 
wohl kei den Füßen herab? Nein, antwortete fie rus 
big, ich faßte ihn bei den Edultern; ſo — — — 
Schaudernd wendete ich mich und ging, — und noch 
töne mir in den Ohren das Echlagen ber eifernen 
Thuͤre, — das Knarren der ſchweren Riegel! — 
Leb' wohl! Jh Eann heute nicht mehr! 


General Hamiltom, 


Man bat es fo oft und fo laut bewundert, daß fich 

in Franfreich während der Kevolution Männer von 
den friedlichften oder dunfelften Ständen ju Eoldas 
ten, Helden, Seldherrn, Etaatsleuten bildeten. Das 
Phänomen war ſchan fehr oft da, und wird, der 
menſchlichen Natur gemäß, eben fo oft wiederfehren, 
als der Drang der Umftände es beifcht: denn das 


Schickſal bildet fich feine Werfzeuge, wo es fie niht - 


fhon findet. Ein neuer Beweis davon ift der Ges 
neral Hamilten, der Fürzlih im Duel vom Dice: 
Präfidenten der vereinigten Staaten erfchoffen wurde, 
Er wir Krufmann; als der Amerifanifche Freibeits: 
frieg ausbrach wurde er Soldat, Wafhington bemerfte 
bald feine Seiftes: Gegenwart und feinen Muth, und 
machte ihn zu feinem Adjutanten. Er war es, der 
die Echanze vor New: ®Vorf eroberte, von ber bie 
Einnahme der Stadt abhing. — Nach dem Frieden 
verſchloß er fi einige Donate in fein Kabinet, und 
ftutirte das Recht: und als er wieder öffentlich ers 
ſchien, zeigte er fich bald als den geſchidteſten Advor 
faten. DVorzüglid wandte er feine Talente an, die 
Anhänger Englands, die fogenannten Loyaliften zu 
vertheidigen, die er im Kriege fo muthig befämpft 
hatte, und die er jekt im frieden bedrängen ſah. 
Am Jahr 1788 wurde er als Sekretär der Schatz⸗ 
kammer angeftellt, und fchuf dem neuen Staate ie 
nanjen und Kredit. — Im Jahr 1798 wurde er 
jum General: Anfpefteur der Armee ernannt, bie 
man gegen Frankreich zufammenzog. Kurz vor feis 
nem Tode war er zum Geſandten nach Paris be: 
ſtimmt worden. — Mehr Ehre noch als feine großen 
Talente, macht ihm folgender Zug, den eine Londo: 
ner Zeitung aus Dodfon’s Gefchichte des Amerikanis 
ſchen Krieges erzählt. 

As New: Vorf angegriffen wurde, rieth Fafas 
yette dem General Wafhington, alle Engländer über 
die Klinge fpringen zu laffen. W. antwortete: ba 
Lafayette bier das Ober: Kommando führe, möge er 
anordnen, was er für gut fände, — und der Befehl 
ward ertheilt, aber Hamilton befolgte ihn nicht. Als 








1804- Nro. 174. 
ARISTID 
Der dreimüthige 
Freitag, — Od — den 31. Auguft, 
Erst msıd Sherry 


Ueber das Trauerfpiel, 
Bon Friedrich Köppen, 
( Fortfegung. ) 
Musgehens von biefen Grundſaͤtzen, (denen, ber 
Schellingſchen Philofophie,) wird der Tragddiendichter 
bauptfächlich fireben nah Allgemeinheit der Charak⸗ 
tere: daß in ihnen keine befondere Empfindung, Feine 
individuelle Denfart das Uebergewicht erhalte, fons 
dern alles unter einander gleich fey und ein organi- 
{des Ganze bilde; daß nicht der wirkliche Menſch 
dargeftellt werde, fondern die Mienfchheit ohne den 
wirklichen Menfhen. Ale Xefchränfungen durch 
£ofalität und Zeit müffen aufgehoben werden; denn 
das Individuum eriftirt freilih immer an einem be 
flimmten Ort und in einer beftimmten Zeit, aber die 
Menfchheit ift auf der ganzen Erde und zu aller 
Zeit, Deswegen iſt in der nathrlichen Tochter Feine 
beflimmte Stadt, ein beftimmtes Land zur Scene 
der Handlung gemacht, fondern nur «in Land über: 
haupt; und felbft die Inſeln, nach welchen die Hel: 
din des Gtüdes reifen fell, find nur Anfeln über: 
haupt. Nicht aus einem beftimmten Jahrhundert 
flammen die handelnden Perfonen , fondern fie gehoͤ⸗ 
ren allen Jahrhunderten an: ein König, ein Her⸗ 
309, eine Hofmeifterin, eine natuͤrliche Tochter. Aus 
demfelben Grunde find in der Braut von Meffina 
das Chriſtenthum, Heidenthum und felbft der maus 
rifche Aberglaube untereinander gemifcht; die Perfo: 
nen des Stuͤcks reden bald als Thriften, bald als 


„Heiden, bald als Mauren, wie es dem Dichter ge 
fallt. Ein retigiöfer Menſch in der Wirklichkeit, kann 
freitih nie Heide und Chriſt zugleich ſeyn, fondern 
er ift entweder das eine oder das andre; allein wirk: 
liche Individualitaͤten follen ja nicht auf die Bühne 
fommen, fondern die Menfchheit überhaupt, in wel⸗ 
her fih Heidenthum, Chriſtenthum und mauriſcher 
Aberglaube geſchichtlich nachweifen laſſen. Diefen 
befondern Formen der Religion, liegt die Religion 
Überhaupt zum Grunde, und fie iſt nichts anders, 
als der Glaube an ein allmächtiges Schickſal, mel: 
ches die dunfele und den Fragern falſch ausgelegten 
Drafelfprüche erfüllt. Man hat gefagt: der vielen 
tadelhaft feheinende Verein von Epriftolsgie und My⸗ 
thologie verrathe einen tiefen Blick in die Charakte— 
riftit des Landes, wohin Schiller die Scene verlegte, 
Dies iſt eine fehlechtgelungene Rechtfertigung auf dem 
Gebiet des Wirklihen. Sind denn einzelne Italiener 
oder Eicilianer, Chriften und Heiden zugleich? Were 
den fie an demfelben Tage in die Meffe gehen, und 
vor heidnifhen Gottheiten Enieen? Mag immerhin 
eine überwiegende Einnlichfeit am Gepränge, an 
Proceffionen und SHeiligenbildern Geſchmack finden, 
ein gläubiger Kathotif haßt das Heidentfum, Die 
Grundſaͤtze der neuen Aeſthetik find es, melde den 
Dichter leiten und rechtfertigen mäffen, wenn er fich 
eine Vermengung deffen erlaubt, was in der Wirk⸗ 
lichkeit gefondert ift, Schiller machte von ihnen nur 
einen fehr befiheidenen Gebrauch ; denn es war ihm 
geftattet, auch die Indiſche und Mordifche, ja fogar, 


wenn es ibm gefiel, eine neuerfundene Mythologie 
in das Drama zu vermeben. Iſt nicht die poetifche 
Welt dem Dichter untereban? Und muß fich nicht 
die wirkliche Welt nach der portifchen richten ? 


Um die Individualität gänzlid von der Bühne 
zu verbannen, hat man nach dem Beifpiel der Alten 
den Schauſpielern wieder Masten anlegen wollen, 
Der Zweck wird erfüllt, aber nur theilweife, und es 
ift fehr wichtig bemerft worden, man müßte eigent: 
lich die ganze Geſtalt in Pappe Kleider, *) Wenn 
die Dichter indeß nur fortfahren, die Charaktere zu 
generalifiren, fo mird es am Ende felbjt deu größe 
ten Schaufpieler ſchwer fallen, fie individuell darzus 
fiellen, und er muß, um barmonifh mit dem Dichs 
ter ju wirfen, auch allgemeine Geberden erfinden, 
die feinen befondern Zuftand des Gemuͤths und- ine 
bividuelle Leidenſchaften darftellen, fondern nur Zus 
fand und Leidenſchaften überhaupt, 

Was für die Charaktere gilt, gilt auch für die 
ganze brammatifhe Handlung, Waͤhrend die alte 
Kunft ihren Ruhm und ihren ganzen Triumph darin 
feßte, Intereffe jn ermeden, und den Zufchauer mit 


fih fortzureißen; denkt die neue Kunft darauf, die, 


fes Intereſſe zu hindern, und fiets eine ruhige Bes 
fonnenheit in dem Gemuͤthe zu erhalten. Denn jede 
Begeifterung, jedes nterejfe iſt nur ein einzelner 
individueller Gemuͤthszuſtand der wirklichen Mens 
ſchennatur, ihn kann der Über die Natur erhabene 
Künftler unmöglich hervorbringen wollen. Die raſche 
Handlung muß deswegen gehemmt werden; die Re— 
flerion, welche durch überwiegende Empfindung ver 
loren ginge, muß in der Tragödie kontinuirlich fich 
felbjt erzeugen, und als Kepräfentant diefer Keflerien 
bat Schiller den Griechiſchen Eher auf unfre Bühne 
gebracht. Dieſe Einführung des Chores erfüllt ihren 
Zweck vollfommen; eine Menſchenmaſſe bat für das 
Auge mehr finnlihe Objektivitaͤt, als ein einzelner 
Menſch, und wenn es in der Kunft nur auf Objek— 
tioirung der Ideen anfemmt, ift der Chor als Kunſt⸗ 
mittel dem Dichter äußert brauchbar. Individuell 


kann und darf die Mehrzahl der Dienfchen nicht wers, 


den; fie ift charafterlos und läßt fich von jeder Ems. 
pfindung leiten, welche ihr eben durch die Umflände 
aufgedrungen wird, Offen für Eindrüde der Furcht, 
ber freude, der Hoffnung, regieret den Chor nie ein 
eigner Entfchluß; er Außert feine Gedanken und Cm: 
pfindungen, zieht Nefultate der Weisheit ab, aber nie, 
fommt es zu einem Reſultat der Handlung; er 
Fann das Beſſere wilfen, und läßt das Schlechtere 
gefchehen; er Fann meinen und Elagen, wenn das 





*) Ernſt und Eder, 1803 Blatt & 


“der Handiung Überwogen weıden, 


— 176 — 


Schlechtere geſchehen iſt, aber es mangelt ihm an 
Kraft ein Unheil abzuwehren; er beſteht bei den 
Griechen meiſtens aus Weibern oder Greiſen. Cine 
ſolche willenloſe Maſſe iſt ein treffliches Gegenge⸗ 
wicht, gegen die raſchfortſchreitende Handlung; waͤh— 
rend der Chor allein die Bühne füllt, muß die Tra⸗ 
gödie flille flehen, und wäre irgend ein der Entwider 
lung gntgegeneilendes Intereſſe bei dem Zuſchauer 
rege gemacht, fo muß er, gezwungen durd die Ole: 
genmwart des Chores, diefe Individualität abflreifen, 
und ſich einem rein objektiven Kunftgenuß bingeben. 

Diefe Rechtfertigung der Einführung des Thor 
res auf die neuere Bühne, ſteht und fällt mit der 
angegebenen *) Kunfttheorte. Eine andre Necprfertigung 
mochte fih aus dem Beifpiele und der Autorität der 


Griechen entlehnen laffen, welche nilt Hecht als Mu— 
ſter der tragiichen Kunft, von allen - jpäteren Natio— 


nen verehrt worden find, Doch ein andres ift Vor⸗ 
büden, ein andres Machbilden, 


Der Griechifche Thor verdankt feine Entſtehung 
einer doppelten Quelle: der Berichte des Brie 
chiſchen Theaters, und der Ditte der Ma 
tion.. Bekauntiich wurden in- den fruͤheſten Zeiten 
von den Thören der Bacchhanten Dithyramben jur 
Ehre des MWeingottes arfungen, Sie wurden in fpär 
terer Zeit nachahmend, und man verflecht in fie jur 
Beluftigung der Zufhauer irgend eine handlung, 
Almälig ward auch eine Schaubuͤhne aufgeführt, 
anjanglıch nur aus Bauniceifern, bernach auf Be: 
trieb des Aeſchylus mit mehr Verzierungen und Pracht, 
mit Nachahmung der wahren VDerter der Ecene, 
durch Gemälde und Maſchinen. In biefer rohen 
Geſtalt mubten die Gefänge des Chores noch anfüng: 
li Hauptſache bleiben, und Fonnten nur durch bie 
Beſtrebungen fpäterer Dichter, von dem Jutereſſe 
Der Geift der 
Griechiſchen Tragddiendichter, hatte eine neue Rich— 
tung genommen, aber es blieb unter mancherlei Mio: 
bififationen der urſpruͤngliche Gebrauch des Chores, 
Die Griechifchen Dichter firebten von der Einformig: 
£eit der Chorgefinge jur Wannigfaltigkeit; Thespis 
brachte in feine Tragödien einen Akteur, der zwiſchen 
erjählte, wenn fich der Chor ausrubte; Aeſchylus 
flocht zwifchen die Geſaͤnge zwei dialogirende Perſo⸗ 
nen und ward der Vater der Tragoͤdie; Sophokles 
ließ drei bis vier Perfonen ſich mit einander unter: 
reden, und vermehrte dadurch die Mannigfaltigkeit 
der Darfiellung. Der Chor erhielt nun eine. fubal- 
terne Holle, das Hauptintereffe rubte auf dem Hel⸗ 
den des Erbdes. Ariſtoteles bezeichnet ganz deut: 


— tidertihen — {D.R.) 


— 177 — 


lich dieſen Fortſchritt der Kultur des Trauerſpiels. 
(Lolit.c. 4.) Bei dem Streben nach Mannigfal⸗ 
tigkeit ergab ſich die berühmte Einheit der Griechi: 
ſchen Bühne von ſelbſt. Die Einheit der Handlung 
lag in der Kabel vor dem Dichter, die Einheis 
ten des Ortes und der Zeit ergaben fich durch den 
auf der Bühne Meibenden Chor. In den Eumeni: 
den läßt freilich Aeſchylus die Scene wechſeln, aber 
der Chor befland auch aus Göttinnen, welche dem 
Flüchtigen an jeden Ort nachkemmen konnten, Kurz, 
die ganze Defonomie des Griechiſchen Trauerfpiels vers 
dankt ihr Daſeyn der nationalen Nusbildung der Gries 
chiſchen Bühne. 
Der Schluß im folgenden Stud. 


Das linfe Rheinufer. 


Auszlge aus dem Briefen eined Reiſenden; mitges 
theilt von Per. Hammer. Ebin, Ende Mays 1804. 


In fliegender Eile kam ich von Mainz bis Töln das 
ſchoͤne Rheinthal hinab, — unter abwechſelnden Ge— 


nuͤſſen der lieblichſten, hoͤchſt mannigfaliigen Matur. 


Abrr auch im Fluge mußte mir manches auffallen, 
was dem Cosmopeliten und dem Beobachter der Zeit 
wichtig war. 

Schon mehrmals hatte ih, auf dem majeftätt 
ſchen Rheine, diefe romantiſchen Gegenden von Mainz 
bis Bonn durchſchifft; — jeht wählte ich den Weg 
zu Yande, der Neuheit und Abmechfelung wegen, 
die jeder Steibliche ticht. Auf ganz neugebahntem 
Wege, fuhr ih in einem bequemen öffentlichen Wagen, 
am linken Ufer des Rheines, am Fuß feiner Rebens 

ebirge dahin, von Mainz bis Coln, durch eine Menge 
n lieblichen Thälern liegender Städtchen und Dörfer, 

Eonft fölängelte nur ein ſchmaͤler Pfad von 
Dingen bie Koblenz ſich Iänaft dem beine bin, oft 
über Zellen und Abgrönde, und Wagen und Fuhr: 
werfe mujten einen weiten Umweg machen, übe. sen 
rauben waldigten Hunderlick. Jeht iſt eine breite 
Heerſtraße bier geöffnet, die, wenn fie vollendet ſeyn 
wird, eine der jchönften und nüßlichflen werden muß, 

Erft vor zwei Jahren ließ die Franzoͤſiſche Re— 
gierung diefe Abeinftraße beginnen, deren Anlage an 
oft ſteilen Gebirgen und durch Felſenmaſſen, große 
Schwierigkeiten darbot; — und fchen ſiehſt Du fie 
mit Fubrwerfen aller Art bedeckt. Kine bequeme, 
fehnelle und mwohlfeile Diligence gebt nun alle Tage 
von Mainz nad Goblenz, und von Coblenz nach 
Mainz, und legt diefen romantiſch-ſchoͤnen Weg von 
etwa jehn Deutſchen Meilen in 13 bis 14 &tunden 
Zeit zurüd. 

Ueberbaupt find in ben Menfranzöfiichen Laͤn⸗ 
dern auf dem linken Rheinufer die Bequemlichkeiten 
für Keifende vervielfäkigt, und die Öffentlichen Fuhr— 
werke aller Art im Uebermaaß vorhanden, Und mie 
moblfeit man reifet, fliege daraus, daß ich von 
Mainz bis Ceblenz nur einen Yaubthaler für meinen 
Platz in der Diligence zahlte. 

Für die Anlage dieter intereffanten Straße ver: 


wandte ſich befonders, — außer der ehemaligen De 
partemientsverwaltung und dem Wräfecten zu Co: 
blenz, — der. Präfeft zu. Mainz, Jean Bon St. 
Andre, ein durch feinen Kopf, feine Echidfale, und 
die Rolle, die er fpielte, merkwuͤrdiger, trefflicher 
Dann.‘ Einft prereftantifger Pfarrer, dann Mit 
glied des Mationalfonvents und des verfchrieenen Heils: 
ausfchujfer, — dann lange in Türfifcher Gefangen: 
ſchaft, — jekt Derwalter der ſchoͤnen Länder, die das 
Donnersberger Departement, ausmachen, bleibt er in 
fo abwechſelnden Umfländen und Lagen ſich gleih, und 
feiner Philoſophie getreu. — Freund der Freiheit, 
der Vernunft und der Menfchheit, — ob er gleich 
vielleicht die Menſchen, — wie ihre Maffe jet in 
Frankreich erfcheint, — nicht hochachten * enn 
ich wage kaum zu glauben, daß fie, dieſe Menſchen, 
feinen Erwartungen entjprochen haben. » 

Ein Praͤfekt iſt fehr befchräntt in feiner Verwal: 
fung; felten bewilligt man ibm beträchtliche Zum: 
men zu großen gemeinnüßigen Unternehmungen in 
feinem Kreife, zu Anlagen fürs Schoͤne und Gute, — 
In großen Keichen verſchlingt die Hauptſtadt Alles, 
und die fernen Provinzen nd nur Erieflinder, — 
Deſto mehr Ehre macht es diefem Manne, ſchon fo 
manches Gute durch fein Anfepen und Beifpiel, und 
durch die Achtung und Yiebe, die er fich zu verfchaf: 
fen wußte, gemirft zu haben. So find t B. au 
feinen Antrieb, alle Haupt: und Nebenftraßen feines 
großen und fruchtbaren Departements, mit Obſtbaͤu⸗ 
men befeßt worden, die bald herrlide freichtbare Al: 
leen bilden werden. Millionen edler Bäume wurden 
in kurzer Zeit gepflanzt. So werden die Epuren 
des Krieges allmalig ſchwinden. — Welche Huͤlfs- 
quellen bieten aber auch diefe Länder einer weifen 
und wohlwollenden, nicht blos milicärifch: firfalifchen 
Kegierung , dar! — ’ 

Gewiß würde auch Jean Bon für Wiffenfhaf: 
ten und öffentlichen Unterricht viel thun, wenn er 
unterftüßt würde, Aber wie es von der Seite noch 
in Frankreich ausfieht, weißt Du. ferne fei es von 
mir ju glauben, daß das Gouvernement denfe, wie 
ein gemwirfer Richter eines Franzoͤſiſchen Tribunals, 
der mir neulich mit fehr pbilofophijcher Miene fagte: 
il faut une Religion pour le peuple; si Je peu- 

le est eclaire, vous n’en jouisses plus. — Die: 
fee Monsieur Chicaneau war freitid nicht aufge: 
Flärt, und doch Fonnte man ibn micht genießen. 
Eeine Worte drüden indeß die wieder fehr vorberr: 
fhende Meinung einer fehr zahlreichen Klaffe feiner 
Yandsleute aus, Bemerke dabei das Mörtlein Jouir, 
auf das bei diefem Geſchlecht ſich alles rebucirt. 

Der gute Wann bat nicht zu Lefergen, daß der 
edle Genug, der aus nr erg Pf— — und 
Aberglauben erwaͤchſt, ihm fobald geraubt werde. 
Eifrig läuft jetzt wieder ‚die große Menge Flachkoͤpfe, 
die vor einigen Jahren von Vernunft und Pbilofos 
phie fchwakten, einem unverjtändlichen, in den duns 
keiten Zeiten der Barbarei, barbarijch en 
ee Cultus zu, ynd Tultus und Religion find 
bnen wieder gleich heilige Worte, bei denen fie fich 
freilich wenig Deutliches denken. Eo wie fie wiſſen, 
daß jeht nicht mehr ein fehlichter, natuͤrlicher Anzug, 
abgeichnittenes, ungepudertes Haar in die gute Ge: 


w 


— 178 — 


taugt, fondern die Mode wieder Frifur und 
—— * Struͤmpfe und niedliche kleine Schnaͤll⸗ 
chen vorſchreibt, — fo willen fie nun, ganz auf die 
nehmliche Art, daß Philstophie und Vernunft nicht 
mehr Diode find, fondern Geremonien, — culte, — 
Aberglauben und Digotism, Du findeft wenig Wiens 
ſchen, die einen Unterfchied machten zwiſchen Reli— 
gion und Eultus; in Frankreich werden dieſe Des 
griffe durchgängig verwechfelt, 

Man forget jeßt wieder eifrig für den Cultus, 
aber der Vollsunterricht ſinkt täglich mehr, Kein 
Schullehrer ift befoldet. Was die Lyccen wirken wer: 
den, muß die Zeit lehren, — ich kenne fie noch nicht 
genug, um davon zu urcheilen. Aber auffallend its: 
die Beften Köpfe aus diefen Ländern wandern über 
den Rhein und ziehen ſich gegen Oſten, und man 
erinnert ſich unmilführlih deren, was Helvetius vor 
funfsig Jahren fagte: „den füdlichen Himmel trüben 
die Diebe des Aberglaubens, im Morden erheitert 
und reinigt fich der Himmel mit jedem Tage!“ *) 

Dergleihen Bemerkungen drängen fich denn ſtaͤr⸗ 
fer und niederfchlagender auf, wenn man in Frank⸗ 
reichs gelefenften Journalen, wie im Mercure de 

—ñ—ñ ——r⸗— 





France, Stellen lieſſt, worin geſagt wird: bie Refor⸗ 
mation fei Urſache, daß England und Deutſchland 
noch immer in tiefer Barbarei verfunfen lägen, und 
der gute Geſchmack auf immer von dort verbannt ſey; 
wenn der nehmliche Mercure die Bartholomaͤusnacht 
vertheidigt und bedauert, daß das Edikt von Dan: 
tes nicht eher fey widerrufen worden. 

Noch findeſt Du aber eine Menge aufgeflärter, 
fehr gebilderer Menſchen auf dem linken Rheinufer, 
unter Karholifen und Proteflanten. Vernunft und 

umanität hatten in den lebten Jahren vor dem 
riege in Diejen Laͤndern grope Fortſchritte gemacht. 
Die Proteftanten fludirten in Preupen und Sach— 
fen; die Katholiken fanden in Waınz und Bonn 
treffiche Lehrer, Lektuͤre wurde in allen Erändenge: 
mein; allgemeiner Wohlſtand begünftigte die Bildung; 
die Menſchen wurden menjchlicher, die Sitten feiner 
und fantter, Algemeine Toleranz vericheuchte immer 
mehr die rohe, wilde fanatifche Anvachteld. Noch 
jegt leuchten diefe Stralen im Stillen fort, und ers 
halten aus Deutjchland Nahrung und Kraft. 
(Die Fortjegung im folgenden Stud. ) 


*, S. bie Vorrede feines Werts, De V’homme, 





Niht:politifhe Zeitung. Nro. 32. 


Theatermerfwürdigfeiten, 


f dem Theaters Vorhange zu — — —, einer großen Stadt 
in Norddeutſchland, it die Domtirche ber Stadt abgebildet. — 
Wenn in D. — —, einer berühmten Refident, ein Trauer⸗ 
ſplel gegebeu werden fol, jo wire die Buhne mit ſanwarzem 
Tuch überzogen. — Im einem andern nicht underühnten Theas 
ter find die der Biihne am nachſten liezenden Logen mit Bret⸗ 
teru verichlagen, auf die man Vorhange gemalt bat, und im 
der Fuͤrſtlichen Loge brennen mei Kergen; ſonſt A alles dun⸗ 
tel. — Der Saal des großen Theaters zu — — endlich, iſt 
geſchmackvotl detorirt, aber an xziecten Stellen bes Warterre 
und im den meiſten Logen hört man nicht, was Die Schau— 
ſpieler ſprechen: dad iR ohne Zweiſel die geeäte Mertwüirdigkeit, 





Aus Baden vom I1. Aug Ein karholiicder Beam 
ter, Namens Fabricius, bat cine Protskantin gcheirgtbet, Die 
geicdhiedene Grau eines Proteſtanten. Das Biſchotliche Vitariat 
su Bruchſal weigerte ſich, die Ehe anzuertenuen, und wuter 
warf den Fan dem Ausſeruch des Romiſchen Hofes. Diener 
erklärte die Heirath Fir nichtiz, zufolge den Beſchluſſen des Tri⸗ 
dentindichen Concils. Der Churſurſt von Baden und das Erf 
biſchofliche Bitariar gu Rſchaffenburg, lat wisverum dieſe Auf 
bebung für umguitig ertlart. Dir Vorgang dd sehr mertwur⸗ 
dig, als rin Perſuch gewin: Niiprudıe wieder in Kart zu ſehen. 





Man wollte auf einen der erden Theater zu Paris cine 
ältere aber ſchoͤne Operette von Greetey, die beruhmte Yırcıde 
geben, im wilder das ned beruhmtere Ol peut-on dire 
mieux etc. vortommt, Der erſte Sanzer finbet feine Sing⸗ 
partie zu einfach; er fahrt alje zu Gretra, und, überzengt daß 
diefer and Freude uber die (Ehre, die ihm widerfahrt, alles 
bewilligen werde, ſchlagt er ihm vor, die Kompolition von dis 
nem nareen Komponiiten dorrigiren zu laſſen. „Ach, mein Herr, 
ruft Gretry tief getraͤntt aus, warten Ste meinen nahen Tod 
ab, umd machen Eie dann aus meiner Duft, was Ete wols 
ten; aber jo Jana’ ich lebe, verſummeln ie mic nicht.“ Zor⸗ 
nig entiermt fich der Sanger und giebt die Role at. — Ein 
Fran. Beurtheiler macht daber Die Bemerktung: wenn man Die 
phitofsotirenden Kimfler ſorechen hoet, ſo ſollte mau faſt 
glauben, Pergoleſe und Jomelli danden tier unter ben gering⸗ 


fen Unfangern der Gegeuwart. Faf ſollte man weifeln, dal 
fie das Geriugſte von der Muſik verſtanden hatten, zeigten nur 
nicht ſo oft die anſpruchsvollen heutigen Birtuojen, das liegar 
nicht im Stande find, Die Melfterwert: der alten Janoranten 
au verſtehen und vortragen. — Wem fallen dabet mtcht die 
Deutihen vbilofeohtrenden Virtuoſen in der Poeſte bei, bie 
Wieland und Klopſtock und Herder und Engel veradgelich behan— 
delten, umd gleich darauf durch elende Giinmpersien beiviefen, 
dag fie gar keinen Begrif weder von der Dichtlun mod von 
der Beredſarukeit hatten, 

— Wie der Publiciste ersäßft, hat der Kader Wirth zu 
Königsberg, der Kants Haus gekauft hat, (vermuthlich erſchüt⸗ 
tert durch die Theilnabme, weiche der groze Epajier für das 
Andenten des großen Kant bejeigte, ) Über fein Schild eine ihöne 
Marmortärel anbringen laſſen, nilt der Inſchrift: „Hier ledte 
Kant.“ Er ſchmeichelt ich, dag die Kantiamer ſich regeimiälg 
bei ihm verſammeln werden, und bat ſchon eine Miinge Schnent⸗ 
ſchreiber angenommen, um kein Wort von ihren erleuchteten 
Unterbaltungen umkommen ga laſſen. 


Theater» Nachricht aus Berlin, 

Am 27. Augun ſahen wir Madame Hermann im Baum 
ber -Diama, als die Gottin auftreten, und ihr Geang erwarh 
fid) wider den umgerheilteften, lebhafteen Beifatl. Ihre Stimme 
it hinretgend ſchon; — tein Publikum, das aufgetlart genug 
it, umd dich hinreſchend im feiner Gewalt bat, mn Nebenſachen 
zu überehen, wo die Haubtzache in vorzuglicher Schonheit ge 
leiſtet iii, — wird einen Nugenbiict sogen, ihr au ſtartes Em: 
bonpoine um ihres Geſanges willen zu verzeihen. Moge fie, 
wohln fie acht, ein ſolches Publitum finden. Das kit der Wunrſch, 
den man ihr bier mit warmer Pantbarkeit auf ihre Weitere 
Reife nach cictt. — 

Am 29. Aug. gab man Glucks Johlgenia, und zwar, mie 
man gewohnt il, das Stud hier zu horen, von Seiten des 
Geſanges und der Dekorationen, ſehr gut. — In dem Ballet am 
Ende des Stuckes, entzucktte Die Augune Schulz durch hren bir 
snuberndcbönze, eben ſo arappıen wis Bundreuben Tanz. Euthuna: 
Rich brach das Publitum im ein beraubendss YoolaudiTannt aus, 
Senn Biere reisende Kunftlerin auf ihrer Baba ſo fortgcht, als 
fie ſeit einem Jahre gethan hat, jo werden wir fie bald mit 
Stolz nenuen konnen, wo von den vormguchſten Tanserinneu 
in Europa die Rede il, 


1804, 





—— 


ARISTIDES, 





Nro. 175. 








Der Freimüthige 


Eonnatend, 


ern ft 


und 


— — den 1. September. 


Sherry, 





Ueber das Trauerfpiel. 
Don Friedrih Koͤppen. 
(Schluß.) 

W. dürfen wir Neueren, denen eine ganz andere 
dramatifche Bildungsgejchichte vorangegangen ift, das 
Lorifche des Chores und das Epifche der zwifchentre: 
tenden Verfonen, aus Achtung für die Griechen 
nahabmen? Was waren die Dithyramben, als Aus: 
bruch Inrifcher Begeifterung ? Wie follten die Dichter 
ſich helfen, bei den erften ſchwachen Derfuchen eine 
Handlung einzuflechten, wenn fie fich epifche Di: 
greffionen verfagt harten? Mußten nicht Boten Fom: 
men, und das Vorgefallene erzählen, mußten fie nicht 
auf epifche Weiſe die einzelnen Umſtaͤnde den Zus 
ſchauern deutlich vor Augen malen? Am natärlichiten 
geſchah dies noch, wenn die Perfonen des Chors 
felbjt ein nterejfe nahmen an dem Ausgange der 
Begebenheit. In den Sieben vor Theben bes 
Aeſchylus fonnten die Thebaniſchen Jungfrauen 
Theil nehmen an der genauen Angabe der Helden, 
welche vor jegliches Thor geſtellt waren, und der 
ausführlichen Beſchreibung ihrer Ruoͤſtungen, weil fie 
die Helden perfonlih kannten und von dem Erfolge 
der Schlacht, Freiheit oder Gefangenfchaft erwarte 
ten. In den Eumeniden ift der Eher ſogar die Quelle 
der Handlung des ganzen Stuͤckes: feine Verſoͤhnung 
wuͤnſchen der verfolgte Dreft, und deffen Kathgeber, 
Phoͤbus. Aber unnatärlig wirb ven Euripides in 
den Phönikerinnen ein Chor fremder reifender Jung: 


frauen eingeführt, die durch Zufall in der Stadt rin 
gefchloffen, den Wechfel des Krieges fhauen, und Die 
bleibenden Zeugen werden müffen, vor denen fi bie 
ganze Begebenheit entwidelt, Wer ſieht nicht, daß 
der Dichter in diefem Fall durch den Chor befränft 
iſt, den er doch nad Theaterfitte nicht entbehren 
konnte? Darum fuchten fi die fpäteren Dichter von 
den Feffeln des Chores immer mehr zu befreien. Bei 
Sorhokles ift der Chor weit Fürger und hat weniger 
Theil an der Handlung, als bei Aeſchylus; bei Euri— 
pides iſt er fat bloße Verzierung. Vielleicht ſtammt 
größtentheils aus diefem nicht unbedeutenden Zivange 
die Eigenehümlichfeit des Griechifchen Chores, der 
Dertraute beider Parteien zu feyn, die größten 
Greuel vor feinen Augen gefchehen zu laifen, ohne 
ein Wort zu ſprechen, oder einen Arın zu heben, um 
die Ausführung unmdgli zu machen. Hätten nicht 
die Tragifer der Griechen durch den erhabenen 
Schwung ihrer Gedanfen, durch die großen Züge in 
den Charakteren ihrer Helden, an denen Aeſchylus und 
Eophofles am reichten find, durch Die gebildete 
Eprade und mwahre Haltung der handelnden Per: 
fonen, die Bewunderung der Nachwelt erregt: durch 
die äußere Form ihrer Stuͤcke und den Chor, hätten 
fie es wahrlich nicht vermocht. Der Chor erregte ein 
Nationat: Intereſſe; für Athen wurden ſogar in be 
fondrer Baterlands: Beziehung einzelne Stuͤcke ge 
dichter, z. B. die Perſer des Kefchylus, und der Dedip 
auf Kolonos des Eophokles. Mit der Nation, iſt 
aud das Nationale untergegangen; wer dieſes in fel: 





— 178 — 


ner Wirkſamkeit auf das menſchliche Gemuͤth wieder 
herſtellen wollte, muͤßte zugleich das entſchlafene Volk 
und die zerfiörten Republiken wieder hervorrufen. 
Aber die Sitte unfrer Nation, begänftigt fie etwa 
den Chor der Bühne? Bei den Griechen war alles 
öffentlich, die Gerichte, die Ztaats: Verhandlungen, 
felbft die Lehren und Sprüche der Weltweifen. Was 
jedermann dachte und that, redete und vollführte er 
vor den Augen des ganzen Volfs; wer im Staate 
ju einigen Anfehen gelangen wollte, gemöhnte fich 
ſchon früh an das Auftreten vor einer verfammelten 
Menge. Zu unfern Zeiten find die Gerichte geheim, 
die Etaats: Verhandlungen beſchraͤnken ſich auf das 
Kobinet, das ganze Yeben iſt meniger oͤffentlich, 
mehr haͤuelich. In Griechenland fonnte die ffla: 
vifche Abhängigkeit der Diener von ihren Herren, 
die geringere Achtung in der das weibliche Geſchlecht 
fand, wenigftens zum Theil die Paſſivitaͤt des Ihe: 
res motiviren; wenn ater in Europa die Diener in 


gewiffen Rechts: Verbältniffen zu ihren Herren ſtehen, 


wenn die öffentliche Dieinung dem ganzen weiblichen 
Gefchlecht eine höhere perfönlihe Würde giebt; fo 
muß ein blinder dem Willen feiner Herſcher folgens 
der Chor, fremd und unbegreiflih erſcheinen. An 
der Braut von Mejfina wird die Willentofigkeit des 
Chores durch das berpelte Intereſſe feiner Herren 
und ihre feindfeeligen Gefinnungen, befonders ans 
ſchaulich gemacht. Die Begleiter der Fuͤrſten find 
bereit, auf den erften Wink ihrer Herrſcher fich ent: 
weder zu verſoͤhnen, oder zu ſtreiten. Stehen fie 
unter militairifcher Zucht, oder folgen fie aus eigenem 
Entfhluß? Wenn nicht das Erflere, warum das 
Letztere, da fie eine Verföhnung der beiden Brüder 
wuͤnſchen, und doch die Fürftin ihnen Schuld giebt, 
Urfache und Beförderer des unfeligen Zanfes zu 
feyn? Eollen fie die Einheit des Volkes darftellen, 
warum die befländige Sweiheit? An diefer Doppel: 
geftalt ift der Chor nicht einmal Griechiſch: und iſt 
er darum Deutfh, oder nur durch die Eitte des 
modernen Europa Überhaupt gerechtfertigt ? 

Wollte man die Hauptzüge der neuen Deutfchen 
Kunſt⸗ Verbeſſerung in Bezug auf die Bühne zufan 
menfaffen, fo wären es etwa folgende. Zuförderft 
eine durchgängige Generalifirung und Romantifirung 
ter Charaktere. Empfindung fell in den Reden der 
Handelnden berrfchen, aber nicht individuell, nicht 
mit wirklicher Wahrheit, fondern wie fie aus den 
allgemeinen PBerhältniffen des Etandes, dei Ge 
fehlechts und menf&lichen Umgebungen überhaupt bers 
vorgeht. Die befondere Handlung, welche fich dens 
noch in dieſer Maſſe von allgemeinen Empfindungen 
und Gedanken geflaltet, gefchieht, vermöge einer dun⸗ 


klen Nethwendigkeit, die auch von ben handelnden 
Perfonen anerkannt wird. Sie mäffen von Zeit zu 
Beit darauf anipielen, um richt dem Zufchauer die 
wahren Motive des Dichters zu entruͤcken. Dann 
aber dürfen auch nicht romantifche Züge fehlen: Eu⸗— 
genie wird z. B. gleich im Anfange romantifch ein 
geführt, als Jaͤgerin, geflärgt mit dem Pferde vom 
Felfen, und doch nach kurzer Betäubung wieder ges 
fund. Cie ift aber nicht allein Aägerin, fie ift auch 
Dichterin, und dichtet im Augenblide der hoͤchſten 
Entjödung vor den Augen der Zufchauer ein Sonett. 
In der Braut von Meſſina ermordet fich der jüns 
gere Bruder bauprfächlih aus dem Grunde, weil er 
auf feinen ermordeten Bruder fortwährend eiferfüchs 
tig iſt, und deswegen bas Leben nicht ertragen kann. 
Kin romantijcher Tod! — Es herrſcht ferner die che 
torifche Art des Franzdfifchen Trauerſpiels. Die tras 
gifhen Perfonen repräfentiren nicht fich felbft, fon« 
dern gewiffe Grundfäge und Empfindungen, die fich 
bei Echiller auch in Igrifcher Sprache und lyriſchem 
Veremaaß vernehmen laffen. Die Einheit des Orts 
der Franzöfifchen Bühne wird nicht beobachtet; ſon⸗ 
dern man laͤßt den Schauplatz wechfeln, ſelbſt wenn 
ein Chor in dem Stuͤcke auftritt. Das Intereffe der 
Charaktere wird vermindert, und über alle gleich: 
mäßig verrheilt, um feinen partiellen, fendern nur 
einen allgemeinen Cindrud bei dem Zuſchauer bers 
vorzubringen, Was aber übrigens die Eorgfalt der 
Diktion und das Hervorheben poetiſcher Bilder vers 
mag, wird dem Kunſtwerk reichlich verlichen, 

So fann es denn nicht fehlen, dab Dichter wie 
Schiller und Göthe ihrem Lefer oder Zuhörer immer 
einen reichen Genuß verfchaffen, daß Ichöne Etellen 
in ihren neueſten Trauerfpielen den großen Geiſt ver 
fünden: aber zugleih muß jeder Unbefangene einen 
gewiffen Mangel‘ fühlen, wenn er die Seele des 

anzen fucht, wenn er von der Aufern Korm und 
Geſtalt, zu dem Weſen des Geformten und Geſtalte— 
ten vorgudringen wuͤnſcht. Diefes Weſen ift entflos 
ben; an feine Etelle if Rauch und Leere getreten, 
und wie eine gewefene wahre Liebe fich oft fpäterhin 
im Spiele Falter Kofetterie und Kunſt darftellt, fo 
ſcheint die dur Epekulation über ſich felbft, zur Ko: 
fette gewordene Dichter: Begeifterung jetzt nur mit 
Keminifcenzen einer früheren Zeit zu fpielen. Der 
Genius, welcher am mieiften Tiefe befaß, muß bei 
diefem Spiele auch am meiften verlieren; Glanz und 
Schimmer gefallen mebr durch ſich felber, und ver: 
huͤllen leichter einen Mangel des Wefens? Wohin 
merden wir aber noch geführt merden! Mobin 
mag das Nomantifche der Dichtfunft noch die wahre 
individuelle Natur ummandeln! Die tragifhe Bühne 
ift an Fein Gefeß der Natur mehr gebunden; fie 
fann ihre Eituationen erfinden im weiten Raume 
der Dichtkunſt, Leichen auf Leichen häufen ohne 
Wo und Warum, den Mörder als einen ort 
preifen, oder als einen Diener des Schickſals ents 
fhuldigen; einen Alarkos hervorbringen und die frühe: 


— 179 — 


nn Produfte der Dühne in Dergefenheit be 
raden! — — — 

Alles laͤßt ſich rechtfertigen, wenn ſich die Grund— 
föge der modernen Aeſthetik rechtfertigen.“ Ein Streit 
darüber wird nur auf dem Gebiet der Erefulation 
entfchieden, und iſt nicht etwa ein Streit bioßer 
Empirie gegen jede Spekulation Überhaupt, ſondern 
ein Streit des gefunden Verftandes und der gelunden 
Vernunft gegen eine epidemiſche Krankheit der Geifler: 
voelt, die, wenn fie währet, aller wahren Weisheit, aller 
wahren Poefie und Kunft den Tod bringen muß. Kol: 
len nicht die Kranken der Gefunden fpotten, foll nicht 
eine geiftige Ampfung zum Untergange das Zeitalter 
verderben, fol nicht jedes Vermaͤchtniß der Vergan: 

. genheit fi verfälfchen im Augenblicke des Gebrauchs ; 
und der gute Wille eines früheren Genius unterlie: 
en dem bifen Willen des Genius der Gegenwart; 
% muß die ſtille Zeit eine fcharfe Trennung des in 
fi felbit beruhenden Großen, Wahren und Echönen 
ber Menichheit von der gleißengen Karifatur einer 
lügenden Phantaſie und aberwißigen Vernunft ber: 
verbringen, und der Kontraft allein wird den Sieg 
entfcheiden. Denn zum Anchauen und Bewundern 
deifen mas in ſich ſelbſt erhaben und gut ift, zum 
Mitempfinden wahrer menſchlicher Furcht, Freude 
und Hoffnung, zur Ergreifung der Wahrheit mit 
Innigkeit und Luft, bedarf es mur einer füllen 
Sammlung des Gemuͤthes, einer angebornen Kraft 
der Seele, welche zwar gelähmt, aber jchwerlich ganz 
jerftört werden kann. ' 


Das linfe Rheinufer. 


Auszüge auf den Briefen eines Reiſenden; mitgetheilt 
von Peter Hammer. Koͤln. Ende Mays, 1804. 


(Fortſehung.) 


Mi. viel aber auch in diefer Hinficht noch zu thun 

wäre, und mie wenig Fortgang Licht und Duldung 

—— beweiſt eine ſonderbare Erſcheinung die vor 
urzem dieſe Gegenden beunruhigte. — 

In den beiden Departements des Donnerbergs 
und von Rhein und Moſel, verbreitete ſich plbtzlich 
und allgemein das fuͤrchterliche Geruͤcht, in einer nas 
ben beftiimmten Macht würden überall die Katholiken 
über die Proteftanten berfallen, und fie ſaͤmmtlich 
ermorden, Don Ohr zu Ohr murde heimlich die 
bange Nachricht fortgeflüftert, — burchflog jo mit 
Dligesfchnelle das Land und verbreitete ga und 
Entſetzen, Haß und Mißtrauen. Denn fie wurden 
in den niedern Klaffen allgemein geglaubt, von 2. 
ftanten und Katholifen. Selbſt gutmürhige Kathos 
lifen glaubten daran, ohne es gerade zu billigen, — 
ohne zu fragen, woher? — warum? — iſſs mög: 
ih? — Es mar ihnen eim heiliges ſchreckliches Ge: 
heimnif. Auch das proteftantifhe Volk warf fich 
diefe Fragen nicht auf. — Das Volk ift zu folchen 
Unterfuchungen nie und in unfern Tagen 
ie es ſich noch mehr gewöhnt, an die fonderbarjien 

rfcheinungen zu glauben. Dabei fchien es — viel: 
leicht nicht fo ganz mit Unrecht, — daß bie ſchnelle 
eifrige Ruͤcktehr von einer Art von Heidenthum jum 
alten rohen Glauben, (dem die Vernunft und Phie 


loſophie Peine Grenzen feßen, Beine Schranken vor: 
zeichnen dürfen;) es fehien, fage ich, vielleicht Dielen, 
daß dies die Franzofen, wenn fie diefem ſchoͤnen Ene 
thuffasmus folgen, bald im die lieblihen Zeiten des 
Vürtelalters jurädführen würde, mo dergleichen Er: 
ſcheinungen ja nicht felten waren, — 

Genug: — alles mas zum Volk gehört, glaubte 
an die den Proteſtanten bevorftchende Bartholomäuse 
nacht. Diefe nahmen nun Vorfichts = Maafregeln, 
brannten die Macht hindurch Licht in ihren Häufern 
und ſchickten an manden Orten Patrouillen aus, 
Die Kathelifen, ohne die Sache zu billigen, oder 
allgemein zu glauben, — zum Theil auch aufgebracht 
Über die feheubliche Nachrede, — mußten doch nicht 
was fie davon denfen follten, und vermutheten ein 
beiliges- Geheimuniß dahinter. 

Mehrmals verlor fih das Geruͤcht und erneu: 
erte ſich wieder. Die forgfältigen Unterfuchungen, 
welche der Präfeft zu Mainz anftellte, um deſſen 
Urfprung zu entdefen und die Gemüther zu berubi: 
gen, führten dabin, daß es von den Öffentlichen Ger 

eten herkam, melche bei Gelegenheit des durch den 

Pabſt in Frankreich —— Jubileums an⸗ 
geſtellt wurden, und mobei der Allmaͤchtige auch für 
die Erhöhung der Kathotifchen Kirche und die Aus: 
reutung der Keßereien angerufen wird. Man 
303 Kolgen aus dieſen öffentlichen Gebeten um Aus: 
rottung der Kebereien, die fo gang unnatuͤrlich nicht 
waren, obgleich fie fehr unrichtig waren in unfern 
Verhaͤltniſſen, unferer. Verfaffung und Loge. — &o 
wie die meiſten Gebete, befonders beim Katholifchen 
Volk, ein blinder Mechantemus find, wobei der Bes 
tende nichts denft, vielmeniger räfonnirt, fo wurde 
auch bisher der Gott der Kiebe ruhig und brünftig 
um Xusrottung der Andersdenfenden angerufen, ohne 
daß der gutmürbige Beter an Mord und Blut dabei 
dachte. — Jetzt aab die politifhe Spannung, das 
grelle Ruͤckkehren zum alten Pabſtthum, und die Ans 
gemöhnung fonderbare fürchterlihe Dinge zu muth— 
maßen, und überall das Schlimmfte zu fürchten, — 
die aus der Nevolution und dem Krieg noch übrig 
ift, — den Folgerungen, die man aus dem liebevol: 
len Gebete zog, ein großer Gewicht, Man wurde 
plöglih zur unrcchten Zeit fonfequent. — 


Es ift wohr, noch fab ich in dein andächtigen 
Köln die Kirchtbürme, wie ehemals, mit Ablaße 
Zeddulen reichlich beflebt, die ganz gewiß auch völli 
dis alten Inhalts waren, und denen reichen Abla 
weg die beten, beichten und fommuniciren 
würden für die — der Reber. Mas ich von 
dem Herren Biſchof von Achen börte, machte mich 
—— daß er eben nicht der Mann fen, um Licht, 
Humanitaͤt und Toleranz in feinem Echaafitall zu 
verbreiten. Wan verficherte mir unter andern, er 
babe fürzlich ein Frauenzimmer erfommunicirt und 
mit dem Kirchenbann belegt, weil fie ſich mit einem 
jungen Jroteftanten durch einen proteflantifchen Pfar⸗ 
rer trauen lieb, Der fatholifche Pfarrer barte nem: 
ih, auf Befehl des Herrn Biſchoſs, die Trauung 
verweigert, und fie nur unter der ausdrüdlichen Ber 
dingung vornebmen wollen, daß alle Kinder katho— 
life erjogen würden. Darauf griff das Brautpaar ° 


— 180 — 


um kuͤrzeſten und natuͤrlichſten Mittel, und der Dis 

— zum Bannffrahl. 

Traurig üls, daß in unfern Tagen ein Gerücht, 
wie das oben erwähnte, Glauben finden konnte. Mur 
durch die Zeit wurde es verdrängt, nah dem es 
manche läderlihen und aͤrgerlichen Erfcheinungen 

ervorgebracpt, und einen Fleinen Sauerteig in den 
er zurlietgelaffen hatte. 

Ich fah auf meiner ganzen Reiſe den Rhein und 
die Kandfiragen mit Wallfahrenden bedeckt, die nach 
Rothgottes, Bornhofen, oder andere Mallfahrtsorte 
pilgerten, oder von da zurüdfamen, und man vers 
figerte mich, das Volk ſey mehr als je darauf ver: 


feffen. Bor dem Krieg waren biefe Bittfahrten, wie 
fie es nennen, verboten oder fehr eingeſchraͤnkt, ſelbſt 
durch die Katholifhen Regierungen diefer Länder, bie 
den großen Nachtheil derieiben einfahen, und fie nah: 
men von felbft ab, in dem Maaße wie das Licht ſich 
verbreitete. Jetzt muͤſſen fie wieder zunehmen in dem 
Maafe, wie dem Äußern Cultus gehuldigt, Die Re: 
ligion darauf eingefhränft und der Unterricht ver— 
nachläffige wird. ) 

*) Goaäterhin bat der Prareft am Main, durch eine sche 
weiie Berorduung dieſe Walljahrten, beiouderd ins Ausland, 
auch wirder unterjagt. 

(Die Fortfehung folgt.) 


—Se — ñ— — — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 33. 


Theaters Nachrichten aus Prag. 
Vom 25. Auguſt. 
A. erften Tage meiner Ankunft, fab ih Lorenz Etark, 
So bekannt mir nuu übrigens dieſes Erücd von Berlin ausmwar, — 
uud oejehom ich es einige Wochen früher im Leibrig bei Irlands 


Anweſenheit ſehr gut darſtellen ſah, — fe ſeht rand ib doch 


meine Erwartung bier übertroffen. herr Piebihb war Lo— 
ven; Start. Ich fand einen einfichtsooilen Echaufbleler, Cr 
bat Eiyentieiten im dierer Nolte, die deu dentenden Kımfler im 
jeder Nuance verraten. — Ich glaube altes geſagt zu haben, 
wenn ich ihm, meben dem geniallichen Sviele Imands, das mir 
nody ſo deutlich im jeder Scene vorſchwebte, — mit De r an ũ⸗ 
en ſah. Iſt der Hann in allen andern Rom fo, ſo gehort 
er mit Mecht zur Baht der bebeutenditen Kunſtler bei der Deuts 
fden Bühne — Auch Mad, Brunei in Der Rolle der Dotios 
rin, war mir elite liebens wurdige Endieinung; — ich verlieh das 
Haus mit froher Stimmung: — feiner der Diinbielenden bat 
fich an dieſem Abend einen entihichenen Dißgrif in feiner Rohe 
zu ſchulden kommen laſſen. Ich Tab außerdem noch dem 
Edwager (den ein Herr Palamstn jehr artig gab) wad 
Lamaffa, eine Vorſteliung, die mic ſehr unterhielt. — Dies 
uralte Stuck war mir her durch mande Veranderungem neu. 
Die Echlacht nolichen den Euroniern und Indianern, die der 
junge Bramin im legten Atte ersäbft, ging bier wirtiic 
vor. Doihon ich von ſolchen Theaters Metzeleſen, die meiftend 
ins Baderliche falten, kein Liebhaber Bin, jo mh ich doch ner 
achen, dieſe Seene war fehr nut geordnet, mmd verdient wohl 
befamnt ju werden, Am Echluß des vierten Attes verwandelt 
fich die Bühne in das Lager der Eureoaer, — die Soldaten 
gehen ab und zw, beichaftigen, und unterhalten ſich Grupoenweis 
vor ihren Zeiten. Im Hintergruude erblickt man bie Ger, wo 
die Flotte vor Anker Liegt. Es wird allmähltg finſter; die Nacht, 
von einen heftigen Eturm begleitet, bricht ein, — allt Truppen 
serfirenen fih — und die Bühme wird leer. Kreuzende Blitze 
mur erhelen dad Duntel, und man Nicht Indianer in Kahnen, 
die ſich den Europatfiben Saigen nab'n — und brennende bun⸗ 
ten, umd Pechtranzt im jelbe ſchleudern; — die nächſtltegenden 
benannten Schiffe bemertem dies, loſen die Kanonen auf fe — 
num verbreitet Mich ein allgemerner Alarm durchs Fazer, — die 
Indianer haben igre Feinde überfalen, — das Geheut der Im: 
dianer, — das Feuern der Europaer auf jelbe, die Haufen, Die 
fich ſchlagend über die Bühme treiben, alles war ziemlich tauſchend, 
und ich mu geſtehen, trog dem unangenehmen Pulvcrdanpf, 
der ſich auch naturlich ins Parterre joa, — bat mid diere Ecent, 
vorzüglich weaen der trefiic analogen Muſit, ſehr untertalten, — 
Auch der dire Att war gut arraugirt. Ein all eaorucher Tany 
der Indianer, während dem Chot, der ibre Gebrauche, wenn 
io ein unglücktſches Opfer verbrannt werden ſoute, gut aus: 
drüctte, — ein Hagended Duett wo Panafaıs Geſpielin von ihr 
Abſchieb mabm, — am Edluf dus Einbrechen der Europäer, 
die Berwirrung der Indianer, — die Ermordung des Oben 


macht, und die bald ohumächtige Panafa, Über dem ſchon ange 
iindeten Scheiterhaufen berabtragt, geben dem Ganjem eimen inte 
reſſanten Edluß. 

ganaffa wurde von Mad, Liebich gut dargeſtellt. 
Ei“ angenenehmes Organ, verbunden mit eimer edlen Giga 
fiir jeldie Rollen, eine richtige Dellamation, machen Gie iu 
ein:e achtungt werthen Künſtlerin, welches fie mir einige Tage 
narıger im der Kolle der Maria Stuart noch mehr bewährte, 
Montaiban gab Herr Lüebich mit einer Arait und Wahr⸗ 
heit, die mich jur Bewunderung binrid, — Meiſterhaft gelang 
ihm die Scene im vierten At mir dem Dterbramin. Die mei 
fien Montalbans, vorziinlid die Framoſen, — erheben bei die 
fer Steile ein unbandiges Geihrel; — nicht jo Herr Liebid. 
Yırıs Glied zittert: an ibm, — man las in ſeinem funtelnden 
Auze, die ſtelgende Wuth, die ſich feiner nach und nad — als 
der Obirprumim taub gegen jede Borjteilung blieb, — gan ber 
meierte, uud die aun folgende Drobung: — „Benu Banarla 
vortinbruc der morgenden@onne ſtirbt“ — wurde 
allein mit einem kreiſchenden Tone gest — in dem deutlich 
die ganze Gumme feines Unglücd und feiner Bergweiflung ‚Lig. 
Di: letzten Worte am Schlutz der Rede: „daun Rebe der 
Wanderer ein bob über Benuinen und frage 
wo war Die geweihte Mordhöhle wo Lanaffa 
fielr" wurden mit eintm triumphirendn Lacheln begleitet, wei 
dies nad meiner Einficht, den Erempcl der hochſten Wahrheit 
trug, Daum es zeigte deutlich, das dem Menſchen, mens 
er alles verlehren bat, fo natürliche und eigene Sefühl ber 
Freude: „Ti Doch hintanglich geracht“ zu haben. 

Herr Schemenauer als junger Bramin, bat in den erſten 
Akten zubiel getlagt, und geweint, aber in dem legten wußte er 
fehr viel Intereſſe dw ſelne Rolle zu legen, 

Ueberbaupt find einige fehr brave Mitglieder bei ber Drar 
ger Bühne, aber dem Sauzen fehlt ed am der möthigen Ueberein⸗ 
ſtimmung, welches ich in einigen andern Vorfellungen 4. ©. 
Allzuſchärf madt (dar, — Ludwig dem Eprims 
ger, und vorsäglidh dem Baterbaufe bemertte. Dies 
Stuck ging außerſt ihleonend. Herr Schopf als Oberfüifter gab 
dieſen Charakter gut, und einige Stellen fehr brav — aber er 
Haste nicht hintanglich memorirt, und vo fehlte ardftentheils, 
Ware, Beben und Wahrheit, — Mad. Nurh entidadigte als 
Dteriorfterin für altes, — denn auch der Forſtineiſter, und bie 
Fortmeißtern vergrifen ihrem ganzen Charatter. J. v. K*’*r. 


Herr Garnerin bat fih in Et. Verersburg erboten, wenn 
er 10,000 Rubel Eubitrivrion zuſammen betommt, no eine 
Auffahrt gu machen, und einen Salto mortalc mit dem Fall⸗ 
ſchirm: aber es bar niemand Luſt ibm falten zu ſehn. Er hat 
daher beſchloſen, mach Conftantinovel zu gehn, — doch vor⸗ 
laung Madame Garuerin mad Frautreich zuruckgeſchickt. 

— Die Schuler der Central» Edinie zu Paris, welche 
Yreie erlangten, baten bei dau Prarett des Debart. zu Mit 
tage geipziat, und find darauf ins Theatre Frangsis gerührt 
worden, wo man für fe Corueillens Einua gab. 





braminen, — während Montalben ſich durch die Haufen Baln 


1804- 


Nro. 176. 





Der Greimüthige 


Montag, 


EeErınf 


—— 


Oder — — 


und 


den 3, September, 


She r.% 





giteratur. 
Almanfor, eine Novelle, Leipzig in ber Junius⸗ 
fchen Buchh. 1804. 

hönmiffenfchaftliche Werke angehender oder un: 
befannter Derfaffer, follte man billiger Weiſe nicht 
nach den Kegeln der Kunft, d. 5. nach den Geſetzen 
des Schönen und der Einheit beurtheilen; des Ta: 
deins würde ja fonft fein Ende werden. Laßt uns 
äufrieden feyn, wenn dergleichen Produkte Die Lefes 
melt, wie fie nun einmal ift, aufeine angenehme 
und zugleich unſchaͤdliche Weife um ihre Zeit zu be: 
trügen, verſprechen. — Diefe Hoffnung made ich 
mir denn auch von ber vorliegenden Movelle. ch 
babe fie von Anfang bis zu Ende gelefen, ohne durch 
heftige Gemürhebewegungen in der Freiheit des Gels 
fies, weiche Schiller zum hoͤchſten Genuffe fordert, 
auf eine merkliche Weiſe beeinträchtigt zu werden, 
und gebe ihr Hiermit diefes Zeugnif an Lobes Statt. 

Almanzer ift ein maurijcher Ritter, welcher Coͤ— 
leftinen, eine chriftliche Schöne, liebt und zuletzt heis 
rather. Die Ecene fpielt in Epanien, in jenen al 
ten romantijchen Zeiten, die uns jet durch bas 
Mrisma der Phantafie betrachtet, weit ſchoͤner vor⸗ 
tommen, als fie waren und fein konnten. Woher 
der Berfaffer feinen Etoff nahm, fagt er nicht. Ach 
vermuthe jedoch, daß er ihn aus Giles Perez Ge 
ſchichte der Mishelligkeiten zroifchen dem Zegris und 
Abencerraga's, edlen Mohren von Granada, ent: 
lehnte, Eben daher nahm Dryden das Zujet zu 


feinem Echaufpiel: Die Eroberung von Granade, 
und eine gemiffe Spaniſche Ballade, deffelben Anhalter, 
von welcher fih in Dr, Percy's Ueberbleibſeln der 
alten Dichtfunft eine gut gerathene Ueberfegung fin: 
det, ſcheint ebenfalls urſpruͤnglich aus jener Quelle 
gefchöpft zu fenn. Der Verfaſſer hat ſich jedoch mit 
der Cataſtrophe viele poetifche Freiheiten erlaubt, Pe: 
res und Medina Conti, der Verfaffer der Yasseos 
de Granada erzählen den Zweilampf, welcher um 
der Königin von Granada willen gehalten ward, mit 
ganz anderen Umſtaͤnden. Er that aber fehr mohl 
hieran, denn Almanzors Geſchichte iſt durch die ges 
machten Abänderungen interejfanter und das Ganze 
zufammenbängender geworden, 

In der verfifiirten Borrede erzählt der Verfaſſer, 
er habe eine Vorliebe für diefes Werkchen, weil er «6 
in der traurigften ‘Periode feines Lebens, in Ermans 
gelung anderer Echreibmaterialien, mit Bleiſtift auf 
die weißen Ränder eines Buchs fchrieb, deshalb 


laſſe er es druden. Mir fcheint das keln hinreichen⸗ 


der Grund für Pubticirät einer Schrift zu ſeyn. 
Gleichviel! denfe ich: ob fie der Derfaffer mit Blei: 
ftift auf die weißen Ränder eines Buchs, oder mit 
Kohle an die Wand malte, Auch daß diefe Vorrede 
ein Sonett if, dürfte den Werth diefer Novelle ſchwer⸗ 
lich vermehren. Sie bemeißt weiter nichts, als daß 
auch diefer Verfaffer das coudre une rime au bout 
de quelques mots verſteht. Die lieben So— 
nette! Mor einigen Jahren Überfielen fie Deutſch⸗ 
land in ganzen Heeren, wie die Heufchreden; jetzt 


— 182 — 


ſchwaͤrmen ſie nur noch einzeln im Zwielichten um⸗ 
ber, den Fledermaͤuſen gleich; bald wird hoffentlich 
die Poefie, wie ein forgfältig gepflegter Roſenſtock, 
von diefem Ungeziefer, das fi unter einander fo 
ähnlich fieht, wie die Blattlaͤuſe — ganz gereinigt 
fein, — dt. 


Bemerfungen, 
über Stettin. 


Stettin ift mit herrlichen, von der Natur angeord: 
neten Anlagen umgeben, Von mäßigen Erhöhungen 
uͤberſſeht man einen großen Theil des morgentlichen 
Horigonts, der fich, in fchönen, durch eine Kette 
tleiner Berge, und eine nicht unberrächtliche Wal⸗ 
dung begrenzten Wieſen, darſtellt. In mohlgeruns 
deten Ufern fließt die Oder, verbunden mit einem 
ziemlich großen Eee, durch das Thal. Cie ift im 
Eommer, mit Kauffartheiſchiffen und Fleinern Fahr—⸗ 
jeugen, welche von der Wehlhabenheit der Einwoh: 
ner zeigen, bedeckt. Die Husficht von den Bergen 
in das Thal hat nichts Großes, aber die einzelnen 
Theile des Thales' find fhön gruppirt, das Auge 
ruhe mie Michlgefallen auf ihnen, und wird ihrer 
Anfiche nicht müde. Die Stadt ſelbſt liege abend: 
wärts der Oder auf einer, fich fanft nach Diefer bins 
fenfenden Anhöhe. ie wird deehaib in die Ober— 
und Unterſtadt gerheilt, zu melcher legteren noch die 
beiden, unter dem Namen der Ober: und Unterwirk 
befannten Vorſtaͤdte, und der jenfeits der Oder be 
legene Theil, die fogenannte Lafiadie gehören. Als 
Feſtung betrachtet, har Etertin wenig Werth, weil 
es von den abendwärts liegenden Anböhen beherrfcht 
wird. Man fol daher ſchon vor einigen jahren den 
Plan gehabt haben, die Waͤlle nieder zu reifen, und 
ſtatt ihrer ein verfchangtes Lager auf jenen Anhbhen 
anzulegen. Die Ausführung bdiefes Planes würde 
zur Verfchönerung und Erweiterung der Stadt nicht 
menig beitragen. Die Etraßen find mittelmäßig ge 
pflaftert, winflig und diejenigen, welche die Dbers 
und Unterfadt werbinden, merklich abhängig, 

Der Reßmarkt macht, in Verbindung mit der 
Mühlenftcafe, in deren Verlängerung eine, von Scha—⸗ 
dom verfertigte Statue Friedrich des „Zweiten, auf 
dem Paradeplage fieht, unſtreitig den fbönften Theil 
der Stadt aus. Auf dem Markt ficht man eine ver: 
fallene Waſſerkunſt. Sie fell blos zur Verzierung 
einer Waſſerleitung dienen, welche der Stadt im Alk 
gemeinen, und den Brauern insbefondere wefentlichen 
Augen leiftet. Ein Marmorblock mit einer Sonnen: 
uhr, den nöthigen Tafeln für die Zeitgleichung, und 
einer allgemein faßlichen Anweiſung ju ihrem Ges 
breuche verfehen, würde, außer dem Zwede eines 


richtigen Zeitmaaßes zur Pruͤſung der Uhren, gewiß 
auch eine eben fo große Zierde der Stadt fein, als 
die- Wajferfunf, Wan ſcheint indeß in Stettin, zur 
Zeit, noch feinen rechten Begrif von der Sonnen⸗ 
uhrfunft und dem Werthe der Abtheilung der Zeit 
zu haben, fordern diefe, als etwas allgemein bes 
Kanntes, der Wilitühr der Uhrmacher zu überiaffen, 
Das Schloß, das Gebäude der Stadtſchule, und das 
Zeughaus find Feine befondere Erzeugniffe der Bau: 
Funf. ie zeichnen ſich blos durch ihre Höhe und 


“Ähren Umfang aus, indem fie über die nebenftchen: 


den Gebäude weit hervorragen, und daher ſchon in 
beträchtiicher Entfernung ſichtbar find. 

Der Reichthum der Einwohner Etettins beruht 
vorzüglid auf den Holz: und Weinhandel, und diefe 
gründen fich auf die Schiffahrt. Das Holz koͤmmt 
aus Welt: und Suͤdpreußen, wird als Lang: Ediff: 
und Stabholz die Netze und Warte beruntergeflößt, 
und nach vorperiger Wrackung in Stettin verſchiſft. 

Der Wein bleibt im Stettin nidpt fo, als man 
ihm von auswärts erhält, fondern er wird daſelbſt, 
ver der Derfendung nach dem Innern des Landes, 
veredeit. Am Grunde ift der in Stetun getriebene 
Holz: und Weinhandel ein bloher Tauſchhandel ver: 
ſchiedener Erzeugnufe; und Etettin, in diefer Hin: 
fit, ein großes Epeditions: und Weinvereolungs: 
Komptow. Es giebt bier anfehnlihe Ieinniederias 
gen. Die vernehmpien find unter der Firma Tiele: 
kein, Salinger, Fauſels und Velthuſen befaunt. 
Die Velthuſenſche beficht aus dreizehn einzelnen Kel⸗ 
lern. Der Fanjeloiche Keller unter dem Schloſſe iſt 
der reinlichfie, und regelmäßiafle; und in dem Ca: 
lingerjchen Keller des Gafihofes zum Schwan findet 
man die grögten Stuͤckfaͤßer. King derſelben faſſet 163 
Oxhoft. Yon dem beträchtlichen Werthe der tet: 
tiner Weinniederlagen überhaupt, kann man ſich, durch 
eine ungeführe Echäkung des jegigen Weinbeftundes 
der Salingerſchen Handlung, welche 4000 Vrboft 
betragen foll, einen Begrif machen, wenn man dis 
Oxhoft zu fünftehalb bis fünf Thatern, und den Wein 
im Durchſchnitt zu 60 Thaler anichiägt. 

Hiernach wärde der bloße Faͤſſerwerth der Ca: 
lingecſchen Weinniederlage = 38000 Thaler, 
ber Werth des Weines . = 240000 . 
der Werth der ganzen Weinniederlage alfo: 

258000 Thaler 
ſeyn. Dürfte es, bei_einem fo großen Vorrathe von 
Wein, in Etettin wohl einen kranken Armen geben, 
der ſich nicht eines Kabetrankes zu erfreuen hätte ?— 

Außer einer Auderfiederei und zwei Tabadsfa: 
brifen giebt es in Erertin noch eine Sengbranntweine 
und Riechwaſſerfabrik, Leder: Edtaucdh: und Ce 


— 183 — 


merfabrike, Anckerfabrike, Wollenfabrike, ſchwarze 
Eeifenfiederei, Lederfabrike, Weineſſigfabrike, Del: 
muͤhle, Korkſibpſelſabrike und Siegellackfabrike. Eis 
nige der letztern find fo unbedeutend, daß die Unter: 
nehmer derfelben, um ſich vor Mangel zu ſchuͤtzen, 
noch andere Gewerbe treiben mülfen, und man die 
Arbeitefiube eines Etettiner Modenfchneiders, der 
fechs bis acht Geſellen hält, mit größerem Nechte eine 

Fabrike nennen fünnte, als jene, So handelt . B. 
» der Eiegellaffabrifant nebenher mit Federkielen, und 
der Korkfiöpfelfabrifant macht den Pferdeverleiber. 
Die, unter der Firma, Velthuſen befannte Auderfie: 
derei iſt beträchtlich. ie kann nebſt ſechs Zudernieder: 
lagen in Etettin, die Provinz Pommern füglich mit 
Zucker, und die beiden Tabadsfabrifen können felbige 
hinreichend mit Echnupf: und Rauchtaback verfehen, 
Zu den Erjeugniffer, mit melchen nit nur in Ztet: 
tin, fondern auch auswärts ein beträchtlicher Handel 
getrieben wird, kann man fuͤglich noch ein Bier rech: 
nen, welches unter dem Damen des Bergmannfchen 
Doppelbiers befannt iſt. Der Erfinder diejes geiſt⸗ 
vollen Getränfes fell ein biefiger Buͤrger fegn, der 
überhaupt in Fahricirung geiftvoller Produkte glüd: 
lich ift, denn bei Errichtung der Statue Friedrich 
des Zweiten, zeichnete er fish durch eine artige Ode, 
als Dichter aus: cb fie fo gut war, als fein Dier, 
weiß ich nicht. 

(Die Fortſehung folgt.) 
Aus Prag, 
Am 25. Auguſt, 1804, 


MWenn man ſich einer großen Stadt nähert, und 
ſieht in grauer Mebelferne die hohen Thuͤrme und 
Gebäude, fo waͤchſt tie Sehnſucht bald da zu feyn; 
man treibt den Poftidion an, fihneller zu fahren, 
die Phantafie iſt indeß geichäftig, fich ein Bid zu 
malen, wie es in diefer Stadt wohl ausfehen moͤchte. 
Mir Prag iſt das nicht der Fall, wenn man von Each: 
fen koͤmmt. Man fieht in einer halben Stunde Ent: 
fernung, — und bis man bart vors Ther koͤmmt, 
nichts, als die hohe Zpike des alten gothiſchen Don 
thurme, und zwei kleinere Thurmkuppeln der Stroh: 
böfer Klojterfirche, und ahndet nicht den Anblick, der 
fih einige Minuten fpäter, wenn man fon in die 
Stadt einpajfivet ift, dem uͤberraſchten Auge darbie: 
tet. Ploͤtzlich liege die große, ungeheure Stadt, mit 
ihren mehr als dreihundert großen und Meinen Thuͤr⸗ 
men, — durchſtroͤmt von dem Muldafluß, der ſich 
‚aus blauer Ferne durch kahle Berge langfam daher 
windet, — in einen fanften Thale zu den Füßen 
da, Ich grif felbf den Pferden in den Zügel, da 
der Peſtillioen phlegmatiſch auf fie loshieb, und wei— 


dete mich mohl eine Balbe Stunde lang an dfefem 
(bönen Anblid. Links liegt da das große Kaiferliche 
Schloß, und vor den Augen rechts der Et, Lorenz: 
berg mit dem Kiofter Strehhof, der Ruͤcken des 
Derges, bis zum Muldafluß hinab, trägt Gärten, 
Sartenhäufer in mannigfacher Miſchung durcheinan: 
der, — fo weit das Auge reicht, wechjeln im fehön- 
fien Kontrafte lachende Sefilde, und gejegnete lu: 
ren, mit Fablen Bergen; — mit Mühe mußte ich 
mich von biefem Schaufpiel losreißen, und wieder 
in den Wagen fleigen, — denn der Poftillien mur: 
rete, das fagte mir fein verdrießliches Geſichte, — 
feine Böhmilchen Worte verftand ich nicht. Ich fuhr 
nun einen fieilen Berg in die Stadt binab, und 
war in der großen Steinmaſſe angelangt, 


Die erften Tage meines Hierſeyns brachte ich ba: 
mit zu, die Stadt mit ihren Umgebungen zu befe: 
ben. Einen, impofanten Anttid gewährt die grebe 
fleinerne Bruͤcke mit den beiden alten gothiſchen Thür: 
men, noch von Karl dem Vierten, zugleich mit der 
Domkireche erbaut, — Ein ernftes Gefuͤhl ergrif mich, 
bei diejen ehrwoͤrdigen Reften, die feit langen, Jahe— 
hunderten ſchen der Vergaͤnglichkeit treken; wie Ar. 
gerte ich mich, als ich plöglid ven dem Bilde der 
grauen Vorwelt weageriffen wurde. Links und rechts 
auf jedem Pfeiler flehn da eine Menge von Heili 
gen, — mit Megern, Türken, Kapujinern, und 
Ihmachtenden Seelen im Fegefeuer, — Hunden, Kir 
ſchen, und weiß Gott, was noch für Ungeheuern 
vermiſcht. Cie tragen alle das Gepräge des vo 
rigen Jahrhunderts, und find wahrſcheinlich von aläu: 
bigen Seelen ex voto, um einen Theil ihrer. Tode 
er abzucüßen, ihrem Schutzpatron ju Ehren 
geſetzt. 


Einige Palais und oͤffentliche Gebaͤude ausge: 
nommen, die im reinen architeftonifchen Erile aufge: 
führe find, giebt es zwar noch eine Menge unge 
heuer großer Haͤuſer, aber die meiften find geihmadios 
gebaut. Ich fand in vielen Strahen Gebäude, die 
neu aufgerührt wurden, — aber fein Cinziges, das 
Geſchmack in der Baufunft verrierh; — überdies find 
fie noch mit Figuren und Verzierungen überlaten, 
die den Zuderbädern, zum Viodell ihrer Tragant: 
Arbeit, — wenn fie einen Tafelaufiag verfertigen, — 
treffiiche Dienfte leiften können, 


Die Anlagen des Baron Wimmer vor dem Roß—⸗ 
tbore, und jene in Bubeney, eder dem fogenannten, 
Baumgarten, verfpresgen in einigen Jahren fehr ange: 
nchme Partieen, — außerdem find die Epayiergange 
uninterejjant, denn alle find chre Schatten. — Der 
Garten eines, Grafen Kanal, den er zum allges 
meinen Dergnögen des Publifums gebffnet bat, ft 
ein angenehmer Erholungsort, obgleich er nur klein 
il. — Dieſes liebevolle Betragen des Grafen, macht 
ihm und den Grafen Wallenftein, der ouf der Klein 
Eeite, ebenfalls jedem den Autritt in feinen Gtarten 
erlaubt, viel Ehre, — Ich babe an andern Orten 
reiche Partifuliers nicht fo artig gefunden. 


Don gefellihaftligen Vergnuͤgungen kann ic, 
mährend den drei Wochen meines biefigen Aufent: 
balıs, gar nichts fagen. — Ich habe keine Klubbs, 


Kaſino, mie an andern Orten gefunden, wo fremde 
auch Theil nehmen und Bekanntſchaft machen Fön: 
nen, Dan befümmert fih um den Fremden nicht 
vie,— men er nicht gradezu empfohlen iſt. — Sucht 
man auch wirklich im Gaſthofe, oder außerdem an 
Öffentlichen DVerfammlungserten fih eine Bekannt⸗ 
(haft zu erwerben, fo ijt das meiſtens für den ge 
enmärtigen —J—— — begegnet man in einigen 
53* demſelben neuen Freunde, fo kennt er 
einen faum mehr. Es ſchelnt in dem Charakter der 
Mation zu liegen, daf jeder feinen einmal vorgezeich 
neten Gang gebt, und fih um den andern nicht viel 
betümmert. &o lobenswärdig dieſe Eigenfchait außer: 
dem ift, fo traurig iſt es jedoch für den Fremden, 
der fich vergebens nach Menſchen umfieht, denen er 
ſich mittheilen kann. — Im Winter zwar, wenn der 


— —— 





154 — 


Adel in der Stadt iſt, ſoll es an Vergnuͤgungen mans 
cher Art, als Bällen, Maskeraden, Karroujfels und 
dergleichen nicht fehlen, — und auch der Fremde 
von Stande wird leicht in diefe Zirkel eingeführt, 
doch das find Unterhaltungen für ven Winter, 
und für jenen, der nur jeine Zinne ergeben, aber 
nicht auch den Geiſt befipäftigen will. Dach foge: 
nannten gelehrien Klubbs und Zirkeln erfundigte * 
‚mich vergebens, es koͤmmt mir vor, als ſcheueien ſich 
bie Yiteraten um und mit einander öffentlich zu ſeyn. 
Der befannte Schriftſteller Meißner verläßt nun auch 
Prag, und folgt dem Rufe des Churfuͤrſten von Ba: 
den. ich börte den Verluſt diejes wadern Mannes 
nur wenig beflagen, und doch ſcheint mir die Pra— 
ger Univerfität an ihm, als Profejfor der Aeſthetik, 
viel ju verlieren, J. v. K — r. 

— — 





Nicht-politiſche Zeitung. Nro 34. 


Brief 
aus Dresden, den 28. Auguſt, 1904 


A. Du mich das letztemal beſuchtet, erzaͤhlte ich Dir von 
einer Weihsverion, die zwei andere ihres Geſchlechts, eine Frau 
mit Ihrer Dienſtmand, in einer Nacht todt geſchlagen hatte, 
um fie zu beuehlen. Dem 31. dieſes folk dieſe Miſſethate⸗ 
rin zur Feimſtarte geichleift, mit dem Schwerdt zum Zode ger 
richtet und Ihr Körper aufs Mad geflochten werden, 

Die arme Studerweche bat ſich nicht gant nach dem 
Wumſche des Dresdner Publikums angeſangen. Um 23. ditſe⸗ 
murde der Inquiſitin der Todesſpruch vorgeleſen. Man hatte, 
wie ich höre, mit Abſicht dieſen Taa dazu erwählt, denn dr 
der Nacht vom 23. bis 23. Auguſt wurde es gerade cin Jahr, 
dafi fie Ihre Grauel verutt harte, Nach dem Herlommen wurde 
fie aun in die fogenannte Arme⸗Sunder-Ctube gebracht, wo im 
der Regel itder andre arme Sunder aus dem Nolte die ſehen, 
und ſich ein Beiſpiel nehmen dann, Es baten fie aber zur Zeit 
nur wenige geſchen, denn dir Delinquentin bat Die Kaprich, 
incogmito zu bleiben, bedaft immer ihr Geucht mit der Hand 
oder hält ein Zuch vor, wenn ein Neugieriger kommt, Ein 
jiunger Herr wollte fie uͤberliſten und ber ihr einzu Gulden am, 
um während fie das Geld mit ber Hand annehmen wirde, ibre 
Arne: Elinder « Phifingnomde zu Andieren, altem fir blieb in ihrer 
Stellung und fagte: ih brauche Fein Geld, 

Gerade, weil die Delinquentin ſich nicht will beſchauen lafın, 
wird das Bolt, das anderwarts an Thlerhetzen, bier an Delins 
quenten, ſich nicht ſatt ſehen kann, begieriger fie gu ſehn. Man 
belagert den gamen Tag die Frohneſte. Der Larm wurde ende 
Hd fo groß, dak Soldaten vor die Thüre geſtellt und Allen 
dee JZutritt verſagt werden mußte. 

Taalich beſuchen ſie zwei Geiftliche, um das im acht Tagen 
nachzuhoten, was Inquiſttin in ettichen 30 Jahren verabſaumt 
hat. Das will mir aber wicht gefallen, denn ich glaube es giebt 
ein boſes Erempel. Unſere nicht gefangenen und nicht arınem 
Günder fehn das und denken: es iſt auch mod Zeit mit unſerer 
Beſſerung, bis wir einmal aufs Krantenbette kommen, dort füns 
men wird nachholen. Hatte ich was ju berichten, kam Gieiftlis 
er dieite mie him. Was hats denn auch auf ſich, wenn eins 
mal fo eine Perſon des Neiipield halber verdammt wird? Wir 
können doch eimmal micdht alle ferlig werden, — je mie wir nidıt 
able hier reich umd aludlich ſeyn tönnen. *) 

Am erſten Tage nad erofnetem Todesſorucht ging ein ber 
rühmter Dottor der Medirin zwiſchen dieſen Herrn und den 
Herrn Geiflichen herrſcht, wie Du werſtt, eine Verwand, 


——— — — — 
* Ob man die dirtre Irome des Einſenders bier nicht 


miſverſtehen wird? 





ſchaſt, weil fie ſich beide mit den letzten Augeublicken der 
Menſchen beichartigen) zur Delinquentin, mm die mu ſchen. 
Er hatte fie vorher einmal in der Sur gehabt. Wie gehts, 
Weichholdin? Cid heiät fie,) frante er. Wir doll? gehn, ante 
mwortete fie; ich ſoll ſterben, weil ich wei Menſchen umgetracht 
hate, Cie haben gewiß, feit ich ir kenne, ſchon 20 Menſchen 
gelisiert und bisiben immer am Leben. 


Jawohl, du arme Ginderin, Du kannt Recht Gaben. 
Die Herren bleiben nice blos am Leben, ſeudern Ichen ſogar 
Davon! Hatte du ein Doktor Diplom aurjınnziien gehabt, oder 
warf du am der Evige von — — — kein Dienich wiirde dich 
wegen des Vertuſtes zweier Menſchenleben augtkiagt haben. Eo 
aber bit dir nur ein Weib, — und dir Weiber haben jiwar das 
Necht im allen Lauden Das Blut anderer Leute in allerlei Ber 
wegungen ſetzen zu durſen, aber nur nicht fo heſttig, dab es 
aus ben Adern herauslauft.  MWeicheide dich alſo, du arme 
Zinderin, daß du vom Rechtswegen Air, 

Nachſchtift. Bei dierer Eretution kann ſich noch ein ber 
ſouderer Kal ereigaen. Nach den Urtbeilmug Die Weichholdin 
zum Richtolatz geſchleiſt werden, d. h. fie wird rücdiinge 
C(weils mit ihr den Krebegang acht,) auf eine Schlehfe geſetzt, 
die mit eimem Pferde beſoaunt iſt, und auf weſchem ein Büttel 
reutet. Nun ſagt man aber allzemein, die Deliquentin babe 
nie das Nüfwärrsfahren vertragen können, Gh bin 
fer beglerig, was ber Herr Stadirichter dazu jagen, umd wie 
er bie Sache entihciden wird, 





Der Proiefer Robertion und ber Alademlter Zacharow wer 
den in der Meademie zu Gt. Petersburg offentlich Bericht über 
die Erberimente abftıtten, die fie bei ihrer Luſftreiſe angeſtellt 
babın. Se Maiefar der Kaiſer werden Selbſt bei biefer Eigung 
gegenwärtig ſeyn. 


— In dem Ballon, dem das NKatlomat » Inſtitut aucrünete, 
und der davon ang, und bei Nanch wieder gefunden wurde, 
bat die projettirte Luſtreiſe am 24. Auguſt Start gehabt, Von 
dem Erſolg derſelben weih man moch nichts. 


— In dem Entbindumgs-Hanfe zu Kopenhagen find frit 
1783, — 14,435 Kinder gebohren worden, von benen 10,775 
auf Kon des Staates criogen wurden. Die Einrichtung des 
Hauſes in ſo freilich, dam ſelbt Frauen von mohlbabenden 
Familien ſich dore zu ihrer Entbindung eimmichhen. ‚ 


— Aus Moltsirend Zadig oder das Geſchick hat man ein 
Melodram gemacht, von dem man ſich viel verſpricht. Im der 
That, das Suzet ii gut: aber Candide iſt noch ein beſſeres zu 
einem Luſtiwiel. 





1804. 


Dienfiag, | 
era fi 


Ale xandrine, Gräfin von und zu %?®, die Toch⸗ 
ter einer Buhlerin! Eine romantiſche Audftek 
lung mit kosmopolitiſch- ſatyriſch- Eritifchen 
Farben gezeichnet, vom Verfaſſer der Henriette 
v. Detten €. ©. G. Zwei Theile, Nom, bei 
Kaufmann 1304. 


Die Roman im Ganzen recht gut gerathen. Die 
eine Hälfte deſſelben widmet der Berfaffer der Unterhal⸗ 
fung, die andre dem Mutzen und ich bin ihm das Zeugniß 
ſchuldig, daß er beides — das Nuͤtzen fowehl, als 
das Vergnuͤgen — fehr gut verfteht. Ich wuͤnſche indeß, 
das fich der Dichter vom moralifirenden Politiker in ibm 
bald trennen möge, Jener befchenfe uns mit ange 
nehmen Kemanen, — dieſer verfuche es in eigenen 
Schriften, fehlerhafte politiſche Einrichtungen zu vers 
beifeen; vieleicht erreichen dann beide ihren Zwech, 
mas jum wenigfen nidt ganz möglich ift, fo lange 
fie Hand in Hand gehen und gemeinſchaftlich ſchrift⸗ 
ftellern. Einer ift da immer Dem anderen im Wege; 
gewöhnliche Yejer werden gähnen, mo der Berfarfer 
zu reformiren anfängt und Staatemaͤnner, — wenn 
der Zufall in muͤßigen Etunden ihnen dieſen pelitis 
ſchen Roman in die Hände fpielen felte, — werden 
Über Frivelttaͤt Flogen, mo ſich der Verfaſſer mit den 
zum Theit ſehr leichtfertigen Abentheuern feiner Hel— 
den beitäftigt. Das Drolligfte ift, dab diefer Roman 
grade da aufhört, wo er eigentlich anfangen fellte, — 


mit Alerandrinens Geſchichte. Diefe tritt erfl in den 





und 


Nro. 177. 


ARISTIDES, 
reimüatbige 


den 4. September. 


Sdherxr,% 


ießten Kapiteln des zweiten Theils auf, um in aller 
Geſchwindigkeit zu verlieren, mas den Mädchen das 
Theuerſte fein fol, — in einer Ecene, die der Verf, 
mit einiger Zartheit, jedo nicht ohne allen Muthwil— 
len behandelt ift — und das Bud zu Ende, Herr G. 
verfpricht indeß den meitern Verlauf der Dinge 
in einem anderen Werfe zu berichten. Da feine 
Schöne ein fehr interejfantes Geſchoͤpf iſt, glaube ich, 
das Publifum wird mit Vergnügen ihre nähere Be: 
fanntfchaft machen. 





— bt. 
Das linfe Rheinufer. 
Aus ʒuͤge aus den Briefen eines Reifenden; mitgetheilt 
von Peter Hammer, Köln. Ende Mays, 1804. 


For tſetzung.) 


Fur Erholung ven meinem träbfinnigen Geplauder 
über Kultur und Antoleranz, erzähle ich Dir nun 
einen komiſchen Gefpenfter: Roman, dejfen Entwide 
Inng gerade an dem Tage meiner Durchreife durch 
DB — — am Rhein fich ereignete, und in dem klei 
nen Staͤdtchen der Etoff aller Unterhaltungen mar. 

Eeit kurzem bat man gu B — — einen netten 
Kirchhof angelegt; ein fhöner mit einer Mauer um: 
fhlojfener Weingarten, außerhalb der Stadt, fonft 
den nun aufgehobenen Kapuzinern gehörig, iſt daru 
gewidmet, Kr liegt an der Laudſtraße, und die Ent: 
ſchlafenen ruhen dort unter ſchoͤnen hohen Trauben: 
geländern. — Eeit einigen Wochen waren die Ber: 


florbener dorthin beerdigt worden, unter andern auch 
der Leichnam eines Unbefannten der im Rhein am 
Ufer gefunden worden war, als das Geruͤcht fich ver: 
breitete, um Mitternacht wandele die Echattengeitalt 
des unbefannten Ertrunfenen in den Traubengängen 
des neuen Kircbhofs umber und Flage laut: „Ich 
gehöre nicht hieher!“ 

Bang und ängftlich ging man nun an dem Kirche 
hof voräber, fobald die Echatten der Nat ihn be: 
deften. — Die Woͤſcherinnen mochten nit mehr 
bie Nacht hindurch auf der nahen Bleiche weilen, — 


die douaniers machten dort ihre nächtlichen Patrouillen 


nur ungern und zitternd, — und die Schmuggler 
(Lontrebandiers) hätten dort gutes Epiel gehabt. — 
Dein Eca:ffinn wird Dich gleich auf die Vermu 
thung leiten, daß die Erſcheinung von Echmugglern 
angeftellt gemefen ſey, um die douaniers ju ſchrecken 
und zu täufchen, — aber diesmal irrt Dein Scharf— 
finn. — Ohngeſaͤhr vierzehn Tage dauerte die Zage 
und die Furcht; wie viele den Geift-fahen und feine 
Klage hörten, weiß ich nicht, — aber der Glaube 
und die Furcht waren allgemein. 

Am Pfingfimontag, Abends nach 10 Uhr, gebt 
ein junger Bürger auch an dem verfihrieenen Plate 
vorüber und erblidt Hinter der Kirchhofemauer die 
weiße Geftalt, die ſich bald niederfenft bald hoch er: 
hebt. — Echauder äberläuft ihn zuerſt, — aber feine 
Philoſophle und fein Zweifel an Geſpenſtern fiegen, 
und er nähert ſich herzhaft der Geſtalt; — ſtumm 
ſcheint ihn dieſe zu erwarten, aber pibtzlich fliege ihm 
eine Hand voll Erde und Eteine entgegen. — Das 
bringt ihn auf und benimme ibm alle Furcht, denn 
er ſah, er hatte nicht mit Geiſtern zu thunz ſchnell 
überflimmt er die Mauer, flürjt auf das Gefpenft 
und faft — den Plab: Kommandanten der Stadt 
Monsieur — am Kragen. 

Mit einem kraͤftigen Fluch fragte der aufge 
brachte Bürger feinen Gefangenen: „Wie führe Dich 
der Teufel hierher?" — Der Herr Kommandant 
wollten fih anfangs fehr darüber beleidige finden, 
Über die derbe Eprade und das Du des ungläubis 
‚gen und ungelegenen Inquiſitors; — Eie droheten. 
Aber die Fäufte des Franzöfirten Deutſchen machten 
ihn keicheiden, bald bat er demuͤthig um Frieden und 
Verſchwiegenheit, — und gab vor, Meubegier habe 
ihn anf den Kirchhof geführt, weil er aus feinem 
Fonſter — wo man die Ausfiht auf den Kirchhof 
bat, — ein paar junge Leute babe hinein ſchleichen 
feben. 

Den naͤmlichen Abend und den andern Morgen 
in aller Fruͤhe, erfuhr die ganze Stadt die glorreiche 
und glüdliche Entdedung des Kirchen: Gefpenjles. 


Der beſchaͤmte Kommandant bemühte fich perſoͤnlich 
zu allen angefehenen ‘Perfonen und in alle Käufer 
des Orts, mo er befannt war, um der Geſchichte 
eine günftige Auslegung zu geben; — aber eine 
Laͤcherlichkeit wiſcht man nicht mit dem Schnupftuch 
ab, mie einen Eieinen Schmutzfleck. — Wo er fi 
ſehn läßt, rufen ihm die muthwilligen Jungen nach: 
„Alle guten Geiſter loben Gott den Herrn! 
auch Sie Herr Rommandant?" Du weißt, daß 
diefe Worte, alle guten Geifter loben Sort 
den Herrn, im Velksglauben die Zauberformel find, 
um gute Geifter von böfen ju unterfcheiden, um dieſe 
legtern in die Flucht zu ſchlagen, — wozu auch das 


Kreußmachen befanntlic fehr gut iſt, — und um den 


guten Geiftern zu Hölfe zu fommen, welche nicht 
ermangeln auf jene Worte Amen zu antworten, wie 
jedem befannt tft, der ſchon mit Seiftern Umgang 
gebabt hat. — 

Diefe Gefchichte, deren Echtheit ich dir verbürge, 
und die in ihren Details noch meit drolligter ift, 
amüfirte mich trefflich; — fröhlich und lachend ge: 
noß ich mein Mittagemahl in B— — und eilte 
dann weiter an dem Rheine hinab, 

In dem Staͤdtchen Lahnſtein, jenfeit des 
Kbeins, — fo erzählte mir ein gebildeter und unters 
richteter gr a rte, — liegen in den Amtsardyiven 
noch hohe Aktenſtoze von alten Herenprozjeifen, in 
tenen oft tragiſche und rührende Züge zu leten find, 
Emfig und eifrig verfolgte dort einft die heilige Jußig 
bie armen Hexen; unter andern fiel auch einft ine 
fhone Here in ihre Klauen, was nur felten der Fall 
war, Das ſchoͤne Lieschen — fo bich fie, — flefte 
aligemeines Jutereſſe ein; feibft die Richter wuͤnſch⸗ 
ten und fuchten das Madchen zu retten, Aber aufs 
richtig und muthig gejtand fie freimillig ihren vers 
botenen Umgang mit dem Seren lirian, und eine 
verwirrte Phantafie, — vermuthlich durch eine heftige 
Leidenfchaft oder Sinnlichkeit (vielleicht auch durch 
einen Betrüger) verwirrt — lieferte fie auf dem 
Scheiterhaufen. Die arme Here! — 

(Die Fortſehung folgt.) 


kiebe im Alten 


Par Diebe (bat Verichönerung 
Des armen Erdenlebens. 
Drum lieb’ ich alt, wie weiland jung. 
Wer nicht liebt, lebt veracheng,. - 

Von Zerhirs Kürten trunten, weint 
Die Blume: Eiry iſt Biber 
Die Lerche, hoch aus Lürten, fingt: 
eig ik, ME in die Lieber 

Wer ſehen mod und hören kann, 
Und Sinn noch hat für beide, 
Den gehen Wink und vieder anz 
Den rufen fie zur Freude, 

Der Rose freilich wohl acbühre 
Der reis der Suldigumsen: 
Doch auch der alte Kohen siert . 
Din Zweig, den er unichlungen, 


— 187 — 


So Inng em Menccentzer ſich regt, Gewiſſe Schauſpleler. 
Sey ofen es der Pie Rr 
Bis ſciner Putſe leyter chlagt, Unter dir Würde der Kunſt, ſagt Schitter, I Täuſchung; — 
Wieib’ es der Thron der Liebe!? drum ſercchen 
Buri. Sie in werther verſon, — nie die Perſonen des Stucks. 
An Roſalindens Guitarre . dt. 
Meat zn Kofalindens Vruſt, Aus Bien 
Ertonen Du, beieı euf, ; 
Dein ick Iaut zu vertunden, J3533 Rolla's Tod. 
er —— en Aueruf des Volls von Quito bei der Annaͤhe— 
Dos Kin mein Gtüt empfinden. rung feines Königs (In Profa) richtig zu defiamiren; 
Burt. babei lyriſch zu bearbeiten, in ein VBolkelied und Fries 
Biidhauer und Baufünfller. — — —— = —— 
— Bu — at der ogler aufgeloͤſt, un ere dieſe 
a ae en Be: Harafteriftifche Drufit im Kiaierauszug. 
bt 


Peruaniſches Volkslied und Marſch zu Rolla's Tod, vom Abt Vogler, im Klavierauszuge. 
Chor von Weiberu und Kindern 
Andante maesto:o, | 
2. - 


- — m — 
— ha — — — 














Heil den Kin » dern der Sonsne, Frewde Nolsla dem Sie + ger! 
! 























i 
— — — — — —— 
— — — — — 
rs =ei= —— ss 
Heil Artaslirba, dem Be freiten, unferm Ba + ter und KB + ni: get 
ER a 
Tess — — — — 


—— gr Fer un 





u — 

Ueber die Oper: Samori, fann ich mit dem „inftrumentiren, Die Begleitung geht nämlich ge: 
Kecenfenten in der Leinziger allgemeinen mufifalis „wöhnlich im tiefer Entfernung blog mit Violinen, 
fehen Zeitung nicht einſtlmmen, menn er ir. 35. „Niotoncells und Baͤſſen fort, und die Dias: Sn: 

581 — 2 — 3. fagt: „ſtrumente bleiben dabei ganz unthätig, welche 
„Die Muſik bat ſehr viel Geſuchtes und Verun— „doch Mozart, Cherubini, Salieri, Paͤren, a. 
„glödtes... Mas ein gebildetes Ohr befremdet, „grade bei ſoſchen Gelegenheiten zu den höcften 


tt Veglers Are, feine Tenor; und Balfarien zu „Effekten benugten. Hier und da findet man wohl 


„auch ein ganz fehlerhaftes Stuͤck: 5. B. in der 
„ Aria der Raga. . „ oder eine Neminifcenz, wie mar 
„denn im finale des zweiten Atts jehr auffallend 
„an das God save the King erinnert wird...“ 
Etatt der Antwort folgen bier blos Thatjadhen. 
Die Arie vom Tenor iſt von einer &olo : Flöte und 


Tre Timpani 


188 — 


einem Solo: Elarinet, die Ba: Arie von einem Ins 
ffrumental: Spiele anompagnirt, mo ı Flauto, 1 Oboe, 
ı Jtarinet, ı Fagotto und Waldhoͤrner Eoncertiven, 
wo ſegar beim Worte feig, die Trompete trillert. 
Aufs Thema der Arie der Draga find Iden Varia 
tionen in Umlauf, Vb der Indianiſch Marſch: 


soli 





dem Engilfägen Velkslled gleicht, mag jeder, der nur 


Toten irren Tann, entſcheiden. Da die Oper Sa— 
meri bei Mollo und Komp. allhier ſchon im Clavier⸗ 
auszug erſchienen iſt, und nächſtens als Sextuor zu 


—— id 





— 





Vogen-Inſtrumenten, herauskommen fell, fo kann 
jeder MuſiteLiebhaber mit eigenen Augen ſehen, mit 
eigenen Obren hören. . 

— Te 


— — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 35. 


Femme, Fehrer der Vautunſt im der Pariſer Militare Echute 
bat ein Patent auf thönerne Köhren zu Waſſerlettungen erhal⸗ 
ten. die er eriunden hat, Zu Naucy bar er eine Sabrit ſolcher 
Sühren angelegt. Ste find wohlfeiler als ſeltſt die höhernen, 
und eben ſo daucthaft, alt ſtenerne. 

Die Eugliſch ⸗ Oſtindiſche Kenndagnie laßt die game groãe 
Kattiniel dieein des Ganges mathematiech auftfnehmeten z Die dazu 
ers am Aus meſſungen fon durch Neben bis acht Vreitengrade 
ſortgeretzt werben. 

Ein Jenatſcher Student, Namens Landmann, hat eine 
Scrift augetiudigt mit dem Titel: Allerneueſte Gebeimmire 
der Freimsurer zc. Ehen Birier Anfang verrath bie Buachere ‘ 
tichkeht des Untenmchneend, dem am den allerueueſſen Geheimniiren 
der Freimauret iſt nicht viel gelezenz Die alten find cr, die 
das Nachſonren beiohnen konnten. Gicickwohl bat ſich ein gar 
grapirätiicber Herr 5 geiumden, der den sungen Mann chrbar 
uͤch von feinem Unternebmen abmahnt. Narr nimm bieier 
nun in einer Antwort eine noch wichtigere Diiene am. — Faſt 
follte man glauben, die Proteſtatien des Herrn 5. ware mir 
eine srrundidartliche Svekulation, mehr Aufmertſamteit rue das 
Werfchen zu erregeu. 

„Eine Frau ven Hafer, die ehemals bie Fran. Miteel⸗ 
fen — umter ihrer. Leltung eine ſehr unredeutende Schrift, die 
aber dent durch Scdrerisbaufer'd Redattlon wahrſcherntich Nero 
erlangen, wird, — brrausgab, iſt bei der Generalin Murat, 
jegigen Prinzen Carolina, Vorleſerin gewordeu.“ Dieſe machts⸗ 
ſagende Neuisteit it won einer Minge volitticher und aslelrtr 
geitungen mir wichtiger Miene nıberzählt wordin. Ich mechte 
wobßt wiffen, mas darif mertwurdia db Sind denn dee Deuts 
fen Danın die Franzoſiich teim konnen, io ſelten? 

Aus Gottingen. Wie Laut man audın Drmilihen Pläts 
term vom dem ſortdaurenden Flor unſerer Univeriisst vofammın 
mag: fie fintr. Wie kenne es amd anders (mm? Cugliuder 
tönmen jatzt gar nicht fomimen; Nunen, LiefeEſtthe mund Aarlau⸗ 
der ſinden ſtch ſebr vwarlich ern, ſeit es in äbem Batertande 
ſeit Adad. Pohreeinafeem gieltz; Die ſtarte Weſtühaliſche Kants 
mannſdart ib jeher ſchwac gewotden, jcitdem ein io are ger Etrich 
von Weſehalen durch die Entichadigung am Preisen stone 
men in da Preusiche tintertlanen ihre eizenen Univermarat bee 
chen mir. Von den Umsarı erdalten nur wentze die Er— 
faubnik, im Auslande zu Aubiren, umd bei Wie viel Universitäten 
missen fie vorüber, ehe Me zu ums gelangen! Die ſonſt zahlreichen 


Vohlen find jept Preußen, Mugen oder Oeſtreicher; die Eñnd⸗ 
Deutichen Heben jene Bandit, Burzturg und Heidelterg vor: 
ar — Aber chrenvon wird: Wörtinaen ſiaten, wenn id die Um⸗ 
ſtaude nicht ändern; ulcht durch die Echuld feiner Lehrer oder Eik 
ten, durch das Schictſal. 

Aus Gaffel. Der Buchhaudel ir bier ziemlich unbedeutend, 
und die drei hiengen Bee: Gibltotheten ſtehen unter einem drucken ⸗ 
den Zwanze. Exit entger Zeit min alle Witcher, welche in die⸗ 
felben kommen, vorber von drei Zenſoren Burdineichen werden, und 
keines darf, bei 10 Kammergulden Strafe aufgcschen werden, das 
nicht auf der Ruͤdſeite des Tirelblants einen Stenwelabdruck mit 
der Worten: cum Jcentia, Imt, Eine ſolcht Verordnung hat 
einiges Wate, aber — bie Zenſoren — — Ale Nitcher, Die man 
ihnen einliefert, mäfen vorber gebunden ſeynz fir fonnen ale, im 
San bir Verwerfung, nidt mehr zuruckgeſchictt werden. Zuweilen 
mehmen fie fouar bei Werken von mehrern Banden, einen Band 
aus der Mitte weg, — das iſt z. B. mit dem dritten Theil der 
Dia + Na a Core geihelm, und was ſangt nun Der arme Wers 
leiher mit dem Webrigen an? Zurückgeben kann er's nicht, vertau⸗ 
fen eben ſo wenig, und leſen mag die Bruckſtucke auch niemand, 


Bewahrungen. 


m proriten Theile der Eieder der Piste und der Einſamtelt vom 
Bob. Fr. RXcichardt“, werden drei (ehr mirteimänige Gebichte: 
es Einfamen Klinge der Werreue und DieErwan 
tung, Herdern maeſchrieben. Sie find nicht von ihm. ſondern 
die Namen der Berianer, Adolf Neſtitz und Jautendorſ, wurd Guſtav 
als, Heben an dem Drte, weher dieſe Gedichte entlehnt find, 
(Berlırs Taſchenbuch, 1%03, : untirjeitmet. Ob Meie Berwechſe ⸗ 
lung, die dt ſeder Ruckficht Moer zu ertlaren üft, zufällig oder vor 
czlich aechah, aa umımtenucht Lieiben : aber Die fchlimemrke Mache 
rede die man einem Dichter menden kann ünk, wenn man Aha At 
beiten nachſagt, die ſeiner nicht veirdig Mind, und — bei der jene . 
gen Stimmung in ber Jirerariichen Wert Uene fich eine foiche Ver⸗ 
wechſelung noch zu manchen andern Dingen mifbraudben, 





Meuſel? Belshrtin » Beriton meſder von Unterzeichnetem: er 
fen im Augent 1799 grochen. Ferm ieies nen ken, dem berühnn 
ten Beriadfer zu widerſorechen, aber Dre kaun er ſeinen Freunden 
in und auger dom Vatertzude verdient, Bad er ir ptiett, 

Bre⸗tau, im Auge 1504. 
K. G. Kopf. 


—— — — 


Donnerſtag, 


rn f 


— — 
Literatur. 


Memoires d’un témoin de la Revolution, 


E un 


ou Journal des faits qui se sont passes 


sous ses yeux etc. Ouvrage Posthume 
de Jean Sylvain Bailly. III. Vs. 1804. 
Paris. (Berlin, bei Mettra, Preis, 5 Thaler.) 


Dur merfrohrdige Werk, das Bailly — der erfte 
Praͤſident der National: Derfammlung und der erfte 
Maire von Paris, — mahrfceinlih während der 
Schredens: Zeit fehrieb, da er ſich verbergen mußte, 
und bei dejfen Ausarbeitung ihn das furchtbare Schick— 
fal unterbrab, das Franfreih um eine fo große Ans 
zahl feiner aufgezeichneteften Köpfe brachte, — be: 
ginnt, nach einigen kurzen vorläufigen Nachrichten, 
aueführliher vom 21. April 1789, mit der Zufam: 
menberufung der Diftrifte zu Ernennung der Wäh: 
ler, und geht bis zum 2. Oktober 1789. Während 
diefer Zeit wurde Ballly zum Sekretaͤr der Mahl: 
verfammlung, Deputirten, zu den Etats- Generaux 
Präfisenten des Tiers: Etat, deffen Verſammlung fich 
bald zur National: Verfammlung erhob, und endlich 
zum Maire von Paris, ernannt, Er erzählt unbe: 
fangen und ungefhmÄdt in feinem Aournal, was 
fi an jedem einzelnen Tage begab, und mozu er 
mitwuͤrkte. Als er bis zu den Nachrichten von dem 
julegt genannten Tage gefommen war, überrafchte 
ihn, wie es fcheint, der Merhafts: Befehl in feinem 
Zufluchtsorte. Als Beilage find einige abgeriffene 





er, am 
27 ' 
* 7 J 


— oder 


Nro, 178. 


ANSTIDES, 
Der Treimüthise 


den 6. Eeptember, 


d Sherry, 


Gedanken, und die Abfchriften der Neben, Adreffen 
und Briefe, die er während der Bekleidung feiner 
verſchledenen Aemter halten und ſchreiben mußte, ju: 
gefügt. Diefe Beilagen gehn bis zum 18. November 
1791, da Petion an feiner Statt Maire von Paris 
wurde. . 

Diefes ift der Inhalt des Werks. Daß es in 
mehrern fehr verſchiedenen Ruͤckſichten Außerft inte: 
reffant und wichtig ſeyn muß, braucht wohl nicht erft 
angemerkt zu werden: nur über den Grad der Mich: 
tigkeit einige Bemerkungen. 

Der Reiz, durch den es am erften und allge: 
meinften wirken muß, ift die Befriedigung der hiſtori⸗ 
fhen Neugier. In der That, wer koͤnnte beifer und 
genauer von allen Umfländen, bis auf die kleinſten 
berab, unterrichtet ſeyn, mit welchen fich die merk: 
wuͤrdigſte Begebenheit des verfloffenen Jahrhundert, 
die Begebenheit einleitere und fortbildete, die als 
das unausbleibliche Kefultat vieler verfloffenen Jahr: 
hunderte angefehen werden muß, und die den Chas 
rafter vieler künftigen beflimmen wird, — mer 
Fönnte beffer, fage ich, uͤber dieſelbe Bericht abflat: 
ten, als der Mann der gleich beim Beginnen der: 
felben in ihren Wirbel hineingejogen und faſt über: 
all an die Spitze geftellt wurde? Und weſſen Be— 
richte koͤnnten unbefihränftern Glauben fordern, als 
Baillg’s? — wenn man ſich erinnert, daß es noch 
mehr die allgemeine Anerkennung feiner Tugenden, 
als feiner Talente und feiner Gelehrfamfeit, war, 
was ihn aus feinem Privarftande bervorzog, und 





ohne feine Mitwirkung zum Präfidenten der Natio⸗— 
nal: Verfammlung macht. Mit Bedauren füge ich 
aber die Warnung hinzu, nicht zu viel in diefer 
Rüdficht, von dem Werke zu erwarten, Bailly ers 
zähle bier mit der höchften Offenheit, beſtimmt und 
» unftandlih mas er geſchehen ſah und verhandeln 
hörte und half, aber beinab nur diefes, und zwar faft 
nur fo viel als ihm perfönlih traf oder zur Weit: 
mwirfung zwang. Auch hat er fi felten mehr erlaube, 
als die Umſtaͤnde der Öffentlichen Ereigniffe, bei 
denen er gegenwärtig war, aufjuzählen: auf ein 
Räfonnement über ihren Urfprung oder auf eine 
Ueberficht, eine Vergleichung derfelben, läßt er fich 
faft nirgend ein, ſey es nun, daß er dieſes für ein 
Journal unpaffend hielt, oder daß es ihm, wie es 
wirklich fcheint, an politifchem Talent und an Ener: 
gie des Geiſtes fehlte, fih auf einen etwas hoͤhern 
Etantpunft zu erheben, als der eines Zuſchauers iſt, 
der nur gelegentlich Hand anlegt. Er that an jedem 
Ort wo man ihn binftellte, als vernünftiger, rechts 
fehaffener und gefühloeler Mann, das was für 
den Augenblid das Paffendfte war: das ift aber 
alles, — in jeder andern Lage fehr viel, in einer 
Revolution fehr wenig, und da er wie gefagt, faſt 
nur das erzählt, if fein Werk für die Geſchichte 
eingelner Ereigniffe der Kevolution wichtig; nicht für 
die der ganzen Begebenheit. 

Einen ganz verfchiedenen Grad der Wichtigkeit 
aber gewinnt das Werk, weun man es als philofos 
phirender Politifer anfieht, wenn man es mehr we: 
gen der Betrachtungen lief't, die es veranlaßt, als 
megen der Ereigniffe, die es erzählt. Dann ift ee — 
der wichtigfte Theil einer Kranfengefgichte, die jes 
der Pfleger eines gefunden, und jeder Arzt eines Fran: 
fen Staates fludiren muß. Aus feinem andern 
Merfe Über die Revolution babe ich die, Übrigens 
ſchon längft anerfannte Wahrheit fo uͤberzeugend als 
aus dieſem einfachen Journal bervorftralen gefehen: 
daß nur die Schwäche, die Eitelkeit und der Hochs 
muth der Minifter und der Anführer der obern 
Staͤnde, den Tiers » Etat Schritt vor Schritt zu 
den Maofregeln drängten, durch welche die Umwaͤl— 
zung entfchieden wurde, — freilich fpielte auch der 
Zufall dabei eine nicht unmichtige Rolle. Man mei 
ji. B. von welchem Einfluß die Gegenwart von 
Eieges in der Matinalverfammlung war; daß er es 
war, der der Derfammlung, als Ludwig 16. ihr bes 
fehl, aus einander zu gehn, durch die einzige Des 
merfung: „Bir find heute, was mir geftern waren !" 
alle Entſchloſſenheit wiedergab. Nun, und Sieyes 
war weder von der Geiftlichfeit, noch von den Pro: 
vinzen zum Deputirten gewählt worden, als er zum 


jwanzigften, legten Deputirten der Stadt Paris 
in Vorfchlag kam. Dan ftellte ihm fogleich den frü: 
ber gefaßten Veſchluß entgegen, daß fein Geiſtlicher 
zum Kepräfentanten des Bürgerftandes ernannt wer: 
den ſolle, aber als man die Akten darüber nachſchlug, 
fand es ih, daß Bailly, als Syndikus der Wahl 
verfammiung, dleſen Beſchluß niederzufchreiben ver: 
geffen hatte, — und Sieyes wurde gewählt. 

Ne 
Augsburgifche Hochzeit und Tauf» Ordnung, 

von dem Jahr 14273. 


1) Wider Reiche noch Arme follen bei der Der 
lobung einen Koftwein geben, 

2) Das Geſchenk, melches ein Wann „, fon Gemal“ 
giebt, fell nicht mehr als eine Veark Silber 
mwerth feyn, das Geſchenk aber, daß er beren 
Schweſter giebt, fell den Werth einer halben 
Mark Eilbers betragen, feinem Schwager aber 
fol er nicht mehr geben als ein Paar Hoſen. 

3) Geht der Bräutigam in das Bad, fo foll er 
nicht mehr als ſechs Männer, und die Braut 
bei derfeiben Gelegenheit, nicht mehr als fechs 
Frauen mit fi nehmen, 

4) Dei der Hochzeit follen nicht mehr als vier 
Mufitanten feyn, 

5) Die Morgengabe fol in nicht mehr als zwan⸗ 
sig Gulden beftehen, was mehr iſt, foll feine 
Kraft haben, 

6) Der &hering darf nicht mehr als zwanzig Guk 
den werth feyn. 

7) Der „Gemelknopf“ (ein Gefchent, das bie 
Draut dem Bräutigam gab, von dem ich aber 
nicht weiß worin es beftand,) foll nicht mehr 
als drei Marf Eilber werth ſeyn. . 

8) Weder Vater, noch Mutter, noch Schwefter, 
Bruder u. f. w. follen mehr als einen Gulden 
zum Hochzeit: Gefchenf geben, 

9) Dei dem Hochzeitmahl dürfen nicht mehr als 
vier und zwanzig Säfte, die Verwandte mit: 
gerechnet, zugegen fegn, zu dem Tanze aber 
mag fommen wer gebeten wird, 

10) Kein Bräutigam darf einer Braut einen Guͤr⸗ 
tel fehenfen, der mehr als zwei Mark Silber 
werth iſt. 

11) Wenn die Braut, ſie ſei reich oder arm, des 
Morgens zu der Trauung geht, ſo ſollen ihr 
nur zwoͤlf von ihrer Verwandtſchaft und eben 
fo viele von der Verwandiſchaſt des Mannes 
folgen. 

12) „Vmb foubframen Recht zehen vor und nach 
ber Kochzor, fol all ab fon.“ 


— 191 


„Bon der Toffen wegen“ 

Zu einer Taufe follen nicht mehr als acht Män: 
rer und acht Frauen geben. — Das Pathen-Ge— 
fhenf darf in nicht mehr als 18 Gr. beſtehen. — 
Die Gefchenfe für die Wöchnerin follen nice mehr 
Statt finden, ausgenommen bie, welche die nuͤchſten 
Anverwandte geben. Auch foll den Hebammen und 
der „Segam“ nichts mehr von den Wodentett: 
Befuchen gegeben werden. — Beſucht die Wöchne: 
rin, nach dem NWochenbette das erſtemal die Kirche; 
fo foll fie nicht mehr als fünf Frauen zu ihrer Ber 
gleitung mitnehmen; auch foll bei diefer Gelegenheit 
Feine Gaſtung oder „Vorglaub“ gegeben werden. 

Wer fich den vorgefchriebenen Verordnungen bei 
Hochzeiten oder Taufen, mie auch während dem 
NWochenbette, nicht unterzieht, es wäre ein Mann 
oder eine Frau, der oder diefelbe follen der Etadt, 
ein jedes ins befondere 10 Gulden bezahlen, wer 
aber mit freventlichem Vorfage diefen Veränderungen 
entgegen handelt, diefelben follen aufer der angeführ: 
ten Etrafe, auf ein Jahr lang aus der Stadt ver 


wieſen werden. 
2. St.... 


KA Gg « 


Die berüchtigten „Befentniffe einer Giftmi 
ſcherin“ haben ein zweites, als Kunſtwerk tief un: 
ter jenen flehendes Produkt diefer Gattung veran: 
laßt, zu welchem fib am Echluffe der Verrede der 
Merfaffer des Seifterjehers ale Herausgeber 
befinnt, Er will, laut diefer Vorrede, die Geſchichte 
der U — 8 aus den eigenen Papieren diefer Ungluͤck⸗ 
lichen gezogen haben, aber durch Ordens: Gielühde (!) 
und die Banden der heiligften Freundichaft, den Zus 
fall, welcher diefe Papiere in feine Hände führte, zu 
verſchweigen gezwungen ſeyn. Doch iſt diefe Der: 
ſicherung, wie wir zur Ehre der Menſchheit glauben, 
nur ein liſtiger Kunſtgrif des gewöhnlichen Schla⸗ 
ges, die von ihm aufgeführte Verbrecherin, ein Uns 
geheuer, wie noch feines die Erde beflefte, und dies 
ganze ſchmaͤhliche Produkt, welches die Tiefe aller 
Verworfenheit recht con amore erfchäpft, mehr als 
irgend eines geeignet, von den Gerichten unterdrädt 
zu werden. Welch ein Gedanke, in dies Kloak 
ver Abfcheulichfeit hinabfteigen und um den Echein 
zu retten, um bie befledte Hand in Unſchuld zu was 
hen, den Teufel felbft zum Kittenredner machen 
zu wollen. Fuͤrwahr, jene bei linger erichienenen Be: 
fenntniffe find im Vergleich zu diefer, fechs und 
dreißig Bogen flarfen, auch in Berlin verlegten 
Scharteke, eine Gefinerfche dolle und die gewalt: 
fan herbeigezogene Epifode, welche aus dem Geifer 


verjmeifelnder Gequälten, die aqua toffana bereiten 
fehre, beinahe noch der arglofefte Theil diefes, in 
feiner Art einzigen Machwerfs, welches, wenn es 
im Umlauf bleiben follte, wohl manches ſchwankende 
oder bösartige Weſen fhnell genug zu einer — — 
machen würde, weshalb wir denn, wie billig, den 
Titel dieſes Schandbuches hier verſchweigen. 


tz. 
SBedanken. 


Wenn die kleinen Kinder in der Kinderſtube 
weinen wollen, reihen ihnen, um fie zu be’ 
rubigen, die Ammen den Zul. Nenn bie 
großen Kinder im Schauſpielhauſe anfangen ge— 
rührt zu werden, laffen die modernen Tragifer den 
Chor auftreten in gleicher Abfiht. Don wem alfo 
fcheinen unfre jegigen Trauerfpieldichter ihre Aefthe: 
tif gelernt zu haben? — 





Die Houynhnms, melche der berühmte Gullk 
ver auf feinen merkwürdigen Neifen Eennen lernte, 
batten weder muͤndliche noch fepriftliche Ligen, wie 
andere Nationen, und daher auch für diefen Begrif 
Fein einzelnes Wort; um ihn zu bejeichnen, fagten 
fie paraphrafirend: Das Ding, das nicht if. — 
Jetzt gebt es uns Deutſchen mit den poetifchen Kun fl: 
werfen faſt eben fo, wie den Hougnbnme mit den 
Lügen; ich fehlage daher unmaßgeblich vor, das Wort 
Kunftwerf ganz zu antiquiren, und dafür ebens 
falls zu fagen: — das Ding, das nicht iſt. 





Nachahmer haben nur geringe Verdienſte, — Nach: 
ahmer nur halber Muſter find lächerlich, zumal, 
wenn fie die Kraft haben, ſelbſt ganze Muſter für 
alle Zeiten zu werden, und doch befchränft fich noch 
immer unfer Ehrgeiz [hmählicher Weiſe blos darauf: — 
den Leichnam Griechiſcher Dichtungsweiſe 
durch Afiberifhen Galvanismus noch ein— 
mal zuchen zu laffen. 


Der Pfeil des Sonnengottes verletzte das Auge 
eines Sterblichen. Da legte ihm mitleidig der Gott 
die Leier in den Arm und — Pfeffel rührte bie 
goldnen Saiten und vergaß feiner Blindheit, 





Man nannte vor Furgem die beiten & — — 
oft — die Diosfuren. Sollte man fie einft nach 
ihrem Tode, wie Caftor und Pollux unter die Sterne 
verfeßen mwollen, fo bringe ich die beiden vor kurzem 
entdedten — Duodez : Jrrfterne unmaßgeblich ſt 
in Vorſchlag. 


— 192 — 


Die Paradiesvdgel haben keine Füße und flie 
gen daher unaufhdrlid. „Aber dieſe 
Thierchen find ja in der Natur nirgends vorhan 
den.“ — Dein, leider, nein! ‚Dicht einmal in der 
Poeſie. — 


Einige unferer jekigen Luft: hau: und Trauer: 
fpiele find fo erbaulig, daß ih mid nur wundere, 
mie.die Zufchauer, wenn der Vorhang fällt, ausein: 
ander gehen fünnen, chne vorher — ein Vaterunfer 
gebetet zu haben, wenigfiens Amen ju fagen, 








So oft ih Keime In unferen Trauerfpielen höre, 
ift mir immer, als riefen die Herrn Verfaffer hinter 








den Rouliffen hervor: — „Sieb wohl Achtung, lie: 
bes Parterre; jebt werden wir etwas fehr Schoͤnes 
zu Marfte bringen.” — Schade, daß fie fo felten 
Wort halten! 


Mir Deutſchen fingen jegt im Tempel Apolls — 
wie in ber chriftlichen Kirche, alle; aber jeder nach 
einer von ibm ſelbſt verfertigten Melodie. — 
Welch ein Tureil!! j 


Die Neupoeten machen es mit der Kunft, mie 
die alten Phariſaͤer mit der Tugend; fie plappern 
unaufbhörli davon, ohne fie jemals auszuüben. 

— dt, 








— —— — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 36. 


Aus Paris. 
Eu: komirhe Over in 3 Alten, „Heinrich von Vaiernu,“ 
tomvonirt von Drshayes, bat großes Glück gemacht. Gin 
neuner guter Komponiſt, eine gelungene temifhe Oper, deren 
Euict hiſtoriſch, und moch dası aus der Deutichen Geſchichte 
entlehnt ift: möchten wir fie bald auf Deutihen Vuhnen fehn ! 

— Noch immer müthet der lücherliche Fanatiker, — oder 
vielmehr der verädtliche Heuchler, — Geoffrot gegen kuther. 
Er ertlart ihn für einen Trumkontold, für einen Bollufling, 
für eimen Habfüchtigen, für einen Aberglaubiſchen, fe einen 
Metrüger, und het ſogar die pobelfags, Luther habe dem Teu⸗ 
fel das Dintenfaß an den Kopf geworfen, gegen ihm am, Welche 
unwiſſenhelt, weicht Abgeſchmacktheit Der niedrlge Echmabet 
bewelt nichte welter, ald das er weder Verſtaud noch Erhe ⸗ 
bung des Geiſtes genug hat, große Verdienſte zu begreiien. — 
Am Schluſſe glaubt er ſich dadurch au rechtiertigen, daß er jagt: 
ed jet micht recht, Sachſen, Geniumd die Auslicaniſche Greiheit 
fo fehr zu loben, da Frantreich doch ſo große Werdienfte beiafie. 

— Am 30. Nuguft ſollte im Institut National die öffent, 
tihe Bewerbung wm den hochſten Preis im der muſikaliſchen 
Kompofition gehalten werden, Die Bewerber miſſen Framoſen, 
eder doch in Fraukreich matwralifirt und unter 30 Jahr fun. 
Der Eieger wird auf Roten dei Staats nad Kom aerdiictt , 
um dort fünf Jahr zu ſtudiren. Ware eine Reiſe durd Europa 
von 2 Yahren, nicht mehr werth? 

— Auch in Evanien bat die Regierung jegt werboten, bie 
Peichen in dem Kirchen zu begraben, oder auf Kirchhöſen im 
den Etüdten. Nur in dem aufgehlarten England dauren beide 
nachtheilige Gebrauche noch. — Dirje Nitge machte eine variſer; 
Jeitung, uud ſelbſt die Cordners Dlatter finden fie gegründet. 

— Zu Waddington in tincofndihire boxten ſich Fürstic iwei 
weiber Öitentlich: der Preis war eim junger Menſch, der wirklich 
den Muth hatte, ſich mit der Siegerin trauen zu laſſenz — oder 
wat er ed aus Furcht? Das waren einmal wirklich Erot erinnen. 

— nuf einem Coajiergange unweit London neckten aroel 
arot, ſtarte Buriche von 18 Jahten etwa, einem alten Mann. 
Er bieh fie, ſich fort vacken; doch da fie ihren Muthwillen 
fortfegten, fate er fie beide mit Einer Hand, und prügelte fie, 


trotz ihrem Widerſtande, mit der andern Hichtia ab, Der Bow 
ganz errsate Aufmertſamkttit; eine Menge Juſchauer verſammlete 
fh, und man erkannte den Alten für einen ſechs und 
neunjiglahrigen Schleſter, der funiig Jahr Krieges 
diente getban bt. 


— Auch die kathollſche Gelſtlichkeit im Muiichen Meiche 
wird durch das erbabene Beiſolel des erhabenen Mongarchen, 
amd durch den aflgemelten @ifer um Wohithen , den Er em 
wert hat, befewert, Der Römische Biſchof zu Pinsk Kat 22,000 
Rubel jur Ersichung von zehn unbemittelten Adeltmaben ande 
arrtht. 

— Sam Beissig in jetzt darch Meverberen erheftt, die am 
queer fiber die Etraien gejogenen Geilen, mitten auf derelben 
hängen, Diefe auch in Bremen und andern Deutſchen Stad⸗ 
tem, wie vorlängit in Paris und London, eingeführte Art der 
Beleuchtung iſt unſtreitig die beſte. 


— Die dies ahrige Kumflaudftehung iu Berlin wird, wie 
ed heißt, gleich nach dem Herbſmandeurre ihren Anfang nehnen. 


So eben if Hr. Licentiat Düchet aud Münden hier anger 
fommen, um aucd bier Proben von der „Mnemonit oder Ex 
innerunaswiſſenſchaft· abyulegen, welde der Freiherr von Are⸗ 
tin zu Munchen, erfunden bat, und Zutlfiription zu der Nies 
kanntmachuag Beier, wie der Herr Gründer ſelbſt und Herr 
Duͤchet erklären, fo bald man die Mierhode weiß, leichten 
Kunf, zu fanmien. Er bat auf feiner Mei: in Erlangen, im 
Feinjig und am andern Orten Beweiſt von der Trefflidkeit der 
Erfindung abgelegt, die alles im Erfiaunen ſetzten. Ohne Zwei⸗ 
fel verdient Die größte Auimerkiamfeir and wird fie finden, — 
Hatte man mar auch ſchon eine Erfindung, ſchnell am vergefen, 
was dur die Erinnerung joltert! — 


Anzeige von verlornen Dingen. 

Dem berühmten Philoſophen — e zu — im if die m 
umidälichteit feines Gnitems unter den Kanten verſchwunden. 
Eofite jemand fie auffinden, fo wird er ergeben ſt und dringend 
erſucht, fie, wenn auch mit dem rechtmahisen Veſtzer, doch 
dem Putlittum mittutheilen, da bekauntlid das Wohl und die 
Kultur a Forsfchritt der gansen Menftheit davon abhangt. 


i804- 


Nro. 179. 





Der Sreimüthige 


Greitag, 


E rn ft 


und 


den 7. September, 


Sdher,% 





Literatur. 


Taſchenbuch fr dad Jahr 1805. Der Liebe und 
dreundfchaft gewidmet. Zrauffurt am Mayı, 
bei Wilmanns, j 


S)as Aeußere diefes Taſchenbuchs iſt fehr elegant 
und ſchoͤn, und der Inhalt entſpricht ihm meiftens 
theils. Sieben reijende Kupfer von Jury und ein 
achtes gleichfalls gelungenes von Hrn. Kaifer in Weis 
mar, ſchmuͤcken es. Sie gehören, das letzte ausge: 
nommen, zu den bier gelieferten Artikeln, und das 
iſt fehr löblih, da man in eben diefem Tafchenbuch 
auf 1804 fo manches fand, das mit andern Werken 
befannt machen follte, — die ſchwerlich irgend ein 
Geſchmackvoller halb durchblättern würde, 

Der profaifche Beitrag befteht aus zwei Erzäß: 
lungen, einer Biographie und einer Anekdote, 

Die erfte Erzählung, Ferdinand Hold, atıs 
den binterlaßenen Papieren einer Frau von Klenke, 
fpielt in der wirklichen Welt, iſt lebhaft und gut ge, 
ſchrieben, und enthält vorzüglich manche. fehr gelun⸗ 
gene Schilderung. Die zweite: Die Küdfepr 
des Don Fernand de Lara in fein Vater— 
land, eine Spaniſche Erzählung, ift von 
Madame Brentano. Auch diefe ift lebhaft und uns 
terhaltend gefchrieben ; aber im Grunde nichts als 
eine abergläubifche Hexengeſchichte, die meder dem 
Derftande noch dem Herjen etwas darbietet, hoͤch⸗ 
ftens die Phantafie beſchaͤſtigt. „Aber eine gewiſſe 


Schule mill ja auch nichts mit dem Derftande zu 
thun haben.” Gut, fo muß fie es aber auch nicht 
Übel nehmen, wenn die Verftändigen fi um‘ fie 
nicht befünmern, 

In der biographifhen Sfisze erzähle Bouter⸗ 
wek das Leben der berühmten Italleniſchen Dichte: 
rin, Vittoria Colonna, der Gemahlin des befannten 
Neapolitanifgen Feldherrn Pescara, äußerft anzies 
hend. Der Verfaffer hat das beneidenswerthe Ta— 
lent die Wahrheit fo zu behandeln, daf fie den Reiz 
der Dichtung gewinnt, ohne daß fie aufhört Wahr: 
heit zu ſeyn. — Die Anekdote endlich aus dem. fer 
ben eines großen Fürften, hat Kochliz erzähle, man 
weiß alfo fhen, daß fie fehr angenehm vorgetragen iſt, 
und auch der Stoff iſt intereffant. 

Unter den Gedichten find einige Epigramme des 
migigen Haug trefflih, einige eigentliche Gedichte 
von Buri nicht fehr korrekt aber gut, eine Eatire 
von Podels und einige Lieder von einer Madame 
Wolf fehr mittelmäßig, und neun verfificirte Radot⸗ 
tagen von Hölderlin hoͤchſt lächerlich, Ich will die 
legte davon herſetzen, die nicht die abgefchmadtefte, 
aber doch die kuͤrzeſte iſt. 


Der Winkel von Hahrdt. 


Hinunter finket der Wald, 
Und Knorven ahnlich, bangen 
Einwarts die Vlatter, done 
Bluht umten auf ein Grund, 
Nicht sar ummüumndig 
Da namlich iſt Ulrich 
Gegangenz ort ſinnt, Über den Fuhtritt 


— 194 — 


Ein arok Einf 
Bereit, an übrigem Orb 
Sollte der Herausgeber Gedichte der Art jum 

fiehenden Artifel feines Taſchenbuches machen wollen, 
fo smpfehl? ih ibm, für künfriges Jahr den großen 
Künftier in biefer Gattung, Herrn Panimann nicht zu 
überfehen, obwohl Herr Hölderlin nicht geringeres 
Talent zeigt, 8 


Die Familie der Fugger in Augsburg. 


O deleich der Name und das Geſchlecht der Fugger 
ride nur in ganz Deutſchland, ſondern auch außer 
deſſen Grenzen befannt ift, fo ift es doch vielleicht 
den Lefern des Freimuͤthigen nicht ganz unangenehm, 
wenn er ihnen aus einem Werke, das außerhalb 
Augsburg, für das es freilich das geößte Intereſſe 
bat, weniger bekannt ift, als es zu feon verdiente, 


nebmlich aus der Gefchichte der adelichen Geſchlech⸗ 


ter der Reicheſtadt Augeburg, aus bewährten Ge— 
f&ichtihreibern und Urkunden gejogen, durch Paul 
von Etetten dem Juͤngern, — einen Auszug init⸗ 
theilt, der ihnen erzählt, mie weit Ihärigfeit und 
Fleiß fih empor fhwingen koͤnnen. 

Der erſte Fugger, mit Namen Hans, von wels 
chem, wie ermiefen iſt, die gräflich = fuggerfche 
Familie abſtammet, lebte auf dem ungefähr drei 
Etunden von Augsburg entlegenen Dorfe Graben, 
und war dir Beſitzer einiger Jauchert Felder, welche 
ſich noch gegenwärtig in dem Befige der Familie bes 
finden. Der Eohn dieſes Hans Fuggers, erhielt 
durch feine Verehelichung mit einer Augsburgerin, das 
dortige Bürgerrecht, und begab fich nach der dama— 
tigen Verfaſſung der Stadt, nach welcher fih ein 
jeder Bürger in eine Zunft (nur wenige, z. B. die 
Patrizier ausgenommen,) geben mußte, in die Zunft 
der Weber, und wurde aus derfelben in den Kath 
gewählte. Er trieb den Leinwandhandel und erwarb 
fi dadurch bad, ein für die damaligen Zeiten fehr 
beträchtliches Vermögen, von dreitaufend Gulden; das 
bei war er Fretſchoͤfſf des Weſtrhaͤliſchen Gerichts, 
und fiarb 1409. Diefer Fugger hinterließ zwei Soͤhne, 
von welchen Andreas fich bald ein anfchnliches Ber 
mögen erwarb, und den Beinamen der „reiche Fugs 
ger“ erhielt. Er verehelichte fig mit einer Etammles 
ein vom Xste, und feine Nahfommen waren einige 
Zeit in großem Anfehen, erlofchen aber gezen das 
Ende des ſechszehnten Yahrhunderts in Armuth und 
Unbedeutendheit. Der zweite Sohn des obengedach: 
ten Fuggers, Jakob, hinterließ viele Kinder, unter 
welchen ſich vorzüglich Ulrich, Georg und Jakob, 
als die Etifter der Familie auezeichneten. Sie verche: 
lichten fig mit den Töchtern der angefehenften Far 


millen, und erwarben fi durch die Handlung und 
das Betreiben der Bergwerke in Ungarn, einen großen 
Reichthum. Kaiſer Friedrich der Dritte ſchenkte ih: 
nen das Wappen mit den drei Lilien, Marimilian der 
Erfte aber erhob fie in den Abelftand, weshalb fie 
in Augeburg des Zunfteides entlaffen, und in ber 
folge, 1538 in das Augsburgifche Patriziat aufge: 
nommen wurden. — Nachdem die drei erwähnte Brü: 
ber die fchönften Güter in Schwaben, theils durch 
Kauf, theils durch Pfändung an fich gebracht, und 
diefeiben zum größten Theil ju Fideicomiffen gemacht 
batten, wurden George Soͤhne und Rarmund 1530 
in den Grafen: und Pannerfiand durch Carl den 
Fünften erhoben, und auf der Schwaͤbiſchen Gra: 
fenbanf unter die Etände des Reichs aufgenommen, 


deſſen ünerachtet fie aber kein Bedenken trugen, ib: 


ren Handel fortzufeßen. 


So zahlreich auch die Familie der Fugger war, 
und noch ift, ſtammen fie doch alle von Georg Auge 
ger und Mirgina Im Hoff, indem fein Bruder Ule 
rich feine männliche Erben und Jakob gar Feine Kins 
der hatte, Mach Georg Fugger theilte fich die Fa: 
milie in zwei Haupflinien ab, in die Raimund: und 
in die Antonifche, welche ſich abermals in viele Me: 
benlinien trennte, von welden allen der Gencaloge 
in Im Hof in Not. Proc. Imp. L. VIL C. II. 
in Bucucelium in Germ, T. G. H. Grap T- II. 
in op., in Huͤbners Tabellen der Keichsgräflichen Fa: 
milien, vorzüglich aber in einem im Jahre 1595 von 
der Familie ſelbſt veranflalteten Werke, ausführliche 
Machticht erhalten Fann, 


Die Familie der Fugger zeichnete fi in allen 
Staͤnden vortheilhaft aus, vorzüglich aber in ben 
eriten Zeiten durch die Handlung, und Ulerich Aug: 
gers Schreibſtube war, wegen ihrer Pracht, lange 
in Augsburg nur unter dem Namen der goldenen, 
befannt, An einer Zeit von acht Wochen verfchaff: 
ten die Fugger 1509, dem Kaifer Marimilian dem 
Erften, dem Pabit Aulius dem Zweiten, dem Könige 
Ferdinand von Spanien und dem Könige Ludwig 
‚dem Zmölften eine Summe von 170000 Dukaten; 
auch rüfteten fie nachmals drei Schiffe zu einer Fahrt 
nah Oſtindien aus, die mit großen Reichthuͤmern 
zurüdfehrten. — Um die Stadt Augsburg felbfl, 
hatten die Fuager großes Verdienſt. Anton, 3. B. 
wirkte bderfelben nach dem Schmalkaldiſchen Kriege 
die Derföhnung mit Carl dem Fünften aus, und ber 
trieb vorzüglich 1548 die Abſchaffung des zünftigen 
Hegiments, Bis in das Jahr 1685 waren zwölf 
Glieder aus der Fugger in dem Rathe der Stadt 
Augeburg, in der Folge aber feiner mehr. Durch 


— 15 — 


des Herfommen hatten die Fugger den eigenen Ti— 
tel: „ Wohlgeboren,” wurden nte in das Stadtgericht 
gewählt, und durften die Rathſtellen felbjt beftim: 
men, in welche fie eintreten wollten. Zuerft zahlten 
fie, nach Verträgen, 800, in der Feige aber 2400 
Seltaulten Steuer. Bekannt iſt es, daß die Fug— 
ger durch prächtige Gebäude und Gärten , wovon wir 
vielleicht ein andermal Auskunft geben, Augsburg 
fehr verfönerten. 

Biele von den Fuggern bekleideten, vorzüglich 
an dem Kaiferlihen Hofe, die erfien Ehrenſtellen, 
wie nit minder unter dem Militär, So führte ein 
Carl Fugger 1573 in den Miederlanden, unter dem 
Herzoge Alba, ein Regiment an; 1635 war Dtto 
Keinrich Fugger, Bairifcher General u. ſ. w. — Nicht 
minder groß find die Verdienſte der Fugger un die 
Wiſſenſchafften und Kuͤnſte. Eie errichteten feftbare 
Buͤcherſammlungen und Eammlungen der Kunft: 
werfe Griechenlande, Staliens und Sicillens, vor: 
züglih aber fammelten fie alte Manuſkripte. Diele 
Fugger aber zeichneten fich felbft als Gelehrte und 
Echrifefteller aus: fo ift Hans Y.Ecb Fugger der 
Verfaſſer des Chrenfpiegels des Hauſes Deftereiche, 
Marx Fugger Überfegte Nicephori Callisti Histo- 
riam Eccles: und den erfien Band von Baronii An: 
nalibus Ececles. Georg Fugger hatte vorzüglich in 
der Mathematik große Kenninife, und WMarx Fug- 
ger gab 2573 ein Buch über die Pferdezucht im 
Drud heraus, das 1755 in Wien neu umgearbeitet 
und mit einem zweiten Theil verfehen, abermals im 
Druck erfchienen if. 

Die Eriftungen, welche die Famille der Zugger, 
vorzuͤglich in Augsburg, zum Beten der Kirche und 
der Armuth errichteten, belaufen fih auf eine fehr 
große Summe. Lie erbauten Kapellen, Orgeln, flifz 
teten Klöfter u. dgl. m. das wichtigfte aber, was fie 
jum Beſten ihrer Glaubensverwandten in religiäfer 
Küdfiche unternahmen, (ob es auch ein Gluͤck für 
Augeburg war, ift eine andere Frage,) iſt, daß fie 
die efuiten in die Stadt zogen. Die Fugger ſchenk⸗ 
ten ihnen nicht nur ein fehr berrächtliches Kapital 
zu ihrer Anfiedlung,, fondern Übergaben ihnen auch 
Gebäude, damit fie in denfelben ihr Klofter und Se— 
minarium errichten fonnten. Achnlige Mildthaͤtig⸗ 
feiten verewigten die Fugger dem Francisfaner und 
Kapuciner: Orden, und die ſchen atgegangene Bruͤ— 
derichaft Gorporis Christi wurde von ihnen erneuert, 
Den Carmelitermoͤnchen aber, räunıten bie Fugger 
einen Garten außerhalb der Stadt ein, — Aus die 
fem allen erhellt, daß die Fugger feine Freunde der 
Heformation waren, — 
dient die Mildthätigkeit, welche dieſe Familie den 


Srößern Ruhm aber ver: 


Armen erjengte, und nit nur in Augsburg wur⸗ 
den von ihr, fondern auch andern Orten, Etiftun: 
gen zu diefem Zwecke errichtet. „Die Eriftung in 
Augsburg, welche nah der Familie, die fie errichtete 
den Damen, die Zuggerei, erhielt, und die aus 105 
Wohnungen für Arme befteht, ift in gang Deurfch: 
land bekannt, und eriflirt noch heutzutage, — welche 
Stiftung vorzäglih Jalob Fugger 1519 beendigte. 
Derſelbe Fugger ſtiſtete das Hotzhaus, in welcher 
diejenige Perſonen, welche an der Luftfeuche frank 
waren, gebracht und mit der fogenannten Holzkur 
geheilt wurden, Hieronimus Fugger ließ 1538, nach 
feinem Tode 2000 Fl. unter die Armen vertheilen, 
und errichtete auf einem feiner Guͤter ein Hoſpi— 
tal u. ſ. w. — Nicht weniger errichteten die Fug— 
ger fuͤr ihre eigene Familie zweckmaͤßige Stiftungen, 
und boten alles auf, die großen Reichthuͤmer und 
ben erworbenen ©lanz bei derſelben zu erhalten. 


v. 
(Die Fortſehung folgt.) 
Das linfe Rheinufer. 


Aus ʒuͤge aus den Briefen eines Reifenden; mitgetheilt 
von Peter Hammer, Kbln, Ende Mays, 1804. 


( Fortfehung.) 

Pos uns von fröhligen Dingen ſchwaten, von den 
Kloͤſtern in diefem Lande! Don Kiöftern? Da fon: 
men Dir ja nur übe, ſchwarze Gedanken von Belt: 
entfagung, Kreujigung und Caſteyung. — von ich 
weiß felbft nicht was, — Aber in der That, Du biſt 
ganz irrig darin, mein Lieber! Wir bedauern bie lus 
fligen Brüder dieſer Gegenden, bei der Aufhebung 
der Klöfler. 

An Edln allein find hundert acht und zwanzig 
Kiöfter aufgehoben worden, und unermeßliche Güter 
der Diegierung anheim gefallen. Der größte Theil 
diefer geiftlichen Güter, fo wie der andern @omänens 
güter, iſt nun für den Erhaltungsfenat und die Ehren 
legion beftimmt, und komme alfo aus den Händen 
geiftiicher Körperfchaften, in die Hände militärifcher 
und adelicher Orden, — wird zu einer Art Lebngls 
tern und kehrt nicht in die Maſſe des Privateigens 
thums jurüöd, Das Für und Wider ju unterfuchen, 
ift meine Eache nicht, 

Leber diefe Klofterauffebung jammern immer 
freilich manche, die Verforgung für ihre Kinder und 
Anverwandien in diefen finftern Höhlen fanden, — 
oder, die manchen frohen Augenblif und manden 
jovialifhen Schmauß in den reichern Abteyen genof 
fen. Darüber hörte ich viel erzählen. Der Buͤrger 
und der Bauer hatten mit den Bettelmoͤnchen ihr 


be» 


— 196 — 


Verkehr und zechten mit ihnen; die gebildetere Klaſſe 
ielt fi in die reichen und gefittetern &tiften und 
bteyen. Da war man frob über jeden artigen Bes 

fach, und nie famen der fröhlichen Beiher zuviel. 

Der gemeine Mann hatte eben feine große Ver: 
ehrung für die Mönche, ob er gleich ihren Stand 
refpeftirte. Es machte * große Freude die Schwach⸗ 
beiten der Heiligen au bemerken und ſich daruͤber Iu« 
fig ju machen. — Das war Apologie und Entfchuls 
Iaung für den bloßen Weltmenſchen. Ein Colniſcher 

Dürger, der eine Strecke mit ung reif’te, und der 

in allen Klöftern feiner Vaterſtadt wohl befant fchien, 

erzählte uns con amors Kloſtergeſchichten, die ſehr 
den Stempel der Wahrheit trugen, Kin Dialog, den 
er uns mittheilte, fibeint mir fo echt komiſch und 
charakteriſtiſch, daß ich ihn Dir nicht vorenthalten darf’ 

Ich hatte einen Bruder im Klofter, fo erzählte 


er, einen gefunden jovialifgen jungen Wann, velk 


durchtriebener &treiche ; der wäre gar gerne auf den 
Termin ausgezogen, (Terminiren heißt in der Klo: 
fterfprache bettein,) denn beim Terminiren ſchweifte 
der Meonch frei-auf dem Lande umber, von allem 
Kloſter zwang entbunden, — kehrte bei den reichen 
Pächtern und Guts beſitzern ein, — tranf mit ben Maͤn⸗ 
nern, amüfirte fich mit den Weibern, und erfüllte 
trefflich feinen Beruf, wenn er nur ſchwere Saͤcke 
mit ins Klofter zuruͤfbrachte. — Der junge Mönd 
wandte ſich alfo demütbigft an den Pater Guardian, 
der ſchon von feinem Wunſche unterrigret war, und 
es entſpann fich folgendes Geſpraͤch, in Gegen wart 
der ganzen Kloſtergemeine: 

Guardian. br wollt auf den Termin, Bruder 
Florian ; aber wißt Ihr auch, wieviel zu diefem Ge— 
ſchaͤſt gehöre? Habt Ihr die Beredſamkelt und das 

— — 


rechte Geſchick bazu, um des armen Kloſters Nutzen 
zu befördern, und eine reihe Sammlung zu machen? 
Bruder Florian. Jh ſchmeichle mir damit, hoch: 
rohrdiger Pater Guardian. Laßt mich's verſuchen, 
Ahr ſollt mit meiner Sammlung zufrieden fegn. 


Guardian. Die Sache iſt wichtiger, als Du 
denkſt. Ach will dein Talent auf die Probe flellen. 


Woblan, ich will jett einen reichen Halfer (Pächter) 
vorfiellen, zu dem Du zum Termin kommſt, wie 
willſt Du da deine Eache anfangen? — 

— (ſehr freundlich) Ha, guten Tog, lies 
ber Halfer. Unſer hochwuͤrdiger Herr Pater Guar⸗ 
dian und das ganıe Klofler laffen Euch recht freunde 
lih grüßen. Das ganze Klofier bat Euch gern, — 
Ihr ſeyd immer ein fofrommer, wohlthätiger Wann, — 
und dba ich nun auf tem Fleiſchtermin — 

Guardian, als Helfer. a, ja, fihen gut! yr 
faulen, müßigen Möndge, wollt nur von unferer Ar: 
beit und unferm Schweiß Euch füttern! — Es ift 
Suͤnde, dab man Euch Vebsiggängern etwas giebt, 
damit Ihr's in faulem Woblleben verfchmwelgt! — 

Florian, (andächtia, die Hand aufs Herz legend) : 
Halfer, Ihr verfündige Euch, Mas Ihr faat, gilt 
nur von. unferm Guardian, und den hochwuͤrdigen 
Klofterobern; es ift wahr, die leben faul und wolluͤ— 
fig, wir armen Terminalen find gequält, 

Der Guardian und das ganze Convent brach 
in ein lautes Veifallgelächter aus, — Tas treffliche 
Talent des Bruders zum Betten und Epasmachen 
ward einftimmig anerfannt, und er entiprach der Er 
wartung durch eine reihe Sammlung und manchen 
Pa Etreih, wovon die Klofterchronif nachzuſe— 


en if, — 
(Der Beſchluß folgt.) 





Nicht-politiſche Zeitung. Nro 37. 


Mnemonifche Akademie in Leipzig. 


S, eben war ein Herr Picentint Ober Bei tm? im Leiv⸗ 
sig, der auf einer Reife durch Deutſchland begeiifen it, um 
von der vom Herrn von Aretin erfundenen Mnemenit Yros 
ben und Beweife zu lieſern. Am mehreren Orten, wo er durch⸗ 
reifte, aab er mnemoniide Nkadenticen, und auch bier im Bey 
gangſchen Mufeum machte er vor und feine in der That merke 
würdigen Erperimente, die darim befanden, daß er acht Herrin 
acht Priere, (nuf Deutiche, einen Framoſiſchen, einen Italie— 
niſchen und einen Lattiniſchen) und war ſedem von ihnen ben 
Brief, dem er ſelbſt geſchrieben hatte, diltirte, indem er zuerſt 
alle erſten Perioden, dann alle weiten u. ſ. w. faſt buchänbtich 
herſagte. Das machte um fo mehr Aufſthen, weil die acht 
Herren verficherten, ihre eben micht kurzen Briefe ſammtlich am 
demielben Tage, an dem die Akademie gehalten wurde, ibm 
früh um neun uhr zugeſchit uu Gaben. Hierauf wurden aus 
600 Kapiteln aus der Bibel viele Stellen ausgehoben umd ihm 
genannt, deren Inhalt er immer richtig amugeben muhte. An 
andern Orten foll er auch neh andere, nicht weniger merke 
mwirrdige Probeſtücke gemacht haben. — Die Mnemonit hat rich 
bier nun, wie man wohl deicht denten kann, viele Freunde er 
worben, und man bemihe ſich ſehr, den Schleier, der über 
der Erindung des Herrn von Aretin mod; ruht, wegzureien. 
Bei der Gelegenheit it Freilich mande Meinung am Tageslicht 
arlommen, die aleich verworfen, und derem füch tiug⸗ duntender 
Patron werlahe wurde. Um aber nice enwa ein aleidıes 
Scuackſal in haben, will ich mein Urtheil Über das game We⸗ 
ven hubſch für miſch behalten. A. K. 


Aus London. 


Die Ofindiſche Tomwagnie läht in ihren neuerwotbenen Päns 
dern Gientlihe Schulen anlegen, im weichen die Kinder der 
Eingebornen mach Europaiſcher Weife unterrichtet werden, 


Sür das Brittiiche Muſeum wird eim neues ſchöͤnes Ger 
Bäude angeführt, das mit dem alten zuſammenhangt, und 
vorsüglich jur Aufbehaltung von Autiken berimmt if. Die 
Jamiltoniihe Ganımlung und die in GEunpten erbeuteten 
Merkwüurdigkeiten werden den Hauptthell derſelben ausmachen. 


Die Regſerung von Spanien läßt jetzt gleichfalls eine ger 
naue Eharte des ganzen Königreichs aufnehmen, 


Bemerkung. 

"Bei einer Echriit wie der Freimüchige, von der wöchente 
lich drittehaib Quartbogen (alfo umaerahr fun? Bogen in Hein 
Ottab) fchmell gedruckte werden meinem, iſt es fat unmöglich, 
ae Drucichler iu vermeiden, und zu mweitlanftig, alle zu berbeir 
fern, Dan muß daher auf die Nachficht der Lefer rechnen kön: 
nen, — und ib bitte darım amsdriecklih, indem ich einige 
Verſthen anzeige. 

In Ir, 28 der Nichtvolitſchen Zeitung, erite Spalte 3. 11 
von eben, Ace man Matt Heldengeſangen, holden 
Gefangen. 

In Kr. 36 derſelben Itna hätte die Ueberſchriſt: Hug 
Paris merghleiben jollen, und im ber jweiten Gpalte 3. 19 
Rate bier, in Bertim ſtehzen ſollen. 


— — — — — — 


1804. 





ARISTIDES, 


Nro. 180. 


Der Freimuüthige 


Eonnabend, 
Erı tft 


Literatur 


Der Faſtnachtsabend oder die Privatfombbie; en 
Schauſpiel mit Gefang, in brei Aufzligen, 
von Doktor Albrecht. 


Ubbegreifich iſt es, wie zu einer Zeit, wo bie dra⸗ 
matifche Poefie fo große Fortſchritte gemacht hat, 
mächtig dem Ziele der Bollfommenheit entgegen ftrebt, 
noch Produkte, wie das vorliegende, gefchrieben und 
gefauft werden Fönnen. So etwas Fades, Geiſtloſes 
habe ich noch mie, ſelbſt nicht einmal vom Herrn 
Doktor Albrecht gelefen, — faft fieht es noch un: 
ter den gewöhnlichen Oper: Terten und den Erzeug: 
niffen des poẽtiſcheſten unter unfern podtifchen Poẽten. 
Man höre nur folgende Verſe: 
Den Teufel babe ich geichn, 
Dit Homer waren da, ja, Mu 
Die Hörner waren ba; 
Die Zunge war fo rorh umb lag, 
Wie ich fie jemals sah, ja, Ma, 
Wie ich fie jemals (ab ; 
Der Teufel gutte ſtarr auf. mid, 
us wär' ich fein ſchon ſicherlich. 
Hätt ich die Engel micht erblidt, 
Mit filbern Slügelein, ja, ja, 
mit fülbern Slügelein; 
(Wie poẽtiſch⸗ poẽtiſch!!) 
Ich wire ſchier davon gerannt M. h m. 
Doch in Verfen platt zu ſeyn, — das laͤßt fi 
den Eingfpiel: Fabrifanten allenfalls verzeihn, forgen 


un 





— — oder — — 


d Scherz. 


doch die Saͤnger dafür, daß man ihre Plattheiten 
nice verſteht: aber das Stuͤcklein iſt auch noch 
an indejenten Kedensarten, Schimpfworten u. d, gl, 
fehr reich; denn Ausdrüde wie: Gapperment! Das 
geht wie geſchmiert! großer Schlankel (!!!) u. ſ. w. 
ftoßen einem auf jeder Eeite auf, — Der Freimuͤ⸗— 
thige würde diefes elende Machwerk ganz unbemerft 
gelaffen haben, wenn der jmweite Titel deffelben : 
„Beiträge zur Deurfhen Echaubühne, * nicht manche 
Theater: Direftionen, und befonders Vorfteher won Lieb: 
haber⸗ Theatern, bei dem Nangel an neuen £uftfpielen, 
zum Ankauf diefes fehlechten Stuͤcks verleiten Eönnte, 
Die beiden andern Echaufpiele: Klaus Storjen 
brederund Altona vor hundert Jahren, von 
„demfelben firfingerigen Heren Albrecht, die jener 
zweite Tirel mit der Privatkomoͤdie vereinigt, find 
eben fo elend, 
— hn. 


Die Familie der Fugger. 
(Schiuß.) 
&; ift nicht anders zu erwarten, ols daß, da die Fa: 
milie der Fugger, fich fo große Reichthuͤmer ermor: 
ben hatte, fo mächtig war, und vorjüglih an dem 
Kaiſerlichen Hofe in großem Anfchn fand, fie mit 
Freiheiten überhäuft wurde, und zwar in einem fol: 
&en Grade, daß ſich menige Ramilien ähnlicher 
“großen und vielen Privilegien rühmen können, Das 
bedeutendfte Privilegium, melshes die Fugger erhiel: 
ten ift das, welches ihnen Kaifer Karl der V. 1530 


— 10 — 


ertheilte, durch welches fie in den Reichs: Grafen: 
ſtand erhoben wurden, das ihnen und ihren Gütern 
den Kaiferlihen Schuß juficherte, das fie von allen 
buͤrgerlichen Befchwerden befreite, ihnen den freien 
Abzug von ihrem Mohnorte ohne Machfteuer bewil— 
ligte; daß diejenige Privilegien der Orte, an welchen 
fie wohnen und die ihnen nachtheilig wären, auf fie 
nicht wirken follen; daß fie nie vor das Augsburgifche 
Stadtgericht (in Toncurs:, Injurien: Sachen u. ſ. w.) 
gezogen werden fonnen und eben fo atıch von dem 
GSerichtsimang des Raths und der Aemter befreit 
fenn follen; ja alle Beſchwerden, melde die Stadt 
gegen fie zu führen habe, follen nur allein bei dem 
Kaifer eingereicht werden, auch follen ihre Diener, 
Zugehörige und Verwandte, bei feinem fremden, als 
dem Rothweiliſchen oder Weſtphaͤliſchen Gericht bes 
langt werben fönnen u. f. w. Karl der V. gefland 
feibft, als er diefen Freiheits: Brief ausfertigte, daß 
er noch niemals einen Ähnlichen ausgefertiget habe, 
noch in Zufunft ausfertigen werde. — 1534 erhiel 
ten die Fugger das Hecht, goldene tind filberne 
Münzen fehlagen zu dürfen, melches Recht fie auch 
mehrmals ausübten. Ein Privilegium von 1534 be 
ftätigte den Fuggern abermals die Freiheit von frem⸗ 
den Gerichten, und eins von 1548 fagte ihnen das 
echt zu, daß ihre Güter nur bei dem männlichen 
Stamme fich vererben follen. 13566 erhielten die Fug- 
ger ein Priviiegium gegen die Juden, und 1629 er 
hielten fie ben legten und größten Ginadenbrief, wel: 
chem beinahe nichts mehr beigefügt werden Fonnte, 
bis endlich 1803 die gräflih Tugger: Badenhaufifche 
Linie in den Reichs-Fuͤrſtenſtand erhoben murde, 
und fo, obgleich heut zu Tage die Familie der Fugger 
nicht mehr in dem Flore ſteht, in welchem fie ehe: 
deffen ftand, den böchften Punkt der Kaiferlihen 
Privilegien erreichte, 


Alle die großen Befigungen aufjuzählen, welcht 
ehedeffen und noch gegenwärtig, ſich bei der Familie 
der Fugger befinden, würde mich zu weit führen, 
derjenige aber, der genauere Nachrichten von diefen 
Vefigungen zu erhalten wuͤnſcht, fann in den ſchon 
oben angeführten Werken, melde von der Familie 
der Fugger handeln, fo wie auch in dem Werke, aus 
welchem ich hier einen Auszug lieferte, auf der 212 
und 213 Seite ein genaues Verzeichniß aller derfelben 
finden, 


Nachdem. die Fugger fich fo große Reichthuͤmer 
und Kaiferlihe Privilegien erworben hatten, bega: 
ben fie fich der Handlung; wenige von ihnen fuchten 
noch eine Stelle in dem Rathe der Stadt Angsburg, 
ebgleih ihnen die erjten Ehrenftellen angetragen 


wurden, und bie meiften der Familien zogen fich 
entweder auf ihre Güter zurüd, oder fuchten Hofs 
Stellen. Almäplig fuchte auch die Familie ihre 
Privilegien in Augsburg geltend zu machen, und 
ſich von der Gerichtsbarkeit der Etadt zu befreien; 
fie entfagte dem Patriziate und endlich begab fich 
eine Linie der Grafen Fugger des Augsburgiichen 
Bürgerrechte, fo, daß gegenwärtig feine einzige fich 
mehr in demfelben befindet, obgleih die Familie 
noch in Küdficht ihrer Güter, welche fie in Auges 
burg befigen, in Küdfiche ihrer dort befindlichen 
@riftungen u. f. w. in einer engen Verbindung mie 
der Stadt ficht, 
u ©... 

Ein aus dem Latein überfegter Brief des 


Gelehrten Beatus Rhenanus, 
von dem Jahr 1531, 
ald Nachtrag zu den Nachrichten von 
der Samilie der Fugger. 


Po ICH eine Pracht iſt nicht in Anton Fuggers 
Haufe! (Auf dem Weinmarkte der Hauptſtraße in 
Augsburg.) Es it beinahe durchgängig gewölbt und 
das Gewölbe mit marmornen Saͤulen unterftütt, 
deren Kapitäle nach antifer Manier zjugehauen find, 
Was foll ih von den vielen und großen Zimmern, 
den Saalen und dem Kabinette des Herrn felbit 
fagen, das ſowohl in Küdficht des vergoldeten Ger 
bälfes, als ber übrigen Zierrathen und der feltenen 
Schbnheit feines Bettes, das Schoͤnſte iff, was ges 
feben werden Fann! An dieſes Kabinet flößt eine, 
dem Keil. Seboſtian geweihte Kapelle, mit Stuͤh⸗ 
len aus Fofibarem Holze, fehr künfilich verfertiget, 
Das Aeußere und Innere des Gebäudes aber, ift 
mit prächtigen Gemälten verfehen. Ob nun gleich 
dies alles fehr ſchoͤn if; fo bat es demungeachtet 
nicht das Anfehen ven Pracht und Ueppigfeit, aber 
aus allem wird der reiche Bürger, der fein Vermb⸗ 
gen zum Vergnügen und zur Verſchoͤnerung anzus 
wenden weiß,, erfannt. — Nicht minder koͤniglich 
ift Raymund's weiter entlegenes Haus (in der Klee 
ſattler oder heutigen Kapuziner: Gaſſe)z allenthalben 
umgeben es angenehme Gärten, von welchen der eine 
an das Haus felbit anftößt, der andere aber (auf 
welchem gegenwärtig das Kapuziner: Klofter gebaut 
ift,) von demfelten durch ein enges Gaͤßchen getrennt 
iſt. Welche Pflanzen erjeugt Aralien, die richt in 
diefen Gärten wachſen? Weit welchen Lufihäufern, 
Dlumenbeeten, Bäumen, Epringbrunnen, mit in 
Erz gegoffenen Bildern von Gottheiten, find biefe 


‚Gärten nicht geziert! Welch ein prädtiges Bad bes 


finder ſich nicht in dem einen Theile des Haufes, 


Die Gärten des König Ludwig's, von ranfreich zu 
Tour und Blois, gefielen mir minder — Wir te 
fiegen die Treppen des Haufes, und dur areße 
Etuben und noch größere Zimmer und Ale, die 
mit Füngilich —6 Faminen verſehen 
ſind, wurden wir geführt, lie Thüren geben auf 
einander, und ein Zimmer reiber ſich an das andere, 

ier ſahen wir an mehrern Orten, trejflidhe, aus 
talien —— Gemaͤlde, auch viele, welche 
ucas Cromburgers gluͤcliche Hand malte. Aber 
noch mehr fejfelten uns, nachdem mir das zweite 
Stockwerk geſehen hatten, die ſo viele und große 
Denkmaͤler des Alterthums, und wohl kaum werden 
in Italien mehrere dergleichen, wie in Naumund 
Bussen Haufe, bei Einem Manne gefunden werden, 
uerft betrachteten wir die aus Erz gegeffene Niter: 
tbümer, Melch einen Gott der Alten treffen mir bier 
nicht mehrmalen abaebilder? Jupiter mit feinem 
Doennerkeil, Neptun mit jeinem Dreizack, Merkur 
mit feinem Beutel und Stabe, Pallas mit ihrem 
Schilde, und noch viele andere Gottheiten befinden 
fih bier, denen dag Alter ihre Kennzeichen genem: 
men hatte. — Die Münzen lagen an ihrem be: 
flimmten Orte. Endlih war auch ein ſteinernes Bild 
da. Das war Circe. Entfleider lag fie und flükte 
fi) auf den rechten Arm. Um fie ber, am Rande 
der fieinernen Tafel, faben wir mebrere wilde Thiere 
und noch eben verwandelte fie einen Menichen in ein 
Thier, und nur noch die Hälfte des Menichen war 
zu feben. In einem andern Zimmer waren ſteinerne 
Statuͤen aufgeftelit, Diana mit dem Köcher und dem 
Monde, Apollo, Minerea, Venus nebſt dem Kupido, 
ein Etier der ein nadendes Mädchen trug, welches 
mit auegebreiteten Arnıen un Hülfe flebte, und jenen 
unverfebamten Gott — — (eine meitere Ueberſetzung 
diefer Erelle, erlaubt mir die Achtung, welche ich 
dem Publitum fepuldig bin, nicht,) — — melchen 
Bilder von Meibern, mit gefüllten Körben in den 
Händen, umgeben, Wahrſcheinlich waren dies Grenz: 
feine von Gärten, von denen es aber zu bewundern 
it, daß fie fich fo viele Jahrhunderte hindurch um: 
verfehrt erhalten haben. — Unzählbar ift die Samm⸗ 
lung der Statuͤen, welche bier aufgeftellt find. Uns 
gefiel ein Kopf: der Gott des Echlafes mit geſchloſſe— 
nen Augen und mit Mobnblumen umgränze Viele 
der Köpfe mit Weinreben und Pappelblättern um: 
munden, halten wir für Köpfe des Bacchus. > 
rere derfelben batten eine Eoloffalifche Größe, Es 
wurde uns erzäblt, daß diefe Denkmäler aus allen 
Theiien der Welt zufanımen gebracht wären, vorzäg: 
lih aber hätte man fie aus Stalien und Griechen: 
land geholt. Keine Koften ſcheute Kavmund, — er 
ſelbſt Fein ungelehrter Mann, — aus Yiebe für die 
Denkmäler des Alterthums, wenn er ihrer nur hab: 
baft werden konnte. Dies jeiget von feiner edlen 
und großmäthigen Erele. — Doc genug hiervon, * 


v St... 
An den Herausgeber. 
"iner Ihrer Korrefpondenten beurtheilte kuͤrzlich die 


metrifche ***8 der Idyllen des Calpurnius, 
bie der Hofrath Adelung in St. Petersburg in einem 


fehr anftändigen und liberalen Gemwande herausgeger 
ben, und fie dem zwelten Echöpfer von Rußlands 
Kultur und Aufklärung, dem Kaifer Xlerander zus 
geeignet bat, fehr fireng, und wie mid dünft, fogar 
einseitig, weil man dabei auf die Erfiärung des — 
faſſers ſelbſt in der Vorrede, gar keine Ruͤckſicht ges 
nommen, und jur Probe nur eine nicht: gelungene 
Etelle aus der erfien Idylle ausgehoben hat, da fich 
doch aus den Übrigen manche recht glüdliche und 
wohlgerathene Stelle hätten anführen laffen. Das 
ift nun nicht fein. Denn esift parteilfh. Man foll 
nie bloß die Kehrfeite der Medaille zeigen. Herr 
Adelung, der fih fon fo manche unbeftrittene Ders 
dienfte um die Yiteratur Überhaupt, und befonders 
um die Eritifche Runde unferer aͤlteſten Deutfchen 
Dichter erwarb, Fannte und fühlte natuͤrlich auch den 
Norwurf, den das Ausland ſchon oft unferer Deuts 
fben Literatur gemacht bat, dab wir nicht einmal 
von allen Klaſſikern lesbare Ueberfekungen befäßen. 
Sriedrich der Einzige miachte ihn fehon vor 28 abs 
ren, und eine ſuͤße Frucht diefes bittern Tadels war 
in der Felge Garve's Meiſterwerk Über die Pflich⸗ 
ten, von Cicero, und einige andere, noch immer fehr 
fhägbare Ueberfegungs: Verfuche. Wer weiß, ob 
nicht der weife und alle Fertfchritte in Kunft und 
Wiſſenſchaft buldreich + fördernde Alerander in der 
neueſten Zeit denfelben Vorwurf erneuerte? Denn noch 
trifft er ung wenigftens in einzelnen Partieen der 
alten- fiterarur, und Nlerander, fo fagt eine Privat: 
Nachticht aus Et. Perereburg, unterftüßte großmuͤ⸗ 
tbig das Unternehmen des Herausgebers. Daß die 
Wahl gerade auf, diefen Altern römifchen Abyllens 
Dichter fiel, worüber Ihr Korrefpendent feine mie: 
tilligende Befremdung bezeigt, ift doch gewiß nicht 
zu tadeln. Voß hatte den Nantuanifden Dufolifer 
mit unuͤbertrefflicher Wahrheit und Schoͤnheit gege: 
ben, Eollte num nicht ein jüngerer Kunftfreund nach 
eine Fleinere Palme in dieſem Kelde, feine Hand zu 
fireden verſucht werden? Wirklich Fam biefer Ges 
danfe zu gleicher Zeit mehrern Kämpfern im rübm: 
lichen Wertlauf. Ach babe ſelbſt mehrere Verſuche 
von verfchiedenen Mufenfreunden jur Mittheilung in 
dem Deutſchen Merkur, zugeſchickt erhalten, und den 
einen vom Herrn Euperindent Cludius in Hildes 
beim, auch mit wahrer Ueberzeugung, daß daraus 
Vortheile für unfere Literatur entfpringen muͤſſen, 
abdruden laſſen. Herr Adelung Eonnte in ne 
burg von diefer Concurrenz nichts wiſſen. Sie be 
reift aber menigftens das Faftum, daß mehrere 
wackere und gefhmadvelle Philolegen eine merrifche 
Ueberfeßung des Calpurnius, der bei einigen Idyllen 
auch Nemeſianus heißt, nicht für überfläyfig bielten, 
Aber diefe Ueberießung. fagt der Cenſor, ift voll Härs 
ten, Elifionen (foll wohl Hiatus beißen), ermangelt 
haufig des MWohlklangs und fait durchaus des 
poetifchen Einnes (7) und bichterifchen Ausdrucks. 
Das find freilich fehr barte Befhuldigungen, und 
die gleich aus der erſten Idylle gegebene Probe ift 
allerdings nicht geeignet, fie zu widerlegen. Allein 
es würden fih mit leichter Mühe aus allen übrigen 
Idyllen eine große Zahl wohlklingender und kurſtge; 
rechter Verſe anführen laffen, auf welche jener Vor— 
wurf gar nicht paßt, Der befcheidene Heberfeßer fagt 


— 200 — 


auedröcdfih in der Vorrede: „Vielleicht Hat mein 
Derfudp wenigſtens bas Derdienft, diefem Dichter 
einen giüdlichern Verdeutſcher zu ermeden und bis 
dapım einen Eleinen Vorſchmack von feinen wirklich 
gropen Schonheiten ju geben.“ Beſcheidener Fann 
man in der That old von einer Arbeit fprechen, 
die bei einzelnen Härten doch fo viel Verdienſtliches 
und Empfehlungsmwürdiges hat, Der Kommentar ift 
ohne Gelehrfamkeits: Prunf im Ganzen ſehr zweck⸗ 
mabig und durch die hinreichenden Benutzungen des 
fachreichen Voſſiſchen Kommentars zu Virgils land: 
lichen Gedichten, um fo rechiehätiger, da jene Gold 
barren es wirfitch bedürfen, in kleinere Velnzen aus: 
geprägt und mehr in Umlauf gebracht zu werden, 


Danfen wir alfo dem Ueberſetzer für biefen erften 
Verſuch, und freuen uns, baß unfere Ueberſezer⸗ 
Sibliothek felbft von der Mewa ber dur foiche Wei 
trage bereichert wird. Proben gelungener Verſe in der 
Ueberjesung und ſcharfſinniger ———— en im 
Kommentar, gehören nicht in dies Blatt. Ich bie 
indeß erbötig, fie —— anderswo ju geben, 
wenn der jtrenge Genfor fih damit noch nicht berubis 
en kann. Dur jtreite er nit mit herabgelaſſenem 

ifir, fo wie ich Fein Bedenken trage, meinen Na 
men ju nennen, 


Dresden, den -3. September 1804. 
j Boͤttiger. 


— — ——— —— — — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 38. 


B. Gelegenheit der, in Nr, 161. des Freimũttigen mitger 
theiltem Berechnung, welde Sufeland im der I:pten Öfentliden 
Eigung der Ntadenie zu Berlin, vorlad, bemertt das Joure 
nal de Paris, daß Anıperdam bilig unter ben ungefunderten 
Erädten nicht hätte ſollen vergeſſen Werden, da es fat mehr 
Nerite als Vecker enthalte, 

— Ein Engliſchtr Obrift, Namend Crawſurd, ben vor 
7 Jahren in Dentichland ein Echuß einen Theil der Hirnicaale 
wegnahm, und von deren fat wunderbarem, aber (dimemilafe 
tem Fortleben auch die Zeitungen ſprachen, iſt durch 19 monat⸗ 
lichen Gebrauch des Geſundbrunnen zu Bart ges ganz hergeſtellt 
worden. Das Hautchen, das anfangs die Stelle des veriormen 
Theits der Hienichaale einmahm, iM anmalig durch Mäder (N) 
vertnochert, und alle Nerven s Krankheiten des Leidenden find 
verchmwunden. Zum Andenken jeiner Deilung bar der Oberſte 
ein jıbrliches Eintommen von 1000 Franken jur Unteriugung 
der armıen Kranken ausgeicht, die nah VBareges kommen. Das 
Kbönft: Ex voto Ya 

Ein Mann, Namens M, ber aus der vrovim fürslich 
nach Yarid fam, um bort ein Amt gu ſuchen, fand im Palus 
"Koyal einen feiner Landsleute, der einen Unbekannten mit ben 
wärmfen Dantfagungen liberhänfte. M. ertundigte ſich mad 
der Mefache, und erfuhr daß der Unbetannte dem andern eben 
eis ſehr wortheillaftes Amt verihaft habe; matirlich hat auch 
er nichts angelegentlichered, als ſich gleichratts um die Proc 
tion dieſes Mäsens gu bewerben, umd fie wird ibm gegen Ausı 
zablung einiger hundert Frauten verioroden. Ms die Voltieh 
einige Etunden bermacd den Vorgang erfuhr und dem Beiduttzer 
nacfpürte, fand man ibm mit feinem angeblichen Veforderten 
in eimem Wanhaufe, wo fie fid von dem Naube gürdich thaten. 

— Eine Fran. Zeitung wirft Herrn v. Aotzebue vor, dah 
er im meuerten Bande feiner Ecdaufviele: Eduard in Edhott: 
fand, den todten Neffen und den „Water von umger 
Faber” hate drucken laſſen, ohme anzumerten, daß fie aus dem 
Kranz. überiept find. Das heiht wohl ein wenig zu eirerflichtig auf 
feine Rechte seyn. (Eher verdiente es gerüge zu werden, dañ 
Herr dv. K. überhaupt feine Zeit am Die beiden letzten Stucke 
verjchwender bat. 

Ein Herr Bralle ans Amiens bat eine Methode erun ⸗ 
den, Hanf im zwei Stunden zu roſten, burd melde der Hanf 
mehe Faſern giebt, als gewöhnlich, und die diberalt ausgeübt 
werden kann, ohne dah mau mörhig bat, Bache und Teiche 
durch das Einweichen des Haufes zu vergiſten: betanutich tod⸗ 
tt ed fogar die Fire Sie beſteht dariu, das man ein grotzes 
efau mir Geiheme Waſſer fullt, eine Quontitat ibwarıe Selfe 
darin ergeben lat, den Hanf hinein thut, das Beruf subae 
und jwei Stunden ruhig ürbeit lant. — 

Hear dr — —/ ein Eriicher zu Yaris, bat eine Edhrirt 
heraus gegeben, die den Titel Gar: Kurse Methode, Franzoſche 
Rerje ieicht zu erlernen und du behalten. Das Journal de 
Parıs har die Bosheit, dieie Edeift als den Werderb der Biter 


ratur amjufündigen, denn, heißt ed, wenn jedermann bie fdhi« 
nen Verfe der altern Dichter auswendig weiß, wer wird noch 
die ſchlechten der neuern leſen mögen? 

— Der Lufthall, mit weiten Biot umd ein Junger Pho— 
ſiter zu Paris aufſticgen, iſt bei Orleand niedergegangen. Die 
Heiienden ſollen mit ihren Weobacrungen ſehhr zuſtieden ſeyu, 
und wollen bald eine weite Reiſe unternehmen, 

— In der 95. Ar, des Int. Blattes der Jen. Pit. Ztag. wer 
den eine Menge ven Verſuchen erjäblt, die man zu Paris mit 
der Klapberſchlan ge gemacht babe, Weil es denm doch möglich 
Äft, da manche dm Publitum jenes Blatt im Rikiicht der 
Mewiskeiten, wenn audı micht der ort jo lacherlichen Nuwreiium 
gen mod; kacherlicherer Gerchmackloſigteiten wegen Irfen, ſo muß 
bier amzemerte werdin, das von jener gamen Marie Erin 
ort wahr il. Ver Verichterſtatter bat ner nicht recht au 
mertiam geteſen, was er wiedererrahlt. Won jenen Groeriumens 
ten wurde nur im einer Parifer Zeitung geſagt, daß die vor 
mehrern Jahren in England angeficnt worden fenm jolien. 


us London. 


reizt, aber wicht vortheilbirtes Nuffchn macht ist eine 
Dame, die Gemahlin des Oberien Thornten. ie nimmt an 
den Ofentlihen Wettreunen Theil und weitet dabei, ſtatt bes 
Jottele, ſelbſt ihr Prerd. Die Zeitungen die das Atragerniu, 
das dadurch geaeben wird, tigen, ſachen dadurch den zuchtigen 
Auf der Englanderinsen zu retten, DaB fic IKE. Thornton für 
eine geborne Frauſoſin ausgehen. Sie erregt indeh die Meugier 
fo fee, Dai bei ihrem lehten Wettreunen 200.000 Prund 
(1300,000 Thafer ) gewettet wurden, aber ibr Gegner war jo 
un zalant, dir gewinnen, 

— Die Eugllichen Damen haben, fast eine Zeitung, einen 
Ausweg gefunden, ums mit durch din haufgen Wechſel mit 
gietbaberm einem Anſtos zu arben: fie wehren mit Eher 
Dänmern, laſſen ſich vierteliahrlich trauen umd ſcheiden. 

— Karnich wurde ein zolahriger Hageſſelz von seiner 
solahrigen Hausbalterin angellagt, er habe ihr ihre Umibuid 
raten wollen, und mußte erme Vüraſchaft von 400 Piund 
2600 Thaler) erlegen. Weiche Theurung! 

—— Une biele Deutſchen Zeitungen haben den Engliſchen 
ſchon die Nachricht von dem 12jahrigen Knaben macersahlt, ber 
erit in Edinturg, jet im Birmtugham auf dem Theater die 
großen Heldenrolien in den Ebafeiwardben Erden ibielt. 
Nach allem was man vom ihm erzahlt, mu er freilich grone 
Talente befinen; aber Das Oberalten, das man an ihm findet, 
fann doc ihwertich mehr ſeyn, als ein modiider Whım. 
Ein Kind unter Mangern Die kraftvonſten Rellen ſoielen zu fehm: 
fan das anders, — wenn man aufgebort bar, ſich zu wer 
wundern, — ald Lachen oder Widerwillen erwecken? Im dem 
vielen Erzählungen von ihm, Lat man immer nur Eines ver 
gefen: von feinem Wuchs, feiner Etimme und der Reife ſeiner 
Geſechte zuge zu ſorechen. T. 





1804- 





. EN J 
—* * 
a F J 
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4 
ar 


_ARISTIDES. 


Nro. 181. 


Der freimütbhbise 


Montag, 


Er nf 


— 


ober — 


und 


den 10, Erptember, 


She r,ı 





Literatur 


Staats = Geſchichte Europa's, vom Tractat von 
Amiend bid zum Wiederausbruch ded Krieges 
zwiſchen Frankreich und England, von Poſſelt. 
Als Tafchenbuch für 1805. Mit Karten und Kur 
pfern, Tübingen, bei Cotta. (Pr. 2 Thl.g Gr.) 


Sie legte Frucht eines reifen, hellen, fraftvollen 
Seiftes, und was fih nur fo wenig Büchern nach— 
rübmen laͤft, auch eines edlen Charakters. Wie viel 
verlor die Mation in diefem Mann! — und nicht 
nur in literarifher Hinſicht. Der Schriftfteller, der 
Muth, ausgebreitete Kenntniß und erleuchteten Mer: 
ftand genug hat, feine Zeitgenoffen über die Ereigniffe 
in der politifchen Belt aufjulären, und es mit redlichem 
Eifer thut, — ift in der That wichtiger, als jeder Dich: 
ter und Gelehrter: er kann als der Gefchäftsträger 
der Nation betrachtet werden, Deutſchland beſaß einen 
ſolchen an Poffelt. Wer vermag ibn zu erfeken ?— 

Diefes Tafchenbuch liefert: im zwel Abſchnit— 
ten die auf dem Titel verheißene Staats-Ge— 
ſchichte Europa’s, — oder vielmehr eine gedrängte 
Ueberfiht , wie fih das Verhältnig Frankreichs 
ju den übrigen Staaten, und wie fi fein Sn: 
neres während der angegebenen Zeit fortbildete, 
Sie if, troß ihrer gedrängten Fülle, mit jener hin: 
reißenden, männlichen Beredſamkeit gefchrieben, die 
man mit fo großem Recht an Poſſelt bemunderte, 
Nur felten ftellt er ſelbſt Reflerionen An, aber er ords 


net und beleuchtet die Fafta, bie er worträgt, fo — 
und das iſt cs gerade, wodurch der Gefchichefchreiber 
am meiften fih als Künftier zeigt, — daß die Re— 
fultate, die er nicht abzieht, auch dem bloͤdern Auge 
von felbft aus ihnen hervorgehen muͤſſen. — Als 
Beilagen find zwei Karten von Frankreich zugefügt ; 
die eine zeigt es nach feinen Gränzen vor dem Ne 
volntionsfriege; die zweite, nach feinem jeßigen Um: 
fange, mit Anzeige, von wem jede eroberte Pro: 
vinz an Frankreich gebracht wurde, Eine flatiftifche 
und eine hiſtoriſche Tabelle erläutern die Karten. 

Der zweite Artifel: „Italien nad feinem neue: 
ften Zuftande, mit Küdficht auf den vorherigen,“ fcheint 
nicht ganz fertig zu ſeyn, denn er liefert fat nur 
die Furze Gefchichte der Feldzuͤge, Die dert von 
1796 bis ı800 Statt fanden; — und ju deren 
größeren Verſtaͤndlichkeit gleichfalls eine Karte beige: 
füge iſt, auf welcher eine Tabelle anmerft, wem die 
einzelnen Länder einft gehörten, und wen fie jeßt gehb⸗ 
ren. Ueber das DVerhältniß der talienifchen Staa— 
ten zu einander und die Veränderungen in der in: 
nern Verfaſſung mancher derfelben, ift nichts gefagt 
worden, 

Eben fo enthält ber dritte Artifel: Deutfhland, 
nichts als den Receß der Keichs: Deputatien über 
die Entfepädigungen, eine ſtatiſtiſche Bilanz und eine 
Karte derfelben, — ohne Zweifel intereffante Gaben, 
ober nicht fo ausgeftatter, als Poſſelt gethan haben 
würde, wenn ihm nicht der Tod bei diefer Arbeit 
uͤberraſcht hätte. — Als eine Fortfegung diefer Ar 


— 202 — 


tikel iſt der folgende: Europa, in dem Jahr 1789 und 
1804 mit zwei ftatiftifchen Karten (vielmehr figurirten 
Tabellen,) anzufehen, 

Den Schluß machen fechs Lebensbefchreibungen, 


oder richtiger biographiſche Skizzen, fämmtlich mit 
den Porträts ihrer Helden verfehen, Sie feheinen - 


von Huber zu feyn, der Überhaupt die Fortſetzung 
der Poffelefchen Schriften übernommen hat, wie er 
ſchon feit 1798 die Zeitung deſſelben forrfegte, ohne 
daß fie an Werth verlor. Zwar befigt er nicht, Pof 
ſelts biftorifches Genie, und ift mehr angenehmer 
Erzähler als Redner: aber er hat doch Talent genug, 
um auf der Bahn fortzugehn, die Poſſelt vorzeiche 
nete. Die fogenannten Lebenebefchreibungen find 
fehr gut gefchrieben. Die des erhabenen Menfchen: 
freundes Alerander nimmt den erften Plaß ein: und 
der inhalt faſt jeder Zeile ift eine edle That, oder eine 
weife Einrichtung, die fein Andenken auf ewig heilige, 
Dann folgen die Helden: Bonaparte, Erzherzog Karl, 
Moreau, und Nelfon ; zulegt der politifche Held Pitt. 

Die Karten biefes Taſchenbuchs — eines der 
gehaltreichften Bücher, das Deutſchland feit langer 
Zeit erhalten bat, — find ziemlich roh gearbeitet, 
aber fie entfprechen ihrem Zweck; die Porträts find 
trefflich, 

Der Morgen des 31. Augufts in Dresden, 
Beitrag zur Sittengeſchichte. 
Aus einem Tagebuch eines Reifenden, ) 


den Gaſttafeln im geldenen Engel, die ich, fo 
wie den Gaſthof felbft, jedem Neifenden empfehlen 
möchte, der von den unÜberfekbaren Confortables eine 
wohl erträglide Berdeutfhung zu haben wünfcht, 
fprah alles won der Hinrichtung einer fehr ausge: 
jeichneten Miſſethaͤterin, die morgen früh ſtatt has 
ben würde. Ich beſchloß, meinen Aufenthalt nun 
noch einen Tag zu verlängern, und in diefem Epie 
gel den Geiſt einer Reſidenzſtadt, der man fo oft 
allen eigenthümlichen Geift abgefprochen bat, fich 
abbilden zu fehen, denn nie zeigt fich die Denkart 
und Stufe der Kultur, auf welcher eine &tadt ficht, 
deutlicher, als bei folchen Deranlaffungen, Auf mein 
Befragen, ob nicht eine fo merkwuͤrdige Begeben— 
heit, — denn feit 14 Jahren foll bier Feine öffent 
liche Erefution der Art flatt gefunden haben, — ſchon 
im Voraus einige Federn in Bewegung geſetzt habe, 
bradte mir ber gefchäftige Lohnbediente dreierlel 
Machwert von fehr verfchiedenem Gehalt. Einer von 
ben Predigern, welchem die Verpflichtung oblag, der 
Delinquentin geiftlihen Troft, da wo der leibliche 
gebrach, darjureichen, . und ihr nah altchrifflicher 
Eitte die Treppe aufs Schaſott in eine Himmels: 


leiter zu verwandeln, hatte ben legten Gontag in 
der Kreuzkirche, das Verhalten einer hriftichen Ger 
meine bei der Hinrichtung eines Verbrechers, zum 
Gegenftand feines KRanzelvortrags gemacht, und diefe 
Predigt war auf Verlangen gedrudt worden. Der 
Mann fhien mir es herzlich gut gemeint zu haben, 
Allein die Cache möchte wohl noch einer ganz” andern 
Behandlung fähig fern. Und dann märe es, 
dünft mich, allerdings ein Wort feiner Zeit ge: 
weſen. Denn warum follte nicht ein Prediger grabe 
ſolche außerordentliche Veranlaffungen zur Weckung 
und Belebung der Aufmerffamfeit, da die zum Theil 
veraltete und geſchmackloſe Liturgie jeden Sontag ein 
neues Echlaftränfchen eingiebt, mit Freuden ergreis 
fen? Zwar hörte ich im Morbeigehen, daß Dresden 
vor vielen andern Deutſchen Nefidenzjtädten fich auch 
noch dur aͤuhere Religioſitaͤt auszeichnet, und daß 
oft bier in einer Kirche mehr andächtige Seelen fi 
verfammeln, als bei uns in Berlin in allen drei 
Hauptfirhen zufammengenommen, wozu wohl auch 
der Umſtand viel beitragen mag, dab Dresden jept 
unftreitig den beredteften und unerſchoͤpflichſten aller 
jet lebenhen proteftantifchen Kanzelredner, in der 
Ordnung jeden Sontag in der evangeliſchen Kirche 
hören kann. Allein dem würdig wirfenden Einfluß 


des Zeitalters wird mar wohl auch bier zu Yande 


immer mehr nachgeben, und auf Mittel Bedacht neh: 
men muͤſſen, die unfer Jenifch eben fo mahr als 
nachdrädiih angegeben, und gewiß nicht bios für 
Berlin berechnet bat. Ein andres Papier enthielt eine 
magere Beichreibung der Gebräuche, die den andern 
Morgen bei der Hegung des hochnorbpeinlichen Sale: 
gerichts ſtatt haben würden. Und ein brittes Blatt 
verfprah eine aftenmäßige Darſtellung des-von ber 
Mifferhäterin veruͤbten Verbrechens und ihres Pro: 
ceffes. Was hier nur leife angedeutet wurde, beftäs 
tigten alle, die ich in diefen zwei Tagen darüber 
ſprechen hörte, nehmlich, daß die Inquifitin in ihren 
Ausfogen eine Menge Dunfelheiten über ihre Ab: 
kunft und ihre frühere Lebensart unaufgeflärt ge: 
laffen, und ihren Richtern durch die ſonderbarſten 
Widerfprüche und Ausflüchte viel zu ſchaffen gemacht 
babe. ie erfihlug den 23. Auguft in einer Dres: 
dener Vorſtadt eine gı. jährige Wittwe, die in ihrer 
Kammer ruhig ſchlief, mit einer Keule, nachdem fie 
vorher au die Dienſtfrau jener Wittwe mit vielen 
Wunden graufam ermordet hatte. Nach dieſem dop⸗ 
pelten Mord legte fie Feuer in der Etube der Er: 
mordeten an; es wurde aber noch vor feinem völligen 
Ausbruch gelöfht und vadurch die Eatdeckung 
des dreifachen Verbrechens herbeigeführt. Wei 
der planvellen Veruͤbung der Unthat, fand eine fo 


— 203 — 


ruchloſe Verhaͤrtung und kalte Beſonnenheit ſtatt, 
das man wohl daraus ſchliehen moͤgte, fie habe hier 
nicht zum erſtenmal gemordet. Auch foll fie ih in 
den lebten Tagen ſelbſt noch eines Kindermordes ans 
geklagt haben, Sie hatte feit geraumer Zeit mit eis 
nem Soldaten von der Churfuͤrſtlichen Leibgarde ges 
lebt, und das Dresdner Publikum fehien allgemein 
der Meinung, dab auch er wenigſtens Mitwiffer, wo 
nicht Mitthaͤter des Verbrechens gemwefen fei. Indeß 
war gerichtlich ihm nichts zu Schulden gekommen. 
Aber auffallend waren doch in den lekten Tagen vor 
der Hinrichtung die dringenden und immer dringens 
der wiederhetten Geſuche der Weichholdin, — dies 
fon Namen hatte fie ſich am Ende gewählt, weil fie 
felbft nicht recht wußte, wie und mo fie getauft fei, — 
ihren Lohs, fo bieß der Gardiſt, noch einmal zu fpre: 
en. Er war aber in diefer ganzen Zeit auf Urlaub 
abmefend. Möchte doch der Prediger, der am mei: 
ften ihr Zutrauen gehabt zu haben ſcheint, uns ge: 
nauern Aufſchluß über diefe Verbrecherin mittheilen 
fünnen oder dürfen. Die Gefchichte ihrer flufen: 
weifen Verſchlimmerung müßte einen fehr lehrreichen 
Beitrag zur Erfahrungsfreelenfunde liefern fünnen. 
Mir ſchien die Perfon nad allem, was ich von ih— 
rem Betragen im Gefängnife und in den letzten 
Etunden ihres Lebens erfahren Fonnte, bei gänzs 
licpem Mangel aller vermenſchlichenden Bildung, (fie 
kannte keinen Buchftaben und war in allem Unterricht 
vernachläßige) doch foviel Verſchmijtheit und raffis 
nirte Bosheit zu befigen, daß fie einen würdigen 
Gegenſtand pfochologiiher Unterfuchungen abarben 
koͤnnte. Dabei war in ihrem Benehmen aufdem Wege 
nach dem Richtplaß und felbft auf dem Echafett, eine 
gewiſſe Fefiigkeit unverkennbar, die mir nichts weniger 
als Beräubung oder thieriſche Fuͤhlloſigkeit zu ſeyn fchien, 

Am Vorgen der Hinrichtung felbit, fand ich ver: 
mittelft eines thätigen Lehnbedienten die befte Gele: 
genheit, ſowohl der Hegung des Halsgerichts auf dem 
Altmarkt, als der Enthauptung vor dem Freiberger 
Schlage fo beisumohnen, daß mir Fein Zug von Na: 
tionalphyſtegnomie der Cinwohner bei diefer Gelegen⸗ 
heit entgehen konnte. Einige taufend Zufchauer hat: 
ten fi auf dem fchönen, großen Altmarkt verfams 
melt, um der Pflege des Halsgerichts in den ſchwar⸗ 
jen Schranken, die unter freiem Himmel vor dem 
Stadthauſe aufgeſchlagen waren, beijumohnen. Die 
Altane und Fenſter roaren meift von Zufchauerinnen 
beſetzt, meiſt niedliche, blühende Giefichter, und des 
Auhme der ſchoͤnen Sächfinnen vollfommen würdig. 
Aber welch ein Ernft und weiche Etille im Allge: 
meinen, bei einer fo großen unruhig bin: und ber: 
flutenden Menſchenmaſſe! Wie fehr beklagte ich es, 


daß bie ganze Ceremonie des Halsgerichts, deren ehr: 
würdiges Alterthum etwas fehr fchauerliches und er 
greifendes bat, fo ſchlaff und fchlendriansmäßig ab- 
geleiert wurde, Es wäre bier bei diefer Etimmung 
des Molfs und bei diefer nach in feiner größern Ne 
fidenzftadt vorgefommenen Zittfamfeit der faft andäch: 
tigen Menge, ein fehr Leichtes gewefen, die ganze 
Verhandlung allgemein vernehmbar, und dadurch 
äußert eindrüdlih und lehrreih zu machen. Nur 
einige Heroldeftimmen aus der Vorwelt der Griechen 
und Kömer! Welche Wirkung müßte dies öffentliche 
Blutgericht unter Gottes freiem Himmel, unter Men: 
fen, die an öffentliche Gerichtsverhandlungen fo 
wenig gewohnt find, hHervorzubringen vermögend 
ſeyn. Der Kuf des: Wehe, wehe, wehe! (denn in 
dies Fünnte ja wohl das im Herkommen gebetene Be: 
tergefhrei verwandelt werden,) wenn cs furchtbar 
in taufend Ohren ertönte, wäre vielleicht allein fen 
im Etande, in der Eeele des brütenden Boͤſewichts 
manches Bubenfiüd im Keim zu erjliden, und in 
feinem innern Ohr auch da noch zu donnern, wenn 
ſchon die Hand zur ſchwarzen That aufgehoben war. 
Oder bedürfte man etwa jetzt in dieſem erfchlafften, 
alle Bande der Religidfirät und des alten Völker 
glaubens auflöfendem Zeitalter, feine finnlichen Ers 
weckungsmittel mehr? Fürchten wir etwa die Krämpfe 
einiger bejterifchen Weiblein, und das Nafenrümpfen 
einiger zuderfüßen Männlein? 

Dder wollte man die Verbrecherin ſelbſt fehenen ? 
Ich ehre die Menſchlichkeit eines Beccaria und alle, 
die ihm nicht aus fafelnder Empfindfamfeit, fondern, 
aus voller Bruft nachfprachen. Aber wir fönnen der 
Todesſtrafen jetzt noch nicht entbehren, Der ge 
meinere Zinn, und die taufende gehören ihm zu, hält 
jede fiellvertretende Zuͤchtigung, Einſchließung, Ver: 
bannung für erträglicher. Leben um Leben! Dies 
ſchreibt mit eifernem Griffel die Erfahrung ganzer 
Reiche allen Machthabern und Geſetzgebern vor Augen. 
At alfo die Hinrichtung um des Beiſpiels willen un: 
erläßlich; fo iſt es unverftändig, die Wirkung dieſes 
Peifpiels durch faliche Empfindfamfeit und Mitleid 
gegen den nach Hecht und Urtheil Büßenden, vorfiß: 
lich zu fchmälern. Fern fei es von mir, die Häufung 
und benfermäßige Verlängerung - der förperlichen 
Quaalen, das Zerfleifchen mit glühenden Eifen, wie 
Zahlheim einft unter Joſeph II. in Wien bingerichter 
wurde, und andre dergleichen Juſtijgraͤuel in Schut 
zu nehmen, Wir wollen das: ita feri, vet se mori 
sentiat, gern ben Caligulas und ihren Mordtrabanten 
überlaffen und uns an den bier nicht rhetorifchen 
Lukan erinnern, der es mefandam saevitiam nennt, 
pereuntis parcere morti. Allein das Äußere Ge: 


— 124 — 


pränge des Blutgerichts und der Hinrichtung felhft 
ſollte in feiner ganzen firengen, ſchreckenden Form 
nicht allein beibehalten, fondern fo gar darüber nach: 
gedacht werden, wie es noch furshtbarer gemacht wer: 
den koͤnnte. Den Blenden kann man bierbei 
unmöglich fehonen wollen. Man erzählte mir gleich 
nach der Hinrichtung die Anekdote von der Verbre— 
cherin, daß fie fich der den Verurtheilten zuftehenden 
Erlaubniß in der armen Suͤnderwoche, ſich noch al: 
lerlei erbitten zu koͤnnen, dazu bediente, fi einen 


Dogelbauer mit einem Canarienvogel auszubitten. 


Sie erhielt ihn und fand an dem Fleinen Mitgefan: 
genen einen befondern Wohlgefallen. Allein noch am 
Morgen vor der Hinrichtung toͤdtete fie den ihr fo 
liebgemwordenen Kerfergenojfen mit eigenen Händen! 
Mer das thun Fann, vermag auch wohl bie gefeh: 
mäßige Ordnung bis zum Schwerdtſtreich zu ertragen, 
Das Uriheil hatte ihr unter andern das Schleifen 


zum Richtplatz zu erfannt, Eigentlich Hätte bies auf 
einer Kuhhaut gefchehen muͤſſen, und wäre mir bie 
Vollſtreckung des Urtheils Übertragen geweſen, ich 
hätte diefer DVerbrecherin auch dies nicht erlaſſen. 
Indeß die eigentliche Bedeutung diefer Sitte ift längft 
mit fo vielen andern Gebräuchen und Vorſtellungs— 
arten unferer Dorfahren verſchwunden. Es fünnte 
zu Misdeutungen und Irrungen führen. Aber das 
hatte ich doch ermartet, daß die Echleife, auf wel 
cher ein ganz bequemer hoͤlzerner Sitz angebracht 
war, ſchwarz angeſtrichen ſeyn würde, In England 
fah ich den fihmarzen Sarg mit dem Delinguenten 
binausfahren, Eine Kleinigkeit macht hier oft einen 
Eindrud, Dort wäre der Machrichter gewiß auch 
nicht im ſchwarzen Moderock, einen eleganten De: 
gen an der Geite, beiher gegangen, wie bier der 
Gall war, — 
Der Schluß im folgenden Stüd, 


III — 
Niht-politifhe Zeitumg. Nro 39. 


Lelpꝛig, den 32. Auguſt. 


U aſere Kühne hat wohl ſelten fo viel Genuf gewährt, als 
diefen Sommer. Die Gafrolen Irlands und der Madam Uns 
zelmann machten schon den bedeutenditen Anfang dazu. Dept 
bat und Kerr Dpig, kaum dem Krantenfager entlohen, den 
Kaipar der Thorinaer gegeben, ber ameimal bei vollge⸗ 
fünttem Haufe im einer Woche geſehen wurde, An Ihm weibten 
fih die beiden Klingsberge, durch die meiſterhafte Dar 
ſteuung des alten Klingsberg von unſerm Chrift, eine der 
beſten Vorgellungen unferer Bühne Heut vor act Tagen hats 
ten wir zum erſtenmale die drei Gefangenen, eine Volt, 
die bei drei Airen noch mehr Unterhaltuug ſchafen warde, al® 
durch Die fünf Ute hindurch gehaltene Dehnung und endlich 
baute zum Erienmale Nathan ver WBeien—Geume's die 
mertungen aber das biefige Theater muſſen In ſoſern berichtige 
werden: Leidlig If reich und enthuſtaſtiſch genug, um eine 
ſtehende Bühne unterhalten zu können, Dresden iſt es wicht. 
Wollte der Kurſürn Daher feiner Kefiveny von Genuß der Vrhne 
ſchafen, fo mufte er diefe entweder feibit erhalten, oder ihr — 
feine Auweiſung auf Lelosisd Neichthum geben. Das letztere 
that er alſo, weil er das Erſtere — nicht weite. Daß bei eis 
nem jelden Privilesinm die Kunſt immer leſden Bann, ft 
wahr, doch bier leidet fie nicht. Herr Setonda ſcheut feine 
Ausgaben, wm gute Kuͤnſtler berbeimichn, aber der Lens 
tern giebt auf feiner Biehme viel und die kurfurſt⸗ 
liche kann ſich gewi mit jeder meſſen. () Was dabei zu bedau⸗ 
ers wäre, könnte das fein. Wander — Berfud aur der 
Buͤhne Faltt bier freilich wi. Wir ſahen bier noch dinge 
Eugenie, feine Braut von Meffima, denn ſelche mids 
liche Berſache zu machen, wide fur don Privat⸗ Unternehner 
zu großden Schaden bringen, der ſtets Burge fie die Ausgabe 
don mu und keinen fiir die Einnahme hat. 
\ — r. 


Unter Poſſelte nachgelaſſenen Arbeiten befindet ſich eine Ger 
ſchichte der Frambſtichen Revolution, und fie wird bei Cotta 
erichelnen. Dieſe Anzeige reicht wohl bin, die Sockulation cincs 
Buchhandlers zu Pelpsig, der eine „Geſchichte des Grampöfiichen 
Nevoltutienstrieges“ u. f. w. aus VPorelts Anualen will zuſam ⸗ 
menfoppeln laſſen, zu Waſſer zu machen. 

— Die oreiswürdigſte Art zu erebern! Die Lagunen km 
Venedig ſollen, fo weit ſich das Meer zur Zeit der Ebbe aus 
ihnen zuructzieht, aus zetrocknet werden. Dadurch werden gehn 
Quadratwmeilen trefflichen Bodens aeıennen, ohne daß bie Stadt 
etwas von Ihrer leichten Waſſer » Communitatlon verliert, 

— Im Jahr 1903 find in Ponton, das doch der Mittels 
Diner auch des Engliſchen Buchhandels it, midt mehr als 
482 neue Werke, und darunter nur 15 Romane erſchienen. 
Das gluckliche Enalandt 

— Die Cpantichen Naturforſcher, welche auf VBefehl der , 
Megierumg seit 8 Jahren Merico, Kalifornien und die Antillen 
bereien, find wieder in Madrid angelangt. Cie baten 2500 
neue «Planen + umd 24 Fiſch⸗Arten entdeckt, auch im Mmerita 
vier naturforſchende Geſellſchaften geſtiftet. 

Herr Doktor Schmieder, jeyt Regiſſtur der deutſchen 
Kühne zu Peieroburg bat wider die im Dr, 17 dieſer Zeitung 
mitgetheilte Anzaben von feinen Schickſalen proteſtirt; er vers 
ſichert, das er nie Proreor in Erfurt, und nie Edaufpieter 
geweſen. — Jeh wirmidte, daß der Herr Einfender iener Korii, 
Hr. Proi. Eſchte, wenn er von der Kieinigkeit einmal fpriden 
welite, jeiner Angabe gewiſſer gewiien ware. 


Der Red, 





1804. 


ARISTIDES, 


Nro. 182. 





Der Sreimüthige 


Dienflag, — 


E rr ft 


ober —— 


und 


den 11. Erptember, 


Sherry, 





Literatur 


Die Leipziger Meffe. Eine bumoriftifche Skißʒe 
vom Berfaffer der Novellen aus der neueſten 
Zeit und Sittengeſchichte. Leipzig 1804. 


ann: die fih auf den Titelblättern ſelbſt 
bumorifiifch, launig oder fomifch nennen, gebt 
es fonft gemöhnlih, wie den Bewohnern gemwiffer 
Öffentlichen Häufer, unter denen fich einjt Einer, als 
Sort der Vater — ein Anderer, als Gott der Sohn 
und der Dritte, als Bott der: heilige Geiſt anfündigte 
Qualitäten die man ihnen freilich nicht angefehn hätte, 
haͤtten fie fie nicht ſelbſt verkuͤndet. Das vorliegende 
Werkchen iſt aber wirklich hier und da mit MWig 
und Laune tingirt:und verdient menigftens eine fläche 
tige Lektuͤre. Eine Schilderung der Leipziger Meijr, 
wie Titel und Vortede verfprechen, findet man bier zwar 
nicht, fondern nur ein Paar Gefcpichtchen, wie fie 
ſich allenfalls auf einer Leipziger oder jeder anderen 
Meſſe zutragen koͤnnen, aber biefe find unterhaltend 
und größtentheils lebhaft, witzig und gut dialogirt, — 
ich fage mohibebächtig: größtentbeils; denn leider 
laufen auch Scenen mitunter, die das Öegentheil von 
bem allen, — platt und fade find. Ein unglädticher 
Einfall des Verſaſſers iſt es, daß er zwei Gefchiche 
ten — an flatt eine nach der andern zu erzählen — 
in einander vermwidelte; dadurch hat er das Intereſſe 
merklich gefhwächt und fein Werklein halb und Halb 


sur Karifatur gemacht. Zwei verſchiedene Körper 
koͤnnen einzeln betrachtet ſchoͤn fein; zu ſam⸗ 
mengewachſen werden ſie zur Misgeburt. 
Moͤchten doch unſere gewoͤhnlichen Erzähler diefen 
Satz der Beherzigung würdigen; der Fall, daß fie 
nit ein barmonifches Ganzes, — fondern ein 
widerliches Amalganıa von zehnerlei heterogenen Din: 
gen liefen, — ift nur zu häufig, Doch für diefe 
Suͤnden gegen die Runft entſchaͤdigt — wie gefagt, — 
die Lebendigkeit des Vortrags und mancher einzelne 
gute Einfall. Ein ſolcher ift 5. D. das Duell mit 
mufifalifcher Begleitung. Einige unvorfichtige 
Worte veranlaffen ein Duell, meldes in dem 
berüßmten Eichenwalde des Roſenthals gehalten 
merden foll. Freunde der Duellanten verbergen 
binter den alten Eichen einen Seiermann und 
feine Tochter, und Indem jene von Leder jiehn, fan: 
gen diefe unter Begleitung des Leierkaſtens an zu 
fingen: „Freut Eu des Lebens, weil nod& 
das Laͤmpchen glüht!“ — Die Mordluftis 
gen borchen Hoch auf, der Degen entſinkt ihrer Hand ; 
beide fallen endlich in das laute Gelächter der Sekun⸗ 
danten ein, und ſich einander in den Arm. Aller: 
dings, das Gefcpeidtefte, was fie thun konnten, 


Der Derfaffer fcheint mir Anlage zum Luſt⸗ 
fpieldichter zu haben, und er würde wohlthun, wenn 
er fein Talent ausbildete, 


— dt, 


— 1206 — 


Der Morgen des 31. Augufts in Dresdem 
(Aus einem Tagebud eines Reifenden.) 
«Schiuf.) 


Die Gegend vor der Etadt, da das Geruͤſte er: 
baut und mit militärifcher Wache ringefchloffen war, 
erregt durch ihr verddstes Anfehn, wo fein Baum 
fchattet, feine Flur gränt und unter den Kiefeln, die von 
der vorüberfließenden Weiferige autgemotfen wurten, 
faum bier und da ein halb: verhungertes- Grashaͤlm⸗ 
hen niftet, ganz die dee eines Blutaders, eines 
ager sceleratus, Es waren menigflens 40000 Bus 
ſchauer, (gewiß auch bier zwei Drittel Weiber), zu 
Fuß berbeigeeilt, die vornehmere Melt zu Pferd und 
Wagen, die ihre eigene Pläße angemwiefen erhalten 
hatten, nicht mitgerechnet. Hier drängte fich ; mir 
die Bemerkung, die ich fehon auf dem großen Marfts 
plag gemacht batte, daß in Dresden. der fittfamfte 
und rubigfte Pöbel von ganz Deutfchland zu finden 
fei, noch flärfer auf. Ja ich bin faft verlegen, bie 
fo. außerordentlich ftill und anftändig fich betragende 
Volksmaſſe, aus Armuth der Eprache, mit dem Ma: 
men Pöbel belegt zu.haben. Gern erfände ich für 
bie feinen Dresdner eine eigene Benennung. Ic 
kam auf meinem etwas fehr bdefecten Miethepferde 
auf einem Umwege grade noch zeitig genug an, um 
den berbeinabenden Zug, der die Delinguentin brachte, 
ins Geſicht zu faffen. Obgleich die bier werfammel: 
ten Taufende zum Theil fhon mehrere Stunden der 
beißen Morgenfonne ausgefeßt gemefen waren, fd 
war doch, wie mir verfichert wurde, in dieſer gans 
zen Zeit nicht der geringfle tumultarifde Unfug, Fein 
Drängen und 2ärmen vorgefallen. Mur als ein 
Meugieriger mit Stelzen über die Weiſeritz, die den 
rößten Theil der Zuſchauer vom Rlchtplatz felbft fchied, 
ia zu ſchreiten verfuchte und mitten im Verſuch 
ins Maffer purzelte, erhob die ganze unabfehbare 
Linie der Zufchauer ein Gelächter, , Ein Eleines 
Detafchement von den ſchoͤnen, wohlberittenen Sächft: 
ſchen Hufaren verwaltete die Polizei, und erhielt durch 
bloßes Herumreiten und Andrängen ber Pferde, da 
wo der Drud ber bintern Zufchauer die vordern zu 
Uebertretern machte, die vorgefchriebene Ordnung. 
"Man hätte denfen follen, die Pferde felbft theilten 
die Artigkeit ihrer fehnurrbärtigen Reuter, fo fchos 
nend und behutſam ſtemmten fie die vorgebogene 
Menfhenmauer zuruͤck. Da war fein Schimpfen, 
vielmeniger eine härtere Maßregel nöthig, Und als 
num vollends die Delinquentin abgefliegen war und 
über den fogenannten armen Eünderfteig, wo fie 
mit unbefchreiblicher Faffung die unermeßliche Volks: 
jahl und die vielen taufend fie jetzt gleichfam durchs 


bohrenden Augen Überblitte, zum Richtplatz ging; 
da fenfte fich ein dbumpfes, furchtbares Schweigen 
auf die erſchuͤtterte Volksmaſſe. Sie hat es ver: 
dient! hörte ich zu gleicher Zeit an mehrern Orten 
um mich herum halb laut ſprechen, als fie, jum ers 
fienmal am ganzen Leibe zitternd, die Treppe des Ge: 
rüftes binaufftieg; und als einige empfindfame frauen 
in meiner Nachbarfchaft einiges Bedauern über ihre 
Sodesangft merken lieben, rief ein Altlicher Mann mit 
einer enganfchließenden Perüde, wie man fie nur 
bier noch häufig fieht, zur Ordnung und verwies 
fie auf die Angft, die vor Jahresfriſt die zwei Ge: 
mordeten empfunden baten müßten. Erſt als des 
Henkers Echmwerdt im bligenden Huy den tief zwiſchen 
den Schultern ſitzenden Kopf fehr gefchieft berausges 
hoben, und ein Knecht den unbeiveglih auf dem 
Stuhle figen gebliebenen Rumpf geſtuͤrzt hatte, er: 
hob ſich ein, mit jedem Augenblick wachſendes Ge— 
töf’ und jeder Zuſchauer ſuchte ſich, ſo gut er es ver 
mochte, durch Rufen und Gefchrei Puft-zu machen, 
Mertwürbig war es, daß einige Bauern in Ohnmacht 
fielen, Der eine purzelte fo wie der Kopf flog, vom 
Schreck getroffen, gerade vom hohen Ufer herab ins 
Waſſer. Es waren mehrere taufend Landleute aus 
der ganzen Gegend gegenwärtig, und den Eindrud, 
den dies Opfer auf dem Altar der Gerechtigkeit auf 
fie machte, war in den braungebrannten Gefichtern 
mit flarfen Zügen zu lefen. Ich glaubte dabei an den 
meiften eine gewiſſe flile Zufriedenheit mit bem gan: 
gen Hergang der Sache zu bemerken. Denn das 
Saͤchſiſche Volk war, ohne eben blutduͤrſtig zu feyn, 
doch feit geraumer Zeit mit der, feiner Ueberjeugung 
nach, viel zu gelinden Beftrafung notorifcher Mörder 
und Vöfewichter unzufrieden, und hatte laut fein 
Misvergnögen geäußert, als erft vor kurzem eine 
überfährte Giftmifcherin, die. ihr teuflifches Bu— 
benſtuͤk im Schloſſe des Churfürften ſelbſt veruͤbt 
bat, nur zu zehnjaͤhriger Zuchthausſtrafe abgefuͤhrt 
worden war. Die meiſten ſahen daher auch die 
nachfolgende Flechtung des Koͤrpers auſs Rad und 
die Annagelung des Kopfes, wo erſt in die Hirms 
ſchaale eine Deffnung für den Nagel eingepidt wurde, 
jwar mit Echaudern aber doch mit lauten Aeußerum⸗ 
gen, dab dem fo recht fei, und mit unverwandtem 
Blicke zu. Nur die zahlreich anmwefende Menge von 
Ehirurgen : und Feldicheer : Lehrlingen, deren an 200 hier 
die medizinisch: hirurgifchen Borlefungen in der Ka 
ferne befuchen follen, fahen, wie manmich verficherte, 
mit lüfternen Ditettantenaugen nad dieſem frifchen 
Leichnam, den fie lieber ihrem anatomifchen Saal, 
als den Raben und Aaßvoͤgeln gegönnt hätten. Es 
ift indeß, wie ich höre, angeordnet worden, daß der 


— 107 — 


Lelchnam nach 3 Tagen. wieder abgenommen und 
unter dem Rade eingefcharrt werden fol, Die Abs 
ſicht ift erreicht. Nun treten die Lebendigen in ihre 
Rechte, und diefe durften diefe Echonung ihres Ger 
fühls wohl fordern. 

Ich weiß, mas man für die lebendigen und 
heftigen Aeußerungen der bewegten Volksmenge ans 
tühren kann, und will diefe, wo fie nur nicht in 
treche Ungezogenheit und Büberei ausarten, geradezu 
nicht tadeln. Die rohe Krajt des handfeften Münch: 
nere ift doch immer rohe Kraft und der Hamburger 
Ligenbruder iſt mir nicht bies um feine Musfelfraft 
und Fauft willen refpeftabel, Aber id kann doch 
auch mein MWchlgefallen über das natuͤrliche, gut: 
müthige und vernünftige Betragen der Drestner 
nicht unterdrüden, Druck der Kegierung iſt es durch: 
aus nicht, was fie fo fänftigt und zaͤhmt. Denn 
Milde und Gerechtigkeit fit, wie ganz Deurfchland 
weiß, an den Stufen des Fürftenflubls, den Fries 
drich Auguft ſchmuͤcket. Es ift wahrer Volks: Chatak⸗ 
ter, der in alter Gewoͤhnung, vielleicht felbft in den 
freundlichen Natur : Umgebungen und manchen äußern 
Urfachen mit begründet jeyn mag. Noch am Abend 
diefes Tages erzählte ein Dfficier bei ber Gafttafel, 
der den Gouverneur gefproden, bei welchem alles 
gemeldet werden muß, daß troß allen einladenden 
Deranlaffungen, und des unvermeidlichen vielfachen 
Gedränges, auch nicht der geringfte Diebflahl ange 
zeigt, oder ‚fonft irgend ein Exces vorgefallen fey. 
Diele Häufer harten indeß faft ganz leer gejtanden, 
und bie Pelizei hatte in vellem Zutrauen auf den ihr 
fehr befannten Geift des Volks, Feine einzige Maaß— 
regel verdorpelter Wachfamkeit anzumenden gebraucht. 
Darf ich dem Yohnbedienten Glauben beimejfen, fo 
bat man, mährend bie Erefution draußen vorging, 
in vielen Wohnungen rechtlicher Bürger, die einem 
ſelchen Schauſpiel ihre Verufsgefhäfte aufjuopfern 
eben feine Luft hatten, Buß: und &terbelieder ans 
ſtimmen gehört. &o märe hier alfo durch die den 
Dresdnern eigenthlmliche Keligiofität, wenigfiens von 
einigen Familienvätern das ausgeführt worden, mas 
der gutmürpige Träumer Mercier in feinem 
Jahr 2440 
Mitglieds des Staats, durch das Schwerdt der Ger 
rechtigfeit Öffentlich eingeführt und beobachtet wiſſen 


will. — j 
Das linfe Rheinufer, 
Aus ʒuͤge aus den Briefen eines Reifenden ; mitgetheilt 
von Peter Yammer. Kbln, Ende Mays, 1804, 
(Shluf.) 
S. erzählte man von den alten luſtigen Klofterjeis 


ten und dem guten Bein, der damals fo wohlfeil 


war. Man redete mir in Köln fehr zu, einige Tage 


der Ausrottung eines unverbefferlichen: 


u vermeilen, um die Frohnleihnams : Proceffion au 
Nuͤhlheim zu fehen, die diesmal — lange war's 
nicht geichehen, — wieder mit ihrem alten Glanj 
efeiert werden fellte. Ganz Köln und das zahllofe 

olf der weiten Landſchaft umber, firbmt dazu zu: 
fammen, — Eine zahlloſe Reihe von großen und 
kleinen Schiffen fammele fih auf dem Rhein ober: 
halb Muͤhlheim. — Ju einem großen präcptig vers 
zjierten Schiff iſt die Geiſtlichkeit mit dem heiligen 
Eacrament, — in anderen ift Vıufif, — Militär, — 
Artillerie, und eine Menge Kähne mit Andächtigen 
un. Leuten die Vergnügen fuchen. Yangfam und 
mojeftärijch gleiten die großen Schiffe den floljem 
Etrom hinab, — mit Audern und Segeln gaufeln 
die Kähne um fie herum, und die Echiffer mett: 
eifern in Wendungen, Echneliigkeit und Gewandt— 
beit. Kanonen und Gewehrfeuer donnert aus allen 
Schiffen, — ber breite Strom ift mit Feuer bededt, — 
die Barterien am Ufer antworter. Unterhalb Mühl: 
heim jieigt man aus, und die Preceffion zieht fich 
nach der Stadt bin. Dort wurde jonjt immer eine 
Eräftige derbe Kontroversr ‘Predigt gegen die Protes 
ftanten und alle Keher, unter freiem Himmel gebak 
ten, der Die 'Protefianten zu ihrer Beluſtigung lım= 
mer fehr zahlreich beimohnten, und dann ging es 
ans Eſſen und Trinken, 

Diefe pompöfe Beichreibung verführte mich — nicht 
jum Bleiben; — ich ging weiter, 

‚Der Zufall führte mich auf der ganz angefüllten 
Diligence, neben eine koͤllniſche Crnonne — ein 
berjgutes dummes Weſen. Sie meinte, die Juden 
wären doc ein von Bott verworfenes Bolt. Ein 
ganz junger Menfh im Magen beiehrte fie mit 
Eanftheit hierüber; — fie nahm es freundlich an, 
und ihr Herz fehien gern dem Glauben zu huldigen, 
dag Sort ohne Ruͤckſicht auf Meinungen, aller Diens 
ſchen Vater if. — Auch die andern, obgleich gute 
köinifche Katholifen, gaben dem jungen Mann Bei: 
fall. Das war viel für Köln, wo man noch viel 
halt auf Reliquien, heilige Bildlein und Kidjter. — 

Man ift denn im Allgemeinen doch unendlich 
weiter bier, in den ehemals Deurfchen Ländern des 
linten Abeinufers, als im ehemaligen Frankreich, 
mo noch Fürzlih ein Profeſſor einer Secondaͤrſchule, 
einen jungen Proteftanten, der der Sprache wegen 

ingeſchickt war, fragte, ob die Proteflanten an 
briftum glaubten, Taufe und Abendmahl hätten, 
u. d. gl. unddie jungen Leute in der Penſion es 
nicht wagten einem Keßer fich zu nähern, von dem 
fie glaubten, er kenne feinen Gott und je ärger als 
ein Heide, Don jener moralifch : religidfen Auftiäs 
rung, welche jekt in Deutfchland in allen Staͤnden 
fi verbreitet, vom Fortſchreiten in religidfen Vegrife 
fen, hat man in frankreich wenig der. — 

Kine Etunde oberhalb Bonn liegt das ſchoͤne 
Godesberg, — ein hoͤchſt reizender romantiicher Ort, 
auch durch feine Gefundbrunnen befannt. Dort bat 
ein Herr Kügelgen von Köln, ein Erziehungs: In: 
ſtitut; hauptfaͤchlich für junge Kaufleute angelcgt, 
von dem man mir fehr viel Gutes ſagte. Es befin- 
det fich in einem ſchoͤnen, trefflich gelegenen Natie: 
nal: Gebäude, das Herr K. auf gr Jahre ger 
miethet hat, Das PPhyſiſche und Meoralifhe diefer 


— 208 — 


Anſtalt ſollen gleich 4* und Unterricht und Bil⸗ 
dung darinnen, dem Geiſt unſerer Zeit angemeſſen 
feon. ‚Auch bat es den beiten Fortgang, nad man: 
hen Überflandenen Schwierigkeiten, befonders von 
Seiten der Geiſtlichkeit. Die Zahl der Bislinne ift 
(don an dreißig und bat den beiten Anſchein fi F 
vermehren, beſonders da auch die Penſion ſehr billig 
it, und nur dreihundert Rheiniſche Gulden beträgt. 

Dergleichen Privat: Inſtitute find jet in dieſen 
Cändern von doppeltem Werth, bei dem Mangel und 
dem Verfall Öffentlicher Schulen, Nah Benn füllte 
ein Lyccum fommen, aber man verlangte dazu von 
den Bürgern eine Unterftügung und einen Vorfhuß 
von wenigſtens taufend Louisd'or. Dieſe flarke 
Eumme konnte nicht aufgebracht werden, in einem 
Staͤdichen, das unendiih durch den Krieg gelitten 
bat; und fo unterblieb’s bis jegt. (NB Hdach Zei: 


tungs· Machrichten ſoll doch noch eins daſelbſt erg: 


as Ci in Franereich 1& 
$ Citoyen war ran us d 
Gefellfhafts: Sprache verſchwunden, —*4 


es auch wieder aus der Geſchaͤfts⸗ Sprache verbannt, 
und durch Monsieur, — Sieur und maitre er eht. 
Wie freue ih mich, daß das haͤßliche philoſophiſche 
Citoyen wieder durch das theuere füße Monsieur 
verdrängt ift, und dadurch die Fraͤnjoͤſiſche Sprache 
eine ihrer größten Zierden mieder erhalten hat. — 
Wie freuen fi die Maires auf dem Lande, daß fie 
nun Messieurs find,- da fie vorher nur lumpigte 
Bürger: Diaire waren! — Ein ſolcher hat durch einer: 
förmlichen Veſchluß dem Nachtiwächter geboten, nicht 
mehr zu rufen: Höret Ihr, Bürger, mas ih Euch 
fage! fondern hoͤret ihr — in Erwaͤgung, daß 
nun Alles wieder beim Alten ſey. — u. ſ. w. 


III —— — — —— J 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. %o. 


Breslau. 
Am 1. Scptember. 


D. amiehendſte Teierfichkeit, welche der Giefigen Aufbalt Ihro 
Maleſaten des Königs und der Königin veranlaßte, war der 
von Er. Durchlaucht des regierenden Herrn Kürten su Hohen 
1ohe Iagelnagen, Gouverneur umirer Stadt, veramikiltete bul 
mase, auf ſeinem Sommer-Aufeuthalt in Edeimih, Seht 
intereifant war dies Schauſpiel: Aber nicht etwa wegen der vor 
tremlichen Erltuchtung des Fehr ſcaonen Gartens und der Oranger 
vie; wegen der geſchmackvolten Einrichrung und Verzierung des 
im Nu erichafenen Tamyfaals; wegen der ausgeſuchten Anordnung 
der Tafeln umd der Bewirthung der erhabenen Gaſit. Das find 
bekannte Dinge, die ort vorteminen, und bie vielleicht auf dem 
legten großen Mastenbalk in Berlin in ihrer höchten Boltendung 
dargeftet werden find. Mein, dieſes Scharſoiel war fehr imter 
reſfant wegen des boben, edeln und humanen Sinn ded allgemein 
g.lirbren und verehrten Furſten, der biete glänzende, fur das en 
habıne Köntgeerar beſtimmte, Feſt in ein grones Voltsfeſt zu um 
icdsawen, und dadirech dem väterlichen Negenten eine größere Summe 
von VRergngen zu bereiten muhte. 2 

‚Ganz der alten Sitte vergeſſend, dag den Häuvtern der Mar 
Uonen nur eine acwie begumfilgte Klare der Etantsbiirger ſich 
nahen durſe, Kich der edle Fürſt, vertraut mit den Geſiunuu- 
gen feines Königs, es gediſentlich bekannt machen , daf jede 
anftandige Maste ihm dieſen Abend willte mmen jeun würde. Und 
die getroffenen Auftalten zeigten unzweideutlg baf auf eine arofe 
mal der Gare geredinet war, denn die im Garten angebraau 
ren Buͤfets und im den Salen befindlichen Tafeln, waren mit (Er 
rirhungen und Epxifen in Leberluß verſehen. Uber der ewreus 
Ichfte Anbtick für den vorwrrbeilsreeien Menſchenfreund waren die 
vielen, im Garten und in der Nabe des Tanzſaals verrummelten 
Ahenichen: Gruppen, bie aus den ſogenannten unterſſen Bolt 
Hafen infammengeregt waren. Die Ititigen Scheidewande, die 
Stenihen won Menſchen entrernen follem, ſchienen, wenn auch nicht 
ganı wegzeraumt, doch aröntentheils zerurt zu ſeyn; Die ganze 
mare der Anweſenden erſchien wie eln geſalllges Game, deſſen 
Toeile ſich zwar durch ſcharfe Heterogentitat ausitidneten,, ohne 
jedoch die Harmonie des Totaleindrucks zu ſtören. — Slebt es 
wehl einen ſchönern, herzerhebendern Aubtick als den, wo der Ber 
herrſcher eines der größten Reiche, in dunkler Macht, im der Mitte 
von Tauienden this rohen ungebilderen Menichen, ohne Wachen, 
ohne Gedetung, jo fiber, fo unberangen, ſo wohl beichugt umher⸗ 
wandelt, wie in dent Innerſten einer unzugauglichen Vurgı Es iſt 
nicht zu besweifein, da der edle Furſt alles fo veranftalterere, um 
dem Kontgt ohne Wortgevraͤnge darsutbum, daß Ge Maichät das 
Ideal eines giucflichen und bealucendeu Regenten erreicht haben, 
audem Sie aleich einem geliebten Vater im dem Kreiſe guter Kins 


der, nur die Mudbriche der Freude, der Liebe und der Dantharfeit 
vernehmen fönıten. 

Das Konigiide Paar verweilte lange Bei dieſem ihönem 
Ecaupiel, und jede Eriner Neuerungen verfündigte unzweidentig 
das Vergnügen und die Zurriebenheit, was es Ihm gewahrte. 

O glndhicher Etnat! deffen Beherricher nicht au? Die große 
Staats maſchine allein binblickend, bIoh das Mtiwägen ibver More 
haltutſſe zu den übrigen Staats ⸗ Mafchinen zu feinen eimigen Der 
ſchaite macht, jondern deſſen Auge vaterlich auch auf Deu Indioie 
duen des groen Ganzen weile, und deſſen Gein ſich auch aiber alır 
Wohl mit Eorgfalt verbreitet. Er immerbin entſerat von Ins 
diens Schatzcu, vermise immerbin ſchlaue Gewandhert und die, 
Erfindiamtar eirein Tamds: jo Jange Dein König Dein Vater ıfl, 
und Du in kindlicher Ehriurdt ibn verehrt, wird das Gtick Die 
nr Seite chen, und Du wirkt höher ſtrahlen, ats vide Deiner) 
ſtoljen and übermittigen Bruder. —9. 

Ein: Pariſer Zeitung erzaͤhlt, dad ein Schweizer, Paul, 
ein Fehr aeicdhifrer Mechaniter, einen Luftball verferrige hat, 
dem er durch eint jeher einjache Vorrichtung im allen Richtungen, 
leuten, umwende, finken und ſteigen laſſen tanu. Er ſoll zu 
Sceamx vor einer Menge Zuſchauer eine Vrobe abgelegt haben, 
die sehr aluctlid ausgeranen if. ) 

— Bie weit die literariche Parteſwuth jept in Frantreich 
arbt, und melde hämsiide Worfviegelumgen fie ſich erlaube, er 
welit der Angrif einiger Zeitungen auf Mercier. Sie berchul⸗ 
digen ihn, am dem Aufruhr zu Doningo Theil genommen dm 
baten, weil er, lange vor der Revolatien, in feinem Jahr 
2440 die emdlihen Folgen der Negriflaverei vorher ſagte. 
In Deutſchland bat man, fo viel ich weii, mur eim einyiged neues 
Velſpiet, daß ein Schriftſtellet niedrig genug dentt, Höre gezen 
feine ibm verlachenden Gegner auff etzen zu wollen, well er ſich 
wu geiſtes arm fühlte, Ihnen zu antworten. ' 

Schon jeit mehren Jahren verferfigte man aus Stehuude 
haaren Tuch, das jo schön und ſanft if, als dus aus Vigozut 
verfertigre; aber man tanate Sein Mittel es zu farben; dası 
Karte, iette Haar widerſtaud alten Achzmitteln. Jeyt hut man, 
enditeh ein ſoſches erfunden, das eingreift, umd ſchon wird Das 
neue Tuch haufñg thewer verkauft. 

— Die Luftſaufer Biot und Gah⸗Lenſfae haben Bericht 
ũber ihre Reiſe abaetattet: er euthalt nicht viel Mertwardiges, 
anger dañ er in gewiſſen Puntten den Verichten andrer Luftſchiger 
wideripricht, Weder fie mod die Thiere, die fie mitgenommen 
hatten.” fuhlten fie dur die Diinnbelt Der obern Luft, betaſtigt; 
fie fühlten keine Katie, fondern eine verſtartte Hige, und eine 
Biene, die fie im der Höbe yon 2622 Metres losiichen, og. 
ſummend davon, In einer Höhe don 4,000 Metres war weder 
die Wirtung der magnetischen noch der galvamifchen Kraft wer 
ringert, 


4 





1804. 





"Donnerflag, 


Craft um 


Nro. 183. 
ARISTIDES. 
Der Freimüthige 
— oder — den 13. September. 


d Scherz. 





Literatur 


Die Kirche und bie Öbtter. 
Zwei Bände. Penig, 1804 bei Die 
nemann und Comp. 


Rırae. Gbtter und Roman! — Schwerlich 
woͤchten dieſe drei Wörter ſchon jemals fo nahe bei 
"einander geflanden haben, als auf dem Titel dieſes 
Werts, ob fich gleich zwifchen den Begriffen: die fie 
bezeichnen, eine nahe Verwandtſchaft nicht abläugnen 
läßt. Das Buch hat Übrigens feinen Titel, mit viele 
Menſchen den ihrigen, — man muß nicht fragen, 
‚wie? warum? und woher? denn das läßt ſich fo 
eigentlich nicht jagen; genug: er it da. — Dan 
‘finder bier die ſehr abentheuerliche Geſchichte jmeier 
Freunde, Namens, Romanus und Antonio, de 
in der Nele berumziehen, ohne eben ganz genau zu 
wiſſen, weshalb ? ſich verlieben und zulegt heirstben. 
Wenigſtens Antonio thut dag, und Komanus firht am 
Schluſſe des zweiten Theils mit feiner Geliebten, 
“anch nicht gar zu weit vom Traualtare, Sollte der 
Herr Verfaſſer noch einen dritten Theil fchreiben mol 
len, wie's den Anfchein hat; fo wird zuverlaͤſſig auch 
der gute Remanus noch post varios casus in den 
Hafen der heiligen Ehe einlaufen, ob er gleich vor der 
Hand noch feft entſchloſſen zu fein ſcheint, nach dem 
Beifpiel des beröihmten Damberger queer durch Afrika 
‘u reifen, in deffen Mitte er große Mirafel und viel 
ileicht gar den Stein der Weiſen anzutreffen, hofft. 


Ein Roman. 


Der Verfaſſer hätte diefen Romanus jur Haupt 
perfon machen und die Geſchichte feines Freundes 
Antonio bios epifodifh behandeln follen; auf diefe 
Weiſe wäre Einheit in das Ganze gefommen, — jegt 
weiß man nicht recht, für wen man fich intereffiren 
foll, und die große Menge in einander verſchlungner 
Begebenheiten, fpannt die Aufmerkſamkeit peinlich auf 
die Folter und langweilt zuletzt. Webrigens ift nicht 
zu läugnen, daß der Verfaſſer eine fehr lebhafte Eins 
‚bildunasfrart befigt und fehr angenehm zu erjählen 
meiß. Er dürfte nur einfacher und planmäßiger zu 
Werke gehn; fo könnte er etwas Borzäglichen leiften. — 
Die eingeftreuten Verſe erheben ſich jedoch nicht über 
das Mittelmäßige, — dt. 


Etwas über bie Graſſchaft Mannsfeld. 


Dies Pandchen iſt feit einiger Zeit wegen des, Lu⸗ 
thera zu feßenden Denfmals, öfters in öffentlichen 
Piittern genannt morden, aber in feinem Journale 
babe ish noch einen Aufſaß gelefen, der dem Publis 
tum etwas Mäberes von ihm erzählt hätte, was dach 
wohl vielen nicht ganz unwillkommen fein dürfte, 

Der Mame der Grafſchaft Mannsfed — um 
die Erzählung huͤbſch vom Eie anzufangen, — mird 
‚von Verſchledenen verfhieben abgeleitet, Mir bat 
folgende, auf eine Anekdote ſich gründende, Derivar 
tion von jeher die artiafte und mahrfcheinlichite 
gefchienen. Zu Kaiſer Friedrich fell nämlich einft ein 
Ritter gefommen fein, und ihn um fo viel Sand ge 
beten haben, als er mit einem Scheffel Gerſte befüen 


— 210 — 


finne, Der Kaiſer vermilligt fein Geſuch, und der 
Nirter umfäet a la Didon mit feiner Gerſte fo viel 
Land, als noch heutiges Tages die Graffhaft Manne⸗ 
feld ausmacht. Nun murde Friedrid von feinen 
Köflingen beſtuͤrmt, er möchte fein Wort zuruͤdneh⸗ 
men, da ihn der Ritter doch balb und halb hinter: 
gangen babe, Der Kaifer, dem die Lift, ‘die der 
Fremde anmentdete, ein Stuͤck Sand zu erhalten, nicht 
Übel gefiel, gebot ihnen aber Etilifdyweigen, und fagte: 
dies ift des Mannes Feld, und belehnte den 
Ritter damit, Daß derfeibe aber nicht übel wählte, 
als er gerade diefes Stuͤck Land umfäete, weiß jeder, 
ber eine Reiſe durch die Grafſchaft Mannsfeld ge 
macht bat. Es ift in der That ein herrliches, fregen: 
reiches Ländchen, und eben fo angenehm für das 
Auge des Wanderers der fi) an ſchbnen Gegenden 
ergest, als für den Finanzier, ‘der davon für den 
Schatz feines Souverains reihe Ausbeuten erwartet. 
Dichte Wälder, fruchtbare Korngefitde, biumige Ißles 
fen und remantifch: gruppirte Felfen können nirgend 
lteblicher abmechfeln, als bier, und machen bdiefes 
Yändchen dadurch zu einem Natur: Garten, der von 
Reifenden häufiger befucht jun werden verdiente. Der 
Heiz, den ber Grafſchaft Mannsfeld ihre Natur: 
Schoͤnheiten verleihen, wird noch durch die rege Be: 
triebfanıkeit ihrer Bewohner erböht, die dadurch ihre 
Derwandefhaft mit den Einwohnern des eigentlichen 
Ehurſachſens binlänglicp beurfunden. Manufakturen, 
Sabrifen, Aderbau, und beſonders der fo mühfame 
Bergbau, find bier im bilhenditen Auftande; der 
Iegtere vorzüglich in dem Churfächfifchen Mannefeld, 
wo man das Bergweſen beffer verſtehen foll, als in 
dem Preußifchen Antheile, Daß ich aber bier von 
diefem Yändchen nicht zu viel gerühmt habe, dafür 
bürge ſchon ein Ausfpruch von Yuthern, der irgendwo 
geſagt hat: Wen Bott lieb bat, dem giebt er 
ein Haus in der Graffhaft Mannsfeld, 
Die Hauptftade, wie auch der Eik des Manns— 
feldiſchen Bergbaues, Churfächfifchen Antheiles, iſt 
Eisleben. Es bat ungefähr 1100 Käufer und iſt 
nur mäßig bevölkert. Das Aeußere dieſer Stadt tft 
eben nicht fehr einladend; denn man findet viele alte, 
finftere Gebäude, und krumme, fihleche gepflafterte 
Erraßen, was von ihrem Altertbume ein fehr gülti: 
ges Zeugniß ablegt. Defto_angenehmer lebt ſichs 
aber mit den Bewohnern. Nirgend übt man wohl 
eine vernünftige Lebens: Philofophie beifer aus, als 
bier. Alle Arten —— Vergnuͤgungen werden 
ervorgeſucht, um nach vollbrachter Arbeit auch dem 
eitern Jokus einige Etunden zu widmen, Dieſes 
eitern,, fröhlichen Lebens wegen, gehen auch die Frem⸗ 
den, die nirgend gafifreundfchuftliher aufgenommen 
werden fönnen, als hier, Immer mit fchroerem Her— 
zen wieder hinweg; — der Verfaſſer diefes Aufjaßes 
weiß das aus eigener Erfahrung, — 
Die Ober: Aufficht über die Grafihaft Manns: 
—* führt ein in Eisleben feinen Sig habendes Ober: 
uffeher: Amt, deſſen Chef jehzt der Herr Hofrath 
Eiſenhuth iſt. Ueber den Werth diefes edlen Dan: 
nes, hat Unterzeichneter, Öffentlich Feine Stimme; 


wer ihn aber näher Fennt, wird gewiß unbedingt in 
das Lob einſtimmen, das er, theils wegen meifer 
Führung feines Amtes, theils wegen feiner Mens 
ſchenfreundlichkeit, von jeher empfing. Ihm ſowohl, 
als zwei andern würdigen Männern, den serren 
Eradivoigten Wege und Eggert, die ebenfalls 
öffentlich mit Achtung genannt zu werden verdienen, 
verdankt Cisleben unendlich viel, befonders aber den 
ſchoͤnen, ungejwungenen, dabei aber doch nichts wenis 
ger als zu freien Ton, der im jeder Geſellſchaft der 
herrſchende iſt. 

Vorzüglich beruͤhmt iſt aber Eisleben als der Ser 
burtsort Kurhere. Diefer große, mertwuͤrdige Nefors 
mator war der Sohn eines armen Vergmanne, aus 
ken 2 Stunden von Kieleben enifernt liegenden 
Staͤdtchen Wannsfeld, Daß er aber in Gisieben, 


ı nicht in Mannefeld, geberen wurde, ging folgender: 


mapen ju. Während Kurhers Mutter hochſchwanger 
war, ging fie nach Kigleben, um dert (es war gerade 
Jahrmarkt) Schuhe zu kaufen? Indem fie in bie 
lange Gaſſe Fommt, wo noch heutiges Tages die 
Eisiebiihen Schuhmacher ihre Waaren feil bisten, 
fühlt fie die Geburts: 2uehen, eilt in ein naheſtehen— 
des Haus, und wırd Dort entbunden, Anfangs bes 
flimnite ihn fein Vater zum Bergweſen, da jein 
Sohn aber dazu wenig Luſt bezeigte: fo ſchickte er 
{ihn auf das Gemmafium mach Eisleben, das Luther 
lange befugt hat, und wo es dur den Genuß mil— 
der Unterfiligungen, und das Zingen in der Kurrente, 
fin Dazyeyn kuͤmmerlich ftiſtete. Das Haus, wo er 
geboren wurde, zeigt man noch jetzt. Wan findet da 
in einem Eleinen Saale Yuthers und Melanchthons, 
wie auch mehrerer Saͤchſicher Kurfürfen Bildniſſe in 
Lebensgroͤße, dann auch noch andere Gemaͤlde, Luthers 
fümmtliche Schriften, ein Eleines Naturalien : Kabinetr, 
und einen hölzernen Echwan, der fein Schreibepuſt 
gewefen fein foll. Außerdem zeigt man in Eisleben 
auch noch einen Mantel, den Luther getragen haben, 
und einen Taufftein,. im dem er foll getauft worden 


leyn. 

Unter die uͤbrigen Merkwuͤrdigkeiten Eislebens 
gehört ein Gemnaſium, das in Herrn Herold einen 
recht wadern Echulmann zum Bektor bat, Schrift⸗ 
fieller, vorzüglich. beilerrriftifche bat diefe Stadt in 
den neueflen Zeiten nicht aufjumeilen; einige Komän: 
ben follen zwar in der Lutherſtadt zu Tage gefordert 
‚worden feyn; diejen thut man aber eben jo wohl, als 
ihren erwanigen Verfaſſern, einen wahren Freund: 
fhafredienft, wenn man fie vergißt. 

Die beiden Übrigen Staͤdte in der Grafſchaft 
Mannefeld, die bier noch Erwähnung verdienen, 
find Hertftädt und Mannsfeld. Das erftere iſt 
durch eine jehr ſehenswerthe Dampfmaſchine berühmt, 
dergleichen es jetzt in Deutjchland nur drei geben foll; 
das zweite durch feine überaus fhöne und romantiſche 
Lage, Der Bergbau wird auch an dieſen beiden 
Orten eifrig betrieben. — Cine neue Merkwuͤrdig⸗ 
keit für die Grafſchaſt Manngfeld verſpricht das 
Monument Luthers zu werden, das einer Geſellſchaft 
ſehr patriotifch: denfender Maͤnner einſt, wenn es ers 
richtet fein wird, feinen Urfprung verdankt. Es find, 
wie man in Öffentlichen Blaͤttern lieft, ſchon viele, 
und fehr namhafte Beiträge eingegangen, fogar von 


— 211 


katholiſchen Furſten. Viel koͤnnte ich meinen Leſern 
noch von der Grafſchaſt Mannsfeld mittheilen; aber 
ich wellte ja nur eine kurze Ztijge, nur ſoviel da: 
von erzählen, als Sie etwa zu wiſſen braucben, wenn 
fie den Namen diefes Landchens hören. Wer aber 
in einigen Jahren dahin reifen wird, um etwa das 
Denkmal Luͤthers zu befichtigen, uad meine Fleine, 
anfpruchelefe Schuͤderung unpartheiiſch mit feinen 
eigenen Veobachtungen vergleicht, wird finden, daß 
meine Beſchreibung treuer fein woͤrde, wenn ich die 
Graſſchaft Mannsfeld und ihre edlen Bewohner en⸗ 
thuſiaſtiſcher gepriefen hätte, 
Auguft Kuhn, 


Keipjig. 
Mythologiſche Umriffe 


en Urſtoff alles Lebens verſchloß Im geheimniß⸗ 
vollen Dunfel das Chaoe. Roehe, verworrene Ge— 
ftalten wälzten fich in feinen Tieren; Feine Ordnung 
war, fein Diaas; ohne Geſetz engten ſich die For: 
men und widerftrebten ſich, — die Waſſer kämpften 
mit der Glut, die Erdftojfe preßte der ungleiche Luft: 
raum, 

Da regte Eros feine goldenen Echmingen, ber 
Geiſt der Harmonie, das Urbild aller Vereinigung. 
Michts Erfhaffenes war vor ihm; aus dem ner 
gründlichen Dunfel des erften Dafenns trat er her: 
vor, ein Zohn der Unendlichkeit, Und über der ros 
ben Maſſe ichwebend, ummehte fein fchöpferifcher 
Hauch die fchwanfenden Formen. Da ſchwieg der 
Kampf der Elemente, die zerftreuten Fluten fammel: 
ten ſich; das Gleiche verband fi dem Gleichen, das 
Schwere fanf, Keichteres bob fich, und dem Schooſe 
des Chaos entftieg die erfte Zrugung, Erebus (Fine 
flernig,) und Nyx (Nacht.) 

Das Dafeon war begonnen, gefondert die Kraft, 
Am Schleier der Naht verhält lag alles Furchtbare 
und alles Schoͤne. 

Und Eros regte von neuem die verborgene Urs 
kraft: da durchhrang den ewigen Kaum befruchtende 
Märme, und bruͤtend entlodte fein Hauch die juns 
gen Reime dee Lebens, 

Die Nacht erjeugte den Metber, jenes herrliche 
tiefe. Blau, in. welchem die Geſtirne des Himmels 
leuchtender ftralen,: und den glänzenden Tag, (Hie 
meros.) Die unterirrdifhe Wohnung verlaffend, 
ftrebten die Brüder verbunden auf, und zum erftens 
mal ſah fih das Chaes in feiner fehauderhaften 
Verwirrung. 

Jetzt durchfloß die Kraft der Zeugung alle Tie— 
fen und Höhen, der leere Weltraum erfüllte fich, der 
Hauch der Liebe ward Seele. Mit der Seele vereinte 

& die Form, und in taufendfachen Geſtalten ers 
machte das unendliche Leben, 


Eine Reihe duͤſtrer Geſtalten entwand ſich jetzt 
dem Schooſe der Naht: Mordes das unbedingte 
Schickfal, das mit ftiller Kraft über alles Lebendige 
waltet ; ferner die Mödren, die Lenferinnen des Schick⸗ 
fals; & banatos (Ted) und fein freundlicher Bru« 
der, der Echlummer, ——— auch erzeugte ſie 
die Keren (finftere Todesboten,) den Traum OEne i⸗ 


708) die Demefis, die Richterin jedes Detragens, 1 


Man bildete die Nacht als eine ernfte, aber ju: 
gendliche Matrone, die auf einem Throne fißend, 
jiwei Knaben an ihrem vollen Buſen wiegt. Der 
ene fragt eine verlöfchende Fadel (Genius des Io: 
des,) der andere einen Kranz von Mohn in feiner 
Sand, (Hypnos, Schlummer.) 

Die Mache iſt das Symbol alles Großen, Furcht⸗ 
baren, Erhabenen und Schönen. Ihre heilige Stille 
erhebt und erweitert Das Herz; das rauen, das fie 
verbreitet, ſtiumt die Seele zur Furcht, ihre Kies 
fengejtalten find ein dunkles Bild des Erhabenen, 
und der magifhe Schleier, mit dem fie alles vers 
hüllt, erwedt die Ahnung und den Reiz des Schoͤ— 


nen. 
Bildungen der Nacht. 
„Von Anbeginn an, ſagt Herder, ward das Ne 
giment der Schöpfung zwiſchen Licht und Dun: 
fel getheut; da ſiht fie, die Nacht, die Thronende, 
und bewahrt die Grenzen der Echopfung. “ 

Aus dem Dunkel entwickelt fih das Licht; das 
mwirffame Weiß, das alle Etraisn fortender, beziehet 
fih endlich auf: etwas, dab alle Etralen verjchlingt. 
Der Gegenjag der Finſterniß iſt Lichte, — das Licht 
erfüllt den Aether, — fo ward die Macht die 
Vlurter des Lichts und des flralenden Aethers. 

Moros (ESchidſal.) Das Schichſal iſt dunfel, 
verhüllt, gebeimnipvoll, — aljo ein Erzeugniß der 
Dachte. Kein Auge durchdringt, keine Kraft zerſtoͤrt 
das Gewebe, mit dem es Götter und Menfchen une 
ſpinnt. Eicher leitet e8 den Williggebenden, den 
MWiderfirebenden reißt es gewaltiam fort. ein 
Ausfpruch iſt das unbedingte Etwas, dem niemand 
widerfprechen darf. Die Tochter Moros ift die harte 
Nothwendigkeit, „geichärfte Ken’ und Mägel in 
eht'nen Händen tragend.‘ 

Mören (Parjen.) Vollftrederinnen des Schick⸗ 
ſals, vorzüglich des menſchlichen. Eie begleiten den 
Sterblichen von der Wiege bis zum Grabe, Was der 
dunfle Moros nad ewigen Geſetzen befchließt, volle 
führen fie mit unerbittlicher Strenge, Niemand ent: 
geht ihrer Macht, überall waltet das flille Verhaͤng⸗ 
niß. So malen fie die Alteften Dichter, 

Die Keren, Berkünderinnen des Todes, 
Eie erfcheinen den Helden in der Schlacht, ihr 
Auge mit Schrecken und Grauen umdunkelnd. 
Oder fie führen, als geflügelte Genien, das Alter 
und. den Tod herbei, Gpätere Dichter Heideten fte 
in gefälligeres Gewand. 

Die Zwillingsbrüder. Tbanatos und Hyp: 
nos. (Siehe Leſſings Abhandlung, wie die Alten 
den Tod gebildet. ) 

Furchtbar erfcheint der Tod durch das unbe 
dingte Geſetz des Eterbens, und durch den 
Kampf, den er mit dem &terbenden ringt. Freundes 
lich ftellt er fi als Genius dar, der den vom Körs 
per getrennten Echatten in das Reich der Ruhe, in 
den Orkus, binabführt, Freundlich ift feine Geſtalt 
wenn er den Iekten Kampf des Lebens verfürzt, mit 
verlöfchender Fackel an das Bette des Eterbenden 
tritt, und den Lillenfcpleier der Ruhe über das Ant: 
lig des Entfchlummerten det. 

&o ward er ein Gegenftand ber Afthetifchen 
Kunft, und Bildner und Dichter fuchten ihn diefer 


— 21% — 


Idee gemäß darzuſtellen. Die Lacedaͤmonier errich⸗ 


teren ihm eine Bildſaule. (Pauſan, B. 2) Auf dem 
Kaſten des Cypſelus erſcheint er im Geſtalt eines 
hmwargen Jünglings mit uͤbereinandergeſchlageuen 


Dft findet man ihn neben feinem Bruder Hyp⸗ 
nos im Schoeſe feiner Mutter liegend, oder ſidend 
an einem Carfofage, das Haupt mit Eppreifenkrän: 
zen ummunden. eben ibm flattert ein Schmetter⸗ 
ling, das Sinnbild der Verklaͤrung nach dem Tode, 

Hnpmos, fen wegen feiner Aehnlichkeit mitt 
den Tode, der Zwillingsbruder deifelben. Einige 
Dichter beftimmen feinen Sitz bald auf der Inſel 
gemnos, bald in Cimmerien, bald am Eingange ber. 
Unterwelt, Andere laffen ihn unftät und flüchtig 

erumfhmeben, und feine ar it das dunfle 
Sin der Nacht. Er trage Meohnbiäten in feiner 
Hand, Bft erfeint er als cın bürterwanfender 
Hüngung der aus einem Fuͤllhorn — Träume ſchuͤt⸗ 


tet. Beide Brüder verbunden, geben ein tröffendes, 
freundlihes Bild, Dann iſt der Schlaf ein Tod, 
der durch ſeeliges Dergejfen alle Vrühfeeligfeiten des 
Lebens verchivinden macht. Dann if der Tod ein 
Schlummer, aus dem wir verklärt jum Leben er 
machen, Sinkt einft das Leben, das Geſchenk der 
Börter, fo ringe fich der Geiſt dem ewigen Yichte 
näher, aus dem er gebildet üft, So erſtarrt die Huͤlle 
der mübieligen Raupe, aber aus ihr entſchwingi fich 
der goldene Echmetterling. 

. Den Schlummer zugefelle iſt Oniros, ber 
Gentus der Träume, der jeine Kinder, die wahren 
und falfchen Träume, durch zwei Thore von Horn 
und Chenbein den Sterbliden ſendet. Ihn ſelbſt 
ſchicken oft die Goͤtter. (So Ilias 2. ER Van bil 
der ihn als eine nachlaͤßigſchwankende Bejtalt, zuwei— 
len mit einem ſchwarzen Gewande, das jur Hälfte - 
mit einem weißen überhüllt if. 

(Die Hortfepung folgt.) 


—O — — TE — — — 


Riht=-politifhe Zeitung. Nro 4t. 


Aus Ni 


vom 19. Auguſt a. Et. (31. des m.) 


Green anwährte und Herr Projefer Nobertfom das hier 
no nie gefcbene Edramfpiel einer Yartahre, Wahrend jeines 
hieigen Aufenthaltes Gate er eine Eubitripiion dazu eroga:t, 
dern baarer Ertrag ihn ſehr batd fir die Unnmgänglichaen Kor 
Ken fiherte, indem verſauedene Partiinlits, Einzele, zu hundert 
und mehreren Rubeln, ſubſtribirt, wa Jeder mac Kräftın bis 
getragen hatte, das Unternehmen zu Erinde zu bringen, Nat 
warm Die Koften des Aeronauten bier im ſofern betrachtlicher, 
als anderdwe, da er fih Pie Vitriolinure, durch einen eigenem 
Fuͤhrmann, hundert Meilen weit, aus St. Petersburg konuuen 
Tick, weil fie In der eriorderlihen Quantttat hier nidıt zu bar 
den aeweſen ſeyn fol, Ein Vorgeben, dad mauche bepweirsim 
woltsn, da 66 hiex sehm Mvordefen giebt! Mehrere Wochen 
damg, und nurerdeü die Vitriotſaure erwartet wurde, fonute 
man täglih von min Uhr Vormittags Did Abends um mat 
uber, auf dr Stadtetbilothet dem Ballen mit der Gondel und 
dım Saltidirm, anfange für einen halben Thaler (16 Gros 
fcen ,) macdıher mn die Halite, in Augenſchein nehmen. Schon 
dabet konnte die Einnahme des Proſ. R. nicht gering auege⸗ 
falten ſeya z denn zu auen Stunden des Zuges fand man "er 
fchamer im der Bitltothet. Die Aufahrt jelbſt, weiche des Abends 
win fechs Uhr errolgte, ward. eben nicht ſehr vom Wetter ber 
gwinftiat, indem die Furt teiibe war und Megen drohte. Dems 
witgeachtet ging Me aliflich, sur Qufricdenheit der verjammele 
ten Menge — und wahrſcheintich auch zur Zuiniedinheit des 
Unternehmers — von Statten. Die Citadeile von Riga war 
an dierem Wehuf, zu einem großem Ampbirenter eingerichtet, in 
welchem man am einem Dukaten, einen Albertusthaler uud vr 
Pie Halite des legten, Pläge fand. Munde waren mod die 
Bälle und naclaelegenen Hauſerdacher und Schornſteine, 1b 
wie alle Staditſſurme von Zuſchauern beſetzt. Much aus Mir 
"ram Hatte fich eim großer Theit der Einwohner eingerunden. 
Uber umter alten Zuſchaucrn waren wohl die mertwurdigeu, 
die bier der Zufall guimmenkhrte: Madame Mara, Herr 
von Ketzebue und — der Burihiger Oarasıin. Diefer Iegteve 
war von Most, — aber mur ein weng zu fort, — bier es 
aetroffen, um feinem Gegner den Rang abjwlanien. Cr wars 
rete nur den Ausgang ab, — und da er ſah, daß dieſer ehr 
venvoll für jenen war; io machte er fib auf Gülgeln des Wins 
des davon. Noch denjeiben Abend hatte er Riga verlafen, und, 
ald Profeſſor Koberrion mit einem Judelgeſchrel zur Emdr bes 
gteiter wurde, fi wahriheiniih schon auf dem Wege mach 
Deutſchiand beſunden. Dener hat bei feiner kuftiahrt cine Höhe 


84 





‚Terminen, whme im Die ie m Mei. ; 1, t 


von 700 Klaftern erreicht, und umgerähr drei Meilen weit vom 
Riga, mad der Perersbursiichen Geite zw, Mich medergelaſſen. 
Ungeachtet der feinerwegen von allen Kanjein im Pande ertaſſe⸗ 
nen Publikation, hat das Landvoik, das beim Sinken des Batlous 
anf die Knie geraten ſthu fol, mur mit groser Winbe Dabin 
gebracht werden konnen, il hütirsiche Hand zu leiten, Auf 
einzu Sur, unweit Riga, bat fogar ein Mauer much Abm 
fchlegen wollen, und ihn im der Entfernung für eimem feltenen 
Braten zthalten. o 

Bon Madame Mara, die bier ſchon ſeit mehreren Mer 
naten Lebt, uud ihrem Regteſter nah Englard zuruck4tſchickt bat, 
bebauprert man, das fie ficb bier haustich niederliaſen und ſich 
bei uns amtauren werde. Wie ſehr wurden duech die Auweſen⸗ 
heit dieſer Kumälerin unfere Minterkonceere zewinuen, Die nad 
dem Wusiprud aller Mufittenner und durchreiſenden Virtudſen, 
gu den borgäztidrten Liebhaderkonterten geheren — Bei ame 
tem Theater werden deut wii Sıugerinnen, die auch durchaus 
nothwendig find,, und ein Sanzer erwartet... Im der Perſon 
vs Herrn Ya Node dat danelbe wieder einmal eine bedeu⸗ 
tende Acquiftion gemadt. Nur wird berichte, — Gott weih 
warum — felten gebraucht. 

Uniere Schulen und dei beiden Dewährten Gummafn, dem 
Dom und Luc:o, ſtehen wichtige Berandirungen bevor, Aus 
den beiden legteren, deren jedes bisher aus iunf Kamen befand, 
wird ein Gymnaſtum formirt, das überhaust mur drei Maren 
hatten fol. Die Alteren Lehrer werdun, mir einer Peuſton in 
Den RKuhedand werigt, — Der feirberige Stadtorediger und 
Reitor der Domſchule, M. Mibanıus, id sun Glonpernzmentss 
Scuidirchtor ermanııt, Die game ubrige Schulnsrichtung wird 
jetzt mod von ber Schul: Kemumifion im Drisat ecrwartet. — 
Dir. dartige Profeior Scheerer hat ein Engigencit in St. 
Petersturg mit 1200 Rubel Gehahlt aıtgenommen , dem er bie 
prorsiur mit 2000 Nubeln Gehalt und der Musiichr auf wine 
Peufiow, opferr. Un feine Sieue kommt der hreſrge Me 
tbeter Grendel als .Drorieiior der Ehemie na 
Dorvat. 76. 

witau, den 20. Auzuſt 190% 
Dr geſtern befindet ſich Der Lufcihlifer Garnerin hier. Er 


‚geht damit um, dier eine buftrahrt au veranftalten, ımdem. ob 
‚jept aasgentacht it, dab der Freitſſor Kebertron mod eine im 
Riss unterarbınen will. Ob, wenn auch diene dort zum zweß⸗ 


tentiat lohnte, jene bier Überhaupt nur ein mal lohnen moöchte? 
iR eine Frage, worzu jeder den Hosr ſchüttelt. Es giebt hier 
wu viel leere Naume ba, wo Garnerin fie ide zu naden 
wrin ſcht. Wabrieinlich wird denn auch er hier wieder wer: 


1804 





Nro. 184- 


-"ARISTIDES.. 
Der Sreimüthige 


Freitag, 


Ernf 


—il 


ober — — den 14. September. 


und 


She xr,% 





Literatur 


1) Immanuel Kants Biographie. Erfter Band. 
Leizig, bei Weigel, 1804. 

2) Immanuel Kant, in feinen leiten Lebensjah⸗ 
ren. Ein Beitrag zur Kemmtniß feines Cha⸗ 
rafterd und häuslichen Lebens x. Won Wa⸗ 
fiandfi, Königsberg, bei Nicolovius, 1804. 


och zwei Schriften über Kant, aber von fehr 
verfhiedenem Werthe, — die eine, wie es ſcheint, 
eine bloße Buchmacherfpefulation, die andere ein ans 
jiehendes, oft rührendes Gemälde. 

Der Berfaffer von Nr. ı, fagt in der Morrede, 
er habe feit fieben Jahren Kants Leben Bearbeitet. 
Nun wahrlih dazu gehört ine ausgezeichnete Laͤh— 
mung bes Geiftes, fo lange an einem fo bärftigen 
Segenftande zu haften, als das Leben eines Privat 
mannes in jedem Falle if. Dffener konnte der Der: 
faffer nicht geftehen, daß er auch: nicht die entferne 
tefte Anlage habe, in irgend einer Rüdficht dem 
großen Denker aͤhnlich zu werden, als durch diefe 
Anzeige; ja, daß er gar micht begrif, was an die 
fem denn eigentlich merkwürdig fen. Kant hat große 
Mahrbeiten gelehrt: gut, fie find dur ganz Europa 
verbreitet, und wer fie begrif, ſah auch ein, daf «es 
ein fehr erfeuchteter, feharfblidender Geiſt feyn moͤſſe, 
der fie entdeckte. Was mill nun der Derfaffer mit 
feiner lahmen Aufjählung von Kant's Talenten? Der 
einzige unumftößliche Beweis für diefelben, legt In 


Kant's bewunderten Werfen, die eine fo große Um— 


-wälgung in allen Gebieten der Wiſſenſchaft bemirk: 


ten: mas bedarf es bes Zeuaniffes und Demonftri: 
rens von Geiten des Herrn Anonymus, dag Rant 
Diefe oder jene Geiſtesgaben befeffen babe? Ich 
wuͤnſchte, er felbft braͤchte ein fremdes vielfagendes 
Zeugniß für fih auf, daß es Ihm nicht an Beur: 
theilungsvermögen fehle, 

„Aber Kant's Charakter!“ Daß Kant's Charak⸗ 
ter hochachtungewuͤrdig war, daß fein moraliſches 
Gefühl und feine Handlungsweife mit feinen mora: 
liſchen Lehren Übereinftimmten, da 6 zu bemweifen, wuͤr⸗ 
den ein halbes Dußendficherer Anekdoten binreichen : 
aber mehr als hundert dergleichen find allbefannt, find 
in einer Menge von Schriften ſchon erzählt worden. 

„eine Gefchichte," — auch bie ift ja ſchon 
oft und fo ausführlich gefchrieben, daß der Merfaffer 
diefer Biographie, — der obendrein, mie es fiheint, 
Kant gar nicht perfbnlich kannte, auch nicht Einen 
neuen merfwürdigen Umſtand beizufuͤgen wußte Er 
bat in dem drei angegebenen Ruͤckſichten fdlechter: 
dings nichts gethan, als die Über Kant erfchienene 
Schriften ausgefhrieben, und — will damit fortfab: 
ren, bis er — Hilf Himmel! —vier Bände gefüllt bat. 

Doch nein, nicht nur Über Kant, atıch über 
den „Bang der Fritifchen Philofophie” fol diefes Werk 


"belehren; es foll eine „Ueberficht ven Kant's philofo: 


phiſchem Syſtem“ geben, 
Der Gang ber kritiſchen Philoſophie, kann al: 
lerding® hiſtoriſches Intereſſe Haben, aber in Einem 


Re — 214 — 


nicht ſehr fangen Aufſatze, nicht in vier Bänden, und 
die Ueberſicht des Syſtems, — ich will nicht mit 
dem Verfaſſer daruͤber ſtreiten, ob Kant wirklich ein 
Syſtem aufgeſtellt hat, aber — für’ man ſoll dieſe 
Ueberſicht beſtimmt ſeyn? Kür die Kantlaner? Die 
kennen Kant's eigene Werke, und es iſt Taufend, 
gegen Eins zu wetten, daß zwei Drittel von ihnen 
behaupten. werden, fie beſſer verſtanden zu haben, 
als. der Herr Anonymus. Für die Nichtkantianer? 
Denen. wird nicht viel daran.liegen, in biefen vier 
Bänden etwas zu fludiren, was ihnen- in- den Urs 
quellen gleichgültig war; und Ändert ſich ihre Etims 
mung, fo werden fie ihre Zuflucht ficherlich, lieber zu. 
diefen und den erflärenden Schriſten ſolcher Männer 
nehmen, die Kant ſelbſt fuͤr ſeine deften. Ausleger 
erklärt, — als Zu jenen. 

Daß der Derfaffer übrigens feine * Baͤnde 
füllen werde, iſt gar nicht zu bezwelfeln: ex. hat. eis 
nen fehr glüdlichen Weg, dazu eingeſchlagen. Er läßt 
fange Stellen, oft mehrere Seiten nach einander aus 
Kanı’s, Sarvens und Anderer allbekannten Schrif— 
ten abdruden, und verfährt- dabei fe freigebig, mit 
dem Papier nehmlich, daß fogar Eeite 57, 88 und 
89 biefelben langen Etellen zweimal abgedrudt find. 
Ich glaube, das reicht hin, das Publikum vor diefer 
ſchwerfaͤlligen, geiftiofen Compilation: ju warnen, 

tr. 2 bat, wie ſchon gefagt, einen ganz ver: 
ſchiedenen Charakter. Der Verfaſſer war einft,. im 
Jahr 1774. Kant’s Amanuenfis, wurde im Jahr 
1790 fein Freund und war in den letzten (wachen 
Jahren Kant's, fein Yormund, fein Führen, dem diefer 
in allem: unbedingt folgte, der Anordner aller feiner 
Angelegenheiten, und der zjärtlichfte, forgfamfie, ums 
ermuͤdlichſte Pfleger des ehrwuͤrdigen, aber faſt durch 


das Alter lebendig vernichteten Greiſes. Kein Sohn 


haͤtte mit innigerer Theilnahme an einem verdienſt⸗ 
vollen Vater hangen/ und ihn unterſtuͤtzen fünnen, als 
Herr Waſianski an Kant hing und für ihn forgte, 
Seine Freundſchaft war diemildefte, koſtbarſte Gabe; 
bie der erhabene Weife, vielleicht während feines gan: 
zen so-jährigen Lebens, ven: dem Geſchick erhielt. — 
Mit. eben der. unbefangenen Herzlichfeit, fo anfpruchs 
log, wie er für Kant. handelte, erzählt Herr Was 
fiansfi auch. die Geſchichte ven deſſen legten Lebens: 
jahren.. Nirgend legt er es auf irgend eine Wirfung 
an, aber er. rührt: tief. an hundert Stellen feines Bus 
ches, oft, indem. er Geringfügigfeiten. erzählt; er 
flößt: dem: Leſer lebendige Hochachtung gegen Kant's 
Charafter ein,. und — mit Waͤrme lege: ich ihm das 
Zeugniß ab, — gegen ſich ſelbſt. Er ift offenbar 
‚ein: ſehr edler, vortrefflicher Mann, Auch durchaus 
aut geſchrieben iſt fein: Werk. G. IR, 


Mythologiſche —— 
Schluß.) 


Memss, der Gott der Tadelfucht und des Meides. 
Am Dunkel fhleicht, in Finfterniß verbirgt ſich der 
Urheber gehäffigen Tadels, und der giftige Meid, 
So mird Momos ein Eohn der Nacht. Er tabelt 
alle Handlungen der Götter und Menſchen, — ge: 
wöhnlich, um Gelächter u ermeden. 

Ein Sohn der Macht ift ferner der Dämon der 
fihmergsollen Mübfeligkeit und: alles Leidens, das den 
Menſchen betrifft. Der Echmerz iſt finfter, trübe, dunfel 
geſtaltet. Er iſt in ſich ſelbſt verhuͤllt, und fehleiert die Em⸗ 
pfundung des Menſchen in naͤchtliches Gewand. Auch 
die Ahnung, die irrend zwiſchen Furcht und Hoff: 


» nung fchwebt,, der Erhretfen, der im Derborgenen 


lauert, und! den Sichern ploͤzlich Überfälle, die 
Schwermuth, die im Dunkeln brätend, jeden 
Lebensgenuß vergiftet, die Ängfllihe Unruhe, die 
Sorge, von täufchenden Bildern der Zufunft ger 
äfft, — ferner der Betrug, derim Finftern ſchleicht, 
und das Licht des Tages ſcheut, die Vergeffen: 
beit, und die Lüge, — find Kinder-der Macht und 
der Finfterni. 

So auch, die. Serafgättinn en, (Poinä)' welche 


bie Dergebungen der Menſchen rächen, und die Erin: 


nyen, bie mit Echlangenbaaren umgeben, mit 
brennenden Fadeln, oder mie Geißeln bewaffnet, aus 
dem Tartäarus herauftreten, und die Verbrecher mit 
ſchrecklichen Martern ‚verfolgen. Ihre Vorſteherin iſt: 

Eris, die Stifterin aller Zwietracht. Kaum 


‚dem Schooſe ihrer dunklen Erzeugerin entfliegen, regte 


fie von neuem den Kampf der ſchon gefonderten Ele 
mente, Spaͤterhin entflammte fie die Menſchen zum 
Kriege. Eine blutige Binde umflattert ihr Haupt, 
von Blute triefen ibre Hände: 

Die ſchoͤnere Tochter der Macht iſt Nemefig, 
bie Nichterin des Betragens der Menſchen im Gluͤck 
‚und Ungluͤck. (Ziehe Herders zerſtreute Blaͤtter, Th. 
ı. ), Don bildet fie mit einer weißen Binde um die 
Etirn, einen Eſchenzweig in der Linken, und in der 
Kechten eine Schaale, (fpäterhin eine Waage.) 36: 
ren forfhenden Bliden entgeht feine Ihat, fie hört, 
fieht und würdigt alles. Die Menſchen fuͤrchten fie, 
denn fie iſt unerbittlich. Die Unterdrüdien, die Lei: 
denden flehen fie an. In vollem Maße theilt fie 
Gerechtigkeit aus. Don dem Adraſtus, der ihr einen 
Tempel erbaute, führt fie den Namen Adraften, 

Ate, — Dämon der Derblendung, der Unbefon: 
nenheit, der menſchlichen Leidenfhaft, Menſchen bes 
gehen Verbrechen, heißt bildlich: Ate verführt fie dazu. 
Aufhadlich, ſagt Agamemnon zu feinem Volke, (Jlias 


— 315 — 


19 v. gr seq.) iſt Ate, Leicht find ihre Rüße. Vom 
Boden erhoben, fäpreitet fie über den Häuptern der 
Menfhen hinweg, und ftürzt fie in Elend. Selbſt 
den Zeus pflege fie zu fchaden. — So verleitete fie 
ihn zur Pralerei über die Geburt des Herkules. Doch 
Beus fehleuderte fie darüber aus dem Olymp, und 
verbannte fie auf die Erde, Geit diefer Zeit mans 
beit fie unter den Menfchen, und richtet Ungläd und 
Derderben an. In ihrem Gefolge geben die Liten, 
Töchter des Zers, Dämonen der Bitten und des Ge: 
bets, welche die Strafen der Götter abzuwenden fur 
chen, Sie bringen den Entſchluß zur Abbitte in dem 
Menfhen berver. Darum geben die Liten der Ate 
nie voran, — fie folgen ihr, oft in weiter Entfernung. 
Daher gab man den £iten fhwache Füße, der Ate 
keichte und ftarfe. Auch die Liten waren hoaͤßlich 
gebildet, (da nichts dem Menfchen mehr zumiber iff, 
als Widerruf und Abbitte.) Ihre Kniee find krumm 


gebogen durch vieles Knieen. Ihr Geſicht iſt voller 


Kunzeln, und ihre Augen find beftändig gen Kim: 
mel gerichtet. Wer diefe Töchter des Zeus (Tbchter 
deswegen, weil Zeus die Dienfchen ſchützt,) ehrt, 
wenn fie fih ihm nähern, genießt viel Gutes von 
ihnen, verwirft man fie aber, fo bitten fie ihren Ba: 
ter, der Ate zu gebieten, daß fie folhe Menſchen we 
gen der Härte ihres Herzens frafe, (Das Weitere 
lehrt Seybold's Abhandiung Äber diefen Gegenſtand.) 

Das Alter, auch ein Eohn der Nacht. Bleich 
und düjergefialeet wandelt es den Weg des Lebens 
binab, Die Keren führen es herbei, hinter ihm 
lebt der Tod. 

Die jüngften Kinder der Nacht waren die Het: 
periden, Diomphen, die im aͤuberſten Weſten bie 
goldenen Aepfel der Goͤtter beachten, 


E ro 8, 
der Urgeift der Lebens, der Genius der —— 
und der Liebe. &s war vor aller Erzeugung, un 
regte zuerſt die Falte, unfruchtbare, verworrene Maſſe 
des Chaos, in der alle Keime des Lebens verborgen 
rubten. 

As befruchtend fein goͤttlicher Odem mehte, da 
erwachten die Kräfte des Urftoffs, und fuchten ſich. 
Da ward Ordnung und Geſetz. So dachten ſich die 
älteften Dichter den. Eros. Heſiod nennt ihn den 
fhönften unter den Lnfterblichen, der alle Götter 
und Menſchen beherrfcht, und die gewaltige Neigung 
im Jerzen erweckt und leitet. 

Nur dur barmonifche Verbindung aller Weſen 
und Kräfte, Eonnte das Al, den dichterifchen Vorſtel⸗ 
lung gemäß, und das unermeßliche Univerjum ente 
ffanten feon. Das Symbol diefer Vereinigung fear 
Eros. Kin Gott, fagt Ovid, und die Idee des 
Urgeiftes ſchwebte ihm vor, — 

verfcheuchte den Kampf (der Elemente) durch 
bie beſſſre Naturkraſt: 


Deun er trennte vom Hincmel die Erd, die Erde vonr Maren; 
Von der dichteren Lust abipndernd den ſtuſtaen Metber. 

dis Die veribeilete Wunde nun Jener ber Gotter geſchieden 
und im eimieine Formen gebradıt, da wölbt' er jupörberik 
Dahı fie von ſeglicher Seite ſich gleiche, bie Erd’ in der Kugel 
rose Gerait, und ywans, geſchwellt won reiienben Winden, 
Gorturaufben die Flut, umwanderud die weiten Geſtade. 


Mit den Philoſophemen der Alten Über den Urs 
fprung der Welt, verlor ſich auch die Idee des 
Eros, — als a des Univerfuns, und 
fpäterhin tritt er bei Kuͤnſtlern und Dichtern beſtimm 
ter als Genius der Bereinigung, als Gott der 
Xiebe (Amor) auf, 

Den Uebergang zu diefer Vorſtellung giebt fen 
Hefiod an. Als Aphrodite fih dem E kaum des 
Weeres entwand, das Höchfte aller Keije, alles 
Schoͤnen, — in dem Bilde diefer Göttin gedacht, 
und alle Weſen von ihrem Zauber angejogen wur: 
ben, da nahte fih auch Cros, und huldigte ihr. 
(Hefied. Theog. v. 202) Er blieb ungertrennlich vom 
ir, ‚und der Begrif des Eros ging endlich ganz 
in den Begriff der eigentlichen Liebe menſchlicher 
und göttlicher Weſen, — als einer Wirkung Apbros 
direns, über Er, — den bie Unendlichkeit ſelbſt 
hervorbrachte, — ward ein Sohn der Wöttin der 
Liebe, In dieſer Weziehung, die bald bie herr⸗ 
chende wurde, fielen die Kuͤnſtler den Eros in mans , 
nigfaltigen Geflalten dar, 

Er traͤgt Köcher, Bogen, Pfeile; zerbricht Blitze, 
reitet auf Loͤwen, und bändige wüde Tiger: alles 
Symbole feiner Macht. 

Die Liebe iR bald angenehm und erfreulich, bald 
na und bitter, — daher trägt Amor doppelte 
feile, in Honig oder Gift getaucht. 

Die Liebe MR oft unbefonnen, blind, — daher 
die Binde, die Amors Stirn und Ange verfehleiert, 

, Die Wirfung der Liebe gleicht oft dem Funken 
eines ermwedenden, oder der Flamme eines zerflören: 
den euere, daher die brennende Fadel, die Erns 
25 — ſchwingt. — ee h ee ‚ 

+ Natterhaft, und or eflügels zu 
* (Bien er Okt Mythen if fei * 

ine der nſten then iſt ſeine Liebe zur 
ſyche. Moritz hat dieſen Gegenſtand in feiner Vey⸗ 
ologie trefflich entwidelt, 





BF in der Urnacht grauenw ollem Dunkel 
Die Kraft der Elemente rang, 

In oben Maren auf und nieder ſchwebend * 
Verworren ſich des Chaos Stoff durchdraug, 

Und donnernd in der ew gen Tiefe 
Die Stimme ‘der Gewaſſer arg, 

Da trat, beidhmwörend die empdrren Mächte, 

Der Urgeit ſtralend im dit Mitternachte. 


Die ew'ge Jugend Kühe auf feinem Wangen, 
Das Auge alänzt von überirrdrhiem Pitt, 
Um seine Schuftern flattern aofdne Schwingru, 
Der Friede ruht auf feinem Angeficht; 
und er gebeut! — da ſchweigt def Kampfes Würben, 
Dem böh’ren Zaͤuber beugt fich die Gewalt, 
Und wie der Liebe Hauch fich ſchopfertſch ergoſſen, 
Harmonisch ward der Krane Bund geſchloſſen. 
Ch. Schreiber. 


um nina nam. 


— 216 — 


— 


Nicht-prohitiſche Zeitung. Nro, 42. 


us Paris. 


Yu Wiarſeile find sept drei Theater. — Blanchard will mit 
feimer Gattin eime Buftreiie machen, in einem Lagen, der von 
drei Ballons getragen wird. 

Den Freudenmadchen ink fehe fireng berohten worden, fi 
nicht amders, ald Im fehr anftändiger Kleidung Öffentlich zu zei⸗ 
gen. Man if fehr neugierig, welchen Auswes die ehrbaren 
Modedamen jegt ergreifen torrden, — unanftändiger getleidet zu 
fegn , als die öffentliche Geidhönfe, oder ihuen gleich zu fehm. 

— Das Journal des spectacles exiahlt ſchon ſehr viel 
von den bevorſtehhenden Krönumgsieierkichkeiten. Der Senat 
wird eim Zeit geben, am dem er 2,000,000 Livred ausfegt; die 
Stadt Paris und alle Öffentliche Gemwalten gleidhralis. Die neue 
Kaijerin wird auf ihre Koſten Im Garten der Tuilerien und 
auf den Champs dlysces fünfhundert Tafeln, jede zu funnig 
Gedeten aufſchiagen lafen. — Fur 6,000,000 Livres sollen 
Krönungsmedailten geprägt werden; 600,000 Lines find zu 
Feuerwerten ausgefegt, Jeder Oficier joll um einen Grab avanı 
eiet werden, Jeder Soldat einen Decaden + Gold zum Geichent 
erhalten, Wie Theater im gamyen Meiche lollen gehn Tage bins 
dur freie Vorſteilungen geben. Auch ſollen alte Gefangene 
frei gelaſſen, und fir alle Emigranten, die Bourbontihe Fa⸗ 
inilie und ihre Mnachörigen ausgenommen, wird eine völlige 
Amneſtit erlaſſen werden. 

Auch die auzrührliden und authentiſchen Nachrichten von 
dem Merfüche des der Schweuer Pauti zu Sctaur mit der DI 
rettiom des Puftbalis gemacht hat, beſtatigen den gilichtidhen Et⸗ 
fofg deffelden, Er wendete und lentte weinen Luftball nah Will 
Führe, und fuhr fogar halb gegen den Wind. 

Yaefielo hat endlich Marie, mo ihn das Puolltum nicht 
Niebte, verlagen und iſt nach Steapel Aurlictgefchrt,. Attzt vers 
einigen ſich alle Zeitungen, feinen — Charakter mu preiien. 


ud kondom 


Das Sethad zu Margate wird fo ſtart beſucht, baf an Ei 
nem Morgen goo Perſonen durch bie Marcinen gebader wurden. 

— Giner der gedften theatraliſchen Lieblinge des Publis 
Fumd iR jetzt Me Rees, der eine Tirtuofitat in der Kadahı 
mungstung befigt. Er wird bald von dem einen, bald von 
denn andern Theater ſehr theuer am Vorfkeltumgen enaagirt, in 
vorihen er nichts thur, als bie berühmten Gchanfvieler ober 
die aufafenditen Originale in London Farikirt darzufkelien, Am 
Belufisenditen gelingt ihm der alte Afiey, der Yuhaber der bes 
tannten Kunfreutertiibne, : 

— Een fit eine Geſchichte ded alten und neuen Oninbiend, 
von Vlagdon, unter ber Pre, Sie foll gratis am bie Kam 
fer des beruhmten Pradrwertö; Vıews ın India and the 
Mysore , vertheilt werden, 


Aus Petersburg, 


8 den 30, July (a. Et.) 190% 
eiber war bie Mitterumg dem glänzenden Feſte im Peterhof 
nicht günftig. Der Himmel war bewölkt, die Tut nicht milde, 
und schon dem Tag vorter meigte es fi zum Regen, Nat ir⸗ 
fich hielt dies viele der Pereräburger zurüct, und beiomders fehl · 
ten die Tauſende von Fußgängern und ofenen Fabrzeugen, die 
fonn den 26 Wert langen Weg bedecken. Der Park, ber mies 
drig liegt, war (at sam ungenichbar, vorzüglich für das iböne 
Geſchlecht im Griediiden Zeobirpuge und mit der jarten Sun 
bekleidung. — - Die Jllumination am ſich übertraf am Neid 
tum und Geſchmact die voriabrige, _ Das Schlog war eine 
Geuermafe, umd das Barin, das ſich vom Schloſſe bis sur Get, 
vielleicht im einer Länge von einer halben Werſt bimjicht, ger 
mwährte der Dhantafie das Zauberbild von Armidens Gärten. 
Am Ende firalte eine Eonne und darin brannte Mariens 
Name und die verſchlungenen Chiffern ber hohen Neuvermahl⸗ 


ten. — Die Masterade auf dem Schloſſe, die nur unelgent⸗ 
lich diefen Namen führt, da keine Masken, kaum eimige we⸗ 
nige Dominod oder Benetiens fihtbar find, war außer glau⸗ 
send umd die Kaiferliche Gamilie äufert froh. Der Mienard 
und die reglerende Katierin Samen far gar nicht vom Tansplape 
weg; die Kalferin Mutter ſag am Epieltiihe. 

Dafi am elmen ſolchen Tage alles in der größten alla if, 
verficht fih won felbk. — Die Jlumimation hat Äter 30000 
Kubein getoſtet, und den Plan dazu ſchreibt man dem Italie⸗ 
nifchen Baumelter Ruder tu. — Jetzt haben fi bei Oraniens 
baum 17000 Mann jufanmmengejogen zu den Mandvern, oa 
Oramienbaun mur fieben Wern von Peterhof entfernt iſt, ſo 
wohnt von ber Kaiſerlich en Familie ein Theil dort, ber andert 
in Peterhof. Der Kriczszouverneur, Graf Toten, als Ge 
neraliifimus dei ganjen Corps, wird im biefen Tagen bort ein 
Gert geben, wo auf freiem Felde eine Tafel von 500 Gouvert, 
und dann Bau ſeyn wird. — Die Witterung ſcheint die Dar 
ndores fehr begünſtigen zu wollen, die Luft iſt heiter und warm. — 
Als am Tage der Juuminatton in Peterhof das Wetter ſich ganı 
sum Regen melgte, war es bid fünf Uhr Nadimittags sweiiele 
Hart, ob die Ilumination Statt finden oder Bis zum Sonntage 
amfaeihoben werben ſollte; da es ſich aber um dieje Zeit auf 
Härte umd der Kairer ſah, das Tauiende von Eauipagen babers 
roltten umd ſelbſt Fuhgänger ſich nicht durch den Negen Gatten 
abichreten laſſen, fagte der ahtige Monarch: Mir koftet die Juu⸗ 
minttion 30000 Nutbel, dem YPublito aber einige hunderttans 
end, es ii billig, dan es fich nicht getauſcht fude, 

Der Tod des Grafen Valerian Eubow, der bei der Ker 
bofution in Polen eim Nein verlor, und madımals das Heerin 
Yerfien anfühere, wo er beträchtilcdhe Vortheile erhielt, des ſchon · 
fon Mannes am Hofe, im einem Alter von 37 Jahren, hat 
hier allgemein bie tieſde Genfarion gemacht. Unier Monarch, 
der ihm ſehr ſchatzte, folate ſelbe der Leiche au Fuß, umd am 
Grabe bei der Kirche zum heiligem Gergen, bit vor Gtrelna, 
erivartete fie der Grofritet am der Svitze einiger Eitadrond von 
der Garde zu Pferde, und feste ihr die militäriihen Honturs 
ab. Der Graf bar diefem Kleſter beträchtliche Summen sum 
Ban und zu milden Gtiitungen vermacht; feine Univerſal⸗Er⸗ 
Bin ift aber felme am ſich reiche Gemahlin, eine ehemalige Crär 
fin Porosta, die vor wenigen Jahren eine der erſten Schone 
beiten war. Kinder hinterlaüt er nicht. Offenhelt war der 
Grumdiag feines edlen Charatters. 

Dir Kammerherr von Wollogen, Begleiter des Erbprim 
sem vom Weimar, hat den Mndreass Orden erbalten, 

Herr Veresiord, Veriaſſer der German Erato, der ald 
Lehrer der Engliſchen Sorache mit 500 Rubel bei ber Umis 
verfität zu Dorpat angeftelt wurde, ba: 500 Rubel Zulage tr 
halten. Er befand fit Büriich im Petersburg, und äußerte dem 
Wunſch, feine Lage au andern, 


Hoftheater in Cintigart, 


Har Siftamd Kat und mit dem gewünſchten Veſuche ber 
ehrt, Obſchon er ſich mur furze Zeit hier auflaiten kommte, 
fo tat er doch, thelld hier, theils auf dem Edlofitheater im 
Ludwigdburg, in zwolt Gaftroilen anf. — Er hatte auch dies 
mal, ſo wie vor pori Jahren, bei feinem eriten Beſuch, eine 
reiche Erndte von Belral. Der Zulauf war immer ſehr groß, 
und das Schauſplelhaus jedesmal ardrangt vol, Er wurde 
Gier zweimal, umd auf dem Theater in Ludwigsburg, nach fer 
ner letzten Gaſtrolle, vom Churfürften ſelbſt, herausgeru⸗ 
fen. Der Churrfürr gab ihm bie ſchmeichelhafteſten Beweiſe 
feiner Achtnug, umd lud ihm auf den Finftigen Eommer wieder ein. 

Madame Willmann, vormals beim Gcitanederichen 
Theater in Wien augeſtellt, trat Fürzlich auch im einigen Gaſt⸗ 
rollen hier auf. Sie verdient immer noch den Namen einer 
vor;iatidhen Gängerin, und erhieit ichr großem Beirall. 
Sie aing nad Caſſel. 


— — — — — —— — 


1804. 


Nro. 185. 





ARISTIDES, 
Der Sreimüthbige 


Sonnabend, 


e rn ft 


— Oder —— 


und 


den 15, September, 


Sſcherz. 





Duchet, der Apoſtel der Gedächtnißfunft, 


as uns ſchon durch Oberdeutſche Zeitungsblätter 
mehrmals angekündigt worden war: daß der Pfalz 
baierfche Ober: Hof- Bibliothekar und Vicepräfident der 
Münchner Afademie der Wiffenfchaften, Freiherr von 
Aretin, um der von ihm erfundenen oder wieder: 
gefundenen Mnemonik (Gedaͤchtnißkunſt), überall Pro 
feliten und — Käufer zu verfchaffen, einen von ihm 
felbft eingemeihten Mann ins Ausland ſchicken und 
die Lingläubigen durch überzeugende Proben überall 
befhämen würde, ift nun wirklich erfolgt, Der Li 
eentiat Karl Duchet, ber als leberfeger bei der 
Muͤnchner Hof: und Central: Bibliothek angeftelle ift, 
bat feine Sendung ſchon angetreten, und nachdem er 
vorher in München vor der Akademie der Willens 
fchaften, bie befriedigendfien Proben in feiner Kunft ab: 
gelegt, und dafür eine grofie Ehrenmedaille zum Ge 
ſchenk erhalten hatte, Fam er vor Furjem Über Er: 
langen, wo er vor einer bejonders dazu niedergefeße 
ten Kommiffion feine mnemenijchen Kunſtſtuͤcke machte, 
auch nach Leipzig, Auch bier gab er zweimal im 
Beygangiſchen Mufeum in einem Kreife ſachkundiget 
Männer, worunter auch die 6 Direktoren der Leip: 
jiger Literatur: Zeitung waren, Proben der ihm vom 
Freiherrn von Aretin mitgerheilten Erinnerungss Wiſſen⸗ 
ſchaft, über welche man nun im fachreichen Antellis 
genz: Blatt jener Literatur: Zeitung, und mohl auch 
nor auf andern Wegen, einer firengern und unpar: 
teiifchern Berichts: Erftattung entgegen fieht, Dors 


laͤufig hat der Buchhändler, Magifter Sommer, in 
einem Avertijfement fih erbeten, Eubferibenten auf 
das Werk anzunehmen, welches uns die Geheim— 
niffe dieſer Kunft aufſchlleßen fol. Denn die Her 
ausgabe deffelben hängt bloß von der Unterflägung 
der Subferibenten ab, &o bald ſich eine Hinläng- 
liche Zahl ſolcher Erinnerungluftigen mit 2 Karolinen 
fürs Eremplar, unterfchrieben baben wird, foll das 
Wert mit aller möglichen typograpbifchen Eleganz 
gedrudt, und nur an die Gubferibenten vertbeilt 
werden. Da dem DVernehmen nah Herrn Duchets 
Reiſeplan fürs erſte auf den Norden, und befonders 
auf Rußland berechnet ift: fo wird der neue Apoftel 
der Mnemonik ja wohl auch die Berliner nicht vor: 
übergehn, und wir dürfen alfo hoffen, auch da den 
Werth oder Unwerth diefer Erfindung genau geprüft 
zu fehen. Dorläufig ift es vielleicht den Leſern des 
Freimäthigen nicht unangenehm, aus dem Tagebuche 
eines ſachverſtaͤndigen Keifenden, der zu Anfang des 
Sommers einige Zeit in München vermeilte, als 
eben biefe Erfindung in allen gebildeten Zirkeln das 
Gefpräch des Tages ausmachte, bier einige Nachrich 
sen darüber mitgetheilt zu erhalten. 

„Herr Duchet, den Herr von Aretin als das 
auserrählte Gefäß feiner Minemonit feit kurzem bier 
anfgeftellt hat, ift von Haus aus Linguift und weiß 
mehrere Sprachen bis zu einer geriffen Vollkommen 
heit. Dies fept natürlich fon ein gutes Gedaͤchtniß 
voraus, und mindert den Glauben an die gepriefenen 
Wunder diefer Erfindung. Herr von Aretin erklärt, 


” 
r 


durch die alten Schriftſteller und bie darin vorliegen: 
den Beweiſe der ehemaligen Eriftenz und Wirklich 
feit der Erinnerungsfunft, zuerft auf diefen Gegen— 
fiand geleitet werden zu feun, eignet fich jedoch die 
gefundene Methode als ihm allein zugehörige Erfins 
dung, die mit den Angaben bei Cicero und Quintis 
lian nichts zu thun habe, um fo ſicherer zu, als er 
bei der genaueften Forſchung, die hier und da zer: 
freuten Aeußerungen einiger Alten darüber, als völlig 
unzulänglich erfunden habe, Ueber feine eigene Me— 
thode fpricht er indeß felbft fehr dunfel und unzus 
laͤnglich, ja man will ihn fogar in Widerſpruch mit 
ſich felbft gefunden haben. Einmal fagte er, feine 
Methode fen Fein blohes mechaniiches Nuswendiglers 
nen; fie fei mehr gemacht, den Einn der gegebenen 
Objekte, als die einzelnen Norte zu fallen, und dem 
Gedächtniß zu übergeben, (alfo mehr Verſtands- und 
Urtheilsact). Ein anderesmal follen aber doch feine 
Ziglinge dur WMemeriren einzelner unjufammens 
bängender Worte, jedes fih zum Wettkampf auf: 
werfende natürliche Gedaͤchtniß fogleich uͤberfluͤgeln. 
Von letzterm iſt aber bis hierher noch feine befriedi— 
gende Probe gegeben worden. Diur mit der erſtern 
Operation find, wie man mir erzählte, einige, aber 
doch auch nech nicht ganz leuchtende Verſuche im 
Hiefigen Mufeum dargeflellt worden, Herr von Are 
tin erbot fich gleich Anfangs bei der erften Ankündis 
gung feines Fundes, um die Zuverlaͤſſigkeit deffelben 
den Publifum in voraus zu bewähren, irgend es 
mand von anerfannt ſchlechtem Sedächtniß gegen zu 
feiftende binlängliche Sicherheit wegen der Gcheim: 
haltung, fo viel von feiner Methode mitzuteilen, daß 
er dadurch in Etand gefeht werde, es mit jedem Be— 
figer des beſten und geuͤbteſten natürlichen Gedaͤcht 
niffes, fiegreich aufzunehmen. Er machte diefe Aus 
forderung felbft in den Zeitungen befannt, und ers 
klaͤrte fich zur größten Werte bereitwillig. Allein man 
verfichert mich bier allgemein, daß dieſe Wette bloß 
durch die Ausflucht des Erfinders nicht zu Stande 
gekommen fey. Das Mufeum, wo diefe Sache gleich 
vom Anfange die lebhafteften und geiftreichften Des 
batten veranlaßte, wählte den Legationg + Sekretär 
einer fremden hier befindlichen Geſandſchaft, der frei: 
lich wohl nur zum Schein ein fehr fhlechtes Ge: 
daͤchtniß zu haben verficherte, Diefen follte Herr von 
Aretin feiner Anfündigung gemäß, vorbereiten. Ihm 
gegenüber wollte fi der Hofgerichts: Präfident Graf 
Karl Arco ſtellen. Allein Herr von Aretin perhor 
refeirte femohl diefen Kandidaten zum fhlechten Ge— 
dächeniffe, als einige andere, die fich, luſtig genug, 
bier um den Ruhm des fchlechteften Gedaͤchtniſſes 
firitten, und worunter auch ein Münchner Kauf: 


— 118 — 1 


mann war, der in vollem Ernſte behauptete, nicht 


zwei Zeilen auswendig merken zu koͤnnen. Außerdem 
feßte Herr von Arerin auch die andern Bedingungen 
fo bedenflih, dab die Eache wohl von feibft unter: 
bleiben mußte, Er verlangte z. B. vom Lehrling mit 
dem fchlechten Gedächenif, wegen der Geheimhaltung 
eine bffenrliche Verpfaͤndung feines Ehrenmorts durch 
die Wege der Beitung, und wegen des dennoch Übrige 
bleibenden Riſico, dürfe das Objekt der Wetten nicht 
unter 1000 Karoline feyn!! Auf diefe Bedingungen 
—— freilich niemand Luſt ſich einzulaſſen. Der Ers 

nder Eonnte daher auch feine Anträge zu einem 
Mertfampf, in welchem fein Schuͤler Ducher fich 
anheifchig machte, irgend ein gegebenes Penjum, ſei 
es in Worten, Saͤtzen oder Ihatjachen, in der Hälfte 
der Zeit zu lernen, die jeder andere bletz mit natüırs 
licher Gedachtnißkraft ausgeräftere Öegner dazu brauche, 
unter Anbietung irgend einer Wette ganz ungejlraft 
wiederholen.“ 

So weit unfer Kelfender, der freilich wie man 
fieht, vom Unglauben der meiften Mitglieder des Mu— 
feums eimas angeftedt wurde Welche neue Erſin— 
dung hatte aber micht zuerjt mit Sweiflern und Spoͤt⸗ 
teren zu kämpfen! Der Freiherr von Aretin bat als 
— Geſchichtsforſcher und Philelog im weiteſten 

inn des Worts, *) fo große „und unbejmeifelte 
Nerdienfte, dab auch bier das guͤnſtigſte Vorurtheil 
im voraus für ihn ſprechen, und allen Verdacht ge: 
lehrter Charlatanerie durchaus von ibm entfernen 
muß. Mir wollen alfo ganz nelaffen die Wunder 
erwarten, die dies Evangelium beffatigen und .beur: 
funden werden, An der Exiſtenz dieſer Kunft im 
Alterthume läßt fich gewiß nicht jweifein. Die ver: 
ftändigfte Machricht daruͤber findet ſich oßnffreitig in 
der Alteften noch vorhandenen lateiniſchen Rhetoͤrik, 
die unter dem Namen der Bücher an den Herennius, 
gewöhnlich den Anfang der Werke des Cicero machen, 
und von ihrem neuejlen fcharffinnigen Herausgeber, 
dem Hofratd Ehüf in Halle, mit vieler Wahricheins 
lichfeit dem Gramatiker Antonius Gnipho zugelchries 
ben werden Hr dritter Buch von 16 bis 23 Kapitel), 
Das aanje Geheimniß befteht in Pläßen, Bildern 
und Merkmalen, von welchen man durch die Ideen— 
affociation die zu memorirenden Saͤtze, Begriffe und 
Worte der Reihe nah knuͤpſt. Nenn man jene 
ganze Stelle unbefangen und mit größter Aufmerk 
famfeit gelefen bat; fo fann man fich des Verdachtes 
kaum enthalten, daß der reine Gewinn für die 
böchftermädende Umftändlichfeit bei der ganzen Pro: 
cedur viel zu gering fey. Sa man erinnert fich da: 
bei wohl gar an jene unermeßlihe Mafchienerie zur 
Merbefferung eines Korfjiehers in Hogarth’s Heirath 
nach der Mode, und an unfers unvergeßlichen Liche 
tenbergs witzige Nandgloffen dabei. Auffallend iſt 
es auch, daß Auintilian, ohnſtreitig der unbefangenfte 
Denker und fcharffinnigfte Kritifus unter allen alten 
Redekuͤnſtlern, die wir Eennen, diefem ganzen müh: 
famen Ruͤſtwerk feinen Beifall gleichfalls nur fehr 





*) Im friiheren Andenken int feine Antiimdiaung des im 
der Minchner Billlothet gefundenen Necents zum Griechtſeben 
Feuer. Man erinnert fich auch wohl mod, weiche Foribungen 


died bei der Parifer National Bihliorhet veraniagt bat. 


— 219 — 


kaͤrglich erthellt. Indeß laͤßt ſich die Sache von vorn 
— ein fuͤr allemal nicht aburtheilen. Hoffentlich 
ommt fie durch dieſe Veranlaſſung einmal wieder 
recht laut zur Sprache, und da kommt manchem eine 
Schrift, die ein Saͤchſiſcher Landgeiſtlicher mit vieler 
Geduid in Sammein und Zergliedern, über dieſe 
Materie ee und erft in der legten Dftermeife 
herausgegeben hat, gewiß wie gerufen. *) Wahr if 
und bleibt es: tantum scimus, quantum memoria 
teneımus, 


Nachſchrift des Redakteurs. 


er Verfaſſer des vorſtehenden Aufſatzes, — bei— 
läufig geſagt, einer der größeften und a 
Gelehrten, melde Deutfchland befigt, — iſt, wie 
man gefehen hat, nicht fehr für die Denemonik. Ih, 
der ih mid fehr warm für fie interejfire, würde 
Ihn um Eriaubniß geberen haben, manchen Ausdrud 
ju mildern, mande Wendung abjuändern, wenn es 
nicht fo ſehr vortheilhaft für den Fortſchritt in jeder 
unft waͤre, Debatten, recht warme Debatten bars 
ber zu veranlaffen, — und wenn Herr Lic. Duchet 
nicht grade jegt in Berlin wäre, Diefes fest ibn 
nehmlich in den Etand, fih, wenn er es für que 
findet, fegleich ſelbſt zu vertheidigen, oder —— 
da er eigentlich doch nicht angegriffen iſt, manchen 
eruͤgten, einen nachtheiligen Schein veranlaſſenden 
in ein günjtigeres Licht zu ſtellen. 
Ich begnüge mich, bier einige Bemerkungen beis 
ufügen, 1) Wie Herr Ducher mich perfönlich vers 
icherte, läßt fich die ganze Kunft der Muemonik in 


wenig Minuten erlernen, in wenig Tagen einüben, 


2) Ahr Mutzen für die Erlernung der Wiſſen⸗ 
fhaften und Sprachen, und für Gefchäfte aller Cat: 
tung, — für die Bildung der Menſchheit Überhaupt, 
läßt, — wenn fib die Kunſt wirklich als 
leicht bewährt und ganz leiftet, mas fie 
verfpriche, — läßt ſich, ſag“ ich, gar nicht berech: 
nen. Der Fürft der fie, es verfteht fich, mit der 
Bedingung, daß fie firenge Prüfung aushält — — 
und mwirkich iſt, wofuͤr man fie ausgiebt, — von 
dem Erfinder erkaufte, hätte mehr zum en feines 
Volkes und — aller Völker gethan, als wenn er drei 
Univerfitäten aeftiftet hätte. 

3) Eollte es aber Privatleuten Üüberlaffen blei— 
ben, die Pubticität diefer wichtigen —— des 
allgemeinen Geiftesvermögens zu erkaufen, fo iſt es 
wohl nicht Überfläffig zu bemerfen, daß der Sub: 
fEriptiongpreis von 4 Dufaten oder 2 Karolin, nur 
beträchtlich (heine. Es können fi ja mehrere zur 

ehung Einer Aftie, — denn fo muß diefe Sub: 
feription eigentlich angefehn werden, — vereinis 

en. freilih aber ift das Publikum nicht im Etande, 
ih, im Fall die Kunft in ihrer Fortpflanzung nich⸗ 
tig erfchiene, die Eicherheit zu verfcharfen, die ſich 
ein Kegent erhalten fönnte, fobald entſprechende Maaßs 





+, muemonit oder Eptem der Gedädtniie 
tunft der Alten, von € A. Kaſtaer. Leiviig, Kummer, 
143 ©. in 8. Der Verfafer wendet bie Vorſchriften des Alter⸗ 
thum⸗ fogleih auf neue Beifpiele an, Allein gerade in dieſer 
tinwendung erideint die game Methode im der jämmerlichiten 
Vloüe. 


regeln genommen wuͤrden. Z. B. Herr Duͤchet müßte 
irgend einen zuverläßigen, ihm vorgeſtellten Wann in 
feiner Kunſt unterrichten; diefer müßte öffentlich, vor 
einer Akademie, Proben ablegen, daß er wirklich die vers 
beißene Vollfommenbeit des Erinnerungs: Vermögens 
dadurch erlangte harte, u. f. w. Beſteht die Ers 
innerungs: Wiſſenſchaft dieſe Probe, fo ift fie des 
geforderten Preiſes und eines größern, wertb; mo 
nicht, fo verdiene fie gar Feine Beachtung weiter, 


Anekdote. 


dr 

Im jmeiten Theile des wichtigen hiſtoriſchen Merfs: 
Nistoire de laFrance depuis laRcvolu- 
tion, par Toulongeon, von welchem ein Herr 
Philipp Auguſt Petri eine vorzüglich gerarbende 
Ueberfegung herauszugeben, angefangen bat, lieit man 
eine noch unbefannte Anekdote, deven Wahrheit der 
Dame des — eben deshalb genannten — Erzäblers, 
und der Charakter feines Volks verbürgen, und die 
intereffant und pſychologiſch merkwürdig genug iſt, 
um bier eine Etelle ju finden, — 

Im Mai 1792 gaben ſich nehmlich die Yafobi- 

ner, und alle mit ibnen verwandte Parteien alle er: 
finnliche Muͤhe, Etoff zu einer Anklage gegen den 
uten König ju finden, das Dafeyn eines Defterreichie 
ben Aueſchuſſes aegen ihn zu beweifen, und durch 
eine Menge Derläumdungen dat Volk gegen ihn zu 
erbittern, um dadurch den 20, Junius, und den jo 
folgereihen 10. Anguft vorzubereiten. Als fie aber 
mehrere diefer Verlaͤumdungen aufgededt fahen, und 
mehrere der von ihnen angewandten Mittel fehlge— 
ſchlagen waren; fo faßten drei der eifrigiten Aafobie 
ner den Entſchluß, die gegebenen Bloͤßen durch ein 
Auffehn erregendes Ereigniß wieder zu deden, und 
ihre Partei in der Meinung des Molfs wieder zu 
heben. „Chabot, Bazier und Guaſdet zogen 
unter fich das Loos, wer von ihnen fih von 
den beiden andern tödten laffen follte, das 
mit der Verdacht der Ermordung auf den König ges 
waͤlzt, der Kopf des Ermordeten auf einer Pike dem 
Volke gejeigt werden, und gegen den Hof jum Be 
roeife einer Anklage auf Meuchelmord dienen fönnte, 
Das Loos traf Chabot. Das feltfame Vorhaben 
follte am Ende der Straße de Mächelle, unter den 
Mauern der — des Königs, unfern des Orts 
der Eigungen der National: Verſammlung, ausgeführt 
merden. Keine Wahrfcheinlichfeit, und Fein Mittel, 
die ar fidern, war vergejfen worden. Cha: 
bot, dem Tide getreu, begab fich Bin; allein ſey es, 
daß es eben fo gefährlich ſchien, das Beifpiel zu bes 
folgen, als es zu geben, oder fen es, daß es den beis 
den Mitverfhwornen an Kraft zur Ausführung ge 
brach, — fie blieben aus, Was für einen Zwed 4 
ſolche Menſchen auch haͤtten vorſetzen moͤgen, — ſie 
mußten ihn erreichen.“ 


Au welch einer Menge pfochelogifcher Fragen und 
Unterfuchungen konnte diefe Anekdote Neranlajlung 
eben, und aus welchem Gefichtspunfte follte dae 

rhaben bei diefen drei Männern wohl angejehen 
werden mülfen? Die Entwickelung könnte intereſſant 
ſeyn; fie gehört aber nicht hierher, D. 8 


— 220 — 


Riht-politifhe Zeitung. Nro. 4. 


Aus Petersburg. 
Dei 24. Auguſt 1804. 


U. dram dſiſche Bühne hat ſich wieder durch einige vor⸗ 
ugliche Dritglieder verſtartt, woruuter Herr uud Mad. ces 
ausgezeichneten Beifall erhalten haben. Auf dem Deutchen 
Theater debutirten bis jegt: Demoiſelle Löwe von dem 
Theater Ihres Vaters gu Et. Georzen in Hamburg, Dem, 
Bander aus Sannover, Hr. Hanndus aus Wien und Hr. 
e cdıuls auch von der Loweſchen Gerelihart in Hamburg, — 
Yu mawen Roten iſt der Beifall den Dem. Lowe erhält, 
sröker als im ſentimentalen oder heroifden wie Sidonia, 
worm fie uerſt auftrat. Sie iſt eine burbfche Figur, hat ein 
diemich angenehmes Organ und viele Anlagen, Ihr Epic ik 
maruriich, wur bis jetzt noch nicht ausgebilder, — Dem Sam 
der ut dm eigentlieſten Ginne bes Wortes eine Anfangerim 
und mit der Buhne bis jetzt moch durchaus wnbefannt. Cie 
bar cine Remlich miedlihe Stimme, aber weder ſtart noch von 
umfang, am wenlaften gebive. — br Hunuiws if em 
gang braver Komiker für die Over. Er trat mer im Epiegel 
von Arkadien als Metallso auf. Sein Gefang iſt ungleich 
beſſer als Gteinsbergs, jem viel bat aber nicht die Ge— 
wandsber, wodurch vier Schauſprelet feine zuweilen etwas 
unanſtandigen Kebertreibungen vergeſſen magtt. Auch Hr. Hum 
nius dit von Lietertreibungen nicht frei, und er ußert zugleich 
nicht even dem feinſten Geſchmack. Er wurde aufgefordert, eine 
Yrrse noch eimmad zu wiederholen, und jegt brachte er cine Paro⸗ 
die am, die im eriten Theile mit einer unſchidlichen Geiticulas 
tion begleiter wur, und im jwerten eine — ich wills Framjo⸗ 
Fiih nennen, so Hingr's nicht fo hart, — eine Imp — — fürs 
Publitam enchielt. Die Gallerie beluſtigte er sehr im dem 
Intermetzo: Die neue Dver, oder der Theaters Pprimsts 
pal— ein Impresıno ın anpusts, welches von bem 
Ecqculer des derubmten Hauden, AHru. Neukomm fehr artig 
neigt if. Hr. Neukomm birigirt das Orcheſter, weldes 
dent aanz neu organifirt iR und im der That alles leiter, was 
nur von einer Privar: Unternehmung verlangt werden kann. — 
Hr Schul debutirte als Sichel im Apotheter und 
Doktor, und — mihnhel durchaus. 
Den 6. Auguſt ta. Et.) 

Kor weninen Tagen gingen iu der lmternehmung dei 
Hrn, Eticinsverg nad Mostwa ab: Mad. Müller, bie 
‚ dege dir Liebling des Hiefigen Publikums, eis: Ecdaufpielerin 
Die Das Berdienſt bat, Dad fie, was fie iſt, — und fie Acht auf 
Reiner mizdrisen Stufe, — durch fid seien id: dr. Ettins 
berg als Prinipal; ein Hr. Ehmelser, der mit der Tits 
fern Geſellſchaft hierher kam, ſeirdem aber die Nuhne verlaſſen 
batte; Mad. Gebhard die bier als Sangerin bebütirte, aber 
wicht geftel, am komiſchen alten Jungrerm jedoch ein eutichebenes 
Zalent haben fol; ein Hr, Ga, Medailleur, der ehemals auf 
dem biefigen Piebimber » Theater micht bel foielte, umd mod 
mehrere unbelannte Namen, bad Ganze zehn Perionen fark, 
Ionen folgen in wenig Monatın: dr. und Mad, Linden 
Rein, Hr Hubſch mir feiner Tochter, dr. Brüd’t mit 
feiner Tochter, für die hiefige Deutſche Theaterwelt bis jetzt ber 
deutende Namen, — Mad, Dahbiberg, Hr und Mad. 
Schuler, Hr. Befhort vom "Berliner Ratiomalr Theater 
wie es beißt, und mehrere andere werden ihre Stellen erſetzen. 
Einer gewiſſen Zeitung nach, it der Verluſt der Dem. Brücd't 
bedeutend, da fie darin als bie erite Sanzerin beztichnet, umd 
wohl gar einer Philtid Andrieur, Bertin um Mon- 
garutse’r vorgtzozen wird, Wir ſchamen und bier warlich 
tem wir ſolche Urthelle leſen, denn was für eine Borftellung 
ma ſich mir das Ausland vom dem Zuſtand unſrer Buhnen 
und unfers Geſchmacks machen. Im Mamen des ganſen Publis 
tums proteire ich Dagegen jeierlich — Dem. Brüudrt in 
hier augemein anerfannt für eine mittelmakige Gangerin, und 
fur eime nod weit mittehmafigere Gchaufpiclerin. Zwar an 


&argirtem Obeberdenfpiel — um er nicht Grimaſſe zu nennen, — 
fehle es iur durchaus nicht. Sie bat, wie der Freimuthige 
ehemals sche richtig bemerfte, Aktion für alle ihre Mitſchau—⸗ 
foieler; ihre Stimme hat Umiana und Etärke, allenialis auch 
Geidimeidigfeit, allein ihre Coloraturen find verworren, eimen 
Triller vermag fie durchaus nicht zu ſchlagen; ihr Geſang wird oft 
rehchend umd ift oft falſch; eime eigentliche Vravourarie tt fie 
Durdiaad wicht im Stande auszufuhren. — Es time wehe ein 
foiches Urtheil — das hibrigens der frengften Wahrheit aemas 
IR, — außuftellen ; warum aber weckt Die Pofaune grober Echmeiches 
dei Die Kritit. aus dem Ehlummer: An wem es eigentlich liegt, 
daß die hervorſtechenden Talente des armen Kindes nicht beifer aus⸗ 
nebslder werden, mag folgende Aneldore beweifen, die hier allgemein 
betannt if, und deren Wahrheit man verburgen fann: Als Dem. 
Brick’! Hier zum erſtenmale auftrat, machte fich ber damalige 
Krieges : Gouverneur, der General der Infanterie Hr. d. 8. eim 
Kenner und Licdhaber der Kun, ein Vergnügen daraus, eim ſo vor 
älaliches Talent zu unteriugen umb ber dem Vater am, der Tochter 
auf feine Koften von dr Magiorletti, eber einem andern ber 
ruhmten Meifter, Untereichtgeben au laſſen. Der Bater harte die 
Beſcheidenheit Ge. Erceltens zu ſragen, ob dieſe Wirtuoien etwa bei 
deiner Tochter Unterricht nehmen wohten? — Mei der jegigen Page 
der Sachen joll er far fich und seine Tochter 7000 Rubel, namlich 
beicheiden für lich 4000, umd fur feine Tochter 30090 Nubel. gefors 
dert haben, welches die Direktion gut tbeuer gefunden hat, fur eine 
mittelmaßige Cängerin und fir einen man erirten Echaufoieler, fb 
brauchbar aibrigens auch beide ſeyn mögen, — Bedeutender if 
Pindenfeins und Hubfdend Abgang. — Da num ber 
größte Theil der bisherigen Gefelihaft Petersburg verlaßt, ie er⸗ 
Helle daraus, ba wir bald neue Mitglieder ju erwarten haben, und 
wir iehen der Hoffnung, dat cs nicht lauter Aufanger (com werden. 

Heute wird hr. Hrreiio, ber vor wenigen Tagen einge 
troffen it, als Rolla, in ber SGonneniungfram auſtreten. 

(Die Fortiegung ſolgt.) 
Wien, den 5. September 1804. 


Hoftheater 


Von dem Neuen, welches wir feit einiaer Belt auf dem Hoftbeater 
geſehen haden, int das Meifte ſehr unbedeutend. So hat Gannend 
bie oft gebrauchte Idee eines ztrriſſenen Brieſes (der auch dem 
Stucke un Namen giebt,) in ein Ecdaufbiel verarbeitet, deſſen 
Anotea ſich dadurch ſchurzt und Iöht, daß ein Theil des Briefes 
fon einen Sing giebt, der von dem wahren jehe verſchieden if. 
Eben fo il ein neues Edaniviel: Bartin und Geltebte, ſehr mihr 
tungen, Gin Itatieniicher Orar bat heimlich im der Edhweig eine 
Wiaterstochter gtheirathet, werlaft fie aber im der Folge, um fick 
im ſeinen Geburtsorte mit der foterten Grafin Allegretti am vor 
binden, Marie folgt dem Garten mit ihrem Water, und weil bie 
Adearerti als eine SHitmlidrerin entlaror wird, lehrt der Graf ım 
feiner erſten Biebe zuruckt. Es lohnt die Muhe nicht, die Armielig⸗ 
keit Ber Handlung, Die auserſt ſchwache und unfichere Zeichnung der 
Charattere, ausfihrlich au seraliederm, mur dringt fich Die Bemer— 
tung unwiderſteltlich auf, daß Ber Berfaffer 1) Italientſche Sit⸗ 
tem ſchildern woltte, umd ſtatt die wilde glühende Sinulichteit 
und Libenstrait dieſer Nation anſchaulich zu machen, durd ein ſeht 
übel angebradres Giftaaſchchen, einen Pilteienihun, umd einen 
Mandiren ieme Abſicht zu erreichem ſuchte, weiches denm mit dem 
Baltın Wankel aiuth des Grafen und dem weinerlichen Charalter 
Mariens, einen ſehr ſonderbaren Kontraſt bilder. Eine neue Oper 
aus dem Franpdfiichen: die Verweaneluugen, mit Mufit von Ni⸗ 
«olo, wurde kalt aufgenommen. Zmei Diebbaber fommen vertieider 
in das Hans rer Geliebten, der eime macht ſogar feinen Neben: 


buhler zum Vertrauten fei es Geheimniſſes, bis deun eim gluckti⸗ 


cher Auszang alles sum Veſten eñt cheidet. 

Ein neuer Jtatienifher Tenoriit Britzi, ein Bruder des be 
fannten Sangers bei unjermm Hoftheater, hat in einer neuen Oper 
von Zioravante: Die Sängerinnen auf dem Bande, siemlich gefal⸗ 
Ten. Eeime Stimme ift rein und angenehm, aber etwas ſchwach. 

(Die Fortiigung folgt.) 


— ——t — —  — 


1804. 


Nro 186. 





Der freimüthise 


Montag, 


E rn f 


Kunſtnachricht. 


Indiſche Grottentempel, im 24 Auſichten, von 
Thomas Daniell. 


An den Herausgeber, 


Va wurde mir fein fo vergnüglicher, vielfach bes 
leh:er der und anziehender Anblick zu Theil, als durch 
die Befihauung eines ganz neu aus England ange: 
tommenen Kupferwerfrs, das ein waderer Britte 
einem Deutfhen Freunde zum Geſchenk mitgebracht 
hatte, Melche neue Welten fchließen uns dieſe Eng: 
lifche Kaufmanns: Kriege in Suͤd-Aſien auf! O waͤ— 
ren diefe herrliche Zeichnungen Indiſcher Anſichten 
das Einzige, was fie aus jener Wiege des Menſchen— 
geſchlechts zu uns braͤchten! Sie haben gewiß ſchon 
von den Views of India des trefflihen Malers 
und Aquatintafünftiers, Thomas Daniells, gehört, 
ber, einft felbft in jenen Climaten einbeimifh, ung 
durch den Zauber feiner Zeichnungen und Farbenab⸗ 
drüde, Indifche Luft und Indiſche Erde wiederjuges 
ben verſteht. Meiche Liebhaber befisen auch außer 
England fon an 70 Blätter von diefer Sammlung, 
die man nicht fatt wird, anzuſchauen. Den erſten 
Juny diefes Jahres hat dieſer Zauberer in Formen 
und Farbe, *) ein neues Merk ausgegeben, welches 

*) Man muh ibn von feinem Namensgenofen William 
Damielid genau unterſcheiden. Auch bieier iſt Proſpettmaler 
und Auvferſtecher, erreicht aber den Thomas Daniells keintswe⸗ 


ges. in der Mettigkeit umd Bolltommenbeit ber Aamatintas Years 
beitung. Bon Willtam if fo ebem ein Proſpett des Befechted, 





— lt — — 


und 


den 17. September, 


ei 


als eine Fortfegung der frühern Blätter angefehen 
werden fann, aber auch ein für ſich allein befichen: 
des Ganze ausmacht. Der Baronet Eir Charles 
Warren Malet, der zuleßt Englifher Reſident beim 
Durbar zu Poonah geweſen ift, hatte in dem vor zwei 
Jahren in Kalcutte erfchienenen fechstem Theil der 
Asiatic Researches, oder Societaͤtsſchriften der Brit⸗ 
tifchen Gefellihaft zu Lalcutta, eine intereffante Nach: 
richt von den Grottentempeln zu Ellora, odnmweit Auruns 
gabad, einige hundert Meilen von Bombay, mitges 
theilt, und diefe Nachricht mit Zeichnungen begieitet, 
die ein Indifher Maler an Ort und Stelle für Hrn. 
Mealet gemacht hatte, nach deſſen Tode fie im die 
Hände des Herausgebers kamen. Schon jene Mach: 
richt mußte die Meugierde über diefe ungeheuren Aus: 
böblungen und Grotten, die man bis jeßt noch faft 
gar nicht gebannt hatte, im hohen Grade reizen. 
Allein die nach jenen Zeichnungen gemachten Kupfer: 
fie, find menig geeignet, uns angemejfene Vor— 
ftellungen von diefen bewundernswürdigen halbunter⸗ 
Irdifchen Begräbniß + und Tempelgrotten zu geben, 
deren Ausarbeitung in der dunkelſten Vorwelt bins 
auffteigt, und allen unfern Kunſtgeſchichten und Zeit: 
rechnungen den empfindlichften Hohn ſpricht, weil 
unfre gewöhnlichen Hypotheſen dadurch gar böslich 
ins Gedränge fommen. est hat: Daniells weit ges 
nauere Zeichnungen zum Grunde gelegt, und auf 24 





in der Etrafe von Malacca, worin 7 die Engliſche Chinas 
flotte fo tavier durch des Admiral Linois Gerchwade ſchlug, 
auf Eubitriprion. von zwei Guincen angefündigt worden. 


— 222 — 


Blaͤtter iu Roeyalfollo dieſe Indiſche Grotten-⸗ und 
Tempelwelt uns gar wunderbarlich aufgeſchloſſen. Die 
erfien drei Blätter können aneinander gefuͤgt wer⸗ 
den, und geben eine impofante Ueberſicht aller Grot⸗ 
ten im Gebirge Ellora, welche denn in den folgens 
den Blättern einzeln durchgenommen werden. Mit 
einer Art heiligen Echauers erblidt man diefe Denke 
mäler einer frühern Menſchengeſchichte, lange vor 
unſern noch ganz jugendlichen Zeitrechnungen, Die 
ganze untergrabene und ausgehöhlte Glebirgsfette, 
Bat etwas fo Großes und fremdes, daß man durch 
Geerei in die WWunderregionen der Taufend und eine 
Nacht verzaubert zu feyn glaubt. Zwei große Waf 
ferfälle (ließen dies Keich der Schatten und Orots 
ten gleihfam in ihre Mitte. Terraffenmäßig aufge: 
thuͤrmt, fieht man die gaͤhnenden Gewölbe und Saͤu⸗ 
lengänge. Und nur die einzelnen. Tempel und Girots 
ten bes Jagannatha, (Herr des Meltalls) des ns 
dro (Himmelstönige) u. ſ. w. mit zwei bis drei 
Etodwerfen übereinander, wovon aber das oberſte 
erfte horizontal, mit dem obern Bergruͤcken läuft! Die 
majeſtaͤtiſchen Colennaden mit Tapitälen aus fotos: 
blumen, Cocssnüffen und der ganzen großen Indi— 
fhen Degetation, mit geriefelten, von oben und uns 
ten bauchicht anſchwellenden Echäften, mit den zier⸗ 
lichften, ſchlankeſten Reliefs und Figuren am Fußge 
fell; die unermeßlichen feinernen Deden, mit farbige 
ten Tedengemälden; die Friefen mit ganzen Proceſ⸗ 
fionen, Elepbantenjagden u. fi w. Die Wände mit 
Heiligen Eagen und Myſterien verziert! meld ein 
Schatz für die Mythen⸗ und Kunftgefchichte der 
graueften Vorwelt. Der beillge Elephant, in wie 
viel Seftalten und Ummandlungen erfcheint er uns 
bier! Bald ſteht er allein als Tempelhuͤther, oder 


um. die Seele eines erlauchten Derfiorbenen auf ſei— 


nen Rüden zu nehmen, wie dort der Adler bei ber 
Roͤmiſchen Apotheofe den vergötterten Imperator auf 
feinen: Flügeln davon trug. Bald fliehen fechs bie 
acht Elephanten, die Hinterfüße alle einander zuges 
ehrt im: Kreife, und tragen auf ihren breiten Rüden 
ganze Tempel, Eulen mit Figuren gefhmädt, und 
eben mit einem fleinernen Grabbehälter verfehen, 
Faſt alle Thier » Hierogigphen von Perfepolis, und 
die Mann: und Meibfphinge von Egupten, finden: 
fi; ſchon in: ihren moftifhen Prototypen und Urge 
alten. Es muß fehr merkwürdige Parelleien geben; 
diefe- Reliefs, Eäulenfnäufe und Verzierungen mit 
den: alten: Tempeln zu Dendera und in- Oberegppten 
tergleichen,, mie fie uns Denen vorläufig in feis 
ner Befchreibung gegeben hat, und das Egyptiſche 
Natienalinflitut in. dem Prachtwerke, das in Paris 
feiner Vollendung entgegenreift, no weit ausführs 


licher darftellen wird, Schon der erſte Blick zeigt 
bie unverfennbare Familienähnlichkeit in beiderlei Mo⸗ 
aumenten, Mur ift bei den Egyptern alles jünger, 
und nach verjüngersem Maaßfſtabe. Einige Tafeln 
find ganz befonders groß durch den Gedanken, der 
felbft in diefen Schattenriffen zertruͤmmerter Ruinen 
nicht ganz vermifcht werden konnte. Dahin gehört 


, auf der zehnten Tafel der Jurmalfa, oder die Braut 


gemächer, Die Höhe der Vorhalle, oder die De 
rondab if bier 16 Fuß. Die innnern Tempel wer: 
den immer niedriger, und fo hat au bier der ins 
nere Tempel nur 13 Fuß Höhe. An der Dede einer 
daran floßenden Halle ift Surga, oder die Eonne 
auf ihrem Wagen mit fieben Pferden befpannt, 
auegehauen, Diefe Halle hat 8o Fuß Länge, und 
30 Fuß in der Breite. Auf den Piedejtal fehlt das 
Bild des Gottes, aber zmei gigantifhe Figuren, 
Dwara : Pola, oder Thürhüter genannt, bewachen 
auf beiden Eeiten den Eingang. In den Kames: 
mwara, oder Tempel des Rama, find die erhalten 
ſten Wandreliefs, unter andern. Mahe : Dewa und 
Parwati, die im Schach mit einander fpielen, und 
Marad, ihnen zwiſchen den Füßen ſitzend. Doch ich 
würde nicht fertig werden, Ihnen alle dieſe Wun—⸗ 
der vorzuerjäßlen, die fie in einer befondern gedruck⸗ 
ten Befreibung, die dazu aufgegeben worden, lefen 
kbnnen. Das größte Wunderwerk unter allen, was 
auch im Kupferfiich wunderbar ergreift und feftkätt, 
it Tafel XII der Eingang in tie Kallaſa, oder in 
das Paradies der Götter, Da it Stockwerk auf 
Stockwerk gerhärmt. Gleich oben Über dem Haupt 
eingang iſt die Gallerie der Muſik, die durch Eäu: 
len unterjlüßt wird, die eine frappante Achntichkeie 
mit der Dorijhen Ordnung haben. Bon dein pyra⸗ 
midalifchen. Haupt =» Tempel, fagt die Beichreibung 
mit Recht: jeder Verſuch einer Wefchreibung gebt 
betteln. (it beggurs all description.) Und dies 
alles iſt in den bärteften rohen Granit, mit un: 
glaublicher Genauigkeit und Eymmetrie bineingear: 
beitet, Welche unermeßlihe Geduld und Anftren: 
gung, aber auch weiche Fortſchritte in der Mechanik 
und DBildnerei fegt dies alles voraus. Freilich gab 
die Natur dort das Fifenhel (Iron Wood) zur 
Derfertigung unverwuͤſtlicher Werfjeuge. Aber man 
mag es betrachten, fo oft man will, man verwirrt 
fid immer tiefer in den Irgaͤngen des Raͤth— 
ſels. Dies Werk, wobei in einem eigenen Hefte in 
Elein Folio auch noch fehs Blätter Plane und Auf 
riffe gegeben werden, Eoftet in Kondon ſelbſt zo Sul: 
men, und dürfte daher wohl nicht allzu häufig nach 
Deutſchland kommen. Um fo mehr wäre es zu wuͤn⸗ 
fen daß eine Akademie der Baufunfi, wie die Ih— 


= 223 = 


rige in Berlin ift, der ja wohl. die Fonds zu Anſchaf⸗ 
fung einer fo lehrreichen Augenweide nicht fehten 
tönnen, diefe Blätter durch Vergleichungen mit den 
fon vorhandenen Nachrichten und Zeichnungen 
Indiſcher Grotten und Ruinen kritiſch beurtheilen, 
fie dann gemeinſchaftlich wieder in Parallel mit 
den neuerlich in Cgypten entdediten Eäulen: Drdnuns 
gen, riefen und Tempelruinen, ftellte, und am Ende 
die Reſultate mit den unentbehrlichften Kupferſtichen 
dazu, In gedrängter Kürze befannt machte. Freilich 
wird darnach weder ein Theater noch eine Münze 
gebauet, weder ein Bohlendach gelegt, noch in Pife 
oder Lehmpatzen gemauert werden. Allein beten wir 
denn im Materunfer blos ums tägliche Brod? Eoll 
nicht auch das Reich der Wahrheit und Schoͤnheit 
aus allen Zeitaltern und Erdgürteln gefördert werden, 
damit «8 auch zu uns komme und Wohnung bei uns 


? 
* B. 


Baris, im Auguſt, 1501. 


Pas mich bier am meiften amafiet, find die mans 
nigfaltigen Epiele, die die Parifer überall treiben, 
In den champs elyses und überall wohin man 
kommt, wimmelt alles von fröhlicher Thätigkeit. Tas 
bad raucht niemand, aber es ijt auch micht leicht eis 
ner, der nicht irgend ein Epiel treibe, oder als Zus 
ſchauer daran Theil nehme. Ballonfpiel, Federball 
auf vielerlel Art, eine Art den kleinen Ball horizon⸗ 
tal zu ſchlagen, wozu befondere Plaͤtze eingeräumt find, 
die rund herum mit Stühlen für die Zuſchauer vers 
feben find, Ruͤbchenſchaben, alleriey Arten von Stoß— 
bahnen, das Werfen großer Kugeln, eine auf die 
andre, wie eine Art Billard, eine Art Regelfpiel mit 
einer großen diden höhzernen Scheibe, ſtatt der Ku: 
gel, die im Kreife uniberläuft, und fo die Kegel um: 
wirft, wozu feine kange Kegelbahn erforderlich iſt, 
das Werfen einzeiner Geldſtuͤcke auf ein Brett mit 
Loͤchern, mo es hernach unten in Fächer fälle, und 
darnach es fällt, gewonnen oder verlohren ift, das 
Werfen eines Stuͤckes Stahl nach einer großen eifers 
nen Kugel, wo jedesmal ein gemaltiger Schuß los 
brennt, wenn der rechte Fleck getroffen wird, alke 
Arten Karoujfel, und wer nennt die Epiele alle, 
die die Dolfsmenge in einem unaufhörlihen Jubel 
und ewigen Gewimmel erhalten, find für den Frem⸗ 
den wirklich ein intereffantes und nie gefehenes 
Echaufpiel. Dazu fommen nun Epringer, Karten: 
leger, Leute die abgerichtete Hunde, ja abgerichtete 
Efel Haben, Marionettenfpieler, Eilhouettenaus: 
ſchneider u. f. w. die fi überall zwifchen dem Voife 
umbertreiben, und durch mancherlei Spaͤße ewiges 


Gelächter erregen. Das intereffantefte Schauſpiet 
für mi, mas ich in Berlin nachgeahmt wuͤnſchte, 
find die Tänze im Freien. Bei uns verliert der 
Reiz des Tanzes viel, durch die eingefchloffene Luft 
in den Ballfälen; bier tanzt das junge Volk unter 
dem geftiraten Himmel, und Sie glauben nicht, mie 
das fhön if. An diefem Vergnuͤgen nehmen alle 
Etände Theil, in den champs elyses die geringere 
Klaffe, und an andern Orten, wo ber blöße Eintritt 
ſchon theuer ift, die gebildetere. Mit der Erleuche 
tung ift man hier verſchwenderiſch, alles mit Argan: 
tifchen Lampen, und nun denken Sie fich in einem 
fhönen Garten, auf einem großen gedielten Plake, 
das Orcheſter hoch zwifhen Bäumen, bei einer Er— 
leuchtung, die die Augen biendet, einen glänzenden 
Ball, mo die Tänzer in der reinen Abendluft noch 
einmal fo frifch und flin® find, wo man feinen 
Etaub empfindet, und mo überall das grüne Laub 
zwiſchen· ber Menge großer Laternen hervorblidt, und 
wenn man in die Höhe fieht, die Sternlein über 
einem funfeln, und Sie werden geſtehn, daß man 
auf einem folhen Balle frober feyn fann, als auf 
den unfrigen. &o menig ich mit der Zrimmung 
aus Berlin reifete, der Bewunderer des fchönen Ges 
ſchlechts zu ſeyn, fo würde ich doch ungerecht fen, 
wenn ich nicht fagte, dab das hiefige Frauenzimmer 
ſchoͤn if. Schoͤne Figuren fieht man befonders fehr 
häufig; ihr Anftand, ihre Bewegungen haben vor 
den Derlinerinnen große Vorzuͤge, und wenn fie 
tanzen, ift jeder in Gefahr, deffen Herz leicht Geuer 
fängt. 


Anekdote. 


Ein Geiſtlicher in 8, predigte vor einigen Jahren 
über die menfchlichen Empfindungen. Im erfien 
Theile handelte er von dem Meide, und im zweiten, 
mie Thriften gegen einander empfinden follen. Der 
Meid führte ihn auch auf die Rachſucht und zu fok 
gender Ermahnungs Raͤcht Euch nicht, meine Zus 
börer, fondern folge dem Beifpiele des frommen 
Abel. Diefer, als ihm fein Bruder tode geſchlagen 
roch fich nicht, eingeden? der Worte feines Erloͤſers: 
Liebet eure Feinde, frgnet, die euch fluchen, u. ſ. w. 

Derfelbe Geiſtliche predigte ein andermal: über 
den Nutzen der Glädfeligfeit. 


Der Plauderen 
hr wundert euch, dag Aſtrot immer foricht? 
was ſon er anders? Denten kann cr nicht. 

Ueber den Raub eines Diploms. 


uh' ibm ward geraubt, auf bad er alled baut: 
Ehre, Glam und Ruhm, — kur feine — Eitishaut, 


- 


_— 224 — 


Nicht- 
Aus Petersburg. 
Den 6. Auguſt (a. St.) 


cFortſetzung.⸗ 


€, it ein meued Cenſur-Reglement von ber Committde für 
die Voldauiklärung entworien, aber nidt fir eimtommenbe War 
der, fondern fie die Schriſten, bie im Lande felbit gedruckt 
werden. Mod dit es mich öffentlich erichienen, mau theilt es 
aber ſchon in Abichriiten mit, Nah Nieranders erhabener 
Dentart, wird es acwiß nur die Prehfrechbeit, aber grwin micht 
eine anflindige Presfreibeit beihränten, umd dies iſt in der 
That nothwendig, da das biefige Deutſche Unterbaltungsblätt, 
weidyes beilaufig geſagt, feinem Namen ſehr wenig entipricht, 
ſich unlängst erpreittete, vine Familtenaugelegenbeit, welde mach 
vielfältiger Unterruchlung von dem oberiten Gerichtebehorden emts 
fchieden war, mit Bereichnung der Perſonen durch die Anjangss 
buchſtaben umd Vornamen, mit der gthaſgſten Darſtellung wis 
der dem, zu deſſen Gunſten die Entſcheidung aufgefallen war, 
aufnehmen, weldes dem Herausgeber matiirlich eine ernſt⸗ 
bafte Rüge upog. Wie wenig übrigens bie Rede davon iſt, 
eine heilfame Denker und Wreüfreibeit zu unterdruden, davon 
deugt das vortregliche und eigentiich oficiene Journal der im: 
nern Gtaateverwaltung, weides ſeibſt unter der Aufſicht des 
erleuchteten Minifters des Innern, des Herrn von Kot 
haben Ereellens, eriheint, und worin eine Offenheit bereicht, 
welſche den Hiberalen Grundſatzen der jepigen begludenden Re— 
sierung, fo fchr zur Ehre gereicht. 


Auf den Innern Rafiihen Mniverfitäten, In Mokkau, Chat 
tow, Wllns, 4. B. mitten die Wrofetoren ibre Coltegta in Ins 
telniſcher Sorache leſen, da die Deutſche unter den Eingebore 
nen bei weitem nicht ſo kultwirt id, dam fie einen zuſammen ⸗ 
hangenden Vortrag darin verdehen fonnten. Dies ſetzt nun 
die neuangekommenen Proſeſoren nicht wenig im Verlegenheit, 
da die jimgern Deutſchen Gelehrten des Latelns zum mundlichen 
Vortrage ſelten fo ganı machtig find, 


Der TColle gienſettetair Andrejawe, ber vor 17 Jahren falſch ⸗ 
tb eines Mordes beſchuldigt und ind Elend geſchieckt wurde, 
ſah ſich durch die Auſſage feines vormaligen Antlagers, dee 
Verbrechen wegen geranglich einzeſogen wurde, nach zehn Jah⸗ 
ven gerechtfertigt. Kaiſer Paul beſahl, ihm ſein konſtectetes 
Vermögen zuruckzugeben; da aber die Unterſachung und Muse 
mittelung dieſes Vermögen? ſich im die Lange Jog, und der 
ungluctliche mir feiner altem Mutter dariiber in Die duferfte 
Dürftigkeit geratben if, fo bat er von der made unſers ae 
rechten Monarchen, jegt eine Yenfion von 500 Rubel ahrlich 
erhalten, 


Edle Züge ſt irken den Glauben an Menichbeit umd em 
Wwärmen das Herz. Wer eine edle That erjaher und fie nicht 
befaunt macht, begeht einen moralischen Mord, denn eine eins 
sige That ifi oft die Mutter tauſend anderer. Die rechtſchagfent 
Witwe, welde das Zrraßenide Orchener gewann, die Frau 
Yalorin Herold, amoh von ber biefisen St. Petri Kirche, 
am welcher ihr verorbener Gatte als Predinee starb, eine Pen— 
fion. Sodald fie Die Nachricht von ihrem Glucke erhielt, gab 
fie dieſe Peuſion auf, mit der Bitte, fie einer Bedurſtigern zu⸗ 
fließen zu laſſen. Bis ige in das Kunſtweit mod nicht ver 
kauft. Man ſoricht davon, dah der Monarch es für 15000 
Rubel an ſich nihmen warde, und dag die Eigenthimerin ibn 
felut um diese Guade gebeten babe, 


Unfre Stadt beſitzt beträchtliche Kunficdäge. Bei ben häur 
figen Reiſen unſerer reiben Großen, die gemeiniglich geſchunace 
vol: Kenner der Künſte find, kann Das nicht fehlen, dag nicht 
jahrlich ein bedeutender Zuwachs am Kunſtachen und Alter-bit: 
mern Statt finden ſotite. Anfer dem unſchatzbaren em ide 
und Autiquitaten · Gammlungen der Kalferfichen Eremitage, icıdhr 


politifhe Zeitung. Nro 44. 


men ſich barin die Palläſte des Präſiden en der Afabenie der 
xünte, Grafen Strogumoff und des chemaligen Grand- 
möäitre de plasıers, Fürſten Juffuvorff, aus, der ſich fange 
in Italien amigehalten bat, — Die antiquariidıe Peiie bei 
berühmten Untiquars, Tolegienrams Köhler, Aufichers der 
Kunkibage Der Eremitage, mad der Krimm, wird dieſe Schae 
gewiä bedeutend vermehren. Es find bereits mehrere Altertbur 
mer von ihm eingefandt worden. Gr hat auch einen geſchich⸗ 
ten Zeichner und Water in feiner Begleitung. 


Bonaparte und das Franzöſiſche Volt if hier 
mit Begierde geleſen worden. Was wird denn jetzt ber ber 
rirhmte Verfaſſer der Bemerkungen über Gegentande der os 
ral, Volitit m. ſ. w, über dieſen Gegenſtand urtheilen ? 


Here Dr. Shomieder ik bis jeht noch wicht Regiſſtur 
des Deutſchen Theaters, 


Here Steinsberg erhält jur Unterſühung feiner Eite 
treorife in Mottwa 10,000 Rubel von einem dortigen reichen 
Nu ſiſchen Privatmann. Zweima dm der Woche wird er auf 
dem großen Theater foielen, und jomii gewöhnlich in dem Hause 
theater des Gurten Wolchonsto, wo er bei ſeinem kurzen 
Auienthalte in Mostwa wahrend der dirsiahrigen Fasten mit 
der Madame Kafka einise Intermeo's aab, die ihm fur 
feine Perſon einen weinen Ueberihuß von 30909 Nudel gewährt 
haben, Dies Iegtere Theater bat er ganf frei, Madame 
Karrta war eigentlich mit zur Eutrebriſe befitmmt, allein 
Herr Miré erhielt fie dem hieſigen Publito durch ein neues 
dreiiabriges Engagement von 3009 Kuba! LI — Singen — 
kann fie nicht; ſptelen — audı eben nichtz aber — fie iſt ein 
meites Weibchen, ımam may fie wohl Iriden. Die Entrepriſe 
des Herren Gteinsberg dh bis au den grohen Falken im 
Gedruar, alſo hochſtens auf ſechs Monat, beredinet, Uebri⸗ 
send wird dies das eciie Deutſche Theater tu Mostwa von, und 
I ſchon um driwillen mertwurdig. 


— nm. — 
“us Weimar. 


Dan 6. Geptember traf als Ruſſtſch Katſerlicher Abgeſaubter, 
der Obriſt Buliesku, bier ein, mit der ofleellen Moriikar 
tion des Nufiichen Hores von der Vermiblung der Grosriteltin 
Maria, mit dem Erborimien von Eadıien Weimar. Dem ter 
gierzuden Herrog uberbrachte er bie drei arogen Nufliiden Or 
ben mit Eolitars reich verziert, und der Herzosin Frau Mute 
ter den Eargarinen Stern and reichen Brillanten zuſammengefett. 
Zwar brachte er von der Antunft des hoben Eheraars ſeita 
noch keine gam beriimmte Nachricht; wir wiſſen aber, das wir 
daſelbe noch vor Ende Okobers erwarten dürfen. — Die Weis 
marste Ebamibiclergereilichart it diesmal nicht, wie font im⸗ 
mer, vom Lauchſtadter Bade noch nadı Rudolstadt gegangen, 
fondern unmittelbar mach Weimar zurückgetehrt. Sie wird 
den 22., mie es heilt, Das Theater bier mit Gat hes gan 
umgearbeitetem Goͤz von Berlichingen erösnnen Vom jweiten 
Theit Der naturlichen Tochter verlautet noch nichts im Publi— 
tum. 

Schiller it von Jena, wo er ſehr gefahrlich krank 
mar, nach Weimar zuruckgetehrt, aber noch immer ſehr ſchwach 
und zu allen, was angeitreugteres Studium erſordert, noch 
immer viel an abanpınnt. — 


Ein innger Funſtler, Ferdinand Jagemann, Bru— 
ber der talentreichen Demoiſeile Jagemann, dt mit eimigen 
meifterbarten Copien, worumter die Madonna von Foligno dh 
beſouders auszeichuet, aus Waris aurudgelommen, umd bericde 
tigt zu ungemeinen (Erwartungen Man giaubt, er werde 
nadırımd eine Meife nach Jtalien antreten. 

Unſere Kunftausdeltung, von weider wir diesmal nr 
viel Gutes erwarten, in noch nicht erögser. 


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1804. 


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Der Ste 


Dienftag, 


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6. 
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und 


Nro. 187. 





üthige 
den 18. September, 


Sherry, 


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— — oder —— 





Literatur. 


Gedichte von Carl Guftan von Brinfmann. Erſtes 
Bändchen. Berlin, bei Sander, 1804. 


Van ber Freude eines Vaillant, wenn er nad 
langer Wanderung durch traurige &teppen, am 
Rande eines einfamen Quelle gang unerwartet lieb: 
lihe Blumen antraf, kann fi niemand eine fo leb- 
bafte Borftellung machen, als ein Kecenfent, dem in 
unferen fterilen Zeiten endlich einmal eine Sammlung 
guter Gedichte in die Hand fällt, Kerr von Brink: 
mann bat mir diefe Freude gemacht. Zwar ift es Fein 
Straus von feltenen Blumen, die uns biefigen San: 
des noch unbefannt waͤren, was er dem Publifum 
anbietet: es find Veilchen, Copreffen und einige 
Roſen, — alle aber find frifh und duften lieblich; 
alfo auch daflır gebührt ihm unfer Dank um fo mehr, 
da wir ung bisher größtentheils mit jenem verwelk⸗ 
ten Unfraute aus dem neuäftberifchen Pot: pourri 
haben begnügen muͤſſen. Unfiguͤrlich und eigentlich 
ju reden: Herrn von Brinfmanns Gedichte charak. 
terifiren ſich weder dur Originalität noch durch 
hohen lyriſchen Schwung; fie enthalten jedoch gute 
Gedanken, ſprechen ſchoͤne, jarte Empfindungen aus, 
und find fapt durchgängig, was Äußere Form betrifft, 
mit größerer Sorgfalt ausgearbeitet und gefeilt, als 
dies in der Kegel zu geichehn pflegt. 

Als Frontifpice der Sammlung findet man hier 
juerft, auf einem befonderen Bogen abgedrudt, ein 


Gedicht an Goͤthe, das mehr eine Apotheoſe, als 
eine Dedifation zu fein feine. Es iſt in fehr wohl⸗ 
flingenden, größtentheils gut gebauten Stangen vers 
faßt, und bat mehrere ſchoͤne Stellen, im Ganjen 
jedoch den Fehler, zu viel müßige Malerei und mit: 
unter etwas zu flarfe Hyperbeln zu enthalten. Der 
Schluß lautet folgendermaßen: 

„ Blorreicher dann (in der Zukunft) am Hinimel malter, 

\ SGothe, 

Dein Hebveros und nie vergalimmend leiht 
Er © feinen Ruhm, bentidet und bewundert, 
Zum Etrablentran; dem fintendem Jahrhundert, — . 


Hierauf folgen drei Buͤcher Elegien, die wirklich 
den Geiſt dieſer Dichtungsart athmen: — füße 
Schwermuth, flille befeidene Freude und überhaupt 
jedes mildere Gefühl, das fih fo gern in Worte erz. 
gießt und daher bisweilen im Redſeligkeit ausartet, 
Wortmalerei und etwas Gefchwägigfeit gehört mit 
zum Charafter der Elegie; allein deflo forgfältiger 
muß fi der Dichter hüten, Hier des Guten zu viel 
zu thun, fonft wird er matt und langweilig. Nice 
immer ift es Herrn von Brinkmann gelungen, dies 
fen Fehler zu vermeiden, Gleich Die erſte Zueignungs« 
Elegie wärde gewonnen haben, hätte ſich der Verf, 
entichloffen, die 6 erften Diſtichen megjuftreichen, 
Sie enthalten nichts, als Züge, die weiterhin noch 
einmal vorfommen und dienen blos dazu, den tdirk 
lich geiftreihen Gedanken zu verwaͤſſern. Dagegen 
findet man weiterhin andere, die zwar noch nice 
ganz tadellos find, zuverläffig aber mit zu dem 


— 226 — 


Veſten gehören, was wir in dieſer Gattung beſitzen. 
Ah wuͤnſchte, Herr v. B. hätte nicht alle feine Cle— 
gien im fogenannten elegifhen Epibenmaaße vers 
faßt. Herameter und Pentameter ſchicken ſich zwar 
fehr gut für den Ausdruck einiger Gefühle, doch 
nicht aller, Beſſer wäre es geweſen, wenn er für 
jedes einzelne Gedicht ein paffendes Iyrifhes Me 
trum gewählt hätte, dann wuͤrde fie die Tonfunft 
mit neuen Reizen haben ſchmuͤcken koͤnnen, und ich 
müßte in der That nicht, welche Gattung Gedichte 
ſich mehr für mufifalifhe Begleitung eignete, als die 
Elegie. An der Ode ift der Ideengang zu fprins 
gend für den eigentlichen Sefang, und Überhaupt koͤn⸗ 
nen faſt nur fanfte, nie heftige Empfindungen gefuns 
gen werden; diefe eignen ſich meiftentheils blos für 
recitative Behandlung. Das Gefühl eines Aüng: 
lings, dem eben feine Geliebte farb, aͤußert ſich durch 
Snterjeftionen und kurze ſtuͤrmiſche Ausbrücde; nach 
einem Jahre wird aber gewiß der Echmerz eben 
diefes Juͤnglings fehr beredt werden und er wird 
gar wohl fühig fein, an ihrem Grabe zu — fingen, 


Mach den Elegien folgen drei Bücher Einnge: 
dichte, die der Merfajfer ganı ohne Mech mit dem 
abentheuerlihen Namen Arabreefen belegt, weil 
er glaubt, ihr Anhalt und Charakter entpreche dem 
modernen Begriff vom Epigramme nicht. Das fann 
ich ihm aber micht zugeben. Jeder einzelne artige 
Gedanke, metrifch eingekleidet, er braucht grade nicht 
witzig zu fein, heiße auch jekt noch ein Einngedicht: 
videantur mehrere Erigramme von Pfeffel und faft alle 
von Goͤthe. In denen des leßteren Dichters, die er 
zu Denedig verfertigte, iſt von einem Stachel durdans 
nichts wahrzunehmen; fie gefallen keineewegs durch 
ig, fondern um anderer Eigenfhaften willen ihren. 
Derehrern, wie fartfam befannt, und doch machte 
ihnen bis jeßt noch niemand ihren Namen ſtreitig. — 
Hrn. v. B's Siungedichte, 300 an der Zahl, find fehr 
gehaltvoll. Ich rathe indeß den Lefern, es mit ihnen 
zu machen, wie mit den Morgen: und Abendandach: 
ten auf jeden Tag im Jahr, und, mit Ausſchluß der 
Eonn: und Fefitage, nicht mehr täglicy davon zu vers 
brauchen, als eine; dann werden fie zuverläffig Ges 
nuß davon haben, und nah Jahr und Tag bie uns 
ternommene Lektuͤre nicht bereuen, was ſich leicht 
ereignen fönnte, wenn fie diefelben una serie zu le 
fen wagen follten, 


Die Titelvignette en medaillon von Jury, ver: 
dient noch befondre Erwähnung ; fie iſt fehr artig ers 
fonnen und ausgeführt, 

. — dt, 


Etwas aus Gervien. 
Bon der Türkifchen Gränze, den 25. Auguſt, 1504. 


ange darf ein Tirann die Nation drüden, die des 
Sklavenjochs gewohnt ft, denn biegſam ift ihr Naden, — 
aber die nachgiebigte Stahlfeder erleider nur einen 
gewiffen Grad von Druck, ein flärkerer bringt fie 
zum Bruch. — So iſt es dermal mit Servien er 
gangen. Vier Dey's machten den ſchwachen altın 
Baſcha von Belgrad zum Automat, bemächtigten fich 
der Regierung, und mifbrauchten fie, wie von roben 
Ufurpatoren zu erwarten war, bie Gervianer 
ausjufaugen, und fih Millionen zufammen zu ſchar— 
ren, Dede Graufamfeit ſchien ihren erlaubt, — 
Gab ein ausgefognes Dorf die geforderte Summe 
nicht in beflimmter Zeit, fo waren bie Köpfe des 
Kurſen (Vorfteher des Dorfes ) und der Aelteſten ver: 
ohren. Das fonnte bie fonft duldfame Nation nicht 
mehr ertragen. Ein vorher in Kaif. Königl, Diens 
ften als Feldwebel bei einem Kıeiforps geſtandener 
Eersianer, Namens Czerni Georgi brachte der Erfte 
ein wehrfames, sapferes Haͤuflein zufammen. — 
Diefem Beiſpiel folgte Czerapitſch, und in Furjer Zeit 
waren bei 8000 Mann bemafnet, und bereit gegen 
bie vier. Tirannen ihr Leben aufzuopfern, jur Befreiung 
ihres Vaterlandes. Selbſt die Pforte nahm fich ih— 
ver gerechten Cache an, und es murde der Herrfchaft 
und dem Leben der vier Tieger ein Ende gemacht. 
Doch dies ift es nicht, was ich erzählen mollte, Eine 
edle That will ich der Melt befannt machen, von 
einem rohen Maturmenfchen ; — zeigen will ich, daß 
ber fchlichte Verſtand, oft richtiger ſchließt, als mans 
her fogenannte Philoſoph, unferes, an leeren Eeften 
eben fo fruchtbaren Zeitaltere, als es das Land, wo 
ih wehne, an Kürbiffen iſt. 


Foczufig, der habſuͤchtigſte der 4 Deven, befahl 
einem Cervianer, daß er ihm 15 Beuteln *) bringe, 
Diefer geht beftürgt nah Haufe, frägt feine Nachbarn, 
mas denn ein Beutel betrage? und erfährt die unge 
beure Summe. — Doppelt befiürzt geht er nun zu 
feinem Bruder, und entdedt ihm das Begehren des 
Dey's. Diefer Edle, Sima Millovanov ift fein 
Dame, wohlhabender als fein Bruder, entſchließt fich 
ſchnell, alles beizutragen, das Geld aufzubringen, und 
fo feinen Bruder zu retten. Er mußte gar wohl, 
daß er fich hierdurch in Gefahr ſetze; allein Cdelmuth 
berechnet feine Öefahr, — Millovanow ging zum Dey 


*) Ein Beutel enthalt 500 Piafter, ein Piafter acht gegen ⸗ 
wartiz vro 50 amd mehr Kremer, alſo betragen 15 Beutels 
7500 Pilaſter — nad unſerem Gelbe mehr als 5916 SI. 


nah Belgrad, Gerade und urerfihroden erfcheint er 
vor ihm, und ftellt demfelben freimüthig vor, daß 
die Forderung unfinnig ſei. As er aber fieht, daß 
alles Reden fruchtios in die Luft tönt, kehrt er nach 
Haufe, verkauft fein ſaͤmmtliches Vieh, fein ganıes 
Hab und Gut, und bringt bei 10 B. jufammen, 
Voll Zuverſicht Hierdurch feinen Bruder retten zu 
können, — fliegt er zum Dey, und zähle ihm mit 
Freude das Geld auf. Diefer finder nit 15 B. 
nimmt die 10 mit Unmillen, droht dem Geber den 
Tod, und läßt dem Bruder den Kopf abfchlagen, 
Das macht den Millovanow, der faft durch ein 
Munder dem Grimme des geld: und blutdürftigen 
Unmenfchen entfam, reüthend, und zum grimmigften 
Sjnfurgenten. Vor etwa 3 Monaten wurde zwiſchen 
den Türken und Servlanern zu Semlin eine Art 
von Kongreß veranftaltet. Natuͤrlich murde bei dies 
fer Gelegenheit viel debattirt. Unter andern lafen die 
Eervianer 100 Befchiwerdpunfte vor, unter welchem 
auch oberzählte Mordthat begriffen war. Hieruͤber 
nahm der anmefende Vater des Forzufly das Wort, 
und meinte: das fei fein Verbrechen, denn ber 
Menfch babe den Tod verdient, Sogleich fand der 
Bruder des Gemordeten auf, und gab die wahrhaft: 
phitofopbifche Antwort: „Alter! Hat mein Bruder ein 
Verbrechen begangen, fo follte ihn dein Sohn haben 
firafen laffen, ohne von ihm Geld zu fordern, — 
Warum forderte er es? — Löfcht Geld die Ders 
brechen aus? Das ift ſchlimm, daß es bei euch fo 
it. — Ahr lat wirkliche Verbrecher laufen, damit 
fie nur recht oft in die Strafe fallen; — ihr werdet 
verleitet viele Verbrechen zu wuͤnſchen, damit ihr 
viel Geld befommt ; — und werden denn für eure 
Habfucht noch immer viel zu wenig Verbrechen bes 
gangen: fo verführt euch diefe, auch Unſchuldige ſchul⸗ 
dig zu finden, weil es euch eigentlihd um Gelder: 
preffen zu thun if. — Ihr macht für euren Geld: 
durft aus Strafen eine Finanzquelle, und fo iſt es 
natürlich, daß ihr unnatürlich, graufam und blutbärs 
fig werdet. Sich verfihere Dich, Alter! Die Haupts 
urfache eurer Tirannei, und unferes Aufftandes, ift 
Seldfirafe; mer der Erfte dieſe einführte, der 
bat den Grund zu unzähligen Uebeln gelegt." Dies 
find die eigenen Worte des Eprechers, — bes rohen 
ungeiehrten Servianers, deffen Aeußeres auf einen 
Barbaren ſchließen ließe, und bei dem fi Lavater 
mächtig geirrt haben würde; denn feine flache Etirne, 


feine flumpfe Nafe, und die giemlich großen Baden: - 


fnochen, find nach Lavaters aufgejiellten Grundregeln, 
fein Zeichen des Edelmuths und des Verſtandes, 
woran doch der edle Millovanow fo reich ift. Wirklich 
wäre ich auch begierig zu erfahren, was Kerr Dof: 


— 2127 — 


tor Ball von dem Schedel dieſes braven Mannes 
halten würde, wenn er ihn begreifen £önnte. 


C. Wꝰ20 
Beiſpiel ſchleichender Liſt. 


in beruͤhmter Orden, deſſen General in der glaͤnzen⸗ 
den Kefidenz eines großen nicht : katholiſchen Monarchen 
feinen &iß bat, macht immer bedeutendere Fortfchritte, 
aber fo unfheinbar und mit einer ſolchen Bedachtfameit, 
dab man nur in den Wirkungen die Kraft erkennt. 
Erft bemaͤchtigte er ſich einer Kirche, deren Vorſteher 
er abſetzte. Dies koſtete manchen Kampf, allein 
endlich mußte er fi den Sieg zu verfbaffen. In 
ben anfehnlichen Gebäuden, welche die Kirche umge: 
ben, wohnten mehrere Proteitanten, Dieje mußten 
nah Ablauf der Kontratie die Wohnungen räumen, 
und einem Tifchler, der lange Jahre dort gewohnt hatte, 
und vom ber Anfertigung der Saͤrge u. f. w, lebte, 
murde die Mahl gelaffen, fein Brodt aufzugeben oder 
feinen Glauben. — Er mählte das Letztere. — Der 
Sohn eines reichen Raufmannes fühlte den Trieb der 
Heiligkeit, und brachte dem Orden die Heffnung einer 
reichen Erbſchaft. — m Bezirke der Kirchengebäude 
wurde ein Klofter eingerichtet. — Das Hinterbaus 
von einer Etage wurde zu zwei Etodwerken erhöht 
und eine Schule angelegt. Die erften Schüler waren 
die nahen Verwandten eines der Großen des Landes, 
die bald andere ihres Gleichen nach fich zogen. — 
Da fich in der Nefidenz viele Polen aufhalten, oder 
viele Damen Polnifher Herkunft find, fo war ber 
Weg in die größten Häufer gebahnt. — Die Jugend 
wird Außerfi fromm erzogen, und muß täglich die Fruͤh⸗ 
und Abendgebe:e in der Kirche verrichten, von welcher 
Keligionspartei fie Übrigens auch ſeyn mag. Kur 
Uebung im Yateinifchen müffen fie die Gebete aus: 
wendig lernen, Die Zabl der Ordensglieder waͤchſt 
täglich. — Ilm gemeinnäßiger zu werden, wurde eine 
Apotheke eingerichtet und eröffnet. — Hier wird die 
Medizin wohlfeiler und nach Befinden der Umſtaͤnde 
auch wohl unentgeldlich gereicht. Jeder Gewiſſens— 
rath iſt ein Ordeneglied, die übrigen find alle ent 
ferne. — Die Kinder der Gllaubensgenoffen fird: 
men der Schule natürlich zu, wenn der Orden aber 
auch nicht fremde Neligiens: Verwandte in feinen 
Wohnungen dulden mag, fo nimmt er doch: die uns 
ſchuldigen Kindlein derfelben mit edler Toleranz auf, 
und macht nicht den geringften Unterfchied unter dies 
fen Bödlein’ und den Fammlein. feiner Heerde. — 

(Die Fortſetzung folgt.) 








*) Dem Herrn Berfafter des vorfichenden Nufianes ſtacte 
ich ‚aufrichtigen Dank für die Meberiendung deſſelben ab, und er: 
fuche Ihn dringend, mic bald durch ahnliche intereſſante Nach⸗ 
richten zu vervdichten. 

— Warum ich den pweiten Aufſatz nicht drncken laſen 
kann, ſo viet Wahrheit derſelde enthalt, wird Ihn ein Blick 
auf den Umſchlag hinreichend ſagen. 


— 228 — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 45. 


us Pari 


Das Journal de Paris eriäßlt: ,, Ein Engländer, der bei 
der Urberfahrt von Europa nad Amerika starb, bat eime wid, 
tige Entdedung gemadt. Er beiah mehmtich eine ſtahlerue 
Kugel, amf weicher alle Längen s und Breiten » Grade geyeichner 
waren, und die in Qwectiiber ſchwamm. Ehe er ſtard, über 
gab er · dem Gapitaine jein Iuftrumnt umd fein Tagebuch, und 
machte die Berechnung der Hohe (Vestime de la route) mit 
einer Genangteit, die altes in Erſtaunen iepte, +... Alio 
Befigt der Magner die Kraft ſich um feine Achſe zu drehen win 
die Erde und mit der Erde, Det reiche Pol verſintt unter 
das Quetfiiber, wenn man die Einte vaſſirt.“ — Wie [7] 
Weint, gaubt der Herr Red. des ). de P. daß ſich dit Erde 
von Süͤden nach Rorden aiberwalzt. Daß der Magnet auch in 
der Kugelgeſtalt ſeine Michtung mach dem Polen behalt, darqus 
folgt nicht, daß er die ummälung der Erde mitmacht. T. 

Ein Art, Namens Boulet, Latte vor zwei Jahren ber 
hauvtet, es babe mie einen Hirvotrates gearben, Iept bat ſich 
enditch ein Widerleger gefunden, Mamens Begaflois, der ſich 
auf eine Menge Schriftſleller beruft, unter denen er and So⸗ 
Erates aufinhrt. Man fieht wohl, daß bei biefer Unten 
ſuchung nicht viel Gelehrſamteu amgewandt wird, 


Gt. Peterdturg, den 16. Auguſt a. Et. (29. Mugufın, St.) 


Die Debits der von Herren Mird mw angemorbemen 
Mitglieder fallen michtd weniger als zlanend auf, Bon dem mich 
ften hab' ich Ihmen ſchon geſchricbhen. Zuleht rat nun auf — 
Hr. Arreno! — Erin erfied Debüt war Kolka und feine 
Detlamation entiorach wenlaſtens — dem Namen des Helden. — 
zu einer ſoichen ewig feierlidhen Dtonotonie im ber feurigften 
Yeidenjdait, wie in der kalteſten Berommentcht, hat ſich wohl 
felten ein Edaupieher erhoben. Er in einig darin, Erin 
durchdringender Ton fegt die Gehlruñbern ſo in Bewegung, dah 
&4 einem im Kopie ned wafelt, nachdem man bereits einige 
Erunden das Theater verlaſſen bat, Es mu ein hoher Genuß 
fenn, dhn Jamben beroeroriven zu horen. Im feinem Eviele 
jrkat er Übrigens den Echaufpieler; ‚nur Kat er das eigene lins 
grüct, daß die Steuen, Die er herauszuheben Archt, durchaus 
falten. — Auch har er ſich einen befondern Blict nach der er⸗ 
leuchteten Oeffaung gleich hinter den Canyon vor der Mine, 
angewohnt. — Er wurde had ſeinem erſten Debüt felerlichn 
heransgeruin, und mit einent vaffeliiden Beifallöttatiihien 
perber: — eine Wirkung feiner Hohen Deflamatton. — Die 
Eonueniumgrram und Kollas Tod wurden beide had 
eimandır geneben umd das mus wahr feun, der Nolla war 
and Einem Stückt. — Kun darauf trat hr. Arreſto in 
Etllie Warrer find tier, ald Baron Wiburg auf, 


Die erſten Ecemen (pielte er jchr brav, — ba war er gany am 
ferne Gele; umd die legten Scenen mißlangen ihm nicht, — 
Kreimitchig geraden, une Bühme bat im der That viel ger 
wonten. — Wis braucht ein Theater gerade Edhamjblelerlunen 
und Echauſpleter r Hinbidre Madchen, einem Kafparie umd einem 
Koulienteiier Der altes niederdennert, das iſt das Wahre! 
Tas treibt doch noch das Blut durch bie Adern, befördert bie 
Verdauung, und bringt eine heitſame Erichutterung hervor. — 
mad. Mister id mad Mortwa mit dem Hem. Gteink 
beras Hinten folgen Dr. und Mad, Limdenfteim (die 


ehemalige Schotzen), Hr. und Demoif. Brüädrt mb 
Hr. Hübfd. — Außer Hem. Brüd’t, wäre es gar nicht 
übel, wenn die Uebrigen mur erſt fort wären, fo baiten wir 
doch fo ziemlich wieber ein Games: Dem. Berger (einem 
trefflichen Kammeriunter), Dr. Schul (den beaden Gidel), 
Dempti. Sander (bie miedlihe Berangene), Hr. Milius 
Hrn, Bergers Ebenbiid), Hr, Bruckel bewies unlaugſt im 
Nohas Top, was er im eine Nolte hineinzulegen weig. Der 
taubenderzige l.as Catas mirde von ihm zu einem geifernden 
Beier  erhößen, der dich heiſer gebelit bat, — Welch ei 
Vachoe war in ſeinem Spiele. Vorzüglich ſchon it feim Geber: 
denpieh mit den Elentogen, und fein Mienenſpiel mit den Bus 
genbraunen. — Mad. Emwern wird taglich junger, und wird 
wie ed beißt, bald wieder in maiven Rollen auftreten. — Hr 
Ewer will aber durchaus micht Meiner werden, Man fagt, 
er wird eine Kehle unternehmen. Wielleiche dan er ſich da erwad 


- abrei, — Ein euch Intermego von Hru. Hunnius, det 


Nacbtrwädrer, ih im edeiten Wiedner Sl; die Muſtt 
von rm. Neutomm aber entipricht dem Werthe des Stücks 
durchaus nicht, fie har fo enwas HSand'uſches, Mozartſches, — 
der Himmel weitz wit ein foldes Jatermetzo im ſoicht Hande 
falten tounte. — Mad Power, ik auch Gangerin, aber nur 
wm Schluſſe und im großen Opern, wie in dein politifcdhen 
Kannegieder w f. w, Sit ih nur mod mie vecht ge 
Kinmt, — a —. 
Nus Dretden, vom 8. Eratembir, 


Di Gängerin der Schweſtern von Vedbod, vormalige Umalie 
von Imborrin Weimar, halt fich ſeit einigen Wochen mit 
ihrem. Gatten, dem Schwediſchen Oberſtlicutenant von Helwig 
in Dresden, oder um beſtimmter zu ſorechen, in der Dresduer 
Bildernalterie auf, Dort it fie alte Morgen und Madımirtag 
su treffenz ſie malt die berühmte heil. Cecttia nad Karlo 
Delc, Eine Madonn, die fie vor einisen Jahren eben daſtibſt 
gtzeichnet, umd ihrem Gatten mit madı Stockholin gesehen hatte, 
erwarb ihr bei der dortigen Kunfatabenie die Ehre der Wit 

kedichait, Bei ihrem tieren Sinn fr Dicttant, Malerei und 

ontünft, ift diere ſeltne Frau dadurch Dopvelt achtungswürrdig, 
Das fie ihre Plihten als Gattin, Mutrer, Schweſter aufs ger 
manche md zarılichite gu erridien und dennoch auc mod Zeit 
für den belohnenden Umgang mit den Muſen zu gewinnen 
weih. Vertrautert Freunde riibmen ein neues Gedicht das 
ft zanz vonender hat, aber noch xuter dem keuſchen Eiegel 
der hauslichen Pflege halt. Es if ein Kreis von 4 hiſtorie 
fden Idellen, deren Eremen alle im alten Griechen⸗ 
land liegen, und bie 4 Tugesieiten unter dortigen Simmel 
armichlichen. Auch ihre gwei Iebenswurdige jüngere Schweſtern 
begleiten fie nach Stockholnn, wo fie alte au Anfang des Wins 
ters einlutreffen gedenten. — Cine erwinidhte Betanntichart fire 
dieſe Ketichde mutzte in Drebden der dafıge Schwediſche Nefident, 
der hr, vom Palin feun, der viele Yahre im Kenftantinonel 
lebte umd ſich dort auch mit einer diönen Griechin verheirathete, 
die im num auch hadı Dresden aciolgt if. Der Dlann beikt, 
wie zag ane Diplomaren jener edeln Nation, ausgrebrätete yhtlolor 
giidıe und hiſtorixche Kenmenie. Mod im voriger Meie dit von ibm, 
doch ohne jeinen Namen, eine Schriſt voll Belehrianikeit und icharrline 
ifiger Kombination: Essar sur les hierogiypi.esy ou nonveils 
bettses sur ce sujet, avec Figures. (Weimar, Indurntrietomm: 
toir 1904. 102 ©. in gr. 4.) erichtemen, die germih audı mach dem, 
wat neuerlich ung der albelefene Forza in Rom, und Die alles er⸗ 
entkendin eampzifirenden Franzoſen daruber mitmtbeilen wuhten, 
genasn 'aeprüft ind eriwogen zu werden verdient. Der Veri. leat 
ein beſonderes Gewicht auf die Fragmente der orphiſchen Humuen 
und Muſterien, und ertlart aus ihnen mehrere bieregiunbirche Ju⸗ 
ſchriſten beim Denon nid in andern Sammlungen. Br.tich bite 
die Kritit mber die Wichtheit jener Fragmente jelbii ned manche 
trhebliche Zweifel erheben, Aber das Biel ſteht ja vor alten aufge 
richtet. Schaude dem, der feinen Bogen foannen kann, amd midht 
su treffen verſucht t 


1804. 





Nro. 188. 
ARISTIDES, s 
Der Sreimütbhbige 
— — oder — den 20. September. 


Err n ſt 


Literatur 


Tafchenbuch für Damen, auf das Jahr 1805. 
Herausgegeben von Huber, Lafontaine, Pfeffel 
und anderen, Tuͤbingen, bei Cotta. 


u 


Dı literarifchen Norboten bes Winters, — Mufen: 
almanache und Tafchenbücher, kommen fchon häufig zum 
Vorſchein, und, wenn ich anders einigen Anzeigen 
ton der Dftermeffe ber, trauen darf, fo werden mir 
heuer aud in der Poeſie — ein flarfes Wafferjahr 
befommen. — ' 

Das vorliegende Jahrbuͤchelchen ſteht beim Publ: 
fum mit Recht fchon feit lange in gutem Kredit, 
und wird wie es ſcheint, auch diesmal feines alten Ruh⸗ 
mes nicht verluffig geben, — Vergeltung eine 
Erzählung ven Huber bat alle die guten Gigenfhaf: 
ten, melde man an den Produften diefes Verfaſſers 
ſchaͤtt: — richtige Charafterjeichnung, zartes Gefühl, 
verfländige Anordnung und gemandten, cörreften 
Stil. Die neuere Aeſthetik würde jedech wenig mit 
Diefer Erzählung zufrieden fein; es liegt nehmlich Flar 
anı Tage, daß der Verf. einen moralifchen Zweck da: 
bei hatte, — er mollte zeigen: daß Außerer Wohl: 
ffand, durch Verbrechen erfauft, nicht gtüdlich macht, — 
und in der That, er hat den Suͤndern dat Gewiſſen 
gefchärft; es kemmen hier mitunter erfchütternde 
€ cenen vor und ſchaude hafte Züge, die einen tiefen 
Dli in die Falten des Herzense verrathen. Warum 
aber peinigt doch Huber fidy felbft und das Publikum 








d Sacch r z. 


faſt immer nur mit Zergliederung ſolcher Charaktere, 
die ohne hinlaͤngliche Feſtigkeit, durch den Druck der 
Umftände eine häßlihe Form befamen ? Durh Dar 
ftellung verfhrobener Einnesarten vom Laſter abfchref: 
fen, ift zwar ganz gut; follte es aber nicht aͤſthetiſcher 
fein, wenn man auch durch fchöne, erhabene Charak: 
tere den Lefer zu Ausuͤbung des Guten und Rechten 
zu begeiftern fuchte? Auf diefe Weiſe würde die Mo: 
ral nichts verlieren, die Aeſthetik aber offenbar ge: 
rinnen, — Unter allen Perfonen, die bier aufge: 
führt werden. ift in der That Feine fehr liebenswär: 
dig; man empfindet beinahe nur Mitleiden mit allen, 
theils weil diefe Geſchoͤpfe zu befcpränften Geiftes, 
theils weil fie nicht ganz reinen Herzens find. Am 
menigften geratben ift Jeannette; der Verf, hatte 
von diefem Mädchen entweder Peine deutliche Vor— 
ſtellung oder es gelang ihm micht, ficy in diefen Char 
rofter hineinzudenken, um ihn konſequent fprechen 
und handeln zu laffen. — 

Die Erbſchaft, eine Erzählung von Lafontaine, 
iſt fo leicht, lebhaft und anziehend erzählt, wie man 
es von diefem beliebten Damenſchriftſteller ſchon ge⸗ 
woehnt iſt. Das ſchoͤne Geſchlecht wird ihm gewiß aber: 
mals huldreich lächeln; ob aber duch die Kritik? — Ich 
fehe im Geiſt ſchon die gute alte Dame, die offenbar 
nicht auch zum ſchoͤnen Geſchlechte gehört, ein wenig 
das Haupt ſchuͤttela. Ich, der ich mit nichten ge 
meint bin, bier weitlaͤuftig ihr Dragoman zu fein, ge: 
ſtehe jedoch offenberzig, daß Herrn Lafontaine's Be 
griffe von der Beſtimmung des Menfden, wie fie 


bier abermals vorliegen, ganz und gar nicht die mels 
nigen find, Er glaubt nnd ift feſt überzeugt: fich in 
eine niedere Sphaͤre zjurüdziehen, ein Weib nehmen 
und Kinder zeugen, — das ſei die Eumme aller 
Weisheit. — Laßt uns Gott danken, dab jene große 
Männer, deren Mamen die Gefchichte mit Ehrfurcht 
nennt, nicht auch dieſes Lafontainefche Lebensprincip 
hatten. Gerechter Himmel! wie würde es fonft in 
der Welt ausfehn? Würden ſich die Menfchen über: 
haupt wohl viel vom Gefchlechte der Affen unterſchei⸗ 
den, wenn von jeher männiglich bios darauf bedacht 
gewefen wäre: Wie er auf bie zaͤrtlichſte und reis 
zendſte Weife dahin gelangen möge, Rinder zu zeugen, 
auf daß von biefen abermals Kinder gejeugt wuͤr⸗ 
den? — 

Der poetifhe Theil des Taſchenbuchs ift etwas 
unfruchtbarer aufgefallen, und rechtfertigt meine Eins 
gangs geäußerte Beforgniß. Ein Gedicht: An die 
Nach welt, von Pfeffel nehme ich jedoch aus; bie: 
fes ift mit jugendlicher Kraft gedichtet, gedanfenreich 
und voll Gefühl. Niemand wird es ohne Kührung 
leſen können. Auch ein Paar andere Kleinigkeiten 
des alten ehrwuͤrdigen Sängers bewähren feinen wohl: 
erworbenen Ruhm, und find neue Bläten in feinen 
Lorbeerkranz. — Zwei andere Gedichte von Schiller: 
Der Züngling am Bache und Berglied, be 
titelt, würden diefen Dichter nicht unfterblich machen, 
wenn er es noch nicht wäre, Das Erfte beginnt 


folgendermaßen: 
An der Quelle ſaß der Anabe d 
Klumen wand er ſich zum Krank 
a 


umd er ſah fie fortgeriſſen, 
Treiben im der Wellen Tanz! 


„And fo fichen meine Tage 

„Wie die Quelle rafttod bint 

„At d fo weitet meine Jugend, 

wie die Kränge ſchneil verb lühn. — 

Das Merfwürdigfte in diefem Gedichte ift, daß 
das Wörtchen: ewig, nur ein einziges Mal darin 
vorfommt; im Bergliede ift dafür das Berfüumte 
nachgeholt worden, — bier findet es fich in den ers 
fien 4 Derfen 5, fage: fünf Mal. Uebrigens be: 
kenne ich offenherzig: daß mir biefes Berglied zu hoch 
gegeben üft; ich verſtehe es gar nicht. — Das Ge 
dicht: Abendwehmuth, von Mathiſſon, wuͤrde 
fehr gewonnen haben, wenn der Verf. den erſten 
Vers, der gar nicht zur Cache gehört und den £efer 
erfältet, ausgeftrichen hätte, Im fiebenten: 


Wo thaun keine Thranen 

Auf Muyrthen der Liebe? 
{ft der bezeichnete Daktylus hart, weil die mittelfle 
Sylbe eigentlich lang, und noch dazu betont iſt. Dem 


Uebelſtande waͤre leicht abzuhelfen gemwefen, wenn 
Herr M. gefagt hätte: 

Wo thauen nicht Thränen 

Auf Morten der Liebe? 


Zwei andere von demfelben Verfaſſer, find nicht 
fehr bedeutend und eben fo auch drei Kleinigkeiten 
von Haug. Warum arbeitet diejer ideenreihe Die: 
ter doch fo oft nad fremden, — noch dazu fchlechten 
Driginalen, und warum bleibt er nicht bei dem Fache, 
in weichem er fo gluͤdlich üft, — bei dem Epigramm? 
Lieder ſcheinen ihm nur felten zu gelingen. 

Don dem Aeußern des Tafshenbuches, befonders 
den Kupfern, hätte ich noch viel, zum Theil Gutes, 
zu fagen. Doch es wird Zeit, daß ich abbreche. — Dt. 


‚Herzog Auguft von Sadyfen Gotha, von 


Graſſi in Lebensgroͤße gemalt, 
Dresden, den 10, Eeptember, 1804. 


Rt) fomme aus Profejfor Graffi’s Kunftwerkftätte, 
und möchte Ihnen gern die Eindrüde fogleich wie: 
dergeben, die ich bier empfing, Doch wer kann mit 
Buchſtaben malen, noch oben drein, wenn biefe 
Buchftaben nicht einmal der lebendige Hauch ver 
Dede befeele? Alfo keine Brfchreibung Die mag 
uns das Gonett ‚eines neuen Petrarcha, wenn einer 
unter uns wandelt, im ſuͤßeſten Wohllaut vorfingen, 
Ich will nur in ſchlichter Profa verſuchen, Ihnen 
eine kurze Rechenſchaft von dem Cindruck zu geben, 
den das neuefle, fo eben vollendete Bild Diefes Meiſters 
auf mich machte. Alfo heute nichts von der, als Iris 
über dem zarteften Lichtgewöife binfchwebenden und 
ihr eigenes Gewand zum Farlenbogen umfchaffenden 
Prinzejfin von Rohan, die, längft durch Beſchreibungen 
aller Art verfündigt, ich zu meiner Freude hier noch 
aufgeftelle fand; nichts von zwei ſchoͤnen männlichen 
Portraits, dem Prinzen von Rohan, ihrem Gemahl, 
und einem Ruſſiſchen Prinzen, der felbft im Wilde 
der fchönen, bezaubernden Iris zu huldigen fchien; 
auch nichts von den übrigen weiblichen Portraits, in 
roelchen die Grazien ſelbſt, dem Maler der Grazien 
geholfen zu haben ſchienen. Davon vielleicht ein ans 
dermal, Meine ganze Aufmerkfamfeit zog diesmal 
das eben fertig gewordene Portrait des regierenden 
Herzogs von Sachſen Gotha, Auguft, auf fih, Es 
ift bei vier Ellen Höhe und drei Ellen Breite, eines 
der ausgeführteften und gedachteſten Portraitgemälde, 
das ich feit langer Zeit gefehen habe. Der Kuͤnſtler 
hat in der Ordonanz und Gtellung feiner Figur eben 
fo viel Verftand, als Feinheit und Gefhmad gezeigt, 
und da er dabei wirklich obligates Spiel hatte, die 
ihm gewordenen Vorſchriften, als ein Wann von ° 
Geiſt anzuwenden und zu benußen gewußt, “Der 


— 231 


Herzog, in alter Deutſcher Ritter Tracht, in ſeide— 
nem Wamme, Unterkleidern und Mäntelchen, durch— 
aus ſchwarz gekreider, ſteht mit der einen Hand auf 
den Studiertiſch gelehur, mir Übergefchlagenem Fuß 
in einer ruhigen, nachdenkenden Eteuung fo vor 
uns, daß ſein Geſicht ſich etwas auf die Eeite ge: 
wandt, und eben dadurch eine bedeutendere Richtung 
genommen bat. Die Carnation iſt um Ganzen weit 
männnlicher und gefärbter gehalten, als in einem 
andern 'Portrait, im blopen Bruftjtüct, welches Graſſi 
vor zwei Jahren bei feinem Aufhalte in Gotha malte, 
und das ſch bier zur beiehrenzen Bergiichung date 
neben aufgenelle fand. Es bat ber der höchſten Liebe 
lichkeit, deren der fo gewandte jugendlich heure Kopf 
nur fähig war, und bei dem lebendigjien Ausdruck 
in der wilene, dennoch wahre, getroffene "Portratähne 
lichkeit. Die charakterituſche Blondheit der Haure 
iſt erhalten, und vabeı doch alles jorgraltig vermieden 
worden, mas durch zju grope Weichheit und Hellung 
ins Weibiſche und Fade harte führen fonnen, Die 
fhone, ſchlanke Figur beiebe fi vor ungern Augen 
zu einem begeijterten Prieſter Der Friedens und Weus 
ſenkuͤnſte. Wet zarter Andeutung liegt daher auch 
der reiche Federhüt, und der aus der Scheide gezo⸗ 
gene Degen, ohne umgegürtet zu ſeyn, bios auf oem 
Sitz dis rorhjammınen yürftenjlupise. Alle Uniges 
bungen verfündigen uns einen Regenten, von wel 
em bei der Todesgeier auf ſeinen verewigten Barer, 
Herzog Ernſt, ein Vlann, der durch jeine vielfachen 
Verdienſte um die klaſſiſche Literatur aller Zeitalter, zu 
den geachrejien Gelehrten Deutſchlands und zu ben 
Bierden des Wiufenliebenden Gotha gehört, ohne allen 
Verdacht der Echmeichelei, jagen konnte; „Er, welcher 
felbft aufden Altaren der Diujen reiche und wohlgerällige 
Opfer ntederlegt, wird die Tempel der Wiſenſchaften mit 
immer neuen, Immer friſchen Kraͤnzen ſchmuͤcken, und 
den Ruhm unjers Yandes erhalten und erhöhen.‘ *) 
Auf den Tiſch, worauf fich die Diechte lehnt, liege 
neben dem Schreibezeug ein noch unbefihriebenes 
Blatt und ein ungebundenes Buch deutet durch jeis 
nen Tırel auf dem Ruͤcken auf jene wunderfchaffende 
Veuſe, die Graſſi ſelbſt ſchon in einem berühmten 
und befungenen Bilde, nach den Angaben des Her— 
3098 verherrlichet hat. Daß weiße Blatt berechtigt 
uns ju ber Erwartung, daß das ätherische Gedans 
kenbild, das jetzt mit Fittigen in Roſenduft getaucht, 
dem begeiſterten Seher vorſchwebt, bald in begreif: 
lichere Worte verkörpert, und aufgefchrieben da fie 
ben werde. Denn alle diejenigen, melden das 
Gluͤck zu Theil wurde, fich diefem geiftreichen Fürften 
in vertrauteren Augenbliden nnd jwanglofern Unter 
redungen zu näbern, fiimmen darin überein, daß 
eine regere Phantaſie und ein fchöpferifcher Dich: 
tungegenft, felten einem Eterblihen zu Theil wurde, 
dem das Echidfal in diefen hohen Regionen feinen 
Plap anmies, Es wendete daher auch einer feiner 
treueften Berehrer, alle mögligde Mühe an, ihn zur 
Dekanntmahung einige feiner gluͤclichſten Dichtun: 
gen zu überreden, indem er bald das Beiſpiei des 
Koren;o von Medicis, bald den Vorgang eines Fürs 


*) prof, Jacobe, in der Mede zum Gebachtnih des Herrogs 
Ernit von Sachſen Gotha, (Gotha, Beer) S. 32. 








ſten aus dem ehrwuͤrdigen Guelſenſtamm, der damals 
noch zu Wolfenduͤttel feinen Zip hatte, geltend zu 
niachen fuchte, und ein anderer deutete das Zinnge: 
dichte aus der Griechiſchen Blumenleſe auf die be 
rühmte Zängerin aus Lesbes, auf Graſſi's fprechen: 
des Gemälde: 
Einnend figet Du da, Da Biene füher Geſange! 

Allein es jiemt mir nicht, diefen Zudringlichkei« 
ten bier das Wort zu reden, fo große Meigung dazu 
ich auch in mir veripäre. Mur gehört es wohl jur 
richtigen Echätung dieſes meijterhaften Gemäldes, 
dap man wilfe, wie lebendig der Maler feibft von 
allen diefem ee und überzeugt war, Hin 
ter dem Tiſch erhebt fich die bronzene Etatue einer 
fipenden Vlinerva. Behelmt und auf die furchtbare 
Aegide gejlügt, erinnert uns diefe ernfie Figur an 
die ſtrengen Weitheits- und Kegentenpflichren, die 
Herzog Auguft nie verfaumt, wenn er auch in Stun⸗ 
ben ter Ruhe und Weihe den Grazien und Mufen 
ein woblgerälliges Opfer bringt, Dafür haͤlt aber 
auch die Worten, die jeden nach DVerdienft lohnt, eine 
kleine Victoria nicht vergeblich auf ihrer Hand, Dreis 
mo! glüghch in dieſen mwehrbaften Zeiten, mo 
arbgere Eruaten durch die eiferne Morbmwendigfeit _ 
gezwungen find, foft alle ihre Einfünfte dem uns 
ausweichuchen Uebel unjerer Tage, den ſtehenden 
Heeren opfern, wenn ein regierenden Herr durch 
feine gluͤcklichen Verhaͤltniſſe und Umgebungen auf 
dies koſtbare Soeldatenſpiel gänzlich verzichten, und 
die Seegnungen des Friedens auch ganz allein den 
Künjten des sriedens zu Theil werden laffen kann, 
a diefer gtüdlichen Lage befinten ſich die Cädfis 

en Regenten Erneftinifher kinie, Aber auch ihnen 
winfet und lohnet eine Victoria, 


Wie gern erzählte ih Ahnen nun noch recht viel 
von dem berrlihen Zauler des Colerits und Hell: 
dunfels, wodurch Grarfı's Pinfe alle feine, zum 
Theil gewiß auch fehr verdienfivelle Mebenbubler, 
bisher immer noch befiegte, und dem Meid felbft ein 
Lageln abgemann, Allein theils würde ih bier nur 
befannte Sachen wiederholen; theils foll und kann 


- fo erwas, das nur gefehen und mit dem Auge un: 


taftet ſeyn will, nicht befchrieben werden, Mit vier 
lem Verſtande unterbrad der Künfller bie ganz 
ſchwarze Draperie, weder durch ein farbiges Ordens⸗ 
band neh durch fonft eine Verzierung, außer daß 
der gefligte Dberärmel und der etwas jurädgefchlas 
gene Mantel ein wenig Blau herverbliden läßt. Aber 
um fo vornehmer erbelt fih nun auch die reiche 
Halskette, an welder das Walteferfreug auf die Bruſt 
berabhängt, und um fo leuchtender tritt der ſchoͤn— 
earbeitete Spigenfragen und Grmelauffchlag hervor, 
oh dies find Mebenjacen, die freilich das ſchoͤne 
Ganje vollenden, aber doch nicht au hoch in Rechnung 
gebracht werden dürfen. Es ift ein feelenvolies Ges 
mälde, das mit kiebe empfangen und mit Ernſt aut: 
gebildet murde, ein Echöpfer wird es dem Her: 
18 felbjt überbringen, der für ihn bei dem Ehurfürs 
en von Sachſen auf einige Monate einen lirlaub 
erbeten, und ibn aufs gnädigfte zu fich eingeladen 
bat, Wielleicht erzähle ich Ahnen nach feiner Küds 
Funft auch etwas von den Früchten diefer Reife, B. 


— 232 — 


Riht=-politifhe Zeitung. Nro. 46. 


Aus Salyjyburg, 
vom 2. Sertember 1904. 


J Hate im dieſem Augenblick einen Auftritt gehabt, der mid 
fiei erichüitterte. Ein geiſtvotier junger Art d’Outrepont 
brachte mir zwei Samilien von Cretins ber, die bier in der 
Hactarihait der Salzburger und Tiroler Alben gar nicht ſelten 
find. Denn gegen 12000 geſunde Einmwohn:t, giebt es bier am 
»2 folder Thitrmenſchen. Das Ehepaar, das eben bei mir war, 
und feibi fo einraltig ameicht dag man fi bei dem Gedauken 
entient, daß ſolche Weren ſich audı ned fortpfamen, hat 
12 xinder gehabt, und unter dieſen 9 Kretinen. Nur 3 Kim 
der leben noch, aber 2 davon find Kretins. Naturforſcher, 
Aerite und Obrigkeiren foltzen ſich vereimigen, um dieſen Jane 
mer der Minichh:it zu verringern. Ich möchte wohl wilden, 
ob im der Fdıweig diefe traurige Menſchengattung eben fo hans 
fig unter den Protetant:m, als bei den Katholiten, anzutrefem jel? — 





Der durch feine aumismatlichen Vrisfe und gelehrte Werke 
über die alte Mimtunde bekannte Abate Serini, der mehr 
rere Jahre in Konftantinopet und der Lerante mit dem eugliſchen 
Geſandten Ritter Ninstie, mir dem Rramgörichen Komm zu 
Theſſalonich Couſtuery, mit dem Arie Petriccioti lette und ſich 
nutehzt in Halle und Bertin amibiett, bar ſich nun nad Gotha 
degeben, wo er im mörblichen Deutichtaud die meine Vefrriedi⸗ 
aumg fir reine Liebbaberei im der alten Numpiimatit erwarten 
Dürjte, Dort bereidrerte er aun jeinen General Ahlinzı Katalog, 
der pi 12 haudſchriftlichen Kolianten angewachſen il, durd bie 
Schatze des Herzogl. Gorbatiden Munztabinets umd wohnt bei 
dem verdienten und gelchrtim Auſſeher deſſelben, dem Kath 
Enlidhtegroll. Die Bemertung, nf wer fid einmal an 
die Sitten und Kleidung der Orientalen gewohnt hat, dieſe nur 
mit Zwang und Widerwillen wieder ablegt, oder, um es mit 
andern orten zu ſagen, von Der Yatur zur Unnatur bochſt 
ungern zurrickgeht, beſtatigt ich auch durch Gorinis Lebensweiſe. 
Er arbeiter am liebſten im Turban und Kartam, wie eim Zurke, 
E it ein etwas finfrer und murtiſch ausiehender aber braver 
und biedrer Mann, eintach, ohne Vedurniſſe und unermudet 
arteitfam und thatig. Der erde Strahl der aufgebenden Eoıne 
trifft ihn ſchon am feinen Arbeite tiſch uber feinen geliikten Muns 
sm. Das Gotbaiihe Muntabinet gehört jegt zu den bedeutend⸗ 
nen in Europa. Der letzte Herzog behaudelte es mit vorzige 
licher Gum und kaufte ganze hochſt⸗anſehntiche Gammiungen 
dazu. Man rider, dafi wahrend deine Regierung fr mehr 
als 160009 Ihater dazu getauft wurden. Der jepige Herrog 
unterfügt auc dies Inſtitut mit dern rübmlidtm Etjer. Er 
machte meulich dem Münztabinett ein Geſchent mit Munzen, 
Medaitien u. ſ. w. aus feines Vaters Berlifenicarft, von mehr 
als 1009 Thalern an erh, Wezen einer außern bedeutenden 
Drünzammlung im Nurlande, if man auf ſeinen Vefehl vortr 
dauernd in Unterhandlumg begrifien. Wir haben eine von ibm 
ſelbſ angegebene und geordnete Gedachtnigmunze auf dem vers 
ewigten Herzeg Ernft au erwarten. 





Seit dem 27. Auguſt wurde in Dresden bie an 4000 
Nummern ſtarke Bibliothek des verſtorbenen Grafen zu Muns 
her⸗Meinhörel, durch den gelehrten und ald padbagegiider und 
piritofsehliber Schriftfeuer hinlanalich bekannten Auctionator, 
Dr. Heufinger !er halt alle Winter Vorleſungen uber die 
Kantifhe Phloienhir) verſteizert. Sie war reid an Fotsarın 
Kubferwerken uud iritenen Buchern im alten Fachern dee Gelehr⸗ 
fumeit, da ihr Veſiger es wirklich auf eine groie Bit liothet, 
wobei kin Fach umtefgt bleiben ſoute, anzelegt Hatte, Ume 
glüchricberweire mmären die Puder Die Wanderumgsiuft ihres 
felten lange am einem Orte ausdauermden Befigert thetlen, und 
gewannen durch die baufgen Transporte chem macht im ihrer 
Außeniire. Cie wurden zum Theil ſehr preiawürdig vertauft, 
wozu die Liebhabere einiger reihen Vibltovolen, beionderd des 
in Dresden vrivatiivenden geletzrten Lieblandiſchen Grafen 





v. Manteufel und einiger Rufen, bielberrug. Der Voyage 
pittoresque de Naples et Sıcıles von De Non wurde mit 
90 Thaler, Ehoifeut Gouffler durch Griechenland mit 41, Zur 
iaubeus Tableıu dela Sunsse mit 74; Cafes Voyage pitto- 
resque en Istrie aber nur mit 24 Thalern bezahlt. Cine vors 
sügliche Liebharerei fand ſich zu den Engliſchen archttectoniſchen 
und Deeorationswerten, Ihe Carpenter’s treasure, the Tem- 
ple · Builder von Overton, Prie's Pauadio, Rawlies, Plaw, 
Zayfer, the Cottager u. f. w. Dieſe Werte wurden hier 
durdigehends thturer erkanden, als fie noch jegt in Deutſchen 
Buchhandlungen z. B. bei Vot in Leivsig, au haben find, 


Wien, den 5. Erptember 1904 


Theater an der Wien. 

En militärtiches Echaufpiel: Waltrond zweiter Theit, 
machte Aufſehen, obaleich das Stuck micht den geringen äftbetk 
fen Werth bat. IA Waltron im eriten Theile ein ungeſtümer 
afertvoller Menich, der feinem Zorne durchaus nicht gebieten kann, 
fo geberder er lich im Dieter Fortſetzung wollends wie ein Toller, 
und das Benehmen feiner Gattin IN des feii-igen vollkommen mwirrdig. 
Hinzram werden alle militäriichen Evolutionen mit einigen hune 
dert Mann auf dom Theater ausgeführt, am Prerden ift Ueberfiuf, 
und am Ende wird unter arkem Gewehrſtuer, weiches auch gebühe 
rend applandirt wird, eine Ediamie eingenommen. — Ein Schau: 
foiel ass dem Granzöfifben: Scheradin und Almanſor, 
fiel; c# follte beweiſen daß Unſterblichteit und Reichthum den Men⸗ 
ſchen nicht atudlich machen wilden, weil nach und nach aue Muirehem 
um Ihm verwelten, an die er mit einem Theile feiner Seete, auch 
feine Frenden getmirpft bat. Teyber machte eine Muſit bayı, bie 
ga Rule dien; dieſer Tonfeger und H. v. Seufried damen fich durch 
die Kalte des Publitkums nicht abſchrecken, immer fortjuicbreiben, 
und unſere Zalicris, Meisel’s, Eberlis. und Beethoven's ruhen 
unthätig, weniat.ng in Hinficht auf Das Theater 11! 

Der Horidambicer Baumann it im Spaniſchen 
Bräutigam aufgetreten; ein Stück, weldes Schroder als: „Er 
mengt ſich im Alles,“ wie wigtger feiner umd geireicher bearbeitete. 
Bergebens idim.shelte ſich Baumann, das Pullitum werde ihn fo 
gunſtig als ſeinen alten vertraulichen Weidmann ammchmen, der 
ibm and) als Kiiaftier unendlich Aberlegen in. Baumann gefiel 
aicht, und als er dech mir Mühe herausgerufen wurde, verwirrte 
er ſich fo febr, dal; er feine Large Ubdantung mit dom Amfange eines 
Perioden fcbleii. 

An 1. Seotember eröffnete Schikaneder feine Direktion diefes 
Theaters mit einem Stucke von ihm ſelbſt? Die Hauer im 
Oeſt r eich. Es gleicht ſeinen herigen Produften an aewohnliden 
Chatatterreichnungen aus niedern Erinden, und üͤbertrifft fie 
noch weit am treiwtaler und waſſeriger Moral. Gin Kafenanı 
arım um einen treuloien Freund vom Banterutte zu retten, ein 
fdhtmi,der Bedienter, der durch falſche Vrieſe ſich eine beträcht: 
liche Erbichaft erſchlich, ein armer Veamter, der von dem Für⸗ 
ſten dar den Huth geſchoſſen wird, ein böſes Weit u. m. a. 
find die Imgredieniten, aus deuen die Handlung beſteht. Ecitdr 
neder wird am Didier Der Gemeinde gewahlt, um ihre @trtitigs 
teiten auszugleichenn, und alles wieder ins red te Eleis zu beingen. 
Das Publikum war ſehr getheilt eine Parthie Hatſchte, die andere 
ulichte uud pfiff; von Dir letzten sollen einige in Arreit gefeat wor: 
den ron. 

Der verdicuſwolle venfhionirte Honichaufpieler Müller, if 
als Hofrath Waker in Schröder, ı Portrat der Mutter im Kuijers 
Ha Theater zu Schonbrunn aufgetreten, und wiete Die Nolle 
mit Dem Studiam, der Herliateit amd Kunſt, Die man ſo viele 
Fahre an ihm bewunderte. Der Ertrag war denu Armen gewidmet. 








Der Prinz Regent von Portugal laßt jetzt eine Vibliothet 
berbeiidagen, die aus den aus aezeichneteſten Werken aller Natio⸗ 
zen Luropa’s, obme Umteridiied dee Glaubens und der National s 
Vorurtheile, beſtchen ſoll. Dieſe Erſcheinung giebt der Gage chen 
teine Wahrſcheintichteit, dag auch Er die im Neabel wieder aufge 
lebte Schlauge ſeinem Volke in ben Echoof werſen werde. — 


1804 





Nro, 189. 
ARISTIDES, 
Der Sreimüthige 
—n oder —— „ben 21, September, 


Freitag, 


ern f 


und 


Schernz. 





Literatur 


Benjamin Bergmanns nomadiſche Streifereien uns 
ter den Kalmlıden, in den Jahren’ 1802 und 
1803. Zwei Bände, Niga, 1804. (Bei Harte 
mann, 


U. dieſem Titel hat Herr Bergmann (Paſtor 
Adj. zu Ruien in Livland) die Erfahrungen, melde 
er während eines zweijährigen Aufenthaltes in der 
Kalmuͤckenſteppe gefammelt, und feine Bemerfungen 
über diefes Nomaden: Volk, deffen Lebensart, Sitten, 
Verfaſſung und Religionegebraͤuche, x. mitgetheilt, 
Die vorftehenden beiden Bände find nur die Hälfte 
davon; zur Oſtermeſſe €, 3. werden ihnen noch zwei 
andere folgen. 

Ungeachtet Über die Kalmuͤcken ſchon viel und 
mancherlei gefchrieben worden ift, fo bat Herr ©. 
doch lauter neue Anfichten geliefert, und indem er 
abſichtlich vermieden hat, dasjenige zu berühren, was 
bereits durch andere Echriftfteller befannt geworden 
it, hat er aledann für noͤthig gehalten, fich über 
folche Gegenftände näher aus julaſſen, wenn die Mache 
richten jener mit feinen Erfahrungen nicht überein: 
flimmten, — und bies ift eben nicht felten der Fall; 
indem ſelbſt die vorzüglichiten, vorhandenen Reiſe— 
nachrichten daher, unvollftändig und mangelhaft, nicht 
felten aber auch falfch. ausgefallen find, weil fie größ: 
‚tentheils nicht immer die Reſultate eigener Beobach⸗ 
tung, fondern fehr oft nur auf Hörenfagen gegrüns 


det waren. „Eine Menge Irrthuͤmer“ Heißt es 
©. 9, find aud durch gar zu kurze Befannk 
(haft mit den Mongoliſchen Voͤlkerſchaften entftans 
ben. Heifende, mweihe blos im Morbeigehen Mon: 
golen und Kalmlıden kennen lernten, einige Augen: 
blide in ihren Hätten faßen, ihre Art zu eifen und 
zu trinken anſahen, ein Paar Gögenbilder betrachte: 
ten, und mit dieſer oberflächlihen Keuntniß no 
einige vererbte falfche Traditionen verbanden, mag: 
ten es, ©emälde von den Mongolen aufjuitellen, 
Es war natuͤrlich, daß fie mehrere Dinge in einem 
falfchen Lichte fahen, manches, was bios zufällig war, 
als weſentlich ſchilderten, was fie zu wenig kennen 
gelernt hatten, mit Hälfe ihrer Einbildungsfraft zu 
ergänzen fuchten, und auf ſolche Weiſe Irrthuͤmer 
ſtatt Wahrheit lieferten.” — 

Der erſte Band des worftehenten Werks ent: 
hält, außer einer Einleitung, welche eine allgemeine 
Eharafteriftit der Mongoliſchen Voͤlkerſchaften, und 
die Geſchichte der Veranlaffung zu dem Kalmuͤcken⸗ 
leben des Derfaffers, liefert: 1) Briefe aus der Kal⸗ 
mödenfteppe, die derſelbe für einen Freund in Moss 
kau beftimmt hatte, und bauptfächlich feine Lebens: 
weiſe unter den Kalmuͤcken ſchildern. 2) Die Ge 
fbichte der, zwar im Allgemeinen wohl, aber fo aus 
führlich nicht befannt gewordenen Kalmuͤckenflucht 
unter dem Vicechan Ubafha, im Jahr 1771; größs 
tentheils nach den mündlichen Angaben eines Augen: 
zeugen, mobel der Merfaffer doch zugleich die Mach: 
richten der Herren Ritſchkow und Pallas nicht une 


denupt gelaffen Bat. 3) Die Ueberfeßung eines bei 
den Kalmuͤcen heilig gehaltenen Buchs: Skiddi⸗ 
Kür, Mongoliſche Erzählungen, — oder vielmehr 
Mähren; die aber den Perfifchen nicht gleich foms 
men. Diefem Bande find auch zehn Tafeln Kalmldia 
ſcher Schriftzuͤge beigefügt. 


Den ganzen zweiten Band nimmt hauptſaͤchlich 
aur ein fogenanntes Kalmuͤckiſches Eittengemälde 
ein, das, neben einer Befchreibung der Kalmuͤcken⸗ 
fleppe, zugleich die umſtaͤndliche Schilderung feiner 
Bewohner in fih faßt. Die Entdeckung des Ders 
foffers von einem Kanal zjwifchen dem Paspifchen 
und ſchwarzen Meere dürfte wohl, mie er felbft 
nicht ohne Grund vorausfegt, die Aufmerkſamkeit 
der Geographen erregen. Ueberhaupt findet man 
in dieſem Abfchnitt viel ntereffantes, in dem ganzen 
Werk aber zu viel Neues, um es bier befonders aus: 
zeichnen zu. Eönnen. Ich begnüge mich daher, jeden, 
dem es um eine angenehme und Ichrreiche Lektüre zu 
thun if, auf das Buch ſelbſt zu verweifen, und 
hebe bier nur um des möglichen Nutzens millen, 
und um zugleich eine Probe von der Echreibart des 
Verfaſſers zu geben, eine Machricht Über die Kal⸗ 
müdifhen Poſten aus, die nirgend wohl ihres 
Gleichen finden. 


„Weil die Kalmuͤcken bei ihrer Lebensart gar 
Beine eingerichtete Poften Fennen , und die Nusdehs 
wung der Ereppe, ' Öffentliche Machrichten verzögern 
würde, wenn die abgeſchickten Bothen ohne Pferde 
zu wechfeln, ihre Reife machen müßten: fo bat dies 
die Kalmuͤcken zu einer nomadifchen Poſt veranlaßt, 
welche indeß zu manden Misbraͤuchen Gelegenheit 
giebt, Dicht blos fuͤrſtliche Bothen, fondern auch 
Ruffifche Befehlshaber, die in der Horde angeftellt 
find, ihre Dollmerfher, Schreiber, felbft Koſacken, 
fo wie alle diejenigen, welche der Oberfärft mit Päf 
fen verfieht, koͤnnen das erite Pferd nehmen, das 
fih ihnen barbietet, und damit bis zum nädh 
fien Kalmuͤckiſchen MWohnorte jagen. Dft find ein: 
zelne Wohnfige funfzig, hundert und mehrere Merffe 
auseinander, Wer fein Pferd wieder haben will, 
muß felbft darnach reiten. Solche Pferde werden 
gewöhnlich mit gefehundenem Rüden, und auf lange 
Zeit unbrauchbar gemacht, ihren jammernden Be 
ſitzern wieder zugeftelle. Fälle ein Pferd um, oder 
wird in: dem fremden Wohnſitze geſtohlen, fo darf 
ber- Herr deffeiben Feine Klage führen. Manche ab⸗ 
geſchickte Bothen find fo gewiſſenlos, daß fie diefe 
Pferde verfaufen, wenn es auf eine Art geichehen 
£ann, bie fie einer Derantwortung ausſetzt.“ 

A— 6. 


Herzens⸗Ergießung eines Patrioten, über 
die ſich ſo lang verzoͤgernde Vertheilung 
der Marken in ber Maingegend um Of—⸗ 
fenbad). 


Pia desideria! 


Die aber, fo bald man nur ernitlich wollte, in Ew 
fülung geben könnten.) 

Die Dertbeilung der in der Maingegend gelegenen 
fogenannten Marfen, (großer Gemeinheiten, woran 
mehrere Ortfchaften Theil baben,) if ein fehr drin: 
gendes Veduͤrfniß unferer Zeit, das an der Tages: 
ordnung zu ſeyn, mebr als hundert andere Gegens 
fände, verdient, Schon längft und mehrmals war 
von deren Deribellung die Rede, oft waren Verſuche 
und Einkeitungen dazız auf dem Tapet; aber immer 
gerierh die gute Cache wieder ins Stecken, immer 
blieb deren Ausführung leerer, frommer Wunfch des 
Menſchenfreundes, der mit trauerndem Herzen da, 
wo reihe Saaten, fehattige Wälder, fette Wieſen 
prangen fönnten, nichts als unfruchtbare Haiden und 
verddete Eteppen, fo meit das Auge reicht, erblidt, 


Eine folhe Mark enthält wenigſtens 50,000 
Morgen Landes, (die größern find noch von meit 
betraͤchtlicherem Umfang.) und umfaßt mehrere Dies 
fen Weges, die dem fruchtbaren Boden nad, ein 
Paradies ſeyn Fünnten, in ihrem jesigen Auffande 
aber größtentheils einer ſchauerlichen Eindde gleichen, 
melche der Keifende mit Berwunderung und mit dem 
Erftaunen paffirt, daß es in Deutſchlands gefegnet: 
fiem Klima, ein freiwilliges Sibirlen giebt; Woͤſte— 
neien, mo der Geiſt der Verwuͤſtung, anftatt des 
wohlthaͤtigen Genius der Kultur, fein zwedlofes, hin⸗ 
brötendes Wefen treibt. Da begegnet man nie ei: 
nem Sandmann mit flug, Egge, oder Eenfe, fei: 
ner fingenden Zchnitterin, Peinem mit dem Gegen 
der Erndte beladenen Wagen. Begegnet man einer 
mienfchlihen Eeele, fo iſt «8 die Geſtalt eines mit 
dem Belie zur Berftörung bewaffneten Landmanns, 
oder eines Hirtenjungen, der dag magere Dieb von 
der duͤrren Haide in die Lieberrefte vormaliger Wal 
dung treibt, Jeder Bauer glaubt fih als Miteigen⸗ 
ehümer der Mark berechtigt, die allgemeine Zerſtoͤ⸗ 
rung mit dem Holzbeil in der Hand, oder mit dem 
den jungen Baummucs im Keime abmeidenden 
Viche, fo viel am ihm ift, zu vergrößern. Auch nicht 
Einer denkt, — fo fcheint es, — an irgend eine 
dauernde Merbeiferung, Benutzung oder Urbarma— 
Kung des Löftlichen Bodens. Ind wenn er daran 
bächte, — wenn er Hand ans Werk legen wollte, — 
er darf nicht pflanzen, nicht fürn, nicht Wälder 


anlegen. Es find Fälle befannt, me ein ſolcher Meue x 
rer beffraft wurde. Warum? weil es gemeinfchaft: 
liches Cigenthum ift, wo nur jerflört, aber nicht ges 
baut werden darf. Und wer. würde feine Pflanzun: 
gen fhonen? Niemand, Das Grundgefeß der Mar: 
ken fcheine nun einmal Verwuͤſtung zu fen. 
Kaum ein Dogel vermag noch in niedrigen Gebä: 
fhen zu nifien. Auf Meilen: Weite grünet feine 
Aehre, fein Wieſen-Grashalm, fein Obſtbaum, 
nichts als Haidefraut, Ginfter, Klettenbufh, Diftel 
und Dornen. Es ift, als gehörte ein folder Etrich 
Landes nicht der Menſchheit, die vermöge ihrer vers 
nünftigen Natur alles zu verbeffern und zu benußen 
firebet, fondern einem feindfeeligen Genius, einem 
Ahriman, ober Adramelech, der die Menfchen durch 
Mangel und Unfruchtbarkeit quälen und peinigen 
mollte, und ber feinen ewigen Fluch auf dieſe Ger 
filde gelegt hätte. Es ift ein herzzerreißender Ans 
blick für den Maturfreund, der die forſtwirthſchaft⸗ 
liche Debandlung der Vegetation liebt, wenn er das 
aufgefheffene junge Laub : und Madelbolz halb zers 
frejfen und zerriffen, bier eine junge &iche -ihrer 
Krone beraubt, dort einen Tanneniprösling von 
Rinde entblößt, feiner Zweige entfegt, — kurz, alle 
Gewaͤchſe ihrem nahen, völligen Abfterben entgegen 
trauern fiebt. 

Kime die Theilung diefer großen Wuͤſtenelen 
zu Stande, würde folglich jedem Privat: Eigenthuͤmer 
feine beftimmte Mergenzahl zugemeſſen: welch ein Ges 
mwinn für den Bauerftand der Gegend wuͤrde dar: 
aus refultiren, für einen &tand, der fih im Durch⸗ 
fhnitt der Verarmung hier ſichtbarlich nähert! Weich 
ein Erfah für die langwierigen, erichöpfenden Krieges 
drangfale! — Schon biefe lebte Ruͤckſicht allein 
follte ein dringendes Motiv feon, um ohne den mins 
beiten, längern Zeitverluft zur Theilung der Mars 
fen zu ſchreiten, und dieſe neue Huͤlſe quelle des 
Mohiftandes dem Landmann zu eröffnen. jene 
Wildniſſe würden im kurzen eine Korntammer, eine 
reihhaltige Nabrungsgeldgrube für viele taujend Men⸗ 
fen merden, — und bie fünftige Generationen, 
die dem Holzmangel zw erliegen Gefahr laufen, 
wuͤrden in fchattenreichen Wäldern wandeln, und 
methodiich die fallende Art anlegen, Denn die Ma: 
tur bat alles für diefen Boden getban, der Menſch 
nichts. Außer dem Wohlſtand des Landmanns, 
diefer Grundfeſte alles National» Reichthums, wär 
den der Etaatsverwaltung auf fehr vielfache Art 
beträchtlibe Revenuͤen, z. B. an Zehenden, Wiefen: 
zinfen u. d. gl. zuwachſen. 

Möchte doch mit der gegenwärtigen merfwürdi 
gen Epoche, die man mit jo vielem Recht in der Ge: 


ſchichte die newe nennen Bann, auch der längft er 
fehnte Zeitpunkt erfcheinen, da, durch thätiges Eins 
verftändniß der Landesherrſchaften folder Marken, 
alle diefe Einöden getheilet, und &egen und Frucht: 
barfeit über dieſe feit Jahrhunderten vernachläffigte 
Gefilde verbreitet warden! Welcher Vaterlands: und 
Menfchenfreund wird nicht herzlich in diefen Wunſch 
mit mir einflimmen, nicht noch herzlicher — wenn 
ihm baldige Erfüllung folgte, — mit mir frohloden? 

Offenbach im Herbfimond 1804. — 


Aphorismen. 


E⸗ iſt eine gefährliche Eigenſchaft, die manche Tus 
gend nennen, ſich über Lob und Tadel hinwegzuſep 
gen, und um das Urtheil der Welt fich nie zu kuͤm⸗ 
mern. Staͤrke iſt fie nur dann, wenn fie ſich auf 
Eeibftgefühl gründer, . 

Der Ausdrud Sinnge dicht ſcheint für une 
fere Fleinen wizzigen Epigramme nicht recht zu 
paffen; — denn Sinn foll wohl nothwendig jedes 
Gedicht haben, Vielleicht wäre: Witzge dicht ans 
nehmlicher. 

Die Kunft foll die Matur idealifiren, flatt deifen 
naturalifirt man oft die Kunft. 

Der Gefhmad allein, darf über ein Kunſtwerk 
nicht richten; denn er kann feinen Grund angeben, 
als den: es gefällt mir, oder es gefällt mir nicht; 
und das ift für den Fein Grund, der vielleicht das 
Gegentheil fühle, 

Ein Maler, heißt es irgendwo, der mit bem 
Fuß pinfelte, und die Hände in den Schooß legte, 
würde in unferm Zeitalter unftreitig fein Gluͤck ma: 
den. Man fönnte hinzufeßen, ein Narr, der mit: 
unter gefcheidt märe, noch mehr, 

Wer dir ein fremdes Geheimniß entdedt, dem 
vertraue nicht leicht das deinige an. 

Se mehr du bif, defto mehr ſollſt du wer: 
den! — ein ewiges Gebot, 

Leidenfbaftlihe Liebe kennt keinen Stillſtand, 
entweder ſie iſt im Steigen, oder im Fallen. Nur 
die Ruhe der Liebe iſt Buͤrge ihrer Dauer. 

Sehr wahr heißt es an irgend einem Orte: 
„Mir find auf einer Mißion, zur Bildung der Brüder 
find wir berufen.” Dur, möchte man hinzufegen, 
laßt uns feine gewöhnliche Mifionäre feyn. 

Die Alten beſaßen die Götter, die Meuern müf 
fen fie poetifch erfchaffen. Dort waren fie dem fe 
ben gegenwärtig, bier müffen fie wenigftens die Ge 


genwart beleben. 
€, Schreiber, 


— 136 — 


Nicht-potitiſche Zeitung Nro. 47. 


Yud Berlin 


Em it die Denfmünse auf Herder, welche ber tar 
Ientvolle Miedaitieur Abramion und hoffen lieh, fertig gewor⸗ 
den. Gie lbertriffe bie auf Kant, im Ruckſicht der Ausführung 
weit, und hat in der That grode Vollendung. Die Idee im 
dieſer Medailie, einfach, aber bielſagend und fchön, gab ber 
berühmte Archaolog Böttiger du Dresben, au. Auf der einen 
Seite ficht man Herders abnliches Bilbnid; auf der aub.rn 
einen Kleinen antiken Tempel, in welchem die fümbolische Hilde 
faule der Natur prangt. Doch es if am beiten, ben geifieeis 
en Erfinder ſeibſt ſprechen zu laſſen: es zient aiemand auchz, 
ber Lobredner bes uroßen VBerrwigten zu ſeun. 


H ewers Kopf auf der Medaille iR mach feiner von Klauer im 
Weimar geformten Buße und nad einem von Bürg gezeichne ⸗ 
ten und von Muller in Wermar geſtochenen Portrait, das die 
Gamilte des Verſtort enen selbii fe das ahnlichtte ertlart, gear⸗ 
beitet worden. Herder war 1741 10 Wiohrungen im Könige 
reich Preußen geboren, und ıtarb 1803. Dies jagt die Umſchreft: 

Job. Gotit. os uxepen. Nut, 1747: Den, 1803. 

Herder, der Denter uud Eihrirtiteller, umjahte alles menide 

förawürdıge Wiſſen, und gehorre alten Fakuttaten und Zeital⸗ 
tern an. Aber eben Diefem yeirenm Umſang des Erfenneng, 
war auch das Empfinden in ibın iur boten Potenz erhoben. 
Höbe und Tiefe, Zartheit und Starke vollendeten bier das Pos 
Indord, das wohl ſelten im einer Menſchenbruft fo rein um» ſo 
von errönet bat. Dies machte den Wiſſer zugleich zum Dice 
ter, und baute allen feinen Schriften einem Hieblic + jartem 
Dichterduft um, den mande reinprosiihe Erin wohl gar zus 
weiten etwas unbequem fanden und unsant abzuwiſchen ſuchttu. 
Es met eine ſaawere Auſgabe ſeun, alles, was er als Echrift⸗ 
ſteller und LAuer der deut chredenden Volterſchaften ſeit ſeinem 
Kt n Jahre verſucht und vollendet bat, in einem eimigen 
Bulbe ſammen zu faſſen. Dies konnte alſo auch ber Meverd 
der Aedalle nicht andeuten wollen. Seine Schriften, Die 
Deut Mand bald volrſtandig und aufandig gedruckt beiigen wird, 
könn bier allein reden. ber Verediung, Vervolike imnung 
des Wienidengedischts war ſein hed ſter Beruf. Darauf ging 
all ſtin Schreiben und Lehren. Und darum iſt er oitein Geweihh⸗ 
ter und Einmeilender, ja ein Hoherprieſter der Hw 
manität genannt worden. Seine Jpeen iur Geibimte 
der Meniahert umd feine Briefe iur Beförderung 
der Humanität, find in den Handen und Herzen aller gu⸗ 
ten Ikemden. Damit aber bie Menſchheit wirtisch Hüger und 
beifer wide, predigte er_ auch ſiets Die meſſeude, richtende Got 
tin, die hohe Memefis, Die Zeitichrift, bei der feiner Haud 
der Grifel auf imwer entiant, feine Ndraften, war nur bie 
letzte dieier Predigten, Dies glaubte man mod am erſten im 
der deutungsvollen Vilderprache des Alterrhums ausdrucken zu 
Finnen. Die große Gottin in Ephenes it mit ihren alleruah⸗ 
renden, thierummimmelten hundert Bruͤſten das ſorechende Eyiıs 
Bol deiien, was wir jegt Humanität nennen. Auch hatten bie 
Alten ſelbſt kein anderes Bild dazu. Bor ihrem Tempe, ber 
nach bekannten alten Münzen aebrider sd, ruhen bie zwel mtipe 
fiiichen Greife mit dem Kade der Nemens. Der Prißer, der 
die Einzuweihenden in den Tempel der Humanitat einmhren 
will, wird fie mern auf dreſe Temvelmäcter umd das Ein 
bud der unbefediichen Göttin des Rechts und aller Bergeitung, 
auf das Rad, aummerkiun machen. Herder thats, und darmm 
iſt er bei Muweit und Nachwelt, was De Umſchrift auszuſpre ⸗ 

t 
* — magnae matris castusquie sacerdos; 

d. 4. Ein beredter und feufdber Prieſter der 

großen, meni&enfreundliden 
Mutter Natur 

Gern hätte man noch ein zweites Sombol der Stadt Erbe 
fuß beigerliat, Die Biene Der Unpergehliche verkamd fi aufs 
Einfangen des Biumemn + Nektard aller Eyraden umd Zeiten, 


und wußte Gerrlicen Henigieim daraus zu bereiten, Wer ihn 

fdrelten wohte, zablte nur die Blumen vor, aus deucn diefer 

Sart guiamumengeiragen ſey, vergaß aber dabei, da jener Saft 

erſt durch Die Vene sum Honig werde," Bottiger, 
Aus Englijgen Blättern, 

Ein Gerichts: Beamter und feine Frau, die eine Quftreife nach 
Brighton gemacht harten, wo-der Prinj von Wales den Eommer 
aubrungt warden wit einer Einladung zu einer Abendgeiellichait des 
Pringen ubereajbt. Sit fanden ſich ein: doc miemand kannte fie, 
niemand wußte bavon dah fie eingeladen waren, und fie beranden 
ſich in der außenten Berlegeuhelt, bis der Prinj davon bemachriche 
tigt wurde. Ge. Königl. Hoheit gingen zu ihnen, jagtem ihnen, 
das fie Dem unjeltigen Soaßmacher, der bie Einladung gefdatier 
der habe, für ihre Bekanntſchaft fehr werbund:n waren, umd jeiche 
mere fie dem ganzem Abend durch Die chrenvoliſte Kufmertjamfeit 
aus. — Kant man bumaner handeln? 

— Au dem Barıholemausmarkte verfündigte ein Flicher 
durch amgeichlague Zertel und lautes Geſchret, einen vier Fuß 
dangen Örumdling, dem er defangen babe. Er dörte viel 
Grid, da gewöhnlich diere Fiſchaattung nur die Lange eines Fins 
pers bat umd die meiſten Beſchauer zu berauſcht waren in dem 
Grmadiing einen — Meerrrochen zu erkennen. Ein audrer Fiſcher 
bot ;pfort ein großes Geran voll der „teeiflicgen Vierfauce ", im 
weider der Orumdling berm Zangen genbwemmen babe, jum 
Bechaten und Koſten aus, 

Der Knabe Beattu, der gemöhntih im den Engliſchen 
Blattern, jege Der junge Roſcius genauut wird, erhalt fhr 
jeden Abend, an dem er auf dem Drury- Lant Theater anfr 
tritt, So Pr. Et. folglih nahe an 300 Thaler. 

— Der ewig ariniende Crofroy mennt jetzt den wackern 
Bifferd „Bürger vom Lübeh,” wm ibm dacheriih zu machen. 
Zur Ehre der berühmten Hanſeeſtadt, die der Bittelvuntt des 
nordlichen Europaiichen Handels war, da Frankreich faſt mach 
gar keinen Handel hatte, — ſei es gefagt: im Lubeh würde 
ein Menih von fo hamiſchem Eharafter und fo abgeidhmafren 
Uniprichen, ald Herr Geoffrot, bald ein fo ausgegidneter Ge⸗ 
nenitand des Haſſes uud der Verachtung ſeyn, Dad er das Weite 
fuchen müfte, 

— Ya Belebung auf die im dieſer Zeitung mitgetheitten 
Nachrichten, dad Schiller am einer Weltgeſchichte umd am eis 
nem ZTrauerjpiel, deſſen Held Attila in, arbeite, wirt eime 
Yartfer Zeitung die Fragen auf: Ob er im der eriten Arbeit 
wol glüdliber als Boſſuet, im der letzten, ald Corneike, 
fenm werde? Das erſte dafit ſich wohl unbedingt mit Fa beante 
mworten, ba man jegr Dir Die Geſchlchte einen fo sche viel hir 
bern, vhltoropblichen Gefichtspunte gewonnen hat, als ver 130 
Iabren möglih war; Das letzte — Es kommt darauf an, 
ob Schiuet feineus Genie folgen, oder gricdisen wird, 








Berlin, im September, 1904. 
Der Vetfaſſer eined Velefiragments im Mr. 40 des Intels 
ligenn⸗ Blattes zur Zeitung fur dee elegante Welt, erzählt: ich 
harte bei meine Nedbattion ber Epbinr Echlag auf Schlag 
Ausfälle gegen dan Herren Dr. Mertkel gemacht. Da es nun 
durchaus kein ciniiges Mal geſchehen it, ſo muß Kb 
für das Bewutztſeyn jenes Heren Vriciſteuers fürchten. Ich 
hate jagen hören, wenn bad Uebel mac nicht eingewurjelt if, 
ſon das Tropibad gute Diemite klamm. Er brauche ed da 

bei Zeiten. Julius von Voß. 


Antwort 


auf eine überſtuͤſſige Frage 


„Wo in Vertin das Tropf⸗Vad ir 
hans, überall wo du im Lade bit, 
G. M. 


— — — —— — —— —— — 


1804 2 





Der Sreimütbige 


Eonnabend, 


EeE rn ft 


— 00 u 


und 


den 22, September. 


Sherry 





Literatur. 


Bierteljährliche Unterhaltungen; herausgegeben von 
E. 5%. Huber, Zweites Stuͤck. (Tübingen, 
bei 3. ©. Cotta, 1804.) 


iefes Heft iſt weit intereffanter, als das erfte, 
das in Mr. rı5. des Freimlichigen angezeigt wurde; 
denn — Herr Huber bat diesmal etwas von feiner 
eignen Arbeit beigetragen, und jwar die beiben ers 
fien Afte eines Cchaufpiels „der natürliche 
Sohn“ überfihrieben, das in Berlin mit vielem 
Beifall aufgeführte worden if. So viel ich aus die: 
fen mitgetheilten Ecenen ſchließen kann, verdient es 
eine fo ehrenvolle Aufnahme auch vollfommen; denn 
bie Fabel des Stuͤcks ſcheint fehr anziehend zu 
fein, und die Sprache, in der es abyefaßt in, iſt 
edel und kraſtvoll, wie man das von der Feder eines 
Huber wohl nicht anders erwarten fann, 

Auch die Ergählung von Friedrich Laun, bie 
fem befannten Polygraphen, — er hat fie „die beiden 
Sperlinge“ uͤberſchrieben, — wied Lefern, die zuwei— 
feh auch mit etwas Hausmannsfoft gern vorlleb neb: 
men, recht artig unterhalten. Herr Laun hat in 
viefer Bagatelle ie unnuͤtze, langmeilige IWeirfhmwei 
flgfeit, die man ar feinen —X Schriften oft ruͤ— 
gen moßte, glädtlh vermieden, und dadurch find 
viele feiner, in der That zumeilen fehr wigigen, Eins 
fälle nicht fo verwaͤſſert worden, als fonft. 

Die Gorrefpondenz zwiſchen der Kerjegin von" 


und der Fürftin von * * ift Fortſezung eines im ers 
ſten Erd abgebrochenen, fehr intereilanten Auffaßes, 
Den vierten Plaß nehmen Gedichte von verfchier 
denen Verfaſſern ein. Folgende ſcherzhafte Vagarelle, 
von dem ehrwürdigen Pfeffel, wird man gewiß 
auch bier mit Vergnuͤgen finden.  - - 


Der junge Haaſe. 


. Mit ernftem Schritte, wie der Heid 
Ton Mancha, kam ein junger Haafe 
Rad Haus, umd ſeine wunde Mare 
dien dat zu rauen: ſtaune, keit! 


Du Muteh, Meer rach ein (Greif 
Zu ihm, was hat ſich sugetragen? , 
ge nun! ich habe mich geſchlagen, 
Verſetzt er, und der Kamp war. Hell, 
Wast vier Me ganze Eivpichaft auf: 
Bridiagen? wie! mit welchem Feinde? 
Fi einen Hund? — Ach, Ikeben Freunde: 
Mit einer ungtheuren Maust 


Angehaͤngt iſt diefem Stuͤck noch eine Verglel⸗ 
chung zwiſchen dem, was Unterjeichneter über die, 
im erften Heft‘ ftehenden, Blätter der Liebe 
(Freimöchiger Pr. 175.) gefage hat, und zwiſchen 
einen Fragment aus ber.befannten dialogifchen Vor: 
vede Rouſſeaus, zu feiner neuen Heloife, Herd, — 
der Derfajfer diefer Vergleihung, — beurfunder da: 
vurch, daß er fich in dieſem Nuffage neben Koujfcau, 
und fein Merk neben die Heloife flellt, eine Eitelkeit, 
für die man nicht leicht einen Namen finden kann. 
Mag er aber jmmer in feinem Duͤnkel ein zweiter 
Rouſſeau fein, das gefhmadvelle, unpartheiifche Pu: 
blifum wird jwifchen Herrn V. und mir entſcheiden 


— 238 — 


und bie Blätter der Liebe eben fo langwellig 
finten, als ich. Dech genug, und ſchon zu viel das 
von! Ich mwürke diefe witzig⸗ fein + follende Antifritif 
gänzlid unbemerfe gelaffen haben, wenn fle nicht ein 
Seurnal — verungierte, beidem der Name feines 
achtungewärdigen Heraue gebers zu großen Erwartuns 
gen berechtigt, 
— hn. 


Nu fi 
Trois Sonates pour le P. F. avec acc. du 
Violon et V. Cello P. Woelil. 


Mas diefe Sonaten vor vielen andern auszeichnet, 
iſt — daß es wahre Eonaten find, In unfern 
Diufitfotalogen finden mir ihrer immer eine Menge 
angezeigt, aber dje meiften find entweder bloße Phan- 
tafieen, oder Opernſaͤtze, zuwellen auch nur hinge— 
worfene Einfälle und muſikaliſche — Bijarrerieen, 
Die echte Sonate muß ein regelmäßig durchge— 
führtes Ganzes ſehn, das zwiſchen dem Konzert und 
der Symphonie, zwifchen dem hohen und niedern 


muſitaliſchen Styl, fo wie zwiſchen dem keichseren _ 


und ſchwereren, ein gefälliges Mittel hält, Von die: 
fer Art find die verliegenten, und es braucht alſo zu 
ihrem Lobe nichts welter hinzugefoͤgt zu werden, - 


Quatuor pour le-P. Forte, Violon, Alto et V. 
Cello, par J. L. Dussek, 


Dies Werk ift dem Prinzen Ludwig von Preußen’ 


jugeeignet, in deſſen Dienften jegt der Def. als Ka: 
pellmeifter ſteht. Nicht allen Lefern des Fr. dürfte 
es befanne' fegn, daß biefer Prinz felbft ein großer 
mufifalifcher Tonkuͤnſtler ift, und daß feine Werke 
einen Beweiß von vorzuͤglichem Talent geben. Hrn, 
Qußels Rompofitien ift befannt, Dies Quatuor ge: 
hört unter die beften feiner Art. Es bleibt dabei 
nichts zu wuͤnſchen übrig, -als daß der Verf. die 
Ausrüchfe feiner genialen Phantafie mitunter ein 
wenig befchneiden, und manche Uebergaͤnge mehr 
metiviren möchte. Schreiber, 


Brief von der Kuffifhen Weltum 
fegler-Esfadre. 
Den 21. Yan. Santa Crus a. d. Kuͤſte v. Brafilien. 


Sen 27. Oftober verließen wir Teneriffa, den 
or. December famen wir hier an, fhon ben 17. fahen 
wir die Kuͤſte, den 18. frieb uns ein Eturm in bie 
See. Unfere Reife gehörte zu den geroößnichen, 
Sen Trordoftpaffat, der überhaupt nicht recht regulär 
mar, verlohren wir zwiſchen den 6.u. 7. Grad noͤrde 
licher Breite. Den 16. Movember maren wir 691, 

nördl, Br. 21° weſtulcher Laͤnge von Greenwich. Nun 


hatten wir Windſtille, Windſtoͤße und heftige — 
guͤſſe, bis wir den 24. Dev. zwiſchen den 2. und 3. 
Grad nörbl. Breite den Suͤdoſtpaſſat befamen; den 
26. Nov, durchfchnitten wir die Linie 24°3 weſtlicher 
Länge. Einige Tage vorher fahen wir ein amerifanis 
ſches Schiff aus Baltimore; ich ſchrieb einige Worte 
an meinen freund Koßebue, um ibm Machrichr von 
feinen Kindern zu geben. Ob er diefen Brief mag 
befommen haben? An der Parallele zwifchen den 
20, und 21. Grad füdlicher Breite fuchten wir die 
Inſel Ascensao, Wir fuhren noch einen Grad und 
15 Minuten weiter nach Weſten, als Ja Peirouse, 
fanden fie aber auch nicht; mahrfcheinlich eriflirt fie 
gar nicht. Auf unferer Deife wurden fehr menige 
Fiſche gefangen, einmal ein Hayfiſch mit feinem Ans 


‚ fauger, Echinsis Nemoras Es⸗Neein fonderbarer 
Fiſch der fih mit dem Schilde auf dem Kopf fo feſt 


an eine Echlifel von Favance anfog, daß er nur mit 
Muͤhe von diefem harten und glatten Körper getrennt 
werben fonnte. Dies iſt die berühmte Remora die 
das Schiff des Antonius in der Schlacht bei Actium 
aufgielt;  biefer Umſtand ift gewiß dem Dichter der 
Dftavia befannt. Auch wurden einige Bonniten mit 
der Harpune gefchlägen. Einen Tag bei friſchem 
Winde und fiarker Bewegung des Schiſſes, fab ich 
Moritz Koprbum hoch auf dem Bogſpriet, eine Har⸗ 
pune an einer fehr langen Stange befefligt, in der 
Hand: er wollte Bonniten fehlagen. Ich nöthigte ihn 
herunter zu kommen; fallen fonnte er da leicht, und 
fiel er, fo war er wegen des fihnellen Laufes des 
Schiffes ohne Rettung verleren, ‘Da ich ihn ben 
andern Tag wieder da antraf, fo mar ich im Ernſt 
böfe, Flagte es dem Kapitain, und die Matroſen bes 
kamen Befehl, ihm nicht mehr herauf zu laffen. Den 
fliegenden Hering exocoetus volitans, fieht man in 
großen Schwaͤrmen fliegen. In einiger Entfernung, 
fieht man beim Fliegen nur den weißen Bau, dann 
gleichen fie ganz unfern Echneevögeln; der Flug iſt 
eben fo niedrig und ſchwebend, auch fenfen fie fich 
bald wieder. Die Infel Santa, Catharina iſt 
10 Lagoas, 10 Peortugiefifhe Meilen (7 bie 8 
Deutfhe) lang; da fie nicht weit vom feiten Sande 
entfernt ift, fo formirt fie mit der Küfte einen Gas 
nal der obngefähr anderthalb Deurfche Meilen. breit 
if. Vor dem Eingang diefes Canals if die Inſel 
Alvaredo, im Canal felbft find einige kleine Inſeln. 

Wir liegen in biefem Canal vor Anker nicht meit 
von dem Meinen Fort Santa Crus, welches auf einer 
ganz Fleinen Inſel angelegt ift, ‚Die Stadt auf der 
Inſel Santa Catharina, heißt Nos Senlıora do 
Desterro; fie mag 3 Deutſche Weilen von unferm, 
Anferplag entfernt ſeyn. Der Gouverneur hat da 


— 439 — 


feinen Sitz. Eine Folge des fanften Elima’s, If es, 
daß die meiften Käufer eigentlich nur elende Hütten 
ſindz nun ſeiten hat win Zimmer einebefondere Dede; 
das Dach vertritt dieſe Stelle. Bei ſtartem Regen 
bin ich nicht auf dem Lande gemwefen ; es muß immer 
durchregnen. Im Jahr. 1740 war, Anſon hier; feine 
Mannſchaft war krank, er ließ einige begraben ; wir 
find alle gefund, Damals jab ee bier ſchlecht um 
die Bevdiferung aus. Verwieſene und ihre Abfömms 
linge waren fat die einjiaen Bewohner. Es mar 
das Eibirien der Portugſeſen. Ohngefaͤhr 10 bie 
12 Jahr fpäter, wenn ich mich nicht irre, in dem 
Sahr 1751 — 52, kamen Koleniſten von den Agort 
fchen Anfeln hierher, - Die Ehen find bier fruchtbar, 
die Abgaben geringe, ein jeder finder leicht fein Nuss 
fommen: es ıft daber nicht zu zweifeln, daß Die Be: 


volferung immer zunehmen muß, beionders da feine - 


Klörier bier find Nur zuweilen raffen Nubrepides 
N N \ 

mien viele Mienfchen weg, wie diefes vor anderthalb 

Jahren noch der Fall gewefen if, 


ka Feirouse war bien» 7785 Bel’ dem Gouvern 


neur Anquim Xavier Cursdo babe ich einen Thert 
monieter gefeben, ein Geſchenk la Peirouse’s; mehr 
rere Menſchen habe ich gefprechen, die diefen beruͤhm⸗ 
ten Mann bier gefannt haben. a 
Das Yand in köön, die Yeberrsmitte find wohlfeil. 
Einen Ochſen haben wir gekauft bald zu 6:'Piafter 
das Stuͤd, bald aber auch zu K:und 10 Piafler; in 
Rio grande koſtet ein Ochſe 2 bis 23 Piaſter. 
Eigentlich iſt Bier fein recht fefier Preis für die Per 
bensmittei; ein jeder fordert mas ihm einfällt; man 
kauft recht fehr wohlfeil umd auch recht theuer, Es 
orderte einmal ein Mann für eine Bouteille ſuͤße 
Rich anderthalb Piajler, wir lachten ip natürlich 
aus, weil. nach. unferem gewöhnliden Kinfauf mir 
30 bis go Bonteillen für dieſes Geld —— konnten. 
Die hieſſgen Produkte find, Zucker, Kaffee, Baum: 
wolle, Reif, ich meine die ansaefchifft werden; denn 
obgleich bier an Holz gewiß rin großer Ueberfluß ift, 
alle Berge find eigentlich Wälder, fo bat doch Fer- 
nambucco vorzüglich den Handel mit: Faͤrbeholz und 
Häuten, mit denen viel Schiffe jährlich nach Mortur 
gal geben. Don Sta Catharına gefchieht aller Hans 
del über Rio Janeiro; auch die Megerffiaven, vie 
eigentlich auf .der Küfte von Guinea und Angola eins 
—— werden, fommen von Rio Janeiro bierberz 
ie find fehen Ehriflen und mit einem glähenden Et 
fen alle auf der Bruſt geffempelt. Die noch nicht 
verfauft find, liegen Daufenmweife in Nossa Senhora 
do Desterro auf der Etrafe, — er; ganz junge 
ibsbilder unter ihnen rauschen Tabaf, Sch hal 
e fehen ihr Mittagemahl einnehmen: es war «in 
ei von Diandiocca oder Eaffava : Mehl, worin auch 
einige Bohnen zu fehen waren. Einen Löffel hatten 
fieinicht, fie eſſen alle mit der Hand, Da die mıek 
—— dem ganzen veib einen fräkartigen Musfchlag 
atten, J war es eben nicht ſehr apetitlich anzuſe⸗ 
den. Die 5*— Kinder waren gang nadend, die 
Andern nur wenig, bedeft, Das Caſſaba-Mehl wird 
ier häufig als Brodt zu. Speiſen gegeffen; wir aber 
ben einen Vorrarh: gekauft,» um unfere Schweine 
auf der Ere zu. furterm Wir nehmen: ihrer recht 


viele mit; denn Schaafe giebt es hier faft nicht, 


Schweine und Gefluͤgel wird bag einzige frifche Fleifch 
ſeyn, *5 —* 5 See haben werden. Wir 
—— uns lange hier en: weil auf ber 
ewa zwei neue Maften nörhig waren; dieſe find 
nun ichon angefommen; fie find von rothem Holze, 
und war Copaiva- Balfamı Bäume Bald werden 
wir abfegeln, 1 
Die Zeit hier haben wir. gut benußt, das heißt: 
wir find oft auf der Jagd ‚gemefen, ‘Deine Eöhne 
und ich. Mir * auch recht viel geſchoſſen. Un: 
ter andern ſchoß Otto einen ſchͤnen Echman; alles 
an ihm war weiß, nur der Hals ſchwarz, der Schna⸗ 
bei und Die Füße blaßroth. Wroriz ſchoß einmal ei: 
nen ſchneeweißen Dogel, eine Art von Storch, nur 
merklich kleiner als unfere Stoͤrche. Bald waren 
wir auf terra Firma, bald auf der. Anfel Santa 
Catharina, ‚Auf dem feiten Yande in dem Flecken 
San Miguel trafen wir einen Deurichen an, Adolph 
Kange aus Köln; er war mit den Epaniern als 
Eergeant bingefommen, da dieſe im Jahr 1777 Sta 
Catharina eroberten. Wei diefem Herrn Adelpho 
aßen und jchliefen wir. Auch in Nossa Senhora 
do Desterro find Deine Eöhne mit geweſen. Da 
hatten wir einen artigen Spaß. Wirthshauſer giebt 
es da nicht; in einem Haufe wohnte ein Englifcher 
Schiffskapitain, daher. nannten wir es die Engliſche 
Auberge., Den. Abend war ih mit dem Grafen 
Tolstoi in einem Zimmer diefes Haufes, Die Ihhr 
war auf, Moritz Kopebue läuft jehr fepnell on uns 
vorüber, ein Portugleſiſcher Offizier eben fo gefchwind 
ibm nach mit bloßen, — Degen; eine Menge 
Eoldaten mit gefällten ajonett ſtuͤrzen hinterher, 
Der Offizier faßt Graf Toolstoi am Arm, nun ſahen 
mir daß er ſich irrte. Wir fagten ihm, mir feien 
Ruffen; er entfchuldigte fi, ging in das Zimmer 
neben uns, und arretirte den Enalifchen Kapitain 
mit noch einem andern Engländer. Der Kapitain wird 
befchuldigt und zwar mit. Recht, Eeeräuberei getrie: 
ben zu haben, Wir faben ihm 3 Piftolen abnehmen; 
marum batte er dieſe Piflolen, wenn er rein war? 
Mori wurde wacker ausgelacht; er mar gelaufen, 
weil diefe Menſchen gerade auf ihn zugefommen wa: 
ren. Ich dachte im Anfange, er babe die Mache ge: 
net. Daß Drafilien reihe Goldminen bat, iſt bes 
kannt, eben babe ich ein Stuͤck gediegenes Gold ges 
feben, einen ganzen Klumpen, ganz rein ohne Zufaß, 
ein- anderes mit. etwas Braunflein, Oro pretto, 
ſchwarzes Gold. Alle Edelgefteine findet man bier, 
nur die Diamanten gehören ausſchließend der Krone, 
Das Tbierreich ift hier eben fo reich, als das Eteinz 
und Pflanzenreih, unfere Naturaliften bringen eine 
reihe Sammlung mit. Tilefius zeichnet vorzüglich 
gut; mas fi nicht erhalten läßt, wird gezeichnet, 
ougainville war fehr unzufrieden mit dem Gouver⸗ 
neur oder —— zu Rio Janeiro; wir muͤſſen 
Herrn Curado fehr- loben. : N 1 
Funfzig Meilen von der Kuͤſte giebt es milde 
—— die gu —— nennen, fie 
nd von Eleiner Etatur und breitfeultrig, baben- 
Fleine — und ſind kupferfarbig; mit den Portu— 
48 ind fie in beſtaͤndigem Krieg; fie find Antropo⸗ 
phagen. 


ee en (Die Fortſehung folgt.) 


— 440 — 


Nicht- 
Aus Riga“ 


Wlarnoe wurde im Perimüthlgen (Mr. 171.) der betannten 
Sangerin Mat, Acker anng bormaligen Lippert, erwähnt, 
als ob fie auf einer Reife mach Petersburg begriffen wäre, Sit 
IN aber ffir Miga engagiert und wird Aier käͤglich mit Gehnfucht 
erwartet. Demeifelte Paufer, die feirherige erite Sängerin beim 
hiefigen Theater, verlänt daſſelbe — wit man fügt, — für im · 
mer. Mad, Ackermann nimmt ihren Ptatz ein. 

Here Profejor Robertſon, der bei feiner neulichen Mufarch 
eigentlich Dre Abſicht gehabt Kat, fih von Riga mad Mietau iu 
degeben, wenn der Wind felbige begunttigt hätte, bat den Be 
dauten am einer ziveiten Luftfahrt Birglich aufgegeben, Die 
NHeualer würde nur wenige verführt Gaben, sein zweites Dutar 
temtiiier zu lien. Man wollte Gier bekannten, daß er denk 
Luitihifer Garnerin mit Gourterpierden nachgetiſt wäre, um 
itzm an einem dritten Orte gleichfalls dad praevenire ji foielem. 
Uindere wollen wigen,; dag er Bei der Wetersburger Atademle 
förmtich engagirt ſcy. So viel iff indeh gewiß, dah man dort 
noch einer dritten Luftreiſe won Ihm entgeatuſieht. — 

Der Inhaber bes Norbichen Indufirie« Gomptoirs) der fich fo ort, 
ofme «4 au wiſſen, feihnt perfiätier, Harte aeulich im dem hirfigen 
wöchentlichen Unseigen die lakoniſche Bekanntmachung erlafen: 
„Dah Bonaparte und das Framoſiſche Voit fr eimen halben 
Shater bei ihm au Haben wären!” Died wurde bier allgemein 
belacht und gab zu mandem Bonmot Anlah, Unter ander 
wlinjchte man diefe hochttwichtige Nachricht durch ein vleigeleſe ⸗ 
nes Blatt den Engländern unter die Augen zu bringen, damit 
fie ſich wicht weiter in ummörbigen Kriegs » Operationen erihöps 
10m, wodurch fie doch nimmer das erringen wärden, worzu fie 
Bier auf einmal fo wohlieiien Aaufs gelangen könnten! Much 
Würde der Held. Frantreichd, der bei Marge bem Tod micht 
firdhrete, endlich vieleicht einen Mann fürchten lernen, dem 
Kaifer und Reich Für einen fo clvilen Preis feil find! MS, 


us Mietam. 


Gau turilich gab ſich hier ein Abentheurer für den Paftor 
Eeider aus, beſuchte die Giefigen Prediger und einige Gelehrte, 
wie ihn denn auch, da jener tlmen wicht verſontlich bekannt war 
und dieſer bei einem gewilien Auftrich vom Bildung. bie genmuene 
Setanntſchaft mit allen Verhaltniſſen des erſtern verrieth, bafır 
heiten mußten. Bei Feder Verautaſſung erinmerte er ſich mit 
Thranen feiner umglüchtichen Lebenskataſtrobhe und Forsch über 
send auch viel“ von feiner atdruckten Peidensueräichte im pwei 
Banden, die betanntlich nicht herausgelommen if. Daburd) vers 
viert er fich zuerſt, und es fand ſich bald darauf wirklich: dalı 
die angebliche. Pallor Gelder — ein abgebantter Interarft: 
Hier war. Gr ſucht aurKolern eimes audern marcher ſich einem 
Kuf iu erſchleichen, deſſen Name a6, ensigen Vergeſſenbeit berkjumum 
WM Sehe die. mörihgen Gelärtenmmgen, is der Schrift dei 
Din. vom Kopebue: Das merkmimdigite Jaut ic — 
teipiüg 

Erna und Scherr, die artige Tändelei, if hier vor fur 
vem jum erſteumalt atachen worben. Gatters fa eimiiged 


⸗p'o liſt iſſche Zettumg Nro. 48. 


Charatierſuct,/ der; —E— — — Ehemann, war dat 
uachſte mal darauf; md. umübertreglih mar im lepterm Daß 
Solel unters Ovig, als Biseririat'Grant um Ehriff, 
als Ehemann. Sarrick tadelte ein an Previiie, dal fee 
Kinker Susi in der Scene, wo er eich Beraufibten dargtelite, 
nichtern geivefen ware z ditſer Cigentiat war im keinem Muſtel 
nitchtern, und doc rundete die Graͤlte alles fo ſchon und machte 
den kecken, betrunfenen Madridıwarmer ſo licbeuswurdig, dal 
din jeder nur nicht argwöhniice, Ehemann willtemmen Heike 
mußte. Daß Lanajfa wieder aufgelebt if, verdient der Selten⸗ 
heit. wegen bemerft azu werden. Nachtens iR EChurfürk 
Sriedbrid von Sachſen, rin Stück, das wenigttens vom 
guten Yasrioten gern gefehem werden vohrd. ' EN 


“Un % ulm, ‚dba 
‚ dom 10. Erptember, 


Dos, der A birr bei — alten Secunde Winter (Berfafee 
des Sirgmart) befindet, hat iu Würiburg eine Unfellung zur 
Organifirung und Direktiom des Eculweiend in der Balriſch⸗ 
Stantiſchen Yrovin, angenommen, 


‚ Ueber das beigefügte Kupfer. 


Au freie Zugabe, deren Beſchagenheit ben Werth Bieter Schrift 
weder erhöhen mod verringern kann, wird dieſem Vlatt auf 
erlangen ein Modeturſer beigefügt, Ich habe uber daſſelbe 
nichts zu fügen, als daß ich ben Leſerinnen das hoffentlich am 
ginchme Verſorechen thue: der kiimitige Jahrgang dieſer nichts 
volttifdhen Zeitung foll, wenn ſich wicht ganı unuber— 
ſteigliche Hindernige finden, — einen ſtehenden Modeartikel ent: 
halten. Zugleich erſucht ich Alle Inhaber von Fabriken und 
andre, die einen Hanen Aufwand nicht ſcheuen, um einer neukn 
Erfindung fihneiie, allgemeine Vablicttat zu · verſchagen, Zeich num · 
gen umb geſochene Srupierplatten — bei ehe wichtigen Erfen⸗ 
Dungen reden auch Die eriten hin, — am Die Redattion des 
Freimiruigen einmefenden. Sit jollen ſchtzelt und, jauber abge 
druckt, umd diem Blatt beigelegt werden, 
Der Red, 


Erklärung des Kupfers. 
Der Hut in von Linon oder Bart mit gefarbrem Taffent 
gerutteri. Das runde Kragentuchh von Mokifehin eder Mari, 
He mit einen Fraiſe vom gehntftem kineng beiegt und unten init 
Vointe oder Santea garmier. Die Schurze ik vom weiien Era 
mit ciuemn getnirten VBeſatz. Im der Hand trage die Dans 
nen. haben der jchn hımuem dd. Das Bla wird wermige 
es Schiekers keransgeihoben, und badet jo entfaltet einen 
Bi. "ren fo ſauen kann das Vlatt wieder im feine Scheide 
ber Awinden, Die mir dein Eric aur 8 Joll fang in, und 
Bahr ſeicht im Strickkorbchen oder Atbeitebeutel, verlorgen 
werden Mann, Dieſe Art Zacher, werden in glattem ZTaffemt 
geniale, geſickt und im Silber gedruft, bei Friedrich Nie 
in Bertin vericrtigt. Derſelbe bar ſeit wenigen Monatru, 
eine Facher⸗Faben in Berln ‚errichten, tm weicher bereits 
16 manntiche und 6- weibliche Arbeiter ihren Un ſerhalt fiadeih, 
Dieie Faprıt bat. ſich hon einen bedeutenden Kur durch ‚Emm 
tung der Parents + Dmubrerten erwerben, Avopon vVigie hundert 
Tugend zeinacht,“ mud verjendet worden find, DIE Zeichnung 
auf dem amfiehzen Nlatt jrlat die Form berſethen. Eie wen 
von aus Taͤffent de’ allen Garben: und Ingtichen Gefhafren mas 
rariicher · BGlatter gemnadht; Wrei ſolcher Blatter, unterwärte 
vereitiat, bewealich und an einem Stiel w.rbunden , bilden’ bie 
Ompreiten bie mad Wolichen audeinamder geihebin werdesn 
kann.- i 5 N. 


1804. 





Montag, 


ern ft 


Nro. 191. 
Der Greimüthige 
— 0 —— den 24. September, 
and © er; 





Literatur, 
Pauline, Eine Erzählung von der Verfafferin der 
Delphine. Pirna bei Pinther, 1805. 


ahrſcheinlich wollte Frau von Etael in biefer 
fleinen Erzählung an dem Beifpiele Paulinens und 
Eduards, die Gefahren Übertriebener Delifateffe ſchil⸗ 
dern, und die Frage beantworten: ob ein Mädchen, 
das um ihre Unſchuld betrogen ward, die Pflicht auf 
ſich Habe, ihrem Eünftigen Gatten diefes Lürzliche 
Geheimniß zu offenbaren oder nit? — ie ift der 
Meinung, dab die Schöne allerdings beichten muͤſſe. 
Diefer Beweis von Vertrauen, tilge in den Augen 
eines edlen vorurtbeilefreien Mannes, einigermaßen 
ihre Schuld, Verheimliche fie ihren Fehltritt, fo 
werde fie wenigſtens bei einigem Zartgefühl nieganz 
ruhig und glädlich fein, und es könnten die unglüt 
lichften Folgen entftehen, wenn ein unvorberjufeben: 
der Zufall ihren Gatten damit befannt mache, — 
Die geiftreihe Verfaſſerin hot diefe fehr ſchwierige 
Aufgabe befriedigend geloͤſſt. Unter ihrer Hand ift 
ein fehr anziehendes Meines Sharaftergemälde entſtan⸗ 
den, voll ergreifender Mabrbeit, wenn man ſich nehm: 
lich erinnert, daß die Helden des Romaͤnchens Fran: 
ofen find. — Man ift freilih der Merfafferin an 
fange ein wenig böfe, daß fie ihr reisendes Pärchen 
nicht glädlih macht; mn. der wichtigen Lehre mwik 
Ten, die aus der Kataftrophe hervorgeht, verzeiht man 
ihr jedoch bald, und felbft aus aͤſthetiſchen Gründen, 
denn bier war offenbar die Anlage zum Tragifchen 


— T— 


da, und bie Erzählung hätte bei einem froͤhlicheren 
Ausgange allen Werth verlieren muͤſſen. 

Die Ueberfeßung ift leicht und fließend und fcheint 
au treu zu fein. Ich fage ſcheint; denn fie mie 
dem Driginale zu vergleichen, hatte ich Feine Gelegenheit. 

— dt. 
Brief von der Ruſſiſchen Weltum- 
fegler» Esfadre. 
Schluß.) 
Den 24. Yan. Santa Crus a. d. Küftevon PBrafilien. 

s giebt aber auch hier Abftämmlinge von India⸗ 
nern; von einigen wird gerähmt, daß fie große Kennt: 
niffe in den Wirfungen der Kräuter haben, mehrere 
von ihnen werden fehr alt. Joſeph Fernandez Ur: 
tunio ift 112 Jahr alt geworden, und hat einen Eng: 
länder in 14 Tagen vom Krebs kurirt; mahrfchein: 
lich eine Fabel. — Francisko Nibeira flarb 1786, 
alt 132 Jahr; — Salvador Tayares flarb 1803, 
den 7. Geptember, alt ı22 Jahr. — Einen Schlan— 
genbiß zu Furiren, darin follen befonders die Meger 
geſchickt ſeyn. Man bat bier ein Kraut, das inner: 
lih genommen, giftig ſeyn foll, Erva dos Cobres, 
Echlangenfraut, ein jeder fennt es; gequetfcht aufdie 
Wunde gelegt, foll es häufig den Echlangenbiß fu: 
riren. Es bat Blätter, die jenen der Münze ähn: 
Hch fehen. Es giebt hier vorzüglich viel giftige Schlan⸗ 
gen. Die Klapperſchlange ift felten. Suru cucu, 
wird neun bis zwölf Fuß lang, ift befonders giftig, 
aber auch ſelten. Cobra de Coral ift fehr giftig; 


— 24 — 4*0o81 


wir haben mehrere Exemplare davon. Dieſe Schlange 
iſt nicht groß und hat ſehr ſchoͤne Farben. Von der 
Jararaca oder Jara raca su, (das su bedeutet bei 
den Indianern groß) haben wir ein Eremplar von 
vier Fuß, fie wird aber viel größer, Tilefius bat 
den Kopf und den Rachen gezeichnet, Die Giftzähne 
find zwei frumme, ſehr fpikige Hafen, die fi wie 
Katzenklauen zurüdbiegen laffen. Diefe Zähne find 
nicht hohl, es umgiebt fie aber ein häutiger Sack, 
der. von den Giftdrüfen berfommt, und das Gift in 
die Wunde leitet. — Die größte Hitze, die wir auf 
unferer Reiſe gehabt haben, ift nach Keaumär 23 
und nach Fahrenheit ohngefähr 85 Brad gewefen, 
diefe hatten wir beiz und 8 Grad nördlicher Breite, 
Auf der nördlichen Halbfugel hatten wir Winter, 
und es war doch heißer als auf der ſuͤdllchen, mie 
wir die Sonne perpendifulär Über uns hatten. Hier 
haben wir auch freilich 21, 22 bis 23 Grad ‚gehabt, 
das macht aber die Nähe des Zander, denn auf dem 
Lande ift es immer noch einige Grade wärmer, 
Daß die Luft bier ſehr neblicht und feucht wird, 
daß alles roftet und fchimmelt, und die Sonne bloß 
iſt, bat Forfier fchon angemerkt; wir haben es cben 
fo gefunden. Forfter will das Koften des Eifens von 
verflüchtigter Kochfalzfäure herleiten; das iſt nun 
wohl nicht nörhig. Zerfektes Waſſer giebt immer fo 
viel Sauerſtoff ber, daß Eifen reſtet; Silber und 
Gold werden nicht angegriffen. Die Feuchtigkeit ift 
fo groß, daß ein Filzhut ganz weich und ſchwer 
wurde, als wenn er vom Regen durchnaͤßt gewefen 
wäre. So bisß- die Sonne ift, fo fehr die Hike 
durch die trübe Atmosphäre gemildert wird, fo bleibt 
doch ihre Wirfung ſtark genug. Bei mebhrern, wo 
fie die bloßen Füße befchien, entſtand eine Art von 
Roſe. Ich habe fehr genau beobachtet: nur wo der 
Fuß eneblößt und von der Sonne befchienen war, 
entjtand die Entzündung. — Micht weit von bier 
ift die Wallfifcherei, das heißt, aus den Wallfifchen 
die gefangen werden, wird ber Thran auggefotten, 
und der Wallrath gewonnen, Es find mehrentheils 
Kaſchelotte (Physeter macrocephalus Lin.) Es 
bat Sabre gegeben, in denen 500 Wallfiſche gefan— 
gen wurden. Am Etrande fieht man bier häufig das 
Serippe diefes ungeheuern Thieres: man glaubt duͤrre 
Bäume mit ihren Aeften von ferne zu erbliden, 


Loder’s und Blumenbach's Briefe habe ich nicht 
beantwortet, fei fo gut, mich bei Ahnen zu entſchul⸗ 
digen. Ich werde mich bemühen, das zu erfüllen, 
mas Sie von mir wuͤnſchen. Langederf ift einige 
Meilen tief in den Gebirgen geweſen; er kann die 
Fruchtbarkeit des Bodens nicht genugfam ruͤhmen. 


ume haben einen fo üppigen Wuchs, daf man 
es ſich kaum verftellen kann ; befonders der Kopalvas 
Balfam + Baum, copaifera oflicinalis Lin, Die 
längften Europälfchen Fichten und Tannen, find nur 
Zwerge gegen ibn; er bat rothes Holz. Auch manche 
Eocosbäume erreichen eine ungeheure Höhe, Für Los 
der habe ich eine Sammlung Brafilifher Schmet⸗ 
terlinge; Blumenbach befümmt alles von Langsdorf. 
Bougainville fagt, er habe in Rio Janeiro den Früß: - 
ling der Dichter gefunden; das koͤnnten wir von hier 
auch fügen, wenn es nicht zu heiß wäre; das gols 
deneeitalter der Dichter fanden wir wohl nicht, Neger⸗ 
fflaven in Ketten paffen dahin nicht. So wie das 
Pflanzenreich befonders mannigfaltig ift, da Klima 
und Boden, die Vegetation vorzüglich begänftigen, eben 


‚fo reichhaltig iſt auch das Thierreih, alles lebt und 


webt. Mas hört man nicht am Abend für verſchie⸗ 
dene Arten von Tönen im Walde! Gebell, Geheul, 
Geziſch, Geknurre, Zirpen, Gefchnatter, kurz man 
koͤnnte den ganzen Reichthum der Deutfchen Sprache 
erfhöpfen, um die mannigfaltigen Toͤne zu be 
ſchreiben. In Rio Janelro ift es fehr Heiß; Bier 
find drei Monate heiß, neun temperirt;'in Buenos 
Ayres ift es Immer temperirt. Das Klima foll,wor 
trefflich ſeyn. — Die Bögel bier fehen größtentbeils 
recht Fomifh aus; mander bat einen ungeheuren 
Schnabel und einen Heinen Schwanz, ein anderer 
hingegen einen ganz kleinen Echnabel und einen 
mächtig großen Schwanz. Ein Storch flieht einzeln 
auf einem Stein, oder einer Klippe am Meer, man 
may noch fo nahe vorbei fahren, er rührt fich niche, 
fondern bleibt, gravitaͤtiſch wie ein Narr, flehen; 
man nennt ihn bler die Echildiwache, sentinella di 
mare. In den Wäldern treiben die Affen ihr Mer 
fen; Papageyen giebt es zu Taufenden. Ein Schuͤtze 
ſchießt Ihrer zu gemwilfen Zeiten zo bis 40 in einem 
Tage. Sie werden gegeffen und ſchmecken fehr gut, 
faft wie ein Rebhuhn. Wir haben bier auf dem 
Schiffe ein lebendiges junges Lrocodill gehabt, ein 
Calmann; es war nur vier Fuß lang. Es wird Dir 
erinnerlich feyn aus der Engliſchen Geſchichte, daß 
ein Herjog von Clarence, (der Bruder von Eduard 
VI und Richard 111.) da man ihm Die Freiheit 
ließ, feine Todesart zu beflimmen, fich wählte, in 
Madeiramein erflidt zju werden. Unſer Gaiman 
hatte das Echidfal des Herzogs von Clarence. Eine 
Schlange iſt fogleich todt,. wenn man fie in Spiri— 
tus thut; der Caimann hatte aber ein fo zaͤhes Fer 
ben, daß, nachdem man feinen Kopf in einem. Ge: 
füß voll Epiritus über. eine Viertelſtunde gehalten 
batte, er fih nach recht wohl Lefand und munter 
war, endlih mußte er doch dran. Verzeihe mein ver- 


— 243 — 


wirrtes Schreiben; wir find ja die Linle paſſirt, und 
haben alſo die Tramontana verloren, 


D. Eöpenberg. 
An den Herausgeber des Freimürhigen, 


re. Hofrath Spaller in Peipgig und Hr, Aſſeſſor 
Reinhard in Göttingen find von dem Capitel des fo: 
genannten meittigen Stifts » Ritters: Or 
bens des heil, Joachim (melcher ſich felbft ei: 
nen erlaudten Orden nennt,) zu Ehrenmit 
gliedern aufgenommen worden. 

Diefe Nachricht ſchoͤpfe ich aus Öffentlichen Zeis 
tungen. Die Aufnahme des Hrn. Alf. Reinhards 
ward nachher ausdrüdlich gleichfalls in dffentlichen 
Zeitungen dahln beftimmet, daß er Mitglied, 
keinesweges aber Ehren-Ritter dieſes ördens 
ſeyn ſolle. Es ſcheint auf den erſten Blick ein Wir 
derſpruch zu ſeyn, daß jemand Veitglied eines Or— 
dens ſeyn, koͤnne ohne Ritter zu ſeyn, doch ber 
erlauchte Et. Noahimsorden, der ein welt: 
licher: Stifte: Orden, folglih weltlih und 
geelia zugleich ift, enthält überhaupt manches 

teue, mas beyrabe widerſprechend feinen 
koͤnnte. Der Unterſchied zwiſchen Rittern und Eh— 
renmitgliedern ii wirklich in den Statuten dies 
fes weltlihen Stirts: Drdens felbft gegründet, 
Die Berlinifhe Monatéſchrift (un. und 

ul v. J. 1802) liefert genaue Nachrichten ven dies 
em erlauchten Orden ats gedrudten und hand: 
fhriftlichen Ordensſchriften. &. 41 des Aul. wird 
aus den Etatuten angeführt: „Um Ritter zu 
„werden, ift der Erbadel erforderlich; bloß ein Dok 
„tor Juris kann Ritter und Ordenejuflizrach. wer: 
„den, nie aber Komthur oder Broßfreug 
„Eonft fann ein Umadelicher nur Ebrenmit: 
„glied fen.” Man fieht, der erlauchte Orden hat 
dafür geforgt, daß er außer feinen adelichen Kite 
tern, auch unadeliche Knappen oder Waffen— 
träger bat. Da nun, foriel man meiß, on Kran, 
Kofrath mern fowohl, als an Hrn. Aſſeſſor 
Reinhard die Jevis notae macula fiebt, daß fie 
unadelich find, fo fonnten fie natürlih nur bloß 
Mitglieder, d. b. bürgerliche Knappen des erlauche 
ten &t. Yoachimsordens werden, Wie hech nun 
Hr. Spazier und Hr. Reinhard — als Ehre — 
die Ehre ſchaͤtzen, Mitglieder des erlaucten Or: 
dens zu jegn, welcher „den der Nachahmung rehrdis 
„gen heil. Joachim, den gefegneten Water der 
„beiligen und unbefledten Aungfrau Maria, der 
„Mutter Jeſu,“ fih zum Patron erwählt hat, (fo 
fagen deifen Statuten S. Derl. Monatefchrift Jun. 
1802. S. 432.) kann ich fo genau nicht mwilfen. &o: 
viel erhellt ober aus den Statuten, (Berl. Monat: 
ſchrift Jul. 1802, S. 42.) daß der erlauchte Orten 
felbft diefe Ehre fehr hoch an Gelde ſchaͤßt. Denn 
es muß, „nachdem mit dem erjten Tage des neuen 
„Jahrhunderts die Gebühren bey der Aufnahme 
„in den Orden, wenigftens um Ein Viertel geftiegen 
„ find," — (diefes bejliommen die neueften din 
vom J. 1785 ausdrüdlih, weil vielleicht der ers 
lauchte Orden im jebigen Jahrhunderte mehr Geld 
werth ift, als in dem bergangenen, oder mehr Geld 


nöthig Hat,) jedes Ehrenmitglied, wenigſtens 
bey BO ad pios Dans fieben und 
dreißig und einen halben Dufaten, und an Kanj: 
lengebühren 25 Dufaten zahlen. Es läßt ſich 
wohl nicht denken, daß der erlauchte Orden hätte 
zwey elegante Schriftſteller unentgeldblich zu 
Ebdrenmitgliedern aufnehmen mollen. Wozu? 
doch nicht, um am ihnen literarifche Waffenträger 
und Schildknappen zu haben? Selbſt, wenn 
biefes der Fall wäre, find gewiß fewohl Hr. Epa- 
jier als Hr. Reinhard allju fromme Männer, als 
daß fie, wenn ihnen Beiden der Drden auch die 
Kanzleygebühren, in Eumma 50 Dufaten, 
erließe, den Armen und den frommen &tif: 
tungen fellten fünf und fiebenzjig Dufaten 
entziehen wollen, die fie denfelben, Kraft der &ta: 
tuten des Ordens, in den fie traten, ſchuldig find. *) 
„, Wenn übrigens der erlauchte Orden einmal fo 
ütig gegen Deuütſche Gelehrte fich je bejeigen an: 
fing; fo daͤchte ich, er follte den Herausgeber der 
erlinifhen Monatfhrift, Hrn. Bieter, da 
derfelbe befanntlih Doktor Juris iſt, zum wirk⸗ 
lihen Ritter St. Joahims aufnehmen, 'um fo 
mebr, da er fich geroiß befcheiden wird, weder Kom:' 
tbur noch Orodtren werden zu wollen. Dies, 
würde ihn unfehlbar ———— die Vorzuͤge und 
Verdienſie des Ordens ins hellſte Licht zu ſetzen. 
Zwar möchten auch die beiden Ehrenmitglieder 
nicht unterlaffen, den erlauchten Orden mit vorges 
einge Schilden, — mie es Echildfnappen ge: 
uͤhrt, — zu vertheidigen; befonders der — auch 
fo gar im Zorn — für die elegante Welt beftändig 
fo elegant fchreibende Hr. Spazier. Dennoch bat 
immer der Herausgeber der Berlinifhen 
Monatefchrift das viel größere Derdienft um 
den Orden vor ihnen voraus, deſſen Urfprung 
und Veränderungen, nebft deſſen Statuten 
der Welt befannt gemacht zu haben. Dies alles 
kann unmöglich dem erlauchten Orden zum Mach: 
theil gereichen, da alles aus deſſen ur Papieren 
gezogen iſt. Defto mehr follte der &t. Joachims⸗ 
erden darauf denfen, den Hrn, Doftor DBiefter zum 
Ritter aufjunehmen, und ihn allenfalls zum His 
ftoriograpben des &t. 2 hd hr ordeng zu 
beftellen, da er denn deſto beifere Gelegenheit finden 
fonnte, zu erjählen, wie viel Nuken der erlauchte 
Drden dadurch erhalten bätte, daß Hr. Hofrarh & pa: 
zier und Hr. Aſſeſſor Reinhard deifen Mitglieder ge 
worden find, und welchen Nutzzen diefe beide Ser 
ren felbft davon haben, oder menigftens, welche 
Freude ihnen etwa die Ehre, eines fo erlauchten 
Ordens Ehrenmitglieder zu fern, machen Fönnte, 
Doc müßte, meinem geringen Ermejfen nach, die 
Aufnahme des neuen Ritters von dem Orden ganz 
unentgeldlich geſchehen. Ich babe zwar nicht die 
Ehre, Hrn. Doktor Bieter perfonlih zu Eennen, 
aber ich zweifle, ob er für die Ehre, das Bild eines 





*) go, — imit warmer Nwerfennung der bei eimem 
Schriftſteller fo ſeltnen Mildihatigfeit: Verhind’ es, Fama, fag' 
es laut! hr. — Sealler bat den Armen 37 Dutaten geibentt. 
Ach hoffe, Hr. — Epajier wird biefen Vuntt nicht berichtigen. 
Dder lieh er Sich fie ſchenlen, auf Konten der Armen? 


— 244 m 


siemlich peoblematifchen Heiligen Joachims, (mel: 


a die katholiſche Legende für den „Großpäter des. 
elt 


heilandes ausgiebt,) an einem gruͤnen Bande zu 
tragen, werde 1023 Dukaten zahlen wollen. Der 
erlauchte Orden koͤnnte au, ohne Beeinträchtigung 
feiner _piorum usuum, Hrn. Biefter ganz wohl vol 
lig unentgeldlich jum Kitter aufnehmen, denn 
die, Etatuten haben vr vorfichtig. verordnet, daß 
ein ‚Ritter bei feiner Aufnahme nichts ad pios 
usus gieht, obgleich freilich ein weder abeliches 
noch bdoftorirtes Ehrenmitglied, für die große 
Ehre die ihm mwiderfährt, wenigfiens 37% Dufaten 
an bie Armen des Odens geben muß, Das if 
ja auch fehr billig! *) 


Ein freim. Lefer des Freim, 


*, Bem. des Red. Borftchender Aufſatz it mir anonym dus 
gefemder worden ; aberich Laß’ ihm mit Bergnügen abdrucken, benu ber 











Gegenſtand von dem darin geſprochen wirb, ann nach meinem Ber 
dimten,, micht oft, micht ſcharf genug abgchandeit werden. Ein 
weltlicher Orden if, feiner ganıen Bedeutung mad, ein Zeichen, 
daß berienige der ihn trägt, fib um den Kürten, deſſen Nuter⸗ 
tbanen, um dem Etant, beiten Würger er if, hochverdient gemacht 
bat. Welder Surf, weldber Gtaat if ed, ber den You 
aimsdsörden als feime Ynertenmung did Verdlenſtes verleiht? 
Keiner. Er ik alſo micht Zeichen des Verdienich, nur Zeis 
den der Berbrüberumg. Aber welden Zweck hat bieie Meer 
brüderung? Den urſprunglichen bes Jonarban: Ordens offenbar 
jo wenig, als er nod bie Geſtalt des letzteru hat. Welchen an 
dern? Darüber hiitet man ſich, etwas zu fügen. — Die Rachricht 
daü dad Tragen des Zeichen des Toncdimeds Ordens im ben 
Deterreidiiben Etaaten verboten fen, iſt widerrufen worden: 
aber iſt es nicht notbmwendig, dah ed in allen Staaten verbo ⸗ 
ten werde? Ir es nicht ein Verzehen im jedem gutorganifirtem 
Eraate, ſich gu elmem Zwecke Öffentlich zu verbrudern, der dem 
Regenten verborgen wird? Ich fraye nur, ohne Partei zu nchs 
men. — Dder bit der Joachims-Orden eben fo wenig einen 
Zwei, als er ein Reichen des Verdienfes it? Dann — ift er 
nidrts, und jeder Nerfländige 6. 





Riht:pofitifhe Zeitung Nro. 44 


Aus einem andern Schreiben von ber Nuflifchen 
Eöfadre; Aus Brafilien, im Januar 1804. 


te Reiſe war nicht langwierig, (wie einiae Zeltungen au 
fagt haben,) sechs Wochen glaubte Herr v. Kruſenſtern darauf 
zinubringen, und es wurden nicht mehr als adır Wochen darı 
and. — Der Gouverneur anf der Inſel St. Cathartna hat 
ſich ſehr höſtich und ſuverkommend bewitſen. Bei einem Ve— 
ſuche auf dem Schiffe wurde er mit 21 Kanonenſchüſen ſalu⸗ 
tirt. Mit Lebensmitteln wurden die Reiſenden im Kurzen ſehr 
reichlich verſorgtz unter andern mit tauſend Stuck Federvleh, 
fünf Eric für Einen Thaler. Citrouen und Abpſelſinen waren 
noch nicht gam rer, doch erhielten fie auch Giervon mehrere 
Zanfende, 


Samgsborf ſchweift mnerımüibet under, in ben Wäldern 
reiche Ausbeute fammelnd, Er ſcheut weder Hite noch Klap⸗ 
perſchlangen. Eine fchr artige Sammlung von Naturallen in 
mehreren Kiften, ift bereitd on Grau v, Kruſenſtern unterwegs, 


Dos Schiff Naderhda war gan; umverichrt, aber die 
neuen Maften der New a hielten die Reiſenden ſechs Wochen 
auf, daher fir er im Dumm dieſes Jahres in Japan zu ſeyn 
Hlaubten. Dort verweilen fie cinige Monate; daher wird e— 
su (par, dieſen Winter no mach Kamtſchatta zu gehen, welches 
vermuthſich erd im Mai 1805 aeidıeben wird. Mor dem Dr 
tober 3805 if keine Nachricat vom ihnen ju erwarten, es ware 
denn, das ein Zufall die Schiffe trennte, auf weichen Fall die 
Inſeln Goncrotien sum Gammelplag beftimmmt worden, von 
wo fich vieleicht Gelegenheit fante, nad Europa zu ſchreiben. 


Wahrend des Aufenthaltes der Ediie auf St. Catbarina, 
war ihnen ein VPortugieiiher Sergeaut jur Wade gegeben wor⸗ 
den, der, nad dem Zeugnig dis Heim v. Kruſenſtern, weit che 
su ſeyn verdient hatte, Er erwarb ſich allgemeine Liebe auf 
den Ecdifen; mam zeichnete ibm aus, man Hei ihm mie am 
Oficierstifche een. Er fühlte dieſe Vebandiung dantbır, wand 
that ſchon michrere Tage vor der Abreiſe michts als weinen, 
Doctor Etvonberz ſchlug der Geſellſchaft vor, eine Kollecte für 
ihn zu ſammeln, die ſehr amichmlich ausfiel, umd ihm dorvelt 
wilntommen jenm mußte, da ec in Tamger Belt keine Gage er⸗ 
hatten; aber der brav: Mann weigerte ſich lange, das Geld au—⸗ 
junchmen. Der Eapitain verſoprach zu Gunſten des wackern 
Gerjzanten on den Gouvernzur zu schreiben. Dies iſt geſche⸗ 
heu. — uUnter den Drieiseen zeichnet ſich beionders Herr von 
Löwenftern , ein Sohn des Ehflinndiihen Landraths v. Fow.ne 


fern, ruhmvoll aus; Here v. Kruſenſtern if unerſchöpſtich im 
dein Lobt. 


Aus Leipzig 
An ben Herausgeber. 


Di Sommerſche Buchhandlung hierſelbſt, die ſchon feit einigen 
Jahrren eine Art von Trödelhandel treibt, d. h. Vucher, die im 
andern Buchhandlungen nicht gehen wollen und ber Makulatur 
nahe find, auftauft und zu gam geringen Preiſen wieder ab« 
fößt, Kat kürzlich auch Kem. Tiefs ſammttiche Werte in 
12 Bon, die dent für 13 Thlr. 5 Or, — nicht verkanit 
meirden , für ſecht Thir. ausgeboren. Wie ſich die Zeiten dm 
dern! Traurige Ausſichten ur den Oftavlanus von Demielben 
Merfafer, obaleih Hr. I 9. F. Miditer, der bekaunttich im feis 
nen aleichrals ruhenden Merten fo viel Geſchmack zelgt, — 
das Oftaviands Buͤchtein gelobt bat, Doch für Hrn. Tieck wird 
woatricheintich bald eime neue glänende Epoche antreden, denn 
der berühmte Hr, Aug. Klingemann bat in Mr. 107 und 108 
der Zeitung f. die eteg. W. feinen Schaden beiehn und ihm, 
mit Ertbeilung einer Menge gar weiler Dehren, in be Eule 
genommen. — „Uber wer ik denn der berühmte Hr, Aug. 
Klingensinn? Hat er ſelbſt in irgend einem Facht etwas geſchrie⸗ 
ben, das ber Rede werth iſt?“ — Das nun wohl nit, aber 
felbfi geredet bat er gar viel; erſt auf Ihre „„ Briefean ein 
Srauensimmer " geidimpit, baum fie nad zu machen verſucht, 
und — fich überhaupt ſehr ausgeieichnet durch — Schmahun⸗ 
gen auf den Freimüthigen. 


— Hier fo jent ein Kuprerftich vom sehr bödartiger Tem: 
Benz sirfufiren, Gtellen Sie Ei por! Der befannte Mock- 
Sotrates der vor dem Jabra, 1803 einer hieigen Zeitung faus 
rirt, figt als blinder Bellſarius an einer Landſtraüe, auf einem 
großen Valen Wiakulatur, der Die Nubrit bat: Carl Pilger, — 
und ſtreckt bittend die Hand aus. Vor ibm ſtehn einige Schul— 
tnaben im Incronables Habit und — Doc die ganje Seene er— 
Hart ber untergeichnere Vers hinlanglich. 


Zeitungsfäabrik. 


Ste ſchutten ihm loſen, nichtinibigen Sand 

Lebt in Die durre, Hebende Hand; 

Er lauet ihm blind durch Die Finaer ſpazieren, 
Vermeinend, das heile den Schutt redigiren. — 


Nein, das iſt gu arg! Die Karikatur if misiungen, deum 
fie enthalt gar zu — treue, nackte Wahrheit. 





1804, 





ARISTIDES, 


Nro. 192. 





Der Treimütbhige 


Dienftag, 
Ee rn -f 


Literatur. 


Eduard und Margarethe. Won Lafontaine, 
Zweiter Theil, Berlin, bei Sander, 





n o gehts in ber Welt“ Heißt der Haupttitel einer. 
neuen Eammlung von Romanen, welche Herr Lafon: 
taine jetzt herausgiebt und davon iſt gegenmwärtiger der 
dritte Theil und befchließt den Noman „Eduard und 
Margarerhe,“ der im zweiten Theil anfing, welcher 
bereits im Freimäthigen beurtheilt worden if. Mit 
Bezug auf das erfte Urtbeil, das ganz auch auf die: 
fen Band anwendbar ift, bemerke ich nur einige Ge: 
danten, welche mir beim Lefen deffelben etaftelen, und 
vielleicht auch diefen Roman binlänglich bezeichnen. — 
Das „So gehts in der Welt“ ſcheint mir nicht uns 
paſſend auf die Literargefchichte der Lafontaineichen 
Komane, im geiftigen inne, als Charafterzeichen, 
anmwendbar zu fein, denn die Tendenz, die alle feine 
Homane in einem Zuſammenfluß baben, ift nicht 
paffender zu erklären, als mit eben dem „lo gehts In der 
Welt.” . Um das ewige Erzählen über und von einer: 
lei Zweck drehen fich meift diefelben Perfonen herum 
und mechfeln alle jährlich nur die Kleider. — So 


bläberen fie einft fhön auf im „Flaming”, in der 


„Klara du Pleffis“, im „Rudolph Werdenberg“, — 
glängten lieblih in der „Familie von Halden“, im 
„&t. Julien“, erbleichten im „Hermann Lange” und 
verweltten in Rudolph und Julie“, und — fangen 
an zu fierken im gegenwärtigen Bändchen. Diefelbe 


und 


den 25. September. 


S er. 


—— — — 

Darſtellung, die er uns einſt fo ſchoͤn gab, erfcheint 
bier wieder, aber in matterem Fichte, mit minderer 
Kraft, leer an Intereſſe und voll an alternder Ge 
ſchwaͤtzigkeit. eine Helden bleiben Sonderlinge; 
nur darin findet er Jdeale; Eduard und Margarethe, 
Onfel Ludwig und Heinrich, die verzüglichften Cha: 
raftere, fo gelungen fie find, fchreiten zu eft über 
das Theater, indem fie zuvor ſchon genug da gemer 
fen find; eine neue Motivirung der Geſchichte dreht 
fie wieder ins Leben, und zum Üntfalten einer 
ſchon dreißigmal aufgeftellten Tendenz. ie ift zwar 
meiftens edel, fo gar oft fhön und brav und wahr; 
aber man kann das Alles (don im Voraus wiſſen, 
wenn man bie Manier des Verf. Eennt; es iſt — 
viel Gerede um alte Spielſachen. Schade, dab bie: 
fer talentvolle Mann, der eine fo reiche Kraft als 
Erzähler und Darfteller beſitzt, fi durchaus zu 
feinem großen Werke Mühe geben mag, nicht lies 
ber 2 bis3 Jahre anwendet, um ein Meifterftüd — 
einen Deutfchen Roman im echten Sinne, — mit 
aller Fülle feines Beiftes zu liefern, als folche Pros 
dufte, ephemeriſch wie die Mode, der fie huldigen, 
von einer Meffe zur andern in die Welt zu ſchicken, 
um einen Eommer zu flattern! — Was follen die 
vielen Echmerterlinge? — Sie laffen in den Mode 
herzen und Modeföpfhen nur — Kaupenbrut 


uͤck. 
zur Rp. 


— 246 — 


Briefe eines Niederſachſen auf einer Reiſe 
durch einen Theil von Churſachſen und 


Böhmen. 
(Fortſetzung. ©. 171. ©t.) 
BierterBrieck 

M eisen fowohl als Dresden, liegt auf dem linfen 
Ufer der Elbe; aber der Weg zwifchen beiden Staͤd⸗ 
ten gebt das rechte Ufer entlang, und fo muß man 
um von Meißen nah Dresden zu fommen, zwei 
Brüden paffiren: die durchgängig verdedte hölzerne 
bei Meißen und die weltberühmte fleinerne in Dress 
den. — Don ber herrlichen Natur, die beide Staͤdte 
trennt, hatte ich fehr vieles gehört und gelefen: und 
da begegnete es mir denn zum erften Male in mei— 
nem Leben, daß vie, durch Beſchreibung erregte Bore 
fielung im Anfang genau mit dem übereinftimmte, 
was ich in der Wirklichkeit fand. Grade ſolche 
Bergreihen, auf dem rechten Eibufer mit Weinber—⸗ 
gen, auf dem linfen mit Waldungen befegt ; gerade 
folh ein von beiden Bergreiben gebildetes Thal, und 
diefes Thal grade fo von der Elbe durchflojfen, hatte 
ich mir vorgeflellt, Aber wie fehr ließ die Wirklich⸗ 
keit alle meine Erwartung hinter fich zurüd, als ich 
gegen die Mitte des Weges zwiſchen Meißen und 
Dresden fam! Ton einer fo ſchoͤnen Öruppirung .der 
Meinberge auf dem rechten Kibufer, und von einer 
fo reigenden Verzierung derfelben, dur eine Menge 
der geſchmad vollſten Gebäude und Anlagen hatte ich 
auch nicht die feifefte Ahnung gehabt, Mehr nach 
Dresden zu verliert der Weg an Mannigfaltigkeit; 
aber nirgends hört er auf, ſchoͤn zu feon. 

Das Freundliche der Matur an den reijenden 
Elbufern von Meißen an bis Echandau, fcheint ficy 
übrigens auch auf die Gemuͤther der Bewohner fort: 
gepflanzt zu haben, Eine gewiffe Menſchenfreundlich⸗ 
feit, die fi in Sprache und Betragen an ben Tag 

legt, eine Dienftfertigkeit und eine efälligkeit, wie 
bier, fand ich noch nirgends. In Meißen wuͤnſchte 
ich, jemanden ausjufragen, zu bdeffen Bezeichnung 
ich weder feinen Damen noch feinen Charakter, fons 
dern bloß den Geburtsort feiner Frau anzugeben 
mußte: fogleich erbot fih ein Maͤdchen, an melces 
ich mich wandte, nicht eher zu ruhen, als bis fie 
den Mann ausgefundfchaftet haben mwörde, und nach 
einer Stunde brachte mir das gefällige Geichöpf die 
gewänfchte Auskunft nach dem Gaſthofe, ohne etwas 
anderes, als einen freundlichen Dank für die gehabte 
Bembbung, jur Vergeltung anzunehmen. Und wie 
oft geſchah es in Dresden dab derjenige, welchen ich 
nach der Lage eines Haufes fragte, ſoglelch mit mir 
ging, und mich mehrere Erraßen hindurch bis vor 


biefes Haus brachte! Wie oft, wenn ich im Freien 
na dem Wege fragte, begleitete mich der Gefragte 
bis fo meit, daß ich nicht mehr abirren fonnte. Und 
das Alles, ohne dabei Eigennuß zu verrathen. Welch 
ein Abftand von dem, was man in fo manchen ans 
bern Staͤdten, befonders in Hamburg, erfährt, 

Ehe ih nad Meißen Fam, harte ih in Eachfen 
nicht die mindefte Epur von Bettlern gefunden, bier 
begehrten einige Kinder an der Landſtraße eine Gabe 
von mir: aber auf welche Arı? Sie hielten mir einen 
Strauß von Epanijchem lieder bin, baten mich ihn 
zu kaufen, und liefen ſo lange bittend neben dem 
Magen mit, bis ich ihnen etwas auwarf. So ver 
leugnet fich felbft in der Manier, dem firengen Ver: 
bot des Bettelns auszumeichen, die Saͤchſiſche Artig: 
feit nicht. s 

Don Dresdens Sehens: Würdigkeiten, werhber 
ich Dir Einiges zu fehreiben verjprad, nenne ih Dir 
die Frauen: Kirche und ihren Thurm darum zuerſt, 
weil id Did mir nachfuͤhren möchte, und jeder Rei— 
fende wohl thut, wenn er, mie ich, gleich anfanas 
den Thurm diefer Frauen: Kirche befteigt, Denn 
auf demfelben genießt man nicht bloß eine feltene 
Ausficht, fondern ficht auch die Etadt und die ums 
liegende Gegend, wie auf einem Grundriſſe fo deutz 
lich vor ſich, daß man fich nirgends beſſer orientiren 
ann, Auch die rauen: Kirche felbft iſt aͤußerſt 
ſehenswerth. Rund und. ohne Pfeiler erbaut, fcheint, 
fie einen nur mäßigen Umfang zu haben; gleichwohl 
enthält fie nicht weniger als 6006 &ige. — lm 
theils die Höhe biefer Kirche beurtheilen zu Eönnen, 
theils um einen interejfanten Anblid zu haben, muß 
man fi auf die Gallerie nahe unter der Wölbung 
der Kirche, führen laffen. Ach war ohne Grauen in 
Schachten gefahren, und batte ohne Schwindel von 
hoben Thürmen in die Tiefe hinab gefehn ; aber von 
diefer Gallerie in die Frauen: Kirche binab, Fonnte 
ich fo menig ohne Grauen und Echwindel bliden, 
daß ich von dem Geländer zurädtreten mußte, und 
nur auf einige Fuß von demfeiben entfernt, in die 
Kirche hinabzubliden wagte. Eo viel vermag das 
Unermwartete! 

Die fogenannte Kirche Über der Kirche, von 
melder man mitunter in Dresden viel Ruͤhmens 
hört, ift weiter nichts, als ein runder Kaum ober: 
halb der Frauen: Kirche, in weichem allerdings für 


eine mäßige Derfammlung wohl Gottesdienft gehalten 


werden Fonnte, welcher aber von einer Kirche weder 
die Einrichtung, noch auch nur das Anſehn bat, 
Dach der Frauen: Kirche befuchte ich vor allen 
Dingen das grüne Gewölbe, d. b. das zur Aufbe 
mwahrung von Koftbarfeıren befiimmte untre Etod: 


werk des einen Eeitengebäudes vom Schloß. Ich 
betrat es mit hoch gefpannter Erwarrung; denn wo 
güt nicht das grüne Gewbibe beinahe für die intes 
reifantefte Sehens Würtigkeit in gang Dresden? 
Ab konnte es ſo intereffane nicht finden. Will man 
fretih sine unjählige Benge von Koribarfeiten im 
eigentlichen Einn, von Dianıanten und andern Kiel: 
gefteinen, von goldnen Verzierungen und geldnen 
Gefäßen, und von kuͤnſtlich aus lauter Preriofen vers 
fertigten Sachen, bei denen mon über nichts, als 
über den Keichrbum erfiaunen muß, der die Auegas 
ben für meiftens fo nußiore Sachen befireiten Eontite, 
willman das intereffant nennen, fo giebt es 
vielleicht in der Welt fein fo interejfantes Kabinett, 
als das grüne Gewölbe. Allein ich — betrat mit 
kaltem Staunen das erfle Zimmer, und verließ mit 
kaltem Etaunen das lebte, 

Wir ganz anders war mir auf der Bildergallerle; 
mie gan; anders in der Kunſtkammer und bei der 
Kupferfiih: Sammlung! O die Eindrüde, welche diefe 
im eigentlihen Einn unbeſchreibliche Sammlungen 
auf mich machten, merden fich Iebenslang nicht in mir 
vermifchen. Eben fo wenig die Findrüde, welche fich 
bei den Diengeihen Gipsabguͤſſen in mir feftiegten. — 

An der Meuſtadt Dresden ift nichts ſo ſehens— 
werth, als das Japaniſche Palais. Schon die Lage 
diefes Palais, und der dabei befindliche Garten ver: 
dient, geſehen zu werden; aber mie unendlich mehr 
noch das, was in dem Palais, enthalten ift! Am 
E outerrain findet man eine vortrefflih geordnete 
Eammlung aller Sorten und Formen des Meint: 
ſchen Porcellains, von Boͤttchers Zeiten an bis auf 
unfre Tage, imgleichen eine große Menge japanifcher 
und chinefiicher Porcellain: Arbeiten. In der untern 
Etage iſt die Antifen: Sammlung, Über welche ich 
um fo weniger ein Wort fage, da der Inſpektor ders 
felben, Herr Prof. Beder, gegenwärtig in feinem 
Augufieum eine fo vortrefflihe Beſchreibung davon 
liefert. Im dritten und vierten Stockwerk ift die 
Bibliethek. Einen ſchoͤnern Platz, eine berrlichere 
Ausfiht nah mehrern Eeiten bin, und eine zweck⸗ 
mäßigere Einrichtung, bat wohl Feine Bibliothek der 
Melt. Das haben alle Keifende geruͤhmt, und das 
glaubt jedermann fogleih, wenn er nur in den großen, 
getäfelten umd in der Mitte mit Saͤulen vortrefflich 
gezierten Saal tritt. Der Saͤle Hat diefe Bibliothek 
3, der Zimmer 22. — Wer das Japaniſche Palais 
befucht, wuͤrde fih um die Befanntfchaft mit einer 
ſehenswuͤrdigen Seltenheit bringen, wenn er fi 
nicht auch das Feder: Meublement zeigen ließe. Die 
fes beſteht aus einer Bettdecke und verichiebenen 
Tapeten, die aus natuͤrlichen Federn von verfchiedes 


nen Karben fo täufhend zufammengefeßt find, daß 
man fie für gewirkt hält. Doch, was ift diefe Eel: 
tenheit ‘gegen die daneben befindlichen Hauteliffe: 
Tapeten aus der Fabrik der Gobelins! Diefe enthal⸗ 
ten biftorifhe Darfiellungen aus dem neuen Tefla: 
ment, die als Gemälde Gluͤck machen würden: fo 
ſchoͤn ift die Zeichnung, fo herrlich das Kolorit, fo 
vortrefflich der Ausdrud, fe bemundersmürdig die 
Perjpective, Für mich ein lange gewuͤnſchter, hoͤchſt 
interejfanter Anblid ! 

Dod genug von dem Japaniſchen Palais; und 
genug überhaupt von Dresdens fehensmwürdigen Wers 
fen der Kunft! Zu ruͤhmen kann ich indeh nicht un: 
terlaffen, daß dieſe Werke der Kunft nicht bloß von 
jedem Fremden gefehn werden dürfen, fondern auch 
Künjitern zu ihrer Vervollkommnung offen ftehen, 
und von dieſen werden fie auch fleißig benukt. 

Die Entree zu den ſehenswerthen Sammlungen 
ift Übrigens bei weitem fo koſtbar nicht, wie wohl 
mancher Reiſende, der fie nicht ſah, zu feiner Ent 
fbuldigung ausfprengt, Es ift wahr, man pflegt 
dem Inſpecter jeder Sammlung einen Dufaten und 
dem Aufmwärter einen Gulden zu geben; allein «es 
dürfen auch fechs Perſonen dabei zufammentreten, ja, 
man darf ohne Bedenken von den Inſpectoren felbjt 
Erfundigung einziebn, ob ſchon mehrere Fremde fi 
gemelder haben. Und wie ieicht finden ſich nicht, im 
einer Ztadt, mie Dresden, zumal in den Baderno: 
naten, 6 Xeifende zufammen, welche jene merkwuͤr— 
dige Fammiungen fehen wollen! — 

Der Umftand, daß ich grade am Frohnleichnams: 
tage in Dresden war, gab mir Gelegenheit, eine 
Proceffion der Churfuͤrſtlichen Familie zu fehen, ders 
gleigen außer an diefem Tage, nur noch am Neu— 
jabretage gehalten wird, Ep geht biefe Proceffion 
bloß innerhalb der Fatholifchen Kirche vor fih; denn 
außerbalb derfelben laffen die Landſtaͤnde alles, mas 
Karbolicismus beißt, fo wenig öffentlich bemerfbar 
werden, dab die farholifche Kirche auch nicht einmal 
ein Gelaͤute haben darf. (!!) Intereſſant wird die Pros 
ceſſion nicht bloß durch die impofante Felerlichkeit an 
fi, die noch dadurch erhöht wird, daß alle Gänge 
der Kirche mit 2 Reiben Soldaten befeßt find, die 
gegen bie auftrömende Menge jur Schutzwehr dienen, 
fondern auch durch die unſaͤgliche Proche und durch 
das Koftume, worin die Churfürftliche Familie er: 
ſcheint. Mit allem, was das grüne Gewölbe an 
tragkarem Schmuck enthält, ift fie angethan, fo daß 
jeder Knopf an dem Anzuge des Churfuͤrſten ein 
Diamant if; aber Form und Etoff der Anıtge find 
dermaßen aus etwa Auguſt des Erſten Zeiten, daß 
die Damen fogar in entfeglich breiten Keifröden nach 


dem Älteften Schnitt erfelnen. — Xuffallender war 
mir indeh nichts, als der Anzug, durch welchen an 
diefem Tage die Schwelzer ſich auszeichneten, welche 
auf dem Schlohß die Wache hatten, Sie trugen breit 
geftreifte Jacken mit gewaltig weiten Ermeln, um den 
Ellenbogen eingebunden; noch meitere Hofen von 
demfelben Zeuge, um das Knie mit blauen Band⸗ 


quäften befeftigt; um den Hals einen Kragen wie die 

Prediger in manden Keichsftädten; auf dem Kopf 

eine weißgepuderte Stut peruͤcke und einen ſeht Eleis 

nen Hut, und in der Hand ſtatt des Gewehre, eine 

Lanze. Warlich, ich glaubte auf einem großen Thea: 

ter eine Ecene aus den alten Kitterzeiten zu fehen. 
(Die Fottſehung folgt) 


— — — ——— —— —— — —N — — 


Niht-politifhe Zeitung. Nro. 48 


Van einem  vbilsfenbiihen Guftems Brüter, der jeyt auf 
eiuer Bairiſchen Umiverfitat it, wurde, wie man mit Gicers 
heit behanoter, eine Vorſteuung an das Ober· Enratortum des 
Univeritarsweren in VB. gegen Die Berufung eines audern Philo⸗ 
fepben, eingejiaudt, von dem Er eine Reattion gegen fein Eur 
fen furchtete. 
tel doch auch Yhltofephen machen kann! — idheint wirtlich ger 
glatt au haben, der Regierung liege an feinem Godem 
was. Er fol sur Mutmort eıbalten haben: „Man babe ibn 
berufen, weil man ihn für einen guten Kopf halte; man 
hate den andern berufen, weil die ſer amdı ein guter Kopf fen.” 
Wortrefflich! Ein neues vhlloſdohiſches Sum if, wie ſchon Bol 
taire fügte, uichts als eine neue reife den alten Ball zu ſchla⸗ 
gm. Das Valfpiel id widtig, al? Uebung der Srarte und 
der Gewandheit; die Weiſe — hänge von bir More ab, 


— han wird ſich der atgeſchmadten Iheicn erlunern , 
die man dem würdigen Paulus zu Wirjburg zuchricb, J. B. 
„die chriſtliche Religion iR Religten der Wollust m. ſ. w.“ 
Yautus wies den Trug kraftig zurug; auch find jene Satze 
micded als — Slosteln aus — bir Schartele: Novalid 
Edriiten. Woher die Füge Mm, id num leicht zu errathen. 

Bouterwet hat den Nur nach Wurzburg ansaeiablagen, weil 
er die Nachtarſchaft riner gewiren, jeſt dorticbenden Dame 
fürdpete. Welder? — Fremdling in Iirack, der du jo fragſt! 





Huber, der treffliche Erzähler und der verdlenſtvolle Redat ⸗ 
teure der Allgem, Zeitung zu la, erhielt den Ruf sum prote 
fantiichen Heufifterialratb in aiern. Da ertlarte er, — was 
das proretuntiibe bellettrittiſche Yubtitum in Nord Deutihland 
wahribeintich mie grabat bat, daß er ein Kathoelite, umb 
iwar ein Baier ik, eder vielmehr der Sohn eines Bairiſchen 
endet, der nach Paris doh, wo Huber gebohrm wurde. 





‚ Sr. Gräter hat im elmem der ſchatarſten, achaltuoliten 
Hournale einige aerihlvole Worte Über ben verrmwigten Herder 
geiagt. Das ii gut, icht qui; deun man tann es der Nation 
miche wit genug fagen, wie viel fie in Servern being und — 
vernad ſaſigte. Aber im dieſem Aufſatz eht auch folgende Phraſe: 

„Du ball 06 nicht verhehit, zu weſſen Türen Du einft rasen? 
„vit folgte du mit chrerbittiger Anhauglichteit dem Schatten 
„Deines Leſſings!“ 

Die Ausdruͤcke find recht artig: aber ſagen Sie etwas? — 
Und wen fie etwas fügen: if das Giefagte wahr? Ich will 
nicht fo unhoric ſeyn, bie erfte Trage zu verneinen; aber mit 
der jiweiten muß ih ed thun. Herder war nie Leſſinas Ehlers 
im Gegentheit find Herder's enfte tritiſche Echrirtem : Ueber bie 
nenere Deutiche Prteratur, Drei Sammlungen ven Araamenten, 7 
und „Kritiide Walder,“ Beriditigungen der Piteratur + Vriefe 
und von Yerfinas Paofoon. Herder chrie Lena, als even Tim 
termann voll Energie, einen beiten Tenter, einen großen Ge— 
feberen, aber er bat mie, auch in mildern, gurlſchſten Sinn, 
au Leſtngs oder irgend jemandse Füßen geſeſſen.“ Seine vor⸗ 
güglichfeen Lehrer waren Kant und Haman; aber einem fo oriair 
netten ſelbſtſtandigen, groien Geitte, als Herder beiaß, ſind 


Der ehrliche Mann — Wie einfaltig der Dune 


ſogenauute Lehrer nicht Führer und Bilder, fondern nur Beranfalı 
fung sum eigentksiumtichen Fortſchreiten, sur Irastigen Ge bſedildung. 


ud Fulda 


Une eble Für, den wir als den Vater feines Voltes ver⸗ 
ehren, fchaft ein an der Etadt gelegenes, aufgehobenes Eapucir 
ner Kloster in ein Eaibindungss Armen» und Kranfendaus um, 
Er bat dazu Über 19,000 Gulden als Einkünfte aus liegenden 
Gründen angewieſen; giebt außerdem zum Fonds 30,000 Gul⸗ 
den aus feiner Chatouille aud 3,000 Gl. zum Ausbauen des 
Hauſes. 
tius Berlin, am 23. Seuteniber. 


Dir Herbſmanocuvres, fo wohl hier, als in Vetsdam, find 
vorüber, ie hatten, wie gewoͤhnlich, viele Frernden bertes⸗ 
geloctt, doch uuter den Berlinern ſeibſt wenig Muriehen armacı. 
Man it es bier fo gewohnt, Den SKriegsnnit dahrlid imeimal 
fein Siegerſchwerdt dad Europa ehrt, wegen, und ſeine Runuus 
einükem ju ſehn, dak man wohl vol Beiwunderung einunal baraufe 
hinblickt, aber wicht dabei verweilt. In andern Landern, mo 
das ſelten geihieht, iſt das freilich anders. — 


Endlich find dir Künnler, die wir während eines beträcht⸗ 
ticben Theiles vom Sommer auf unferer Gühne vermiäten, für alle 
wieder heimgetehrt; uud wir werden von ber theatraliſchen 
Gitenrorife, mit der wir nicht felten vorties molmmen muhte, 
wieder ju reijendern Genit ſen zurucktehren. Schon baben und 
Fauchou und Wilhelms Zei wieder enfrentz — aber Levezowis 
wZohigenia im Aunlis “ iR wicht wieder eridiienen, Marum 
nicht? Obaltich das Eric micht fehlerlos iR, bat es doch ſehr 
groge Echönbeiten und gefiel. — Bielteicht ſehen wir es, wenm 
Marıme Fick, die mod immer in Hamburg if, zurücktehrt. 


— eher die Macmenit ik es bier ned ganz ſtille. Man 
sört weder porn Proben, die He. Duchet Gier abgelegt hat, noch 
von Griiarungen, dur die er eiwa bie im Deutſchen Mertur 
od.r im Freimuthigen abgedrucktten, michts weniger als wortbeile 
hastın Berichte aus Münden felb, berichtiat habe. Dem 
z. Stuc des Merkurs zujelge, find die im Manchner Museum 
abazfıate Proben, unberriedigend ausgefallen, und die in einer 
nicht dfrentlihen Gigung der Munchner Akademie, deren 
Vice Veafident or. von Aretim if, angefelite, hat bien 
darin teftand.n, dan der Geprite Die Kapitilummarlen.der Bir 
bet berfagte: auf diefe Probe iſt hin das Telobungs » Atteitat 
ansa.'ertigt worden, — Hoffentlich taun dieſe Nadridıt berichtigt 
werden, umb hoffentlich wird es aricdehn. Hr. von Aretin in 
ſich das ſchuldia: denn wenn man ſich der verbeifienen Murklıts 
rungen Über das Griechtſche Fener erinnert, die nad den Vekinmte 
madungen in Yarls, auf Rejente von Eidechſenſchwanzchen und 
dal; hinaueulaufen ihienen, — fo wirrde er fib der Merahr auge 
fegen, für einen GHcheimmistrimer zu gelten, — und man muß 
aeiehm, eine fo vortreffllche Bitliothet als die m Muͤnchen if, Iieke 
fich wohl zu etwas Beer benugen, als jur Aufſuchung vom 
Yrcanid. Wie gefagt: bofientlih berichtigt Hr. von Aretin. 


T. 





1804. 


Nro. 103. 





ARISTIDES. 


Der freimütbhise 


Donnerfag, 


ern tf 


giteratur 


Almanach dramatifcher Spiele, zur gefelligen Uns 
terhaltung auf dem Lande, vom U. von Kotze⸗ 
bue, Dritter Jahrgang. Berlin, bei de La 
Garde 1805. (Mit illum. Kupfern. Preis 
ı Thlr. 16 Gr. — 2 Thlr. 12 Gr. — 3 Thlr. 
16 Gr.) 


err v. K. it Mitherausgeber des Kreimüthigen: *) 
es fieht daher ein wenig fonderbar aus, daß ein Buch 
von ihm bier angezeigt wird, befonders da dieſes 
mancher Lob verdient. Doch — warum ſollt' es nicht 
geſchehn? Was liegt denn in der Verbindung zu el: 
nem literarijden Zwede, und felbft in einer perſon⸗ 
‚lifhen Freundfchaft, das einen der Derbundenen un: 
fähig machen follte, eine unbefangene Anficht der 
Geiftes⸗ Produfte des andern zu haben? Eollte unfre 
Merbindung mir unbemwußt, einigen Einfluß auf das 
haben, mas ich uͤber diefen Almanach fagen werde, 
fo muß ich mehr beforgen, daß fie mich abhalten 
werde, ibn hinlänglich zu loben, als verhindern, ihn 
zu tadeln. Feuten, die das nicht glauben oder ver: 
fieden können, — hab' ich nichts zu ſagen, als daß 
mir ihre Meinung fehr gleichguͤltig if. — 

Der erfie Jahrgang diefes Almanachs erwarb 











*) Er hat den Eommer im Enbland zuachbracht, daher 
waren eim Paar Monate lang feine Beitrage von la im Freim. 
Jnt iR er mach Neavet gerein uud die Lefer dürfen hanfige 
Nachrichten von ihm uber Italien erwarten, 


— (000 — — 


und 


den 27. September, 


S der, 


— 


fi) ſehr großen Beifall, vorzüglich durch: „die barm⸗ 
berzigen Bruͤder,“ „Unfer Fritz“ und „der Habnen: 
ſchlag,“ der noch auf mehrern Öffentlihen Bühnen 
gegeben wird, und gefälle. Der zweite Jahrgang 
machte weniger Gluͤc, weil er faft lauter niedrig: Los 
miſche Poſſen enthielt, eine Gattung, im welcher der 
Derfaffer zwar nicht ungluͤcklich ift, die fich aber niche 
dazu eignet, lange zu intereffiren. — Diefer dritte 
Sahrgang wird Hoffentlih eine ehen fo willkommne 
Erfheinung feon, als der erfte, denn H. v. K. hat fi 
darin der Traveftirungen ernfihafter Suͤſets enthalten, 
nur leichte Fabeln gewählt, und fie leicht und froh, 
bier und dort mit einem kleinen Anftrich von Sentimens 
talität, ausgeführt, — kurz, meiftenrheils mie ihre 
Beſtimmung, zur gefellihaftlihen Unterhaltung zu 
dienen forderte. 

Das erfte Fleine Lufifpiel heißt: „Die huͤbſche 
Fleine Putzmacherin.“ Seine Fabel und feine edeln 
Eharaftere find ein wenig zu romanbaft; der Fomifche 
Charakter, Etolperfuchs, ein alter Lüfterner, der der 
ſchoͤnen Putzmacherin mit Geſchenken nachſtellt, iſt 
mehr widerlich, als komiſch: aber das Stuͤck geht fo 
rafh und unterhält fo gut, daß man feine Fleinen 
Fehler nicht bemerft; — auch hängt es ja nur von 
dem Dorftellenden ab, den Alten bei der Auffüßs 
rung bioß komiſch zu machen, 

Der Simpel auf derMeffe, Poffe in 
2 Aften, ift nach einem alten Erb von Holberg, 
aber ganz frei gearbeitet. Hin und wieder artet der 
Dialog für fein : gebildete Gefelljchaftszirfel in etwas 


— 250 — 


zu große Derbheit ans; aber der KHauptcharafter, 
Hans Stoffelſack, giebt einem Dilerranten in der 
Schauſpielkunſt reichen Stoff feine Talente fürs Kos 
mifche zu zeigen, 

Die Eparbüchfe, oder der arme Tans 
didat, ift ein intereffantes Geitenftäd zu den barms 
berzigen Brüdern, auf eine fehr naive Weife fentis 
mental; es wird mehr rühren als beluſtigen. 

Hygea. Ein Borfpielam Geburtstage 
eines guten Vaters. Für ben Zirfel, für den 
es gefchrieben wurde, fehr paffend und artig, deſto 
meniger aber wohl für andre Zirkel, — wenn nicht 
die Arußerungen der Findlichen Liebe fehr warn und 
natürlic gefprochen werden. 

MäpdchenfreundfKaft, ober ber türfiz 
fhe Geſandte. Ein Lufifpiel in Einem Als 
te, Die Krone der Sammiung und 8 artig und 
geiftvol, daß es bald als Bor: oder Machfpiel auf 
einem großen Theater gegeben zu werden verdient. 
Die Idee aus dem Franz. Luſtſp. Le pacha de Su- 
rene entlehnt, iſt folgende :, drei junge Mädchen in 
einer Erziehungsanſtalt, ſchwoͤren einander ewige 
Kreundfehaft; nie. wollen fie fich trennen, und fehlas 
gen daher einem türfijken Gefandten vor, fie alle 
drei zu heirathen. Ihr Brief fälle dem beffimmten, 
aber ihr nech nicht befannten Bräutigam der Al: 
teften in die Hände; er erfcheint in der Verkleidung 
des Gefandten, und — kaum fagt er den Mädchen 
Artigkeiten, fo ift auch ihre Freundſchaft durch Eifer: 
fucht jerfiört, ihr Eid vergeffen u. f. w. Diefes Erüd 
bat den Vorzug, daß es durchaus fehr beluſtigt, ohne, 
den Tanjmeifler ausgenommen, eine Karifatur auf: 
jufiellen, — und wenn man aufgehört hat zu lachen, 
läßt es auch dem Nachdenken etwas zuräd, 

Der Trunkenbold fehließt dieſe Sanmlung. 
Die kleine Fabel dieſes Stuͤkes — daß ein Betruñ⸗ 
kener ſchlafend in ein vornehmes Haus getragen, und 
als er erwacht, uͤberredet wırd, der Beier deſſelben 
zu ſeyn, — iſt eine von den glüdlichften. ie macht 
urfprünglich den Juhalt eines Arabien Mährchens 
aus; aber fie ift faft in allen Europäifchen Sprachen 
benußt, zu was fie dienen fonnte, au Poſſen. Im 
Deutfchen allein, kenne ich drei Behantiungen Der: 
felben, — und bie einzige Lettiſche Comoͤdie, die es 
giebt, bat auch diefen Inhalt. Der Stoff taugt zu 
jeder möglichen Umgeftaltung, weil er an fich nichts 
als eine Form iſt, in die fich alles bineinlegen läßt, 


G. M. 


Briefe eines Niederſachſen :c. 
Hortfehung.) 
Shnfter Brief. 


Dat ich nicht in Dresden feon würde, ohne auch 
‚den Plauenſchen Grund und Tharand au befuchen, 
fannft Du leicht denten. ch verdanfe diefem Be: 
fuche einen der genußreichſten Tage meines Lebens, 
Der Pauenfhe Grund, welcher eine Stunde 
von Dresden anfängt, ift eine anderthalb Meilen 


fange ſchoͤne Echlucht: auf beiden Eeiten die inte 
reifanteften Anfichten, bald von Bergen mit ſchoͤnem 
Gehölz, bald von Felſen mit grotesfen Geſtaltungen; 
auf der Ebene Die reigendfte Abwechſelung von Ge: 
büfgen, Mühlen, Wielen, Dörfern, Gärten und 
Feldern, die von einem äußerst flaren Forellenbach, 
der Meiferig, durchflojfen werden. Das Keijendfte 
des Plauenſchen Grundes ift indeh fein Ende: Tha⸗— 
rand, Ein malerijch ſchöͤn gelegner Dre! Die Das 
tur fcheint es, wollte bier lauter Weberrafchungen 
binzaubern, und die Kunft bat die dee der 
datur glücklich aufgefaßt; denn grade an Gtellen, 
100 man es am wenigfien erwartet, überrafcht auch 
fie am meilten. Ach kenne keine, durch Huͤlfe der 
Kunft verfhönerte Gegend, in der man fo, wie bier, 
beim Hinblick auf das Ganze, durchaus nichts von 
dem entdedte, was man beum Aufjuchen des Einzel— 
nen, von Vienfchenhänden bereitet finder, 
Den Ruinenberg beftieg ich zuerft, um 
ganzen Ort und alle drei Schluchten zu überfehn, 
in welche er fich hinzieht. Welch eine Ausficht ers 
öffnere ſich mir hier nach allen Eeiten bin! Hier, 
oder nirgends, muß das Herz auch des Fuͤhlloſeſten 
erweicht und überwältigt werden von den unbefchreibe 
lichen Reizen der Natur. Darum machte es einen 
widrigen Eindrud auf mich, als ich an einem, ohne⸗ 
‚bin fehr gefchmadios erbauten Altar die IBorte fand: 
„Hühlende Wandrer, vom Heiz Elyſiſcher Auen begei- 
fiert, dankt der milden Datur, opfert auf ihrem 
Altar.“ ch glaubte hierin eine feyn follende erbatıs 
liche Ermahnung zu finden; und wo hätte die wohl 
fhlechter angebracht werden fönnen, als bier, wo die 
Natur felbft mit folwer Allgewalt zum Kerzen redet? 
Allein beim Nähertreten fand ich auf dem ſeyn fols 
lenden Altar eine Deffnung zu einem Geldkaſten. 
Gewiß, dachte ich, find jene Worte eine Auffordes 
rung jur Woblehätigfeit gegen die Armen; und nie 
babe ich. freudiger meine Vörfe geöffnet. Moͤchte 
doch, wünfchte ih dabei, immer fo freudig den ar 
men Brüdern gegeben werden! Allein ich batte nicht 
den armen Brüdern gegeben, fondern einen Beitrag — 
ju den Koften geliefert, welche die Unterhaltung der 
nlagen um Tharand verurſacht. Dies erfuhr ich 
erjt bei naberer Erfundigung, und obgleich nun meine 
Gabe mich Eeinesiweges gereuete, fo Fonnte ich mich 
doch des unangenedmen Gefühls nicht ermwehren, 
meldhes man zu haben pflegt, wenn man etwas ande 
res getban bat, als man bat thun wollen, Warum 
ift doch jene Anfchrift nicht deutlicher, und lieber 
weniger bochtrabend abgefaßt? 

Von dem Xuinenberg aus, muß man, um aber: 
mals eine unvergleichlihe Ausficht zu genießen, den 
Parafol d. h. den mit einem kuͤnſtichen Schirm— 
dach verfehenen Standpunkt auf der höchften Spitze 
der an den Ruinenberg floßenden Bergreibe, befleigen, 
Seht man von da durch die fogenannte heilige 
Halle vor Geßners Büfte vorbei, (die, beiläufig 
gefagt, nirgends bejfer ftehn könnte) nach dem Thale 
zurüd, fo bat man auf der legten Treppe wieder 
eine Ausfight, die nach meinem Gefühl, zu den reis 
jendften der ganzen Gegend gehört. — Doc, wollte 
ih Dir alle die einzelnen angenehmen Varticen 
nennen, oder gar bejchreiben, deren diefe, fo wie die 


leich den 


— 251 


ihr gegenüber ſich hinziehende Bergreihe fo viele ente 
hält, wann würde ich enden? Oder warum follte ich 
Sich in Anſehung des Einzelnen nicht lieber auf 
Schlenkerts Tharand verweilen? Kann doch dieſe 
Schrift um fo befriedigender ſeyn, da Schlenkert fie 
on Ort und Stelle verfertigt hat, indem er felbft in 
Tharand wohnt. 

Das Saadtchen Tharand an ſich iſt Übrigens 
nicht fhön; und auch die Badegebaͤude ſtehn vielen 
andern der Art nad, Allein mer vermißt ſchoͤne 

Auer und Gebäude in einer fo berrlichen Natur? 

&b verließ fie mit unbefchreiblicher Befriedigung, 
und nahm meinen Müdmweg durch den reijenden 
Plauenſchhen Grund wieder nach Dresden; aber bloß, 
um des andern Viorgens, beyleiter von einigen Freun: 
den weiter, und zwar nah Pillnig zu reiten. 

Du weißt, daß diejes Yufifchloß der gewöhnliche 
- Fommeraufenthalt der Churfuͤrſtlichen Familie if, 
Es liegt hart an der Elbe anf dem rechten Ufer ders 
felben, nach welchem man auf einer jehr fehönen 
fliegenden Bröde unentgeldlih uͤbergeſeht wird. — 
Niemand kann es wohl unintereffant finden, jenen 
reigenden Wohnfig eines fo berühmten und würdigen 
Fürftenhaufes zu befuchen, zumal, da man bier bie 
Ehurfärgiiiche Familie feibft während der Tafel unge: 
bindert jehen kann. Mich intereffirte indeß Pillnig 
in diefer Hinficht wenig; mich beichäftigte mehr, als 
alles andere, die Vorftellung, dab ich hier an ber 
Geburtsftätre der Koalition gegen die Franzoſen fände, 
und die Gedanken, melche diefe Vorftellung unwill— 
Führlich in mir erwedte, ſtimmten mich fo ernft, daß 
ich fcbon zw meiner Erheiterung den berühmten 
Porsberg hätte befteigen mögen. 

Es erhebt fich diefer Porsberg dicht bei Pillnig, 
und man erfteigt ihn bequem in etwa 3 Stunden 
auf einem fchönen, breiten, nie ſchroff Feige Fuß: 
fteig, anf deſſen Mirte man, gemiß hoͤchſt unerwars 
tet, eine fehr romantifch gelegene — Waſſermuͤhle 
findet. Oben endigt ſich der Berg in eine Felsſpitze, 
die zu einem Zimmer für den Churfuͤrſten ausge: 
oͤhlt if. Auf den Gipfel diefer Felsipige führt eine 

einerne Treppe, und da findet man benn einen ge: 
räumigen von Brettern formirren viereckigen laß, 
der auf allen Seiten Geländer, an der Norderfeite 
einen großen Tiſch, und in der Mitte des Fußbo— 
dens 3 Fleine in Blei eingedrüdte Vertiefungen bat, 
in welche man das Etativ ſetzt, wenn man die Ge— 
gend durch ein feftliegendee Fernrohr beobachten will. 
ind durch ein folches Fernrohr muß man fie beobach⸗ 
ten. Denn auf dem unabfehbar weiten Ampbitheas 
ter, welches ſich bier dem Blick erdffnet, verlieren 
fi die entfernten Gegenſtaͤnde, mie auf einem fern 
hangenden Gemälde, ins Undeutliche; auch mwird es 
dem Blick ſchwer, bei der unfäglihen Mannigfaltig: 
feit der ins Auge fallenden Gegenftände, auf einem 
einzelnen fehenswürdigen Punft gehörig zu vermei: 
lien, wenn man einen folhen Punkt nicht durch ein 
fefiliegendes Fernrohr firirt. 

lm Dir von der Größe ber Ausficht einen Be: 
griff zu geben, darf ih Dir nur fagen, daß man 
den ganjen ———— Saͤchſiſchen Schweiz, der 
Elbe bis nach den Boͤhmiſchen Gebirgen, —— und 
den Königeflein, fo wie alle berühmte 


erge der 


Gegend ganz nahe vor fih, in ber Ferne aber die 
Bohmifhen Gebirge von der Elbe an bis nach der 
Gegend von Freiberg, und die ganze vor diefem Ge— 
birge liegende Fläche Überfieht. 


(Die Fortfchung folgt.) 
Literaäriſche Fafchingftreiche. 


ine Außerft drollige Erfpeinung! Jetzt, da bie 
jungen literarifchen Sanschlotten fo ziemlich ſtill 
geworden find, (Wwahrſcheinlich weil fie allmahlig zu 
Männern reiften und das Thörichte ihres Jugendlichen 
Dezinnens einfahn), und nur noch dahinten im eleganz 
ten Winkel dann und wann einer fich vernehmen 
läßt, jetzt — treten ein Paar feit einer langen Keihe 
von Keen für gar gravirätifch geltende alte Her: 
ren dayer, und pläffehern, nach Ablegung der ebrbas 
ren Kleivungeftüde, je laut lärmend als jene, durch 
die Pferdeſchwemme des literarifchen Fiſchmarkts: 
nehmlich die Herren Babo und von Arerin. Ich 
tonnte mehrere Beifpiele anführen, aber es mag an 
drei genug ſeyn. 

1. Hr. Prof. Efchfe, Stifter des Taubftummens 
Inſtituts zu Berlin, hatte in einer obifuren Zeits 
ſchrift, Eunomia, die Behauptung hingemorfen: Sims 
mermann babe in feinem Werke „von der Cinſam— 
Reit,” das Leben der H. Altvaͤter ausgefchrieben. 
Die obengenannten Herren Herausgeber der Aurora 
widerlegten dieje, freitih unbaltbare Behauptung; 
das war gut, obgleich Überflüßig; aber — fie nennen 
„Hrn. Eſchke zugleich, indireft, einen literarifchen 
Dieb, einen Sor. — 

2. Hr. €. vertheidigte fich darüber warm, aber 
doch in gemeffenen Aussrüden, die nur viel ges 
lindere Erwiederungen jener Schimpfworte waren, 
Hierauf antworteten jene Herren, mit einer neuen 
Beſchuidigung von „literarifchen Diebereien,“ werfen 
Hu. E. nachtheilige Rezenſionen feiner Schriften aus 
dem Jahre 17,1 (!!) vor, und erklaͤren ihn am 
Ende für ein „ridiculum caput.‘ 

Mahrli, ich weiß nicht, ob es mehr lächerlich 
oder mehr aͤrgerlich ift, jene Herren daran erinnern 
zu müffen, wie unanfländig Schimpfworte find; mie 
ungerecht, ja — zu jugendlich es ift, einem vers 
dienftvollen Manne die Begegnung vorzumerfen, zu 
weicher er vielleicht als Juͤngling berechtigte. 
Seit jener Rezenſion find dreizehn Jahr verfloffen. 
Hr, Eſchke hat in diefer Zeit durch, feine unermüdlis 
che und fehr ſchwierige Thätigkeit in feinem QTaub: 
ffummen: Inſtitute eine Reihe von Menichen, die 
fonft dem Staate nur eine Laſt gemefen wären, zu 
nuͤtzlichen Bürgern deſſelben gebildet; er bat «ine 
Reihe von Weſen, die durch die Härte der Natur 
zu ereiger, Bläglicher Stupiditaͤt verdammt fihienen, 
in den Etand gefeßt, ſich ihres Dafepns als eines 
Glüdes‘ zu erfreuen. Was haben denn die H. H. 
Dabo und von Aretin in diefer Zeit geleifter? Ich 
will ihrem literariichen Werthe nicht gu nahe treten, 
aber das Uebergewicht des reellen Merdienftes ift 
ſichtlich auf Hn. Eſchkens Eeite und ihr ridiculum 
caput daher doppelt unanfländig, da dem Manne, 
troß feinen Uebereilungen, und felbft feinen Plagiaten, 
wenn fie bewiefen würden, Achtung gebührt, 





— 172 — 


- + +3, Man kennt Gmollet’s Xeußerun über bie 
Medicätiche Venus, Einer der Älteften, geiftoolften und 
tiebensmwürdigften Dichter Deutſchlands ſchrieb mir 
vor einiger Zeit, bei feiner Küdkehr aus Paris: „ihm 
fei jene Statue mit ihren Ergänzungen, vorgefom: 
men, wie ein ſchoͤnes Freudenmädchen, das eben aus 
dem Lazareth entlajfen werten.“ Kr. v. Kotzebue 
endlicy fagte im 6aften Et. des Freimbthigen und 
in feinen Erinnerungen: „Was kaun ih denn daflır, 
daß diefe Venus mir wie ein ganz artiges Kam— 
mermädchen vorkommt, die von dem jungen Heren 
vom Haufe im höchiten Regligt uͤberraſcht wird, und 
ficd feinen Lüfternen Vgen nicht ganz-ernftlich zu 
entziehen ſucht?“ — „Was kann ih denn dafuͤr, 
dap dieſer Yaucoon mir eine Empnndung gieor, wie 
der Denchentreſſer ju Berka bei Meimar, als ic 
ihn in meiner Jugend raͤdern ſah?“ 

Mar bewehen dieſe Acußerungen; mas ſollen 
fie beweiten? Etwa dap die Venus und der Laecgon 
nicht hohe Kunſtwerke find? Gewiß nicht; es find 
a feine Urtheile. Sie zeigen: — daß nicht jeder von 
enen Weitermerken gleich aflicirt wird; daß man 
eine gewiſſe Stimmung mitbringen muß, um von 
ihnen enthufiasmirt zu werden, So bat es gewiß 
jeder vernünftige Leſet aufgenommen; aber nicht 
die H. H. Babo und von Aretin, 

Die ertlären: den Kopf und bas Gemuͤth 
des Kunſtrichters, der ſo etwas drucken lajfen kann, 
für verzerrt; die Aeußerungen ſeibſt, für wider⸗ 


finnige und abgefhmadte LAfterungen, — 
(als wößten fie genauer, als er ſelbſt, was in &’6 
Eeele bei dem Anblid, jener Meiſterwerke vorgegans 
gen it) — für albernes Sri wär! 

Die -Ungejogenbeit dieſer, ſchlechter dings durch 
nichts weranlaßten Angriffe, brauche gar nicht auseins 
ander gelebt zu werden; ich wende mich nur iu der 
Frage: Wie kommen die befagten grabitaͤtiſchen Her⸗ 
ren dazu, dieſen Ton gegen einen Ahann, der fie nie bes 
leidigte, anzunebaich? Wollen Sie etwa dadurch vers 
anlajjen, daß ihr mohlgejtaltetes, aber todtgebornes 
<öcrerlein, Aurora, (die Zeitſcheift dauert wirklich fort, 
doch in ziemlid ftrengem Incognito,) ins geben gab 
vanifirt werde ? Olauben fie etwa, gemeiner pöbels 
bafter Zank fey das Mittel, wodurch dieXiteratur im 
füdlichen Deutſchlande am ſchnellſten und Eraftiaften 
erwedt werden Fonne? Dann — verrathen fie eine 
erbärmliche Geiftesarmutd und — es iſt fehr zu 
wünfcen, daß fich bald andre, mwürdigere Männer 
jur Uebernehmung des Ghefchäftes finden. 

Dder bat etwa die Freude, wöchentlich drei balbe 
Quartbogen von fich gedrudt zu febn, fie wirklich mit 
fo jugend lich em Gefühl und Muth erfülle? — dann 
— muß ich mit dem Hn von Ketzebue susrufen: 

„Was Fann ich denn dafür, daß miir dabei der 
bochberähmte Kofinante einfaͤlt, den eine nabrbafte 
Meide im hohen Alter plöglich reijte, das murhmillige 
Füllen ju jpieien“ Den Crfolg fennt man. 

G. Mertel, 


— ——— — — — — 


Nücht politiſche Zeitung. 


us Paris. 


in junger kurztich verheirathetet Mann liebte eine andre, als 
feine Frau, — mar, wie bekannt, eben fine Exltenbeir it; aber 
dıcie andre glaubte olotzlich zu bemerten, dan er ihr ungetreu 
werde, das heitzt, anfange feine Frau zu lieben, und aus 
Giferuht, wm feine Treuloſigtelt iu räden, vahte fie ihm auf, 
mis er eines Abends mit feiner Frau auf ber Gare gina, er 
mordere ihm mit mehrern Merferftiben umd überiiererte lich dann 
den Gerichten. So gerahrlich if es, feine eigmne Frau gu litben. 
Daß eine Gattin aus Eiferfucit, wegen einer Geliebten, o 
Adas begangen babe, erinnert man ſich in Paris wicht, 

— Den Zanjer Duvort, der feit langer Zeit in ber grohen 
Over ohne Gehalt zu bekommen, tamte, wurde kürzlich ein im 
jeder Kudıicht sehr worthelitaft:s Engagement augetragen, Wenn 
er ſich Dabei verbindtich machen woitte, in keinen Tante neue 
pas amubringen, Diefe Bedingung machte, dafi er das Engage 
ment ausfdlug, Es in Schade. daß die Zeitung die das erzahlt, 
micıt anmertt, ob deuu die neuen Yas, die er zu machen wiege, 
weirtiich aucd dem Publitum fo fehr geſauen, ald tbm ſeit. 

— Die Ecbaufvieler beim I heatre brançens haben mei⸗ 
fientteild 40,000 Franten Einnahme, ie finden, daß die 
Theater: Dichtet, von denen Die reichten lahrlich etrwa 5 000 von 
dr Wirderbolung Ihrer Stücke gewinnen, verhaltnitm Ria au 
wich betommen, und wollen die Einnahme derjelben fchmtalern. 
Sreitich ein Ertanivieler umd — der Dichter, im deren Wert 
er glanjt; welcher unterſchied! 

— In einem neuen Bandevilie ⸗ Stuck: Cadet Roussel 
Burihste, bemundert man vorzialid folgenden Vers, ber im 
ger That im feiner Mer ein Meiſternuck it: 

Ecartous ton calton, car ton cunton nobk eine, 

_ u der Gtrafe des Chantres jeigre man noch das 
Gans, das dm Ganonitus Fulterr, dem Sohn ter bernhmten 
Setoife, gehört hatte. Im der Mauer deſſciben, waren die Bit 


Nro. 49. 


Men MbAlards und Hetdiſens Ancrufirt, und man betrachtete fie 
immer no mit Interefe. in Maurer, der dad Haus kaufte, 
Gar die Abbildungen, als argerlich, mweggeibajlt. 


Aus Hamburg. 


Di Abreiſe der vorzuglichſlen Glieder des biefigen Frami. 
Tbeaters, nach Petersburg, hatte und wahrend eine? halben 
FJahres des Geuuſſes, den ums Diele Bühne aewabrte, beraubt. 
Endlich hat ſich wieder eine Geſellichaft puianmmengerunden, und 
am 30, Auguſt wurde Die Bibne wider eröfuet. Das Hans 
war voll und uberveii, und was vermiethet werden kann, iſt 
für den Winter vermiterbet; — nur auf der Filline mertie nian 
ned bier und dort — leere Pläges dach freilich wurden wiele 
Vi zicder der Geienichaft ern erwartet, 


An ten Herausgeber. 


D > Macheicht, die Sie Über Huber In Nr. 192. dei Sreim. 
gab.n, brdari einiger Lerichtigung. kr, ö 

Dat Huber tarbelich it fommte im vrotenantiſchen Deich: 
dand nicht ganz unbetannt jeom, denn fein Vater und Er, hiel⸗ 
ten nd im Peipzig zut katholiſchen Kirche, * 

Sein Vater war auch fein Monch und Floh nicht nadı 
Varis, ſondern ward in den Sogn Yahren als Proſeſſor der 
Deutiden Evradıe dahin beruien. Wo ich nicht irwe, ſtand 
er bei einer Faole melit are, Im Paris hehrathete er jeine 
no lebende Tran. Mon dort ward er als Lettor der Franz. 
Erradie nach Feipila beriren, wo er lange, vom alten dortigen 
Guleberon, feinem Berdienſten gemaß, sehr geachtet Iehte, umb 
art Der ein Paar Jahren star, Eeime ſchriftſteueriſchen Ar 
‚beiten find betauut. 21 








Eie war ams dem Iren Stuck des Deutſchen Mertur. Dort 
Recht: fein Vater ging — aus einem Balriſchen Klofier nad Parts. 





Nro. 194. 
ARISTIDES, 
Der Sreimütbige 
— ol u— den 28, September, 


Freitag, 


era f 


und 


S der; 





Ueber die Ruſſiſche Sprade, 


ra ment aus einer fünftig erfcheinenden BVergleihung 
der Europdifchen Spraden, 


©, lange Deutſchland durch Polen und Kurland 
vom Nuffifchen Neiche getzennt war, hatte das Cru: 
dium ber Nuffifhen Sprache für den Deurfchen 
toohl weniger Intereffe, als es jetzt haben bürfte, 
nachdem dur die Dismembration des großen Pol 
nifchen &taateförpers, die Grenzen von Prrußen und 
Rußland unmittelbar aneinander geruͤckt worden find, 
Die Kuffifhe Herrfchaft erfiredt fi nun über den 
Deutſchen Boden meiter herein, die Preußifch : deut: 
ſche Herrſchaft aber eben fo weit, ja noch viel weiter 
über den Slaviſchen Boten hinaus. Wenn gleich das 
roechfelfeitige Verkehr zwiſchen beiden Nationen das 
durch fehr erleichtert iſt, daß die Deutſche Sprache 
in einigen der ältern und neuern Provinzen des Ruf— 
fifchen Reichs, mwenigftens unter dem gebildetern Theil 
der Einwohner, die berrfchende ift und noch lange 
bleiben wird, und dagegen eine vollbürtige Zchmefter 
der Ruſſiſchen Sprache zu einem Hauptdialekte der 
Preußifhen Monarchie fih erhoben bat, fo ſcheint 
doch zur Eriernung der Ruſſiſchen Sprache, für den 
Deutfchen jest mehr als Eine Aufferderung vorban: 
den zu ſeyn. Die Eeibftftändigteit mehrerer einft 
mächtigen Elavifchen Reiche ift zu Grunde gegan: 
gen; — Deutſche Fuͤrſten haben fich dieſelben größ: 
tentheils unterwhrfig gemacht; ıur Rußland flehe 
noch als Macht der erften Größe in feiner urfpräng: 


ih Elavifchen Bedeutfamfeit da. Dies, und die neuen 
ſtaatsrechtlichen Verhaͤltniſſe zwiſchen Preußen und 
Rußland; die große Theilnahme, welche letzteres ge: 
genwärtig an dem Gange der Innern Angelegenheiten 
Deutſchlands und unfers ganzen Weltthells bejeigt; 
bie ſchoͤnen Ausfichten, die Kußland unter feinem 
jebigen Beherrſcher für die Ausbreitung der Kultur 
des Menſchengeſchlechts, fogar bis in die Gegenden 
bin darbietet, worin wir bisher bloße unwirthbare 
DVerbannungsorte, und die Wohnſitze von Wilden zu 
feben gewohnt waren; endlich die fo vielen Deurfchen 
zu Theil gewordene ehrenvolle Aufforderung, zu bie: 
fem Zwede als Volksichrer mitzuwirken: — das alles 
find Umftände, die wohl geeignet ſeyn mögen, unter 
uns Deutfhen ein allgemeines - Antereife für das 
Etudium der Ruſſiſchen Sprache und fiteratur zu 
weklen, um auch dadurch den längft erworbenen Kubm 
zu behaupten, daß wir in Anfehung der Kennenig 
fremder Eprrachen, allen andern Völkern Europens 
den Rang ablaufen, 

Wer würde ein bei den Römern Glauben ge: 
funden haben, wenn er in prophetifchem Geiſte vers 
ausverfündigt hätte, da die Bewohner Sermaniene, 
vie Tacitus als Barbaren ſchilderte, durch große und 
wichtige Entdefungen in allen Fächern des menfchli: 
hen Wiens, fih vor ihren eigenen Abkoͤmmlingen 
auszeichnen, und ſolche weit hinter ſich laſſen wär: 
den? Wer bürgt uns dafür, daß unfre nordifchen 
Nachbarn uns einft nicht auch Überflägeln? Oder 
wer will es für eine Unmöglichkeit halten, daß bie 


— 254 — Ber 


Ruſſiſche Sprache nach einigen Zeitaltern eben fo die 
Hof: und Miodefprache ſeyn werde, wie es die Star 
liänifche, Epanifche, Franzöfifche und Englifche hie 
und da eine fürgere oder längere Zeit lang gewefen 
it? Wenn glei deswegen, weil fie eine von der 
allgemeinen Kulturfprache (der Lateinifhen) gar zu 
verfchiedne Urfprache ift, und der Lehrling bei ihrer 
Erlernung lange nicht diefelben Huͤlfsmittel hat, die 
er bei dem Studium der obengenannten aus dem far 
teinifchen entfproffenen Mundarten finder, — wenn 
glei, fage ih, darum zu bezweifeln feyn mag, daß 
fie den Grad von Allgemeinheit und Beliebtheit fich 
je erwerben werde, den die Franzöflfche fih erworben 
hat, fo macht es doch die ungeheure Ausdehnung 
des Ruſſiſchen Reichs, das fich oftwarts um den hal⸗ 
ben Erd£reis herum erſtreckt, wohl mehr als wahr: 
fbeintich, daß die Kuffifche Sprache, in Ruͤckſicht ihe 
rer ollgemeinern Verbreitung, dereinft noch vor allen 
andern Sprachen des Erdbodens den Vorrang be 
baupten werde. ' 
Alles, was die Ausländer vom Kuffifchen Reiche 
reiffen, haben fie größtentheils den Unterſuchungen 
der Deutfchen zu verdanken. Der Geift der Indus 
ſtrie, der in fruͤhern Zeiten die Deutfchen vorjugse 
weife vor allen andern Nationen befeelte, hat, fo wie 
in alle Theile der Welt, wo fie Erwerb ſich verſchaf⸗— 
fen konnten, alfo auch nah Ausland von jeher Deutfche 
aller Kiajfen geführt ; und der unerſchuͤtterliche Muth, 
bie linverdroffenheit, die Treue, die Schlichtheit, die 
Genuͤgſamkeit, die Selbfiverläugnung, die Schonung 
der Mationalvorurtheile, die der Deutiche, außer mans 
hen andern guten Eigenfchaften, bei den fremden 
Dölfern, unter denen er lebte, an den Tag zu legen 
pflegte, haben ibm auch in Rußland fihon von früs 
bern Zeiten an eine vorzuͤglich günflige Aufnahme 
bewirkt, Peter der Große fihien es bereits wohl 
erfannt zu haben, wie fehr die Deutichen ihm bei 
der Umbildung feines unermeßlichen Staats hülfreich 
werden fünnten: und obwohl er durch den von den 
Schweden errungenen Beſitz einiger Deutfchen Pros 
vinzen, eine beträchtliche Zahl von Deutfchen zu Line 
tertbanen befam, fo rief er doch noch eine große 
Menge biefer Ausländer in fein Reich. Alle 
feine Nachfolger und Machfolgerinnen traten mehr 
eder weniger in feine Fußftapfen, und obmohl bierbei 
etwas auf Rechnung der ehelichen Verbindungen ber 
felben mit Deutſchen Prinzen oder Prinzeifinnen, 
und auf bie Verliebe, melde diefe für ihre Lande: 
leute hegten, gefchrieben werden muß, fo möchte doch 
aicht zu laͤugnen feyn, daß die Anerkennung des 
Werths des Deutfchen Nationalfaraktere, für die aus 
eigenem Antrieb oder nach vorgängiger Einladung 


nach Rußland gefommenen Deutfchen, die ficherfte 
Empfehlung gemefen ſey. Eelbft an der Ausbildung 
der hoͤhern Klaffen des Ruffifhen Volks haben diefe 
Fremdlinge einen vorzäglihen Antheil gehabt, indem 
der männliche Theil des Ruſſiſchen Adels Deutfchen 
Erziehern im Ganzen eben fo vorjugsroeife anvertraut 
wurde, als der weibliche Theil deffelben unter der 
Pflege Franzbſiſcher Gouvernanten aufwuchs. Bei 
geringer Aufmerkſamkelt auf den Genius der Ruſſi— 
ſchen Sprache und Literatur, ift diefer Einfluß durchs 
aus nicht zu verfennen, und er würde wahrſcheinlich 
noch auffallender zu bemerken ſeyn, wenn nicht die 
Franzöfifcge Fiteratur, die früher als die Deutſche zu 
einiger Vollkommenheit gediehen war, den Vortheil 
des Beſitzes fih errungen hätte Wenn gleich dem: 
nach Deutiche die Erzieher des Ruffifhen Adels blie: 
ben , fo führten fie ihre Zöglinge, in Ermangelung 
echter Deutfcher Literatur, doch lieber zur Franzöfis 
ſchen und zur alten klaſſiſchen; und daher mag es 
wohl rühren, daß die Epuren der Deutfchen Mit: 
wirfung im Gang der Kuffifgen Sprache, fo innig 
mit denen der Franzöfijchen und Flaffifchen, verwebt 
find, ir 

Das die Ruſſiſche Sprache für denjenigen große 
Schwierigkeiten haben muͤſſe, der Feine andere, als 
die gewöhnlihen Schulſtudien befigt, iſt wehl fehr 
einteuchtend; indeffen find diefelben leicht zu über 
winden, und auf feinen Fall größer, als die bei Er: 
lernung der Griechiſchen und Lateiniſchen. Natürlich 
muͤſſen fig die Hindernüfe häufen, je geringer die 
Aehnlichkeit oder Verwandtſchaft einer neuerdings zu 
erlernenden Sprache mit unferer angeerbten, oder 
einer andern ſchon erlernten iſt; indeffen läßt fich 
doch fogar auch die Kuffifche ohne mändliche Bei— 
huͤlfe begreifen, und ich zweifle überhaupt fehr, ob 
fie und alle mit ihr verwandte Z lavifche Dialekte für 
ben Deutfhen, zumal für den, der Griechifch oder 
Lateinifch verfteht, eben fo viele Schwierigkeiten ha: 
ben, als die Deutſche für jeden Ausländer ohne Une 
terfchied, die verwandten Engländer und Dänen nicht 
ausgenommen, nothwendig haben muß. 

Dab die Mutter der Ruffiigen Mundart, die 
alte flavifche oder flaninifche Sprache, zu den 
Urfprachen unfres Welttheils gehört babe, ift eine 
eben fo befannte Cache, als daß fich ihr Gebiet un: 
ftreitig viel weiter Über Europa erfiredt habe, ale 
das einer jeden andern, Mehrere jest ganz Deutfche 
Provinzen waren früher von Vöifern Elavifchen Ur: 
fprungs bewohnt, und nur der Fanatiemus für tie 
Ausbreitung des chriftüchen Glaubens, wovon die 
Germanen einjt befeelt waren, konnte es dahin brin: 
gen, die Slaviſche Urſprache aus dem nördlichen 


u — 


— 255 — 


Deutſchland, aus Schleſien, Meklenburg, der Lauſitz und 
Brandenburg x. ganz oder wenlgſtens fo zu verdräns 
gen, daß mur noch ſchwache Epuren derjelben in 
diefen Gegenden übrig bliebei. Ob nicht noch frü: 
ber Deutſche dieje Provinzen bewohnt haben, ift frei« 
lıcy eine andere Frage; von einigen wiſſen wır me: 
nigftens hiſtoriſch, daß ihre Germaniſchen Urbemoh: 
ner, bei jener großen Voͤlkerwanderung, von den aus 
ihren alten Mognligen am Dniejler und der Weichſel 
hervorgedrungenen Ölaven, aus ihrer Heimath ver: 
drängt worden find. Die Richtung des Zuges diefer 
vordringenden Vollemaſſe iſt [yon aus den Wenens 
nungen zu erfennen, die fie fich im ibren einzelnen 
Staͤmmen ferbft beigelegt hat; die Böhmen biefen 
namlip die vororın (djehy), die Wenden 
die mittlern (&;,erpfi), die Eclefier die 
bintern (Wezu). Lieber den Urfprung der heu— 
tigen Ruſſen läßt ſich nur fo viel mit Gewißheit an: 
geben, dag fie gleichfalls Slaviſcher Abkunft geweſen 
Ind, und daß bie von ihnen unter Rurikes Am: 
führung aus dem Norden Curopens bherbeigerufenen 
Wothen fi mit ihnen fo fehr verfchmoljen haben, daß 
von der Eprache der eigentlichen Sieger nur no 
geringe Merkmale in der Wiundart der Beſiegten 
übrig find, , Be 
Dem Sprachforſcher gewährt es mannichfaltiges 


Dergnügen, durch die Aufnahme auslaͤndiſcher Worte 


in irgend eine ſeibſtſtandige Sprache, auf Bemerkun⸗ 
gen geleitet zu werden, wodurch ſich der Wang Der 
Kultur des Volks und einer Eprache genäus be 
zeichnen läßt. Eicht man auf die verſchiedenen Diaz 
lekte der Siaviſchen Urſptache, fo ergiebi fich, daß die 
Deutfchen, die Homer und die Griechen an der Aus— 
büdung bderjeiben, jo wie an der Geiſteskultur der 
einzelnen Belksjtämme Slaviſcher Abkunft, einen maͤch⸗ 
tigen Antheil gehabt haben muͤſſen. Es tft bier der 
Drt nicht, in weitlauftige Erörterungen darüber ein 
zugeben; nur vorlaufig und im Algemsinen gilt die 
Bemerkung, dap durch die Weittheilung des Chriſten— 
tbums na dem morgeniändifpen und abendiandis 
{hen Ritus, diefe Beränderungen metivirt und weiter 
ausgeführt werden find, Reich. 
(Die Fortſetzung folgt.) 


Ueber Stettim 


( Bortichung. ) . 

8 werden in Stettin gute Kauffartheifchiffe ges 
baut, und mit dem nötbigen Tau: und Segelwerke 
verjeben. Das meiſte Verdienſt um die Erbauung 
guter Schiffe in Stettin, mag wohl der nech lebende 
Schiffsbaudirektor Kantin haben; ein Dann, der ſich 
durch eine finnreihe Mafchine zur ’Prüpung der Staͤrke 
der Holzarten, als guter Mechaniker betannt gemacht 

t. Die Dildungsanfialten fur angehende Schiffet 
ind indeß fehr unbedeutend, und die ganze Wiſſenſchaft 
vieler Steitiner Schiffer, ſagt man, befleht ın weni 
gen, von alten Piloten handmwerfemäßig erlernten Ye: 
geln. Zwar ift auf Kojten einiger Kaufleute, auf 
dem Gebäude der hiefigen athsſchule, eine Sterue 
warte erricpret; aber, jonderbar genug! nur für tıe 
Zöglinge der Rathsſchule, nicht für angehende Schif⸗ 
fer. Sie ſcheint vor der Hand eine dleße Sterngucker- 
bude zu feyn. Die Steitiner Schönen befieigen fir, 


um durd ein, jur Zelt noch unfertiges Teleskop, zu 
melchein der große Deutfche Aftronom, Oberamtmann 
Schroͤter in Yilienthal, die Epiegel geliefert haben 
fol, den Mond, Jupiter, Mars und Merkur zu bes 
guden, und bie alten Gecken und jungen Stutzer, 
die etwas vom Mebelfleten im Orion w f m. 
pe oder gelefen haben, geben hin, um dort mit 
brem aftrognoftifhen Flitterſtaate, der von der Ge 
felfchait aus großer Beicheidenheit, für das Hoͤch⸗ 
fie der Aftroncmie gehalten wird, zu glänzen. 
Auf dieſe Weiſe gewinne die Unterhaltung in 
&tettin, indem die Erd: und Himmelsfunde gemiß- 
handelt wird. 

Dem Umfange feiner Mauern, und der Größe 
des darin getriebenen Handelsverfehre nad, gehört 
Stettin zu den größeren Staͤdten; der herrſchende 
Geiſt feiner Einwohner aber fekt es oft in die Klaffe 
Fleiner Staͤdte zurüd. Hierdurch wird, bei genauer 
rer Bekanntſchaft, der erfie günftige Eindrud, wels 
chen die Annehmlichkeiten des Aruperen auf den ges 
bildeten Fremden machen, nicht jelten merflich ge: 
ſchwaͤcht. Alles dreht fih in Etettin um den Reich 
thum, und reich ſeyn gehört bier, wie in allen Hans 
delsjtädten, zu den hoͤchſten Wegriffen des Gluͤcks. 
Und wozu braucht man den Reichthum? Dun, zum 
— Eſſen. Der reihe &tettiner, wenn er nicht vom 
Geige beherrſcht wird, der ihn zumeilen zu den 
niedrigfton Handlungen verleitet, lebt meift nur für 
den phififhen Genuß, Ohne eine Umgebungslinie 
von wohigefällten Weinflafchen, kann er nicht froh 
ſeyn. Herner Speiſen wird er nie überdrüßig, fons 
bern verſchluckt felbige, in Maſſe, mit wahren Heiß: 
hunger. Die Tifche find nicht wermögend, die Laſt 
der zu einer Mahlzeit gehörigen Ledereien, auf eins 
mal ju tragen. Auf Epazierfahrten von einer Vier 
telmeile, verfieht man ficy mit einer Menge von 
Epeifen und Getränken, weiche binreichen würde, eine 
arme jamilie eine geraume Zeit über am Leben zu 
erhalten. Die geringfügigften Sachen werden die 
Deranlaffungen großer Echmaufereien; und mer diefe 
recht genußreich anzuordnen weiß, ift ein allerliebfter 
Mann. Man will den &tettinern zum Ruhme 


nachſagen, daß der Hang zur Voͤllerei bei ihnen, feit 


einigen jahren, merklich nachgelaffen babe; und es 
ift nicht zu laugnen, dab man die Tiichgedede jekt 
mit dem feinften Champagner: Punfche beiprengt fin: 
det, ſtatt daß man fie ehemals mit Cahors brgosien 
fand, Die Wiſſenſchaſten betrachtet der reihe Stetti— 
ner oft bloß als Mittel jur Prablerei, und daber fichen 
auch Nominalkenntniſſe bei ihm in vorzuͤglichem An: 
fehn, Daß die Veredlung eines Volkes mit der 
Vervollkommnung und weifen Ausbreitung der Wiſ 
ſenſchaften genau zufammenbänge, ift ihm entweder 
durchaus fremd, oder er will es nicht wifjen. Die 
Künfte, befonders die Muſik, Dichtkunſt, Mahlerei 
und Tanzkunſt, liebt er nur in fofern, als fie jeine 
Einalichkeit berchäftigen, — Es verſteht fich, dap ich 
ier nur im Allgemeinen fpreche, ohne einzelnen Ge— 
udeten ju nahe treten zu mollen. 

Dom andern Gefchlechte, welches durch die ihm 
angeborne Eanfıheit des Charakters, ſo viel Über bie 
Rohhelt der Maͤnner vermag, läßt ſich in Stettin we: 
nig Yobenswerthes ſagen. Die meiſten der hiefigen 


— 256 — 


Damen putzen ſich gern, und treten, mit den feinſten 
Zeugen behangen, gleich Pfauen einher, deren Werth 
wegfällt, wenn man ihnen die ſchoͤnen Federn nimmt. 
Ihre Unterhaltungen verrathen wenig Zartgefuͤhl. Lieb: 
fofe Urtheile, feichter Witz, underdaute Beleſenheit und 
fade Kunftrichterei find die Quintejfenz derfelben. Ihr 
E prachorgan ift fehr unbeugfam, und der Ton ihrer 
Erimme geht felten zu Herzen. Ihre Eprache felbit, ein 
Semifch von Hoch⸗ und Plattdeutſch, iſt fehr unzierlich, 
und größtentheils hoͤchſt ungrammatikaliſch. — 
Herzensguͤte und gebildeter Geiſt finden ſich bei we: 

m 





— ⸗ 


nig hieſigen Mädchen beiſammen. Deſto anjiehender 
ſind aber die — 22 Diele der hieſigen Damen 
machen Anipruch auf Geiſt; einige berfelben befiken 
etwas davon, wenigfiene fo viel Derftand, als zur Erfuͤl⸗ 
lung ber ihnen von der Natur zen Pflichten 
als Gattin und Mutter erforderlich ĩiſt; aber die Eitelkeit, 
genäbrt durch niedere € chmeichelei, laͤßt die meiften je— 
nes Geſchenk durch das Vergrößerungeglas betrachten, 
und das Geſumſe feichter und herzlofer Wihler verdrängt 
nur ju oft die in ihnen vorhandenen befferen Gefühle, 
(Die Fortietung folzt) 





Niht:politifhe Zeitung Nro, 51. 


Theaternachricht aus Breslau. 


M Den 23. Emt. 1904 
zuladame Marchbetti Fantossi hat die vorige Wocht 
pweimal im einem Menodram: Hero, von Hrn, v. Filiſtri, 
auf umirer Bühne durch. Gefang und mufitalifbe Detlamation, 
und einen menen ſchönen Oenufi gewährt und, Leionbers das 
erftemal, bei vollem Haufe rauſchenden Teifal gewonnen. Vor⸗ 
ber hatte fie ſich einigemal in der Aula Eeopoldina heren lab 
fen, und obgleiſch — etwas Ungewotentes und — tinliebes für 
Breslau, — bie Preiie der Pape verdoppelt waren, ſowetl 
dort, als im Schauſplelhauſe ein zahlreiches Aubiterium gehabt, 
Die Gewalt, Die hoͤhe Krart ihres Geſanges, das Energie ihr 
rer Altlon umd ihres Vortrages, rien zur Vemunderung bin, 
entzuckten, und — hatten die Anzeigen und Nachrichten im den 
Zeitungen und bie ſur unſer Theater nicht gut effettuirende 
doue Erleuchtung nicht einigermanken eitle Praleret verra⸗— 
ten, — es würde das Gamje dieſer Kunſtneubeit im einem 
würdetvollern Anſtand eridienen ſern, reinern Eindruck gemacht 
und hintertaſſen haben: denn wir Brestautt lichen auch in der 
Kunft das Veſcheidene. Gin Impromtii, das auf Mad, Mar—⸗ 
betti gemacht warb, ſcheint mir dieſe Nachricht nicht umeigentr 
lich zu ſchlichen, und ihr Epiel, wenn wir Die gerügten Eltel⸗ 
keiten befeitigem, mit Recht zu windigen. Es beißt: 

Wer die Tonkunſt liebet, ehre 

Ihre treue Bichlingint — 

Mit der gamen Welt verſohne 

Die Begeiſtrung ihrer Töne 

Selbſt des Menidentafers Sinn! — 

Was aber das Monodram: Hero, betrifft, ſo muß ich 
aeftchen, Hertlots Hero, in der ich einſt Mad. Schick bewun⸗ 
derte, id mir unendlich werther, im vwoctiiben Einn ungleich 
beifer, Doch die Meinungen ind gerbeilt, (1!) und jo mag dieß 
auch bioh Meinung fen. — 

Einen jbönen Kungenuſſe fehen wir jene entgegen, Indem 
wir Hubers natüriiben Gohm erwarten durfen. — Edils 
fers Teil gewinnt immer michr Piche und Beifalt, und wird 
oft und — zum Lobe unſerer Edapipieier — immer beſrer 
geaeben. Die Werte um bie Braut, Luſtwiel, if vom 
aefern, recht brav, und mit vielem Bereit auigeſuhrt worden, 


Nachtrag ber die dreihundertjährige Jubelfeier ber 
Stadtbuchdruderei in Breslau, 


Da Sreimithige in ein Freund der Künſte, umd fie zu beför⸗ 
dern, fein Zweck. Ich alaube bei dieſer Ueberzeugung, dom eis 
nen Gegenſtand anzeigen au durfen, ber nicht ohne Interefe iſt. 
Die Aubelfeler der Stadtbuchdruckerei in Breslau und die Art, 
wie dir deine Beſcher derielben, Hr. Barth, ſolche begieng, 
iR dieree Gegenstand. — Nachdem die Mntundigung einer es 
ibichte der feit 300 Jahren in Br. befindbliden 
Stfadtbuchdrucherei, als cin Beitrag sur Geſchichte der 
Tuddrudertun, Kunftlickbater zur Theilmabme eingeladen, umd 
Hr. Barth zw deren Vplendung ale Kraft amgewender hatte, 
ward am 21. Nugud d. I. das Set mit einım Koniere in ber 
Aula Seovoldina (einem Saale in der Erjieſuiten⸗Univerſitäth ces 





Sekrire‘, bei meiden weckmaſige Neben gehalten wurden, und 
der größte Theil der gebildeten Einwohner freien Zutritt hatte; eis 
nige Tage darauf gab Dr. Vartıı feinen Kunſtgenoſſen Luftge⸗ 
Inge, umd eine ſchöne Illumiuation endigte am 24. Auguft den 
Srudenjubel einer beglischten Familie, Jetzt erſchien auch bas 
Wert yeitft, Defiem Intzalt ich anzeigen will, Es befichet in 2 
Abtherlumgen. Die erde enthalt 1) drei Platten Schreibe⸗ 
fc riften aus dem $. 9. 10. 11. 12. 33 und Item Jahr 
hundert, bis anf die Zeit der Erſindung der Buckdruckertunſt; 
aus der letzten einen Probenldruf von Guttenberas erkem 
Druck mit Holyplatten, — ſammtiich von Origimalurfunden tes 
pirt. 2) Surie Geſchlchte ber Erfindung der Bud» 
drudertumf. Die Toven wurden treu nach Faufte Wide 
v. I. 1462 copirt, in Stahlſtempel geichmitten und nach ⸗ 
aegeſſen. 3) Toh. Fauſt⸗e und Peter Schöffere Bilde 
ni, noch ↄ ſehr alten Gemälden. A Praunmeranten— 
Verzeichniß mit aanı Heinen modernen Lettern, — mm ben 
Unterichied bes alten umd neuen Drucks anſchautich zu machen. 
‚Die imeite Abtheilung umfaßt: 2) die Geſchichte ber er» 
nen Bresiauifhen Buchdrucerei von Conrad Baum— 
gärtner 1504. bis auf Orah und Varth 1904. Inliegend: 2) 
einen Holsfchmitt aus der Legende der heil. Hedwig, dem 
er ſten merhoirbigen Drucke dieſer Omin. 3) Dos Birdniä 
Andreas Wintlers, des erſten Rettors de) Eliſabethant⸗ 
ſchen Gomnafiums in Br. 4) Das Bildnih Georg Bau— 
mann des Jüngern. $) Lob der Buchdruckerkunſt, 
Lid von Fülleborm, mit Mufit womit Barth einen Beweif 
feiner newangelegten Notendruckerei giebt.) 6) Beiträge iur 
Geſchichte der Buchdrudereien in Schleſten. 7) 
Die Baumanniide Stammtarel, — Mit Fleih und 
Eudkenneniä iR alles Dich ausgearbeitet, und wirdige Mannıe 
Heben ihre Siräfte dazu. — Dies Wert iſt chen fo eimig im 
feiner Art, als es Lob und Empfehlung verdient, Sollte auch 
noc manches gu wunſchen ibrig bleiben und zu rigen ſeyn, ſo 
möchte die Würbiaung ber Viederfeit, womit es dargebradıt 
ward, ehr billige Rucknichten vergonnen. Varth bar ſich dadurch 
ein Verdſenſt erworben, das ihm bie Achtung jedes Unvartheit⸗ 
feben veribafen muß. — Das Werk koftet wicht mehr als 
ı Thl. 8 Bar, für den Gubitribenten, md if in Auart, nes 
bunden und geſchmactvoll, den? Zweck angemefn, geſamuckt. 
Ein fchr vorsiglidıer Artilel varım it Das Loblied auf die 
Bucdrudertunf, von Sulleborn;s ch ik vom Muſit 
direftor Elfimer in Warſchau, komponirt, und bat ſeht gelums 
gene Stellen; e# if eine liebliche Nehguie aus Shlieborns 
Nachlaß. F 8’. 
Anzeige 

n den Hamburger Correipondenten find verſchiedentlich Nach⸗ 
richten aus dieſer micht: politiichen Zeitung wertlid aufarnoms 
men worden, ohne daß man Die Que angegeben bat. Da 
nun ienes Blatt feiner Beſtimmung gemaß, viel ſaneller cirtu⸗ 
lirt, mis dieſes, konnten manche Leſer im dem Irrthum jallen, 
als wenn ich Zonen noch einmal erzahlte, was Cie den in 
jenem allgemein geleſenen Vlatte gefunden bätten. Ib halte es 
daher jlir nothig, anzumerten, daß ich mie einen Artitel aus 
jener Welt: Zeitung entichnt babe. Der Red. 

Drudfebler Kufden vor, BF, diefer Zeit. ſteht Mir. 49 fi. 50. 


1804, 


Nro. 195. 





Der Treimüthige 


Eonnabend, 
E rn f 


giteratar 


Die Troubadour und der Hageſtolz. Zwei Ers 
sählungen, Pirna, bei Pinther 1805. 





HD. beiden kleinen Erzählungen zeichnen fih zwar 
in Hinficht auf Kunft durch gar nichts aus; indeß 
haben fie wenigftens das Verdienſt, Feine lange Weile 
zu machen, 

Die Erfte befonders ift fehr gut erzählt, aber 
fo mager erfunden, als ob die Mufe des Hrn, 
Verf. fich eine geraume Zeit des berühmten Gefund: 
beitetranes für Schwangere bedient hätte Mit 
großer Anftrengung möchte fie diefes Zwerglein wohl 
ſchwerlich an das Licht der Melt geboren haben. 
Erin. ganzes Weſen verrärh Übrigens, daß Frank: 
reich das Materland deffelben und der Deutſche Er— 
zähler bloß Pflegvater if, mas er aus guten Gruͤn⸗ 
den dem geneigten Lefer zu verrathen, nicht für dien 
lich erachtete. 

Auch die zweite Erzählung ift Über den Rhein 
nah Deurfchland gekommen, Ein junger Gender: 
ling, welder — fonderbar und frevelhaft genug, — 
das ſchoͤne Geſchlecht micht für liebenswuͤrdig hält, 
zieht ſich auf ein Landgut zuräd, um den Bitten 
ſich zu verehlichen, womit fein Water ihn täglich bes 
ftärmt, aus zuweich en. Der gute Alte, in der Todes: 
angft, fein berühmtes Geſchlecht ausfterben zu fehn, 
geraͤth auf den etwas abentheuerlichen Einfall, das 
Gefühl feines Sohnes für die Freuden der Liebe 


und 


den 29. September, 
S her, 


dur ein fehr fhönes, werführerifches Freudenmäd 
Gen aus dem Echlummer erwecken zu laffen. Diefes 
gluͤckt auch in dem Maaße, daß ber junge Hage: 
ſtolz von ihr bezaubert, fi in der @tille mit he 
trauen läßt, über welche KHiobepoft denn der ehrliche 
Alte ſich natürlicher Weiſe anfangs nicht wenig ent: 
rüftet. Da indeß das Pärchen glädlich iſt; fo macht 
er zulegt bonne mine ä mauvais jeu. &o lautet 
diefes Sefchichechen im Franzoͤſiſchen. Der Deutſche 
Bearbeiter hat das Freudendirnchen in ein ſehr ae: 
bildetes, tugendhaftes und zartfuͤhlendes Frauenzim⸗ 
mer verwandelt. Ihm iſt nicht beigefallen, daf ein 
ſolches Mädchen ſich unmöglich für den Plan des 
Alten hergeben konnte, und der Born deſſelben über 
die Verehlihung feines Sohnes mit einem fo edlen 
Weibe, nunmehr ins Laͤcherliche fällt. — Doch wozu 
eine lange, ausführliche, ſtrenge Kritik über ein fo klei⸗ 
nes Büchlein, das werigftens eine unfchuidige und 
noch dazu leidlich + angenehme Lektuͤre gemähıt, und 
= man alfo fein harmloſes Dafeyn ſchon gönnen 
ann, — 








| — bt. 
Audienz beieinem Kalmuͤckiſchen Fürften. *) . 


Wir begaben une in die Gerichtehürte, weil ſich 
ber Fuͤrſt gerade darin befand, Der Fürft faß,. wie 
geröhnlich, mit übereinander gefchlagenen Beinen, 
auf einem erhöhten Lager von Filtzdecken und Teppis 

*) Mus dem fehr merkwürdigen" Werke: Nomadifche Erreifer 
reien unter den Kalmucken, von Bergmann, Riga, bei Hartmann. 


den, dem Eingange gegenüber. Zur Rechten des 
Fürften faßen deffen zwei aͤlteſten Eöhne, weiche eben 
ihre bölferne Schaalen mit Fleiſch vor fi harten: 
jur £infen wurden uns Filtzdecken zum Miederfigen 
angemwiefen. Der Kalmldifche Fürft war nicht viel Über 
40 Jahr alt. Seine Phyfiognomie verrieth eine edle 
Seele. Er trug ein blaues Gewand von Seide. 
An der Hand hielt er einen Nofenfronz, an welchem 
er betend, felbft während des Eprechens, die Kügek 
den gefehwind nach einander abrollen ließ, 

Sin der Hütte waren ein Paar Kiflen, eine 
Kalmuͤckiſche Geldmaſchine, und ein langer in bie 
Erde geſteckter Etab, an welchem etliche halb abge: 
bauene Zweige hervorragten, um Muͤtzen daran auf: 
zuhaͤngen. 

Wir eingetretenen Europäer, fügten uns in bie 
Aſiatiſche Gewohnheit, mit eingezogenen Züßen vor 
dem Kalmuͤdiſchen Beherrſcher Platz zu nehmen, 
Nach dem Kalmuͤckiſchen Teremoniell ift aber eine noch 
andere Weiſe zu ſitzen vorgefehrieben. Der geringere 
Kalmuͤk bezeugt nemlich einem angefehenen Manne 
feine Ehrerbierung, wenn er wie cin Kameel binfniet, 
feine Süße hinten hervorragen läßt, und ſich auf bie 
umgcbogenen Ferfen niederfegt. 

Nachdem wir uns gefekt hatten, wurde ich dem 
Dicedan, als ein Deutſcher vorgeftellt, welcher ſich 
einige Zeit bei den Kelmuͤcken aufjuhalten wünfchte, 
um ihre Eprache zu lernen, Tſchutſchei meinte, daf 
dies fehr gut von mir wäre, daß ich mich aber nur 
fo viel ich Fünnte, an die Kalmädifche Koft *) gewoͤh⸗ 
nen möchte. Ich ließ ihm darauf antworten, daß 
ich mit der Kalmuͤckiſchen Koft recht fehr zufrieden 
wäre Er fragte mich, ob ich auch mohl Kalmuͤcki⸗ 
ſchen Thee trinken fünnte? Als ich dies bejaht harte, 
erhielt der Theekoch Befehl, Thee herbeizuſchaffen. 
Dach einigen Minuden wurde der Ihee in einem 
langen hölzernen, mit meſſingenen Reifen beſchlagenen 
Gefäße gebracht, und in großen hölzernen Schaalen 
umbergereicht, _ 

Aus der Gerichtshuͤtte begaben wir uns in die 
eigentliche Wohnung des Dicechans, Diefe war weit 
geräumiger als die Gerichtehürte, und mit feidenen 
Vorhaͤngen ausgeſchmuͤft. Auf der linfen Eeite 
ffanden auf einem Altartiſche verfchiedene Opferſchaa⸗ 
len; an den Seiten bes Altars hingen. mehrere Dil: 
der von Göttern. Die Fürftin faß auf einem eben: 


*) Er in der Folge lernte ich die Urſache innen, warum 
Mir: der Kirk den Genus Kalmückiſcher Epriien umd Oetrante 
anrierb. - Mebrere Katmurfen, bie mir dies ebenfalis foraralrig 
empraflen, fewen hinzu, wenn ich bald Kalmücktſch lernen 
wollte, fo mochte ich nur Kalmirdifde Eveiien eſſen. Es daft 
ſich vermutben, daf mir der Fuͤrſt, aus demieiben Grunde, die 
Kalmückiichen Nahrungsmittel empiohlen babe, 


falls erhöhten Lager, und empfing uns mit vieler 
Artigkeit. Sch brachte beim Hineintreten ein» Kal 
möüdifhe Srußformel vor, und beantwortete ein Paar 
leichte Fragen, bie ich zufälliger Weiſe verftand, fo 
gut, daß fie mich vol Vermunderung einen biliktaj 
Kuhr, d. bh. einen faßlichen Menſchen nannte. Sie 
erinnerte fi, daß fie mich ſchon vor einigen Jahren, 
nicht weit von Sarepta, in der Horde, mit einem 
Sareptaner gefehen hätte, nach deſſen Befinden fie 
fi forgfälig erkundigte. Die Fürfiin bat ein fo 
frifhes Anfehn, dab man ſich Äber ihre ſechs sum 
Tpeil erwachfene Kinder wuntern muß. ie rauchte 
eben Tabad, und tändelte mit ein Paar Kleinen 
Kindern. Aus Gefälligkeit für die Gemahlin des 
Sekretaͤrs, die weder an Kalmuͤckſſchen Getränken 
noch Epeifen Geſchmack finder, ließ die Fürftin un 
fern Thee Eochen, aber fie felbft trank ihn nicht, 





Eine neue Feierlichkeit veranlaßte des Lama's (Öbers 
priefters) Einzug in den Churull (Hoflager) des Fürften, 
Der Kama, defen Wohnhuͤtte einige Werſt von der fuͤrſt⸗ 
lichen: aufgerichtet war, ritt bis an den Fluß, wo ihn 
eine zahlreiche Vollsmenge erwartete. Seine Heiligkeit, 
welche herüber getragen wurde, hatte ein gelbfeidenes 
Dberfleid an, weil die gelbe Farbe von den Deons 
gelen befonders geachtet wird. Auf dem Kopf 
war eine runde Muͤtze, mie bei dem gemöhnlichen 
Geiſtlichen, aber ſtatt der gewöhnlichen Einfaffung 
von Fuchsfell, war diefe mit einem Zobelkranze bes 
ſetzt. Der Kalmuͤkiſche Patriarch fegte ſich zu Pferde, 
und ich miſchte mich unter den Echwarm von Prie⸗ 
ſtern, welche ihn nach dem Churull begleiteten. Ein 
Gaͤllung führte das Pferd am Zaum, und ein ges 
ringerer Priefter trug einen Etab von Ebenholz (ein 
Ehrengefchent des vorigen Monarchen), voraus, Der 
Yama flieg beim Churull ab, wo ihn ein angefehes 
ner Geiftlicher bewilltommte, Er näherte ſich dar 
auf einer Gebethuͤtte. Zwey Flaggen wehten vor der 
„Hütte. Ein offenes Zelt war vor dem Eingange aus— 
gefpannt, neben welchem zwei Ghaͤpkuͤ in rothen 
Mänteln, das Marſchallamt verwalteten, Die ge 
möhnliche Churullmuſik ertönte auf einige Augen 
blife. Der Lama trat in die Hütte, warf fich dreie 
mal vor dem Altar wieder, Fam nach einigen Augens 
blicken zuruͤck, und feßte ſich auf ein Polfterlager uns 
ter dem Zelte. Er legte nun die rothen Etiefeln 
mit dem gelben Oberkleide ab, flug die Füße über 
einander; die Arme waren bis zu den Achfeln ente 
bloͤßt. Die Geifttichen verbeugten ſich und knieten 
vor ihm bin, Das Volk drängte fih immer näher 
hinzu, wurde aber jedesmal durch die Stangen einis 
ger Gaͤllungen in ihren Echranfen jurüdgebalten, 


— 1259 — 


Uns Europäer wollte man anfangs auch nit vor 
dem Angeficht des Kama dulden, und verlangte, daß 
wir binter deimelben bie Feierlichkeit anfehen mäch- 
ten. Man meinte es gut mit uns, aber wir beharrs 
ten darauf, den einmal gewählten aß zu behaup: 
ten; an der angejeigten Erette hätten wir alles naͤ⸗ 
her und beffer fehen koͤnen. 

Der Lama batte einige Zeit unter dem Zelte zu⸗ 
gebracht, als fi der Vicſchan mit feinen beiden Altes 
ſten Zöhnen, und einer Menge &aiffange oder Edel: 
leute, näberte, Der Vicechan in einem blauſeidenen 
Kleide, das von Bold und Zilber ſchimmerte, ver 
beugte ſich erff und ſetzte fich darauf nicht weit vom 
Lama. Die beiden Eöhne des Vicechans verbeugten 
fich dreimal bis aur Erde und fehten ſich erfl, einer 
binter dem andern, außerhalb den Zelts, bis fie eins 
geladen wurden, unterhalb ihrem Mater Platz zu 
nebmen. Kine Viertelftunde darauf fam die Nicecha: 
ninn mit‘ ihren Töchtern, von einem zablreichen 
Haufen begleitet. Sie warf ſich ebenfalls dreimal 
vor dem Yama ar Erde, und fekte ſich darauf neben 
ihrem jüngern @chne Der tama ermiederte alle 
diefe Verbeugungen bloß mit einer leichten Bene: 
gung feiner Sünde, 

Ale fih die Familie des Vicechans niederge: 
laſſen hatte, murte ein fererliches ‚Gebet aebalten. 
Unter dem Gebete wurden Gefäße mit Milch und 
Three, Schuͤſſeln mit Fleiſch, und sunde Brejeln zum 
Male herbeigetragen. — 


Mimik einer Katze. 
(Bortlich wahr.) 


Var einigen Jahren bewohnte ih den Eommer 
binturch eine reijende Gartenwohnung vor der Etadt, 
Eine Familie, die aus einigen verfländigen Männern, 
und ımei liebensmwürdigen weiblichen Weſen beftand, 
gerährte eine angenehme Nachbarſchaft. Dann kam 
der Herbſt, und die Freunde jogen fort. Ohne Em: 
pfindelei: Mer konn vier leere Waͤnde ohne Ach: 
muth anfhauen, die noch vor wenig Stunden die 
beften Menſchen einichloffen, und die die flummen 
Zeugen fo miandher glüdlihen Stunde waren! Deich zu 
jerfireuen, ging ich den ©arten auf und ab, Pie 
Hände auf dem Ruͤcken gefaltet. Es war ein fchöner, 
marmer & epfember: Abend und der freundliche Mond 
fhimmerte durch die dunkeln Kaftanten. Ach mans 
deite, bis auch der letzte Laut wachender Menſchen 
erſtorben war. Endlich ſtand ich ſtill, ſah nach der 
Uhr, und dies brachte mich wieder zu mir ſelbſt. 
Da erblidte ich dicht zu meinen Füßen eine Katze, 
die vermuthlich ſchon lange vorher da gemeien war. 
Sie firefte den Schwanz flarr in die Höhe, ſah 
unverwandt nach mir herauf, uud fließ von Zeit zu 
Zeit fo leiſe, Elägliche Laute aus, als ich nie vom 
einer Kake gehört hatte. ch aing einige Schritte, 
fie folgte; ich fland wieder ftill, fie aud. Um zu 
ſehen, mie mweit fie Ihre Anbänglichkeit treiben würde, 
ging ich den Gang wohl ncch zwanzig Mal auf und 
ab, aber alle zwanzig Wal folgte fie mir auf. diefelbe 
Weile, Eehrte immer wieder mit mir um, und ver 


wandte fein Auge von min Sch babe nie Kapen 


leiden können, und diefe umal war mir immer me; 
gen ihrer Häßlichfeit befonders zuwider geweſen, 
aber diefe ſeitſame Theilnahme in einer Stunde, wo 
mir das Herz von Wehmuth beflemmt war, verwan: 
beite auf einmal meine Antipathie in das berzlichfte 
Wohlwollen. Ich ſetzte mich auf eine Bank, neigte 
mid, und ſogleich jeßte fie ihre beiden Vordertatzen 
nad Art der Hunde, auf mein Knie Der Schwanz 
blieb immer flarr aufrecht gerichtet, und die Etimme 
winfelte immer beweglicher. Tief gerührt drüdte ich 
ihre Zapen in meine linke Hand, und fireichelte ihr 
den türren Rüden mit der rechten. „Käßchen, tänz 
delte ich Einduich, was willft Du denn von mir? 
Siehſt Du vielleicht meinen Schmerz, und möchteft 
mi gerne tröften? Haft Du fie auch fortachen 
fehen, und weißt, daß fie nicht wiederfommen ? A 
freilich, fie waren ja auch Deine Freundinnen! 
Wie manchen leckern Reſt von ihren Tellern baft 
Du nicht befommen, wenn mir dort unter den Muß— 
baumen Zarel hielten, Ya, Tu gutes Thierchen, 
das iſt num freilich vorbei. Aber glaube mir, ich 
habe doch noch mehr, als Du, verloren!” 
je ward die Machtluft empfindlicher; ich 

mußte bineingehen. Meine kleine Freundin begleis 
tere mich bis an mein Zimmer, und jchien ſehr traus 
rig zu ſeyn, als ich ihr die Thuͤr vor den Augen 
zuſchlug. 

Am andern Morgen war ich ſehr früh wieder 
im Garten. Die Viorgenfonne, noch zienilih Falt, 
fpiegeise ſich in Vcillionen Thautrepfen, die zirternd 
an ven Graͤſern und Kohiblättern hingen. Eiche, 
da Fam auch meine alte Begleiterin wieder, und 
ſchloh fih, genau mie geftern Abend, an mich an, 
Jetzt glaubte ich beim hellen Lichte des Morgens in 
ihren Augen einen tiefen Gram zu erbliden. Da 
eben erſchien der Särtner, der an die Arbeit geben 
wollte, Sch theilte ihm die Geſchichte und meine 
DVerwunderung darüber mit. 


D, fagte er, das Raͤthſel will ich Ihnen wohl 
Iöfen. &ie hat geftern Diachmittag Fin Haufen 
Junge geworfen, und da habe ich das ganze Reſt 
genommen und ins Waſſer getragen, Mun denkt fie, 
weil Lie fo gut mit ihr hun, Sie follens ihr wies 
der holen. 

„Armes Thier! wenn ich das könnte! Wie Un: 
recht that ich Dir geftern Abend! Dein, jebt febe 
ihs wohl, Dein Schmerz ift viel gerechter, als 
der meinige!“ 

Geben Eie ihr nur einen Tritt auf den Pel 
dann wird fie Ihnen wohl vom Leibe bleiben. m. 

„Das glaube ich eng: — Aber fühlen Sie 
denn gar nichts bei dem Echmerze diefes Thieres? 
Es F doch auch eine Mutter.“ 

ch, das hält micht lange an. Sch habe es wohl 
De mehr als zehnmal fo mir ihr gemacht. In em 
ar Tagen hat fie das alles wieder vergejfen. 
„„&0,“ fügte ich nicht ohne Ditterfeit, und ging 
weiter. Schon mehr als zehnmal, wiederholte ich 
bei mir ſelbſt, bat man eine zärtlihe Mutter ihrer 
Jungen beraubt, und alle zehn Male dat fie diefen 
tierften aller Echmerzen in menig Tagen vergeifen! 
Was joll ich hier mehr bewundern, die ungeheure 


— 260 — 


Summe ber Lelden, die einem einzigen. Geſchoͤpfe 
während feines kurzen Lebens jagemelien find, oder 
den gleich ungeheuren Keichtfinn, mit dem es auch 
das Schwerfte in fo furzer Zeit vergißt? Ach, denke 
nur an dich felbft zurüd, Sollte es wohl weniger 
oft gefchehn feyn, daß aud dir das Liebſte deines 
Lebens fo weggeriffen ward? Daß du deines 
Echmerges Ende zw ertragen verjioeifelteft ? Daß 
du, nicht wie tiefe Katze, von einem guten Mens 
fen, — daß du von Selen, von Daumen, bein 


Verlorenes haͤtteſt zuruückſordern moͤgen? Und noch 
immer rollt ſich dein unbeſtaͤndiges Leben zwiſchen 
Genuß und Entbehrung, zwiſchen Gewinnen und 
Verlieren, zwiſchen Hofes und Verzagen bin. Du 
haft vergeffen, und biſt vergeifen worden. Und mie 
viel wirſt du noch vergeffen müffen, und wie baid mit 
allen deinen Gefuͤhlen und Beftrebungen, deinen Leide 
und Freuden, wie — diefe gute Kaße, vergeffen ſeyn! 


Bode, 


Te —— ⸗— — — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 52. 


Nachrichten aus Berlin. 

26. Sept. hörten wir ein ueues Eingivich von D’Afaye 
ac, Ätberiege vom Hertlots: Die Ctüdsritter. Ein Gauner 
überredet einen jungen etwas eininitigen Wen ſeben, ihm fein ganzes 
in Indien Aworrues Vermögen abzutreten, umd verſpricht ihm 
dainr eine weiche Frau, IM voruchmer Berfleitung konımen fig 
zum Grafen von Mlcantara, und geben ſich fiir Die erwarteten 
Brautigams feiner Tochter und Nichte and. Zum voraus aber 
von dem Yerrua unterrichtet, iſt der Graf bereit, und bat 
feinen Sauebedienten beiohlen, jeine und feiner Familie Role 
gu fvieen. In dem zungen Menſchen erkennt man bald ben 
Sem Der Enftehaus, und er erhalt nach einigen semich drolut⸗ 
gen Erenen , feine vormelige @elichte, die ſeine Coufine iſt; 
Bir Gauner aber wird halb durch Fir, halb durch Drehungen 
dahin gebracht, die alte Hautt alterin zu beirathen, die er für 
die Nichte dei Grafen bat. Wis er bie Wahrheit erfahrt, iſt 
kr freh, den Eherontratt gegen Me Vrricreitung ein nutau chen. — 
Die Mufit it außerſt Hebich; vorzuglich fon Find ein Teriet 
und ein Duett; der Dialog ift tin wenig ſcweriauig. aber bad 
Etüt wurde ausgejeichner ſchon geſungen und jchr lebhait ger 

elt. 

og Den Gauner gab Hr, Ambroſch, mit guten Soiet und 
fein Gefang jeigte dem erinbenen Zunſtler. Hr. Weimar, der 
ange Memdı, rin, durch bie Schotcheit ferner Stinune bin, umd 
auca jein Evil, ob es ihm gieich uoch am fomiidıer Kraft ger 
brach, belurigte dech. Die Mebus trug ihre Eingvartie, durch 
fehones Mien enwiel unterſtutzt, mit ſehr reisendens Ausdrucke 
vor, md gab vorzugheh eine Sceue, im weicher der junge 
Gtudsrüter ihr feine Liebe geirelen will, lebbaft und seraltend, 
Didme Beichort ſiehtt man ſehr ſelten auf dir Bühmes aber ihre 
Sarıtelung der alten Haushalterin zeigte, dan fie in chargirten 
Roullen dfter aufutreren verdiente. — Wenige Tage vorher 
war das Siuce im Potsdam gegeben werben, umd harte nicht 
aratıen. Vieueicht werdinderren Aufattigteen daß es fo gut 
ansgefiißet wurde, als hier, wo es viel Beijalı erlangte, 


" etm 27. wicderhofte man ,, die Olächsritter ; nachdem man 
serber zum eritenmale „die veraebfiche- Neiſe, eime freie Ber 
arbeitung des Monsieur Je Poutceaugnac von Motiert, 
gegeben hatte. Es And große Veränderungen mit dem Originale 
vorgenommen. Der Vater ber Geliebten, ein Varon Edyadel, 
in ein. vinſelhafter Verchrer ber Banden Edradellchre, und 
hat ein Erbidaftsorgen entdedt; der Laudſunter, rin Her voy 
Stilemeiwig, wird galvanifirt, ſtatt das man ibm im Original 
mir Glikirtorfigen anaftigt u. ſ. w. Diefer Beramderumden une 
genditef, ware das Stuct ohne Ylambs, treiilibes Eviel als 
garen Schädel, fiber: geiallen. Mu «pr. Berbmann gab den 
Qunkır Nimmerwig ſeht brav, — Man lachte vich, — aber 
es dk von dem gebilderen Geſchmact des Berliner Pubfiumd zu 
erwarten, da das Stuck bei einer dritten Vorſtellung, mens 
wicht ſcon bei der jweiten, das Haus leer laſſen wird, 

Der Abbate Erftini it aus Gotha bier, oder vielmehr im 
Eharlottenturg, wieder angelangt.” Er ii unerichönrilih in Lo⸗ 
teserbebungen des Gothaiſchen Sofes und der humanen, huld⸗ 
wollen Aurnndme, matt der man ihm andemjelben bechrt bat. — 


Etecknadeln werfertiat werden. 


Ce Durchlaucht der Herzog haben ibm zum Mbichieb mit einer 
fonbaren golduen Dose LVeihentt und ibm veribraden laſſen, 
daß er, fo bald Das berühmte Mitmztabinet bed — — Eonfineri, 
das der Heriog fir 40000 Thaler gebaut Imt, augtlangt if, 
wurüdtehren wolle, um ein altgemeines Verztichnig der ganıem 
Herjoglicen Münpammiung zu verfertigen. 





au Aachen IE jetzt eine Stecknadelfabrit mit Maſchinen 
errichtet, in welcher taglih 200 Prund, d. 6. eine Mullon ⸗ 
Man boft fo weit zu kommcu, 
Dani man täglich 600 Pf, oder 3.000,000 Stecknadeln ablichern 
kann, Es werden dabei fan nur Kinder von 8 bis 10 Jahren 
gebraucht. 

— Die Tänjer zu Varie machen täglich neue, tieracharıte 
Erſindungen. So bat einer hrslich cnen Pas de Horteusu 
ce hieh die ſeltne PRamze, die tutzlich auf dem Pont des 
Arts ausgeſteltt war,) geihafen, und jeder Stutzer ferinat dem 
Pas de !’Hortensia, Uebrigens hat Düport die Erlaubnif 
erhalten, fo viel mene Pas zu erfinden, «als ihm belichr: aber 
Bestris, der eiferſuchtig auf ſemen Ruhm iſt, tanzt nie mit ihnt. 


— Das Ensichumnge Wen ber Trappiften macht zu Frei⸗ 
burg in der Ehweis, taglich neue Fortichritte und zeigt vehse 
Fruchte. Die Kinder, lernen mis audachtigem Augen verdrehen 
den Rofentrang beriagen, idweigenb über die Garten ſchleichen, 
die Berderbtbeit des Zeitalters fürchten und fidı in dem Willen 
Gpttes ergeben, den — die Moͤnche ibm verfündigen. Auch ten: 
gen Nie auf der Brut Die Worte: Volumtas Jen. Nichts kant 
erfauticher, nichts — ernntlafter ſeyn? Ia, wahtlich! Nichta 
kannernfhafter fenn! Tpappitens Inflitute in der Nähe 
der Peſaleniſchen Ersichunas + Annait! Granzen irgendwo Licht 
und Nacht jo nahe aneinander, als im der Schweiz?) 





Die Kunſtausſellung sm Merlin mimmt den 1? Oktober 
ihren Binfang. . 


Yu Wilna. 


Har der bieſigen Univerfität: waren 17 Lebrerſtellen für vacant 
ertlart worden, und man il eifrig damit beſchaftigt, (aber man 
werfahet mit aroher Austwabl bei der Ernennung) fie wieder gu 
bejenen. Am erien Mai wurde Prof. Fangsdorr zu Erlangen, 
cm 13. Jun. wurden Copelli, vormals Bro. iu Pia, der 
berühmte Abit im Erlangen, Tarınghı aus Mom, und der 
Medicinat:Nath Bofamws zu Darmſtadt, Mitalted der Pond: 
mer, Parker und andrer medizinischen Geſellſchaften, — ietzterer 
sähe Vroſeſſor der Veterinärkunſt, ernannt, ( Die Narfirchen 
Aniverfitaten. And. im Ruckſicht der Auswahl von Deutiden Ger 
Ichrten, die fie’beriereh, nicht immer gluicktich gereien; bie u. 
Welna it nun vorfichtiger. Richt nur an Abicht jondern auch am 
Beianug wird fie, wenn die Herren den NRuf annehnien, eime 
ſehr bedeutende Acauifition machen. Boismus Aubirte im Jena 
mit großer Nuspeichmung, unter Hurfeland und Loder die Medizin, 
dann aber die Veterinarhumn im Sramtreih, England; Kir 
und Berlin, und berbindet mit großer vraftiicher Gelehrfamkert 
in feinem Face, die wirhjtitigite Geiſtesbiidaangg. 


— — — — 


1804. 


Montag, 


Ern ſt 





— ober 


und 


Nro. 196. 


Der Sreimüthbige 


Be — den 1, Oftober, 


She r;% 





Literaten 


Johann Friedr. Neichardtd vertraute Briefe aus 
Paris, gejchrieben in den 5. 1802 und 1803. 
3ter Theil. Hamburg, bei Hofmann, 1804. 
(ı Thl. 16 Gr.) 


Tante Auftern! Ganz frifche — vom vorigen Som⸗ 
mer! In der That, es läßt fich ſchwer erflären, was 
Hr. Reichardt mit diefem dritten Theile feiner Briefe 
will, als — ihn auch verkaufen, weil die erften beis 
den Theile verkauft wurden; ich fürchte aber, daß 
diefer Plan nicht fo ganz gläden mögte. Im Ge 
gentheil könnte bdiefer dritte Band dem Abfab der 
neuen Auflage der andern Bände Schaden bringen: 
denn wer wird 4 Thl. 16 Gr. für Meuigkeiten aus 
geben, die anderthalb Fahr alt find. Mir fcheint, 
es wäre nicht nur liberaler, fondern auch: anftändiger 
geweſen, wenn der Derfaffer bei der neuen Auflage 
das Unintereffante, Unrichtige, Uebereilte, Schiefe 
aus den erften beiden Theilen weggeftrichen, und ſtatt 
deffen das wenige Gute, das diefer Theil enthält, 
Hinzugefügt hätte: fo wäre aus dem Werke ein 
Bändchen von Werth geworden, 

Hr. Reichardt ift ein Dann von Geift, Bildung 
und reicher Erfahrung; man kann alfo leicht denken, 
dog auch biefer dritte Wand manches anziehende 
Blatt, manche treffende Bemerkung, manche lebhafte 
Erzählung enthält: aber das Ganze ift offenbar nur 
eine Buchmacherſpekulation. Nicht nur, daß Hr, 


Reichardt umftändlih und wiederholt erzählt, mo er 
zu Mittage und zu Abend gefpeift, wo er fihlechten, 
guten und ben beften Wein getrunfen bat, u, f. w. 
nicht nur, daß er in diefen Erzählungen, ſtatt fie zu 
Schilderungen auszuarbeiten, die allenfalls intereffi- 
ren fonnten, uns faft immer nur wien läßt, wie es 
feinem theuren Ich dabei ergangen und zu Muthe ge: 
weſen: er läßt aus dem Journal des Döbats einen 
Auffag des Abbe Geoffroi Über einen ſeibſt in Paris 
längft vergeffenen Etreit zwiſchen zwei Echaufpiele: 
rinnen abdruden, und zwar Überfegt und im Drigi« 
nal, fo daß er anderthalb Bogen füllt; noch mehr: 
er ruͤckt fogar die Epeifen: und Getränffarte eines 
Keftaurateurs ein, und füllt damit wieder 12 Seiten. 
Vich wundert, daß Kr, Kelcharbt, da er es ſich fo 
bequem machen wollte, nicht diefe Lifte gleichfalls 
Überfeßte, — das hätte ja noch Einen Bogen gege: 
ben. — Faſt noch überfläffiger und Fomifcher als 
das Elnruͤcken diefer Lifte, ift die Aufnahme des Ur: 
theils, das der Verfaſſer einft über Fanchon das Feier 
mätchen fällte. Er meinte nämlih, „nachdem er die 
liebe Fanchon mehrmals gefehn, daß ihre Verpflanzung 
aufs Deurfhe Theater ein Mißgriff waͤre, und von 
feiner Wirfung ſeyn wuͤrde.“ Die Gründe die er 
daflır angiebt, find fehr fpashaft. Sie laufen näms 
li darauf hinaus: die Handlung und die Charak: 
tere des Erhdes wären Deutfchland fremd. ind 
denn etwa die Handlung und die Charaktere des Ham⸗ 
let, der Maria Stuart, oder bei Mufifalien ſtehen zu 
bleiben, der Iphigenla, des Waſſertraͤgers u. ſ. w. in 





im 262 — * 


Deutſchland einhelmiſch? — Das Urtheil gewinnt · 


ein noch komiſcheres, oder vielmehr für den Verfaſſer 
nachtheilig bebeutenderes Anfehn, wenn man ſich er= 
innert, daß, als er jenes Urtheil druden ließ, Fanchon 
durch Kotzebues Bearbeitung und Himmels Compofls 
tion, längft ein Lieblingeftüt Berlins war, und auf 
andern Bühnen eifrig einkudirt wurde. Dies Bei— 
fpiel zeigt übrigens, wie leicht Hr. Reichard es auch 
mit feinen Kunfturtheilen, oder vielmehr Meinungen 
nahm, und daß er auch in. diefer Rüdficht fehr wenig, 
darauf bedacht war, dem Publiftum etwas reiflich 
üterlegtes, etwas von Werth zu geben. 

„Es find ja vertraute Briefe! Er ließ ſich 
gehn.“ Schon gut, fe thun die Lefer am beften,. 
wenn. auch. fie ihn gehn laffen, ohne fih viel nach, 
ihm umzuſehn, und die Kritik hat das Recht ihn zu. 
bitten, wenn. er- ſich wieder will geben laffen, 
nicht dem Publikum dabei mit Dingen In den Weg 
zu laufen, die nicht viel beffer find, als ein Band 
alter Zeitungen. » GM. 


Briefe eines Niederfahfen IC. 
Fortſetzung.) 
Sechster Brief. 


ei Schandau, einem fehr romantifch: gelegenem 
Staͤdtchen dicht an. der Eibe mit einem reigenden 
Bade, deffen. Gebäude nur nech nicht vollendet find, 
verließ ich die Saͤchſiſche Schweiz, und fuhr nad 
dem: linken. Eibufer hinüber. Hier führe an der 
Bergreihe längs der Eibe, ein Meg dahin — wollte 
Gott, es wären: alle Wege auf ebenem Boden. fo, 
wie diefer auf: gebirgigem. it! Der jetzige Churfuͤtſt 
bat. ihn. 1786. anlegen. lajfen,. und danfbar hat. man: 
dies in. einer einfachen: Inſchrift, auf einem an der 
Eeite des Weges ftehenden Steine, bemerkt, Mach: 
etwa einer Etunde kruͤmmt ſich diefer Weg links, 
und fiehe,. nun. war es, als wäre ich durch «inen 
Zauberfchlag. der Erde entrüdt und in paradiefifche 
Gefilde verfekt:: fo unausfprechlich, reijend lag, das 
Staͤdtchen Königsftein: mit feinen. Umgebungen 
vor mir; Alles, was ich je an. reizend gelegenen Der: 
tern. ſah: Caffel;. Pormont,. Münden, Meißen und 
Dres den, ja. ſelbſt Thorand trat bei. mir in. dunkle 
chatten zuräd vor dem. magifchen Licht, welches die: 
Gegend biefes Staͤdtchens umfloß.. Rechts das mah— 
leriſch ſchoͤne jenſeitige Eibufer,. mit einem Etirnband, 
von; reigenden: Hoͤhen, aus: deren: Mitte: die Krone: 
derfeiben;, Der £ilienffein; majeftätifch hervorragt; links 
dass noch. ſchoͤnere; ſich fanft. erhebende diſſeitige Elbe 
ufers mit dev eben. fo gefallenden,, als allgemwaltig, im: 
ponirenden Felle: Königeflein;. zwiſchen den beiden 
herrlichen Erhabenheiten die. klare Elbe, welche die, 


;3 c2 


Konigsſteiner Seite zu einem Amphitheater rundet. 
Bei dem allen ift Fein Fleckchen Land dem andern 
gleich; Bein Schritt, der nicht neue und Immer ver 
änderte Schoͤnheiten darböte: — wahrlich, es war 
kein Wunder, wenn ich, beraufcht von fo mannichfal: 
tigen Genuͤſſen, nicht im Lande der Wirklichkeit, fon: 
dern in einem Zauberlande mich zu befinden glaub: 
te — Bedenke, was es fagen’ will, wenn fo eine 
Wirfung einer Gegend auf das Gemuͤth an einem 


Tage möglich ift, wo man fo eben aus der Eäcfis 


ſchen Schweiz fommt, und Du wirft eine wuͤrdige 
Idee von der Königsfleiner Gegend haben, 


Das Staͤdtchen Königeftein ſelbſt hat Feine Vor— 
ruͤge; vielmehr freut man ſich, wenn man es hinter 
ſich hat, weil,der Weg darin holprig und ſchlecht ge: 
pflüftert iſt. Deſto vortrefflicher i dagegen wieder 
tie Ehauffee, die von dem Staͤbtchen nach der Fe: 
fung -bis zur deren Kingang binanf führt. Es if, 
als härte man die Billigkeit gefühle, zu jenem praͤch⸗ 
tigen Hochaltar in denk unbeſchreiblich ſchoͤnen Tem: 
pei der dortigen Matur, auch auf Stuſen hinanju: 
führen, die des prächtigen Hochaltars würdig, wären, 

In der That, nis einem Hochaltar in einem unbe: 
ſchreiblich jchönen. Teınpel der Natur, wird, jeder fuͤhr 
lende Menſch ſogleich den. Koͤnigsſtein anjehn, und 
ihn jo angeſehn, zunaͤchſt am intereſſanteſten finden, 
Denn „kaum tar ich“ — fo ſchildre ich mit ben 
orten des Verfaſſers der „Saͤch ſiſchen Schweiz,‘ weil 
er mir durchaus wie aus der Seele geichrieben. hat, — 
taum -trat.ich; an die niedrige Bruftiehne, Über die 
man ungehindert Alles rundum. überjehen: kann, hei⸗— 
lige, allmächtige Natur! was für ein. Gemuͤhlde lag, 
wie «ine -vielfarbige Tapete, vor meinem, durch zu 
viele Mannigfaltigkeit geblendeten, Auge ausgefpreitert 
Mie verſchleden von dem, mas ich auf dem. Hohen⸗ 
feiner Schloßz, dem Kubfiall, dem Winterberge und 
bei Schandau erblidtel. Dort wilde Schoͤnheit, bier 
lächeinde Grazie. Welche Hülle von Pracht! Was 
für ein: abmwechfelndes Farbenfpiei! Welcher Heiz! 
Ich wage es nicht, dieſes ins Unendliche componirte 
anorama zu beſchreiben. Mein ungetreues Ges 
daͤchtniß hat gewiß. vieles davon. ſchon verloren; und 
bort zu. notiren — wer das ann, hat kaͤlteres Blut, 
als ich. Tas meine tanzte wie eine berauſchte Bac- 
chantinn bei der Feier einer, Drgye, wirbeind im Kreiſe 
herum. Ich war ganzsäuge; aber härte ich auch 
hundert poledruchgeicdinfene Augen. gehabt, fie waͤ⸗ 
ren nicht hinreichend gewrien, um das auf allen Sek 
ten. lodende Alles zu. faſſen.“ — FIR Our 


Ein. Hauptgrund, warum mich die Nucficht vom 
Koͤnigeſtei fo unbeſchreiblich entzuͤckte, war dieſer 


— 263 — 


daß ich, obgleich auf einem erhabnen Standpunkt 
doch immer noch in der Mitte der reijenden Natur 
mich befand. Denn faſt nach allen Eeiten bin er 
blift man Berge, die höher find, als der Könige 
fein. Hier ſaß ich alfo ber ſchönen Matur auf 
den Schooß, da ih auf den meiſten erhabnen 
Etändpunften der Saͤchſiſchen Echmeis ihr auf den 
Kopf zu ſtehen glaubte, — Am interejfanteften 
fand ich den Standpunkt nah der Eibfeite hin. 


Sollteſt Du glauben, daß ich mehrere Reiſende 
im Ernſt Flagen gebört habe, daß die Mlannichfaltig: 
feit der entzudenden Aucfichten auf dem Königeftein 
gu groß mare? Das koͤmmt davon, wenn man bie 
Zeit, melde man auf dem Königeftein zujubringen 
beſtimmt, etwa nach dem Umfang feiner obern Flaͤ— 
che berechnet, und dann fo viel auf einmal und fo 
eilig genießt, daß das Gefühl ſich nothwendig übers 
fättigen muß, und man die herrlichen Eindröüde am 
Ende nur neh mit tem Auge, bechftens mit dem 
Derftande, aber nicht mehr zugleich mit dem Gefühl 
aufzufaſſen vermag. Jeder Reiſende follte bloß 
den Ausfichten des Koͤnigsſteins wenigſtens einen 


vollen halben Tag kefiimmen; oder, noch beffer, er ; oeistich nicht befahnt gemachten Kellerregein gefüns 


ſollte auch eine Nacht bier zubringen, um bei Tags: 
anbruch die fehöne Natur in der hoͤchſt intereflanter 
Eituation zu beiaujken, wo fie nach und nach ihre 
naͤchtliche Dede erft lüfter; dann von fich wirft. — 
An einem bequemen Wirthehaufe fehlt es oben nicht, 
und wenn man will, Fann man fogar feinen Wagen 
mit hinauf nehmen. — 


Doch nicht bloß als ein hoͤchſt reisender Stand⸗ 
punfe zur Betrachtung der ſchoͤnen Marur, ſendern 
auch als «in coloſſaliſcher Zeuge menfchlichen Fleißes 
und menfchlicher Runft, iR ter Königsflein Überaug 
febenewersb. Das Ganze iſt ein ungebeurer fenfs 
vecht ſtehender Feleblock, von der Elbe am gerechnet, 
über actzehnhundert Fuß hech, oben eine balbe 
Erunte im Umfang und gieidfam mit einem Kranz 
von Baſteien, Burgen, fhonen SHänfern und Mauer 
gefbmädt. Zu einem Wege auf dieſen Fellen har 
bie Natur auch nicht einmal bie Hand gebeten; man: 

ihn mit unfüglicher Muͤhe durch den Keifen ſelbſt 

auen. muͤſſen. — Das Hinaufgehn auf tenfeiben. 
at etwas angenehm Graufentes. Nachdem man 
ereits zwei Poften paffirt iſt, fommt man an bie 
Mache cm Felsıhor, wo man- von einem Linterofficier 
eraminiit wırd, Per bierauf mittelft eines ven oben 
———— Eırids eine oben haͤngende Glokke 
Bewegung ſett, und nun mit moͤglicü ſter Anſtren— 
ng. der Simnme, Damen, Stand und Aullegen des 
—— hinauf ruft. Die oben ſtehende Echudwa⸗ 
che meldet dieſes aues Dem Kommandanten ben er 
fung, und nach einer Weile ſchaut von. oben dunmpf 
der Zuruf zuruͤk: Kann patfiren! Jetzt ſteigt der 
Fremde den ſteilſten Abſatz des Felſen hinan, und ge: 


langt zunaͤchſt in ein Gewölbe, in dem eine Korigom: 
tale Kreuzwinde fleht, mittelft welcher von sie Dim 
nern die Wagen In den fleilen Abfas binan gejogen 
werden ‚ „weil bier Fein Pferd zu ziehen vermag. 
Ueber dem Gewölbe ift ein Gaaf, deifen Fußböden 
ge ah und dadurch» dem eindringenden Feinde 
der Zugang erſchwert werden Fann. — Bon bem 
Gewölbe aus üft der Weg weniger fteil, und — welch 
eine Ueberrafung, wenn man nun die obere Flaͤcht 
erreiche bat! Man glaubt nicht auf der Spitze eines 
Seifen, fondern am Eingang einer Meinen Etade zu 
Rehm: fo viele Gebäude überficht man gleich mit 
dem erfien Blick. Die michtlaften find: das 
vionthaus, das gemöhnlih auf drei Jahr Getreide: 
vorrarh enthält; die Georgenburg, die zu einem 
Eraarsgefängniffe dient; das Zeughaus, die ziemlich 
größe Kirche, die noch arößere Kelferei und das Bruns 
nenhaus. Die beiden Irkten Setäude enthalten Die 
arägten Eeltenheiten des Königsfleins, In der Kel⸗ 
lerei namlich ſiegt das arbfte Jah der Melt; denn 
es enthält miche weniger als 3709 Eimer, alfo 604 
Einer mehr, als das berühmte Heidelberger Faß. 
Man erhält auf Verlangen vorgedlich aus dieſem 
Baffe, eigentlich aber aus einem Unter dem Spund⸗ 
Io befindtichen Fleinen Gefäß, zur Foflen. Um das 
Erundioh herum e eine Glallerie, die für’ eine 
re Sertten geräumig genug ift, und neben dem 
pundioc, ſteht ein. Seſſel. Hat jemand gegen die 


digt, fo muß er ſich über dieſen Seſſel iegen, und 
befönme von der Kellermeiſterinn einige Pritſchen— 
ſchlage, durch welche diefe das Recht auf eine baare 
Ertennrlichkeit erhält. Ein ſcherzhaftes Herfommen, 
das Neifenden, die in Geſellſchaft den Königeftein 
beſuchen, zu manchem Lacher Anlaf giebt. — Um 
gleich mehr indeh, als dag greße Faß, intereffirte mich 
der berühmte Brunnen, über welchem das Brunnen- 
baus erbaut iſt. Einer gedrudten, von dem Brun⸗ 
nenmeifter verfaßten Machricht zufolge, welche man 
bei dem Brunnen zu erhalten pflegt, iſt diefer Bruns 
nen goo Ellen tief, 8 Ellen im Durchmeſſer weit, 
und das Waſſer ſteht darin 26, oft zo Ellen bach. 
Kein Wander, daß man 40 Jahr daram bar arber: 
ten muͤſſen! Das Warfer wird in zwei großen €i- 
mern, deren jeder eine Tonne enthält, mittelft eines 
Tretrades in die Höhe gewunden, im welchem vier 
Mann zehn Minuten treten, um eine Tonne im Die 
Höhe zu bringen, Taͤglich brauche die Garniſen 36 
felcher Tonnen, und die werden vorraͤthig in die Hohe 
gemunden, und im ein fleinernes Reſervoir geleitet, 
aus dem Jeder fich feinen Waſſerbedarf miittelft eines 
Hahns zieht. — Um dem Fremden den intereffan: 
ten: Anblid der Ibajierfläche in der Tiefe des Brun— 
nens zw gewähren, pflegt man eim Kreuz mit vier 
brennenden Lichtern hiccunter zu winden, oder auch, 
nenn grade die Donne in das Gebäude ſcheint, die 
reflectirten Stralen von einem Spiegel hinunter 
fallen. zu lajfen. 

Bon ten Feflungswerfen,, derem Beſchreibung 
wohl hoͤchſt überfiüjfig. wäre, Äberrafte mich nichts 
fo fehr, als die bewundernswärdigen Rafematten und 
der. darüber befindtiche Wall, am dem noch jebt ge: 
arbeiser wird. Es tft diefer Wall von lauter Qua: 


— 264 — 


derſtuͤcken zu einer ſo vollfommen ebnen Fläche gear: 
beitet, daß eine groͤßre Ebenheit nicht wohl möglich ift, 
Außer ben Gebaͤuden und Feflungemwerten findet 
man auf der obern, ffark mit Erde bedeckten Fläche 
des Königefteins auch Gärten, Felder und. einen 
Wald, weicher legtere nicht bloß zur Verforgung der 
Barnifon mit Brennholz, fondern auch re Bung 
der Gebäude, vor den oft fehr ſtuͤrmiſchen Mordwin: 
den, und ju_emem — Spaſlergange dient, 
As Feſtung iſt Übrigens der Königsflein nach 
dem Urtheil der Kenner zwar im Innern vortrefflich 
eingerichtet, aber nicht unüberwindiih, Denn er 
fann von dem gegenfiber fiehenden,, ihn beberrfchen: 
den, Lilienftein bejchoffen werden, wenn man anders 

Kanonen auf diefen Kilienftein zu bringen wüßte, 
Ich würde bier meine Mittheilungen über den 
Königsftein fließen, wenn ich nicht glaubte, daß 
einige bier vorgefallne kleine Begebenheiten, durch 
deren Erzählung der Führer die Fremden ju unter 
ger pflegt, auch Dich intereffiren würden. Hier 
ind fie, Zu Königs Auguft des Großen Zeiten ward 
in der fogenannten Friedrichsburg ein Heft gegeben, 
Ein beraujchter Page fleigt, in der Meinung aus 
der Thür zu gehn, zum Fenſter hinaus, und legt fich, 
feinen Rauſch ausjufhlafen, auf einen, Faum zwei 
ee 


Nicht 
Winter⸗ Zeitvertreib in St. Peter&burg. 
zoſten Auguſt. 


S Nun Taten September, 
bon lächelt Hellos kälter auf Rutheniens Fluren herab 
und der raube Nord treibt Die Bewohner Peterspuras im die 
geſelligen Mauern gurücd, worin er fie den größten Theil des 
Jahres bindurdı einfchlieht. Dak es an einem Drte wie Peters⸗ 
burg, nicht am Mittein Fehlen word, ſich dieſe Gefaugenſchaft er⸗ 
teäglich am mach⸗n, iſt Teiche zu denken, und in der That (tät 
ſichis aus gut Darin ausdanern. Drei Theater und ſechs Klubs 
ben außer den Comerten und offentlichen, geſchloſenen und Prie 
vatbhallen nebſt einer Maskerade, uberheben jeden der Verlegen« 
heit, wie er die fangen Nlgnde jubrinaen ſoll. Die Theater find 
hinlänglid bekannt, weniger die Klubben, umd bofentlich wird 
ed dem Leſer nicht unangenehm fenn, and dieſe leunen zu dere 
nen, da fie dem Beobachter manche intereſſante Anficht ger 
wahren. 

Im Range der erſte, nicht der Zahl ſeiner Mitglieder, ſon⸗ 
dern hrer Bedeutendheit wegen, iſt der muſitaliſche KAubb. Pılled 
was auf ben Namen große Welt Anipruch macht, darf dort 
nicht fehlen, wo der Monarch und der Groſinrſt feibi at! Mit⸗ 
glieder eingeidhrieben find. Diefer Klubb wurde vor ungefahr 
fünf umd zwanzig Jahren geſtiſtet erlitt durch eine Äbelgeorönete 
Nerwaltung eine gauzliche Auflsſung in den letzten Megieramges 
fahren Gatharinemr, und wurde nach mehrern Jahren, unter 
Raifer Paul madı feiner gegenwärtigen Verfaſſung wieder Imre 
gefteit, unter dem Namen der mu ftkaliihen Geſell ſchart, 
da bekanntlich der Name Klubb dukthaus verbannt war. Der 
Eonnabend it eigentlich der Tag, am weichem fich Die Jabireidıe 
glänzende Gerfammiung einnndet, um eutweder durch ein Gons 
jert oder durch einen Balt den Abend zu fürien, An dem hoben 
Kronsfeten it gewöhnlich Vall. Dat zu den Conjerten nur 
die berübinteften und geſchickteden Künſtler zuzelaſſen werden, 
verſtehht ſich ungeſagt. Giornovicht, Rode, Foder, 
Delohlno (der trefliche Wicloncenift), Magilerletti, 
Ramoni find gegenwärtig bie bedeutenden Tamen. dAuch 
ad Mara zierie eim Conzert mit ihrem Meifergeſange. 
Das gegenwartige Local ift gam einer ſolchen Geſellſchaft anger 








Fuß breiten und noch dazu abfehlifigen Abſatz des 
fteilen Selfen. Der König, der dies bemerfe, läßt 
ihn zur ſcherzhaften Etrafe, mit Striden binden und 
in die Tiefe fenfen, wo denn der Page beim Ermas 
hen nicht begreift, tie er dahin gefommen ſey. Se: 
ner Abfak —* ſeitdem das Pagenbette. — An einer 
andern Stelle ſtuͤrzte eine — Amme mit ei⸗ 
nem Kinde hinunter, und war ſelbſt ſofort des Todes, 
während das Kind unbefchädigt blieb. — Wieder an 
einem andern Fleck, Fletterte ein gefangener Schorn⸗ 
fteinfeger an einer fenfrecht binablaufenden Spalte 
mit bioßen. Händen binunter, und kam freiwillig 
wieder herauf. — Noch an einer andern Stelle liefen 
fi im fiebenjährigen Kriege zwei waghälfige Eolda: 
ten an. dem zerfchnittenen und zufammengebefteten 
Riemzeug ihrer Mondirung binunter, und. entfamen 
giüdli, — Aus einer Schießſcharte endlich fiel ein 
nabe, ohne &chaden zu nehmen, In Gegenwart 
feines Vaters von dem Felſen in die Tiefe hinab, 
und rief im Fallen fehr naiv dem mit Grauſen und 
Entfegen zufehenden Vater zu: Vater, werde Er nicht 
böfe! Ach that's nicht vorfäklic,. 
Und nun genug vom Königeftein! und vielleicht 
ſchon übergenug für heute, 
(Die Fortfegung folgt) 


N een 





pofitifge Zeitung. Nro. 53. 


mem. CE iſt das ehemalige Hotel des bekannten Generals 
VDrocureurs unter Pauls Regierung, des Gurten Nlerey Vor ⸗ 
Wowitih Kuratin, gegenwärtig Generals Gonvernenr von Kleine 
Menfien; wurde nachmals von dem KriczesGBouverneur im Der 
tersburg, dem berühmten Brafen von Pahlen bewohnt, 
und gehört jeue dem reichen udiſchen Bankier Deren, welcder 
es mit einem auferordenttich großen Mufikianle vergrößert bat. 
Das Innere it mit ſarrſtlicher Pracht eingerichtet und war der 
Eis des Geſchmacks und des berfeinerten Gmrus, unter dem ii 
erft genannten Beliger und feiner Oigmablin. — Ebe der Ku 
ſich amAöfte, war er ebenfalls in dieſem Hotel, welches damals 
dem Denerai Tſchetſchirin achörte, vom dem es auch im 
Vublito zum Theil noch den Mamen ſuhrt. Bei feiner Wieder⸗ 
geburt beiand er ſich aber im einem andern Hauſe, ohne alle 
Wahricheimiihteit jemals den alten Gig wieder einzunehmen, 
und welde fondberbare Verwickelung der Umftinde achörte nicht 
Dazu, died zu bewirken! — Das jährliche Abonnement beträgt 
50 Rubel, Uns der Mitte der Geſellſchaft werden die Borſteher 
erwahlt, welche ibr Amt ein Jahr lang verwalten. in Detos 
nom beiorat das Buͤfet umd den Tiſch. Der Klubb iſt zu allen 
Gtunden des Tages geöfinet, und bat eim Billard umd die vor 
süglichitin Zeitungen und Journale im allen Spraden, jur Un— 
terhaltung der Mitglieder. Des Abends find gemeiniglich Spiel: 
Partien dort, und es wird foupirt, Damen finden fid mur am 
Comert⸗ und Balitagen daſelbſt ein. Einhtimiſchen, die nicht 
Mitalteder find, iR der Eingang durchaus verſagt, und Fremden 
wird er nur wenigemal geſtattet. Den Winter nach der Ibrons 
beſteigung ded menidıenfreundlichen Mlcranders, Les Er ſich mir 
dem Grpänurden, Geinem Bruder, mm Mitgliede aufnehmen. 
Dan erbat es fich gur Gnade aus, Ihn ſogleich als Mitglied zu 
erfennen; allein der Monarch befand darauf, daß alle bei eis 
ner Aufnahme gewöhnlichen Gebrauche sollten beobadıret wer— 
den, umd machte dabei die ausdrückliche Vedingung, dag mtan- 
Ion durchaus micdht anders betraditen und behandein ſollte, ats 
ieded andere Mitglied. Den Winter -über beſuchte Er mehrmals 
mir Geiner Gemahlin und Seinem Bruder die Geſellſchaft, und 
alle drei mahmen.an dem Vergangen des Tames Theil; in dem 
folgenten Jahren it Dies weniger der Fan geweſen. 

Die Fortiegung folgt.) 





1804. 


Nro. 197. 





Der freimüthige 


Dienftag, 
Er n ſt 


Ueber die Ruſſiſche Sprache. 
(Fragment aus einer kuͤnftig erfcheinenden Vergleichung 
der Europälfchen Sprachen. ) 
(Shtul.) 


Us den noch jebt gebräuchlichen Dialeften der 
Elavifchen Sprache, hat der Wendifche die meifte 
Aehnlichkeit mit dem Deurfchen, indem eine fehr 
große Menge von Deutſchen Worten in diefe Sprache 
übergegangen ift. Weit geringer iſt die Zahl der aus 
dem Deutichen in den Böhmifh:und Polnifche 
Slaviſchen Dialekt gefommenem Worte. Mod un: 
bedeutender ift die Anzahl Deutfcher Worte in den 
Ruffifhen und Litthauiſchen Dialeften. Sn dem 
&orbifhen, AJllyrifgen und Kroatiſchen 
finden fich endlich wenig oder gar feine Spuren von 
Deutichen Abfömmlingen, dagegen man in denfelben 
auf mehrere Worte ftößt, die einen Grlechifchen oder 
Lateinifchen Uriprung verrathen. Die Polniſche 
und Boͤhmiſche Sprache haben fich ebenfalls durch 
viele Kateinifhe Ableitungen bereichert; und bie 
Rufſiſche zeigt uns einen nicht ganz unbedeutenden 
Borrath von Morten, die entweder aus dem Glriecht: 
ſchen entlehnt, oder darnach gebildet worden find. 
Mit ihrer jekigen Glaubensiehre erhielten die 
Ruffen von den Morgenländifchen Chriſten aud ihre 
Buchftabenfchrift, vermehrten fie aber mit noch ganz 
eigenen Charakteren, fo, daß fie ungleih mehr 
Buchſtabenzeichen enthält, als die irgend einer an: 
dern Europaͤiſchen Sprache. Sie zähle ihrer nemlich 





und 


den 2, Dftober, 


S —A— 


— — 


nicht weniger als fünf und vierzig, wovon indeß 
zehn oder eilf faſt ganz außer Gebrauch gekommen, 
und nur noch in alten Kirchenbuͤchern und hand— 
ſchriftlichen Urkunden anzutreffen find. Die Reiben: 
folge der übrigbleibenden fünf und dreißig Buchfta: 
ben, ift von der des Deurfchen und Lateinifchen Ak 
phabets ganz verfchieden, und nähert fi mehr der 
des Griechifchen. 

DObgleih die Ruſſen weit mehr Schriftzeichen 
befigen, als wir Deutfche, fo haben fie darum doch 
nit fo viele eigene Töne mehr. Da die Ruſſiſche 
Eprade, wie die meiften Slaviſchen Dialekte, fo reich 
an Ziſchlauten ift, fo bat fie für das weiche und 
barte f, für das weiche und harte fh, und für die 
beiden Übrigen einfachen Zifcptöne, wovon mir den 
erften mit den vier Buchſtaben tfch, den andern 
aber mit den fieben Buchftaben fchtfch ausdrüden, 
ganz eigene Schriftzeichen, die weder Im Gefpräche, 
noch in fehriftlichen Auffäpen mit einander verwech— 
felt werden dürfen. Anſtatt des Punktes oder Accen⸗ 
tes, womit die Wenden, Böhmen und Polen meh: 
rere Buchftaben bezeichnen, wenn biefe bei der Aus: 
fprache mit einem gleihfam am Gaumen hängen blei— 
benden kurzen und gefchwinden j oder g verbunden 
werden follen, haben die Ruſſen ein eigenes Schrift: 
jeihen, von beffen eigentliche Benennung (Jehr) 
alle jene Buchftaben jehrirte genannt werden, 
Der häufige Gebrauch diefes Jehr ift überhaupt eines 
ber wefentlichften Unterfcheidungs s Merkmale der 
Slaviſchen Dialekte, das in Feiner andern Europäl: 


— 1660 — 


ſchen Sprache anzutreffen iſt; dech hat die Spank 
ſche und Franzbſiſche, in der Ausſprache 
etwas aͤhnliches in dem I mouille und die Schwedi— 
ſche und Däniihe in der häufigen Verbindung des j 
mit Dofalen : Echriftzeichen, Unfre Deutſche Dirb: 
tbongen & und d mangeln dem Ruſſen ganz, fo auch der 
Hauchbuchſtabe h, und die Buchflaben f und v, mor 
von erflerer durch g, die beiden letztern aber durch 
die Digfelaute erfegt werden, Die Naſenlaute, die 
der Frangofe en, in, on, der Pole durch , %, der 
Portugiefe durch 2,0 bezeichnet, gehen dem Ruffen 
ganz ab, fo wie die den Dänen und Schweden eigen: 
thlimlihen Selbſtlaute &, aa, a, oe, o. 

Um der Echwierigkeit ausjumeichen, die bas 
Ruſſiſche Alphabet für die Ausländer haben muß, 
ward fehon von mehrern Gelehrten der Verſchlag ge: 
macht, das Deutſche, Polniſche oder Boͤhmiſche Al 
phabet dafuͤr zu gebrauchen. Wenn dieſer Vorſchlag 
je ausgefuͤhrt werden ſollte, ſo wuͤrde die von Bü: 
f&ing und Bandtfe vorgefchlagene Orthogragbie 
mit Fateinlihen Buchffaben, oder nah Dobrowsfi 
die Böhmifhe mit Deutichen Buchſtaben, noch am 
zwedmößigften feyn, Dit Jehniſch und Nem— 
nich aber Deutſch zu ortbographifiren, wuͤrde die 
Worte oft gu einer ungebeuren Länge austehnen, 
Das Ruſſiſche aus zehn Buchſtaben befiehende Wort 
saschtschischtschennyi würde im Deutſchen mehr 
ale noch einmal fo viel haben, und zu dem nur zwei 
Buchflaben enthaltenden Ruſſiſchen Worte schtschi, 
würde man deren acht bedürfen. 

Das zweite Hindernif, worauf man bei Erlers 
nung der Ruſſiſchen Sprache flößt, liegt in der ſchwe⸗ 
ren Ausfprache der einzelnen Buchflaben, Sylben 
und Worte. Um daſſelbe leicht zu Äberwinden, muß 
man nur des Grundſatzes eingeben? feon, jeden Buch: 
ſtaben mit feinem urfprünglichen Laut hören zu laffen, 
Wie die Franzofen, Engländer und Dänen Buchfla: 
ben zu unterdrüden, oder andere Laute ihnen beizus 
Jegen, iſt im Kuffifchen nicht gebräuchlich, ausge: 
nemmen, daß dos o nach dem zierlihern Moskau 
ſchen Dialekte mie a ausgeſprochen mird, menn der 
Accent nicht daruf ruht, und daß die Endungsfolben 
der Adjeftiven und Participien öfters weggeworfen 
werden. Die Ruſſiſche Ausſprache ift übrigens nad 
den verfpledenen ‘Provinzen der Monarchie auch ver 
fehieden. Der Hauptdialefte zähle man nur drei; 
den Mosfaufhben, den Roͤrdlichen und den 
Ukrainiſchen. 

Moch ein anderes Hinderniß, wodurch den Deut⸗ 
ſchen die Erlernung der Ruſſiſchen Sprache erſchwert 
wird, liegt in der großen Wandelbarkeit des Accents, 
der bald auf diefer, bald auf jener Sylbe ruht. An 


beftimmten Regeln gebricht es faft ganz; einzig ber 
Gebrauch entſcheidet darüber. Wie leicht hat es dar 
gegen der Ausländer, der die Polnifhe Sprache er: 
lernt. Bis auf menige Ausnahmen rubt nemlich der 
Accent in diefer, auf der vorletzten Zyibe des Worte, 
Wir Deutiche verunftalten durch Derfekung deſſelben 
befonders häufig die Ruſſiſchen Gejchiechtsnamen, 
und machen fie dadurch dem Ruſſen unkenntlich. 
So ift z. B. nichts gewöhnlicher, als die berühmten 
Namen Demidoff, Golbgin, Lomonoffom, 
Rumaͤnzow, Schtſcherbetow, Sumarcfom, 
Suwarow, Tſchitſchagow, Woronjem ıc.ıc, 
unter uns fo ausſprechen zu hoͤren, als ob der Ac⸗— 
cent in den dreiſubigen Worten auf den erſten, in 
der vierfilbigen aber auf der zweiten &ilbe läge, da 
er doch in allen auf der vorleßten ruht, und ſehr 
deutlich ausgedrüdt werden muß. Eben fo groß iſt 
ber Fehler, wenn wir das ch der Ruſſen Franjoͤſiſch 
ausfprechen, und 5. B. Eherastomw oder Char 
fom, als Scheraskof oder Echarfof leſen, oder 
aber im Worte Zarsfoje:&elo den Ton auf die 
Sylbe Se, aber im Worte Kaſan auf Ka legen, 
indem er in beiden Fällen auf der letzten Sylbe ruht, 
Auf den Accent kommt übrigens darum fo viel an, 
weil feine verfchiedene Etellung die Bedeutung ber 
Worte oft gewaltig verändert, Um nur wenige Beis 


fpiele anzuführen, fo beißt sasypat überfireuen, 
sasypat einfcdlafen, mokröta Schleim, mokrotä 
Naͤſſe, müka die Quaal, mukä das Mehl, plätschu 
ich weine, platschä ich bezahle. 

Endlich iſt auch noch der ganz eigene Genius 
der Ruſſiſchen Sprache als ein vorgügliches Hinders 
niß bei Erlernung berfelben ju betrachten. Er uns 
terfcheider fid vom Deutfchen hauptfächlich in folgen: 
den Punften. Der Artikel der, die, das, fehlt den 
Ruffen ganz. Bon Deftinationen giebt es nur drei; 
eine für das männliche, eine für das weibliche, und 
eine für das fachliche oder Zwittergeſchlecht, wovon 
aber jede reieder auf mehrere Endigungen ausgeht, 
Lebende und lebloſe Gegenftände werden durch bie 
Endigungen einiger Caſus genau von einander unter 
ſchieden. 

Der Conjugationen nahm man lange nur z an, 
wovon der Infinitiv der einen auf at, der der ans 
dern aber auf it endigte, Da aber noch viele Infinis 
tiva vorfommen, die auf tsch, yt, ut, et, ä, st aus⸗ 
gehen, und noch andre Motive zu einer verfchietenen 
Annahme vorhanden find, fo bat die Ruffifche 
Afademie deren vier aufgeftellt, Nach welcher Sons 
jugarion ein Verbum zu formiren fey, das erfennt 
man aus ber zweiten Perfon des Singulars vom 
Praͤſens. Doc das führt mich zu Erörterungen, die 


für den Freimärhigen nicht geeignet find, Ach bes 
gnuͤge mich alıo nur noch einige allgemeine Bemers: 
tungen beizufügen, 

Mas die Wortfolge oder die Anordnung ber 
verfchiedenen Rederheile in einem Satze beirifft, fo 
bat darin die Ruffifche Sprache faft größere Freiheit, 
als alle andere Europäifche Sprachen; indeffen iſt fie 
nicht fo unbefcpränft wie die Kateinifhe. Der Deutſche 
gewoͤhnt fich baid daran, weil fie fo ziemlich mit ver 
feinigen übereinftimmit, 

Wer die Ruſſiſche Eprade für rauh Hält, wie 
Dies die Meinung eines großen Theils der Auslän: 
der iſt, der irre fih ſehr. Die vieien Ziſchtone 
machen fie freilich für unfre Zunge etwas beſchwer⸗ 
lich, aber in dem Ruſſiſchen Munde, befonters des 
ſchoͤnen Geſchlechts, verliert fi das vermeintliche 
Rauhe und Holperige ganz, und fie wird reich und 
harmoniſch. Für die Ton: und Dichtkunft ſcheint fie 
gleichiam gebildet zu fen; und für den gefelligen 
Umgang gewährt fie dieſelbe Leichtigkeit, wie bie 


Italieniſche. Der Karakıer der rührendften Innig- 


feit, der füheften &chmeichelei, der launigſten 
Scherzhaftigkeit, des tiefften Gefuͤhls, des Fräftigften 
Machdrucke, tät ſich in derfelben gleich gut ausdräden. 

Ahre Ausbildung datirt ſich fhon von den Zeis 
ten des heiligen Cyrill's ber, der mit feinem Brus 
der Method, in der lekten Hälfte bes neunten Jahr: 
hunderts, die heilige Schrift in die Ruffifche oder alts 
ſlaviſche Sprache Überfekte, und diefe der Griechiſchen 
nachbildete. Eben fo verdanfen wir Deutfche die neuere 
Ausbiſdung unſrer Sprache dem erſten Deutfchen 
Bibeluͤberſetzer, unſerem Reſormator Luther. Don 
Cyrills Zeiten an bis zu Peters des Großen 
Regierung, lag die Ruſſiſche Literatur tief im Schlum⸗ 
mer; nur in Kloͤſtern exiſtirte noch etwas ihr Aehn⸗ 
liches, das auch feinen eigenen Karafter von Drigls 
nalitaͤt beibebielt. Durch die Einführung eines hoͤhe⸗ 
ren Grades von Kultur, legte Peter den Grund jur 
beifern Ausbildung der Sprache feines bis dahin 
verwahrlofeten Volks. Erft unter der Regierung der 
Koiferin Elifaberh befam die Ruſſiſche Eprade, 
durch Lomonoſſow, eine eigene Grammatif. Mit 
Eatbarinens der Großen Regierung begann 
das goldne Zeitalter derfelben; fie fliftete 1783 die 
Kuffifhe Akademie, die ſich mit der Ausarbeis 
tung eines großen Woͤrterbuchs beſchaͤftigte, welches 
mit Kecht unter die vortrefflichften gezählt wird. Aus 
dieſem Werte läßt fih der große Reichthum der 
Kuffiichen Sprache ermeffen; und doch iſt fie bei 
weitem noch nicht gany ausgebildet, und fie fordert 
und verträgt noch immer neue MWortbildungen. Die 
Zahl ihrer Wurzelworte möchte vielleicht noch weit 


bedeutender ſeyn, als bie der Deutſchen Sprache; 
denn wenn unfer Adelung nur fechahundert wahre 
Wur zelworte für unfre an fig fo reiche Sprache anı 
genommen bat, fo Fann die Ruffifche megen der ers 
kaubten vielfachen Aufammenftellung von Confonanten, 
und wegen der geößern Anzahl einfacher Zifchlaute, 
wohl noch halb fo viel rechnen, Daß diefe Wurzel: 
laute urfprüngliche Nahahmungen der Naturlaute 
find, wodurch die erften Erfinder der Sprache einen 
Gegenſtand oder eine Empfindung bezeichnen wollten, 
ift mehr als wahrſcheinlich; und daß die Griechen, 
Lateiner, Deutſchen und Slaven viele Etammmörter 
mit einander gemein haben, läßt ſich durch häufige 
Beiſpiele deutlich darthun. — 
Reich. 
Der Dyngus. 
(Aus dem Four, auf einer Reiſe im ehmal. Polen.) 


ich den andern Morgen früh, am zweiten Ofters 
tage, bei meinem Freunde wieder anfam, fand ich ıbn, 
fo wie alle Mannsperfonen im Scloffe, (don auf 
den Beinen. Der Dyngus (die Taufe?) hatte fie aus 
den Betten gejagt. . 

Dies war wieder ein ganz neues Schauſpiel für 
mich. — Allenthalben fa) ich Frauen und Mädchen, 
mit großen Waſſerkruͤgen in der Hand, die Manns: 
perfonen ohne Unterfchied verfolgen. Herrſchaft und 
Bediente waren insgeſammt der Taufe ausgefeht, 
niemand blieb unverfhont und am meiften freute 
man fich, wenn man jemand mit dem Dongus noch 
im Bette uͤberraſchen konnte. Der Lärm und das 
Umberlaufen waren dabei fo groß, daß man hätte 
glauben follen, es fei Feuer im Schloſſe. Ein Theil 
der Männer poftirte ſich endlih an die Brunnen, 
um dae Waſſerſchoͤpfen zu verhindern, ein anderer 
war bemüht, den Mädchen die MWafferflafchen zu 
entwinden, und ein dritter — wahrſcheinlich well 
man ihm einen fehr flarfen Dyngus jugedacht 
harte, — fuchte fein Heil in der Flucht. 

Ich kam am beiten dabei weg, — Die Frau 
som Haufe Fam bios und befprengte mich mit ein 
Paar Tropfen Waffer, und nun durfte ich diefem 
Schauſpiele zufeben, ohne zu befürchten, daß mir 
noch jemand anders einen Dyngus geben werde, 
Diefe Auszeihnung geſtand man mir als Fremden 
zu; den Äremden man überhaupt in Polen bei jeder 
Gelegenheit, die größte Aufmerffamteit, 

Das Herumjagen mit dem Dongus dauerte bei: 
nab eine halbe Stunde, und eben fo viel Zeit ven 
ging wieder, ehe mande die Schlupfwinkel verließen, 
wohin fie ſich verfrodden hatten, und es magten, fich 
beim Früpfiüt einzufinden, Bei demfelben wurde 


— 268: — 


von nichts anderm, als won dem Dyngus geſprochen. 
Die Männer freuten ſich, daß fie den Nachſtellun⸗ 
gen der frauen fo glüdlih und geſchickt entgangen 
waren, — wenn auch ihre naffen Haare das Ge: 
gentheil bewieſen, — und die Frauen frohlodten, daß 
fie fo manchem die ‚volle Taufe gegeben hatten, 
Einer von meinen Keifebegleitern fehlte uns noch, 
Mir machten uns auf, ihr zu fuchen und fanden 
ihn im Garten, wo er unter einem Baume einge: 
ſchlafen war. An ihm hatte man den Dyngus mit 
aller Etrenge vollziehen wollen, — dies wußte er, 
und darum hatte er ſich fo weit entfernt, Unter 
einem fchattigten Baume, umgeben von dickem Ges 
firäuch, hofte er in Licherheit zu ſeyn. Aber die an 
dieſem Tage ganz vorzuͤglich rege Echadenfreube 
der Polnifchen Frauen entdeckte ihn auch bier, und 
es blieb ihm nichts übrig, als von neuem zu fliehen, 
wenn er dem ibm beſtimmten Echidfale entrinnen 
mollte, s u ’ 
er Dyngus gehört zu den gan entbüms 
en Lu Polen, — . —— 
u ſprechen, — von Suͤdpreußen. Er iſt auf dem 
ande'nur üblich, wo man überhaupt alle Mationals 
fitten und &igenheiten länger, wie in den Staͤdten, 
aufzubewahren pflege, Den Urſprung biefer Eitte, 


vermöge, welcher am zmeiten Öfterfeiertage bie 
und Sränchen die Männer mit alle —— 
oder begießen, wußte mir niemand zu erklaͤren. Ich 
bin der Meinung, daß fie zum Andenken der An: 
nahıne der chriftlichen Religion, zu welcher fich die 
len, unter Dicczystaw 1. im Jahr 965 zu be 
'ennen anfingen, eingeführt worden ift, *) und an 
die Taufe erinnern fol. — 


*) Um die Tochter des Botzwiſchen Heriags Boleslaw I, 
mit Namen Dabrowka, heirachen zu konnen, dei ſich 
Mieczyslaw 1. am $. März 965 tauiem, Wis dies geſchehn 
war, erging der Befehl, alle im Volen befindliche Gögen un 
Gögentempel iu zerſtoren. Er wurde fchr genau befelgt. Der 
Tempel der Pinto zu Cnefen, der des GCafor und Pollur 
«Letum Potelum) auf dem kahlen Berge und die Vildſaulen 
der Zywia, (Venus) der Lada und Marjann, wurden alle 
niebergeriften, Endlich dehnte man bieien Befehl auch auf die 
Berehrer biefer Gottheiten ſelbſt aus; es wurde ihnen bei ber 
bensſtrafe anbefohlen, die chriliche Religion amunchmen und 
der 7. Mai beſtimmt, an welden fid ein jeder tauien laſſen 
und alle noch vorhandene Bitdſaulen der Bögen und ihre Al 
täre jerldrt und ins Waſſer verienkt werden foltten. Dies ger 
fa ebenfalis, und bie auf die Zeiten ber Jagellonen wurde 
biefe Zerftörung ber Gegen und Gögentempel noch gefeiert, ins 
dem am einem Gonntage, mitten in den alten, der Pobel eine 
aucd mehrere Yuppen in ber Grade beraumichleppte, und fie madıs 
ber ins Waſſer verſenkte. Heut au Zage finder man, aufer dem 
Dangus, noch mehrere Gehräude in Polen, die offenbar fi 
aus jenem Zeiten berichreiben und, jo wie Die Verehrung bes 
gemeimen Mannes für gewife Eichen, Tanze u, f. mw. gan; wm: 
bejweifelt Weberbleibiel des Heidentguns find, 82%. 





Riht=-politifhe Zeitung. Nro. 54 


Aus Englifchen Blättern, 


Kara ſtarb zu Kenningten in dem Wirthshauſe Fun 
Horn, Joſtoh Cavoer Esq. alt 77 Jahr, einer der ſonder⸗ 
dargen Charattere, welche das, am vincholegiihen Mertwurdig⸗ 
keiten fo reihe Grofbrittannien hervorgebracht bat, Er beraß 
im feimen Jünger Jahren einen Handel, den er aber auigab, 
fo bald er jo wich erworben hatte, um ohne Geſchafte leben zu 
tönnen, was seinem mürriſchen, aufahvenden Gemüt am 
meiſten angeneſſen jebien. Bei einer Etreifergi um Bonden, 
fühire er ſich in Kenmington zu sehr ermüdet, kehrte im dag 
sbengenannte Wirthshaus ein. und, nachdem er mit dem Wirth 
wmanden Zant gehabt, forderte er fehr ungeſtum eim Wett. 
Der Wirth antwortete ihm ehem fo ungeftiim: fir ihm Gabe er 
feing, und mum folgte ein beitiner Streit, ber ſich damit en⸗ 
Digte, dak Capper ein Mert erbjelt. Voll Zorn über den Wirth, 
beibleh er, ihn füchtig im vlagen; und blieb — im ud 
swanjtg Jahr in dem Hanfe, während weicher er täglich er⸗ 
Märte, er werde morgen weiter gebn. Der Wirth ſtarb madı 
einem wielinhrigen, täglich witderholtein Zamte mit feinem 
Gaft; aber num war Capver fo an das Haus gewöhnt, daß er 
ed wicht mehr verlieh, do ohne jemald feine Meifefertigbeit ab 
inlegen. Ale Woche forberte er fine Rechnung u. ſ. m. — 
Zu feinen Gonderbarteiten gehörte, daS er mie Geld 
verkorgte, aber gewöhnlich die verlangte Eumme vers 
fehentre. — Sein Bleblings: Vergnügen war, Sliegen mit dem 
Etocke todtzuſchlagen. Damit gegenwärtige Fremde das aber 
n.ct für ein Zeichen von Tösartigfeit anfühen, pflegte er, ch’ 
er nad Tiſch am dieſe loöbliche Beibesitbung ging, eime Geitige 
Ditfamatien gegen die Framoſen vorhergehen gu laſſen, Die ſich 
immer mir den Worten floh: Ich wollt' ich konnte fie alle 
tedticblagen , wie Diefe Fliegen!” und dann brach er gegen fie 
108. Er hat über 30,000 Pfund madıgelafın. 

— In Lincolnjiire Gar man ein Nömirced M) Grab ges 


fnmden. Es enthielt einen Torgiaftig verſchloſſenen fAelnernen 
Sarg und im demſelben eine große Urne von grünem Olaft. 


Aus Peteröburg. 
( Fortiegung.) i 
Di Geſellſchaſt keſteht jedoch nicht bloß aus dem Hohen 
del etwa, ſendern der Eintritt in eigentlich auf feinen Staud 
beſchrantt und feinem Staude anterſagt, ein Votzug deſſen ſich 
Vetersburg bei allem feinen dfentlihen Vergnitgumgen und Mus 
Ratten day, erirmt. Daß man fi übrigens wohl verficht, 
wenn man vorkhlagt und dak jeder dem fein Gefühl ſagt, er 
werte Im Dieie Geſellſchaft micıt daſſen, fich der Gefahr ausbal⸗ 
lotirt zu werden miche ausſeyt, iſt leicht zu eradıten; doch fin 
der man hier Miniſter, Furſten, Generale, Subalterne vom 
ullitaie und Civit, Kaufleute, Künftter, obme das es irgend 
demand einfänt, ſich ein Vorrebt aniumafen, oder wenn e— 
ibm auch einfallen ſollte, Dah es ihm eimgeränmt wirrde. Ei— 
nen großen Mochthen aber hat diefe Vermiſchung der Stände 
in Unfchung des Yurus, Der durchaus keine Orangen kemut, und 
worin vorzalich die Damen aus dem geringern Standen gegen 
Die bebern Stande wetteifern, Fur dieſe hat denn auch dieſer 
Kiubb mehr Neig als fir ihre Manner, von denen mander 
gern Der Ehre überhoben feum möchte, meben einem blauen 
Bande an der Tafel zu figen oder Das Recht zu huben, eine 
Firtin zum Tanıe auwiordern, Bwar fiche man, mad Dem 
Mur:r des Hofes, nicht jo viel Brillanten mehr, aber das 
unideinbare weiße Kleidchen komme mit den Sortzen und allem 
Zubehör ort höher zu Mehem als ein Echmuck, und it doch nur 
für wenige Abende zu getrauchen. Dies Streben durch Ge— 
ſchmact und innere Feinheit des Ampuges zu glanzen, ertheilt 
dieſer Geſellſchaft einen hoben Ren fiir den, der mit der ſrohen 
Leberjeugumg fi unichauen fann, daß er jur Verorderung bier 
ſes Glanjed nicuts beitragen darf. 
(Die Jorriegung folgt.) 


Nro. 108. 





Der Sreimütbhbige 


Donnerfag, 


2 Eu 


— — — 
Literatur. 


Koriolan und Duͤmouriez. Zwei vergleichende Bio⸗ 
graphien vom Verfaſſer det Buchs: Amaliens 
Freuden und Leiden, Leipzig, 1804. Bei 
Suppriau. 


€. fo gut gefchriebenes Werk, daß es mich wirklich 
ſchmerzt, es für ein durchaus vwerfehltes zu erflären. 
Wer der Verfaffer auch ſeyn mag: er jeigt fo ausge: 
zeichnete (chriftitellerifche Talente, daß er werth iſt, 
fie an bleibende Werke, dig, der Literatur. zu dau⸗ 
renden Zierden gereichen, ju verwenden; aber in bie: 
fen Buche find fie verſchwendet: die dee des Gans 
zen taugt nicht, 

Wenn vergleichende Biographien einigen Werth 
kaben, bedeutende pinchologiihe oder politifche Reſul⸗ 
tate liefern follen, fo muͤſſen fie entweder ähnliche 
Charaktere in ähnlichen Situationen, oder ähnliche 
Eharaftere in ungleichen Yagen, oder endlich ungleiche 
Charaktere in ähnlichen Lagen aufjtellen: aber Feines 
diejer drei Verhaͤltniſſe findet fich zwiſchen Koriolan 
und Dümouriej. Koriolan war ein edler, aber flür: 
mifcher,, mild+ leidenfchaftiicher, fiarrfinniger Wann; 
Diimouriez hat fih immer als ein verſchlagner Ans 
triguant gezeigt, der unausgefeht feinen Privatvor— 
theil vor Augen hatte, und daber jeder Partei zu 
dienen, jede Maaßregel zu ergreifen bereit war, die 
Nahrung feiner Ehr: und Gewinnfucht hoffen ließ. 
Koriotan ward aus Kom verbannt, weil er zu of: 


und 





den 4. Öftober, 


© er 3 


— —— 


fen und heftig bie Rechte der Patrizier verthei— 
digte; er gieng zu den Feinden uͤber, ward von die 
fen, feiner Tapferkeit und feines graden Charakters 
wegen, geehrt, kehrte als Sieger vor feine Vaterſtadt 
zuruͤc und opferte feine Kachgier feiner Warerlande- 
liebe auf. Dümouriej ward geächtet, weil man feine 
geheimen, ſchleichenden Intriguen entbedt 
hatte, entflob, und ward von den Feinden, ju denen 
er ging, wiederum feines gefährlichen Charaftera bal: 
ber, mit verachtender Gleichgältigfeit behandelt. Wel— 
he Aehnlichkeit iſt awifchen ihnen, und zwiſchen ihren 
Schickſalen? ie beſteht am Ende bloß darin, daf 
beide Feldherrn, und beide Verbannte waren, — und 
das gewährt Fein Reſultat. 

Noch mehr aber ſinkt der Werth des Buchs, 
wenn man weiß, daß ber Derfaffer aus der Geſchichte 
Koriolans eigentlih nur — einen Roman gemacht 
bat. Er erzähle nämlich eine Reihe von Umftänden, 
von denen bie Sefchichte nichts weiß, unter andern 
auch wie Koriolan zu feiner Gattin Volumnia ge 
kemmen ift, und daß er ſich, als er aus Rom ver 
bannt worden, auf eines feiner Landgäter bes 
geben, und Fort den Plan gemacht habe, fich durch 
die Dolefer, in Kom koͤnigliche Gewalt zu 
erzwingen, dann aber, fobald er dem 
Etaate eine gemäßigt « republifanifge 
Derfaffung gegeben, die Krone niederzu— 
legen. Don diefen philoſophiſch heroiſchen Planen 
weiß weder Livius noch Plutarch ein Wort, und Ko: 
riolan, der wilde, leidenfchaftlihe Koriolan (der 


u 


— 170 — 


Verfaſſer ſchiſdert ihn mit Unrecht kalt und wei⸗ 
fe,) war nicht der Mann dazu, fie ju entwerfen, 
Der Derfoffer bat dies offenbar nur erfonnen, 
um Koriclan einige Aehnlichkeit mie Duͤmouriez zu 
geben, und — dadurch vollends feinem Buche das Sie: 
gel der Nichtigkeit aufgedrüdt. Er ift auch Überhaupt 
fo flüchtig in dem Erudium der Gerichte Korlo— 
kans verfahren, daß er von dem Tribun Lucius Ju— 
nius Brutus, dem Feinde des Koriolans, und von 
dem Junius Brutus, der Targuin vertrieb, wie von 
Einer Perfon ſpricht. — Das Yeben des Generals 
Dümouriez ift größtentheils aus den Memeiren def: 
felben gejogen, deren Glaubwürdigkeit eben nicht fehr 
groß ſcheint. 

Uebrigens iſt das Buch, wie geſagt, recht gut 
geſchrieben. Will man es leſen, ſo wird man viel 
Unterhaltung dabei finden, aber man wache uͤber 
Fb, daß man ihm nicht mehr Glauben beimeſſe, als 
irdem andern biftorifhen Komane. 22 


Archiv für Lacherlichkeiten. 
Aus Reval vom 5. September, 


Dr befannte Schauſpieler Kaffka in Riga giebt, 
in Geſellſchaft eines bicfigen Echaufpielers und 
noch zweier anderen Schauſpieler in Petereburg, ein 
Archiv für Laͤcherlichkeiten heraus; worin ſich 
dieſe Leute faſt auf jeder Seite daruͤber beklagen, 
daß der Echaufpielerfiand fo wenig geachtet werdet 
Eine folche Klage finder fih auch in dem jekt eben 
erfehienenen Eeptember: Heft, worin ſich der hieſige 
Schauſpieler B. hinter die Maske eines Keifenden 
werftedt bat, um deſto unerfannter feinen Groll ge: 
gen Keval auszulaffen. Aber fein werthes Ich fpielt 
in diefem „Fragmentarifhen Profpeet über Reval“ — 
was es fo gene auch auf dem hiefigen Theater 
möchte, — die Hauptrolle. Er tavelt es mit großer 
Bitterkeit, daß die Echaufpieler hier fo menig Zu: 
tritt in Privat Häufern haben, und reißt befonders 
den Theater: Geſchmack herunter, fagt unter andern, 
daß die Revalenfer, bei ihrem ohnehin natürlichen 
Phlegma, ſo kaubluͤtig gegen das Thrater wären, und 
daf fie das unerträglih Schlecht e für vortreff: 
lich hielten, — daß es lange dauern, wuͤrde bis fie, 
troß ihrer Anmaßung, reine Kunſt-Beurtheilung er: 
langen würden. Aber nicht das Theater allein, fons 
dern auch die Lebensart der »biefigen Einwohner bat 
ein Giegenftand feines Eifers fegn muͤſſen. Er wirft 
ihnen Ziererei und altmodifche Feierlichkeit, Stolz 
und Mangel an Geifteefultur vor, Eeite 207 beißt 
et: „Und wenn man verfichert ift, daß reelle Aus: 
„bildung immer gefellig macht, daß fie wenigftens 


fih ohne 
Angriffe öffentlich erlaubt, 


„Theilnahme an gebildeten Ausländern zuläßt, fo 
„möchte man die Zuruͤckhaltung, die gaͤnzliche Abge— 
„ftorbenheit in diefem Punkte mehr der Beforgniß 
„Bloͤßen zu geben, als dem Bewußtſeyn unbezwei: 
„felter Ueberlegenheit zufchreiben. 

Dit welchem Recht fann fich wohl jemand, der 
allen Grund dergleichen beleidigende 
darüber beklagen, daß 
er fo wenig geachtet werde? Diejer Zug liegt aber 
im Charafter des Trof er mittelmäßiger Schaufpieler, 
Eelten verdient einer, dab man auch außer dem 
Theater von ihm Motiz nimmt; aber noch jeltener 
findet man einen, der es nicht mit unerträglicher Ans 
maßung prätendirte, und — auf den Kafferhäufern 
noch im Kothurn Billard fpielte, Daß der Schau— 
fpieter B. gleichfalls in diefe Klaſſe gehöre, hat er — 
wenigftens in feinem bier gerügeen Profpect von 
Reval gejeigt. Sein Gemälde, wozu Galle und 
böfes Blut die Grundfarben abgegeben haben, bes 
darf indeß Feiner beiondern Wuͤrdigung, meil es im 
einem Winkel aufgeftelle it, den eine Sonne bes 
ſcheint. Der allgemein: öffentlichen Ruͤge aber durfte 
es nicht ganz entzogen werden, weil hie und da viels 
leicht ein Fremder zum Nachtheil einer Etadt, wek 
er ſich mit Wahrheit nichts fo Echlimmes nochfa: 
gen läßt, irre geführt werden £önnte, wenn ihm 
irgend ein Zufall einmal das angejogene Echaufpielers 
Seurnal in die Hände braͤchte. — 

2. G. 


Beifpiel fchleihender Lift, 
(Fortſetzung. Siche Nr. 134.) 
Der General ift ein aͤußerſt merfwürdiger Mann, 
und eben derfelbe der in Oeſterreich und Balern, uns 
ter Jofepb und Marimilian, fo thätig war. Er 
ſpricht Deutſch, Yatein, Franzoͤſiſch, Italieniſch, Pol: 
nifch mit gleicher Fertigkeet. Sein Aeußeres bat das 
Gepräge der Demuth, eine wahre Mönchsgeftalt mit 
einer reprefenticenden Cerpulenz. ohne unbehuͤflich au 
ſeyn. Das Geſicht ift voll, glatt, glänzend und ohne 
befondern Ausdrud, Mur das lebhafte Auge verräth 
den Dann von Geift, und fein umſchauender for 
fhender Blick den Menfchenfphäher, ein Eintritt 
in ein fremdes Zimmer ift Außerft charakteriſtiſch. 
Die Hände Über dem Bauche zuſammengeſchlagen, 
die Miene laͤchelnd und voll Ealbung, die Haltung 
des Körpers erwas vorgebeugt, fein fefter Tritt, fons 
dern ein Echleichen, bei dem die Sohle des Fußes 
nie von der Diele ſich erhebt, ein Blick der zwar 
nur einen Augenblick bei jedem einzelnen Öegenftande 
vermeilt, dem aber auch Feiner entgeht und. der vom 
Bedienten an, welcher das Zimmer eröffner, bis zu 


— 270 


dem Herrn oder der Dame des Hauſes auf dem Di— 
van, suchte unbeachtet laßt. Wr iſt Bein Verächter 
des geſellſchaftlichen Bergnuͤgens oder irdiſcher Freu⸗ 
den, wovon ſich Lebende Beweiſe vorfinden. 

Bei Gelegenheit der Ztreitigkeiten zwifchen dem 
Drden und ven ehemaligen Kirshenvorftegern, ſuchte 
er fich dem dumalıgen Herrſcher ju nähern, und wußte 
fid in deſſen ganz befendere Gunſt einzuſchmeicheln, 
die er zum Bellen des Ordens treflih zu benußen 
verfiand. Selbſt wenn der Monarch auf feinen Luſt⸗ 
ſchloſſern war, fand fich der General dort ein und 
hatte faft alle Machmittage eine geheime Unterredung 
mit ihm, bie oft eine Etunde währt, Ber einer 
ſolchen Unterredung einſt glaubte der fonft fo feine, 
Mann feft genug zu fliehen, um die etwas bdreifte 
Anfrage zu wagen: Wenn einer oder der’ andere von 
der — ſchen Kirche zu der unjern übergeben wollte, 
wie ſoll ıch much da verhalten? Der Monarch, felbjt 
Oberhaupt feiner Kirche, drepte ihm den Rüden zu 
und verließ das Zimmer. Seitdem wurde der Ge— 
neral nie wieder vorgelaſſen. Michts deſto weniger 
ſehte er feine Auſwartungen bei den Großen des No: 
fes und bei Perſonen, weiche fich oft dem Monarchen 
naͤherten, fleißig fort. Bei Gelegenheit gab man ihm 
fein Erfiaunen zu erfennen, mie er zu «iner fo auf: 
fallenden Frage gekommen ſey. Es follte mir leid 
thun, antwortete er, wenn eın Mifverftändniß mir 
Die Gnade des Monarchen geraubt hätte. Ich babe 
gar nicht von den —, fondern von den U — in P. 
geſprochen, die fi in Ermangelung — ſcher Kirchen 
doch) gewöhnlich zu den unfern halten. — Ob diefe 
feine Wendung dem Monarchen binterbracht wurde, 
iſt nicht befannt, wenigftens blieb fie aber durchaus 
ohne Wirkung. 


An den Herausgeber bes Freimuͤthigen. 


Hr P. Bourguet hat jegt die Vorbereitungen zu 
feiner Kuftieife beendigt, bis auf diejenigen, die uns 
mittelbar der Füllung vorangehen muͤſſen. Der Ort 
feiner Auffahrt ift der Garten der Thierarzneiſchule. 
Da diefer eingeſchloſſen ift, dürfen die durch Sub⸗ 
frription autborifirren Zuſchauer nicht Erdrungen 
der Ordnung fürdten, wie im Mai; auch find alle 
Anftalten der Vorſicht angewandt, um den Ball vor 
Verletzungen zu ſchuͤtzen. 

Einige Chemiker meinten, die vorige Reiſe ſey 
mißlungen, weil die jur Aufloͤſung gebrauchte Saͤure 
zu leicht, und das Eiſen zu oridırt geweſen, und nicht 
die gehörige Quantität Waſſerſtoffgas geliefert habe, 

Nach andern lag es an den Vorrichtungen, j. B. an 
den ſchlecht verldiheten Roͤhren. Das alles aber 


fonnte wohl einen Verluſt von Gas, doch nicht dem 
gaͤnzlichen Nüdgang des Unternehmens veranlaffen, 
denn das gewonnene, wirklich im Ball vorhandne 
Volumen gasartiger Fluͤſſigkeit war hinreichend, den 
Dall mit zweien Perjonen emporjutragen ; nur aber 
— bies iſt das Haupthindernig nach Herrn Bour⸗ 
guets Behauptung, — fie war eine Mifhung von ats 
mofpbärifcher Luft, und brennbarer, denn «in Loch, 
das Jemand aus boshafter Abficht in den Ball ges 
ſchnitten, hatte den Zutritt der einen und den Auss 
tritt der andern veranlaft. Hier war der Aeronaut 
außer Schud, man müßte ibm denn zur Laſt legen, 
daß er zu wenig Mißtrauen hegte. 

k Dur Erfahrungen belehrt, wird er wahrſchein⸗ 
lich diesmal ſich völlig rechtfertigen; und tas wird 
den Berlinern auch aus Patriotiemus werth fern. 
Freunde der Wiſſenſchaften werden um fo mehr An: 
theil am diejer Fahrt nehmen, da fie hauptſaͤchlich 
darauf abzweckt, durch Verſuche und Beobachtungen 
der Maturlehre nuͤtz ich zu werden. Daß der Unter: 
nehmer, ein befannter und geihägter Chemiker, dazu 
mit allen Vorkenntniffen ausgerüftet iſt, wiſſen wir, 
und daß er den noͤthigen Mu h befikt, hat er gejeigt. 
Es war gewiß fein kleines Wagſtuͤck, daß er, im 
Mai, ohne Aufer und Ballaſt fleigen wollte. Moͤgte 
man ihm doch förderlich ſeyn, und er für feine bes 
deutenden Vorſchuͤſſe entſchaͤdigt werden; denn die 
neuen Präparationen Eoften bereits über 2000 Thaler, 


Berlin, am aten Dft — v —. 


Die Geiſter und die Menſchen. 
Rbapyfodie 


Die Geiſter. 


Wir weben auf Waren, wir fbmeben in Eiften, 
ir wiegen uns ſeelng auf bimmliben Dürnten, 
Die Tinten find unſer, des lieblichen Maid, 
Wir Hlichen und kehren im Wechſel der Etunden , 
Nichte hält ums gefangen, michts halt umd gebunden, 
Grei Amüpfer und löft fi der magifhe Kreid. 
Wir tanchen nicht unter im Stroms von Jahren, 
Eind ewig und ewig, was ewig wir ware! 


Die Menſchen. 

Etrenngefeiicht von dem Trug der Einnt, 
Bon der Macht der irdiſchen Natur, 
Das er reiht das Hochtte ſich gewinne, 
Sucht der Menib der Wahrheit hoht Spur. 
eine Neigung zahmt er durch Entiaden , 
Di dem Willen beugt er das Gefühl; 
Endlich mu Das gold'ne bLicht ibm tagen, 
Usb er ſteyt an der Bolleudung Ziel 

Schreiber. 


— 273 — 


Nicht politiſche Zeitung. NMNro. 55. 


Winter: Zeitvertreib in St. Petersburg. 
(Sortjegung.) 
z0fßen Auguf 1804. 
um — 


u itten Eeptember, 


Dar a9fem dieſes Abends hat ſich der Hof von Kaminoir 
Ofrow jur Stadt begeben, jur Geier des hoben Namensfekes 
uniers geliebten Kaiſers, und wird wahrſcheinlich nun nicht mies 
der dahin aurüchtehren. Wir geniehen zwar feit einigen Boden 
wieder der ihönften Witterung, doch füngt bie Zuft ſchon raus 
bee zu ıwehen an. das Laub farbe ſich bereits, wir haben ſtarte 
Nachtſroae, die Abende werden lang, und ip gewährt die Nas 
tur nur wenig Freuden noch. 

Die Abreiſe Ihro Kaiſerlichen Hoheit, der Frau Erbrrin⸗ 
sein von@achien ⸗ Weimar mit ihrem Durchlauchtigen Gemahle, 
folk auf den Zren Exptember befiimmt jeyn umd altes it dazu 
bereit. 

Aut denn Kalferlichen Cabinett find ine Verthellung unter 
dın Mitirairs Chefs dei den Manevern, iiber 120000 Rubel am 
Vritlanten genommen worden; — — — — 
— — — — fiber 50000 Rubel wird die Ent⸗ 
ſchadlaung für die Kronsbauern betragen, deren Wieſen umd 
Gelder dabei gelitten Gaben, fur man rechnet die Koſten bei 
Diesjährigen Dianövers auf beinahe eine Milllon. 

Um die auferordentlicdhe Thesrung in Dorpat gu hemmen 
and zugleich im Rheficht auf die Sittlichtelt, wird das adeliche 
Srautein sErift von da nach Fellin verlegt werden, wo bereitd 
die ndthigen· Cebaude angetauft find, und Die gehörigen Einrich ⸗ 
tungen getroffen werden. 

Eine Mad. Viga hat es gewagt, auf dem Deut ſchen 
Theater als Gaſtrolle die Amale in pen Räubern in fvies 
ien. @ie kann nicht Deutſch, fat wahrſcheinlich in ihrem Per 
ben mie geglaubt pin Theater zu betreten, und — iſt micht eins 
mal hubſch. Dergleichen Gañt können wir mglich entbchren, 

nd, Philier Andrieur, Mad, Phillis Bertin 
und hr. Andricur find frant; die erſtern ſogar gefährlich, 
daher feine Opern gegeben werden, 





Ein Herr Callaud debütierte neulich als Figaro auf ber 
Sramdfirben Bühne mit Beifall, den er aber in der folgenden 
Rorfeltung nicht ſou behaurtet haben. Mad. Bonnet, die 
Tochter des Hra. Mces, ipielte die Grafın redt brav, vorige 
ih aber die anvergleichtiche Goubrette Madem. Toussamnt 
die Suzette umverbefferlich; Sr. 1a Roche genügte nicht gam 
ols Graf Almaviva, und Mad. Lora war unleidlich als Page. 

— n — 
¶ Die Fortſetzung folgt.) 
Hamburg, am 28. Sertember 1904, 


Madame Fleck if hier mit vielem Vettall in acht Gairoflen 
aeichen, und äreimat Öfentlich herausgeruſen worden, als 
Clara von Hoheneihen und Nianasia in Gens 
jewotn. Jedesmal, fo ort fie fpielte, war das Haus gedrängt 
voll, 

Dienfag, den 25. Gentember, fahen wir sum erſteumal 
Wilhelm Tell von Schiller. Die Direktion Gatte alles 





gethan, dierem Gtücd einen glänsenden Erfolg su bereiten, Ale 
geachter des großen Perſonale, waren alle Holen, beionderd die 
wichtigern, im dem beiten Händen, jo bak in der Darkelung 
nichts wmangelte, und folbe bis auf Ultich von Rubens, deu 
Hr. Roujfeau ſehr mittelmäkig madıte, volllommen zu nennen 
geweſen wär. Dr. Hersfeld als Tel, hr. Glen als 
Stauffacher und Hr. Wohlbr iack als Arnold von Meidthaf, 
dlänjten vorzüglich, mad beiriedigten aud die Arengſte Kritik. 
Un Detoratienen umd Kleidung war nichts geſpart worden“ 
auch macht die charakteritiihe Muſit zur Einleitung, zu dem 
Zwiſchenatkten >, x). Herrn Stegmann, ber fir couuponltt hat, 
groie Ehre. 

Ueber das Stud ſelbſt find bie Meinungen getheilt. Der 
erſte, dritte und vierte Mr Gaben vortreffliche und eimige See⸗ 
wen: aber der pweite ermüder ſehr durch Die lange Eriabr 
fung Stauffachers von der erſten Belipnehmung des Ednmels 
ser Bodens, Der letzte Aft ſteht wie abgeriten von Ganzen da, 
und hat mit der eigentlichen Handlung nidts mehr gemein, 
die am Schluß des vierten Attes ſchon au Ende iſt. Geſtern 
den 27. it das Stück bei fehr gefüntem Kaufe wieder gegeben 
werden, und auf Morgen ben 29. find ebenfalls icon alle 
Loyen x. dafür im Beſchlag genommen, 


us Paris, 


Seit den 18. Erst. (dem 1. Jour Complementaire) bat 
die Gemälde: Ausſtelung angeſangen. Die größte Aufmertſauu 
keit ziehen vorist noch ein Gemaide von Gros, das Buonar 
parte im Hofpitad der Peſttranken zu Jaffa, darſteut, und bie 
Sahlacht u Quiberon, von Hennequin, auf fd. Am 19. frühe 
erſchlen eine Deputation von jungen Kinfitern und hing feierlich 
einen Lorbeerfrang inber dem erften Semalde auf. 

— Hr, Dennant, beſtandiget Setreiae ver Socictẽ Acadé- 
mique des sciences, bat eine Mafdıine erfunden, durch derem 
Süttfe man ohne Feder, und ohne es gelerut au haben, ſchret⸗ 
ben fan. Er nennt fe Mebanogranhe, 

— Hub die Bildiawien, die den Saal dee Senat conser- 
voteur fohminten ſollen, find jetzt ofemniih ansackeır Es 
find ihrer 26; Eolen, Ariſtides, Eripio der Afrikaner, Der 
moſthenes, Cicero, Lycurg, Gato, Leonidas, Beaubar 
nais x. 


Aus Englifihen Blättern, 


Die Erid cinung Dei ſogenannten dangen Roſcius Ber 
Tier immer mehr von Ihrem wunderbaren Anrich. Seine Mut 
ter, bie auf Yiebhaber: Theatern mit groner Beidenichaitkichkeit 
foiette, lieh ihm from tm ſunſten Jahre Rollen auswendig ler— 
wen, und macber Ite er am eimm Mr. Huf einen ſehr el: 
fihttvohen Behrer. Am Ende werden böchfwahricbeintid feine 
glanzenden Ausiuhrungen amantitd eingelerute Eaulubangen ſeyn. 

— Bei einer Beneſftee Torkeheng im arohen Dpernbanfe 
iu London, fürden beruhmten Euinſtet, murden alle Thuren er 
forest, und das haus wurde mit Zuſchauern itberfttt, Die aichts 
bezahle Hatten. Man flelite zwar din dem Hauſe felbt, mir ibm 
eine Collette an, gleichwohl harte er einen Verluft von 300 Df. 
St. Einige Tage nachher fiek er in den Morning = Chroricle 
fenen: „Er fei übergeust, dab alle gegenwartig geweſene Obintier 
nien die Abficht gehabt, zu besablen, aber durch die allgemeine 
Verwirrung daram verhindert worden. Gr erſuche fie, ibm das 
Entrees@eld in reine Wohnung zu ſenden.“ Welchen Criolg 
Das haben wird? — 


1804. 





Nro, 199. 


Der Sreimütbige 


Sreitag, 


E rn f 


— oder — — 


und 


den 5. Dftober, 


Sherry, 





Literatur 


Der Gefundbrunnen zu Liebenftein: Ein 
Gedicht, von J. 8. Ihling. 


DD. Arbeit eines jungen Mannes der Anlagen 
verräth, und Aufmunterung verdient. Ins Heilig 
thum der Runft ift er freilich noch nicht eingedrun: 
gen, aber er ift auf gutem Wege dahin. Doch ju 
dem Merfe felbfl. Der Liebenftein gehört — mo 
nicht unter die beften, — doch unter die freundlich 
ften und lieblichſten Badebrter Deutfchlande. Seine 
Matur: Echönbeiten bedurften nur einer leifen Mach: 
bülfe der Kunft, woran es ber für fein Land und 
für alle gute Menfchen, zu früh verewigte Herzog 
Georg von Sachſen Meiningen, auch bier nicht feh— 
fen ließ. Sie poetifch zu ſchildern verſuchte zuerſt 
Herr D. Eidler. (Als Neubeck fein vortrefflihes 
Gedicht: die Gefundbrunnen, fehrieb, ſchlummerte 
die Nymphe der Liebenfteiner Quelle noch.) Herr 
Eidier hielt ſich indeß zu lange bei Nebendingen 
auf, und erſchoͤpfte ſeinen Stoff nicht. Herr Ihling 
ſchließt ſich ruͤhmlicher an dieſen an. Sein Gedicht 
iſt Fein kuͤnſtleriſches Ganze; es beſteht aus Rhapſo— 
dieen, die zufällig von Ort und Stunde veranlaßt 
au ſeyn ſcheinen, — aber in einigen dieſer Rhapſo— 
dieen zeigt der Verfaſſer reiche Phantaſie, Geſchmack, 
und wahren Dichterſinn. Seinen Plan bei Ver— 
fertigung dieſes Werks (den er aber nicht immer 
feftgehalten) giebt er ſelbſt in der Vorrede alſo an: 


er rolle das Merkwuͤrdigſte aus der Sefchichte von 
Liebenftein überhaupt, und des Geſundbrunnens 
insbefondere ſchildern, dann die Gegend um Lie: 
benftein und die Belhaffenheit des Gefundbrunnens 
Sarafterifiren, und endlih, nach einer furjen An: 
weiſung, diefen Brunnen zu gebrauchen, mehrere 
Beifpiele von der Heilkraft deffeiben anführen. Das 
ift allerdings ein Pan, — aber auch ein poeti⸗ 
(her? Was fol gar die verſiftzirte Sefchichte ber 
Landgrafen von Thüringen, der Edlen ton Calja 
u. f. w. in einer Geſchichte des £iebenfteiner Gefund: 
brunnens? — „Was ift denn aber das Lobenswerthe 
in diefem Verſuch?“ Er hat — wie eben geſagt, — 
einzelne Etellen voll tiefen Gefuͤhlo, eine der Sache 
meiſt angemeſſene dichteriſche Sprache, und verraͤth 
überhaupt ein ruͤhmliches Streben nach einem beſſern 
Biel der Kunft, als fich junge Dichter und Dichters 


linge gewöhnlich vorfegen. Möge er fich immer gute 


Mufter wählen, das Wefen der Kunft nicht in übers 
fpannte kraͤnkliche Gefühle, und leeren Klingflang 
der Worte, fondern in das Schoͤne des Sedanfens, 
und in das Erhabene der Empfindung feßen, — und 
Deutfhland hat in ihm einen guten Dichter zu er 
marten. Zum Schluſſe eine Probe aus biefem Ges 
dicht, 
’ Die trauernde Najade, 


Dan ich vor allen erfohr, im HeifistGume der Grotte 
Hobe Wunder zu ſchaun, melde bie Schoͤpfung gebar; 

Deſſen duſtendes Opfer am Fruͤhliugemorgen mir aufitieg, 
U! der erhabeme Fuͤrſt watlet zur Duelle nicht mehr, 


eieblich war mir der Traum, Im meiner felfigten Halle 

hm oft wieder zu fchm, wenn ſich bie Kofe geluwſt; 
Uber dee Schickſals Gebot, des umerbittlichen, Arengen, 

und der Parse Gewalt fentten den Liebling ind Brad, 
Mur des Geiſtes Bebild’ im des Maitags indem Gefäufel, 

Nahet im Dämmerumasichein mir, wie ätheriüher Hand, 
Eiche, du denteſt wohl noch an bie lieblichblühende Erde 

Dit in Raͤhrung zurück, demm fie gebenfer auch bein! 

* r. 


Aeſthetiſche Fragmente. 
Erſtes Fragment, 
Apologie und Einleitung. 


Noq immer herrſcht das unſelige Vorurtheil, daß 
Kritik und Studium der Kunſt dem Genie mehr 
ſchade, als nuͤtze. Man ſpricht mit einer gewiſſen 
Verachtung von der Kegel und glaubt; bie Theorie 
des Schönen fei am Fittig des Genius ein Bleige— 
wicht, das feinen kuͤhnen Aufflug hemme. — Wie 
thoͤricht! — Tiefes Gefühl, Kraft und Weisheit find 
der große Dreiflang, wie in der Natur, fo auch in 
der Kunſt. Fehlt die Weisheit; fo mangelt es der 
Harmonie an Vollkommenheit, oder vielmehr: es ift 
noch gar Feine da. Kaͤme es in der Kunft bios bars 
auf an, etwas Neues hervorzubringen; allerdings 
würden dann fhon Gefühl und Kraft allein bins 
reichend feyn; aber um etwas Schönes d. h. an⸗ 
ſchaulich Volkommenes zu bilden, fann man 
der tiefften Einfiche in ihre Geheimniſſe durchaus 
nicht entbehren. Zwar ift es nie der Verfland, was 
dem begeifterten Kuͤnſtler feine Bahn vorzeichnet und 
ihn auf dem rechten Wege zu erhalten ſucht; denn 
beides, Äberlegen und ſchaffen, zu gleicher Zeit, laͤßt 
fi nicht vereinigen, Der eigentliche und einzige 
Gehuͤlfe des producirenden Genies Ift ein feiner ge: 
läuterter Geſchmack. Diefen aber bringt man nicht 
mit auf die Welt, — höchftens nur die Anlage dazu, 
— er muß und kann allein durch das ernfte Stu: 
dium der Kunft und reifliches Nachdenken über bie 
Natur des Schönen erworben werden. Unterläßt 
das Genie diefe wichtige Vorbereitung zur Ausäbung 
der Kunft; fo ift Taufend gegen Eins zu wetten, 
daß es falſche Wege einfchlagen werde; denn in die: 
fem Galle fehlt gemeiniglih noch das Gleichgewicht 
zwiſchen den Kräften des Geiſtes. — Die Phantafie 
ift dann mächtiger als alle,. und diefe ift ihrer Natur 
nach zu allen nur möglichen Ausfchroeifungen und 
Ercentricitäten genelgt, Die Wichtigkeit der erften 
Schritte ift Übrigens befannt, Waren es Febltritte, 
fo verirrt das Genie fi je länger je weiter vom 
rechten Pfade, — und wird es getadelt, fo kehrt es 
leiterfelten um; — nein! im Gefühl feiner Kraft und 
Usberlegenbeit, verſtockt es ſich mehr und mehr; es 


mißbraucht feine ausgezeichneten Fähigkeiten, Beſchd⸗ 
nigungsgründe für feine Irrthuͤmer ausfündig zu 
machen, und — iſt und bleibe für die Kunſt verlos 
ren. eine grotesfen, bizarren, chaotifchen Gebilde 
erregen dann jwar immer noch das Erflaunen auch 
des Kenners, wegen der ungeheuren Kraft, welche 
daran — verfchwendet ward; aber eben besmegen, 
weil fie verfhwendet ward, folgt, wenn die kurs 
jen Augenblite des Etaunens vorüber find, — ein 
mitleidiges Achfelzufen ; denn nun tritt der Verſtand 
in feine Rechte, und wenn diefer Überall nichts als 
Zweckloſigkeit und Widerfpräche gewahrt; fo verwan⸗ 
beit fi das Vergnügen, melches eine momentane 
Eraltation der Phantaſie und des Gefühls gewährte, 
in — Ueberbruß, Widerwillen, Ckel. Dies mag 
wohl hart Elingen; aber es ift wahr. 

Ha! — wendet man ein —: das Beftreben, den 
Forderungen des Derftandes Gnuͤge zu leiften, iſt 
zwar fehr löbli; aber es erfältet das Feuer, es 
laͤhmt die Schwinge des Genies. Ich läugne das 
gradezu, und glaube hier blos die Etimmen der Trägs 
beit und Unroiffenhelt zu vernehmen. Der naͤchſte 
Zwei der Kunſt it, Genuß zu verſchaffen. Der 
höchfte Genuß beftcht im erhöhter Thaͤtigkeit und Ber 
friedigung aller Kräfte der Seele, Der Verſtand 
iſt die vorzäglichfte derfelben; alfo darf diefer durch: 
aus nicht Übergangen werden, wenn der Künftler 
das Höchfte leiften will. Iſt das Genie mit den 
Forderungen bejfelben innerhalb des Gebietes der 
Kunft, innigſt vertraut, — bat es feinen Zweck wohl 
in’s Auge gefaßt, — Fennt es genau die Mittel, no: 
durch er erreicht werden Fann, fo wird es feinen Gang 
durch ihm fo wohlbefannte Gegenden, mit vollfom: 
mener Eicherheit und mit weit größerem Vertrauen 
antreten, als jeder andere, der ohne Führer und 
Kenntniß diefe Labyrinthe betritt. Diefer muß bei 
jedem Schritte, welchen er vorwärts thut, zittern 
und jagen aus Furcht, ſich in taufend in einander 
gefhiungne Maͤander zu verirren. Weit entfernt 
alfe, dab Studium der Kunft die Thaͤtigkeit des Ges 
nies lähmen follte, ftärft es vielmehr diefelbe, indem 
es ihm einen Compas in die Hände fpielt, mit deſſen 
Hülfe es ſich uͤberall leicht orientiren fann, — Das 
rohe Genie wird gleich dem £ufiball, ein Spiel der 
Winde, fo kuͤhn es fich erhebt; das gebildete Genie 
gleicht dein Adler, der mit gemaltigem Fluͤgelſchlage, 
felbft gegen den heftigſten Eturm, feine gewählte 
Bahn zu verfolgen weiß, 

Aber — behaupten die Freunde der Gemaͤchlich— 
feit, und zwar mit einigem Schein der Wahrheit, — 
wenn auch nicht des Studiums der Kunft, doch gar 
wohl aller Büchermweisheit fann das Genie ent: 


behren; es darf ja nur, ſagen fie, aus dem Quelle 
ſchoͤpfen, melder der Urfprung aller Künfte und 
Wiffenfhaften if, — aus dem caftalifchen Quelle, der 
erig in feinem “inneren fließt. — Auch diefes läugne 
ih. Kine ſchon entdedte Wahrheit anerkennen, ift 
das Werf eines Nugenblids; aber eben diefe Wahrs 
beit zu entdeden, braucht es oft jahrelanger Anftrens 
gung, und dernoch gelingt es nicht immer, Warum 
ſollte alfo das Genie die von andern Genies längft 
aufgefundenen Echäge nicht benugen? Warum follte 
es feine Kräfte verzehren, um ſchon entdedte Wahr: 
beiten noch einmal zu entdeden? Warum ſollte es 
nicht durch fremde Irrthuͤmer eigene vermeiden und 
Mittel Fennen lernen, welche die Erfahrung ſchon 
längft als zum Zweck führend, bewährte? — Tas 
Genie ift eine fo feltene, koͤſtliche Gabe der Natur, 
daß es fogar Pflicht wird für den, welchen fie damit 
beglüdte, feine feiner Kraftäußerungen für die Welt 
verloren gehn zu laffen, und folglich ſich aller über: 
fibffigen zu enthalten. 

Dem DMichtgenie freilih fann das Etubium der 
Kunft das mangelnde Genie nicht erjeßen; es wird 
dadurch eben fo wenig fähig gemacht, Kunflmerfe 
bervorzubringen, als ein Eunuch durch die Theorie 
der Zeugung in den Etand gefeßt wird, fich fortzus 
eflanzen. Do auch ihm wird eine kurze leichtiaß« 
liche Aefihetit wenigftens auf andere Weiſe nuͤtzen. 
Lernt es die zjahllofen ungeheuren Echmwierigfeiten 
der Kunft, welche nur das gluͤcklichſte Genie in fels 
nen glädlichften Augenbliden zu befiegen vermag, in 
ihrem ganzen Umfange fennen; fo wird es von eitlen 
Merfuchen, die ihm nothmendig mißlingen muͤſſen, 
vielleicht abgefchredit werden. Wahrlich! diefer mög: 
liche Nutzen allein ſchon macht die Nothwendigkeit, 
die bauptfächlichften Saͤße der Theorie der Kunft, in 
leicht verftändlicher Auseinanderfegung, in allgemels 
neren Umlauf ju bringen, fehr einleuchtend. Der 
wuͤrde fein kleines Verdienſt haben, dem es gluͤckte, 
der Talentlofigfeit, die von der Natur jur Handhas 
bung gröberer Werkzeuge — des Beils und der Saͤge 
vielleicht, — berufen ward, — bie Feder, den Pinfel 
oder den Meiffel aus der Hand zu fpielen. — 


— bt, 
(Die Fortſehung folgt.) 
Ueber Hofrath Adelungs metrifche Der 
deutſchung des Calpurnius, 


er Korrefpondent des Freimuͤthigen, welchen Herr 
Hofrath Boͤttiger in No. 180, dafelbft einen firen: 
gen Cenſor des Adelungfchen Calpurnius nennt, hält 
es nach jener Aufforderung für Pflicht, fich zu einer 
Beurtheilung deifelben zu befennen, die, ungeachtet 


fie nicht die volllommene Zuftimmung  diefes wuͤrdi⸗ 
gen Gelehrten findet, doch das Zugeftändnig von 
feiner Eeite für fi) anführen darf: daß bie dars 
in gelieferte Probe jener Ueberfegung 
allerdings niet geeignet fey, dasjenige 
zu widerlegen, mas in Anfehbung ihrer 
im Allgemeinen behauptet worden ift. 

Um fein Urtheil fo parteilos als möglich zu be 
legen, bat der Beurtheiler, ohne forgfältige Wahl, 
grade die Anfangszeilen der erften Idylle 
berausgehoben, weil bei einem Überfeßten Gedicht der 
Anfang und bie erften Verſe deffelben, gemöhnlid — 
und faft immer — binreichen, das Ganze zu charak⸗ 
teriſiren. Daß fich indeffen aus der in Rede ftehen: 
den Ueberſetzung „auch manche gelungene Stelle mit 
leichter Mühe auffinden laffe,“ iſt er eben fo wenig 
— und nah der Behauptung des Hrn. Hofrathe 
Vörtiger um fo weniger, — geneigt, in Abrede zu 
ftellen, als er überhaupt nicht gemeint war, die fon: 
fligen Verdienſte des Heberfeßers in Schatten zu ftel 
len. Eeine Beurteilung, oder vielmehr — vorläufige 
Anzeige, reducirte fi auf die bloße Frage: Db 
Kerr Hefrath Adelung bewandten Umftänden nach 
nicht vielleicht beſſer gethan hätte, feinen Autor in 
ungebundener Rede zu geben? Auch hat er die be 
fheidenen Aeußerungen deffelben in der Vorrede zur 
Ueberfeßung, niht— wie man zu glauben ſcheint — 
ju erwähnen vergeifen, und dem zweckmaͤßigen Ron 
mentar, wie ihn dünft, alle Gerechtigfeit wiederfah: 
ren laffen, indem er in Hn. Hofrath Boͤttigers Acu: 
ferungen darüber, feine eigene Meinung wiederfand. 

Von Hu. Adelung felbit mißverftanden oder miß⸗ 
gedeutet ju werden, würde ibm, bei feiner perfänli- 
chen Hochachtung für denfelben, wehe tun, und em: 
pfindlicher ſeyn, als diefem vielleicht die unwillkom⸗ 
mene Würdigung feiner Arbeit. &o mie er, indem 
er es mit der Sache zu thun hatte, der Perſon nicht 
dachte, wird auch diefer, jene davon zu fcheiden wiſſen. 

Was nun — — um nicht länger in der dritten 
Perion zu reden — mein Dafürbalten in Anfehung 
beifen betrifft, daß ber von Hn. Hofr. Adelung über: 
tragene Dichter der ganzen Mühe einer mwerelihen 
Verdeutſchung kaum märdig geweien feyn möchte, fo 
geſtehe ich, dabei hauprfächlihp nur darauf hingeſehen 
zu haben, daß folcher Fein eigentlicher Klaffiter, und 
nur Nachahmer älterer Dufoliker ſeh. In dem Licht 
aber, das Herr Hofrarh Boͤttiger um die Sache vers 
breitet, läßt fie gr auch von einer gefälligeren Seite 
betrachten. 

Aufgefodert von bemfelben, babe ich das Viſir 
geöffnet, — nicht um mit ihm zu kämpfen, fondern 
um dem Zufall zu banken, der mir Gelegenheit 
giebt, einem Manne, zu deffen waͤrmſten Derehrern 
ich mich ſchon längft im Grillen zählte, bier öffent: 
li meine Verehrung an den Tag legen ju koͤnnen. 

Mitau, d. 10, Sept. 1804. Albers, 


Nicht-politiſche Zeitung Nro. 54. 


Aus Englifchen Blättern, 


O das er in Rufland 
qubradhte, einen reinen Gewinuf von S0,000 Rubeln gehabt. 

Züri trat ii bondon eine jumge, fcdhöne, fehr elegant ger 
Heidete Dame in einen Galanterie: Laden und lich ſich die vor⸗ 
rärhigen Briuant⸗ Ringe zeigen, bei deren Beurtheilung, fie ſehr 
feinen Seſchmact verriet. Imdeh fie mod mit Ausſuchen bes 
ibärtigt war, frat cin Bedienter im einer prächtigen Livrie 
herein und kündigte ihr am, Sir Nobert halte hon mit feinen 
Wagen vor der Thür Die Nachricht fehlen fie fchr zu ers 
freuen; fie besagate für zwei Ninge Im der Geſchwindigteit, was 
man verlangte, und eilte in den Wagen, im welchen der Mies 
diente ihr folgte, uud fuhr fchmelt fort. Diefer Umſtaud düntte 
den Kaufınanm ſtitſam. Er umnterfuchte jeinen Vortath von 
Ringen, und fand daß die Dame, außer den zwei heinbiten, auch 
fünf anbre mitgenommen hatte, berem Verahlung ihre zartliche 
Ungebuid zu Sir Robert gu fonmen, fie vergeſſen lies, 

Zu Ne: Mil: End befigen bie Methodiſten und die Maͤh⸗ 
riſchen Brüder eine gemeinſchaftliche Kavelle, in welcher die er⸗ 
Ren drei Tage, die amderm zwei Tage In der Woche ihrem Got: 
tesdienft Kalten. Als diefe aber turzlich auch nech am einem 
dritten Tage fi zu verſammeln anfingen, kam es pwiſchen ben 
Heiden ſitlen, gottſellgen Exften, bie gegen bie Welttinder fo 
fanfemirtbig und duldend zu fenm pflegen, zu einem aut ben 
tigem Etreite, der mir ſo dethaftem Eiier gefuhrt wurde, alsı 
fon ame unter neigen Statt finde, Die Methediſten ber 
haupteten, wenn die Mahriicen Brüder ſich diter versammeln 
dürsten, fo würde ihre Mrt der Gottſeltgteit ſich weiter verbreie 
ten, und fie fig doch nicht die rechte Ein Deutiher Prediger, 
der ithtern ermiederte: Geiner Sekte gelühre der Vorrang, 
dem der Welihelland beſande ſich jcht in London, umd fen ihr 
beigetreten. Der Richter forderte ihn auf, dad zu Beichmeßren 
umd die Adreſſe der genannten berdachtigen Perſen zu geben, 
aber der Prediger jand das nicht gerathen. — 

— Das Sommer-Theater zu Hay-Market iſt geſchloſſen, 
und dagegen find Die Winrerbuhnen iu Coventgarden und Dru— 
Mant geöfwer worden, Das Verzeichnitz die Stücke die Dort 
gegeben werden, zeigt, daß fir die Deutſchen Bühnen Dort noch 
durch Ueberfegumgen viel zu gewinnen ware; aber feit einigen 
Jahren haben die Icherfogungen Grausdfirder Stucke, in Deut che 
land die Engliichen fur ganz verdrangt. Auch im Enguaad 
Haar man barüker, daß, wenn ein Schauſpieler oder cin: Echau⸗ 
foielerin im emem Fache sefalten haben, sie ſich dadurch ‚Kersanige 
halten, alle bedeutende Rollen deſſeiben am ſich au reisen; dan 
fie diere Uiarpation fortiegen, bis Das Atter dieſe gradezu lacher⸗ 


tich mache, und dar dadurch viele junge Kimikier von Talenten 
niedergebalten, wohl gamilich verhtudert werden, ſich auszu⸗ 


bilden, Aus Franzöfifhen Blättern. 


Die Kte Kummer der Archives hieraires enthält unter an⸗ 
dern ehr interemmanten Aufſatzen, auch Auszuige aus dem Vrien 
wechiel Eatharina der Gronen mit Zimmermauu und cine aus 
dem Engliiden iiberiegre Abhandlung iiber das Ehadiviel der 
Ehingen, Den Annalen von Ehina yufolge, ward das Schach⸗ 
fedet im dieſem Reiche, 200 Iabr vor Chriſti Geburt errunden, 
> zwar von efmem Krieger. Mertwurdig in ed, daß die His 
zur, die man in Europa die Königin und in Perfien den Bisie 


nennt, bei dem Chintſen feit uralten Zeiten der Fenerfünfter, 
oder uns europälich ausjubrüden, der General der Artilierie 
beit. Ob ſich aber daraus ſchlieffen laßt, daß die Chineſen 
das Eciehpulver erfanden, iſt wenigſtene pwociftthaft. 
—Der berühmte David hat den Aujtwag erhalten, die Krö ⸗ 
muugd + Ceremonte zu malen. 

— Die Zahl der Arbeiten, welche dieſes Jahr Me Parifer 
Kunſtaueſtellung seren, IR 1200; fünfhundert find zurũckgewie ⸗ 
fen werben. Das Gemälde von Gros, dad von dem jlıngen 
Künfkiern gefrönt wurde, beichreitt eine Zeitung folgendermaßen. 
In der Mitte ber Compofitiom fcht, vom amei Origieren und 
ben eriten Keriten der Armee benfcitet, Nunmaparte, und beruhrt 
mit der Hand die Beulen eines Peſtranken, ber, bis auf dem 
Gürtel entblößt, mod Hark genug iſt im ſitzen und dem Gene⸗ 
ral im antworten. Beben ibm wird ein andrer ſchon befin« 
nuna⸗loier Kranker, von einem Negupter aufredır erhalten, inbeh 
ein alter Arabiſcher Atzt an ibm eine Operation vollzieht. 
Weiter links ſintt ein zunaer Eurodaiſcher Wandarzt in Ohzn⸗ 
macht unter einem Sterbenden, deſſen Kopf und Körver er 
fügte, Hinter dieſer Grup: ſteht ein blinder Soldat, im ick 
nen Mantel zewickeit und lauſcht auf das Gejpra der Hauot⸗ 
gruppe. Rechts, wo Das Homitai cine dange Gallerie ſcheint, 
ſieht wur ım Edbasten mehrere Peſtkranke in Gompulfionti; 
weiter genemddie Mitte. bin einige shömgeihattete, Araber, Die, 
mit jeher vubigen Gerichrerm , Lebeusmittet md Crrehichungens 
austhellen. — Bei Diefer Gelegenheit vottet der Abbe Geof— 
frei, und zwar mit Mode, Mber die Voreiligteit und Die Uns 
maatzung der jungen srinfler, ſich munter einander delt? Preiſe 
ausmertennen, und erinnert am ein allegeriſches Genalde vom 
hennzguln, bad auch vor einigen Jahren von den Küniers 
getrout, und acht Tage madher bergeſſen ward, — Wat das 
befibriebene Gemalde betrigt: wenn es Dem Kumflier nicht au 
getragen wurde, jo beweid ſeine Wahl des Gezenſtandes 
und die Compoſition, eben nicht viel fur ſeicien Fedmaf. Das 
Ganje, ſollte man aus der Beſchrribung ſchliegen, eiamer ſich 
mehr dazu Ekel, als Kunſtgenuſt gu gewährten. Die Ordnung 
der Geſtalten umd dad Colorit wird gelobt; bie Zeichnung ſoll 
fehlerhaft feun. 


Aus Berlin, 
am 3. Oktober, 


© dem ıften ih bie Ausgellung der hiefisen Kuntatademie 
eröfet. Das Verseibuiä enthalt 601 Nummern, da aber von 
ſciedentlich eine ganze Kerbe vom Arbeiten Eines Annſtlers, Die 
felbe Kummer ‚bat, ſo mödıte die Zahl der auigefielten Sachen 
wohl weit über 700 hinansgchn. Dad Gemtſch von gutem, 
mittelmahisen und ſchlechten Arbeiten iſt ſehr bunt, aber +Bie 
Vorrede des Verzeichniſſes bemertt mit Recht: „dak man die 
Ausſtellungsſale einer Alademie nicht mit den Er— 
wartungen betreten darf, die man im eine Gallerie von 
Kundwerten mitubringen berechtigt if. Diefe Forderung 
it billizz dech wenn man vom der einem Seite jugiebt dan bier 
nidıt jo firenge, wie im Paris gewahlt werden bar, ie 
milite — es dech von der andern Seite ſehr suangenchm wir 
ten, wenn man auf Dinge fosen ſollte, bie ſchlechterdings 
nichts bewirken können, als Achſelzucken. Auch Anfanger dire 
fen 06 fordern, das ben Proben die fie von ihren Anlagen 
argeben haben, der Vlatz bier micht verweigert werde, Veweiſe 
von offenbarer Anrähägteit für die Kumf aber, mag fie nun eim 
Brojeier und Direktor, oder ein angebender Schnter abgelegt ba: 
ben, aehören nicht hieher. Wir wollen jeher ob man 
vermieden hat, fie auftunchmen. — Doch verſteht es ſich: da 
dirfe Ausſtellung nicht blon arlungene Werke der Gemunderumg 
darbieten,, ſondern auch von den Gorticritten junger, angebens 
der Kimilier Protin vorigen fol, fo iſt eine Areuge Kritit nur 
dort am ihrem Plage, mo etwa ein alter Kimfler und Lehrer, 
verrathen haben ſolitt, dafi er nicht zugleich Meitter if, — 
‚ (Die Fortegung folgt.) 


— ⸗ ñ —— — — — ñ 





1804. Nro. 200. 
ARBSTIDES. 
Der Sreimüthige 
Sonnabend, — (000 — — den 6, Dftober, 


e rn 


Literatur der Muſik. 


Methobif des Clavier- und Pianofortefpiels, 
Bon Friedrich Guthmann. Nürnberg uud 
Leipzig, bei Friedrich Campe 1805. 


Din Heine Werkchen ift mit viel Einfiht, Sad: 
kenntniß und Kunjifinn gefchrieben. und daher jedem 
angehenden Lehrer, ber ſich dem Unterrichten im 
rigen widmen rill, zu empfehlen. Der 

erfajfer ſcheint mit der wahren Art das ‘Piano: 
forte zu behandeln, fehr vertraut gu fein, und ſetzt 
feine Staͤrke nicht darin, die Züge auf und nieder 
zu Elappen, und über die Taften hinwegzuwiſchen. 
eine Hauptvorſchrift ift: den beiden Händen eine 
gleiche Staͤrke zu geben, die von Natur ſchwaͤcheren 
Ense durch anhaltende Uebung den flärferen gleich 
zu machen, und dadurd den Echüler in den Etand 
ju feßen, ſewohl mit der linken, als mit der red 
ten „and alle vorfommende Schwierigkeiten ju übers 
winden, und einen reinen und präcifen Vortrag ſich 
eigen zu machen. Die lebungen, die er derwegen 
vorſchreibt, find gut, und zu empfehlen. Beſonders 
haben dem Mecenf. pag. 20 jene gefallen, wo mit 
den rar ganze Morten angehalten, und zu giews 
cher Zeit mit den beiden Fingern andere Noten ange: 
fhlagen werden. &s ift diefes bie befte Art beiven 
Händen eine Feftigkeit zu geben, bie ohne biele 
Hebung vielleicht niemals erlangt wird. Weit den 
Terjen: und Serten: Gängen den Echüler ſehr früh 
befannt zu machen, wäre Kecenf. nicht der Meinung; 
fo wie er Hingegen roünfchte, daß er in der eriten 
Zeit feines Unterrichts durch alle harte und meiche 
Tonarten, jeden Tag mebrmal die Käufe auf und ab 
Öbe, damit dadurch der Daumen, welder als der 
kürzefie Finger jo viele Schwierigkeiten verurfacht, 





und 


S ——4 


um Unterſchluͤpfen gewoͤhnt wird. t er di 
3 uͤberwunden, fo werden 8* die Fan 
vn: und Gesten: Gänge meit leichter fallen. Auch 
Recenſ. miht gan; der Meinung, daß man den 
chuͤler erft fpät mit der Tonart, woraus ein Srüd 
ehe, befannt made. Man fann ihn ja, wie der 
erfaffer ſehr richtig die Uebungen der Finger in 
allen Touarten vorſchreibt, eben fo Handſtuͤcke, 
deren jedes nur aus einer kleinen und leichten An— 
zahl von Taften befteht, um der Tonarten willen. 
gleich von Anfang üben laffen. Was der Derfujier 
pag. 35 vom Kinftudieren der Stüde, ferner vom 
Zaft u. dgl. fagt, iſt vortrefflih, und zu befolgen, 
Recenſ. flimmt ganz mit dem überein, was pag. 45. 
und tefonders 46 vom Dlattfpielen (prima vista) 
vorgetragen wird, und feßt noch binzu, daß er für 
biefe — von Kennern und Niäptkennern fo hoch ge: 
priefene Spielart — gar nicht ſtimmt. Kein großer 
Meiſter wird aud jemals in einem großen Zirkel et 
mas, das er nie geſehen hat, vom Blatt ſpielen. Daf 
von Partitur lefen hier nicht die Rede fen, verfteht ſich von 
feibft. Eben fo freuet ſich Recenſ. pag. 51 etwas Parteis 
Iofes und Vernönftiges über das Pianofortefpielen zu hoe 
ren. Er iſt weit entfernt, das Kkavier ganz ju vermers 
fen, doch jieheter ihm unbedingt das Pianofortevor, 
Der Berfajfer ſcheint die Eigenfchaften diefes Inftruments 
genau zu fennen; was er darüber fagt, jeigt von einem 
geübten Meifter. — Das ganze Werkchen ift libris 
gens in einer guten Sprache, und «inem angenehmen 
faptichen Vortrage abgefaßt. Es I zu wänfchen, daß 
der Derfaffer für geübtere Spieler einen zweiten und 
dritien Theil nadhfolgen layfen, worin er mit feiner Eins 
fit und Erfahrung, die gegebene Winke eines E.V. E, 
Dach, eines Türk, eines Elementi, und eined Cr 
mers zu benutzen ſuche. Für feine Bemühungen muß 
ihn der Dank derjenigen belohnen, die ihr Gemuch 
durch diefe ſchoͤne Kunſt erheben wollen. 


Andantino, 








— — — 


— 278 — 
Das Vergißmeinnicht. 





— — 





EEE 


Comp. vom Berf, 





es 





Baͤch⸗ lein fo 


== m — 





dicht, 








Atwente Strophe. F 


RI Ne 
Und meift du, mein Traut: ben, und bab’ ic bir —— 











Be Denn 


Treure Ges bot, den Hieb» ir ben Mas men ach!, gab ihm der Top, 





een ee Fee 














——— — — =. — 
DEREN, Bess — == 


¶Alle Strophen —— + begeichnet, werden mach dieſer, Die unbegeichneten mach der erien Melodie geſungen) 


Des Vergißmeinnicht. 
Romanze 


J ale da druͤben, am Baͤchlein ſo dicht, 
Da bilder das Blumchen, Vergißmeinnicht! 
- € blühet auf träglichem fumpfigem Moor, 
Doch leuchtet fein Schimmer vor allen hervor, 
+ Und * Du, mein Trautchen, und hab' ich Dir ſchon 
Erjaͤhlet die traurige Kunde davon ? 
Wohl nennt Dir fein Name der Treue Gebot, 
Den lieblihen Namen ach! — ibm der Tod, 
Ein Yüngling fo herzig, ein Mädchen fo treu, 
Sie —2 * am Baͤchlein vorbei; 
Der Lenz mar gekommen, die Nachtigall fang, 
Und Blumen ergrünten dem Ufer entlang. 
Wie wehen die Lüfte fo füß und fo mild, 
Wie malt fit) im Bache der Liebenden Bild; 
68 flüftere des Abendwinds duftender Hau, 
&s neigt Sich die Roſe am blühenden &traug. 


Und als fie fo gingen dem Ufer entlang, 
Und tönte der Fracprigail füßer Sefang, 
Da pilüct fie, zum lieblichen Kranze gereiht, 
Dem Juͤngling die Roſen, der Liebe geweiht. 
„Mehl dufrer die glühende Roſe fo ſchoͤn! : 
Dec) fiehft Du das Blümchen am Ufer dort ſtehn? 
Sa blüht es fo heimlich, und unbefannt — 
Erin ame ward nimmer der Liebe genannt!“ 


* 
„Es naͤhrt ſich und glaͤnzet von ewigem Thau — 
Sein freundlicher Schimmer iſt himmliſches Blau; 
Die Gluten der Eonne veriehren es nicht, 
Die reißenden Stürme zerflören es nicht.“ 


„O trög” ich, des Inneren Zaubers bewußt, 

Das lieblihe Blümchen an liebender Bruft! 
Ich hegt' es und pflegt" es mit forgfamer Hand, 
Und hätt" es das Blümchen der Treue genannt. * 


Und als fie die traulichen Worte fo fang, 

r Juͤngling behend an das Ufer fprang; 
Tief unter ibm wanfte das ſumpfige Moor, 
Kaum hielt ihn der quelligte Raſen empor. 


+ Und De (don bat er das Blümchen gefaßt, 
Da theilt ſich das Ufer, er finkt und erblaßt, 
Und wie ihm der berfiende Boden umflidt — 

So ruft er noch flerbend: Vergißmeinnicht. 
hg Lenz war entfloben, der Sommer verfhmwand, — 
as Mädchen ſaß ſchweigend an Ufers Rand; — 
Wohl trug fie das Blümchen an liebender Bruſt, 

Doch hin mar der Liebe begiüdende Luſt. 

Und einft, als der Morgen die Thäler befchien, 
a lag fie erbleichet auf —— Gruͤn * 
Noch bluͤht' ihr das Blümchen in Falter Hand: — 
. Da ward es das Blümchen der Treue genannt, 


Ch. Schreiber. 


m ——— —ñ DEE — 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 57. 


Yus Berlin, 
am 3. Öftober, 
(Fortiegung,) 

Du Anfang mögen heut swei Gemälde machen, bie beim 
erſten Blick das Vortrefflechſte icheimen, was bie biesjährige Muse 
fichung im Fach der bikerifhen Malerei ber Bemum 
derung dartieret. Sie bangen im vierten Saale neben einan⸗ 
der, und jo dal fie den Hereintommenden ſchon beim (Eintritt 
dm den zweiten Saalt, im! Auge fallen können, aleichſam als 
wollte man mit ihnen prumfen, und die Wahrheit zu fagen, fie 
einen fich recht ſehr dazu. Das me in vom Meter Here 
WWeitih, das andre vom Proſeſſor Herrn Bardou. Welches 
das beffere it, mögen die Leſer felbit enticheiden, mad dem er 
richt, den ich ihnen von beiden ablegen will, 

Auf dem eimen dieſer Gemälde fieht man im einem Kirchen ⸗ 
wewdiße eine himmliſch⸗ fhöne Nonne, — ben Rüden nach 
eimer Bildfaäule der heil. Jungfrau getehrt, — 
mit gefaltenen Handen Intern, Ihr Auge blickt, oder Mraft wie 
mehr andadıtig gen Simmel. Neben ihr Acht ein Mann in Kos 
iatentteidung, mit blogem Edwerdt. Der Anblick frappirt. Mar 
fieht ihm angftlich Ind Geſicht. Win ee ihr ein Leid thun? 
Sicht dad! In feinem woblgebilbeten Geſicht iſt ſchlechterdings 
tene Leldenſchaft, im nice einmal Rohheit. Beruhigt kehrt 
man ji der Betrachtung der ichönen Himmelsbraut zurück, 
Bis — ein Blick feitwäarts auf das andre Gemalde fallt. 

Hier liegt im einer wilden Felsgegend eim eben jo ihönes, 
aber flerbendes Mädden auf dem Boden. Ihre Rechte drückt 
ein Gewand auf ibre Brut: man erfennt an dem Framprbaft 
aeuchtem Munde, am dem erloſchenden Auge, daß fie elme Hunde 
wirftecht. Ihre Binte iſt zu eimem Greiſe emporgehoben, ber, 
eine beroiich s eble Geſtalt in voller Warrenrüftung, das äuferfe 
Entiegen im Geſicht, fi Über fie Hinakbengt. 
grunde flarren ein Vaar Gruppen vom traftvollen Kricgergeſtal⸗ 
ten auf die Sterbende und dem Wernmweircinoen him; meben Dim 


Im Hinter» 


fen blickt ein Jagd» oder vielmehr Krieasshunb Kerbor und 
macht mit feiner wilden, aber michts + ſagenden Thierohnfiognemie, 
einen furchtbaten Komtraft mit den edein Menſchengeſtalten von 
ber höchsten Leiden. 

Man abjtrahire narı von der Musführung beider Gemälde, 
man verueffe die Geſchiſchte die fie dartelleu; man bafte nur 
an der Gituation, bie fie jeigen, am dem Gefühlen, bie fie 
ausprucden: welches weist, ergreift, rührt die Seelt mehr, 
beichwingt Die Phantafie umd erichüttert das Herz? Gam gewiü 
das Iegte. Wurden diefe beiden Gemälde mach tauſend Jahren 
wichergeiunden, wo man gar nichte weiter von ihnen mühte, 
als was fid) im ibmen ſelbſt deigt: immer noch würde das zweite 
tief bewegen, das erfie, (ich wiederhole 24: abgeichen von 
der ANusfübrumg;) mur bie Neugier relien, Denn: — bie 
Idee des degterm int bei weitem, if olme allem Vergleich, bie 
portiidere, Die reicite, die ſorechendſte. Ein reiiendes Mad⸗ 
dien, in volier Bluihe der Jugend, ohne Rettung dem Tode 
geopfert, ſtrebt noch liebtvoll empor, um einem ehrwürdigen 
Heldengreis Worte des Troften zu jagen, ihm ihre Wunde mu 
verbergen; — und er erflaree vor Entiegen bei ihrem Anblid. 

Jetzt fingen wir die Erklärung auf, Das letzte Gemälde 
von Weird, Mitte den Tor Vosminas vor Fingal erſchtug 
den Rauber des Madden: und ihrer Ehre, und indem ber 
Eieger triumohirend bingieht, findet er bie aelichte Tochter, 
um die er kampbite, ermordet. Welch ein Inhalt! — 

Das ertte Gemälde, vom Vardou, ſtellt bie Gage dar, da 
eine Preuniſche Nonne einen Litthauer, der ihr mit Gewalt — 
Liebes anthun wollte, eimbildite, fie befdie einen Zauberſpruch 
gegen Verwundungen. Gie forderte ihn, zum Bewelie, auf, 
einen Erreih auf ihren Hals, zu num. Er tbat din, und — 
ihr ſchöner Kopf fiel ihm wor die Zühe. — Weſſen Gefühl kann bie 
fiberipannte Frömmiatelt des Madchrus bewegen? Ihre Schenheit 
beichäftigt nur die Zinntichteit. Doc jegt zur Ausſuhrung. T. 


Die Tortiegung folgt.) 





1804. 





ARISTIDES. 





Nro. 201. 


Der Sreimüthige 


Montag, 


ern f 


und 


den 8. Öftober, 


Sdher; 





Ueber die Literatur der Letten, oder vielmehr 
bei den Letten. 


©, auffallend vielleicht fchon die Ueberfchrift fcheint, 
indem man fhwerlih bei einem Dolfe Literatur 
erwartet, das eigentlich kaum felbft als eriftirend zu 
betrachten ift; fo auffallend — und um fo auffallens 
der muß die Bemerfung feyn: daß jeßt vorzüglich 
die ſchoͤne Literatur bei den Leiten Eingang ge: 
winnt! Das Gemwagte bdiefer Behauptung möge vor 
der Hand die Nachricht mildern: daf unter andern 
Schillers befannte Dde an die Freude, und Kotzebues 
Schauſpiele ins Lettiſche Übertragen worden find. 
Zwar find diefe leßteren noch nicht erfchienen, fons 
dern erft angefündige worden, weil für dergleichen — 
gemeinhin auf dem Wege der Pränumeration (die 
bei Bauerſchriften allemal von der Gutsherrfchaft 
beforgt wird,) erft der Abſatz gefichert zu merden 
pflegt; indejfen läßt ſich ſchon daraus Fein unguͤnſti⸗ 
ges Nefultat für die nahe, beginnende Kultur der 
Letten folgern, Ein Gaumen, dem man folche Ges 
rohchfe aus einem ihm ganz fremden Himmelsſtrich 
glaubt bereiten zu dürfen, muß doch wohl nicht ganz 
ohne Geſchmack dafür fern? Auch haben bie Letten 
ſchon früher ein Theaterſtuͤck und, außer ihren vielen 
Religions: und Eittenbüchern,, fo manches andere 
nicht bios zur geiftlichen, fondern aud zur gels 
ffigen Erbauung gefepriebene Buch, das wenigſtens 
feinem Titel und Inhalte nach befannt zu werden 
verdient, um darnach ungeführ ben Grad und Cha 


rafter ihrer Ausbildung zu beftimmen. Mur un- 
terfheide man bei biefer Gelegenheit 
wohl die Letten in Kurland, von ihren 
nahbarlihen Brüdern In Liefland, und 
unter jenen felbft die fogenannten Ober: 
länder oder eigentlichen Rurländer, welche 
den Strich an der Lieflaͤndiſch-Polniſchen Örenze bes 
wohnen, von den Eemgallern. Denn, wie jene 
diefen ſchon im äußeren Wohlſtande nachſtehn, fo ift 
es auch — und noch mehr — in der Kultur ihrer 
Eitten und in der Geiſtesbildung. Bei diefen ver⸗ 
raͤth bereits ihr ganzes Aeußere, ihre Tracht, ihre 
toͤrperliche Haltung, die Bauart und innere Einrich: 
tung ihrer Wohnungen sc. daß ihre dringendften Be: 
dürfnijfe befriedigt find; beim Anblick jener bingegen, 
wird man nur zu fehr an das Salluſtiſche veluti 
pecora, quae natura prona atque ventri obedien- 
tia fixit, erinnert, Wie laßt fi daher won dieſen 
wohl erwarten, daß fie nur — mehr als Erbfen — 
lefen könnten? Sa den erwähnten übrigen Ge: 
genden Rurlands aber, giebt es beinah feinen Bauern, 
der nicht ſchon mehr als lefen, — der nicht dabei, 
zum mindeften, zur Moth auch rechnen koͤnnte. 
Manche haben fogar in den bie und da von patrios 
tifchen Gutsbeſitzern etablirten Diftritts « Schulen 
Gelegenheit gefunden, mit den Elementen mancher 
Wiffenfhaft "befannt zu merden; und biefe gehen 
dann nicht felten darauf aus, ihren Sbhnen, fofern 
es die Umflände und ihre Kräfte geflatten, eine 
frädeifche Erziehung zu geben. So babe id felbft in 


der Gegend von Mietau Bauern gefunden, die Ihr 
ren Eöhnen Privat: Lehrer hielten; von anderen {ft 
es mir befannt, daß fie diefelben in ber Etadt in 
Penſion gaben und dort in die Schule thaten. Eis 
nen fenne ich noch jekt, der feinen Sohn, melder 
ein braudhbarer Gelehrter geworden und jekt Haus: 
lehrer ift, auf einer auswärtigen Uniwerfirät fiubies 
ren ließ. 

Menn gleich die Anzahl der Schulen und Unters 
weifungeanftalten für die Ketten, in Kurland geringer 
als in Fiefland ift, fe moͤchte doch im Ganzen für 
den eigentlichen Unterricht derfelben, in Kurland mehr 
als dort gethan werden fern, und für ihre allmählige 
Fortbildung immer noch viel eifriger geſorgt werden, 
Daran ift in Liefland nicht fowohl die Unzwed maͤßig⸗ 
feit der Bauerjchulen und ihre mangelhafte Einrich: 
tung Schuld, fondern vielleicht auch der größere phy: 
ſiſche Drud; mit welchem der Bauer daſelbſt feirher 
zu Fümpfen hatte, und eine Art von Gleichgültigkeit 
gegen den Etand deifeiben Überhaupt, den man im 
Allgenieinen dort wahrgenommen baten will. Allein, 
ſchon geht die langgenährte Hoffnung, daß es anders 
werde! in Erfüllung. Und freudig blidt das heutige 
Geſchlecht auf das Gluͤck Fünftiger Generationen! *) 

Ein Bild von der Erziefung der Bauerjugend 
und von den Schulanſtalten in Liefland, das vor 
kurzem ein wuͤrdiger Religionstehrer dafeitft mit trefe 
fendem Pinſel entwarf, verdient, weil es ſo viet 
Wahrheit, und zugleich fo viel Charakteriſtiſches ent: 
bält, um fo mehr bier ausgehoben zu werden, da e4 
an einem Drt aufgefiellt wurde, **) wo es bei feiner 
Ausftellung zugleich der Vergeſſenheit Preis gegeben 
— und, mit allen darin enthaltenen Vorfeplägen zur 
Derbefferung jener, leider denn auch, bis jegt, ein 
Kaub derfelben ward. Hier iſt es. 

— „Man denke fih eine folhe Dorfes: oder 
Gebietsſchule, wo in einem vwerbältnißmäßig engen 
Raume, ohne Unterfchied des Geſchlechts und der 
Fortſchritte, 30, 40, 50 — ja auf großen Gütern 
von 20— 40 Haafen wird die Zahl Über hundert 
fteigen, — arme Bauerfinder zufammengepreft fiud, 





Aum bed Red. Meiiende von Kenntniß und Cine 
ſicht verficherten mich, die neuen Leiſtungsbeſtimmungen in Lieiland 
fielen fo: aus, das Die Bauern mehr trügen als vorber, und bie 
wene für Ekbland entmorfene Gomflitution ſchnitte dene 
Bauern ale Wöslidteit ab, von denen aus Butsbefigern beiten 
benden Tribunalen an den Monarchen zu auvchirem. Sch. ers 
sähe dieſe ſchrectlichen Behaubtungen nur wieder, denn im wie⸗ 
fern fie gegründer find, kann ich freilich aicht wiſen. Mösm 
hie indeh dam dienen, die Aufmerkſamkeit wahrer Menſchen⸗ 
freunde aufzuregen, dat aicht wieder aus anſchelnenden Verbeſſe⸗ 
rungen harterer Druct werde. 


”, Im nordiſchen Archty vom J. 1903. Monat Hug. 


und fih um einen Bauern ihrer Mation, Schul⸗ 
meifter genannt, verfammeln, der fich nicht etwa 
durch einen belleren Verſtand und beſſere Sitten, 
fondern blos dadurch auszeichnet, daß er mechaniich 
fertig leſen ann, und die fogenannten Hauptſtuͤcke 
des Katechismus memorirt bat, Man denfe fi 
diefe Alle zu gleicher Zeit lefend, und zwar einige im 
A beebuche, andere buchftabirend, andere ganze Saͤtze 
leſend, und frage ſich noch: ft es möglich, daß aus 
einem folchen Unterricht etwas Gutes entſtehen kann? 
Iſt es möglich, daß dieſe Alle ein, und noch dazu 
ſehr beſchraͤnkter Menſch regieren, gehörig unterrich⸗ 
ten und in Ordnung halten kann? Man nehme 
hierzu, daß viele gar Feine Bücher haben, weil es 


‚ihren Eltern entweder an Vermogen oder an gutem 


Willen fehlt, fie anzuſchaffen; dag die mehrften mit 
elenden Lumpen bekleidet find; daß fie während ber 
ganzen Schulzeit den Folgen der Unreintichfeit und 
des nahen Beieinauderſeyns auegeſetzt find, da eine 
Weibsperſon, welche allenfalls ber der Schule ange 
ſtellt iſt, und gewöhnlich noch andre herrfhaftliche 
Hausgefchhfte zu beforgen bat, unmöglich fo viele 
Kinder gehörig pflegen kann; man ermwäge ferner, 
daß, da jedes Kind feinen Brodfat auf die ganze 
Woche mitnimmt, diefer gewiß nicht viel, und nicht 
viel Gutes enthalten wird und kann. Man nchme 
dies alles zuſammen, und leicht wird fih dann bie 
Frage beantworten: Ob foldhe Anflalten niche für 
Körper, Geiſt und Herz mehr ſchaͤdlich als nuͤhlich 
haben feun muͤſſen? Ob ſolche Pflanzſtaͤtten der Yu: 
gend nicht eher Höhlen des Jammers geglichen bar 
ben, aus welchen Hautfrankheiten, Etupidirät und 
Unfläthereien der Seele in abfehredender Geflalt her: 
vorgeben?“ u, f. w. 

— Und außer diefem mangelhaften Echulunters 
richt, war für die Veredlung des Bauern in Liefland 
faſt nichts gethan. Ganz anders verhält es fich in 
Kurland. Hier ift er vom Schickſal ſchon beifer ber 
dacht, und befindet fich ungeachtet der Leibeigenichaft, 
die ihm noch drüdt, auf einer höheren Stufe der 
Mefenleiter. A— sſ. 

(Die Gortfehung folgt.) 


Etwas über die Bielshöhle, 


efe erft in den neuern Zeiten fo merkwuͤrdig ges 
wordene Höhle liegt auf dem Ruͤbelande, einem 
Braunfhweigifchen Huͤttendoͤrfchen, welches fünfte: 
halb Meilen ven dem Broden und eine Meile von 
Dlanfenburg entfernt if, Sie ift von einem Berge 
wann, Nahmens Biel, am Fuße eines ziemlich hohen 
mit Bäumen bewachſenen ſchwarzen Marmorfelfeng, 
zuerſt entdedt, und feit 1787 von dem Eteiger 


— 283 — 


Becker, deffen Wohnung kaum ein Viertelſtuͤndchen 
von der Höhle entferne liegt, erſt fahrbar gemacht, 
und von einigen Goͤttinger Etudenten zuerft befah— 
ren worden; daher fie auch die Becker-Bielshoͤhle 
genannt wird, wovon ein gewiſſer Lehmann eine Be: 
fbhreibung in 2 Xündchen herausgegeben bat, in 
roelcher zugleich die Rahmen und die Bemerkungen 
dererjenigen aufgezeichnet find, die feit jenem Jahre 
die Höhle beſucht haben. Diefes ganze unterirdifche 
Feen: und Wundergewoͤlbe, von 150 Yachter oder 
450 Ellen Länge, beſteht aus 25 Eleinern und größern 
bald tiefer, batd höher liegenden Höhlen oder Ge: 
mölben, in welchen der Tropffiein, der gefchliffen dem 
ſchoͤnſten Marmor gleicht, Figuren gebildet hat, die 
einigen Gegenſtuͤnden aus der Matar mehr oder mes: 
niger ähnlich find. Gleich man Cingange der mit el: 
ner Thüre verfähloffenen Höhle, hat die Natur fehr 
einlodend, zwedmäßig, und gleihfam zur Verherrik 
bung ihrer innern verborgenen Echäße, eine Ehren: 
pforte aus Tropfftein gebildet. In den Gewoͤlben 
zeichnen fich vorzüglich folgende Figuren, wegen ihrer 
treffenden Aebnlichkeit mit einigen lebendigen und 
lebiofen Naturgeſchoͤpfen, aus: ine betende vers 
fdpieierte Donne, eine Epinnjungfer, zwei Kinder, 
eine Leber, Gedaͤrme, Schnuren Perlen, einige Saͤu⸗ 
len, die harmoniſch tbnen, und die unſer Fuͤhrer 
das Glockenſpiel nannte, noch ein Heer andere Flins 
gende Eäulen, Eiszapfen, Bänder, ein Judentempel, 
der aus einigen glocken- und feilförmigen Figuren 
befteht, und von unierm Cicerone fo getauft worten 
if. In der funfjehnten und Iekten Höhle befand 
fi eine große klingende Saͤule, die den ſchoͤnſten, 
reinften und beilften Glodenflang von fih gab, Zu 
allen dieſen Merkwürdigkeiten unferer Höhle, gehört 
auch noch ein Brunnen, aus welchem ein helles trink: 
bares Maffer gefchöpft wird. Als wir zur dritten 
Köhle, die den Eingang in das Allerheiligſte öffnete, 
auffteigen wollten, befahl uns unfer Jührer, der 
Steiger Beder, ihm nicht eher zu feigen, als bis er 
uns bierzu auffodern würde, Wit einer wichtigern 
Miene und einem fefern Tritt, flieg er zu feinem 
Tempel auf. Wir alle, feinem ernflen Befehl gemäß, 
ftanden voll Erwartung der Dinge, die da kommen 
follten, und ob er etwa erft die Öinomen und Erds 
männchen vertreiten wollte, mit unfern Grubenlich⸗ 
tern und Vergmannsfitteln, wie eingemauert. Bald 
hatte er feine Hoͤhe erreicht; faßte nun einen feſten 
Etandpunft, räusperte fih ein wenig, und donnerte 
nun- mit einemmahl fo uͤberraſchend zu uns in die 
Tiefe eine Eieine Rede in Berfen herab, in welcher 
er uns vorzüglich auf die Naturwunder, die unferer 
warteten, im voraus ausmerffam machte. Als er 


gefprochen,, erhielten wir von unferm. Redner, ber 
fih auf feine Rede und fein Rednertalent nicht wer 
nig zu Gute zu thun, und die Bewunderung bes 
Ganzen, als unfern beften Danf zu fordern ſchien, 
in einem ſehr felbft zufriednen und gebämpften Tone, 
den Befehl — aufjufteigen. Hierauf fehte er feine 
Demonffration fort, wobei der nicht wenig Eitle feine 
Wenigkeit nicht vergaß, und bier und ba, mo fich 
im eigentliden Einne ihm Felfen entgegenthürmten, 
auf feinen Fleiß, feine Mühe und Weharrlichkeit 
von neuem aufmerffam machte. In der That bat 
fih diefer Wann, der an verſchiedenen Stellen recht 
con amore gearbeitet ju haben fcheint, durch dies 
alles ein bleibendes Verdienſt erworben ; denn er bat 
darin alles fo fhon geebnet und geglättet, das Auf 
und Abfteigen fo bequem gemacht, daß fogar die Das 
men, wie in ihren Kellern, ohne Beſchwerden, ohne 
Erfältung zu befürchten, da die Luft fehr temperirt 
ift, umberwandeln fönnen, und nur in fehr wenigen 
Höhlen diefes TRundertempels, wo fich nichts für 
ihre ganze Bequemlichfeit thun ließ, einen gefrümms 
ten Rüden zu machen, gejwungen find, Mehr, als 
die einzelnen Maturfpiele diefer Höhle, erregte bie 
Vorſtellung bes Ganzen unfere Bewunderung und 
Staunen. Die Natur bat fih in der Tiefe eines 
Moarmorfelfens einen Wunderpallaft erbauet, deſſen 
Zimmer fih nach ihrer Laune wie ein Labyrinth 
durchfreugen, und fie alle ſchoͤner und regelmäßiger 
als die Kunft, gewoͤlbt. Hätte fie noch von ihren 
eigenen Händen zu den obern Etagen, Treppen an: 
gelegt; fo würde zur Vollendung des ganzen Wun⸗ 
ders mitten im Bauche der Erde, nichts mehr feh— 
len. Eeit diefe Höhle fahrbar gemacht ik, wird 
die in ihrer Naͤhe liegende bekannte Baumanns— 
Höhle mit ihrer Orgel, ihrem Taufftein und Pathen 
meniger geachtet, und meniger befucht, weil fie theils 
beichwerlicher zu befahren iſt, theits wenigere Schaͤtze, 
als ihre jüngere Schweſter und glänjendere Dieben: 
buhlerin, aufjumeifen bat, Einige Reifende hatten 
in jener Lehmannſchen Befchreibung, morin zugleich 
unferm Beder nicht menig Weihrauch geftreuer 
wurde, unfrer Bielehöhle fogar der Muggendorfer 
oder Nofenmällerfhen Hoͤhle vorgezogen, und fie 
als das Non plus ultra unter ben Höhlen in 
Deutſchland mit voller Vegeifterung aufgeſtellt. So 
viel ift gewiß, dab Kuͤnſtler, Geogenen und alle 
Naturfreunde, diefe Höhle nicht unbefriedige ver 
laffen werben. 


8. Lantſch. 


— 284 — 


Nichtpotitiſſche Zeitung Nro. 58. 


Der Eatatog der dicciahrizen Wicarlismet Finbigt 1641 
Bücher am, worunter 125 Romane, 32 Kalender und Alma⸗ 
made, und 35 Tafhenbücer find; — auch 96 Bucher zur Um 
teraltung ber lieben Jugend, 

— In einer feierlichen Eigung „der Geſellſchaſt der Wiſ⸗ 

und Künfe” zu Frankfurt an ber Ober, bat ein Dr, 
Sawarı fiber die Kultur der Menfhbeit, und fein Nachſolger, 
ein Hr. Dr. Hartmann über den Zugwind gelefen; ſeht vaſſend 
folgte darauf bie Ueberfegung einer Satlee des Juvenal. 

— Ein ungenanntes Mitglied der Mündner Akademie 
der GW, , deren Vice s Yräfident Hr. von Aretim int, giebt im 
gut, der Jen. Sit. Zeitung die Machridt, daß man in Wins 
ben Im Kleinen Verſuche mit dem Griechiicdhen Feuer, 1m weis 
Gem Hr. vom Aretin Das Rei entbecit Gaben will, Verſuche 
angefteit bat, die über alle Erwartung wirtſam ausgefallen 
find. Ein Zeugnig dieſes Inbaltd von eimem Mitgliede des 
fäwergläubigern Munchner Muſeums, würde wahrſcheinlich bei 
dem prüfenden vublilum mehr Autorität habem. 

In eben dem Vlatte hat Hr. vom Aretin ein neues Maut 
fe in Mücticht feiner Muemonit erlagen, das folgendermanfen 
endet: 

„Echtiehtih wird das Pubtitum gewarmt, im andern 
Ehriften die vielleicht won unserufenem heraudgegehen 
werden, (Bon wen * 9. v. 9. dalu beruien?) bie wahre 
methode au duden, in dem dBiefe in feinem Bade 
au finden feum wird, al? in dem (von Hen. v. Aretin) 
emgelündigten,, welches vom Erfinder *) ſeibſt weriaft in. * 

— Die aufrichtige, echte Wurmtinttur in gegenwärtig 
einjig und allein zu Hamtburg am Siichmaartt fir. 00, zu haben, 


us Berlim 


Fortſetzung der vorläufigen Nachricht Über bie Aunft- 
ausiiellung. 


a der Nudrührung der beiden Gemaͤlde findet man eine 
eben fo grofien Eontraft, als in der Wahl des Siuets, aber 
Hier if der Vorzug Hanı auf ber Seite des Herrn Bardou. 
Die Zeichnung feiner Gehalten und der Gewander iſt durchau⸗ 
richtig umd ſchoͤn. Im deu andern Gewalde hingegen behaup⸗ 
tet man, Verzeichnungen entdeckt sm haben. Auer der mififals 
fenden zu großen Fänge der Sehen und Ginger der weiblis 
den Gettatt, IN mir fein ind Auge ſoringendes Verſchen aufge 
falten ; — vo die Hauptiache if bie Behandlung des Gauzen. 
Hr. Bardou hat alle Umgebungen feiner Hauptgelait im graue 
Chatten gefelit, mir diefe in ihrem weinen Nonnentteide, ſteht 
in volleſtem Licht, umd ihre Schonbeit, der alles andre gleichtam 
nur jur Folie dient, tritt dadurd; wahrhaft bezaubernd hervor, 
Man fagt, die Nonne If portrait, und hat Das Gemälde nur 
das fenm follen, fo muß man gefchen, es it nicht moslich, ei⸗ 
nen vortheſthaſtern Hintergrund, eine geiſtvollere Eituation für 
ein Bildmiß au erfinden; als hidoriſches Gemalde mödt' es 








— 


*) Nehmlich vom Hrn. von Aretin. Der Prediger Rainer 

im feimens ſchon eridhlenenen Bere: Muemonik, in welden er, 

dem Atimdigungen imielge, grade das zu Teilen lehzrt, was 

x. v, a. als beweiſende Wunder auifteut, at fo beſcheſden, 
fib nur fiir einen Entdecker auszugeben. 





wohl im Sanien fehlerhaft ſeyn. — Kr. Weitüh bingegen hat 
amwei Hauptfiguren, und er Gat das Lian micht nur auf diefe beir 
den, er bat ed üher den ganzen Bordergrumd fo fehr vertheilt, 
dag bie Wirkung des Ganzen — ich moͤchte fügen, wenn wa 
den Auedruck möcht gu mmeigentfich findet, — Feine himlänglih 
vortretende Pointe hat, ale auch keinen fehr Ichhaftem Eifekt 
macht. Seine Farbengebung int lebhait und glänpemd: doch mit 
einem großen Schein von Met machte jemand die Bemerkung 
dak grade dadurch wieheicht fir die Phantaſie der BReſchauer der 
Charakter einer Schilderung aus dem Offian verfehlt 
werde. Micht etwa blof, weil Ofian felbh mur alles mit wer 
nigen Fügen fbidert, und aleichſam nur durch Nebel jchen äh, 
ſondern weil der zu febemdige Farbenprumt etwas bat, das mit 
der Einfachbeit, dem kraitigen, aber raufen und ſchuuctloſen 
Geide jener Dichtungen im Widerſoruch ſteht. Weitſch hat feim 
Eier mit poetifchen Sinne gewählt; er hat es schön und forge 
fültig ausgerüher, — aber der Effett it im dem Bardonicen 
Gemälde ſehr viel Beier beredinet, das. mu man vertehem, 
folte man auch de ſtreuge jegm wollen, es nur für ein außer 
finnreih amgelegtes Portrait zu erflären, da es ohne Commentar 
feinen higoriſchen, und noch weniger einem poetiſchen Sinn dar 
bietet, woran das Welticlie Gemälde fo reich iſt. 

Verzeihen Sie mir, dh ich bei dieſen echten Runfimerken 
de fange vermeilt babe, Sie wollen, diinte mich, in Ihrem 
late, felbk durch die Memigfeiten die es ersäble, mügen, und 
dak die jungen Kürifker darauf beſonders auſmertſum acmacht 
werden müffen, wie wichtig es von der einen Geite di, zu bins: 
riichen Gemälden ſorechende Ideen zu wahlen, die olme alle Erflär 
eng einen ergreifenden Einm geben, wad ven dee andern Grite, 
den Effeht genau zu berechnen, — das ſchien mir mie ſo nothwen« 
Dig, als indem ich die Säle der Ausfiellung durchwandelte. 
Melde lange Reihe von Gemälden tönate ich Ihnen bier auf 
aellen, im welchen beides durchaus verfehlt iſt, wie manchen 
Geruel könnte ich Ihnen mennen! Doc ich ſpare Dad, fo wie 
die Aufſahlung der übrigen mehr oder weniger gelungenen bir 
Geriichen Gemälde, für eine allgemeinere Ueberfigt auf, und 
sehe jest au dem Porträts über. ' 

Umter dem Mirten« Gemälden ſcheint dad bed Miniſters 
von Hardenberg, vom Maler ESchröder, das gelungenſte, doch 
find auch unter dem übrigen manche fehr teile. Unter dem 
Bildnifen im ganier Geſtalt möchte wohl wiederum das Gier 
mäide, das Hr. Weltih von dem Kindern dei Hrn. von Kotze⸗ 
Bue gearbeitet bat, den erſten Plag verdienen, Ob fie getrofen 
find, wein id; nicht, aber die Figuren find ausgeseichmer gear 
beitet, umd die Idee des Ganzen it glucklich. In mann afachen 
Auttiriden, mit einem kindlichen Ausdruck von Erſtaunen diicken 
fienad einen heilen Etralenichimmer iiber Ihrem Häuptern bins 
auf, der von eimem gen Himmel ſchwebenden Gegendland herzu⸗ 
fommen febeint, — was eimen jchr guten Sinn gewinnt, wens 
man weiß, daß der Tod ihrer Mutter die Veraulaſſung des 
Gemaldes war. — uUnter dem übrigen sieben verzugtich bie 
Hemalde der beiden eriten Tänzerinnen der Dverm » Theaters, bie 
meiten Blicke auf ſich. Das Vildniß der Demoiſ. Augauſte 
Schutz iR das gelungene von beiden. Mur von einem leichten 
fliegenden Saucter um Bun umd Karrer ummaht, tangt fir 
dahin als Teroſichore. Das Ganze it freundlich und geiallig, 
der Garbenton aber zu sehr ins Violette ſotelendz der untere 
Theil des Geſichte if verfehlt, umd du manden Umriß iſt Dem 
reisenden Driaimale offenbar Unrecht aeſchehen. — Demeif, Eugel 
tanıt audı, oder vielmehr fie lauſt in einem Gewande, bas mit 
entieglicb eifen ſchragen alten zurückürett, und tragt cm 
Paar Tauben im der Hand, Was Der Künfler damır ſagen 
wollte, mag Apoli wien. Grws eime Venus ankuimdigen? 
un, eine laufende und jo ungrasidje Liebesgottin, als dieie Ge 
Rate iR, ware wenigikens etwas Neues. 

(Die Zortiegumg folgt.) < 


Nro. 202. 





ARISTIDES, 





Der freimütdhige 


Tienftag, 


EeE rn f 


und 


den 9. Oktober. 


S her, 





Literatur 


TZaſchenbuch für Freunde und Freundinnen bes 
Schönen und Guten, befonders für edle Gat⸗ 
innen und Mütter, und folche die es werden 
wollen, Auf das Jahr 1805. Herausgegeben 
von M. Friedrich Herrmann, (Leipzig, bei 
J. €. Heinrichs.) 


oju follen nur fo fange Titel dienen? Das kann 
ich nicht einfehen! Sie ermüden das Auge, und gleis 
hen volltommen einer Marktſchreierei. Moch mehr! 
Beim Anblid einer fo breiten Darlegung deffen, mas in 
einem Buche foll geleiftet worden feyn, kann man faft 
beftimmt glauben, daß der Herausgeber Feine klare Idee 
von dem hatte, was er leiften wolle, ch geftche, 
daß ich diefen Almanach deshalb mit einigem Dor- 
urtheil in die Hand nahm; um fo mehr, da mir 
der Name des Herausgebers unbefannt war, Aber 
ih fand mich auf eine angenehme Weiſe getäuiche, 
als ich tas Büchlein, das mir eine recht qute Unter— 
haltung gemährte, durchlas. Der Anhalt beſteht in 
drei Erzählungen, drei. kurzen Anekdoten, und ein 
paar Eentenien und Maximen aus Mielands, 
Gleims, Schillers u. a. Schriften. Die erfte Erzäh: 
lung, „der Additionsfebler,“ wärde gewonnen 
haben, wenn fie In gedrängterer Kürze vorgetragen 
mworten waͤre. Lebrigens erjähle Herr Herrmann 
recht, angenehm, fein Wig ift leicht, und ſelbſt das 
Jeanpaulificen geräth ihm öfters nicht Übel, Gleis 


Ges Lob verdienen die beiden andern Erzählungen: 
„Wie kann eine Prife Tabaf aus einer goldenen 
Dofe fo große Dinge thun!“ und — „die Roſe.“ — 
Die Kupferhen von Böttger find unbedeutend, 
— bn. 
Ueber die Literatur der Letten, oder 
vielmehr bei den Letten. 
j (Fortfehung.) 

Außer den wenigen, aber zum Theil nice ſchlecht 
organiſirten Lehranſtalten, die man im verjuͤngten 
Maaßſtab auf den Gütern verſchiedener Erbherren 
in Kurland antrifft, meiden von jeher die Erziehung 
des Bauern zum Menfchen, eine Pflicht mar, die 
ihnen das Herz geboten haben wuͤrde, wenn fie nicht 
ſchon ihre eigene Wohlfahrt erheifchte, — Haben bier 
Schriftſteller und Preffen auf feine Bildung gewirkt, 
ja faft ausfchließend nur diefe zum Zweck ihrer Be 
fhäftigung gemacht. Es ift bereits einmal an einem 
andern Ort *) von mir erwähnt worden, daß die 
einzige Klaffe von Lefern, für welche in Kurland ges 
ſchrieben wird, der Bauerftand ſey. Und nur den 
Bemühungen fo mander würdigen Religionsiehrer, 
die zugleich auch im eigentlihften Sinne Voltslehe 
rer waren, gerührt der Ruhm, den ſchlummernden 
Geiſt einer Nation geweckt zu haben, die man ſich 
gemöhnlih ohne Ausnahme roh und Halb mild 
EEE 


”) teber den Literatur ⸗ Zuſtand im Kurtand. Grein, 1803 
Nr. 175. 76 umd 77. » 


denkt, — und die es vor dreißig Jahren wohl auch 


ganz geweſen feyn mag. Die Beweiſe daß fie ıheil: 
weife fortfchritt, Legen am Tage. Ein Beifpiel vers 
trete bier Die Stelle der übrigen. 

Im fogenannten Oberlande, oder dem Strich 
von Kurland an ber Lieflaͤndiſch-Litthauiſchen Grenze, 
woſelbſt vieleicht unter allen Bauern faum zehn es 
bis zum Leſen und Schreiben gebracht haben mögen, 
zeichnet ein einziger Fleck — das Sonnaptſche Ser: 
biet, — ſich auffallend zu feinem Vortheil aus, 
Hier wohne ein Häuflein Menſchen, unter einem 
Haufen roher Selaven. Allein das Wunder vers 
ſchwindet, fobald man erwägt: daß dort einer der 
älteften und thaͤtigſten Schriftſteller der Natien, der 
verdienftvolle Probft Etender, gelebt und gemirft 
hat. So bewäßrt fi wahres Schriftſteller-Ver⸗ 
dienſt. Die Schriſtſteller in Kurland geijten nicht 
nach der eitien Ehre, im fernen Auslande genannt 
zu ſeyn. Das ſtillerworbene Verdienſt der Nuͤtzlich⸗ 
feit gnuͤgte ihnen, — und die Verehrung, zu welcher 
alte fih gedrungen fühlten, die ihnen ihre Bildung 
danfıen. Es laffen ſich wirflih vom Kurländifchen 
Bauer verfehiedene Fälle der Art anführen, wo er 
bei feinen Frohnfuhren einen Umweg von nichreren 
Meilen wicht ſcheute, um dem Prediger, aus deſſen 
Schriften er Troſt und Belehrung geihöpft, perſoͤn⸗ 
lich feine Chrſurcht zu bezeugen. Wit dem erwaͤhn⸗ 
ten Probft Stender, einem unter den Ketten vorzüg: 
lich beliebten Schriſtſteller, dejfen Andenken fih bei 
ihnen noch lange erhalten würde, wenn auch der 
Sohn deffeiben es nicht durch gleiche Ihärigkeit fort: 
zupflangen fuchte, war dies gewoͤhnlich und am häus 
figften der Fall, Dem keiten iſt das Gefühl der 
Dantbarfeit nicht fremd. Er achret feine Lehrer, 
wie man fieht; er kennt und ſchäßt die Echriften 
derfelben: er ehrt im Schriftſteller das Verdienſt! 
Zeigt alles dies nicht lodende Anlagen jur Bildung ? 

Ungerett wär’ es jedoch, bei dicker Gelegenheit 
nur von der Muͤhlichkeit der Schrift ſteller zu 
ſprechen, und die Derdienfte eines Mannes zu vers 
ſchweigen, dem, wenn jene die Palme des Ruhms 
davon tragen, der Eichenfhmud einer Bürgerfrone 
gebührt. Wenn der Mame jener noch auf den Lip: 
pen der dankbarem Nachwelt ſchwebt, iſt vielleicht 
fein Andenken ſchon laͤngſt in dunkles Vergeſſen ver: 
ſunken, und doch bat er zu gleichem Zweck nicht 
weniger wohlthaͤtig auf die jekige Generation der 
Letten gemwirft. Es if der Bucoruder Steffen— 
bagen in Mitau, den ich meyne; der es, ale Aus: 
fänter, mit mehr als patrietiuchem Kifer, ſeit dretßig 
Jahren feine liebfle Eorge ſeyn ließ, den Kuriindk 
(hen Bauern Geſchmack für die Lectuͤre zu geben, 


Er mar es, ber zuerft — nachdem er die bei feiner 
Ankunft in Kurland vorgefundene Meine und mans 
gelbafte Druderei, ohne dabei im Kampf mit mans 
herlei Widerroärtigfeiten zu ermüden, ju ihrer jeßis 
gen Bedeutung erhoben hatte, — mehrere Prediger 
im Sande zur &chriftftellerei ermunterte, Dit ber 
trächtliben Aufeopferungen von feiner Seite und 
Kintanfekung eigenen Vortheils, hat er die Lefeluft 
der Bauern, da fie einmal in ihnen gemedt war, 
auch ju erhalten geſucht. Was dazu vorzüglich beic 
trug, war die Liberalität dieſes Mannes und die Un: 
eigennägigfeit, mit welcher er den Letten Blicher in 
die Hände zu bringen, und ihnen auch won ber Öfono: 
mifchen Seite das Lefen zu erleichtern fuchte, indem 
die Lettiſchen Bücher anfänglich von ihm den Bau— 
em ganz unentgeldlih, und nachher immer auch 
nur für einen aͤußerſt niedrigen Preis, abgelaffen 
wurden. &o war j. ©. von einer in den Jahren 
1797 und 1798 von ihm verlegten Settifchen Quars 
talichrift, woran mehrere Gelehrte arbeiteten, die 
dech auch alle honorirt werden mußten, der Preis 
eines einzeinen, zehn Bogen ftarken Heftes im 
farbigten Umſchlage, — vier Örofchen! Auch giebt 
es faft Feine Guthaherrſchaft, die den redlichen Eifer 
diefes Patrioten nicht dadurch unterfiükte, daß fie 
von jeder Lettiſchen Schrift, eine erforderliche Anzahl 
Eremplare für die Bauerſchaft ihres Gebietes ans 
fauft und unter derfelben vertheil. Daher ift es 
denn nicht zu vermundern, daß in Rurland, bei 
dem Mangel alles anderen literärifchen Betriebes, 
die Literatur bei dem Bauer zu fuchen if. Einen 
Ueberblif derfelben verſchafft das Derzeichniß der 
bauptfächlichften Lettifhen Schriften, welche bie 
Steffenhagenſche Dfficin feit ihrer Erifleny geliefert 
bat, das ich bier meiter unten folgen laſſe. Wenn 
man darunter ein paar Schriftſteller vermiffen follte, 
die Herr von Firks in feinem Buch „die Ketten in 
Kurland“ angeführt bat, fo gebt das ganz natürlich 
zu. Er batte nämlich darin. zwei Namen berühmter 
Lettiſcher Schriftſteller genannt, die — gar nicht 
eriftiren. Einer diefer Namen gehörte vor mehreren 
taufend jahren einem Schriftſteller des alten Teftas 
ments, deifen Dentipräce vor einiger Zeit — aber, 
mie man fagt, nicht von ihm felbit, — ins Lettiſche 
überfegt worden find. Es ift der weiſe Salome, 
Der andre Name — Stackel, — iſt nidts ments 
ger als der Name eines Mannes, fonNern ein Letti— 
fhes Subftantiv, das zum Titel einer Yieder 
fammtung gehört. Diefe Unrichtigfeit, welche eine 
Unbekanntſchaft mit der Fertiichen Sprache verräth, 
die fih von einem gebornen Kurlaͤnder durchaus 
nicht erwarten läßt, bat in dem Waterlande des »,rn, 


— 057 — 


von Firfs die Meinung verflärft, mit der man fi 
dafeibft Über die erwähnte Echrift deifeiben trägt: 
„daß derfelbe dazu wohl nur die Haupt: Contenta 
und feinen Namen geliefert haben, das Ganze aber 
von einem dienſtfertigen Ausländer verfaßt worden 
fenn möge.” — Auch möchte die ganze pathetiiche 
Ecbilderung diefes jungen Vartifans der teibeigens 
ſchaft, die, möge fie noch fo wenig dräden, immer 
eine Feffel bleibt, viel zu übertrieben und einielk 
tig ausgefallen und daber eben nicht geeignet ſeyn, 
ihr den Credit zu fchaffen, den fie zu erringen firebt, 
Ihr zufolge müßte n:an glauben, daß der Kurläns 
diſche Sclav auf Blumen wandle, die unter feinen 
Füßen fproffen. Offenbar bat Herr von Firks, fo 
gut auch feine Abficht dabei gemejen feyn mag, fris 
nem Zwed dadurch geſchadet. — 


Dei einem gemiffen geringen Grade phnfifcher 
und intellectueller Kultur, und einem gewiſſen Ans 
ftrib von äußerer Bildung, die den Vorzug des 
Kurländifchen Bauern vor feinem Nachbar ausmacht, 
darf man ſich ihm dabel doch keinesweges — unge 
achtet der nicht geringen Anzahl Kertiicher Schriften, 
die ſolches vermuthen liefen, — durchgängig als einen 
für die Lectuͤre ſchon ausgebildeten Kopf, oder auch 
nur als einen eifrigen Zeitungslefer denken. Das 
leßtere ift vom Herrn von Firfs, in feinem genann: 
ten Buch zwar durch ein Belipiel, aber auch nur 
durch ein Beifpiel belegt. Mon dem erfieren glaube 
ich oben felbft ein Erempel aufgeftellt zu haben, in: 
dem ich eines Fertifhen Bauern: ESohnes erwähnte, 
der eine ausmärtige Univerfirät bezog. Wenn ein 
Fall diefer Art bisher unter den Letten als ein befon« 
deres Ereigniß anjufehen war, fo laffen fi doch 
ſchon mehrere einzelne Fälle davon anführen, daß 
reiche Wagger: Soͤhne unter ihnen, ſich Deutſch tra: 
gen und mitunter Franzöfiih ſprechen. Ich feibft 
habe zwei perfönlich gefannt, die man faum dann 
für Bauern halten durfte, wenn man fie in ihren 
Wohnungen antraf. Indeſſen machen ein paar 
Schwalben noch feinen Sommer, ob fie gleich auf 
feine Naͤhe hoffen laffen. A—«⸗. 

(Der Schluf folgt.) 


Der Streit der Blumen, 
An RarolinePr vorn S. W. 


Me ſchwinden durch bie heitern Düfte, 
Edön entbülter dich des Simmeld Blam, 
Junge Blumen handen Talfambufte, 
Ungerriiht vom reinen Silberthau, 
Und ich mabe mich des Daines Düfer „ . + 
Horch! da trift mein Ohr eim fanft Gefllnfier, 


In dem frifter Hecdaefiihl bed Edhänm, 
Ein ic lauſchend neben Flumen bin, 
Hör aus ihren Keldıen Worte tönen 
Lei, doch wernehmbar meinem Einn; 
um den Vorzug hör ich dreie fireiten, 
Wie ein drei Gottinnen ſich entzweiten. 


Ert die Roſe, deren Anmuth Edimmer 
Eie ur Königin der Tlumen bebt, 
Dann Die fünfte Pilie, die immer 
Esöner Umichulb reines Buld uns webtz 
Eib bewirkt der Innern Krast und Gute 
Heipt am fie fih die DOrangenblüte, 


Jede wlinicht um Lina's Stirn ju yrangen, 
Sede, ihrem Kramy verwebt iu ſcyn. — 
„Rad, o Plumen’ ſtitt ich das Verlangen, 
in euch lebend der Gellcbten weihn, 
und was Worte wicht enticbleiern künzeny 
Wird die hoide Viumeniprade nennen, 


Liebend jend’ ich euch zu Karolimem, 
Yeder Anmuth Reis bar fie geſchmuücktt 
Mebrt euh Roſen umter ihren Händen, 
Greumdfich wird fie euch den Guten weuden. 


Sanft if- Lina’ Einn, mild ihr Gemlthe, 
Ihres Geites Aushauch rein und Blar. 
Schmucke Heblih ihre Stirn, o Blüte 
Die ein milder Himmeleftrich gebar, 

Und du Pilte: rub' ohne Echmerien 
Grwig am dem dir verwandten Herzen.“ 


Julie von B... 


Un eo» oe 


Ser Mände reiche Zahl beweint 

Kein Autor treiber wie Du den Geil, 
Dech — hattſt Du vieles nicht geichrieben » 
tar, würden Du vom Greif getriebe, 


Bie ed mandhem geht. 


it wicht'ger Miene fig” ich da, 

ld dacht‘ ih dem mas ich arlefen 
Recht eifrig nad. Mac denten, jat 
Wiitdenten if der Zwect beim Bein, 


8Bildun 


Dan fbrwazt von Bildung bin und ber, 
Beim Licht beiehm iM fie nichts mehr 

ls Mporetur. die wielbelicht 

Zwar GSland, doch Innern Werth micht giebt. 


A. S — . 


— 288 — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 59. 


=: Anem vorigen Stucke diefer Zeitung war die Polls 
ceir Verordnung erwähnt worden, weiche den Geeudenmäbchen 
im Valais Konat berabl, amtandig geheidet iu erſcheinen, und 
die Verfegenbeit, im welcht dadurch Die chrbaren Araueminmer 
geratgen müßten, Die erſten emtidhlofen ih anfangs, lieber 
dem Valais, als ihrer Nacktheit zu eutfagen, und wauerten im 
Yrunt der Natur auf anderm Yromenaden einher; als aber 
einige von Ihnen aufgegriren und in die Galvetriere gebracht 
wurden, legten die Äibrigen eime Art von Gaf an, der von 
dem Kopf bis auf die Busfobien herabging und mur das halbe 
Gefiht ſehhn Kir. Doch Die Policet ſchien von diefem Bukgewand 
gar nit gerührt, gu werben und feine unierlichteit den Ge 
idasten Eintrag zu thun, deshalb bat fi die lodliche Junung 


endlich dazu verſtanden, nicht unanſtäudiger getlei⸗ 


Deram gehn, als die ebrbaren Grauen. 

— Jemand der den jungen breischniahrigen Roſelus drei⸗ 
mal Hamiet ſoielen ſah, verlicdirt , aß er dieſe Rolle jedesmal 
mit großen Abweichungen durdiuhrte: Pas wäre denn wirtlich 
ein VBeweis, daß es eigemthiimtiches Gente if, wurd das er 
glänzt, — Man erjäßlte dem Kmabın von ber Düritigteit 
eine? Schauſbielers, den er übrigens nicht kannte, und er em 
Bor fich, einmal zum Wenefig für denſelben anfutreten, Der 
Unternehmer des Theaterd, bei dem er det amgeftette dit, ſchlug 
ed ab, Det Simabe brad im Thränen darüber and und ver⸗ 
acherte, er wolle alles für den armen Menſchen thun, was er 
wermöchte, Im der That Hei er ſich ned am demfelben Tage 
eine Amabl Bilters für die nachſte Vorſtellung geben, nahni fie 
mit im eine glänzende Geſellichajt, zu der er eingeladen war, 
und verkaufte ſechs Dutzend, wie man denten kann, du unge ⸗ 
wöhntichen Preiſen. Den Ertraz ſendete cr dem Durftigen iu, 

— Anmrlich vertauite ein Vecker-Geiell zu London feine 
fdwangere Sram dem Meifter, bei dem gr im Sirbeit Mand, für 
drei Guineen und eint Krome, 

Peinsia, dem 3. Öfteber, 


Genern ja emblich bei gedrängt vollem Haufe, aber völlig 
mangelnden Beifall, Johann Sriedrih der fromme, 
Kurfirft von Sachſen gegeben worden, Dat Eitiet if 
die Gerangennehmung des Kurfüriten bei Muhlberg. Die Ger 
ſchichte ſchidert ihm ale einem frommen aber umenmt 
fdloffenen Mann, ber in diefee Page weniafteng beiier ber 
ten, als anzugreifen verfland, Der Dichter tieh ihm gamı fe, 
Konnte ein folder Karatter Imterefe erregen? Gewiß nicht. 
Dazjıı kommt die vage Karaktergeichnung der meiſten übrigen 
Perjonen. Nur wenige find angelegt, ausgeführt nur der Kurs 
fie; das Gtüct feibik iR eine Meile von Sceenen, die jum 
tieinften Thelle guten, zum größten ſehr lofen, zum Theil gar 
feinen Zufammenbang baben, Der umbefriedigende Ausgang 
ſchadet der Wirtung dei Stucks am meiften, Der Kalter ſcheutt 
dom Fuͤrſten auf Vorbitte Morige,s umd feiner Gemahlin, das 
Leben, mit Undentung — jebenslanger Gefangenihbart, 
Er begnadigt dat Kammer Gränlein und den Haupt 
manm Thilo, Ihren Brautigam, der einen Verſuch jur Ber 
feeiung des Kurfltrden gemacht hatte, fo, daß beide das Beben 


Sebalten, und burd bie Kirche vereinigt werden, doch jolten fie fo - 


fange wie ihre Hetridaft, getrennt bleiben, d. 6. ale, wie 


er ſelbſt vorher geurheilt hatte, — Tehentlang. Warum ber 
Dichter bier auf eimmal feine dialogiſirte Gefchichte werten, wm 
ſo einem jonderbaren Schluß iu madıen, wird er allein wiſſen. 
Kom Stück kein Wort mehr; es iſt feit Ofterm ſchon im Buch⸗ 
handel, Das Epiel der meiſſen Sünfter unferer Bühne war 
gut. . Oeig, die Hartwig umd Odienheimer zeichneten fich 
am meiften aud, Aber feibit die Heinen niedern Rolleu wur 
den mit fichrlichem Beſtreben wach dem Beſſern gebiet. Welr 
An Einfluß bedarfs in Paris, um ein gutes Grüdf auf die 
Buͤhne zu bringen und gut gegeben zu ſehn, und welche Mübe 
bier von Seiten Der Künſtier ſeld bei dem Mittelmaßigenn 


Das Neuejte über Luthers Denkmal, 


Das in der Grafen Mannefeld zu errictende Denkmal 
Luthers, fol nach der Abficht der Unternchmer aud der Größe 
des Mannes entſorechen. Wenn noch eine dazu beſtiumte und 
gerwünichte Summe von 30000 Rthl. einläuft, jo will man in 
der Nahe des Schloſſee Manusiele auf einen Verge, einen Dies 
ist von 150 Fuß Höhe errichtin, wozu fon ein gewiſſer Hr. 
Siemer aus Dresden eine Zeichnung mit einem Anſchlage vom 
25009 Rthl. eimgereicht haben fol. Da man aber ben Werth 
und die Abſicht des Unternehmens fo verſchieden beurtheilt, ſo 
furchtet man, — ob 13 durch mehrere und rtichlichere Beiträge 
uuterilitzt werden wird? — 
58%. 


mM ain 


Am 30. September, 


Ware Kalſer befbärtist und jetzt ausichlhieitih; — — herte 
nur etwas von feinem außerliden Lehen. Er trägt gewohnlich 
das athmliche einſache Kleid; blau mir weißen Aufſchlagen, 
aoidne Evautets, einen einfachen Hat, olme Bersierung; er sicht 
ibn arwöhnlich nicht ab, dantt Died durch eim Kovinicken; weiter 
er aus fo find gerobhnlich 6 bis 8 reich mit Hold kededre 
Generale im feiner Begleitung, — dieſen folnt sein getreuer 
Mammeliuck und ein Dupmd Huſaren mit Barenmſitzen oder 
Chaſſturs zu Prerde, — Mehrere Eralibediente reisen mac und 
fuhren Pierde an der Hand, — weil er oiters Prerde wechſeln 
muf, da er ungehtuer ſAmell weiter... Ein Madden ſoll ihm 
neulich Im den Leg geranut, und ihm in Den Zügel gerallen 
ſeyn; — er hielt am, manım ihre Berrichriie gmadia auf, und 
aaltopirte weiter, — Gewehnlic bait er nur Mit wo eine mil 
tariſche Wefichtigung vorzunehmen if, und dann geht es alrich 
wieder im ſcharſſten Gallop vorwarts, — rnit, Auſtand, 
Veſennenheit ein im fich zetehrter Blick, zeichnen den Mann 
aus, vor dem ſich halb Eurova ſchmiegt. 

Die Kalſerin iR eine Dame vboll Grazie, deren Gute auch 
ſelba vom ihren Feinden dewundert wird. Wenn fie ausfahrt 
vealeitet fie eine milirarhche Vededung; voraus fahren ihrt 
atwei Kammerhertn im einem ſechsſpannigen Tagen; fie folgt im 
einem acht pauntgen, vom jwri Sofdamen begleitet. — Auf 
einer ihrer Evauerrabrren beſuchte fie auch die Deutſche Rheins 
feite; Die Heblichen Gegenden von Bird. Die Lomediens 
ordınamzes de ’Empereur find mühts weniger als ordmar; 
fie werden von alten Funſtkennern hoch bewunderi; aber wide 
jedes Deutſche Auge gewehut fib gleich an ihr Epil. — Der 
Katjer ſitzt im Ecbaufoiei ſeiner Gemahlin zur weten Geite; 
der Chururſt von Vaden ſetht hinter ihm; der Üburenitamier 
figt hinter der Katferin, weise ibn ehr ausierdne, Die Hof 
beamten ſtehn im chrerlietiser Enferfnungz mehrere andere 
Deutiche Furſten wohnen im bejondern Bogen dem Edianpiel 
bei, 


DD — — — — — 


1804 


Nro. 205, 





ARISTIDES, 


Der Freimuüthige 


Donnerflag, 


Ee rn f 


Literatur der fetten. 


® Schluß.) 

ann man von der Literatur der Fetten auch nicht 
behaupten, daß fie ergiebig wäre, fo wird man doch 
ſchon aus den Umftänden, unter welchen fie eriftirt, 
und von den ©egenftänden welche fie vornehmlich 
umfaßt, auf ihre Möglichkeit und Zweckmaͤhigkeit 
fließen, und bei dem allen eingeftehen muͤſſen, daß 
während der kurzen Zeit, feit welcher fie als eriftis 
rend au betrachten ift, mehr, als man erwarten follte, 
für fie getban worden ſey. Die Stenderſchen 
Schriften verdienen die erfie Erwähnung. Sie find 
bie Älteften, mannigfaltigften und reichbaltigjien, und 
haben juerft den Promerheifhen Funken im thoͤner⸗ 
nen Letten angefacht. Die mwichtigfien derieiben find, 
aber nicht der Zeitfolge nach, folgende: 1) Ein Kates 
chismus, 2) einige Fiebeln, 3) Kirchenlieder, die 
mehrentheils Ueberfegungen von Gellert, Klopſtoch 
und arideren enthalten ; 4) Anweiſung für (Yertifche) 
Schullehrer, den Kindern das Leſenlernen zu erleich: 
tern; 5) Eine Leitiſche Gramatik, die fo mie 6) das 
große Lettiſche Lexicon diefes Derfaffers, auch im Aus: 
lande gefannt iſt. 7) Eine Lieberjegung von Huͤbners bis 
biifchen Geſchichten. 8) Eine Diaturlehre, die zugleich 
die Grundriſſe der mathematiſchen Geographie ent 
hält. Sie erſchien im Jahr 1770. Eine Meue Aus: 
gabe davon veranftaltete Stender der Sohn, ber fie 
mit einigen Kapiteln vermehrte die von der Matur: 
gejchichte und Geographie Kief: und Kurlands hans 





und 


den 11, Öftober, 


S eer z. 


— — 


dein, auch einen kurzen Inbegriff der Weltgeſchichte 
enthalten, 8) Eine freie Ueberfekung des Lavater: 
ſchen chriſtlichen Handbuchs. Meben ihnen verdienen 
nachftehende Schriften genannt zu werden. 1) Eli 
fens, d. i. der frau von der Dede, zwoͤlf geiſtliche 
Lieder. 2) Ein Luſtſpiel von A. F. Etender dem 
Sohn: der in einen Edelmann verwandelte Bauer, 
eine freie Bearbeitung nach Holberg, 3) Von dem: 
feiten: Freund £uzifer, ein Vollsmaͤhrchen. 4) Deifen 
Wuͤnſche zum neuen Jahr, 5) Meue Gefänge, von 
demijelben Derfaffer. Darin findet fih eine Leber 
feßung der Buͤrgerſchen Ballade: Karl von Eichen: 
horſt, melde ganz der Zumfteegfhen Kompoſition 
accommodirt worden iſt, ferner: eine Sammlung von 
Mähren, Anefdoten, Erzählungen und Käthieln, 
6) Caarnewsky (Sekret. in Mitau), von der Des 
handlung und den Krankheiten der Schweine. 
7) Klappmeyers (Probft und Prediger zu Frauens 
burg in Kurland) Ueberfeßung der Echubart: Klefelds 
fiben Anmweitung zum Kleebau und zur Stallfuͤtte⸗ 
rung. 8) Gerzimsty's (Kefret, in Mitau) Wirth: 
ſchafte buch. 9) Launik (Prediger zu Grobin bei 
Libau) Anmelfung zur Bienenzucht. 10) D. Meyers 
Hebammenkatechiemus. 11) Pafl. Mylichs Clemens 
tarbuch. Es har mehrere Auflagen erlebt. 12) Barons 
v. Ronne Vorſchrift darüber, wie die Aufſeher der 
Bauern vernuͤnftige Eintheilungen in der Wirthſchaft 
zu machen haben. 13) Stobbe (Schullehrer in Mis 
tau) Lieberfekung des Fauſtſchen Gefundheitsfatechiss 
mus. 14) Deſſen diaͤtetiſches Kochbuch. 15) Yettis 


{che Quartalſchrift. Diefe erfchien zwei Jahre hin 
durch in den Jahren 1797 und 1798, konnte aber, 
wegen der damals für die Literatur der hiefigen Ge 
genden fo ungünftigen Umflände, nicht länger befte: 
ben. ie war theils der Belehrung, theils der blos 
fen Unterhaltung gewidmet, und enthält öfonemiiche, 
naturbiftorifche und gefchichrliche Aufſaͤze, Eleine Abs 
bandlungen über Gegenflände der Moral, Beiſpiele, 
Erzählungen, Gedichte, Anmweifungen zum Schreiben 
und Kechnen ıc. und bot, nach der Verſicherung meb: 
rerer Prediger, den bemerklichften Nutzen geftifter. Gut 
mwäre es daher, wenn fie wieder in Gang gebracht 
werden koͤnnte. Aber die weite Entfernung der Zen⸗ 
furbehörde, (in Dorpat) und die Umftändlichkeiten bei 
der Zenfur, — zwei Dinge bie hier die Herausgabe 
einer Zeitfchrift unendlich erfchrweren, haben Berleger 
und Herausgeber dieſer nüglichen Zeitſchrift, vor der 
Hand von jeder Fortſetzung derſelben abgefchredt. 
16) Rofenbergers Fabeln und Erzählungen. 17) Zi⸗ 
gras Baumgärtner, Die vielen Erbauungs: und 
Predigebücher, mehrere Eleine Gelegenheitsfhriften, 
Schulbuͤcher und einzelne Liederfammliungen, werden 
hier Übergangen. Aber was hier nicht Übergangen 
werden kann, — und wär es auch nur, um wieder 
dahin zu kommen, von wo ich ausgegangen bin, — 
ift ein von dem Paftor Eiverfeid zu Apriden in Kurs 
land, unlängft ausführlich angekündigten, Lertiiches 
Erbeiterungsbucd; bies ift der Titel Es iſt 
nicht zu zweifeln, daß der Verfaffer zur Herausgabe 
deffelben diejenige Unterfiügung finden werde, die er 
— befonders vom Kurländijchen Adel erwartet,. der 
fich jederzeit fo edel als liberal in allem, was bie 
Kultur feiner Bauern au nur auf die entfernteſte 
Weiſe bezweckt, gezeigt hat. Diefes Buch bat die 
Abficht, das Vergnügen der Ketten bei ihren gefell: 
ſchaftlichen Zufammenkünften zu veredeln, und eben 
damit auch zu mehrerer Bildung derſelben beijutras 
gen. Der Inhalt deifelben ift: 1) Eine Uebertras 
gung der Schillerſchen Ode an die Freude, die neben 
der Ankündigung bereits abgebiudt worden iſt. Sie 
wird darin jwar eine für die Letten paffende lies 
berfegung genannt; aber ich zweifle faſt, daß eine Let⸗ 
tifche Uebertragung diefer Ode überhaupt paffend fey. 
Gerner: 2) eine Menge gefellihaftliher Epiele ; 
3) drey Fleine Schauſpiele; zwei aus Kotze bues Als 
manach dramatifcher Epiele vom v. I. uͤberſetzt, naͤm⸗ 
li: die barmherzigen Brüder und unfer 
Fritz, welches Ießtere, um bes Wohlklangs willen 
im Lettiſchen Muhſu Jahnitis (unfer Hänschen) 
betitelt morden if. Das dritte Echaufpiel ift vom 
Herausgeber und führt den Titel: Ta dſimſchan es⸗ 
deena, (der Geburtstag). Es foll auf die allgemeine 


Empfehlung der Schutzblattern abzwecken. Den Be 
ſchluß macht 4) eine Idylle in Herametern, aus ſechs 
Gefängen beftehend und Behrtuls un Maja betis 
telt, Der Derfaffer bat davon eine Probe aus dem 
dritten Geſange, ebenfalls binter der Ankuͤndigung, 
geliefert. Diefe Idylle (cl, wie es in der leßteren 
heißt, nebft jenen Meinen Theaterſtuͤcken, als Inter— 
mezzo zwifchen ben Geſellſchaftaſpielen abmechjelnd 
vorgelefen, mit diefen zugleich sicht nur das Vergnuͤ—⸗ 
gen der Letten fehr befördern, und den zu häufigen 
Genuß der bieher üblichen, ihrer Gefundheit und 
Moralität gleich nachtheiligen Vergnuͤgungen des 
Gaumens und der Kehle, betraͤchtlich vermiadern, 
fordern auch noch fo manches zur Bildung ihres Ge 
fühls, zur Belehrung ihres Verſtandes und zur Ders 
edlung ihres Herzens beitragen, 

Der Zweck ift edel und gut. Möchte die Wir: 
fung feines Buchs ihm entfprechen, — vor allem 
aber der Wunfh des Derfaffers zur Unterftügung 
deſſelben, in Erfüllung gehn! Es würde dadurch der 
Kreis der Brariffe bei den Letten, welche bis hierzu 
das Idyllenleben eben fo menig als den Herameter 
gekannt haben, eine wahre Bereicherung erhalten. 

A— 6. 
Launen des Schickſals, 


oder die Prinzeſſin als Dienſtmagd und 
die Gräfin als Milchmädchen. 
( Durchaus wahr.) 
Mai meinem Aufenthalte in... .. wurde ich mit 
den beiden £... befannt, welche lange auf dem 
Vorgebirge der guten Hoffnung gelebt hatten. — 
Ich fuchte ihre Geſellſchaft, weil fie Frauenzimmer 
von vieler Geiftes: und Herzensbildung find, welche 
Umgang mit intereffanten Menfchen aus den verfchie: 
denften Völkern, Reifen, Lebenserfahrungen und 
eine wohlgewaͤhlte Lectuͤre fehr intereſſant gemacht ha⸗ 
ben, — Sie leben in philoſephiſcher Kube und Abs 
gejogenheit auf einem reigenden Kandhaufe, auf mel 
chem ich manchen angenehmen Morgen und Abend 
hingebracht babe. 

Eines Morgens ging ich fräh bin, mit zwei 
Tendenzen des verfloffenen Jahrhunderts in den 
Taſchen; in der einen Wilhelm Meiſter, in der ans 
dern Fichtes Wiſſenſchaftslehre. — Jh war zu 
früh gefommen, und fand noch niemand, als ein 
meibliches Helen von etwa 40 — 50 Jahren, deren 
platte Naſe und halbfupferfarbenes, von den Poden 
zerfetztes Geſicht, meine Aufmerkſamkeit bisher nicht 
febr angezogen hatte. Sie fpielte eben mit großer 
Fertigkeit und komiſch vergnügten Mienen und Ge: 
bärden, ein Städchen auf der Maultrommel; als fie 


— 291 


mich erblickte ſteckte ſie ihr Anftrument ein, und 
wollte ſich entfernen. Aber die heitere Laune, in 
welcher ich mich befand, erlaubte mir nicht, fie fo 
fort zu laffen. — Ich fpann ein Gefpräch mit ihr 
an; fie wurde immer zutraulicher und jeigte mir 
alle ihre Vollkommenheiten, d. h. fie tanjte und 
ſprach mir auf Hottentottiſch und Malayiſch, fang 
Malayiſche Lieder, nannte mir die Namen vieler 
Dinge in beiden Sprachen. Dabel war fie ausge: 
lajfen luftig, fpielte mitunter auf ihrer Maultrommel; 
lachte, ſprach auch wohl einmal Deutſch, Hollaͤndiſch, 
Franzöfifh oder Englifh, — alle vier Sprachen aber 
gleich ſchlecht und Feine verftändlid. — Je länger 
ih mid mit dem fonderbaren Geſchoͤpfe unterbielt, 
defio mehr intereffirte es mich. Ich drang in fie, 
und verlangte ihre Gefchichte zu wilfen; nun wurde 
fie finfter, traurig, nachdenfend, und ihre Augen 
füllten fi mit Thränen. Ad, fing fie on, fonft ich 
vornehm, reich, glüdlich; mein Vater König, ich 
Prinzeffin; jetzt Ich arm, ungluͤcklich, Eclavin, mein 
Mater todt; Abrabam todt; Kinder todt. — 

-Die Traurigkeit verhinderte fie weiter zu reden; 


und eben trat auch ein Milchmaädchen näher, das 
der traurende „Bogge “ Deichäftigung gab. — Das 
Maͤdchen war ſchoͤn und heiter wie der junge Mor: 
gen, blühend, von Geſundheit firogend, mit einfältt: 
gem Geſchmack (wenn id fo fagen darf) gefleider; 
fie ſchwebte freundlich gruͤßend näher, — kurz, ein 
Milchmaͤdchen, wie fie fonft nur in der. Phantafie 
der Maler und Dichter, oder durch ihre Phantafie 
exiſtirt. — Wohl dir, holdes, "fröhliches Gefchöpf, 
daß du nie eine Prinzeffin warft, fagte ich bei mir 
feibft, du wuͤrdeſt dich jetzt unglädlich fühlen. 

Mun famen auch meine Freundinnen zum Bor: 
ſchein, und der Eroff unferes Geſpraͤchs war was 
ich gefehen, gehört und empfunden hatte, 

„&ie wiſſen gar nicht, nahm die eine das 
„Wort, auf melchen großen Fuß mir leben; unfere 
„Aſiatiſche Hausgenoſſin ift wirklich aus Föniglichem 
„Blute, und das Milchmaͤdchen ift die Tochter einer 
„Framoͤſiſchen Comteſſe. Der Vater der erſtern 
„feine von der im Ed: Afien fo weit verbreiteten 
„Mation der Malaien gemwefen zu feon; er war Kb: 
„nig eines Doltsftammes in der Gegend der Pro 
„vinz Benkolen. Die Engländer fingen Krieg mit 
„ihm an, er verlohr mit den meiften der Erinigen 
„in der Schlacht fein Leben, vielleicht hätte feine 
„kaum noch erwachiene Tochter das nämliche Schick 
„fal gehabt, wenn nicht ein Engländer ſich ihrer 
„angenommen hätte. Er nahm fie zu ſich, brachte 
„fie im Worbeireifen mit auf das Cap, mo er fie, 
„weil fie Erank wurde, unferm Verwandten anyer: 


„traute. Er reil'te weiter, und ließ nie mehr etwas 
„von fi hören. ie blieb bei uns, murde zwar 
„nie als eigentliche Sclavin behandelt, aber doch zu 
„allerhand Eleinen häuslichen Geſchaͤften angehalten. 
„Aber fie war zu nichts Sonderlichem ju gebrauchen, 
„weil fie weder Meigung noch Talent ju etwas an 
„derm hatte, als zu den fhönen, einer Malatifchen 
„ Prinzeffin würdigen Künften des Sprung : Tanzes, 
„des Maultrommelfpiels und des Schnalp Geſangs. — 
„Indeſſen war fie une ergeben und wollte uns nicht 
„verlajjen, als wir nach Europa reiſſten. Hier beira: 
„tbete fie einen unferer Neger; doch ihr Abraham 
„farb nach einigen Jahren; eben fo die drei Kin: 
„der, welche fie von ihm hatte. Sie ſteht alfo jekt 
„ganz allein: getrennt von dem Daterland und den 
—— durch Länder und Meere, oder durch den 
od. Gelbft ein mit Malaiifcher Echrift befchrie: 
„benes Blatt, welches ihr fehr theuer war, und 
„welches fie mit aus ihrem Materlande gebracht 
„batet, bat, fie in einer Krankheit werlohren, 
„Sie ift oft aͤußerſt fröhlich, verfällt aber auch leicht 
„aus der ausgelajfenften Luſtigkeit in die trübfte, 
„duͤſterſte Laune.“ — 

„Dos Milchmaͤdchen iſt die Tochter einer Fran: 
„bſiſchen Emigrirten; fie Fam in den erfien Jahren 
„dee evolution in Deutfchland zur Welt und 
„wurde von ihrer Mutter auf dem benachbarten 
„Hranzöfiichen Koloniftendorfe einer Bäuerin in die 
„Keſt gegeben. &ie bezahlte auf einige Monate 
„voraus und verſchwand bald darauf, — mars aus 
„Leichtfinn, aus Noth, oder aus der Ueberjeugung, 
„daß das Eleine Weſen als Bäuerin glüdlicher fein 
„würde? ch weiß es nicht. — Die gutmürbige 
„Pflegemutter börte nicht auf, freulich für fie zu 
„forgen, und äußerte fi öfters, fo lange ihre dref 
„eigenen Kinder noch Brod hätten, folle e6 dem vier 
„ten lauch nicht fehlen. Obgleich das kleine Wefen 
„ganz wie die Übrigen Bauernfinder erjogen murde, 
„so zeichnet es ſich doch vor feinen Gefpielinnen 
„durch Lebhaftigfeit, Talent und Nettigkeit aus. — 
„ihren Heinen Putz weiß fie artiger omiulegen; aus 
„allem weiß fie etwas ju machen und ton ihrer 
„Pflegemutter, die fie jeßt in ihren Arbeiten fehr 
„willig und eifrig unterflögt, wird fie fat mehr ger 
„liebt, als ihre eigenen Kinder,” — 

So warf das Schigſal eine Afiatifche Prinzeffin 
und eine Franzöfifche Comteſſe zuſammen in eine 
Deurfhe Provinz, um da — zu dienen! — 


€, 
Beobadhrung. 


onft war es ein worzügliches Lob, wenn man von 
jemand fagte: er fehreitet mit feinem Zeitalter fort; 
eder es calt für ein Ehrenwort an feinem Grabe, 
menn es hieß: er iſt fiets mit feinem Zeitalter fort: 
ſchritten. — Mach gerade wird diefer Lobſpruch aber 
br jweideutig, weil das Zeitalter in vieler Rüdfiche 
surödicpreitet. In Zukunft wird man- fagen müllen: 
„er widerftand dem Krebsgange feines Zeitalters und 
blieb unberührt von den Vorurtbeilen deffeiben," — 
wenn man den Damen eines Mannes von innerer 
Kraft und hellem Geifte feiern will, E. 


Riht-politifhe Zeitung. Nro. 6o. 


3. Augeburg hat man einem jungen Menschen, der ſchr böse: 
artige natürliche Pocken harte, die Kubporen eingeimpft, und, 
ſoalach hat ſeine Krankheit eine gute Wendung genommen, und, 
der Kramte wurde jehmeit bergeſtellt. Ä 





Der Praſident des Senat conservateur rangeis von 
Keufcharcam, batte in Diion einen Yreis von 50 bouisd'or auf 
das belle Gedicht anf Buonaparres Beſteigung des Thrones ges 
fege. Ein ſehr junger Dienkb har deu Preis gewonnen, ein: 
Gedicht heit: „Matesberbes's Traum.” Malesherbes im Ger 
füngntd, und ſtündtich feinen Tod erwartend, nehe die Gottheit, 
um Nertung feines Warerlandes an, und entſchlaft. Ein Engel, 
eribeine ibm, zeigt ibm de noch bevoriichenden Ungtüdsfalle,, 
und Yuonaparte als Kerter Frantreias, England befiegt u. W. 
Die Idee des Ganzen tik, wie man ſieht, abyenupt, die Bere 
find - mirtelmakin. — „Da bat man wieder einmal einen Ruf 
genistet, umd einen gutem Kopf verdreht!“ rief Boltaire bei eis 
ner abntichen Preiserkemmung aut, — Ort wolnte am 26. 
Err. der Aurıbrang feiner | ucıe ou Puma Je la muson 
Bei, NIE Das beruhmte Suatuer: Ol prut-on ẽtre mieux, 
qu’au sen de sa famnife, gefungen wurde, frönte man ihn 
unter dem ‚lauten Neifal der Versammlung. 

— Die Elcven der Maleratademie zu Paris baben dem 
Maler Gros ein glanzendes Gaſtmahl gegeben, um die Kronung 
feines Gemaldes noch feerlider zu machen. 

— Die Kae der fhönen Ktnfte des Mational: Infitutes 
au VBaris, bat am z9ten Seot. mit ſehr aridımadonlien Feier 
Hicbkeiten die Preiſe der Malerei, der Bildhauertunſt, ber Pau 
kund, des Kupferiiohens und der Muſit, verteilt, Man muß 
yeeien, daß die bei dem Inſtitut einaeführie Weit, Me Sin 
fenidaften umd die Kunſte zu beinrdern, einige Borzüge bat vor 
der bei andern Akademien gebrauclichen, mamlid dan lange Abs 
bandlungen uber — —, bei deren Vorleſung es ſchon schwer 
wird, fich Des Schlaſee zu embalıen, im diden Banden zuſam⸗ 
mengthauft werden, die kein Menſch wicder aufſchlagt. 


Aus Frankfurt a, M. Ende Septemb. 


En aroäcd Intermeno dei unſerer Meſſe machte die Annäher 
rung des Katiers dar Framzofen, und feine Antunſt in dem nur 4 
Meiten entfernten Mali. — Vierſehn Zage lang wurde er 
erwartet ; aron war ber Zufuf von Fremden aus allen Sranden 
in Maim. Endlich traf der zum Herrſchen Verufene ein, und 
zu gleicher Zett jeine Gemahlin. — Ich will ein wenig ansplauır 
dern, was ich zeſehen und gehört habe” Die Schanluitigen er⸗ 
bat der Mann nicht febez er iſt zu thätig, du ermfihait und 
zu ſrena z dabei bat er das Veritas odiınm parıt nicht 
gehörig beherzigt z cn... amt melden zittern vor ihm Die Beam 
ton des Ainten Theinmiers! — Er ſcheint alwſend zu fen, 
mad er fherte nicht mir ihnen. Kurn er veint ald Regeut; in 
unbefchreibdich thatig, uuterſucht alles ſelbſt und genau, umd 
Hit gern dem Uebel ab. — Er ideint ein wenig unmillig su 
feun; was er anf dem Tinten Rheinufet fieht und hört, mul 
ihm freilich zum Theil verſtinimen. — Die Leute welde er vor 
fich hat, durbihaut er bald, und wei fie richtig zu ühagen. — 
— — Don Deutichen Furſten, welcht ihn im Main beiuchten, 
ſchelut er vorzüglich den Churerztaniler audjupichnen und dw 
ehem. — Bor einigen Tagen lieh er ſich im einer Frantſur · 
ter Buchhandiung zwei Eremplare von Kogebuts Erinnerungen 
aus Paris taufen. — Anfangs verlangte er eine Franıvi. Ue⸗ 
berchung, da dieſt aber midt veorbanden war, io lieh er das 
Hrigimaf Fanien, um es wenigftens theitweiſe, fi überfegen me 
tan. — Er bat den benem Theil feiner Ediaujpteler nach 
main tommen laſſen. Die Trogödien melde fie „aufführen, 
koer umd fieht er mir Ruhe und turmertiamteit...l.atond, 
die Durchesnons amd Kuueousf werden jene im dem 
Theater bewundert, wo vor ywölr Jahren bei Leovolds Kalſer⸗ 
rent — — Det der Deutſche macht nicht gern die Bergieis 
chunz ⸗ — — — 


Das hiefige Nationaltheater gab, wir armähnfich im dem 
Meifen, jeden Abend eine Oper, oder alu Schauſoiel, — meiftens 
sur großen Zuſtiedenheit des Publitume, gut gewahlte und gut 
dargettellte Stucke, — nur mar man mit dem Mechaniſchen, 
der Maichinerie und dergl. mit ganz jnfrieden. — Gin Here 
Grechristy fand im eimigen Gaſtrollen bei einem Theil der Publi⸗ 
tums ausgezeichneten Beifall. Seme Idee, die Yeirumg des hier 
figen Theaters ju übernehmen, deſto weniger, 


Aus Gtaliem 


Dar Ritter Banderlini zu Kiracafa, der Hiebererinber ber 
Achten Papprusraude und des Yramidichen Weinſtocks, den man 
in Deutſchland ſchen lange aus Bartels, ned immer nicht über⸗ 
trofenen Reifen nad Elcilien kannte und ſchäzte, if bei gams 
nenen Nadıgrabungen an einen Platz, den man die Gärten a: giar- 
dını mennt, auf herrliche Antiken geſtoen, die ihm Aufwand und 
Dnftrengung treglich vergkteten. Der icheuſte Fund war eine 
dis auf den Kopf unvergleichlich erhaltene Veuus Marina, oder 
Anadyomene (aus ber See Heramfitiende). Alle, die fie ges 
fchn gaben, ſtuumen darım überin: dah fie zu den köſtlichſten und 
vokendeteften Antilen achere, Die auch den Unglaubigten vom 
den Wundern der alten Kunft uüderzeugen. Sie ſteht etwas 
vorgebogen im einer Muſchel, Die ihr von hinten bis am bie 
Knieteblen richt, den Deiphin jur Seite. Aber auch bier trifft 
Das aite Sort: die Bötter verleihen din Sterblichen nichts ohne 
Zujag von Bitterteit, Der Kov’ zu dieſem idealen Marmorbiide 
ie alle Nachſuchungen ungeachtet nirgends zu ſiuden geweſen. 
Das im Halie noch benndliche Eiſen deweiſt hiulanglich, das er 
auch ſchon früher bios aurgejepe geweſen fei. 


gu Ida 


Da dm Direttor der Goben Lehranſtalten und sum Confitoriats 
rarh berufene Brofefor Meiäner war bier, und empfing von 
dem aehaimen Rath Arnoldi Die merhigen Jufruitionen. 
Meine war bekanntlid; weit einiger Zeit Kbon in Prag der ein 
ige wroreitintifche Prosfor mit 1000 Sl. Gehalt, und ob ihm 
eich bis icpt feine unmittelbare Beranlamung gegeben wurde. zu 
glauben, dab eine Lehrkanzet einem Katboliten zugedacht fen, fo 
fdıien doch Bielen feine Lagt ſehr unſicher. Der Gekeime Rath v. 
Gectinat, den der Ertorinz von Oranien ſich vom König erbeten 
hatte, um ibm bei der Oraamiiation des fücnlarifieren Fulda beis 
jufichn, trar olzuſtreitig durch Meiincre Berufung eine fchr Muge 
Tabl, da dierer mir dam Sarbelifdben Studienweſen vertraut, Dem 
am Pande augemeſſenſten Plan entwerſen fonnte Nach ſeinen 
Nor iblagen wird ein höherer liniverlitars ı Curius unter der Bes 
nennung Luceum, und ein Gninnafium fur den Echulı Unterricht 
fartt finden. Rektot des letztern wird Wroiefer Bierg in Dort 
niund. Ans Loream ſollen mehrere Wroicioren vom Kar wocirt 
merden: Krug, aus Frantzurt an der Oder, Boos, aus Halle, 
Ereuger, aus Heidelberg, Polis ans Peipsig, ſind dalu dm 
Vorſchlaa. Metiner wird noch vor Dilerm feine neue Stelue ans 
teeten. Jeder Verſtaudige ſceanet dem menen Kiteiten, — der mit jele 
tenem Ernſt umd tujilorer Thatigkeit, der Regierungsgeſchafte lich 
unter ieht, und am Memoldi einen Katbgeber von tieren Einſiche 
ten und ſtreagen Grundiagen Imt, — fur Biere wohlthatige Schul: 
rororm. 





Der Ameige einer Buchhandlung sufolge, hat ein Herr Fra mi⸗ 
bach ihr ein Teueriviel: „„ Die Belagerung vorn Hamburz,“ wahre 
ſcheinlich die Geſchichte Snitgers und Kafiram's. , in Verlag geben 
wolten,als plöglich die Anerbietiingen verſchiedner gronen Rubnen dem 
Reri. bewogen babın. das Manuftriet erſt zut Mid, Meſſe 1805 
dru fen zu Taten. Es it Edrade, dar di: ıronzm Anlu eh nidıt genamme 
werden. Es wäre allenfalls der Miche werth zu erıubren, wo Das Yur 
blitum wohnt, dem man noch wagen darf, Madwerte des Herren 
Fiir) Ram b ach (M aurimtiichem ® 


— — — — —— 


1804. 


Freitag P 


ern f 


und 


Nro. 204. 





ARSTIDES, 
Der Sreimütbige 


den 12. Öftober, 


Sdhe xr 





Leonore, die neueſte Oper des Capellmei⸗ 
fters Pär in Dresden. 


ie Kunft: und Marurreiche Kefidenz der Auguſte 
an der Eibe, befigt auch mehrere berühmte und ver: 
dienftvolle Männer, Gelehrte und Künftler, deren 
Nahmen in allen Provinzen Deutfder Zunge mit 
Achtung genannt wird. Es befigt nice nur in dem 
Dberbibliorhefar Adelung den eifrigjten Eprachfor: 
fer und Sammler für Literatur und Gefchichte, in 
dem gewiſſenhaft firengen Reinhard den größten 
Kanzelredner des proteftantifhen Deutfchlande, in dem 


Griechifch:gelehrten Arzt Weigel und in dem Arc. 


häologen Böttiger wackre Philologen; fondern 
auch an Graff und Graffi, die zwei geiftreichiten 
Portraitmahler, an Hartmann einen ibeenreichen 
Hiftorienmahler, an Mehou den trefflichſten Land: 
ſchaftsmahler in idealiſcher Compoſition, fo wie an 
Kiengel den gluͤcklichen Portraitmahler wirklicher 
Naturſcenen, an Zieb, Schumann, Schulz 
wackere Kupferſtecher in verſchiednen Gattungen, an 


Schuriht einen erfindungsreichen und geſchmack 
vollen Architecten und Kunſtgaͤrtner, an Seidel' 


einen felbftforfchenden und gelehrten Botaniker, und 
außerdem eine Menge trefflih unterrichteter Liebha⸗ 
ber und Dilettanten in Wiſſenſchaften und Künften, 
die, wenn fie auch zum Theil gar feinen Pläg in 
Meufels Selehrten: und Künftler: Protocollen erhal: 


ten haben, und als Gefchäftsmänner in ganj andern 


KReeifen wirken, dennoch eine ſehr ehrenvolle Etelle 


als Beförderer, Kenner, Forſcher in verſchiedenen 
Fächern einnehmen, und oft darum um fo mehr 
Gruͤndlichkeit und Tiefe haben, je weniger fie den 
gefhmägigen Kiefelbächen und ſchnellverrauſchenden 
MWaldgewäffern gleichen. 

‚Aber Dresden befißt jegt auch ben reichften und 
unerfhöpflichiten Tonfeper in feinem Pär, der im 
Einklang mit der vortrefflichen Churfürfttichen Capelle, 
und den meift in Italiens giädlichen Himmeleftrichen 
gebildeten Eänger und Eängerinnen , ſchon vortreff: 
liche Opern für das Dresdner Operntheater compo: 
nirt bat, und noch mehrere componiren wird, da er 
feit kurzem förmlich und für immer als Churfuͤrſtli— 
cher Capellmeiſter unter fehr vortheilhaften Bedin— 
gungen engagirt worden iſt. Pär hieß bisher immer, 
noch Eapellmeifter des Herzogs von Parma, von wo 
er zuerft nach Wien, und von ba feit 2 Jahren nad) 
Dresden auf unbeflimmte Zeit berufen worden war. 
Die Italiaͤniſche Oper, die in Dresden ftets mit der 
erften Mittwoche nach Michaelis anfängt, weil mit 
Michaelis der in allem äußerft pünftlihe und gewiß 
ſenhafte Churfuͤrſt regelmäßig feinen Sommeraufent: 
halt in Pilnitz mit dem in der Nefidenz vertaufcht, 
wurde den zten Öftober mit einer neuen Oper von 
Pärs Compofition Leonora oder l'amore conjugale 
eröffnet, die dann einer alten, fehr güt berechneten, 
Einrichtung zufolge, fogleih in den folgenden Opern: 
tagen wiederholt wird, Paͤr Hatte mehrmals geaͤu⸗ 
hert, daß diefe Eompofition ihm vor vielen frühern 
theuer feg, und Beinen geringen Aufwand von Mühe 


gefoftet Habe, Und jeber Lnbefangene fand aud in 
der Muſik ſelbſt diefe Meußerungen volltommen bes 
ſtaͤtigt. Pär ſcheint die duͤſſern Szenen und Eituatios 
nen in feinen Compofitionen vorzüglich zu lieben und 
aufjufuchen. Man denke nur an die Camilla und 
Griſelda. Auch in der Leonora find Kerfer: und 
Mordfjenen an der Tages: oder Nachtordnung. Flo⸗ 
reftan, ein edler Spanier, wird durch feinen bittere 
fien Feind, den Commantanten einer Feftung, in ee 
nem abfcheulichen Kerter aufbewahrt, und ſoll, da 
der Miniſter die Gefaͤngniſſe zu durchſuchen ſich vors 
genommen hat, durch den maskirten Commandanten 
ſelbſt im Gefaͤngniſſe erſtochen werden, als er durch 
die Dazwifchenfunft feiner treuen Gemahlin Leonora 
gerettet, und durch den Eintritt des Minijters befreiet 
wird. Leonora bat fih, um Eintritt au erhalten, 
beim Kerfermeifter als ein armer Waiſenknabe in 
Dienft begeben und erſcheint mährend der ganjen 
Dorftellung in männlicher Verkleidung. Die Tode 
ter des Kerkermeifters, Marcelline bat ſich in bie 
traveflirtefeonore verliebt, und erleichtert darurch der 
treuen Gattin den Zutritt in den innerften Kerfer. 
Diefen fehr langweilig behandelten Stoff belebte 
Pärs Genius, fo gut es ihm wahrſcheinlich unter 
diefen Umſtaͤnden möglih war. eine fon bins 
laͤnglich befannte Kunft, alle Inſtrumentirung zur 
rechten Zeit geltend zu machen, zeigte fich auch hier 
wieder in ihrem vollen Glanze. Nur fehlen es, als 
würde das feine, genialifche Einfachgroße und Ruͤh⸗ 
rende oft durch zu große Ueberladung niedergedrädt, 
Auch Hätte man Pie und da wohl noch mehr Neues 
und die Dertheilung und Ordonanz der Arien vor: 
theilhafter, und für die Wirfung eingreifender ges 
wuͤnſcht. So folgen auf einmal drei Eopranarien 
auf einander, Doch mar der Eindrud des Ganzen 
gleich bei der erſten Borftellung vollfommen befriedi- 
gend. Dbgleich die Prima Donna, Madonna Re— 
cardi Pär, etwas heiferer Stimme war, gefiel fie 
doch ſowohl durch Ihr ausdrudsvolles Epiel und die 
Gemwandtheit, die fie in der männlihen Verkleidung 
bewies, als [dur den fchönen Vortrag, ungemein, 
Der große Tenorift und als Sänger nur mit wer 
nigen in Europa vergleihbare Benelli *), der eben 
erft aus Stollen zurüdgefommen war, ergoß ſich an 
feiner Kette in jenen berjfchmeljenden Tönen, die man 
ſchon lange an ihm gewohnt ift, ohne aber die Der 
zierung zu übertreiben, Bor allen aber erndtete die 





”) 68 find fo eben im der großem Vreitkovfſiſchen Wiufitar 
Uenhandiung in Zeinyig Duo Arielte e quatso Duetti con 
accomp. dıPianoforte von ihm erfhienen, nad welden ſich 
das ze feiner mufitatijchen Kenntuife sienalicg genau beitims 
men (kt. 


zweite Gängerin, Demoifelle Käfer, ungetbeilten 
und lauten Beifall ein, da jedermann ihren giüdli: 


‚Gen Fortfritten in Gefang und Epiel volle Ge 


rechtigkeit widerfahren lief. Sie ift eine Leipzigerin 
und von den feltenen Ausnahmen, die im nördlichen 
Deutfchland eine Kehle voll Italieniſcher Yieblichfeie 
und Diegfamkeit erhielt. Freilich hatte fie auch an 
dem trefflihen Sopran Cecarelli bei der Dresde: 
ner Capelle, einen vollguͤltigen Singmeiſter. Allein 
ohne eigenes Talent und die hartnädiafle Anſtren⸗ 
gung, würde fie doch in fo Furzer Zeit das nie ge 
werden ſeyn. Die VBerlegenbeit, die bei ihrem erften 
Auftreten im vorigen Winter bemerkbar war, hatte 
ſich in liebenswärdige Unbefangenheit veräntert, und 
ihre Stimme war viel gehaltreicher, tönender, ausges 
bildeter. Echreitet fie fo fort, fo wird ihr fein Dom 
bild unerreihbar ſeyn. 

Den zweiten Akt verſchoͤnert eine mohlgeordnete 
neue Deforation vom Theatermahler Winkler, vol 
Kerfergraus und Auinen, Morzlalih mar ein halb 
verſchuͤtteter Ziehbrunnen, der bier zum Mordkeller 
dienen follte, gut ausgeführt. Die e ſte Vorſtellung 
erhielt dadurch einen großen Reiz, daß Paͤr fie jeibjt 
mit feiner unermüdeten, uͤberall hingerichteten Aufs 
merffamfeit beihätigte und dirigirte. Ein dreimalıges 
Viva nah Beendigung des Stuͤcks bezeigt ihm die 
Dankbarkeit des Publikums, und mar zugleich «in 
Zuruf des Glüdwunfches für den Dieifenden. Denn 
am folgenden Tage reife er nah Stalien ab. &r' 
bat Einladungen von Venedig und Kom erhalten, 
für das diesmalige Karneval eine Oper dort zu fom: 
poniren. _ Auch bat ihn die Königin von Etrurien 
ju gleichem Zwede nach Florenz berufen, Er mird 
alſo erft im Fruͤhjahre 1805 nad Dresden zuruͤckkeh⸗ 
zen, wo er dann vielleicht sine Vermählungs: Oper 
zu kompeniren erhält. Paͤrs Opern dirigirt unter: 
deſſen in Dresden der Kapellmeiſter Seidelmann, 
der dafuͤr beſonders 300 Thaler erhaͤlt. 


Briefe eines Niederſachſen ıc. 
(Bortfehung, > 
Achter Brief. 


BR 
Mi großem Bedauern verlieh ich den Königeftein, 
doch, — nur noch drei Meilen, und ich war in Pe: 
terswalde, dem 'erften Böhmifchen Drt, auf dem ich 
geflipfenelich einen Ummeg nahm, um das Böhmifche 
Gebirge deſto länger zu genießen, 

Auf dem Wege dahin überrafchte mich mit un: 
beſchreiblichen Reizen zuerſt das Dörfchen Kotterdorf, 
und dann wieder, nach einem freilich einfoͤrmigen 
Wege von einer Meile, Berg: Bieshäbel, oder, 


mie es allenthalben in der Gegend von Dresden 


beißt, Gieshäbel. Man hat in den Ichten Jah⸗ 


ren von diefem Wade und der reijenden Natur, von 
der es umgeben iſt, fehr viel, aber nicht zu viel ges 
ruͤhmt. Hätte hier die Kunft ſchon geforgt, daß man 
die Anmuth der Gegend mit mehrerer Bequemlich: 
keit genießen koͤnnte, und hätte die Polizei ſchon die 
Fuß: und Fahrwege in einen beffern und gefallen: 
dern Etand gefeht: Berg: Gieshuͤbel müßte in Hins 
fiht des Angenehmen, mit den ſchoͤnſten Bädern 
Deutſchlands mwetteifern können. Ich genof die mah⸗ 
leriſche Natur um diefen Ort nur flüchtig, meil ich 
noch vor Nachts Bohmifchen Grund und Boden zu 
erreichen wuͤnſchte. 

Mein Wunſch gelang mir; aber erſt fpät am 
finftern Abend kam ich nah Petersmwalde, dem 
Kaiferlihen Grenzort auf der Straße von Dresden 
nach Prag, Der Schlagbaum am Thore war ſchon 
längft vorgejogen, und mein Wagen durfte ihn nicht 
eher paffiren, als bis ich in der Expedition, auf allen 
Seiten von Inquirenten umringt, bier höflich, dort 
ungejtüm befragt war, wer ich fey, wohin ich wolle, 
mas ich in den K. K. Erbflaaten zu thun habe, vor 
Allem aber, ob ich nicht Kaffee, Zucker oder Taback 
bei mir führe. — Die Einfuhr diefer Artifel it bei 
ſchwerer Etrafe verboten, — Auf Borjeigung meines 
Pafles ven der Kaiferlihen Geſandtſchaft in Dres: 
den — und ohne einen Kaiſerlichen Paß darf nie: 
mand, es fey wer es wolle, das Kaiferliche Gebiet 
betreten, — wurde ich indeß artiger behandelt, und 
ein Kaiferlicher Kommis erbot fi fogar, mich noch 
deffeiben Abends zu vifiticen, da ich eigentlich die 
Nacht über meinen Wagen anf dem Erpeditionshof 
hätte ſtehn und den Koffer verfiegeln laſſen muͤſſen. — 
Ich vergalt diefe Gefaͤlligkeit mit einem halben Gul⸗ 
den, hatte indeß den Kaiferlichen Commis wenig zus 
frieden geftellt. Denn während ich in der Expedition 
meines Echeins wartete, ſchlich er fich mit dreien 
feiner Cameraden zu meinem Kutfcher, und fegte dies 
fem mit der Verſicherung, daß ich viel zu wenig ges 
geben hätte, fo lange zu, bis er einen jeden der 
Herrn mit — einem Groſchen abfand, Ich mag 
über eine folche, freilich erniedrigende Bettelei Fein 
Derdammungeurtheil fprechen: wer weiß, wie dieſe 
Menſchen beſeldet find? 

Herzlich froh, noch dieſen Abend abgefertigt zu 
ſeyn, ließ ich mich nach dem Gafthofe führen, und 
man bradte mid an das Haus eines Echlächters, 
Allein alle Zimmer diefes Hauſes waren bereits be 
fegt von einem Ruſſiſchen Grafen, der mit einem 
gewaltigen Gefolge hier übernachtete, während feine 
halbnadten Leibeigne gleich Hunden, unter den beis 


den Packwagen zur Bewachung auf offner Straße 
lagen. ‚Die Erſchutterung des Weges von meinem 
anfommenden Wagen, rüttelte die Aufmerkfamfeit 
diefer Inglüclichen auf, und mit einem gedamfen 
tofen tbierifchen Gaffen, das mir das Herz durch⸗ 
ſchnitt ſarrten fie meinen, von einer Laterne bel 
teten Wagen an, Mie babe ich das Gieifteödtende 
der Seibeigenfchaft in einem fo grellen Lichte gefehen! 

Am andern Morgen verließ ich Peterswalde, 
deffen Einwohner ſich vorzoͤglich mit Berfertigung 
von Schnallen und Ähnlihen Sachen nähren, und 
fuhr auf den Ricen des Boͤhmiſchen Gebirges hin: 
auf, um Über den Geiersberg nah Töplig ju Foms 
men. Welche intereffante, noch nie —— Erſchei⸗ 
nungen boten fi mir auf dieſem Ge irgsrüden bar! 
Die frappantefte war mir die, daß ich fiatt eines un: 
abfehbar ausgedehnten Gefichtefreifes, den ich erwar⸗ 
tete, einen ganı, aufererdentlih keichränften fand, 
obaleich weder Wald, noch font Etwas bie Aus ſicht 
verdeckte. Bei ur Nachdenken fand ich indeß 
biefe-Erfheinung ſehr natuͤriich. Ich war ja. bier 
auf dem Küden eines Gebirge, das auf beiden Gel: 
ten zu fchroffe Wände hatte, als daß ich von diefen 
Mänden etwas hätte bemerken fünnen, und aus der 
Ebene ragten nirgends Gegentände fo hech bervor, 
daß fie bis in meinen Geſichtskreis gereicht hätten, 
außer in fo weiter Ferne, day Fein Auge fie ju er 
reichen vermogte. — Sehr intereffant war mir die 
Merfchiedenheit, melche ich zwiſchen der Ebene und 
diefem. Gebirgsrüden in Anſchung des Klima's und 
feiner Wirfungen bemerkte. Unten batte ich ben 
Roggen in feiner vollen Bluͤthe, oder vielmehr im 
Abbluͤhen geiebn; oben war er faum eine Epanne 
lang, und das Semmergetreide hatte gar erſt Spiben 
aus der Erde getrieben. Unten hatte ich die Luft 
drüdend warm gefunden; oben mußte ih mid vor 
Kälte in meinen Mantel büllen, und nicht lange fo, 
waren mir fogar die Fuͤhe fo erflarrt, daß ich eine 
Etrede gehen mußte, um wieder Gefühl in fie au 
bringen. Am durddringendfien war bie Kälte in 
Eberedorf, dem Faiferlichen Grenzort auf der Strafe 
von Dresden nach Töplig. Das fand auch der bier, 
in feinen Mantel gehüllte, auf und nieder laufende 
—— Grenzaufſeher. Mit einem Erbfeigen Fluche 
verficherte er, es ſey bier ein verdammtes Leben; denn 
drei Vierteljahr fen es bier Winter, und ein Diertel: 
jahr Falt. — Wie behaglich war es mir, in der ges 
—* Wirthoſtube mich wieder durchwaͤrmen zu 
Önnen! Und doch war es fehler Mittag. Mit Ber: 
langen fah ich der märmeren Region entgegen, in 
weiche ih den Machmittag nieder fommen wuͤrde. 
Mein Schaäfal auf dieſem Gebirgemege glich auf 
die WWeife meinem Ergehen in Hinficht der Philoſo— 
pbie unſter Tage. us der bebaalihen warmen 
Ebene meiner Juaendgefühle hatte mich diefe in die 
höhere Region des Falten Raͤſonnements geführt: 
ac, wie bald fehnte ich mich nach den beifern Zeiten 
zurüd, wo außer der kalten Vernunft, auch die er: 
wärmenden Gefühle ihr Recht bei mir behaupteten 
und ihre Wirkungen an mir aͤußerten! 

Laß mich abbreshen, fonft verliere ih mich auf 


Abwege. 
(Die Fortſetung folgt.) 


— 296 — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro 6t. 


Deßbericht aus Franffurt am Main, im Septem⸗ 
ber 180% 


E, un EIER == Oiand, un 
veraleichtiches WBerter ; eine Golge beifeiben, bie ganze elegante 
Welt, dovpelt elegant, doppelt Hebenswirrdig; die Schönen jeigs 
ven ſich mehr Öffentlich; auch die Fremden, welche micht gerade 
des Hamdeld wegen kommen, waren zahlreicher, ) — kur bie 
Meſſe war ſchöͤn, — aber auch gut? — Mein, ſpricht ber 
Kaufmann! Doch 

Je mehr ber hat, je mehr er wii, 

Nie ſchweigen feine Klagen ſtill. 

Bei ben jetzigen fchweren Zeiten war fie gar nicht beſſer zu 
winschen; fie war unter bem ſchlechten die beite. — Doch das 
Mertantiliſche fare ich wicht ins Auge. Beliebt dirs, lieber 
Leier, einen Gaug durch Die Meſſe zu machen, fo geſell dich zu 
mir, ib leite did vorſichtiglich durcs das bunte Gewühl, — 
Wir gehn zuerſt am den Mainz da iſt fir dem tiere etat ger 
dorat; da ſind die Morhmendigkeiten des Eebens und der Burus 
der Kinderwelt, — Die foliden und billigen Waaren ber 
Mefiobältihen Yabriten find Hier friedliche Nachbaren Der Nuke 
taer Vfeifentäpfe, Dietenborier Gchretbimaterialien, Eoburger, 
Mürnberger und Schmattalder Waaren ; der Prefertuchen, Maufs 
trommeln, Gchmelihigelden ꝛc. Hier find fan ohne Ausnahme 
Deutihe Waaren. — Ein Ort für den Patrioten! — Haft ber 
namliche Fall ift auf dem Kömerberg; daher wandern mir Beute 
won Geſchmack ſchneul drüber bin. 
Mann fegelt unfere Wiinesrkiamfeit auf einen Augenblick. Er 
hat die glückliche Idee, Grinf ver Srüd vom feinen Waaren 
ohne jr handeln für 11 Batzen zu verkaufen. — Die bequeme 
Merbode findet Bein; — er hat Zuſpruch. — Such bir felbit 
den Grund day, Diocheloniicher Leier? — Auch an Nachahmeru 
fehlt ed ihm nicht; — e int auch ein Zebmbagen : Mann und 
Sech treuzers⸗ Mann aufneſtaunden z immer wohlfeiler — Die 
Menge Magaline ben Kreuzgang, den Liebfrauenberg, wo auch 
ehe viele Buben Reben, übergehen wir, und führen dich durch 
den Römer (das Kathhaus). Hier id der Vorhof zum Tempel 
des Purus und ber Dioden; — ber Hauptort fh iR Das fchene 
Mraunfeld; ein regelmänige? Gebaude, in deifen Rez de Ch ius- 
sce die Borſe und orachtigt Magalinec, und in der erſten Etage 
gegen: 100 Buben find, 

So wie, mad dem Ausſpruch eined arohen menerm Phllo⸗ 
fopben die Seide die Poeſte der Baummolle if, fo 
iR- onenbar das VBeaumfels bie Pbeſle des Nömerbergs und der 
Mainbuden, — wer das nicht begreift, der If ofenbar eine ges 
meine Matur,. uud bat weder phlleſorhiſchen, noch poetiſchen 

D. — 

* Es iR eben Borſezeitz unten wimmeltd von dem Sohnen 
Merturs; — man hört michgs als bie abasbrodenen Worte: 
turze Sicht, — lange Sicht. — Amtderdammer, — Londoner, 
— pier und drei Quatt. — Mir, denen diefe neue Myſtit des 
Handels fremd if, sieben ung bald zurück, nachdem mir fire 
erite nur Aüchtig die Echage der Kun und ber Framief. Pites 
ratur ünberblicht haben, weiche von Fontane umd Artäcıa bierr 
ber gebracht werden. — Die Schate der Mode ihrer Nachbarin 
Mereau, baben für. uns das Interee mit, welche fie fur 
die einheimiichen und fremden Echonen haben, won welchen ihr 


Magazin wimmel. 
— — — — — — — — 


Anmert. In den Regittern dee blegen vortreslichen 
Leſegereilſchaft ſtehen von den letzten Monaten allein, mehrere 
100 Fremde aus allen Gegenden Eurepend, und ans allen cul⸗ 
tipieren, Etanden ; obaleib man doch nicht reif't umd die Meine 
befudht, um u leſen. ... Mile befriedigte die vortreffliche Eimriche 
tung diefer Anftalr, welche unter der Leitung des allgemein ge⸗ 
fhäpten Miniſter· Reſident v. Cchwarjtopi und feiner humanen 
Bebutien, eine immer größere Bolttommenbeit errricht. 


Do ber Elfbagens' 


Wir fleigen alfo bedachttich Die Treppe hinauf und fioßen 
da auf grautiche Scentu. Hier finkt eben Tipvo Bahib unter 
dem Gdiwerte der Engländer, neben ihm fieht man den ſter—⸗ 
benden General Wolf; Domenico Nachtmahl und eine Kreu⸗ 
Haung achn vor den Mugen des Tambourinior von ber Cons 
fulargarde vor, — Untite Köpje im neucſten Franzoſtichen Ges 
ſchact viehen unſere Blicke am, welche die aus dem Gig fier 
sende Dame mit ben Fütztn von fih Möht. — Eine Anadio: 
mene und Amor umd Pihche, mildern unfern Schrecken ein we 
nig, der ſich gany verlisrt, indem wir nun fo unter dem Buben 
unmhermandeln, Leib Geben! Da werden vom zwei fchönen 
Schweſtern die Pariier Schuhe gemußert; geben Sie Acht 
Eben probiren fie einen ans miedliche Funchen: — Hier, ber 
biete ſremde Herr beſteht auinı.rdamı die Monftranien im Elf: 
berfaden! — Ein Adonls kauf ſich darmeben beim wlelgereiiten 
Sierougmus Loxznetten: wie ſeine Augen glüßen durch die Fünfte 
liche Bemaruung! — Gish Die Nyauhe, welde da fo leicht vor 
bei jdhieett, mir dem Körbchen in der Hand! — Sie iſt der 
Aufmertramteit des Adonis nicht unwerth. — Er folgt ihr, — 
Sie wird ibm gewih Beinen Korb geben. Der Siegreiche — 

Doch weiter, Ua was ſind denn dort De Beobachter auf 
ber Straße verſammelt? Ein Kaib mit einem Tuche verſchletert! 
Wirttich, fo erwad bar man moch micht gefchen! Gegen Prär 
numeration nimmt der ſchlaue Laudmaun, der ee heute zum 
erſtenmal Der Weit producırt, den Schleier weg, wub wir ers 
blicken — ein Kalb mit fünf Beinen! Das ih fe 
bendwertht Dergleichen Aonstra per excessum fin» weit 
feltener, als Die Monstra per defectum, . 

— Auch ein Wort vom Theater! Als der Maridaß 
von Sachfen gegeben wurde, fpieite das Prerd, weldes darim 
auftrat, feine Rolle ſehr gut, 


Aus Jena, Der ehrmürdige Boh war feit 4 Jahren 
unſer Mitbürger und lebte in einer Vorflabt, wo er fib einen 
Garten mit einen beanemem Wohnbaue gekauft harte, im länd ⸗ 
Hd rußiger Abgezogenheit, feine Zeit gwilchen den frohlichen Gare 
tengefchajten umd ben urn theilend. Mur zuwenen machte er 
einen Ercurs su Goͤthe nah Weimar, In Jena war fein Um 
gang nah Schutzes Abreife far mur auf Griertah, Eichnadt 
und Fernow eingeſchrankt. Das Treiben und Weſen der tink 
verſitat biieb ibm fremd. Nur am ber meuerrichteten Jenau 
ſchen Untverfinät nahm er thätigen Autheil. Dafür macht 
auch Gothe ſelbſt eine meiſterhafte Edrilderung feines fchriftitel: 
leihen Charakters, im eben dieser Zeitung. Als nach Börtigers 
Abgang beim Weimartſchen Sumnaſium alleriei Veranderangen 
vorgenommen werden jollten, hatte man Voien gern zam mad 
Weimar gejogen, und ihm bie Oberaumicht über Das Gymna ⸗ 
(um anvertraut. Allein er ſchlug afle Anträge der Art ab, 
hatte aber Das Vergnugen, feinen Altelten Gobn als Proiefor 
beim Weimatiſchen Sommafium angeſtellt zu fehn, wo er mit 
all gemeinem Beifall lehrt und wirkt, In dir Mitte des Som⸗ 
mers machte Voß ee Meiie zu ſeiuem alten Lmiverfitätsireund 
Mitler im Ulm, wobei er ſich zum Beirwertreib die Ueberiegung 
des Henodus zu vollemden vorgenommen hatte. Auf Diefer Neiie 
erieit er beipmders durch des Doktor und Pandesdirertionsrath 
Yaulus Bereich, im Wiridurg fehr einladende Autrage, Wirsburg‘ 
im ſeinem fitnftigen Wohnort ju wahlen. Mau bet ihm 3000 
Fl, Gehalt, ſteie Wolnung und einen angenehmen Garten, 
Roh hat den Autrag angenommen und verläit Iema. Zu gieis 
cher Zeit erhtelt all »fein Cohn im Weiner einen Ruf nach 
Wirzturg. Doc diefer icheint den Aufenthalt in Weimar vors 
zuziehn. — Aus Voßens Youlfe iſt eben ein trefflicdhes Tate im 
Feauenholzens Kunfverlag Fertig gewerden, weiches der geſchickte 
Kupierdeher Schumanu in Dresden geſtochen hat. Voßens 
Buſte it vom Bildhauer Tiet in Weimar gleichem als Oryen: 
Rick zu der von Wolf in Halle, die er dm vorngen Winter nit 
algenteinem Beifall beemdigte, recht brav verfertigt worden? 
Beide find bei dem Kuͤnſtler im Weimar ſelba das Stuckzu 
10 Ibalern, iu haben. 


——ñ ——— — t — 


1804. 


Nro. 205, 





Der Freimuüthige 


Eonnabend, 


ern f 


Muſitet. 


Methode de Chant du Conservatoire de 
Musique ä Paris etc, — 

Singeſchule des Conſervatorium der Muſik in 
Paris, in 3 Abtheilungen. Leipzig, bei Breit⸗ 
kopf und Härtel, 


on diefem für Gefang und Bildung der Stimme 
fo wichtigem Werke, kündigte gleich nach feiner Er⸗ 
fheinung die Breitfopf: und Härtelifche Mufithands 
lung eine Ueberfeßung an, die fo eben vollendet 
ift, und wovon — fo wie von dem Inhalt des Gans 
gen, — eine Meine Anzeige den meijten Leſern bier 
wohl nicht unintereffant fein dürfte. Das ganze 
Werk (deffen Entftehung durch befondere dazu beanf: 
fragte Mitglieder des Sonfervatorium, zu denen auch 
der für die Tonkunft zu früh vwerftorbene Bernardo 
Mengopsi, der Bürger Giunguene, u. 4. gehörten, 
ſchon befannt ift; enthält in 3 Abtheilungen: 1) die 
Grundſaͤtze des Öefanges, und Stimmübungen, 
2) Eolmifationen aus den beſten ältern und neuern 
Werken, 3) Arien in allen Tafrarten und von allen 
Eharafteren. 

Die Kegeln und Grundſaͤtze diefes Werke find 
nicht, wie die meiften, die wir Über den Geſang haben, 
ſchwankend, unſicher und leicht hingeworfen, fondern 
durchdachte, wohlgepräfte und firenggeordnete Ideen. 
bei denen nichts zu wüntchen übrig bleibt, als daß fie 
zuweilen erwas ausführlicher behandelt wären. 





und 


‚ben 13. Dftober, 


Zuerft wird über den Mechanismus der Stimme 
geſprochen, das gefchifte Athmen beim Gefang als 
weientlih auseinandergefeßt; hierauf folgen Anwei⸗ 
fungen, die Skalen zu Üben, die Bruſtſtimme mit 
der Mittelftimme und Kopfftimme zu verbinden, fer- 
ner Über die Art, die Töne zu tragen, (Portamento) 
über die Verzierungen des Geſanges, über die mufis 
kaliſche Phraſe u. ſ. w. 


Der intereſſanteſte Theil iſt unſtreitig der, wo 
von der Ausſprache, von den verſchiedenen Arten des 
Geſanges, und von dem Aus druck deſſelben gehan⸗ 
delt wird, 


Der Saͤnger, heißt es, muß das treue Organ 
des Dichters und Muſikers ſeyn. Um ihre Abfiche 
darzulegen, muß er davon durchdrungen, muß er 
von beiden begeiftert ſeyn, und dann fie vergeffen, 
Dann neymen die Töne, die er wiedergiebt, und die 
Worte, die er ausfpricht, einen Accent an, der noch 
weit mehr jur Kührung und Bewegung beiträgt, 
als die Worte und Töne ſelbſt. Eben dadurch ent: 
fiehe der Ausdrud des Geſanges, ohne melchen 
aller Gefang, und wenn er nach den kuͤnſtlichſten 
Kegeln erlernt wäre, nur leerer Schall if, Der 
Ausdruck (E. 95) kommt aus dem Gefühl; aber, 
um immer ausdrudsvoll zu feyn, muß man fich 
nicht ftets dem Gefühl Überlajfen. Es giebt Eeinen 
Ausdruck ohne Wahrheit. — Der Geift muß bas 
Gefühl leiten, in Kenntniß der Menfchen aller Yan: 
der und Zeiten. Lang und mähfam ift dies Studium, 


— 498 — 


aber unerlaßlich fuͤr den Saͤnger. Ohne Studium 
feine Wahrheit, ohne Wahrheit Fein Geſchmack, ohne 
Geſchmack fein dramatifcher Sänger, — So iſt es 
auch unerlaßliche Pflicht eines jeden Saͤngers, welche 
die Herren Derf, diefer Schrift noch dringender hät: 
ten empfeblen follen, alle Worte, alle Sylben deut: 
lich und hörbar auszuſprechen, welches — befonders 
in Deutfchland, — jeßt unter die Eeltenheiten ge 
hört. Was Über die Gefanges: Arten, und nament: 
lich über das Kezitativ gefagt wird, ift ebenfalls vor: 
trefflich. Man muß eingeden? fegn,. daß man im 
Rezitativ zugleich fingt und fpricht, eins Kegel, 
wovon die meiften unferer Sänger gar feinen Bes 
griff Haben. Die fehlerhafte Manier einiger unferer 
neuern, befonders Frangöfifher Componiften, das 
Rezitativ, das fih am meiften der Sprache, und der 
einfachen Deflamation nähern foll, mit Berjierungen 
zu überladen, haben Deutfhe Tonkünftler mit Neche 
zu verdrängen fich bemüht. Don dem „Kantabile* 
un die Derf. „diefe Geſanges-Art, die man mit 
decht das non plus ultra des Gefanges nennen 
fann, wird heut zu Tage ganz vernachkälfiget, und 
fheint ihrem Unrergange nabe zu ſeyn. Zu min 
ſchen wäre erg daß fie wieder auflebte. Aber 
feit einiger Zeit hat man nicht Geduld genug, zu 
fludiren, weil man zu genießen ſtrebtz und jehafd 
unfere jungen Leute wahrnehmen, daß fie eine erträg- 
lihe Etimme haben, merfen fie fi unbefennen ins 
Gebiet der höhern Mufit, ohne ihre Grundzüge zu 
fennen. Man will fertig werden, ohne die geringite 
a. Leider iſt dies nicht bloß bei der Eingefunft 
der al, 5 

Defonders rg ren ft, was die Perf, 
am Echluß der erſten Abtheilung von den harmonis 
fhen und literarifhen Kenntniffen fagen, die ein 
Eänger, der Anſpruch auf den Mamen eines Kuͤnſt⸗ 
lers macht, nothmendig haben muß, Micht blos die 
ſchoͤne und ausgebildete Stimme macht ben vollende 
ten Zänger, er muß auch eine ausgebreitete Kennt 
niß der Afforde, der Geſetze der Harmonie, und der 
Modulation befifen. Er muß vollfommen feine 
Sprache verfiehen, damit er die Norte richtig auss 
fprehe, und alle Feinheiten und Schattirungen des 
Styls faſſe. Er muß Dieter lefen. Porfie und 
Geſchichte werden fein Gedaͤchtniß ſchmuͤcken, feine 

bantafie ertwärmen, und fein Gemuͤth in der großen 

timmung erhalten, welche nötbig üft, große dramas 
tiſche Yeidenfchaften auszudrüden, den &barakter und 
die Giefinnung der Perfonen wiederzugeben, von des 
nen die Geſchichte oder Fabel ſpricht, und die er 
darftellen foll. “ 

Die vollſtaͤndige Ueberfegung diefes Werks, (es 
ift noch eine andere angefündigt, die aber, mie es 
beißt, ohne Franzbſiſchen Tert, der bier beigedruckt 
ft, vielleicht nur im Auszuge erfcheinen wird) iſt — 
wie man fiebt — von einem fachfundigen Manne 
unternommen worden, der nicht fflaviih fih an 
den Buchitaben des Originals gebunden, aber den 
Geiſt deſſelben treu und anziehend wiedergegeben 


bat, Der Drud ift korrekt, deutlich, geſchmackvoll, 
wie man von Werfen diefer Verleger ſchon gemohnt ift, 
Die weite und dritte Abtheilung enthalten nun 
die praftifchen Uebungen jener im * Theil gege⸗ 
benen Grundſaͤtze und Regeln. Sie find aus den 
befien Werfen Älterer und neuerer Komponiften ges 
nommen, aus denen eines Colonna, Caffaro, Con- 
£forto, Terradella, Perez, Ilasse, Gluck u, a. 
edbe Abtheilung wird auch er verfauft, 
Moͤchie dies in feiner Art einzige Werk, auch in 
Deutfhland die gute Aufnahme finden, die es fo 
fehr verdient, — r. 


Der Korn-⸗Eunugel. 
Ballade 


en Geliebten ju erwarten, 
Stahl ſich Rösden ahnungsvoll 
Aus dem ſchattigt ⸗/ Aillen Garten, 
Eh die Abendalock erichen. 
Sengt gleih Sonnenbrand 
Mir Geſicht und Hand; 
m verrathen bexun're Wangen 
Sthuendes Verlangen 
And fie wat auf Wieſenwegen, 
Wo fein ſchirmend Baͤumchen fühle 
Nirgends will bie Luft ſich regen, 
Nitgende wird das Gras burdmwählt, 
Heifer Strablen Blut 
Treibt Das raſche Blut, 
Nehtzt die Stirn mit Perlentropfen, 
Schwellt des Buſens Klopfen. 
Eol der Armen Kraft ermatten ? 
Scläft der Weſe muntre Echaar? 
Relie Saaten bieten Schatten 
Dit den ſchlankten Achten dar; 
Ein verſuntner Gtein 
Auf dem Wiumenraim, 
Ueberwolbt mit Halnıenfoigen, 
Bader ein sum Eigen, 
Greier atomend fünfte Die Hofbe 
Gonuenhur und Buſenſtor; 
Sein gewebt aus Seid’ und Gofbe 
Drangen Flechten ſich hervor, 
Stiehen bis zum Aniez 
Liebend traumet fie; 
Einnig werden Ritteriporen 
Dann zum Sviel ertoren, 
Und bewegt von leiſem Flüherm 
Wogt das gelbe Halmenmecerz 
Grifbe Luftchen buhlen lüftern 
um die blonden Locken ber, 
Wunderbar, dach Kind, 
Bläht ein Schauerwiud 
Mit vernohinem, fin Schwellen 
Ihres Schleiers Wellen. 
Röschen firhle eim ſanſtes Bebtu — 
uns bie Önnen fich. 
dangſam aus der Piorte ſchweben 
Germinerfalter wunderlich, 
Bilden einen Zug 
Mit gelainem Flug; 
Sumt genugt, wie Pfannenipiegel, 
@ind bie Varpurlügel. 
Aber fieb! weich neues Wunder 
Beigt ſich ihren Augen dann 
Un den Bortrab fchlieit ſich munter 
Blank umd nett ein Pruntgeivann, 


— 11 — 


Heinen, wfittihgriim, 
Soldgeſprengelt, sichn; 

Hoch vom Bord ein Käfer lentet, 
Der ein Gräschen ſchwentet. 


Shimmernd folgt ein Muſcheſwagen 
Aus dem Keldı von Jeuermehn. 
Bon der leichten Luft getragen, 
Sitzt im glühnden Bhacton, 
Zart, wie Kill’ und Kof, 
Keine Epanne groß, 
Kurblumen um das Stirnchen, 
Engelihön ein Dirnden. 


Horcht Der Dame jarte Etimme 
Kurt gebietriſch: „ Närer, baltı“ 
Som GWerolg’ eilt Müd umd Imme 
Zu des Wagens Thür alsbald, 
Hält den geldnen Tritt, 
umd mit Gehrem Schritt 
Wallt durch ber Cyancaſtengel 
Blauen Wald der Engel. 


Eorafih breitem Raup' und Spinnen 

Gilberyindel e Ratten auf; 

Kai, mır angſtlichtin Beginnen, 

Läuft umber die Wieſenmaus. 
Die Gebieterin 
Schreitet lansfam hin. 

KRöschen bebt, doch bieibt fie fichem, 

Muß den Aussang ſchen. 

„ Unterbrecht die dauge Stitlit, 
ufiter! mit Gang und Klang!“ 
Eilig nahen Lerch’ und Grilie, 

Und erheben Klang nnd Gang. 
Echmeljend, wie Magie, 
Schwirrt Die Melodie, 

Aus den Mund ber Heinen Schön 

Sieht in Trauertönen ! 


„ Ebwefter! wende Deine Tritte 
Nach ned Gartens Paubengrün, 
Nacht wird auf des Babes Mitte, 
Zodesnacht dein Aug umsiehm. 

Roschen! flich den Baum — 
In der Amelge Raum 
Bielt Gefahr mit scharfen Preilem, 
Möschen: au ereilen, 


Söschen lauſcht mit Furt und Gramm 
Auf den rathſelhaſten Tom; 
Koum vermag fie, hinuſchauen — 
Doch der Zauber in entſtoh'u. — 
Sant das Engelein 
In den Boden ein? 
Eich! «8 foreifen aus dem Moofe 
Ednell Zipref’ und Roſt. 


Aramt mic, Holde Btütengmeige! 
Krängt mich, Möschen rorh und wehrt 
Ach — entfärbt jur blaſſen Leicht, 
Bricht fie nur Zypreſſenreis. 
wie fie ſich auch bückt, 
Was He emfig plc: 
Alte}, was fie fanm erreichen, 
Galbt iu Tedtenzweigen. 


Soll fie Aichen oder weilen? 
Glauben, was die Mugen fehm? 
Sn den Arm des Trauten eilen, 
Oder traurend rüchwarts gehm? 
Ah: wie bang und ſchwüt — 
Aber lieblich tuhhl 
Evringt an Tiebeheilger Stelle 
“us Granit die Quelle, 


uRöschen! wende beine Schritte“ — 
Singts der Zogeraden ins Ohr — 
„Nacht wird auf bed Pfades Mitte” — 
Doch dort ragt ber Thurm Gerber, 
Und vom bumteln Wald 
Winft der Aufenthalt, 
Wo Hei ihres Yinglings Küiſſen 
Eorgen weichen mtüfen. 


Eriüt ertönten mit die Gloden? 
Schlug der Liebe Stunde ſchon? — 
Röschen folgt, wohin fie laden, 
Uchtet nicht bed Himmels Drob'n, 
Düfre often yichn; 
Hirt und Gchmitter fichn, 
Dem Gewitter zu enteilen; 
Laut bie Winde heulen, 


Röschens Burien Gebt ſich bänger; 
Fern iR mod der Liebeswald; 
Blitze ſchlangeln ih — umd langer, 
Praſſeluder der Donner halıt. 
Drüben weit und breit 
Winmert das Getaut, 
Das, wenn jornig Donner bröhnem, 
Sünder ſoll entföhnen, 


Degen Arömt, geneitiht vom Winde; 
Zuntelheit bedeckt das Feld. 
Hoc emwor ſtreckt eine Linde 
Dort ihr Haupt, vom Big erhellt, 
Robechen weint und jagt, 
Und, von Angft geingt, 
Slicht fie nach dem eini'gen Baume 
In dem Öden Raume. 
Surdtbar tracht der Eturm im Wibfel — 
Bild umſauſt ibe Haar den Stamm; 
Aus der Zweige bödtem Giprel 
Zuckt herab die Feuerdamm', 
„Brich, du liebend Kerns! 
Rury if irrdiicher Schmerz r’ 
Xönt ed filbern durchs Geſchmetter; 
Roechen — ſentt die Blätter, wür 


Fried. Kind, 


Noch ein Wörcchen über Mondfteine. 


Eine neue, fehr wahrfcheinliche Hypotheſe zur Ers 
klaͤrung ihres Urfprungs, 


S. viel Aufſehen auch in unferer Zeit die ſoge— 
nannten Mondfteine erregt haben, fo ift doch, meines 
Ag noch feinem die Ehre widerfahren, weiche 
Kaifer Heliogabal (ju —— des dritten Jahrhun⸗ 
derts) dem erjeigte, welcher in der Syriſchen Stadt 
Emefa, in einem prächtigen, fehr reihen Tempel, als 
das Symbol der Eonne verehrt wurde, Er mar 
ſchwarz, und es hieß er ſey vom Himmel gefallen, — 
Heliogabal war als viergehnjähriger Knabe in feiner 
Marerftade Emefa der Hobepriefter diefes Mond: (da: 
mals Sonnen:) fleins; als er Kaifer wurde, führte 
er ihn im Triumph in Kom ein, baute ibm dajelbft 
einen Tempel, gebot den Gonnendienft im ganjen 
Mömifchen Reiche, vermählte feinen &tein feierlich 
mit dem Monde x. x, Goliten aus diefer Verbin— 
dung nicht die neuern Mondfteine entflanden ſeyn?? 


€, 


- 3770 — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 62. 


Auszug eines Briefe aus Goͤttingen. 


lauben Sie nichts won den igen Gerüchten mander 
adıcijmetenden Zweifler über das Schickſal unierer Georgla « Au⸗ 
gufa, Bernadotte if, wo möglidı, noch fdüpender-ald Mortier 
fur wie Uuniverfität. Auch bat Das Nationalinſtirut in Paris auf 
Vater Heynes Weranlafıng, dieſe im ihrer Mrt einzige Am 
Ratt in Deutihland Ceigue Worte des Imititube) mehrmals 
auis nacbrüchlichfte dem Katier Napoieom empiohlen. greulich 
fühlen die Einwohner und Yrofeiforen, als Haundverſche Staates 
Bürger, auc die Laſten des harcbebritchten Staats. Aber die 
Fonds der Univerſitat find heilig und unangetadet, bie Frequenz 
eber gröfier, der Gehalt der Profeiforen, die auswärtige Anträge 
Hatten, it vermebet, neue Profeiforen an die Stelle der wenigen abs 
gegangen. m, werden mit den anchnischtien Bedingungen (1. B. 
Garusin Leirng an Ammons Gtelle) berufen, die Bibliothek, 
die geiftitge Schagkummer diefes Diufenreidid, wachn täglih und 
wird bald auch Die gange Untrerſit at⸗ lirche, im die fie fon ſtark 
hineiugewadnen it, einnehmen ; die Vater ber Univerfitat, Henne, 
v. Martens, Meiwers uf. w. fprgen unabläftg und alles 
audirt und beachtet ſein: «um hıc? Ein ſonderbares aber ſrohliches 
VPhanomen war kuri vor dem Abgang des allgemein verehrten Churs 
prinjch von Baiern von unierer Umiverhrat, ein Bau im Heynes 
EStwdirgimmer, der dem Prinien dort argeben wurde. Wenn man 
bedenkt, dafs ıeltft im der gelehrten Werkſtatte, woramd Birgit und 
Homer und Yındar im meuer Vertlaͤrung ausgegangen find, Die 
muntert Terpfichore ihr loſes Eviel trieb: ſo verliert man auf eln« 
mal afle dunere Borfiellungen von unfern Seiben und Drangfalen, 
Die sich die Berpeniterieber im Auslande fo fchr im Herien gthen 
tafen, daß fie ueber gar teine Studenten mehr Im Gortingen eins 
pafircn Infem möcdten. Blumenbad, eine Zierde umferer Unt⸗ 
verhtar und von den Framiofen vorziglich geibagt, bat in diefer 
Mich aelismeſſt fern langſt erwartetes Lehrbuch Kur die Anatome 
somparals herausgeben, eim Schatz feiner Beobachtungen. 
Ueberkaupt ſoricht und Yainmert und — Dampfi es tae ferer als je⸗ 
mals tm unferer gelehreem Wertaatie. Fervet ollicıma, Hier 
und da tanjt freilich au bier Grau Venus, wahrend ber gewerb‘ 
fame Wuteiber zu Hauit ſchmicdet uud fchumilit, Das ift aber einmaf 
je Sitte. Die 15 und 1666 viererung der Geidhichte ber Auiffenfdnie 
gen bei Rower, Die swechmadige Suite Bateintiber Autoren bei Dies 
tuuch und Ane Menge Neuigkeiten, ielbit in dieſer Barglichen Herbſt⸗ 
meife, deartunden anne aelthrie Thattgtelt. Florillo har die Gemalde ⸗ 
Gauerie der Unlverſitat im einem beiondern Werte beichrieben. 
Aus Beimar. unfere Ehanipielgenfite werden und 
fürs erite mur ſehr foarfam augerbeitt,. Mur Sonnabends it 
eine Vorſtellung. Man but ausgebreitet, der von Gothe auts 
meue bearbeitete Gög von Berlichingen wurde bei der Wieder 
erofnung des Theaters zuu Imbin und Willtommen gegeben wer 
den, und es hatten fi daber aud viel Schauluſtige aus der 
emitegenden Gegend eingefunden. Alıeim ſtatt ſeiuer erſchten 
uns die Gaalınire des Herm Vulpius, der bier, beiläufig iu 
erinnern, amgleidh Vibllothetar bei ber ofentlihen Heriogl. 
ubttorhet if, die jegt eim geraumigeres Lotat beipmmen hat, 
und der im dieier Zunctlon viel Betriebſamteit und Genauigteit 
veweid, Erft den 22ſten Sert.) kam ber BR an die Reihe, 
Wr hat durd die meine Bearbeitung wur wenige weientische Vers 
anderungen erlitten, auger da noch einige üheater » Eoups und 
Gruppen dazu gekommen find, Bei allen anertannten Schon ⸗ 
heiten eines Stuckes, deſſen Einfing auf Die Umitinmung des 
DSeutſcheu Thratergeitumads wohl no einer eigenen Un—⸗ 
terinbung loben würde, maadıre bed) Die zahllo ſe Ahengr von 
furjen abarrigenen Citnem, bie bit Geſauchte eines Menſchente⸗ 
“pen in ſich Tann, und im alen Winteln von Schwaben und 
Stanten vorgehn, den Zußörer famwindelm. Das iſt ber 
wahre Ausdruck ie bie Wirtuns des Gamer. Wenn es aber 
auch das bolisnberfte Menerſtuck ware, fo wurde dech jeltit Die 
orterpeotre Bangmunh bes bieligen VPublifunis kaum auslangen, 
um be mehrmaltzen Wiederholungen bis Abends 11 Uhr im 
Ediamfpieltiame zu Nigem, Denn gerade jo lange vie das 


Etüd, Mit der Gchaufpielergeieliihar kam md Lauchnadt 
audı ein Dr. Stoll, Sohu das berukmten Wiener Urited, Bearr 
fafier des — Nachſpiels Ernft und Scherz mit zurück mad 
Keimar, Der Blildhauer Tief iR damit beſchaftigt, feine Bufte 
au machen. (11) Uebrigens jagt man fich jegt ins Ohr, Schiller 
werbe die holde Kasiertochter mit einem Igriicben Drama; der 
Zriumpbzug des Bacchus aus Indien betitelt, bei 
ung bewilltommmen. Gothe if, fo wis die hiefigen awei andern 
wirttichen Gelrimen Marke, Voigt und Echmidbe (lepierer Klopr 
ſtocts Zeirgenoſſe und Freund, den er im ber berühmten Ode am 
weine Freunde jo inrtlic amreber), und der GBehsme: Math vom 
Werhtolsipeim in Eisimacı, vom Herzog mit der wirtliden Ers 
eellen; begabt worden. Voigt und Schmidt find beide bürgers 
lich geblieben, und ehren als Manner von großen Verdienen 
ihren Etand nun bappalt, 


Yus einem andern Briefe aus Weimar, Endlich am 
7. Öttoper fam der fo lange erwartete Trousscau unjerer (Erbe 
prinjtſſin Marta, Kaiſerliche Hoheit, wirtlich bier an, Es wor 
ein jener Morgen and die frohe Neugierde trieb Klein und Groß 
dem Ruſſtſchen Bagengerimme bis in das liebliche Lunwaldchen 
auf der Grraße nach Jena, ber Webicht genannt, entgegen. 
80 Karren, sum Theil in ſehr baufalligem Zuſtaud, aber doch 
wacker belafter, mit 130 Pferden beipannt und vom 32 Fuhrieis 
gen oder Ruſmſtſchen Bauern geführt, marhten eine lange, fast unabfehe 
bare Wagenreie, Den Zug ſuhrie der Ruſſiſcht Etaterath Ludete 
in einem Wagen an, und ein Geurieribig bielt Ordnung. Der 
Zug ging umter dem larmenden Begleite ber Weimariſchen Heinen 
Belt die größere harte Feuſter und Thor beiegt, uder die Alm⸗ 
brucke im Parf durch den Schloßhof grade durch die ihnn? Alice 
nach Belvedere, wo die Wagen abgeladen und ihre Fuhrer eins 
quartirt wurden. Wenn man mur auch gleich hinter den ratalem 
ledernen Decken und Sacken alle die Koſtbarkeiten hätte belichäus 
gein umd bewundern tünnen, Die hier die ber:dre Göttin mit Den 
hundert Zumgen ſchon ſo eifrig verkumder hatte. Alieim diefe were 
den erſt mach der Ankunft der erbabnen Veligerim felrit zu ſchauen 
feon. Bas zu ihrer Binkunft dieibt auch der Etatsrathh mir zwei 
Unteroficieren und einen Klimfler, der alles orenet, bier. AIndeh 
erzahlt man ſich doch manner angenehme Wunderſagt vom 15 Fuß 
laagen Sottgeln, Fobelpelien von unermehlihen Wer, Edhmud 
und Juwelen in-unihägbarer Gröge und Menge m. f. w. reis 
lich bar auch manches ganz gewöhntiche Hausgerathe, ſeibſt Mid 
auf Fege; und Nenigungs : Üertizuge, die große Reiſe amd Des 
tereturg mitgemacht, Allein dies gehört num einmal zu einer voll⸗ 
konnen Ausſtattung einer Ruſſtſchen Kater: Toter, und alles 
win ſein Recht haben. Die Ruſſtichen Futztleute laſſen fichs betr 
gens aus der Herroglichen Küche und Keller trefftich ſcharecken, und 
balten orfae Tafel vor Vornehm und Geriug. Die Nuitdren Volls⸗ 
leder, die fie sehr germ abfingen, find etwas beiltömeisb und für bie 
verwohnten Obren der Mibenienier an der Iim miche. ganı jo meles 
deich, als fie erwartet hatten. Uebrigend werden grohe Borbereitungen 
gemadt, jun Compiang oes erichnten Ebepaars, Nur Die Jlaminas 
tion wird aus guten Grunden unterbleiben. Die P aigei geitatter hier 
nicht einmal Faktein bet dãeutlichen Auiiiigen und Kasıtmufiten und 
die Herrogi. Famitie bedienz ſich ihrer jelb mur sehr jelten. Denn 
die Garn ſind zum Theil noch sehr alt umd die 9 Auer and fehr brenm: 
barım Stegen zuſammenzeſetzt. Aber vom ſtattlichen Ehrenpforten 
umd uniform der Bewiulommenden if ſart die Rede. Miele glams 
ben, die hohen perridharten werden einmal gan vıögitch und unver 
hofft erichelmen umd, wie ale Dinmtpice, des ikemden Glanjes nicht 
beduritig feun. 

Anzeige des Red. Ein Herr Magiſter Eommer bat er fehr het 
genommen, dat in Mr. 49, Dieser Zeitung geragt worden, im feiner 
Buchhandlung werde cine Art von Trodelhaudel mir Buchern gerrier 
ben, die der Malulatur mabe find, — und ntirsur Widerlegung 
ein Bersichnis zugeſendet, das 74 Felten lang iſt und etwa 1000 alte 
Artitel, Tirdier, Mufitatien and Kupferikiane enthalt, die fammırtidh 
um die Hatfte, oder em Dritiel. feat fl um ein Viertel ubres erfien Preis 
ſes bei hin zu Haven find. Die Widerlcgung if duudis. 


nn 


1804. 





Nro. 206. 





Der Freimüthige 


Montag, 


ernd 


— — oder — — 


und 


Sdhe r 





Literatur 


Luna, ein Tafchenbuch auf dad Fahr 1805. Hers 
ausgegeben von Franz Horn. Mit Schillers 
Portrait. (Zhllichau bei Darnmanu.) 


&, Bud von 400 Seiten muß fehr intereffant 
feyn, wenn derXecenfent nur für die Mühe, die ibm 
das Durdlefen eines fo didleibigen Werfes werurs 
facht, belohnt werden fol, — aber leider. gehört die 
Luna zu dieſen intereffanten Buͤchern nicht. Das 
meifte was darin aufgetifcht wird, ift ſchaal und uns 
bedeutend, troß dem, daß falt dreißig Schriftſteller 
daran Antheil genommen haben, Aber Herr Horn 
bat die Gaftfreundfchaft auch zu weit getrieben; denn 
wenn er die meiften von den Gäflen, mit denen er 
ſich eingelaffen hat, abgemwiefen, und dafür einige bef 
-fere Dichter um Beiträge gebeten hätte: fo waͤre aus 
diefer Luna vielleicht noch etwas geworben, Seht iſt 
fie ein mixtum compositam von allem Schlechten, 
mas aus den federn feiner bejammernsmürdigen 
Keimfreunde geflojfen ift, und wird feinen andern 
Weg gehen, als — in die Mafulatur : Kammer, wos 
bin fie gehört. 

Die meiften Theilnehmer an der Luna find junge 
Dichterlinge, die den goͤttlichen Schlegel und ben 
himmliſchen Tiek nicht allein veneriren, fondern fo: 
gar auch imitiren, und ihre Gedanken und Halbge— 
danken, die befanntlich oft toll genug find, fi mit 
großem Eifer aneignen. Daß fih von dieſen 


‚Herren nicht viel Gutes erwarten läßt, verſteht fich; 
denn — ein Holzbirnbaum hat noch nie Roſen ges 
tragen, und diefe Poitafter find ſolche Holybirnbäume 
— oder, wenn man ju ähnlichen Vergleichungen lie: 
ber Gegenftände aus dem Tierreich nehmen will, 
ſolche Fledermäufe, die zwar flattern, aber nicht 
fliegen £önnen. Dieſe DBergleichung, um einen 
Augenblif dabei ftehen zu ‘bleiben, bärfte auch in 
der That fo Übel nicht feyn; denn das Flattern ab: 
gerechnet, müßten fich, dächte ich, noch manche Punfte 
auffinden laffen, in denen unfere jungen Neupoiten 
mit den Fledermaͤuſen harmoniren. Diefe lieben 
Thierchen geben befanntlid nur des Nachts aus, 
und beurfunden dadurch eine fehr fichtbare Vorliebe 
für Mebel, Nacht und Finfterniß, d. h. zur Myſtik, 
sie unfre jungen Dichterlinge; die Übrigens auch 
ohne die eigentliche Nacht, ohne die lieben goldnen 
E:rernelein, bewohnt von ſchoͤnen Engelein, mit jar: 
ten Pleinen Flögelein, und Kudeäugelein lieb und 
ſchoͤn, — keinen Ders zimmern können. Dann — 
doch ich will die weitere Ausfpinnung diefer Verglei⸗ 
Hung meinen Lefern überlaffen, und zur Luna felbit 
zuruͤckkehren. 

Das Beſte iſt noch, was von Glelm, Kind, 
Bothe, und der liebenswärdigen Dichterinn Louife 
Brach mann herruͤhrt, welche Letztere zwei Gedichte 
beigetragen hat, die in der That vortrefflich genannt 
werden koͤnnen. Auch verdienen die Poẽſien, bie 
mit Theanor unterzeichnet find, eine vorteilhafte 
Erwähnung, Mur münfchte Ih, daß der Merfaf 


— 30% — 


fer bei dem Liede an den Mond ein etwas Belleres 
Eotorit gebraucht hätte; faſt iſt es auch zu nüche 
tern. Die Gedichte von Friedrih Rochſitz find, 
ich fag’ es ungern, — hoͤchſt mittelmäßig. Diefens 
liebenswärbdigen Schriftſteller, der als Komanendich- 
ter fo viel ——* verdient, — do 
Das Nixenlied iſt beſenders leer, und von Allem 
Poẽtiſchen entblobßͤt. Was aber die Dichterlinge 


Kari Müchler, Laube, Franzesko, Krebs 


und Siefebrecht geliefert haben, ift vollends elend, 
Der letztere fingt in einem Weihnachtsliede: 

D Anäblein, wundenihe, X 

Las mid, dad ih Dich grüßec, 

Vicht länger mir verichliefie 

Der heil'gen Augen Licht: 

Daß freundiih es mir winfe, 

und fin ich micherfinke, 

Un Deine Krlve' und trinfe 

Dein kindlich Angeſicht; — 
(Hear Gleſebrecht bat ein Geluͤſte, Geſichter zu 
trinfen? Das ift lufiig! Mun freilich, jeht thut ers 
nur, weil das Wörtchen trinken auf finfen und 
mwinfen fi reimen fol. Darf ber Reim aber 
wohl jemand dazu verführen, dafi er Dionfens zu 
Martie bringt ?? — Doc weiter.) 

Daß hell es mid durchdriuge, 

(nämlich das Angeficht) 

Zum Kinde mid verdinge, 

Die alte Nacht beamwinge, 

Die hart mich noch umfict. 

Daß Deine cı!ı) ib mich fühle, 

In Deinem Lichte foiele, 

Das leuchtend fonder Ziele 

Aus Deiner Sripp' entglimmta 

Leon bem bie Kurt ergluhet, 

Der Simmel Liebe bluͤhet, 

Der Gergen, mid entiprübek 

Die Erde uberuimme ct???) u. ſ. m. 
Das muß ein gräßliches Antlig feyn! Es iſt gang 
erflaunlih, mas es nicht alles kann! Es bejwingt, 
bricht, verjüngt, und der Himmel weiß, mas es noch 
alles für Kunftftücte macht. Solche Geſichter find 
— folcher, gerade ſolcher Lieder werth. 

Ein anderer Fledermaus: Dichter nennt fih Ama: 
Deus Wendt. Die Sächelchen, die er beigerragen 
bat, find fo abgefpmadt, als fihs kaum mit Worien 
ausdruden läßt. Wenn Kerr Amadeus Fünfeig 
nichts Gefcheidteres liefern mill, als dergleichen Re 
mereien,, fo mag er feine Eächelchen ja auf immer 
in. feinem Pulte verfchließen ; er wird fi dadurch 
den Dantk aller wahren DVerehrer des Schoͤnen und 
Guten erwerben. Ein gewilfer H. ift auch ſehr 
fruchtbar gervefen: aber — feine Früchte find fauer, 
Was Herr Fran; Horn Portifhes aus feinen 
eignen. Mitteln gegeben bat, ift gleichfalls wenig 
werth. Diefer junge Mann feheint gar nicht ohne 
Talent zu fegn;. aber er ift mit ſich noch nicht auf 
dem Keinen, er weiß immer nicht recht, was er will, 
Deshalb find auch feine soi-disant Gedichte — 
um: eines Ausdruds mich zu bedienen, den er felbft 
oft braucht, — lauter unnüge Beſtrebungen. 
Die Berjüngung, Seite 76, und «einige jener 
Epigramme find noch am beflen gerathen; menig- 
fies bare etwas Veſſetes, als das Uebrige iff, dar 


Mas Herr Horn von Seite 29 


aus werben fünnen, wenn Herr Horn die elle et 
was mehr gebraucht hätte, 

An die 268 Geiten füllende peẽtiſche — oder 
unpeätifge? — Anthologie ſchließen fih „jenen 
aus dem Trauerfpiele Hippolytus des L. A. Seneka,“ 
von Franz Horn Überfeht. Die Ueberſetzung ift, 
einige prezſeuſe Wendungen abgerechnet, recht gut 
geratben, und beweiſt, daß Herr Horn die Yateini: 
(he Sprache — mas man jeht leider! fo felten fin: 
der, — mirflich verſteht. Ob es aber für unfere ic 
teratur eine Vereicherung ſeyn mögte, wenn fie eine 
vollfiändige Ueberfelung der Trauerfpiele des Seneka 
erhält, die Herr Horn, der ſchon ein Paar andere 
Sragödien dieſes Dichters verdeutſcht bat, uns ge: 
ben zu wollen ſcheint? Eenefa war ein jehr un: 
dichterifcher Kopf, — menigftens nach meinem Urtheile 
erfcheine er fo in feinen Scheeften. 

Den Zchluß machen „Andeutungen für Freunde 
der Podfie, ebenfalls von Kran; Horn. Sie 
—— zwar zuweilen einen guten Sedanfen; aber 
daflır auch wieder mandes Paradoxen, das hoͤchſt 
laͤcherlich it, und Saͤße, die fo raͤthſelhaft ausge: 
drudt find, dab man ein Detip ſeyn muͤßte, um fie 
zu verfichen. Wie abgeſchmackt ift nicht Folgendes, 
mas man Eeite 313 findet: 

nDie Liebe des gemeinen Menfchen ift, näher 
betrachtet, nicht mehr, als eine Modififazion feiner 
Begierde nach Fleiſchnahrung.“ 
Greifen fih denn die Menfchen in der Siehe? Ei! 
; 7 bis zır über 
Schiller und feine Schriſten fügt) iſt nicht viel 
mehr, als leeres Gerede. Liebrigens iſt der Dich: 
ter des Don Karlus und Milbeim Tell, den das Ti: 
telfupfer durch Abfonterfeiung jeines Gefichtes feiern 
fol, nicht ganz getroffen worden. 5 
— bn, 


Ueber den Brodfen und das neue 
Brockenhaus. 


Sebaid man ſich Haßelfelde von der Diergenfeite 
ber nähert, ſtellt fich jener Rieſe des nördlichen 
Deutfhlandes, der von jenem Braunſchweigiſchen 
Bergftadtchen noch 3 Meilen entfernt ift, gleich einer 
fhönen von der Kunft geformten Kotunda, mit feis 
nen fechs ſtattlichen um ihn ber Hegenden Kindern, 
dem Auge deutlicher und maleriſcher ganz im Hinter 
grunde dar, und fein auf der hoͤchſten Epige erbau: 
tes Haus gleiche einem Etorchnejie auf dem Rabe, 
Eden jaucnt der Unerfahrne Über feine Nähe, und 
vertoppelt die Echrütte, um menigftiens in zwei 
Etunden das gewuͤnſchte Ziel zu erreichen, das fich 
aber erft mit der fecheten Etunde endet; auch 
feinen mit jedem Schritt, menigflens zwei feiner 
Kinder, welche zu der ganzen fchönen mir Bäumen 
dichte Übermwachfenen Feliengruppe im Vorarunde ge 
Hören, ihren Bater über den Kopf gewachſen zu fern, 
binter welchen er ſich nicht felten ganz verbirgt; und 
alle, ob fie gleich mit E aatfeldern und Wieſen, nicht 
durchfächert find, gewähren doch durch ihre Lage, 
Seflalt, Entfernungen von einander, und vorzüglich 


— 303 — 


durch ihre drohenden Klippen fo lange Unterhaltung 
genug, bis man das nadte Haupt des Vaters, der 
nun über alle Familienglieder weit emporragt, und 
ſtotz auf fie berabblidt, feibft betritt. Als wir uns 
dem Buß des Broden näberten, machte uns ein 
Hanndverifcher Forſter mit thranenden Augen auf bie 
Wurmtreckniß au miukfam. So nennt man die fürdh 
terlihe Verheerungen, welche auf Dem Harze ein 
Heiner kaum vierreigölliger Borkenkaͤfer (derinestes 
typograplus) an den Tannen und Fichten aurich— 
tet. Dieſes ſo mörberifche Infekt, diefer fehlinme 
Saft, den nichts aufhalten kann, der ſich in kurzer 
Zeit ohne Retiungsmittel burch feine ungeheure Frucht⸗ 
barkeit immier weiter verbreitet, (da nach Blumenbach 
in einem nur mäßigen Baume fich über g0000 Yar: 
ven finden jolten,) und der fich vorzüglich duch den 
leuten flarfen Windſchlag am erſten in den Hannör 
verifchen Forſten erjengt haben foll, raubt der ganzen 
ſchoͤnen Gebirgegegend nicht allein ihren verzüguch- 
iten Nahrungezweig, fondern auch ihrer faft einzige 
und ſchoͤnſte Zierde. indem der „Buchdrudfer“ mit 
feiner. fcharfen Echnerdezange Die innere Rinde des 
Baumes mit unzählbaren Kanklen durchgräbt, faugt 
er Mark, Del und eben daraus, und macht ihn 
zum Bauen gänzlich, und auch zum Koblenbrennen 
unbrauchbar, Lieberall fanden jo viele Ichöne Tans 
nen,.die bier durch ihre Größe und Anſehn die Ziers 
den ihres Gefchlechts find, abgewellt da, und gaben 
den Waldungen ein im Zemmer um fo tramigeres 
und öderes Anſehn. Ach! fo Elagte unter andern 
jener alte rediiche Hanndveriſche Forfimann, — unfer 
gutes Laͤndchen iſt zuerft mie Windſchlag, und dann 
mit ſehr ſchlimmen Goaͤſten heungeſucht worden, bie 
noch vollends alles Mark ausſaugen, und ſich täglich 
neue Kanäle zu ihrem Unterhalt graben, — Ad! 
feufjte und UHagte ihm ein armer neven ihm flehenz 
der, Tageldhner nach, — mein elendes Huͤtichta chne 
Kios, muß monatlich einen Thaler Kriegesjteuer jah— 
len. — Bald flanden wir nun in der Naͤhe der 
übrigen ſechs Berge, welche unfern Keloß umzingel⸗ 
ten. Zur rechten Geite erbliften wir den Hehen—⸗ 
kopf mir feinen mweißgrauen drohenden Felfenklippen, 
nebſt einem an feinem Fuße liegenden Meierhoͤſchen, 
die Höhen genannt, und den Tröbeerenkopf, — beide 
arhören dem Grafen von Wernigerode. Zur linfen 
Eeite erhoben fih der Minterfopf, der Preußſlſch, 
und der Wurmkepf, einer der größten, der Hann 
veriſch ift; fo wie hinter diefen der Königsberg mit 
feinen zweizackigten Felsflippen, die von den Haͤr— 
ern, melde, jo mie alle Gebirgebewohner, gerne 
ehnlichkeiten auffinden, die Hirſchhoͤrner genannt 
werden, nebft dem fleinen Broden, wo man Seins 
richehoͤhe erblidt, und der ſo wie der große Broden, 
jur Grufichaft Wernigerode gehört. Da man fig 
ehne Führer turch das Echlangengeminde der Wege, 
die zum Brocken führen, nicht finden kann; fo er 
bielten mir zu Schierke, einem XBernigerodiichen 
Hüttentorfe, das am Fuße des ganzen Gebirges 
Itegt, eine Wegweiſerinn, die, fo wie bie merften Be: 
mwohner der ebern Harzgegenden, einen Kropf hatte; 
er ſoll vorzüglih durch den Genuß des Narers, 
das viel Kalfıheile bei ſich führt, — Alle 
Gührer in den biefigen Gebirgsgegenden find leichte 


füßtge Gemſen und wahre Klippehfpfinger, die den 
ſteilen Fellen binauffliegen; indeffen der arme Rei— 
jende, der vom flasben Yande kdmmt, ihnen nur im 
Schweiße feines unge m mübjam nachkeuchen 
kann, Hinter jenem Dorfe fängt der beſchwerlichſte 
Weg an, indem man bier eine Stunde weit oft über 
gewaltige Eteinmafjen immer höher aufjteigen muß, 
und erſt nach zwei Etunden den Gipfel des Broden 
erreicht hat, Sobald man, ungefähr nach einer 
Etunte, aus den finftern und jchauerlichen Tannen 
wäldern wirt, in welchen bin und wieder ein Rob: 
lenmweiler aufdampft, öffnet ſich eine etwas freiere 
Ausficht, weil ſich bier. Eeine ſchlanken Tannen mehr 
bimmelan erheben, fondern der fumpfigte Boden nur 
mit niederm Sefträmb, als Zwergtannen, Truntek 
beeren, 3, eidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Preißel: 
oder Kronebeeren, Aitich und Kaidefraut bededt iſt. 
Dach anderthalb Erunden bat man endlich den klei— 
nen Brocken und „Yeinrihshöhe erreicht, Hier hört 
auch das niedere Geſtraͤuch auf, und der fumpfigte 
und mocrigte Boden, der bier durch den länger lie 
genden Echner und die fiäre Mäffe der unteren Luft: 
ſchicht entſteht, ft oben mit Gras uͤberwachſen. Auf 
SKeinrichshöpe, d-m ehemaligen Aufenthalt und Tume 
melplab aller Brodengäfte, ficht man nur noch ein 
einziges, armliches, winziges, den Cinſturz drehendes 
verſchlehnes Autvihebäuschen, weil das zweire, welches 
aus drei Stuben beitand, und ehmals nur Honorar 
tioren geöffnet wurde, vor zwei Jahren der Mur: 
wille abgebrannt har; daher es dem jekigen Broden: 
wirth zur Pflicht gemacht ift, das neue Brodenbaus 
fogar Im Winter, der hier lange dauernd und furchtbar 
if, und gewöhnlich bis nach Sohannis feine Epuren 
Juruͤclaͤht, nicht zu verlaffen. Die ſchoͤne wie von 
den Händen eines Drecpelers verfertigte Halbfugel 
des Brecken, lag nun nadt mit hin und wieder ver: 
freuten Granitmaſſen, dem Urgeftein des ganjen Ge: 
birges, womit fig der Rieſe umpanzert bat, und das 
ſich mit jedem Schritt immer böber erhebt, vor un: 
fern Augen, und in einem halben Etündchen ftan: 
den wir vor bem neuen Drodenbaufe, oder auf der 
hoͤchſten Epihe der Soͤnen Kuppel, zu weicher rechts 
ein von Felten faſt Fünftich gepflafterter Weg führt, 
den wir aber zum Unglüd verfehlten. Wie fich ges 
wöhnlich die Einbildungstraft alles Große un) Erhba- 
bene vor der wirklichen Anſchauung noch größer und 
erhabener ansmalt; fo hatten wir uns auch das 
ganze Gebirge noch ſteiler, und koloſſaliſcher gedacht; 
zugleich konnten wir je viele Gegenſtaͤnde, die von 
unferm boben Naturtempel herab, nahe und fen ' 
gleihfam auf uns einfiürmten, nicht auffaffen. Er— 
(böpft, zerſtreut und verworren betraten wir das 
neue Brodenhaus, mo ehemals nur ein Huͤttchen, 
das fo genannte Wolkenhaͤuschen ſtand. Tas neue 
Gebäude, deſſen innere und äußere Einrichtung fo 
zwedmägig als möglich iſt, nimmt fich bier vortreffe 
lich aus. Der jekige Eraf von Wernigerode hat es 
zur Zierde des Banzen, und zum Breften aller Broden: 
wanderer, die ihn darhı feguen werden, weil fie nun 
mehr Kaum und Brgumucpkeit finden, im Jahre 
1799 erbauen lajlen, und mit den Jahren 1800 und 
16501 den ganjen Bau vollendet. 
Der Schluf folgt.) 


— 304 — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 65. 


Yu Paris 


A. 30. Sept. hat das Natlonal⸗ Inſtitut die für die ſchon tu 
Wünfte ausgeſchten PBreife zuerkannt. Amaurn Duval bat den 
preis für die beſte Erörterung der Grage erhalten: „Melden 
Einduß kann die Malerei auf die Hamdeld ı Indufrie baden, 
und wie kann man ihm erhöhen?" — Döevarre aus Brügge, 
hat dem eriten Yreid der Malerei erhalten. Die Aufgabe war: 
der Tod des Phecton, der mit vier feiner Mithurger sum Schiers 
Tingebeher verurtheilt ward. — Baittie aus Paris, zı Jahr 
alt, erhielt den erſten Vreis der Bäldhauere, Die Aufgabe 
war: der mißvergmügte Meleager, — Leſueur aus Maris, 22 
Salze als, erhielt den erſten Preis der Architektur. Die Aufgabe 
war: eim faiferlicher Pallaſt. — Den erſten Preis der Kupfer 
aecherei erhielt Masauelies, gleichfalls aus Paris, 22 Jahr alt, 
und dem erſten der Mufit, Gare aus Menpel, alt 24 Jahr. 


— Rouſtau's alter, einfacher, aber hinreißend geruhlvoller 
Devin de vıllage iſt in Paris wieder auf dem OpermTheater 
erichlenen, und hat alles entzückt. Gelb ber Abber Geofſrol 
hat ihm eime Zubrede gehalten. 


Aus Englifhen Blättern, 


Eu amgefehener, wild und fröhlich lebender, aber dabei fchr 
werftandiger Off cier heirathete kuttlich. Ein Freund fragte dün; 
a8 ihm, den betannten Wildfans, zu biefem GEntichlufe babe 
Bewegen können? „Ha, amtmorteie er, meine Fran war ein 
feitenes, einziges Madchen: Sie batte feine Loge in der Oyer, 
erichien niemals baentlich nackt, umd trug Taſchen.“ 


Ein Epafvogel hat in kondon die bekannte Seſchichte bes 
Hanns Mord erneuert. Er machte bekannt, daß er am 2äftem 
Sevt. auf der Thenfe foagteren werde. Eine ungeheure Dienge von 
Menjchen fand ſich ſchon am Morgen ein, im Autſchen, zu Pferde 
und ju Fuß, und — dog in der Nacht beſchamt und lachend 
wieder ab, ofme etwas gefehen au haben, 


Auf dem Theater zu Margate Fieh fih ein Echaufpieler 
einfallen, auf einem Eſel reitend einen Evilog herinfagen. Mit 
tem im feiner Nede baumte ſich der Sſel und warf Ihn ab. 
Das gefiel den Zuhörern mehr als der Epliog, und fie rieſen 
unter lautem Beifalltiatichen einſtimmug: Good master als! 
Encore! (Lieber Herr Eifel, noch einmal!) 


In London eriſtirt berzmmtlich eine „Geſellſchaft zur Lime 
terbrfichung ber Lafer.” Sie beflcht aus smölrhumdert Perf 
men, die ja Durcbgehend wegen ihres vortreflicen Charakters 
hochgeachtet werden. SKürilich verſamutelte ſich eine eben ſe 
sahlreiche Griekiihait am Gtrande, um au berathichlagen , wie 
man dem Verſuchtn jener Geſtaſchaft amı beſten entgegen wirten 
tönnte, aber «4 tam im derſelben fehe bald zu dem heſtigſten 
Züntereien, und Schlägereien, 


— Die neutſten Nachrichten aus Neu-Süuͤdwallis Fildern 
den Zuſtand Der dortigen Eolonien jo vorsheilbaft, daß eine 
Engliiche Zeitung fagt: „Die Verbannung dabin hörte auf 
eine Etraft zu ſeyn, wenn fie aus irgend einem andern Laude 
aerhähe, als aus England.” 


— miſtri Siedons hat ſich emticdeibend gewelgert, mit 
dem Knaben Beatto, dem ſogenaunten jungen Reſtius, iu ſpie⸗— 
len. Yegt famgen auch die Londoner Zeitungen ſchon au, feine 
Berdienfte fehr im Zweifel zu sieben, und über ihn zu ſootten. 


— In London berrict jetzt die unſittiiche Gewohnheit, 
baß ſich Junge Männer neben den Promenaden im der Themie 
baden. Mehrere Damen von Erande haben ſich darüber bir 
ſchwert und die Polyei dagegen aufgefordert, abır bie Baden⸗ 
den 'beimmnten: da die Damen, der Mode zufolge, beſtaudig 
halb matt gingen, fo baren fie Bein Mecht, andre Beute zu 
kindern, dan fie ſich in ein durchſichtiges Element Häflten, 


— Mit Recht beſchwert man fi jetzt Im ben Enafiichen 


DZeitungen, dab in dem großen Brittiſchen Muieum, das fo 


grofie Fonds umd einen fo erſtaunenswurdigen Reichttuum am 
trefflihen Werten enthält, gar fein Gatalogus von den Sachen 
eriffirt, Die ſeit 1787 angeſchagft worden. Selbſt die Berpichr 
nie der Bibliotbetare follen aus einzelnen Blattchen beftelen. 

— Ein Menſch der im London alle Reiche und Bornehme 
mit den aubringlichtten Mufforderaungen, zu einer frormmen Ws 
Malt Beiträge zu achen, berfolgte, ward endlich gezwunzen, won 
dem Empfangenen Rechnung absulegen. Bon 250 Prund, bie 
er rür Die Armen emprangen hatte, 409 er mur 200 für feine 
Koften und Bemühungen ab, So etwas mag wohl nicht im 
England allein geihehen, 


Köntzöberg In Br. ben 1. Oktob. 1804. 

Aus umferm Orte bat die Familie Dümoucdel die Ber 
bindlichteit aufgelegt, ihrer im Ehren zu gedenten. Es find bier 
iwel Eomcerte von Ihr gegeben worden, m eriken hörten wir 
bioä bie beiben- Damen; im zweiten cudlich auch Hru. D., der 
wegen Unpaslichteit, jegt erſt auitreten kounte. Ob Wire ſchon 
die Harfe fo ſpitlen gehört, wie von Mad, D., weiß ich nicht; 
fiir meine Perfon könnte ich wweifeln, ob es Überhaupt möglich 
in, dab noch mehr darauf gemacht werde. Ihre Schweſter, 
Demoifele Bed, Id erft Slebzehn; daß dieſe auf ihrem In⸗ 
Krument, dem Herteplano, mit der Zeit micht noch mehr leiten 
Zönne, will ich weniger beqweirein. Hr. D. felb dA ein am 
genchmer und verſtandiger Sanger, dem man mit Eu und 
Kübrung zuhdrt. Go voriatich in ihrer Kun, münen fie 
natürlich Überal eine freundiide Aurmahme finden; fie gewins 
nen aber vollends jedes Herz durch Ihre Anſoruchtoſigteit, durch 
#6r feimes und gebildetes Benehmen, amd jeibit durch bie per 
ſonliche Anmuth, die ihnen eigen if. Uebermorgen brechen fie 
mac Veterdburg auf, sewii unter Beglettung umferer bein 
Wur ſche. 

Zwiſchen ein lenñ ſich auch Mad, Herbini mit einem 
Eoncert hören, Ih war nicht aufgelegt, ſelbſt Gimwachen; 
zuan verfichert aber, daß fie ihre Geige mit Kraft und 2barme 
folelt, was fih von dem vwergötterten Node nicht fügem läßt, 
deſſen Überfhwengliche Reputation, wie ich aus einem Edıreis 
den aus Petereburg vom 24Aen Mär d, I. im neueſten Stuckt 
des Welmarſchen Modejournals fehe, mum endlich auch Dort ſich 
zu legen ſcheint. So mund man jedem Dinge nur Zeit laſſen, 
umd es giebt fich won ſelbſt. 

Wir hatten font im Winter von drei zu drei Moden, acht 
Abende ein Biebhaberconcert; eine eben erſchlenent Antündigung 
von Hrn. Riel, Der feit zinigen Jahren es dirigiert, reducirt 
es von Acht auf Bier. Das muß aud feine Urſachen haben, 
obwohl kaum eine davon in Hru. Niet ferbit zu ſuchen ſcun 
Dürfte, der es mindeſtens an Eifer und Fleiß mod nie fehlen 
laſſen. Er verſpricht indeſſen die Jahresiritem, wo 
er meiſtentheils ein atues Singinftitut ſich ſchafen und bilden 
muſſen, da das vorige Fa gamı auseinander gegangen if. 
Wenn 3 gewagt ſcheint, nf er mir dem meuen fich aleich am 
etwas jo Grotjes macht, fo it darum für Die Musruhrumg 
wech nichts zu firchren, ſchon aus dem einzigen Grunde nicht, 
weil er fo Bug iſt, Mid dabei Zeit zu laſſen, was bei der 
Schövfung nicht nörbig war. 


unlanaſt ging auch Hr. Profi. Bubble aus Göttingen 
hier durch nach Moetau, umb jo eilig, dafi er ſich nur wenig 
bier umsgeichen. Er beitätiate, was man font ſchon wußte: 
dah Göttingen, unter der jegigen Calamitat, bald feine andre 
Lehrer behalten werde, als joldhe, die Wlters halber micht mehr 
fort können; alle Übrigen jögen mad und mad davon. Er 
mt von 700 Thaler Gehalt und einer Meinen Wohnung, die 
er als Eigenthum befeifen , zuletzt fehem einige Neumig Thaler 
an Srlegdfteuer berablen muſſen. Wie er weggtengee ware 
Wehufs verjeiben ſchon au Kebsehn Millionen erhoben, 





1804 





Nro. 207, 





8. 


Der Sreimüthige 


Dienflag, 


E rn f 


giteratumw 


Wilhelm Tell, Schaufpiel von Schiller, 
Zum Neujahrögeihent auf 1805. 
Tübingen, bei Cotta. 


Use biefes Schauſpiel ift in diefem Blatte, nach 
ber Aufführung ſchon viel gefprochen worden, und 
ich finde nach der Durchlefung nichts zuruͤckzunchmen, 
oder hinzuzuſetzen. Es ift, bis auf einige Kleinig— 
feiten völlig fo abgedruckt, als es, in Berlin wenig— 
ftens, aufgeführt ward, — und die Meinen Abwei⸗ 
chungen machen meiftentheils der Direktion viel Ehre, 
Es find ein Paar furje menigfagende Scenen und 
Perſonen weagelaffen, und — manche Züge, die die 
Mirfung gewiſſer Ecenen verborben hätten. Als, 
zum Beifpiel, am Ende des vierten Aktes die barm- 
herzigen Brüder erſcheinen und fih um -Geßlers 
Leiche verfammien, läßt Schiller den Fatholifchen 
Flurſchuͤtz Stuͤſſt ansrufen: 

Das Opfer liegt: — die Raben ſteigen nieder. 
Diefer witzige Spott iſt nicht nur ganz aufer dem 
Charakter des Fatholifchen Pandmannes, fondern würde 
auch auf der Bühne den ganzen Effekt der tragifch 
felerlichen Scene vernichten. Er ward daher nicht 
nur bei der Aufführung fehr einfichtsvoll weggelaſſen, 
fondern Erüffi mußte, um die Erſcheinung der Moͤnche 
einigermaaßen zu motiviren, fie dur Winken ber: 
beirufen. Uebrigens wird das Lefen jekt auch an 
ſolchen Orten, wo das Stuͤck nicht oder unvollkom⸗ 





und 


Menſchen zu abnen, zu glauben, 


den 16, Dftober, 
S er; 
EEE 


men dargeftellt wurde, die Wärme rechtfertigen, mit 
welcher man im Freim. davon ſprach. 
— Der Abdruck iſt ſauber und korrekt. 


Spuren der Gottheit im anſcheinenden Zufalle. 
Wohlthaͤtige Nahrung für Zweifler und 
Denker. Bon Sam. Chrph. Wagner, Er: 
fier Theil, Berlin, bei Matzdorf. z 


Herr Wagner ift unglüdlih in der Wahl feiner 
Titel, Nahrung für Zmweifler? Alfo Nahrung oder 
Anlaf zum Zweifeln? Das ift ja grade das 
Gegentheil von dem, was der erſte Theil des Titels 
verfpriht. Dann, Zweifler und Denker? Denfen 
Zweifler etwa nicht? Gewiß, und in der Regel mehr 
und ſchaͤrfer als die Gläubigen. Doch — laffen wir 
den Titel, und gehn zu dem Werke felbit über, 


Der Verfaffer hat hier mit großem Fleiß eine 
Menge ven Erzählungen gefammelt, die alle darauf 
binleiten, die regierende Hand eines allmächtigen 
Degenten der Schickſale in den Begebenheiten der 
Diefer Glaube: it 
wohlthaͤtig, indem er im Ungluͤck ftärft, im Gluͤcke 


‚vor Uebermuth bewahrt: dem Werke gebührt alfo 


ſchon in diefer Ruͤckſicht Lob; aber es iſt auch meir 
ſtentheils gut gefchrieben und fehr unterhaltend, 
und verdient ‚daher allgemein und mit Wärme 


‚empfohlen zu werden, Ich will es hiermit gethan 


haben. 
N, $, 


— 306 — 


Ueber den Brocken und das neue 
Brockenhaus. 


Schluß.) 
&; bat zwar nur eine Etage; aber 23 Ellen Qänge, 
einen Saal und ı2 Feine Zimmer, von welchen jedes 
nur durch ein einziges ohngefähr eine Elle tief ein: 
gemauertes Fenſter erhellet wird, und mit einem 
Tiſch, einigen Stuͤhlen und 2 leichten Bettchen 
meublire if, Die Wände des Hausflurs find mit 
Echränfen befegt, worin der Wirth die häuslichen 
Geraͤthſchaſten, und die Gäfte ihr Gepaͤck aufbemah: 
ren fönnen, Aus feinem Mittelpunkt, der den Eine 
gang macht, -fleigt man auf 48 Etufen zu einem 
Dbfervatorium auf, das einem Wartthurm gleicht, 
und mit einem Bligableiter verfehen if, Noch iſt 
auf der Abendfeite ein zweites Fleines, mit 3 Zim: 
mern verfehenes Wohnhaus, vorzüglich zu Ehren eines 
großen Monarchen, der auf feiner Keife auch den 
Broden befuchen mollte, und auf der Morgenfeite 
ein Pferdeftoll angebauet worden. Aus dem Obfers 
vatorlum oͤffnet ſich für gute Augen, bei hellem und 
heiterm Himmel eine Ausficht von 20 Vielen, und 
für bewaffnete Augen wohl über 30 Meilen bis 
jur Mordfee bin. Die ſchoͤne weite Ausficht vers 
ſchloß uns diesmal ein dider Haide: oder Sonnen⸗ 
rauch, und nur die nahe liegenden Landichaften und 
Parthien, als: das ſchoͤne, nach Wernigerode ſich 
hinſchlaͤngelnde Silfentbal, das mit der auf einem 
Berge liegenden Mernigeroder Schloſſe, ein vollens 
detes Perfpectio in einem der (hbnften Maturgemaͤlde 
macht, und von feinem Reiſenden unbemwundert bes 
treten und verlaffen wird, fo mie die angrenzende 
ſchoͤne weite Fläche, die mit den Kornfeldern, die fie 
durchfchlängeln, gegen das Gebirge den berrlichiten 
Eontraft bildet, und malerifcher und freundlicher auf: 
lächelt ; die Teiche, die vom Andreasberg und Claus: 
thal als Eeltenheit herblinkten, die übrigen Waldun—⸗ 
gen und Gebirge, die am fernen weſtlichen und jüds 
lichen Horizont in einem blauen Duft ſchwammen, und 
noch einige andere naheliegende Erädichen und Dörs 
fer, alle durch die reizendften romantifchen Partien 
geboben, — konnten wir uͤberſchauen, obgleih aus 
Mangel an Zeit und der fchneidend: kalten Luft we 
gen, zum vollen Genuß nicht lange genug: zu dem 
Icktern, und zu der ganzen angenehmen Uinterhal: 
haltung aller Brockengaͤſte, fehlen bier noch Thermos 
meter und Barometer, ein Paar gute Dollonds, und 
eine Brodencharte, die ein mit der ganzen Gegend 
wohlbekannter, und zugleih in der Naturgeſchichte 
und Phyſik nicht unmiffende Mann, aufbewahren, 
und allen Reiſenden mit jeinen Bemerkungen vorzeis 


gen und überlaffen müßte. Gewiß würde jeder Wiß⸗ 
begierige für den Gebrauch mit Vergnuͤgen eine 
Kleinigkeit zahlen, wodurch die Koften in kurzem er: 
fegt fein würden; denn mit dem Anfange des Aus 
nius, bis Ende Augufts wird diefe Gebirgegegend 
bes nördlichen Deutſchlands häufig befucht, und nicht 
feiten bat man ſchon an einem Tage 50 — 70 
Brodengäfte gezählt. Van findet alfo hier von je: 
nem nichts, wohl aber, eine Bagatelle, die fogenan: 
ten Brodenbücder, die den Neifenden in einem 
Ruheſtuͤndchen bei guter Stimmung nur ein leichtes 
Lächeln abgewinnen fünnen, und von welchen wir 
von acht Jahren her, acht Stuͤck vorfanden. In 
biefem haben alle Keifende ihren Namen mit einem 
Gedichtchen oder einigen Bemerfungen eingetragen, 
bie fich meiftentheils auf den Eindruf bezogen, den 
der Vater Broden auf fie gemacht hatte, oder man 
las in beiden auch Klagen, über die üble Witterung, 
bie alle gehofte Freuden vereitelt, uͤber die beſchwer— 
lihen Wanderungen, — den vielen Schweiß, den fie 
vergoffen, doch nieht Über den blutigen Schweiß, mit 
welchen manches Berslein aus dem angeftrengten Kopfe 
fprang, oder endiich wohl gar über die Preilerei der 
vorigen Wirkhe: doch, zum Troft und jur Beruhigung 
oller Brodenwanderer jei es gefagt, daß dieſe lektere 
gänzlich abgeſtellt iſt, weil der jegige Brodenmirth, 
ein in Eid und Pflicht genemmener Mann, alle 
Beduͤrfniſſe für die Keifenden von dem Grafen von 
Nbernigerode erhält, und fie um eine ſehr billige 
Tape überlajfen muß. Die Perfon zahlt für eine 
Portion ſehr gutes und ſchmackhaftes Abendejfen mie 
Butter, Brod und Trinken 6 Or. 3 Pf. für Koffee 
4 Gr. und für Quartier und Bette 12 Gr., welches: 
bei dem etwas befchwerlichen Tranfport der Lebens— 
mittel noch billig genug if. Die Einzigen, die wir 
bier in ihren Forderungen nicht fo artig fanden, 
maren unfere Wegweiſer, die, fo wie unfere Poftik 
long, tur die Freigebigkeit der Reichen und aller 
dererjenigen, die den Engländer auf Reiſen machen 
wollen, fchon verwöhnt waren. Die Höhe der ſchoͤ— 
nen Brodenkuppe ift befannt, nicht fo der Umkreis 
ihrer oberften Mölbung, der obngefähr eine Viertel 
beutfche Meile, fo mie ihr ganzer limfang faft ans 
berthalb Meilen betragen fann. ie iſt mit Bruch 
gras Überwachen und mit Granitmaſſen überfäet, 
die in der Ferne jehr malerifch einer großen Heerde 
von größerm und kleinerm weihen Wollenvich gleichen, 
E ümpfe und Bäche umgeben die ganze Kuppe, und 
auch auf ihrer oberjten Wolbung findet man ſchon 
in eıner Tiefe von einer viertel oder halben Elle 
Waſſer, eine Wirkung der fait fiären Mälfe, von 
welcher auch das neue Brockendaus leide. In der 


— 307 — 


Nähe deſſelben erblickt man die fogenante Teufels: 
Fanzel oder den Hexenaltar, von welchem der Aber 
glaube und die Eage fo viel Wunderbares milfen, 
Es find. zwei kuͤnſtlich aufgethuͤrmte Felfenmaffen von 
ohngefähr vier bis fünf Ellen Höhe, die 20 Schritt 
ven einander entfernt find, und einen Umfang von 
40 Schritt haben. Neben dieien ift ein Brunnen 
mit einer Einfaflung, die den Einſturz droht. Die 
Kuppe, ohne Baum und Strauch und nur mit 
Gras und dem fogenannten Brodenmoos bewachfen, 
(meilches von unfern Apothefern als Islaͤndiſches ver: 
kauft wird, dem eo auch Ähnlich iſt, es wird den 
Kräuterfammiern für das Pf. 2 Gr. bezahlt;) — fol 
nach Mernigerodifhen Archto Nachrichten vor ohne 
gerühr 200 Jahren große Bieckhaume geliefert ha: 
ben; daher vieleicht auch der Dame — Blodeberg 
entftanden if, Das Brodenbaus mit dem neuen 
Wege der von Altenturg hinauffuͤhrt, ſell nach der 
Angabe die ich aber nicht prüfen fann, dem Grafen 
über 30000 Rthl. gekeſtet haben. Das jcönfte 
Schauſmpiel, um welches willen der Vreden vorjüg: 
lich beiucht wird, meıl es von diefem heiligen Dom 
aus größer, majeftäriicher und herrlicher als auf dem 
flaben Yande ericheint, wo aber auch ſchon fein Reij 
nie veralter, und von neuem geieben, nur doppelt 
anzieht, — der Sonne Auf: und Untergang ward 
uns nicht zu Theil; denn der bſtliche und mefiliche 
Horigont mar mit Wolfen belagert, und troz dem 
innigfien Flehen von so Menfchen, wollte doch bie 
fpröde Königin des Tages den dichten Echleier nicht 
abmerfen. Für dies alles entihädigte uns am Mor: 
gen ein anderes, faft eben fo anziehendes Schau— 
fpiel, — der Anblick des ganzen chemiſchen Prozeſſes 
der untern Lufrichicht, oder wie fie einer unferer 
Schriſtſteller nach meiner Meinung treffend genug 
nennt, — die Welfenbrauerei. Aus den langen Wal: 
dungen der Fleinen Berge, die den Fuß des großen 
Breden umgeben, mallte ein dider Rauch auf, der 
bei feinem böhern Auffteigen, bald mie ein Schnee⸗ 
geſtoͤber an uns voruͤberflog, bald ſich etwas dichter mit 
einem ſchoͤnen Regenbogen vor uns binlagerte, end: 
lich uns mit Mebel umfchleierze, und dann feinen 
Weg weiter in die zweite Region fortfeßte, Mit 
allen diefem vereinigte fi noch ein drittes: Hier, 
mo viel große Maſſen, Schatten werfen, und gegen 
eben fo arofe Lichtflächen abſtechen, bier deckt noch 
den einen Theil der ſchoͤnen Landſchaft tiefe Macht, 
indeffen auf dem andern fon ein Goldmeer mallt, 
Als wir den Altvater des Gebirges verlaffen 
mollten, ward uns nad alter Eitte, von der Magd 
ein Brodenfiraus aus Haidefraut und der fogenann- 
ten Brodenroje überreicht, (pulsatilla nigricans s. 


anemone pratensis) bie hier in ihrem Naterlande, 
wo wenigftens die ländlichen Bewohner deifelben bei: 
derlei Geſchlechts, weder mit Schoͤnheit noch Klug: 
beit find beichenft werden, Hexenblume genannt wird. 
Eben fo zufrieden mit den Menſchen, die wir bier 
fanden, und die abgefchieden von den übrigen Mene 
(denhaufen, in diejer obern Region, weit gefälliger, 
berslicher und zutraulicher ſich begrüßen und unter: 
halten, — als mit allem, was wir hiergeſehenhatten, 
fagten mir dem erhabnen Naturtempel vielleicht auf 
immer unfer Lebewohl. 58 


Ein Pröbdhen 
wie forgfältig man heut zu Tage bei 
dem Büͤchermachen zu Werke gebt. 


In dem neuen, unter Ehrnanns Namen erſchiene— 
nen Handlungs. Poft- und Zeitungsiericon ſteht fol: 
gender merkwuͤrdiger Artikel: 

„Büdingen, Gerichte und Etadt, mit einem 
Nefidenzicloffe, einer Univerfität, und febönen 
Steinbruͤchen, im Iſenburg-Buͤdingenſchen Anrbeile 
an der Graffchaft Ober : Iſenburg. Bewohner find 
ein rubiges, freibeitsliebendes tartark 
fbes Dolf, das vormals unter der Herr— 
{haft des Chans der Krimm war, von dem 
Paſcha von Bender aber im Jahr 1777 
unter Tuͤrkifche Botmaͤßigkeit gebracht 
wurde.“ 

In Buͤdingen herrſcht allgemeine Betruͤbniß, daß 
der Verfaſſer (oder Zuſammenſtoppler) die guten 
Deutſchen Einwohner auf einmal zu unruhigen Tars 
taren machen will, Dieſe laffen dem Herrn Verf. 
(der aelehrte Ehrmann ift es nicht,) melden, daf fie 
feine Tartaren, fondern brave Deutiche find, daß der 
Tuͤrkiſche Kaifer ihrem Grafen nech niemals die 
Herrfchaft über Büdingen ftreitig gemacht bat, und 
dafı fie mit dem Chan der Krimm und mit dem 
Paſcha von Bender in vollfommenem Frieden leben. — 
Die Univerfität, je nun, die ließen fie ſich allenfalls 
noch gefallen, aber bieher haben fie auch nicht ger 
mußt, daß eine bei ihnen eriftire, € 


Apborismen. 


Einen Derfioh gegen die gute Lebensart verzeiht 
Dir ein gebilderer Weltmann weniger, als eine 
ſchlechte Handlung. 

Die geführlichfte Schmeichelei ift die, welche der 
Wahrheit am nächften kommt, 

. Der Einnengenuß ift der &tab der Circe. Er 
verwandelt die Menfchen oft in die ſchmutzigſten 
Thiere. Schreiber. 


— 1) — 


Nicht -politiſche Zeitung. Nro. 64. 


Gaffeler Meffe und Theater, 


D. Caſſeler Meſſt war in merfantitiicher Hinficht nie von 
großer Bedeutung, und ſcheint jetzt mit jedem Jahre unbedeu⸗ 
tender zu erden. Ja, wire fie nicht gerade ein jo bequemes 
Intermentzo wiſchen der Brauniwriger and Franffure Mei, 
da Ihr Zeitruntt ſowohl als ihr Schauplatz zwiſchen jenen, beis 
den wichtigeren Handelsplagen und ibven großen Martten, mip 
sen imme liegtr fo dürjte fie wohl ſchon lange eingegangen jeyn, 
oder doch ihr ganzes Daſeon bald völlig eınbiken. Fur ben 
Handel wäre der Beriuft ebem nicht ibmerslich; doch ware [7] 
Echade für die Stadt, über weiche fie do aweimal im Jahre 
wenigſtens das Anichn einer grüßen Verriebfamteit, und ein 
tranfiterifcbes Leben verbreitet , deſſen Mangel man bei der vor 
miglichen Local Echonheit derielben, — bei ihten grouen Plapen 
und breiten Straßen, — auterdenm aber doppelt ungern ver⸗ 
mißt, Iudeh in an Gelegenheit fich von der Aufrengung uach 
Gewinnſt zu erholen, und um einen Theil des Gewonnenen 
unnfttelbar wieder in Genuß umgwjegen, d. 6. au Bergniguns 
gen und Belufianngen, dee Meiie ebenfalis nicht fehr reichlich 
ausgeitattet, wenn ich das Theater ausnehme, das feit eimem 
Yabrzehend ſich abwedhielnd mehr oder weniger, doch immer zu 


und Ausbildung zu verbeſſern — ferner: ein Herr Hartwig, eiu 
‚pefahnter guter Schautſoit ler fürs ermite und tragiſche Fach und 


fanımengeitoporites Bouchen — aus dem man eine neue Gefelts 
fchart orgumifiren will, — ſeiu Umnmeren, und laftert durch jeine 
Darfteumgen bie Mufen, al deren Prieſtern es ſich im een 
Waln vieleicht beruien glanbe, 
jette z. B. ein Hr. Keufe mub Dem. Sarrus, find als ertrag⸗ 
ti, oder einige Anlagen verrathend unter demselben aus zuhe ⸗ 
Benz die iit rigen ſcheinen mir unter aller Kritik. Welch 
ein Ganzes ans ihrer Zujanımenftcdung hervorgehen kann, — 
da ihnen auch ſogar ber VBortheil der Roucine mangelt, laßt 
ſich ohne weitere Anseinamderiepumg ſehr leicht erachten. Die 
Eöjung des Phancueus, dabei das Haus, und beſonders Die er⸗ 
lem Plaͤze dodı reichlich beiegt zu Finden, — olinerachter Die 
älteren, verbrauchteften Etücde und ewige Wirderbohlumngen der 
nämliden. Etatt finden, — würd: mir daher eine ſchwere Auf⸗ 
gabe geidiienen batın, batte ich mir es nicht all eufaus durch 
den aligenmein herrſcheuden GSeſhmack am Burlesten ertlart. 
Vermogt diefes, kan- Mich Das feisere Puritum vielieicht ergepen, 
indem es die Ende als eine Art Traveſtirung anſieht. Wirt⸗ 
ti finder dag &ire beru, ä force d’otre Jar, meiſtens tm vol⸗ 
dem Wmfarng ſtatt. Dak die wenigen chrenpolt erwahnten Mit⸗ 
glieder dieſen Effelt durch ihre Mitwirkung nicht vermindern 
lonnen, in naturtich, vielmehr wird derſelbe durch den Con⸗ 
traſt noch cher verſtartt. — 

Das hienigt Vallet steht unter ber Anſm̃hrung eines Hrn. Ublichs, 
eines wohlgebauten, gewandten jungen Mannes von viele Muss 
fatraft, der dio als Erringer berenchtet, newiß nicht ohne 
Mierbienfte il: der aber von feiner Veſchiclichteit an der freien 
‚Tanztunt vewohl, als vollcnts von Jemer ſchönen Gate, Geruble 
durd eine Nabe zarter Vilder dem äußeren Sinne maleriſch 
darjuftelten, bieter noch keine Bewene abgelegt hat. Das 

Samliche ailt vom feiner Frau, als erſte Saugerm, der aber 
ad außertem die scrreniidiei Borjitge febien, bie ihrem Manne 
nicht abzufprecdhen ſind. Neben biejem Paare ſtehen die unters 


geordneten Tanzmeiſter diefer Stadt, umd das weibliche Perios 
'nate, befteht aus einer Umahl von Grazien, die vorher, von Mer⸗ 
Kurs Schlangenſtabe behereicht, in einer ſehr ausgebreiteren Fabrit, 
deren wohlthatiger Vertrieb vielen biefigen Einwohnern Nah 
giebt, arbeiteten, es aber nunmchr vorgapgen baten und be 
duemer finden, fih der Kumft zu widmen, und zu danzen. 

Audı das Gopenlagner Ballet iſt einſt auf ahnliche Art, und 
aus ahnlichen Beſandtheiten enttanden, — jedoch unter Anleitung 
eines fehr geſchickten Batermeiters. Die Möglichkeit, daß die 
Sache hier einen abmlicdhen gungen Erfolg haben könne, ıft alſo 
nicht abyuibrochen, fo wie gleichfalls aus der gamı meuea Organi⸗ 
fation eiues Theaters, unter mandjeriei aituſtigen Nebenbedingun: " 
gen, die hier aber wohl nicht alle eintregen bürften, mit ber 
Zeit etwas fehr Gutes werden kann; nur find dieſe Hoffuungen 
etwas jeher weit ausichend, und ed geht dabei ohugefahr ebem fo, 
wie bei allen Total s Umwalzuugen: die Zeitgenoſen muſſen für das 
buhen, was ihre Nachkommen Gutes geniehen follen. 


Aus Englifhen Blättern, 


Die Herren Edellran und Birard Gaben eine Lampe erfun ⸗ 
funden, die ſich vorzüglich dazu eignet, prachtige Gensächer zu er⸗ 
feuchten. Da bei der bisherigen Berchafenheit alter Erleuchtungs + 
Vorrichtumgen die Flamme uber dem Tocht umd dem Del iſt, 
fieigt der größte Theil der Lichtſtralen zu der Dede herauf, und 
Unter der kampe iſt es vrrgaltmiimanig duntel. Bei dieier menen 
Erihbung it wer Dei: Bebalter oben und die Flamme unten, ſo 
das fie un feine Deiuung benauffwielt, und ihren Straleuguü 
ohne Verminderung unter ich verbreitet. 

— In der Franzoſuchen Colonie zu Cayenne gediiben alle 
oſtindiſche Gewurie vortremlich ; man hat einen Ueberfluñ an Zimut 
und Pfeffer, und cine jo arte Erndte an Gewürjneiten, das Die 
einzige Plantage Gıbrielie, die Dir Regierung gehört, genug hervor⸗ 
dringt, ganz Frankreich damit zu verſehen. Auch von der Geite 
ihrer Handels » Artitel haben die Hollauder alfo bei dem Revolu⸗ 
tionsfriege am meiſten verloren. 

— Zu Diradalt in Nord s Irland Irhtnoch jetzt ein Iriſcher 
Barte, Namens Henncſy. Er if ein Virtuoſe Ber dem —— 
Nationals Inſtrument, der Harie, mit welcher er die alten Beltss 
gefange und feine ericmporitten Lieder begleitet. Blind, im 7often 
Jahr mad jchr arım, lebt er Liof won den Geſchenten, welche Frumde, 
die ihm aus Neugier beſuchen, geben. 

— Man tunditzte m Loudon eine neue Art von Kutſchen am, in 


welchen dei Perronen auf dem Haudt und drei auf dem Kudſitze 


u — ns so fin.n, das fie ſich einander den Rücken zudre⸗ 
en. eier Einrichtung halber nennt man fie: Irtandiſche 
dellichaits + Wagen. — - 


Aus Berlin, am 13. Oft. Im Int. Blatt der Hallis 
fen Fir. Zeitung hand kurt: Hr. bicentiat Duchet babe. im 
Erlaugen, Erivjig amd Berlin Proben von dir Mnemonik 
abgeleut, die alt; In Erſtaunen geſeht hatten. Das bedarf einer 
Berichtigung. Man it bier in Berlin, in Dünklicht auf Herrn 
Bücher, noch über michts ernaunt, als dal er im dem bier Wochen 
die er jegt bier ak, trotz mannigrachen dringenden Aufforderun—⸗ 
gen, keine nennenswerthe Proden abgelegt bat, Denn das Her 
Dom ———— der bitoriihen Bucher der Bibel, (aus 

m 9. ZT. nur des Ev, Diatthäl umd der Ape 
zun eben nichts beionders. Re 
— Dem Vernehmen mad hat Hr, Michter, oder Jean 





‚Part, den Nuf au einer Ptoſeſſur auf einer ſuddeutſchen Lie 


verfitat erbalten, aber die weile Beſcheidenheit gehabt, ihn abzu⸗ 
Ihnen. Here Ehriftian Auguft Sicher hingegen, der Vertaſſer 
einiger fehr mitteimäntgen Romane und einer jentimentalifirens 
den Reile durch Gvanien, har einen abmliben Ruf angenommen. 
Welche Wiſſenſchaft er im Suddeutſchland zu ſehren mag tiber 
nommen haben, laßt ſich aus dem was er in Norddeutſchland 
geichrieben har, ſchwer errathen. 


1804. 





Nro. 208. 
er 
| ARISTIDES. 
Der Sreimüthige 
— 0 — ben 18. Oktober. 


Donnerflag, 


ern tf 


und 


Sſcherz. 





Literatur. 
Deserizione delle Medaglie rare del Museo 


Knobelsdorffiano. Berlino. Appresso 
Carlo Quien. MDCCCIV. 


An den Heranögeber deö Freimäthigen, 
MR. H. 

Une den epbemerifchen und frivolen Werfen, mit 
welchen die Literatur überladen wird, fieht der Dann 
von Geſchmack mit fo großer Freude ein wahrhaft 
wüfenfchaftliches, lehrreiches Werk erfheinen, wie der 
Schiffer durch die, von ſchnell erlöfchenden Meteoren 
umgaukelten Wolken, einen Stern durchblicken, der 
feine Fahrt leiten kann. Ich babeu.f.m. Ihnen anzu: 
fündigen, daß fo eben bei dem Buchhändler Quien 
die Befchreibung der Medaillen im Sabinet Er. Exc. 
des Hrn. Baron von Knobelsdorf, der mit großen 
diplematifchen Talenten den gereinigteften Geſchmack 
für die ſchͤnen Künfte und das Alterthum verbin— 
det, — erjchienen iſt. Der Hr, Abbe Seſtini, längft 
berühmt als Reiſender, Alterthumsforſcher und Mu 
mismatiker, iſt der Verfaſſer derſelben, und dieſe 
neue Schrift, die den fecheten Band feiner Werke 
ausmacht, mufi feinen Ruf erhöhen, 

Er belehrt uns bier von einer filbernen Medaille 
von Kranon, der einzigen, die von diefem Metall 
erıftirt; von Städten, die bis jekt in der mumis: 
matifchen Geographie unbefannt waren, zum Beiſp. 
Medmala und Mephelis; aber. eine der interef: 
fanteften Entdeckungen, weie diefer Gelehrte gemacht 


bat, iſt eine Medaille, von der erften Modellirung, die in 
Ties, einen Lyciſchen Stadt, zur Ehre Gordians ge 
prägt worden if. Außer einem andern Exemplar 
davon, das H. A. S. zu Gotha fand, ift fie die ein: 
ige. — Mir erfahren von ihm, daß die Erädte 
Panticapia und Olblopolis fi der Bosphoriſchen 
Aera bedienten, und erhalten Licht Über verfchiedne 
Punfte der Griechiſchen Paläographie, Endlich muß 


‘ man in dem Werke felbft ſehen, wie gruͤndiich er 


Vaillant's und Efhel's Zweifel aufklärt. und ihre Irr 
thuͤmer berichtigt. Die Liebhaber dieſes Zweiges der 
Gelehrſamleit, muͤſſen dem Verfaſſer lebhaft Dant 
wiſſen, für feine angeſtrengten Bemühungen. Mar 
fan die arbeitfamen Schriftſteller nicht eifrig ge: 
nug aufmuntern, die ſich der ſchwierigen Arbeit um 
terziehen, uns endlich Materialien zu. einer fichern 
Chronologie zu verſchaffen. 

Derjelbe Buchhändter Fündigt an, daß der fie 
bente Band, der die Vefchreibung der feltenften Me— 
baillen des Berliner Mufeums enthalten wird, unter 
der Preffe iſt. Der achte wird uns die foftbarfken 
Erde des Mufeums zu Gotha Fennen lehren, wo 
ein eben fo liebenswärdiger als erleuchteter Fuͤrſt, 
Gefallen findet, die Künfte zu befchägen, bie &r 
Selbſt mit fo großem Gluͤcke cultivirt, 

Das ganıe Werk des. Herrn Geftini athmet 
Liebe für die Miffenfchaften, und den Wunſch, die 
Kenntniß der Numismatit zu verbreiten. Diefe 
Wiſſenſchaft wird in unferm frivolen Zeitalter fo 
ſehr vernachlaſſigt, und fie iſt doch die vorzäglichfte 


— 310 — 


die es vermag, uns die Nacht der aͤltern Geſchichte 
zu erhellen. 


Ah u. ſ. mw. 
Berlin, im Oft. 100. Le Chev. de St. Pa- 
tern, Chambellan de 
S. M. lc Roi. 


Ueber zwei Gemälde, von Füger und Maurer, 
Wien, im Julius 1804. 


Sı find mit meinen furjfolbigen Nachrichten, wie 
Eie diefelben nennen, nicht zufrieden, und erinnern 
mich an mein gegebenes Wort Ihnen von hieraus, 
und über die biefige Stadt, recht viel zu ſchreiben. 
Aber, im Ernſte lieber D., das Meifle, was ich 
glaube Über Wien fagen zu fünnen, babe id, und 
jwar aus guten Gruͤnden, der mündlichen Unterhab 


tung beim Wiederfehen aufgefpart, indeffen follen @ie . 


doch in jedem Briefe, den Sie noch von hieraus 
von mir erhalten, mwenigftens etwas Neues, und 
das war es nur, mas ich Ahnen verfprach, erfahren, 
und für heute, weil ſich dod auch die Nachfrage nach 
den neuften Arbeiten u Künfler unter Ihren 
Aufgaben befindet, ein Wort über zwei neue Ge— 
mälde vem Hrn. Direftor Füger, und Profeſſor 
Matırer, die in der Hof: oder Burgfapelle auf zmei 
&eitenaltären einander gegenüber aufgeftellt, und im 
vorigen Jahre gemalt worden find, Beide Erüde 
find von der nämlichen Größe, haben ungefähr 
8 Fuß Hoͤhe, und 5 Breite. Zur linfen Hand hängt 
ein beiliger Johannes in der Wuͤſte, von Füger, rechts 
eine u e Catharina von Waurer, — 
s {ft ſchon an fich fehr intereſſant, fo zwei 
Werke der erfien jegt lebenden Meifter Wiens, ais 
eugen ihrer Kunft und ihres Talenıs, für Zeir und 
dachwelt gegeneinander über geſtellt zu fehen, bejon: 
bers da eben deswegen ficher ein edler Ehrgelz und 
Kuͤnſtler⸗ Wettſtreit die beiden Meifter bei der Ar 
beit belebte, ud anfenerte, 

Fügers Ruhm ift entfchieden, und fein Name 
jedem Kunfifreunde, wenn auch nur aus den treff 
lichen Zeichnungen zur Pracht: Ausgabe der Kiops 
ftodfchen Meffiade, bekannt. Maurer ift Profeffor 
an der Akademie, ein fehr guter Zeichner und Maler, 
dem Küttner in feiner Reiſe-Beſchreibung unter der 
Rubrik „Kirhenmaler“, wehl etwas zu nahe 
getreten ift, worüber — fo wie uͤber fein Ur: 
tbeil über Kirchenmalerei überhaupt, bereits in einem 
Kunftjeurnale ein berichtigendes wichtiges Wort gefagt 
worden iſt. 

Außer der Hauptfigur bat Fuͤgers Stuͤck fieben 
DMebenfiguren. Johannes, — ein ſobner Jüngling, 
ein Apollo: Johannes, — fleht auf einem Felfenftüde, 
nadend, nur die Hüfte iſt mit einem Streife rothen, 
mit Fell gefütterten Tuches ummunden, von dein 
Daden hinunter hängt ein weites graugelbliches Ge: 
wand oder Mantel, kein fell. - In ber linfen Hand 
hält er den Stab, mit der Rechten nach, und wieder 
uruick von der Bruſt gehoben, gestifulirend. Sein 

und ift halb geöffnet, man fiebt, er, der Dorläu: 
fer des Kommenden, verfündigt ihn, und predigt mit 
Degeifterung Buße, Belferung und Liebe. Hinter 
ihm ruht am Boden mit aufrechten Dbertheil des 


Körpers in ganz ansgebehnter igur, den Kopf jur 
Linken des [rd ein herrlicher Yüngling, Er 
8 die Finger der linken Hand, den Ellbogen am 
elfen geftäßt, aufmerffam borchend und gleichfam 
die Bedeutung des Gehören angebend, ans Geſicht 
elegt. Arme und Bruft find entblößt, unter ber 
——— ſchlingt ſich erſt ein weites hellrothes Ge⸗ 
wand um feinen ſchoͤnen Körper, Seine Stellung 
iſt trefflich; Außerft edel fein Seficht, fihen das Haar, 
ur linken Hand des Johannes, neben ihm Eniet ein 
Ihönes. junges Mädchen, die den Begeifterten mit 
allem Ausdruck der Yiebe und Freude angehört. Sie 
bat ein purpurnes Geround. mit zarten, trefflich pe 
mworfenen Falten, die die Umriffe des ſchoͤnen Kor 
pers "nicht verbergen; queer über ihre Schulter 
bängt ein zufammengefchlagener hellroiher Mantel, 
Meben ihr ſteht eine alte Matrone im grauen Ges 
mande, eine gemeine Frau, doch iſt ihr Geſicht nicht 
gemein, ein Zug, den man nur bei den Meiftern 
der Kunft finder, die felbft gemeine Maturen nicht 
gemein in ihrer Art darzuftellen wiſſen. Hinter die: 
fen etwas tiefer, ſteht eine junge Mutter mit ihren 
Kinde, die gleichfalls gefommen ift den Verkuͤndiger 
zu hören; man fieht nur Köpfe und Schultern der 
Mutter und ‚des Kindes, die ſchoͤn gedacht und be: 
handelt find. Zur linken Hand des Johannes ſtehen 
mei Alte, wabrfcheinlih Phariſaͤer die gefommen 
nd, um felbft zu hören, was der Ruf von dem 
verfündenden Propheten in der Wuͤſte, fagte, Der 
erfte ift eine trefflich gedachte und behandelte Figur, 
Sein Geſicht iſt nicht unedel, oter gemein; aber 
inneren Grimm und Unwillen über das Gehoͤrte, 
und ſelbſt ein mwunderbar:richtig ausgedrüdtes, ihm 
ſelbſt unangenehmes Gefuͤhl von der Wahrheit des 
Gehörten, das er nicht billigen mag, bat der Kuͤnſt⸗ 
ter mit hoher Kunft dargeftell. Der Ausdruck im 
Geſichte des zweiten hinter ihm, ift beinahe derſelbe, 
aber ſchwaͤcher, und wahrſcheinlich fo mit Fleiß ge: 
geben. Die erfte iſt vortrefflicd gezeichnet, die Ge— 
waͤnder find fon mit flarfen Kaltenwärfen ; befonders 
wahr und charafterifch aber ift die rechte Hand: has 
ger, mit gefhmollenen Adern, gefrämpft; dies ift die 
Hand eines folden Pharifäer: Iharafters, wie Fuͤger 
ihn dachte, und eine folhe Hand fann nur einem 
folchen Kopfe gehören. Den Hintergrund ſchließt 
ein beiterer Himmel; von der Landſchaft find links 
nur etwas Feld und Bäume ſichtbar. — Das Cole: 
rit iſt ſehr fchön, hell, lebendig, glänzend; doch nicht 
Öhlicht, wie das der meiſten Muern. Die Zeichnung 
iſt vortrefflih, die Oruppirung deutlich, nicht verwor⸗ 
ren, und harmenifh. Die Umriſſe des Johannes 
find nicht ganz fcharf beftimmt, fondern verfchmolgen, 
beinahe, mie die des Raphaeliſchen zu Dörfeiderf, 
wozu au oben das Gelbe des berunterkängenten 
Mantels, und unten me das roͤthliche Serand des 
Yünglings den Hintergrund macht, das ihrige beis 
tragen. 
tun zu Maurers beiliger Catharina, Diefes 
Stuͤck hat aufier der Catharina, und der heiligen 
Maria mit dem Rinde, die iufammen die Hauptfir 
guren aufmachen, jur Ausfüllung nech neun Engel 
als Mebenfiguren. Vb indeifen diefes Gemälde die 
geiftige, jungfräuliche Dermählung der heiligen ger 


— 311 


Ichrten ) Fon Catharina, als Braut Ehrifti, 
indem das Ihriftuefind ihr einen King an den Finger 
ftedte, oder ob es Catharinas Aufnahme und Belob: 
nung im Himmel darftellen fell, vermag ich nicht ji 
entfcheiden. Maria ſchwebt figend auf einer Wolke, 
und das auf ihrem Schoeßze rubende Chriſtuskind 
ſtedt der vor ihm knienden Catharina an einen Fin: 
ger der ihm dargereichten Hand einen Ming. Zur 
Tinken diefer Gruppe Heben drei, zur echten ein 
Engel, die der Handlung mit Anberung, VBerwundes 
rung ‚und Ehrfurcht zufehn, oben in ben Lüften 
ſchweben noch fünf andere, und im Vorgrunde rechts 
liegen Rad und Echmert, als Attribute von Catha— 
rina’s Martyrrhum, Die es andeuten, daß Sie «6 
ift, die bier Fntet. Wahrſcheinlich waren beiden Künft- 
tern die Gegenſtaͤnde, die fie behandeln follıen, höhe: 
ren Ortes angegeben, und man fieht teicht, daß ſchon 
in dieſer Hinſicht Fuͤgern der beſte Theil ward. 
Maurers dee bei der Darſtellung ſcheint 
fehr gut gedacht, und in Gruppirung der Hauptjigus 
ren auf die. gefällige Ppramidalform berechnet gewes 
fen zu feon, wodurd, wenn der Künfiler dabei ge: 
blieben wäre, das Gange gewiß gewonnen, und der 
Eharafter -der gefälligen edlen Einfachheit herdorſte⸗ 
chender geblieben wäre; ich megne, wenn bloß Maria 
mit dem Kinde, Catharina, und zu jeder Eeite ein 
Engel den Grund ausgefülle hätten, und oben allein 
die Gruppe der drei ſchwebenden Engel geblieben 
wäre, Die drei Engel jur Yinfen, befonders der große 
mit den großen Flägein flören den Anblif, und bi 
ben das ſchoͤne Einfache jener Gruppirung auf. Die 
tniende Catharina felbft iſt eine treffliche Figur, das 
Geſicht ehr fhön, Anbetung, Ehrfurcht und flilles 
Entzuͤcken ift der Ausdruck. — Es iſt en profil 
gezeichnet, der Antike nachgebilder, und der Kopf 
mit einer Krone bedeckt. Das untere Gewand iſt 
roeiß, der Mantel dunfelgelb von guter Wirkung. 
Sehr gut ift die dargereichte Hand und der Schat⸗ 
ten des gehobenen Armes. Die Etellung der Maria, 
die vertranlich die Hand auf Catharinas Schulter 
etegt bar, ift gut gewaͤhlt, und das Kind in ber 
itte einige das Ganze zu einer fhönen Gruppe, 
n Marias Kopfe aber fehlt die göttliche Hoheit; das 
briftusfind if zart und lieblich. 
» Das Eolorit it fhön, Heil und glänzend, die 
Farben aber feheinen bei weitem flärfer aufgetragen, 
und nicht fo fein und gur verarbeitet zu ſeyn, wie 
bei dem ven Fuͤger. Maurer bat gewiß feinem 
rehen Rival gegenüber alles aufgeboten, und im der 
& har ein fchönes Merk geliefert; aber ich glaube doch, 
daß man die Verfcpiedenheit und das Nachtheilige in 
der Wohl des Gegenſtandes auch abgerechnet, den⸗ 
noch nicht lange bei der Erteilung der Palme 
fhmwanfen wird. Beide Stuͤce indeß gereichen der 
Eapelle zur wahren Zierde, jeder Liebhaber der Kunft 
wird fie mit rende betrachten, und die Machkom⸗ 
men werden es nach Jahrhunderten mit den Empfinduns 
gen, womit wir jeht die Keifterwerfe der Alten, Pia: 
Künftig, lieber D. verſpreche ih, ie zur Abs 
mechfelung und zur Schadioshaltung vielleicht, mit 
etwas anderem ale Kunftfachen zu unterhalten, — 
+, Ge überwand mach der Legende in einem gelchriem 
Etreite Geben Meier der Weisheit, 


Uebrigens: Fagen. die hieſigen Kuͤnſtler, mie fa 
allenthalben, ſeht über —— Zeäten für F 
Kunſt. Ungegründet 2* die Klage nicht ſeyn, am 
meiften und am nachtheiligften für die Kunſt felbft, 
aber trifft dies junge Künfller, denen es an Auf: 
munterung und reelle unterflüßende Belehrung fehlt. 
Don den biefigen Kunfthandiungen beſchaͤftiget jetzt 
das nduftrie: Comptoit von Schreyvogel und ons 
nenleitner die meiſten Künfller, wovon viele, auch 
Pichter, (br daffelbe arbeiren. Auch haben wir bald 
ein fehr ſchoͤnes Blatt nach Annibal Carrachi, die 
Unterredung Chriſti mit der Maiferfchöpferin am 
Brunnen, wevon fich das vortreffliche Original auf 
ber biefigen Gallerie befindet, von einem jungen fehr 
gefchitten Kuͤnſtler Namens Neche, in Kupfer ge 
locken zu erwarten.” Ich habe die Zeichnung deſſel⸗ 
ben mit wahrer Freude gefehen, und müßte noch 
fehr viel fagen, wenn ich zu feinem Lobe fprechen 
wollte. ch wuͤnſche dem Biatte, wenn es erfcheint, 
recht viele Käufer und bin überzeugt, daß jeder ſich 
über den Beſitz deffeiben freuen wird, 
€—;, 


Un Jünglinge. 


tieht Die zaub riſch · ſchmeichelnde Elrene, — 
Blicht die Wellut: Yıre Himmeldtone 
Locken zum Berberben Gin; 
Ins Werberben winte das milde ſchoͤne 
Auge der Betrügerin, 


KRoiend, fanft umminder fie bie Einme, 
Uber raubbegierig, wie die Epinne 
Den im Netz erhafchten Fans z 
KG! und was Euch Meſodie der Mine 
Düntte, war — ein Srabgeſang. 


Kropienmweis entſaugt fie den Grheinen, 
Ungerübrt beim Augſtgeſtöhhn und Seinen 

Ares Opfers, Sait und Marl, — c54 
küſtling! bald ein Schatten wirft du jcheinen, 

Warſt du gleich dem Pümwen furl, 


@reifehriemgein furchen Deine Stirne, 

und im Schaden trodner dad Gehirme, 

i Schwelge nur mod kurze Zeit; 

Eon bit Du im Arm ber feilen Dirme 
Bur Berweſung eingewerht. 


Der Verdammten Amsft jagt aus der Mitte 

Deiner Lhe Did, — mit Irrem Tritte 
Zuiehſt dem Kain äbnlid, Du 

or Dir ſelba und achı mit jedem Schritte 
Naher dem VBerderden zu. 


E:ritl Erinnerung am befire Freuden 

Wird Dein Herz mit flirder weiben 3 
Denn auch Deine Seet' erichtafft, 

Und Dein Loos IN unnennbares Leiden 
Mit dem Schwinden jeder Kraft, 


. Etiehlt ein ſiecher Epröhling Deiner Lenden 
Sich ind Dafeon, — 0! fo mu er ſchanden 
Den, der ibm bad Beben gabs 
Ei IE Sind für ihm aus folden Handen, 
Und fein Schickſal frühes Grab. 


Srüßed Grab if, Lüfting! auch das Deine, 
U ! und gäter Eerien Hagt Dich feine; 
Schaudernd, mit jerriiner Bruft, 
Ballen ein 1m Deinem Leichenſteine 
Nur — die Opfer Deiner Suß, 


12 — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 65. 


Uns Berlin 


Am sten Oktober, 

H. men anf unter Bühne, zum ers Male: Die 

un frin Gfüd su maden; ein Budfptel in S 

ten, nad dem Srana von Gmilien. — Ein eur 
fiel von Sditter!“ cufen fiber bie meiden auswärtigen 
Stier voll Erftaumen aut. Ya, ia. von Soa ilier, aber nah 
vum Sramöfiiben; aber — Fein Luripiel, ſoudern mur ein 
Eiaratrergemäßlde, von Bertand, Menichenfennentü und eins 

it; — aber ohwe kominbe Kraft, — Id mu getchen ich 
weiß mit, ad es ein Sraniöfiihes Lufiviel giebt, das grade 
Dieie Fabel Hat, doch dar werd ich, daß dieſe nur eine finns 
reihe Umgerraitumg dei Moliereiden Zartüffe it, wiewoßt reine 
fehr ſinnreicht, ob fie gteich bedeutende Fehler hat. bier iſt fir, 
Ser Diinifter Marbonne, met, beim ni itt feines Porens, einen 
Hn. Seucour in einem sehe bedeutenden Aurte. Dieſer Seli⸗ 
@ur if ein unwiſſcuder umd Dabei ſchandlicher Menſch, der 
Andeh den resbtichaffenen Mann ſo tauſchend iu foicden, und ſich 
die Berdienfie umd Arbeiten Auderetr (0 uſis sagumaßen weiß, 
da er den Minifter amd deyem Mutter im Tarrädfe Orgon 
und Yernelle,) gang Irejaubert, und Der erfie ihm einen Geiand⸗ 
Abnfisyofien und feine Tochter geben will, Die legte Uebt ins 
dei den Sohn des verdienſtvollen Beamten, deſſen Arbeiten Se⸗ 
Acour für die ſeinigen ausgicht, und ein Hr, Darodıe, (im Tar⸗ 
tüffe, der Sohn Drgens, den ber Heuchter amd den Hauſe jagen 
Inft,) dem Belicour feinen Poſſen genommen bat, Beichlicht, 
ihm bei dem Mintfter gu Münzen, Gr tritt au wiederhoiten Mas 
Tem als ofener Antläger graen ihm aufs wird aber durch bie 
Urstir des Vehtagten, mit Berhämumng äurücgemieen, umb 
Marbonnens Adıtung gegen bieiem verseölert fi. Endlich mens 
der Farahe eine (lemalich Pumpe) Sir am, (ber Miniker muß 
ſich namlich anfteilen, als ob er feinen Poſten verloren baben 
und durd diere gelinnt es ihm, den Gätrüger zu entlarem, 
Das Uebrige verkcht ſich von ei. 

Die Charaktere des Eric find fehr gut angelegt und ge 
Kalten, aber es in nicht ein einiger tomifcher unter ibnen, Der 
Dialog if, wie fich'e won einem Schillerſchen Stuck wertcht, 
on, rein und edel, doch ohne atlen ig. Biel Situationen 
find bern iniereſſant, aber nur ein Paar find beiufigend, Ir 
das eim Tadel? Nicht doc! Es neigt ur, mh dad Stürf Fein 
Sufiwiel, — fendern ein Gcanfbiel If. „ein Echaufpiel? 
Und ded hatte Schller eink bieie Gattung bes Dmma jo iehr 
gerndelt, fie dur Den ion sabichenlichen Vers; 

Wenn fich das Barker erbeicht, ſetzt ficb bie Tugend zu zii, 
fo Bitter verfiflirt 2?” — Gitter das wollen wir vergeſſen, und 
fart deren dem grofien geulaltichen Dichter mir doppelter Hoch⸗ 
adıtuna dafuͤr Danf wiſſen, daß er bell yenug denkt, Irrige Ane 
fihten nicht blog deshalb, weil er fie einmal auffelite, beimups 
tem su wollen, Itde Gattung it gut, in welchtt ſich ermad 
ortrefilidieh deinem läht: daher ſchtieb Schitier, Ivo ſeineni 
feiiherm Ausſoruch, dies treffliche Gchaufpiel, , 

Das putlitum mahın ed mit fehr tebhantem Beiral auf, 
„Das verbantt das Erinf dem Umande dah Ifland den Seli⸗ 
ceue machte?" faaten wie. Sit batten Recht, aber Das jept 
das St mit, herab: es wereht ſich wohl, daf ein Dichter 
fie feine Saupteoiien auf volleudete Känftier rechnet. Und Ir 
fand — Ach babe. dieſen grokem Meiſter bewundert io lang! 
ich ihm tenme, aber kaum erinnere ich much smwei Motten, in 
denen ich Ihm fo biendend alängen (ah, als dm biefer, Keim 
under! Ele achörre einer Dichtungsart an, in welher Er 
jeimt jo ausgezeichnete Tatente geieigt bat. Dieſe Wahrheit, 
diefe tunreichen Uedergänge, bieit Gewandhett — dech das 
niit dem Moment Inflichende, und im Jedem Momente feiner 
Dauer, neugenaltete Kunfiwert latzt ſich nicht beichreiben. Eins 
jeine Vemertungem vielleicht hunftis- Nachſt Geltcour find bie 
beiden Hauprrolien Enredıe uad Narbonue. hr, Matranid gab 
den erflen mir viel Pebhnjtigkeit und Wahrheit; Hr. Keinharb 
den festem eben je wahr umb fehr wurdevoll. Das Publitum 


mu ed endlich wohl erfemmen, dab umiere Bühne am ihm eine 
fchr (ägenswertbe Acquiſitlon machte, 

— Zum Beſchtuf̃ gab man das Meine Stüf: die Spam 
bädhre, aus Kogebucd dramatiſchem Almanach auf 1805. hr. 
Yaland machte die Sauprrolis, den alten Candidaten; es mußte 
alio wohl geralen; Ätrigend fühlte man bei der Darieitung, 
dan das Meine Erif — trotz feiner Kürze, manche zu lamge 
sine bat, 


Am 16. Oft. gab man enbtih au Gier: Cäſar im 
Gharmacyfa, Gingfpiel, frei nah dem Italienis 
{ben von Zreitichte, componirt von Ealleri. — 
Das Stuck erörtert fich mit einem Eturm, mährend deſſen bie 
Geeräuber Caſar und fein Geſolge geſangen herbeiführen. Vai 
nachher wird auch ſein Lieblingeſtlave Tullus und deſſen Ger 
liebte Lucia, gefangen. Im dieſe verlieben ſich bie beiben Bine 
führer der Seerauberz fie hindern einander, doch ohne darüber 
uneins zu werden, bei Lucia glucklich au ſeyn, Bas dauert 
denn fo lange, bie ein Römiiber Feldherr landet und fie 
geſchlagen und gefangen werden, verſteht ſich mit aller 
Eriſodchen, zun Theit aus Eaſars Geſchtchte. Es hat gar 
keine Hamdiang, — doch darau iſt man bei Eingiblelen gewöhnt; 
— aber ed hat auch gar keine herwichende Leidenſchaft, nidıe 
einmal einen Charakter, denn es if weder komiſch, mod wis 
rend, uch — trgend etwas in der Welt: und das ir ein Fel⸗ 
der, am den man fi midt gewohnen Tann und Folk, denu 
wenn der Eomponit mihıs ausiubrufen bat, nun, f—tanı 
er auch nichts ausprüden. Galteri hat ſich Abrigens, als Deister, 
auf die einitg mögliche Welre ans der Verlegenbeit gerogen. 
Amar in die kurrze Enmerlonie, mer welder feine Compenitiom 
anfängt, bat er michts Gineiniesen Können. als eine Darfeltung 
des erwähnten Eiuems, danun aber har er jedes eimpeing Thema, 
unabhängig von dem Uchrigen, jo ion, jo reiend ausgembet, 
dak man — das Vorbergebende vergiüt. und al,o mit leicht 
bemerkt, daß es micht damit amiemmenhangt. Votzuglich ſhon 
fangen Madame Eumte, als Lutia, Madame Müller, als die 
Braut des einen Raubercheſs, und Hr, Eunite, als Julius Car 
dor, Das Stuck ward mit Veifall, obsleich nicht mir (ehr leb⸗ 
haſtem, angehört. 


Bewahrungen 


Dar för Go@acıtungswürdige Kerr Herausgeber der inerva 
hat ins Sepr,. Stuckt berpiiben Die in Ir. 173. des Areluniithie 
en erjabite Uneldote vom General Lafayette, und cime beige 

ste Vermuthung, durch fehr michtige Grunde unwahrſcheintich 
gemacht, Er ſetzt hinzu, daß Er dem beruͤhmeen Teldberem fern, 
um eine Auskunft uber dem erzahlten Vorgang gebeten babe, 
Herr von Archenholz wird ſich durch bieie Berichtigung einer 
ſehr gehatzigen Angabe, eim meues Verdienſt um Die Geſchichte 
erwerben, bie. Grinen glanenden Talenten und Geinem ſorg ⸗ 
faltigen Ficia ion fo viel verbantt. Ich freue mich, dazu 
@rlegennbeit geaeben. zu haben, ater gegen ein mögleches Miis 
verfandntä, das Eeine Menkerung, „ich hatte mir durch meine 
Unterdivsit den ermahnren Aufſatz zu eigem gemacht,“ mann ich 
proteſiren. Zu Bm Aurfage bekannte ich mich durch die 
usterihrift, aber Me Micdtigtelt der Anetdore ſollte 
Dieie nicht derbimgen. Ich wollte durch fie nur anzeigen, dag 
ich feld fie aus der Dabei augegebenen Duelle, elmem Pond« 
ner Beitumgsblart, das Mich au Dodiond Geſchichte des Ameri⸗ 
kaniihen Krieges berief, geichepit. baby. G. MM.» 


Man fhreite mir, dab hr, Proſeſſor Echelling m Wine 
burg dur die im ir. 140 u. f. abgebruchte , Fragmente aud 
meinem Neiitieurnal” im einen bad umpbitofenbtiichen Zorn 
gerathen fen, und ibm cam Umchuleige tobem laſſe. Ich er⸗ 
Mare demnach, dan bie Reflettronen in jenem Aufſatze, 
die Hm. Prof. S. allenfalls ein wenig een könuten, vom 
niir berrüßren, Der Red. 





1804. 


Nro. 209. 





Der Sreimüthige 


— 
ern f 


Runftausftellung in Weimar 
vom zıftien Eeptember au. ®) 


D. Kunſtausſtellung, die Se. Excellenz der Herr 
Geh. Kath von Goͤthe auch dießmal, zum Gtenmal, 
eröffnet haben, ift keineswegs fo mwohlbegabt aufge: 
folen, ale man erwartet hatte. Der Eonnabend, 
wo fie zum erfienmal in unferm Comddienhaus gegen 
das gewöhnliche Legegeld zu fehauen war, wurde noch 
dur eine zweite Echauftellung verherrlicht. Man 
konnte aus den Zimmern der Ausflellung fogleih in 
die Vorftellung des von Goͤthe neu bearbeiteten Goͤtz 
von Berlichingen gehn. Und wirklich folgten die 
meiften diefer Einladung, Allein auch bier war die 
Befriedigung fehr zweifelhaft. Die unerhörte Dauer 
des Stüds bis gegen 11 Uhr, und mancher Fehl: 
griff, den die Afteurs verſchuldeten, ſchienen es auch) 
bier auf den Kampf der Menfchheit mit der Langen: 
weile anzulegen, fo wie es bort in der Aurftellung 
auf ‚einen Kampf mit dem naffen Elemente abgefehen 
war, Denn befanntlih war die Aufgabe, die die 
vereinigten Weimariſchen Kunftfreunde (heißt fo viel 
als der Geh. Rath von Görhe und der Profeffor 
Meper,) bei der Bekanntmachung der letzten Preiß— 
vertbeilung in der neuen Jenaer allgemeinen Literas 
tur: Zeitung für die neue Preißbewerbung aufgeftellt 
batten, der Kampf bes Menfhen mit dem 








*, Die ausführlie Nachricht fiber die Berliner Nusftellung 
in der mächiten Woche. 


— — oder — — 


und. 


ben 19. Öftober, 
Sſchernz. 


Waſſer. Die Zeichnungen, welche der Aufgabe 
genug zu thun geſucht hatten, find weder der Zahl, 
noch dem innern Gehalt nach fehr bedeutend, und es 
feinen dabei wenig Künftler von Kraft und Be: 
deutung in die Echranfen getreten zu ſeyn. Waſſer 
und Wafferenoth genug, nur des Geiſtes, der über 
dem Waſſer ſchwebt und die Unform ſchoͤpferiſch bil: 
det, viel zu wenig! Da giebt es 2 Eüntfluthen, 8 
Ueberfchrwemmungen und zwei Schiffbruͤche. Man 
kennt die berühmten Eündfluthen und Schiffbruchs— 
ſcenen großer Meifter, und man findet bier allerlei 
Erinnerungen aus jenen befannten Bildern. Man 
weiß aber auch, wie die. Dieuern, befenders in der 
manierirten Franzoͤſiſchen Schule, diefe Aufgabe ver: 
dreht und zu leblofen Gliedermaffen gemißbraucht 
haben. Auch hierzu laſſen ſich in den vorliegenden 
Kunſtverſuchen enıfchiedene Belege finden. Indeß 
fehlt es doch nicht ganz an gelungenen Ausführun: 
gen. Ein erftarrender Mann, der die einigen über: 
lebt, und eine Zeichnung. die auf der Lifte mit den 
Buchſtaben D angegeben iſt, verräth einen fehr wer: 
fländigen Kuͤnſtler. Es ift der jüngere Lange in 
Düffeldorf, in welchem ſchon einige vorhergehende 
Ausftellungen einen braven, vielfeitig gebildeten und 
fein Werk ernfthaft fördernden Künftler uns erfen: 
nen ließen. Er nähert ſich in feinen biftorifchen Er- 
findungen der großen Manier Pouffins, und wird 
jest in Stallen, wo er dem Vernehmen nach einige 
Zeit zu bleiben gedenft, in feiner artiftifchen Lauf: 
bahn die erfreulichften Fortſchritte machen. Dab «es 





ihm auch an Genie zu Erfindungen nicht fehle, be: 
weifen diefmal 5 Skizgen in runden Räumen, zum 
Zwed einer Mebaille, die den Moſes vorftellen, wie 
er die Quelle aus dem Felſen hervorruft, und gewiß 
nicht ohne Verdienft und Mannigfaltigkeit plaſtiſcher 
Anfichten find. 

Der unbefangene Kunftfreund, der auch in- dies 
fer Aueftellung die wahrhaft zweckmaͤßige und wohl: 


thätige Abſicht nicht verfennt, wozu Goͤthe diefe Ans 


fait begründet und mit lobenswürdigem Eifer, alle 
Mifverfiindniffe und Mißdeutungen nicht, achtend, 
bis heute fortgeführt hat, wird jelbjt in den weniger 
gelungenen Verſuchen der diesmaligen Ausftellungen 
und in einigen auffallenden Mißgriffen, die hier zur 
Schau fichn, noch immer reichen Etoff zu allerlei 
Kunftfördernden Discuffionen und Betrachtungen fin 
den. Auch hier befiärige fih wieder die befannte 
Erfahrung, daß der ſtuͤmperhafteſte Anfänger immer 
die hoͤchſten tragiſchen Effekte und giwaltıgiien Ge— 
genftände zuerft ergreift, fo wie die ſchlechteſten Schau⸗ 
ſpleler am liebſten die muthigſten Heldenrollen ſuchen, 
oder wie Lucian einmal ſagt, das Cſeleehr hinter 
der Lowenhaut verfieden. So thun es auch bier 
grade die unfertigſten Schwaͤchlinge nicht ohne eine 
Suͤndfluth. Wie vielfeitig ließ ſich nicht die Auf 
gabe behandeln, ohne eben den Pinſel im dieſe ges 
waltigen und comindfen Waſſerfluthen zu tauchen? 
So bedauert man aufrieig, daß ein nahmtafter 
junger Kuͤnſtler, der ſich in Dresden aufhält, feine 
Stigjen hierzu, wovon die eine die Wiederbelebung 
eines fcheintodten Kindes enthält, das aus dem Flujfe 
gejogen, in Gegenwart feiner treftlofen Mutter und 
Hlagenden Geſchwiſter, von einigen hülfreichen Maͤn 
nern behandelt, und im ihm der ſchlummernde Lebens: 
funten wieder angefacht wird, micht erdentlich aus: 
führte. Ein anderer hatıe Sbthe's eigene Ballade, 
den Waſſertraͤger mach Yucian, zum Gegenfland einer 
ſehr humoriftifchen Darftellung gemacht. War nicht 
in beiden Borftellungen auch ein Kampf des Men— 
ſchen gegen die rohere Maturgemalt recht finnlich 
auszudeuten? Sehr lehrreich würde es auch geweſen 
ſeyn, wenn man Fügerfihe Jdeen zu Gesners erſtem 
Schiffer, die eben jegt in Wien in Kupfer erfpienen 
find, zur Vergleihung mit auegehangen hätte. 

Unter den Copien na hifteriichen Bildern, wo: 
von auch diefe Aucfiellurg mande Probe enthält, 
zeichnen ſich die von Ferdinand Jagemann in Paris 
gemachten Copieen der drei berühmten Madonnen 
von Raphael, der von Follgno, Loretto und della 
seggiola, fo fehr aus, daß man immer von neuem 
mit Dergnügen davor vermeilet, Wir fahen von 
diefem jungen geiftreichen Künftler, der «6 ganz werth 


ift, daß ihm durch Höhere Unterftügung auch noch 
der Italiſche Himmel und die Hesperidengärten der 
Kunft zu Theil werden, ſchon eine fehr wadere Cor 
pie des Verblemitifchen Kindermordes von Guide, 
Aber dieſe Madennenverfammlung gewährt noch weit 
höhere Erwartungen von einem Jünglinge, der Ra— 
phaels himmliſche Geſtalten fo zu verfiehn und auf 
zufajien wußte. Sehr intereffant find diefem gegens 
über noch einige Copien nach Daniel von Volterre 
und Eignari, 

Unter den diefmal aw’geftellten Landfhaften ers 
gebt man fich gern an einem Hachkertſchen Stuͤck, 
Terra nuova im Dal d'Arno vorſtellend. Kraus 
hat das neue oder vielmehr erneuerte Schloß mit 
der Umgebung in feiner befannten Manier fo tref— 
fend als moͤglich abportraitirt. 

(Der Beſchlus folgt.) 


Nachtrag zw der Machriche über Fügers 
Gemälde. 


Wüger bat feinen idealiſch fhönen Johannes, als 
Sünglung ven zwanzig Jahren dargejlellt, fo jugend: 
lid, wie man ihm außer den Duͤſſeldorfern, bei andern 
beruhmten Meiſtern ſchier nie ſiadet, bie im Gegen⸗ 
theu, und ſeibſt gegen die Geſchichte, ihn gewoͤhnlich 
ju alt darſtellen. Der Kopf ift, wie gejagt, der 
Kopf eines Apollo, rein, veil Eanftheit und Liebe, 
Body nicht ohne Kraft, die vorzüglich die Woͤlbung 
der Stirne und die Züge um den Mund deutlich vers 
Enden, An dem fi ganz darſtellenden nadendem 
Körper hat der Meiſter die Kunſt und Nichtigkeit 
feiner Zeichnung, jo wie an den reinen, weichen, 
doch nicht unfräftigen, gefundem Fleiſche die Gewand: 
heit feines Pinſels vollfommen zeigen fünnen: und 
er hat beide gezeigt, nur wellen einige die Beine, 
beionders das rechte, zu fchwach finden. ch Fann 
daruͤber nicht entfheiden; aber es iſt fichtbar, daß 
Fuͤger mit Recht und Fleiß es vermieden bat, uns 
einen Übergefunden, firegend muskulbfen Fechterkoͤrper 
darzuftellen; ein Fehler, worin fo viele fonft große 
Kuͤnſtler bei nadten Figuren verfallen, und uns da: 
durch mehr Fleiſch, als Geiſt geben; oft eine Venus, 
wie eine wohlbeleibte Landnymphe, und Amors, mie 
ungen, denen man den vielnährenden Papp an 
fieht. Doch Alles für den Liebhaber! — Wäre er 
anders, mir würde der fihöne Johannes nicht mehr 
der fcheinen, der er iſt, und ben Fuͤger bilden wollte; 
denn fehmächlich ift die Figur keinesweges, und uͤbri— 
gens in Lebensgröße dargeſtellt. — P 
— 6. 


— 315 — 


Aufmunterung an Adelheid, 
als fie den Verluſt ihrer guten Mutter beweinte. 
Im Frühling 1804. 9 
dir des Zepbirs Rofenflügel 
Kommt der Blumengeber Mais 
Lächeln macht er Thal und Hirgch, 
Was da atlımet, fergpenfrei. 
Unmurhevon umd ſchon gertalter 
Eid durch ihnn die Ehäpfung ung 
Und fein Lebenshauch emtialtes 
Ueberall Elyſium. 
Eden⸗ Heiterkeit belebet 
Die verſüngte Wieſenflur, 
und ein Wonneſtrom durchbebet 
Ule Darlfe der Natur! 
Eich den Feiertanz der Quelle, 
Horch! fie Auftert durch den Din, 
und auf jeder Silberweile 
Hiwſen Weſte ihre Reihn. 
Lämmer ſcherzen anf den Triften, 
Frohtich ihwägt der Waſſerſal, 
nnd in ſullen bieten Bürten 
Könt ber Lerche Jubelſchall. 
Dort in dem Hollunderidiattem 
Der wie Parphos Haine blüht, 
Loft die Nachtigal d:a Gatten 
Durch mn ſanſtes Feilerlicd. 
Zu dem Steh wer Jungen Nofe 
Eehwärmt die Meine Biene bin! 
Ecitit das Griachen in dem Mora 
Sinzt fein Lied mit Freühlinashiun, 
Kings die name Schöpfung tauchet 
Im ber Wonne tiefes Wieer, 
Alles! Alles? was nur hauchet 
Zrintt den Kelch der Greude leer. 


nd du Eine fühht noch Leiden? 
Zbeiret warum ſchliecüeſt dis 
Jedem Strale holder Freuden 
Deinen zärten Buſeun zu? 
Wenn ich Ai im Zeohirfüdenn 
Durch die Benischlde ach", 

So ih Einen Frühling Inchelm 
und den Andern weinen eh": 
Tann bil" ich nad deinem Stadichen 

Dente: ad? der ichöme Mat 

Edkeidht dem ſanften theuten Maͤdchen 

Teub' und frendenlcer vorbei! 
hemme endlich dieſe Thränen 
Die dein Herz der Mutter weiht, 
Komm, genich der Wonneicenen 
Die des Dinied Geier heut. 





* Der Bern, I ein Yüngling, der noch nicht fein adhrzelae 
tes Yale zurlichgelegt bat. Das foll wider eine Entſchuſdigung, 
moc eine Emprehlung d.# Gedichts ſeyn, aber den Dichter 
empfiehlt der Umftand der Aufmertſamteit. De Re, 


Eich, Dir bieten bie Beflde 

Ihre Blumen fhmeihelnp anz 

AN was der Lenz enthiite 

Eireut dir Blürhen auf die Bahn, 
Mber wire: Mailuft wehet 
um wich wenig Tage mur, 
Ehronos ſcharfe Genie maͤhet 
Bald die Blumtureiche Flur. 


€o ſtieht auch deim Pen; des Debend, 
Der dich jcht fo hamliſch ſchmuckt; 
Drum genieh ibn, eh’ vergebens 
Einf dein Muge mac ihm blickt: 
Wankſt du einſt gebeugt am Stabe, 
Sms noch Tron und Seligteit, 
Wenn du denke: ©, ich babe 
Mich in diefer Welt gefreut! 
Ehriftian Ludwig Reißig. 
Berihtigung. 
Sn der Nachricht von Hrn. Prof. Bardou's Ger 
mälde in einer der vorigen Nummern des Freimüth. 
wird zu verfiehen gegeben, daß der Einn des Gr 
mäldes nicht hervortrete. Mich duͤnkt, diefe Behaup⸗ 
tung thut ibm Unrecht, Der abgebildete Vorgang 
ift durchaus bei dem erften Blide verfiandlih, nur 
ift diefer Borgang ganz ein andrer, als die Erflärung 
und der Freim. angeben. Aus dem vergnügten Ges 
ſichte des Kofaden und aus feiner Stellung gebt 
deutlich hervor, er ftede feinen Gäbel in die Scheide, 
um zu einem füßern Kampfe überjugeben, und die 
Dionne dankt den Himmel auf dem Knien für bie 
günftige Fuͤgung, der Jungfrau endlich einmal den 
Nüden zukehren zu därfen. ©. 


Anekdoten. 


Einer geiftvollen Juͤdin erzählte man Fürzlich von 
der MWiederberftellung der Gefellſchaft — —. Mein 
Himmel, fagte fig, der Mann bat einen eigenen Gui— 
anon; er fälle immer aus fehlechter Sefellfchaft in noch 
ſchlimmere. Er ward geboren jwifchen Oechslein und 
Efelein, lebte unter Zöllnern und Eündern, ſtarb zwiſchen 
Schaͤchern, und fällenach feinem Tode gar unter— —. 


€, reicher Engländer, der von den Reizen und 
dem Geiſte einer Schaufpielerin bejaubert war, hörte 
mit Zuverläffigfeit, dab fie auch tugendhaft ſey. 
Er fchrieb ihr folgendes Billet: „Mademoiſelle! Man 
hat mir gefagt, daß ie fehr tugendhaft find, und 
daß Cie den Vorfaß haben, es immer zu bleiben. 
Damit Lie diefen Vortag deſto leichter ausführen 
können, feße ich Ahnen dur die beiltegende Schrift 
monatlid 50 Guinern aus; follte Ahnen diefe Yaune 
aber einmal vergehen, fo bitte ih ie, mir den 
Vorzug zu geben, und zahle Ihnen von dem Augen: 
blid an, 100 Öuineen jeden Monat.“ 


— 316 — 


I 


Riht-politifhe Zeitung Nro. 66. 


M Wien, den ıoten Dft. 1804. 
adame Meifentburn hat eim Traueribiei nad dem Italie⸗ 
mischen des Federici: Totiiaidı König der Oſtgothen, auf unſer 
Hoftheater gebracht. Einige Madchen, welche die Neugierde ins 
Lager der Gothen lorte, werden von dem Könige gut auige⸗ 
monsmern, und zu ihren Eltern surischyeichiche, Der Liebllug des 
Königs aber, der fie geleiten ſoute, von ummiberitehlicher Leidens 
ſchaft hingeriſſen, emtichtr eims der Maschen für fi, und chickt 
die andere zuruck. Gie kommt im dem Augentlicke im ber Hutte 
an, wo Totilas, der ſich auf der Jagd veriret, umd eime Nacht 
bier unbetannt zugebracht hat, Abſchied nehmen will. Bol ges 
rechten Unwillens sleht der König feinen Yielling vor Gericht, 
und verurrbeitt ibn sum Tode. Aber diefer, von den Bitten 
feiner Geiangenen bewegt, wollte ihr ſchon vorher dis Freiheit 
wiedergeben ; diefer Edelmuth und feine Leiddnſchaft erwete mum 
auch im ihr eime berrige Neigung, Aber ihr Flehen, Die Bitten 
ihrer Familie ind wicht im Stande den König zu erweichen, 
der endlich mur dem Anbringen bes ganıen Heeres nachgiebt. 

Das Stuck ift, wie wir es jeben, von feinem Werbe. (in 
alter Arieger umd ein Landmann, weiche im dir erſten Eirne 
fehe weitihweifis eingerührr find, nehmen an der Handlung 
gar feinen ſernern Autheil. Eck jur Chatatteriſirung Tott: 
Ia’d find fie ganz unnörhig; da dieie ſchen durch bie folgende 
Handlung fidrbur wird, umd der König feine guten Eigenſchaf⸗ 
tem ſeibſt ohne Umterlaf „rein ausipeidıt.” Das wenige vor— 
handene Jutereſſe seriant im zwei Theile: im den erſten 3 Atten 
feben oder hören wir vielmehr, immer Totilas Grohmuth, worin 
er dem fo or geſchulderten Tirus nichts nachgiebtz erſt im brite 
tem Alte tritt der Liebling mit der Gefangenen auf, und beginnt 
die neue Handlung. Dann wird der Knoten, wie Sie aus dem 
Plane ſehen, wicht durch Entwecktung ber Leiden chaften, ſondern 
durch Die Bitte des Heeres getoſt ein Ausgaus, dir ſreilich mit 
ſehr geringer Hund und Secetenkenntunm zu Grande gebracht 
werden tonnte Die Charattere haben einen joldın Grad von 
Altgemeinheit, dah fie dir neuen Exhuj: angehören Burn; 
denn es finder ſich wirklich kein inneres Mertmahl, wodurch 
der Gothe Totilas von dem Mazeroniiden Ulerandıer oder Dem 
Komtichen Titus unterſchieden werden Tonnte, — Madchentreue, 
eine Over unſers Derewigten Mozart, umter dan Titel: Los 
fan tutte befannt, wird ſetzt im Hoftheater gut, und mit 
Beifald gegeben. 


Theater an der Wien, 


S amaneder⸗ Stein der Weiſen, einſt eine Licklinggoper des 
Yubtitumg, will nice mehr gefallen, Man finder darin einen 
guten und böjen Genius. cın unſchuldiges Paar, das fid zartlich 
diebe, umd viele Hinderniſſe ſindet, einen jovialiidun Karurmien: 
chen, mit einem feicefinmigen Weibchen das ihm untreu wird, 
m. m. Biber unfer Publirum bar ſeine Neigung rar bie Baus 
beroperm ganz verloren; nur im Leopoldſſadter Theater werden 
fie noch arduldet. 

Die Karabane nah Cairo geraltt nicht beſonders, obaleich 
die Gretroihe Muſik mande angenchme Partie hat. Sonſt if 
es ireitich eine sehr gewöhnliche Eerarligeidibte. Das Pudll⸗ 
tum delömmt aber dafır 2 Schlachten mit Infanterie und xgs 
valterie, auf dem Theater gu ſehen, welſche man bier sche liebt. 
Sie jeben man dentt Gier miche wie Schiller: 

Denn leicht arsimmert mur il Ihospis Wagen 

md aleich dem ſtillen acherontſchen Kahn, 

Nur Echatten und Idole fan er tragen, 

und drangt Bas rohe Leben ih hinan, 

So drohtt das leichte Fahrſeug umnzu ſchla geu 

Das nur die ucht'gen Geiſter jaſſen kann. — — 
Hier muß er oſt ganze Armen zu Fun mund Pierde mit ch 
nehmen, md miche ſelten wird er durch das Krachen bom 109 
Geuereohren erſchuttett, und in Pulverdampf geht. 

Yroferer Nobertion it am 9. d. M. in Gegenwart vom 
ungeiahr 20,000 Meniden, die im Prater verfaumelt waren, 


in die Quft gefahren. Er dieg nicht fche hoch, blieb dem Dur 
ſchauern langere Zeit fihtbar, und lieh ſich nachdem er ange 
fahr auderthalb Etunden in der Luft zuzebracht hatte, drei 
Gtunden von Wien, nahe bei dem Stadſchen Kornenburg wies 
ber. Das Wetter war außerordentlich beiter und warm. 


Magdeburger Theater. 


it unſerer Oper fichtd ſchon wieder traurig aus. Kerr 
Ropte und Madamı Nöpte find abge zangen, und Herr umb Mar 
dam Kiel, von denen wir bie gegräindete Hofuung hatten, daf 
fie dieſelde wieder heben würden, gehen wider Willen dir Dir 
refrion zum Theater mab Hamturg. Der Mufitpieeftor Herr 
Dirterlein, der ſchon lange früntelte, iſt aeftorben, und feine 
Stelle ſoll durch den braven Zadarik ericgt werden, von dem 
wir hoffen, ba er durch eine gute Wahl ber Dvern fir umfer 
Vergnügen ſorgen werde Biel wird er indeſſen, To gut auch 
das kleine Orceſter einge wielt iſt, nicht leiſten konnen, da wir 
uun weder Sanger noch Sangerinnen haben, den einigen Gicht 
ausgenommm, Zwar iſt Madam Menges von Berlin als Gam: 
girin in ber Oper engagiert; die bat scher viel Muſit, aber wer 
ig Eingoryan, un» fie altem wird hwerlich alles im allen 
ſeyn tonmen. Man nf zeſt henn ſo wie Muhe ſich auch uns 
fere Direttion giert, wafere Giriets te Die Bühne anzuwerben, 
fo wenig will es ihr Damit aluden. Ueber den Zuſtand umjerer 
Nationalthline ſouen Cie manftens ein Wichreres hören. 





An ı5tem Fructider gesen die Glieder des Athendume zu 
Avisnon, von vielen Damen, und — folatich auch dungen 
Herrn, begleitet nach Rauckuſe, um den erfien Grein zu dem 
Monument zu legen, das für Werrarda am tier feiner Quelle 
errichtet werden ſoll. Cie warden in allım Ortichaften, durch 
wie fie zogen, feierlich empramaen, und ihre Geſolge versrönerte 
fi mir jedem Schritte. Als fie am vem Orte angelonimen wa⸗—⸗ 
ven, wurbe eine feierliche Meſſe gehalten, und bası legte der 
Prafident des Atheneums den erſten Stein, worauf die Kellt 
durch vide Hande gieng. Der leberveft des Tages wurde mit 
landlichen Zeſtlichteiſen in der umlienend:n Gegend zugtbracht, 
und alte Echos, jagt eine Pariſer Zeitung, wiederholten unau 
hortich die Namen Petrarchas und Lauras, Napolton's und 
doierhinens. 

Der Oraf ZTambeccari, der ſchon zweil unzlückliche Luſtrei⸗ 
ſen gemacht Hat, bereiter fi emfig zu einer drirtem und glaube 
dieemal des glüeflichen Erfolgs ſicher zu deum Drei Perſonen 
werden ihm begleiten, Man bat vorgechlagen, feinem Boote 
die Imchrift zu geben: Coelum ıpstm petimus stultitas. 
(Mus Tborbeit Areden wir fogar gen Himmel.) 

Auf dem Theater des Francois zu Paris gab man für 
lich ein Stuck, das dem Titel führte: Les Amans sans amour. 
Das Yandevilte s Thtater hat datauf ein Erik angehündigt: Les 
Amasnıs s.ns Juml.es, 

Den Privat⸗ Nachrichten zuſolze, die ein Maturforicher au⸗ 
Maltega ertbeilt, fol Die dortige epibemiih  acıwerdeen 
Krankheit verznglich von der schlichten Glaſur der irdenen 
Kochgerchirre berrüheen , und dunkle Nachrichten von dem im 
Deutjcbland erfunden Geſundheite Geſchirren, haben die Au—⸗ 
frage an Den Med, des Freimuthigen weranfaft, wie es um dieje 
Erandung fiche, und ob der Erfinder ſich wohl entidhliehen 
mödte, in Malaga eine Kabrit folder Geſchirre zu etabliren ? 
Die Antwort des Herrn Hefrath Kauft muß am Herru A, 
Nınmbert aus Malaga, gegenwärtig zu Hamburg, dm 
Kramer Ant⸗ Haufe, gerichtet werden. 

Da fih die Furcht vor der meglichen Einführimg dees ac 
ben Fiebers, und wohl nicht ohne gegrundete Veranlaſſung, auch 
in manchen Gegenden Deutidiands verbreitet, io möchte die Am 
zeige icht unzeitig ſeyn, Dan der beruhmte Dr, Willich in Done 
don ein, wie es ſcheint, Febr bewahhtes Mittel dagegen ver 
kauft. Ceine didreſſe it; Charing-Crofs, Nr, 40. 





1804, 


Nro. 2to. 





Eonrabend, 
erh ft 


Kunftausftellung in Weimar 
vom zıftlen September an, 


Schluß.) 
D. Bildhauer Tiek, deſſen Aufenthalt in Wei— 


mar der Kunſt und dem Kuͤnſtler gleich weckend und 
lehrend geweſen iſt, ſtellt diesmal 4 Vuͤſten auf: den 
Erbprinzen von Weimar, den Grafen Neuß, den 
Profeffor Wolf in Halle und den Hofrath Voß, der 
von Jena nach Wuͤrzburg geht. In allen 4 Blüten 
wußte der finnige Kuͤnſtler das Charakteriſtiſche, in 
Einklang mit der hoͤhern Kunftforderung zu ſetzen. 
Ganz vorzüglich iſt ihm der Profeffor Wolf gelungen. 
Winkelmanns Düfte von der unglüdliden Cerachi, 
und ein paar weibliche Büften von Rathgeber und 
Weiher, ſcheinen mit gutem Vorbedacht als Zugabe 
aufarftellt, Bei Winfelmanns Bäfte muß den Lite— 
raturfreunden die Meugierde erlaubt fegn, zu fragen — 
und die frage wird wirklich häufig ausgefproden: — 
mann das im jüngften Meßkatalog als fertig ange: 
zeichnete Wert: Winfelmann und die Kunſt 
des 18. Jahrhunderts, in Briefen uud Auffaͤtzen 
herausgegeben von Gbthe, dann auch wirklich zu 
haben fegn wird, Wir wiſſen daß Görhe von hoben 
Händen eine treffliche Sammlung noch unedirter 
Briefe Winkelmanns an einen jeiner damals in 
Wermar !ebenden Äreunde, mirgerbeilt erhielt. Auch 
arbeitete Prof. Meyer, deſſen gruͤnduche Einfichten 
in die Kunftaeihichre jedermann Gerechtigkeit wider: 
fahren laͤßt, ſchon ſeit mehrern Jahren an einer Kunſt 





Der freimütbise 


und 


Shery 


geſchichte des letzten Jahrhunderts mit unermädetem 
Fleiß, theils aus eignen Anfichten in Stalien, theils 
aus andern Hülfsquellen, welches Wert nun mit 
Goͤthes eignen Betrachtungen durchwebt, uns bier 
verfprochen ward, 

Das größte Antereffe bei der biesmallgen Aus— 
ſtellung gewährt obnftreitig eine Sammlung von 
Handzeichnungen und Studien, welche ber Luͤbecker 
Earftens, der vor einigen Jahren in Kom eben nicht 
in Ueberfluß geftorben ift, feinem $reunde $ernom *) 
vermacht hatte, und die diefer nun mit feiner zahlrei⸗ 
hen und ausgeluchten Bibliorhef aus alien erhal 
ten hatte. Carſtens Arbeiten find eben fo genialifch 
empfangen und gedacht, als geiftreich ausgeführt. 
Es find 22 theils großer, theils kleine Efijjen und 
Beicdhnungen, wozu ber vielfeitig oebildete und mit 
den Antiten vertraute Kuͤnſtler den Stoff aus alter 
und neuer Zeit fehr gefhicdt zu wählen wußte. Lieb: 











die Nitliotbefarkelte bei Er. Durchlaucht, der verwittweten 
Frau Herzogin Amalte erhalten bat, die ber verſtorbene Jagt ⸗ 
mann betleidete, hait ſich beyt gewöhnlich in Weimar auf. 
Welchen Gebrauch er von dem Ifterariichen Schatze, den er wah⸗ 
rend feines noläbrıaen Aufenthalts in Italien jamımelre, gu machen 
aeionnen if, bewelit Die bei Gromman im Jena amgeründigte 
@itte Italianiſcher Dichter, deren wohldurchdachter Plan dem 
wahren Kenner zeigt. Wir haben auch von ihm eine Kunflerer 
arie Aber das neueſte Rom ım eımigen Banden ju ermarten, 
dir um jo Poltemmmr von dem Verinfer bes Bemalbe 
von Kom Gothr, Perſhes, ſeyn minkte Ba die altern Werte 
ber Arr durch die neueſten Ercigniſſe fa gamı unbrauchdar de 
worden find, Anm. d. Einf. 


— 318 — 


ches auch in den Deutſchen Kunſthandel gefommen, 
aber bei weitem nicht fo gefannt und gefchäßt ift, 
als es verdiente, Hier ift zum Theil mehr, als Flax— 
mann, Aber der Englifche Bildhauer lebt im Webers 
fluß in Sonden und belebte Marmorbiöde für die 
Weſtmuͤnſter Abtei; der Deutſche verfümmerte in 
Kom und fand nur bei der Piramide des Ceſtius 
Ruhe. Unter den bier fehaugeftellten Zeichnungen 
finden fih mehrere Gegenſtaͤnde aus Lucian, als die 
Ueberfartö des Tyrannen und das Gaſtmal der Phi: 
leſophen. Earftens fannte alfo dieſe reihe Quelle 
für denfende Künftler, die bei weiten noch nicht ges 
nug benußt ift, die Werke Lucians, aus welchen bis 
jege nur bie Hochzeit Aleranders und bie Allegorie 
von Arpelles, womit er die Verläumdung malte, 
durch befannte Künftlerwerfe jur Kenntniß des Pur 
blifums famen. &ofrates im Korbe nach Ariſto— 
phanes und die Hexenkuͤche aus Fauſt find aͤußerſt 
humoriſtiſche Tonceptionen. Uebrigens erinnern mebs 
rere Erfindungen durch ihre Echredensphantasmen 
an Süßlg’s in Londen, berühmte Vorftellungen der Arts 
Carftens würde aber in der Folge noch weit correcter 
geworden ſeyn. 


Fragmente aus dem Tagebuche einer Dame 
über St. Petersburg und bie See⸗ 
Reiſe dahin. 

Die Infel Hochland. 

Hıs wir an Reval vorbei waren, welches man fo 

nahe paffirt, daß die Thuͤrme davon deutlich fihtbar 

uns jur Seite lagen, kamen wir an Hochland: eine 
traurige Infel die aus lauter bemoosten Zrein: Maſſen 
befteht. Einige finftere Tannen, und wenige arme 

Hütten find alles was fie von einem Eteinhaufen 

unterfcheidet, Hier wäre ein Aufenthalt für den 

Einfiedler der raubflen Art, der das Leben — als 

eine Buͤrde, die er fich verpflichtet glaubt, fo lange 

ju tragen, bis ein höheres Wefen ihn erbarmend 
davon befreit, — fo feindlih haft, daß er auch bie 
kleinſte freundliche Ausſchmuͤkung dejfelben flieht, 
die ihm vielleicht auf einige Augenblicke wieder das 
mit verföhnen koͤnnte. — — Sieben Meilen weit 
fann man dieſes — wie es fiheint, von der Natur 
ſelbſt verwahrloſ'te und gehafte Fledchen feſten Be: 
den fehn, das nur 20 bis 30 Meilen von Cronſtadt 
entfernt liegt. Wie wir ihm nahe famen, wuͤnſchte 
der Schiffer ſich und uns allen Gluͤck, daß unfer 
gutes Geſchick, uns am hellen Morgen daran vorbeis 
führte. Er dankte dem Himmel, daß er uns nicht 
beſtimmt babe, dieſe farale Etelle bei Nacht zu 
paffiren, auf der ſchon fo mancher gute Chriſt fein 


Grab gefunden hätte. einer Sache, wie er megnte, 
gewitz zeigte er uns ganz ohne alle Zurädhaltung 
den Drt, wo noch nicht vor langem ein Englifches 
Schiff gefcheltert war. So handelt immer der Furz: 
fichtige Viepih, wenn. nur irgend die Umſtaͤnde feis 
nen Wouͤnſchen und Unternehmungen günftig feinen, 
als wenn er ſchon feines Erfolgs und der Zufunft 
gewiß märe, und ſchafft fo durch feinen Vorwitz 
unvorfichtiger Weſe ſich und andern taufend unnds 
thige Corgen. Kaum hatte auch unfer Wann feine 
graufende Erzählung geendet, als der Wind fi 
drehte, widrig wurde, und nun uns jmang 5 Tage 
vor diefem ſchwarzen Hochland herum zu Ichweben, 
dem tie Einbildungsfraft nur noch neue Echreden 
lieh. Wir fonnten blos lavieren, und hatten es fo 
bald rechts, bald linfs, bald wieder ver uns. Es 
war eine angflvolle Periode, befonders bie erfte fo 
efürchtete Macht, Der Himmel war fo düfter, nur 
* blickte der Mond durch die jerriſſenen Wolken, 
und indem fein matter Etrahl jenen fihmarjen 
Punkt, das Hochland, beleuchtete, das wie unfer bö« 
fes Schickſal vor uns ſchwebte, freute er zugleich 
Millionen Lichter auf das Waſſer, und ſprach fo 
unter dem Bilde einer »glängenderen, ſchoͤneren Zus 
Funft, die zerflörten Gemuͤther freundlih an, So 
at die Matur, in allen den peinlichften Lagen des 
Lebens, und mitten in ihren traurigfien Wirfungen 
und Aufteitten, eine tröffende und erheiternde Seite, 
für den, deſſen ** ie ihre Erſcheinungen zu deu— 
ten, deſſen Herz fie zu fühlen verfieht; und eben fo 
wahr als fchön, ift in diefem Sinne was die geiftnolle 
Schriftſtellerin, Baroneſſe Krüdner, in ihrem I 
reifienden, an jarten Empfindungen fo reichen No: 
man: Valerie, dem unglädlihen Guſtav in den 
Mund legt, daß nämlich gleich der Religion, 
die Natur Gebeimniffe bat, welche fie nur 
dem Leidenden offenbaret; und ach ihr Uns 
elüclichen, mie ausgezeichnet, mie geehrt uud groß, 
foft möcht ich fagen: mie beneidenswerth fcheint ihr 
mir, durch dies Vertrauen, — dieſe Offenbarungen !— 


Die Landung. 


Haben je die Dichter ſich eines treffenden Bil 
des bedient, fo ift es, wenn fie um den böchften 
Dioment der Freude recht finnlich darzuflellen, ibn 
der Empfindung vergleichen, mit der — auf weiten 
Meere lange Ereugend, — der Nelfende endlich Land 
erblidt; und Ich fuche vergebens nach einem andern 
Bilde, durch das Im Gegenfag, bie Vorſtellung des 
Aubels lebhaft genug könnte dargejlellt werden, 
durch den wir alle gleichſam wie electrifirt ung fühle 
ten, da nach 5 Tagen voll Angft und Ungeduld, und 
eben fo viel bangen ſchlafloſen Mächten, der Schiffer 
eines Morgens fur; nah Mitternacht, mit folgender 
Anrede in die Kajüte trat. Meine Herren und 
Damen, wenn Sie noch etwas einzurihten haben: 
der — günftig, und fo Gore will, find mir 
in wenig &tunden, mit Aufgang der &onne, vor 
Eronftadt. Wie mach, mie froh, mie laut murde 
auf einmal alles bei uns! — Wer bätte noch an 
Schlaf oder Ruhe nur denfen konnen, Alles lief 
durcheinander, gegeneinander, im beglüdtenden Rauſche 


— 319 — 


des Vergnuͤgens, — ich glaube, Feinde hätten ſich 
umarmen können. Um 3 Uhr war alles in vblliger 
Kleidung, um einen ehrenvollen Einzug auf dem 
feften Sande zu holten; und jet hätten wir eins das 
andere felber faum gekonnt, nachdem wir bie nach— 
läßige und faſt ſchmuhige Hülle abgeworfen hatten, 
die vorher Mißmuth und Unpäßlichkeit vereint, uns 
verhindert hatte zu beachten, oder doch zu verwechs 
fen, Jauchzend ‚fliegen wir — nachdem unfere, 
Paͤſſe nachgefehn, und unfere Zachen bis zur Fünftis 
gen Bifitation verfiegelt waren, — in eine Echaluppe 
und landeten glüdlich in Cronſtadt. N 


Die Nähe der Kaiferftabt. ' 


Nach einer ſtaͤrkenden Mahlzeit, mit doppelter 
Luft zum erftenmale wieder auf feſtem Lande genoffen, 
und nach den ermäbnten — jedoch befcheidenen Bifi: 
tationen und einigen anderen Fleinen Anordnungen 
und Gefchäften, feßten mir unfern Weg von Eron- 
ſtadt weiter fort, der gleichſam ſchon die Einleitung 
ift zu allem Prächtigen und Schönen, wodurch die 
große Metropole die Sinne in einem froben Stau— 
nen gefeffeit hält. Linker Hand fahen wir durch eine 
reisende Ecenerei von Buſch und Bäumen auf den 
finnifchen Meerbufen, mit einer Menge von Krieges 
f&biffen, Fregatten und Kauffahrern bededt, deren 
Maſten einen dichten Wald zu bilden fchienen. Ned: 
ter Hand zeigten fich ſchon abwechſelnd die —5* 
Landparthieen, Hollaͤndiſche Dörfer, glänjende Kai: 

liche Luftfchlöffer mit ihren unermeßliden Gaͤrten, 
attige Mäldchen, romantiſche Hügel und prächtige 
and: Sitze. Zwiſchen dieſe reisenden Umgebungen 
und Anfichten hindurch, führt ein Weg auf famme: 
nen Raſen, den unfere — fi und uns zugleich 
durch den Gefang ihrer einfach: rührenden Molkes 
Melodien unaufhörlih unterhaltenden Kutſcher, nur 


zu fehnell für die Befriedigung unferer Meugier mit- 


durchflogen, und uns dem Ziele unfrer Reiſe 
an f ch Eeine unmittelbare Nähe kündigte 
fi tur eine ſehr breite prächtige Heerſtrahe an, 
die zum Öfteren mit flolyen Bruͤfen und mit hoben 
Granit: Eulen geſchmlict ift, die auf marmornen 
Miedertals ruhen. Der Abend war fihon im Mieder: 
finfen ; — auf mehreren Yandhäufern wurden Feuer: 
merke abgebrannt, Kadeten fliegen in bie Luft, — 
Muſit ertönte von allen Geiten, — Palläfte was 
ren iltuminirt, — glänzende Equipagen und Neu: 
ter drängten fih: — eswar&t. Petersburg! — 
Tiefer ſchon fenfte die Nacht ſich herab, als unter 
uns die Bruͤcken roffelten; und nun, in einem magi: 
fhen Gemifh von Dämmerung und dem Wider: 
fhein des kuͤnſtlichen Tages, erbliten wir zuerſt, & 
gantifchen Geiſtern gleich, die erhabnen Maßen ſei⸗ 
ner innern floljen Prachtgebaͤude. 

Schlbzers Urtheil über Rußland, 

A beau mentir qui vient de loin, fo wuͤrde 
vielleicht mancher denken, oder es doch für eine Äber: 
triebene partelifehe Yobpreifung balten, wollte man 
den Eindruck ſchildern, den diefe faft Meilen langen 
ſchnurgraden trafen, dieſe Kans von gehaugnen 
Granit: Quadern, diefe vergoldeten Thuͤrme, Mars 

„ mor: Pallaͤſte und Kirchen — fammt den prachtvollen 


Bräfen, den Kiöftern, F en, Schiffswerften, 
Inſeln und Eon — — dieſe Herrſcherſtadt 
gleich einer kleinen Welt, in ſich vereint; — in dem 
erſtaunten Gemuͤthe hervor rufen, Gluͤcklicher Meife 
noch, daß es darüber Gewaͤhrs Maͤnner giebt, der 
nen wohl fo leicht niemand das Recht, als oͤffent⸗ 
liche all emeine Autoritäten zu gelten, abfprechen 
wird. .. Sch führe davon nur Echlöjer an, der doch 
vor beinab 30 Jahren ſchon in Aufland war, und 
ber in feinem neuften eigentlich blos gelehrten Werte, 
Über daſſelbe fein Urtbeit im folgenden kurzen Wor⸗ 
fen ausiprichr: „Vieles mas anderemo ſchoͤn aber 
„klein ft, iſt bier präcdtig und groß. Mieles mas 
„andersmv aroß Äft, iſt hier coloßalifh, gigantifch. 
„Aſiatiſcher Luxus it bis zur Verfhwendung, mit dem 
„feinften Eurppäijchen eſchmack gepaart, — Dem 
„nil admirari wird bier fein Gtoifer treu bleiben; 
„dafür, wenn er ſich hier ausgewundert hat, wird 
„er ſich anderswo deſto weniger wundern dürfen.“ — 


(Die Fottſehung folgt.) 


S nm tig u 


Dr im freimäthigen befchriebne Polniſche Eitte 
beißt „nicht Doyngus, fonden Smigus und ber 
Herr Derfajfer harte noch bemerken follen, daß die 
tornehmen fich zu Diefer Tupfe, befonders der 
moohlriechenden Waſſer zu bedienen und die Herren 
den folgenden Tag das Wieder : Dergeltungsrecht ju 
ben pflegten, 

' Die Eimwohner von Warfhau haben noch ein 
befonderes Feſt, das bier vielleicht erwähnt zu wer⸗ 
ben verdient, Am 3. Mai geben, reiten, fahren. die 
Warſchauer bei Taufenden, jung und alt, vornehm 
und gemein, reich. und arm nach dem eine Meile 
von Warſchau auf einem Berge gelegenen Samaldus 
tenfer Kloſter Bielany. Auf dem Berge ift ein 
Meilen langer fhöner Wald; am Fuße des Berges 
flieht die Meichfe, Das fchöngebaute Klofter ber 
berrfcht eine weite und herrliche Ausſicht. Im Klo: 
fter befinden fih nur 12 Mönde, die aber fürftlich 
dotirt find und fürftlich leben. &ie dürfen aber 
nur an diefem Tage Fleifh effen, nur an bdiefem 
Tage Frauenzimmer: Befuch annehmen, nur an diefem 
Tage mit andern fprechen, denn fonft darf Fein Wort 
als memento mori über ihre Zunge kommen. 
Beim Ktofter befindet fi ein großes Birrhehaus. 
das indeffen lange nicht binreicht um die Warfchauer 
u faſſen, oder zu bewirthen. Daher werden eine 

enge großer und fleiner Zelte aufgefchlagen, um 
die Fremden — und einige taufend lagern 
fih unter den Bäumen des Waldes, um dert die 
mitgebrachten DVictualien zu verzehren. Dan tanit, 
läuft, fpringt, jagt, fpielt, fingt, kurz waͤhlt fi 
na feinem Belieben, eine Vergnügungsart, promes 
nirt bis tief in den Wald binein, Enüpft neue Be 
kanntſchaften, fließt Verbindungen auf Zeitlebens 
und auf viertel Stunden, und eilt am Abend eben fo 
vergnögt der Stadt ju, als man fie am Morgen 
verlaffen at, mit der Ausnahme, daß der gemeing 
Mann größtentheils betrunken if. 


zn 


— 320 — 


Nicht-politiſſcche Zeitung UNro. 67. 


5 Nachrichten infolge, egimmt für dem Teſulten / Orden 
in Ehina eine ſehr glänzende Epoche. Der Kalſer ift demſelben 
ga gewogen, viele Mandarinen, und angefehrme Hamdelsicute 

aven ſich bekehrt, und ber General Gruber iſt vom dem 

figen Miſtenaren, worunter ſich auch ein gelchrter Jeſuit aus 
Wien befindet, im Namen des Kaifers gebeten, und auigeiom 
dert worden, auf das ſchleunſgſte mehrere Orbensglicder dahin 
abzuſchiden, um für cas Heil der Chimefiichen Serien zu mir 
Een! Wenn es mit dem geriihmten ebangeliichen Fortgange, und 
dem’ Eindune der Heren in China wirtlich fo iR; jo laßt fick 
nicht abſehen, was daraus nad der bekannten Schlaulgteit, 
Gewandheir umd Regitrungtkunſt des Ordens, mit ſowohl für 
Dies Reid jet. als amd im Mückicht feiner Verhaltniſſe ger 
den Me Europaiicden Staaten noch refultiren kann. Daß ber 
Kinimel Europa gegen Ihren alten Einituß bewahren möge, 
Baia jmyr geimih jeder, der, nicht nur einzelne Mitglieder, 
Pondern den Bein des Ordens kennt, rin herzliches Amen: 
Borron if Deutſchland jegt durch feine Verfaſſung, und dem 
aufgelärten Geit der Regierungen, die ihr wahres Intereſſe 
nicht mehr vertennen, dagegen arihfgt, Die Furcht, die ber 
rühmte Männer fon vor Jahren im rüftigen und löblichen 
Kampfe gegen heimlichen und ofenbaren Jerltismus duferten, 
ein Sanıpf, melden eine gewiſſe Partri immer nur fur eim 
Windmühlen · Geieht- ausgad, — bat fih, wie man fieht, 
wönig beurfundigt, aber boffentlich — sı dü favent — ohnt 
Sactbeit für Deutichland, — v*. 


Der Mbbe Geocrol ſinat im feinem Journal des Debata 
leute Triumphlieder über die Wieberherftellung der Jeſuiten, — 
dei denen jeden, der dieſen Orden kennt, Schauder anmandeln, 
Er prait — was wohl am beſten Ware am verichmelgen, — 
daß die jegige Jeiuiren ganz das find, was Die vorigen waren, 
dah fie mad benielben Grumdfagen handeln werden m ſ. w. 
Gluctlicher Weite find die Bölter Europa's nicht mehr, was fie 
jur Zeit — RKavailac's und der Pulwers Berihwörung in Eng 
land, waren. 


Der bekannte Ehrifiteller Zichokte, ber jept den Schwehrer⸗ 
Boten herausgieht, hatte in einem feiner Blatter fehr macdrüde 
N Hber die Wicderberiielung der Jeſuiten gebrochen. Der 
Heime Math iu Aarau Tich ihm durch dem Prarehr einen from 
gen Werweis geben, ihm einen Widerruf auflegen und jeim 
Blatt der Eenfur unterwerfen. Man flieht, welchen Einduf der 
Drden schon witder bat: aber wird er hinreichen, die allgemeine 
Indignatien, die ſeibſt bei aufgellarten Katholiten, bie feine 
Sechichte kennen, gegen Ihm herrſcht, verſtummen zu Laien ? 

— Eins der nüglicbiien Werke, Die um Anſange bei 
neuen Jahre? in Paris erſchlenen, Id das: Annusre meteorolo- 
gique pour l’An 13, par J. B. Lamarık. Es werden 
darin viel neue Beobachtungen aufgeſtellt, um den Einfluß des 
Mendes u. f. w. auf die Witterung zu beſfimmen. — Hier 
eine nabere Nachticht von ſeinem Inhalt zu geben, iM nicht gut 
möglich, aber ein ſehr wahrer Gedanke über das Studium ber 
Dirteorologie ans der im Mioniteur gegebenen Beurteilung des 
Wertes, gehört hierher: 

„Gewiß, es wäre eben fo ruhmvoll umd vielleicht (? Mein, 
gewiät) müglider gewiſſe metcorologiihe Eriheinungen, der 
ven Eintritt weite Gegenden verbeeren kann, vorberiufehn, ald 
die GennenÄnfterniife vorberzufagen, — und meise Planeten 
su enden, konnte man binsufegen, oder gar, wenn andre 
einen ſolchen entdeckt haben, mit gar wichtiger Miene im dem 
Zeitungen zu vertundigen: — „Ich hab’ ihm auch geri 
Deutibland Hat verſchiedut ſolche aftronemijche Miirichreier, Die 
der Wirfendait mie einen Dienst leifteten, aber, um nur ihren 
Damen bei der Selegeuheit auch menmen zu laſſen, jede Emts 
deckung unferer grohen Alironomen — man denfe! — beitätigen, 


— Der weitbefannte Polniſche Iwers, Graf Voroflumsty 
iebt noch, and ik letzt 67 Jahr alt, Kürlich ward zu feinen 


HE 


Beſften it Briſtol ein Bat gesehen, und die Einnahme war fd 
bereädirlich,, dah man glaube, das arme Mannchen ſei dadurch 
auf beden eeit verforgt. 


— In fat allem proteantiſchen Bändern ruhn iept bie 
Etreitigkeiten über die Religion, fe es weil man die Sach— 
fir abgemacht halt, ſey es well man einficht, dab bei Febden 
dleſer Art mehr Mergernifi gegeben, als verhutet wird. Nicht fo im 
Copenhagen; da wird ein religidjer Streit regelmäßig im wei 
Journalen geiührt, . Das eine it von dem bekannten und be 
Hebten Schriftſteller Horrcbow umd heit: Jeſus 09 Zormuften, 
(Iefus und die Vernunft; das zweite won dem auch fehr bei 
tauuten, aber wicht beliebten Biſchof Balte, und heiät: Rellgis⸗ 
ner forſwarer fig file, (die Religion vertheidigt ſich ſelbſt.J 
Der Etreit gewährt viel Epaß, aber der Neligiom wenig Nutzen. 


Weimar. Die Numiiche Bauern, die den Trouſſtau ums 
ferer Kaiferliben Erbprimerin gebracht haben, find Geiter und 
aufriedem witder von bannen gejogen, Jeder Bauer hat 2 Dur 
taten mebft eimer filbernen Uhr, und Jeder der 2 Iimterofficiere die 
dur Begleitung und Ordnung ihnen zuge zeben waren, 4 Dukaten 
and eine geldne Uhr erhalten, Der Heryos wollte einen dieier bär⸗ 
tigen Fuhrlewte ald Stalltnecht im feinen Dienk nehmen. Pillen 
er meiste fo Ditterkich, daß man dhm gern giehn lieh. So lange 
die in Weivedere hauſtten, erbielten fie zu jeder Tageszeit Acifir 
gen Beſuch von den Weimaranera. Beſonders war an einem 
Mittwoche fat halb Weimar auf ben Beinen, well fib das 
Grrucht verbreitet hatte, der Herjog werde dieſen Beuten einen 
Ball geben, Es blieb aber bei der gewöhnlichen Berrbeilung 
des Nectare, dem dieie Norbländer allen Chriſtusthränen und 
Rebhlißnerangen voryiehm, des Branteweins. VBioth Ihro Ers 
laucht der Graf Reug, geruheten einige Mirtwofen aus der 
Schaar vor ſich tamjem du laſſen. Sonſt machten fie wegen ihres 
unfaubern Atußern und ihrer firuppichten Bacdenbarte, bie gar 
nicht im Pariſer Ehmitt waren,. eben feine große Eroberung, 
ob fie gleich ſcht intereffante Dhufiognomien hatten. Alles rüſtet 
ſich jetzt zum Empfang des holden Ebrpaars. Eine erimige Chr 
venpiorte wird gegen 1000 Kehl, koſſen. Die Bürarrichart ſoll 
eine anichnlide Beiteuer dazu bewilligt haben, Alle Gafhäre, 
fo wie viele Privathanier, find auf jenen Tag ithen an Fremde 
vermiethet, Den 7. Oktober find die junge Hereichaften aus 
et. Petersburg mit 16 Wagen abgefahren. Da auf jeber 
ration an 60 Prerde dazu mölhig find, fo find zu ihrer Be 
Arllung und jur VBeſchickung anftaudiger Nachtquartiere mechs 
rere Gouriere vorangegangen. Auch bat der Ruſſtiche Geſaudte 
in Versin durch einen Courier den Auftrag erbalten, dem Reir 
fenden bis am ber Grenſe entgegen ja kommen. Der Yope und 
iwei Eänger kommen mit manderlei Hausgerathh zju Waiſer 
Atze Lübet hierher. Umferdeiien beſchaſtigt ſich das hiefige 
VPublttum mit Erzablungen von dem prachtigen Inhalt jenes 
Trunsporis, Der Zronfeam brachte, an geldmem Toiletten, 
Gerinen, Vorgehain  Errvicen iu 80 Eouverts, Zobelpelien in 
600 Rubel an Werth und berg, - 

Einem neuen Werke, das in den Ankündigungen groß und 
nürlich genannt wird, der Nience de Vaſstiure pas M. 
Chatreau zuidige, liegt mitten in Ediweben und Noriegen 
ein aroäes Brbirge, Scheeren genannt, giebt es in Miland 
vortrefiiche Eifenminen, wahl der Thee in Eibirken, und 
Herruhuth if bie Hauprftadt vom Gronland. — Ob man das 
wichtige Buch nicht bald uiberſeyen wird, 


. Der Redakteur glaubt eime Yilit sm erfülten, bie jedem 
rechtſchaffenen Manne gigen andre ju erruſten obliegt, welde er 
durch niedrage Klarchereien und Neriawmdungen verunglinpien 
ſieht — indem er bier Die Rachricht mitchenr, dab ſich Herr 
Proiefor KAiltan gu Bamberg ın Ruckſan des ſtandaloſen pass 
quillantiichen Auſſages ater Wueriturg volig erechtfertiat hat, 
den Hr — — Epajler dm Fr. 47. iner Zeitung drucken üei 
und hernach Herrn Pror Autan zur Laſt legte. 


1804. 


Nro. aıı. 





Der Freimiüthige 


Montag, 


ern f 


Berichtigung der Nachrichten über die Mine- 
monif in Mr. »85 und 191 des Frei 
mürhigen, und in andern literarifchen 
Blättern. 


n der Nummer 185 des Freimuͤthigen befindet 
fih ein meitläuftiger Aufſatz über die Mnemonik, 
unter einer nicht ſehr — — — Auffchrift. Ach über: 
gebe die anzuͤglichen (7) Etellen deifelben, und wende 
mich fogleich zu dem Auszuge des Briefes aus Müns 
hen, welcher mehrere theils unbedeutende, theils fehr 
harte Befchuldigungen gegen mich enthält. Sch bin 
gendthigt, die Unzulänglichfeit der erften, und den 
Ungrunb der zweiten barjwlegen. 

L Beſchuldigung. Ih hätte dunfel und unzus 
länglich über meine Methode gefprochen, 

Antwort, Zugegeben. Kann man mir das 
verargen ? 

U. Beſchuldigung. ch hätte mir widerfprechen, 
da ich zuerjt behauptete, die Mnemonif feye 
mehr gemacht, den Einn, als die Worte zu 
foffen, dann aber verficherte, daß meine Zbg⸗ 
linge im Auswendiglernen einzelner unjufams 
menhängender Worte, e8 jedem andern juvors: 
thun follen. 

Antwort. Hierin liegt Fein Widerfpruch,. Eines 
fließt das andere nicht aus, fondern die Bereinigung 
von beiden zeigt vielmehr die allgemeine Anmwendbars 
keit, und den Werth der Methode, fo wie beides, 





— Ode: m 


und 


den 22. Öftober, 


S er. 


0 


wenn es bei einem natuͤrlichen Gedaͤchtnifſe vereinigt 
angetroffen wird, die Vortrefflichkeit derſelben beweiſet. 
Uebrigens hat bereits Herr M. Tillich in der Zeitung 
für die elegante Welt den Einwurf, daß die Me: 
thode mechanifh feyn koͤnnte, gründli widerlegt, 
und jeder unbefangener und verfiändiger Augenzeuge 
der Duchetiſchen Proben, wird baffelbe deutlich ein: 
feben. 
ILL, Beſchuldigung. Die Wette ſey mur durch 
. meine Ausflucht nicht zu Etande gefommen, 
Antwort. Hier muß ich die Gefchichte meines 
Öffentlichen Anerbietens zur Wette erzählen. Bei der 
erften Erhibition, welche in meinem Beiſeyn vor dem 
Ausfchuffe des Muſeums und vor einigen andern 
Gliedern beifelben flatt fand, aͤußerten verfchiedene 
Perjonen den doppelten Zweifel, daß Herr Duchet 
fi fhen von Jugend auf mit winemonifchen Lebun: 
gen befchäftige habe, eder von der Natur mit einem 
aufferordentlichen Sedächtniffe ausgeftartet ſey. Diefe 
Zweifel zu heben, fagten fie, gebe es kein anderes 
Mittel, als die Probe zu machen, ob ein mit einem 
ſchwachen Gedaͤchtniſſe verfehenes Subjekt mit Hüte 
der Methode eben fo viel leiften fünne, als ein ans 
derer durch die bloße Stärke feines natuͤrlichen Erin: 
nerungsvermögens. Diefen Vorſchlag nahm ich an, 
und erbot mich zu wetten, daß der Befiger des flärf: 
ften Gedaͤchtniſſes Hinter dem des ſchwaͤchſten zurädk 
bleiben muͤſſe, fobald legter von der Methode Ge, 
brauch machen würde. Begreiflich ift es, daß ich 
bei dem Vorhaben, das ich hatte, den Herrn Duchet 


— 7322 — 


auf meine Koſten reifen zu laſſen, und aus andern 
noch binzufommenden Berweggründen, eine Methode 
Miemand mittheilen fonnte, ohne von beffen Ders 
ſchwiegenheit Hinlänglich gefichert zu feyn. Es mußte 
mir alfo frei ſtehen, Bedingniſſe dev Werte zu feßen. 
Die Ausficht, durch die Behauptung, daf man ein 
ſchwaches Gedaͤchtniß habe, in den Befiß eines Ges 
beimniffes zu fommen, das die allgemeine Nengierde 
rege gemacht harte, reizte mehrere Perfonen. in Muͤn⸗ 
&en, fi für ganz von der Natur und von der Er: 
ziehung vermahrlofet auszugeben, Diele glaubten fos 
gar, einem längfi widerlegten Vorurtheil zu Folge, 
für recht talentvolle Menſchen zu gelten, wenn fie 
fih über die Erbärmlichkeit ihres Gedäctniffes ber 
Hagten. Don allen aber wendete fich feiner an 
mich, — als ter * * ifche Legations: Eefretär, ein 
wegen feiner auferordentlihen Wefcheidenheit und 
Liebenswürdigfeit allgemein. verehrter Mann, deſſen 
vertraute Bekanntſchaft mit Ältern und neuern Epra 
ben eben fo wenig, als ber Umſtand, daß er auf 
einem Geſellſchaftetheater die erften Heldenrollen zu 
frielen pflegte, einen Mangel an Gedaͤchtaiß vwermus 
tben ließ. Um fo mehr war ich erflaunt, als er 
diefen bei mir geltend machen wollte; ich hatte aber 
bald das Vergnuͤgen, ju fehen, daß er feinem Erins 
nerungevermögen wieder volle Gerechtigkeit wider: 
fahren lief, und diefe Retraction vermehrte noch 
meine ohnehin ſchon ausgezeichnete Hochachtung für 
feine Verdienſte. Bei diefer Gelegenheit erklärte ich 
auch, daß ich nicht anders wetten Fünne, als gegen 
binlänglige Sicherheit für mein Geheimniß. Da 
mir niemand diefelbe gewaͤhren wollte, deſſen unge: 
achtet aber viele fortfuhren, ihre Zweifel gegen die 
Methode als Gewißheit auszugeben, fo bot ich mich 
an, ohne Bedingniſſe und Einfchränfung ju wetten, 
daß mein Echhler entweder das doppelte in bemfel: 
ben Zeitraume, ober die nämlihe Aufgabe in der 


Hälfte Zeit auswendig lernen wolle, als jeder, der - 


ſich felbft das größte Gedaͤchtniß zutraute, Auf diefe 
Aufforderung verſtummten alle Gegner, obwohl die 
Probe ohne Muͤhe und Gefahr zu beftehen gemefen 
wäre Diefes ift der wahre Hergang der Cache 
deſſen Kichtigfeit ich .mit meinem Ehrenwort ver 
buͤrge. Die legte Echlußfolge des Brieffchreibers 
iſt daher falih, fo wie auch fein — — — Varge⸗ 
ben, daf Her v. B. von dem Muſeum, als Beſitzer 
des ſchwaͤchſlen Gedaͤchtniſſes angezeigt, und gewaͤhlt 
worden fey. Zugleich betheure ich, daß außer dem 
Herrn v. B. Niemand fih zur Annahme der an 
das ſchwaͤchſte Gedaͤchtniß gemachten. Aufforderung 
bereit erklaͤrte. ch laffe jeten Unbefanaenen urtheis 
len, ob meine Zorderungen übertrieben waren, uder, 


als Ausflächte betrachtet werben koͤnnen. Lebrigens 
fol der Derfaifer des Auffaßes (nicht des Briefes) 
im Freimürhigen, einer unferer größten und geiſtvoll— 
ften Gelehrten feyn. Da ich an diefer Verſicherung 
des Redakteurs nicht zweifle, fo habe ich volle Ur: 
fache, mich des günfligen Urtheils zu erfreuen, das 
jener Gelehrte über mich ausgefprochen bat, Was 
feine Hiftorifche Bemerkungen über die Mnemonik 
betrifft, fo werde ich biefelben in meiner Schrift zu 
berühren Gelegenheit haben. 
Ehr. Freih, von Aretin. 
(Die Fortfegung ſolgt.) 
Morig von Sachſen und Albrecht von 
Brandenburg. ! 
Mande Lefer des Freimürhigen werden fi unter 
obizem Titel eines Aufſatzes im letzten Stuͤck ber 


"Sefhichte und Poritif vom vorigen Jahr, erin: 


nern, uud mit Dergnügen die Charakteriſtik jener 
merkwuͤtdigen Helden von Hn. Woltmann gelefen 
haben, Dean follte glauben, dieje wären dem Ver: 
fajfer zu feinem Gemälde felbft geſeſſen, fo vortrefflich 
ut es ihm gelungen. Davon kann wenigfiens eine 
ähnliche Beichreibung, die ein deufender Zeitgencffe 
von jenen Maͤnnern geliefert bat, denjenigen Über: 
zeugen, welcher bisher die Muͤhe fcheute, fie aus ih: 
ren Thaten zu begreifen. Leider kann ich aber die 
fen Dann nicht mit Namen anführen, aus dem ein: 
fachen Grunde, weil er fich je.bjt nicht genannt bat, 
und fein Manuſcript zjum gropen Bedauern; nicht 
volftiändig in meine Hände gefommen iſt. Ich gebe 
feine Schilderung beinahe mit denfelben Worten, 
womit er fie abgefaft hat, und kaun nicht zweifeln, 
daß fie den Leſern willlommen feyn wird, Hier 
ic 
’ —— und annehmlicher iſt Churfuͤrſt Mo⸗ 
riz, als Markgraf Albrecht. Moriz bat ein etwas 
vorhliches, jedoch ſchwarzbraunes Angeficht, was vor: 
züglich an einem Helden erfordert und geiobt wird. 
Albrecht aber iſt voller Eommerfproffen, weiche ihm 
doch nicht übel ſtehen. Cin jeder hat einen mohlan: 
fländigen Bart, Voriz einen gelben, Albrecht ei: 
nen rothen. WMorigens Augen funfeln und find voll 
Flammen, und wenn er obngefähr einen anfieht, fo 
wendet er fie nicht wieder weg, bis der Andere, gleich: 
fam von dem Blitz feiner Augen verlegt, die feinigen 
niederfchläge. Albrechts Augen find nıchts heller, als 
fie gewöhnlich zu feyn pflegen. Albrecht läßt bie: 
meilen das Ha.r fehr lang wachen; Morig aber 
läßt fein Haupt feheeren, und trägt Eurje krauſe Haare, 
&s iſt in der That bei beisen eine ſolche Geſtalt des 
Leibes, weiche nicht zu verachten iſt, jedoch iſt Mori 
wegen feiner Zurtigfeit und feines freundlichen Ge: 


_ 323 — 


ſichts viel ſchoͤner anzuſehn. Werm ich Morijen ent: 
weder reiten oder einhergehen ſehe, fo geben die Hoͤfe 
lichkeit feiner Sitten und der Wohlſtand des Leibes 
ſogleich zu erfennen, daß er der Kern eines heroifchen 
Mannes if. Und doch war er von Jugend auf in 
den freien Künften und guten Eitten nicht ſowohl 
unterwiefen als Albrecht. Diefer war in feiner Jugend 
an Kaifer Carls Hofe, und hatte ſich fo wohl verhak: 
ten, daß fich alle darüber verwundert haben, auch ihn 
ber. Kaiſer ſelbſt lieb gewann. Als er aber im Ge 
muͤthe nur nach Kriegsruhm brannte, und die Deuts 
{hen Soldaten in feine Geſellſchaft zog, da diefe Art 
Leute mebrentheils fehr gettlos und lafterbaft zu ſeyn 
pflegt, fo nahm er in kurzer Zeit dermaßen ihre Sit⸗ 
ten an, das er an einem unehrbaren und ſchaͤndli— 
en Leben feinem nichts nachgab,” 

Noch ein Paar Mährchen feltfamer Urt, von dem» 

felben Verfaſſer. 

Aus Churfärt Moriz ohngefaͤhr zu Tergan Faſtnacht 
biele, und nach feiner Gewohnheit Markgrafen Al 
breit und feinen Bruder, den Herzog Auguſt darzu 
eingeladen hatte, geſchah es, daß Albrecht, feinem Ges 
brauch nach, ſich voll Wein ſoff. Churfuͤrſt Mortz 
mit feinem Bruder faßen bei ihm an der Geite, und 
redeten von unterjchiedlichen Dingen mit einander, 
eis eine Jungfrau fich jwifhen Albrecht und Moriz 
niederfegte. Herzog Auguft fahe fie zuerft, und erins 
nerte erföhroden den Bruder: er folle mit ihm das 
Zimmer verlaffen, denn es abne ihm nichts Gutes, 
Darauf fahe Vorig diefelbe auch, erfchraf gleichfalls 
und fprach zu dem Markgrafen Albrecht? was habt 
ihr hier für eine Jungfrau? Diefer antwortete ihm: 
laffet fie nur figen und fluchte noch uͤberdieß heftig 
darüber, Daher begaben fich die beiden Färften weg, 
und fogleich verſchwand auch die Jungfrau, Albrecht 
bewegte fi aber hierbber gar nicht, fondern blieb 
figen, ließ etliche vom Adel zu fich holen, und brachte 
die Nacht, wie er angefangen hatte, mit Sauſen zu, 

„Dieß, feßt der Verfaſſer hinzu, war das ers 
„ſchreckliche Anſehen der Zwietracht, welche unter 
„beiden Fuͤrſten entſtehen ſollte.“ — 

Churfuͤrſt Auguſt liegt einſtmals auf der Au— 
guſtsburg in feinem Gemach und ſchlaͤft. Niemand 
ift fonft bei ihm als Hans Harr, Rammermeifter, 
der in einem befondern Bett lag. In der Macht Fam 
ein Mönd mit einerNonne hinein, und tanzte bei eis 
ner &tunde um das Licht, das der Churfuͤrſt brennen 
Ber als wollte er «8 ausiöfchen. Da er aufachöre 

arte zu fangen und weg war, regte ſich der Kam: 
mermeifter. Der Churfärft fragte ihn fogleich: ob er 
gefhlafen oder gejehen babe, mas vorgegangen je? 
Hans Harr erzählte alles, mie es Auguft jelbjt ger 
fehen hatte. Darauf verfeßte der Chürfuͤrſt: Ich 


babe auch Tange zuge ſehen, wieder Teufel 
mit feiner Mutter getanzt bat. Noch bat 
er mir aber das Licht nicht auslöfhen mb: 


gen, 

„Wie ihn denn Gott gnädiglich, fügt der from: 
„me Mann hinzu, bei dem Lichte des Evangeliums 
— wolle. 6 


An die Ungarm*) 
Dem Andenken Gleims, Klopffods, Herders und Kants. 


East dankbar ums, 9 meine Baudesbrüber t 

Baht Deutſchtaude whrbige Zogliuge ums font 

Eie find uſcht mehr, De Eünger hoher Lieder: 
Gieim, Klooftod, Herbern deckt der Beichenſtein; 

Und Kant and, gieng; er kehrt uns nimmer wieder: 
© Nimmt im meine Trauertlage eimt 

"io Heren fi mad ſeichen Geiſtern fehren, 

Bur da gedeiht Dad Gute mit dem Schouen. 


Ger fühlte nicht fein Inures milder alnhen 
Kel Gleimse Auakreontiſch + heiterm Ehen ? 
Er flurb, der Eänger füher Mielodieen, 
Als Dichter groß, noch arefer durch feim Heriz 
Und Alopſtock au, voll hoher Phantaficem, 
— Ben bob nicht fein Meflias Simmelmärts? — 
und Kiopftoc auch, der fühnke alter Gängen, 
Eingt neue Himmelsoden und nicht hünger, 


Auch dir, o Herder, freuudlicdter ber Weiler, 
Der je am feinen Bruͤdern Weieheit forach, 
ud bir, in Wort und Thaten unjerm Meifter, 
Weiut Deundlanı, weinen alle Edlen nad; 
Du ſprachtt: — umd mnfer Urtheil wurde breiter; 
Du fangit: — und unire Herien wurden wach; 
Dein Blick durchſah den Menicben und bie Zeiten; 
Wer wird fie je wie bw, fo ficher leiten? 


. Es führt und im das Jmnerfle der Tiefe 
Des Geifterreichd, eim Denker kühn und feiks 
ler tauſend auf, die faule Träume ſchlieſen z 
Derſtorte hier des Irrthumd fmfred ent; 

Und ſchled das Hare Gert vom todten Kriefen, 
und bot ihm und, dem lautern Ucberreſt: 

Kant ward, der Licht und Würde und erwerben, 
und — Hast ihr Denker — er auch ift geſtorben. 


Loft Dankbarkeit und üben, o Magyaren, 
Und ſammelt uch um dieſe Urnen ber. 
Sie find nicht mehr, die unse Echrer waren, 
Sant, Kloptort, Gleim und Herder find aicht mehrt 
“er fchägt, jeliit von harthersigen Barbaren, 
icht dantdat ſtine treuen Piegen? — Wer? 

Mur da gebeibt der Menſchheit jarte Blüthe, 
A Dantbarteit beficht, und Herzcusgute ’ 
” un — 

Aus uagaru eingefandt. Ich Hätte geglaubt einen Raud 
am meine Deutſche Leſer zu begehn, wenn ich dieſe dauldare Stimme 
des Austaudes Über Männer, die ewig der Gtols Deutichlands 
feom werden, umterbrüdft hatte. Der Red, 





Riht:politifhe Zeitumg Nro. 68. 


Yus Bremen 


A. stem ottober bleit bie bieſige zeforminte Gemeine iu 
St. Ansgarii einen KirchiwielsiTonvent, beim merfwürdiger Ber 
ſchluũ, ber Diefer Bemeine große Ehre macht, Jetzt gedruckt erichienen 
in. Er geficht den bei jener Kirche eingepfarrten Evangeliſch ı 
Lutheriichen alle Rechte iu, welcht bis jeyt mur Die Merormirteil, 
denen bie Kirche zugthört, genoſſen. Bon den drei Predigerm 
an biefer Kirche fol vorjegt einer, und fobald ein vierter binyus 
sefügt werben Sam, auch biefer Iutheriich ſeyn; und biefe Gelits 
lichen follen bei ihrem Gettespienft wönig der Greigeit gemichem, 
welche die reformirten Geiſtlichen haben; bei den Wahlen und 
allen Angelegenheiten der Kirche, follen die Lutheraner ſo volle 
gültige Grimmen Gaben, als die Meformicten; bei der Wahl 
der Edullehrer fol gar nicht darauf geichn werben, au welcher 
vroteſtantiſchen Eomfeiliom ſich die vorgeichlagenen befennen. Ein 
wichtiger Vortheil für die bei Gt. Ansyarli eingepfarrten Luther 
raner wird es ſeyn, daß fie mim nicht nothig haben, indeh fie 
die Laſten diefer Kirche trayem, auch moc zu einer andern au 
ſteuern. — Ynbei hat ih auch bier bie alte Bemerkumg bes 
währt: „Wo Einer Ehre ermdtet, ſaet ein Anderer Schande.“ 
Wichrere Tutherifche Prediger follen ſich eifrig bemühen, ihre 
Beichtinder vom Beitreten zu ditſem Schluſſe, zuruckzuhaltent! 


Beſchreibung des Chineſiſchen Schachſpiels, ge⸗ 
nannt Chong⸗ Ke oder Königs: Spiel, 


Da in Meitım Epiele die Mrrierenards, möcht amd adht, fombern 
neun Figuren beflcht, fo worden dieſe micht auf Die Felder felbh, 
fondern auf die Binien geſeyt, werldbe Die Felder trennen: auf bier 
fen Linien alfe wird geipielt, 

Der Honig Chong,) Mebt auf der mittelſten Linie bed letzten 
Bamgeh, Er geht wie der König unſers @viels, aber er kann den 
Berirt ber Feftumg micht verlaſſen, die um ihm beſchrieben tik. 

Die beiden Yrinen (Eu) find an feinen Seiten, bewegen 
ſich wie er und beobachten dicjeiben Obranien. 

Die Mandarinen Tchongh gleichen unſern Täufern und bar 
ben denfeiben Gang, aber fie können nicht iiber das Waſſer achn, 
Das im ber Mitte des Schachbrettes durch einen leeren Raum ans 
gelündigt if. Sie taugen alio micht dazu, den Felnd anjugreiren, 
fondern nur sur Verrbeibtgung, 

Die Keuter ( Enaa) unterscheiden ſich im nichts von unferm 
Epringern. 

Die Kriegtwagen (The ) gleichen unſern Rochen. 

Die Feuerwerter (Pan) find Figuren, bern Gang und 
Gtärte uns bisher undetannt waren. Cie beweaen ſich wie dee 
ſchoſſe, die aus der Entiernumg geiſcultudert werden, *) und können 
dem Zeinde nur dann eine Figur mabmen, wenn ſich wiſchen ihren 
umd jener eine andre Figur oder ein Pion befimder Um fi ne 
gen fie im vertheidigen, mun man fein Epic often, und bie 
Bwilbenfguren entiernen, möge es mum daran) antommen, tir 
nem Schach ausjuweiden oder eine amdere Figur 4 rerten, auf 
melde der Feuerwerter delt. Cie gehen Mbrisens wie die 
Thürme, umd ihr Prag ir wiſchen den Siguren und den Vione, 

Die funſ Pions Ping und die eilf Figuren geben die 
Zahl 16. Die Ebinefiihen Pions nehmen wicht feitwarts, jons 





*) Man hat hieraus fblichen wollen, bai Die Chineſer dar 
mals ſchon das Edriehpuiver beieifen haben, aber dume Figuren 
Können anfänglih Maſchtnen zum Schleudern bededt haben. 

. Der Red. 


dern wie fie geben, das beiät, indem fir einen Schritt vorrücken: 
zuruckweichen können fie nie Ein andrer wichtiger Yunkt, 
worin fie fi von umjeru Diens untericheiben, tik, dan fie, weun 
fie einmal in die Quartiere Des Geindes eingedrungen find, im 
mer darm ſtehn bieiben, Ta die Figuren dis Ehimelischen 
Echabiwirid zahlreicher und Marke Und, als Die des unirigem, 
ſo gebt ber Kampf eigentlich vorsiglich ametiihen dieſen vor. 
Dierer Unſtaud raubt dem Epic einem Thed feiner Ehönbeit 
und Mannigiaitigteit, Denn fie erlaubt den Pionsd micht, dem 
Streit zu unterſtugen, durch alle Erufen zu sehn und wlöplic, 
wie im Europaiidim Schachſſorel, das Gluck des Tages wede 
fein am laſſen. Ihr Play iſt das Wordertreffen. 


Theater: Nahride. 


& Beippig, dem ı8ten Dfteh. 1904. 
erabe zu rechter Zeit dam ich von einer Bicimen Reife zu⸗ 
rück, um die Vorpellungen der Franı Gelomdarfdıen Geſell chaft 
mit dem Enamer von Goltoni, und Figare’s Hodseir, 
madı Beaumanbals von Huber beurbeiter, beemdiat zu ſehen. 
Beide Spide wurden gut aueh. Herr Dpig it eim treffe 
licher Lügner — verſteht id auf dem Theater; denn auerhalb 
bee Mühme in er ein woche guter. lieber Mann. Die Nommura 
wurde von Demeiſene Christ gleriialls jeher gut, und der 
alte Kaufmann von Hru. Ochienbermer unubertrefflich geger 
ben. Eben ſo imfrieden kenute man mir Hra. Opieind Dan 
Beltumg des Figaro ſeyn, und mit der Windame Hartwig, 
die ums als Suſanne ſtur angenehm unterhiett. Dem. Duve, 
eine Anianacrinn, verdient, ihrer Darſtelellung des Vagen sim 
folge, Nunmunterung, ed kann etwas aus ibr werden. — Mad 
Verndigung des Figaro ſorach Madame Hartwig eine Abs 
ſdiederede, Die — ſclechter als schicht war. Denn wie die 
eriie Zeile, fo iſt das ganze Gedicht, alſe in manden Stellen 
bochſt triviat, am andern umgereimt lacherlich. Die erde Zeile 
beikt; 

Mus in das Solel! Der Frühling id verſchwunden, — 
und verdient ſchon mehr als eime Ruge. Deun Das: Mus IR 
das Spiel — if bob mhglichk wrofaiich, und erinnert am 
die Edblufireken, die man zuweilen von Marltsaztreu Theatern 
herab vernimmt, wo der Teufel mit berbranntem Kopfe mod 
einmal auftritt, umd ſich folgendermasen erscehtorirt: „Mum if 
das Spiel halt aus, und die hoben Hertſchaſten Bönnen fi 
nad Hauſe id —.“ Wie lachterlich it 26 dern nicht audı, 
Filomelen — wie es weiter wnten in dam Gedicht geſchicht, — 
und den Frühling, Der netto ſeit einem halben Jahre verſchwau— 
den iſt, des Reims wegen noch einmal figuriren gu laſſen. Wie 
eine jo geilvoue Frau, als Madame Hartwig, fi emtihlie 
fen tomnte, mit einer fe schlechten Reimerst Abſchied zu nehmen, 
gehört bei mir im das Gebiet des Unbegreiſtichen. — Nach Hals 
tung Died Evilogs wurde Herr Opin noch herausgerufſen, uud 
bewies in ber Rede Die er hielt, und die wie feine übrigen wer: 
fahr war, abermals, dah, wenn er lich entichliehen könnte, mod 
ein drrtt⸗ Huudert Huperbeim auf Wahld aroie Marie zu 
ſchreiben, er feine Übrigen beiden Konkurrenten weit hinter ſich 
laſſen würde, 

Morgen begiant Kerr Joſef Setunda mit den Wegelage— 
rem von Par, feine Wintervorſtellungen. Badıens mehr 
von ihm. — hn. 





Bon smei werichiedenen Geiten her if am mich elme wie: 
berholie, und zwar Deingende Amirage ergangen, ob dir 
Sremmnthige im Finitigen Jahre in derſelden Vuchhandinng er⸗ 
ſcemen werde, in welcher dieſer Jahrgang ericheint? — Jh 
begreiſe gar nicht, wodurch eime yoldıe Anfrage veraniaht wurde, 
seige enden biermit zur Autwort anstrüdih an: er wird in 
derfeiben Handiung und nad einem mod erwei: 
terten Plane erjheinem, 

Der Herausg. 





* 


1804, 


ARISTIDES, 


Nro. 212. 





Der Sreimütbige 


Dienflag, 


E rn f 


und 


den 23. Oktober. 


She r;% 





Literatur. 


Erſtes Toilettengeſchenk; ein Jahrbuch fhr Das 
men, 1805. (Leipzig, bei Georg Voß.) 


N. Geſchichte diefes Buͤchelchen ift etwas, das — 
fi in der Ephäre der gemeinen Buchmacherei frei: 
lich täglich zuzutragen pflegt, indeß, eben weil es 
in jener Sphaͤre zu Haufe iſt, wird es bejfern edlern 
Menfchen neu ſeyn, und — drollig in feiner Ger 
meinhrit ift es oben drein. 

Hr. — — Spazier theilt in feiner Zeitung 
die Frage mit, warum noch nicht ein Taſchenbuch 
geroijfer Art eriftire; Hr, Spazier antwortet dar 
auf, und zwar mit großem Vergnuͤgen oder fo etwas, 
dat eın ſolches Taſchenbuch wirklich ſchon unter der 
Preife fg; Hr. Spazier giebt bald darauf aus 
dem in der Geburt laborirenden Opus eine Probe, 
und Hr. Spazier lobt diefe Probe; endlich er 
ſcheint diefes Werk, und zwar bei demfelben Vuch— 
Händler, der die Frage, die Antwort, die Probe und 
das Yob verlegte, und man behauptet mit Beflimmt: 
beit, daß Hr. Spazier das, woruͤber er fich fragte, 
fi antwortete u. | m. auch felbft zufammengeitop: 
pelt habe, Bravo! Ich will dabei nicht an die Künft: 
ler gewijfer Art in £ondon erinnern, die ein lebhaft 
tes Geſpraͤch auf der Gaſſe anfangen um Zubörer 
ju verranmeln, am welche Tamaraden indeß ein Ep: 
perimentchen ausführen können; aber ich hoffe, daß 
das Magazia des Wundervollen, wenn es einmal 


von der Bauchrednerei fpricht, den großen Virtuoſen 
in biefee Kunft, Hrn. — Epazier nicht vergejlen 
werde. Er gleicht auf ein Haar dem befannten Hrn, 
Truthahn in England, der, als ihm feine Haushaͤl— 
terin davon gelaufen war, fich felbft jeden Morgen, 
wie fie fonft zu thun pflegte, fragte, aber mit der Bauch⸗ 
ffimme: Guter Herr Truthahn, wie haben Sie gefchla: 
fen? und dann mit freundlich lächelndem Munde ant: 
mwortete: „ch danke für die guͤtige Nachfrage; fehr que!“ 
Was nun die Beſchaffenheit diefes Toilettenge: 
ſchenks betrifft: wenn ich die (etwas trodnen) Briefe 
von Horfig: „Ueber das Maleriſche in der 
ratur und Kunſt“ auenehme; fo findet man 
doch wirklich nicht eine Zeile darin, die den Geift 
auf eine, feiner wuͤrdige Weiſe befcpäftigen konnte. 
Defonders leer ift das fein: follende Gedicht von eis 
nem geroijfen Carnier, das: „Blumenfiräus 
en, uͤberſchrieben ift, und gleich am Anfange figus 
rirt. Die Briefe, die den Titel: „die Weihe“ 
führen, ennupiren gleichfalls, und find Überdies noch 


‘in einem fehr precieufen Etil gefchrieben, Was aber 


die andern Aufſaͤtze anlangt, als da find 5. B. Ab: 
handlungen über das Einmachen des Senfes, — das 
ganze Toileitengeſchenk ift nichts als eine leere Senfe 
biichfe, Die der Verkaͤufer nicht füllen konnte, — und 
Über die verjchiedenen Arten der Waſchwaſſer, fo 
Überläßt der Freimuͤthige dergleichen wichtige Dinge 
dem Hrn. Eparier felbft, fie im feinem eleganten — 
Warhbrden feil zu bieten. 

Die acht Lieder: Melodieen, die verfchiedene 


— 326 — 


Componiften verfaßt haben, find ohne Werth; etwa 
bas Liedchen ausgenommen, das A. Harder beige 
tragen bat, und das, mie die fümmtlichen Compo— 
fitionen dieſes talentreihen jungen Mannes, fehr 
viel Weichheit und Zartheit bat. Die Kupfer beſte— 
ben bios in Stick- und Etrid: Muflern und berglei: 
den Dingen; das Ganze aber wird durch fein ges 
ſchmackloſes Aeußere ſchen mwidrig, denn das Format 
deffeiben ähnelt dem vollfommen, das man zu 
Motenbücern und Schreib: Vorzeichnungen gemöhn: 
lich nimmt. Das fehöne Gefchlecht muß fich zu die 
fem Tafchenbuche ganz eigne, ungeheuer große 
Taſchen verfertigen laffen. 

Uebrigens hat der Herausgeber, der feinem 
Werke felbit wenig Werth beilegen muß, in der dia 
logifirten Vorrede einer gemiffen Julie, der an diefem 
Zafchenbuche erftaunlich viel gelegen fein mag, den 
guten Rath ertheilt, fie folle eine Thee-Geſellſchaft 
veranftalten, und dazu fo viel Nezenjenten einladen, 
als fie nur auftreiben Fünne, um fie dadurch zu 
günftigen Kritifen zu bewegen, Es ift ſehr ſchlimm, 
wenn bie Herausgeber von dergleichen Werfen, und 
ihre Freunde, zu ſolchen Mitteln ihre Zuflucht neh: 
men müjfen, um ihre ſchlechte Muͤnze in Cours zu 
bringen, Webrigens iſt es allerdings möglih, daß 
es foiche gewiffenlofe Rezenſenten giebt; denn ich 
kenne Theater: Kritiker, die Freilogen erhalten, das 
mit fie nur in ihren Flugblättern das Theaterperfo: 
male tuͤchtig abloben. Daß aber Unterzeichneter un: 
ter diefe Elaffe von RKezenfenten nicht gehöre, und 
daß er auch bei dem von Mamfel — oder Ma: 
dame? — Julie veranftalteten Thee nicht zugegen 
geroefen fey, davon möchte biefe Anzeige wohl den 
bündigften Beweis liefern. 

Schließlich kann ich nicht unbemerkt laſſen, 
daß die Käufer des Toilettengefchenfs die Yangemweile, 
die fie darin finden, mit drei Thaler acht Grofchen, 
alfo ziemlich theuer, bezahlen muͤſſen. 

— m. 


Berichtigung der Nachrichten über die Mne— 
monif in Mr. 185. und ı91. bes (Frei 
muͤthigen, und in andern Literarichen 
Blättern. 

Schluß.) 

8* Nr. 191 des Freimuͤthigen, wird mir und dem 

Hrn. Duͤchet folgendes zur Laſt gelegt: 

1. Es fen ganz flille mit der Vinemonif, und 
Hr. Düchet habe ſich noch nicht produzirt. 

Antwort. Wahrſcheinlich wird, wenn dieſer 

Auffag erfcheint, bereits eine Erhibition Etatt gehabt 


haben; daß Herr Dücher das Licht nicht ſcheue, Hat 
er zu Erlangen und £eipjig bemiefen. 

U. Die Berichte aus München felbft, feyen 
nicht günftig für ihn, r 

Antwort. Die ungänftigen Berichte, wovon mir 
nur ber eine in dem oben angeführten Briefe ber 
kannt iſt, bemeifen nichts, da fie, mie fich aus dem 
Tone zeigt, partelifh und fogar leidenfchaftlich ges 
fhrieben find, auch von den günfligen Relationen 
aus Erlangen und Leipzig widerlegt werden. 

II. „Seine Erhibition in der Afademie der Wiffen: 
ſchaften fey in einer nicht Öffentlichen Eigung 
geichehen, und habe fich bloß auf die Bibel 
beſchraͤnkt.“ 

Antwort, Der Verfaſſer dieſer Zeilen verräth 
bier eine gänzliche Unfunde der Einrichtung der 
Münchner Akademie, Die Erhibition Fonnte in kei— 
ner der Öffentlihen Sitzungen gefcheben, weil diefe 
ausſchließlich nur für die Afademifche Reden beftimme 
find. &ie geſchah alfo in einer ordentlichen Eigung, 
mozu alle Mitglieder, wie gewöhnlich, durch gebrudte 
Zettel eingeladen wurden, Der im Freimäthigen ge 
flißentlih ausgehobene Umjtand, daß ich zeitlicher 
Dice: Präfident bei der Afademie bin, hat ficher auf 
das Benehmen feinen Einfluß gehabt. Daß Herr 
Duͤchet nur Proben aus der Bibel abiegte, geſchah 
auf Begehren der Akademie, melde fih nech mit 
andern Gegenfländen zu befchäftigen hatte, und ba: 
der nicht Einem allein — die ganze Eigung mids 
men konnte, 

IV. Wenn man fi meiner Ankündigung des 
Griechiſchen Feuers erinnere, das nur auffie 
cepten von Eidechfen: Schwaͤnzchen u. f. w. 
binauslaufe, fo werde man verſucht mich für 
einen Geheimniß : Krämer zu balten. Die 
vortrefflihe Münchner: Bibliothek ließe ſich 
zu etwas befferem benußen als jur Aufjuchung 
von Arcanie. 

Antwort, Was das Griechifche Feuer betrifft, 
fo fündigte ih es nicht als ein Geheimniß an, fon 
bern machte befannt, daß ich eine noch ungedrudte 
Handſchrift de ignibus graecis in meinen Beitraͤ⸗ 
gen jur Geſchichte und Literatur herausgeben mürde, 
Das nähere hierüber fann man in dem Berichte eis 
nes Mitglieds der Akademie der Wilfenfchaften im 
Intelligenz: Blatte der Jenaer Literatur : Zeitung 
Mr, ııı lefen, wo man den Ungrund der obigen 
Behauptungen finden wird, Was bat aber das Ne 
cept vom Griechifchen Feuer für einen Zufanımen: 
bang mit der Wnemonit? Zoll ich diefe auch aus 
der Münchner Bibliothek entlehne haben? Eine ſolche 
Behauptung würde eben fo viele Getftes : Befchräne 


— 327 — 


fung verrathen, ale der Wahn gemeiner Leute, daß 
einer, der viele Bücher hat, ein recht gelebrter Mann 
feyn muͤſſe, oder als das Mitleiden, meldhes manche 
mit mir haben, weil fie glauben, ich müßte alle Bü: 
cher, die mir anvertraut find, vom Anfang bis jum 
Ende bdurchlefen. Aber man wollte mich als einen 
Geheimniß: Krämer darflellen, und dazu hatte man 
die Berufung auf das Griechiſche Feuer nmörbig. 
Leſſing, Leibnitz, und die vielen gelehrten Männer, 
die nach unbefannten Echriften forfehten, und fie 
uns mittbeilten, waren alfo auch Geheimnig: Krämer. 
An dieſem Sinne einer zu ſeyn, ſchaͤme ich mich 
nicht; ich bin vielmehr ſtolz darauf, weil ich es für 
die erfie Pflicht eines Bibliothekaͤrs halte, die ihm 
anvertrauten Schaͤtze zu durchforfchen, und das, was 
wichtig ift, befarnt zu machen, Hätte es feine folche 
Auffucher von Arcanis gegeben, mie der Freimuͤthige 
mich nennt, fo wuͤrde es mit unferm Geſichts Stu— 
dium, und mit vielen andern Miffenfchaften noch 
ſehr ſchlimm ausfehen. Daß Übrigens das Auffuchen 
verborgener Gefhichis: Quellen u. f. f. nicht meine 
einzige Beſchaͤftigung fey, und daß ich überhaupt 
meine Pflichten, als Borftand der Bibliothek, puͤnkt⸗ 
lich erfülle: Daruͤber kann ich mich getroft auf das 
Beugniß meiner Kegierung und aller meiner Mitbär: 
ger, ja fogar vieler Ausländer berufen, und fühn 
die ganze Welt auffordern, das Gegentheil ju be: 
weiſen. 

Soll endlich der Ausdrud „Geheimnißfrämer “ 
nebft dem bereits widerlegten böfen Sinn, einen noch 
böfern haben, und meinen Charakter noch empfinde 
licher angreifen wollen, fo wird es mir leicht ſeyn 
mich auch hierüber zu rechtfertigen. Das Recept des 
Griechifhen Feuers machte ich zu feinem Gegen: 
ftande des Hantels, fondern übergab «6 der Afademir, 
welche damit Verfuche anftellte. Auch die Maemonik 
betrachte ich nicht aus einem merkantilifchen Geſichts⸗ 
punkte. Die Reife des Herrn Dücher hat die Ab: 
fiht, das Publifum perfänli von einer Sache 
zu Überzeugen, welche es außerdem nicht leicht für 
möglich halten würde, Für meine vielen damit ver: 
bundenen Auslagen, und felbft für die Ausarbeitung 
des Werks, gebührt mir eine Entfhädigung. Wenn 
ih nun den Preis von 4 Dufaten für ein Bud 
feſtſetze, das noch überdies, wohl zu merken, fein 
Buchhändler in diefer Ferm und Bogenzahl mohlfek 
ler liefern würde, fo wird man mir gewiß den Vor— 
rourf von Krämerei nicht mit Billigkeit machen füns 
nen, der ohnehin bei denjenigen megfällt, die mid 
perfonlich Fennen, 

Was Übrigens die Spefulatienen gerinnfüchtk 
ger Buchhändler betrifft, fo wird das gelehrte Pus 


blifum ihre Erzeugniffe in Vergleihung mit einem, 
auf allgemein bekannte Erfahrungen und Verſuche 
gegründeten Werke, gehörig zu würdigen wiſſen. 
München, den 8. Oltober. 
Chriſt. Freih. v. Aretin, 


Anmerkung des Red. Den Grundfäßen 
der Unparteilichkeit gemäß, welchen ich bei dieſer 
Schrift immer treu geblieben bin, hab’ ich diefe Be— 
richtisung eben ſo bereitwillig aufgenommen, wie die 
Aufläge, gegen die fie gerichtet ift, aber wie bei dies 
fen, halt' ich mich auch bei jener berechtigt, einige 
Bemerkungen jujufügen, 


Gegen die Beantwortung der erften und zwei⸗ 
ten aus Mr, 185 des Freim. gehobene Beſchuldigung 
läßt fih, mie mich dünft, nichts einwenden, wohl 
aber gegen bie, der dritten. Herr von Aretin bes 
bauptet: „feine Kunflucht fei es nicht gemefen, mas die 
Nette hintertrieben habe,“ gleichwohl gefteht er, gegen 
einen Mann, der ein fehr vorzügliches Gedaͤchtniß 
befigen foll, protejftirt zu haben, Warum? Er verlor 
nichts dabei, wenn ein Mann von ſtarkem Ges 
bächtniß fi zu der Probe verftand, — wohl aber 
feine Gegner. Wenn diefe fi den Herrn von B. 
gefallen ließen, fo hatte Herr von Aretin feinen 
Grund zur Weigerung, — bie demnach doch eine 
Ausflucht zu ſeyn feheint. 

Die erfte Berichtigung gegen Mr. 192 des Freim, 
(nit Mr. 191) trifft nicht, da Herr Düchet noch 
eine Proben in Berlin abgelegt hat. 

Die zweite ift darin Übereilt, daß fie die unguͤn⸗ 
ftigen Berichte für nichtebeweifend erflärt, weil Pars 
teilichfeit umd Leidenfchaft aus ihnen ſpraͤche. Waͤre 
dar auch der Fall, fo läßt fich eben fo gut gegen die 
gänftigen Berichte einwenden, dab (vielleicht zu weit 
getriebene) Gefälligkeit in denfelben fichtbar iſt. 

Der dritten gebührt gar nicht der Name einer 
Berichtigung, denn fie gefteht, was man geruͤgt 
hatte, nehmlich: daß die Münchner Afademie ihr 
Arteftat leichthin, bloß auf das Herfagen der Bibel: 
fummarien ausgeftellt babe, — dab es alfo auf 
£eine fonderlihe Autorität Anfpruch machen fire, 

Die vierte führt die Stelle aus dem Freim. un: 
richtig an, und läßt die Berufung auf die Machfors: 
ſchungen in Paris, aus, Darin bat Hr, von Xretin 
freilich Recht, daß er verfprochen babe, das Recept 
zum Griechiſchen Feuer befannt ju machen, aber — 
er will ja feine Mnemonik auch befannt machen, 
nur aber zu einem hoben Preife: daher war es fehr 
am rechten Vrte, daran zu erinnern, daß feine frü: 
here Merkwuͤrdigkeit eine Bagatelle ſey. Die ange 


— 328 — 


führten Wöbel: Meinungen Über Bibllotheken und 
Bibliotbefare, find alte Epäßchen, die gar nicht das 
= hören, aber ein fehr neuer und piquanter 

2* iſt das Berufen auf Leſſing und Leibnitz, mo 
von Hrn. von Aretin und feinen Geheimniſſen Die 
Kede if; und noch — beluftigender ift es, daß er felbft 
fi) mit jenen Männern vergleicht, Freilich durchſuchten 
Leibnig und Leifing auch Bibllotheken, freilich zogen 
fie auch manches vergejfene Wiſſenswuͤrdige aus feis 
nem Dunfel: aber ift es ihnen je eingefallen, 
Legenden und Döhnchen, wie j. B. Hrn. von Ares 
tins Machrichten von der Geburt Karis des Großen 
und von den innegerichten find, für wichtige hiſto⸗ 
riiche Öntdedungen ju geben? — Auf derjelben Spitze 
dejjeiben Huͤgels, von der jegt ein Loͤwe mit leuche 
tenden Augen durd die Gegend blickt, fieht vielleicht 
in der nächjlen Viertelſtunde eine gaufelnde Gazelle 
herab: aber wıe verſchieden iſt es, was fie fuchen 
und finden. Er: Kampf, Sieg, Beute; —fie; einen 
Eprelgefahrten, — 


Nachricht für Liebhaber von nglifchen 
Garten + Anlagen, 


In vorigen Jahre f ein Wert berausgefommen, 
das unter andern fchönen Dingen, befonders eine 
£urze und bündige Anweifung, oder Angabe der Ins 
grebienzien entbält, die zu einem Englischen Garten 
hören. — Weil aber das Buch ſelbſt, — fein voll 
Haninger Titel ift: „Gallerie merfwürdiger 
Derter in Deutfdland in Schilderungen 


nad dem Leben. Ronneburg und Leipsi 
1303 — vielleicht das Gluͤck nicht hat in Au 
Hände zu geratben; fo gebe ich hiermit den freuns 
den und Liebhabern folder Anlagen jene Eurje und 
blndige Anweitung wörtlich, und marne zugleich 
beftens, daß fie ja niche in Verfuchung gerarhen, das 
— für Irente zu halten, da es in der That in 
* uche ſelbſt ſehr ernſthaft geſagt iſt. Hier die 
ngabe. — 
Es finden ſich darinne — der Vexrfaſſer ſchildert 
einen Garten bei Palau, — eine Eremitage, eine 
Ruine, ein Rogifäee Gemwäffer, eine Höble 
mit einem Kerberus, ein Elyfium, was 
Altes zu einem Englifden Garten erfor 
dDerlich iſt.“ — 

Was ſich doch nicht Alles ſehr natuͤrlich nach 
dem Leben und der lieben Natur ſchildern laſſen 
muß!! — Haͤtte der Hr. Verſaſſer, flatt des Erfor⸗ 
derlichen zu einem Engliichen Garten, lieber gewußt, 
mas dazu gebdre, ein guter Echriftjieller zu ſehn, 
fo hätte er uns wahrſcheinlich mit jenem diecepte, 
und den vielen Bogen, worin es eingewidelt ift, 
verfchonet, 

Möge er mwenigftens in der Zukunft, — denn 
das Merk ift, als Zeirfehrift angefündigt, und Das 
Angeführte iſt das erftie Erüd, — mehr Leben in 
feine Schilderungen nah dein Leben bineinbringen, 
wenn er anders den armen Schilderungen felbft ihr 
periodijches Leben friften will! — 


u. 8 


—— —— ————— — — — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 69. 


Aus Engliſchen Zeitungen. 


En der Theme fell sur Vefdrberumg des Laudtranſports, 
ein Weg von der Hundeinjel nach Warving- Dods ein Wes ans 
aeteat werden, Zweimal bunderttaufend Pf. Et. find fen 
Bazar füubicribiet. Die Straße fol 36 Fuß unter dem Boden 
des Flußbertes durdigehn, und die Aushohlung it ſchon amacramı 
gen. Das Waller der Themſe dringt nice durch, aber man 
Höjt auf eine Menge unterırrdiiher Quellen, bie man noch 
nicht bat durd Dampf Maſchinen iüberwitrigen künnen, 

Ein armer Binder, der nach Sonden wanderte, nahm 
einen Matrofen als Wegmelfer mit, Kaum maren fie in der 
Staͤdt, fo entrik ihm dieſer feine Geldtaſche und jeinen Stab, 
und lief damit und mit feinen Geoack davon, — Der Ride 
ter, vor dem ber Umglückliche feine Amtlage mieberlegte, erllarte: 
Der Soitzbube könne fein Brittiſcher Matroſe geweſen feun, dem 
kein Brittiiher Matroſe ſei einer ſolchen Schandlichtett fahig. 

— England tft ohne Zweiſel das Land in Europa, im 
weldem der Boden am meiften cultivirt und benugt wird, 
gleibwohl liegen in Wales allein, mad Evan's Bericht, 150,000 
cer Landes, die jur Weide, zum Getra debau und zu Holzoan⸗ 
sungen ſehr gut benugt werben fonnten, ganı mwüft und öbe. 

— Zu Dunbarton«Eafle war eine ſchwarzet Gerforehe 
dreiüig Jahr im einer bleſernen Eifterne erhalten worden. it 
fand Fürztich ab, mnd man fand, daß fie um das Wiani herum 
ganz gran geworden war. Auch unter den Fiſchen bildet dag 
Alter alfo gam eigentlich Greife 

— Tier Enallihe Meilen von New Dort liegt mitten auf 
einer unermehlicen Ebne ein Erdhngel, der ungerahr Bo Lois 
fen hoch iſt und drei his vier Engl, Meilen im Umfange bat, 
Diejer Hügel oder vielmehr Berg, ben man das Klofter nennt, 


wird bloß von Echlangen bewohnt, die fich dort In umgeflenrer 
Menge und von alien Arten, beifammen finden. Sie durch⸗ 
Areiren Die Ebne um Nahrung, und fchren immer wieder zu 
den Berge zuruck. Memand wagte ſich bis jegt, im die Nahe 
des Berges, Ein Franzoſſicher Arzt bat ſich aber jetzt erhoten, 
wenn ſich ein halbes Tugend junger Manner finder, bie ihm 
begleiten, das Kiofer im beſuchen, mad Mittel zu feiner Aufhe— 
bung anzuwenden. 


Yud Berlin 


Dar Driginat des Luſſſpiels: die Kun fein Otüc zu machen, 
iR das bekannte: Mediorre et ı mpant pur Frard, 
Schiller bat es nicht To wohl frei bearbeitet, als Überiegt 
Das Driainal IN in Berien ; Die Meberfegumg nicht. 

Aur Verlangen des Ham. Lic. Düchet, i auf Montag, 
den zziten Oft. eine ausgewahlte Neriammiung bon Gelehr—e 
ten vweranftaltet, vor welder er eutſcheidende Proben von ber 
Mermonit abiegen will, Die Nachricht des Erfolgs ſon dem 
Yubfitum im Deonnerfagsblart mitgerheilt werben. j 


In Varid aiebe ed dep auch viel, ſehr viel Deunſche 
Bettler und Wettierinmen, Viele der.icpterm, fagt man, 
folgten Gellebten oder Matten, die bei ihnen in Einquarti⸗ 
rung lagen, madı Paris, in den Echooh vermeinter Familien, — 
Die aar micht erifiieten und gerieben in Hauſer, aus demen fe 
baid ind Epital wanderten. — 


Beridtigung. 
Unter das Gediht: An Jünglinge, in sr 208, bat 


der Beriafer feinen Namen zu jegen vergeiien: K. Heinria 
Leoepold Keinhardt, 


— — — — 


1804. 


Nro. 213. 





"ARSTIDES, 





Der Sreimüthige 


Donnerſtag, 





Literatur. 


Taſchenbuch zum geſelligen Vergnuͤgen anf 1805. 
Herausgegeben von W. G. Becker. Zunfe 
zehnter Jahrgang. (Leipzig, bei Hempel.) 


J. halte es fuͤr ein ſehr gutes Zeichen, daß die 
Toſch enbuͤcher, diefe Ephemeren, deren groͤßtes Der: 
dienſt in ihrer Miedlichkeit und Mettigkeit beſteht, 
. nicht mehr in fo flarfen Zügen fich einfinden, ale 
vor ein Paar Jahren. Hoffentlich werden fie auch 
immer feltener werden, die beffern nur ihren Freuns 
den nach wie vor fich zeigen, und — und Fünftig 
in unferer £iteratur eine untergeordnete Rolle 
fpielen, Unter die Almanache, die alsdenn vom Pur 
blikum immer noch gut werden aufgenemmen wer: 
den, wird das vorliegende beftimmt gehören, wenn 
der Herausgeber, wie das nicht anders zu erwarten 
ſteht, auch fünftig fi bemüht, es von allem Un: 
Fraut vein zu halten, und nur die Blumen guter 
Dichter darein zu pflanzen. ch geſtehe, daß mir 
das.Bederfche Taſchenbuch, nebſt dem Tübingifchen 
Damenfalender und Stampeels Aglaja, — es ift 
Pflicht, einmal an dieſen, der Fortſetzung mürdigen, 
Almanach zu erinnern, — Immer mit der liebſte ger 
weſen ift, und ich freue mich deshalb recht fehr, den 
Sefern auch von dieſem Jahrgange viel Gutes ers 
zählen. zu können. Er-ift in den That, wieder fo 
gehaltreich, als der beſte feinen Vorgänger, Doch — 
das moͤchte ſich am ſicherſten dadurch bemeifen 


ern und 


den 25, Dftober, 


S et; 


— — —— 


laſſen, daß ih ben Inhalt Fury durchgehe, 
und die Aufzählung deſſelben mit einigen Bemerkun⸗ 
gen begleite. Ich will es thun. 


Der profaifhen Erzählungen — die eg jedoch 
nur der Form nach find, — enthaͤlt dieſes Buch dies⸗ 
mal wieder drei. Die erſte bringt Eber hard, der 
achtungswuͤrdige Verfaſſer des Ferdinand War 
ner, eines Romans, — der nur in einer eleganten 
Beitung getadelt, oder daß ich lieber fage, gemißhans 
beit werden fonnte, — fie ift Überfehrieben ; „Baus 
berfünfte.“ Ganz fo gut, als manche andere Erz 
zaͤhlung, durch die Herr Eberhard uns ſchon er: 
freute, iſt diefe, in Ruͤdſicht der Compofition ihrer 
Fabel, nun freilich nicht, denn ih niuß geftehen, 
daß fie mir etwas leer und unbefriedigend gefchier 
nen bat; aber demungeachtet wird fie efern, die 
nicht allzuſtreng richten, gefallen, meil fie mit Laune, 
— in einem ſchoͤnen, bluͤhenden Stile geſchrieben 
ſt. — 

Die zweite Erzählung: „Alte und neue 
Zeit,“ gab der wuͤrdige Kretfhmann, und ich 
werde gewiß nicht der Einzige fein, dem er durch fie 
eine angenehme Lectuͤre verfhaffte. ie iſt in der 
That fehr unterhaltend. Be 

Die dritte Novelle: „Die Geſichtspunkte,“ 
ruͤhrt vom Herausgeber felbft her, und wuͤrde, wie 
Herrn Beckers neuere Erzählungen ſaͤmmtlich weir 
intereſſanter ſeyn, wenn fie nicht etwas zu — breit 


gerathen waͤre. Uebrigens ſteht ſie, dieſen Fehler 


- 330 —- 


abgerechnet, der Novelle von Kretſchmann Feines: 
meges nad. 
Unter den Gedichten, die in bdiefem Tafchen: 


buche wie eine Menge herrlicher Blumen, zwiſchen 


drei duftende Orangen geftreut, erfcheinen, findet 
man mehrere von Pfeffel, diefem wuͤrdigen Vete— 
ron der Deutſchen Dichter, einige von dem mikigen: 
Haug, dem fchergbaften Langbein, und dem 
rähmlichft « befannten jungen Dichter C. Schreiber, 


G. A. P. Gramberg un © P. Schmidt,— 


welcher Letztere mit der Fortſetzung feines in „Crnſt 
und Scherz“ 1803. mit Recht geprieſenen poẽtiſchen 
Briefwechſels, zwiſchen Philidor und Manny, den ges 
ſchmackvollen Leſern dieſes Taſchenbuchs ein angench⸗ 
mes Geſchenk macht. Daſſelbe Lob gebührt den Ge: 
dichten von Louiſe Brahdmann) dit] zu bin 
ſchoͤnſten, jarteften gehören, die ich noch von einer 
Dome gelefen habe. Diefe junge, - Hebensmärdige 
Dichterin offenbart in ihren Poẽſien einen feltnen 
Keichthum von dern und lieblichen, weiblich: zarten 
Phantaſien; — fie ſteht weit böber als die feelige 
Eophie Mereau, die als Madame Brentano — 
in’einem ‘ganz neuen Leben wandelt. Eine andere, 
wie es feheint, ebenfalls talentreiche Dichterin, unter 
zeichnet fih Julie von B. Ihre Gedichte ähneln 


wegen ‚des zarten Meles, das in. ihnen tönt, den 


Moifieen von C. Schreiber ſehr. — Uebrigens er: 
fuche ich die Lefer, Über den Werfen dieſer lieblichen 
Dichterinnen auch die Poifieen von Lebrecht Nök 
ler, KRretfhmann, Reinhardt, v. Kyaw und 
Eberhard nicht zu vergeflen. Diele derfeiben find 
gleichfalls fehr gelungen, — Was ein Her &t. 
Schuͤtze aber beigetragen hat, bedeutet Dagegen 
nicht viel, und Herrn Mahlmanns Lieder werden 
wohl auch weniger Gluͤck machen, als feine Mähr: 
en, von denen ein Paar nicht übel fein follen, 
Die Tharaden, Näthfel, Melodieen, Tanztouren, 
Tänze und Kupfer find, wie in den vorhergehenden 
Yahrgängen dieſes Taſchenbuchs, gleichfalls von 
Werth; und das Ganze verdient — den ehrenvol⸗ 
len Weg feiner Vorgänger zu gehn. c 
. — ie. 


Mythologiſche U-mriſſe. 
JIfſis und Oſiris. 
©: viele zum Theil fih ganz mwiderfprechende Diek 
nungen von diefen myſtiſchen Gottheiten ber Aeghp⸗ 
tier aufgeſtellt werden find, fo kommen doch die 
meiften Mythologen darin überein, daß fie im All: 
gemeinen als Einnbilder ber ergeugenden und ſchaf⸗ 
fenden Natur, — im beſtimmteren Sinne, ale Sym— 
Sole der Sonne und dis Mondes gedacht: würden, 


Die nähere Befchreibung und Würdigung ihrer 
Geſchichte gehoͤrt nicht für diefes Blatt. Nur ek 
nige harafteriftifhe Züge, die vielleicht weniger bes 
fannt-find, und einige Anfichten — die der Verf. 
felbft für weiter nichts erklärt, 

Dfiris war im hoͤhern inne das Bild ber 
Sonne, des alles durchdringenden Lichts: — baber 
fein Mäme, der Altiehende; im andern Sinne, das 
Epmbol dig Nils und der aus ihm entfpringenden 
Fruchtbarkeit. Ferner wurde er gedacht als Bild 
des Mondes, — theils, weil diefer im der nächften 
"Verbindung mit der Sonne ftand, theils, weil er 
Einfluß auf die Bewegungen des Nils hatte; ferner 
auch ale die reine Himmelsiuft, der Aether, in dem die 

Himmels Örper ſich bewegten. So ging endlich der 

? ganze Bigriff der Natur in den des Dfiris über, 
und er ward ein Symbol des Univerfums nah 

Aegyptiſchen Vorftellungen, , 

In den heiligen Mrfunden, „ber Sehräer wird 
der Mil öfter — Schichor, ber ſchwarze Etrom 
genannt, theils, weil feine Fluten dunfel und trübe 
find, theils, weil er bei feinem Austreten immer 
einen ſchwarzen fruchtbaren Schlamm jurüdläßt. 
So erklaͤrt es fi, warum die Aeghptier den Echuß: 
geift deifelben, Oſiris, ſchwarz bildeten, und warum 
ber ihm geweihte heilige tier von ſchwarzer Farbe 
fegn mußte, 

Die ganze Gefhichte dieſes Gottes iſt allego: 
riſch. Die Priefter und Philoſophen der Aegyptier 
bällten die Erfcheinungen und Begebenheiten der 
Natur in moftifche Bilder, deren, Enträchfelung nur 
denen zu Theil, veurde, die an ihren heiligen Vers 
ſammlungen Antheil nehmen durften. ie nahmen, 
wie faſt alle alten Völker, zwei Örundurfachen oder 
Urmefen an, ein gutes und ein böfes — von denen 
alles Erſchaffene herruͤhre, und die in einem emigen 
Widerſtreit begriffen wären. So war Dfiris der Urs 
geift alles Guten, dee Ordnung, des Maafes; 
Typhon, der Urgeift alles Böfen und Verderblichen 
in der Natur. Diefe Begriffe muͤſſen bei der Aus— 
legung einzelner Begebenheiten und Attribute ber 
Aeghptiſchen Gottheiten immer zum Grunde liegen. 


Dfiris wär das Bild der Sonne, aber-auch 
Typhon; jener, in fo form fie erleuchtet, erwärmt, 
ernährt, diefer, in fo fern fie dem Wackethum ſchaͤd ⸗ 
lich ift, die Fluren verſengt und- ausborrt. — In 
den irrdiſchen Regionen war Oſtris der Schutzgeiſt 
des Nils, und der aus ihm nitflehenden‘ Fruchtbar⸗ 
keit; — Tybhon, Sinnbild des Meeres — weil 
es den Mil haßt, d. h. ihn verſchlingt. Denn der 
FÜR, 60h den rauhen Rippen Abyifiniens herabſtuͤr⸗ 


— 330 


gend, flieht durch Aethiopien in Aeghpten, und vers 
liert fich ins Meittelländifche Meer, Daher der Nuss 
druck: — Dfiris ftirbe im Morden. Auch lag vick 
leicht die Vorftellung dabei zum Grunde, daß ber 
größte Theil von Aegupten in frühern Zeiten den 
Ueberſchwemmungen des Meeres weit mehr ausge 
fekt war, bis in der Folge der Schlamm, den der 
Hit bei jeder Ueberſchwemmung zurüdiäßt, den Vo: 
den fo erhöhte, daß die Meeresflut ibn nicht mehr 
erreichen fonnte, Huch die Erzeugniſſe des Meeres 
+ 2. das Salz, hielten die Aegyptier unwertb. 
Eier nannten es den Geifer des Typhons und 
durch die Geſtalt eines Fiſches, als des Erjeugnüfes 


eines Glements, das ihnen feindlich gefinnt war, - 


drädten fie in moſtiſcher Sprache den Haß aus. 


Fine andere Idee darf bier nicht Übergangen 
werden, die ebenfalls den Aeguptifhen Myſtikern eis 
gen war, Sie glaubten, die Urmaterie, aus ber 
das AU ſich entwidelte, ſey eine waͤſſerige Feuchtige 
feit gewefen, bie erft durch die fanfte Wärme bes 
Lichts und der Eonne, Geftalt und Ordnung befoms 
men habe. Das Vertrodnende, Ausdorrende war 
ihnen daher ein widriges Bild, und alfo auch das 
Meer, wegen feiner falzigen zerftörenden Natur. 
Auch auf das Leben gieng diefe Vorftellung uͤber. 
Dfiris und is waren den beiferen Seelenkräſten 
vorgefeßt; — Typhon war der Dämon, der emig die 


geidenfchaften im Herzen erweckt und anfacht. — 


Jene beiden Gottheiten ſchuͤtzten den Körper und bie 
Schoͤnheit deffelben, dieſer fuchte ihn durch Krank 
heiten zu entftellen und zu zerſtbren. 


Alles, mas dem ruhigen Gang und der Ordnung 
der Natur entgegen zu ſeyn ſchien: — Eturmminde, 
Sonnen: und Mondfinfterniffe, Meeruͤberſchwem⸗ 


mungen und dergleichen, waren Wirfungen des boͤ— 


fen Urgeifte, der ewig das Gute zu zerftören fucht. 


Dfiris ward alfo Überhaupt gedacht, als Schöpfer. 


und Genius der Natur. eine Gewalt bezeichnet 
ein Zcepter, das aus feinem Auge hervorgeht. 


Merkwuͤrdig ift die Gefchichte feines Todes. Tophon, 
fagt die Mythe, von Anbeginn gegen ihn feindlich 
gefinnt, wußte ihm hinterliſtig beijufommen, und er: 
mordete ihn. Er jerriß ihn in Stuͤcke, und freute 
fie ins Meer. fie, untroͤſtlich Über feinen Verluſt, 


fuchte ihn lange vergeblih, Endlich entdeckte fie die, 


Epuren feines Morde, fammelte die Glieder, und 
errichtere ihm ein Grabmal, Mach andern belebte 
fie ihn wieder. Welche Allegorie unter dieſer Cage 
verborgen liegt, iſt nicht genau ju beſtimmen. Biel: 
leicht konnte man annehmen, daß von dieſer Mythe 


eben das zw verftehen fen, was fich die Griechen um: 
ter dem Verfchwinden und der Wiederkehr der Pror 
ferpina dachten, und mas Echiller in feiner Klage 
ber Geres fo ſchoͤn befungen hat. Die Natur (Dfiris) 
in. fo fern fie imiser neue, zur Erhaltung der Men: 
ſchen bejtimmte Erzeugnijfe hervorbringt, ſtirbt jähr: 
lich einmal, und erwacht im Frühling wieder zum 
Leben. Die gefüete Frucht keimt aus dem Schooße 
der Erde (fie) hervor; fie wird ihr geraubt, wenn 
fie geärmdter wird, So heißt es in jenem vortreiflis 
den Gedicht: j 
Fuhrt der gleiche Tan; der Hoten 
Freudig aun den Lenz zuriic, 
Wird das Todte new geboren 
Von der Epune Pebenslicht; 
Keime, die dem Auge ftarben 
In der Erbe kaltem Edhond, 
Im dat heitere Reich der Farben 
Ningen fie fih freudig los. 


Halb berühren fie der Todten, 
Halb ver Lebenden Gebiet, 

“A fie find mir there Boten, 
Eühe Stimmen vom Cojyts 
Hält er gleſch fie feibit verichlofem 
Yu dem ſchauervollen Schlund, 
Wus des Frühlinas jungen Evroie® 
Reber mir ihr holder Mund, 
Daß au fern vom golden Tage, 
Mo die Schatten tranrig sichn, 

Sebend noch der Buſen ſchlage, 
Zartlich meh Die Herzen alu. 
Ch. Schreiber, 
(Die Fortſetzung folgt) 


Epyigramm 
An einen unzädtigen Reimer. 


Du wärf ein Muſenfreund, Seian? 
D ſieh die ſchönen Fraum von ®,.. # Saale 
Nicht fiir Erleugte aus der Irie Hafle, 
Kur: — Dirmen nicht für Diufen am. 


Auguft Kuhn. 


Gedanken. 


Die Natur bringt wohl Dummföpfe hervor, aber 
feine Narren. Woher denn der Urberfluß an denfels 
ben, über dem ſchon Salomo Mage? — ie find 
Kunftprodufte; die Eltern und Erzieher bilden fie, 
indem fie alträgliche Köpfe wie außerordentliche be 
handeln, oder dazu machen wollen, 





Wollt Ahr wiſſen, mas Ahr von dem Geiſt der. 
innern Berwaltung eines Staats oder einer Stadt: 


zu halten Habt? Erfundigt Euch nach den Anftalten, 
durch welche man die Bürger zu ihren Pflichten, 
Abgaben und dergleichen, anhält, und — nach denjeni- 
gen, durch melde man den Bürgern Sicherheit, 
Gefundpeit und Wohlſtand zu verſchaffen fucht. Fins 





—ii.\ 


Niht-politifhe Zeitung. 


Aus Franzdfifhen Blättern. 


er berühmte Gelehrte Möchaim if auf der Küfle vom Bar 
lencia im Hoften Jahre an einem epidemiichen Sicher getorben, 
Er war auf einer Reiſe nad dem Balcariichen Juſeln beariiien, 
um Beobachtungen zur Vollendung feined Werkes iiber dem gro⸗ 
Sen Bieridian von Dunkirchen bie Vargellona, anjuftelien, 

Here von Humboldt bat im Institut National drei Md- 
moires über feine Meife vorgtleſen. Im dem erſten trug er 
feine Beobachtungen im Atlantiſchen Meer, auf der Epige des 
Pico dı Teneriffa und im Mens Andaiufien vor Im dem 
aweiten ſtattete er Tericht von den Nerfuchen ab, bie er In Be 
weuela anflelite, und von feinen Eriahrungen über ben Synno- 
tus electiscat, Im dritten theilte er einen Auszug aus dem 
Tagebuche feiner Keiie auf dem Orouoko, Rio Negro und Car— 
tequiare mit. Diefe für die Gcogranbie, die Miirenomie, die 
Boranit, die Mineralogie und die Menſchentenntniß Außer 
wichtigen Memoiren werden balb gedruckt erſcheinen. Ecdon 
werden verichiebene dazu achörige Ruprerplatten geſtechen. — 
Hätte Hr, von Humboldt mehr Natiemalftels, fo müßten bie 
Srans. Blätter diefe Nachrichten aus Drutichen abiüchreiben. Aber 
freilich; er if Correfpondent des Instırut- National; ob auch 
ein Mitglled ber Werliner Akademie der WEG? — weih ih 
nicht, 

Ein mertwürdiged erf if au Varis unter der Preſſe: bie 
Memoiren Marmontels iiber feinen Aufenthalt im Paris. Er 
dam dabid dm Jahr 1745, und ſtarb bafeitd 1798. Melde 
ungtheure Mannigiattigfeit der Eitten, der VBegebenheiten und 
der literarifchen Ereigniſſe umfaht Diefer Zeitraum! — Dad 
Wert wird in vier Bänden eridieinen. 

Ein junger Framörder Dichter, Namen! Aignan, arbeis 
tet am eimer metriſchen Licherigung der Illas. Ein Paar 
furje, mitgerbellte Proben laſſen etwas herren, 


Yu Weimar, 


Man muß das Siefige Theater, nah dei Herrn Intendanten 
eianer Angabe in dem berühmten Theateredikt im Mobeniournat, 
als einen bloßen Erperimentirianl anfehn, wo alleriei Verſuche 
oft freilich in atuma vilı gemadt werden; und ed ware daher 
äußert undantbar, wenn das übrige ſchauluſtige Deutſchland 
dieſe mannigialtigen dramaturgiſchen Verſuche, bie dech allein 
je Belehruug und Witzigung after übrigen Theater abrwecken 
tönnen, nicht dankbar antrkennen, oder die Sache gar hohnnek⸗ 
tend beſchnüffeln und befrirteln wollte. Dies hiehe ürwahr 
der ſchweren Aufovierung mit fehmöder Kalte Tobnen! Hier 
find’ die Masten, Gier find die Chöre, ja hier iſt Nlartos ver 
ſucht worden! Geit Schillers Wallenſtein find wir denn auch 


bet Jhr in den erften viel Feinheit, Aufmerkſamkeit 
und Strenge, in den letzten Rehheit Bernacläßt: 
gung und Echlaffheit, — fo mögt Yhr nur den Staub 
von den Füßen ſchuͤtteln und ſeuſſend — — 


III —— — — 


Nro. 70, 


die umd wur Vortiomsiweife gereicht 
werden. Dod theilte fie der Dichter wenigſtens jet nod 
vor der erſten Aufiibrung fo ab, Neuerlich aber if das Ers 
veriment noch viel ſtarter gemacht worden. Der von Görhe 
aufs meue wieder auf den Amboh gelegte und umgeſchmiedete 
@ög, hatte uns durch das Uebermaaß ſeines epifchen Stoffs und 
die vielen dramatiſchen Entremets, eine jo tompiette Judigeſtiou 
dugtzo gen, daß es nicht wahrſcheinlich war, Daü bei einer neuem 
Einiadung zu biefem Gaftgebot, ſich andere Gafte, als Merpeufer, 
einfinden wurden. Dieje lieben ihrer Mater nad bloi Die eis 
Rigen Beſchauungen, und bis an die Piorten dir Gehlerftunde 
war ja das Stück gleich bei ber erden Borfteltung gedichen. 


Man entichloß ſich alſo zu einer ſehr heroiſchen Operation, 
und ſchautt das Stück, das auf einer Sizung des Gurten gar 
au wich darbot, mitten entrwer. Schon bei der jweiten Vorſtel⸗ 
tung wurden die drei erſten Are Davon gegeben, und 8 Tage 
feater die awel folgenden, woju aber, um bie Reit ausieillen, 
der dritte Att audı noch eimmal wieberboit wurde, Cine ſolche 
thearraliche Sectlion iR dech wirtltch etwas gan meues und ums 
ter ben Experimenten woran die Keimarihe Zuſchauerwelt 
von Zeit u Zeit Theil zu nehmen eingeladen wird, teines ber 
geringſten. Dod es bat schon ein alter Gricchtſicher Dichter ges 
faas: Thoren finds, Die nicht wien. daß bie. hälfte beſſer if, als 


das Banıe! 
F Hamburg, am 19m Oftob, 1804. 


ES haben einen Mibgrif gethau. Der Berfafer der Belar 
gerungvpon Hamburg it nicht, wie Ele glauben, Frier 
drib Rambach, ſendern ein ganz andrer cin junger Mann, 
ber noch nice fange ſich Gier aufbalt, mit Namen Srambadı. 
Bon dem Erik ſelbit Das in einigen Tagen hier wird gegtben 
werden und wirtiih im Manmierive an mehrere große Theater 
verkauft iR, ſorechen Alle, die es geiefen haben, mir gronem Vobe, 
Gleich nach der Vorſtelung werde ich Ilmen das Nahere dar 
Über mittheilen. 

Ein ungedrucktes Luſtſpiel in 4 Alten von Jobhanma 
Welſſenthurn in Wien, die Erbem detiteit, iſt den Gtem 
zum erſtenmal gegeben worben. und hat vorzüglich wegen des 
trefflichen Epirld der Hein Eofenoble, Gteiger um 
Hersfeld gefauen. . 

Bon Altern Stücken iA das Grosmann'fde Luſtſviet: 
Nicht mehr als (eds Echüfieln, wieder hervorgeſucht, 
und vorgeſern jur Aufſuhrung aebracht worden, 

Here von Ketgetue ſcheint ſich wendig mehr mit dem Tisas 
ter zu beraffen. Wir haben lange, lange micts meues vom ibm 
geichen. B. 


Aus Berlim 


An z2Hen Ottober hat Here Die, Düchet vor einer Verſamm⸗ 
funa von. Gelehrten Proben der Memonit abgelegt. Den vom 
allen Auweſenden unterſchriebenen Vericht darlıber, wird das 
nachſte Blatt des Freimuthigen mittheilen. 


Verbeſſerungen. 

Es if in Kr. 68 vergeſſen worden, anzumerken, daß die 
Beſchreidung des Chineſiſchen Schachſptels aus den Archıves 
Iterares überfege in. — Im dir Anm. zu dieſen Auffate, 
leſe man datt; Damals, „vor Chriſti Geburt, " 


ſchon an Stücke gewöhnt, 





1804. 


Nro. 214. 





Der Sreimüthige 


Sreitog, 


ern f 


Bericht über die Proben, welche Hr. Pic, 
Duchet am 22ſten Oft. 1804. zu Bers 
fin vor einer DVerfammlung von Ges 
fchäftsmännern und Gelehrten, von der 
Mnemonif ablegte. 





N, bie Aeußerung des Hn. Lic. Duchet gegen den 
Doftor Merkel, daß er in Berlin noch Feine Gele 
genheit gefunden, vor einer ausgewählten Gefellfchaft 
Proben feiner Mnemonik abzulegen, ladeten der Hr. 
Geh, Ober: Finanzrath Roſenſtiel und der Doktor 
Merkel, durch ein Circular die unterfchriebenen Her— 
ren ein, ſich am zaften Oftober an einem beftimms 
ten Orte, Abends um fünf zu verfammeln, Tages 
vorher aber die Aufgaben, von denen fie wuͤnſchten, 
daß fih Hr. Ducher mit ihnen verfuche, an einen 
der beiden Unternehmer einzuſenden. 

Es liefen in allem dreizehn Aufgaben, die unten 
werden benannt werden, ein. ine beifelben, die 
eine kuͤnſtliche Verflechtung verftändlicher Ausdrüde 
zu einem wumverfiändliben Ganzen mar, legten die 
Unternehmer gurüd, weil fie diefe, den vorläufigen 
Neuerungen des sn. Ducber gemäß, daß er foldhe 
Horte, womit fich feine Sachbegriffe verbinden laffen, 
auch nicht memoriren koͤnne, für zu ſchwer hielten. 
Don den übrigen wurden demfelben am Vormittage 
bes zıften Oft. acht, und gegen Abend die fpäfer 
eingefendeten vier zugeftellt, 


—— 


und 





den 26, Dftober, 


S er; 


— — 

Am eoften Oktober jur beſtimmten Stunde, 
hatte ſich die eingeladene Geſellſchaft verſammelt. 
Herr Lic. Duchet jeigte an, daß er won den zmwälf 
Aufgaben, fieben erlernt habe, und beſtimmte zugleich 
bei jeder felbft, wie er Über fie geprüft werden wolle. 


Die erfte Aufgabe war: ein Verzeichniß der 
Schichten von Erd: und Steinarten in den Manns: 
feldiſchen Flöggebirgen, von Hn. Seh, Dber : Finanz« 
rath Rofenftiel. Sie enthielt 44 Zeilen, jede etwa 
zu zwoͤlf Züben. Herr Duchet fagte den Inhalt der 
Nummern derfelben, in welder Ordnung man fie 
ihm abfragen mochte, zwar nicht wörtlich genau, aber 
richtig ber. 

Die gmeite Aufgabe nannte die verfchiedenen 
Arten von Echächten und beſchrieb die Derfahrunge: 
art beim Xusjimmern eines Schachtes. Cie ent 
bielt 26 Zeilen. Hr. Duchet fagte fie, mit einiger 
Anftrengung, wie die erjte, richtig, obgleich nicht in 
der vorgefchriebenen Wortfolge ber. Auch biefe Aufe 
gabe war vom Hrn. Geh. O. F. R. Rofenftiel, fo wie 

die dritte: eine mineralogifhe Charakteriſtik 
bes Migrin, nach den Aufern Kennzeichen und den 
verfchiedentlih angegebenen Beflandtheilen ıc., 38 
Beilen, jede etwa 20 Eilben, lang. Kr. Duchet 
trug fie, wie die erften beiden, vor, wiewohl mande 
Nummer erft nad einigem Befinnen, und indem .er 
in Gedanken ein Schema zu durchlaufen fehlen, 


Sierbei bemerfte Derfelbe, daß ihm die bergmän: 
niſchen, mineralogiſchen und chemiſchen Benennungen, 


melche in biefen XAuffägen vorfämen, durchaus fremde 


yen. 

Die vierte Aufgabe beſtand in den funfjig 
Abbildungen weiblicher Köpfe, welche dem fo eben 
erfchienenen „DBerfuch einer Aeſthetik der Toilette‘ *) 
beigefügt find. Hr. Duchet hatte am zıfien Oktob. 
das Buch felbft, und am 22jlen frühe noch ein er- 
Elärendes Verzeichniß der Köpfe vom Doktor Merkel 
erhalten, und gab jest, wenn man ihm eine Mum— 
mer nannte, die Beſchaffenheit des damit bejeichnes 
ten Kopfes an, oder umgekehrt, wenn man ihm den 
Kopf befchrieb, die Nummer dejfelben, auch wenn 


man ihm einen einzelnen Nebenumftand aus. der Ber, 


fopreibung nannte, die nähere Bezeichnung mit der 
Nummer, Es fielen dabei manche Kleine Arrungen 
vor, die Hr. Duchet aber nach einigem Beſinnen 
felbft verbefferte. \ 


Die fünfte und feste Aufgabe beſtanden 


in jwei von Hn. General: Chirurgus Vlurfinna ein: 
gefendeten -Anefdoten, die zufammen 38 Zeilen, jede 
etwa zu 14 Gilden ausmachten. Hr. Duchet be 
muͤhte fich, ihren Inhalt mit,eigenen Worten vorjus 
tragen, doch gelang ihm das nur mit einiger Ders 
morrenbeit und Undeutlichkeit, : 

Die fiebente Aufgabe, vom Doftor Merkel, 
befland in der Erfindungsgefhichte und der Beſchrei⸗ 
bung des Chineſiſchen Zchachfpiels, aus Dir, WILL. 
der Archives litersires, zuſammen nicht völlig vier 
Dktav: Zeiten. Hr. Ducher erzählte mir einiger An: 
firengung die anderthalb Seiten lange Geſchichte 
Sranzöfifc, aber nicht wörtlich, und gab dann nur 
noch die Namen der Schachſiguren an, ohne ihren 
Gang zu befihreiben. Er fügte hinzu, daß er das 
Echachfpiel nicht verfiehe. Auch die Chineſiſchen Nas 
men, welche in die Erzählung gehörten, harte er rich 
tig memorirt; von den Übrigen aber erklärte er, daß 
er fie fi nicht eingeprägt babe. 

Zum Beſchluß lieb fh Hr. Duchet aus feinem 
gedrudten Inhaltsverzeichniſſe von 24 billorifchen 
Buͤchern der Bibel, eraminiren, wobei zuweilen 
einzelne Fragen uͤber die erſte, die dritte und die 
vierte der obigen Aufgaben wieder eingemiſcht wurs 
den. Er antwortete mit großer Fertigkeit, 

Die von Demfelben nicht angenommenen Auf: 
gaben find: ⸗ 

ı. Ein Italieniſches Titelverzeichniß der Werke 
bes Hn. Abt Seſtini, 15 Mrn, eingeſendet vom 
Herrn Aſſeſſor Friedlaͤnder. (3 weitlaͤuftig gefchries 
bene: Seiten). 

2. Jean Gutenberg, ein etwa anderrhalb Quart: 


— — — A 
— 


Lelpnla, dm. Induſtrie Genwieir, 





at > Wa 


Seiten langer biftorifcher Aufſatz, eingefendet von 
Hrn. Bibliothekar Bieſter. 

3) Zwei Oktav-Seiten aus ber Franjoͤſiſchen 
Erbrterung der diesjährigen Aufgaben der Königl. 
Akademie der WW, — eingefendet von. Hn. Predie 
ger Catel. ' 

4. Ein Extrait du troisiötme Tome des Me- 
moires de Bailly, etwa eine Quarts @eite lang; 
nachgeſendet vom Seh. O. F. R. Roſenſtiel. 

5 Sin Aufſatz über die Buchdruderfunft, weit 


- läuftig geſchrieben, gegen zwei Folio: Zeiten lang; 


eingefendet vom Hrn. Sch. D. Hofluchtruder Deder 

Die PVerfammiung enthalt ſich jedes gemein: 
fhaftlichen Urthelles Über die Mnemonik und die 
von Hu. Lie. Duchet abgelegten Proben, und begnuͤgt 


fich,‚vorfttpenden Bericht vorm Erfolg derjelben, durch 


ihre Unterſchriften zu beglaubigen.- 


23ſten Okt. 1004. 

Ancillon, Proienor.⸗ 

D. Biefter, Gtath und Bihior 
tbetar.) 

Büfcing, ı Stadt: Yrafident.) 

Buttmann , (Proieior.) 

Graf v. Carmer, { Kammer 

SGerichts⸗ Rath.) 

Catel, (Prediger. ) 

D. F. Cories. 

Ded er, OMberhoſtuchdrucker. 

Delbruͤck, Gouverneur Er, 
Kon, Hobeit des Froupriuten. 

D, Erhard. 

Fiſcher, Griegsrath.) 

Zriedlaͤnder, Wiener.) 

Froͤlich, ( Bacbhandter. ) 


Berlin, am 
Graf von Hagen, (Beh. D. 
Sin, Ratt, ) 
Klaprotb, (Sch. Rath) 
v. Klewitz, (Geh. O. 3. Rath.) 
Lettow/ (Brediger.) 
D. Meile: 


v. Müller, Gebejmerratth.) 


Diurjinna, (Genzrat  &purum 
auf, E 5 

Meim mann / ouverneur Er. 
Renisl. Hebpit, des Prinzen 
Friedrrch. 

Roſel, Wroi.) 

Roſenſtiel, GSechelmer Ober: 
Frnan rath.) 

Sack, Sch. Rath.) 


Catl Spener, (Sudbändier.) 
Wolff, ( Proſenor.) 


Bemerkungen. 


Aus in Berlin alfo, auch in Berlin, das feit einem 
balben Jahrhundert fi vor allen andern großen 
Städten Curopa's dadurch fo ruhmvoll auszeichnet, 
daß es für jeden Tauſendkuͤnſtler und Wunderrhäter, 
der fich dort einfand, eine Klippe feines Rufes ward; 
das felbjt jeden Gelehrten und wißigen Kopf, der eis 
nen größeren Ruhm mitbrachte, als ihm gebühite, 
bald auf feinen Pflichttheil zuruͤckſetzte; — wo aber auf 
der andern Seite vorzüglich unter der jekigen er: 
leuchteten Regierung, jedes wahre DVerdienft, wenn 
es durch Überfiandene Prüfungen empfehlen wart, 
Aufmunterung und Belohnung findet, ) — au 

Warum polkte ich dieſt Aertennung, dieſe Duldiguna 
uuruchalten? Ein Fremdling, dev rat Jahren in Berlin dur.d- 
au anebranatg Uebt, dem man bier nie ewas atzuzchlagen oder» 
Mi Awehten burn, weil er nie am nad uchte — barr ne. 
wicht unbe, qua einen East Su gıllen. 


Gillet, Brad) 


— } | Mena 


in dem durch feine wahre Aufflärung fo 
glänzenden Berlin, find alfo von Hrn. von Aretins 
fo unermuͤdet verfündigten Erfindung Proben abge: 
legt worden, — und vor einer Verfammlung, die 
meines Preifes nicht bedarf, um für ausgejeichnet 
erfannt zu werden. Worin dieſe Proben beftans 
den, fagt der vorftehende Bericht. Aufgenommen 


- wurden fie mit lebhafter Theilnahme und der bus 


-manjien Gefaͤlligkeit. Jeder Anmejende fihien dabei 
intereffiet zu jegn, daß der Öeprüfte nicht durch Fehl: 
fihlagen beſchaͤmt werde; jeder freute fih, dab Hr. 
Duchet die Prüfung bejiand: man fand Genuß in 


der trocknen Beſchaftigung des Prüfens, Eben fo ' 


vorfichtig aber, ale human, hielt die Berfammlung 
für gut, daß in dem Berichte Fein Urtheil gefällt 
werde. Ein folches hätte dem Urtheile der Einzelnen 
Zwang angetban, und wenn die kiberalitär der wah— 
ren Geiftesbildung freilich nie einen achtungswerthen 
Freindling anders als fehr gefällig aufnehmen kann, fo 
darf diefe Gefaͤlligkeit doch nie fo weit gehn, daß ums 
der Perfen willen, in Ruͤckſicht der Sache der Wahr: 
heit das Geringſte vergeben wird. 

DL einer der Anweienden dem Publifuns feine 
Anſicht der Proben des Hn. Duchet vorlegen werde, 
weiß ich nicht; mir aber erlaube man bier ein Paar 
Bemerkungen. 

Zuerft eine Berechnung über den Gehalt der 
Aufgaben. 

Die bergmännifchen ıc. Aufgaben, die erften drei 
Nummern, machen jufanımen 108 Zeilen aus, aljo, 
25 Zeilen auf die Oktav-Seite gerechnet, etwa vier 
und eine halbe Seite: 

Das befchreibende Verzeichniß der Köpfe ents 
hielt 6o Zeilen, die ich zu drei Selten anfdlagen 
will, da die Handſchrift nicht weitläuftig war; auch 
daß die Anichauung der Figuren das Erlernen ers 
leichterte, ſey uͤberſehen. 

Die beiden Anekdoten des Hn. Gen. Chirurgus 
Murfinna, jufammen 38 Zeilen, waren fo leicht, daß. 
fie jeder nach einmaligem Vorleſen hätte nacherzählen 
können, Hr. Duchet trug fie, wie der Bericht ges 
flieht, mit eigenen Worten, verworren und undeutlich 
vor. Gleichwohl will. ich fie für gleichbedeutend mit 
einer woörtlick erlernten Seite anjehn. 

Die Geſchichte des Chineſiſchen Schachſpiels ift 
eben fo faßlich, und macht im Buche felbft nicht völ- 
_ lig anderthalb Leiten aus. Hr. Duchet trug auch 
diefe mit eigenen Worten vor, da er aber acht oder 
zehn Chineſiſche Namen dabei anführte, fo mag diefe 
Aufgabe für gleihbedeutend mit anderthalb 
wörtlich erleriiten Eeiten gelten. 

Bringt man — und das ift hoͤchſt liberal, — 


das Fremdartige der mineralogifchen, bergmännifchen 
und chemifchen Benennungen in den erften drei Auf: 
gaben, noch befonders als Equivalent für vier, und 
die Fertigkeit von einer Aufgabe zur andern uͤberzu⸗ 
gehn, für zwei wörtlich erlernte Eeiten in Red: 
nung, fo hat Hr, Duchet grade 16 Seiten, oder eis 


hen gedrudten Dftav: Bogen, die Seite zu z5 Zeilen, 


erlernt, Er erhielt die Auffüße am zıflen Oft. Mor: 
gens um Eilf, und die Verſammlung fand am zaften, 
Abends un Fünf, Statt: er hatte alfo eine Frift 
von dreißig Etunden. 

Welches — nicht außerordentliche, — nur gute 
und am folche Uebungen gewöhnte natuͤrliche Ge: 
daͤchtniß wuͤrde nicht in diefer Zeit eben fo viel, und 
mehr geleiftee haben? — ) 

Zweitens. Hr. Duchet verfihert aber, von 
Datur ein ſchwaches Gedaͤchtniß zu haben, Wir 
wollen ibm das aufs Wort glauben; auch das, daß 
er ſich daher, was in der That aus der Weife, wie 
er die Proben abtegte, hervorzugehen fihien, bei der 
Erlernung einer befondern Methode bediene; — 
auch dafi, wie er der ganzen Verſammlung oͤffentlich 
erklärte, fich diefe Methode in zwei Minuten begreiz 
fen, in zwei Tagen einüben lajfe. Folgt daraus, daß 
die Erfindung des Hn. von Aretin befonders wichtig 
it? Sch glaube nicht. 

Eine Methode, das Gelefene oder Angehörte zu 
behalten, erfindet ſich wohl fait jeder denkende Ge— 
fhäftsmann und Gelehrte, der vieles fehnell abrufaß— 
fen gezwungen iftz etwas Neues iſt «ine felche aus 
nicht. Dur das wäre fehr wichtig, wenn die vi 
Hu. von Aretin erfundne fehr kurz, ſehr ſchnell wir- 
fend und allgemein anwendbar wArez tar aber, ver 
zuͤglich die Anwendbarkeit, geht weder aus ben hier, 
noch in Leipzig, oder Erlangen, oder Muͤnchen abge— 
legten Proben hervor. a, man möchte beinah das 
Gegentheil mit Zuverficht fehließen, wenn man bie 
Zeit, die Hr, Duchet ſich Überall zu feinen Proben 
genommen bat, *") bedenft, befonders aber, da er 
fein Geheimniß daraus macht, daß er ſich die Auf: 
gaben in Eleine Abfäge zeriegt und dieſe beziffert. 
Eind tenn Friften und Vorruͤſſungen der Art im 
Drange der Gefchäfte, oder beim Studiren, wo der 
Geift mit Feuer weiter eilt, oder einen Gedanken oder 
Gegenftand zu durchdringen ſtrebt, möglich? — 

*) „Aber Hr. Duchtt hatte mehr Leiten können." 
Der Einwurf gilt nicht, demn er har ja ſunf Aufgaben zurücke 
gewiern, weil fie ihm zu viel warın. 

* Man könnte dagegen die Zeugntſſe anführen, dah Herr 
Duchet an den Tagen, da er feine Proben ablegen wol, fi 
bberali öffentlich, auf den Promemaden u. f. w. Jeigte, Aber 
sicht es denn ein beſſeres Miirtel, ſich einer eriernten Pekidon 


su verfichern, als das man fie ſich im wechſelunden Umgebungen 
wud im Geraͤuſch fille wiederholt? — 





— 36 - 


Aus allem bisher Geleifteten feheint mir nichts 
weiter hervorzugehn, als daß die Methode des Hrn, 
von Aretin zwar dazu fich eigne, bei Prunkgelegen⸗ 
beiten zu glänzen: aber nur bann verdiente fie all: 
gemeine Bewunderung und Belchnung, wenn es 
beiwiefen wuͤrde, daß fle ein ſchlechtes Gedaͤchtniß in 
den Etand feßte, ſchnell, mit Sicherheit und ohne 
Borräftungen,‘die Dienfte eines guten zu leiften, 
Aufgegebene Lachen zu memoriren: wer bedarf bef 
fen ? — Schuͤler, Prediger und Schaufpieler ausgenom: 


— — — 





men, und wenn dieſe dabel nach einer mecha niſchen 
Methode verfahren, fo wird nur zu leicht dadurch 
das wichtigere Denken gehindert. 

Uebrigens gefteh’ ich mit Vergnügen, in Hrn. 
Duchet einen graden, wackern Dann gefunden zu 
haben, der von aller Charlatanerie entferne ift; aber 
— das Geheimniß gehört auch nicht ihm; die Rolle 
die er fpielt, ift ibm aufgetragen, und es if 
leicht zu erkennen, daß ihm in berfelben nicht wohl if. 

G. Merkel, 


ID ID — — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 71. 


Theaternacdhriht aus Breslau, 


9 - im Dftot. 1904. 
ie Dover Titus, durch Mojarte genialiiche Kraft jo inter 
eſſant, iſt endlich auch degt miehreremmie Gier gegeben werden, 
und gewann von dem muhtalifhen ſowohl, ald dem Laien s Pur 
blifum lauten Beifall, Im Gamen genommen, if dies genug 
geingt, denn über dem weitern Werth dieſer Oper, abgeredinet 
den mufitaliichen, — mag ich nichts ſagen, lüht ſich weht auch 
nicht viel jagen, — Der beigen Darfellung ſelbſt, mangelte 
alle reine Revräfentation, durchaus Nomiicher Adel, fogar nicht 
feiten mimiſcher und deklamatoriſcher Amsdrud; Äbrigens, mens 
den Gefana betrifft fo ward doch fo viel geleitet, Baf man den 
Epielinden einigen Beifall nicht verſagen kann. Mad. Schüler, 
ats Birellia, fang mit Reinheit und Prachon; Hr, Ruder d. J. 
ald Certus, anmuthig, pracis und mit vieler Attention und 
auch mit Hrn, Miller, als Titus, konnte man, fp manierirt auch 
fein Geſang If, vorerſt jufrieden ſeyn. — Seit Hr. v. Mich 
das Ord eſter dixigirt, hat Die Ober ſehr gewonnen; er verbin— 
der Fleia mit Talent und handhabt Das Gange mit Energie. 
Der auücre Glanz der Vorſtellung war, fo aut ed der enge 
Kaum ber Kühne zulieh, entiprehend, umd gereicht der Diret⸗ 
sion zur Ehre, — 

Interetanter, als dieſe, war die Neflitrung des matiüirr 
duhen Sohns, nad Laeretene von Huber. Dieſes Edmus 
ſpiet chpre unfretig zu den arlumamien dramariden Pros 
dutten. Die herrliche Zeichnung und Hattung der Charaktere, 
durchaeftihrt Dutch meiſterhaft angetegte und benutzte Eituntior 
nen, in einer edeln Sorache, hinleitend su einer ſo wohe 
thueuden Tendem, durch das Gemalde des koubennonelten Bes 
bens im Wider prele mit dem einachen burgerkiden und dem 
Streben jarter, pboner Serien, erbchen Herz und Saft, und 
geben beiden einen koſtlichen, ſeitenen, Genuß. — Alte 
ſere Echaufpiele vereinten fh im Omen von amore Dieiem 
Genuñ uns wirklich zu gewähren, und wenn and im Ehnzel⸗ 
nen noch wieles zu wünfden irbrig blieb, ſo konnen wir doch 
durch den Fleia des Hrm. Jullus, als Maiberte, des Arın. Velt⸗ 
heim, als Gourville, des Hrn, Müller, als Olaf von Cainte 
Amsur und des Hrn, Echwary, als Artaut, beiriedigt fenn und 
von ihrem ſernern Studtum altes Gute erwarten . . . Abit 
aber — feine Hand ruhrte ib zum Beiraltgeten , weder des 
Epield noch des Stucks⸗ — Denter und Gefrhlvolle dachten 
und fühlten, bingeriſſen vom remem Werthe dieſee Schau— 
foiel?, im Miller Vewundenung und Aubrung, und lieden — 
in heiligen Andacht — bie Zierlinge und Pierlinginnen, die ſich 
aar ſehr eumunieten, deren inne nur Zaubderteufel anmerken 
tunen, murren und gahnen. — Welch ertarmeiche Urthelne 


mufte man im Ullgemeinen hören, als traurige Zeichen unſrer ins 
eronablen Welt, — Ein blederer Alter ſagte derb und laut bei 
ſoiſch einem Halah: Wem dies Stuct nicht nefällt, der mu 
einen Fehler im. Serien haben!" Charakteriftifber kann man 
wohl nid mir ein paar Worten urtheilen. Ich füge 8 aud 
— und febliehe, — 2 


— “ 


Ja dem Balriichen Edwaten müffen bie protetantiden 
Geiſtlichen Vereirtel halten, Ausüge aus den geleſenen Bücdern 
machen, umd indadich geweſſe Gonfidorialfragen beantworten. Nach 
dem Flein, Ben ſie dabei biegen, ſollen die befördert werden. 
— MWahrlic, Das verdient augemeine Nachahmung. Die Gute 
foßen auch im andern Pamderm micht unerbört ſeyn, dah Die 
Lehrer der Volksgemeinden die — Fetten und Bequemften im 
denjelben find, 


— Die EonfursComitie zu Ct. Vetereburg beacht aus 
drei Eenforen und einem Getretär , die zuſammen 3370 Rue 
Gehalt bekommen. Glaube ein Schriſtſteltier, dank ihm durch 
ein Verbot Unrecht gefchehen it, vo Tann er hei der Oberſchut⸗ 
Direttion Hagen u. d. w. Die Eenforen konnen wegen eimet ⸗ 
ner Etellen fein Wert verbieten, ſondern miünen die anfldät 
gem Erelien dem Verf. jur Nenderung nachweiſen, — ſelbſt 
andern darſen fie mit. — In einen Deutichen Etaate, dem 
für sehe amiaetlärt geltenden & — —, ward ver einigen Wo: 
Ken eine Sammlung von Ebigrammen gedruckt. Der reltglöie 
Ernior Arſch im derieiben Iberan das Wort Gott weg, und 
ſetzte daſue Himmel, ob es gleisb felten in dea Einn, umd mie im 


das Metrum paäte, 


— Zu Augsburg im ber Abtei Ct. Ufeid hat man bie 
Oebeine der Heil. Afra entdeckt. Man bat die ſogleich gericht: 
lich verfiegeht, bis eim prachtiger Behälter won Bold und Eils 
ber, den man fe fie befimanıt, vertig feun wird. Der Zune 
der Glarkiaen von 30 Meilen in der Kunde, su dieſen Ketır 
guien it ſehr arof; — und das dm 19m Jahrh. Die Heri, 
Mira war die Tochter eines Konige ron Eipern u. ſ. m. 


Auch zu Autwerven wird künitig afle zwei Jahr eine ör 
fentlidie Kunfansteiiung ſeyn, zu der alle Franz. und auelane 
diſche Kiimiler eingeladen werden. Gevien ſollen nicht au⸗ge⸗ 
nommen werden, Warum midt? Man follte eigentlich c# 
sm Gern madın, Das im jeder Huriichung den Augen bes 
Yurfekumg einige alte, berühmte Meiſt eriracke, Originale oder 
gute Copien, ausgciet wirrden, damit die würfler und die Ye 
fdiauer vergleichen tonnten. 


— Man bat im ein Paar Meinen Dörfern in der Vro- 
dence entedt, dan die Bewohner ich bei dbren dandiichen Ka 
Ren noch verſchiedner Inärumenze Erdienen, von welden ir 
gens za ner die Philoirgen wiſſen, dak die Romer und ir: 
den lie benwdiren, und wie fie bes dierem geſtaltet zeweſcu. 


— 


1804. 





Nro. 2:5, 


Der Freimüthige 


Eonnatend, 


ern f 


titeratur 
Abt Remanzen von Chriſtoph Friedrid 
Weiſſer. Leipzig, in ber Dykſchen 
Buchhandlung 1804 





gr 

Gm meiteften Sinne if jedes erzäßtende Gedicht, 
das ein lyriſches Sylbenmaaß hat, — fein Charafter 
fei übrigens, welcher er wolle, — eine Romane. 
Der Titel dieies Buchs iſt mithin richtig. Noch 
beftimmter würde ſich jedoch der Verfaſſer erflärt 
haben, wenn er feine Gedichte, traveftirte My 
then genannt härte; denn das find fie eigentlich. 
Bürgers Prinzeffin Europa und, dem Tone 
nad, — Blumauers Aeneide maren die Vorbilder 
Herrn Weiſſers. Ganz hat er diefe nun zwar nicht 
erreiht; doch if er auch nicht gar zu weit binter 
ihnen zurlidgeblieben. &s fehle ihm keineewege an 
Witz und Humor, er feheint mit den jur Zeit irms 
kenden Thorheiten bekannt zu fein und verfteht die 
Kunft, feinen Einfällen dur Beziehungen und Ans 
frietungen Würze zu geben. Dabei iſt feine Verfis 
fifation größtentheils — nicht immer, — leicht und 
richtig. Mancher zu derbe Ausdrud, und mander 
zu platte Einfall hätte indeß durch die Feile noch 
weggeſchaft merden tönnen und follen, Bisweilen 
fepeint Herr Weiſſer auch feine Erzählungen ange 
fangen zu baben, che er noch eine dee vom Gans 
zen im Kupfe hatte, der Faden der Geichichte wird 
dann auf gut Gluͤck fortgefponnen und der Schluß 


— — oder —— den 27. Öftober, 


und 


© A ee > 


fällt — wie in dergleichen Fällen allemal, — bedeu— 
tungslos und unbefriedigend aus. Beiſpiele von ders 
gleichen Kunfifünden will ich nicht anführen, da der 
Derf. Aufmunterung verdient. Damit fi indeg 
von der Manier deſſelben die Leſer eine Vorftellung 
machen fönnen, gebe ich von der erſten Romanze, 
Apoil und Daphne, einen kurzen Auszug, wie 
folgt: — poll, dem im Himmel die Zeit lang wird, 
ſtuͤrzt fi ins Weltgetuͤmmel hinab, kauft fih Haus 
und Hof, und zieht fodann aus, eine Frau zu fuchen, 
eine Wahl fällt auf Daphne, die aber feine Seuf⸗ 
ger fid wenig gu Herzen nimmt, 
Er gab von feiner Poeſie 
hr reuctlos mandıe Proben, 
Und, was nit Me Versweiflung tut? 
Quiet begann er voller Wutth 
Erin werthes Ich au loben, 
„Den Ton der Ephären Üiberteift 
Mein ſchlechtees Gchimper, 
Wer ſtaunt wicht meine Bieder an? 
Furwahr! Homer und Dftan 
Eind gegen mich nur Stumper.“ 
Frag' alle Welt, ob ohne mich 
Ein Didierfopf aebare? 
Und wie fo Häslich qand' es, ach! 
um manden Muſen-Almanach, 
Wenn unſer eins nicht ware!" — 
In diefem Tone rübmt er noch 5 Derfe hindurch 
auch feine übrigen Meriten. Bergebens! 
Wie darf, rief Darhne, ſolch eim Wicht 
Sich Art und Dichter nennen? 


— 338 * 


Sn Jena, Landehuth und Berlin, 
Ihr neuen Sonnen! Ichrt doch ihm 
Erin eignes Nichts ertennen. 

Die Schoͤne lieſ't dem armen Gotte mit der 
Leler, noch zwei Seiten hindurch das Kapitel, und 
immer ſchaͤrfer und ſchaͤrfer. Doch — 

Er lache” und vier: Wer hört' nicht germ 
So beide Lippen ichimpfen? 
Dem Tadel schmeckt fo ſuß, als Lob; 
Tu bi fürmahr recht göttiid grob, 
Tu lieblidhfe der Numpben. 

Eich zu räden, nimmt er hierauf die ſchoͤne 
Epröte ehne Umſtaͤnde in die Arme, fie mit Küffen 
bedroßend. Daphne aber fcpreit erbärmlid um 
Huͤlfe zu allen Göttern, den halben und den ganzen: 

Seid Ihr gerecht; fo eilt, ach! eilt 
und belit mir armen Kinde! 
Der Bude — Phötus nennt er fi, — 
Vergißt die Achtung gegen mich 
etis — wär ich die Lusinde, 

Hier nun geht die Verwandlung in einen Lore 
beerbaum vor ſich. Apoll ſtaunt; 

Doch unverzagt beginnt er gleich 
Eich einen Rramy zu pflücken: 
Sie jelbr Me Recenſentin fell, 
Spricht er, fo racht ſich Gott Mpofl, 
Da mit dem Lorbeer ſchmucken. 

Warum fchloß der Verf. nicht mit diefem Derfe? 
Der nun folgende Letzte, enthält einen bei den Haas 
ren herbei gezogenen Gedanken und verdirbt alles, — 
Die übrigen 7 Romanen find in gleichem Tone ge: 
fungen, bald mehr, bald- weniger launig. Ich las 
fie fammtlih mit Vergnügen und hoffe, die Leſer 
werden mir danken, ihnen dies Buͤchelchen angezeigt 
zu haben, ® 


Schenkel und Sommer, die Duumpire der 
Muemonik zu Anfang des 17. Jahr 
hunderts. 
An den Herausgeber. 


E⸗ geſchieht nichts Neues unter der Sonne. Kreis— 
lauf, nicht fortſchreitende Vervollkommnung iſt das 
Loos der Menſchheit; und das alte: mutato no- 
mine de te fabula narratur, geht noch alle Tage 
vor unfern Augen in Erfüllung. Was für ein £ärs 
men entftand Über Herrn v. Aretins Mnemonik und 
feines missi a latere, Hrn. Licentiaten Duchets Pro: 
befiellungen. Schon bie alten Griechiſchen Z opbiften: 
finder hatten dergleichen Gedaͤchtnißmirakel, wodurch 
fie die Menge in Erflaunen fegten., Eie gehörten 
ju dem, was man damals iwidi.t: nannte. Gegen 
einen diefer mnemonifchen Thaumaturgen fagte Ihe: 


miſtecles das allbefannte Wort Über Erinnerung und 
Dergeffenheit. In allen folgenden Jahrhunderten 
bat es an Gebächtnifhelden der Art, und an Wun— 


-dertätern, wobei es doch ganz natürlich zuging, 
nicht gefehlt. 
hier noch große Beiträge und Eupplemente erhalten. 


Morbofs Polyhiſtor kann und mird 


Was fagen Eie zu folgender Parallele? 
Lamprecht Schenkel, zu Herjogenbuſch 1547 
geboren, wo jrin Vater, ein handfefter Philolog, die 
goldene Kunjt des Galens übte, ſtudirte in Loͤwen 
und Ein, und ward nah und nach (denn damals 
waren die Wanderungen der Profejforen noch weit 
mebr an der Tagesordnung als jekt, wo doch auch 
ſtark gewandert mwird,) in Antwerpen, Mecheln, 
Rouen und Paris Lehrer. Dabei fchrieb er viel 
und mancherlei über Rhetorik, Proſodie und Metho— 
dik. Auch machte er, was damals jeder machen 
mußte, der recht geflempelt fein wollte, feinen wohl 
fcandirten Kateinifchen «Vers. Aber durch nichts 
machte er feinen Namen berühmter, als durch die 
von ihm felbft auf einer Keife erfundene Üne: 
monif, Um dieſen Fund mitzutheilen, unternahm 
er lange Reifen in den Diiederlanden, in Ober: und 
Miederdeurfchland und in Franfreih. Er unterwarf 
feine Methode der Prüfung vieler Großen und zog 
von Univerfirät zu Univerfirät. Ueberall erndtete er 
Beifall, Kürften und Grafen, Erzbifhöfe und 
Kanzler prüften ihn mannigfaltig, und der Dielge: 
prüfte ging überall mit großer Belobung davon. 
Te Rector der Sorbonne in Paris erthellte ihm 
nach verangegangenem Eramen die Erlaubniß, bie 
Dinemonik dajelbjt zu lehren, und als ibm der Ke 
quetenmeifter Marillon, auf Befehl des Kanjlers von 
Frankreich, über feine Kunft zugefeßt hatte, erhielt 
er das ausfchliefende Privilegium auf feine ne 
monif fürs ganze Königreich. Aber den Zuhörern 
ward bei ſchwerer Seidfirafe unterfagt, die 
Kunft andern mitzutbeilen.. Als ibm bas 
Herumreifen felbft zu beſchwerlich wurde, uͤbergab er 
feinem Zögling und Freund, dem Licentiaten Mar 
tin Sommer aus Schleſien, dies Lehr: und Wan⸗ 
derungsgefchäft durch ein feierliches Diplom, worin 
er ihn bevollmächtigte, in Deutfhland, Frankreich, 
Stalien, &panien und angrenzenden Yänder die von 
ibm empfangene Kunſt unter gewiffen Bedin— 
gungen zu lehren. Sommer ſchrieb fürs erſte eine 
Koreinifche Ankündigung feiner Kunft, eine brevis 
delineatio de utilitatibus et efectibus admirabi- 
libus artis memoriae, (ju Venedig 1619, 24 ©, 
in 12.) die er überall, wohin er Fam, austheilte, 
Hier erzähle er die mnemonifchen Großthaten feines 
Meiſters, und wie er von ihm ausgeſchickt fei in 


alle Welt. Ein Advokat, fagt er, der gu gleicher 
Zeit 100 und mehrere Proceſſe führt, fann fie alle 
mit, Huͤlfe meiner Mnemnonik dem Bedächtnig fo ein 
verleiben, dab er jedem Clienten, gleichviel in weicher 
Ordnung, zu jeder Stunde fo zu antworten weiß, 
als habe er fo eben nur eines jeden einzelne Proceß⸗ 
acten durchgeiefen, und beim Plaidiren bat er nicht 
nur die einzeinen Beweiſe und Hiechtsgrände feiner 
Partei, ſendern auch alle Gründe und Einmürfe 
des Gegners ſtets in baarer Bereisfhbaft *) Tritt 
er in eine Bibliorhef und lief’t in vielen Büchern nach 
einander: jo kann er dies alles noch mach einigen 
Tagen zu Haufe niederfchreiben, Wer dieſe Kunft 
verſteht; fann 10 — 30 Echreibern zu gleicher 
" Beit ganz verfhiedene Materien bictiren, 
Nach vierwbchenilichen Uebungen fann er 25000 
Buderplaͤtze binnen eines Zeitraums von einem 
Varerunfer anordnen, und dies wehl zehnmal an eis 
nem Tag, ohne befondere Anjirengung und genauer, 
als ein Andrer chne biefe Kunſt während eines 
ganzen Jahres. Er bedarf Feiner Bibliothek zum 
Deachſchlagen mehr, Der ganje Unterricht, verbuns 
den mit binlängliher Hebung, kanñ in 9 Tagen vol: 
endet werden, und täglih bedarfs nur einer 
Etunde. Hat man die Kegel gefaßt: fo darf man 
die Uebung taͤglich nur ein halbes Stündchen fort 
feken. Das vorausbezahite Honorar wird je: 
dem,. der binterdrein gegründete Klagen führen 
könnte, zuruckgezahlt und noch mehr da. Der 
Lehrer diefer Kunjt bleibt nur kurz on jevem Ort. 
Er wird auf Verlangen Proben ablegen, zeug: 
nijje der angejebenfien Manner vorweren, und nach 
... 6 Lehriiunden, für jeden Unfundigen wahre 
under s@rjcheinungen, bersorbringen. Dun folgen 
Beugniffevon vielen berühmten Univerfitäten. In Leips 
igbaben ſichneun Gelehrteunterſchrieben. 
arauf kommen die Herren von Marburg und Frank⸗ 
furt an der Oder. Schenkel jelbft gab nun 
auch noch feine Schatzkammer der Gedaͤchtnißkunſt, 
Gazophylscium artis memoriae, zum erftenmal 
1610 zu Strasburg heraus, Aber vollſtaͤndiger iſt 
die Ausgabe durch feinen treuen Schüler Eommer, 
vom Jahr 1619. Allein man wird in diefer Schatz⸗ 
fammer immer nur wie im Finſtern berumtappen, 
wenn nicht nech mündlicher Unterricht hinzukommt. 
Darauf ſcheinen es aber auch diefe Dinemonifer auss 
droͤcklich angelegte zu haben. Auch giebt der Der 
faffer am Ende der erflen Borlefung deutlich zu ers 
kennen, daß dies Buch nur feinen Schülern anver: 
traut werde, und vermeift auf feine mündliche Ans 
weifung. Grade die Fundamente der Kunft verſteckt 
er hinter Eiglen oder Abbreviatunen . B. n 9 
d. a. $$. 99. das heißt: locus, imago, ordo loco- 
rum, memoria loci, imagines, Außerdem bedient 
er fi zur Bezeichnung der michtigften Begriffe einer 
Menge felbftfabricirter feltfamflingender Wörter. Da 
dies Buch felbft unter die größten Bibliothekar: Sel⸗ 


*) Hier und bier far alleim Ing aud der Zweck der Ber 
dächtmisiung bei dem Griechen und Romern. Man deute ſich 
ihre Biientiiche Gerichts » Verhandlungen, die commıssıones 
et alt ıcationes Forenss., Da dal fein der Notarıms, 
der Geidmwindidreiber mihts, Der Sachwalter ſelbſt 
muunte auf der Stelle alles merken und beantworten konnen, 


tenheiten gehört, fo mar es ein fehr banfensmürdi: 
ges und zeirgemäßes Unternehmen, es durch eine 
lesbare Ueberjebung grade jebt wieder unter uns in 
Umlauf zu bringen. Der Doctor Johann Luderig 
Klüber bat jo eben dies mit um fo größerm Er: 
folg geleiftet, da er eine große fertigkeit in der De 
chifrirtunſt befigt, und darin feibft neue Combinatio: 
nen entdedt bat. Hier finder man alfo auch die un: 
vierfländlihe Stellen des Originals glüdlich enträthielt, 
und Überalt zweckmaͤßlge Brmerfungen beigefi at. *, 
Auf jeden. Aal iſt das Buch eine merkwuͤrdige 
Erſcheinung, und einvon den Todten ermedter Epilog 
nah Aretins Prolog. Anlangend den Karakter der 
chenkelſchen Methode, fo berubt auch fie feiness 
wegen auf bloße mechanifhe Kunftgriffe. Wie ſetzt 
das techniſche, fomibolifche und logiihe Gedaͤchtniß 
in gleihrormige Ihätigkeit, Sie fordert fein bloß 
mechaniſches, jondern ein imgeniöfes und judicidfes 
Diemoriren. Wie arbeitet nach den Gelegen der 
—— und ruft außer dem natürlichen 
edaͤchtni, auch Witz und Phantafie zu Hülfe, 
Das Dane zerfällt in acht Kectionen. Das Lompens 
dium wird den Zuhörern gedrudt ir 
Nach der Abreife des Lehrers, Eommers, 
eht es den Schülern frei, fi ihre mnemoniſchen 
eifel, Beobachtungen, Entdedungen enander mits 
jutheilen. Mur muͤſſen fie fi) als Eingemweibte durch 
die gegebenen Loſungszeichen vorher gegenfeitig gebds 
rig legttimiren. Wer die Zeichen nicht geben fann, 
wird als Profaner ausgeſchioſſen. Aber freilich 
Uebung iñ ndthig. Es will gelernt und täglid 
fortgeübt feyn. Da fipt eben der Knoten, Liehe 
fihs infundiren, fo wären fehs bis zmölf 
Louis dor eine Kleinigkeit. Man könnte Taufende 
fordern, und es würden ſich Käufer finden. Webrie 
ens bedarf #8 zum Erlernen nur fehr mittelmäßiger 
aͤhigkeiten. 


Die Mufen 


uterpe wiegt auf zauberiſchen Weiſen 
Den Einttang er Harmonie; 
Teroſtcore weht im ber Freude Areiſen 
Des Tanzes liebiihe Magie. 2 
Den tragiicden Korburn llebt Melvomene, 
Der erniten Marke fabelreiches Soiel. 
Thalia Mnhrt den Codus auf die Ecene, 
Mit leiten Eder, erheiternd das Geühl. 
Der Vorzeit That, dic Wunder der Geſchichte 
That Kilo dem erſtaunten Hörern kund, 
Der Helden Ruhm zu jeieem im Gedichte, 
Entiälicht Kalliope des Sängers Mund. 
Bolymmia beihwinat die Krait ber Worte: 
So fleuit der Houig auf Humettus Biur } 
Der Liebe Blut, der Treue beil'yem Schwur 
Weiht Erato bie ichmelieuden Aftorde, 
Und wandelnd anf der Eterne liter Epur, 
Ermiit uramia die Höhen der Natur. 


Schreiber. 


— 








*) Compendium der Mnemonik oder Erinne- 
rungs- Wissenschaft an dem Anfange des XVII, Jahr- 
hunderts, v. L, Schenkel und M, Sommer. Aus dem 
Lateinischen mit Vorrede und Anmerkungen v. D, 
Kluber, Erlangen, Palm 1804, 104 €. in 8. b Gr. 


— 340° — 


Portrait de Mademoiselle ft f- 


Fleur, fraichement eclose, 
Imape dw printems 
Beau teint, bouche de rose, 


Qui ne dit pas grand’ chose, 
Pourtant en virtuose 
Sait sourire aux amans, — 


Julie d B...m, 


— — —— — — — — 


Riht-politifde Zeitung. Nro. 72 


Das Prager Schaufpielhaus und fein Vorhang. 
Mertwürdigfeitem 


S. Jahren ſchon beſeuñte das Publikum die geſchmackloſe 
Dreorirung des Aufern Ebauplaged, und jeder Mann von 
Geta mack mußte einſtlmmen. Auf jeder Loge wiegen ſich, im 
einenı Korbe, von Roſen umgeben, oe Tanben von kolofalem 
Körperbau, umd veridarten durch ihre Individualität dem Mu⸗ 
fenteimvel, den ehrenvollen Beinamen des großen Taubenhauſes, 
au deren Wächter man im vorigen Sabre eine hocht wunglikche 
kiche Darfenung der Böhmtiden Lowens befiellte, der Über der 
mitte des Portals bereigt ward. Eine betrachtliche Anzahl 
im beterogenften Geſchmack ausgenierier, mit Gold und Silder, 
Piarfonds, SSolfenvorhängen und allen Sarben des Negenbos 
gens praugeuder Logen, fireben die anioruchsioren, ungefchmüche 
tem Echweitern zu verdunteln; Am ihrer Witte briftet Mich die 
geraumige Horioge, in weiß und rotkem Eammt, mit einer 
verilberten Corit des Vohmiſchen Wappens, und ein geichmache 
Tofer Borbang, — eine Eolonnade von grünen Eaulen umb 
einigen faritirten Grarum, — vollendet den widrigen Ein⸗ 
drut, den dieſe bunte Miſchuns auf jeden Dienichen von nicht 
ganz verderbtem Geſchmact hervorbringen muß. 

unter den Norbereitungen aus bie Antunt des Menarchen, 
peichnete fi Die Sorge fie den Glam des Theaters befonderd 
ans. Der Hofmaler Paper ward bicher berufen und fellte 
ung einige Decorarionen her, weldye ihm einen lange dauern⸗ 
den Kubın ſichern, und fi mit jenen der großten Bichnen 
Seuticlamds meiien fönnten, wenn nicht Die Unwiſſtuheit des 
Terorateund, und ber Mangel am wutergeerdueten Arbeitern 
eine Unordnung berurfadte, weldie man Mum einem Nebens 
theater verzeihen *onnte. Selten endieint ein Part, obne dal 
man die Cranteifi » Gehatge des Prunkzimmers ſich im friebit 
ber Eintracht gm Die Wolken iniegen ſahe, welche ihrerſeits 
aud die manienten Kerfergemoibe durchdringen, um den armen 
Gefangenen <mit ihrem Ieblichem Anblick zu erfreuen; ja ort 
attachırt fih ein Gemach fo ehr an dad Publitum, daß es 
einige Minuten auf halben Liege verweilt, und ſich Manbhaft 
weigert, den Augen des publſtums au entiehwinden. 

Um 'ater dem Momardıen auch des dukeen Schauvlatze- 

Blbhe nicht bemerken zu tagen, ward ein neuer Vorhang mac 
der Angabe des Hrn. Meademiedirtor Pergler von Herrn Frie⸗ 
drich Meinbord aus Dresden gemalt. Hm, P. ſollte war ans 
fünglih das ganıe «tert übergeben werden, aber ber ſtolie 
Künitier forderte eine bebeutendere Eumme, als man ju geben 
aejonpen war, und wollte fiberdieg feinen Obenie beine Zeit bes 
Aimmen laſſen. Die Zeit des Luſtlagers ruckte heran, wo das 
Saauſoitlhaus mit feiner neuen Korrine prangen jollte; Kerr 
9. erhielt für die Stiue des Tableaus 300 Fl. umd Hert R. 
verfertigte in möglicher Eil darnach dies Kunftwert, welches 
wobt ſchwerlich feinen Namen der Wußerblöchkert übergebew 
wird, k ” 
Trotz den, erreichte ber neue Vorhang ſeinen Zweck das 
Pubdlitum, ſeit langen Jahren gewöhnt, nur Zerrbilder am dies 
fem Plage zu fehen, beguügt fich mit den mittelmanigen Tar 
least, weldes auf den erſten Richtigen Anblick keinen fiblen 
Eindewf macht; aber aufalıend, finntos umd alle Wirkung 
vernichtend ift die Alegorie des Vorhanss, welche ich ungt⸗ 
ſaumt mittheilen muß. 

Auf einen Piedeſtal ſieht ein wohlgen ahrter 1 böhmifcher) 
gime, — gamı das Gegendild besienigen der em Medanlon 


über ihm thront, — und die Eduggöttinnen der drei Prager 
Etädte (7) mebft der Flnägdtrinn Moldau, laden den TIheicus, 
am deſſen Füßen ſich der Aberwundne Minotaurus trummt, ein, 
nm Fuß der Blidlaule Plag iu mehmen, Auch die Maſen jols 
ien dem Heros den Tribut ihrer Bewunderung ; drei berieben 
Beichäftigen ſich um ihm: Terolichore beframpt ihn, Gahiope 
Emier ſelner Pinto, umd Thalla — ſtatt Der Larve einen 
abarhauenen @rrijentopf als Witribut tragend, — ficht gleiche 
muthig mebenbel, 

Die ibrigen Muſen neh dem Genius der bildenden 
Künfie, gehen im einiger Entiermung, Kto am ihrer Epige, bie 
mit nichtsiagender Miene einige Blätter In den Kreis ihrer 
Edirwenern wirft. — Die gedruckte Ertiärung ber Altegorie 
mennt fie Caliope, obſchon fie vorher die Muſe der Beredſan⸗ 
keit am Thriens Seite ſetzte. 

Zur Rechten des Löwen erhebt ſich ein waldigtes Ge 
Birge, im weichem Neid, Zwittracht, Sorn, Dummbeit unb 
einige andere Basten ihren Wohntig auryeidingen habımz aber 
Hercules, Minerva und Zeus Wdier, mit dem Deonnerteile ſet⸗ 
nes Gedieters bewannet, verjagen die Mugehetien Gaſte und 
Kürzen fie in ſcheutliche Abgtitu de. 

Im Hintergtunde erblickt man Die Eoige dei Prager 
Edlofthurmes, und oberhalb deſelben ſchwett Phobus auf jehs 
Arm Sonnenwasen, Bon einem matten falben Sicht umgeben r 
weiches baldigen Regen im verkünden ſcheint. — (Der Hiuw 
mei bewaßre unire Bühne vor einer Ueberihwernmumng. ) Horen 
wmtanzen den Wagen des Eommengottes, und Chrotos — 
ibambarr im Mintel der Kortıme verborgen, — (duvingt dem 
Eirfel der tinendischteit, Indem ſeln Mantel die Zutundt — 
verdecten jeR. 

Kann es wofl ein birarreres Eniemble achen? — JA The 
feud ein Beistuiger oder Niorfieber der dramatlſchen Kunit, oder 
aualiſnirt thu deim Sieg ter den Minotaurus deju? Wer bat 
Hm. 9, dad Nedit gegchen ben Mythus der Schuggetrimnen 
der Prager Aliadt, Neufadt umd Kleinieite, ber Romiſcheu 
Votteriebre einzunerleiben? In welcher Vertiuduug Acht ber 
Mohmifie Lowe mit dem Eemnengort, der Schloüthurm mit 
dem Muſencher? 

Diefe und tauſend andere Fragen würden Hrn. V. wohl 
etwas fer au beantworten dein, — doch geaug von der Au⸗ 
jagt, und nur mod einige Worte uber die Ausführung. 

Her R. iſt dm Hinficht ber Korpmlen mit dem armen 
Muſen ſehr Miervaterkic umaefprungen, aber betanutlich himmit 
man es bei gelcheren Damen damit nice fo genau, und mus 
er ibmem entzog, verteilte er höchtt gerofireuhaft une Pragas 
Edinggettinnen, — ſeht analo4⸗ denn es iſt amerfaunt, dai 
Söhmend Bewolnerfunen an Embonpoint alte Frauen der ans 
gramenden Länder weit überreefen. Die Horen, die den Eons 
menvongen ungeben, find die gegluckteſten Geſtalten des Tabltausz 
auf ihnen allein verweilt dus Muse mit Vergmugen, 

Ich war dieſe unpartetiide Erüge, dem gutem Geſchnnack 
ſchuldia, und es wurde mie ſehr unaugenebm fein, went bier 
ſelbe dem garen Rutie des Heu. R. nacdtkinig fein follte; er 
it ein mod iunger Mann der vielleicht Burn Madı rort aeſetz ⸗ 
ten Studien, und bei mehrerer Sunc, bebeuiendere Kunftwerie 
u liefern im Stande ſein wird, als dieſes, deſſen gröite Mans 
gel micht eimmat ıhm iur Ya fallen Tonnen, Da er als Ereeus 
tor iur paſſiv am der Allegorie Theil mabın, 


— 6 — 


— — —— — 


1804. 


ARISTIDES. 


Nro. 216. 





Der Freimüthige 


Montag, 


ern f 


und 


den 29. DÖftober, 


Scherz. 





Literatur 
Neueſte Sammlung Heiner Satyren, Gebichte unb 
Erzählungen, von J. D. Half, Berlin, bei 
Unger. 1804. 


8 war einmal eine Zeit, wo Hrn. Falfs Eatyren 
mie des berühmten Eulenfpiegels Zaubergemälde, von 
aller Welt mit vollen Baden gepriefen wurden, ob man 
gleih aus gemwiffen hinreihenden Gründen 
an jenen eben fo wenig Laune und Witz bemerken 
konnte, als Geſtalt und Farbe an diefen. *) Aber es 
ftand auch, wie bei den erwähnten Gemälden, ein 
Trumpf darauf: — Wieland hatte fie in gutherziger 
Uebereilung, wahrfheintid um dem jungen Versler 
eine Art von literarifhem Gluͤck zu machen, mit zu 
großer Wärme gelobt. Don der einen Seite beſtach 
und genirte dies das öffentliche Urtheil, von der an: 
dern beraufchte es Hn. Falk, der ſich ganz eigentlich, 
wie Don Qulrote, als er Mambrins Helm gefun: 
den hatte, berufen hielt, die Rieſen der allgemeinen 
Thorheit zu befämpfen, und alljährlich in feinem Ta: 
fchenbuch, ausjog, fo lange — fi ein Verleger fand, 
Sange dauerte das nicht, Wie man den Epanifhen 
Kitter von der traurigen Geſtalt nur unbefangen zu 
betrachten brauchte, um zu finden, daß fein Zauber: 
beim nichts als ein geraubtes Bartbecken, feine un: 
widerftehliche Kanıe eine Bohnenftange fey, woran er 
eine uralte Kanzenipike beſeſtigt hatte, fo verrierh es 

*, Eile eriftirtem namlich nicht, aber jeder that, als ſahe er 
fie, um nicht für einen Vaſtard au gelten, 





fih auch bei Hn. Falk, fo bald die Kritik zur Sprache 
kam, daß feine Kühnheit nur Ungezogenheit war, fein 
vermeinter Witz aus jufammengerafften Einfällen an: 
derer beftand, mit welchen er feine Plattheiten — ar: 
mirte, und der Nimbus diefes Patent: und Titular: 
Eatyrifers fant wie eine Puderwolfe Boͤſe 
Menfchen hatten bie Frechheit, zu behaupten: es fey 
ein froftiges, geiftlofes, bleiernes Ding um die eigne 
Spaßmacherei des Herrn Falk, — ja! fie trieben die 
Unverfhämtheit fo weit, den großen Satyriker felbft 
zu fatgrifiren. Jetzt nun hätte man denken follen: 
Herr Falk werde feinen Witz aus allen Batterien 
fpielen laffen. Aber — die Batterien waren zwar da, 
nur— fein Pulver war naß. Er hielt es daher, der 
befte Beweis, den er je von feinem Verſtande gab, 
für rarbfamer, fih nach Art großer Leute, ſchweigend 
in den Mantel feiner problematifchen Verdienſte zu 
huͤllen, und das Publifum — lachte, — 

Das Merfwürdigfie am vorliegenden Büchlein 
ift, daß es einen Verleger fand, Es iſt eine neue 
Sammlung von alten Echmänfen. Es beginnt 
mit einer poẽtiſchen längft gedrudten Epiftel vom 16. 
Aug. ıg0r, in welcher Herr Falk Herrn Wilhelm 
Körten mittetft eines fhlechten Reims zu wiſſen thut: 
daf er fich jeht auf dem Kofenberge in der Mähe 
von Weimar, vor aller Welt verberge. Warum? 
fagt er zwar nicht; wenn ich aber nicht fehr irre, fo 
hatte man ſchon damals Verſuche gemadt, bie im: 
ponirende Hülle des vermeinten tümen tr Mften, und 
in folchen Fällen ift das Verberger ot Her 


— 342 — 


ſcheidteſte, was ein armes, harmloſes Weſen, dem fü 
Etwas begegnet, thun kann. — Hierauf folgt — ſehr 
paſſend. — gleichſam als Frontiſpice und Epigramm 
auf das Ganze, ſeine Obe (!!!) an basMichte, 
Das liebe Machwerf ift nichts mehr, als ein Be 
meis, daß Gottes Fluch: Du follft im Schweiße deis 
nes Angefichtes dein Brodt effen! — auch an biefem 
Eohne Adams in Erfüllung gegangenift, — Uns 
möglich kann ich einen ausführlichen Catalogue rai- 
sonne anfertigen von den zahlreichen Witzeleien, die 
nun folgen. -&s find wiederum meiftentheils Epäß- 
hen, die Herr Falk aus dem Vademecum ftahl, oder 
doch fremde Sedanfen in fremder Manier und wohl 
hergebrashter Form, verfificirt und zum dritten oder 
vierten Dale zu Marfte gebracht. Wollte man die 
Pfauenfedern alle anscupfen, fo würde die arıne 
Krähe ziemlich kahl daftehn. Herr Falk har uͤbrigens 
gar nicht einmal eine richtige Worftellung von der 
Satyre. Sein Wig ift nicht etwa ein heitrer fer: 
jender Genius, fondern ein heulender Abeſchuͤtze, der 
eine zu Eleine Bemme erhalte zu haben glaubt. Oft 
war mir während der Lektüre diefer fennfollenden Sa⸗ 
tyren zu Murhe, als läfe ich die Thränen ber 
Tochter Jephthaͤ von Hoſmanswaldau, oder Ben: 
jamin Meukirhs Leihengedihte Man leſe — 
ich bitte — die Zeitparallele zwiſchen 1701 und 1801. 
Mimmert und aͤchtzt Here Falk nicht in biefem Ge 
bichte, wie eine Grofmama, Über die Merderbtheit 
der zeitigen Jugend? Und ift es wohl Überhaupt 
möglich, etwas ofrenzerreißenderes und geiflloferes 
zu machen, als 5. B. folgende Verſe: 
Die urs uralte beilge Zeit 
Sie jolt und heilig bleiben, 


Keiu’k Granzmann's Herzendtrodenheis 
Ron binnen fie vertreiben. 


Doch fo lange Herr Falk blos lamentirt, iff er 
immer noch erträglicher, als wenn er ſich gar einfal⸗ 
ien läßt, fraßhaft ſeyn zu wollen; fein Witz wird 
in dergleichen fällen oft gradezu efelhaf. In 
einer- Lateinifchen Epiftel . B. fpricht die Geliebte 
eines Magiſters fehamlos von deffen partibus geni- 
talibus, — ja fogar von ihren eigenen. Iſt das 
nicht Kneipen= &cherj? und verdienten die epistolas 
obscurorum virorum wohl Überhaupt auf diefe 
Weiſe nachgeahmt zu werden? — Auch den alten. 
Sranzöfifhen Schwank: Le cocu battu et content, 
dat Herr Falk in Eginbard und Petronilla 
wieder aufgewärmt; ferner im. Iriſh Bull eine 
uralte Schildbuͤrgergeſchichte. Das Woher? vers 
ſchweigt er forgfältig, aber es läßt ſich überhaupt faft 
bei: allen Gedichten nachmeifen, und wenn ibm ja 
einmal die Idee des Ganzen. eigenthuͤmlich zugehörr, 
fo iſt wenigftens die Manier fremd. Wald ahmt er 


Blumauer, bald Goͤthe, Schiller, Bürger, Claudius, 
Mufäus, Voß, bald ganz obfure Schriftſteller nach, 


+ DB. Herrn Ehriftian Auguft Fifcher und Andere. 


Das Befte im ganzen Buche — obwohl an fich 
ein hoͤchſt mittelmäßiges Produkt, — iſt die Prins 
ceffin mit dem Schmweineräffel, Ein Paar 
gute Einfälle Sann man diefem Warionettenfpiele 
nicht abfprechen. Allein zwei oder drei Schwalben 
machen noch feinen Semmer, und fie find in Platt: 
beiten erjäuft. Für Herrn Falks Dichtertalente be 
weiſ't alfo diefes Puppen: Drama nichts, Weifalle: 
werth würde es nur dann feyn, wenn die Fabel eine 
ſymboliſch⸗ fargrifche Deutung zuließe, oder wenig: 


ſtens Häufig treffende Anipielungen auf die in 


Echwange gehenden Narrheiten angebracht wären. 
Don dem allen wird man indes nichts gewahr. 

Ferner müßte das Drama in wirklichen 
Knittelverfen verfaßt feyn; allein um diefe machen 
zu fönnen, muß man mit den feinften Gejeken der 
Verfification auf das innigfte vertraut feyn, niche um 
fie befolgen, — fondern um fie mit Gluͤt übertre 
ten zu koͤnnen; denn Knittelverſe find nicht etwa 
fhlechte Derfe, fondern geiftvolle Parodieen der 
ſchlechten Berfelet: — aber Hr. Falt fcheint fie nur 
anzufertigen, weil er unfähig uf, gute jur machen. — 

In der Dorrede wird ergählı: der Kerr Verf. 
habe diefe Sammlung felbft veranjtalter. — Das 
glaub’ ich! wer hätte es auch ſonſt hun fellen? 
Wahrlich: dergleichen Waare iſt vor Sammlern und 
Nachdrudern fiher. — Cs wird ferner erzahlt: daß 
jur Oftermeffe das zweite Vändchen berausfommen 
foll, wenn nichts dazwiſchen kommt; das beißt ver: 
muthlich: wenn nicht etwa das erfte indeß zu Ma: 
kulatur wird. Aber ich fürchte, ich fürchte — 

Mit Erhriftftellern, die für Meiſter gelten mol: 
len, muß es die Kritif genau nehmen, und ich habe 
es mir, feitdem ich regenfire, zur Pflicht gemacht, im- 
mer mit der Sprache gerade beraus zu gehn. Da 
aber mancher, der mich nicht Fennt, meine Ancnymi: 
tät irvig deuten koͤunte, fo halte ich für nöthig, grade 
biesmal meinen ganzen Namen ja unterzeichnen. 


K. Heinr. Leop. Reinhardt. 
Mythotogiſche uUmriffe 
Iſis und Dfirie, 

Schluß.) 
Die Gemahlin und Schweſter war Ifis, im 
Allgemeinen die Göttin der Fruchtbarkeit, Eumbol 
ber Erde, Aber der Bedeutungen, die mit ihrem 
Namen verbunden werden, find unzählige. Eie heißt 
bie Hertſcherin, die Fruchtbringende, die Königin, die 
Meerdeherrfchende, die Unbeziwinglice, die Triumphi— 


- 3 — 


rende (fie befiegte den Typhon) und: die — Unuenn: 
bare, Man dachte ſich unter ihr den Mond, die 
niedere Himmelsluft, die Erte, die ganze Natur. 

An fofern der Mond das Licht von der Eonne 
empfängt, — wird er Iſis genannt, und weib- 
lich gedacht; nimmt man ihn aber, wie er das erhak 
tene Licht der Erde wieder mittheilt, die Bewegun— 
gen der Gewaͤſſer beberrfcht, leitet, und zum Wade: 
thum der Pflanzen beiträgt, fo ift er männlicher Dias 
ter, und heißt: Dfiris. (So wie die Sonne bald 
Dfiris, bald Tophen genannt wird, je nachdem ihre 
Wirfungen wohlchätig oder werderblich find.) Daber 
die Borflellung einiger von beim doppelten Gefchlechte 
der fie, 

Die jährlich wiederkehrenden Deränderungen des 
Nils, fanden mit dem Vlonde, jener der gemäß, in 
genauer Verbindung. &oba.d dieſe mit dem Anfang 
des Frühlings begannen, feierte man den Eintritt 
der Eonne in den Mond, d. i, der Kraft und Wir: 
fung, die der Mond von der Sonne erhielt; in nıne 
ſtiſcher Sprache, das Vermaͤhlungsfeſt Ofiris und 
Sfie, Das zweite Symbol der Iſis if die Erde, 
welche der Mil befruchtet. (Makrob. Saturn. 1. B.) 
Sie wurde auch, wie die Rhea Enbele, als die Mut: 
ter ber Erde, und der Befruchtung derfeiben, mit 
Pauken und Schellen und Eijtren verehrt. Auch 
Dfiris ward oft als Erfinder und Verbreiter des 
Aderbaues genannt. Don ihm fagt Tibull: 

Denn er vertraute zuerſt dem Saamen der minfigen Erbe, 
Huch von unirudhtbarem Vaum, las er ſich reirende Fruſht; 
Lehrt' mit erfindiamer Hand juerl die Kräfte der Plus diaar, 
und mit bem Etſen durchwühlt er das beurbarte Band; 
xXuch den Stämmen vermsihlt, er dei Weinſtocks zartes Go 
webe, ; 
dem harten Gtahl fchrt er beidimeiden die 

Sruct. 

Da der Stier zum Pflügen unentbehrlich war, 
fo wurde er dem Dfiris gebeilige, Ueberhaupt war 
biefes Thier den Aegyptiern ein Bild der Staͤrke 
und der höheren Gewalt. Daher wurde DOfiris mit 
DOchfenhörnern gebildet... Bon dem Apis (dem Fe 
tiſch des Oſiris), glaubte man fogar, der Geiſt des 
ermordeten Gottes lebe und wirke in ihm for, — 

Keiner Gottheit ward mehr Weisheit und Wiſ⸗ 
fenfchaft zugefchrieben, als der Iſis. Schon ihr 
Dame bezeichnet einen Ueberfluß an Weisheit. 

Auch Iſis wird mit Hörnern om Haupte gebik 
det, weil fie zugleich mit dem Oſiris die Erfinderin 
des Aderbauss war, Dit finder man unter den Hoͤr⸗ 
nern am Haupte diefer Göttin, noch die Ohren eines 
Hundes. Sie follen vielleicht ihre Verwandtſchaſt 
mit dem Gott Anubis andeuten, den die Aegyptier 


und mit 


mit einem KHundefopfe (dem Bilde der Wachſamtkeit 
und Schlauheit,) darftellten: Andere nehmen an, die 
Hörner wären ein Cinnbild des Mile, und zeigten 
die Krömmungen und Arme dejfelben an. Daß die 
olten Dichter den Fluͤſſen Hörner beilegen, iſt ſehr 
gewiß. Wahrſcheinlicher üft es, daß die Hörner auf 
dem Haupte der Iſis ein Bild des Mondes, — def 
fin Symbol fie iſt, vorftellen. 

Außerdem trägt fie gewöhnlich eine Krone auf 
dem Haupt, ein Zeichen ihrer Pöniglichen Würde, 
Ihr Antlig verhüllt ein Schleler, weil die Gottheit 
dem Sterblichen ewig unergruͤndlich bleibt. Im my 
ſtiſchen Einne bedeutet Iſis auch die finftere Mate 
tie, die von der Eonne «Adfiris) erleuchtet und 
erwärmt wird, Ffis iſt die Materie, Ofiris die 
Form, Orus — was aus beiden hervorgeht, (eine 
bunfie Andeutung der fpäteren Hebraͤiſchen Krinirät.) 

Ein vollftändiges Bild der Iſis hat uns Cafas 
lius Remanus in feinem Werfe von den Gebräu: 
en der Alten aufbewahrt, woräber hier noch einige 
Worte gefagt werden moͤſſen. 

Die Geſtalt ift weiblich, erhaben, und mit einer 
Menge Hierogiophen und Eymbolen verziert. Auf 
dem Haupte trägt fie bie Federn eines Habichts, 
oder eines Falten, als des myſtiſchen Vogels des Dfie 
ris, ein Bild des Allſehenden, oder ein Bild der Ge 
fhwindigkeit, mit der die Sonne alles burchdringt. 
In der Mitte der Federn ift eine Pleine Kugel, die 
Weltkugel vorftellend, welche die Kraft der Sonne 
und der Datur, erwärmt, beftralt, befruchtet. 

is übe aber nicht bies in den obern Räumen 
des Himmels ihre Macht, fie erſtreckt ſich auch auf 
die Natur der Erde, Daher das um ihr Haupt ges 
fhlungene Diadem, eine Art Mauerfrone, mit Thür: 
men, den Wahrzeichen der Staͤdte geziert. Denn fie 
kehrte auerft den Menſchen (nach der Aegytiſchen My— 
the) Gefege, Ordnung und Eitte, und verfammelte 
fie in Erüdte und Mauern. is war ferner (als 
Luna) die Göttin ber Jagd, daher der Köcher, ber 
um ihre Schultern hängt, und das Hirfhfell, mit 
dem ein Theil ihrer Bruſt bededt if. Auch wurden 
ihr Hirfche geopfert. Die Flügel auf ihrem Ruͤcken 
find entweder ein Bild der Gefchwindigkeit über: 
haupt, mit welcher fie alle Winkel der Erde durch 
dringt, oder der Gefchwindigfeit beim Jagen, oder 
weil die Alten die Götter Überhaupt gern geflügelt 
darjtellen. 

In der Rechten trägt fie eine Schlange, das 
Bild guter Vorbedeutung. Daß die Erfcheinung eis 
ner Echlange ein günftiges Zeichen war, erhellt aus 
mehreren Mythen des Alterthums; fo, als die Athe: 
ner gegen die Meder bei Salamin ein Seetreffen 


liefern. wollten, und vorher eine Schlange auf einem 
Saite erſchien, nahmen fie es für ein günftiges 
en. 

In der Rechten hält fie außerdem noch ein Ku: 
der, weil fie die Beſchuͤtzerin der Schiffenden war, 
und von ihrem Einfluß (als Luna) günjtige oder uns 

—— — 








ünftige' Witterung abhing, — in der Linken ein 
ülborn mit Blumen und Aehren und Früchten, 
Iſis und Dfiris waren nah einigen, Kinder der 
Rhea und des Eaturns, ber eine Zeitlang in Aeghp⸗ 
ten regiert haben fol, 
Eh. Schreiber. 





Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 73 


m vorigen Jahre erzahlle man, Hr. won Humboldt Gabe im 
imerita Bölterichaften entdeckt, die Erde aßen; — ietzt preift 
man eine Erfinvuug Franzonifder Chemiter, mit — Kafe zu 
miamern, wenisftens aebrodnen Marmor fo qut als Heli, ums 
auflöstich durch Waſſer, iu verfürten. Dat ſich aus allen thie⸗ 
riidıen Eubitansen mehr oder weniger Leim bereiten laſſe, wußte 
man, glamb’ ich, lauaſt; — und find alle Gattungen von tier 
whichenn Leim nice emander am Tauglichkeit gleich? 

— Mod immer fiebs man auf den Enaliihen Buhnen 
Saraubar's Ihe beaux Stratagem (die Erugirlil,) mit en: 
tbnfairchem Beranigen, Giebt e# ſchon eine Berbeutichung des 
Erüdes? Wenn wir bei umierer Dürftigkeit an Original: Yus 
foielen, ums immer nur bei den Sranjofen nach Erſatz umpchen 
wolen, lauft umfer dramatiſcher Geſchniack Gerabr, fehr einer 
tig u werben. 

— pegalon, der bekanntlich feine Lehranſtatt u Buchſee 
an einen Freund otgetreten, bat cine angelegentliche Aufſorde⸗ 
rung erhalten, ma! zuedand gu cha, und Dort ein Ersiehungss 
Zufitut auzultzte. Er bat Vede, sungen armadır, Die ſeht bis 
lg find, und wahricheiniich werden angenommsm werden. 


And dem Ansbachtſchen. 
Au Köontal. Maietäten von Preuten im vortgen Jahr 
das Zi rftenotum Ansbach bepdten, ſo beitienen fie den hödsten 
Berg deeſes Bandes, den fegenammren Haſſelberag. Ihr Miegmets 
fer dabcı war der grafich Vappeubeimirdie Konſiſtorialrath, Kerr 
Redenbacher. Dieter eben ſo nerchichte als ſteilige Alrerchumss 
foricher, zelgte Ihren Maſeſtaten nicht allein bie Ruinen von 
Wallen und Wartriirmern, weiche die alten Römer auf heſag ⸗ 
tem Berge errichtel hatten, fondern auch die Laͤge und Nichtung 
des von ihm dm Zuſammenhang aujaerundenen grogen Komers 
wants, der (ich am Fuſſe jeues Werges von der Donau Lie zum 
hein hinziehe, und durch meiden „Die Mömsichen Granzen zwi— 
ſchen dieſen beiden Stromen gegen die pletzlichen Ginrale ber 
Germanen gedeckt wurden. Here Kedinbader jeigte Ihren Kor 
nigl. Mafeftaten damals ferner Die Richtung zweier Romiſchert 
Heerftraien, weiche eis Gegend durchichneiden, legte Junem- is 
nen Theil der im Furſtenthum Ansbach von ihm ausgegrabenen 
Romiſchen und Deutichen Antiquirtten ver, und überreichte bei 
diefer @elegenbeit der Königin Mareitat einen Nömikben Cvirab 
Ring und eine Haarmadel, der Prinzeſſin von Eoims, Konigl, 
Hoheit, und ber Durchlauchtigſen Erbprimein von Thum und 
Zarts aber, jtvei andere bon gearbritste antike Bingerringe. Im 
verdofenen Mionai Mai endlich diferte Herr Kouſtſtorialrath 
Mebenbacher, aui Allerhochſten Konigl. Vefehl, feine bis jetzt ger 
machte antiquariche portative Ausbeute dem Konigl. Antekentas 
binet au Berlin ein. Damr beſcheutt ihn die Kentgin eigen 
handlg mit einer prachtigen goldenen Tabatiere, auf welcher cim 
dam Geift des Altertbums vortreflich geatbeitetes muſiviſches Kundk 
gemälde fich berinder. Der Konig aber forderte Herrn Neben: 
bacher sicht allein im den huldvenefen Ausdrucken jur etfrigen 
Fortſetung einer bisherien giucttichen Nachrerichumgen af, 
fondern beicbeutrem ihu wid zu Eude Des Auguſts mit einer 
reich briltantieren goldenen Nevetirunr ner Kette, ferner mit 
einer amniehnlichın Beldumme zum Erſatz feiner bisher aufge⸗ 
wendeten often beim Nachzraben. In dem beigelegten Velo: 
dungsichreiben erbieit er Die grosniunage Konigl, Bertiberung, 
Dafi alle feine weitere Nadroridiungen durd die dazu methiuin 
Geldjummen umterflügt werden ſollten. Außerdem bat der Ads 





“ia verfügt, Daf einige der merkwürdiaſten und Gert erhaltenen 
Nömijchen Gebaude: Ruinen und Raſtelle, Durch Einſfaſſung vor 
tünftiger Serdorung gefidert, und durch Saulen mit Gtein« 
Abriften ſowohl die Richtuug der MNöminden Lanbr und Heer⸗— 
Nraken, als auch der richtige Lauf des Romerwalls, jener echtem 
Granie von Geimanıa Aapna, durch des füblichen Theil des 
Furſtenthums Anstadı dem ſorſhenden Wanderer der gegenwär— 
tigen Zeit und der Nachwelt, zur deichtern Anidauung augezeigt 
werden ſotlen. 

Eine Inihrift, auf der Erige bes Haſſelberges, im Feiſen, 
hemmt den Ort, wo ciuſt Guſtab Adolph fü, und von dem 
Miühreligleiten bes Tages ausrubete, 

Hier fegte ſich auch une König, und lieh durch feine Aeu⸗ 
berumgen dem Helden Gerechtigkeit wiederiabren. Dies (sat eine 
zweite Inichrift, jener gegenüber, Zum Andenken an den Auf 
enthalt der Prenf. Majeſtaten, hat man auf dem Berar einem 
leichten offenen Tempel erriditet, aus weldem an mac altcıt 
Eriten bin eine freie Ausſicht bat, vom welcher man ib nur 
mit Mühe trennt. Eben fo wird das Andenken durch einen 
ſtark beſuchten Jahrmarkt auf dem Verze erneuert. 

— Hr. Eonfidorialrath Medenbader hat sine Reiſe gemacht, 
um feine Nachſorſchungen bis nadı Frantiert am Hain fortzu⸗ 
denen, mund iſt jene mir der Ausarbeitung eins Werts bear 
tigt, dm weichen er bie RXeſultate feiner Forſchnngen dem Publis 
fung vorlegen will. Seine Eriheinung durfte dem Kenner ber 
Atersinmer fehor wilttommen jeun,. Miterlingangen dazu mas 
ven dabei dem Verfaſſer wohl su wünjden. 

Herr Redenbacher it übrigens bereits zum Mitgliede der 
Königl, Akademie der WW. zu Verlin ernannt werden. 


Theater-Nachricht. 

Allen auswartigen Theater⸗Direetionen wird hiermit bekannt 
gemacht, daß die Partitur der Operette: Fauchon das Beier 
madden, mebd dem Dialog, mur eimjig umd allein beim 
Gaprtimeitter Himmel in Beriim, Nr, 45 umter den Linden, zu 
baten iſt. 

Derigtigungen. 


% dem Nuffape fiber itori Gemalde von Füger und Maurer 
Hr. 208. des Freimuthegzen, Haben ſich beim Druck einige Feh— 
ler eingeſchlichen. — 
3.8, Seite 310 Zeile 39, wichtiges ſtatt ridıtiged Wort. 
Ju Der jweiten Epalte. Zeile 12, angehört, ſtatt anhört. 
i 13, Gewund, hatt Gewand. 
47. Feld, ſtatt Geis. 
Seite z11 Zeile 3, ſteckte, ſtatt Medkt. 
Erite 311 weite Spalte. Zeile 6. Belthrung, Mate Belohnung, 
Ebendaj. Zeile 15, ſteht datt des dort erwahnten Runſtiers 
Rahl, Rede, — Herr Nahl, ein geſchickter Zunſtler, iſt aus 
Heilbron, dem Geburtsorte Fuaers, und bereits durch michrere 
gelungene Kupfertige, worunter auch das Vortrait des Proi. 
Echmidt gehört, bekannt. Das erwahnte wird das grofite Blatt 
jean, Das wir noch von ibm haben. — 





Man hat die Gute gehabt, mir gu melden, dah Here Wera: 
ram ven Humboide wirttich Mitglied Der Bertiner Ale. der 
RER, ven. Ich wunt' es wohl, um» ich home Dal Derremige, im 
Ruckſicht uf den ich es nicht wien wollte, wenn ib dies Blatt 
in die Hauee ſallt, mich ſueuer verſtehen werd, als Die Hp 
Berichtiget. Der Red. 


1804. 


Nro, 217. 





ARDSIIDES, 


Der Freimuüthige 


Dienſtag, 


Ernſt u 


— — oder — 


nd 


den 30. Dftober, 


Sſcherz. 





Literatur 


Blumen aus ber Lateinifchen Anthologie, von 
Dito Grafen ton Haugwig, Breölau, bei 
Bart. (Tafchenformat.) 


bgleich fich Feine Lateinifche Anthologie fammeln 
läßt, die einen Vergleich mit der Griechifchen aus: 
hält, — fo ift es doch immer ein verdienftliches Une 
ternehmen, auch was der Römifche Boden an leicht 
Üüberfehenen, aber gewuͤrzhaft duftenden Bluͤmchen 
bervorbrachte, in den Garten der Deutihen Sprache 
zu verpflangen. Der Hr. Derfaffer diefer Anthologie 
bat eine gute Auswahl getroffen und meiftentheils 
gut Überfegt. Zur Probe Folgendes: — 


Die befrängte Nymphe. 
Elch, der Nommhe Gelock mit arüinemden Zweigen umwunden, 
Selber Fiebend, erfreum Pichender Thränen fie auch. 
Wögel täufchst der Zweig, und Liebende tauſchtt die Nemphe, 
Solch allmantiger Reis wehnt in der beiden Geſtalt! 


Xn or 

unter Morthengesweig, auf thauigem Raſen geftretit, 
Bay GCotberens geligelteer Sohn Im feſſelndem Schlummer; 
Eich, Im wallten Geroor, ans Plutos dunkler Bebauung, 
Die er, mit bresinender Gluth, im Beben geprinigt, die Echatten. — 
Yhädra zuerſt: Elch dar mein Edrüge; lafr und ihn binden! 
Schneidet dem Weiniger ab die Lorfen! withete Scylla. 
Zaufendfiltigen Tod dem Tuben! Medea und Procne. 
Jat wir ermorden mit ſchneidendem Ecdwerdt ihn! Gamane 

und Dido; 


Id, mit meinem Benweig, ſorach Myrrtza; — mit Feuer, Evader; 
Ich In der Fluttz! Arethuſa; — und ich im Brummen ibn: Nies, — 
Und, ſorach Amor erwacht, und Ih? — Ich Aieye von Daunen! 


“Die geheime Brieftafche. Erſtes und zweis 


tes Bändchen, Berlin und Leipzig, 1805. 


Elifa Bürger, die fo traurige Erinnerung ah 
Bürgers theuerm Leben, liefert mit dieſer fo genann 
ten geheimen Brieftafche ein neues fehr ungeheimes 
Produkt ihrer fein: follenden Poeſie, das feine Mett- 
beit und Gehaltloſigkeit nur, in der duft: und Frastio: 
fen Reihe papiernen Mefgutes mit fortſchwemmen 
kann. Die geheime Brieftaſche, in der man: 
der Wunder mas! zu finden wähnen mag, enthält 
nichts anders, als einige flache Frauenzimmer: Briefs 
lein, einige Declamationen und Reife = Anfiche 
ten, und Gedichte von und an Elifa, und die letzten 
(an Eliſa) find fo panegyriſch und dabei fo gehalt: 
Ice, daß nur weibliche Eitelkeit vermochte, fie nicht — 
geheim zu halten, Beſſer wär’ es immer gewefen, 
das Ganze wär’ ein ewiges Geheimniß gehlichen! — 


Poetifhe Schriften, von Samuel Gott: 
lieb Buͤrde. Zweiter Theil. Breslau, bei 
W. G. Korn 1803. 


Ungezwungne Heiterfeit, arte, nicht hohe, aber 
herzliche Kraftäußerung und eine natuͤrlich- leichte 
Correctheit charakterifiren diefe Gedicht, — Cie 
find in zwei Vuͤcher getheilt, Das Erſte enthält: 
Elegien nah dem Englifhen, melde anmuthige 


Faturfehilderungen find; ferner: Mlzire, fürs Deutiche 
Theater bearbeitet, und Don Eylvio von Ro— 
falva, eine fomifche Oper, die ſich aber. beide 
ſchwerlich zu einem guten theatralijchen Effekt eignen 
dürften, da ibnen Energie und Wechſelwirkung man: 
geln, und da fie etwas alimodifch feheinen. Dos zweite 
Buch hingegen umfaßt deſto gelungenere Dichtungen 
in verfchievenen Versarten, und beweijet Bürde's ge: 
ſchaͤtztes Dichtertalent reiner, 

8 — pl 


Merkwuͤrdigkeiten in Breslau. 


Mas mag mohl in Breslau Merkwuͤrdiges zu 
feben fein? diefe Frage wird von faſt allen Fremden 
gethan, fehr oft und fehief beantwortet und befriedigt, 
da der Dieslauer felbft oft nicht gehörige Aus: 
tunft zu geben, den Fremden alles Intereſſante zu 
nennen oder zu zeigen weiß. Für ſolche Fälle ſei diefe 
&fijje beftimmt, — 

Wenn die Fremden, melde mir durch bie 
Straßen führen, über die Anlagen bderfelben, über 
die Bauart mander Käufer ihre Anmerkungen 
machen, fo muß man nicht vergejfen, fie zu erinnern, 


dos, Breelau eine fehr alte Stadt und zu verjchiedes- 


nen zeiten, verfchieden nachgebaut worden iſt. Ueber 
all giebt es Gelegenheit, fie auf Alterthümer auf: 
merkfam zu machen, Mit Wohlgefallen werden fie 
bei der Betrachtuug des Gothiſchen Rathhauſes, in 
Hinſicht alter Kunft, der kuͤhnen Thuͤrme, und mans 
her Kirchen und Kiöfter verweilen; mit Achtung das 
neue Kammerhaus anſchauen und das Königliche 
Palais betrachten, in welchem Friedrich der Kins 
zige fo oft und in fo mancherlei Etimmungen lebte, 
dachte, ſchrieb und mirkte, 

Semeiniglich befeben Reiſende zuerft die Kirchen 
eines Ortes. Mir führen fie in die Kirchen der 
Etabt, erzäblen ihnen etwas von deren Geſchichte 
und zeigen ihnen die vielen feltenen Gemälde und 
Bildnerarbeiten, an denen fein Mangel if, Die 
freie, große Sandkirche, die majeftätifhe Dohmfirche 
mit ibren Kapellen, möffen auch einem Reiſenden, 
der ſchon viel gefehen hat, noch mandes Eehens: 
werthe bieten, Schade nur, daß felbft die meiſten 
Breslauer das Alles gar nicht Fennen, und — ken— 
nen mögen, 

Einen großen Umblick gewährt der Elifaberh: 
thurm, Laßt ihn einen fremden befteigen und wenn 
fein Herz nicht hoch aufpocht, nur bei dem herrlichen 
Anblid der Schleſiſchen Gebirgskette und des Zobten: 
berges mit der Veſuvs⸗ Z übouette, — anderer ſchoͤnen 
Anfichten nicht zu gedenfen, — fo muß er fiumpf 
feon. Freilich, — Taufende von Breslaus Einwohs 


nern wiſſen felbft nichts von biefem Genuffe! — 
Der Fremde ift vielleicht ein Gelehrter. Wir beglel: 
ten ihn aljo auf die Bibliotheken. Die zu Elifaberh, 
beut ihm eine herrliche Sammlung von Handfchrif: 
ten und viele feltene Werke. Dur erinnern mir ibn, 
nicht Alles, nicht die neueften Sachen aus allen 
Faͤchern zu verlangen; die Bibliothek iſt aus allerlei 
Vermächtnifen zufammengefloffen und ihr Vermeh— 
vungsfond iſt micht anſehnlich. Liebe er die Kunif, 
fo Fann er fih bier an einer ſehr beträchtiicyen 
Eammlung von Kupferftihen aus den befien Zeiten 
der Kunft und an manchen trefflichen Gemälden fruͤ— 
berer Zeiten laben. Auch finder er ein ſchoͤnes Denk: 
mal der Dankbarkeit hier; — Fülleborns Düfte, 
beſtellt von fiinen Schuͤlern, und vortreffiich gear: 
beitet von Mattersberger, einem wahren Gienie 
in der Bildhauerei, — Der Münzenfenner hat bier 
an einer guten Sammlung feltener Stuͤcke angeneh— 
men Genuß ju erwarten, und ber Freund von Curio— 
fis nicht minder, — Eben fo enthalt die Magdale— 
nen: Bibliothek gelehrte Merkwürdigkeiten, und die 
Dilderzallerie bei Magdalena verdient Aufmerf: 
feit. Die Gymnaſien und Öffentlichen Lehranſtal⸗ 
ten ſtehen den neugierigen Fremden alle chne Bedens 
Een offen. 

Auf der Sternwarte wird er, außer der ſchoͤnen 
Umficht, manche Denkwürdigkeiten fammeln, wenn 
er. nur feine Gothaiſche und ähnliche Anjtalten er 
wartet. — Die Bau: und Kunftfchule, Echtlerd 
Modellen: Cammlung, Korns Blcherfammlung, 
die Leſezimmer Streits, werden ihm nicht weniger 
Unterhaltung gewähren; eben fo Privat: Bibliorhefen 
und Kunft: Sammlungen, 

Es wird ihn nicht gereuen, an der Hand eines 
Kundigen, das Innere des neuen Kammerhaufes, 
des Rathhauſes und verfchiedener Kloftergebäude bes 
feben zu haben; er wird fi freuen, manches ſchoͤne 
Denkmal von Breslauifchen Künfttern zu finden, bie 
leider wie verborgene Blumen im Walde exiſtiren. — 
Gebäude und Anflalten, wie unfre Arfenale, die 
Dörfe, die Eafernen auf dem Buͤrgerwerder, das 
neue Kranfenhofpital und andere Hofpitäler, desgleis * 
chen Tauenziens Denfmal, der Hohenloheſche Gars 
ten, verdienen Beachtung. j 

Kaffeehäufer, worunter das Pfeifferfche durch 
Kunftwerke und Bücerfammlungen ſich auszeichnet, 
Klubbs, Echaufpiele, Konzerte, Gärten, find der 
Gelegenheit und den Umſtaͤnden der Fuͤhrenden und 
ber fremden Überlaffen. Es mangelt nicht daran. — 
Ob es Menfchen in Breslau giebt, welche werth find, 
dab man fie kennen lerne? bleibe jedem Kundigen 
ſelbſt zu beftimmen. 


— . 


Fremde und Einhelmiſche beurtheilen Breslau 
oft ſehr falſch. Ohne die Geſchichte dieſes merkwür: 
digen Ortes zu kennen, ohne daran zu denken, daß 
es die Hauptjladt einer Provinz iſt, daß es ein 
Handelsort und der &ig mehrerer Dikajterien iſt, 
daß es eine Menge Brgänftigungen, deren ſich 
größere Hauptſtaͤdte erfreuen, nicht gehabt hat; ver: 
langen fie — mufterhafte Anlage der Stadt, Pracht: 
gebäude alier. Art vom biflen und neueflen Ge: 
ſchmacke, vollfiändige Sammlungen gelehrier und 
Kunfttachen, ganze Scharen beruͤhmter Gelehrten und 
weitgeprieſener Kuͤnſtler, erjtaunenswürdige Anftal 
ten tür Gelehrſamkeit, Künfte, Handel und Ge: 
werke, die lietenswärdigften, 'angenehmften Geſell— 
ſchaften und Vergnügungsarten. fur; — einen wahs 
ren Künfteifaft von Athen, Paris, Berlin, Wien, 
Weimar, Odttingen und je welter, 

Ein Blit u die Geſchichte der Stadt (mie fie 
freilich nicht aus dem erſten beiten Buche zu erler— 
ner. it) würde ihnen das Wertandnik abfordern, «6 
ſey zum Bewundern, daß u noch fo viel 


babe und liefern koͤnne. 
... 


Berichtigung einiger Umflände in einer vom 
Dr. Poffelt gelieferten Biographie des 
General Kleber. 


& 
zo" einem Werke des leider, zu fruͤh verſtorbenen 
r. Poſſelt, „Xericon der Fransdfifhen Re— 
velutien, oder Sammlung von Blogra 
pbien der wichtigſten Männer, die fi im 
Laufe derfelben —— haben. Er: 
ſter Band. Mürnberg, bei Bauer und 
Mann 18502." erzählt derſelbe in der Biographie 
des Gieneral Kleber, den er felbit gefannt bat, und 
beifen frühere Jugendgeſchichte ihın nach feiner Aeuße: 
rung, von einem Augendfreunde Klebers mitgetheilt 
wurde, einige Umftänte aus derfelben, nehmlich (eine 
Bildung in der Militärs Akademie zu Wünden, 
und die Meranlaffung, wodurch Kieber in Deftreichi: 
ſche Dienfte trat, ganz unrichtig und falſch. Kleber 
mar in feiner Jugend nie in Münden, fondern 
in Münfter in Weftpbalen; er war nicht Mitglied 
des dortigen unter der Negierung des Kurfürjien 
Marimilian Friedrihd von Toͤn und Biſchof von 
Münfter, auf Betrieb und Anordnung des Minifters 


von Färftenberg errichteten trefflichen Militaͤriſchen 
Inſtituts, *) nicht felbft Gardiſtz fondern er diente 


=) Diefed Jufitut, deſſen lieder die Fürfilihe Garde im 
Yierde formieten, und moraud bie Dificiire bei den Kegimenr 
tern genommen wurden, barte Behrer im alien Wiſſenſchaften, 
und eine treiliche Einrichtung. Kurt Marimilian Franz 
aber bob 23 auf, weil er es ſur einen Beinen Staat — ein 
Birthum — am are fand” — Mus den Ladetten bei den 
RNegimentern wurden Die fabigften nad geisdehener Yrürumg jur 
Gard: genommen. Tiere hatte jmei Flafın aus der erſten 
surfen die Fabraften nad abgehalteneer Prürung in Die 
amweiie, und amd dieſer wurden mad dem Alter der Dienflielt 
De D,ficiere genommen, — 


als Cadet unter denn Artilferiecorpe, und befuchte 
als folder alle Yehrftunden jenes Inſtituts, wo in 
bem Zeichenjaale derjeiben,, vor der Preußiſchen Be: 
fekung von Muͤnſter, noch trefflich« —— von 
Kiebres Hand hingen, die jetzt allerdings merkwuͤrdig 
geworden find. — 

Det Fuͤrſt Kaunitz, jegiger K. K. Feldmarfcall: 
Lieutenant konnte ibn alto nicht auf einer ſchnellen 
Durchreife dur München, (mo Kieber fi, wie in 
dem Werke gefagt wird, grade megen einer begange: 
nen Inſolenſ — fie beſteht darin, daß er von dem 
Vinifter eine ‘Lehrftelle an der Afademie verlangt 
hate! — in Arreft befunden haben, aber bei dem 
angrfündigten Beſuche des Fuͤrſten In der Weilitärs 
Aladensie, als einer der beiien Zoͤglinge, mit deifen 
Kenntniſſe der Miniſter habe glänzen wollen, wie: 
ber lesgelaſſen werden jem :roll,) zufällig, oder bei 
der angeftellten Pröfung fennen lernen, und ıbn von 
daher mirnehmen; fondern dieſes geichab — und 
nicht auf die angeführte mährcenhafte Art, bei einer 
Prüfung — in Mühfter, mo der Fuͤrſt ſich vor: 
mals öfter aufhielt. Er,befige dort eine Comthurei. 
Kleber wurde ihm von mebreren bedeutenden ‘Pers 
fonen, als in junger geſchickter Mann von vielen 
Militärifchen Kenntniffen, empfohlen. Er nahm 
barauf Das Hnerbieten einer Dfficierftelle in Oeſtrei⸗ 
chiſchen Diensten, die ihm eine glänjendere Laufbahn 
verſprachen, gern an, — 

Die Art, wie Kleber nah Mänfter kam, ie 
mir nicht genau bekannt; aber ſchwerlich wird fie 
auch fo romanbaft feyn, als die Veranlaſſung in die 
Deilitäar: Akademie nah Münden zu geben, indem 
Werke erzähle wird. — Eben fo wenig weiß ich, 
ob er in Münfter, wie es dort von Münden beißt, 
gleich mit einer Art von Hof umgeben geweien, und 
von feinen jungen Cameraden als Chef betrachtet 
worden fey; aber das weiß ich, daß Alle, die den 
jungen, (dönen und geichidten Mann, in Müns 
ſter gefannt haben, noch gern und mir Achtung, — 
feine naberen Freunde, aber mit Freude, Kübrung 
und Wehmuth, von ihm jprechen. 

Uebrigens babe ich dieje Berichtigung nicht für 
unbedeutend gehalten; weil in dem Yeben berühmter 
großer Männer auch ein geringer Umſtand wichtig 
und die Wahrheit das Höchite if. — Poſſelt 
felbft hatte die Berichtigung, die ich ihm zugefchidt 
baben würde, härte ich das Werk eber aelefen, oder 
der Himmel ihm länger das Leben gefriſtet, gewiß 
gern angenommen; fo ſchmerzlich ihm dagegen viel: 
teicht auch die Bemerkung gemefen wäre, wie fehr 
oft feibft die Machrichten fogenannter freunde, ben 
Biographen taͤuſchen. — Wie mag et doch mit den 
Anekdoten in dem Leben mancher berühmten Männer 
aus vergangenen Jahrhunderten auefehen, deren 
Diograpbien erft wieder nach Jahrhunderten geſchrie⸗ 
ben wurden? 


— un 6. 


Die Maͤnnertrachten. 

Zur Natur und GSriechheit verſchönerte meibiiche Tracht ſich: 
Wie veritren denn wir uns in die bäklide Form? — 
Wie du auch mag? Wo Hohröditen bie Mode bervorſchäumt, 
Da will Griechiſcher Ginn auch ein — — 


— 314 — 


Aus Berlin. 
"ın 2gſten Oktober, 


Bericht fiber die Kunft = Ausitellung, 
An den Herausgeber, 


ier Wochen find as dent, Daß bie Musitellung ber Giefigen 
Kun Akademie angefangen hat. Geben Sonutag fa, find 
neue Arbeiten bimiugetommen, find viele der früher auigekchten 
anderd geordnet worden: jept Indeh glaub" ich dag mohl alles 
Beifammen ſeun, alies an feinen rechten Platz geftelit ſeyn wird; 
jept will ich mein Verſorechen erfüllen, Ihnen dem Bericht abe 
fiatten, den Sie don mir verlangten. 

Durch das erſte Gemach seh’ ih ſchnen him, Wi enthält 
glängende Beweiſe, daß bie hiefige Vorzellanfabrit unter ber ſo 
deſc mact / und einſichttvollen Beitung Rofenfieis, Immer höhere 
Toſtendung erlangt, und dak in Merlin alte Gewerbe, demem 
ihre Natur es triaubt, nad dem Kumftramge ſtreden, im vie⸗ 
iem Eriten ihm wirklich erringen: dech — bie eigentlichen 
Kümfe sieben mich härter an, und zum Schluſſe verweil ich 
vieuticht noch bier, 

Das jweite Gemach if mit ben Kunſtwerken ber Glefigen 
Bild hauetſchult gefiilit. — Gleich beim Eintritt fält einem 
mitten im Gemad eine hole, Aehende, weibliche Figur ind Auge, 
Ser dreiflich geardeitere, mit eimem Diabem geſchmuctte Kopf 
verbindet Schonheit, Anmuth und Adel auf eine hinreißende 
Weiſt. Ed war dem Künftier nicht ſchwer, dieſe Eigenichaften in eine 
leichte, matieliche Verbindung zu bringen. Der Kopf. ift nicht 
oral; ed ih die Büfe der Konigin. Der Körper, ich weiß 
nicht, mac weichem Borbilde gearbeitet, it, fo viel ſich durch 
das im vielen aber micht reigenden Falten herabhängende Gewand 
erfennen Taft, fhönz; aber feine Haltung mit fehr edel. mb 
Die Ider ded Ganzen? — Die Gortin tenge eine Himmelskugel 
im der Linten; die Rechte deutet nieder auf eine brennende Fackel, 
die gu Ihren Gihem Kegt. Mir dem techten Guße ruht fie auf 
dem Boden, mit dem Tinten tritt fie auf eine Schild⸗ 
trote — tt — 11 — Wielde Verwirrung von witeripredhenden 
Eumtolen! Die Himmelstugel deutet darauf, daß der Künfkler 
eine Gottheit darftclien wolte, die Bas Wertall beherrſcht, und 
die Erbilörröte IA das Sinnbild der Haäuslichteit für welde 
der Zirkel, Im dem ihre Pflichten liegen, ein Welten iR. und 
num vollends, die brenmende Fadel zu den Gühen Der Börtin! — 
Ja frage neugierig das Verzeichmig auf und finde: Hr. Car 
Wichmann biefer treiliche, talentvolle junge Kunitier, habe 
bier die Venus Uramia darſtellen wollen. — Eine Venus? 
Dann mußte die Tadel miche zu ibren Gühem liegen, ald wenn 
fie fie verachte. — Eine Venus urania? Dann war bie 
Himmeldtwgel fehr am ihren Vlatze, — aber wie Daht dieie 
zur Hauslichteit? Fühlte der Küngler nit, dem Wideriprud 
der beiden Gumbole? Das erite heilt, im Sorte überjegt: „alle 


umjuaffende, alibelebende Kraft; — Das zweite: „Sichenswür . 


dige, beſcheldne Beſchranlung.“ — Die bausliche ‚cheline Liere 
ift ed nicht, weiche die Welt beherricht, — Die Idee jcheimt 
mir fehlerhaft, auch went fie zum Theil von einer Buntite 
entlehmt ſeyn vote. Zum Glür zeigt die Ausführung Des 
Ganzen, dab Hr. Wichmann fein wirklich fehr ausgezeichnetes 
Zalent nicht lange daram geieſſelt hat: fie ist ſüchtig. 

Dieſer Gwpefigur gegenüber, liegt, ans Marmor gearbeiten, 
eime Bachantin, auf der Vorderſeite des Körpers, Der über 
aus foöne Kopf it gehoben; eben fo ber rechte Arm. Wie 
Hand teffelben halt eine goldme Giechtanne, die Iinte Hand 
eine marmorne flade Trinkſchaale. Das Ganze if äuferſt 
geftiig: der Körper hat eine reirende Güte; jehed einzelne Glied 
ife ion geformt umd geordnet, Dod —: der Kopf, ſo tiefe 
ib er ät, fo viel Teichten Lebensſinn er ausdrüdt, Gar gleiche 
webt, wie mir ed ſcheint, nicht reuende Trumtenbeit genug 
für eine Bacchautinz an den Dürfen, ver zur Parade balicat, 
find die einzeinen Heinern Mustelnpartien, wicht genug vorfpringend 





Nicht politiſche Zeitumg. Nro. 74. 


uud enblih die Aoldne Bichtanne HE — ein Epieimerk, 
Ib weih well, da6 auch bei den Alten Gold und Eiſenbein 
dem Marmor oft jugefeite wurde, aber biefe Merbinbima fheimt 
mir wenigstens geidhmaciof. Arbeitet dep Knnſtler ſein zanzes 
Wert aus Einer Materie, in Einer Farbe, fo erflärt er das 
durch, Dai er gar nicht Die Abſicht babe, einer andern Wahr⸗ 
beit nachzuſtreben, als der der Umriſſe der Formen, des Aus— 
drucks, — und wir geben und dem Eindruck bin, den 
er machen wollte, ohne weitere Forderung. Vermiſcht er 
aber Die Marerien, see er in einem‘ Theil ſtines Weis, 
wenn ib ſo fagen darf, bie Sache durch ſich ſelbſt dar, — 
wie hier Geld, durch Gold, — ja, dann erweckt er in und 
die Eriumerung, daß das Uebrige — nicht wirklich it, was e# 
darſteut z dann fordern wir unwilltührtich, dad auch der Mar 
mor nicht nur im dem Umriffen und Gormen, fondern auch im 
Gerbe m. ſ. w. wahr fen; wir erteunen mit Misvergmügen bie 
Schranken der Kun und gem umbefriedigt weiter. — Diefe 
Bacchantin it von Heu. Hagemann. B 

Son Schadow fichen drei ganıe Figuren hier: ein Opfer⸗ 
Emabe, der im Begriff ih, Weihrauch aus einen Mitar zu ſtreutn, — 
bie Gehalt ſowohl als die Gewander find rreilih und mit ber 
ber Saum gearbeitet; — Die Religion, eine gleichfalls fehr ſchon 
genrbeitete weibliche Geſtalt, doch ohne Attribute, — umd bie 
Seduld, Die aber ein wenig einfaltig ausficht: — bed das 
liegt vielleicht mist außer ibrem Charakter, 

Nachſt dieſen sieht ein vertierted Dval von Marmor, das 
awei Figuren umſchlieüt, am meilten die Blicke auf fi. Es 
find Bachus und Arladne. Bacchus, eime tratmade ſchöne 
Süngfingägefaft, fehr wiel Lüferne Vegehrtichteit im Blick, Oioven, 
Händen, balt Ariadeie — nicht auf dem Knien, — ſondern 
ganz eigentlich im Echoofr, zrolichen den Scheutein figend, alıo 
siemlich unanfändig. Sie, eine volltonmen reife, in der höch⸗ 
fien Bürhe der Schonheit Achende Mapddıengeftsit, bat die Aue 
gen 'niebergefchlagen,, umd ſcheint aleichfam wor, Schaam in ſich 
duſammen zu hinten. Der Eindruck des Qanıen if lebendig und 
aeralegz Imden if zu Gofen, Daß der Gott umd feine Echöne bie 
Gefäktigteit fir ihren Echöpfer haben werden, in ibrer reisen: 
dem Mrtitiide hpen au bleiben. Ständen fie auf: ich glaube, fie 
könnten feinen Edhritt ıhum, ohne gewaltig zu hinken. An beiden 
ſcheint der dinte Schentel cin wenig su lang gegen den Kechten. R. 


(Die Forticgung folar.) 


ud Bremen 


Das Gute bat gefisst. Der Manitrat hat dem Meichtuh der 
eeiormirten Germeinen betätigt, die Lutheraner find ihm beigetrer 
ten und am 19. Det. id Hr. Friedrich Korben aus Sühek (die 
beſer des Freimärbigen kennen ihn als einen der ſchazbar⸗ 
Ren Mitarbeirer,) zum erſten Lutheriihen Prediger zu Gt. 
Ausgarii erwählt, 


Yus Leipzig. 


Hier greift die ruchloje Hebergeugung immer Ahärfer um fich, 
das der Gbereditiateitiichende Kurfurt kein ausihlichended Priv: 
legium fur bie Dresdner Schauſpleter⸗ Geſeliſchaft in Beitchung 
auf Lelpzig ertheilten wolle, und dah Er es den Lewigern frei 
laſſen werde, auch auner der privilegirten Honchauſvieler⸗ Ge⸗ 
feitichnfe noch eine zweite, ihnen ſeitſt suftändige und peremmis 
rende Eutrepriſe auf ihre eigne Koſten aufjurıifen und 4m 
unterhalten. Im meuften Stuck der neucſten Ritllothet der 
ſchonen Wiſſenſchaſten ſoll fegır eine Abhaͤndlung ſteheu, darin 
bewirien wird, daß fell bie fogenannte Drerdner Heribaujbier 
ders» Geiellichaft eher der Stadt Veipiig als der Nehidens jger 
höre. Glucklichtr Erconda, um beiten Alleinbeſitz ſich nun schon 
die zwei erſten Stadte Hurfacdhiend, wie bort dm grauen Ulter⸗ 
tbume mehrere um den göttlichen Komerod, zu fireiten am: 
fangen ! 


1804. 


Nro. 218. 





ANSIIDES, 
Der Sreimüthige 


Donnerflag, 


ern f 


— — oder —— 


und 


den ı. November. 


© 6 er; 





Hollaͤndiſche Literatur. 
Nomd3; und Boſch. 
(Ein Fragment.) 


as ben durch feine Werke ruͤhmlichſt befannten 
SHolländifhen Dichter Nomsz betrifft, fo wird ihm 
gewiß — ohne ihn anmaßlich zum größten Hollaͤn⸗ 
difchen Dichter machen zu wollen, — niemand wahre 
Talente, lebhafte YLantafie, Überhaupt große dich: 
terifche Derdienfte abſprechen Eünnen. Sein Wik 
beim der Erfte, ift ein zuverläßiger Bürge dafoͤr; 
fen Oldenbarneveld, feine Gabriele de 
Vergy und fo viele andere feiner Trauerfpiele, ſelbſt 
feine Erbolungen (in zwei Bänten,) haben ent: 
ſchiedenes Verdienft. Er bot auch feiner Mation im 
Jahr 1789 eine fehöne Ueberfegung des befreiten 
Nerufalems von Taffo an, Überfegte den Eid und 
andere Franzöfifche Trauerfpiele, (die, dem Geiſt, dem 
Geſchmack und der Eprahe der Holländer ange: 
meſſener find, als unfre Deutſche Trauerfpiele,) war 
Mitglied verfchiedener gelehrter Geſellſchaften, Mit— 
atbeiter an verfhiedenen Journalen, und befaß Übers 
dem viele gründliche Kenntniffe. Noms zens Ar 
muth zur Zeit feines Todes Äft eine unbeftrittene 
Wahrheit; auch, daß er im Hofpitale Tlarb, leidet 
feinen Zweifel; — hatte aber wahrlich nicht Verach- 
tung feiner, oder im allgemeinen pottifcher Talente, 
‚zur-Urfache. Doms; war anfänglich ein vermögender 
Mann, hatte eine Zuderraffinerie, hielt Equipage, 
tebte gut, ja felbft reichlich; allein feine ganze nicht 


regelmäßige RETTEN fegte den Grund zur allmaͤh⸗ 
Hgen Abnahme feines Vermögens, und bemirfte am 
Ende fein gänzliches Verderben. Biel hat, nad fei: 
nem Ruin, feine Familie, viel haben auch feine 
Freunde für ihm gethan. Allein bie beftändige IBar: 
tung und Pflege, deren der Mann bedurfte, (melde 
ſeine Toter Mad. Trentelmann ihrer Erziehungs : 
Anftalt wegen nicht leiſten Fonnte,) die Koften feiner 
Krankheit und Erhaltung, und aͤhnliche Brände, ver: 
anlaften endlich feine Freunde, ihn zu leichterer oder 
einzig möglicher Erfüllung diefer Zwecke, im Hofpi: 
tale unterzubringen, mo er wenige Wochen darnach, 
(am 25. Auguft 1805) ſtarb. Die meiften feiner 
Theater: Etbte werden noch jet häufig und mit 
großem Beifalle gegeben; und er bleibt allerdings 
mit Recht in der Reihe der Hollaͤndiſchen Dichter 
auf einer der erften Stufen. 
Nicht minder merkwürdig, aber mit bei meitem 
weniger wahren Verdienften und Gaben aus geſtat ⸗ 
tet, war der gleichfalls in aͤußerſter Armuth geftors 


‚bene Hollaͤndiſche Dichter und Prediger Bernardus 


Bosch. Diefer-»in der Holländifchen Revolutions— 
geſchichte nur allzuberuͤchtigte Mann (den man nicht 
mit dem berühmten und beliebten Dichter Bernardus 
De Bosch, ber fhon fräher farb, vermechfeln 
muß,) mar erft Prediger zu Diemen, und nachher 
Kepräfentant des Bataviſchen Volks, und hat noch 
im vorigen Jahre, bei einer vollftändigen Ausgabe 
feiner Gedichte, eine Auto: Biographie geliefert, die 
ihn vollkommen harakterifirt. Schon im Jahr 1787 





mußte Boſch fein Prediger: Amt niederlegen und 
Emeritus (Salvo honore) werden; und von ber 
Zeit an ward er ein Vielſchreiber. eine Kanzel: 
Beredſamkeit und feine Gedichte, hatten ihm einen 
Mamen gemacht, den er durch feine politifche Yauf 
bahn verdunkelte. Meiſtentheils befchäftigte fich 
Boſch, feit der Revolution von 1795, mit Journa⸗ 
len aller Art, und aus feiner Feder floſſen wichtige 
und unbedeutende, wahre und verkehrte, humane 


und inhumane, profaifhe und poetiſche Gemälde, die 


olle einen an Erfindungen fruchtbaren Geiſt verrier 
ihen, aber leider! feinem Herzen wenig Ehre mach 
ten, Er wars, der die berüchtigten Journale ſchrieb, 
die auch im Auslande befannt wurden, und wovon 
ich hier einige anführe: 

„Der politifhe Blitz (bald unter dem Namen 
Bürger, bald unter dem Namen Herr.) (de 
politieke blixem). 

„Janus Sohn des Janus, (Janus Janus- 
zoon.) 

„Die Etaats:-Zeitung- (Staats- Courant.) 

„Der Telegrapb u. f. w. 

Unter feine bejfern Werke gehören: 

„Der Geift der Niederländifhen Did: 
ter, nach Riedels Theorie entworfen, aber — 
nicht fortgefegt, weil, wie er feibft fagt, die 
Buchhändier dagegen — protefiirten, 

„Lavaters Lieder, (überfegt.) : 

„Der Menfhenfreund, (den er mit Nieumens 
huyzen 1788 berausgab.) 

„Der Freund des Öottesdienftes, (den er 
mit dem berühmten theologifchen Profeſſor Vs: 
brand van Hamelsveld berausgab.) 

Am zten Februar 1798 word Boſch Präfident 
der conftituirenden Verſammlung, deren Loos aus der 
neuefien Geſchichte bekannt iſt. 

Dofh farb im December 1903 (glei dem 
Dichter Nomsz, allein aus fehr verfchiedenen Grün: 
den) in Außerfier Armuth: aber man büte fi, aus 
diefen beiten Beifpielen zu felgern, daß die Hollaͤn⸗ 
der ihre Dichter verarmen oder verhungern loffen, 
und Dichtfunft nicht fhägen, Sie fliehen höchitens 
mit allen übrigen Nationen Europens auf einer 
Etufe, und kommen freilid den Griechen und Rd: 
mern eben fo wenig gleih, als die Engländer, die 
Staliäner, und felbft die Deutfchen, die menigftens 
alle in diefem Punkt (was Schaͤtzung und Beloh— 
nung der Dichter angeht), mit mehr Grund den Fran⸗ 
zofen nachzueifern ſich beftreben follten, als in fo wie 
ken andern unnüßen, läcerlichen und fehr tadelns: 
werben Punkten. Holland, das in einem kleinen 
Bejirk fo viele verdienfivolle Männer und gelehrte 


Geſellſchaften hat, zeichnet ſich auch dur viele po& 

tifche Sefellfehaften aus, die durch Preisaustheilun⸗ 

gen, Ehrenbezeugungen und befondere Belohnungen, 

ihrer Dichter Verdienſte erkennen. &# ift im Haag 

ein „digtlievend Genootschap* unter dem Einn: 

ſpruch: „Runfliebe fpart keinen Fleiß", de 

ren Etifter, Prediger van Spaan, im Haag 1709 
farb; fo ift in Rotterdam ein dicht-en letterlie- 
vend Genootschap unter dem Sinnſpruch stu- 

dium scientiarum genitrix; in feiden eine 
Taal-en dichtlievend Genootschap, die den Wahl: 

ſpruch führt: „Kunft wird durd Arbeit erlangt“: in 
Amfterdam eine dicht-en letterlievend Genoot- 
schap, durch Bernard Boſch und Brender a Bran- 
dis 1783 errichtet; in Gouda ift felkft eine ſchon 
1437 errichtete und 1785 erneuerte Kamer der 
Khetorykers, deren in Harlem zwei find, von 
weldhen die Mitglieder fi noch jährlid am Meu: 
jahrstag poẽtiſch begrüßen. Alle diefe, und noch viele. 
andere, feßen jährliche Preife auf die fchönften Ge⸗ 
dichte aus, mie ich 3. B. unter den gefrönten einige 
vorerefflihe auf den Frieden, auf das neue Jahrbun: 

dert, auf berähmte Männer, auf große Kriegs: und 

Naturfcenen fenne, die mit goldenen und filbernen 

Medaillen belohnt wurden. elbſt erinnere ich mich, 

dab die poẽtiſche Gefellichaft zu Leiden auf das ſchoͤn⸗ 

fie Gedicht über die Einimpfung der Kinderblattern, 

eine Preisfrage (ich mieine, im Jahr 1792) ausge 
fprieben hat; und der damals noch lebende berühmte 

Dichter und Chemiker Kaftelegn zu Amfterdam bie 
goldene, und Maria Petronella Eiter, (eine geborne 
Woeſthoven,) die ferne Medaille erhielt. Ich 

koͤnnte noch von andern Ehrenbejeugungen, die den 

Dichtern bei ihren Lebzeiten, und von Monumenten, 

bie ihnen nach ihrem “Tode errichtet wurden, (J. B. 

einem Vondel, und der unfterblichen Dichterin Fus 

fretia Wilhelmine van Merfen, Gattin des Dicgters 

von Winter) fprechen; allein die Geſchichte ruͤhmt 

ja überhaupt fhon die Holländer in diefer Hinficpt 

genug, und Kofters und Erasmus Bilffäulen 4m 

„Harlem und Kotterdam, find treffende Belege zur Er 

kenntniß der Dankbarkeit bei den Holländern. Webers 

dies haben beinahe alle Matienen Europens nicht 

minder den Vorwurf verdient, daß fie die Verdienjte 

der größten Männer, befonders der Dichter, bei ib: 

ren Lebzeiten nicht anerfannten, noch belohnten. Wie 

lebte, wie ftarb Homer? Mas mar das Loos eines 

Milton, Steele, Droden u. a, bei den fonft fo ge: 

rühmten Dritten? Der berühmte Taſſo? So viele 

Deurfche Dichter? Wie murden fie belohnt? — 

Mein! Dan fage, mas man will, der Holländer lie: 

fert gewiß mande glänzende Beifpiele, an denen ans 

dere Nationen er ſpiegeln Fünnten, und die Nüge, 

die kuͤrzlich, auf Deranlajfung des Todes der beiden 

in der Leberjchrift genannten Dichter, in einem Fran 

söfifchen Blatte gemacht wurde, ift im Allgemeinen 

eben fo unverdient, als fie in dieſem bejondern Falle 
ungegründer war, 

Amfterdam, im Dft, 1904. 


- 351 — 


Anekdoten von Fürft Leopold I. zu 


Anhalt: Deffau. 


Tara Leopold I. zu Anhalt: Deffau, gewöhnlich der 
Schnurrbart genannt, mar ein baricher, rauber 
Dann, aber dabei doch gut und menfchenfreundlich, 
Er war in feinen Handlungen oft_jehr originell, 
doch dürfte dieje Driginalität nicht zur Macdbildung 
ju empfehlen ſeyn, am menigfien in unſern Tagen, 
wo ein Fürft, deifen Handlungen faft inımır das 
Gepräge des rauhen Kriegers trugen, wenig Glüd 
miochen möchte, Diele Anekdoten erzählt man fich 
noch jebt in dem Sande, das er einſt beherrſchte: 
wovon bier einige mittheilbare — denn bie größere 
Zahl davon ift nicht für das Publifum geeignet, — 
felgen follen, 

Er ging einmal in Bernburg Über die Saal— 


bruͤcke, und ſah da «inen Gaſſenbuben mit — auf gut . 


Deutib, — mit einer Rotznaſe fichen, 

„unge, wifch' dir die Naſe!“ rief er ihm zu, 

„Ich babe kein Tuch: erwiederte diejer, 

Yeopeld griff in die Tafche, und gab ibm mit 
den orten: „do, kauf’ dir eins!” einen Gulden. 

Tags darauf ging der Fürft wieder Über bie 
Bruͤcke und eine Menge Gajfenbuben mit gar un: 
geichneujten Naſen ftanden da, alle in der Hoffnung, 
Gulden zu erhalten, aber — der Fürft ging laͤchelnd 
vorüber, 

Als einft bei einer Zufammenfunft der gefanıms 
ten Anhalt'ſchen Landſchafts Depurirten in Deſſau, 
ein Cothen'ſcher Bürgermeifter nicht nach feinem 
Willen votirte, ſchickte er ihm feine Equipage, bieß 
ihn fich einfegen, ließ ibn bis auf die Hälfte des 
Weges nah Köthen fahren, mo er ausfleigen, und 
die andere Hälfte des Weges zu Fuße machen mußte, 

Einf fam ein junger Hufaren: Officier ale Or: 
donnanz zu ihm, nahm die Muͤtze ab, und verbeugte 
fi tief, Der Fuͤrſt, welcher im Hemde am Lanıin: 
feuer fand, erwiederte diefes antimilitäriiche Vene: 
men damit, daß er ihm die Zunge entgegentredte, 
und ihn dann mit Fluchen und Edimpfen fortjagte, 
Der Vfficier kam bierauf zuräd in das Zimmer, be 
bielt feine Müge auf, und fragte lärmend und pol 
ternd nach dem Feldmarſchall, welcher doch vor ihm 
Rand,. Der Fuͤrſt verfland glei, mas das heiken 
follte, ließ ſich fehleunig Degen, Hut und Feldbinde 
geben, bekleidete fich damit, doch ohne fonft etwas 
mehr als das Hemd anzuhaben, empfing den Map: 
port des Officiers mit freundlicher Miiene, und bat 
ihn aledann zur Tafel, 


Bei einer Zufammenkfunft der Anhalt'ſchen Land: 
ſchaft, welcher er ſtets mit beimohnte, war ein Berns 
burgifcher Drputirter ei Anfruftion gemäß, nicht 
der Meinung, welche Leopold durchfegen mollte. Als 
bieranf bei der Tafel die Gefundheiten der Kürften 
ausgebracht wurden, veranlaßte er, daß die des Fuͤr⸗ 
fen von Bernburg nicht ausgebraht ward. Der 
Dernburgifhe Deputirte, die Ehre feines Herrn zu 
behaupten, forderte hierauf ein großes ©las, und 
trank felbit auf das —2* ſeines Fuͤrſten. Leopold 
achelte, uahm aber dieſe Revange nicht übel auf. 


Die Geſchichte ſeiner Liebe und die fönelle Der: 
mählung mit einer Buͤrgerlichen, Louiſe Foͤſe, wuͤrde 
ein anziehendes Gemälde geben können, wenn ſich 
ein genau Umterrichterer der Mühe ihrer Mitthei 
lung unterziehen wollte. Bis jegt findet man noch 
nirgends eine Erzählung derfelben, befannt, fo 
wahr und fo einzig fie auch iſt. Solite man fietnoch 
jeht, nachdem ion 104 Jahre feitdem verfloffen find, 
unter dem Exbleier verbergen wollen, ber fie bisher 
dedte? — Die Zeit enthüllt ja doch alles, reißt ja 
den Vorhang von (dmärzern Gemälden, warum mill 
man biefes noch dahinter verborgen halten? S. 


Noch ein bedeutendes Urtheil über Weiſſers 
acht Romanzen. 
„ Barum‘ rief zürnend der Muſen Cine, 
„Nur acht Komansen und Wir find neuner" 


er Meiffer fcheint mir im aͤchten Komanzenton 
alle feine Vorgänger zu übertreffen. Seine DBerfis 
fication, wie leicht! Die gewählten mwechfeinden Syl⸗ 
benmaaße, wie parfend! Die Klippe der Digreffionen, 


wie ganz vermieden! Der Witz, die Anfpielungen, wie 


leicht herbeigeführt und doch mie uͤberraſchend! Das 
Ganze wie gerundet! Die Fabel wie gluͤcklich benupt! 
Die neueften literarifchen Thorheiten, wie komiſch ae 
rögt! — Kurj, ein leſenswerthes Büchlein. Einige 
Komanzen find umgearbeitet, wenn anders diefer 
Ausdrud nicht zu wenig fagt; denn oft blieben nur 
wenige Erropben. Die Vergleichung der alten mit 
der neuen Arbeit, wird jedem Kenner des Schoͤnen 
Vergnügen gewähren. Möge der geiftreiche Verfaffer 
auf dieſer Yaufbahn rüftig fortfchreiten. Nos has 
novimus esse alıquid. Lep. 


: ragen 


2) Worum bar Klopſtock die Ode: „der Adler" 
nicht in feine Sammlung aufgenommen? Sie ges 
hört unftreitig zu feinen beiten. 

2) Warum it Marthiffens Iyrifhe An: 
tbologie, wovon der 9. und 10, Theil naͤchſtens er: 
feinen, in einigen bedeutenden gelehrten Blättern 
noch nicht angezeigt ? 

3) An einem „teutfhen Epiel von ber 
Aufrur der erbarn Weiber zu Rom wider 
jre Männer, gaejogen auf Aulo Gellio 
durch Leonbardum Qulmann von rail 
beim (mahrfceintich vom J. 1544) fagt Cornelia: 

„won wir mit in den Beutel forinaen? 
fpringt dann vor, und fingt: — „Eee dir den Bew: 
tel, fo hab dir den Beutel! der Beutel iſt gefpruns 
ge x. — Iſt diefes Epiel noch befannt? Worin 
eftand's ? f 

4) Was trägt bauptfächlih dazu bei, daß die 
Tafhenbähermode fo lang’ anhält? 

9) At die Cage wahr, daß Lafontaine nur 
Herausgeber des Flaming fen 

6) Bezieht ſich die elle in Gleims Sieges— 
liebe nach der Schlacht bei Life, vom „Echmwarme 
der Hofratbsmwaffen trug,“ auf einen im J. 1757 
befannten Scherz, oder bat fich der Dichter diefe 
fonderbare Abkürzung erlaubt? ©. 


a U U ae 


— 332 


Nicht-politiſſche Zeitung Nro 75. 


Theaternachricht aus Berlin. 


An 29dem Dit. gab man zum erfienmal: Die Erben, Bulk 
(vier in pier Atten, von adbame Weifientburm, 
Diefg Dichterin erwirbt fi dummer mache Merdiene wm bie 
Dautibe Bühne Züre Stucke, wenn fie gleich wicht ſehr hoht 
fünfierifche Borsüge berigen, unterhalten dod immer auf eint 
der angenehme Weiſe. Die Fabel des gegenwärtigen iR: 

Eim alter Graf vom Bihlen batte feinen Sohn verkoßen, 
wet er eine Würgerfiche geheirathet, aber feinen Ente lieh er 
mit Sorgfalt erjiehen. Wurf dem Todbette gereucte ihn feine 
Härte, und er Fegte feinen Sohn zum Erben ein. Man hat indeh 
feit 23 Jahr von Diefem Solme nichts aehört; der Eutel it auf 
Peifen, und ein Varon Henning, fein Kormund, macht eine 
Menge Yläne, einem groien Theil von dem Vermögen feines 
ündels am ſich zu reißen. (Er Läft feine Tochter aus England 
dommen, in der ihßcbt, daß der junge Graf Geh in fie verliehen 
und fie heiraten fol: aber das edle Madchen meigert fich durch⸗ 
aus, in die babfüchtige Abficht ihres Vaters einzugeben. Er har 
ein Gut des Chrafen ganı wohlicil werpuchktet, ſich aber von dem 
Pächter eine sche beträchtliche Nebenfumme ausbedungen. End⸗ 
ti, da er fieht, daß der junge Graf mit großer Zärtlichkeit au 
dens Andenten feines Waters, dem er übrigens mie geichen bat, 


häwgt, macht er und ein andrer Gauuer, eiu Rath Wallmann,, 


dem erwäfnken pachter den Porſchlag, ſich für dieſen Water aus⸗ 
gugeben, wobei ſich beide ichr bedeutende Wortbeile ausbe⸗ 
Dingen. Der Pachter nimmt den Vorſchlag an, aber er — if 
wirtiich, worür fie ibn ausgeben wollen; er giebt fich flinen 


Sohne ju erfenmem, und die Betruͤger werden anfe Empfindlichite 


Beidhämt. Judeß bat ſich der junge (rar in das edle Frau⸗ 
fein Henning wertieht; fie liebt ihn mar auch, doch erſt die 
Sleten feines Waters bewegen fie, ihm- ihre Hand zu arbem. 

ram ficht wohl, daß bieier StoF au einer Dienge fomifder 
Ecenen benutzt werden konnte, und bie Verfuferin hat es wirt 
Le ichr aut getham; fo gut, das man ihr die pielen unmwahr 
ſceinlichteiten im der Handlung gern überficht. Die Charaktere 
find lebhaft gezerchnet. aber — der alte Graf ausgenommen, der 
ſehr gut angelegt und arbalten il, — far alte fehlerhaft, Die 
lifiigen Betruger find zugleich jehr Dumm; as edle Madchen if 
wisteich Aderivame; dgr Junge Graf it augleich ein Muger und 
ubereifender Zimgling m. (. w. Das Gute haben Inder fa 
afte Haupicarattere, daS ſich etwas ſehr Vorzugliches aus ihnen 
massen daft, wenn fie im geſchickte Hande fallen, und das fand 
bei diefer Vorkenung Statt. Ifamd gab tem Baron Henning 
und fpielte ibu fo, dak man dieſen Charafter für eimen der mei 
ferhafteiien hatte halten follen, Die je für die Bühne gezeichnet 
worden, NAralit, Hodmuth, niedrige Habſucht umd Einjalt war 
ven die Eigenidaiten, bie er omäjubrüchin hatte, umd er bob in 
feinen Reden tauſend Fleine Nuanten fe wahr und fein heraus, 
und fegte durch ſein Aummmes Seiel jo viel andre noch hinein, 
Baf die Darfiehung hohe femiiche Kraft, und zugleich die 
bödnpe vſuc ologiiche Wahrheit hatte, Borjitglih in ber Scene, 
da er alle feine Plane enthullt fiebr umd vom alten Graien ber 
feat wird, hand er mit einer ie zertuitichten Miene, in fo 
ausbrudsvoller Ereltung da: wäre er in diem Augen blick zur 
Mildfanle geworden, er wäre Die vortrefflichde Perjonimcation 
entlarvter, gebemüthigter Mieorigkeit geweien. — Auch Hr, Ums 
jelmann spielte den Ralh Wallmanı sche gut, doch it biere 
Nolte wicht fo reich am Gelegenheit um glänzen, als die erae. 
— Hr. Rembard führte den alten Grafen mit Krait und Ruhe, 
mit Wirde und Einfachheit durch. — Die Role des Fraulein von 
Henning iR eine ber idwierigften und undantbariten, die es giebt. 
Gine junge ernfihaite Gittenpredigerin, eine tier r gefuhlvolle Lieb · 
baberin, Die lange, mod dazu oit ichleditikitifirre Reden herzuſa · 
gen bat, mitten unter Lomtühen, lebhaften Eharafteren: es lat 
fich ſchwertich eine nachtheiligere Eituarion deuten, Die Mebus 
fübete indes Dieie Nolte, durd ihre else unterſtützt, worteeilich 
and, Cie He die Lange ihrer Reden durch jorafaltige Abwechſe⸗ 
tung und Miancırung des Tones, Das Vrecidie derſelben, durch 


Hohe Wahrheit im Vortrag und Spiele, verſchwinden, unb fo ger 
fang es ihr, — gegen deren Talente und Zleih im Wiltenreinen 
eine jeher uugerechte Kälte herrſcht, — im einer Role, die, weit 
ensjernt, die Kunſtlerin zu unterſtützen, grade dazu geeignet if, 
fie uiederrudructen, und die eben deshalb ſchwerlich eine der ber 
wuuderteren Schauſpieterinuen übernommen hätte, — zu unwill⸗ 
kihriichem Beifall hinzureihen. — Die Rolle des jungen Grafen 
hatte Hr. Benm erbalren. Er foielte fie mit Ausdruct, aber 
Abm fehle noch feiner Andand und Bewandheit. —. Die ütrigen 
Roken find mmbebeutend. Das Stuck ward mit groben Betfatl 
aufgenommen. 4%. 


Der berühmte B of hielt ſich einige Beit In ber Nähe vom 
Etattgart, bei dem würdigen Piarree Buſch im Untertürtheim, 


» auf. Wir haben von Jenem bald eine metrifche Ueberfigung 


des Theocrit, Biom und Moſchue, mit reichhaltigen No— 
tem zu erwarten, 

Hr. Auguſ 6 chlegei reift mit Frau von Stael nad Rom. 
Er konnte in keine beſſere Sande dallen; denn Grau v. St. 
nimmt mit der grogten Warme die Partie der. meiſten von 
ibm (mac feiner Meiuuua) angegrigfenen Schriſtſtener, und ber 
weit ibm mit eimer Lieberiegenbuit an Wie wogegen er nichts 
vermag, das Thorichte andkacherliche feiner äſthetiſcheu Domani: 
xoterie. Nachttens wird auch H. Fr. Schlegel bei frau von Stael 
anlıngen, 

Gothe fol feinen Fam vollendet, aber zu einem Opus 
posthumum beitimmt haben. ö 

Matrthifien folte im DE. d. I. (don eimer Neife nach 
Eavoven, auf weiber er dreimal in augenibeinlider Lebeusge⸗ 
fape war) in Deſſau eintreffen, — 

Chladni’d Elaviers Eplimder wirft im eimem Keks 
nen Zimmer, und bei felerlichen, ernten, wehmuths aus ſor echem 
den Melodien weis beſſer, als in einen Saale, und wenn eine 
heitere Stimmnung erregt werden sol, Zum lepteren Zwecke 
möcht! #6 eigentlich wahl nie taugen. . 3 


Etuttgart, den 20, Dftober 1904. 


No wird von Fflamd Gier mit Begelſteruug geſorochen. Er 
widerlegre den sanen: Minut praesenua Famam, umd befas 
tigte Selingb Wort; B 
„Ban wma ſich in Natur verwandelt, 
„Dann bat Natur mit Kun gebandelt, 

Wohl uns, dan wir im nacftkım Jahre Den groien Mimitet 
amd Eprecher wieteriehen! — Bobs farb, Ein wichtiger Bere 
tun für unfre Bühne. Beine ſchone Witwe ſoſelt briomders beir 
tere raive Roulen gut. Weberling verdient unſern warmen 
Dant. Er ia aß Edianfeicker und komicher Sauger gleich ums 
enibehriih. Pauli und Biusens ſtellen ſehr vielt Noten 
tredlih dar, Wirßte tegtever jeinen Tom zu mildern, er geñele 
noch mehr. Schmidt beweit Routine, Haniſch, Eiier. 
Kappler läßt in einigen domtichen Rollen nice undefriedigt. 
Das Reilifche Ehepaar tauſchte une Erwartungen. Madem. 
Grosſeck finder im mandıen Rollen Beifall, Mad, Leipnig 
i eime wahre Kegwinitionw fuv mer Theater, Maden, Boheim 
fingt vorzrefftich, vud ihe Spiel iſt nicht abe, Sanger Krebs 
wird uns von alte, Theatern, wo er als Gad auftrat, gemih bes 
neider. Wie uunscabmiid bon er unlangft im Kalifen von 
Bagdad Imdb im Don Juan, die berriiden Compoſitionen 
verlebendiate — Neue grdfere Gräfe werben felten gegebin; als 
lein die Zabl ber gutem, welde der Cafe fortbaurend Nugen 
Bringen, find auch schen. „Das war ich” enthalt unſchicklich ⸗ 
keiten, wird du frei dargettellt und gelangt wohl ſchwertich sur 
dritten Mumubrung. Better Tacob made immer cim volles 
Haus, Der Arato geiallt Gier nicht, Converfatton 
fit te, beſonders, wenn fie Frarubſiſchen Urforungs find, wmistins 
gen großtentheils anf umirer Bühne — Woher kommt es, daf 
trog alten Ko ſten und Bemüubumgem, bas Stuttgarter Thea ⸗ 
ter nicht einmal mit dem Manhtumer und Hamburger wetter⸗ 
fern kann? — . 


. 





1804. 


Nro. 219. 





ARISTIDES, 
Der Sreimütbhbige 


Greitag, 


ern f 


und 


den 2, November, 


Sdher, 





Literatur 
Verſuch einer Aeſthetik der Toilette, oder Minfe 
für Damen, fih nad den Grundregeln der 
Malerei geſchmackvoll zu kleiden. Herausgege⸗ 
ben von Ernſt Müller und F. G. Baumgaͤrt⸗ 
ner. Mit ı8 bunten und ſchwarzen Kupfern. 
Leipzig im Juduſtrie⸗ Comtoir. 


ines von den wenigen Buͤchern, von denen ſich 
faſt nur Gutes fagen laßt, Sollte es das ausgebreis 
tete Publitum finden, das es verdient, ſo würde es 
vorzüglih beitragen fünnen, wichtige und zugleich 
fehr angenehme Kenntniſſe bei dem ſchoͤnen Ge: 
fSlechte in allgemeineren Umlauf zu bringen, deren 
Mangel bis jegt daran Echuld war, daß oft fo ae 
ſchmackloſe, üppige, und der Geſundheit nachtheilige 
Dioden auffamen. — 
Auf dem Titel ift zwar nicht bemerkt worden, 
daß dies nur der erfte Theil des Ganzen ift; aber 
die Verf. verfprechen in der Vorrede, noch einen zwei: 
ten, weicher fich mit aͤſthetiſcher Beurtheilung der 
Sewänder und Fußbefieidungen befhäftigen und mit 
einer beſcheidenen Anweiſung über den äußerlichen, 
dem Pug gemäßen Anſtand fchliefen fol. Recht 
fehr wuͤnſche ich, daß die Verf. in den Stand gefeht 
werden, den verbeißenen zweiten Theil, der nicht 
rg wichtig zu werden verfpricht, bald nachfolgen 
u laffen, 
‚ In diefem erften widmen fie, nach einer voran: 
gefhidten, von Etudium ber befien Quellen und 
reifer —— zeugenden Abhandlung uͤber die 
Dekleidungsfunft überhaupt, den weiblichen Kopfputz 
Ze beionderen Aufmerfiamkeit, wobei fie auf bie 

unftepochen fremder Nationen Ruͤckſicht nehmen, 
ihre Koftüms in Muſtern aufftellen, fie nach den 


Diegeln ber Malerei beurtheilen, und fobann aus bie: 
fen allgemeineren —— Kefultate hervorgehn 
laſſen, von welchen fie (mit Hecht) hoffen, daß fie ſich 
den Feferinnen empfehlen, und ihnen der Befolgung 
werth ſcheinen werden. 

Die beigefügten Kupfer entſprechen ihrem Zwecke 
vollfonmen. Diele der Bruftbilder intereffiren auch 
ſchon — daß ſie Portraits merkwuͤrdiger Da— 
men find, 

Der Erol, in welchem die Berfaffer in der That 
oft nicht leichte Materien behandeln, if, mit Xus: 
‚nahme weniger Stellen, rein, deutlich, edel und grade 
nicht mehr und nicht weniger gefehmüdt, als es ein 
— Geſchmack und der Gegenſtand erfordern, 

a der Vortrag vorzäglih bei einer Damenfihrift 
ſehr wichtig ift, ſo glaube ich eine kleine Probe mit: 
theilen zu muͤſſen. Ich wähle eine Stelie, die an 
2 = fi interejjant und verftändiich if, Sie 
autet fo: 

„Die Gewänder der Griechiſchen Mäpdchen find 
feine fhwerfälligen Hüllen, dur welche ihr ſchoͤner 
Gliederbau dem bewundernden Auge gewaltſam ent: 
gogen wird; er ſchimmert überall hindurd, oder ift 
doch wenigftens gleich auf den erften Blick zu erras 
then. Die leichte, zartgewebte Tunif, womit die rei: 
zende Figur oft nur Überhauche zu ſeyn fcheint, 
ſchwiegt ſich in taufend gefällige Falten, die jedem 
sarten Gelenk. — jeder Muskeſhebung fogar gehor⸗ 
Ken. Der Alabafterarm entichläpft ungehindert dem 
aͤrmelloſen Gewand, -und idſt ein Zufall etwa von 
ungeführ die goldne Agraffe auf feiner Schulter, fo 
folgt ihm auch der wunderfchöne, bezaubernde Bufen 
nad. Gewöhntich fehmiegt ſich die Tunif in bien: 
bendem Weiß an das zarte Inkarnat der Athenien: 
ferin, und Über diefe Tunik malt das farbige Palle- 
dium in dem unendlich oft abmwechfelnden Fa enmurfe 


a 


nieder, durch welchen ſich die gragienvollen Stellun— 
en und Bewegungen der Öriechinnen, fo malerifi 
6 binreißend ausfprehen. (?) — — — — Kin 
ker, die, vom Gtirnbande bis zum Korhurn hinab, 
eine Griechin in ihrem wahren Gbarafter und in 
der ihr ganz eigenen Seftalt malen follen — werden 
fi unglaubliche Mühe geben müffen, wenn fie nit 
wie fo viele Maler neuerer Zeit, bier und da bios 
ges Gewand, fondern die vom Gewande umſchweb⸗ 
sen lieder auf die Leinwand tragen wollen,“ — 


Dergleihen gelungene Etellen koͤnnte ich meh⸗ 
rere ausbeben. Doch darf ih auch nice unbemerkt 
laſſen, dab die Verfaffer in der Darftellung ihrer 
Gedanken nicht überall gleich glüdlich maren; bie- 
weiten fallen fie zu ſehr in den lehrenden Ton, 
der an und für fih ſchon und befonders dem ſchoͤnen 
Geſchlechte gegenüber, an das Pedantiſche zu ſtreifen 
pflegt. Sie hätten auch nie ihre Yeferinnen anre- 
den follen, vorzüglich, va nicht, wo fie angeben, wie 
körperliche UnvollEommenbeiten durch gefchidte Beklei⸗ 
dung der Bemerkung entjogen werden koͤnnen. Es 
kommen Ötellen der Art vor, die mit der übrigens 
durchgängig herriihenden Delikateffe gewaltig Fontras 
firen. Zus Beweis indeh, daß fie den Fehler nicht 
immer begingen, mag folgende Zrelle dienen, die zus 
glei den feinen Beobachtungsgeiſt der Verfaſſer = 
urfunde, S. 138 lagen fie; 

„Manchen Maͤngeln der Gefichtefarbe iſt durch 
folgende Kunftgriffe abzubelfen: It die Geſichts— 
farbe durchaus zu. roth, fo wird immer eine ſehr 
dunfelvorhe Bekleidung vop Nutzen feyn; fpielt die 
Sefichiefarbe aber etwas in's Grlnliche oder Graue, 
fo müßte dunkelgrün oder dunkelgrau gemäblt: wers 
den; tern die fiarkere Farbe der Bekleidung würde 
die ſchwaͤchere Farbe tes Geſichts fo jurüddrängen, 
daß fie dann wenig oder gar nicht auffallen würde,” — 

Hätten die Verfaſſer fid bier, wie an andern 
Orten, der Apoſtrophe bedient, und 5. B. geſagt 

Manchen Maͤngeln Ihrer Geſichtofarbe, meis 
nefchönen Leſerinnen! u fi w. jo würde man 
fie zuverläffig ausgelacht haben. Mun, wenigftens 
köcheln wird man wohl dann und wann müllen, 
bei ähnlichen faſt noch anffallenderen Stellen, die ich 
aus guten Gruͤnden flillfchmweigend uͤbergehe. Ueber 
haupt hätten fle auch nicht immer: unfere fhönen 
oder unfere kiebenswürdigen Leſerinnen ſagen 
follen; fendern blos: unfere Yeferinnen. Es Eleidet 
den Lehrexr nicht wohl, wenn er den Süßen 
fpielt; er foll mehr befchäftigt ſeyn mit den vorzutras 
genden Lehren, als mit den Reijen feiner Zubörerine 
nen. — Doch das find Kleinigfeiten, 

Ueber das Ganze, als Verſuch eines Eyftemy, 
ein Mehretes, wenn der zweite Theil eıfcheint! 


K. Heinz, Leop. Reinhardt, 


Röschen oder bad Ibdeal. 
Romanıe 
A. Hub der Liebesadrein gleih 
War No cden, fein ihr Teint. 


Die Wange rorh, die Hüfte wei, 
Der Epenie oft zu tug. 


Dem jungen Buſen, wenn er idhımoll — 
Kurz! was cin Madchen haben ioil, 
Die Sinne 4 beriichen, 
Beſaß fie sum Eutzucken. 
Da kamen denn von nab und form, 
Wie zu dem Binchembanm 
Im Mai die Birnen, fühe Heren 
Mit goldaem Hofmungstraun, 
Auch loknt die Mihe ſchon der Cpad> 
Denn unſer ihönes Kınd bei — 
Dan jen des Vaters Geiel — 
Mehr Thaler no, als Retje. 
Som Morgen bis zum Abend lag 
Der ganıe Schwarm im Etandb" 
Auf wunden Auten vor ihr, ſorach: 
Er fen der Liebe Raub, 
Und bat und Ende feiner Roth — 
um Gegenlicbe oder Tod! — 
Aueln Roſettehen ladıre 
Der Scerzen, die fie machte, 
Seia, Echönhelt, Liebe, — niches gewann. 
Der Eitlen Der und »and. 
Die Freier wurden Kann vor Dann 
Se Korben fertgeſandtn 
Denn keiner glich dem Ideal, 
Das ihr vom Hrmrtigen Gemal 
Die Dichter ort zeremet 
Und fie fh feld getraumet. 
Der Eine war ihr moch ju dumg 5. 
Der Andre hen zu alt; 
Der Dritte binſch — doch mr genunga 
Der Biete ſeir und Kalt; 
Dis Fuͤmten Na ig und ülems 
Ds Scchſien Zartlichteat nicht rein; 
Bratiımiich war Die Erben 
Tod biinımer angetrieben 
Ser ſoute wentaſſens cin Graf 
Wit Band und Leuten tom, 
don wie Natees, treu ıelkıl ım Schlai, 
Bolt Act, wie Tote Wein, 
Und gierch dem ſtarten Sobne Zend 
Au raft und — Doch der Himmel weiß, 
Was der noch allis solle, 
Dee nie erobern wollte. 


Da ſich aum das Original: 
Ant Leben nirgends fand, 
Wie es als fhones Idral 
Bor ihrer Seele ind; 
So reift: Roschen Kreuj und Quter 
Und ſorſchte ſeifig bin und ber, 
Ob e⸗ in ſreiaden Bonen 
Nicht etwa minibte wehnen. 


Eintt au der Zahrt nach Otaheit, 
Brauf' cin gewaltyer Sturmz; 
Ediwar ſoard dar Simmel, weit und breit, 
Und jede AGe' ein Thurn — 
Gern suber ich im Befchreiben fort 
Bar! nicht chon lange ber und dort 
Kon Gtienien, Die geroeſcn, 
tel Tremtibes im leſen. 


Srum far; und gut: das Edi verfant: 
Ins Meer mit Mann und Maus; 

Kur Roechen noch, bie Arme, rang 
MrStuem uud Wogenbraus. 

Die Fluth ergrig das ſuße Kind, 

Sen Cham trieb, Segeln aleich, der Kind; 
So ihrem es wunder Schaden 
Zu ſreundlichen Etſtaden. 


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Sanft jetzt an einer Blumenbautk 
Gelandet, Acht fie auf 

Mud Elimmt, ein wenig matt und frank, 
Den Belfen dort hinauf. 

D Web! von Menichen feine Epur, 

Kiss, als verwilderte Natur, 
Hr Schmern erfiiiie die Inſel 
Mit Maslidem Gewinſel. 


Indeñ befieat Der junge Tag 
Des Eturmed (plle Wuthz 
Die Wolfen broden nad und nach; 
zum Epiegel wird die Fluch; 
Die Eonne glanjt im Morgentbiu 
Gamft ladet wieder Ham und Au, 
und frobe Bieder halten 
Im Chor die Nachtigallen. 


Da wivit Roſettchen noch einmal 
Den furchtiam ſcheuen Blick 
um ſich herum. Ein Hofnungsſtrahl 
Tehrt in ihr Hery zururk. 
Sit dentt und weine micht mehr fo jeher: 
Zwar it das EUand wirt und leer; 
Doch is fo immer beifer, 
als war's voll Menſchenfreſſer. 


Das weiche Moos, die laue Luft, 
Der Himmel bian und Har, 
Der Palmen Dad, der Biumen Dufk 
Der Mangel an Geiabe, 
Der Grüblingsionue müder Schein — 
Died altes Hoht den Muth ibe ein, 
Die Kieider abjulegen 
Und jüher Rub su vilegen. 

Rah wirft fie ab Die feuchte Laſt. 
Schon tft der Schleier fort; 
Gleich Wemeeln weht von einem WR 

Dar Untetroͤckchen dort; 
Der Errhmpiben ichoner Nadıar if 
Dos leichte Hemdden von Vatiſt. 
Wie Mrable fie ohne Hülle 
So ſchoͤn im Jugendfülle!? 


Wie reuend lagert fie ſich bin, 
umwoltt von ſtillem Harm! 
So ruht die ſchöne Bhherin 
Eorregalord. Der Nem 
Stutzt leicht das miedtihe Geſicht; 
Die Reu erwacht, — die Hoſnung milder 
D, hört Die Atagetone 
Der tief gebeugten Edöne ! 
Sol banger Ahnung. walit ihr Hery 
Zum Himmel daut empor, N 
Sie ringt die Hand in wildem Edhmeg, 
Ein Thranchen peeit hervor, — 
Noch eins, aun Nie ein Hayes Mecnt 
Der Zutunft Bürde druckt fie ſchwer; 
Doch enbiich wiegt der Kummer 
Die Aermſte janit in Schlummer. 
Wohl ihr und und! wir wünſchen ihr 
Diet Gluck gu ihrer Rub, 
Und ſehn mit litſterner Begier 
Dem ſchoͤnen Schauſpiel m 


— | 





— + > — 


Denn embli if ed undermehrk, 
ir tünnen frei und umgellort 

Das holde Kind beiauichen 

Und Her und Ginn berauſchen. 


Auf Moes nachlaͤſſig bingefredt, 
Im Schatten dicht aehnlit, 
Womit das Haar den Buſen deckt, 
Den Reis umd Jugend fiklit, 
Den Schootj umlaubt, im ſich gefchmirgt, 
Wie eine bolde Braut — fo liegt 
Im mahleriſcher Schone 
Dort Roschen Magdalenc. 


Eanit tut fie jegt der ſchonſte Traum, 
Und von der Kofe ſtichlt 

Sid leiten Fittige, leicht wie Flaum, 
Ein Zerbor ber, and ſpiett 

Das Haar hinweg. Er ſeunt und Ipige 

Das Maulchen; demm entzuckeud blige 
Aus dunkler Boden Hulte 
Mand) Kheinod — Eutlie! Stille — 


O wär ber gute Bott wicht tobt, 
Im Leben Zeus genannt, 

Er halt Roietrhen ans der Neth 
Einit hört er, wie bekannt, 

Mit Huld der Mädchen Euer at. 
Grwih! er kam’ — wo nicht als Schwac 
Als Etier, als goldner Regen, — 
Mit chapeuu-bas und Degen, 
und fir den Soid, dem, wie man weil, 

So gern ein Maͤdchen giebt, 
Für dieſen leichten jhäen Preis 
Thar er, was ihr bekiebt, 
Dot — Dank der Zeit! — ein feine) Kind 
Kaun überall, wo Männer find, 
Sur jene Heine Gaben 
Noch jege Hulie baden. 
Zn einer Wune, die mod mie 
Ein Menihenfuh betrat — 
Da freilich alebis mie Engel, die 
Kidıt fliegen, wenig Rab, 
Ein Purpurmund, den niemand füft, 
Zrägt keine Zinjen, wie Ihr wißt, 
To Diangel iR an Rittern, 
Diuh ſeibſt die Echönfe sirterm. 
Doch Fit — Es raue — Was ſchieicht fih dort 
Gür ein Gefpenk heran? 
Es iR — vernchmt das Schreckenswort,/ — 
Es in — ein Pavian, 
Da ſruͤrzt er Ger im fchneltem Lan, 
Die Kleine führe vom Edlunmmer auf 
umd ficht nad Madchenſitte 
Dir leichtem Sephurrritte, 
Hmiond, umfonft? denn dovpelt ſchnett 
Goigt ihr das Ungethum. 
Wie Jeanne d'iatre mit Lionel, 
Kamprt Köschen jept mitt ihm. 
(Oft kampit man jo im dieſer Welt) 
Bob, Nöschen, ach! — fie ſchwautt — fir faͤ at — 
Zah waſche meine Hände! 
{Des erſten Buches Ende.) 
K. Heinr. Leop. Reinhard. 


TRITT ID e e —— 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 76. 


J. am Baiern in jedem La⸗ dichullehrer ein feier Gehalt 
von 400 Gulden Rheiniidh ausgeſetzt, und jeder erhalt außerdem 
eim gutes Wohnbaus men einem geraunngen Garten, 


Man 


darf alſo mit Zuverſicht hoffen, dak Minftig geſchickte Männer 
fi das verfichen, in Baiern an der Voitsbilduag zu arbeiten, 
und das fie Die übernommenen Prlichten ſrohen Murges erfüllen 


u) 


— Dad Gonfirvatoire de Musique 4w Paris wird im einer 
Kirche Morarts berichmtes letztes Neauiem, din Beſten der 
Witwen und Waifen der ver. Mitglieder des Conſerv. geben. 

— Die Beener Polizei hat den Berebl erlafın, daß die 
Gaftwirthe thre Bitte zw Ieder Stunde, mit allem was fie be 
Bürfen, su billigen Vreifen aufwarten follen. Bei jeder 
angeieigten Urbertgenrung, ſollen fie das zu wiel Seforderte zus 
rüctgeben umd 50 Franten Etrafe berablen. Geber Gaſtwirth, 
der verrälfchten oder gar fehädlichen Wein vertauft, foll 200 
Scanten Straie berahlen, und mad) den Umftinden, auch wohl 
ind Gerängnit wandern. Eind aud Gaſtwirthe unter dem Der 
fern des Freimürbigen, fe — mödhte wohl manner berieiben ſich bei 
Diefer Rachricht freu, daß er nicht in Bern Iebt, Diam ficht 
übrigens, daß den Schwenern, trop deu manntafaltigen Schich ⸗ 
falen die fie in dem legten Jahtzehend erfuhren, noch viel von 
Abrer altem Nobheit geblieben it: fie fordern allgemeine 
Kechtlidkiht. 

Der gelchrte Desiontaines bat im eimem Werk her bie 
Segetabilien Frautreicht berechnet, dal dieiet Band 108 Gat ⸗ 
tungen hochſtammiger Baum-⸗ Gewächſe (bie ſich aber z0 Metres 
erbeben,) beſitzt, und daß von dieſen nur 34 inlanduch find, 
fette wenn man dem Ollwenbaum, den Maulbeerbaum und ben 
Weinſtock dazı rechnet, meil dieſe Gewachſe ſchon feit vielen 
Jahrhunderten nad Frankreich verpfant ind; — ferner 13% 
Arten Heinftammiger Vaumgattungen, vom denen 32, und 630 
Erraudiarten . vom denen 230 Inlandiicd find. Weihe bercis 
dernde Umgeſtaltungen baben alle Yander Europas durch den 
Handel und die Keuntnih andrer Welttbeile erlangt! 

— Bidal, Mitalied des National s Inituts und Direktor 
des Obſervatoriume zu Towloufe, hat über die Möglichkeit, durch 
eine in Queckſilber (dwimmende Shagnet: Kugel die Merreslins 
gen au mein, Öffentuich Vericht abgeitattet, und die Erfindung 
aus chen dem Grunde verworfen, die der eeemüthige vor vielen 
Boden Dagesen anführse: nehmtich, weil eine ſolche Zugel ihre 
Richtung wohl den Erbvolen aenah mehmen, ſich aber nicht, wie 
die Erde, von Weſten nad Ofen umwalzen könne, 


* Herr Geofroi minmt es, im feinem Journal des dehats, 
Kr. Leberow ütel, dan er ſich materitanden habe, „de reiairer 
die Iohtgenin zu Autis, von Nacine, und eine tragedıe grecque 
ou yplutöt allemande daraus zu machen. Der Herr Erabe 
muß einen fdtschten Ueberfeger der Verichte des Freimüthigen 
Haben, ſonſt wurde er erfuhren hatın, das Hr. Levezow Nach 
mens Jobigenia ann; und gar micht im Betracht gezogen bat, 
Und warum ſoute er nicht eine tragcıe allemande machen, 
da er für Deuſche ſchrieh? Wenn Hr. Geoffrot einmal etwas 
mehr von der Deutſchen Literatur erlernt haben wird: wie 
wird er ſich wundern, gu finden, dak man im Deurichland die 
Sranpöfiibe Mrerarur fehr gut kennt, dag man dem einzelnen 
Boritaen des Framöfiiben Trauerivield Geredhtigfeit widerfaht 
ren faßt, gleichwohl einen zu vichfeitig und amt gebilberen Ger 
ſcamact teigt, um mehr als einige wenige Meitterfindfe unter 
den Tragedıes frangaıses, auf der Tube iu dulden, 


— Duruptren, Chef ter anotomiſchen Arbeiten der Ecole 
de Medicine, har über den angeblichen Fürs, den man dm 
Körper eines Knaben fand, genauen Bericht abgeratter, Edırn 
im feiner Kindheit, ſobald er Funmeln kenne, hatte ſich der 
Berſtorbene Über heſtigen Scherz an der Stelle beklagt, wo 
man dag Hewadız fand, und wo ſich auch feit ſeiner Geburt 
eine Erhöhung sejeiat hatte. — Der Gar, der die Monitrorr 
tät umidblon, war im Meſocolon angewachſen, batte aber mit 
den Eingeweiden meiter Feine Werbindung, che die endliche 
Faͤulma einen Theil feiner Scheidewand zerfort hatte, Das 
Gewäde felbr ſien im der That eine Art von Gehirn, einem 
Ruckzrad und die Antagen ju Sinnenwertzeugen achabt zu bar 
ben, aber die Eingeweide der Brut und des Unterleibes fehlten 
ihm ganz. Die Urther des Nerichtenden war: es habe cine 
gleidizeitige Doobelzeuaung Etan geſunden. — Wie aber von 
ri zuaierch entwickelten Keimen der eine in dem andern hinein 
dringen könne? — laft ſich freilid nicht ertlaren. Ob es ınnar 
dich if, dafi ein viel foäter entwickelter durch das Strömen bes 





Glute in die Eingetweibe bed veiferen, geführt werden Fünne, — 
mögen Anatomen enticheibei. 

— Die Entberfungsreife, welche bie Sram. Regierung unter 
dem leider verkorbenen Eapitalne Baudin anſtellen lien, hat nicht 
nur eine große Menge weuer Vfiansen, fondern auch viele ehbar: 
Thierarten aus Neubolland madı Europa vervflamt, 4. B. ſiebes 
Gattungen von Kanguru's, vom denen vorinalich Die kleinſte duch 
ihr fhönes Zeit umd ihr fehr ſchmackhaftes Gleich allgemein ges 
sogen zw werden verdient; den Meirbolkandischen schwarzen 
Schwan, den Meuholl, Kaſuar, deſſen Fleiſch das Mittel Halt, 
wiſchen dem Truthahn und dem Gpanierkel; den Faſan mat 
deierförmmgen Schweiie u.a. Wie mander eriahrne Feinihmeder 
mag aicht bet dieſen Nachrichten bedauren, daß er nicht jetzt er 
geboren wurde, um die allgemernere Verbreitung dieſer neutu 
Geinfpeisien zu erisven. — Sonderbart iſt es. dal man in Neu⸗ 
boliand mandıe Bögzelgattungen eitar gerunden bat, Die in Eur 
zopa nicht darlır gelica. Wewirtte das erwa dir Mangel ber 
Neuenden, — oder unterjagte ums nur das Vorurteil, dem 
Genun Diejer Bügel? 


Aus St. Peteröburg. 
Am 26ſten Sept. (Htem Dt.) 1304. 


Dr höhterne Brlide welche der Marnottirche gerade tiber 
auf den aroien Plag bei dem Sencate, wo Perers des Grotzen 
Dentnäbt ſteht, aͤber dem Krufoiws Canal fuhrt, At abgebroden 
und wird durd eine herriidıe Brucke von Gramit evıegt. Der 
ganze Kanal if tiefer gearaben nad eingefaßt. Undretig wird 
dies eine der ſchonſten Partien des prachtigen Perersburg wer 
den. Die Granit Einragungen der Moita Imbear im bier 
Jahre einen befrachriichen Sorıgany gehabt. 

Maa ik bier auf die Muemonzt Grm, v. Aretin fo ge 
fpannt, als man es in Dentſchland nur immer feonn kanns um® 
fonte Hr. Duchtt, wie Afentlide Blatter jagen, seinen Boras 
ausrihren und berfommmen, jo wird er gewiß viel Bisphaber jehe 
ner Kunft finden; — ob auch piet Glaubige? — Das it noch 
die Frage. Der Skepticismus ik hier zu Haufe. Uebrigens 
wird Hr. Dudiet und andere Beweiie feiner Kun als die Re— 
citirung der KanitebEunmarien aus der Bidel geben mailen; 
aufs Wort u glauben, in man bier nicht geneigt. 


Auszug aus der Zeitung für die elegante Welt”) 


AUS Nr. 175.) Ein Hamburgiſcher Kauſmanu Namens Kos 
Bing, der ein Kun: und Naturalien Kabinet beiigr, laht es jest 
für Geld ſehn. Die Perſon bezahlt den Eiutrirt mit 2 Mark, 
Es fol unter andern 30.000 (!!) Porreaits enthalten. 

Zu Danzig bat ein Proreijor bir Taniiund aus am 
ſchau, Namens Ledour, einige Valtete von Kindern aurrihren 
laſſen, die viel Beifall fanden, 
ginn fir Die Preußischen Staaten zu erbalten. 

(Aus Nr, 126.) Dr. Guſtemard, &. 8, Ober Grapeur zu 
Yrog. har zwei Medalllen auf den Kaiſer und S. 8. R. Hoheit 
den Ersbersog Karl verfertigt, (Zuſaz. Man mu geiichn, 
das fie ſehr reich ausgerauen find. Auf der Kehrieite der ers 
fen fieht man Ge Maiedat den Kaiſer gu Pferde, Die Armec, 
Die die Honucurs abgicht, und im Himergrunde od das Lager. 
Auf der Kebhrieite Der zweiten einen Tiſch, Krone und Septer, 
das Bohuuſche Wappen, einen Resenbogen, eine nicderidimerende 
Taube, giiegmere Saaten, Waume mir Vlrıben uud Fruchten, 
und noch eime Unterſchrift. Ob alles das ohne Microscon ſicht⸗ 
bar iſt, wird micht geſagt. Der Red. des Freim.) 

In Hamburg hat man em Schauſolet von Zſchecke gege— 
ben: Ter Marſchall bon Sachſeu, (vor dem uns Berliner, Avol 
bewahren möge!) 

Aus Nr. 127.) Du Bresinu hat ein Hr. Dottor Zirgow 
meifchen jwei Armen der Oder eine Kunſtbadeanftalt angelegt, 
die man ruhmt. 


*) Diefer Autzuq, er verdicht ſich, mit meinen Worten und 
VBemerungen, fol kuntig ein Achender Meritel ſeyn, im ſorern 
die nenannse Zertung, — weiches micht immer der Fau if, — 
irgend einen Jibait hat. 





Er hofft ein General: privilen · 


1804. 


Nro, 220, 





Der Freimüthige 


Sonnabend, 
Ermnſt 


Literatur 


Grid. Ein Taſchenbuch für 1805. Herausgege⸗ 
ben von J. ©, Sacobi (Züri, bei Dre, 
Fuͤßli und Compagnie.) 


meimal ftralte fehon der Sris vielfarbiger Bogen 
durch die — leider! fo regenhafte — Atmofphäre un: 
ferer ſchoͤnen Literatur wohlthuend, berzerfreuend 
für jeden aͤchten Derehrer, des Schönen und Sur 
ten. " Auch diefes Fahr erfreut fie dur ihren 
Reichthum. 

he beginnt mit der Schilderung einer Reife 
von Freiberg nah Karlsbad, und von dort über Thp- 
li und ten Elbſtrom nach Dresden. In einer 

ote fehreibt der Herausgeber diefe Reife: Befchreis 
bung einer weiblichen Hand zu. Aud ohne dies 
würde man es gleich vermuthei et denn in je 
dem Federzuge — man die 
nen weiblichen Sinnes. 

Der zweite geößere Artikel ift die Gefchichte Jos 

ı hanna der ärften, Röniginn vou Neapel, von Karl 

von Rotrtek erzählt, und rg weder ſeicht · roman⸗ 
ufch noch fchmerfällig : hiſtoriſch. Er gewaͤhrt ſehr ans 
genehme Unterhaltung. 

Noch lieblicher der in Jaco bi's bekannter, 
idylliſchet Manier verfaßte Aufſatz: der Poetenfik, 
den er feinem mördigen — unglüdlihen und doc 
hoͤchſt alülichen, — Freunde BESTE NEN Das 
reine Maturgefühl, das zarte Auffaſſen bes innern, 
eiftigen Lebens, das Yabobi’s Gedichten und früs 

ern Schriften bleibenden Zauberreiz verleiht, ſchmuͤckt 
auch diefes Gemaͤlde. Moͤge uns der ehrw rdige Dich⸗ 
ter noch oft mit — Schilderungen erfreuen, 
und eft noch feine jährliche Wanderung zum Peẽten 
fige, den ihm fein Freund Ittner widmete, ſeiern! 





und 


artheit eines ſchoͤ⸗ ' 


ben 3. November, 


S ee 


— ZZ 


In einem Schreiben an ben Hrn. Geheimerath Jar 
cobi in Düäffeldorf, erzähle der vereroigte Deinfe, der 
onen Berfaffer bes Ardinghello, die — ———— einer 
leinen Schweizerreiſe. Man kennt Heinſe's Stil, und 
die Kraft, mit welcher er impoſante Natur: Schönheiten 
zu befchreiben pflegt, zur Gnuͤge. Auch hier vermißt man 
den talentreichen Mann, den immer begeifterten Dichter 
nirgend, und der Lefer folgt ihm mit Vergnügen über die 
ſchredliche Furca, den Örinfelberg, an die Elaren Quellen 
des Eilberftrömenden Ähodan, ter luſtigen Aar, und an 
die jaͤh abſtuͤrzende Reuß. Den Aufſatz befipließt ein herzlis 
ches Wort vom Herausgeber, über den verftorbnen Ders: 
faffer. Gluͤclicher Heinfe! daß Du einen ſolchen Panc: 
ayrifer fandft — und verdienteft! 
Die Anekdote: „Heinrihder Schwarze,“ ruͤhrt 
von zwei Schriftſtellern ber. Den profaifchen Theil lie: 
ferte ein Herr Schnezler, den poctifchen aber — und 
war den bedeutenderen, — ein Herr Uſteri. Diefer 


Aufſatz lieſt fich fehr angenehm. 


Eben fo der Brief an D.. zu L.. von C. R. und — 
„die Befchreibung einer Reife von Kom nach Pale: 


. Arina“ — von der gefchäßten Dichterin Friederife 


Drun, geb. Münter. Lie it ganz in den Tone ge: 
(&prieben, indem ihr Tagebuch über Kom abgefaßt 4 
brauche alſo wohl nicht erſt hinzuzuſetzen, daß rege, aber 
fanfte Phantafie und zartes Gefühl in diefem Gemälde 
Geiſt und Herz reihe Nahrung gewähre. 

Don geringerem Gehalt, aber keinesweges uninte⸗ 
reſſant, — ift der Brief an die frau von Zeg, von 
der liebenswärdigen Ungariſchen Dichterin Theone 
die vor einigen Jahren mit ihrer Freundin Nina 
zwei Bändchen Gedichte herausgab. *) 

Der podtiihe Theil der Jris iſt nit minder 
gewaͤhlt. Pfeffel, Jacobi, Buri, Friederike 


F yena bei. Voigt. — 





Brun, Theone, Friedrid Leop. Graf von 
&tolberg, Haug u. a. haben treffliche Gedichte 
beigerragen, und für die Freunde allemannifcher 
Peefien bat auch Herr Hebel wieder ein Gedicht⸗ 
en: „die Ueberraſchung im Garten, ” geliefert. 
Das Arufere iſt übrigens gefhmadvoll, die 
Kupfer verdienen Aufmerkfanikeit, und der Preis des 
Buches ift mäßig. j 
— hn. 


Beitrag zur Karafteriftif der Tonangeber, 


0 oft ich das Theater oder den Conzertſaal be: 
ſucht, ärgere ich mich jedesmal uͤber mic ſelbſt, wenn 
ich finde, daß ich troß der angejtrengteften Aufmerk 
famkeit mit meinem ürtheil nicht auf's Meine kom: 
men kann. Ich fhäme mich dann meines Stumpf⸗ 
finnes und bewundere, ja beneide wohl gar dagegen 
die Herren Tonangeber, Es ift wirflih erftaunlich , 
mit melcher Scnelligkeit diefe Richter uͤber Leben 
und Tod, jede Echönheit, mie jeden Fehler eines dra⸗ 
matifchen oder mufifalifhen Produkts auffaſſen, mit 
weicher Leichtigkeit fie über deifen Werth abſprechen 
und mie liberal fie oft ihre Ehre verpfänden, damit 
über ihrellnfebibarfeit ja fein Zweiſel übrig bleibe, — 
Ein junger Ciegant — und daß dieſe ſammt und 
fenders ausgemachte Kenner find, verſteht ſich ohne: 
bin, — tritt in der Hälfte der Morfteilung ins Par: 
terre, fahrt einige Mal mit der Hand über feinen 
Hahnenfamm, —2* die Crochẽts zurecht, macht 
fich mit einem Morte ſchoͤn, wirft dann obenhin ei: 
nen Bück auf die Bühne, roͤmpft die Maſe, kehrt 
dem Theater den Rüden iu, lorgnirt die Verjamm: 
Iung, nüpft ein lautes Geſpraͤch mit feinem Mach⸗; 
bar oder den Damen an, macht Witz, und ſcheint 
der Morftellung niche die mindefte Aufmerkſamkeit zu 
widmen. — Aber, dab man fich ja nicht tänjchen 


— 








*) Ob Kerr Gatl wohl je den Schadel eines Tomangcherd 
unterjuct haben mag? — Ih — freilich nur ein Dane, — 
vermutbe, Dah das Hemnerorgam dieſer Herren jeinen Eip in 
dem sogemännten Hahneutamme bat, — im ihren Schadeln 
babe tb vurniaftens mie eine Sour vom benen nadı Gall's Eur 
fen, eim bervorſted endes Organ derztich nenden Wi ribungen oder 
Erböbungen wahrzcehmen köunem, 


laſſe! — Es fchließt eine &cene mit einem briflanten 
Abgange und fiehe da unſer Kenner dreht ſich plöß: 
N um umd klatſcht Beifall. Es wird eine Arie, ein 
Duen erecutirt, er iſt im tiefen Geſpraͤch begriffen 
und — ruft da Capo. Der Vorhang rällt und er 
verfichert auf feiner Ehre, das Erüd, die Oper 
mar Belijide, — deteftabel, — unter aller Kritik, — 
die Echauipieler egecurirten munderihön, — erbärm: 
fich, — Madame 1 — hat fich felbit übertroffen. Er 
tebt das Signal zum Hervorrufen und feine Con: 
orten ſtimmen freudig ein. Welch ein Kunſtſinn! 
MWelb ein richtiger Tat! Welch eine Sagacite! Es 
ereignet ſich nun freilih bin und wieder, daß die 
Unfehlbarkeit diefer Herren ein wenig ins Gedrange 
tommt und das ift nun miederum fehr beiufligend. 


Hier eine Feine Anekdote von der ich Augens 
jeuge war, und die zugleich als Abnenprobe geiten, 
und zum Beweiſe dienen fünnte, daß diefe ren 
fammt und fonders von dem meiland berühmten 
Kunftfenner — Midas gottſeligen Andenkens, 
abſtammen. Ich wohnte unlangft in R— einer 
Voͤrſtellung der Geiſterinſel bei. Die Execution der 
Dper — man batte die Mufif von Zumfleeg ge 
wählt — mar freilih nur mittelmäßig. Beim Her⸗ 
ausgehen hörte ich folgendes Geſprach zwiſchen einem 
Kenner — einen foarnannten lilier du Parterre, — 
und einem andern Zuſchauer der neben ibm ging. 

K. Zagen Eie mir um alles in der Melt 
wen Wir die erbärmliche Eubdelei au danken haben, 
‚womit man uns beure beimgejucht bat? 

2. Das Driginal iflfreilih nur von Shakeſpear. 

8. (verwundert) Don Shakeſpear? Und 
- die elende Deutſche Verfiimmelung? 

Nur von Gorter. 

K. Dun fo mag Apoll den jämmerlihen Com: 
ponifien zuͤchtlgen, der fih an dieſes Meiſterwerk 
wagte! 

3. Und doch iſt dies nur Zumfleeg, von dem 
Sie gen berheuerten er ſey Ihr Liebling. 

. Miet möglih! — Ich mar heute freilich 
ein wenig zerftreut — ch muß mir das Ding wahr: 
baftig nech einmal anfehen! und nun verlor er fich 
unter der Menge, — th. 


* 


Lied. 


Maßige Bewegung. 





o mein, o 








mein 








— — — — 


Andt. Romberg. 

















ER RR —— — 


iſt ſie auf im : mer, mein, o 








— 
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8 fie auf im + mer, Sieh! fi 


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nabt im Hoch⸗ zeit» 
vr (mama. 
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— — wie Wor » — m. . * — me, — — 


on — — 





— 360 


Niht=-peolitifhe Zeitung. Nro. 77. 


Yus St. Petersburg. 

Hm z6hen Sept. (Bien OA.) 1804. 
den asten Gentember, verlieh bie neuvermahlte 
Großrürftin Marta mit Ihrem Gemahle das geliehte Bater— 
land. Einige Tage vorher bechrte ih mod, Im Gefeltichart der 
verwittweten und der regierenden Kaiſerin und der Großſurſten 
Sathbarina, das Framdnide Schauſpiel mit Ihrer Gegen 
wart. Bei der Anweſenheit der. Kaiferlichen Banıllie im Schau⸗ 
foieihaufe iR es der Gebrauch bier, dab das Publitun bie 
buldreiben Vegrüdungen der Erhabenen mit lauten Jubel und 
Hänpekiklatfcen erwiedert, WS Die Grau Erbpringeffim ſich erhob, 
glänzte eime Thraue der Rübrung im ihrem fcdhönen Auge, bei 
dem Abſchiede von Yublifo, Eltetrijch wirkte die fichtbare 
Rührung Der edlen Furſtin auf die sahlreihe Verſammlung, 
Die mit erköhter Vegeifterung fib dem Etrome des Gefuhles 
überlied, — Hm Morgen der Abreiſe war die Gathedrals Kirche 
sur heiligen Mutter Gottes von Caſan, im toeicher dem Ge— 
brauche gemaß die hoben Reifenden eine .Meie hörten, vom 
Worte umlagert, Degen elf Uhr mäherte ſich der Kaiſerliche 
Wagen, worin ber Monarh, bie Katrin Mutter und bie 
Meuvermäblten fib befanden, Die eigentlichen Reiſewagen folgs 
ten dem Kalferlichen mad. Der Trennung Schmerz ſorach aus 
allen Blicken umd theilte ſich Sommwathetiich amd dem Balzefiem 
Zufbauer mit, — Bd! melde Geſuhle mögen ſich nicht in 
der mltterlichen Gruß durchkreuzt haben, Der Monarch beglel⸗ 
tete mit feiner erhabenen. Mutter bie geliebte Reiſende bie nach 
dem Sandgute einer Deutichen adellchen Dame, fündig Werne. 
"on bier, wo die ganze hohe Familie, auch Ihre Miaiehär die 
regierende Kaiferin, zu Mittag ſpeiſte, begab Ach der Kaifer mit 
feiner Gemahlin mach dem Tauriſchen Palais, bie Kaiferis 
Mutter aber mit der übrigen Familie nach Gatſchina. 

Der Abſchied it Außer ruhrend acweſen, denn im dieſen Her⸗ 
ven find die Gefühle der Natur fehr lebendig. — Die Haiferin 
Mutter war fo bewegt, daf fie an der großen Tafel micht fpeifen 
tonnte, fondern im einem andern Zimmer blieb, und unſer aerlihls 
volle Monarch wid nicht von ber Seite der trauernden Mutter, 

hr. Samborsti, welcher als Rumiſcher Geiſellcher und 
Beichtvater der höchſtſeligen Eriherzogin Alerandıı ich bis jet 
im Ofen aufsehniten hat und nun durd das ehemalige Griechen⸗ 
Tand und die Krimm, mac feinem Baterlande zurücktehhrt, hat 
unſern Monarchen umlänge nichts tweniger ads angenehm durch 
die Heberiendung eines SKupferkiches: Die icböne Errherzogin auf 
dem Paradebette, von ihrem Hoffaate umgehen, alle Verfonen 
von der forechendfen Nehnlichteit, — überrafcht. Die Abſicht mag 
gut fen, mie war es aber möglich Übers Heri im bringen, bie 
taum verharrichte Wunde vo wieder aniurinen, Der gute gein⸗ 
liche Herr war wohl nie Water; fa möchte man zweifeln, daß 
er jemals Bruder war, — Der Leberfender feld in auf dem 
Kuprerfriche nicht vergeſſen; er ſteht ganz allein, in Debensgröde, 
der Entitblafenen im Borgrunde geschütber, im voliindigen geif 
lidyen Ormaten, wie er aus der Cavelle fam. Der Monarch hat 
den Kupierftich ſogleich entiernen laſſen. — 

Aufsige einer Kaiferlichen Ukaſe find dem katholiſchen Com 
fitorio ein Biſchef und drei Belliger der Unitten einverleibt, 
welche in dem Wngelegenheiten ber leytern Gemeinen zwei 

Stimmen haben; — und wenn noch fernere Klagen fiber Eingrige 
oder Bedruckungen Statt finden, fo ſollen noch weitere Mais 
regeln zu deren Abftellung ergeifen werden, Das Proielitene 
machen wird Dabei ſtreng unterfagt, 


Vor wenigen. Tagen eribon ſich bier eim junger Dfficier, 
vtebe und Schulden waren bie Urſach ſeiner 


von der Garde. 
VWernweiung. Gr ſchrleb ſeiner Selicbten vorher einen Brief, 
legte dieſen auf das Heri und durdichon fe belde, Brief md 
Her. Woju nun wohl Die Mühe des Echweibend! 
yıd Wien 
An 20, Oktober 1804. 
Hoftbeater 
An 15,5. M. murbe zum erftenmale anfgelihet: „Gelico", 


eine Oper In iimel Hungen von J. Humer, im Mark geicht 
von dem Hoftheaters Kaprumeliter C) U. Girowes. Wolf felten 
mag es do ſhwer fallen, gu beitimmen, 0b Tert oder Murit 
tiefer wuter der Mirtelmäßksteit dehe. Nicht einmal der Höckke 
Aufwand an Decorationen, Kleidern, Choriſten und Etatiien, 
(was dod fon bier fe wiel gilt) Nönnen biefe Oper vor dem 
Einfen und ihrem nahen Falle Wügen. Der Gezenand if 
aus den Novellen des Florian genommen, aber die Ausälbrung 
fo ſchlevpend, die Berie find unvoetiſch, der Diatoz it jo platt 
umd gemein, daß man era gegen das Ende, umd da mit Mer 
dauern, erfennen konnte, aus weicher reinen Quchle mit fo um 
seiner Hand gerbönit murde Wenn man weiß, welche kuıpos 
wirende Aniprüde Herr ©. auf Fenntniß und Eelabrität macht, 
fo muß man über diefes fein erſtes Vrodwbt im Öpermfache um 
ſo mehr erſchrecken. Mirgends eine fortgefegte Melodie, Hein - eins 
iger ordentlich durdigeführter Gedanke; fonder ein Ehaof von 
Harmonien und Difonanzen, mit wehrhuenden hergerifenen 
Uebergangen durchwebt, ohne allen Sinn und Zufanımonhang. 
Und die Inftrumentirung! Wie geihmarlios und liberladen! — 
Wabrlich, wenn gleich Die Zuhörer vor langer Welle gübmen, 
ſo hat Har ©. doch tremich darlır geiorat, dag das Orchener 
nicht einſchlaſen Fönne: denm, amel oder drei Erliche ausgenon« 
men, find bei jebem immer alle Jufrumeste, umd jivar ro 
tepr in Bewegung, Ddaoh die Eimgfiinmen ganı damtt gedect 
find, und es ſchledterdinas unmegtich if, auch nur eim Work 
bes Brianged zu verfichen, wodurch indeh bei dieier Dper 
ſreilich michtd verloren wird. Dennoch ceint füch Ser ©, ges 
rade auf bie Infrnmentirumg wiel zu gute gerham, umd jur feiner 
Oper einen eruſthaften Gesendand, der Poſaunen wegen, einen 
erientaliicheu aber, det großen Trommel um dem Trianget zu 
Liebe gewählt au haben, Damit bei dieſein ‚großen Tirkfe kein 
icgend gangbared Inſtrument ermangelm möge! — lebrigens 
muß man Herrn G. als einem Wann von feiner Pebemdart Ger 
reditigfeit wider ahren dafien; denn, fo ort den @ängern, ihres 
Grefanges wegen, aprlaudirt wurde, dankte er immer an ibree 
Gtatt mit einer tieren Verbeugung. 

Indeh ſchen bei der iweiten Vorfteltung Diefed Meiſterfiück⸗ 
bad Haus über die Hälfte leer war, drängt ſich Das murfiktier 
bende Ynblitum immer fehr ebirig zu Jeder Workteflung 
Eingipield: Madchentreue“ icosı fan tutte) von um 
unſterblichen Mogart, weicher, vom dem berdienfvefien Heren 
Kapellmeifter Jortph Weigel, wieder auf die Buhne gebracht, um: 
ter jeiner Direktion wirtlich vortreffüch gegeben, umd vorzüg 
buch dem angenehmen, geichmacfbeltm Geiang- der 


Saal und vaucher, und bie ſchöne Seimme Des derru Wen⸗ 


müher, zu einer wnferer vellendetden Dark:itüngen erhoben wird. 
Nur bedauert man, daß fo viele in der Originalpartitur uech 


enthaltene intereijante Muſſtancte weggelaſfen werden. 


Aus Franzbfifchen Blätterm. 

Von den Gravures des Antiquitds d’ Herculanum ter 
Bruder Dirancfi Äf ber Ste Heit eridienen, der 12 defochene 
Blatter enthalt. 4 

— Der Paoñter Walter hat mit ſeiner Tauch « Maſch ne — 
(Er bedient ſich eiues Abgelumpiten Kegeis gatt der ſea nen · 
chen Slocke; eine Pumpe Fiber Mm dur lederne Edlauite 
Lnt· u. — feitit einen Verſuch gemact, die Sachen die [772 
dem Oindiſchen Schiffe Velgieio verſunten find, amiufirden, 
Der Zunus an Yurt'war fd deon,” bag 'er ein Licht anzundete, 
um auch bei Nacht zu arbeiten. Tas Erperiment gelang, aber 
die ungewohnte Erideinung lockte eine nroie Meuge Fire bers 
bei, die feine Futze umwimmelten. Aue Furcht, bak fich am 
ter den Gafern auch irgend eim unböricher Halfich befinden 
Mune, lieh er ſich ſchnett Keranjsichn ıkd die Mern urger bealek 
teten ihn ſehr geſchaftig bis am die Gränie ihres Reichs, (Aus 
dem Newton de la jeunesse, 

— Zu aleidher Zeit find drei Pufkiviele im Paris amgefin 
bigt, deren Grof aus den Erjählungen der Frau von Gent 
aeſchouft if. ? | 


— — — —— 


1804. 


Nro. 221. 





Der Treimüthbige 


Montag, 


Ernſt 


und 


den 5. November, 


Sherry, 





Bericht über die Kunftausftellung 


ju Berlin, 
(cFortſetung.) 

(Vorbemerkung des Redacteurs. Der 
Anfang dieſes Berichts ſteht in Mir, 74 der „nicht⸗ 
politijchen Zeitung.“ ch, batte anfangs den Plan, 
ihn ganz in diefelbe zu rüden, aber ter Aufluß an 
Dreuigkeiten des Tages ift jo groß, dab ich vielleicht 
noch lange feinen Platz dazu finden würde, und die 
Austellung währt nur noch einige Tage: daher find’ 
ih es am geratbfamften, ihn in das Blatt felbit auf 
zunehmen. — Leber bie in der erwähnten Nr. der 
nicht polit. Zeitung beuriheilten Bildhauerarbeiten, ift 
noch eine fehr einfichtsvolle Kritit eingelaufen, die 

ich gelegentlich nachliefern werde.) 


Misen der Thüre des Eaales troßt, Yon Hrn. 
Prof. Bettkober verfertigt, ein geharniſchter Mann, 
der den Kurfürft Albert Achilles von Brandenburg 
vorftellen fol. Ob das Geſicht den etwa noch vor⸗ 
bandenen Abbildungen des Helden gleicht, weiß ich 
nicht, aber was jedem aufmerkfamen Befchauer gieich 
ins Auge fallen muß, iſt: der rechte Arm und die 
rechte. Hand der Geſtalt verdrehen fih wie ein Echraus 
bengewinde, um ein Schwerdt zu halten, auf das fie 
ſich fügt; der linke Arm ftrebt mühfam und gemun: 
gen nach hinten, um feine Hand eine Fahne halten 
zu laffen. Wenn diefes dem Kurfürften wirklich jo 
ſchwer wurde, als feine Statue befagt, ſo moͤchte das 
Erobern der Fahne mohl fehr problematisch ſeyn. 
Der Kopf ift belaftet mit einer dien Sturmhaube, 


einem bien Lorbeerfrang und dicken Federn: auch 
läßt die Miene in etwas auf Nähe des Erftidens 
rathen. Der Oberleib liege zu flarf zuräd, und der 
ganze Körper ift außer feinem Panzer und Panzer: 
hemde mit runden Scheiben, aus denen Gtacheln 
bervorgehn, bedeckt, die ihm etwas Igelartiges 
geben. Das Ganze ift aͤußerſt gefchmadioe. Auch 
thut die angenommene Größe, etwas unter natlrls 
er Mannsgröße, eine widerlihe Wirfung. Mor 
diefer Höhe follten ſich Statuenbildner überhaupt 
büten, aus Gründen — die ich vielleicht ein anders 
mal vortrage. 

teben dem furchtbaren Ritter ſteht eine fehr 
beſcheiden blidende weibliche Figur, die eine transpas 
vente Lampe trägt. Die dee derſelben ift häufig 
ausgeführt. Das Gewand fiheint für die Figur 
erdrüdend; auch ift in der Richtung der Deine et 
was Falſches. Eie it ven Hn. Rudelph Schadow, 
dem Sohn des verdienftvollen und berühmten Bild: 
hauers, — fo wie einige Büflen, in melden bie 
Schule des Vaters unverkennbar if, — (Sie follen 
fi vorn überneigen : dieſe Büftenftellung glüdt fele 
ten, aber mo das geſchieht, üft fie fehr gefällig; )— und 

ein Basrelief, das ein Scene aus der Suͤndflut 
darftellt, und wahrſcheinlich im Folge der diesjährigen 
Aufgabe der Weimarſchen Kunſtfreunde verfertigt wurde, 
In diefer Arbeit ift fo viel Kenntniß des Nadenden, 
eine fo große Mannigfaltigkeit in der Darftellung der 
menſchlichen Lebensalter, vom Kinde bis zum ganz 
ausgebildeten Manne, fichtbar, daß es ſchwer fällt, 


— 362 — 


den angegebenen Verfertiger, einen Juͤngling, für 
den wahren zu halten. Eine Gruppe darin, ein 
Alter, der ein todtes Mädchen auf den Armen hält, 
ift aus den Raphaelſchen Logen entlehnt., Die Figur 
des Alten, faſt herkulifch, ſcheint mir gegen das Ue— 
brige zu coloffal. Eine Mutter die mit ihrem Kinde 
auf einem Felfen knieet, macht eine artige Gruppe. 
An einen Baumaſt hält fih ein Mann, und zieht 
zugleich einen Jüngling aus den Flutene eine kecke 
Idee, kraftvoll ausgeführt. Die Haare des Pünge 
lings find fchlecht, und dem Kopfe fehle Ausdruck. 
Das meifte ift fleißig gearbeitet und fiheint mit Ites 
berlegung erfennen, obwohl die Compofition- etwas 
Zufammengefioppeltes hat. — jeden Kenner muß 
es freuen, wenn heutiges Tages die Künftler zu fols 
Ken Arbeiten, das reichfte Feld zur Entwidelung, 
aufgemuntert werden. Den Weimarfchen Kunflfreuns 
den gebührt Dank dafür, 

Ein andres Bascelief von Sn. Eimon, nah 
Flaxmanns Zeihnting zum Aeſchylus, das den Proc 
metheus vorftellt, der an. den Felfen gefchmiedet wird, 
sicht durch die Größe, die In der Kompofition lieg, 
die Aufmerkfamkeit an. Die Ausführung ift mittel 
mäßig. 

Zwei Reliefs des tatentvollen Hagemann, der bie 
erwähnte Bacchantin verfertigte, find in Schatttn 
geftelt. Warum? — begreif ih nicht. Da fie 
bronce: farben find, fo fiört das ſchon ohnehin die 
Betrachtung. ie fhienen mir ſchoͤn und geſchmack⸗ 
voll gearbeitet: aber fie find mit Figuren fo überlat 
den, daß faft gar fein Grund ſichtbar iſt; auch fand 
ich die Köpfe alle fehr arof. Die Behandlung der 
Gewaͤnder und Falten ift vortrefflich. Das eine ſtellt 
Perikies bar, vor welchem ‘Polygnot die Schlacht bei 
Marathon malt, Phidias das Modell feiner Minerva, 
und Sctinus den Riß zum Parthenon jur Schau 
bringt. Das zweite ift Alexander, vor ibm Apell 
zeihnend, und Dinekrates mit feinem Projeft, dem 
Athos zur Statuͤe umzuſchaffen. 

Für die trefflichfte Düfte erflären Kenner einen 
weiblichen Kopf (274.) von In. Ludwig Wichmann. Ans 
muthsvolle Schalkheit, Weiblichkeit und reigende Ju⸗ 
gend, hab' ich durch Sculptur nie fo ſchoͤn ausge— 
druckt gefunden, als in dieſem Kopfe. Die Vorſte— 
her der Bildhauerſchule koͤnnen auf die Fortſchritte 
ihrer Zoͤglinge ſtolz ſeyn. 

Unter den übrigen Buͤſten find hier ein Paar 
won Neftor Schadow und von In. Carl Wichmann 
wortrefflich; auch die des Dichters Voß und des Hals 
bien Philologen Wolf, von Sn, Tiek, find reche 
brav, daß ihm aber die einer Demoifelle Jagemann, 
(Scaufpielerin ju Weimar) ſehr gemißgluͤdt ifl, 


wird Kr. Tiek Hoffentlih Kenntniß genug haben, 
ſelbſt einzufehen. Don dem Reiz des Originals ift 
nichts auf die Buͤſte übergegangen. Diefe ficht fehr 
männlich aus. Naſe und Augen feinen eingefebt; 
in die leßtern ift flatt der Einjeichnung des Blides, 
eine Flüche gedrüdt: das iſt ſchlechter als gar nichts. 
Der Mund iſt fehr groß, doch hat er etwas pre 
chendes, Lebenbiges, aber die mit den Fingern rund 
gedrehten, in Ornamentlinien gelegten Saarpartieen 
ſchoͤn zu finden, dazu gehört ein verderbter Geſchmack. 
— Eine andre, gelbangeftrichne weibliche Buͤſte, auch, 
wie man fagt, von Hn. Tief, ſcheint darüber zu wei: 
nen, daß fie fo fehlecht geratben iſt. — 

est zu den Gemälden. 

Gleich an ber erjten Wand bes erften Saals, 
linf& der Thüre, hängen zwei Italieniſche Landfehaf: 
ten von Haderr, ob eigne Compofitionen oder Nature 
Ecenen, Fann ich nicht enticheiden. Beide haben in 
der Mitte einen Fluß, rechts am Ufer deſſelben hohe 
Bäume, linfs Thürme und Häufer, Man erkennt 
in der bee und in der Ausführung den Meifter, — 
aber auch daß er hier nur flüchtig arbeitete, nur bin: 
warf. Die Touche ift meifterhaft, aber hart. Das 
reine Blau des Himmels erfcheint eben fo rein im 
Waſſer, und viele Blätter der großen Bäume febei: 
nen auch mit demſelben Himmelblaue gemalt, — 
Der Charakter beider Gemälde ift freundliche Kubr, 
und die Ausführung ift im Ganzen fo Heblich, daß 
ſich die Phantafie gern von ihnen hinreißen läßt. 

Die Fortfehung folgt) 


Der Marfchall von Gaffıon. *) 


iner der ritterlihften Kaͤmpen des ſiebenzehnten 
Sahrhunderts, war der Marſchall von Gaffion, der 
unter dem Ramen Hentas noch befannter if. eine 
Geſchichte iſt voll von Zügen des männlichiten Muths, 
und der Fühnften Verſchlagenheit und Geiftesgegen: 
wart, Unter den Echmedifhen Fahnen fechtend, 
nabm er feinen unbedeurenden Antheil an mehreren 
Geldzügen des dreihigjäbrigen Krieges, und ward 
von dem aroßen Guſtav Adolph befonders ausgezeich⸗ 
net. Einige Auftritte aus den Verbältniffen beider, 
werben den Verehrern des großen Königs, fo mie 
den Liebhabern tapfern Mannfinnes die gedrängte 
Heldengefhichte Gaffions, die vielleicht in kurzem er 
f&einen follte, nicht unlieb feyn. 
Guſtav Adolph hat fih bei Werben am der Eibe 
gelagert, als Hontas mit einigen Gefährten zu Ham: 
burg ankam, wohin er von Kalais aus zu Echiffe 





* Ein Bruchſtück aus einer Bearbeiting dee Histoire 
du Maärechäl de bassıon, 


gegangen war. Sofort eilte Hontas dahig. Eben 
traf es ſich, daß der König allein am &bufr ſpazie⸗ 
ren ging, indem er ſich, um ſeinen Gedanken beſſer 
nachhängen zu konnen, von feinen uͤbrigen Gefaͤhr— 
ten entfernt hatte. Hier gemahrte er denn auf der 
Heerftraße jehm bis zwölf junge Yente, die luftig ein 
ber wanderten. Der König war ein Freund munte 
rer braver Gefellen, und nahm fie fehr gern unter 
feine Truppen. So rief er auch igt einige feiner 
Leute, und befahl ihnen, die Einherwandernden zu 
fragen, mer fie wären. Diefe fonnten fi ihnen 
ober nicht verſtaͤndlich machen. Unterdeß näherte 
ſich Hontas und fein Haufe dem Könige, und dieſer 
der fofert bemierfte, daß es Ausländer ſeyen, redete 
fie Eateinifh an. Hontas antwortet fofort freudig, 
fagte dem Könige, wer er ſey, und wer bie Übris 
gen, und daß fie ſammt und fonders gefonnen wär 
ren, das Kriegehandwerf unter einem fo großen 
Meifter, als er fey, zu lernen. Der König nahm 
fie fehr freundlih auf, und verfekte fie noch deſſel— 
‚ben Tages unter feine beften Kegimenter. Mur Hon⸗ 
tes erhielt noch Feine befiimmte Anweiſung. Er 
ſchien dem- Könige befonders zu gefallen, und dieſer 
ihn bei fich behalten zu wollen. 

Nicht lange darauf griff Guſtav Adolph mit 2000 
Keitern Tillys Vortrap an, und vertrieb ihn aus 
drei feiner Hauptquartiere. Garfion zeigte ſich dabei 
das erfiemal vor dem Könige mit dem Degen in 
der Kauf. Er benahm ſich fo gut, daß Guſtav 
Adolph ihm zwei Pferde mit den Worten ſchenkter 
„Nicht zum Geſchenk, fondern jurBieder 
vergeltung.“ ) Das gange Lager ſprach von 
dem jungen Franken, und nur Eine Stimme war 
über feine Bravheit. 

Schon am folgenden Tage drängte er ſich wie— 
der zu einer geheimen Erpedition, die der König dem 
Hauptmanne feiner Garde aufgetragen, und Guſtav 
Adolph freute fich über feinen Dienjteifer. Bei dier 
fee Gelegenheit machte er unter andern einen Deut: 
ſchen Offizier von fehr guter Familie zum Gefanges 
nen. Der König ſchenkte Hontas den Oefangenen 
und befiimmte felbft ein fehr Hohes Loͤſegeld für ihn, 
aber Hontas, der den Officer, der mit ihm im gleis 
chem Alter war, liebgemonnen hatte, bat den König, 
ihm zu erlauben, fein anderes Loͤſegeld zu fodern, als 
daß fein Gefangner ihn Schwediſch und Deutſch Ich: 
ren mögte, damit er-für des großen Königs Dienft 
immer brauchbarer werde, Guſtav Adolph freute ſich 
innig über jo viel Edelmurh, ſagte Hontas viel Sch⸗ 
nes — und — noch ſcherzhaft die Worte 





* Non dedi sed reddidi 


hinzu; „Erenne Srante, felle DiE ein ehe 
der Hahn Fräpt. y 
Hontas ungewiß, ob dies im &cherz oder Ernf 
gemeint fey, fand ſich doch um Mitternacht. bei dem 
Belte des Königs ein, und fand diefen fchom zu eines 
geheimen Erpeditiom bereit. Ob fie ſchon feinen Fort: 
gang. haste, da man den Feind zu wachſam fand, fa 
vermehrte fih doch die Vorliebe immer mehr, bie 
Guftan. Adolph bereits für Hontas fühlte, 
(Die Gortjegung folgt.) 
Eva. 
Aus Eva Botted Hand eutſchwebte 
Bars Lieb’ allein, was fie beliebtes 


Die Eclange kam, verführte er: 
Dann wars alkin Kolerierie. 


Der Zweifler 
. Hans. 
ob nad der Schrift der Mann Here feines Welbes fee 
Bringt mir Ehrwärbiger, mein Hanncden Zweifel bei. 
Pfarrer. 


Sreund, jweireit miht! Glaubt mir, die Schrift bleibe in 
Der Dann ik Herr, jedoch aur titular. 


Die Menſchheit. g 
Das im ihrer Wiege 
Noch die Wiensichbeit liege, 
Lehren jur Genune 
Mönde, Ellaven, Arieger 
—i—-n 
An Zumfleegs Grabe, 
Du, deſſen Büfte Lordetru deden, 
Ruhft ohne Dentmaal bier? 
Sanft ruhe! — bis dich Engel wecktu 
Mit Meſodien von Dir. 
Sagz. 
Fürmahrt Ich wolite min derſcheu 
Bu jedem Breis: „Bann firbit bu?“ fast, 
us Die bejahrte Schone fragen, 
Wann fie geboren ſen ẽ⁊ 


Auf Stella’s frühen Tob. 
Sott tieh fein Ebenbif® mit fang auf Erben, 
Eie war zu Schön, um alt iu werden. 


Aufſchluß. 
Warum kein Vivat rings berum? — 
Man iſt für taube Furſten ſumm.“ 

Bedenkliche Frage 


A. 
FTwamniag Bonteillen Malvaſier 
rank ich beur im meinem Quarticr 
„Mit vertandigen Köpien aus," — 
B. 
fe tele Famitienichmand? Hg. 





Ein unliberſetzbares Wortſotel des Könisd. Erine elg ⸗ 
nen Worte waren namlich: „Amıce galle, adsıs an- 
tequam gallus cantet. 


— 364 = 


Aus St. Peteröburg. 
Am zöfen Gent. (7ten DM.) 1904. 

ie Haben bad Glaͤck etzt bier ein amiteimemded Genie, wie 
es ſcheint, der exiien Größe, im dem Muſitdarettor bes Deutſchen 
Theaters, Hm.,Neufomm zu befigen, Er gab uns bavom 
einen nlänjenden Bemweid am 15ten dieſes, old dem Krönumgs 
ftſte umiers allgeliebten Monarchen, weldes vom Deutſchen Ihras 
ter mit einer lpxiich s dramatiichen Scene von Hu. Hunnius: 
Nleranderam Indus, geiciert wurde, In Dierer Gerne 
verband fich "nheatratifche Declamation mit mufitalucher, . und 
Gefang mit Zanı. Hr. Neufomm hatte die Muft geſetzt, 
welche nach dem einſtimmigen Urteile der Kenner, Kunſt mit 
Drigtmalitat und Geſchmack vereinigt. Beſonders jeichmere lich 
die Ouvertüre und ein jehöftimmiger Ganon auf, der lehytert 
folgenden Inhalts; 

Das ſchoͤnſte Loos des Lebens, 

Es if: geliebt zu fenn. 

Der Krieger Mrebt vergebens, 
ich dieſes Glucks gu frgum, 
as nügen Seldenthaten, 

Des Birges Porberriran? — 

Der Btanb verbeerter Saaten 

Bertunkit ihren Glanz. 

Diefe Zeilen mögen auch zugleich 48 einer Probe von ber 
Sorache In dieſer Scene bienen. Unftreitig würde das Ganıe 
autj trordentlich gewonnen haben, wenn bie bloß theatraliſche Der 
damatlon ganı weggefallen ware, und es if iu verwunderu, 
dab dem Comsoniten ſein jartes Geruhl dies micht gefagt bat. 
— Die awütte Ausſithrung des Ganiem mar, wie man es vom 
dem Gerdimare umd der Prachtliebe des Schauſpiel-Dirtttors 
Mire nur immer erwarten konnte. — Die Scene enthalt eine 
ähnliche Gtoezmuth Aleranders gegen einen Indiſchen Fürs 
Ken und ſeint Gemahlin, als er Borus beiwies, dem er Reich 
und Krone zurucktzab. Die Besichung konnte auf dem erhabenen 
Monarıben, defen Fe aeriert wurde, mur in dem Chatatter 
des Maccdomierd liegen; allein and bier aina fie verloren, denn 
Alerander der Gute raubt wiemand Das Seine, um ch 
ihm alsdann grokmurig wieder am ſchenten. Gigentlid fand 
alfo keine weitere Meumiichteit Etatt,. als Die ſehr zuratuge des 
Namens. — Der Traumbhzug Alerzaders, Der Bhılanr Der 
Griedien, das Corps der Scothen, das Heer der Jadter, Bra— 
mimen, alles dies war mehr, als es für eine Yrivar: Unternch⸗ 
mung ſeyn folite es war Aaiferlich. + Die Garderobe foll 
altein ak 6006 Rubel getofier haben Das damit verbundene 
Ballet war von dem Bauetmeiſter Hrn. Camiral ſehr arria 
eriunden, und vormglich zeichnete Ach ein Wafentan aus. 
Dad. Eamiral, wilde von Kennern in Anichung der Schule, 
unver berühmten Bose ‚Lollmer ‚vorgejogen wird, fiche ihr 
jedoch in Gruie gewis ‚weit mad. — Nach ber erſten Worſtel⸗ 
Tung wurde hr. Mire einfimumig von Dem dautbaren Publito 
herausgerufen. Krantheit Gemderte ihn am dem Ausdruͤcke feiner 
Geſuhle. Hierauf genoſſen dir Diner amd der Gomponift gleis 
de Ehre, Es gercicht der Beſchetdenheit des Hrn. Huannius 
zum Rubme,, bah er ohne Hra. Heufomim midır erſcheinen 
mwolte nad auch dieſtin das Wort lberlich. „Mauh If die 
Bahn der Kunfi, ſeate der bofuungsvolle Kimitier, wenn 
aber folde Blumen darauf falleh, fo wird fie 
angenehm umd leidt, — Da dieie Scene keine unmit⸗ 
teibare DBesichumg auf dem glorreidhen Tag hat, zu deſſen Geier 
fie bertmme par, do gewahrt fie.bem Direttor wentatens dem 
Vorrtheil, daher fie bereits Jümmal, und immer bei wollen 
Hauſe gegeben bat, Ein ganz vollch Haus berrage umaerabr 
1500 Rubel, — An dem Tage der Feier wurde Emuris 
Edellnabe gegeben, and zwar fa Gamen wedır brav. Der 
moifelie Bienemann, ein Pflegetiad des Direktor? von 
dochens vedıs Jahren fpielte den Edelkuaben in der That mit 
pieler Beionnenheir und ohne dak man ihr dns Eingelernte 
anmerten Tomnte, welches von bei Sindern fo Nmanaeehm 
wird, Dies liebenswirdige Mind berechtigt im. Wahre zu 
aroien Erwartungen. Die Wahl des Enifs war glucklich, 


Niht-politt [de Zeitung Nro.-72. 


denn fo würde Nierander ber Bute bandein, fe handett 
er. Dies Meine Schaufsiel vol aroßer Echanheit, entlockt gewiij 
bedem Gefühlvollen Thranen ; aber 23 find wicht Thränen ſchmel ⸗ 
sender, abſpannender Kubrumg, es find Zhautropien, bie Das 
Zei eririichen. 

Alle hat das Deutſche Theater fogar jept ein Ballet? — 
Ja, in der That, umd fein ganz verachtlſces. Es beiicht aus 
Hrn. und Mad. Camiral, ihrer Meinen Tochter bon umge: 
fahre 7 Jahren und fünf eigentlichen Tamern; die fehlenden Fir 
suranten werden aus Dem Schauſpielet⸗ Perſouale genommen, 
Hr. Camiral if eine hütſche Figur, aber inmit als Tänzet 
nicht von Bedeutung. Mad. Gamiral if eime ſehr brave 
Künflırin, und die mitgebrachten Tanzer find wicht zu verach⸗ 
sen. Sie traten wer io Arur auf, und zwar mit vielem 
Weifale; die Gartenicene wurde nämlich mit einem Divertiſſe⸗ 
ment, fatt der Harlclins Excene, ausgefüllt. Died Bauet ber 
mehrer aber, do Hein 28 auch it, betrachtlich die Unkoſten bes 
Directord, umd ob es Dice Untkoſten wieder einbringen wird, 
Das it dm der That mehr als wrericmatisch. 


Aus der Oberlaufig. 


Our 14 Tagen ſorxicht man im uuſter Gegend von nidt#, ald von eie 
nem Veſuch, din derKalſer und die Kaiſerin im ſtrengſten Incognite im 
Herrnhuth abarleat haben. Da fiebei ihrer Bereifung des Königreichs 
Böhmen, mo fie iberali Euren der Seegeus und Wohlwollens 
hinterlichen, auch die Orsrlaniiger Granze berührten, fo konnten 
fie der Beriuchung nicht widerſtehen, den Mittelpunkt dir Brüder « 
Unität zu beſuchen wo einſt auch Joh der li, fo reuudſchafttich 
ringeſyrochen hatte. Gie kamen von viebenwerder Bade, deſſen 
furl, Beſitzer bei ihren vornehmen Gaten die Bedieuten⸗ und 
Autiherrolien hbermommen hatten. Sit beiahem zuerſt den Nies 
gräbniäpfag auf den Hutbergen, und da fie hier vom eimemm Regen 
Aberraſcht wurden, eilten fie unter ein Obdach iu fommem. Im 
Schwedernhaus wechſelte die Kauerin ihre naßgewordene Schuhe 
und ercegte zuerſt dadurch Auſmertramteit, Bat fie die abgelegte 
Schahhe, trotz ihrer Koſtbarteit zuruckttes, die als cine mertwurdige 
Keliquie mod dort zu ſchautn ſeyn ſollen. In den ned verſehe⸗ 
nen Magastenen wurde alles ſorgfaltig brichen, und einiges einge 
Fat, Der Kaifer kaufte unter andern ein schr feines damannes 
Tirhieng auf ız Gebete und außerte, als er Die Zahlung in neuen 
Katferliche Dukaten geleiftet und der Kaufınanm werlichert hatte, 
daß fie dieſe Goldſtucke jegt fehr ſelten zu ſeha betamen, mit bieder 
Sutntütbigteit, es babe ihm auch nicht wenig Mube geleitet, ſie 
dlufammen su bringen. Mid man ihm mod koitbarere Tiſchzeuge jur 
mehrere Gedeckt anbet, verbat er honicht alle Ungelegenheit. indem 
12 Gedecke fur ſeinen Heinen Familentiſch völlig zureichend waren. 
Erſt wachden Die hohen Gafte wieder weggefahren waren, eriuhe 
man in Herruhuth mit Grwiäheit, dan es der Kalſer geweſen fen. 
Viele behanvten, er fen durch Die Mehmiichkeit ferne Bildes anf 
den Dishaten vom neueflen Beprüge, erkannt worden. Man cut 
floh ſich aun, den Kalſer eine Deputanıon nachzuſchicken, Die auch 
ben folgenden Morgen in Nummelsbung, wo der Kaifer geidilaren 
batte, von beide Maeſtaten ſetzr freumbiich aufgenommen, ımd ums 
ter andern auch darüber befragt wurden, ob fie wicht auch einem 
darhortihen Tropus bei der Grüpers Unitat hatten? — In Zöpr 
ig, wo man den Kaiſer vergeblich erwartete, wollte eine Lietha⸗ 
ters Bocierat dem Kaifer ber ein Frau onſches Luſt / und Ging: 
fpiel eine Unterhaltung geben, Der Furt vom Clarp und der 
‚itebenswälrdigr Yin Radsivil Manden am der Spitze der Theaters 
freunde, Allein diefe Freude wurde durch das Nusenklcihen des 
Aatſers vereitelt: Nun reiſte Die game Geieltichait nad Dresden, 


mo fie ka Hanie des Baicnidien Gerandten. des Grafen yon von 
‚Senicid, vor einem anserwahlten Zirkel der hier jetzt zahlreicher, ats 


jemals, wohnenden Rufwiben Fannten und Bes erſten hofadels, 
ihre Kunft sweimal zeigten und den umgerheilteien Wekjalt erud- 
teten. Das niedtiche Frauzoſtiche Stitck une Maison a verdre, 
wurde beid emat mit grotzer Fertigtett umd Rierfditeit aufasritırr. 
Vicheere von der erlauchten Gherelichart, woruuter audı der geif⸗ 
reiche Drinz von Liane, weile jogleich nach der Vorſtellung und 
RVerlin ab, 





1804. 





Der dd 
Dienflag, 


ern ft 


—— oder — — 


und 





Nro. 222. 


reimüthige 


den 6. November. 


Sdherxr%,% 





Literatur der Muſik. 
Geſaͤnge beim Pianoforte von Bernd. Anfelm Wer 


ber. Zweite Sammlung. Leipzig, bei Hoffmeiz. 


fier und Kühne, Wien, bei Hoffmeiſter. 


D. Theil des Publikums, der ſeine Anſicht der 
Kunſt auf einen gewiſſen Grad ausbildete, fordert 
in Liedern richtige Declamation. Ohne ſie muß der 
Geſangrhythmus immer unvollendet bleiben, und es 
ſtoͤrt die Wahrheit auch in der lieblichſten Melodie, 
wenn die Accente falfch ruhen. Herr Kapellmeifter 
Weber üft einer der feltnen Componiften, die durch 
zartes Gefühl und philoſophiſches Sprachſtudlum 
zugleich, das Vortreffliche ſchaffen. Dieſe Liederfamms 
fung giebt den redendſten Beweis davon. Man fine 
det hier zuerft „des Mädchens Klage” von Edhiller, 
die ſich vor den vielen Compofitionen anderer das 
durch auszeichnet, daß die Wortfegung (bei Übrigens 
hoher melodifcher Vollkommenheit) fo meifterhaft aus: 
fiel, (Es wäre ſehr zu wuͤnſchen, auch den Pen 
dant, „Thekla eine Geiſterſtimme“, beigefügt zu 
fehn.) In Herders „Erſcheinung“, dem „jung: 
gejell und der Muͤhlbach“ von Goͤthe, iſt der Geiſt 
der Dichtung fehr gut getroffen, und die „ Edirär: 
merei” von Stollberg iſt fehr bedeutend begleitet. Je— 
des einzelne Lied hebt ſich durch irgend einen charaf: 
terifden Zug heraus, und vor allen Dingen glüdt 
dem Tonfänfller die mitredende Wirkung des Ritor: 
nells. 


Bericht über die Kunſtausſtellung 
zu Berlin. 
Bortfehbung) 

Fur Folie oder vielleicht des Eontraftes megen, bat 
man nicht weit davon eine Landſchaft von Herrn Janus 
Benelli placirt: fie fellt Die Über dem Meere unter: 
gehende Sonne vor. Die Compoſition ſcheint Pre: 
buft einer Erampfbaften Anftrengung etwas Außer 
ordentliches zu leiſten; Phantaſie ift gar nicht darin. 
Auf einer Fleinen Portion Ufer, rechts, ſtehen dicht 
jufammengedrängt, drei große Etämme, von denen 
zwei Eichenlaub haben, der dritte ift eine Beide. 
Zwiſchen diefen Bäumen und einer kleinen Felfen: 
bucht, in welder eine flarfe Brandung tobt, iſt der 
ganze DVorgrund voll Schaafen, die fehr gelb und 
nachlaͤſſig gemalt find; mitten unter ihnen liegt der 
Schaͤfer mit feinem Epig: alles erfcheint Eleintich 
gegen bie coloſſalen Schafe. Die brandende See 
vor ihnen, iſt recht ſchoͤn nachgeahmt; im Hinter: 
grunde, näher dem Horizont, iſt fie ruhig und violet. 
Man ficht ein Paar Segel, die in einer grade der 
Brandung entgegengefeßten Richtung gebläht find. 
Cine Handbreit Über dem Horizont fteht die leibhaf: 
tige Eonne, Über diefer, ſchmutzig- rothes Gewoͤlk mie 
blauen Eonnenjlralen. Die anſchlagenden Yichter in 
den Bäumen, der Felſen u. ſ. m, find alle von &b 
nem Norbgelb: das mag vielleicht zum Theil in der 
datur fegn, aber viele Laubpartieen fehen aus mie 
Ombres chinoises, und Reinheit der Ausführung 


fehlt Überall. Das Ganze iſt fehr verwirrt, und 
macht gar feinen Eindrud: man ift ſchnell damit 
fertig. Offenbar hat Hr. Janus Genelli durch Con: 
trafte wirken wollen und dabei überfehen, daß diefes 
in der Fandichafts: Malerei grade am menigften am 
rechten Ort if. Da die Landſchafts- Dialerei, wie 
ſchen, glaub’ ich, irgendwo gefagt ward, gleich der 
Garten: und Baufunft, Feine Gefühle austrüden, 
fendern nur die Gegenflände die fie aufftellt, darauf 
berechnen kann, Gefühle zu erregen, fo fordert fie 
durchaus Einheit des Iharafters, Jede Cinmiſchung 
eines Abweichenden, jeder Gegenſatz — mie bier. B. 
zwiſchen der tobenden Brandung und der ruhenden 
Heerde, — ſchwaͤcht die Wirtung, hebt fie auf. 
(Anm, des Red. Bei Gelegenheit diefes Ge: 
mäldes fiellte jemand in einer Berlinifchen Zeitung 
den Zaß auf: „der Maler mülje es vermeiden, bie 
Sonne abzubilden.” Die Behauptung bat eink 
gen Grund, aber fie als Geſetz geltend zu machen, 
wuͤre Pedanterei, Freilich ift es außer der Macht 
des Malers, die Eonne mit einiger Wahrheit dar 
ſtehlen zu fönnen. Da er nicht Lichtſtralen auf der 
Palette bat, fendern nur die Wirkung derfelben, Far: 
ben, fo muß es ihm wohl unmöglich feon, einen leuchten: 
den Körper abzubilden: nur die Beleuchtung ift in 
feiner Gewalt. Aber eben der Grund würde auch 
binreichen, alle andre leuchtende oder als leuchtend 
angenommene Glegenflände von der Malerei auszu— 
fehließen, und felbft Raphael und andre große Mei: 
fter, hätten mit ihren Heiligen: Zcheinen, ihren leuch: 
tenden Engelgeftaiten, flümperbafte Fehler begangen. 
Sa, wollte man es auch nur auf die Zonne be 
fehränfen, fo würde daraus folgen, daß nie eine 
Lanpfchaft mit freiem Horijente in voller Tagesbe: 
leuchtung, nie ein beitrer Eonnen: Aufs oder Nieder: 
gang gemalt werden dürfte. Nicht doch! Wenn ein 
Maier die Sonne darflellt, fo gefchieht es nicht, um 
ein Porträt derfelben zu liefern, fondern den Punkt 
zu bezeichnen, von welchem die Beleuchtung ausgeht, 
Denkende Beſchauer merden ſich nicht dabei auf: 
halten, ihn zu tadeln, daß er nicht leiftete, was fich 
nicht leiften läßt; nicht an dem leuchtenden Punkte, 
fendern an der Darfiellung feiner Wirkungen haften.) 
Ueber den Hackertſchen Landfehaften zieht ein 
Audas Iſcharioth, 7 Fuß hoch, 5 Fuß breit, von 
Herrn Ludwig, die Augen auf ſich. Eine hoͤchſt bir 
jarre dee. Alles iſt daran grell und widerſprechend. 
Auf einem weißgrauen Quadirfleine liegt ein grüner 
Mantel; auf diefen ſtemmt fi mit dem einen Fuße, 
jum Eprunge, ein rotbharigter ganz nadter Kerl; 
das andere Bein ift fhon im Echmeben über einer 
dunfelrotben Glut, aus der zwei große, mit Krallen 


verfehene Menfchenhände emporhaſchen. Um ben 
Hals hat der Kerl eine an der Wand befeftigte 
Schlinge, die ihm aber nicht rödtlich ſeyn kann, da 
er das Ende derfelben in der rechten Hand hält: er 
braucht nur los zu laffen, und er wird nicht er 
drojfelt. In der Linken bält er einen Geldbeutel 
empor. Neben ihm ſchweben jwei ganı Meine Engelein 
und halten ihm ein Kranz mit einer Glorie bin. 
Man fieht wohl, es ift gar Fein Gedanfe in dem 
ganzen Bilde, das nur eine Ausgeburt der geheimen 
Dbern der poetifhen Poeſie fcheint. Die Schatten: 
Eeite ift fo ſchwarz das fich wenig daran erfennen 
laͤßt, und fließt mit dem Grunde jufammen. Die 
Musfeln find rund und majferfüchtig; aber die Ders 
bältniffe find gut beobachtet, und in diefer Rüdficht 
kann das Bild, fo ſchlecht es gedacht ift, doch zu 
ben gutgearbeiteten Erüden gezählt merden. 

Vom Vice: Direktor Hrn. Friſch: Orpheus der 
Eurgdicen aus der Unterwelt befreit hat; ein fehr 
großes Delgemälde, alle Figuren lebensgroß. Der 
Moment ift, da die Gatten an das Licht der Sonne 
bervorgehn. Im Schatten hinter ihnen ſtehen noch die 
Furien, und zwiſchen beideh Gruppen liege der Cerberus, 
auf deffen Macken Amor fit, um ihn zu. bändigen, 
Diefe legte Idee ift fehr artig, auch gefällt das ganze 
Dild beim erften Blick durch feine Farbengebung, 
doch bei näherer Anficht der Ausführung: — Orpheus, 
eine derbe Laflträgergeftalt, fcheint, wie feine geknick⸗ 
ten Beine und fein ganzes IBefen verrathen, mitgroßer 
Anftrengung feine Gattin nach ſich zu ziehn; fie ift 
beinahe ganz nadt, und hat gewaltig lange Beine 
und eine unnatuͤrliche, meinerlihe Phyſiognomie 
Das Defte im ganzen Bilde ift ein Furienkopf im 
Schatten, worin das Spaͤhen, ob Orpheus das Ge? 
feB halte, und die Begierde ihn es brechen zu fehn, 
ſehr lebhaft und wahr ausgedrädt ift. Die Arbeit 
ift wahrſcheinlich nur fehnell hingeworfen. 

Herr Friſch iſt ein fo verdienfivoller, und dabei 
fo liebenswürdig: beſcheidner Kuͤnſtler, daß ich mich 
fehr freue, bier fogleich zwei anderer befferer Arbeiten 
von ihm, ermähnen zu koͤnnen. Es find: Euridice 
bie ihrem Gatten wieder entriffen wird, und eine 
Ecene aus dem Oberon. Beide find bei meitem 
geiftvoller und ſchoͤner gearbeitet, als jenes erſte. 

Der Abt Tritheim unterrichtet den fiebichn: jaͤh⸗ 
rigen Kurfürften von Brandenburg, Joachim I. — 
von Hrn, Profeffor Schumann, Der Abt fist bin: 
ter dem Tifche und ſcheint, der Richtung der rechten 
Hand nad, etwas demonſttirt zu haben; der Fürft 
lehnt ſich auf den Tiſch und hört aufmerfjam zu, 
Eine der unglädlichften Adeen, die fich zu einem 
hiſteriſchen Gemaͤlde erdenken laffen; eigentlich nichts 


als zwei Köpfe mit fieberhafter Earnation, Falkigfem 
Schatten und ſchmutzigen Lichtern. Den größten Theil des 
Dildes nehmen die Tiſchdecke, rin Hermelln: Diantel 
auf dem Tabouret, und der Polfter des Lehnſtuhls, 
auf den der Körft fipt, weg. Wie die fürftlichen 
Sinfignien in das Etudirzimmer fommen, weiß der 
Himmel: — doch ich koͤnnte fehr viel fehreiben, ehe 
ich die Fehler der Compofition und der Ausführung 
diefes Bildes erfchöpfte. 

Dedipus und Antigene, von bemfelben, ift nur 
wenig beffer. 

Paͤtus und Arria vom Hrn. Profeffor Tolman, 
D meh! Schwerlich läßt fich etwas Haͤßlicheres aufı 
finden, als biefes Bild, 

Madame Henry, geb. Chodomieda, hat. in drei 
Gemälden die Ergeplichfeiten verſchledener Etände ge: 
ſchildert: Eonverfationsftäde, nicht in veredelter, aber 
doch in verfeinerter Miederländfcher Manier, Der 
Ton derfelben ift ganz angenehm, und beim flüchti: 
gen Anblid glaubt man etwas Meifterhaftes zu fehn, 
boch bei näherer linterfuhung: — Waͤre nur einige 
wahre Ferm in den Geflalten, etwas Zeichnung in 
den Sefichtern, einige Berechnung in den verfuchten 
Earicaturen, fo verdienten diefe Bilderchen großen Bel: 
fall ; aber alles ift in denſelben, verfchoben, verworren, 
unbeflimmt, und die Caricaturen find nicht lächerlich, 
fondern widrig. Am meiften verungluͤckt ift die Dar: 
ftellung aus der großen Welt. Bei einigem Ge: 
ſchmack ift es micht möglich eine der Figuren diefes 
&emäldes anhaltend zu betrachten. — Die meiften 
Demunderer verfammeln diefe Arbeiten am Sonn— 
tags: Nachmittag, — Vergleicht man fie mit den 
vormaligen Ausftellungen der Künftlerin, fo ift ihr Fort: 
ſchreiten fipebar, und da die Gattung intereflant iſt, 
fo laͤßt fih noch viel Hoffen. — Ihre Kopie eines 
fhönen Gemäldes von Dow, Mir. 32, bat viel 
Schoͤnes behalten, 

Madame Felicitas Robert, geb. Taffaert, die 
den erften Rang unter unfern Rünftlerinnen einnimt, 
bat (Per. 28.) vier fo treffliche Porträts aufgeftellt, 
dab fih Dan Dyk ihrer nicht fhämen würde. Alle 
find Außerft ähnlih und ſprechend, und richtig ges 
zeichnet; die Beleuchtung ift ſchwach. — Don einem 
ſchoͤnen Holländifhen Gemälde Ryckaerts, — eine 
zu Tiſche ſihende Familie aus dem Volk, — hat fie 
eine bewundernswuͤrdige Copie gegeben. Die Behand⸗ 
lung ift geiftvoll und fauber, und geht über das hinaus, 
was fih gewöhnlich in Paftell leiften läßt. Eine 
noch geiftreichere Touche haben die Eopien zwei 
Landfchaften von Solemacher. Es ift nicht moͤglich, 
beſſer nachzuahmen. R. 

(Die Gortfegung folgt.) 


Beitrag zur Karakteriſtik der Tenangeber, 


ei meinem Aufenthalt in einer gemwilfen Pro: 
vinzialftadt, führte mich ein Bekannter in ein Lieb: 
haber Conzert. Es wurde unter andern von einer 
fehr braven Dilettantin eine große Scene von Mo— 
dort erecutirt, Ein junger Herr aus der Reſidenz, 
mwurde von einer ‘Dame befragt, wie er mit ber 
Eängerin zufrieden fey. — Ueber meine Erwartung, 
war feine Antwort. Ich werfichere auf Ehre, Mas 
dame B. fingt beinahe fo hoch wie unfere erfte Opern: 
füngerin, Mit einer Liebhaberin muß man es aber 
nicht fo genau nehmen. — Man muß mwilfen, daß 
die brave Dilertantin den feltenen Umfang von drei 
Dctaven hatte. — 

Ein anderer Elegant , ein Einheimifcher des Orts, 
mifchte fich in das Gefpraäd, — „Madame R. fingt 
allerdings ganz huͤbſch, aber meine Favoritin ift und 
bleibt denn doch immer die B. Nicht wahr meine 
Gnaͤdigſte, die übertrifft dieſe unendlich? — Se, mein 
Gott, erwiederte die Dame, Sie haben es alfo nicht 
gemerkt, daß es gerade Ihre Favoritin war, die fa 
eben gefungen bat? — Zum Befchiuß ein Pendant zu 
der vorigen Anefdote, 

An RK — lief ſich während meiner Anweſenheit 
dafeibft, ein durchreifender Violinift hören. — Einige 
Damen bemunderten vorzuͤglich den letzten Satz eines 
Eonzerts, das er durchaus mit vieler Präzifion erecus 
cutirte. — Tout ceci n’est rien, Mesdames, — je 
vous ferai entendre quelque chose de mieux 
encore! — rief einer der dortigen Tonangeber, und 
nun mwinfte er dem Birtuofen. — Monsieur, faites 
moi le plaisir d’öxecuter ce petit Rondo deli- 
cieux, dont vous m’avez regale hier. — Mais 
Mr. le Comte, je viens de le jouer. — Ah! bravo, 
bravo! N’est-ce pas Mesdames? Il est delicieux, 
ce petit Rondo, et il n'est pas possible de le 
mieux executer? th. 


Als Monbaygon far, 


Die Scheufte ferner Schönen, 
Todt im des Lebens Mai? 

Die Pirbesgätter ohnen; 

Der Madchen Jubel tönen! 

Der Männer Hery it emblich frei. 


Ar v. W. 


Wer hmm Dir, Zauberin, enteinnen ? 

Sich an bi du, wie die Eharitinnen, 

Gnt, bauslih, tugenbhaft und Flug. 
Mh: Unſre Heren iu gewinnen, 

In ion der fünfte Theil genug 


5 


RNiht=-politifhe Zeitung. Nro. 79. 


Aus St. Petersburg. 

: Am 2Gſten Gebt. (Fin Hft.) 1804. 
Dom Strüchte mach bat die Gteindbergichs Enirenrife im 
Moskau bereits ihre Endſchaft erreicht, und man erwartet Mad. 
Müller in wenig Tagen wieder bier gurich. Ob fie auch 
wieder bei dem bieigen Ihrater wird emgagirt werden, ift nom 
wicht bekannt und wird Rart bezweifelt. — Mad. Dabiberg 
it eingetrogen, aber noch nicht aufgetreren. — Ein Hr. Rede 
trat als Philipp in Johanna von Montfaucon auf, 
Er fol von bem Schweriner Theater fen, bat nicht miß fauen 
fon aber eine ſetzr iſchwache Brut haben; — Dig taugt an einem 
ungen Liebhaber Hier wicht. — Der Schauſpiel⸗ Director Mire 
foll ſchwer darnieder liegen. Als Grund jeiner Krantbeit giebt 
man Aerger am, dem er vor einiger Beit bei feiner Geieliichaft 
hatte, als er ihr den Hmm, Arreſt o als Regiſſeur aufdringen 
wollte. Zu einer gehörigen Organiiation wird une birige 
Deutiche Bühne wohl mie gelangen, — —n n —. 


Aus einem andern Vriefe aus St. Petersburg. 
Vom zoſten Sept. (12 Ott.) 


Diemuemenit bes Hrn. von Aretin und die autunſt feines@erandten 
m fo emfig und eifrig verfiindigt werben, bad man omenkar Die 
Veranſtaltung fiebt. Dept behauptet ınan: bie Befiimmung ber 
Tinemeonit fen, ihrem Erfinder zu einer fliegenden Brüce Über bie 
Diiiee zu dienen. Das wäre dech ein wenig iu plump! Wir 
mwohen ed aus Arißlicher Liebe miche glauben, 


Aus Franzdfifhen Blättern, 
wei wichtige Werrtampfe fegten im den letzten Tagen dei Ofter 
ders die ganze kunttlichende Weſt in Bewezung. Weftris umd 
QDuport tratem, was noch mie geſchehen war, im Einem Ballet 
auf, dem Telemab; — Die Duchenols und Die Georges im 
Einem Trauerfoiel, den Horasiern, Dir großen Erwartungen 
Krömren die Zuſchauer zuſammen: doch der Eriolg war wicht 
entidheidend. Wlle wurben gleich applaudirt. Inden hat bad 
mun Veſtris einen anertannten Kival, den man ihm nicht nachſegt. 
— Ent ſehr mertwurdige Eriheimung iſt es, daf der 
Erahbe Gerfroi in fein Journal des dehata einen fangen her 
tigen Unfag voll treffender KWahrhssten gegen bie Jeſuiten, aus 
dem Publiciste, einrücden Hei. IA das etwa eine Folge von 
der Ertlarung des Kuirers: dan Die Jeſuiten in Frantreich 
wie joliten hergeſtellt werben ? 
— Detie's Ucberfegung vom Milton’ verlorenen Yaradiefe 
AR unter der Vreſſe. Zusleich wit dieſer, wird ein andres Gedicht: 
la Navigation, par Esmenud angetundigt. Es enthält cine 
Geſchichtt und Beſchreibung ber Schiffahrt in einer Reihe von Ger 
malden ;— aber ed bat acht Geſange, die sei Bande füllen: alfe 
wieder sin umermeßhliches voetiſches Bilderbuch. 


Aus Englifhen Blättern, 
Eine Macricht Die mir biuriarbigen Aucitaben anprudt zu 
werden verdient, In Surinam wird es Immer allgemeiner, bei 
die Coloniſten ihren Negerklanen die Freiheit ſchtuken; dod ung 
dieſem Fortſchritt der Menſchlichtelt gebührenden Einhalt zu thum, 
bat der Gouverneur Karl .—. g Zare - ge * 
tars anf die Freilaſung ledes Stlaven Aber — um 
Dollars auf die jedes 24 unter 14 Jahr geitht. Das if 
t geäßlich« pelitifch ! 

ER — ohleuminen in manchen Gegenden Eng 
lands drohen gerahriich zu ıperden, denn die Dünfte in denjelben 
ennänden fi und durchbreunen ibre Erddecke. In dem Diftrikte 
von Buſten ift ein großes Geld mit Aſche umd verglasten Eteis 
men bedecht, und miemand Bann es betreten, ofme eimmmfinten 
und gebramme zu werden. Bei Nacht ſicht man blaue Flammen 
auf demſelben ledern. — Es giebt in England betrachtliche 
Städte, die ganz über Koblenminen gebaut find, 

Im der Gt. Pauis Kirche wm London it auf Koſten ber 
Of · Indiſchen Compagnie dem berühmten Orientalitten Williams 
Zoned ein orachtiges Dentmal von Marmor auigehelt worden, 


— un, 


Theaternacricht aus Berlin. 


En neue Oper: Drei Freier auf einmal, — mie 
fit von Le Moyne, fiel gleich dur. Die Dichtung iſt eiend, die 


Mufit mirtelmasia: fo konnte Die felr gute Ausführung Das Stuck 


wicht halteg. — Zwei neue Balletd „Vertummus und Domena, oder 
die Verwanplungen,, und „der Dorfſchulineifter“, verzwüsen und 
jegt, um fo mehr, da unfer grehied Deutſches National Theater, das eine 
ätge in Beriin, kein eignes Ballet Perſonal hat. Der Iuhalt beider 
Bauets in nichts weniger als ein Gedichte aber fie haben einzelnt Sec ⸗ 
nen, die gut getanzt werden. Ya Dem erſten jeichmer fich vorziigiich 
ein Pas de deux aus, das von Due Engel und Wiame Kies, time jehr 
relende Seibalt, getanzt wird, umd das Hr, Riebecomppnirt bat. Ju 
dem Jepten alanjten vorgügliih Dite Augufte Schutz, Dite Hentichel, 
und Hr. Ecatefi, Eine keine erwa Iwölfiahrige Zamjerin, Die 
Joyeufe, tanjteein Solo mit dem Tambourin, alterlicht, 

— Das geſchmackvolle Haus, das Ge Winjeflät der König unferns 
berühmten Wildhaurr Echadomrrbanen fiel, ti iegt fo weit fertig, daf 
Schadow ſchou jetm Nıtelier in daſſelde verlesen konnte, Es legt im 
der (henflen Stadtgegend, nahe beiden Linden, in der Fleinen Wan ⸗ 
Rraße Rr. 13. und der gefallige Kindler nimt in demſelden taglich vom 
10 bis 2 Uhr Beſuche beider Arbeitan. Wisher wohnte er im einem 
ſeht abariegenen Etadtviertel, 

Aus Weimar, Boni von feiner Keiie aus Güddeutichland 
mac Jeng aurichgefebrt, und hat ertlaͤrt, daß er Bedenken trage, Dem 
Rurnad Burzburg ansunchmen, „weil in bem dortigen Schulweſen 
„Beranderumgen beginnen, die ihm dem wohlthätigen Zweck der Ne 
‚ulerung zu verfehlen ſcheinen.“ 

Mit der Interibrift „ Griedrich Laun und Cemjorten ”", if 
für das finitige Jabr in Dresden eine neue Zeitichriit angefünr 
digt. Eie heit: bie Abend» Zeitung Wöchentlich ſollen zwei 
beite Bingen, eim Mufikblart und «im Iterariicher Anzeiger ers 
ſcheinen. Der Preis dd An? Thaler. „Here Laun und Con 


forcen der vrechen in der Anbindigung: Allen Gegenfäne " 


den sin beiteres Gewand umiuarbenm. 

— ‚herr Proisjor Fichte hat „Rorträge einer (???) 
vbiofepbifhen ECharakterinif des Beitalters" ans 
gerümdigt. Nun, es if eben nichts Neues, Vhiloiwphen ſehr 
gründlich über etwas ſorechen zu hören, Das fie nicht kennen. Mani 
febr neugierig, ob er ia Der Elaratteriitit de> Zeitalters auch dem 
Zug anfırhren wird, daß es weder feinen Ausforuch, „man mutife 
alien Juden im cımer Nacht die Köpfe abſchueiden, oder fie mad 
Volaſtina jagen," mod seine Verfiherwuung, er beiite das Gier 
heiaiui, wnverfätihbares Geld ju verfertigen, — beechtet bat. 


Hamburg am 2. Nov. 1804. 


Dan 26. Oktober behlitiete hier zum eriienmal Madame Kiel vom 
Magdeburger Theater in dem Singſoiel Ot eron als Dberon. Unge⸗ 
achtet ihrer miedlichen Fiaurumd ibres wirtiich angznebmen Geſanas, 
madıte.sie doch kein Gluct. Das hiefige Publitum har lich nun einmal 
am bie Harfe — gewig nicht immer angentl ae Stinime der Madame 
Glen gewöhnt. und verlangt von jeder andern Sangerin eine äh 
He Stimme!!! ’ . 

Deu 30. Otteber wurde sum erſtenmal angeben dad lange erwar⸗ 
tete Tranınıpldd: Die Belagerung von Hamburg im 
Jahr 1216 von Frambac. Nach einer io tummitnäfen Vor⸗ 
fleltang wie Diet. worin wegen der gar zu zrotzen Menichenumenge 


auch nicht fur einem Augenblict Stitze war, wage ich es nicht, wie " 


gewiſſe andere Recenenten, uber den Werth eines Echawpiels gleich 
abzuueiheilen! Ich halte atfo meine Dieinung bis nach heute Atend 
wurd, wo Das Stück wiederbeit wird Sie follen dan fiber den 
Iubalt u. ſ. w. das Nabere jojort eriahren. Wenn inbeb bei der bews 
tigen Borfelung das Spitt der Schau vieler wieder chen jo ſchred⸗ 
lich it, wie dei der erden, wo brienders Hersfeld als Albrecht 
von Orfandinde und Greiger als Könls Waldemar, ſich wıe Ber 
feifene gebehrderen , jo Pönnen dem Grüche unmöglich hier Lorbeern 
erbfühen, * u 
Drudfehler. Ar. zı8. €. 351.2te Ep. Tict hacc für hac, 
Nr. 219. 6, 353. 2te Ep. 1. Pallium für Palladium, 





1804. 


Der 


Dennerftag, 





— 000 — — 


Genf nnd 


Nro, 223, 


teimüthige 


ben 8. November, 


S —A 





Literatur 


Neue Veſta. Herausgegeben von Fr. 
—Bouterwek. Bünfter Baund. Leipzig, 
bei Martini 1805. * 


An Lobſpruͤche, die bieher in dieſen Blaͤttern der 
Delta ertheilt wurden, verdient auch dieſer fünfte 
Band derfelben in reichlihem Maahe. j 

Er beginnt mit einem Bruchſtuͤck aus‘ dem 
Tagebude eines Hypochondriſten von Frie 
drich Rochlitz, das aͤußerſt intereffant, — beinahe 
fo gut if, als kaͤne es aus — Thuͤmmels eigener 
Feder. Wenn folge Schriftſteller nachahmen, fo 
wird die Nachahmung ſelbſt wieder zum Original, 
Mas für allerliebfte Situationen! Die zum Beiſpiel, 
wo der Hypochondriſt Mienchen ihr Hürden jurechte 
rüdt. — Mit dem armen unglüdlich » verliebten 
Siechling bat man zulegt aber doch ein zu inniges 
Mitleiden und gegen den glüdlichen, babei etwas 
übermäthigen Doctor empfinder man beinahe Haß. 
Ganz fo gut, wie Thuͤmmels berähmte Gefchichte der 
Margot, wo der Held fich feine Täufchung bei weniger 
reinen Abfichten felbft bereitete, ift demnach dieſe 
nicht angelegt; man fühle ſich nur uͤberraſcht, nicht 
befriedigt, und zuͤrnt dem Verfaffer, daß er mit einem 
fo gutartigen Wefen, als diefer Hypochondriſt iſt, ein 
fo graufames Epiel treiben fonnte, — . 

No. 11. enthaͤlt Gedichte un ®innfprüde 
von verfhiedenen Verfaffern — Mittels 


waare! Der Fluch des Vaters, von Conz, ift 
eine ſchwerfaͤllig gereimte Geſchichte ohne Begeben⸗ 
heiten, mit einer bleiernen Moral, — Der Kaffee 
im Walde, von einem Herrn ©. F. Nöldeke, ein 
noch traurigerer Singſang ohne Ördanfen, Unter ans 
dern fingt Herr N. * — 

Wer hier Cunter den Eichen) im ſichern Schatten tuht, 
Den drücket wicht des Tages Oluth. 

Alſo im Schatten iſt es kühl? — Weich' ein 
neuer poetifcher Gedanke! Adam hatte ihn zuverlaͤſſig 
ſchon am erſten Schbpfungetage. Weiterhin heißt es: 

Wem nit des Sangers Lied gehel, 

Der rüfe Ach sur Flucht — - 
Sollien Herrn Moͤldekens Tadler ſich vieleicht 
tiderfegen, fo will ich ihm einen guten Kath ertheis 
fen, wie er fie alle, auch mich, fogleich in die Flucht 
agen kann; er darf nur — ein geues Lied zu fingen 
Anfangen. — Die Ruhe, nah dem Horay, ift 
etwas beffer gerarben, aber die neue Ubr von 
Philippine Engelpard geb, Gatterer, nahm 
der Herausgeber wohl bios aus Gefälligkeit auf. 
Salanterie ift eine angenehme Eigenfchaft, nur nicht 
an einem Kecenfenten, Diefen kieidet durchaus nur 
Wahrheit und Gerechtigkeit, ohne Anfehn der Perfon. 
Ich kann mich daher nicht entbrechen, offenberzig zu 
befennen, daß mir diefes Gedichten in einem Tone 
gefungen ſcheint, wie ungefähr 
\ , „Der Affe gar pomirlich if." — , 

Unglei mehr Gehalt Haben die Sinnſpruͤche nach 
alten Autoren. Hier trifft man wenigftens auf Gedanken, 


- ;770 — 


No. III. beſteht aus Briefen Über bie 

Schwaͤrmerei on einen freund, wahrſcheinlich 
vom Herausgeber ſelbſt. Diefer Aufſatz iſt vortreff: 
lich, voll Klarheit, und ein Wort zu rechter Zeit ges 
ſprochen. Ich fchriebe gar zu gern menigftens einige 
Etellen daraus ab, oder noch lieber das Ganze. 
Da der Kaum dies nicht erlaubt, fo empfehle ich es 
wenigflens dringend der Beherzigung unfrer jungen 
Schwaͤchlinge, die noch immer nicht aufhören koͤn⸗ 
nen, mit gottfelig verdrehten Augen fremme — € 
nette zu beten. Der Berfaffer fagt: Schwaͤrmer 
nchmen feine Bernunftgrände an; alſo iſt & pott 
das einzige Mittel, fie zu befämpfen. Aus Gut 
müthigkeit mobdificirt er aber nachher, und gegen 
das Ende der Abhandlung fucht er gar jene Thoren 
zu entſchuldigen. Das ift aichts. Echmärmerei ſteckt 
an, wie der Schnupfen, ift vom Enthufiasmus für 
das Gute und Wahre bimmelmeit verfchieden und 
eine gar zu gefährliche Sache, und: Salus reipublicae 
suprema lex esto; alfo bin ich der Meinung, daß 
man um bes gemeinen und feilbft um ihres eigenen 
Beten willen, einzelnen Narren durdaus feinen Par 
don gehen muͤſſe. Die Eatire iſt eine ſchmerzhafte, 
ober mwohlthärige Operation, und am resbten Orte 
angewandt, aller Ehren wert, 
— No, IV. Der Troubadour, ober bie feier: 
fihe Sitzung des Gerichtehofes der Liebe. Eine 
Dichtung, zum Theil nach dem Provenzalifchen. Den 
Stoff diefes Gedichts nahm der DVerfaffer größten: 
theils aus dem Troubadour par, Fabre d'Olivet 
(Paris 1804); er bearbeitere ihn aber fehr frei, und 
wie ich Hinzufeßen muß, mit Einfibt und wahrhaft 
dichteriſchem Geiſte. Die Fleine romantiſche Rhap⸗ 
ſodie iſt vortrefflich. 

No. Ve oder Familiengeſpräche, enthalten 
die fehr ruͤhrende Geſchichte einer alten Jungfer 
von — Auguft Mahlmann. Der Verf. des Herodes 
und der Maske, fheint fich alfo bekehrt, und feine 
Kreuz: und Queerzöge zu Vertilgung des Ruͤhrenden 
in der fiteratur, eingeftellt zu haben. Ich gratulire, 
Indeß ſteht ihm das Gentimentalifiren weniger, als 
das Scherzen. Beide unterfheiden fih, bei ibm, 
ie Krankheit und Geſundheit. Zudem ift feine alte 
Aungfer, die aus Ehrfurcht gegen den Willen eines 
todten, und noch dazu einſt wahnfinnigen Vaters, 
ihr ganzes irdifches Gluͤck aufopfert, nicht eine Hels 
din, fondern eine Närrin. — Zmwedlofe Opfer 
haben keinen Werth und bemeifen blos, daß der Dar: 
bringende feines Verſtandes nicht recht mächtig ft. 

Noch ein Wort zu rechter Zeit ſpricht in No, 
VI ein Ungenannter über die neueften Theorien ber 
Erziehungsfunf, Er behauptet oder vielmehr er bes 


weiſt: Peſtalozzi's Methode ſey blos anwendbar für 
Kinder der Landleute, die in Maſſe erzogen werden 
müffen, und feiner Talente bedürfen, deren Gegen 
ftand etwas Höheres ift, als Brodermerb, — 

Die leßte Nummer, Züge aus der Sefchichte 
des weiblichen Geſchlechts enthaltend, ift eine 
wahre böfe VII. Der Derf. verfucht fpaßhaft 
zu feyn, weiß aber nicht recht, wie er das anzufan: 
gen bat; auch find die Dinge, die er verhandelt, 
eben nicht fonderlich bedeutend, Schlecht iſt indeß 
auch diefer Auffag micht grade, nur weniger gut, als 
die übrigen. K. Heinr, Leop. Reinhardt. 


Bericht über die Kunftausftellung 
ju Berlin. 
Bortfeh urg) 

Hin Kimpfel hat eine colorirte Zeichnung, die Figur 
ren 8 Zoll Proportion, aufgeftellt, das unter Oelge— 
mälden ziemlich nachtheilig erjcheint, aber in der That 
mancherlei Derdienfte hat. Der Inhalt iſt: Kaifer 
Karl V., vom Eardinal Oranvella, dem Herjog Alba 
und vielen Deurfchen Fürften umgeben, ſiht im freien 
Lager zu Gericht. Er hat eben das Todes: Lrtheil 
über den Kurfürften Johann Friedrich ven Sachſen 
geſprochen, und Kurfärft Joachim von Brandenburg 
ſteht auf und proteflirt dagegen. Die Figuren find 
alle recht brav, voll Charakter und, Leben: — kraͤftige 
Deutihe Männer. Die Köpfe find befonders fauber 
ausgeführt, nur fleden fie bei manden zu tief 
zwifhen den Schultern. Der Kurfürft, Joachim ift 
eine ſchoͤne Erſcheinung. Dem Cardinal ſieht man 
die lebhaftere ſuͤdliche Natur an. Die Anordnung iſt 
meiſtentheils gut, die Linien⸗Perſpeltive ſcheiut mir 
richtig, aber Abſtufung von Licht und Schatten, nach 
dem Moafe der Entfernung, iſt nicht vorhanden, 
Es if fehr viel Imagination in dem Bilde, — das 
Volltommenfte was Herr Kimpfel noch geleiftet hat. 

Petrus wird von dem Engel, der allein das Ge 
fängniß erleuchtet, an den fchlafenden Wächtern vor: 
Öbergeführt, — von Hrn. Kuhbeil, Das Ganze macht 
eine angenehme Wirkung, aber da der-Engel und Petrus 
ziemlich weit im Hintergrunde ftehn, folglich, vie Dunkeln 
Gewölbe als Hauptgegenftände hervortreten, glaubtman 
faft nur eine gut berechnete und geſchmackholl ausge: 
führte Theater: Decoration zu fehn. Bei der groben 
Hondhorftiihen Ausführung deifelben Sljets, das 


zu Mien im zweiten Saal der Miederländifchen 


Schule hängt, ſtehn die Figuren ganz im Morders 
— folglıch ſieht man die Geſichter deutlich, das 
emälde wird hiſtoriſch und das Fortbrechen der Yicht: 
ſtralen in den weiten Gewoͤlben, thut eineh munter: 
baren Effekt. 
Karthon und Kleffamor, von Hrn. Wolf, eiane 
Eompofition na Dffian; — eine ſehr große Zeich 


— — 


aung auf dunkelgelbem Papier mit ſchwarzer Kreide. 
Klefſfamor und Karthon, Vater und Cohn, kämpften 
mit einander, ohne fich zw kennen. Karthon fiegt, 
aber Kieffamor ſtoͤßt ihm meuchelmoͤrderiſch den Dolch 
in die Seite; jegt da der Juͤngling ſinkt, erfennt er- 
feinen Eobn in ihm und flürjt verzweifeind auf ihn 
Bin; 'Fingal, ein Barde, und zahlreiche Gruppen — 
sder vielmehr einzelne Akademien — von Kriegern 
ſtehn umber. Das Bild ift, wie man fieht, gut ge: 


dacht ; die Zeichnung der Hände, Arme, Beine, (wie: - 
wohl diefe meiftentheils gegen die erften zu kurz find,) , 
rich, aber die Com: ' 


ber Waffen u. f m. ift unverb n 
pofition iſt verwirrt, die Köpfe find wunderlich miss 
rathen, die Haltung der Körper ift fat durchgängig 
unnatbrlih. Der fterbende Karthon bat gegen die 
andern Geſtalten ein zu kurzes Merbältnif, doch ift 
er die beſte Figur. Won Kieffamor bingegen mid’ 
es den Künftier ſchwer werden, Rechenſchaͤft ab;tle: 
gen. Der Kopf, den er ganj auf den Eterbenden 
legt, icheint vom Numpfe getrennt und dieſer, durch 
feine unnatürliche Diegung, in der Mitte jerbrochen. 
Maͤchſt diefen if Fingal die Hauptfigur: im dieſer find 
die meiften Fehler der Berhältniffe. Bruft und Arme 
find fehr breit, die Arme Elein, die Beine zu ſchwach; 
der Kopf ſcheint Fein Menſchenhaupt. Der Barde, 
der ſich mit arfaltenen Händen auf eine Harfe ftüzt, 
at etwas fel. Gemeines. Die Köpfe der Eoldaten 
Kin einander alle ähnlid, und der Wind bauft in 
ihren Värten sans rıme et sans raison. Auch die 
Beleuchtung iſt verfehlt: die hinterſten Figuren find 
rade fo hell und dunkel gehalten, als die vorder— 
en. — Hr Molf ift ein fo geübter und geiſtvoller 
mer, — das gebt aus dem Bilde, troß feinen 
Fehlern beruor, — daß es fehr zu wuͤnſchen ift, er 
möge rır die Natur Ag Ho zu ſtudiren. 

Don Hrn, Profeffor Lürfe,, diefem trefflichen Land: 
fchafıemaler, find ‚vier Arbeiten in Del, aufgefielit. 
Eine Ausficht ins Okerthal am KHarzgebirge: fehr 
groß, fauber umd fleißig vollendet; alle Holzarten gut 
&arafterifirt; der Ton ein wenig Offerfarbig, das 
Waſſer im’ DVorgrunde niht — naß genug; bie 
Etaffage wohl angebracht und auch nicht Übel aus: 
geführt, Der Horljont wird durch hohe Berge be: 
fchränft, wovon zwei Rüden ein Thal umgeben, das 
fich in diagonater Richtung vom Auge entfernt: dies 
ſchien mir ſchoͤn gedacht. Der Vorgrund iſt ſehr ſau⸗ 
ber, das Ganze ein herrliches Scuͤc: — indeß macht 
et, mas wohl bei den meiften Landſchafts Giemälden, 
die treu dach der Natur ausgeführt find, der Fall if, 
feinen beflimmten Eindrud; man vergißt bie fbbne 
Ausführung feinen Augenblick über den Sinn 
bes Dargeflellten, denn es bat mohl hohe malerifche 
Schoͤnheit, aber feinen Dichter: Gedanken. — Zwei 
andre Fandfchaften deffelben Meifters, der Morgen 
und der Abend, find im gemöhnlihen, fogenannten 
itealiichen Erite, aber äuferft gracids ausgeführt. — 
Das vierte Gemälde von Hrn. Lürke, die Wähle zu 
Glieneke bei Porsdam, hat fehr hohe Maturmahrs: 
heit, — nur die Wäfcherinnen, vorn am Teiche, find 

islungen. 
” Der Deonaufirudel zwiſchen Grayn und Aps, — 
und der Barthelomaei : See bei Verchtolsgaden, zwei 
große vortreffiiche Zeichnungen mit Erpia von Hrn, 


Prof Röfet. Portifcher Geiſt athmet in der Com⸗ 
pofition, Die einfallenden Lichter auf den Höhen der 
Berge, das Transparente des Laubes, — alles, alles 
außerordentlich ſchoͤn. Beſonders grandios iſt die 
Donau mit einem ſchroffen Felfen in der Mitte, und 
dem Ztrudel unten, wo Menfchen mit großer An- 
fivengung einen Kahn lenken. — Einige : andre 
Landſchaften von demfelben Meifter, find flüchtiger 
gearbeitet und von geringerm Effekte, N. 


{ Die-Hortfegung folgt.) 
Ausführliche Schilderung von Zambeccari's 
Luftfahrt. 

(Aus Bologna) 


—— 9 der eiſerne Dann mit dem uner⸗ 
fhürrerlichen Weuthe, it wahrhaftig merfmwürdig. Er 
t Alles, faſt mehr gelitten, als ein Eterblicher lei⸗ 
en konn: er bat, im eigentlichen Ißortverflande, mit 
allen Elementen gekämpft; er liegt in diefem Augen: 
blife verftümmelt, Eranf darnieder, und dennoch denft. 
er an nichts, ſpricht von nichts, als von neuen -hals: 
bredgenden Verſuchen. Da feine lebte Luftfahrt, (am 
22/ten Auguſt diefes Jahre) theils in milfenfhattlis 
cher Rüdficht Aufmerfjameit verdient, vorzäglich aber 
einen Menschen bei der ‚grtembaliien Gefahr in 
feiner ganzen Kraft darflellt, ja, da man. fühn. be: 
upien darf: in einer ſo ich en verzweifelten Lage 
efand ſich, feit es Menſchen giebt, noch kein Eterb: 
licher; fo glaube ih, man werde gern mehr darüber 
leſen, als die magern Zeitumgsberichte geliefert haben. 
Hier ift ein getrener Auszug aus der Relation, tel: 
che die biefige Gefellichaft der Milfenfchaften, (die 
eifrige Befördererin jener Erperimente,) mit ihrer 
und Bambearig Unterfehrift hat druden laffen. — 
Am 2aſten Auguf um Mitternacht verfündeten drei 
Canonenſchuͤſſe den Anfang des Verfuchs. Der Ball. 
wurde aus der Kirche delle Acque, wo er verfer: 
tige worden, nach der nabe gelegenen Wieſe gebracht. 
Er hatte 30 Bologneſer Fuß im Durchfhnitt, melde 
etwas über 35 Parijer Zug ausmachen. Eine cirfel- 
förmige Lampe mit MWeingeift war angebracht; fie 
batte ringsum 24 Löcher, ſaͤmmtlich mit Klappen 
verjehen, um fie ſchnell zu Öffnen, oder zu werichlie: 
ben, je nachdem die Flaͤmmchen verlofhen oder fich 
wieder entzünden jollten. Das Gewicht der ganen 
Morchine, ſammt den beiden Reiſenden und den Ge: 
rötben, betrug 850 Volognefer Pfunde, wozu man 
noch fo viel Ballaft nehmen mußte, als nörbig war, 
um die Mafchine Fat im- Gleichgewicht zu erhalten, 
jedoch mir einem ganz kleinen Uebergewicht, und folgs 
lich einer Neigung jum Fallen. Um drei Uhr Dior: 
end wurde der Aufang mit. dem Füllen gemacht. 
Aus fechsjehn Tonnen, die im Kreife um zwei große 
mit Waſſer gefüllte Kufen ftanden, entwidelte fich 
der Gas und flieg gereinigt in den Ball hinauf. 
Die Direction des chemiſchen Apparats war den bei- 
den wadern Brüdern, Domenico und Sartans © garil 
anvertraut; durch ihre Sefihidlichfeit und mit Bälle 
der Herren Tartarini und Frotta, gieng diefes She: 
(dafs ſchnell und glüdli von flatten. Es war vor- 
aus beftumme, den Yurtball bis auf zmei Drittel zu 
füllen; man brauchte dazu 3548 Pfund Zinf, mit 


— 5 — 


dem noͤthigen · Verhaͤltulß von Schwefelſaͤure und 
Waſſer. Schon nach einer Stunde fing der: Bail 
an! ſich ſelbſt zu bewegen, und man würde ſehr bald 
zuidem vorgeſchriebenen Maaße der Füllung gelangt 
feyn, hätte man die Dperatich nicht oft unterbrechen 
müffen, um erft die Gondel und dann die Gallerie 
bequem zu. befeftigen; bie: leßtere murde nad und 
nad; ſo wie die aufſtelgende Kraft zunahm, mit dem! 
nöthigen beladen, : ; » 

—ñ — 


4 
Aus St. Petersburg. 
D Am zöfen Sept, (7ten DE.) 1804. 
er bleſtge verdiendvolle Probſt Lampe’ am der Deutſchen 
Haupttirche, exrichtete vor mehreren Jahren eine, ſehr gemein: 
mügige Aranfenanftalt. Die geſchlckteſſen Aerzte nahmen 48 über 
idı, die norbleidinden Kranten ihres Diertels umentgeltiich. zu 
Hefuchen, wenn fie einen Schein von dem Herrn Wrobft beide 
ten. Durch milde Beiträge wurden beträchtlihe Summen auf 
gebracht, die Koflen der Arzentten und der nörhigen Prlege; ja 
mach Beſinden der Umſtande, and wohl der Wohnung, Meibung 
und. Betöfkisung am befreite: Bow ben Wohlihaten birfer Yırs 
Ault war keine Religions» Partei, feine Nation ausgeidloftenz 
nur hatten die beitcagenden Mitglieder vorsüglih das Recht, 
Kranten iu empfehlen. Bon Zeit iu Seit wurden im einer Berr 
fammiung die Berechnung ber Einnahme und Ausgabe und bie 
Mefultare der wohlthätisen Bemühtingen der Herrn Nerite, der 
Ghefeltfchaft, und madımals im Drucke dem ganzen Dublico vors 
grlegt. Anſanalich waren die Beitrage reichlich, umd ſelbtt State 
fee Pauı nahm wis Grenfirft daran Theil, ie wie feine wohl ⸗ 
thätige Hemalkin and die damaligen Grornientichen Kinder ; 
alltin Das. Purklityin: ward Palter Dagegen; bie Auszaben übers 
filegen die Einnahme berrachtiich; es traten won mehreren Geis 
ten Hinderniſſe ein, und die game Auſtalt gerieih ins Stocken. 
Eie eriielt dadurch einen beſondern Werſh, dan ber Kranke mit 
alter Beauemlichteit in ſeiner Wohnung Dieiben konnte, und fo 
nabmmen auch veridiamte Arme daran Theil, Me vor dem Namen 
Ävsphral ober Krantentmird'sittern, ſo wenig @runb- auch 
Dazju bei den hiefigen Krantenbaniern ton mag 
ı Dem Veburfnife einer io wehlchatigen Anſtalt am einem 
Orte wit Vetersburg⸗ it jent und zwar in iu em moch geöherm Mas 
fauge, abgchotien durch Einrichtung den, Mediceephilantto— 
Birchen Geſellſchaft, eings Ausſchuſſfes, der unter dem Norlige 
des SKammerberen von Witortef im Bnfange der Kegier 
ruug unſtre wohlchatigen Monarchen niederaciegten Committee 
gar Abſchafung der Etenfenbettelei, Anlage von Armenbaufern 
m, ſ. w., dri nachher durch eim Kaiferlicbes Reſcrivt aufgcheben 
wurde. Ju ichem Stadtrbeile wird ein Arzt von befannter Ger 
fdhichlihkeit  ahgeiegt, der bie Pflicht dat bie Kranten feines 
Stadtrheils unentgeldtich zu beſuchen, Ihm wird ein Getzulfe 
untergeordnet. Der Krante bleibt im ſeiner Woehuung und er— 
halt die verordaeten Arzueimlttet und alles was zur Wicderher⸗ 
fichung feiner Gerandheit eriorderlich if, unentgeldiich, ja mad, 
den umfinden and was zu jener Erquickung dienen kann und, 
zu feiner Piloge. Zugleich find dire Werite und Ihre Gehütfen 
verbunden, bei Umfallen auf den Stratjen ober auch bei ſchleu⸗ 
nigen Zufälien, wo der-Dausarıt nicht geſchwind genug berbeis 
geibaft werden kann, gleich, Die mötbige Hilfe zu leiſſen, wozu 
fie mit allen ewiorderlichen Ehirurgischen Jnftrumenten: ſellen ver⸗ 
fehen werden, Die nöthigen Summen werden durch Eubjcviptios, 
men aufgebracht werden. , Der Monarch war der erſte Eubicrir 
bent und hat, jährlich 24000 Nubel beſtimmit. Fallen die Bei: 
traͤge fo betrachtlich aus, ald 'man es in einer Stadt wie De 
terspheg and madı' dem erfiabenen Veifnield des Monarchen er 
wären ‘ddr, ſo wird Die Micbike » Dllandbropiiche Gefeilſchaft 
ihte Gomfalt’für die leidende Dremfehhlit durch mehrere gemeine 
nugige Anftälten weite ausdehnen, wem auch cin Zuſtitut fir 
Zaubjtumme” wahrichemlich gehöwem wird, > = > ;: 





„das Zeltatter des Aencaͤs, Bas dei Mintite, das 


um 6 Uhr Morgens riefen: abermals: drei Cane⸗ 
nenfchüjfe die Zuschauer aus der Stadt. Sie firbme 
ten in lichten Haufen herbei ; ‚die mit Einlaßbilletten 
Verſehenen füllten die Schranken, : das Volk kletterte 
auf die Hügel rings umher; der. Anblick war groß. 
und einjig. Aller Augen hefteten ſich flarr auf die: 
Luftſchiffer, die mit der gemejfenpen Borfiche zu ihrem 
Anffluge ſich bereiteten, Kohzebue. 

(Die Fottſetzung folge: 

— — 


Nichtꝓol iſt iſſſch Zeitung. Nro. go. 


AusFranzbſiſchen Blätterm 
Fran: Baronın bon Krudmer, bie geitt: umdb geſnhtvolle Terfaß 
ferin ber Valerie, hatte durch die Beſchretbung, bie fie im die 
fem Romane von dem Ebawi: Zune der Lady Hamilton gab, 
in. Daris allgemeine Neugier auf dieſen Tag erwecktt. Eie fand 
Geinlien daran, einige Junge, Ühöne Greundiunen darin ju us 
tertichten, und bald gehörte es zum befien Tom, ihm. tamien jw 
können. @arder hat bas le tinem mein ‚Baltet bemupt: Une 
demi-heure de raprice ou Ja danse de Schall, Es fou 
ſebr ärtige Eichen haben aber im Ganıen mißfiel es, vorzüglich 
wegen feiner 1 rinfachen Muniti -— Wei Gieiegenheit dieies 
Batlets geſteht eif «infichtspelee Sramz. Kunftrichter, Daf. das 
Yariier Ballet in Rücklicht des eigentlichen Pantemimiichrn Tam⸗ 
des do weit iurüd it, da man die Werſuche in Lanıfelben gar- 
nit verficht, were fie nicht etiwa vom einer bekannten Dielodie 
begleitet werden. j ü 

— Das,vor einigen Monaten angefindigte Werk des Hra, 
von Benttetſen: Voysge aut ba’ schne —* ee 
vres de PEncıde; di endrich erſchlenen und in, nach dem Aus 
digen, Die: man ia Franz. Belrimaen Tiep, aim’ wortrefliches IRert,” 
Seim Titel Fapn ibm voriseicht bei den wmidrsgeichuren Leierm 
Schaden hun: ed iſt alſo möthig: anımamerfem,‘ dah es micht au⸗ 
phtlolegiihen oder antiguanijden Untetinhungen beicht, fenbews. 
aus geiftreihen Gemälden und Betrachtungen, in welchen 
itrelnlter umb' 
die Brgenwart, {u Ein remantiides Gane snfammcnzieen, und 
vie ae Rlarfe bat Eererm imtereflirem mhrem — Der Erit foll 
nicht: tlaiſen· Franzöftich fenm / aber führ blutend. Eine Brur⸗ 
theltinug im. dem treſfticen Publieite, macht dabel die Beiuer⸗ 
fang: Nur dadarch, Dad man auftöre ſtruvaibſt Correkteir ft 
das erſte Eriordermii: eines guten Werte zu ihiten ; durſe mas 
horfen,. die Sram. Sprachte ſich werfüngen,, umd dem Foctihritte 
des deitaitere ampanın,am fehm. , ...., : 


Yuszug. aus der Zeitung für die elegante Welt, 

Ne 428. JAls Der König von Schweden zum ertten⸗ 
male- in Stralſund ins Schauſpiel ‘gleng, gab man Kopebue's 
Guſtab Waſa. 

In Hatterftadt Gar man. im Diefem Herbſt im der Liebta⸗ 
frauenlitstteche ein Concert um Seflen N Armen — 
195 Thaler eingetracht hat. \ 

Mr. 129. Ein etwas madtirter Abdruck des im Mr. 215’ 
das Greimünh. mitaetheiiten Nurfages: Echentel und Eommter. 9 

Nr. 130 enttzalt eine Menge ‚grober Echmahuugen und 
Unwahrbriten gegen ben Freinm umd bie Mitarbeiter Defetben: — 
4.2. Hr. v. Sogehue ich vom Fretm. abgegangen ; Ar — hm, iu 
geipsig, fen ein Gnmimafiaft u Eislzben m. dgl. mm. (Die Adficht Dirfer 
Dinge ift zu Nidıtbar, als dab ih — vor Neuſfahe Nor vom. 
imen mehhsen folite. ) Der Ked. des Freim. 


, Mm. ‚Das Bart, das den Mödengd enthalt, hat mit Dem 
Platte des Freim., in welchem ber Muniag feibh Mebt, Ein Datum. 
Id erklare mir das jo :, Wahridıernfich werben bie drei Blatter, wek 
che wödrentlid won ber. f. d: €. 75, ericheiren, Dienftags uam» 
men ausgegchen. Da num der Freia. vom Gopnabend, den 27.0ft, 
am etden dem Tate nach veirrig ab zleng falzlih fndtfene Montag 
am IIfte dort war, kounte der Aldruck jehr gut Dienfkag am zoften, 
mit ben Data des Gonuaheubs erichelnen, 2 — f 


— — — — — 





1804 


Greitag, 
Er ı 


Bericht über die Runftausftellung 
zu Berlin. 


Nro. 224. 
/ ' ÄRSTIDER. 0 
Der Freimüthige 
— (der — den 9. November, 


D (Gortſehung.) 

ie lezte Wand die den Beſchauern, wenn fie in 
den erften eigentlichen Kunftfaal treten, durch eine 
Reihe von Thuͤren in die Augen fällt, und gleichfam 
der Fond der Austellung ift, ward am prächtigiten 
ausgeftattet. . Hier hängt Bardou's berühmte Nonne, 
über die ſchon fo viel gefchrieben wurde: (hätte der 
Maler nur halb: fo viel Fehler in feinem Gemälde, 
als gewiffe Benrtheiler in ihren Räfonnements dar: 
über gemacht, es wäre ein Scheuſal z) — bier hängt 
der Tod Bosmina’s von Weitſch; bier eine pracht⸗ 
wolle Eopie der Raphaelſchen Verklärung Mariä, von 
DBury, und endlih — Als Folie — das Häßlichfte, 
was die ganye Ausflellung beſitzt. 

Zu dem mas über die Nonne ſchon in Ihrer 
„nichtpolit, Zeitung‘ (Mr, 57 und 58) geſagt wurde, 
ill ich nur noch ein Paar kurze Bemerfungen für 
gen. Da Hr. Bardou fih bisher nur als Portrait 
Maler gezeigt hatte, und feine Bildniffe zwar gut 
gearbeitet waren, aber wegen ihres blauen Farben 
ons nicht fehr gepriefen wurden, fo überrafchte et 
das Publikum auf die angenehmfle Weiſe dur die 
fes fehr fchöne Gerhälde, Die allgemeine Stimme 
räumt demfelben den erften Rang in der diesjährigen 
Ausftelung ein, und ich glaube mit Recht. Die 
Gruppe ift glädlich gedacht; das Geſicht der Nonne 
reijend und fleißig ausgeführt; die Arme und Hände 








ſt unn d SHherzy 


— — — 


find zwar ein wenig fer, aber richtig gezeichnet 
und ſchoͤn gefärbt, Die Falten des Echleiers find 
etwas fteif, ihr Mennengewand erlaubte nicht reiche 
Faltenwürfe, und ihr Hals ſcheint mir ein wenig ju 
lang. 

Bormina’s Tod von Weitfh (©, gleichfalls Nr. 
57, 58 der nicht:polit. Zeitung) iſt mit marfigtem, 
faftigem, breitem Pinfel gearbeitet, aber die Ausflih- 
rung gefällt mir niche ganz. Bosmina Bat ein blaues 
mit Soldfaden geſticktes Corſet an, und einen braun: 
grauen Rod, der mie der im Echoofe liegende gelbe 
Schleier, oder mas es ſeyn foll, eben nicht befonders 
ſchoͤne Falten wirft; auch das Tuch, mit dem fie bie 
Wunde bededt, ift fchmugig grau. Augen, Mund 
und Naſe find faft rofenrerh angegeben; ihre rechee 
Hand ift fehr ſchoͤn, aber fichelih zu groß für ihr 
Geſicht; der Arm iſt außerordentlich gut colorirt, aber 
da er bie brillantefte Partie des ganzen Bildes ift, 
ſcheint er mir, an der unterften Ede deſſelben nicht 
am rechten Ort. — An Fingal find der rechte, treff: 
lich aufgeführte Arm und bie offenbar zu diden, et: 
was mulftig geflalteten Kniee nadt; alles Uebrige 
iſt befleidet, Er hat rothe Struͤmpfe, an und über 
diefe, eiferne Beinſchienen. Gein großer Schild if 
braun: aud Hier ſieht man alfo eine etwas grelie 
Barbengefellung, die feine fhöne Wirkung thut, fo wie 
Überhaupt der Eindrud, den das Ganze macht, eben 
nit an die Offlanifchen Gedichte erinnert. — Don 
den Übrigen Gemälden diejes talentvollen Kuͤnſtlers 
meiter unten, 


Raphaels Madonna überſtralt, wie man leicht 
denken ann, alles, und die unauefprecblide Schön: 
heit diefes Gemäldes thut die Iebhaftefte Wirkunz 


auf alle Kiaffen von Beſchauern. Die Copie iſt fehr - 


gut und treu gearbeitet, — vielleicht ein wenig jur 
treu, denn ich glaube in den leifchpartien fogar hin 
und wieder die Schmußfleden zu entdeden, weldbe 
das Driginal durch fein Alter und dem Lampenrauch 
erhielt. 
Den Platz, der jegt durch dieſe ad ie.” 
herrlicht wird, nahm vorher ein Gemaͤlde Friedrich 
Milhelms des Zweiten zu Pferde ein, 9 
und 8 breit, von Hn. Roſenberg, — 2 aber, ‚altgen 
meinen Unmillen durch feine Häßlichkeit erregtr., „der: 
Monarch, den der Verfertiger will abgebiddd Haben, .. 
war ein fehr fhöner Wann: der Keuter auf dem 
Bilde ift eine unbedeutende, umangenehme; umebte 
Geſtalt. Das Pferd- tft erträglich," obwohl ohne 
Lebhaftigkeltz der Echmeif; deffelben ein brauner 
Streifen. Die Direktoren verdienen den Dank des 


Publitums, daß fie die widerliche Erſchelnung wenige 


ſtens von diefem- Platze entfernten. 

Faſt follte man es für eine. etwas boshaſte Scha⸗ 
denfreude halten,. daß neben der Madonna in der 
ſchoͤnſten Beleuchtung das misgerathenfte Stuͤck, eine 
wahre gemalte Monftrofirät aufgehangen wurde. Es 
ft von Hn. Profeffor Grätfh und foll die Kampf— 
fpiele vorftellen, welche Achill als Todtenfeier für Pas 
troklos anftellte.- Das Eujrt ift fo bedeutend und 
reih, daß es einem fat eine ſchauderhafte Entheilie 
gung fcheint,. fie fo ausgeführt zu fehn.. Achill und 
alle Griechiſche Helden find die allergemeinften Cad: 
trägergeflalten, die man fich denfen kann; die als 
Preiſe aufgeftellten ſchoͤnen Zflavinnen plumpe Gras⸗— 
maͤgde, und nun vollends Ajax und Uyſſes, die im 
Vorgrunde mit einander ringen: etwas Graͤßlicheres 
als diefe nadten Seftalten läßt fich faft nicht denken, 
Die Carnatien und Überhaupt der vorherrſchende Ton 
ift gelblich graue Schmutz farbe. 

Geſchwinde weg davon, zju etwas Schoͤnem, 

Der berühmte Landfchaftsmaler Klengel ir 
Dresden hat das Gemälde einer Gegend bei Keſſels⸗ 
dorf eingeſchicktt: vorne eine Art von Thal, gebildet 
durch einen. Bergrüden, bemachfen. mit Meinem Ges 
firäuch, und Bäumen. Zwiſchen dieſen fieht man. die 
Sonne untergehn, fie wirft die Schlagſchatten der 
shern: Baumfämme dem. Befchauer entgegen; der 
größte: Theil: ‘des Dargeftellten: liegt in Schattem 
Die auf die mir einem heilen Blau gemalte. Sonne 
ib, ſcheint mie der Farbenton in diejom. Gemälde 
natürlicher, als in faſt allen andern bier vorhandenen 
Landſchaften; auch. das Vieh und die Menſchenge— 


"Fuß, hoch 


wolle gemacht. 


"falten find geiſtreicher und beſſer ausgefuͤhrt. Dem 
Gegenſtande fehlt das Grandioſe, das in Hu. Lürt: 
ken’s Kandichaft berrfeht, aber es iſt ein treffliches 
Wert eines erfahrnen Meifters. 

Dei diefen Anlaß muß ich auch noch eine vorhin 
Abergängerte Yandichaft von Hn. Weitich (Mr. 13.) nach 
holen; eine waldigte Anhöhe. In der Tompofition die: 
ſes Gemaͤldes find’ ich etwas fehr Driginelles ; werzüg: 
lich — ich die Ungleichheiten des Bodens ſehr gut ge: 
geben; au das weidende Mich fcheint mir fehr gut, 
nur das Kraut im Vorgrunde hat zu die Blütter und 
ein weißticher Buchenſtamm darin, feheint von Baum: 

Der Karbenton ift fehr natuͤrlich. — 

en Arbeiten diefes Künftlers erfennt man einen 

BE en’Pinfel, ein viel umfajfendes Talent, aber — 
auch zu großg, Flüchtigfeit, Mangel on kritiſcher 

2 Sttenge‘ egen fi fe » Sad Vernachlaſſigung der 
—— —⸗ Situd 8 R. 

(Die Fortſetzung folgt.) 


Aucfũhelte Schilderung von Zagpbeccange 


Luftfahrt. 
A Bologna) 
e - ottſebuns · ¶ Sm ws 3. om 


RER war bie chemiſche ‚Dperation vollendet, "der 
all in der Mitte durch ein doppeites Eeil verſchloſ— 
fen, welches leicht durch einer King lief, den men 
nicht Hoch über dem Boden "angebracht Hatte; die 
Gallerie war beladen, der Ballaft eingenommen: — 
um. halb eilf Uhr beftiegen Zambecsari und Andrroli . 
die Sonde, Zuerſt machten fie einen fehr merfwür: 
digen Verſuch mit den Rudern Sie warfen 25 
Pfund aus und fliegen alfobald fa body, als dar 50 
Fuß lange Geil erlaubte, welches den Ball noch hielt, 
In diefer Höhe bemegten fie die Ruder regelmäßig; 
und fiehe da, die Maſchine folgte: gleichfalis ziemlech 
regelmäßig, in abfleigender: Richtung, der Bewegung 
der Kuder, uͤberwand alfo bie aufileigende Krait von 
25 Pfund. . Einige wollten. war noch weifeln,. daß 
wirklich die dazwiſchen tretende Kraft ber Ruder groß 
genug fey, um jene ausjieigende Kraft zu Übermältis 
gen, ‚fie meinten, der Strick thue dabei das Weite, 
Da aber der Etrid immer fohlaffer wurde, je mehr 
der Ball fich zur Erde. neigte, und er doch den Ku: 
dern gehorchte, fo verſchwanden alle Zweifel. — Jetzt 
wurde. ein zweites Cxperiment gemacht. Die ausge 
worfenen 25 Pfund wurden wieder. eingenouimen, 
und noch 5 Pfund darüber, daß folglich das nanze 
Gewicht die auffteigende Kraft um funf Pfund über 
tar, Miche- mehe alg zwei augezuͤndete Flaͤmmchen 
waren hinreichend, den Dall ſichtbar anzuſchwellen, 
und die jo verbünnte Luft bob ibn langfam jo hoch, 


zu’; Fe 


als des Strickes Länge erlaubte. Eobald aber durch 
die Klappen die beiden Flaͤmmchen wieder unmwirkfas 
mer gemacht wurden, murde der Ball auch wieder: 
um fhlaffer und fenfte fish langſam. Kin Eleiner 
Windſtoß trieb ihn aber gegen die Eegelftangen, das 
ber mußte Das Seil etwas angejogen werben, um, 
ihn davon abzuhalten. 

Der dritte Verfuch beftand im Anznden von 
ſechs Faͤmmchen, deren Mirfung natürlid um fo 
ſchneller war. Aber der Ball fenfte fih nicht, als 
die Flämmchen ausgelbſcht wurden, fendern erhielt‘ 
fih ungefähr zwei Minuten in diefer Höhe; fo viel 
Zeit war erforderlib, um feine Temperatur mit der 
umgebenden Luft wieder ins Sleichgewicht zu brin⸗ 
gen. Dann flieg er fanft und mit gleichförmiger 
Bewegung herab, wie das erſtemal. 

Mach diefen Verſuchen ſchickten ſich bie Luft: 
ſchiffer zur Abreife an. Vother prüfte man noch 
einmal das Gericht der ganzen Mafchine, und Über: 
jeugte fih, daß nur ein Uebergewicht von einigen 
Pfunden fie. zum Fallen geneige made, Jedt wur⸗ 
den acht Flaͤmmchen angejöndet, das Eeil lorgelaf 
fen, und alfobald gefchah der Aufflug. Es war 10 
Uhr so Minuten. Der Barometer zeigte 27 Park: 
fer Zoll 7 Linien, der Raumuͤrſche Thermometer fland 
auf 17,33 Es wehte ein leichter Nordweſtwind. 
Der Donner von ſechs Tanenenfhüfn vom Berge 
St. Michael, empfieng die fühnen Schiffer in den 
Regionen derfuft. Das Auffteigen gefchah jo abgemefs 
fen und langiam, daß man ganz deutlich gewahr wurde, 
wie die durch die Kanonen erfbhürterte Luft die Gioridel 
ſchwanken machte, Wenige zerfireute Wolfen zogen 
am Himmel, die Luft war ſtill, Der Wind fehr ge 
ring, veränderlich in verſchiedenen Höhen, dach am 
veränderlichiten unten auf ber Erde. a biefer Um⸗ 
ftand den Bau binderte, fih wert von Bologna zu 
entfernen, fo blieb er faft immer im Geſichtekreiſe 
der Zuſchauer; von den Spitzen aller Huͤgel und 
von den Thürmen verfolgte ihn das Auge bis zw ſei— 
nem Miederfteigen. Die Versicaibewegung mar jiem: 
lich einförmig und flets abgemeſſen durch dir Kunſt 
der £ufrichiffer; die berigontale Bewegung jeigte fich 
verfchieden, je nachdem der Ball andere Luftſtroͤme 
durchſchnitt: anfangs gieng er nah Züden, dann ges 
gen Weften, endlich nach Norden, und in dieſer Rich⸗ 
tung entfernte er fih von Bologna, Die Reiſenden 
mandorirten fleißig und matten folgende Bemerkun: 
gen: x. Die obenermähnte Kun, die Temperatur 
des Balles nach Gefallen ju verändern, erfüllte ganz 
ihre Erwartung - Wit einem einigen Klämmchen 
mehr, befhleunigten fie augenblickich das Aufſteigen, 
oder verzogertei es, indem fie das Flaͤmmchen wieder 
auslöichten. Erhielten fie die Flaͤmmchen brennend 
in befiimmeer Amzabi, fo erbiele fich auch ter Ball 
in gleicher Hoͤhe, verſchloſſen fie dann nur eine eins 
jige Kiappe, fe sing er an zu finken. 

2, Beim Ausloſchen der Flammchen mar die Wir⸗ 


fung nicht fo fehnell, als beim Anzünden; «6 vergieng 
dann wohl-eine Minute, ehe das Steigen des Balles 
aufbörte, und er ſich nad und nad wieder jum Falk 
len neigte, wermutblich weil das Erwärmen abhaͤngi⸗ 
ger von der anffteigenden Flamme if, ale das Kuͤh⸗ 
lerwerden von ihrem Eridfehen. \ 

3. Etwas Befonderes beobachteten die Reiſenden 
wieder ein oder zweimal. Wenn nämlich der Ball 
Hleichfam ſtehend oder ruhend mar, fieng er einiger 
mal von felbft an, ſich ruckweiſe zu erheben, ohne 
daß das feuer dabel wirkte. Diefe Meine Anemalie 
fdieb Zambeccari der verfehiedenen Temperatur ber 
umgebenden Atmofpbäre zu, die vielleicht durch die 
Eonnenftrablen, oder das Keflectiren berfelben in den 
Wolken, bewirkt wurde, 

4. Diefe Kleinigkeit anegenommen, wurde es 
den Luſtſchiffern ganz leicht, die Verticalbewegung zu 
keiten, fich nach Gefallen zu erheben, berabjutalfen, 
oder in einer gemiffen Köbe zu Yleiben. Tinen ſelchen 
Verſuch machien fie im Angefihe aller Zufchauer, 
indem fie Über Renzano aus einer großen Höhe, bis 
auf 500- Fuß von der Erde berabitiegen, und dann 
wieder jur vorigen Hoͤhe ſich hinaufſchwangen. 

5. Auf der ganzen Reiſe Fam die durch den Bas 
remeterfland befiimmte Höhe vollfemmen mit den 
Anzeigen überein, weiche man durch die ven Bam” 
becari ſo genannte anemometrifhe Schnellwage er“ 

ielt. Die Meine Höhe des Varemeters mar 20 
Pariſer Zoll, folglih erbob fi der Ball niche hoͤher 
als bis zu 6994 Wolsgnefer Fuß. Die kleinſte Höhe 
bes Thermiometers war 9 Grad Reaumur. 

6. Der Dall durchſchnitt einmal eine nicht fehr 
dichte Welke, die ſich plöglich auflöfte. Meder indem 
man der Molfe fib näberte, noch auch bei, derem 
Berührung, ergaben fi fühlbare Anzeigen von Elek: 
gricieät, Vermuthlich zertheilte fih die Wolke ſchon 
bei der bleßen Annäberung, durch den darauf wirken— 
den Drud des Luftballs, wenigſtens fpürten dic 
Kerfenden nicht die geringfte Feuchtigkeit, als fie hin- 
durch mwarem i 

Um ı ihr Machmittags ſchwebte der Ball Äber 
Capo P’Argine, einer Poſtſſation auf der Etraße nadı 
Rerrara, 6 Meilen von Bologna. Kin XLuftfirem 
führte ihn nach Nerdweſt. Tie Reifenden hatten 
anfangs nichts dagegen, aber einescheils war der 
Wind zu ſchwach, um eine lange Fahre zu unterneh⸗ 
men, anderntbeis waren die Kräfte zmeier Menſchen 
kaum hinreichend, um den Ball zu regieren and zur 

eich die gehörigen Beobachtungen anzuftellen. Dar 

tuer der Yampe zw mäßigen oder zu verffärfen, je 
siachdem es die Umftände erheiſchten; den Barometer 
und Thermometer, wie auch die Magnetnadel zu be: 
obachten; bei jeder Bewegung des Balles deſſen Lage 
unterjuchen; das waren zu gehäufte Arbeiten und- 
Gorgen, die kleinſte Täufchung konnte Gefahr dro- 
ben. Zambercari entſchloh fir daher zur Erde ber: 
obzufteigen, und bei diefer Operation gehorchte der 
Ball abermals zum Erſtaunen dem Willen ſeiner Re— 
gierer. Tauſende von Zuſchauern waren Zeugen da: 
von, und, auf Anuchen ber Geſellſchaft der Wiffen: 
ſchaften, hat die Departemental: Policey ein Protocoll 
darüber aufgenemmen. , gebur. 

Die Gortichung folgt. 





I 
Nicht-politiſche Zeitung Nro. gi. 


Dien, 
den 23ften Dt. 1304 


Softheater. 

G amd diebe, von Schneller aus dem Frarzoiſchen 
üherfegt, wurde gam gut amigemonmem, auch fpielt es durch 
mehrere komiſche Verwicklungen luſtig fort, wenn gleich bie Kris 
gie vieles daram zu radeln finden dürfte, Eine neue große Oper: 
Selito, gefiel micht, wie ich Ihnen schon meldete, 

HAlcnrac's alte Operette, die Eavonarden, machte bei einer 
neuen Mufrlihrumg, vorzüglich durch das auferft treffliche Gpiel 
der Demoijelen Launcher und Eigenfag, Glücd. Die angenehme 
Prbhartigteit und Beweglichkeit, der glückliche Feichtfinn und bie 
Jiebenswiürdige Freimlithigleit und Unberangenbeit. die dech nie 
in Frechheit oder gar Nobheit audartet, Diefe Züge, melde der 
Dichter fo glücdtih im ben beiden Kleinen Geransiuheben, und 
nad ihren vericdhiedenen Charakteren zu modifisiven vwerfland, 
wurden ben ben genannten Eängerinnen mit Geinbl, Wahrheit 
umd Kunftfleii vorgetragen. Der lautefte, anbaltendne Beifall 
Selohnte fie; noch eine halbe runde nad Dem Etliche wurde 
getlaticht, die endlich der Hofihauipieler Baumann das Publl⸗ 
tum erinnerte: Auf allerhöcdhiten Verehl bürfe bier Niemand 
heraufgeruien werben, (Die fremden und Neuauftretenden 
find ausgenommen.) ; * 

more Rache, und: Verwirrung durch Zurälle; pwel meue 
MBallers von Galet, gefielem mit, auch find fie weder in Hin⸗ 
dicht ded Tauzes, noch der Minfit von Bedeutung. 


Theater an der Bien. 


Was fi jeht vom dieſem Theater fagen läßt, hangt mrit dem 
Rahmen Eigenfug auf das genaucſte Iufammen, Tas Vorur⸗ 
theit, als ob, man im Wien fremde Verdienfe micht zu wurdigen 
»erfhinde, wird mebft andern, and durch dem lauten Betfall, 
oder vielmehr Enthufiagmus widerlezt, womit man bier die 
Kungvordeltungen dirier Echaufolekerin betrachtet. Es in ums 
alaut lich· wie Aled Hier dieſt Kinflirin ſchatzt und liebt. Kan 
hat Kopfienge, Dofen m. ſ. f. altes a la Eigenfag. Aber ums 
gehiendet von dem Meihraude, der ihr fo Gaufig dampft, frebt 
fie mit immer gleiten Fleißſe den Ziele der Wolltommenbeit zu. 

Ein Melodram aus dem Ftansfifhen: Galomo’s Artheif 
mit Munt von Sunifin, geralit nur dutch Das vortrefflide Spiel 
der Madenoiſelle Eigenfag, Die Wiurteriiche wird bier im alter 
der Große umd Liebenswurdigteit fichtbar, welde die Natur im 
vieles Geinhl legte, das Markite, welches Meniten, zu verbinden 
im Stande id, Die Gieridirung des Metodrams macht zu Dies 
fer Nolte viel Studſum amd Tunſt mörhig. die muſitallſchen In ⸗ 
ervauen mit Mimik auczufuuen. "Dieie® Murmweiid Feigen 
von dillen in ſich geichteſenen Mütreridmsg zur leiſen Hofr 
nung, jur Reigendnt Erwartung, jur entzückten Ueberraſchung; 
Dieier Kampf bei dan jhreflichen urtheil, und dann ber Tom, 
womit fit das Kind Fieber ihrer übermiarthigen Feindin überlap 
fen, als deſſen Tod fehen wili: — allıs das lait fi aus der 
glubenden Gerühlsiorane nur ſchwach im, Die Ialte Oedantınbes 
leichnung Übertragen. Mit, Eigeniag wurde nad jeder Bor 
Rettung beraufgeruren, und jeder Einzeine bed Publikums freute 
id, dal dies hier mit verboten war, 

Ein Spertakeiſtuck Ehereje von Vurgäein, Kat einigemafe 
das Theater gefült, ud il denn auch aled, was ſich davem 
fügen fait. Das Hayarbiviel, aus dem Sramfiiden, und: bie 
halbe Stunde, chenzuus eine tleberſetzung, haben nicht gefallen. 

— Menr, ein Jalander, wollte nad Nobertions Auffahrt auch 
mit einem Pajtbadton im: Prater auiteigen, 18 mißlang aber, 
weil der Seidenzeug verdorben war, bie brunnbare Luſt durch⸗ 
die umd endlich gar serriü. Die Wiener mußten alſo unberrisr 
dige im die Stadt surüchtehren, dad veribrad Meyr din ander: 
mai das erwartere Ecdanfoiel zu geben. 


Ptoſe ſor Mobertfom gab heute dem 29fen feine zIweite Furt: 
fahrt bei einem fehr trüben Wetter. Gr lei cin Milchmadden 


fleigen, darauf Kieh fich eim junger Menſch in einem Fallſchirme 
etwa 100 Klafter hoch aus der But herab, und Fam gamı une- 
beſchadigt sur Erbe, Die Berfammiung war trop des ſchlech⸗ 
tem Wetters fehr Jahlreich, aber mehrere Umfänbe verjögerten 
die Auffahrt um einige Stunden. 





Nach vorläufigen Nacht ichten aus Wadern, follen bie Schuldiret ⸗ 
torien aufgehoben und die Beitung bed ganıen Schulweſens folt einem 
Hrn, von Frauenberg, einem gewaltigen Orthodoren, Übertragen 
fra. — Auch behamptet man, dah Hr. Prof. Schelllag ſtine Entla ſung 
erhalten Gabe. Quod Deus bene vertat | 


— Die Berliniſche Zeitſchrift: Sohimr, Kat mit dam 
Ende bes dritten Niertellahres anfgehört, 


Aus Frauzbſiſchen Blättern. 


Zu Bologma if eine Bubicrivtion eröffnet, oder wenn man 
will, eine Geſeuſchaft gebildet worden, deren Mirslieder ihrlich 
vier Thaler bejablen, um den Grafen Rambesari für feine Kos 
fen bei den bisherigen Lurtjahrten zu entichadigen,. und ihm im 
den Stand zu ſetzen, meue Verſuche amuffellen. 


Tropus. 


Bem. des Red, Wahrſcheinlich haben die meiſten Der 
fer dieſen Ausdruck im der Nachricht aus der Oberrtaufig (Nr. 
78) fo wenig ganz verlanden, als ib. Ihnen wie mir, wird 
alio folgende Crtlarung von einem fehe bedadtumaemerien 
gelchrten Forſcher willtommtn feyn., Der Red. 


Ih babe iht erft Die Gtelle im Ihrem Freimuthigen giter 
fen, wo des Kaifers Frage au Die Bruderunitat Acht. Ueber 
das Wort Trovus mutzten Sie Eich bei keinem Katholiken, 
fondern bei einem Serrenhuther ertundigen. Tropi heiken 
bei biefen die außeren angerrbten Konseifionen,. bei welchen mus 
kleiben fann, wenn man ein Mitglied ber limitat wird. Denn 
fie ſchreibt befammtlich Beine neut Konreifion, oder gar Neligion 
vor, fondern bringt nur auf gewiſſe, meiſt praktiiche, Punkte 
cwoie fie ed wennt), worm Nie barmoniren mürfen, denen an 
ihrer Geligteit gelegen if. 

Sir haben alfo drei tTopos paedias: 

1) bie eigentlichen Mitalieder der alten Wrüderfirche, wel⸗ 
he fie die alteſte unter dem proreitantiichen Konferfionen menien; 
2) bie Lutherauer; 3) die Kerprnieren, 

Doc nehmen fie auch Mennoniten, Cevaratiften sc. anf. 
— Gie nennen ſich felhR „die Evangeliiche Vriderumität Nuası , 
„Hurgiicher Konfenion ; umd haben alſo wirtlich feinen katbolis 
ſchen Zropue, . 

Das Wort Tropus iſt reat milde gemäßtt: es bereichnet 
nur die verſchledenen Arten des Begriffe oder des Musdrucdk, 
weiche gefättet werden, ſobald man mur in der Hauprfache 
Eins if. 

Es werden jedesmal rürer zur Adminiſration des Sur 
therſchen und ded Keformirten Tropus gewählt, in den Euner 
ben. Der Titel in: Praesices un® Adininistratores Llıo- 
ponumn, 

Vid. Epangenberg‘s Nachricht, mit Aumetkungen, von el: 
em Ungenannten (eimens gereufen Hegeubergh, Merlin 1786. 

, Biefer. 
Berichtigung. 

Es if mein Orumdfan, niemand wiſſenttich Unrecht zu 
thum, aud dem — Hu. Gpasier mitt, Jch nehme daher die 
Aruerung surlich, dan der Aufſaz in der Zeit. f. ». €, U, fiber 
Schentet und Gommer, ein mastırter Uldeuf des Aufſatzes vom 
demjelben Inhalt im Mr. 215, des Freim. il. Eme näbere 
Unteriucung bat mich belehrt, dag die Achniicdteit beider Au 
ſatze daher lomme, daß beide Ansziige aus der Verrede des Ft: 
beriden Comyendium der Maemonit find, Der Rev. 


u —e — m 


1804. 


Nro. 225, 





ARISTIDES. 
Der Sreimüthige 


Eonnabend, 


ern f 


und 


— — den 10 November. 


Sſcherz. 





Deftreichifches Taſchenbuch fuͤr das Jahr 1803. 
Wien, bei Anton Pichler, 


Gun junger Ehemann antwortete einft auf bie 
frage: warum er eine fo gar Fleine Grau geheira: 
thet habe? — „Ih that es deswegen, meil ber 
Weiſe unter mehreren Uebeln das kleinſte wählen 
fol.“ — Auf gleiche Weife liegen fi die Taſchen⸗ 
bücher apelogiren; Uebel find fie freilich ; aber ges 
woͤhnlich doch nur fehr kleine, niedlide — 

Das vorliegende zeichnet ſich befonders durch 
feine Kupfer aus, bie vielleicht zu dem gelungenften 
in dieſem Formate gerechnet werden fünnen. Ho— 
mer, nad) einem Gemälde Fuͤgers von Weinrauch, 
iM trefflich. Die Übrigen 4 Kupfer, ebenfalls von 


MWeinrauch geftochen, und wahrſcheinlich aud erfuns _ 


den, haben eine fehr weiche gefällige Compofition voll 
edler Geſtalten. Beſonders reijend ift auf dem erften 
Rebecca, die fib von ihrem Water beurlaubt und 
von ihm gefegnet wird, — 

Unter den Gedichten findet man eine Elegie von 
Sellin: Noiſeuls Schatten, betitelt. Sie if 
gut: indeß geſtehe ich offenherzig, daß ich Collin den 
dramatiſchen Dichter am meiſten ſchaͤtze. In den 
übrigen Fächern ber Dichtkunſt ſcheint er mir nicht 
ganz fo glücth zu fein. eine Muſe it Melpo 
mene; möchte er ihr doch nie untreu werden! Mit 
einer biblifhen Jöglle: Hagar in der Wülte, 
von der liebenswuͤrdigen Dichterin Earoline Pichler, 
beginnt das Taſchenduch. — Eine Herzens: Er 


leihterung an bie Herausgeber der neue 
fen Mufenalmanade ſchlaͤgt fo fehr in eine 
nahe liegende Materie ein, daß ich wenigſtens den 
Anfang davon mittheilen zu muͤſſen glaube: 
Die Ihr bei jeder Wiederkunft 

Des Herbiteh, ald doppelte Gieder ber Zunfs 

Mpolid umd dei Gottes mit Flügelfohlen, 

Die Buben der Deutihen Bibliopoien 

In derem kargen Selb Ihr ehe, 

wit weuem vortiihen Krame vericht, 

Verſtonit Die zu ſehr ſich emticerende Möhre 

Des Muſen queus: Sat prata bibere, 

Der Dur des Yublikims if geniut. 

Ihr Habe ed mit Gottertraut überriitt, 

Aumal verfhomt und mit Euren Homanıce 

Ko Aſſenamtn und Difonanjen, 

Mit diefer leidigen Makulatur 

Aus Schtegeis berühtiger Manufaktur, 

Mit Eurem, rhtige Yieude : Petrarke, 

Langweiligem , jroftigen Alinggebihtsaun — — *. i 

Das längfte Gedicht: eine Freie Ueberfeßung von 
Dvids Mittel gegen die Liebe, von Hinberg, 
iſt nicht ohne Berdienft; nur bin ich mit dem Me: 
trum und mit den Keimen nicht ganz jufrieden. 
Unter den Epigrammen und Liedern von werfchiebe: 
nen Derfaffern trifft man auf manches leibliche Pros 
duftchen, das wenigſtens von einem lobenswuͤrdigen 
E:treben, wenn auch noch nit von Meifterfchaft 
zeigt, — Die Profaifchen Auffüße nehmen nur el 
nige und dreißig Seiten ein. Sie beſtehn aus Gleich⸗ 
niffen von Caroline Pichler und einigen artigen Rei: 


nigfeiten von Gottlieb Leon und J. — k— 
Immer ift das Ganze eine erfreuliche Erfheinung 
und ein Beweis, daß aͤſthetiſche Kultur auch in dem 
Oeſterreichiſchen Staaten mit raſchen Schritten fort: 


ſchreitet. K. H. L. R— dt. 
Ausfuͤhrliche Schilderung. von Zambeccari's 
Luftfahrt. 
(aus Bologna.) 


sShluMm 
His der Ball ſich der Erde näherte, ſchwebte er 
über einem meraftigen Boden, der den Luftfiffern 
ein naſſes Reisfeld ſchien. Augenblicklich zuͤndeten 
fie zwei Flaͤmmchen an, heben ſich wieder, flogen 
über das Pofihaus weg, und da fie etwa 200 Schritt 
von da ein Feld gemahr wurden, mo feine Kinder: 
niffe zu befürchten waren, fo ließen fie ſich herab. 
don war der 74 Fuß lange Anker ausgeworfen, 
faßte auch ziemlich fe an einem Ulmenzweig. Die 
Einwohner liefen jauchzend herbei, und empfingen die 
Antömmlinge mit Flintenſchuͤſſen. Aber der Schiff— 
bruch erwartete fie im Hafen, Der Ball fiteg nehm: 
dich ſchief herab, indem er eines Sheils den Geſetz 
der Schwere, andern Theils dem Eindrud des Win: 
‚des gehorchte. Kaum hatte der Anker gefaßt, als 
die Etride fich vermidelten und die Gondel einen 
Stoß erhielt, welcher den Bali fo fehr auf eine 
Eeite neigte, daß ber brennende Epiritus Überlief. 
Die Flamme breitete ſich fogleih auf der Gallerie 
aus, die unglädtichermeife noch ganz naß von vers 
ſchuͤttetem Epiritus war. Dom Feuer ergriffen und 
durch die ploͤtzliche Gefahr vermirrt, hatten die Rei: 
fende nicht Gegenwart des Geiſtes genug, augenblid: 
lich die auffteigende Kraft um fo weit zu vermehren, 
als nöthig gewefen wäre, den Ball vom fernern 
Sinken zuruͤck zu halten. Er fiel mit feinem ganzen 
Gewicht zur Erde, und biefer neue heftige Etoß ver: 
urfachte ein abermaliges Meberfließen des Epiritus, 
modurc die Flamme noch mehr um fi griff. Zum 
Ungluͤck erreichte fie eine Flaſche, in der noch unge: 
fähr 30 Pfund enthalten waren, die ſich plöglich mit 
einem ſtarken Knall entzümdeten, Die beträchtliche 
Verringerung des Gewichts veruriachte, daß die 
Mafihine mit großer Gewalt aufpralite, indeffen hielt 
fie der Anker. Fall, Stoß und Zurädprallien mar 
das Werk eines Augenblids. Der verwidelte Strick 
drobte das Ruder zu zerbrechen. Zwel Menfchen 
flammerten fih an den Maftbaum und verfuchten 
auf diefe Weife den Ball zu halten. Indeſſen ſchrien 
die vom Feuer umgebenen Luftſchiffer, man folle das 
Eeil anziehn, Ihre Kleider brannten, ihr Geräthe, 
das Netz, die Etride der Gallerie, Alles fand im 


Feuer. Da war nicht lange zu ratbfchlagen. Zam⸗ 
beecari goß fi eine Flaſche Waſſer Über den Kopf, 
und es gelang ihm, wenigſtens das ihn zunächft ums 
gebende Feuer zu löfchen, Andreoli, um ſich ſchnell 
zu vetten, Elimmte am Anferfeil herab, aber feine 
Eilfertigeit und die Erfchütterung waren Schuld, 
daß ihm das Geil wieder entſchluͤpfte, er fließ ſich 
Heftig gegem den Maſtbaum und von ba fiel er. fehr 
unfanft jur Erde, Da der Ball auf dieſe Weiſe 
fo viel an Gewicht verloren hatte, fo firebte er jetzt 
wiederum fo gewaltiam in die Höhe, daß eine Kraft 
vermögend war ihn zu halten, Die beiden Menſchen, 
die ſich unter dem Moftbaum angellammert hatten, 
und ohnehin durch Andreoli's Fall aus ihrer Lage 
gefchredt worden waren, Ffonnten dem heftigen 
Strammen des Eeils nicht länger widerftehen und 
wurden zuruͤckgeſchnellt. Alſodald erhob ſich die Ma— 
ſchine mit entſetzlicher Schnelligkeit; das durch den 
Stoß verurſachte Schwanken der Gallerie waͤhrte 
noch ſehr lange; man konnte es deutlich bemerken, 
und es ſchien allen Zuſchauern von ſehr uͤbler Vor—⸗ 
bedeutung. So lange man Zambeccari mit den Au: 
gen folgen Eonnte, fah man ihn befchäftigt, ſich das 
Feuer von den Kleidern zu flreichen, und alles Bren: 
nende, das ihn umgab, fo gut es gehn wollte zu 
löfchen oder heraus zu werfen. Aber bald verlor 
man den Ball ganz aus dem Gefichte, der zu einer 
erftaunlihen Höhe flieg, und nordweſtlich getrieben 
wurde. Diefe ganze Cataftrophe war das Werk von 
drei Minuten. 

Trotz dem mit fo vielem Fleiß gefuchten aber nun 
verlornen Gleichgewichte, verlor Zambeecari doch nicht 
den Muth: aber welche Hölfsmittel Fonnten Genie 
und Kunft in einer fo verjmweifelten Yage ihm bars 
bieten? Er fehmwebte in einer fo ungeheuren Höhe, 
daß er, nach feinem eignen Ausdrud, die Wolfen nur 
noch als einen Abgrund unter fich fah. Wie hoch er 
eigentlih war, konnte er freilich nicht beflimmen, 
da der Barometer durch den Fall zerbrocdhen wurde. 
Seine ohnehin ſchon Übel zugerichteten Hände fuͤhl 
ten bald die empfindlichfte Kälte, Indeſſen flieg er 
doch noch micht ganz fo bech, als fich mohl nach dem 
Vorgange hätte erwarten laſſen. Er fah über fi, 
und ſchloß aus der Schlaffheit des untern Theils der 
Mafcpine, das fie noch einer größeren Ausdehnung 
fähig ſey. Eime mit Luft gefüllte Blaſe, die er bei 
ſich hatte, gab ihm überdies einen ungefähren Vraas: 
ftab für ‚die dermalige Ausdehnung des Balls, der 
feibft in diefer fürchtertichen Höhe noch einige Falten 
batte, Diefe Anzeige berubigte ihn über die Gefahr, 
plöglich heratzuftürgen, wenn die Wände des Balls 
jufammenfirlen, 


&o zmwifchen Furcht und Hoffnung ſchwebend, 
ergriff ihn ein Luftſtrom, und führte ihn ſchnell über 
das Adriatifche Meer. Um zwei Uhr Nachmittags 
wurde man ihn aus einigen Gegenden gewahr, aber 


In der meiten Entfernung fonnte man den Gegen: , 


land nicht unterfeheiden, man bielt ihn für eine be 
fondere Yufterfcheinung, und die Bewohner jener 
Gegenden jitterten. Mad und nach ließ der Ball 
fih auf das Meer herab, ungefähr 24 Meilen von 
der Italieniſchen Küfte Ein Theil der Gallerie 
ſenkte fih In das Waffer, er ſelbſt fland bis an den 
halben Leib darin, hoffte jedoch das Ufer zu erreichen 
oder ein rettendes Fahrzeug anzutreffen. Er warf 
angftsol feine Blicke umher, aber ah! nichts als 
Himmel und Waller wurde er gewahr; Der Muth 
verließ ihn nicht, weit, meinte er, koͤnne er nicht 
von der Küfte entfernt feyn, der Wind, der auf der 
See in entgegengefekter Dichtung von derjenigen blies, 
die er oben in der Luft gehabt harte, werde ihn wohl 
bald dahin führen. Als er aber lange vergeblich 
wartete, und feine Kuͤſte am Horizont erſchien, 
wollte er ſich menigflens gegen Ermattung oder 
Schlaf durch Anklammern an einen Strick fichern, 
und zog daher das Ankerfeil nach fi, welches! zu 
feiner linken ins Waſſer hing. Aber wie groß mar 
fein Erflaunen, als er bemerkte, daß der Anker im 
Grunde gefaßt hatte, und folglich den Ball verhin— 
derte fortzuräden. Er ſah augenbliclich die Moths 
mwendigkeit ein, das Geil zu fappen; aber wie? wor 
mit? Er hatte fein Inſtrument dazu, er hatte nicht 
einmal, Hände zur Arbeit; die rechte war ihm ers 
froren, die linke verftümmel. Die Moth machte ihn 
erſinderiſch. Er zerbrödelte die Linfe eines Fernrohrs 
welches er bei ſich hatte, faßte das größte Stuͤck ders 
felben mit den Zähnen, und fing an das von Geide 
gedrehte Eeil durchzufeilen, meiches, da es durchweicht 
war, leichter nachgab. Endlich gelang es ihm, die 
Mafchine wurde flott, mit gänftigem Winde und gu: 
ten Hoffnungen trieb fie, der Italieniſchen Küfte zu, 
und Zambeccari half, fo viel er fonnte, durch die 
ruderförmige Bewegung feiner Arme. 

Wohl 15 Meilen war ‚er fo fort gerüdt, als er 
fieben Fiſcherbooten begegnete, die aus Magnavacca 
ausgelaufen waren. Die erften vier, als fie die fon« 
derbare Mafchine auf dem Waſſer erblidten, wurden 
von raniſchem Schreck ergriffen und kehrten fchnell 
um, Gluͤcklicherweiſe waren die letzten drei minder 
furchtſam. Sie näherten fich jedoch fehr langſam 
und vorfichtig, als fie aber den Gegenſtand ertannt 
hatten, fpannte eines derfelben feine Segel auf und 
kam fchnell naͤher. Antonio - Walta von Chioggia 
bie der Herr der Barke, der das Verdienſt hatte, 


den Merunglädten zu retten. Es war die hoͤchſte 
Zeit, fhon vier Stunden fland er im Waſſer, die 
Sonder fenkte fi immer tiefer, und das Waffer 
ing ibm, im eigentlichſten Verſtande, bis an die 
eble. Die Fiſcher thaten ihm Beiftand, und felbft 
feine Rettung war nicht, bloß mie Muͤhe, fondern 
auch mit Gefahr verknüpft. Mergebens verfuchten 
fie auch den Ball zu halten, der, fobald er erleich 
tert mar, ſich mit großer Heftigfeit wieder empor 
bob, feinen Weg juerft gegen Comachio, dann nach 
—* nn gegen bie Ärtei junahm, und ver 
wand. 

Die gutmuͤthigen Fifcher erquidten ihren Saft 
fo gut fie vermochten. Trog den entfeßlihen Eiras 
paßen, welche er ausgeftanden hatte, die dennoch 
fein ſtarker Geift den Körper aufrecht. Er brachte 
eine ziemlich ruhige Macht am Bord der Barke zu. 
Am andern Morgen erreichte er Magnavacca, und 
fam ‚von-da nah Comachio, mo der Delegat ber 
Präfecrur ihn ſehr gafitrei aufnahm und ihn beft- 
möglichft reftaurirte, 

Man denke fi unterdeffen die bange Eorge 
um fein Schickſal, weiches in Bologna herrſchte; 
aber man kann ſich auch ſchwerlich den ungeſtuͤmen 
Jubel vorſtellen, mit welchem Zambeccari empfangen 
wurde. Es war ein Triumph fuͤr ihn, foͤr die Wiſſen⸗ 
haften und für fein Vaterland. Leider wurde die 

reude durch feinen bedenklichen Gefundheits Zuſtand 
ſehr gemindert. Man flrchrete er werde die ganze 


“rechte Hand einbüßen, er ift aber glüdlichermeile noch 


mit: dem Derluft von iwei fingern davon gefommen ; 
und man ſchmeichelt ſich, es werde von diefer fürdh: 
terlichen Begebenheit nichts weiter übrig bleiben, ale 
bie faft zur Gewißheit gediehene Hoffnung, die Luft⸗ 
bälle künftig nach Belieben regieren zu koͤnnen. 
Kogebue, 


Die Rofe?’) 


Bei uͤ Tod ö fi 
— R————————— srl. de z 


Au einft der Hauch der lichenden Natur 
Die Koie fbui, da feierte die Flur 
Den Wonnetag. Der Blumen durtend Chor 
Sah fraumend aus der Knofor hold hervor 
Sie lacheln, und beiceiden blict empor 
Das Beilben ; unihuldbspon verneiget fich 
Sur Pilie deckenloſes Haupt; es wich 
Die Aoiye Tuive feiba; entiermt vog Neid, 

War jede su ber Hulbigung bereit, 

Wer blüht wie Du? Wer athmer füh wie Du? 
So rigien ihr entzückt die Schweſtern iu; 

Ya, Litbetrunten ſchuf Dich die Natur, 

Du, Huldin, bif die Königin der Fihr. 

Ach: foracd die Roſe, wit, ein kurzes Biel 
Ward dieiem Dart, dem beiden Farbenſpiel. 
Denn Dhöbus erfier Auf, der mich entsückt, 
Entiorft der Kuoipe mid, — doc Luna blickt 
Noch kaum von ihrem Gtermentbron herab, 
es lätelt fie ſchon, Schweſtern, auf mein Grab. 
Der Ehönbeit Deris — wie willig gab ich ihm, 
Könnt ich wie Ihr, o Echweſtern, länger blühn! 


— — e e t — > 

“) Als Verfaſſer dieſes Gedichte nannte mir ein Reiſender 
Hen. Reinbet. Vrofeſſor an einer Deutſchen Schule zu St. Peters: 
burg. Ob e⸗ jichon itgcudwo gebructt if, weih Ich nicht. — 





— 380 — 


Nichtpolitiſche Zeitung. Nro. 82. 


Winter: Zeitvertreib im St. Petersburg. 
(Gortiegung von Ar, 55.) 


m Range der welte md im Miter wielleicht ber erſte. If ver 
Engliide Klubb, ſo genannt, weil voriügli bie Englifche 
Sactorei daran Theil nimmt, Er hat bereus feit vitlen Ich 
gen fein eigenes Hans und zeichnet ſich durch eine gewiſſe Wahl 
feiner Mitglieder aus. Dies in eigentlich ber Alubb für bie 
vornehmern Sauflente aller Mationen, doc entgält er auch 
viele Perionen vom hoben Adel, die bier ihre Gpielpartigen 
machen, und imar zu ſehr Gehen reifen. Der verſtorbene ber 
rügmte Fürd Besborodfe, bie Galovine, bie Galsu 
kine m. f, mw, bradıten und bringen zum The med, ihre 
Abende dort zu, Diefer Klubb erlitt auch in ben bedendlichiten 
Keiten nie eine Anfechtuug. Zeitungen, Epiel und die Greuben 
der Tafel flinen hier die mäßigen Stunden aus. — Die Zahl 
der Mitglieder, belauft ſich ſets auf mehrere hunderte, 


Ein ahnlicher Klubb Für die Mitteltaie der Kaufleute, 
voryüglicd; für die Eommis, und banm auch für Auuſtier, Um: 
terbeamte in den Collegien und Gerichten, Gchamjpieler, feiner 


Handwerter, it der Buͤrgerkiubb, der im dem fehönften Etabte 


tbeife die mittlere Etage eines fehr weitlauftigen Echauſes ein / 
winmat. Hier if die Geſeuſchaft täglich am sablreichtten, denn 
Derheirathete und Unverheirathete aus den benannten Klaffen 
Bringen hier gemühmlich ihre Abende IM. Die Lage in dem 
Witreipumtte der Stadt, die Gewiäbeit Gier feine Relannten 
anpmtreffen, die Freiheit, gan; map) feiner Laune ben, Abend 
gingubrıngen, en im Ganen sientih guter und mwohlititer 
Tiſch, gutes Getrant, baden für bie meifen Mitglieder io viel 
Sinziehenbed, ba fie ungern eimem Nbend "vorbei gehen laſſen, 
ohne ihre Slaſchen Punſch im dierem Aubb am trinten. Auch 
sicht manden die Beguemlichteit, feine volittiche Neugier au ber 
feiedigen dahin, denm bier trifft man im armen eigemen dazu bes 
Kiınmien Zimmer far alle Deunche politiichen Blatter, vom 
Reis: Amieiger bis auf Das volitiſche Journal, und auch Engs 
Iriche Zeitungen an; auferdem mod verſchiedene nicht + politifae, 
Was fir Einen oder pen Audern ein beiondere# Intereife bar, 
wird dean and wohl autgeriſſen aus dem höliernem Beferage 
mem, worin fie unter Elek liegen, und eingenectt. — Bor 
üglib bebaupter man, daß Deutfche Schauſpieler oft den 
Sreimlrbigen fo lieb gewannen haben. Der Haupt Zeitvertreib 
AM aber auch bier Das Boſton, und Die Mitglieder dieſes 
Ktubbs fimd ſo berühmt ald Virtuoſen Im dieiene Epviele, dad 
non in andern Griehiarten fih nur mit einer heillgen Scheu 
nit tbmen zum Epiele fept. ET’ Homtre- Partien find felten, 
eber finder man Viket und Chad, in weichem Ieptern Eoice 
es mehrere Meiller giebt, fo wie auf dem Qiltard, deren bier 
aroel Fark ſtets defegt find, Yihgrd, Karten und @etränte gu 
hören zur Cinnahme der Seſellſchaft und tragen berrachtiiche 
Eummen eim, das fen beforgt Der Detonom, dem au der 
Punſch überdamen it; dagegen gebert Tiidyeng umb Eiiberscug 
weht allem fibrigen Gerarge dem Kiutb, Um 12 ufe wirb 
der Klubb geidloften, den Tag Über if er ſelten gan Mer, 
Sie meinten der unverheiratheten Mitglicher, “orzüglid, aus 
dem Kaufmanneſtande, nebmen am dem Mittagstiibe Theil, 
der fehr maßig im Yreife und immer ehr beſetzt if. Uebri⸗ 
gens ſteht es einem jeden frei zu versehren mad und wieviel er 
wii, auch gar aichte, wenn es ihm micht deuebt. umte der 
vorigen Regierung wurde Dirfer Alubb geſchloſſenz aleich im 
eriten Jahre der jepigen aber wieder erögmet, und biefe Unter⸗ 
prechung hatte für die Sefellſchaft den Mortheil, dab fie dadurch 
fiad felb reinigte, — Die ueſache, Dad fie geidloien wurde, 
{ag mwobl mit darin, daß bei dem Aufammendufe fe vieler 
Menſchen aus allen Stauden, worunter (ich matürlich auch wirie 
geichäftige Müflgganger und Nenigkeitätrimer fanden, dieſer 
Fiubb gleidjam Die Micherfage und oft auch ber Gerichtehof 


der Begebenheiten bed Tage? war. Hier wurde dann und manz 
ein wenig grfanmegiehert, der Vunſch floh dan oft das Seri 
auf und es traten Urtbeile hervor, De man fon eben mid 
laut werden lieh, auch fand wohl zuwellen eim kleiner vorwigis 
ger Widerfpru gegen die Dietarur der Polliel« Difielere Statt, 
und was ber Erunde in jenen Zetten mod mehrere ſeyu mode 
ten. — Ist laht man die alten friedlichen Burger bei ihrem 
Piriden rubig polittirem, und das Deutiche Theater dit für 
viele dort eine teiche Fundgrube an Unterhaltung. — or ber 
Yeriode ihrer Regeneration wurde der Carbarinemtag mit dir 
wem ale geitiert. Jedes Mitglied erkieit gegen einem (che 
masigen Beirrag, für dem die Erleuchtung umd Mufit befirit 
ten wurde, zwei Damenbiliette und ed wurden auch michrere 
Gaflbittette ausgerbeilt, Dah an diefem Libende keine der che 
barın Hanbwertss Frauen und Töchter, deren Mianuer, Water 
oder Brüder Mitglieder waren — und deren gab es damald 
eine große Zahl, — von dem Balıe wegblieb, verſteht ſich von 
feioh, Docs draugten fi auch wohl Damm höherer Gtande 
hieuu, die ſonſt wielleicht mit Maferinpfen auf den Bürgerkiunh 
berabfahen. Freilich gingen fie and diesmal in keiner andern 
Moficht bin, als nm an Ort und Steie felbt das Märchen IM 
rümpfen unb Stoff sur Kberslinterhaltung re einige Wochen 
wu gewinnen; deum als Bau konnte dieſe Gefeliihait wohl mes 
nig Reijendes haben. Im einem Lokal, weſches chem geoä go 
nug ift einige hundert Mitglieder mit Bequemlichkeit zu faſſen, 
preäten ſich jetzt Taniende amiammem, Gm den Salen wo ser 
tanzt wurde, wiren erhöhte Bunte am den Wanden umber, we 
Das ſchöne Geſchleͤt in bunter Miſchung von alleu Stauden, 
allen Nationen, alien Famtllen, allen Amüsen umb Auriagım 
Plap mabm, Die luftwandeinden Herren fülten dem. größten 
Theil des Übrigen Raums aus umd jr bie Tamıenden blieb 
äuferft wenig Vlas. Dos Gedrange, die Ausbiiakungen ber 
Menſchen, die einer Wolte gleich ſich am der obern Dede Im 
gerten, ber Dampf und die Glut der Zuacdsterien, im dem 
Nebemimmern der Tabacis rauch, das betaubende Getöfe der 
Infrumente, das bin und her Wogen der gamıen Maſſe, wahr⸗ 
lich dies erforderte einen überwiegenden Genuß, wenn e# nicht 
unerträglich werden jelie, Auch ſcawur eim Jeder, wenn er 
den Ball verlieh, dies ſolle Das vetztemal feun, daß er für feine 
Perfon Mare genug anmeien wäre, darau The au mehmen, 
und im tünffigen Jahr war er Doch gemiä wieder da. Aber 
im Grunde gewährte ein ſoldder Mend audı reichliden Erſatz 
für ale diefe Uunbeawremlichkeiten, denn die drotligſten Erſchen 
nunaen, bie (eitiamden Abentheuer, bie heiuftigenditen Intrigen 
in umeribövilicher Mannigialtiateit ſeſſelten die einen; Reiche 
tbum, Yurus. Moden, Ecuheit Die andern; frembartige 
Miſchung ber Sitten dir Vetter, der Grände bie dritten; und 
bie gurmurhigen Geichenfe, Pie cigentlich um des Wales wiuen 
feet da waren umd das gamıe Schauſplel im unſchuldiger Un— 
wiſſeuheit aufuhrteu, Gatten fa auch ihrem Genuf, Dak bier 
nicht bie Rebe von denen Frauen und Tüchterm jener Etäne 
ii, weiche durch Meicükam und Nerbimbungen fi am em 
gau maunsſtand anſchtiehen, am den. üfentlihen Tamgeſeu- 
ſchaften nit dem mirtiern NA, ja weht ſelbſt mit Siürkinnen 
Anteil nehmen, verſteht ach unacfagt, Beam dirfe ſind von dem 
vornehmern Stauden weder in Volltur neh Aul ur im geringe 
ſten zu uuterſcheiden. An dieſem Abende holt: aber auch die 
Frau, die feine Anferute anf Theilnahnte an dem Freuden dir 
böhern Elande macht, ihre Mofene gebliimte Noberoude oder 
Abdrenne, Die für dem Hocheitstage ihrer Unieriehug in dam 
Anden unter dein Vierte rubta entaegen gefchen harte, Gervor 
ſetzte dad hohe Koyrieus mit dem reinen Baude ber der khnmı 
den Rofenguiriande anf, und fihmhdte das Wüchterchen mist 
alien Bändern und Aranisn, die nur auijwirciben waren. 


4 Die Gortfegung folgt.) 


m — 








1804. * 226. 
Der Freimüthige 
Montag, — — oder — den 12. November. 
erst ıı Sherry 
Die Neugriechen. unwahrſcheinlich finden, daß die eigentliche und ein: 


Pi ben großen Weltbegebenheiten, die fich jebt 
in fo furchtbar⸗ſchneller Folge vor unſern fchrwin: 
deinden Blicken anhäufen, werden kleinere 
Punkte leicht Überfehn, und doch entwideln ſich aus 
ihnen oft ganz unvermuthet Die uͤberraſchendſten Bes 
lege au den petites causes des grands cvönemens, 

Die Republif der fieben Inſeln ift nicht der un: 
intereffantefte Punkt auf dem politifchen Theater Eur 
ropa’s in diefem Augenblid, mo die zwei maͤchtigſten 
Continentalgewalten ihr Augenmerf darauf gerichtet 
haben, und nad dem unmittelbaren Einfluß darauf; 
"oder eigentlicher zu reden, ihrem Befip mit ſichtbarer 
Eiferfucht. ſtreben. Allein es hänge dies noch mit 
einer andern politifchen Küdfiche zufammen, die vie 
len unferer Zeitungspolititer ein ganz verfchloffenes 
und verfiegelies Blatt in der Zeithronif zu ſeyn 
ſcheint. Eorfu und die Kepublit der fieben Tafeln 
ift nur ein Pünfthen von dem meiten Länderkreife, 
den Frankreich und Rußland jetzt zu gleicher Zeit ins 
Auge gefaßt haben. Ganz Griechenland und das 
Monopol ‚des Levantifchen Handels iſt die Braut, 
um weiche hier geworben wird. Man lefe Scrofonis, 
Dliviers, Sauveboeufs Reifen, und erinnere ſich auf 
einige Augenblide an alles, was feit 10 Jahren ber 
große Mann in Fankreich, der jebt Europa aus ſei⸗ 
sien Angeln hebt, in jenen Gegenden gethan hat, und 
woran er gehindert worden ifl, und man 
wird es wohl nicht mehr räthjelhaft oder au mur 


sige Quelle alles Weiiwerfländniffes, das jetzt wiſchen 
den Höfen von Petersburg und Gt, Cloud obmwalter, 
vielleicht in der Frage gu ſuchen iſt: wer Herr auf 
dem Briechifchen Archipelagus und in der Levante 
fon BER _ ei, um eo. m, — 


Aber eben darum werdienen 
nun auch die eigentlichen Bewohner jener Länder: 
und Sjnfelgruppe, die fogenannten Meugriechen, 
eine weit größere Aufmerkſamkeit, ale man ihnen ger 
wöhnlich zu ſchenken pflege. Die Eorfioten, Cephal⸗ 
lonier und übrigen Bewohner der fieben Inſeln find 
eur ‚ein Kleiner Theil des noch immer mande Million 
Seelen ftarken Volkes, das in Jaſſi und Buchareſt 
noch. eigene Hofbaltungen Hat, und ſich durch alle 
Theile des Tuͤrkiſchen Reichs verbreitet. In den 
großen politifchen Planen, die ihrer Ausführung taͤg⸗ 
lich mehr entgegenreifen, wird auf die Gefinnung, 
Eultur und Denfart diefes Volkes gewiß mehr an: 
kommen, als ſich jept auch nur nah Wahrſcheinlich⸗ 
Feit berechnen läßt, Die große Selbſtherrſcherin aller 
Reußen, deren menfchlicperer Enkel jet ihren Thron 
einnimmt, bat durch Kriege und Friedensfchläjfe 


- fhon eine gewaltige Ummandlung im Charakter und 


Wohlſtand diefes fo herabgewürdigten und gequälten 
Volkes hervorgebragt. Man muß daruͤber eine Vor⸗ 
leſung ſich zu verſchaffen fuchen, die freilich nie in den 
Buchhandel gekommen ift, woraus aber vor mehreren 


— 382 — 


Monaten intereſſante Auszüge in der nun zu Ulm 
erfptinenden allgemeinen Zeitung gegeben wer 
den find. ) Allein es follen in den neuern Zeiten 
den armen Griechen nur für ſchweres Geld (der 
Reichthum und die ſtolze Pracht des vormaligen — 
— Geſandten ia Eonftantinopel, des: Generals — — und 
feiner Gemahlin mögen davon zeugen), hand fehr kaͤrg⸗ 
lich Licht und Freiheit feyn zugemeſſen worden, und 
in den meiften Fällen find fie ganz alftin Ährem ei« 
genen Genius, der nicht immer ein Auefluß des Lichts 
princips, des Oromosdes ift, und dem loͤſeuden oder 
feffeinden Zufall uͤberlaſſen. 

Der Zweck diefes Aufſatzes kann daher auch nur 


der ſeyn, die Augen der Leſer dieſes vielgeleſenen 


Blattes etwas mehr auf einen Gegenſtand zur rich 
ten, der der häufigen Beleuchtung eben fo beduͤrftig, 
als der wiederholten Betrachtung würdig if. Grade 
jegt erhebt ſich fait im der ganzen Handelsweit wie⸗ 
der ein allgemeines Geſchrei gegen die Treutofigkeit 
und gewinnfühtige Argliſt der Neugriechen, da in 
Eonftantinopel und Wien einige fehr bedeutende Bans 
teroutte ausgebrochen, und die Erſchuͤtterungen, die 
diefe Fälle Hervarbrachten, bis in unfere Gegenden 
fortgepflangt worden: find, Eine mitwirkeude Urfache 
der diesmal für den Deutfihen Handel fo traurie 
gen und niederſchlagenden Leipziger Michaelismeffe, 
waren auch diefe Griechiſchen Falliments. Da hörte 
man. denn. aufs neue alles Schändliche und Ecimpf: 
liche von: den. Griechen, die man im Leipzig und in. 
ganz Zachfen nur Mazedonier zu nennen pflegt, ob» 
gleich mehr als die Hälfte der Moldau und Wallas 
hei zugebören, Überall erzählen. Der rechtliche Kaufe 
mann tmollte, hört man da, weit lieber, mit dem abs 
gefeimteften Juden, als mit einem binterlifligen Gries 
chen zu thun haben. Was im Alterthum fides Pu- 
nica geiwefen ſey, muͤſſe jetzt Kdes Graeca heißen. 
In der ganzen Deftreichifchen Monarchie und beſon⸗ 
ders in der Hauptſtadt derfelben, fey ein Grieche zu 
ſeyn, die ſchlechteſte Empfehlung unter allen, was zus 
nähe hinter einen Steckbrief rangirt. Die Leute 
hätten immer doppelte Nahmen, und mähtend fie 
unter einer Firma haufen. bei ung, zu zahlen. aufhörs 
ten, trieben fie drinnen in ihrem eigentlichen Water: 
lande ihr Geſchaͤft nur um fo ſtaͤrker, da fie es mit 
geftchlenen Waaren und Geldern naͤhren koͤnnten, — 
und wie die Übrigen Beſchuldigungen fonft nach heir 


Mimoire nır Pötat actuel de la civilisation dans 
la Greee, In & la Socıetd des Obsrrvatenrs de Phomme 
6 Janvier 1803. 66 ©. in 8: Auch verdiene dei ſcarfſe⸗ 
henden Britten Eatom Ueberfiht des gegenwartigen Zurhudes 
des Türkischen MNeicht, auch Im Rückſicht auf die Neugriechen 
wohl dadirt zu werden. 


Ben moͤgen. Was iſt num Wahres an allem dieſen? 
Wer macht unter uns den Anfläger oder den An: 
wald biefer Menſchen? Es muß in Leipzig, Chem: 
nit, Augsburg, Wien, fehr wadre und fachfuns 
dige Männer geben, die aus vieljähriger und tiefer 
Kenntniß ſprechen könnten. Möchten fie ihr Ureheil 
in dem Freimuͤthigen freimüchig darüber nieder: 
legen! Göllten nicht ganze Provinzen, und ganze 
@ihdte und Gewerbe auch bier fehr forgfältig zu 


unterſcheiden feyn? 


So viel ift ausgemacht, daß die literarifihe und 
wiſſenſchaftliche Kultur der Meugriechen in den letzten 
20 Jahren ganz ungemeine, und für den weltbürger: 
lich gefinnten Freund der Wiſſenſchaften ſehr erfreu: 
liche Fortſchritte gemacht bat, Ihre Sprache iſt 


durch patriotiſche Maͤnner, die ihre Fackel im Aus 


lande anzuͤndeten, und die wichtigſten Produkte der 
gebildeteſten Europälfchin Volker in ihre Mutterſpra⸗ 
che uͤberſetzten, ungemein bereichert und ſchon fo wich: 
tig geworden, dap ein geiehrter Arzs (Dr, Weigel 
in Dresden) uns mit einem lehrreichen und vollſtaͤn⸗ 
digen Woͤrterbuche diefer Sprache in zwei Bänden, 
befchenken Eonnte, Die -neuefie Erſcheinung in die: 
fen Fache ift eine Ausgabe eines bekannten Griecdhis 
ſchen Komans; der unter dem Damen der Acthio: 
piſchen Geſchichte Heliodors, oder der Liebe 
des Theagenes und der Chariclea, auch in alle leben: 
den Sprachen mit größerer oder geringerer Treue 
und Gewandheit Überfekt worden ifl. Der Neugrie: 
chiſche Arze Coray, einft in der Fakultät zu Mont: 
pellter, feit der v.evolution aber zu Paris wohnhaft, 
bat diefe Ausgabe nach den befien vorhandenen Gries 
chiſchen KHüifsmitteln, in. zwei Großoctavbaͤnden ver: 
anftaltet, Der erfte enthält den Text des Originals, 
ber zweite gelehrte Scholien, theils Worterklaͤrungen, 
theils Sacherläuterungen, wie fie vom Herausgeber 
bes Strabo, am welchem er jebt arbeitet, und des 
Hippokrates und Iheophraft, die wir fchon von ihm 
befigen‘, zu erwarten find, Die Gcholien find in 
veiner, altgriechifcher Eprache abgefaßt, und erinnert 
an bie Zeiten der Bifetus, Muſurus, Camerarius u, 
ſ. w. wo über die Griechiſchen Claſſiker auch noch 
Griechiſch commentire wurde, Allein das Merkwuͤr⸗ 
digfte von dieſer, auch durch eine liberale Auffen 
feire fih empfehlenden Ausgabe, iſt eine dem eriten 
Theil vorgefeßte Zuelgnungsepiftel an Alerander 
Daffili, einen gelehrten und patriotiſchen Griechiſchen 
Buchhändler in Wien, auf deffen Koſten dieſe Aus: 
gabe veranftaltet worden if, Diefe 68 Eeiten betra: 
gende Zueignung iſt Meugriechifch, jedoch in einer 
ſehr voredelten und in Worten und Wendungen der 
Altgriechifchen fehr nahe gebrachten Sprache abge 


zu. : We 


faßt, die ein jeder leicht verſtehen wird, wer nur das 
Airgeiechifche hinlaͤnglich zu erlernen und zu üben 
Gelegenheit hatte. *) 

Der mit wahrem Patristismus und Altgriechi⸗ 
ſchem Freiheitseifer durchglühete Coray erflärt ſich ge: 
gen das Ende diefer fefenswärdigen Vorrede fehr ſtark 
gegen die Vermahrlofung und Verfaͤlſchung der Dieus 
griechifchen Sprache, indem er dabei von dem Grund: 
faß ausgeht, daß die Sprache felbft in die Denk: 
und Einnesart eines Dolfes den entichiedenften Ein: 
fluß äußert; er ereifere fih dabei fehr heftig gegen 
die ſelaviſchen und nietrig kriechenden Dedicatienen 
mehrerer feiner Landeleute, die nmeuerlih Neugrie— 
chiſch gefchriebene Werke herausgegeben haben, und 
ſchließt dann mit einer Aufmunterung an feine Yande: 
feute voll Kraft und männlicher VBeredfamfeit. Der 
Schluß diefer Paränefe mag denn auch bier mohl 
eine Etelle, und vielleiht im GemÄthe manches 
großher zigen Leſers eine gleichgeſtimmte, rein anklins 
gende Saite finden. 

„Loft uns alſo, meine Landsleute, ſtatt jener 
tebrednerifchen Zueignungen; lieber ein jeder nad 
den Maafe feiner Kenntnijfe Aufmunterungen und 
Rathſchlaͤge an die ganze Nation voranſchicken! Lapt 
uns nicht blos das loben, was ſchon Gutes zur Def 
ferung umd Bildung geſchehn üft, fondern auch das 
andeuten, was Die Neichen und Braven noch zu thun 
baben, damit es beffer werde mit unferm Volk. — 
Wir mäffen uns einander gegenſeitig Muth einipre: 
chen und unterftügen. Sehr vieles iſt noch zu thun 
übrig. Die Laufbahn, in die wir heute eintreten, 
ift weit, Wir find faum im erften Auslauf, Das 
ficht, das wir gemeinfchafrlih im dem verfinflerten 
Hellenenlande anzujuͤnden firebten, fiedt in einem 
fehr tiefen Brunnen Mir haben faum das aͤußer⸗ 
fie Ende des Geiles angerübrt, durch mweches es 
beraufgewunden werden ſoll. Noch thuts daher, 
wenn es uns nicht wieder aus den Händen ent 
ſchluͤpfen fol, daß wir einander befräftigen durch 
mutbigen Zuſpruch, und einer dem andern mit Hoffe 
nung und Furcht die Worte zurufe, die Arifiophanes 
die Arhenifhen Bauern fi wechfelfeitig zurufen 
läßt, ‘als fie die eingemauerte Friedensgöttin hervors 
ziehn wollten, Laßt uns nicht erfchlaffen! Auf, auf! 
Welche unnennbare Schaam müßte unfer Antlig bes 
deden, wenn mir gleich beim Eintritt in die Lauf⸗ 





®) Der Titel diefer merfwürbigen Musgabe it Hieduge 
Aıdısıınun Bıläsm denn gorgo munı dumann Arıkardee 
Bern o Kogam. 1. Th. 446 ©, 2. Theil 416 S. Der 
Preis für beite Bände HR 6 Thaler, Eremplare davon find 
beim Nuchbandier Rectam ın Leidrig zu baben 


bahn zuruͤckweichen, wenn wir die nur ein wenig 
beraufgezogene Leuchte wieder auf den Boden bes 
Brunnens, juruͤckfallen laffen wollten, Unſere 
Feinde nennen uns gern Barbaren! Aber fie arg: 
mwöhnen dennoch umfere IBiedergeburt. Wehe demnach, 
fa jehntaufendmat Wehe Ääber uns, wenn wir, nach: 
dem wir Wiederbelebung und Wiedergebnrt von uns 
boffen ließen, wieder zum Tod niederfinfen. Dann 
waͤre es bejfer, es wäre bei der erften Barbarei ge: 
blieben, Da entſchuldigte uns bie Schaverei, unter 
der mir ſchmachteten. Aber jeßt, wird uns biefer 
Bormand wohl rechtferkigen, da mir felbft unter 
dem Joch unfre Häupter zur Beſchauung des Edeln 
und Großen erhoben? Fiele der Blitz dieſer durch 
nichts zu befepdnigenden Schmach auf unfere Häup- 
ter, fo mag man uns irgend einen Nahmen geben: 
nur wage es Feiner von uns mehr, ſich einen Helle: 
nen, einen Griechen nennen zu laſſen.“ —r. 


Minnelied 
Nah Walther von der Bogelweide, 
(1, 125.) 
„Tem diefen bunten Kranı 
Sold ſelige!“ — begann ich Kalb veringt, 
Wach siert 14, und den Maicntans, 
„Wenn ihr die ihönem Blumen tragtt 
nBeräh ich Perlen, Ebriftelne, 
„Eie müäten air um euer Haupt! 
„Und wenn ihr nicht dem Miinnefange glaubt — 
„erh nur im meinen Augen, wie id’) meine,” 


„Ihe fend vol Biebfichkeit, 
Se göttlich, bafı ich opfern muß mb wic 
„Das Veſte was mein Gartchen beit; 
„Noch weiß ich zarter Blumen wiek, 
„Dh beimlich neben Murmelbachen 
„Im fernen Pappeihaine blih'n. 
„Baht unser Nubtigalenmelobieh 
„Sit dort im Mbendwei’ uns beibe brechen 1" — 


Sie nahm, wad id ihr bot, 
Wie ein vom Heiligen Ehriſt beſchenktes Kind, 
Und iüre Wangen wurden roh, 
Wie Nojen unter Lilien find, 
D der verihamten lichten Biider 
Zr ſchones Neigen banfte mir: 
Weich füher Lohnt — Erring ih mehr von Ihr, 
Schweig ich geheimniinen von meinem Gluck. 


2% 





Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 83. 


Auszug eines Briefes aus Wien, 


Die Jeſfuiten. 

firditen Eie nichte wegen der Wiederterſtellung bed Jeſub 
teroxdens dm Den Oeſerreichiſchtn Staaten. Der edeimühhige 
Eomeora in Drag Kat feine Bebrjahre bes Jefulter: 
Ordens (Prag, Calbe 1802) nicht vergeblich geſchrieden. 
Dian kennt und durchſchaut diefe Füchſe im gleißenben, weichem 
Shafpely auch bier kei dem oberſten Behörden, umb ihr erfler 
Edugpateon iſt im den Nuheſtand veriegt. Die Pieriftem, im 
deren Händen jegt die michtigiie aller Nationalangelegenbeiten, 
das Ersichungsgerbäft gelegt if, babem fchr wackre und thätige 
Männer an ihrer Evige. Freilich iſt jeht überall Noth um 
tüchtige Lehrer und Proferoren, da mum einmal alles durch 
Geiftliche gerchehm mui. Man könnte wohl auf einmal am 200 
Brave Vadagogen branden. Darum erleichtert man auch deuen, 
die Theoloste Mudiren und fich dem geilichen Stande widmen 
wollen, auf alle Eieire ihr Geibäl. Der kümitige Brit muß 
erst 3 Jahr dem philofophifben Curſus machen, umd darf in 
Diefer Zeit fein eimsiges phnfifhes oder mediunſches Eollegium, 
wicht eimmal Botanik hören, Dann mu ar noch 5 Jahre Dies 
dieim Audiren. Die Juriften haben es eben fo ſchlimm. Aber 
der Theolog If nur am einem eimjährigen Euriud in der Wolle: 
fongie (man Heft bier Über dem gereinigten Feder.) verwfichtet, 
und findet überall die einfadendfie Erleichterung. „— Auch die 
mädtige Finanz reitet mit allen Wagfen, die ihr zu Gebote 
Men, genen die Wiederherücklung der Jeſuiten. Micht vergeblich 
Hat der umvergehlie Joiepb (dein coloſſalt statye equesire 
aum dur umfen Zauner völlig ausgegoſſen und Herrlich ac 
rathen ih) am das au dem ebeliten Zwecken beittmmte Jeſniter⸗ 
Coneglum im Brühn fegen laſſen: patcise restitut Joscphus 
11. Sit undegreifich wäre ‚ed, wenn man Died ausiöfchen und 
dafur fehreiben ſotite: Pıae fraudı restitutum. Mein, dazu 
denkt unjer wahrhaft gutgefinnter, bas Wohl feiner treuen Lrte 
terthanen redlich beheriigender Trans 11. wirt zu aufgeklärt, 
Einmal; im Jahr 1799, war gd allerdings mit Der Wiederher⸗ 
ſteilung der frommen Biter fehr weit gelommen, Man glaubte 
iu der damaligen Calamität, als alle Saulen dar Monarchie zu 
wanfen fdienen, darin einen Taliemann ‚gerunden zu haben, Al⸗ 
tein da brachte der alhufrüge Triumphruf die Mugen Herru 
wirtlich um den Triumph. Sie verdundeten ihre Wicberherr 
Rettung zu voreilig in öffentlichen Bratten, da fie ihrer völlig 
ſicher au dem, and fie dadurch feibit med ſicherer zu begründen 
hofften. Grade Diele Vorſchnelliagkeit gab einigen edeln Staats⸗ 
mannern Teranfapung, die Sache in ihrer wahren Geſtalt vor 
wußtellen, und die ihöndehnarte Etien der Geltgenheit ieh fich 
feitbem mie wieder anfafren. Reden Sie nun Ba bie orfir 
sielte Erflärung von Seiten der Framöfiihen Megierung, dah 
man feinen Ordendgeifilichen im Frankreich je darden werde, und 
freuen Sie ſich, dag wentgſtens Died Decibiv Iemt und morgen 
nech : micht Der. duldenden Menfehlreit auf den Nadfım kommen 
wird. Biber Äbermorgen? Nun, e# giebt ja woch wachende 
Hirten und Huͤter ber Volter! 


Winter» Zeitvertreib in St. Petersburg. 
(Gortfegung von Nr, 82.) 
Mı welchem Stolje durchwandelten fie nicht bie erfendhtetem 
Säle; mit welcher Behaglichteit beichauten fie ſich nicht in Dem 
großen Spiegeln, die ibmen am jedem Pfeiler entgegen laͤchelten; 
wie wurde da nicht auf die Frau Gevatterin herabgeſehen, bie 
vieleicht ein befcheidenes Haubchen, ein minder fchreiendes Kleid 
am hatte. Der alte Here, ber ſich auch micdt geirig zeigen 
wollte, führte denn bald die theure Ehchalfte und das Zodter: 
ben um VBüfet. Diefe wurde mit Zuckerwert und einem Glas:; 
chen Pimonade, jene mit eimem Blafe Punſch oder einem KAruge 


" porter bewirthet. Dem folgte wehl noch eim zweites, das Blutt 


wallte raſcher durch die Adern, die Muft fuhe im die Meine 
und ehe man fidh's verfah, ſchlevote die geblerende Grau dem 
wiberipenftigen Eheberen iu dern Reigen. Nun wurbe eine Po⸗ 
Aonatfe oder aud wohl ein Englifher gemadt. Da lei man 
ſich zurecht ofen fo qut es gehen wollte, und ſtolberte mit 
Greudebligenden Augen und Bunjbglühenden Langen durch bie 
Meihen. War das Tochterchen hubſch, fo blich es Denn and 
nicht lange ohne Engagement. Go flug die Stunde des it 
sent. Da wurde dem Eovrifeiaale zugewantt, und num beiar 
men die Kinnladen ihre volle Arbeit. Ein Shmoscen 
wor Taſche, Das verſteht fidı von ſelbſt. Nun warde asrgeladen 
und eingelar:u, dab es eine Bremde mit auzuſehea war. Der 
Fiſch — ja der wollte febwimmen; auf Kehl mu man ttinten; 
Die Hige erregt Dark, Da wird ein Flaſd chen nah dem cm: 
dern mipfresft. Das Iöft die Zuge, bringt den Witn in Gans: 
Schlag auf Schlag und jeher von cimem ſchauenden Eclachter 
begleitet. Das Toͤchterchen ruckt num bin und ber, die Muſit 
ſchallt gar zu dieblich heruüber, der Tanzer iR schen zweimal hin⸗ 
ter dem Stuble wiggegangen: wenn er num eime Andere nahme? 
Miutter jo komm' fie doc! was ſitzt man denn hier? — Giridı, 
Maribinta,*) glei, — hier han du mod erm Etuck Kuchen, — Auch 
Kuden mag ich nicht, Ich win tanzen. — Wun Mutter jo gch 
od, lah das Dindchen auch luſtig ſeyn. — Ja Über die Made 
den, fie können mie genug hefonmen; ſo fomın benu nur, Dias 
ter, ich macht and wohl mad eins mit, — Nun meinehmegen, 
sur Verdauung. — Und ſo gieng’s denn bis sum heilen Tage. 
— Um ſieben Uhr Morgens giengen gewöhnlich Die legten nach 
Hauſe. Eim folder Abend Ponte nun 25, 50 und wiehrere 
Prupel. — Jetzt fallen dieſe Balle gan; weu, und nur der Ehis 
Aungriag wird mut einem feierlichen Mittagſ mahle, ohne alle 
Thriinabme bes idhonen Geſchlechts, gefeiert, ‚Der jahrtiche Mit 
aliehsteistag betragt 15 Rubel; der Eintanjspreis 35 Rubel. 
Die Zahl der Mitglieder beträgt zegen 600. 


DBarnungdtafel 


Da bei Anten zu Bdrlig erſchlenene Sittenſpiegel fir Im 
weibliche Geſchlecht von A. Laſoenaine, if eim wörtlider Ab⸗ 
druck der ſchon wor ſieben oder acht Jahren erſchienenen vers 
mifchren Auiſaze und Erzaͤzlungen deſſelben Verſ., die man 
aber auch ſchon in der von Vabrdt angefangenen und von A. 
Lafontaine jortzefegten Menatsfhriit fü das weibliche Geſchlecht, 
silefen hatte. 
F. L. 


*) Auch die Deutſchen gebrauchen hier gewöhnlich die Mu 
ſiſcen Vernatzuen. Maſchinta heit Mariechen. 





1804. 


Nro. 227. 





ARISTIDES, 


Der Fre 
Dienſtag, 


Ernſt un 


— — oder —— 


imuͤthige 


ben 13. November. 


Sıherj; 





Literatur 


Ueber bad Ungrifche Ahıflenland, Ya Briefen 
vom Herrn Grafen Vincenz Batthyany. 
Peſth, bei Hartleben 1805. (Herauögegeben, 
von Hrn, Prof. Schedius zu Pefih.) 


PR esristen von einem feiner Innern Befchaffenheit 
nach, felbft Statiſtikern wenig befannten, aber ſchon 
durch feine Lage fehr wichtigem Landfiriche, mit hel⸗ 
dem Blick von einem ruhigen, Eenntnißreichen Geiſte 
voll echten Patriotismus aufgefaßt, in einer reinen, 
edlen Eprache mitgetheilt: — das find diefe Briefe, 
Sie ſchildern die Natur, fie fehildern die Menſchen 
jenes Landes; fie ſetzen noch forgfältiger den Indus 
flrieftand und die Mittel, durch weiche er erhöht 
merden fünnte auf eine Weile auseinander, Die ein 
tiefes Studium der Staatewirthſchaft verraͤth. — 
Laͤßt ſich diefem Zeugniſſe noch etwas beifügen? Ja! 
Daß man dem Lande Gluͤck wuͤnſchen muf, das un: 
ter feine Großen fo helldenkende, ſchoͤnfuͤhlende 
und fo unterrichtete Männer zählt, als der Der 
. faffer biefer Briefe ift, und das vielleicht durch ihn 
einft die Ausführung ber trefflichen Plane bewirft 
fieht, die bier vorgelegt werden. Auch dos barf 
nicht uͤbergangen werben, weich’ «ine ‚erfreuliche Er: 
ſcheinung es ift, daß dies trefflich gefchriebene Bud 
in Ungarn erſchien. Möge Wiſſenſchaft und Kunft 
immer bellee und belebender dies herrliche Land ers 


leuchten, das fo reich iſt an Naturſchaͤhen und edlen, 
kraftvollen Menſchen! 

Schade indef, daß dieſes Werk fo fpät erfchien ! 
Die Briefe find vom Jahr 1796, — dach darf man mie 
Beſtimmtheit von dem einſichtsvollen Herausgeber 
erwarten, daß ein Umſtand der nachgetragen zu wer: 
ben verdiente, Überfehen ward; und fo entfpricht es 
aus der Gegenwart. 

MR. L. 


Taſchenbuch für 1805. Spanien nad) Langle, 
von €. F. Freiherrn von Bilderbeck. Leipzig 
und Mannheim, in der Gögifchen Buchhand: 
lung. 

Zuerft das Nachtheilige, das fich von diefem Wi: 
Helden fagen läßt, damit man das Gute das ich 
davon zu fagen habe, für ein fo unparteiifces Ureheil 
erfenne , als es wirklich iſt. 

Es iſt nicht neu, Das Original wurde im Jahr 
1786 am. 26. Febr. zu Paris — oͤffentlich verbrannt. 
In eben dem Jahre erfien unter dem Titel: Figa— 
ro's Reiſe in Spanien, eine Deutfe Ueberfekung 
davon, Diefe Umftände geſteht die Vorrede felbft: — 
und das Fonnte auch mit ruhiger Zuverficht gefchehen, 
denn wer erinnert fich jener Ueberfegung noch ? er 
nes Jahr: esliegt faft ein Jahrhundert weit hinter une, 
denn mandes Jahrhundert verfloß, ohne ſolche Um: 
waͤlzungen in der Literatur und in der Politik gefe: 
ben zu haben, als ſeit dem genannten Jahre Europa 
in Erfiaunen ſehten. — 


Es bat ferner nichts, wodurch es fich zu einem 
Taſchenbuch eignete, die äußere Form abgerechnet. — 
Aber, welcher Rezenfent könnte diefen Einwurf geltend 
machen, ohne zugleich über neun Zehntheile unfrer 
Taſchenbuͤcher den Stab zu brechen? 

Das Gute, das man dieſem Taſchenbuch nach: 
räbmen fann? Langle's Bemerkungen, oder Einfälle, 
oder — was man will, über Sranien, find ein 
aͤußerſt geiftvolles und intereflantes Werk, das, ohne 
Ruͤckſicht auf Alter oder Meubeit, durch ſeine leben⸗ 
dige Darftellungen, durch feine immer rege Laune, 
allgemeines Antereffe einflößen muß. — Die Ueber: 
fekung ift dem Geiſt und Charafter nach, gelungen, 
obgleich Hier und da gegen die Sprachregeln gefehlt 
wird; — das Aeufere des Büchelchens iſt elegant, 
und die beigefügten Kupfer find recht gut ausgefal: 
(em. Mer diefes Tafchenbuch nimt, — fann bafür 
ein halbes Dutzend andere liegen lafen, und wird 
bei dem Taufche nicht verlieren. — Zum Schluß eine 
Anekdote daraus, von dem reigenden Nationaltanze, 
dem Fandango. Mer fennt ihn nicht? 

Der Pabſt hatte einft beſchloßen, ihm verbieten 
zu laßen. „Der Prozeß des Kandango beginnt, man 
ift im Begriff die Stimmen zu fammeln, als einer der 
Richter bemerft daß es doch unverantwortlich fei, einen 
armen Suͤnder ungehört ju verdammen. Seine Be— 
mertung wird richtig befunden. Man täßt einen 
Spanier und eine Epanierin kommen, die, begleitet 
von den fanften Tönen einiger Blaſe⸗Inſtrumente, 
vor den Augen der heiligen Knafterbärte, die Grazie 
des Fandango entfalten. Die Etrenge der Richter 
widerſteht einer folchen Pruͤfung nicht; ihre fraufen 
Stirnen glätten fih, das Lächeln des Wohlgefallens 
ſchimmert auf allen Gefichtern: die ehrwuͤrdigen 
Mfeiler der Chriftenheit erheben fih; Hand’ und Füße 
ſchlagen den Taft; das gemweihte Conſiſtorium wird 
zum Tanzfaale, Oberons Horn bat hier ertönt, und 
der Fandango wird freigefprochen.* Mir diefem pro: 
fanen Gefchichtchen trägt ſich das fonft fo gläubige 
Epanifhe Volt; — daß es darin feine Mationatität 
über feine Andacht firgen laͤßt: — der Zug macht 
ibm wahrlich feine Schande. — bn. 
Sragmente, aus der Schreibtafel 

eines Keifenden. 
Aus Liefland nah Italien. 
1. 
Diss jur Deränderung iſt des Menfchen an: 
geſtammte Art oder Unart, Alles muß wechſeln und 


ſchnell vor&bergehn, gleich ihm ſelbſt. Auch Das 
Sl wird ihm langweilig. Jener glädliche König 


warf feinen Poftbarften Ring in die Fluten, um nur 
das ewige Cinerlei feines Wohlbehagens ju unter: 
brechen. Plöpliches Ungluͤck fogar führt einen großen, 
nicht erfannten Troſt bei ſich, nehmlich das Gefühl 
einer veränderten fage, 

Do diefer reinmenſchliche Trieb kann verhaͤt⸗ 
ſchelt, zur Echmarußerpflange werden, die Alles ums 
winder, erſtickt. Ich meyne, feit go bis 50 Fahren 
babe der Hang zur Deränderung unter den Euros 
paͤern gewaltig zugenommen, im Großen mie im 
Kleinen, von der Gefekgebung an, bis zum Naudes 
ville herab. Unſere Vaͤter gräbelten mwohl- Über 
die befte Geſetzgebung, aber fie änderten nichts 
an der, welcher fie nun einmal feit Jahrhunderten 
gehorchten; ihre Meinungen bewieſen fie gern durch 
Eitate, ungern dur Waffen, Unſere Väter gin: 
gen ins Theater, und begnägten fih, wenn man 
ihnen vier neue Schauſpiele jährlich auftiſchte; jetzt 
möüffen wir deren monatlich fo viele haben, und 
ehe wir ein gutes Stuͤck oft bewundern, laffen mir 
tieber gefchehn, daß die Donau Nymphe dem 
Ddoardo den Doth aus der Hand winde. Unſert 
philoſophiſchen Väter hatten hoͤchſtens Wolf und Leib: 
nitz; mir aber erfreuen uns ganzer Echaaren von 
‚großen Geiftern, bie ums der Welt Raͤthfei 
‚böfen; und, wie bie geiflreiche Frau von Stael einft 
In meiner Gegenwart fagte, dem brolligen Lügner 
Muͤnchhaufen gleichen, der, als er einen breiten 
Graben nicht Äberfpringen konnte, ſich ſelbſt beim 
Bopf faßte umd fich hinuͤber ſchleuderte. Wir ge: 
nießen dabet das Dergnägen, aus der heutigen 
Ereigfeit eines Eyftems, in die morgende Emigkeit 
eines andern Äberzufpringen. — Selbſt die Kietder- 
moden, obwohl ſtets veränberlich, behaupteten doch 
vormals einige Wochen länger ihr wandelbares Be: 
giment, 

&o war es denn auch mit dem Reifen. Um 
fere Väter ſaßen ill und laſen in der Bibel das 
Geber: „daß ihre Flucht nicht geichehe im Winter, * 
Auch im Sommer, mern fein Gefchäft fie drängte, 
blieben fie lieber daheim. Mußten fie aber dann 
und mann eine Reiſe von 20 Meilen antreten, fo 
nahmen fie Abfhied von der ganzen Sippſchaft, 


‚meinten eine Quantität Thränen, machten auch wohl 


ein Teftament. Jetzt — lieber Gott! — jetzt weiß 
man es kaum ein Paar Tage vorher, wenn man nach 
Paris oder London reifen will; man huͤpft eben fo 


ſorglos in den Reiſewagen, als man vormals in die 


Eänfte flieg, um fi jum Mittagsſchlaf in die 
nächte Kirche tragen zu: laffen. Wenn der Hang 
lum Reiſen fo fort um ſich greift, fo eriebe ich noch 
wohl Bölfer: Wanderungen, die ohnehin, nach 


meiner Meinung, nur zum Pleinflen Theil von ande 
wachſener Berölferung oder von dem Drud des 
Grenz: Nachbars, größtensheils aber vom Hang 
jur Deränderung berräßrten. Dieſer iſt es, der 
den nomadifchen Tatar von Steppe ju Steppe, und 
mich, freundlicher Leſer, vom Ufer der Oſtſee an den 
Sof von Neapel treibt. „Unfere Väter verthaten ihr 
Geld, imdem fie für ihre Machlommen maſſive Ges 
bäude aufthuͤrmten, die nach Jahrhanderten noch 
der Zeit, mie dem en, troßen. Wir verthun 
das unfrtge, indem mir für die Enkel Erfahrungen 
fammeln. Eines mag. leicht. das andere aufwiegen, 
fa das letztere hat wohl manchen Vorzug. Häufer 
werden doch baufällig,. unbequem; Erfahrungen bes 
halten flets gleichen Werth, man braucht fie nicht 
einmal einjufchmieizen wie altes über, an dem man 
wenigftens die Faſſon muß ändern laſſen. Erfah: 
rung ift eine Münze, die in der ganen Welt gite, 
und deren Gepraͤge fich ‚nie abgreift. Wir manche 
Kegel der Lebensweisheit, die uns Salo mo's lei: 
der viel zu menig gelefene Schriften aufbemahrten, 
Hr noch heute fo treffend als vor ein Paar Taufend 


Jahren. 

Wer diefe Betrachtungen, Geſchwaͤtz, Paradoxen, 
oder wie man es nennen will, für eine Apotogie 
meines. Hanges zum Reifen will gelten lafien, ber 
thut mir einem Gefallen, denn im der That, ich habe 
feine andere. Da fie aber, mir menigfiens, hinrel: 
hend fcheint, fo will ich in Gottes Mamen wohlge⸗ 
muth anfangen, meine. fleine Reifes Abentheuer zu 
erzäßlen. Meine Are ift dem Lefer befannt. Sch 
reife weder als Gelehrter noch als Kunftfenner, ich 
reife bios als Menfch. Üiberlaffe mich meinem Ge 
fügt, meiner Saune, kuͤnſtle nicht an meinem Vor: 
trage, fondern betrachte das Publifum als einen 
freundlichen Meifegefährten, mit dem id durch 
Erädte und Dörfer rolle, auch wohl bisweilen auf 
einem anmuthigen oder romantifhen Fußpfade mic 
verliere. Wem bas fo recht ift, der ſchlendre ſorglos 
neben mir her, und laffe fih den Etrauß von Tbie 
ſenblumen gefallen, den ich ibm mandelnd zu 
pfläden gedenke. Wem das nicht genuͤgt, der bleibe 
jurüd, und gehe meinetwegen fpajieren im naͤchſten 
Treibhauſe. — 


Auch Alexander — ich meyne nicht den ge 
wattigen Reiſenden, der in großer Geſellſchaft die 
Welt durchſtrich, und endlich gar eine Bräde in den 
Mond binanf bauen wollte; ich megne den bok 
den Genius Rußlante, dem die Monhbermohner, 
gwüßten fie von ihm, mohl gern eine Brüde ber 
unserbauen. «möchten; — Auch Alexander iſt 


in diefem Jahre dur feine Deutfche Provinzen ge 
reift, freilich miche mie ich, um Blumen zu pflüden, 
fondern, wie es ihm gebährt, um Früchte zu fürn, 
die ſchnell im Stral feiner Frühlingsfonne ja reifen 
beginnen. Micht Liebe möchte ich es nennen, fon« 
dern Leidenſchaft, mas man in Ehſt- und Liefland 
für Alesander empfindet, ch erzählte warlich bios, 
was ‚ich ſelbſt fah. Jedes Ange glüht, jede Stirn 
entwöltt, jede Zunge loͤſt ſich, ſo bald fein Name 
genannt wird, Er war nur einige Tage in Reval, 
und doch weiß ich, daß bei feiner Abreife Thraͤnen 
gefloffen find, wie man fie um einen fcheidenden 
Geliebten weint, Ja, mas bejeichnet wohl kräftiger 
das Sefühl, das er in Aller Herzen zuruͤckließ, äls 
der mit Jubel aufgenommene Vorſchlag des wadern 
Soupernements: Procureurs v. Rie ſemann: jähr- 
ih an dem Tage, da Alerander in Reval war, zum 
dankbaren Andenken die Armen zu fpeifen. So 
ehrt wahre Liebe den Fürften. Man vergleiche 
doch Aleranders ftille, wohlthätige Keife durch Ehſt⸗ 
und Liefland, mit den Triumphzuͤgen manches Wel⸗ 
ven + ErichÄtterers.. Möge man. den Schuͤtzlingen 
Fortunens immerhin Triumphbbgen und Pyrai 
miden errichten: die gefättigten Armen um 
Weranders Tafel werden noch Jahrhunderte lang 
den Herrſcher durch Liebe frölih fegnen, wenn 
jene Pyramiden (don längf in Staub zerfallen find, 

Gut ift es, daß ich außer dem fchönen, in Res 
val geftifteren Liebesmaht, noch hundert ähnliche 
Thatſach en anführen koͤnnte, denn bloße Worte 
würden mich in den Verdacht der Echmeichelei brins 

n, mich, der ich ibn fah, mit ihm ſprach, und dem 
oͤchſten wie dem niedrigften feiner Unterthanen gleich, 
von feiner Huld bezjaubert wurde. Nach dielem Ger 
ſtaͤndniß breche ich lieber ab, denn kalt von ihm 
fprechen kann ich nicht, und meine Waͤrme fol 
Niemand mißdenten. — Wollte Alexander des hoͤch⸗ 
ſten Genuſſes ſich erfreuen, fo müßte er, mie vor: 
mals die orientalifhen Fürften, verkleidet unter feis 
nem DVolfe umber wandien; ba! weiche Augenblide 
würden da feiner warten! — Heil der Mutter, die - 
ihn gebahr! aber auch Hell dem edlen Manne, einft 
fein Erzieher, jest fein Freund, der folhen Saamen 
auf folden Boden freute, Man errärh, dab ich 
von Laharpe ſpreche. 

Um einige Stunden früher den Armen feiner 
Mutter, feiner Gattin, zuzueüen, verließ Alerander 
fein Gefolge, und warf ſich in den leichten, nur 
halb verdedten Wagen feines Oberhofmarſchalle. So 
fab ich ihn auf Jene anfommen, gleich einem ge- 
mwöhnlidyen Reiſenden, von feinem andern Geleite 
umgeben, die won dem der Liebe feines Dolls, Se 
fuhr er, nacb kürzem Aufentbalt troß der einbrechen 
den Macht, meiter, durch bde Wälder, mit dem rurhi: 
gen Bewußtſeyn, daß Liebe fein wohlthaͤtiges Peben 

eſchieme. — Mit Vater: und Menſchenliebe forgte 





— 38 m. 


te zu 


er fuͤr einen Peſtillon, der das Ungluͤck 
ſtuͤrzen und ein Bein zu brechen. Dicht eher wich 
der Kaifer von der &telle, bis der ſchon weit ent: 
fernte Leibarze berbeigeholt, und feiner Pflege der 


Perungiädte übergeben worden. Daß er ihn mit 
Geſchenken Überhäufte, war für einen Kaiſer wenig; 
daß er aber bei ibm ausbarrte bis Hülfe fam, daß 
er ihn nicht mit Geld abfpeifte, (mie die Großen ge 
wöhnlich zu tbun pflegen), fondern durch Menſchen⸗ 
liebe ibn erquidte, das iſt ein koͤſtlicher Zug im 
Charakter eines Veherrfchers von dreißig Dillionen 


MR e. 
A TE 


Verſchiedne Anſichten. 


iche Famille, die auf einem ſchoͤnen Land⸗ 
ute im Schoohße des Gluͤckes, und der Ruhe ihre 

veriebt, Beſuch aus der naͤchſten Refie 
den, worunter ſich einige gepriefene Schönen befans 


Eine 


pozlergang vorgeichlagen un 
ralte die Sonne mieder 34 
ſtern Gewitter: Wolfen , der) 


lorwolke Dide ‚Zopfen „herunter; und plögt & 
Das. 


Umgebungen, 
ergriff die ganze Geſellſchaft, und Semimte feden j 
Zwei Töchter des Hauſes ftanden 2 Entzuͤchen Fuß 
ten, das die Mosur ihren Lieblingen inımer neu 
währt, und nur nad. und nad ließen fi einige 
orte der Bewunderung, und des Preifes von i 
ren lieblihen Lippen hören, =", Schön, fhön! — 
rief min aud die Grädterin, die prima Donna; — 
te Barben! Ach, wer doch einen folgen Schawi 


— 





Nicht politiſche Beitung Nro. 84 


Aus Engliſchen Blaͤttern. 


Du London farb kurgtich ein Vettier, ber wegen ber laugen 
Loden ſeines Bartes bderuhmt war. Er mar vormals ein Kauf 
mann in Devanfbire geweſen, hatte 1776 Banqueront gemacht, 
und feitdem in London gebettelt. Kurs vor feinem Tode lich 
er einen Echornfeinfeger, feinem einzigen Sohn, am ſich rufen, 
aud anb ihm durch Zeichen u verſtehhen, daß er im feinem Heerbe 
einen Ziegel aufleben mechte. Der Eohn that ed und fand 
204 Pf. Et. (676 Thaler), Im Bekp dieſer Eumme, hatte 
der alte Mann fi mie erlaubt, den Almofenertrag feines Tages 
gu verschren, fondern fich von Dem Anochen die cr auflad, täg: 
lich eine Euppe gekocht. Kid Breid und Mettler: was bewog 
Abm di diefer Knickerei ? Das wäre eime intereſſante Pincdholes 
aihe Mufaabe, j 

Tragstien werben. auf den Gdaufpiel: Bühnen in Bons 
don fat gar micht befucht; aber das Opern: Theater bat fidı der 
tragiihen Siete bemachtigt: ed werden faſt gar feine lomiſche 
Opern gegchen. 

Eine Kürenbarfe ſcheiterte Mürzlih bei Nacht auf den 
Shingles. Die Vefanung beitand aus bem Sriährigen Vefiner 
Des Fahrzeuges, feinem Sohn und einem mehr, Der Sohn 
dertor feime Unke Hand; gleihmohl gelang es ihm, dem alten 
Kater durch auferordentliche Anſtrenzung zu ich im die Segel, 
wo er ſich befehigt hatte, hinaußzuichn, und ihn dort einige 
Stunden feſtzuhalten. Zuletzt rigen die Mogen den Grels den⸗ 
noch mit ſich hinweg, aber der Sohn ward als der Tag amt 
brach, im den Mafentauen haugend, entdeckt und gerettet. 

Ein Irlander machte kürsti bekannt: Seine Fran fm 
Unn entlanfen; er warne ſedermann ihr michts auf feinen Mar 
men zu borgen, denn er ſei aicht mit ihr getramt, 
EI Bondocani oder der Kalif von Bagdad macht in Lonr 
bon aroßed Glied, Man erwartet ein meued, nach vorläufigen 
Nachrichten, vorteehlices Pufkiviel von dem beriihmten Sheri 
dem. Möchten wir ed doch mit ern dann anf Deutſchru 
Sühmen fehn, wenn es im: England iu den Antiquitäten gehört. 
Geltdem Ken. Augub Schiegels mörderifh:treme Ueder⸗ 
ſetzungen die Ehateipearihen Stine, felbe den Hamlet, auf der 
Gerliner Buͤhne geröbter haben, find wir vom ber Englischen 
Bühne zam entjernt worden, und bod verdient fie es vielmene 
als die Framdfifhe, dag man vom ihr enehnt, wo irgend eine 
Lüfe zu rum if: Me dat fehr Wiek mehr Charakter um» 

Wahre. ... — * 


— ô — j ——————— — — 


Aus KRußland. 


J. ber großen Kunfausfeltung, bie biefen - Semmer zu 
Setersburg Etätt batte, rn fidh vorgigfic sei Ad 
fehr aus. Das erſte Melt Ganimeb vor, der dem Mit den 
tigen bewaßneten - Udier im einer. Schaale Himbrofig reicte. 
mit dem dinfen Arm ben Hal? deſſelben umſchlang und In der 
Hand die Trinkſchaale biett, Der Knabe hatte unbeihreiblichen 
tindlichen Eiebreii. Der Maler ME der Akademitter Woitom. — 
Das gweite fellte einen Vorgang aus den Zeiten des eriten 
Ehrifteutbums in Kuklamd dar. Ein ehrionrdiger Greis und fein 
Sohn, ein blühender Jüngling, werben vom Der Gor endienern 
mit dem Tode bedroht. Es iN von Kiprimston. 


Die Mufräufer Ber Mietwalien machen in den 
Städten - Ruhtands jept eine fenderdare Handeiss —— 
Sie führen den Landſtadtern umd Vauren Frachten Büchern 
su, und fernen biefe gegen Butter und Grüge um. Das Or 
werde fol fehr vortbeihar ton. — Auch bernden det Muri 
ſche Buchhandier mit viel Gewinn die Jahrmärkie an ben Der 
fidıem Gränen. . 

— — 

Dem Hern. Alerander wen Humboidt fon ein Engliſcher 
Buchhandler fur das Manuftrivt feiner Reiſe 30000 = au 
born haben. Sitrbei il su bemerken, daß ein fbefulativer 
Kopf, deme Reife, mob ehe fie vom dem Kerihmten Meifenden 
fetbit erihien, fen wirtiich, and war fur Die Liebe Zugend 
bearbeitet, herausgegetin bat, daher fie im mehr als einer 
Kıtficht zu den mertwürdigaen Produkten der letz tern Meſſe 
fınn aerahlt werden. Eanveder hat der Vertfager einen oder 
mehrere der Millionen Buitgeiter- in. Dienft , die jenen Reifen: 
ben als Gebeimjchreiber unfichttae umihrecht baden; oder er 
hat dem berühmten Buch: und Kennkündier D, yu Bir. die 
große umd gewihi eintragliche Kunft abgelernt, aus einigen une 
volftändigen Zeitungs: Nachrichten eim dickes Buch zu machen, 
Bon dem Iepten Kmnftbändier iM auch im der Iehten Meifz, eine 
Lebens · Beſchrewung aller Rinder ud Mörher, die vet im 
heit. Römifden Reiche Saufen / erihiemen. Seime Mäuber und 
Didier, derem Höhlen und Gefangnife er fleidig befucht, und die 
für feinen Handel fette Kifen find, find meht vor feiner Feder 
fiber ; und fo baſd der Mörder Wronarind ın Bauchädt, feinen 
Lohn empiangen Hat, wird auch Die Yebend + Beihreilung 
Unglirftichen , mit grählidhen Zuſatzen und einem fchönen Hol 
fehnitt verfehen, von ibm am das volle Tageslicht treten. Weilchtt 
Swaus für He Befer -unferer veihbibliotgeten :..... 5 8. 


1804. 


Der 


Donnerflag, 


ern f 





ARISTIDES, 
Freimuthige 


— — oder — —— 


und 


Nro. 228. 


den 15. November, 


Scherz. 





Literatur. 

D. M. Luthers Denkmal, oder Beiträge zur richtie 
gen Beurtheilung bed Unternehmens, dieſem 
großen Manne ein wuͤrdiges Denfmal zu ers 
richten. Bon ber vaterländifchen literarifchen 
Gefellfehaft der Graffchaft Mansfeld. Mit 
bem (nicht wohlgerathenen) Bildniffe Luthers, 
nach Luc. Eranach. 


Nir von der Sefellfehaft herausgegebene Schrift 
auf 53 Bogen, foll Über das ganze Unternehmen, dem 
großen Luther ein Denfmat zu errichten, fo mie Über 
Ben glüdlichen Fortgang deffelben, dem Publifum 
Machricht ertheilen, aber damit zugleich den richtigen 
Gefichtepunft angeben, aus welchem die Inter: 
nehmer die Errichtung jenes Denfmals betrachtet 
wuͤnſchen. Nach ein Paar Worte uͤber die Wichtig: 
keit des Mannes, dem fie ein Monument errichten 
wollen, verſichern fier daß fein Eigennuß oder am: 
dere kleinliche Leidenfhaft, das Unternehmen leite; 
worauf mın die kurze Gefchichte deſſelben nebft dem 
beifälliaen Zuſchriften der hohen Befoͤrderer folgt. 
Schon im Juntus 1903 hatte die Geſellſchaft bei der 
Anflındigung eines Magazins für die vaterländiiche 
Geſchichte, die Abſicht, den reinen Gewinn daven 
ju einem Denfmal zu verwenden, welches dem großen 
Peformator am nächiten Keformations: Jubiläo 1917 
folite errichtet werden. Obgleich dieje Zeitſchrift aus 
Mangel hinlaͤnglicher Subſtribtion bis jetzt noch nicht- 


erfchienen ift, fo wollten fie doch ihre bee, und 
jmwar von neuem dazu ermuntert, nicht aufgeben, 
fondern forderten num ohne Ruͤckſicht auf jene Schrift, 
zu freimilligen Beiträgen, unter dem Schutze und 
Beifall Er. Pr. Mojeftät auf; mobet fie fich zugleich 
über die Befchaffenheit des Denfmals ſelbſt erklärten, 
Ein koloſſaliſcher Obelisk, wie fhon im Freimütkigen 
it erwähnt worden, war die Hauptidee; wobei fie 
aber bemerften, daß fie nicht eigenfinnig darauf ber 
fiehen würden. Die Einwendungen, die einige gegen 
das ganze Unternehmen gemadie Haben, und die 
Seen und Vorſchlaͤge einiger Gelehrten und Kuͤnſt⸗ 
ler, machen den Beidluß diefer Schrift. Zuerſt traͤgt 
der Direktor der Gefellfchaft, der Prediger &chorr 
in Großaron, feine Jdeen vor: welcher Art das zu 
errichtende Denfmal fein fol, Es fol Einfachheit 
mit Wuͤrde vereinigen; daher bringt er einen Obelisk 
in Vorſchlag, der an Höhe feibft den hoͤchſten zu 
Rom übertreffe, und fich 100%. über das Poſtament 
erhebe, Er werde von Eifen gegoffen und mit einem 
Firniß überzogen, der ihn gegen den Reſt flchert, 
Einen folden eifernen Obetist wird die unter der 
Direftion des Königl. Pr, Etats: Min. und Oberberg 
hauptmanns Grafen v. Roeden ſtehende große Eifen: 
huͤtte in Schleſien, im Ganzen liefern. Dieſen 
Letztern hat auch Se. Pr, Majeſtaͤt, wie man ans 
einem an die Geſellſchaft erlaffenen Schreiben erſſeht, 
beauftragt, die Ausführung des ganzen Plans zu leis 
tem und zu unterſtuͤßen. Die Haube oder oberfle 
Bedachung des Dbelief muß meggefchoben werben 


— 390 — 


fünnen, um eine Schale an feftlichen Tagen einzu: 
feßen, die mit Griechiſchem Feuer erleuchtet wird. 
Der Dbelief wird ferner fo eingerichtet fern, daß 
jeder ohne Gefahr darin auffteigen fann, Die eine 
Eeite foll eine Nifche von 20 Fuß Höhe haben, worin 
Luthers Etatue in koloſſaliſcher Größe und priefler: 
lichem Ornat, aufgeftellt wird. Die Etatue fell auf 
der berähmten-Eifenhütte des Saͤchſiſchen Minifters 
Grafen v. Einfiedel gegoffen und bronzirt werben; — 
das Poftament, in der Höhe von 15 ober mehrere 
Fuß, wird aus waterländifhem Etein gemacht, 
Alle Eeiten deſſelben werden mit Platten von Tarari: 
fhen Marmor belegt, auf welchen ſich paffende Sn: 
ſchriften finden. Echen 1807 fell das Monument 
in einer ſchͤnen Gegend, vielleicht in der Nähe des 
Schloſſes Mansfeld, auf einem freien und erbabe 
nen Orte errichtet, aber damit zugleich noch eine 
wohlthaͤtige Anftalt verbunden werden, wenn «6 bie 
Größe der Beiträge erlaubt. Ob biefe der DBerfors 
gung einiger Armen, oder der Erziehung der Ärmern 
Jugend befiimme ſeyn, vielleiht auch nur in einem 
frohen Kinderfeft beftehen fol, wie ſolche Kinderfefle 
an Luthers Geburtstage ſchon in mehrern Erädten, 
auch im Echwarzburgifchen gefunden werden, erfährt 
man noch nicht. Die Übrigen Künftler ſtimmen für 
einen Tempel, «ine Rotunde mit erhabner Kuppel, 
für eine in einen Felſen verfenkte Halbkugel, und 
endlich für eine auf einem Berge erbaute Kapelle, 
weil nach der Angabe des Einen ein Obellsk für die 
ſchoͤne Kunft zu unfruchtbar fein würde, Sollte aber 
vielleicht bei den Vorſchlaͤgen der letztern, obſchon fie 
der Beflimmung gemäß, das Greße und Erhabene 
vereinen, nicht in der dort angegebenen nähern 
Beſtimmung, durch zu viele Ueberladungen, die edle 
Einfachheit vermißt werden? — Den Einwendungen, 
die gegen das Ganze find gemacht werden, und be: 
ren Quellen näher zu unterfuchen bier nicht der Ort 
ift, kann fon ganz kurz durch das Allgemeinbefannte 
begegnet werden: daß Denkmäler zur NMacheiferung 
weden, ihr Anblick uns hebt, und die Seele auf eis 
wen einzigen Brennpunkte richten. Noch ift zu bes 
merken, daß die Arbeiten der Eifenhütte zu Mala— 
pana im Pr. Oberfürfienehum (?) Schleſien, die jenen 
Obelisk liefern fol, an Feinheit und Schoͤnheit alles 
in ihrer Art übertreffen. Da die Gefellichaft, deren 
Mitglieder, wie man bier erfährt, gegenwärtig aus 
26 Perfonen befteht, den Ertrag dieſer Echrift zum 
Denkmal felbft beftimmt bat, fo wird ihr jeder Pas 
triot einen ftarfen Abfag wuͤnſchen. F 


Bemerkung. Aber warum ſoll das Denk: 
mal des großen Mannes, des Wohlthaͤters des gan: 


gen nördlichen Europa’s, der Menſchheit Überhaupt, 
grade in dem wenig befuchten Yandchen aufgejtellt 


werden, in welchem ihm das — Ailtägliche widerfuhr, 


geboren zu werden? Woju ein Obelief in einer Ges 
gend, die man fo wenig fennt und fo wenig Anreis 
jung hat, Eennen zu lernen? Der Gedanke verräch 
noch zu fehr das unfelige Gefühl der Zerſtuͤckelung, 
weicher Deutichland feit Jahrhunderten zwei Drit⸗ 


‘theite feiner Unglüdefälle verdankt. ind denn die 


Demohner jedes kleinen Ländchens ein befondres 
Volk? Der unfterbliche Luther, wie jeder Manngfels 
der, ift ein Morddeurfcher und L. verdient, daß ihm 
auf dem ſchoͤnſten abe der Hauptfladt von 
Mordbdeutfhland, Berlins, eine Marmors 
Statue errichtet werde: dazu follten die wackern 
Sammler die eingegangenen Summen beftimmen. 


N. L. 
Aus St. Peteröburg, den 15 Dftober 1804, 


ad den Gefegen foll nie mehr als ein Eohn von 
einer Bauernfamilie ausgehoben werben, um ale Sol⸗ 
dat zu dienen, und bat die jamilie nur den einzigen, 
fo darf felbft diefer ihr nicht genommen werden. Im 
Twerfhen Gouvernement wurde aber einer Familie, 
nachdem der erfte gegen den Feind geblieben war, 
nit nur der zweite Sohn feinen Aeltern meggensm: 
men, fondern bei der jekigen Rekrutirung ſogar der 
dritte, fo daß der alte Vater, die jammernde Mutter, 
eine kraͤnkliche blinde Tochter und ein Fleines mißge— 
ftaltetes menſchliches Gefchöpf, der vierte Cohn, ein 
Zwerg, bülflos zuruͤkblieben. Vorftellungen, Flehen, 
alles war vergebens, die Unglädlichen wurden wider 
rechtlich und gefühllos dem Elende Preis gegeben. 
Das brach der Mutter das Herz: -fie farb, Wohl 
ihr! Sie war allem Jammer entgangen. Aber der 
von Gram und Alter gebeugte Greis, das huͤlfloſe 
blinde Mädchen, der arme gebrechliche Zwerg! Kann 
Menſchenelend unter einer rührendern Geftalt zum 
Menſchenherzen fprechen, als in Liefer Gruppe? — 
„Ib babe euch euer unglädliches Dafeyn gegeben, 
und kann es euch nicht mehr erhalten!" — „Warum 
mußte die Mutter fierben, die dach für Vater und 
Bruder noch forgen Eonnte, und ich muß leben, um 
ihr Elend zu vergrößern!" — „Ich, ich follte jekt für 
euch arbeiten, follte euch ernähren, aber ih kann ja 
nichts für euch thun! a, waͤre ich gleich andern 
Mengen!“ — So jammerten die Ungläclichen, 
Aber der Gedanfe: du follteft jegt deinen alten Vas 
ter, deine unglädliche Schweſter unterfiügen, baftete 
befonders in dem gurmätbigen, gefühlvellem Herzen 
des Fleinen Kröppels und entflamnite den Heldenent 
ſchluß, ju ihrer Kettung alles zu wagen, Ohne 


Unterftüßung, ohne Vorſprache machte ſich der arme 
Junge zu Fuß, des Weges unfundig, auf zur Kai: 
ferftadt bin, wo Alexander thront, über 550 Werft 
weit, und friftete fein Leben von den Brofamen, die 
feine Mißgeftalt der. gutherzigen Armuth abdrang, 
So gelangte er nach taufend unnennbaren Befchwer: 
den vor die Kaiſerſtadt. — Welch eine neue Welt 
ſchloh ihm ihr Anblid auf! Die hoben vwergoldeten 
Thuͤrme, die unabfehbaren Reiben der Eteinmaffen, 
dad Gieraffel der Wagen, das Gewimmel auf den 
Gaſſen, und in feiner Bruſt das Gefühl feines Elen: 
des: wen fann es auffallen, daß alles dies feinen 
Muth niederfiplug, daß er bei dem Gedanken bebte: 
Den Herrſcher diefer Welt von Wundern, follt du 
um Huͤlfe anfleben, vielleicht wohl gar feltft mit ihm 
reden! — Wahrlich, es gehörte Feine kleine Seele 
dazu, unter diefen Umfländen dennoch bei dem füh: 
nen Derbaben zu beharren. Der Himmel weiß, 
durch weiche Mittel er bewirkte, daß ihm jemand 
die Geſchichte feines Elendes zu Papier brachte, und 
fo gieng er auf den Patadeplatz, wo ber Monarch 
täglich fich den fegnenden Blicken feines Volkes zeigt; 
aber vergebens, er kam zu fpät. Er gieng zum zwei⸗ 
tenmal dabin, allein bei dem Anblide der Truppen 
und des Glanzes, der die Perſon bes Herrſchers um: 
ſtralt, entſank ihm der Muth; er vermochte nicht, 
fih ihm zu nahen, Aber Brubderliebe war flärfer 
als Menſchenfurcht. Am dritten Tage ſtuͤrzte er vor 
Alerander auf die Kniee und hielt ihm flehend 
fein Papier hin. Der Monarch ließ es ihm ſogleich 
abnehmen, und ein Blick auf dies hülflofe Weſen, 
dem die Spuren des Jammers fo unverfennbar aufs 
gedrüdt waren, rührte das Herz des erhabenen Men: 
ſchenfreundes. Kaum war die Parade geendigt und 
der Kaifer in fein Zimmer zurüdgefehrt, fo forderte 
er die Bitrfchrift des Zwerges, Er nahm fie, lar 
und fihauderte. ein ganzes Gefühl empärte fi 
wider eine felche Sraufamfeit, Die Bittſchrift wurde 
fogteih dem Juſtizminiſter Fürften Lapuch in zuge 
ftellt, mie dem Befehle, diefe Eache auf das ſtrengſte 
zu unterfuchen, und wenn fie gegründet gefunden 
würde, fogleih die Brüder des Zwerges losjulaffen 
und den Gouverneur und alle Beamte, die darum 
müßten, zur flrengften gefeblichen Verantwortung ju 
ziehen. Zum Gluͤck fiel auch bier diefe Sache in 
die Hände eines Menfchenfreundes, dem das Elend 
der Unglüdlichen tief zu Hergen gieng. ie wurde 
aufs ſchleunigſte unterfucht und nur zu gegränder ge: 
funden. Auf den Bericht des Minifters, fertigte der 
Monarch fegleich die Yosfprechung des Mienfchen aus, 
und ließ dem Zwerge 500 Rubel als eine Schadlos— 
haltung für die erlistene Unterdruͤckung auszahlen, 


\ 


> — 


Der Minifter konnte ſich das ſuͤße Vergnuͤgen nicht 
verfagen, fi an der Freude des Fleinen Rrüppels 
mit dem gefunden menfchlichen Herzen, zu meiden, 
Er ließ ihn rufen. In banger Erwartung fam der 
Unglüdlicye, Leben oder Tod aus feinen Händen zu 
empfangen: Das Berzimmer war gedrängt voll Per⸗ 
fonen jeden Ranges, voelche bei dem Fürften etwas 
ju juchen hatten. Einige von diefen, welche ben 
Zwerg ſchon dfter irgendwo gefehen hatten und 
um feine Gejcyichte wußten, vermehrten die 
Angſt des armen Kleinen, indem fie ibm die Hoff: 
nung eines gluͤcklichen Erfolges zu benehmen ſuchten. 
Endlich erfehten der Minijter mit dem Gnadenbricfe 
des Kaiſers in der Hand. Gehe, fagte er zu dem 
Niedergebeugten, gebe, unten erwartet dich ein Kibitfe 
mir drei ‘Pferden, gebe und bole deinen Bruder, 
Dies Wort und der laute Schrei des Glüdlichen 
waren eins, Er ſtuͤrzte zu den Fuͤßen des Fürften, der 
ihn gerührt aufhob, Aber nun verſchwand aller ir 
diſcher Glanz vor feinen freudetrunfenen Blicken; er 
fahe feinen Fuͤrſten, feine Großen, er ſahe im Tau: 
mel des Menfchengefühls nur Dienfchen. Er lachte, 
er weinte, er tanjte, — Dann fragte er wieder, ob 
es denn auch wirklich fo wäre, ob er wirklich den 
geliebten Bruder in die Arme feines grauen Vaters, 
feiner guten blinden Schweſter jurhdrühren koͤnnte? 
Ob man denn auch mehl feinen Bruder ihm überlaf 
fen würde? Der Fuͤrſt berubigte ihn, zeigte ihm die 
Unterjeprift des Monarchen und ließ ihm das faifer: 
liche Geſchenk geben, Da fing der Jubel von neuem 
an. So viel Gefühl in einem kaum menfche 
lichen Körper, übermältigte alle Zufcbauer, alle 
ftimmten in feinen Jubel mit ein und für den Aürs 
fien, deſſen Ohr täglich fo, viel Klagen menfclichen 
Elendes befiürmien, dejfen Auge fo mande Thräne 
des Jammers fliegen fieht, die er nicht zu trodnen 
vermag, für ihn mußte der Anblick eines Geſchoͤpfs, 
das aus feinen Haͤnden den Becher beraufchender 
Freude empfangen hatte, ein befeligender Anblick feon, 
— und er war es. — Sekt eilte der Glüdliche bins 
unter und flog mit der Kibitfe davon. Der Bru— 
der ftand nur einige 40 Werft von bier bei Gat— 
ſchina, und wird bald ım Triumph von feinem klei⸗ 
nen ungejtalteren Genius in die Arme des grauen 
Vaters, der blinden Schweſter geführt, — dienun nicht 
verhungern merden, denn Alerander gab ihnen 
ihren Ernäbrer zuruͤck. — Der Dann, der das hoͤch⸗ 
fie menſchliche Elend jo Falt mißbrauchen fonnte, ift 
bereits unter dem Eriminal: Gericht, und der Verluſt 
feines Poſtens ift wohl die geringfte Abndung feines 
Verbrechens, — Bott fegne den Kaifer! 


— m —. 
Anekdote. 


Long batte Auguſt, König in Polen, ſich um die Liebe 
feiner nachher fo berühmten und ng Maitreffe 
der Graͤfin von Kofel, vergeblih beworben, da brachte 
er ihr eines Tages in der einen Hand einen Beutel mit 
10000 Kronenthalern, in berandern ein Hufeifen, das er 
vor ihren Augen zerbrach. Dieſe Bemeife feiner koͤnig⸗ 
lichen Kreigebigkeit und menſchlichen Staͤrke, verfehlten 
ihre Wirkung nicht: die Gräfin ergab fi. 


— 398. — 


Die Bfumenkette. 
Du windenr mit der Aaltheit Miene 
Den Kram mm niciner Arme Paar, 
Grfangen bin ich jo, Wline, 
Doc wicht gefauguer, als ich war. 
Zreib aur deim medendes Geiwöttes 
Gebuld'ger Amdeit du mic wie. 
Keich it ein Ekiay im folder Kette, 
und arm cn König ohne fie. 


An Philine 
Die Grajien und Amor find 


Verſchwiſtert ıfagt die Mörterfehrer 
Geboren beide vom Cythere. 


Drum dürne bach, aehiefted Muh, 
Auf Amorm mie, ich bitte dich! 
Dein Zorı fast gar nicht — ſchwefterlich. 


Elmire 


Freundchen, lah dich gu Elmiren 
Schein und Aufrich nicht verſuühren: 
» Bas il Schein deun?“ — Ihre Tugend. 
mund was Anttrich?“ — Ihre Jugend, 


An einen faden Spaßmacher. 


gu günfig deuteſt du mein Padıen, Witit ald, 
Das deinen Ich alteim, mit bein Wihe galt, 





Niht-politifhe Zeitung. Nro 85. 


ud Berlin 


Em vier Winter hindurch haben eimige edle Männer Gier, 
ohne großes Aufſehen zu maden, durch eine Gubjeription, eine 
Kumpordfve Surven ⸗ Auſtalt im Gange erhalten, aus ‚weicher 
eine gro Anzahl von Armen wenigftend gegen das Drücdendite 
Ber Dürjsigkeit, gegen den Hunger, gefichert wurden, Im voris 
gen Winter, unterflüge von Gr. Maieſtat dem Könige, und 
groimiürtigen Menicenfveumden aus auen Standen, konnten fie 
dasglich 1299 Umnglüchtiche fattigen, von denen font vieneicht 
febr viele eim vernpeifelnder Raub des Elende geworben wären, 
Sur den eben beginnenden inter, der in ſo mannigfaß 
tiger Rädiiht brobender berannaht, als »iele 
vorige, if Das Bebürmnig einer ſoldden Anſtalt auch ſchr viel 
dringender. Gewiß — mit heiterer Zuverſicht ju ber aufactlarten 
anenichenfreumdiichteit der großen Königstadt, im weldier tags 
tich fo aroie Summen dem Wohlleben g:opfert werben, jag’ Ich 
5, — gewii wird auch im dieſem Jahre die ſo norhwendige 
Unterfrügumg nicht ausbieiben. Es dit io leicht, Bier mit Wenis 
gem vie Gutes zu Milten! Der tägliche Unterhalt eines Mens 
ſWen toren im diefer Anſttalt nur dien Drennige: mer alfo 
monatlich nur sehn Groichen, wer fir den gamen Minter nur 
groet Thaler beitragt, erndtet dafür das Bewußtſeyn. einen Mit 
menden, einen Mitbirger vor dem Qumgertode — m 
babın. 1* 
Zuſatz für Berlin. Im allem Gatten ſich im vorigen 
Winter, die woniglidhen und Fuͤrſtlichen Wohithater mit begrif⸗ 
fen, nur 232 Subſcribenten gefunden. Gewih wäre 
ihre Amyabl zehuiach ftarter geworden, ware diefe Auſtalt bes 
ter geweſcu. — 
ee Die Subfeription für den beporfcehenden 
Winter nehmen am In — — Dracke, Yernfa 
lemmer Straße, Ar 11. und Hr, Jeugbauptmann 
Buddce, Mollergaffe, Ar. rn) 





Sie Geſchichte der beiden, ans einer Eryäßlung ber Grau v. Sen⸗ 
113 gejogenen Bingipiele le Nları coleie ou Avıs aux lemmes, 
und ı4 femme coleıe in nemtich fonderbar, Pixerecourt batte 
das erfie verfertigt und dem Mitgliedern ber Opern Bühne mitge⸗ 
teitt: 8 erhieit ihren Beifall, aber der Componiſt, ber es in Muſit 
ſehen folite, machte den Kritifer umd fhrieb dem Dichter allerlti 
Werauderungen vor, ohne welche er durbans nicht daran arbriten 
würde. irerzeourt trug fein Stuck zu Gavaudan, der bie Com⸗ 
vontion ſogleich ibernahm. Der erſte Eomuonift — (cin Name 
eird nicht genamt, — rachte ſich danır auf eine treulofe umd bir 
aarre Weile. Er ichichte einem feiner Gerumde, Etienne, die Errah · 
fumg ji, mieldete dla Dabei, was er aus Dem ſchon fertigen 
Stute behalten hatte, und forderte ihm mit großen Veriprechungen 
auf, eim neucs zu werfertigen. (Efienne eilt der Componiſt aleich · 
falls, und das neue Eingfpiel wird dem Opern» Theater früber ams 
geboten, als das alte Bonnie einkudiet werden, Die Schaufoieler 


ſchlagen es aus, Picard hingegen mimmt es an: ed wird geachen 
und mihfahe nicht Endlich endeine auch das erſte, um 
gefällt, — doch ſouen beide kamen großen Werth kaben, 
Kürzlich hatte man ſchon wieder ein meugebormes Monſtrum 
für das Journsl de Parıs ansachrüter: eim Mädchen mit Maus 
feohren u. f.w., Der Redakteur bat e# aber nicht zu fidr nehmen 
wolich ; er jeigt me am, das man es ihm bargeboten habe. 


Hamburg, am 9. Novemker 1804. 

ie Belagerung von Hamburg ih im acht Tagem 
bereits wiermal gegeben worden, Doch ohne den Beifalt, den man 
fi davon hatte verſorechen dürfen. Die Schuld liege wohl meiff 
an den Schauſptelern bie ſich die Hand darauf gegeben au habe 
ſchienen, dem Stuck den Baraus ju machen. Die beiden erſten 
Akte harte der Verfaſſer freilich weniger dehnen follen: dech bat 
er im Ganzen mit Kuml, Einficht, Interefe und mach Regeln, ſein 
Eitjer behandelt. Der vierte Are it beronders von Werthh. Cine 
Dienge anjichender Scenen folar fi in demielben und dıe Erwar— 
tung des Zuſchautts wird badusch aufs hödke geivanıt. Allein 
Dei der biefigen Darſtellung munte das Eptel alle Wirkung zerſtö⸗ 
ren. Was kommre ich Ihnen wicht fagen von Hersfeld, and 
Steiger und ihrem Benehmen? Las nidt von Stegmann, 
und wie der arıne Soudeur Barlow jeine Yunge anſtrengen 
muhte?— Genug davon, Ein andermal, menm ich bei Gelegen⸗ 
Geit wieder auf den Gegenſfand tomime, das Nähere und auch dem 
Iabalt des Stiects. 

Shillers Waltenfeim wird mun die Reihe treiiem. 
ber nicht, wie der Diditze ibm gebilder hit, werd er gegeben 
werden, fondern nach einer jener haßlichen Umiormiungen und 
VBerdümmelungen, bie bavon im Publikum cireulıren, und fir 
einem Abend die Handlung jufanımenpreiien. 

Bon altern Opern werben wir bie Billa tmicherfehen. Die 
Beſchung id zu geiltvoll, umd vereach a fchr die tiefem Ginfiche 
sen der Direktion, als das ich micht einiges davon Lichericger 
foltte. Mad, Glen (die ganz treflich zur Koniaım fib ſcicken 
wirede,; macht Die Kilia; Die new eugagirte Mad. Kiel bie Bere 
tha, und die funfichmiahrige:!! Die Nmalie Eteg: 


Auszug der Zeitung fir die elegante Melt, 


Nr. 131. St. Durdlaust der Kuren von Hefen hat wer 
ſchledenen Bewolnern vom Kafıl 4000 Thaler jur Ervaunng 
neuer Hauſer angewieſen. 

Mr. 132. Der (befannte Dichter) Gral von Soden hat ein 
Werk: Ueber Natianal » Delonomie, anselündigt. 

Nr. 133. giebt ſotgende farriinnige ErMärung: „Be ei 
Gewicht mad dem anderm, ein Gbeintah mac dem amberm 
wechielt, va it gute feine Sefehlihaf.t— 

@r. Durchlaucht der Kuremeft son Henen bat Zeiner ganzen 
Bene und allen Zivil» Beamten Gehaltsiulagem ertheilt. 


— r eç——— —— — — 





1804. 


Nro. 229. 





Der Sreimütbige 


Freitag, 


€ rn f 


Kunf. 


Prof. Klengeld Muftertafeln zu Landſchaftszeich⸗ 
nungen, Dreöden, beim Kunſthaͤndler Rittner. 





Par Klengel gehört zu den geſchaͤtzteſten Kuͤnſt⸗ 
lern Dresdens und bildet in der Fandfchaftsmalerel, 
zu welcher die reichen und gefälligen Umgebungen 
des Deurfchen Florenz an der Elbe, die hier blühende 
Kunſtſchule, vorzüglich einladen, gleihfam eine eigene 
Eonfeffion und Glaubensverbrüderung, Wer eine 
Landſchaft von Klengel beſitzt, hängt fie unter die er: 
lefenften Zierden feiner Sammlung da am liebften 
auf, wo er in unferm oft fechsmonatlichen Winter 
gern den Frühling vor Augen behält. Kiengel ift 
der treuefte, forgfältigfte Portraitmaler der Landſchaft, 
die mwirflih vorhanden ift, und weiß jeden Zauber, 
der fich feinen leibliden Augen darfiellte, mit tiefer 
und ausgeprüfter Einficht aufjufaffen und darzuftellen. 
Don einen folhen Meifter eine Anleitung zum Yands 
ſchafts zeichnen zu erhalten, ift nach allem Leberfluß, 
den. wir ſchon haben, doch nicht Äberflüffig, und ges 
wiß jedem Kunftfreunde und Liebhaber ein fehr er 
wuͤnſchtes Geſchenk. In ı2 grofen Qurerfolio-Bläte 
tern ift eine fehr zweckmaͤßig abgeftufte Aufeinander: 
folge von den erſten Elementen der Zmeige, Aeſte, 
Baumſtaͤmme, Etaudengemächfe, bis u ganzen Grup⸗ 
pirungen und zufammengefegten Partieen, die man 
mit aller Wahrheit Mufterblätter nennen kann, fo 
eben erfchlenen, und um einen verhaͤltnißmaͤßig fehr 


— — oder —— 


und 


den 16. November, 
S dh e 2 


billigen Preis bei dem Dresdner Kunſthaͤndler Ritt: 
ner (partieenweife felbft mit einem bedeutenden Ab: 
(lag) ju verfaufen. *) Auf einem Blatte aus ber 
Feder des verdienten Künftlers, welches als eine kurze 
Anleitung für die Schuͤler mit ausgegeben wird, fagt 
der Mann, dem «6 bei biefer Unternehmung nicht 
ſewohl um Gewinn als um gründliche Erlernung 
und Berbreitung feiner Grundſaͤtze in der Kunft zu 
thun war, felbit mie löblicher Beſcheidenheit Folgen: 
bes von ſich: „ch befcheide mich gern, daß die ra 
dirten Blätter eines Rugsdaels, Boths und 
Naymwints den Anfängern noch lehrreicher ſeyn 
dürften, jumal das Aetzen, welches mein eigentlicher 
Beruf nicht. ift, mir nicht immer gluͤcken wollte: 
allein fie find dem Anfänger zu ſchwer und bei ide 
rer Eeltenheit auch oft zu theuer. Die menigen, 
bie einzig zum Zweck des Unterrichts von mir ges 
geichnet und radire find, find dazu beſtimmt, verfchie: 
dene Manieren des Baumfiblags anjumeifen, und 
geben vom Leichten zum Schweren fort.“ Hierauf 
folgen in der Anweiſung manche zwar nicht unbe 
fannte, aber doch fehr vollfommene Vorfchriften von 
einem fo vielfach und lange geübten Meifter, der 
bier mit vieler Einficht manche Fleine Handgriffe und 
Erleichterungsmittel fehr offen mittheilt. Unter an: 





*) Principes des desseins pour les paysages, par J. 
C. Klengel, chez H. Rittner (in feinem Magajin auf ter 
Schlokgaſſe), 12 Blatter in Queerſolio, mit einen blauen Um⸗ 
ſchlag und einem Bogen Tert. Preis 3 Thl. 12 Gar, Das 
Hacertſche Zeichenduch für kandſchaſtszeichnungen koſtet 12 Thaler, 


— 354 — 


dern wird der Nachzeichner ermahnt, hauptſaͤchlich 
auf das Lockre, Knackriche und Krospichte 
Acht zu geben: — Ausdrüde, ſetzt der Kuͤnſtler bin: 
zu, die der Landfchaftsmalerel eigen find. Es wäre 
wohl zu wünfchen gewefen, daß es dem wadern Lehr: 
meifter gefallen hätte, fich Über die Begriffe, die er 
mit diefer Kunſtſprache zu verbinden pflegt, ausführs 
lich zu erflären. Indeß wird fie ein jeder beim forge 
fältigen Studiren dieſer Blätter leicht verftehen ler⸗ 
nen. Sie find es, welche dem Baumfchlag und Ge 
firäuchen die Wahrheit und Leichtigkeit gewähren, 
die wir an fo vielen mwolligten und wäiftigen Misge 
burten des Laub: und Aftwerfs unfrer gewöhnlichen 
Landſchaͤftler oft fo ungern vermiſſen. Hierin befipt 
Klengel eine ganz befondere Etärfe, und darüber 
eben ift dies Zeihenbuch vor fo manchen andern fehr 
glatten, und dem Auge des Nichtkenners vieleicht 
weit einladendern Vorſchriften nachdrüdlich gu em: 
pfehlen. Im Verfolg feiner Vorſchrift warnt unſer 
Meiſter beſonders vor dem jetzt, wo alles fo gern 
und fo früh der Schule entläuft, fo häufigen Mode— 
fehler, fich zu früh an die Natur zu wagen, wenn 
man nicht feinen Geſchmack ſchon vorher gebildet hat, 
„Ehe man fih an eigne Betrachtung und Nachah— 
mung der Matur, wohl gar ohne einen erfahınen 
Führer wagt, ifl es fehlechterdings nothwendig, zuvor 
die großen Meifter zu ſtudiren, die zuerft ein aus 
der Natur gefehöpftes Syſtem bildeten. Aber auch 
bier binde man ſich nicht fclavifp an einen einzigen 
Meifter, Wir können freilich in der Landſchaſtama⸗ 
kerei nichts befferes Hervorbringen, als mas Berg: 
bein, Ruysdael, Elaude Lorrain, Pouffin, Pinader, 
Both, Dietrich und Wagner geleiftet haben, aber wir 
können nach und nach uns bie einzelnen Vortrefflich⸗ 
keiten und Tugenden diefer Meifter aneignen, und 
fo in der Compofitition noch immer etwas Neuss 
und Echönes hervorbringen,“ 


Es wird vielleicht manchem Liebhaber und 
Sammler bei diefer Gelegenheit angenehm fegn, zu 
erfahren, daß bei dem Merleger diefes Klengelſchen 
Zelchenbuchs, der fich durch folide und wohlgemählte 
Blätter und einen erhöhten Gefhmad vor vielen 
feiner Collegen auszeipnet, und von feinem, der 
durch Dresden reift, unbefucht bleiben follte, auch 
eine Sammlung von den beliebten und fehr gefuch 
ten Landfchaftsblättern des Hermann van Bruͤſſel 
um einen fehr auncehmlichen Preis zu haben ift. *) 





ıe Hermann van 


*, Suite de XVI petits Baysages 
. Büttner, 


Brussel, peintre en Hollande, chez 


Aus Landshut 


Um den Lotterien den Anfchein einer Wohlthaͤtig— 
Reits« Anftalt zugeben, hat man gewöhnlich den Vor: 
theil, oder einen Theil deffeiben, deductis deducen- 
dis! — den Armen, Witwen, Waifen u. f. w. be 
ſtimmt; wahrfcheinlih um den Spielern die lockende, 
erfreuliche Ausfiht zu erdffnen , bereinft, wenn fie 
das Ihrige dem Gluͤksrade, und der lieben Armuth 
geopfert haben, ein Scherflein in eigner Armuth aus 
der löblichen Anftalt wieder zu erhalten, Was fagen 
Sie aber zu einer Korterie, wovon der Gewinn für 
die armen Seelen im Fegfeuer ift, und zwar ber Se: 
winn die ewige Geligkeit, und der Einfaß nur 
drei Bater unſer.? — Sie lachen; aber ich ver: 
fichere Ihnen im Craſte, daß eine foiche Lotterie ſich 
in Landehut in Balern, an der Weartinsfirdge in der 
That befinde. — Das Comtoir diefer geiſtlichen Gau: 
£elei ift im der Kapelie des weitberuͤhmten Chriſtus 
von der Schaani, und die Art der Ziehung, mach 
einer an der Wand hangenden gedrudten Tafel, die 
die Aufichrift har: Geiftliher Gluͤkshafen von 
64 Loſen, — folgende, Die Nummern auf der 
Tafel von 1 bis 64, enthalten ein Verzeichniß von 
alleriei Sünden, worhr cine arme Seele im Fegfeuer 
noch zurüdgehalten werden kann, die aber nach der 
Fatholifcgen Definition nur läßlihe, feine Todſuͤnden 
ſeyn dürfen: fo iſt die letzte — wahrſcheinlich aus 
Deſcheidenheit der Verfaſſer die legte: für Klo: 
ffergeiftliche die ihre Horas zu beten ver: 
Helfen. Unter der Tafel hängt ein Käfichen, worin 
fi 64 Looſe befinden; aus diefem nimmt man nad 
der im Plane angezeigten Anweiſung aufs Gerathe— 
wohl eine oder mehrere Nummern, vergleicht damit 
die ähnliche Nummer auf der Tafel, betet bei jeder 
drei Vater unfer, und eine Eeele, die wegen ber dort 
bemerften Sünde noch im Fegfeuer litt, iſt erlöfer! 
— probatum est! denn am Ende des Plans wird 
ausdrüdlih und wörtlich gefagt: den Plan und die 
Entdefung des Nutzens einer forhen Lotterie, habe 
eine arme Seele dem heiligen Bernhard gemacht! — 
Die Nummern waren viel gebraucht und be 
ſchmuht. — 

Oben erwähnte ich des wunderthaͤtigen Chris 
ftus von ber Schaam. Kine fonderbare Venen 
nung werden Eie fagen; aber Freund! dies iſt auch 
Eins der fonderbarften Wunderbilder, deven die Le 
genden erwähnen, und Eins der befuchtefien und ges 
ehrteſten in Balern. Ein Maler hatte diefes Bud, 
eine erbärmliche Sudelei, Chriſtus am Kreuje vor— 
fielend — am Abend bis cuf das gewöhnlide 
Schaamtuch vollendet, und verneß Die Zrbeit, um 


ur; We 


das Tuch am andern Tage zu verferfigen. Aber mas 
gefhah? Der Herr Chriſtus ſchaͤmte fig, fo ohne 
Schaamtuch, nadınd und blos da zu bangen, drehte 
ſich aus feiner Lage, auf dem Rüden hangend, ber: 
aus, und fo herum auf die Seite, daß die Beine 
oder Schenkel eine folche Richtung befamen, daß er 
eigentlich keines Schaamtuches miehr bedurfte! — 
Welch eine laͤcherliche Möndserfindung! 
— Doch — das Erſtaunen des Malers am andern 
Morgen laͤßt ſich denken; er eilte firafs zur Geiſt⸗ 
lichkeit, diefe fehrie Wunder, das Bild wurde im 
Triumphe abgeholt, zur Verehrung der Gläubigen 
aufgejlellt, hatte zahlloſen Zulauf und wirkte feit lan: 
gen Seiten zahlleſe Wunder; bejonders wurde und 
roird es gegen die Unfruchtbarkeit der Weiber geprie: 
fen! Aber zum Xerger alier Oläubigen, und zur 
Verföhnung des Unwillens, den Eie gewiß beim Les 
fen empfunden haben, muß ih Ihnen fagen, daß 
jegt im Junius auf Befehl der aufgeflärten Bairi: 
fen Regierung dem Dilde ein Schaamtuch gemalt 
werden if, — Das Malen ift am Tage unter den 
Schutze der Poiijey geſchehen. Die Dernünftigen 
freuen fi, und Hätten gerwe gefehn, daß dos Efane 
dal, ſammt der Lotterie weagenommen wäre, der Pb: 
bei aber murrt im Erillen, die Tümmften der Geift: 
lichteit gewiß gleichfalls; aber die Verehrumg . des 
Bildes, wovon man glaubt, daß es durch den ange: 
ihanen Zwang eine Art Marrtyrthum erlitten habe, 
iſt nicht vernundert, — 

Die Marrinekirche iſt Übrigens Me Hauptkirche 
Landshuts, und wegen ihres hoben Thurms berühmt, 
wovon die Einwohner behaupten, dap er hoͤher als 
der Eterhansthurm in Wien ſey, dem das Aaufere 
Anfehn nicht widerſpricht. Im Innern iſt die Kir 
che heil, groß und kuͤhn gebaut, und mit einer Menge 
Altäre zu beiden Seiten gegiert, die aber gleich ſalls 
auf Befehl der Regierung bie fonft daneben hangens 
den vielen Votivtafeln verloren haben, Für die ar 
men Seelen ift bier gleichfals durch einen befondern 
Altar geforgt, der die Inſchrift bat, „Altare privis 
legiatum: Alle @ambjtag eine@rel aus dem 
Gegfeuer zu erleeſen.“ Alſo dech nur 52 im 
Jahre; dafür lobe ich mir die Lotterie! — Auf dem 
Shore rechts iſt eine Sakriſtey, deren Inſchrift allen 
Laien den Eingang verbietet, weil der Ort nur den 
Geiſtlichen geweiht fey; indeß fah Ich bach eine Frau 
in derfeiben, die mit dem Küfter oder Eafriftan, 


eine Meſſe verdang. An Gemälden bat bie Kirche 
einige gute; befenders eine Varta mit dem Ehrifluss 
finde in Lebensgröge, werauf ſich zwei fehr ſchoͤne 
Engelgruppen teiven. und weißes die Unterſchrift 
bat: Quabeninus nobilis venet: pinx, 

i Die bhoetſe hung folgt.) 


Embleme 


Jungſt, an einem warmen Juniusmorgen, ſah id 
zjroei zu gleichem Zwede auf fehr verfihiedene Art be 
fchäftigte Thiere. Meben mir hatten ein Paar flinfe 
Ameiſenldwchen ihre Trichter im Sande gegraben, 
und barrten in deren Tiefe der fommenden Beute, 
Arglos ıwandelten nahe Ameifen zwiſchen diefen Hoͤ⸗ 
len der Schlla und Charpbdis her und hin. Neu— 
gierig zu erfahren, was im Grunde des Kraters 
fprühe und fprudle, wagten fie fi am deſſen Rand, 
und fahen nur zu bald, ungeachtet des ihnen von 
unten herauf entgegen gefprühten Etaubes, daß 
fie der Raub eines Feindes geworden, der die Kunſt 
verſteht, ohne viele Umſtaͤnde fein Ziel zu erreichen. 

Nicht weit von biefen Loͤwengruben bob ſich 
die Erdfläche vor meinem Blid in weitgefchweiften 
Schlangenlinien allmälig empor , und machte mich 
für das noch zarte Leben meiner Eleinen Pflanzenwelt 
beforgt. Moll Ummillens über den im Berbergenen 
ſchleichenden Erdaufwühler, ergriff ih den Spaden, 
und machte durch einen raſchen Stoß mit demfelben, 
auf einmal feinem verderblichen Nevolutionseifer ein 
Ende, Um indeß zu erfahren, was er wohl mit all 
dieſem Graben und Wuͤhlen jufammengeicparret und 
herausgebracht haben moͤchte, unterwarf ih ihn auf 
der Etelle dem anatemiſchen Meſſer, und fand, als 
Reſultat aller jener weitſchichtigen Bemühungen, nur 
einen winzigen Kegenwurm in dem hohlen Dingen 
des nüchternen Erderſchuͤtterers. 

Da dacht' id, — Aber In der That, es liegt 
zu nahe, was ich dachte: es verriethe wenig Zutrauen 
ju den kefern, wenn ich es Ihnen erfi fogen wollte, 

Nöldele, 


An die Gefangenwaͤrter eines Sonett : Poeten. 


Den hält fein Wächter und kein Scherge. 
Er lien eich ſeine Verſe vor: — 

Glugs liegt ihr ſchnarcheud auf dem Ohr, 
Und er — if über ale Berge, 


"Die verbulte Dichterin, 


Wer wollte einer Dichterin 
Berubein ihren Flatterfinn ? 
DE lariiche umordnung mie 
Der Odendichtuug ſtete Piliht? 


Sans rime et saus raisop. 


„Lime Reim und ohne Vernunſt“ 
Zraum! ein herrlich Ja und Amen 
Ueter mance unter Jamben⸗ Dramen, 
Aber bei unirer Sonettiers Zunft 
gebe; „it Reim, do q ohne Bernmmnft, U 


Burl. 


—— 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 86. 


Aus Copenhagen. 


om ber neuen Auſtage ber Holbergſchen Werke find ſchon 
sel Bände erichienen, und vom dei verdienfvolen Vitlers 
Vreisicheift iiber die Reformation find zwei Ueberſezungen ters 
anftaltet. Man fieht aus dieſer Aumnertſamleit auf die Vorzeit 
und das Ausland, es bericht Thatigteit im unierer Literatur, 
fo Hein auch der Splelvaum und das Yublitwm derſelben ſiud. 
Beide find fa mur auf die Hauptſtadt beſchräntt: daher Die 
für ung tränfende Erfcheinung. daß fe mander umierer beſten 
Köpfe in eine fremde Eiteratur hinüberzeht; 4 B. Baggefen im 
die Deutiche Malte Brun in die Framtſiſche. 

Auf Island it der Hella fo völlig erloſchen, dak er nicht 
einmal mehr Rauch auswirit; aber flart feiner baten zwei 
andere Berge ihren Mund aurgethan: eime nicht ungewöhnliche 
Urt der Verbeſſerutig. 


Aus Franzbfifhen Blättern, 


Aur der Ebne von Jory, wo Heinrich IV. Die Macht der Pr 
que 1590 vernictere, Jeigte man ſich lange Reit einen alten 
Baum, unter welden ber Erammmater der Gourboniden auf 
dem Throne, der gute Heinrich, nad ber Schlacht ausruhere. 
ld dieſer Baum verdorrt war, lieh ein Framzoſiſcher Prinz an 
deien Stelle eine Pyramide errichten, — die aber während ber 
Repofurion zerfiört wurde. Auf Vefehl Maporeon’d wird man 
jegt daſelbſt eine Saule errichten, zu welder fon am zaflen 
Oit. unter dem Zujauchzen einer großen Boltimenge den erſten 
Stein geleat ward! , 

Man ficht im London der Ucherfeuung bed Chlaeſuchen Ge⸗ 
fegbuces entgeaen, das im Original 16 Kleine Bände ausmacht. 
Es beiüt, Tu⸗ Tſchtn⸗ Eins Og, Jedem Gereg IR eine Erklarung 
und cin Beiſpiel beigernat, Melde Aufſchlüſſe darf man vom 
dicſem Werte erwarten ! 


Aus Et. Veteröburg, den 43 Oftober 1804, 


er Hofrath Vuhle aus Göttingen in Hier eingetrofen, um 
ſich als Profeſſor der Pbiofenhie nadı Moetwa zw Drgabar, wo 
der berülmte Statiſtiker Hofrath Greiisann, nach einem Kuren 
mientbalte, am einem Kervenfielee Inder geforben if. — 


— Die Nachrichten über Rukland, die-mir jept bänfis im 
auswartigen periodirchen Vlaͤttern leſen und vorzligfich Üter Der 
tersburg, reisen une nicht ſelten zum lauten Gelächter, denn es 
AA unteareiflich, wie entſtellt und mangelbart ort bie allbetann⸗ 
tefien Thatſachen, die man an Ort und Stelle doch vo richt 
berichtigen könnte, dem Auslande mitgerheilt werden. Sieht 
man aber, daß allbekannte Thatſachen abuchtlich verdreht mer 
ben, um entweder das Auslaud aus Vrivarabfichten irre zu leise 
ten, oder iraend einer Peidenichait zu jröhnen, jo kann man fid, 
felb® wenn die Gegendande folder Verdrehumgen unbedeutend 
find, doch kaum der Aufwallung des Umwillent enthalten. — 


In Mr. 174 der Zeit. fd eleg. Wort ſteht eim Aue 


(ag über Das biefige Deutihe Theater, der hier nicht anders als 
mit dem lebhaften Unwillen konnte gelefen werden. Es muäte 
dem moraliſchen Gefühle, welchee im dem Herjen eines großen 
Yublitums noch Immer der Menicteit im Ehren mühtiger 
thront, als manche Einzelne, aus deren Serien es langt ent⸗ 
ſtohn it, cs almen oder woinichen, widerlich ſeun, zu ſehen, 
daß es Menſchen giebt, die ſich nicht entbtoden, wider jre cir 
gen: beſſere Ueberreuguug der Walheit zu widerfprecden, Nech 
empörerver wird dies, wenn dieſer Wideroruch den Tom der 
gemafizten Wohrbeirsliebe liſtig berat, um jo gewiſſer bei Dem, 
der die Wahrheit oder Ummahrbeit nicht au erorſchen vermag, 
Eingang zu finden. Der Einſender jtnes Theater: üufſahet 
wire denen in verichiedenen andern periodifhen Aiittern von 
Zeit zu Zeit uber das hiefige Deutſche Theater erſchienenen es 
richten, befonders aber den Berlimern, abſtautiche und atſo boss 
Karte Entfielung der Wahrheit vor, ju deren Berichtigung umd 





Aufdeckung er fih im feinem Sewiſſen gebrungen fühlt, und 
jebe Zeile dieſer ſeynſolleuden Berichtigung iſt — eine eftenbare 
Unmabrheit. Alle jene Berichte kommen namlich darin über 
ein, das die Reife des Hrn. Mire, bie man als sehe koftintes 
Lig darſtellt, durchaus ihres Zwecks verfehlt, und daß umire 
Buhne, was die Darſſeuung felbft betrifft, wenig oder miches ger _ 
wonnen habe, Dre Behanvtung If nun nichts weiter, als das 
einfimmige Urtheil des ganzen Giefigen Publitums, und wird 
taͤglich durch bie oft unbrareiflih mangelhaften Darftelungen 
leider zu ſehr befkitiat. Zum Beweiſe dari man nur Gigar 
re'shocdzeit und die Pagenſtreiche anfuhren. Ob bie 
Verieblung bes Zweds Hrn. Mire jur Lat fat oder mid, 
fen dalıngefteht, fowiel it aber gewi, dag won acht Debüns, 
deren wie ums feit feiner Zuructtuuft eriveuten, ſtreng genome 
men, nur zwei geglüct, virre gänzlich durdgeralten und zwei 
Baum durchgesangen find. Hra. Dunnius last mau als 
Euänger und and ald Echauſpleler, alte Gertchtigkelt widerfaht 
ren, wir buben aber dagegen Hübfch verloren und ein groner 
Theil des Bukliims vermigt Sreinsberg, obgleich micmand 
is Abrede ik, das ber Letztere durch feine miederaen Liebertreis 
bungen feinen Werth ſelbſt ſehr herabſezte. hr. Nercno dat 
geiallen umd gefale auch noch, in Ermangelung eines beierm, 
denn ſo tier deht bie! der Kuunſtaeſchmack aicht, dag man ibn 
für einen Edbambieler enter Große balten ſollte, deſſen er ſich 
gewiß much ſeitſt germ beid,.ctden wird, vormglich nad der Er 
rabrung, bie er als (rar Mlmanıpa nnd als Antondiud in 
Octavia, bei einiger Eeitlteobachrumg, gemadıt haben mus. — 
Demeif. Löwe gilt hochtens fir eine vielaerſprechende An 
fängerin and wir hatten dagegen Skad. Muller verlorm, 
Die zwar auch bekanntlich keine arone gebildete Erhauipielerin it, 
durd Diem. , aber doch auf ketnen Zul, als in die Jugend 
erſezt wiirde, — Dim, Sauder if ſo gam durggefallen, 
daß Ne ſeit ihrer dritten Rolle nicht mehr amfgetreten if. — 
Hr. Schulz vom Loweſchen Theater in Hamburg, wurde feier 
lich awsgesifht, und das von Rechtswegen. — Hr. Noſen- 
arauch genugte als Oberforſter in den Jagern durch 
aud nicht, und iſt auch bir jetzt nicht weiter amigetesten. Er 
erſetzt nicht einmal Bracket, und wer wird Dem. Brüunckel 
eriegen? — Hr. Rede iſt ſehr unbedeutend und Borkenebſt 
feiner Frau haben wir verloren, ein zur Zeit mod unerſchit⸗ 
“er Verluſt. — Mad, Dahlberg von Wim trat vor mer 
wigen Tagen zum erfienmahle als Oftavia anı Eine Juno 
an Geſtalt, deren reijende Formen in ber beverfungsteren r) Nönnie 
ſchen Kleidung freies Epic batten; dennoch ſchien die Rohe 
richt glittlich gewahlt, denm wird fie micht Durch ein etwas 
feuriges Erlel gehoben, jo üͤberſchleicht den Zuſchauer eine ge⸗ 
wife umwiltürfiche Hätte, Die erſten Scenen gelangen il vor⸗ 
maliar, die letzten Scenen ſtachen aber Dagegen. enlich ab. 
Dodı, es iR ſchwer ben Werib einer Kunſtlerin mach einer eine 
digen Rolle gu beurteilen, vorzüglich wenn fie fo wenig untere 
Aligt wird, als Mes in der Dttavda der Gall war, Mas 
uns Mad, Dablberg alfo fen wird, mu bis aufs weitere 
kabingeftelit bleiben. — Aus dieſer ganz unvartetifchen und te 
gerbmintten Darkellung mag num aber ein jeder feibr urtbeis 
Ten, #b man ben Gewinn der Mireichen Neite hoch anıtagen 
kann. Er ſcheint ich ganz auf Das Drebeiter einzuſchranten, 
das in der That sehr dran iſt; deſſen Hauotzierde, den Muſit⸗ 
direttor Sr, Nentomm, wir ater auch nicht elmmal dieſer 
Keije werdanten, denn Kr, N, war nicht von Hrn. M. in Wien 
ergantrt, ſonderu kam auf eigenen Antrieb nach Perersturg ohne 
olte Absichten auf das Deutiche Theater. — Nun, vielteicht bar 
ten wir mod das Beſte jr erwarten? — Das ſcheint micht, denn 
Hr. M. bat mit denfindendzeiws, bie fo gewiß fein Thea: 


„tr verlaſſen folten, mit Mad. Kafta, mit Mad. Wenraud 


u. Com. nee Gontracre acichloſſen, und ſegar Mad. Muller 
m’ 3000 Nuttel wirder engagirt. ie iſt vor wenigen Tageu 
von Misstua Hier cingetrogen und wird wie es Geift, in den 
Hufiten gem erſteumale witder auftrete. 

(Die Fortſetzung folgt, ) 


. 


1804. 


Der 


Eonnabend, 
E rn ft 


Literatur. 


Taſchenbuch der Reiſen, für jede Klaſſe von Les 
fern, von E. U. W. von Zimmermann. Vier— 
ter Jahrgang, für 1805. (Mit 9 Kupfer 
und ı Karte.) Leipzig, bei Fleifcher d. juͤng. 


(S:5nVtices Forſchen, fehr viel umfaffende Kennt: 
niß der Matur und der Gefdichte, geiftvolle Ord⸗ 
nung der Materien, fchöne, lebhafte Darftellung, 
fennt man aus den frühern Jahrgängen als das 
Auszeichneide biefes gutgedachten und gutaufge: 
führten Taſchenbuches: und biejem Jahrgange ges 
bührt das Zeugniß, daß fein Stil nech reiner und 
fchöner it, als der in den erſten Bänden, auch find 
die Kupfer gut gearbeitet. Sein Inhalt iſt die Bes 
ſchreibung der ſuͤdlich von Canada gelegenen Länder 
Nerdamerika's, ihrer Bewohner und Naturprobufte: 
der vereinigten Staaten fowohl als der Wildniſſe. 
„Suter Wein bedarf Feines vergeldeten Schildes.“ 
Diefe Eurje Anzeige genüget: denn die Lefer des 
Hrn. von Zimmermann wiſſen ſchon, meiden lehr— 
reigen Genuß fie von ihm zu erwarten haben. 
R. L. 

Ghttingifched Taſchenbuch zum Nutzen und Vers 

gatigen, für das Jahr 1805, mit (vielen) 

Kupfern. Göttingen, bei Dietrich. 

Auffeben zu erregen, ſelbſt ein vorübergehendes 
Gluͤck zu machen, — dazu reichen einzelne glänzende 








» 
* * 
—2 
— — 
37* 
—— * 


ANDIIDES, 
Freimuthige 


— (ct —— 


und 


Nro. 230. 


den 17. Diovernber, 


S Zu 


— — — 


Vorzuͤge, zumeilen ſchon guͤnſtige Zufaͤlle Bin: aber 
bie Achtung und das Glüͤck zu feſſeln, fie ſich 
bleibend anzueignen, — fie allenfalls zu erzwingen, 
wenn man vom Schidſal nicht beguͤnſtigen wird: 
dazu gehört ſeſter, verftändiger Charafter, Das gilt 
von Bücern fo gut, als von Menfchen. Der Cha: 
rafter der erſtern beficht in der Beſchaffenheit ihres 
Planes und in der einfichtsvollen Ausführung deſſel⸗ 
ben. Mit Vergnägen geb’ ich dem vorliegenden Ta: 
fhenbuche das Zeugniß, daß beides in demfelben 
trefflich iſt. Es enthält, das genealogifhe Werzeiche 
niß mitgerechnet, fiebzehn Tabellen, (3. B. der 
gemeffenen Hauptgebirge, des Derhältniffes vieler 
Staaten zu einander, der Mönzfüße u. f. m.;) es 
enthält eine lange Reihe von Auffäßen, die eben fo 
unterhaltend als lehrreich find, endlich eine Menge 
meiftentheils gutgearbeiteter Kupfer, zu deren Betrach⸗ 
tung, da fie die Phantafie freundlich aufreijen, man 
gern zurhdfehrt: das find alfo neunzehn befriedigte 
Bedürfniffe, neunzehn fehr gerechte Anfprüche, gebik: 
deren Käufern wirflih zu werden, wozu fein Titel 
es befiimme, ein angenehmer Begleiter während 
eines, felbjt während manchen Jahres. Inter den 
Kupfern find vorzuͤglich Goͤthens Bildniß, der Fruͤh⸗ 
ling und verſchiedene Anſichten von berühmten Eräd: 
ten und Gegenden, gut ausgefallen. Unter den Auf 
fügen möchte wohl die Machricht von einer Operation 
am intereffanteften fegn, durch melde In dianiſche 
Wundaͤrzte verlorene Naſen wieder zu erſetzen ver 
ſtehn, indem fie eins neue aus der Etirnhaut des 


Patienten bilden; ferner — doch Ich müßte das ganze 
Regiſter abfchreiben, wenn ih alles Gurte fagen 
wollte, tas ſich von dem Buͤchelchen fagen läßt. 
— hn. 
Fragmente, aus der Screibtafel 
eines Neifenden. 
Aus Liefland nah Italien. 
(Bortfegung.) 
Den 25. Yugufl. 


Hr Peipus See, der weniger befannt und 
weniger ſchoͤn iſt als der Genfer Eee, bat mir die: 
feemal ein fürchterlich ſchoͤnes Schauſpiel gewährt. 
Langfam fuhr Ih am fandigen ı.1, da erhub fich 
ein gervaltiges Sauſen in dr. „uft, ein Sturm in 
den obern Regionen, unten nur hörbar, denn der 
Eee blieb ſtill, und eben diefe Stille, im Eontraft 
mit dem heftigen Sauſen hoch über mir, war gräßli: 
er als hätten die Wellen fi gethuͤrmt. Rechter 
Hand üter dem finflern Fichtenwalde, hingen ſchwarze 
Wolfen, die der Blitz zerriß. Links über dem re 
rollte es dunfel vom Himmel berab wie ein Leichen: 
tuch, und bededte die jenfeitige, erma eine Meite 
‚entfernte Kuͤſte. Die Möven freifchten über dem 
unrubigen Waffer; ein Paar kleine Fiſcherboͤte mit 
fhlaffen &egeln, fuchten ängfllich das Ufer. Jetzt 
gegen die furchrbaren Heere langfam gegen einander, 
links hallte der Donner im tiefen Walde, rechts rollte 
er von der verhuͤllten Küfte heruͤrer. Reine Hütte 
weit und breit, nur einzelne Fiſcher- Meke bier und 
da auegefrannt. Immer näher rüdten wieder die 
ſchwarz gewaffneten Kämpfer, immer fehneller wurden 
die Dlige vom Donner ereilt. Kein Regentrepfen 
fiel, auf Erden war alles fill, nur oben faufte es 
fort. Ploͤtzlich ſchoß linfs ein Blik in den See herab, 
fein longer Stral, der fih, das Waffer berübrend, 
in unzählige Funken tbeilte, glich einer umgekehrten 
Nakete. Er ſchien das Eignal für herabſtuͤrzende 
KHagelfiröme, die in wenigen Augenbliden den Bo— 
den mit einer Eiedecke mehrere Zolle dick, belegten, 
Der Hagel hatte vollfommen die Größe von Bob: 
nen. Mein Magen mußte halten, der Pefillon 
fprang vom Pferde, die Bedienten eilten vom Aut: 
ſcherbock herab, alles verfrech fih unter den War 
gen, Aber der Hagel ſchlug die Pferde fo gemwaltig, 
daß fie nicht länger ftehen wollten, die Menſchen 
muften wieder hervor, um, ihre Ruͤcken preifige: 
'bend, die unrubigen Thiere zu halten, — Was die 
Gewitterwollken vom Tage noch Abrig gelajfen, das 
verſchlang jekt vollends der dichtialiende Hagel, die 
nächften Gegenſtaͤnde verfhwanden, faum Eonnte ich 


"aus dem Wagen bie Pferde ſehen. Mur häufige 


Blitze beleuchteten mit falbem Schein die meißen 
SHagelförner, und Donnerfhläge Erachten dazwiſchen. 
Da ringeumber fein Gegenſtand war, der den Bliß 
ableiten Eonnte, fo ermartete ich jeden Augenblick 
Menfhen oder Pferde ftürgen zu fehn, oder — auch 
felbjt den glücklichen Tod des Romulus zu leiden. 


Wohl fieben bie acht Minuten krochen fo vorüber, 


von ber ängftlichen Lage zu Etunden ausgedehnt, 
Endlich zog das Ungewitter tiefer in den Wald, 
Menſchen und Thiere fchöpften wieder Athem, und 
bald blieb von dem Schauſpiel des Schreckens nichts 
weiter übrig, als der feltfame Genuß, den der Geift 
des Menichen in Betrachtung der Epuren einer 
überftandenen Gefahr findet. Ueberſchwemmte Wege, 
von Hagelfchichten eingefaßt; Geier, deren Flug der 
naffe Fittig erfchwerte; wenige Schritte von mir, 
auf einem abgeftorbenen Baum, ein Adler, (desglei: 
hen es in diefer wilden Gegend viele giebt) der wieder 
Willen fih Menſchen fo nahe kommen lief, weil 
vermutblich das Unwetter auch feine Flügel gelähint 
hatte; in der Ferne eine zerfireute Heerde um die 
ein hungriger Wolf ſchlich: — fo nußt der Dieb die 
Fauersbrunft um beftürzte Flüchtlinge zu berauben. 
Die Eonne trat hervor, Licht und Ordnung fehrten 
wieder. Auf der nächften Station wußte man nichts 
von diefem fuͤrchterlichen Ungewitter, nur mein Was 
gen trug deffen puren bis dorthin, denn nach nach 
anderthalb Stunden war der Hagel, der fich auf der 
Dede gefammelt hatte, nicht ganz geſchmolzen. So 
fieht der gluͤckliche Bewohner einer friedlichen Grenze 
ruhig den Flüchtling anfommen, der aus dem be 
friegten Lande die Epuren der Verwuͤſtung zu ihm 
berüber tragend, blos ein interefantes Echaufpiel 


ihm gemährt. 
Kogebue, 
Die Fortſehung folgt.) 


Der Marfchall von Gaffion. 
Bortfegung.) 

Der Hof eines ſolchen Königs wie Guftas Adolph 
mar, mich zu fehr von dem gewöhnlichen Tone der 
Höfe ab, als dag man Hontas Über feine fremdartis 
gen Eitten und die Armfeligkeit feines Aufjugs 
hätte verfpotten follen, im Gegentheil drängte man 
fib mit Freundſchaft an ihn, theils um das Bei: 
friel des Königs nachzuahmen, tbeils auch um in 
feinen Sefprächen fich im Lateiniſchen zu vervollkom⸗ 
men, in welcher Sprache er ſich fehr gut auszu⸗ 
drüden versand, 

Doch der König ließ es bei bloßen Worten nicht 
beenden; durch feine Unterflügung war Hontas 


bald fehr gut beritten und montirt. Auch Trufel, 
einer der vorsöglichften Echwediichen Generale, deffen 
Liebe und Achtung Hontas ganz gewonnen hatte, 
unterftögte ihn auf alle Art und Weiſe. Oft mußte 
er Hontas feine Geſchenke autdringen, denn diefer 
wollte ‚nicht gern jemand anderm als dem Könige 
etwas fehuldig feon. Es entitand ein Wertitreit der 
Großmuth und Vefcheidenheit zwiſchen Trufel und 
Hontas. So batte biejem erfirer unter andern ein: 
mal eine fehr anjehnlihe Eumme Geldes, und zwar 
unter den Berheuerungen der tieffien Derihwiegen: 
heit geſchenkt, aber Hontas machte es Überall dffent: 
lich befannt, und verſchenkte den größten Theil dar 
von wieder zu neuer Eyuipirung an die Kamiera’en, 
"die mit ihm aus Frankreich nach Deutſchland geio« 
gen waren. &o kam es zeibft bis zu den Ohren dep 
Königs. Diefer lobte beide wegen ihrer Großmuth, 
und verfprach Hontas bei diefer Gelegenheit irgend 
ein Eleines Kommando in feiner Armee, In der That 
machte er ihn auch kurz darauf zu einer Art von 
Odberſten bei feiner Leibgarde. 

In diefem Poften: kämpfte Hontas die Schlacht 
bei Leipzig mit. Er ftand mit feiner Kompagnie auf 
dem rechten Flügel, griff auerft den General Pap⸗ 
penheim an, und ward dreimal zurädgefchlagen, bis 
das Hauptcorps zur Unterſtuͤtzung diefes Flügels her⸗ 
beieilte und das Treffen zum Vortheil der Schweden 

entſchied. 

Guſtav Adolph, erfreut über die gluͤckliche Wen⸗ 
dung des Treffens, trauerte doch tief über die 
Dienge Gebliebener, und unter diefen befonders um 
Hontas. Diefer hatte fi in der Hipe des Gefechte 
ein wenig zu weit vor gewagt, und da ihn fein 
Corps nicht folgte, fo befand er ſich faft ganz allein 
mitten unter den Feinden, Sein Pferd ward unter 
ihm erfchoffen, er ſchwang fi auf ein anderes das 
ihm der Zufall Herbeiführte: aber jeßt rüdte Pappens 
beim an der Spitze feiner dritten Linie felbft gegen 
ihn an. Entweder hatte Pappenheim Hontas aufers 
ordentliche Bravour bemerkt, oder er’ hielt ihn für 
einen Krieger von hohem Etande, kurz er führte 
ſelbſt zwei Säbelhiebe nad Hontas, die diefem den 
Hut zerhieben, die Haare ftreiften, und fein Pferd 
am Halſe, doch ziemlich leicht mit der Epibe bes 
Saͤbels verwundeten. Als Pappenheim fah, daß 
dies Hontas nicht außer Faffung bringe, fondern die 
fer vielmehr fein fheugemordenes Roß wieder zu bes 
rubigen umd gegen ihn zu lenken fuchte, fo ließ er 
Feuer auf ihm geben, mobel fein Pferd gerbötet, 
und er felbit durch zwei Alintenfugeln verwundet 
ward, Zwar waren die Wunden leicht, aber der 
Fall vom Pferde hatte Hontas fo erſchuͤttert, daß-er 


ohne Bewegung aufdem Plage Hegen blieb, Der 
Feind hielt ihn für tode, und ſieß ihm liegen. Dies 
mar Hontas Giuͤck. Denn nah und nach erholte 
er ſich wieder, ſtand auf und eilte ju der zweiten 
Linie des Mittel: Treffens die der König felbit om: 
mandirte. Der König freute ſich hoͤchlich den Mer: 
—— wiederzuſehen, da aber Hontas noch 
voll Blut war, fo befahl er ihm fich verbinden zu 
laffen. Statt deffen eile Hontas mie er merkte, 
bap ſeine Wunden nicht viel zu bedeuten hätten, in 
Trufels Stall, Heß fi Waller und ein Pferd ges 
ben, und kehrie fogleih an feinen Poften als Dbers 
fier der Garde zum Könige zuruͤck. 

Auf dem linken Fluͤgel waren die Sachſen von 
den Kaiferlichen gefölagen worden. _ Diefe hielten 
den reg auch Über den rechten Flügel nun fon 
für gewiß, fielen über die Saͤchſiſche Bagage ber, 
und fingen an ju plündern. Kaum hatte Guſtav 
erg = dies erfabren, als er dabin marſchirte. Hon⸗ 
tag begleitete ihm. Schnell bemerfte er, daß der 
pPllindernde Feind nur eine ganı Fleine Bedeckung 
bei feiner Artillerie zurbdgelaffen habe, und bat es 
fi beim Könige aus, diele anzugreifen. Er erbielt 
200 Mann dazu, und mit Dielen harte er fich auch 
in einem Augenblide der Ranonen bemeiftert, Nun 
wendete er fie gegen den Feind. ‘Diefer, dadurch und 
durch die mörderifche Wirkung die fie anrichteren, 
überrafcpt und betäubt, verließ die Sachſen und die 
Deute, und fuchte fein Heil nur in der Flucht. So 
erfocht Guſtav Adolph auf allen Theilen einen voll 
ommnen Sieg. 

( Die Fortſehung folgt.) 


Die innere Welt, 


Mr frilt das Treiben der menfdhlichen Gruß, 
Des Herzens unendliches Sehnen? 

Ber miſcht den Sauber der himmliſchen Luft 
Zu irdiſchen Muhen und Thranen? 

Gpht dem, der iiber das Leben hin 

Sei jener den hohen und gottlichen Ginm! 

Im Staube geieifelt. am jrdiſchen Wahn, 
Tauſcht ewiger Wechſel die Einne, — 

Es firebe ium Hochllen der Geiſt binan, 
Dan er Licht und Wahrheit gewinne: 

Der it der menſchlichen Würde nicht wertb, 

Der nice fein innernes Wein eriabrt.- 

Am .eigenen Innern lioat Dir die Welt, 
Wie vor Gotted Augen, entinitet, 

Da ſtehzn De umibatteren Bilder erbeilt, 
Die Unform dei Lebens gennitet! 

Was ewig feun wird, mas it, und war, 

Es wird dem Riten Gemütche Klar. 

Elnk ſchwindet Das Dumtel, der Wahn entnicht, 
Und es tagt ber Schimmer ber Wahrheit; 

Der Gottheit Funten entralt, entglüht 
In und au ewiger Klarheit, 

und auf den Trümmern der irdiſchen Zeit 

Schlieet fi der Kreis der Unendlichkeit. 

Drum freudig hinein in das Peben geſchaut, 
Den Blick auf das Hochſte aerichter! 

Eins bar und der Wille des Schickſals vertraut, 
"as nie ein Wechſel vernichter: 

Was frei Ach aller Zerſtörung entraft, 

Es it die inmere göttliche Kraft! 

Eyreiber. 


— 400 — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 87. 


Aus Berlim 


A. sten Nov. ſahen wir auf umker Bühne: Die eiferne 
garve Traueribiel in 5 Auf. von Sinede. 

Das Erüd in ſchon gedruckt, ( Taireuth, 1804 bei ür 
bets Erben); ich werde baber feine Fabel nur fur angeben. — 
Der Verfaſſer hat, dem Memoızes secrets du masıjue de 
fer zujolge, amgenemmten, Da bie befannte eiferme Larve ein 
älterer Bruder Ludwig dei Birrzenten war. Der unglückliche 
Yring winfdte einen fungen Mann felmes Witers zum Geſell⸗ 

: man führt ihm einen folden au, der aber blind if. 
Unmiitig mint er ihm an: doch Baum find die beiden eingeſperr⸗ 
tem allein, fo seigt e# ſich, dag der Fremde micht blind, daf 
er nicht ein Mann, daß er — bie beihgelichte Grmablin des 
Drimen iR. Unstucklicher Weiſe werden fie im ihrer lebhaften 
Freude von einem blinden Aufwärter belaufcht, der fie ſoaleich 
denı Gouverneur verräth. Diefer, obgleich ein menſchenfreund ⸗ 
lieber Mann, und ob er gleich in dem jungen Frauenpimmer 
feine Nichte erfenut, wil die Plebenden trennen; endlich wird 
er ermeicht, da eribeint Louvois. Der Prinz begegnet ihm 
werattich, umd Louvois beidlteht feinen Untergang. Ludwig 
feiet kommt verkleidet, feinen Gruber zu ichn: Matt aber vom 
dem ungluck deifelben fehr gerührt au werden, erwacht bei ihm 
enſternheit mach deſſen reuenden GSellebten. Um biefe au befrie⸗ 
digen, ertheilt Leuvois dem Primen die Erlaubni, bei Nacht 

au gem, und Takt ihm, als täm' es vom einem heim 
fiben Freunde, Werkieuge zur Flucht zufellen. Der Primz 
und feine Gemablin, gehn in bie Falle, werden aber im Augen⸗ 
Dit der Flucht gefangen. Degt ſchlaat geuvois Ihr, als das 
* eimjige Mittel der Rettung vor, die Liebe des Königs zu befrien 
digen: doch fie nimt Gift und der Prinz folgt ihrem Belfpiel, — 
Man kann es der Kabel nicht abiorechen, dab fie in hohem 
Grade traglſch fen, aber — bie Handiung ift von Unwahrfebeins 
uichteiten, poll unmotivirter Abentheuerlichteltenz die Charaktere 
find Überipannte Ungeheuer, — der Prinz ausgenommen, der 
aber im Grunde nur durd feine wunderbare Lage Wahrheit 
guwinnt; — das Banje ift deſchmacklos und mehr zurückſteend, 
als interemirend. Das Lob darf indeb dem Verſaſſer micht vers 
fagt werden, daß der Dialog natürlicher it, als In feinen ame 
Bern Trausripielen, freier vom Gebanten s und Vhrafen · Monftern. 
j Die Mufihrung? — Tretz aller aufgewandten Krait nud 
Stunt, ſchlich doch nur ein idauderhafted, biutiges Gefpenkt über 
die Buhne, das man mit Erfiaunen und aufmerfiamer Neugier, 
aber obme aue Theitnahme ded Gefuhls betrachtete, Hrn. Mate 
gausch hatte man elemals, umd nit mit unrecht, fehr oit vor 
geworien, daß er mur tobte, wo er ieidenfbartlich foielen ſolite. 
Dieſen Sehler hat er feit ein Paar Jahren allmalig abgelegt, und 
als Mann mit der eirernen Larve, arbührte ihm durchaus das Leb 
eines trefflichen, durchdachten, gehalten +trastvoflen Spiels, nur 
ſorach er ein Yaarmal Kain eimfolbtg, wie Keim, Madame 
Siet ſolelte Sadalin , die anfänglich verkieidete Gemahlin, 
init Ginreifiend » ſchonem Ausdruck ſchwarmeriſchen Gerlüble, 
Saft jede Eituwation gelang Ibr. Auffallend war es indeh, fie 
das DM dm Baftille, wie ein Deuties U aus ſorechen zu bös 
ven, — und noch mehr, fie iur Flucht in einem Edlepps 
Heide und mit einem binnen Epigen Edileier gerüfter au eh. — 
Srland machte den einen Blinden, den qutberjigen, gerihlvoiten, 
Gr machte aus ber tleinen Nolte, fo viel fich daraus machen ih 
doc) das verfteht fi vom dem großen Künfler ohnehin. — Der 
(Souvernenr der Baſtitle detlamirte zu ichr; Louvois war mehr 
ein färmender Böjewicht, als ein gemanbter, und verfehlte fo den 
Ebaratter der Rolle; Ludwig 14. bat nichts Bedrutendes zu lei⸗ 
fien, — und leiflete auch nichts dergleichen. 


Yus Franzdfifhen Blättern, 


Dar data wird, Bei feiner Reife durch Frantreich, in jebem 
Departement vom präfelten, in jedem Arrondiſſement vom 
unters Draiehten, im ber Commune von dem Maire feierlich 


empfangen werden. Wenn man dieſen Herren midht auferfegt, 
es ſchwelgend zu tum: wie Died wird der Heil, Vater von feir 
nen Leben Söhnen nidt anhören men, und mitunter — S— 
wäre im der That Interefant, wenm einer feiner Begleiter ſich 
der Mühe untersichen wollte, alle Reden gu ſammeln. 

— Wie weit noch hier une dort bei Einzelnen im Paris 
der Fanatismns gehen mag! Kürzlich ertapote ein Oficdant der 
großen Bibliorpet einen Wefuchenden, ber voll Wuth Blätter 
aus der Encoclopädle ei, don der er ſich einige Bande hatte 
geben laſſen. Ob ed etwa der Here Erabt G:effrei geweſen, 
wird nicht gejagt, Doch der if zu fehr mir dem Zerreihen des 
Kufes der Verfaſſer beſchaftigt, als daß er Zeit hätte, Haud 
an das Buch feitt am legen. 

— Ealwige, ein Art, hat den kaͤnwſenden echter, en is 
Sauter, in verſchiedenen Auſichten abjeihnen und in Kuper 
Reben laſſen. Eine niedergefegte Commiſſten von Malern, iu 
der auch David, Regnauit und Lebretom gehörten, hat das 
Wert für vortreflich gelungen, umd für fehr nützlich erklart. 

— In dem großen Eoncerte das Dile Colbran, die berubmte 
Eängerin aus Madrid, zu Paris argeben hat, glänsten fart lauter 
Sudtänder, Die Coikran, ein Zögling von Erescentini, ift eine 
Spanierin, (man lobt fie fehr, zieht ihr aber die berühmte Graſſini 
vorz;) Libom, der ſich auf der Violine Hören dich, if ein Portugieſe; 
Woifl ſpielte das Pinneoforte, und Kremer, Deich Ouvertüre zum 
Yortugief. Saſthoſe man auflihrte, dirigirte. Von dem einzigen 
Sramjefen, der ich hören kick, dem Sänger Lambert, geitcht man, 
Das er nicht viel Ehre Ärmdtete, 

Aus London. Eben ir bei Bondel bie jmeite Picferumg 
vom Elaude Prrrains Liber veritatıs (Buch der Wahrbein em 
ſchlenen. Der berühmte Dialer pflegte nehmlich alte Gemälde, bie 
er veriertigt hatte, im cinem großen Buche zu copiren, umd anf 
der Ruckſeite zu notiren, wen er bad Gemälde vertaufte, Der 
Heriog von Devonihire beiigt dieſes Wert. 

hannover, den 31. Oftober 1804. 


Petannttic iR unſre Deutihe Edaufvieler :Gefeitihaft feit dem 
2, Nuguf durch eine Hrangdfiide verdrangt, db. h. eine mittels 
mäßige durch eine schlechtere. Man fieht Ihr faft anf den eriiem 
Bild an, Daf fie — zuſammengerafft IR. Die mehrſten Stucke 
find fade, und Die Echanfbieler: — Ele jchreien entieplid; uno fech⸗ 
tem mit den Händen, beides Defonderd Tic Kiten umd ber weibliche Theil, 
Und Deutſchen kit jenes Larmen zuwider; denn wir halten für Ueder ⸗ 
treibung und Karikatur, was den Erangefen natürlich fcheimen mag. 
Die Hannoveraner find and Parterre gewöhnt; anden fie lich aber 
dort ein, fo ſthn fie aichte — als Sranzöfifcdhe Umterorficiere um 
fieh, die freitich aanı aufmerkinm find, aber bei jeder matten Gens 
tem elm lautes: c'est brem vrar! hören laſſen. Sit künnen, 
mie gilt ſeyn, uud das it dem Deutichen umangenehm. 
Mich wundert nur, bad ber erfte Rang mod immer fe 
haufig und aufmertſam ericheint. . Soll man hieram die Wirkuug 
der Diode glauben, oder daß fie nichts Beſſeres geſehn haben, eder 
dafi fie vom Matur genligiam find, ſich leicht amlfiren? Wenig⸗ 
frens fchenten die Echauſpleler dem Zuſchauer gar feine Aufmerk⸗ 
famfelt. Das muß Ich wohl mit einem Veifpiele belegen. Neulich 
gab man vor dem Waſſertraͤger eine Kleinigkeit, der unnlige 
Rath, wenn ich nicht Irre. betitelt In eine jumge Wirtwe, Die 
ber Diebe entiaat hat, verliebt fich jemand umd beficdt die Zofe. 
Dieie muR ihrer Gebleterin zur Unterbaltung einen Maler und 
einen Mufitus bein, und ſubſtitulrt dafür den Liethaber, der am 
Ende erflärt, er könne die barlm nicht unterrickten, wenn fie nicht 
liebe. Zulegt erſcheint er als Dichter, gefalit der Wittwe, und 
xun gicht er ſich zu ertennen. BVei der jenrisften Liebes / Erttarung 
arrangirte der Liebhaber ſeine Haare, die durch Abweren der Des 
rücde end ded Mantels, etwas in Unordnung geratben waren; bie 
Beliebte ſchius wohl 10 Mal mit ibren Füßchen hintenaus, weit 
fie von der Eclenve infommedter wurde; und bie Eoubrette, 
lachte und kotettirte mit dem Logeninfaſſen. Dennoch bemerfte 
diefe Veritöße keiner der zufriedenen Zuſchauer, fonderm «6 wurde 
Bart getlatſcht! 





1804. 





Nro. 2531. 


Der Sreimütbige 


Montag, 


ern f 


und 


den 19. November, 


Sdher, 





Literatur. 


Vaterlandiſches Taſchenbuch für Freunde des Gu⸗ 
ten und Schönen zur Unterhaltung und Bes 
Ichrung. Mit Kupfern und Muſik. Frankfurt 
am Main, in der Jaͤgerſchen Buchhandlung, 
1805. 


a Titel diefes Werks fagt faft mit jedem Worte 
eine Ungereimtheit oder etwas Leberflüffiges. Ein Tas 
ſchenbuch — und es iſt Grohßocta v!!! — Mar: 
um nicht Jahr buch? — und nun gar ein water: 
ländifches Taſchenbuch! Ach dächte, das verſtaͤnde 
fi von ſelbſt; Deutſche Bücher werden natärli- 
her Weiſe für Deutfche verfertigt, Meint aber 
der Herausgeber eine befondre Provinz Deutſch⸗ 
landes; fo hätte diefe genauer beftimmt werden müf 
fen. Berner: „für Freunde des Guten und 
Schönen und jur Unterhaltung und Beleh— 
rung!" — Nun freilich, wenn das Werkchen für fich 
ſchoͤne und gute Seelen eignet, fo muß es unter: 
balten und belehren. Wozu alfo die lange Fir 
tanei? — 

Auf dem Titelfupfer wird Denus Uranla von 
der Dichtkunſt befränzt. Der Erich iſt fauber und 
die Giruppirung nicht übel; aber die Miene der himm: 
lifchen Schöne etwas altern, und ihre Gebehrde lin: 
tiſch. Auch verrathen gewiſſe Umriffe, daß fie irdi⸗ 
fehen Freuden nicht ganz abheld geweſen iſt. — Amor 
wird einen Bruder erhalten. 


Die Übrigen Kupfer ſtellen vor: den Rheingra⸗ 
fenftein, die Ruinen der Ebernburg, des St. Kuper: 
tusfiofiers und der Wernerskirche, den Dom ju 
Mainz und Muͤnſter am Stein. Eie find ganz 
leidlih, nur die Felfenpartieen taugen nichts, 

Der Inhalt des Tafchenbuches befteht, mie ge: 
woͤhnlich, aus profaifchen und poẽtiſchen Auffäßen. 
Jene maden den Anfang. — Kreuznach und 
feine Umgebungen, ein Fragment von 9. H. 
Kaufmann, iſt ſehr intereſſant, und würde noch intereſ⸗ 
ſanter zu leſen ſeyn, haͤtte der Herr Verfaſſer nicht 
den ungluͤcklichen Einfall gehabt, Seiten lang in Dat: 
tylen zu ſchreiben. Dadurch wird feine Profa oft 
läcerlih. Scherzes halber möge eine Probe von 
biefem ganz neuen merfwärdigen Rhythmus, diefer, 
nach Popens Musdrud, „tollgewordenen Profa“ bier 
eine Stelle finden. Seite 8 läßt fih Hr. Kaufmann 
folgendergeftalt vernehmen: 


Eden | firömen die | 8eute in | mandeinden | 
Gruppen mit | Bmerdfaf und | Körben ins | ofie: 
u vu 8 2 m 6.. 8 zu u — 
ne | Stadtthor und | tragen den | Gegen zu | Mark: 
fe} vo u —— — u u = Yo 
te. Und | Wagen an | Wagen mit | Früchten be: | 
— u 1 u x u) — 
laden be | «deden die | Straße; der l fleißige | Land: 
maͤnn u. ſ. w. ⸗ 

Die Revoluzion, das Hüttchen bes ar: 
men Schwelzers Friedlieb Biedermann, 
und ein Mähren von Fr. Laſſaulx find ganz ars 
tige, gut gefchriebene Auffäge; nur ift die Allegorie in 


— ——— 


ö—— ——— — —— —— 0... 


— 42 — 


den beiden letzten etwas aͤngſtlich burchgeführt. Sel⸗ 
mar und Selma, eine Jdylle von Schaller, hat 
ein zum Theil fchönes Detail, ift aber kein Ganzes. 
Die Übrigen Morceaux, einige aus ber Nationaljeltung 
der Deurfchen entlehnt, find nicht fonderlich beteutend; 
eins jedoch: den Frohntanz zu Langenberg, 
nehme ih aus. Die bier befchriebene Feierlichkelt 
iſt fo fchauderhaft, daß fie allerdings Öffentlich zur 
Sprache gebraspt zu werden verdiente. Langenberg 
ift ein Staͤdtchen in ber Neußplauifchen Graffchaft 
Gera im DBoigtlande, Hier muͤſſen, erzählt das Tas 
ſchenbuch, die Bauern aus den benachbarten Ortſchaf⸗ 
ten am Tage nach Pfingften, auf öffentlichem Markte 
unter einer alten ſchoͤnen Linde — zur Frohne 
tanzen. Der Landknecht von Gera erbifnet jer 
desmal den Ball mit einem Mädchen oder Weibchen, 
das er plöglich in oder außer dem mit Wache umge: 
benen Kreife ergreift, Diefe Unglädlihe tft — ges 
jwungen, den Vorreihen mit ihm zu tanzen und 
wird naher — für entehrt gehalten. Hat der 
Landknecht feinen Tanz geendigt; fo zwingt er alle 
zum Frohntanze beſtimmten Bauersleute zu immers 
soährendem Herumfpringen, indem er fie — mit 
dem Stocke durch einander treibt. Eine Deputas 
tion der Landgerichte und mehrere gräflihe Herr 
ſchaften wohnen biefer fcheuslichen Lufibarkeit bei, 
figen in bunten Reihen vor dem Kreife, fehen zu, 
und — freuen ſich? — !!— 

Die Deranlaffung diefes merkwuͤrdigen Herkom⸗ 
mens wird fo angegeben. 

Kaiſer Heinrich der Vogler relfte einft durch 
gangenberg, und verlangte von den Einwohnern, die 
fih mit Taͤnzen um einen grünen Baum beluffige 
ten, Vorſpann. Allein bie guten Leute hatten nicht 
Luft, fi in ihrem Vergnügen unterbrechen zu laffen. 
Da foll er verordnet haben, daß fie jährlih an die: 
fem Tage zur Etrafe und Frohne auf dem naͤmli— 
hen Plage tanzen müßten, was denn bis auf den 
heutigen Tag noch immer puͤnktlich beobachtet wird, 
— Welch eine für das Zeitalter entehrende Antiquis 
tät! — Sollte fie wirklich noch fortdauern? Ich 
möchte das Deutſchland nicht nachſagen. 

Unter den ©edichten findet man auch eine Far 
bei von Pfeffel Die ven Schaller, Jakob 
Meus und Jean Franz, zeichnen fich vorrheilhaft 
aus, obgleich Feins ganz vollendet genannt werden 
kann, Ein Eingfpiel von Zfaaf Maus: die Hoc 
jeitfeier, it wohl nur merkwürdig, weil der Ders 
faffer ein Bauersmann if. Am wenigſten gelungen 
find die Eyigramme und bumoriftifshen Gedichte. — 
Ale Echriftfteller, die zu diefem Taſchenbuche bei: 
trugen, find, wie id aus dem Verzeichniſſe erfche, 


Süd: und Er: Deutfche oder Schweijer. Beſonders 
erfreulich war mir die Bemerkung, daß eine gewiſſe 
Schule, die in unferen Gegenden fo viel ſchwache 
Köpfe verdrehte, auf die Bildung und den Geſchmack 
jener Dichter nicht den _. Einfluß gehabt zu 
baben ſcheint. C. H. L. R— dr 


Anſichten von Neuſchleſien. 


er Freimuͤthige liefert beinah aus allen Ländern 
Machrichten und Bemerkungen, aber das Laͤndchen, 
von dem ich bier einige Anfichten aufnehmen will, 
feine — terra incognita zu feyn, und ijis auch 
gewiß noch für den größten Theil Deurfchlands eben 
fo fehr, als für die Übrige Melt. Dean ftrebe fo gern 
nach neuen Entdefungen, vielleicht gebe ich eine 
mit dieſer Skizze von einem Ländchen, das nur in 
wenigen Öesgraphieen und äußerft felten in einer Kei: 
febefpreibung angezeigt iſt, und das jekt Durch Preu: . 
Fifche Kultur intereffant werden dürfte. — 

Es if Meufclefien, oder der, mit dieſem 
Namen uneigentlih benannte Theil des Rrakauifchen 
Diſtrikts, welcher bei der Theilung Polens an Preu⸗ 
Gen fiel und Schleſien einverleibet ward. „Neuober⸗ 
fchlefien,” im Vergleich der Größe und Lage, waͤre, 
meines Beduͤnkens, eine richtigere Benennung für 
diefen Erdſtrich geweſen, als die beliebte, da Ober: 
ſchleſſen theils feine vorzuͤglichſte Angrenzung aus: 
macht, theils mehrliebereinftimmung mif ibm in Ab: 
ficht des Bolkscharafters, der Nichtkultur und der 
Landesbefchaffenbeit hat. — 

Soͤdoſtwaͤrts von Schleſien liegt dieſer Diftrift, 
im Winfel gegen Krafau bin. eine Grenze zieht 
fid von Süden nah often, an Neu- oder Weftgalli: 
jien, gegen Morden an dem Yande MWielau und der 
Woiwodſchaft Sieradien, — jetzt Suͤdpreußen, — und 
gegen Mittag und Abend an Oberſchleſien hin, Er 
ift in zwei Kreife getheilt, in den Pilicafehen und 
Eiemwierjfhen, von denen erfterer an lektern, einen 
Theil Suͤdpreußens und Weſtgalliziens, und letzte— 
rer an einen Theil Weſtgalliziens, an Oberſchleſien, 
und, wie zum Theil der erſtere, mitternächtlih an 
Suͤdpreußen grenzet. Die Größe beträgt 49 Qua: 
dratmeilen, die Dienfchenzaht circa 60,000, Die Ge: 
gend von Ejeladz Über Slawkow, Pilica und Zarno: 
wiz bat den beiten Boden, Siewierz den mittlern 
und Dlfiyn den ſchlechtern. Die Flüffe Przemſa, 
Pilica und Wartha durchſtroͤmen diefe Gegenden; 
die Pilica entſpringt bei der Stadt gleichen Namens, 
die Wartha beim Staͤdtchen Kromolow. Auch ers 
halt der Feine Bach Tzartoria dadurch Michtigfeit, 
daß er aufer der Pilica und der werfen Przemſa, 
auf eine Eleine Weite hinter Slawkow als Landes: 





— 403 — 


grenze angenommen if. Das Klima, welches in 
Heuſchleſien Herricht, it, wegen der Nähe der Gebirge 
vorzüglich im Piticaer Kreife, für raubher als das 
Dberfchiefifche anzunehmen. — Kommt man Über 
die Tarnemiz in dies Ländehen, fo erhebt ſich allmaͤh⸗ 
lich ein Gebirge, das nach drei Meilen den Wandrer 
rundherum zwiſchen Bergthale einführt. Es iſt ein 
ſchwermuͤthiger, nicht mehr Schleſiens heiterer An: 
blick, der uns umgiebt. Hier und da abwechſelnd 
mit pitoresfen Siuationen, ſieht man bald Waldung, 
dürftige Dörfer, zerſtreute Felder, nadte Dergrüden, 
Felfengruppen und Auinen alter Bergſchloſfer, nur 
felten eine lachende Wieſe oder ein anmuthiges Thal, 
Die meiſten Erädte gleichen Dörfern oder Marlt— 
flecen Deutfchen Styls, und gewähren Feine freund: 
liche Anfigt, — Die Haͤuſer in Erädten und Dir: 
fern gleichen Hütten. Man ſieht ein langes, beinahe 
bis zur Erde herabgehendes Dach, einige Benfter 
darunter, und inwendig felten mehr, Kine kleine 
Tpüre führe ins Innere, Dachbalken produciren ſich 
da zuerſt, und in irgend einer Zeite zeige ſich ein 
Merichlag, — Balken auf Balken gelegt, mit Lehm 
und Kalk uͤberſchmiert, — der die Wohnung des Bes 
figers enthält, Die Küche ift ein Kamin in ber 
Siube am Dfen, deſſen Rauchfang, meiſt von Holz, 
mir Kalk und Lehm, entweder außerhalb diejes Der: 
ſchlags oder dicht über dem Dache feinen Ausgang 
hat. Da wohnt der gendigfame Pohle und theilt 
freundlich fein Brod mie dem Hausthier, unbeluͤm⸗ 
mert um alle elegante Bedärfniffe! — Diefer Haus 
ſerduͤrftigkeit iſt indeß jeht ſchon fehr abgeholfen, 
auch gab es von jeher darin Ausnahmen; maſſive 
Gebäude ftehen in Menge ſchon neben den ärmli: 
hen Hütten, — Ueber die Wenſchen jelbft — will 
ich ſchweigen; fie find ja in gereiffen Graden — bie 
fultivieren fowohl, als die reheſten, — ſich überall 
gleich; auch der gemeine Pohle ſieht in der Reihe 
des Ganzen mit Uebereinftimmung. — 

Die Gegenden find wirklich hie und da in bies 
fem Erdſtrich romantifh, und von Mutter Natur in 
guten und böfen Launen gleich mannigfaltig gebildet. 
Um Pilica her fand ich die schönften. Gegen Abend 
weilt der Blick auf fruchtbaren breiten Bergrüden, 
die in der Ferne die Ruinen eines alten Schloſſes 
bei Ogrodzieniez begrenzen, Gegen Mittag ſieht mar 
auf Bergen dichte Tannenmwälter, aus melden in 
den mancigfaltigfien Geſtaltungen Kaikfteinfelfen her: 
vorragen, und das zerfallene Bergſchloß in Emolin 
im Kaiferlichen furchtbar herumſchaut. Dies Echloß 
hebt fig auf einem hoben Helfen amphuhenatraich 
empor, und man genießt auf ihm eine herrliche Aus: 
ſicht über 10 Merten in die Kunde, — Von da aus 


gebt eine Bergreihe in fleigender und fallender Rich: 
tung, längs dem Thale gegen das Faijerliche Stoͤdt⸗ 
hen Zarnowik bin, verflächt fich dort auf der einen 
Eeite in eine lachende Ebene, und nimmt füdoftwärts 
im Rüden feinen Zug ins, Innere Weftgalliziens zu 
den Karpaten hinüber. Eine andere Keihe Berge — 
aus Eltpreußen hereinziehend — läuft jenen gegen 
Über auf der Nord: und MWeftfeite gegen Pilica ber 
an, und ift mit dem Gebirge von Suͤdweſt aus 
Schleſien verbunden. Es hat ebenfalls mannigfaltige 
Eituationen. Länge dem Pilicaer Thal ſchlaͤngelt 
fih die Pilica bin; fie entfpringt Z Meile unfern 
der Etadt aus einem Kalkfteinfelfen, in zwei Quellen 
koͤſtlichen Warfers, und riefelt fanft aus den weiſſen 
Steinen hervor, fließt der Welchfel zu und fällt bei 
Suca in diefelbe. — 

Ich ſchilderte diefe Gegend vorzüglich, um, da bie 
Schilderung aufs Ganze pafit, aus diefem Einzelnen 
einen Begriff über dasfelbe zu geben, Mo auch bie 

Natur Etiefmötterlichkeit ausübte, gab die Allgute 
in anderer Ruͤckſicht defto mehr Gegen, und im 
Streben ums Eine Zweckmaͤßige, finder ſich endlich 
doch die Kompenfation des andern. 

Kalkſtein ift beinahe der ganze Beftandtheil der 
Deufchiefifchen Gebirge, man findet aber auch Eifen 
und Steinkohlen. Die Geſtalt und das Äußere An: 
fehen derjeiben iſt fehr verfchieden. Einige, die ic 
bie Erſten nennen will, fleigen glei vom Thale an 
feil auf und bilden fchmale, unfruchrbare Rüden, 
ziehen ſich meiftens von Abend gegen Suͤdoſten 
bin, haben zum Theil öde Abhänge, die mit dem von 
den häufig hervorragenden Felethärmen abgemitter: 
ten Kalt: und marmorartigen Sandſtein uͤberſchuͤttet 
find, und gönnen neben verſchiedenen Mossarten nur 
wenigen Tannen und Birken, der Schleehecke und 
der Wachholderſtaude ihr Lärgliches Fortkommen. — 
Die zweite Are läuft nicht fo jähe an, und erreicht 
die. Höhe der vorigen nicht, Sie haben breitere 
Küden, mit Tannen, Birken, Buchen und Eichen 
befrängt, und erlauben dem Yandmann, Früchte zu 
pflanzen, Die Hügel der dritten Art erheben ſich 
unmerklicher vom Thale bis zu geringerer Höhe. 
Felder, Granmeiden und Obft: tragende Bäume fine 
ben auf ihrer Oberfläche Fortfommen, Hie -und da 
bejchartet fie aud ein Waͤldchen von Tannen, und 
fo wird diefe Gegend durch die Abmechfelungen ihrer 
Oberfläche dem freunde ungeſchmuͤckter Natur ange: 
nehm, und ihr Inneres dürfte wohl bei nähern Ver: 
fuchen dem pröfenden Daturforfher ohne Zweifel 
au merfwürdig feyn. — 

Den der Kultur Neuſchleſtens Fann ich rühmen, 
daß fie jeßt täglich zunimmt Beweiſe davon fin? 


— 404 — 


die beſſern Schulanſtalten, die beſſere Oekonomie 
und die Kuhpockenimpfung, welche letztere hier weit 
größere Fortfpritte, als felbft im benachbarten Schle⸗ 
fien gemacht hat, indem fi der Kreisphyfifus Dr. 
Berger unermädet deshalb beichäftigte, und der 
Kriegerath v. Drafe in Pilica ihm edelgefinnt bei: 
fand. — Es wäre zu wuͤnſchen, daß Deufcplefien 
der Männer viele, fo rechtſchaffen und thärig, wie 
Hr. v. Drake, hätte: die wohlthätigen Pläne der 
Preußifchen Gefchäftsleitung woͤrde dann zweckmaͤßi⸗ 
ger exekutirt, gewiß bald ſchoͤne Früchte zeugen! — 
8— pf. 


In einem ſchbnen Thale voll unfhöner 
— Denffprüce. 


Skin if die Rund: doch ſchöuer nicht 

Ms die Natur, — ihr iſt das Echönfte eisen. 

Wo fie, die Himmliſche, fo laut zum Herzen foricht, 
Ds ſouten doch die Thoren fchweigen. — dt. 


Amor. 
Madchen, fllehet den Amor; ır flattert mit goldenen Schwingen 
Hiehin und dorthin, dem Pfeil Täßt er im Buſen zurück. 
Auzugroße Liebe. 
8. Sie bat Verſtand und big. und Jugend, Echönkelt, Gelb; 
Dur einen Gebler, Freund. Gie licht — 4. War B. — 
Alle Belt. 


&p. Schreiber, 


— — ID NE —— —— — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 58. 


Aus Englifhen Blättern. 


Men behauptet, ald Hr. Garuerin In Frankſurt am Main 
angelangt fen, habe er ſchon alle bie großen Summen, bie er 
in Rußland erworben, verfbielt gehabt, Seine Frau fol auf eine 
Ehrefcheldung antragen, teil er nun ſchon zum dritten Mile 
ein großes Vermögen verſchleudert babe, 


— Zu Vrighton machte fich kurzlich ein. ſchlechter Menſch 
im chaufpiel das Vergmigen, auf ber Gallerie eine Portion 
Ediehvulver amuzunden, um ſich am der Verwirrung zu er 
gegen, die aus dem Feuerlarm emifichen mutſte. Zum Gluck 
entderfte man bald, "daß nichts zu fürchten fen, aber der Tube 
entgieng der Verhaftung. 

— Der Zürkiiche Gefandte zu Paris iM zum Freimaurer 
aufgenommen worden. Er ift indeh micht ber erſte Muſelmann 
der „das Licht“ fiehr: Elins En wurde bei feiner Anweſenheit 
au Sonden im die dortige große Loge rreipirt. 


— Eir John Eindlair har seht. die Mittel bekannt ge 
macht, durch weiche es ihm gelungen if, große Strecken be 
moosten Moorgrundes fehmell im fehr fruchtbares Ackerland zu 
verwandeln, Nachdem er Gräben gejogen harte, um den Bo— 
den gu trocknen, Hei er ihm im späten Herbſt, fo bald die Madıts 
feönte elmtraren, erſt ſeicht umpflägen, um bie Oberflache zu weis 
nigen, dann Aber tief, and fo den Winter hindurch liegen. Der 
Froſt tödtere dad Moos kis in die letzten Wurzeln, und bereis 
tete daraus eine ſchnell ſautende, tregliche Duingung. Im Soms 
mer umgerſtugt, verdorrt das Moos wohl, aber wird zur Dum⸗ 
gung umtauglich, und feine Wurzeln Teben fort, Da aud Lands 
wirthe zu den Leſern des Freimiithigen gehören, iſt dieſe Notu 
wohl hier nicht am unrechten Orte. 

— Gegen das Beriprechen, nicht in Concerten iu ſingen, 
find MAH. Billington und ME. Grajlini fre dieſen Winter bei der 
Dper engagirt, mit einem Gichalt von 3,000 Pr. (19,900 Ihr), 


— Noch cin umfehlbares Mittel gegen die Gicht! Ein 
Mann Mamend Longwell, der jeit Jahren ein Geitiges Podayra 
hatte, wertete um eine grose Summe, daß er im vier Tagen 
117 Engliide Meilen geben wollt, Er trat feine Keife mit 


swei Krücden am, aber je weiter er aieng, deſto mehr nahmen 
feine Echmerien ab, umd er kehrte völlig geſand mach Kaufe, 


— Der junge Noſtius hat wei gefäßriihe Nebenbuhler Im 
der Auſmertſamkeit: einen ichmiahrigen Kuaben, der auf einem 
großen Theater ein Yaar von feinen Rollen ned beffer gerbielt 
hat, als er, und einem adıtiährigen Knaben, Der ein groser Bir 
tuos auf dem Piansjorte if, und fich in mehren Concerteu 
ſchon bat hörem laſſen. Da unter den erwachienen Englandern 
ſo viet — — Uebangen Mode find, 4 U, das Wettlaufen, 
Wettvrugeln, fo kounte es eine Art von Erſat ſcheinen, daß 
damur fo mande Noilfommenhelten des welferm Alters unter 
Klubern gefunden werden: aber nur zu gewiä werden alle dieſe 
under, bei näherer Prüfung, auch — Kinderwert ſthu. 


Mmemonif in Leipzig. 
j Den 15ten November 184. 


Dar Paftor Känmer, von been Buche über die Manns 
nit der Alten Peivsig bel Kummer) auch icon im Freinmthle 
gen geſerochen worden iſt, Wat In einer, vom Seren Profeſſot 
Erhard veranſtalteten Geſellſchaft gieicſalle mnemoniſche Pros 
ben abgelegt, die — wohl noch beſſer abgelaufen Kind, als die 
des Herrn Düsen Er bar die Eummarion des Neum Te— 
ftanıents hergeſagt, gehn Brieie, deren Inhalt ort wenig zufam⸗ 
menbängend war, im Burger Zeit auswendig gelernt, und im 
der bezeichneten Oefeltichait periodemmeiie im die Feder dittirt, 
andı die Komijchen Pabſte, im der Ordnung, in der fie regiere 
ten, auſgeſuhrt. — Ob das mum aleich micht jedes amacıibte 
Gedachtnigg wurde leiten können: jo weih man doch micht, weit 
viel Zeit Hr, Kanner auf das Auswendiglernen der Vibele 
Eummarlen und der Namen der Pape, wie fie anf einander 
folgten, verwendet batz auch mus nn. Käfmer nicht ſcawer 
geworden ſegu, Stucke aus der Bibel ſich eimupragem, da er 
eim CGeiflticber if. — Daß es bier Übrigens wieder nicht an 
Leuten gerehlt bat, die das als ein groffes Wundermwert ange 
Baunt haben, werben Sie leicht denten kon..en. 


Die Konierte im hieñgen Beygang'ſchen Muſenm — eine 
der beiten Anſtalten der Urt in ganz Preubidland, — batın 
aufgehört, An ihre Stelle treten Aſſembleen, die auch von Das 
men beiuicht werden ſollen. 


—bn. 


u — — — — — 


1304. 


Nro. 252. 





_ARISTIDES, 


Der Zreimüthise 


Dienflag, 


E rn f 


— oder 


und 


— — den 20. November, 


She r; 





Literatur 


Sammlung romantifher Dichtungen des Mittels 
alter. Aus gedructen und handſchriftlichen 
Quellen, Herausgegeben von Friedrich Schles 
gel, Zwei Theile. Leipzig, in ber Juninss 
fchen Buchhandlung 1804. 


E. iſt ſchwer zu errathen, was Herr Schlegel durch 
dieſe Sammlung eigentlich zu leiſten vermeine. Wer 
Luſt oder Beduͤrfniß hat, die romantiſchen Dichtun⸗ 
gen des Mittelalters kennen zu lernen, findet die 
wichtigften und intereffanteften derfelben in der Bi- 
bliotheque universelle des Romans, du Comte de 
Tressan und in der Deutſchen Komanbibliorhet, zum 
Theil ausgezogen, zum Theil ausführlich nacherzaͤhlt. 
Mit diefen Sammlungen in literariſcher Wichtigkeit 
zu metteifern oder fie zu übertreffen, fann Hr. Echles 
gel nicht wohl die Abficht haben, da jeder Band der 
felben ſehr reich if, und er in zwei Bänden nicht 
mehr als zwei Erzählungen geliefert hat. Oder will 
er in denfeiben etwa äfthetifche ‘Produfte von hodem 
Werth aufgeftellt Haben, glaubt er dem Publiftum Ge: 
fallen daran einzuflögen, meint er wohl gar, Das 
wäre eine Veredlung des herrſchenden Geſchmacks ? 
Dann beging er einen Fehlgriff, der fo einleuchtend 
ift, daß er fehr Überrafchend ſeyn mäßte, wenn man 
nicht aus den frühern Bemühungen der HH. Schle— 
gel und ihrer Freunde, an denſelben gemöhnt märe, 
Er hat den Ton meiftentpeils fehr glüdlich getroffen, 


in welchem biefe Dichtungen vorgetragen werden 
möffen, und es iſt nicht zu läugnen, dahß fie die 
Phantaſie befhäftigen, aber das iſt auch aller, Eie 
haben hohen Werth für ihr Zeitalter gehabt, fie has 
ben ihn als eine befondere untergeordnete Gattung 
betrachtet noch, aber — ihr allgemeiner Kunſtwerth ift 
fehr gering und fie fönnen unferm und den folgenden Zeite 
altern, in fo fern diefe fort: und nicht zurädichreiten 
werden, nie mehr angemeflen feyn, — aus folgen: 
dem fehr einfachen Grunde, (Daß die genannten 
Herren diefen überfah'n, daraus entflanden alle ihre 
Fehlgriffe.) 

Die Produkte der Dichtkunſt nehmlich — wie 
bie Produkte aller ſchoͤnen und auch der Gewerbs— 
fünfte, — find in der Periode ihrer Kindheit, nicht 
bloß einfach, fontern einfeitig, d. 5. immer 
nur für den nähften Zwed berechnet. Wie in 
ber Kindheit der Kunft, der Bauende nur Schirm 
gegen Witterung und allenfalls gegen Feinde, — der 
Zeichner und Bildhauer die Umriffe, der Malende 
naͤchſt dieſen, nur die Farben der dargeſtellten Ge 
genftände zu bezeichnen fucht, ohne Ruͤckſicht auf 
Licht und Schatten, auf die Perfpektive, felbft auf den 
Charakter: Ausdrud, — der Muſiker endlich, nur die 
Grundtöne der Melodien, ohne Ausführung und Bes 
gleitung giebt, — fo trägt auch die erzählente Dich: 
tung in ihrer Kindheit nur die einzelnen Züge der 
Degebenheit nah einander, wie die Phantafie des 
Dichtenden fie bergiebt, vor, bloß um die Phantafie, 
und dur diefe die Aufmerkſamkeit der Hörenden zu 


— 405 — 


reijen. Erft bei höherer Reife, firebt die Bau: 
funft in ihren chöpfungen nach Bequemlichkeit, 
Pracht, edler Hoheit, — die Bildhauerei und Male: 
rei nach fehöner Wahrheit und lebendigem Aus 
druck, — der erzählende Dichter darnach, *) nebft 
der Phantafie auch das Gefühl ju befchäftigen, und 
dem Merftande befriedigende Ausbeute zu geben, — 
Und diefe Veredlung, diefe Dielfeitigkeit des Zweckes 
ift nicht bloß in den Meifterwerken, fie ift ſelbſt in 
den geringften, mislungenften Produften eines 
reifen Zeitalters ſichtbar. Mer die Wohnung eines 
wohlhabenden Bauren mit der Hütte des oberſten 
Caziken der Irokeſen vertauſchte, würde bei dem 
Taufche verlieren; auch die Produfte eines fehr 
mittelmäßigen Malers ftehen fehr hoch an Wahrheit 
und Ausdrud Über die Produkte des größten Mel: 
fters, der noch nicht Licht und chatten und bie 
Verfpeftive anzumenden wußte; — eben fo die Ro: 
mane, felbft Launs und feiner Nachfolger hoch, fehr 
boch über der Giefchichte des Zauberer Dierlin, den Hr. 
Schlegel in feinem erften Bande, und jener der ſchoͤnen 
Euryanthe, die er im zweiten lieferte, und Über allen Pros 
duften der Art aus dem Mittelalter, Die zweite ift viel 
kürzer als bie erfte, und um fonielbeifer. Don den fchlech: 
ten Derfen, die Hr, Echlegel eingemifcht bat, 
ſchweige ich, da Ihrer nur wenige find, ©. 


Gragmente, aus der Screibtafel 
eines Reifenden 
von Liefland nach Italien 
(Bortfehung,) 

Das Dorpat jekt eine Univerfität if, bemerft man 
fehr bald beim KHereinfahren, well man alle Augen: 
blicke Aünglingen begegnet, welche Helme tragen 
ohne Eoidaten zu feyn; eine Mode, die natürlich 
nur bei &tudenten auffommen Eonnte, Indeſſen Elei: 
den dieſe Kelnie nicht übel, zumal da eine Art von 
Uniform die Taͤuſchung unterſtuͤßt. ie ift ger 
ſchmackvoll, dunfelbau mit ſchwarzſammtnen Auf: 
fehlägen und Kragen, auf dem letztern geſtickte geldne 
Schleifen, dabei die Unterkleider weiß. Matuͤrlich 
giebt «8 auch manche junge Helden, die bei biefer 
Uniform, und den behelmten Häuptern, noch einen 
gewaltigen frummen Saͤbel um ihre Lenden gärten, 

*, Die rührenden Epifoden im Hemer und Oflian find feine 
Widerlegung dieſes Enger. Denn erſtlich Heat das Kührende dere 
felden ofenbar nicht in der Abficht des Dichterd, ſondern nur im 
der Natur der erzählten Ereignifie; ferner ſtechen bie wenigen ruhe 
renden Eyiioden des Homerd fo fehr gegen die wielen gemhlloſen 
Edilderumgen ab, daß man fie recht gut für Produfte einer vitl fps 
tern Zeit anfehen kann; endlich kennen wir Difiand Echilderuns 
gen nur duch die Bearbeitung, bie ihmen ein gebildete: Zeit⸗ 
alter gab. — 


den fie an die fleifen, mit klirrendem Sporn verfehe 
nen Etiefeln fehlagen laffen, und einher ſchreiten, 
als ob fie nicht ins Collegium, fondern in die 
Schlacht zoͤgen. So ift es jaüberall, wo die freund: 
lichen Muſen thronen, und welcher unter uns ältern 
Muſenſoͤhnen bat diefe wichtige Kleinigkeiten nicht 
auch einmal mitgemacht? Wenn die Jünglinge über 
dem Helmeber Minerva, die Eule derfelben nicht 
vergeffen, fo kann man ihnen die Epielerei wohl gön: 
nen. Uebrigens find fie, troß ihrem Friegerifchen An⸗ 
fehen, wohl fo fein gefittet, als man fle ſchwerlich 
auf einer Deutfhen Univerfität im Ganzen findet, 
menigftens waren es die, mit welchen id in Geſell⸗ 
ſchaft war, 

Ueberbaupt mird man wohl ſchon längft in 
Deutfchland die Bemerkung auch gemacht haben, 
daß auf allen Univerfitäten die jungen Liefs und 
Epftländer, die gefitteften find, die man ohne Ans 
ftand in jeder Gefellfhaft produciren kann. Der 
Grund ift klar. In Lief- und Eſthland laſſen bios 
Edelleute, Prediger (die dort in allen Stuͤcken dem 
Adel gleih find) und angefehene Civilbeamte ihre 
Söhne fludieren, nicht aber Bürger oder gar 
Bauern. Jene Alle femmen, durch die gaflfreie; 
fehr liberalere Lebensart, weiche dieſe Provinzen fo 
vortheilhaft auszeichnet, von Jugend auf beftändig in 
gute Gefellfhaften, haben hingegen faſt gar feine 
Gelegenheit unter den Pöbel zu gerathen, und dort 
ſchlechte Sitten anzunehmen. Wie bengelhaft find 
fonft gewöhnlich unfere Deutſche Knaben von 14 bis 
25 Jahren, wie albern, blöde, oder wie vorlaut. 
In Lief- und Ehſtland findet man dergleichen vers 
wahrlofte Eprößlinge fehr felten. Die Knaben find 
frelmuͤthig befcheiden, denn der gute Ton gehört 
gleichfam zur Hausordnung, und fie lernen ihn blos 
aus der Hebung. — "Eben das ift auch der Grund, 
warum der Liefländifhe Dialekt der Deutſchen 
Sprache, nach meiner Meinung, der angenehmfle von 
allen unfern Dialeften if, Das eigentlihe Vohtk 
nehmlich ſpricht nicht Deutſch, die Ausſprache hat 
fih daher nicht vergröbern koͤnnen. Doch ich 
vergeffe, daß ich noch immer in Dorpat bin. 

Daß einft fehr ernfilich die Hede davon geweien, 
bie Univerfität von Dorpat nach Pleſcow zu verfeken, 
it eine Thatſache, obgleich ber afademifche Senat, 
oder vielmehr der Herr Profeffor Echere: im Namen 
deffelben, in den Zeitungen dagegen preteflirte, und 
zwar in einem Tone, der einem fo refpeftateln Cort 
pus nicht wohl geziemte. Es hieß unter andern: 
die Nachricht fey biftorifh unmwahr. Selt— 
fam, eine Nachricht biftorifch unmwahr zu nennen, 
bie grade der Proffeffor der Hiftorie zuerſt 


— 407 — 


verbreitete; denn nach authentifchen, von mir an Ort 
und Stelle eingezugenen Nachrichten, war er es, 
der fie mit aus Petersburg brachte, und dem dama— 
ligen Rektor effigiel von Seiten des Curators ans 
zeigte, und zwar, nicht als Bedrohung der Stadt, 
(mie man jekt vorgiebt) fondern der Univerfität 
ſelbſt, aus Urſachen die ich nicht beruͤhre. Die 
Sache war fo ernfihart, daß fon mande daran 
dachten, ihre Käufer zu verfaufen. Weil man aber 
in Dorpat, eben fo wenig als irgendwo fonft in der 
Welt, gern die Wahrheit hören mag, fo mußte der 
arme Freimluhige, der fie auefprach, verunglimpft 
werben, ja man erlaubte fich fogar Ausfälle gegen 
meine Perfon‘, die doch bei der ganzen Sache nicht 
im geringften intereffirt war, Dielleicht wird, mas 
ich bier fage, abermals einige dergleichen veranlaffen, 
aber fie werden unbeantwortet bleiben. Genug, ich 
fehrieb nichts unverbürgtes, will auch der Ehre Feines 
Menfhen dadurch zu nahe treten. 
In Dorpat bat vor einiger Zeit die Rundthaler⸗ 
fe Schauſpieler- Geſellſchaft Ihr Werfen getrieben, 
von der gefchrieben ſteht: Kerr erbarme dich ihrer! 
Unter andern bat fie ein Schaufpiel in Manuffript 
aufgeführt: Blick indie Zufunft betitelt, von dem 
mir mehrere Zufhauer eine komiſche Beſchreibung 
gemacht haben. Im Morgrunde ber Bühne ſtand 
eine Kafenbanf, auf diefe fegte fih ein Pärgen, er: 
zaͤhlte ſich allerlei, trat ab, und machte einem andern 
Pärgen Platz. Diefes Ablöfen der erzäblenden Paare 
mährte fo lange, bis das Publifum endlich die arme 
Raſenbank verfluchte, welche fie ſaͤmmtlich dabin 
lodte, Der Derfaffer foll ein Profeffor in Dorpat 
feon, da er fich aber nicht Öffentlich dazu befannt 
bat, fo verfchmeige ich mie billig feinen Mamen, 
Woher fommt es doch wohl, daß Jedermann 
glaubt, es fey fo leicht ein Echaufpiel zu fehreiben ? 
An feine Art ven Schriftſtellerei wagt man fich mit 
federm Muthe; Feine beurtheilt man vorfchneller 
und ſtrenger. Difglüden elgne Verſuche, fo fann 
man ſich nie überreden, daß man das Ding nicht 
verftehe, fondern — es liegt am Publifum, das bat 
‚einen Sinn für höhere Schönheiten u. f. m. meil 
man fi aber an biefem flumpfen Publifum nicht 
rächen fann, fo müffen es die wenigen dramatifchen 
Dichter entgelten, bie gewöhnlich lauten Beifall ers 
balten, Ueber dieſe fallen fie mit bitterer Wuth her, — 
Ces &ires gonfles du besoin de medire, qui 
Trouvent qu’ıl est plus grand de blamer que d’ecrire 

Et dont les noms obscurs au merite inconnu, 
Sont räpetcs sıns cesse et jamais retenus, 

Der gemißbandelte Dichter muß fich troͤſten, 
indem er mit Chazer ausruft: 


Je chercherai dans leur plaisir 

Ma reponse à leurs outrages, 

Et je veux, forgant leurs suffrages, 
Les amuser pour les punir. 

Doch ich bemerfe, daß Dorpat mich abermale 
zu einem Geitenfrrung verleitet bat, und verlaffe jeßt 
diefes artige Staͤdtchen fehnell, indem ich nur noch 
die einzige Bemerkung binzufüge, daß man daſelbſt 
für eine Univerficät viel zu theuer lebt. Wenig 
ftens fechshundert Rubel braucht ein Student. Sn 
Deutfchland bildet man fich ein, ein Profeffor habe 
fein Gluͤck gemadt, wenn er mit einem Gehalt von 
zroeitaufend Rubel nach diefem neuen Mufenfig beru: 
fen wird, aber man irrt fehr. Faſt die Hälfte die: 
fes Gehalts muß er aufopfern, wenn er nur eine 
gute Wohnung haben will, Mit dem Lefen der 
Eollegien ifi wenig zu verdienen, da bie Anzahl der 
Ertudierenden zu gering if, In der Mähe alfo ver 
fchroinder der Rubelfhimmer, den das Wort zwei: 
taufendb um den Ruf ber 309. Andere Vortheile 
jedoch, wohin ich befonders die ſtarken Penfionen 
für Wittwen rechne, find nicht zu verfennen, Die 
Auszeichnungen des Ranges möchten auch manchen 
Icden, da befanntlih der Fluch der Rang: und 
Titelſucht fat auf allen Deutfchen Gelehrten ruht. 
Man denke doch! In Dorpat trägt der Rektor einen 
Federhut fo lange er diefes Amt verwaltet, läßt 
fih auch wohl Etatsrath nennen, weiches ihm 
aber nicht gebührt, wei er, fo bald er den Federhut 
wieder ablegen muß, auch nicht mehr zur fünften 
Klaſſe gezählt wird, und meil es in Rußland Feine 
Etatsräthe auf gewiffe Zeit giebt. 

Kotzebue. 
Die Fortſehung folgt) 


Merkwuͤrdiges Arteftat, welches vor hundert 
Jahren ein Richter einem Nachrichter gab, 
(Aus dem Weſteh. Anzeiger.) 


‚Das ber Machrichter von Tedelnberg, Joeſt Hens 
„rich Stolheur, Bruder von der Nachrichterin Jüges 
„mann, den für einige Zeit an der Yallenborg inhaft 
„tirt gewefenen Henrich Schuerkamp wohl und zu 
„meinem befondern Vergnügen enthaup— 
„tet, fodbann auch bei meines Bruders Syndici Zeile 
„ten einen dafelbft inhaftirt geweſenen KRötter über 
„die Maaßen wohl gehenkt, alfo, daf man 
„in dergleichen Fällen wohl von ihm be 
„dienet wird,“ ein folches befcheinige ich hiermit, 
den 9. Jun. 1709, 

(L. S.)' Ferd. Joſeph Heerde, 

Gograf zu Mech, 


— 408 — 


Nicht —politiſche Zeitung. Nro. 89. 


Bewilllonmmungsgedichte auf die Ankunft der 
Großfürftin Maria in Weimar, 


(Auseinem Briefe aus Weimar.) 


G tern den 9 Movember, Nachmittagẽ, hielt umfer ſchalicht 


erwartete junges Fürftenpanr feinen Einzug in umiwe Stadt. 
Der Tag wirb ben Weimaranern umvergehlih bieiben. Es war 


nicht bios ein Ber geſchmackvoller binordaung und wahrer 
leganj, es war and Volks» umd Nationadieil, Rübrung und 
tiefes Gerüßl Der Hulbigung und L.oyautd war im tauitud 
Gemürbern. Mom der ganzen wohlberedineten Anordnung dei 
Zuges, und beionders von bem merkwürdigen Triumpbbogen am 
Kegeltbore, ber im der That ald ein Mufker artifttiher Huldi⸗ 
gung vor ganz Deutihland genannt und beichrieben am 
werben verdient, fage ich Ihnen heute Bein Wort, Wie 
Sache wird genug Zungen und Beben in Bewegung ſchen, 
and vielleicht ſchretbe ich Ihnen auch feitk noch ausiührlicher 
darüber, Dept im erſten Getümmel umd Jubel ber Zuende, laßt 
fi das anes noch nicht, wie ſichs ochört, ausſerechen. Ns 
mittelbar nach der Mufunft war große Gour, wo ber Erbptin⸗ 
deſſin das ganıe Militär und die obere Dieneribart einen vor 
‚geiteht wurde, Die Brinieffin hat einen unwiderſtehlichen Liebrein und 
Jene Grugie in ihrem Weſen, die ſo unfterbitch dit, als der Geift aus 
weissen died alles entipringt. Heute Mittags um 2 ubr übers 
drachten dir a2 mmverheientbete junge Geawensimmer, als Mes 
präfentantimnen ihres Geſchlechts, ihre Huldigung,. Unter ihnen 
Brfand ſich auch des ehrmirbigen Wielands Hüngfe Tochter, Luiſe. 
Eine aus ihrer Mitte, eine Demoifelle Kiauer, Tochter des 
wohlrerdienten verſtorbenen Horbildhauers Klauer hielt, da fie 
"das Looe getroffen hatte, folgende von Wieland ſelbſt verfertigte 


Unrede: 
tatt atler Töchter dieſts Landes, 
er Sirehim, bringe Die umfre Heine Schaar 
Die frohe Huldigung aerüberer Herien bar. 
Neridemabe wicht den Unwerth deſes Vfandes 
Der Treue, welche ſtets der Sachſen Erbgut war, 
Gas Dir, erbabne Gram, an diefem Wonnetag 
In unirer Bruft entgegen wallt, vermag 
Mein binder Mund midt auszudricden. 
Dr ftrale Einen nur von Deinen hoiden Blicken 
Muf und herab! Uns alte zu begtücken 
Genügt ein Bli von Die altein, 
und die Erinn'rung vol Entzucken 
Wird jedes Herz Dir ewig wein, 
And eroig uns eim Rein zu jeder Tugend feet, 

Sürmabr fo aniprucdıstos und einiab diefe wenige Zeilen 
ausfelm, io viel Wahrbeit und Sinn liegt darin, und ſchon um 
des schönem Lobes willen, das ſich bier der Sachſe ohne Eitel⸗ 
Reit ſeitſt eribeilen durite, verdient ed wohl aufbewahrt zu wen 
den. Bei folchen Belegenbeits + Gedichten mus man dem Did 
1er oft mod weit mehr wegen deiien danken, was er nicht 
fagte, als was er fügte. Denn Krge iſt bier das ſeltenſte 
und größte Verdlenſt. Auch ſind dies wirttih, wie man all 
gemein verſichert, die erfien Bere, bie Vater Wieland jeit 
6 Jahren machte, und nur eine folde Geranlafıng tennmte dem 
Meier moch einmal zu einer augenbiiclichen FXückteirr zu feiner 
alten Kung bewegen. Zugleich fbergaben dieſt Mbgeiandtinnen 
and mod cim ätertiches kleines Gedicht vom Profeſſor Boh, 
dem beim biefisen Gomnaſium angertefiten würdigen Sohn des 
ehrwirrbigen Bei in Jiua. Es helüt fo: 


Aus bed Nordens weiten Zomen 
Braten Dir um Brautaltar 
Große Herzen Millionen 
Stolze Welmurhsopier dar. 


Nber aus der blasen Fernt 
Winkte Dir das Mille Laud, 

Hürftia, und Du folgten germe 
An des hohen Jüngiings Hank, 


Hier we fanite Grüblingshalten 
Lacheude Natur berihönt 
Wo das Lied der Nachtigallen 

Durb die Hirtenfluren tönt. 


Hier im ſchoͤnen Paradieſt 
Segnet Dich Amalia, 

Muttertich Meht Dir Lutſe, 
Earoelim ald Schweſter nah. 


Sedes Her wait Dir entgegen 
Mit des Dants, der Pich’ Erguf, 
Denn Du führft au reichem Stegta 
Di als holden Genius. 


Du, bie in beicheid’wer Tugend 
Eid; der flillen Hoheit freut, 

Nimm gefälig, was bie Jugend 
Dir, ein irommes Dpfer weißt. 


Sür folde, die nicht grade den genealogiſchen Aatendc 
sure Hand haben, muß hierbei angemerkt werden, dah Amalta 
ber Namen der verwitimeten Grau Herzogin, Euife der vegier 
renden, Caroline ber einzigen Prinzeſſin Schweſter unferd Erb 
prinien it, 

Man jagt, daß De Erbprimsefiin ihren erften Ausgang im 
bie Giefige evangeliide Hauptiirde machen wird, wo mor- 
gen uriſer meer Menerals Euperintendent Voigt feine Antritts⸗ 
predigt hält. Dann erſt wird fie auch Das Theater beſuchen. 
Bon allem dieſen bald ein Mehreres: 


Aus Et. Peteröburg, den 34 Dftober 1804, 
(Sortiegung. ) 


ie Grielidaft bekcht gegenwartia aufer den Kindern, aus 
26 Mitgliebeın und es kann michts, weder eine Over noch eim 
Schauſolel gewisgend beiegt werden, denn von bieien find Baum 
Die Halfte leidiich. — Nach dem Bershtiger in ber eleganten 
Beltung find das aber alles bosharte Verlaumdungen, um bie 
verdienvolien Bemührnsen des Hr. Mire berabiufgen. — 
Diefe Bemuhungen mogen iher eigenes Verdienſt haben, weiches 
man ihnen nicht abſtreiten will; fie ſind wenigfiens Lofipichig 
genug, denn fie Boten ber Kreue bereits im Ganzen über 
125000 Rubel und dem Purbiito in den 6 Jahren feiner Entrer ⸗ 
prife mindefteng 00000 Multi. — Die Einmabme aus dem 
Yrbiito betragt Jrbrlich iiber 30000 Rubel, und Der Zufbuß, 
weichen umderd Monardın Großmuth dem Veranüsen feiner 
Deutidien Einwohner Vetersturgs widmet, 25000 Nabel, — 
Das find bubiche runde Summen, umd ma? wird bafiir geleis 
Het? Wäre es cin Wunder, wenn der Eifer für das Deutice 
Theater zuletzt bier ganz erfaltere? Und dech wird dabei moth 
wohl fiber Undantbartett des Publikume gefsbricen ; aber wahrs 
sich! es kann kein gutmmtbägeres, Bein leichter zu befriedigendes 
VPublitum geben. — Hr. M. alaubt durch außern Prumt alles 
ubrige zu eriegen, enb man muß ihm die Gerechtiateat wider 
fabren laffen, daran wart er nichts. Das Publikum mag das 
recht gern haben, billigt es aber micht und lazt ſich dadurch 
nicht im Ruckſicht der Mangel des Innern, Weſentlicheren bleu ⸗ 
den. — Soviel jenem unwahrbaitigen Berichtiger. 


— a —. 
(Die Gortfegung islgt.) 





1804. 





ARISTIDES, 


Nro. 235. 


Der Freimüthige 


Donnerſtag, 


Ernſt 


Literatur. 


Juan de Mariana, oder die Entwickelungsgeſchichte 
eined Jeſuiten. Berlin, bei Unger. 1804. 
Wom Prof. Buchholz.) 


Nr Titel iſt unrichtig: er giebt durchaus nicht 
den Inhalt des Buches an. In der Entwicklungs— 
gefchichte eines Jefuiten erwartet man zu fin: 
den, wie ſich ein — guter oder bösartiger, gleichviel, 
— Lale zu einem wahren, vellfommnen Sefuiten, 
einem Kepräfentanten des jefultifhen Drdensgeiftes 
gebildet habe: aber das ift mit dem Helden biefes 
Werkes gar micht der Fall. Er iſt freilich Jefult, und 
noch dazu ein fehr brauchbares Glied des Ordens: 
aber durch feine Schickſale in demfelben entwidelt er 
fi zu einem Cosmopoliten, zu einem hellen, vorur— 
theilsfreien Denfer, — jum Repräfentanten der Phi⸗ 
Iofophie des Verfaſſers. — Ehe ih den Werth tes 
Werkes zu befiimmen verfuche, will id den Inhalt 
dejfelben erzählen. 

Dach einer kurzen, aber Eräftig gefchriebenen Ein: 
feituna, folgt die Sefchichte der Spaniſchen Unruhen 
unter Karl V. um zu zeigen, warum ber Dater des 
Helden, feine Geliebte nicht heirathen Fonnte: endlich, 
erft auf der göften &eite, wird Juan geboren. Er 
wird den Sefuiten zur Erziehung übergeben, und das 
führt eine kurze Geſchichte diefes Ordens in Epanien, 
eine Schilderung feines pädagogiihen Derfahrens 
herbei, Juan kehrt zu feinem Vater zuruͤck, hat eine 





und 


ben 22. Nevember. 


S er; 


— — — 


kurze Liebesverbindung mit einem jungen. Frauen⸗ 
zimmer, von dem er zu fpät erfährt, daß es feine 
Schweſter ift; eutſchließt fih, nach dem Tode derfel 
ben Jefuit zu werden, und das — giebt Anlaß ju eis 
ner Schilderung des Innern des Ordens. Er geht 
nah Rem, mo man ihn häufig braucht: das leiter 
die Nachricht von der Verſchwoͤrung gegen ben Pabſt 
Paul IV. ein, und die Schilderung eines intereffan 
ten Charakters. Er wird nach Neapel geſchickt: dar⸗ 
aus folgt — die Geſchichte der dortigen Widerſetz⸗ 
lichkeit gegen die Inquiſition, und des berühmten Gas 
leajzo Caraccioli, — aber voll willkuͤhrlicher Abwei— 
chungen von ber eigentlihen Geſchichte. — Yuan 
wird von feinem Ordensgeneral nach Frankreich ge⸗ 
ſchickt, um dort die oͤffentlichen Unruhen zu naͤhren: 
das veranlaßt die ſehr auefuͤhrliche Erzählung von 
der Einleitung und Ausführung der Bartholomäus: 
Naht, (die in der That, wie die Pulverſchwoͤrung 
in England, die Ermordung Heinrichs des Zten, des 
aten, und taufend andre Greuel, ein Werk des ver 
abſcheuungswuͤrdigen Jefuiterordens war). Nach die: 
fer ſcheußlichen Begebenheit, empört durch fie, kehrt 
Juan nach Spanien zuruͤck, um den Wiſſenſchaften 
zu leben. Das führt zu einer Charakteriſtik feiner 
Werke, und endlich zu einer hellgedachten Würdigung 
des Ordens und, mwenigftens meiner Anficht nad, ju 
vortrefflihen, durchaus wahren Betrachtungen über 
die Iheofratie und — was der Derfaffer Kosmokra⸗ 
tie nennt, 

IR diefes Werk eine Biographie? Nein! — 


Ein Roman? Mein! Die philoſophiſche Entwicke— 
lung einer pfochologifchen Aufgabe? Zögernd und 
nach kebächtlicher Prüfung, fage id noch einmal: 
rein! — Was iſt eg denn? Eine Reihe fehr gut 
geſchriebener hiſtoriſcher Morceaux und tieſgedachter, 
und beneidenswerth-hell vorgetragenener Reflektionen, 
die kuͤnſtlich an den Faden einer Lebensgeſchichte 
aufgereiht find: — Fein oͤſthetiſches, aber ein 
biftorifches und philoſophiſches Kunflwerf, das allge: 
mein gelefen zu werden verdient. Geſchieht das, — 
fo wird man es auf eben fo allgemein, fehr 


hoch achten, — 


Der Schweizerbund, von Auguſt Klinge— 
mann, Erſter Band. 
Oder: 

Arnold an der Halden. Leipzig, in Joa— 
chims literariſchem Magazin. (Ohne 
Jahreszahl, alfo; Gedruckt in dieſem 
Jahr.) 

Ein literariſcher Bajazzo⸗ Streich. Nachdem 
Schillers Pegaſus ſeinen Kunſtflug vollendet hat, 
und Veit Weber auf feinem bekannten romantifch: 
bifioriichen Geile hingeſchwanket iſt, fiehe da fomint — 
Hr. Klingemann und zeigt, indem er auch die Ber 
freiungs: Geſchichte der Echmeiz in Dialogen jerars 
beitet, dab er — weder fliegen noch tanzen kann. 
Die Durzelbäume die er bei diefer Gelegenheit macht, 
erregen zwar nicht Lachen, fondern find elelhaft: 
gleichwohl will ich diefes Buch allen Lefern ber Zek 
tung für die eleg. IB. hiermit recht angelegentlich 
empfohlen haben. Hr. Klingemann „meliren fich 
von der Kunſt-Kritik“, und biefer Arnold iſt der 
Überjeugendfle Beweis, wie fehr ie dur Dero Ins 
genium und Cinſicht dazu berechtigt find, 


Noch etwas über das Gelfenthal. 


O hn ſtreitig iſt das ſchoͤne Selkenthal die anziehendſte 
Partie des Unterharzes. Es hat feinen Namen 
von der Eelfe, einem Fluͤßchen, das ohnmeit dem 
Fürftt, Anhalt: Bernburgifchen Amt und Staͤdtchen 
Guͤnthersberge, in einem Holze, die Schweinshaͤfe 
genannt, entſpringt; wo es auf einem Berge aus 
einigen Quellen zuſammenfließet, bei Guͤnthers— 
berge einen Teich bildet, woraus das Waſſer durch 
ten unterirdifehen Gang eines Felfens bervorflichet; 
- weiterhin einige Bäche aufnimt, dann den Namen 
Selke erhält, und nachdem es die Kanäle des urbar— 
gemachten Aichersiebiihen See's aufgenommen hat, 
bei Aſchereleben im Halberſtaͤdtſchen in die Bude 


— —— — — — — _ — 


fällt. Wer jenes relzende Thal betritt, das ſich durch 
kleinere und größere Berge windet, wird ſchon durch 
das Echlangengewinde jeiner Form, mehr aber noch 
durch feine mannigfaltigen Umgebungen angezogen, 
die bald ſchoͤn, ſanft und anmurhig, bald groß, er: 
haben nnd wildromantifch erfeheinen. Hier lächelt 
ung das Thal, durch melches fich Hereyniens Wih: 
ander fchlängelt, in einer geräumigen biumigten 
Wieſe an; aber man wandelt weiter, und (chen wird 
es etwas tiefer und enger, — das Haar der Hänge: 
birke taucht ſich bier und dort in den Kroſtall des 
Waͤſſerchens, und Vulcan bat feine erfie Werkftart 
aufgefchlagen. Man nähert fich endlich feinem Hei⸗ 
ligrhum, — der Gegend zwiſchen Harzgerode und 
Ballerſtedt: Es erheben ſich hohe Felfenwände, enger, 
dunkler, fliller und ſchauriger wird das ganze Thal, 
jeder Laut wird vernehmbarer, und man gewinnt an 
Ruhe und Aufmerkſamkeit. Endlich erfcheint eine 
Partie, die vorzüglich für jeden Freund des Großen 
und Erhabenen die bewunderungsmärdigfte und ans 
ziehendſte im ganzen Thale if, — der Maͤgdeſprung. 
So nennt man die zwilchen Ballerſtedt und Harz: 
gerode liegenden Hüttenwerke, wo aus den benach: 
barten Bergwerken der Eifenftein gefchmolzen wird, 
ber von verichiedenen Gehait, fo, daß er 25, auch 
bo bis zo pro €. giebt, und jchon in einem Jahre 
einen reinen Gewinn von 16000 Rthl. foll gebracht 
haben, Hier wird das Thal von der hoͤchſten mit 
Waldungen bemwachfenen Felfenmauer eingefchlojfen, 
die ehemals mehr ein Ganzes, — eine ungeheure 
Felſenmaſſe gebildet zu. haben ſcheint, bis vielleicht 
bei einer allgemeinen evolution, der gewaltige Ans 
drang der Fluthen fie durchbrach, und fo auch hier 
fig ein Thal bildete, in welches ſich unfere Selke 
ſchlich. Der Wandrer blidt ängfllicder zu jenem dros 
benden, fo wunderbar geformten Felfenwalde auf, 
ber mit jedem Augenbli zuſammenjuſchlagen ſcheint. 
Man glaube in einer Schlucht das einzige belebte 
Weſen zu ſeyn, und dech ift rund um uns ber fo 
viel Leben und Thaͤtigkeit. Der Wind, und auch 
unfer Flüßchen raufcht bier lauter; der Kuf der 
Hüttenleute halle flärter; aus dem Dickicht ſtreckt 
mit einemmale ber Felſen einen grauen Arın in die 
Wolfen, Moc höre ich die Glocken der Kühe, das 
Knarren des Kohlenwagens, das Ztampfen im Poche 
werfe, das Aechzen der Bälge deutlicher und in einer 
größeren Entfernung. Ich erhebe meine Blicke zu 
dem Felſen oder erfteige ihn, und ich erblice vers 
fallene Burgen, 4 B. den alten Anhalt und bie 
Erichsbutg — ein Beweis, dag auch diefe wilde Fels 
fenmauer ehemals von menjtliden Weſen belebt 
war, die bier vielleicht am liebſten ihr Epiel trieben. 


— *1 — 


Die Lage und Form der ganzen langen und breiten 
Felſenwand ſcheint ſchon einen jeden, der feine Kräfte 
verfuchen, und etwas magen mill, von felbjt zu einm 
fühnen Eprunge einzuladen; daher ift vielleicht die 
Sage entitanden: daß eine Hühnin oder Rieſinu, 
die vom Petersberge bei Halle fam, nad langem 
Herumirren auf dem Rüden des Harzes, ſich endlich 
in diefer Gegend auf diejenige Stelle unferes Felfens 
niedergelaffen hätte, der durch eine Saͤule bezeichnet 
it, und von welcher fie herab, auf der Epike des 
Kamberges ihre Gefpielin entdedte, die ihr minfte, 
Noch fol fie fo lange bier geftanden haben, dab fich 
ihre Fußtapfen Ellen tief in den Felfen eindrädten; 
als aber ein in der Mähe pflügender Knecht über 
ihr Zögern gefpottet, fol fie diefen mit feinem Pflug 
und feinen Pferden in die Höhe gehoben, in ihr 
Dbergewond gepadt, und damir über das Thal hin: 
weg ju ihrer Geſpielin einen Sprung von obngefähr 
300 Schritt gemacht haben, — denn dies fann die Ent: 
fernung der beiden Fußtapfen betragen, welches Ber 
tiefungen find, die den Fußtapfen eines Menſchen 
aͤhnlich ſind; und won diefem Eprunge eines Hüb: 


nenmädchens bat das Huͤttenwerk den Namen — 


Möägdefprung erhalten. In der Mähe von Harp 
gerode, dem Thore des Karies, Öffnet ſich eine dricte 
nicht weniger anziehende Partie des Thales. Aus 
feiner Tiefe, in dem fogenannten Echmefelgrund, er: 
beben ſich mannigfaltige Felfengruppen, von denen 
eine fi dem Fluͤßchen entgegen zu ftemmen fcheint, 


und malerifch ſchoͤn mit Birfen bin und wieder, 


gefhmüdt ift, die an den einzelnen grauen Broden 
des Geſteins nur lofe zu hängen fiheinen. Setzt 
man in dem Ecdlangengewinde unferes Thales feis 
nen Weg fort, fo wird man noch auf manche reijende 
Umgebung deifelben fioßen, die romantifhen Genuß 


gewähren. 
5% 
Sophbiens Beichte, 


oder 
Erjerpte aus ihrem Tagebuche. 


echs zehn Frühlinge zählte ich, und mar eine An⸗ 
bängerin ber heitnifchen Götterlehre; daran waren 
die jungen Herren Echuld, weiche fie faſt entwölfer: 
ten, um mich bald Hebe, bald Cinthia, bald Juno, 
bald Anadyomene zu taufen, Huͤbſch mußte ich. fo: 
nach wohl ſeyn; mweniaftens jeugten dafür die Stein⸗ 
gallen tes Engländers, den fein Herr, der Pohle Chols 
kewsky, unter meinem Fenſter zum beftändigen Cours 
bettiren zwang. Die Klugheit, welche man mir jus 
ſprach, fehlte mir, dent’ ich, zur Hälfte; das werden 
diefe Blätter wohl Ichren, die ich aus meinem Tage: 


buche aushebe, um nach des großen Publici 8 
Deifpiele, eine unintereffante fee tigen Fol 
eiren. — Es giebt mehr Tanten in der wirklichen Welt 
als in den unzähligen Komanen ; auch mir ward eine 
«ie verzog mich, mehr wie mein Dater, den Comtoir⸗ 
geigäfte von meiner Erziehung entfernten. Er gefellte 
mir die Couſine Mary zu, eine liebliche Brünette, 
feuriger und eitler noch als meine Wenigkeit, die 
ihrır blauen Augen wegen etwas Ganftheit ſchauen 
lieh. So wirthſchafteten wir drei, lafen, flidten, 
ſpazierten und aben um die Mette; dann fuhren wir 
wochentlich einige Male aus, gingen alle&onnabende 
Ins Concert und alle Wontage zu einem Valle, mo: 
bei die Tante die Statiffin fpielte. Eben ſprachen 
wir von dem Souper, das mein Vater einer gegluͤck⸗ 
ten Epefularion zu ehren geben wollte, als Vlary, 
die bei jedem Hufſchlage aufiprang, mich zum Fenfter 
lockte. Cholkeiwsty's Pferd baumte, flug über; Mary 
ſchrie eutſetzlichz denn der Pohle lag mit verrenften 
Arme ohnmachtig unter dem Engländer, Der Vater 
fprang hinzu, ließ den Demontirten ins Haus und 
ins Bett fragen, ıwo er genejen follte. Mary befans 
wuubarztuche Aegungen; mich wandelte desgleichen 
nicht an; doch folgte ich ihr in das Krankenſimmer. 
Die feucigen Blide des Ritters dankten für die Theile 
nahme; allein ib ſah Blur und nahm die Flucht, 
Da war ih fiber; die Couſine tbat unter lautem 
Dedauren dajfeibe, denn andre Wundärzte kamen, 
um den Arm einjufegen. Der Kitter fazte Fein Wort 
bazu; aber Geſichter joll er gefchnitren haben, 


2. 
Doll Angft war ih und beflommen. Der Vater 
fam berauf und wurde, nicht fummarifch, von uns 
vernommen, ein Bericht lautete: Kleine Jaesion 
und contusion am Beine; sonica Aus: und Eins 
fegung des Arms; radicale Herftellung des Ritters 
netio vor dem Abend, wo er unfer Gaſt fegn werde; 
eine Zuppe werde ihn erquiden x. Die Tante hemmte 
den Lauf ihrer Thränen; auch Mary flaute und ich 
lief in die Küche, Bouillon zu brauen. Die Coufine 
wurde Wartemaͤdchen und, überreichte hochroth dem 
Kranfen die Yabung; er Füßte Hebens Hand und mit 
mirfprach fein braunes Auge, Wir machten nun dem 
freundlichen Schlummer Maß, der den Ritter fo ſtaͤrkte, 
dab er munter am Abenbdtiiche fien und die Pafte: 
tentaderinnen mit Echmeihelmorten ergeßen £onnte, 
Eie glitten wohlthuend ins willige Ohr der Nachba: 
rinnen. Diary biieb ihm nichts ſchulbig, als er den 
unfeligen Zufall pries, der ihn ihrer Pflege uͤberge— 
ben ; doch ich Arme verflummte, da er ju meinen Fe 
naten flebte: ihren Schuͤtzling mit Segnungen zu be: 
glüden, die ein Herz voll reiner Guͤte verdiene, Auch 
den Vater gewann der reihe Pohle, und erbielt von 
ihm die Erlaubniß, uns fAmmtlich zu dem Pickenick 
der folgenden Woche zu führen. „Und wenn &ie denn 
nicht eitel find, — denn ich tanze fo ſchlecht, als ich 
reite" — Das wiffen wir befer, fiel Mary ein, — fo 
beglüden Sie mich mit einigen Tänzen, — Recht 
gern, ertiederte ih. — ie jelbft mögen biefe Tänze 
wählen, — Sch fchlittelte meine Loden; aber Mary 
fprah: Gut! Datür befam fie, als er nun ging, den 
erften Handkuß, und ich den zweiten. 
(Die Fortfegung folgt.) 


— 412 — 


Richt: politifhe Zeitung. Nro. 90. 


Auszug eined Briefes aus Gotha. 


W. genitden das Glück, in unſerm neuen Keriog einen ſehrr 
untietenden und ſördernden Furſten iu befigem. Yrofeor Gram 
aus Dresden iſt ſeit 4 Wochen bier, und keihärtiget ſich mit vier 
ten geiſtreichen Entwirien nad bes Herjogd eigenen Angaben, 
Er hat unter andern auch eine Eine von unſerer realerenden 
ran Herzogin verfertigt, Me er nach feiner Rucktehr nach Dres 
ven dort auczumhren gedentt. Neben Graſſi genicht der Maler 
Küpners dns gamje Zutrauen des Herrogs. Um ihn fo mahe als 
möalkh um ſich gu baten, räumte ihm der für die Beautenidr 
feit teren, bie er hägt, zartlich Beforgte Für das ehemalige 
zthünmseliche Quartier gleich unter dem Schloſſe Finkenſtein ein. 
Abder umfer Secberg iſt jetzt verlaſſen und verwittwet, nicht etwa 
well die dortige Sternwarte ans Baufalligkeit den Einſturz dro⸗ 
bet, (dies abgeidmadte durch einige Peitumasblätter vor einiger 
geit übel verbreitete Gerucht entgand waberbeintich daraus, dal 
von einen nur ganz leicht aufgeführten Neben: oder Stallge⸗ 
baude eine nie nit Deimen ausgeführte Eeitenwand einfiel; das 
Hauptzebaute iſt mafiv und tropt allen Ungewittern)z fondern 
weil ihr berühmter Norficher, der Oberſt von Zac, im feiner neuen 
Qualität, als Oberhofmeilter ber verwittweten Frau Herzogin, 
dieſe auf einer Reiſt mad Marieille und im das fünliche Sranfı 
reich begleiten mwäte, wo die Herzegin ihrer wanfenden Geſund⸗ 
heit wegen, den jetzigen Winter zubringen wird. Amterbeien 
wırd Das zum Wittwenſig der Deriogin beiiimmte edloh iu 
Eifenberg völlig ausgebanet, und auch dort eine kleine Sternwarte 
zum Privargebrandı der Frau Herrogm vollendet werben. Die 
: gewöhnlichen Obferuationen auf der Secderaer Eternwarte wer⸗ 
den durch einen vonKn, v. Zach dazu befchrten und wohlunter⸗ 
richteten Mann, ber dort wohnt, vinttlich fortaeregt werden, umd 
Die monatliche Gorrefpundens, das meetmaßliafte umb 
in fich arihtonenfte Journal in feiner Wirenichart, leidet durch 
v. 3. Atwerenbeit auch keine Unterbredbung, da der jeitberige 
Httacteur deifelben, der Dotter Henmi de cden der Hering 
von Weimar vor kurzen zu feinem Prgationsrarh ernannte), die 
Fortfegung deſſelden, wie Biöber beſerat, uud daju von Hrn. v. 
Zadı auch wahrend feiner Meine die Interefanteften Beiträge erhal⸗ 
tem wird. Auch die von Zach dirigleten Vermeffungen Thurtnaens, 
weyon is den letzten Heften jener Correfoonden; eine aus mhrliche 
und wohl auch zur Nachahmung für andere Theile unſers vtel⸗ 


geſpaltenen Deutichen Bater landes zu empfehlende Nachricht gege⸗ 


ben worden it, leiden durch feine Abweſenheit feine weientlide 
unterbredung, und bie aroämürhige Unterdigung des Kenigs 
von Preußen, als nunmebrigen Oberheren von Er urt, wird die⸗ 
fem Unternehmen gewig wicht vergeblich angediehen ſeyn. 

6Die Sortiegung folgt.) 


Aus Franzdſiſchen Blaͤttern. 


Pirs Camitla und noch mebr feine Grifelda, bat auf ben 
Statieniiden Opern s Theater ein glänzendes Glück gemache. 
Legt erwartet man, und giwar mit günfiger Ungeduld, bie 
Aufiibeuna des Don Juan vom Mozart, Man fieb’, die Kunft 
wie Die Literatur ber Deutſchen macht bedeutende Sortichritte, 
en in der Achtung bei fremden Voͤllern den Rang einnehmen, 
der ihr jegt gebührt, einen fehr hoben, und im mander Kür 
fiat den erſten. Möchte ber Deutiche Nationalı Binm und 
Charakter bald eben das verdienen und erlangen.) 


Aus der Schweiz. 


Die Univerfität iu Barel hat neulich den dritten Lehrſtuhl der 


Yrzneitumit beſetzt: das iſt um fo loblicher, da fie nur einen tur 
denten der Medtein beſizt. Man hoft indeh. daß diefe Anſtatt, Die 
eimit au den alangenditen hrer Met gebörte, eine neue, werediite Ge⸗ 
fintt annehmen werde, Jegt it fie in Müdicht ihrer Einrichtungen 
ein Autikentabinet. — 

— Hr. Biere it als Forſibeamter im Kanton Mrau angeftellt, 
mit 1200 Franten Gehalt. Erin Edimweijerbote, von dem einige tanı 
fend Eremptare abgefegt werden, flüftet fehr viel Nuten. 


Auszug der Zeitung für die elegante Welt, 


t. 134. Nichts Ngued, — außer einer Aufforderung am 
Herrn Kapelim, Neicharde, eime „heilige Cäcilia” heraufjuger 
ben. Ja etwa ſchon dad Wert fertig, umd ‚man ſucht durch 
diefe Aufforderung. einen Merleger zu Nrrn? — Doch meim! 
Preihardt bedarf folder Erbarmiichkeiten nick. 

Orr, 135. meldet, dDah man in Welmar Feſtivitaten auf bie 
mabe Antunft der boben Neuvermäßlten bereite. 

In der Badeanſtalt zu Travemfinde bat man, des ſchlech⸗ 
ten Wetters halber, dieſen Sommer flatt ber vorjährigen 5000, 
nur 4600 Bader genommen. 


Mir. 136. meldet aus Welmar, bak man bem jungen Fürſten ⸗ 
pnare noch immer erſt entgegen ſehe. — Ein Hr. Tillich Matter 
einem Bericht ab über die mnemonifhen Proben, die Hr. Prer 
diger Kaſtner in Leipyig abgelegt bat, und Sr. Gpasier lobt 
in einer Anmertung den Hem. Uſſeſſor Ethardt darüber, baü 
er, wenn er Aſſeniblee bat, feinen Gatten mit edlen, umels 
gennügigem Einne (vermurblich will Hr, Spaer damit 
fagen, unentaeldlih,) — Eririfdhungen reihen läßt. 


Bemerkung. Die Nachricht des Hrn, Tillich enthält einige 
Anrictigteitem, 4. B. Dali die Proben am Hten Rov, gemacht wur⸗ 
ben: es geſchah am Iren; daß Hr. Kaſtner die eine Hälfte der Briefe, 
die er dittirte, den Tag vor ber abgelesten Probe erhalten 
babe. Cie find ihm alle sehm — ed waren einige lateiniſche 
darumter, — erft am Morgen bed Vrüfungstages eingchandigt 
werten. Hr. 8. hatte alfo nur 10 bis 12 Etunden; Hr. Dur 
het, wie man fi erinnern wird, dreifig. — Einen erſchörſen⸗ 
den und partellofen Bericht Über den Vorgang findet man im 
Nr. 58. des Imt. Blattes der trefflichen Leivi. Eiteratur: Zet⸗ 
tung, die mit jedem Monat an Seiſt um» Grimblichteit ges 
winnt, Der Red, des Freim. 


Unzeige 


err von Archenhotz bat im dem Oftober Stuck ber Minerva 
einen Husiug des Antwortſchreibens vom Generats Daisnette, in 
Betren der gehaſſigen Anekdote mitgetbeilt, die in Mr. 173. des 
Freim. aus einem Engliiden Blatte eriablt wurde, 
@ie it durchaus umrichtig, denn als Newport erobert wurde, 
war der General uoch in Gurepa, und ein Vorgang bei Dorb 
town, dem man zu dener ſcheußlichen Geſtalt vergeert zu haben 
ſcheint, trägt grade dem entgegengeſetzten Charakter, macht dem 
Herzen alter darım Iheilmehmenden Ehre, 

mit unverfteliter, Ichbarter Freude theile ich bieie 

tigung mit, Denn der Kane Lafayette gehört — — —* 
ſend Aeußerungen der ſanften, weiſen Menſchlrchteit ſeinee Wer 
figerd, — au jenen bie ber Menjchbeit Ehre machen: man fan 
fie nicht Herabgeiegt fehn, olme zugleich eınen Theil der Achtung 
für dieſe zu verlieren. — Meinen bedirdtungsvolien Daut 
ibrigens Hrn. von Ardenbel; far Seine Bemuthung, die Erjäß: 
Iuma au berichtigen. Möge Er bei Eeinen ſehr verdaenſtvotien 
Uirbeiten Eich nie wieder ſiber jo krantende Misdritumgen au ber 
ſchweren haben, als Er zum Schluſſe der Terikrisungen amführt! 


G. Merkel. 


— — 





Zu dem Kupfer. 


Da Gier (auf Verlangen) beigelegte Kupfer giebt eime Deich 
sung von der neucſten Mode, Zimmer zu brapirem. Es ik 
aus dm Maaayin des Yurus umb bes SGeichmacs 
welches neulich Im Inburrie: Comptoir zu Yeiosig unter dem 
angegebenen Titel erichtenen ıft, umd ſehr geſchmackvolle Zeich⸗ 
nungen won Finmerr Verzierungen umd Meublen aller Art ents 
halt, — Es ift um den billigen Preis von 3 Zblr, zu haben, 





1804. 





Nro. 234. 


Der freimütbige 


Sreitag, 


ern f 


— (DEE — — 


und 


den 23. November, 


She r 





giteraturn 


Taſchenbuch flır dad Jahr 1805. Egeria. Serauss 
gegeben von Karl Müchler, Berlin, bei Unger. 


sen vor ein Paar Jahren gab Kerr Müchler 
eine Egeria heraus, die aber Fein Gluͤck machte, und 
jegt für 6 Groſchen in der Sommerſchen Nicht Trd: 
delhandlung mit alten Büchern, zu haben ifl. lim 
Diefes Schickſals willen würde Hr. Muͤchler, glaub’ 
ich, wohl gethan haben, feinem biesjährigen Taſchen⸗ 
buche einen andern Namen zu geben, befonders ba 
es In ber That viel beffer ausgefallen iſt, als das erſte. 

Es enthält drei profaifche Artikel. „Der Bau: 
berbrunnen, ein Luſtſpiel in Einem Aft, von I. ©. 
Schuͤtz,“ fiel auf der biefigen Bühne vor einem 
Jahre durch, wiewohl nicht ganz verdient, Es bat 
geben und einiges Intereſſe, nur freilich ift die Hands 
fung gar zu ärmlich, und feine Maivetäten find oft 
Plattheiten. — „Diege Manzanares,* eine Erzäß: 
fung nad dem Epanifchen von Freu von Krofigk, 
ift gefuͤhlvoll und in einer blühenden Sprache vorge: 
tragen, — „Wohin?“ Bruchſtuͤck aus einem Rei— 
fejournal, von M. iſt ein bier und dert ein menig 
überjpannt gefchriebener Auffag, aber im Ganjen 
fehr anziehend und unterhaltend. Es befcpreibe eine 
no wenig befannte Inſel im Bodenſee. 

Der poẽtiſche Theil enthält ein fehr gefuͤhlvolles 
Lied von Karl Graf, einige trefftiche kurze Gedichte 
von dem genialijgen Sonnenberg, ein Paar fehr ges 


Iungene von Gramberg, Sohn, Boguslaweky; ein 
oder jmei recht artige von Schink und dem Heraus: 
geber; eine intereffante, aber nicht genug gefeilte 
Erzählung von Gittermann, Das Übrige iſt unbe 
deutend, vieles fehr fehlerhaft verfificirt, noch mehre: 
res matt gefühlt und gedacht. — Auch die beiten find 
nicht ganz fledenfrei und unter ben misrathenen find 
manche, die nur einer geringen Umgeftaltung, einiger 
Feile bedörften, um ſchoͤn zu werden, Wer eine 
Sammlung von gemifchten Gedichten anftellt, follte 
durchaus felbft Kritiker ſeyn, damit er Kleinigkeiten 
ſelbſt abhelfen und Über wichtigere Verſtoͤße den Vers 
faffern Kath ertheilen, Vorſchlaͤge thun koͤnnte. Well 
Bürger felbft firenge feilte, weil Voß und Schiller 
es thaten: daher fielen ihre Muſenalmanache fo reich 
an ſchoͤnen Gedichten aus, Um fich aber zu hberzeugen, 
daß Hr. Muͤchler nicht der Mann dazu iſt, feinen 
Deiträgern freundlich : hülfreiche Hand zu leiften, 
braucht man nur ©. 186 von ihm zu lefen: 
Yon lehnt nicht Falihe Ehre, 
Nicht (hahtberaubtes Gotd, 
und S. 253 in einem ſonſt artigen Gedichte: 
Kömmp du? durſt' ich dich doch mie fragen. 


R. 8. 
MWeftpreußifches Correftions- Haus, 


er Polizei des platten Landes eine zweckmaͤßige 
Einrichtung zu geben, gehört ficher zu den erften und 
nothwendigſten Bedürfniffen eines mohlpolicierten 
Staats. Preußen fühlt feine giädlihe Verfaſſung 


— 44 — 


in allen feinen Zweigen, und ſieht in feinem vergrb⸗ 
erten Wehlſtande die fhönen Folgen einer weifen 
Regierung. Der Friede befördert den Handel, erhebt 
den Kunftfleiß und vermehrt die Kräfte des Staats; 
die Unterehänigfeit wird größtentheils aufgehoben, 
und die verbefjerten Echulanftalten verbreiten jeßt 
(den den Schatten einer wohlthätigen Aufklärung, 
Nur fehlte bis jegt den Lande eine beffimmte Eins 
richtung, um die Echladen der Einwohner von der 
arbeitenden Klaffe zu ſondern, und vorzäglih dem 
Landmanne Ruhe und Eicherheit feines Eigenthums 
ju geben. Die Zahl der Bettler, Zigeuner und ans 
derer Vagabonden, die die Ehrlichkeit und den Aber: 
glauben des Landmanns benuften, nahmen troß der 
Wachſamkeit der Landespolizei fo überhand, daß die 
glüdlichen Bewohner diefer ſchoͤnen Provinz, und 
vorzuͤglich die der Niederungen und des Werders, ihre 


Zage in der traurigen Beforgniß verlebten, ihre gabe 


geplündert oder in Feuer aufgehen zu ſehn. Die 
Dörfer in diefen Gegenden, befonders an den Ufern 
der Weichfel und Nogat, find ihrer Einrichtung wegen 
am häufigften diefen Gefahren ausgefeht. Diefe Doͤr⸗ 
fer nehmen: fehr oft eine Länge von 3 bis 4000S chritt 
ein; jeder Bauerhof liege einzeln, von feinen Wirth— 
ſchaftsgebaͤuden, Gärten, Wiefin und Aderlande um: 
geben, daher die gewöhnlichen Sicherheits maßregeln 
der Dorffchaften in Preußen, bier nicht angewandt 
werden fünnen. E 
Schon oft befhäftigten fich die Diitglieder der 
MWeftpreufifhen Kammer und Regierung mit Plänen, 
diefen großen Uebeln einen feften Damm entgegen zu 
fegen, aber immer blieben felbft die beffern Vor— 
ſchlaͤge hiezu unausgeführt liegen, da fo viele andere 
Einrichtungen nothwendiger ſchienen, als dieſe. Das 
unaufbörliche Beftreben unfers geliebten Monarchen, 
fein Volk glädlich zu fehn, war auch hier das Vehi 
kel, um bie erfien Köpfe der Landesregierung auzu— 
fpornen, und endlich thätig für Die gute Sache zu 
wirien. Der Regierungsrath Oelrichs bewies, daß 
ein Sorreftions: Haus am zweckmaͤßigſten wäre, die 
jenigen, die ohne Beſchaͤftigung fi von dem Echmeiß 
des arbeitenden Bürgers ernährten, mit Etrenge jur 
Arbeit zu gewöhnen, und ihnen Mittel an die Hand 
zu geben, ſich für die Zufunft einen Erwerbszweig 
verfchaffen zu fünnen. Die Woll: und Etrunpfs 
Fabriken in Meftpreußen, gaben für 200 ſolcher Das 
gabonden die Ausficht, binlängliche Arbeit zu finden, 
und immer beſchaͤftigt, auch bereits im dieſer Anftalt 
ihr Brodt zu verdienen, Die noch nicht hinlanglich 
bevbiterte Provinz könnte wenigfiens in tem Kieife, 
in dem das Inſtitut errichtet wurde, mit Arbeiter 
verfehn werden, die gegen ein billiges Tagelehn die 


Laſten des thätigen Bürgers erleichtern wärden. Der 
ausführliche Plan zu diefer neuen Einrichtung wurde 
Er. Mojeftät dem Könige, von der Weſtpreußiſchen 
Kegierung vorgelegt, und faft in allen Stuͤcken ge 
nehmigt. Graudenz wurde feiner guten Lage megen 
für den paffenditen Ort zur Stiftung diefes Inſtituts 
gehalten, Das dortige Reformaten: Klofter von 20 
Menfchen bewohnt, die unter der Macke der Hofpi: 
talität, ärgere Blutigel des Landes waren, als dieje: 
nigen, die jeht ihre Zellen bewohnen, wurde auf Ber 
fehl des Königs aufgehoben; die Mönche find in an: 
dere Klöfter dieſes Ordens verlegt, die fie fich felbfi 
mählen fonnten. Unſer Monarch ſchenkte dem Lande 
diefes zweckmaͤßige Gebäude, nebſt dem mit einer 
Mauer umgebenen großen Garten. So bedeutend 
dies Gebäude auch war, fo erforderten deih 200 Men: 
ſchen nebft den dazu gehörigen Officianten, ein größe: 
res Lekal. Das Klofter mußte alfo nicht allein ver: 
größert, fondern auch noch ein Gebäude von 3 Stock 
hoch, darneben erbaut werden. Se. Majeſtaͤt mach: 
ten demnach der Provinz einen Vorfhuß von 70,000 
Thlr., um die Kofien des Baus und die Anfhaffung 
ber Utenfilien damit zu bejireiten. Der Eifer für 
die gute Sache befürderte die erſte Einrichtung diefes 
Inſtitute. Schon im Fräßjahr 1803 waren die Bel: 
ten des Klofters, in denen fonft die Andolenz ihren 
@iß hatte, in Arbeits: und Schlafſaͤle eingerichtet; 
70 unnüke Bürger des Staats waren einige Die 
nate darauf bereits die Bewohner diefes Haufes, und 
lernten bier fih einen Unterhalt verfchaffen, der fie 
immer vor Mangel (hüten kann. Eie mußten Wolle 
taͤmmen und fpinnen; es wurde ein NBerfmeifter an: 
genommen, der fie in Furzer Zeit die Vortheile bei 
dieſer Arbeit lehrte, und fie zugleich dazu anbielt, das 
ihnen aufgegebene Geſetz zu vollenden. Die Xeltern 
und Echmächern dieſer Häuslinge mußten Garn für 
die Sicht: Fabrifen ſchneiden, oder Federn reißen; die 
Weiber aber fpinnen oder fhriden und andere haus: 
liche Arbeiten verrichten. Da bier durchaus Feine 
Nerbrecher aufgenommen werden, fo ift es erlaubt, 
daß diefe Menfchen auch außerhalb des Inſtituts für 
einen Tagelohn von 18 Cr. Pr, arbeiten Eönnen, moru 
jedoch nur diejenigen gelangen, die durch gute Fuͤh— 
rung jur erften Elaffe der Häuslinge ſich eignen, und 
fih das Zutrauen der Direktion zu verdienen ſuchen. 
Diefe erfte Claſſe it au im Aeußern von der zwei— 
ten verfchieden. Lehßtere bat zu ihrer Bekleidung 
eine graue ade von dickem Tuch, eben folche Weſte 
und Unterkleider, dazu Schuhe und Etrömpfe und 
eine buntgerebte Schlafmuͤtze. Die erfle Claſſe zeich⸗ 
net fich dadurch aus, daß fie dunfelgraue Aermel in 
ihren Jacken trägt, 


Die Schlaf- und Arbeitsfäle find gut und ge: 
räumig, und fo eingerichtet, daß zroifchen jedem ein 
Auffeher wohnt, der durch angebrachte Fenfter in feis 
ner tube, fowohl bei Tage als bei der Macht die 
ihm untergebenen Leute unter Augen bat. In jeden 
der Chlaffäle wohnen 14 bis 16 Haͤuslinge; jeter 
bat feine eigene Bettſtelle, worin er auf einem Stroh⸗ 
fad, der mit einem weißen Laken bedeckt iſt und auf 
einem Kopffiffen ruht, und eine dicke mwollne Decke 
zum Zudeden bat. Zu den Füßen einer jeden Bett: 
ftelle ficht ein &chemmel, werauf das Nörbige zur Er— 
haltung Förperlicher Cauberfeit liegt, die Auffeher fors 
gen dabei, daß es zur Reinlichkeit der Leute täglich be: 
nutt wird. Die Yuft in den Saoͤlen iſt rein und 
gelund, welches durch angebrachte Ventilators noch 
mehr befördert wird, . 

Die Lebensweife diefer Menſchen ift ganz dazu 
geeignet, fie zu bejfern, und fie an ein ordentliches 
thäriges Leben zu gemohnen, Sie werden täglich zu 
Neligiensubungen und zur pünftlihen milltairifgen 
Ordnung angehaiten, wobei man zum Theil noch das 
Gute der Amerikanlſchen Gefaͤngniſſe eingeführt hat, 
taß fie bei ihren Arbeiten gar nicht, und in ihren 
wenizen Freiſtunden nur ganz leife mit einander {pre 
Hm dürfen Dieſer Mongel an Mitteilung muß 
bei diefen verwahrlojeten Gejigöpfen ein Nachdenken 
über ihr vergangenes Leben, und gute Vorfühe für 
die Zukunjt hervorbringen. Zweckmaͤhige Gebete und 
Ermahnungen zeigen ihree Seele die Richtung, die 
fie nehmen muß, um fich wieder mit der Menſchheit 
auszujöhnen. Sch wählte bei meiner jweiten Durchs 
reife durch Graudenz die Mittagszeit, um diefe Ans 
ſtalt zu befuchen, ich fand aber auch hier Ordnung, 
Reinlichkeit und hinlängliche Nahrung, um den phys 
ſiſchen Menſchen zu befriedigen, Die Kumferdfepen 
Suppen find auch bier eingeführt, und werten 
zweimal In der Woche gegeben. 

Um aber auch dieſe Menſchen in den Stand zu 
fegen, ſich für die Zufunft, der arbeitenden Claſſe 
leichter anſchließen zu können, ift dafür geforgt, daß 
jeder diefer Hauslinge nach Maasgabe feines Fleißes, 
ein fleines Capital bei Entlaffung aus dieſem Lore 
reftiond: Hauſe mit befommt, welches er fich durch 
feine Arbeit erwerben muß. Ein jeder fleifige Ar 
beiter kann taͤglich 15 bis 18 Gr. Pr, verdienen, 
bievon kommen 6 Br. zur Caſſe des Inſtituts, das 
Uebrige wird gewiſſenhaft refersirt und ihm bei feis 
ner Entlafjung mitgegeben. Wenn man annimmt, 
daß der Haͤusling täglich nur 6 Gr. für fich erübrigt, 
fo beirägt dies in 3 Jahren, als der gewöhnlichen Zeit 
ihres Aufenthalts im Inflirute, die Eumme von 72 
Thlr, mit denen er eine Heine Wirthſchaft anfangen 


und ein brauchbarer Bürger des Staats werden 
fann. Wie viele Familien können hierdurch gerettet, 
wie manche gute Hausväter gebildet werden, Wie 
fon wird dann der unermädete Eifer des jetzigen 
Direktors Hauptmann Scheringer, belohnt werden, 
wenn er nach Jahren den Danf fo vieler thätigen 
Männer einerndten wird, bie unter feiner Aufficht 
dazu gebildet wurden, 

Das große neu aufgebaute Mebengebäude für 
130 Häuslinge ift bereits fertig, fo wie auch alle 
MWirthichaftsgebäude und ein Badehaus, Im Herbft 
d. J. foll auch diefes bezogen werden, da es leider 
nicht au Zubjeften fehlen wird, um die beftimmte 
Zahl bald zu complettiren, 

Durch alle Einrichtungen, die unfern Staat be: 
glüden, durch die Sorge unfers geliebten Monarchen 
und Seiner Kärhe, kann jeder Patriot und Menfchen: 
freund die feſte Hoffnung haben, daß dieſe für bie 
Menfhheit fo wohlthaͤtige Einrihtung nicht unbe: 
nußt bleiben wird. Mur gute Bürger werden dies 
glüfliche Land bewohnen, die ihren Etolj darin fin: 
den werden, ihren König zu lieben, und ihr Leben 
für ein geliebtes Vaterland zu opfern. 

Diefe Verbefferungsanftalt ift die Erfte ihrer Art 
in Preußen. Der Freimäthige, der alles Gute fo 
gern der Welt mittheilt, wird alfo wohl auch biefer 
kurzen Schilderung einen Platz gönnen, um fie all: 
gemein befannt ju machen, 


Geſchrieben von einem Preußen. 


Muth! 
An einen Freund. 


Hs bäumt im Meer ih Weit an Küche, 
Tier fpalten Alirfte fich Gimein, 
und and dem Schlunde lacht bie Hölle, 
Der Eturmmwind heult ein Grablich drein. 
Math tan alkin vor Untergang bewahren: 
Yu denn zum Sitg Im Kampft mit Gefahren! 


Der Strudel toft — Drlane Hürmen 
Vergebens, wenn bie Vorficht macht. 
Ob wilder fich die Bogen thürmen, 
und laut der Donner bieb umkrachtt 
Hein, ſcaudre nicht! In drobenden Grmitterm 
Eritartt der Heid, and nur bie Feigen ältterm. 


Gahnt Eeylla Gier, — ſperrt Ungeheuert 
Elargbbis dort dem Rachen auf: 
Ergreife Araft dei Schiffes Steuer, 
uns Klugheit leite fein Bauft 
Es ſtiegt vorbei des Todes ſchwarzer Piorte, , 
und Jubel tönt! — 18 ruht im füchern Porte. 


R. Heine. Leop. Reinhardt 


— 46 — 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. gı. 


Auszug eines Briefes aus Gotha. 


(Gortfegung. ) 

lcher muten die Gothaner auf alte theatraliiche Unterhaltung 
vönig Versicht Teiten, da ber vorige Herjog einen (awt:erklärten 
Werwillen argen alles Theatervole, wie erö nannte, ger 
faßt Hatte, und die Erfaubniß für jede Entreprie der Urt hart⸗ 
nädig verweigerte. Wiled was daher jur Beiriedigung der auch 
hier febe regen Thrateriuf gefchehen fonnte, war entweder eiie 
Meile nach Welmar oder Erfurt, die doch mit manden Ber 
ſchwerden verbunden war, umd oft mur getäufchte Erwartungen 
auf den dortigen Theatern zur Folge hatte; oder Vorſtellungen 
von Liebhabern. Wirtlih hatte ſich ſeit einigen Jahren eine 
wohl eimfudirte Biebbabergefeliichaft Gier gebiider, die aber, ba 
fig mod; wichtigere Diune im ihren Hauſern zu beitellen hatte, 
im Winter nur eimigemal ſpielte. Nebenher beſtanden auch in 
den niedern Claſſen einige dramatiſche Clubs, mo funfiliebende Sol⸗ 
daten, Bediente u. ſ. w, ihre ſchlummernden Kunftanlagen weck ⸗ 
tem und bildeten, Seit kurzem bat nun auch eine wirkticht 
Schanipielertruppe Erlaubniß erhalten, bier zu fielen. Es if 
die von Carl Witter, die mehreren Gothanern (diem vor eimis 
gen Jahren, als fie während der Saderit im dem benachbarten 
Meinungiiden Vadeort, dem hört vomantiihen biebengtein 
fsielte, wiel Unterhaltung gewahrt hatte, Da das ſehr niedliche 
Ehloftheater einer groden Keparatur bedarf, jo fpieit fie mar 
qentlich dreimal In einem großen Saal des berühmten Gabor 
fed vor der Stadt, dm Moor, und hat ſtets ein volles Haus. 
Der Herzog war erſt einmal da, aber bie Heriogin fehlt far 
nie und nimmt and bieram froben Authell. Freilich ir das 
Yerfonat ſehr gemiibt. Doc Hat es einige gute Mitglieder umb 
einige, Die es merden Mnnen. Der Director Bitter if im ko⸗ 
miſchen Rollen, in Pedanten und Falten Böpernichtern fehr brav; 
die Damen Wahr und Schiansenstn verbienemtob. Auch 
had. Krohn ſpielt als geihwänigs Dberiöriterin im Vaterbaus, 
und als die Frau des Laudedelmannes im Chansaleen, jur afle 
gemeinen Zufriedengeit, anderer Chbamipieler (mie 4. %. der Hr. 
Wahr, der ganz für die Kelle von Biedermännern und edeln 
Wulten gemacht au feym ſcheint), micht au gedenken. 


Yu der Schweiz. 


Wir Ediwetier find iegt neunzeſzn Nationen geworden, wenn 
aud feine Lnterabtheilangen im Betrachtung komauen. Das 
möchte hingehen, wenn fi die Eonderung nicht auf alle Zweige 
erfredtte. Allein jeitht im wätnichaftlicher Ginhcht iſt auch als 
ler Sufammenbang aus dem Fugen geriſſen. Man bogre unter 
der Einheitsregterumg wie man dazumal immer su heffen preaft, 
es könnte für Ögentliche Ersichung befer und macdrucdsvoher 
geiorgt werden. Im Mrofen geihah aber nichts, ausgen ommen 
was Pedalezn etwa gelistet Gatte, umd das fomnte nicht der 
Megierung zugeſchrieden werden, (ben fo wenig darf die Bew 
befferumg einiger untern Schulen ım Berechnung kommen, bie 
noch jegt in mandem Stanton der Gegeuſtand der Negierungen 
find, Don affyemsinen Anstalten, von gleichförmiger Eichung 
Art nech nicht Die Rede. Auch find Die Kusfichten dazu jo traue 


Fig, daß ſeitſt kein Grund nur zu hofnungen mbiig Al, Des: 


dır Kanton rider feine Schule nach ſeinenn ntduntken ein, 
ogne auch nur im geringften auf Mitkantone Rückſecht zu nebs 
nen. Das gilt von den Schulen jeder Art. Es mun als 
durchaus an Mationsitiidung, an Gemeinſinn, am einem altge⸗ 
meinen Willen fehlen. Zuweilen bindet uns ned allgemeiues 
Jutereſſe, aber das große Band, wodurrch die Nation unbrans 
fich und am jeteften su einer Matten gebumden wird, am Diries 
Sand, das eine gleichfermige Erzichumg lierert, daram wird noch 
nicht geradıt. 

Wir haden Akademieen und Univerfititen da unſerm Va— 
terlande, die ader feibit dis ſeinem Umkreiſe taum gekannt find 
Die Mehrzahl bringe ihr Daſeyn bios durch die Lettion⸗tata⸗ 


doge sur Shaw, Wihtäberomeniger Gaben wir Männer, bie 
aucd das Ausland riihmlicht meant. Ith ald Dekan ber Geiſte 
Tichteit im Bern, hätt daſelbſ Vorlefumgen, und ift wirklich fir 
die meue au treſſende Einrichtung der Schuten umd ber Akade— 
mie des Kunions, einer von den drei Gliedern, welche ben Ente 

wurf abzwiasen babım. Ju Bern iſt auch Gonnenühein als 

DProfeſſor angehrüt, der menlich über viele vormuglicht unſtler, 

mit zwei Statuen von grörannter Erbe, ben Preis Davon geiras 
gen hat. Milein Trallet hat fein amgewerturd Vaterlaud wieder 
vertaffenz; wielleleht wird der berühmte Vhoſiter der Welt einft 
felbt fagen, was ibm dazı bewogen hat, — umd was und bes 
ment am schweigen. — Weraloist Hat feine Eehranftalt amei 
Stunden von Bern im Gchloh zu Buchſee, das unter der Hels 
vetiihen Regierung ald Spittal gebraucht wurde, Geine Au⸗ 
ſtalt hat befomders im Hinſicht des Formalen viel gewonnen, 
denn befanntiih war bas eigentliche Reich ber Gormen nicht 
basienige, wo Peihnlosi am rubigiten vermeilte. Wirtiih war, 
auch wohl die Berabfaumung der augern Budung ber Haupt 
grund, warum dche wire Schweler ihre Kinder dem Ims 
Kitute entzogen haben. — Yu Zürich find freilich feine Lava⸗ 
ter Gesner, Bodmer mehr vorhanden, aber dafür giebt es doch 
manden wackern, gelebrten und aufgetlarten Kopf im dieien 
truben Mauern. Den geiftlichen Lapater Gaben ums neulich 
Etining und Ewald zu ericgen gefahr, find aber bios durdar: 
reift. Witefit und Schwuer mögen Greiner und Vodmer nicht 
beshatten, geſchweige in Nergefendeit bringen, PDarimeier, ber 
in Bamberg durch das beriichtigte Wetennenid ſich einem amgens 
blidlichtn Ruf erwarb, hat lid der Erslehung germitamt, und 

lebt num mie vor senem Ruf, Die beiden Meiſter find iepe 

eigentlich die Krone der Auricher, 

In Schaſhauſen lebt Prorefor Müller, der Bruder 9:3 bo 
rũhmten Gerbichtiheriberd, als ruhmlichſt bekannter Meriafer 
mehrerer Schriſten im beiten Andenken. Wie es aber ben Ber 
Ichrren, die nicht gu Zununztu geboren, dort ergebe, iſt uudt · 
kaner 

Unter dem Gelehrten in Pauiınme it ProieTer Etrure als 
Minernloge noch immer der vorsiglihfte, Wan erwartet im 
dieſem Kanton ein slemiich vervoltommmerd Griiehungdween, 


In Aarau bat die Zahl der Zoglluge an den Kantonsſchu ⸗ 
len jugenommen,. Man if aber über den neuen Zuwachs, den 
fie an Ken, Ebers aus Hannover als Rekter erhielt, ned micht 
gam einig, An derſelben Schule in auch der Fiſcheridullendich ⸗ 
ter Bromner angeſtent worden. Er bat bie Redaktion der Hel⸗ 
verlihen Minerva mit dem sweiten Serte abgegeben, und damit 
hat auch Die Gottin Ihren Schild von ſich geworjen. 


(Die Fortſezung folgt.) 


Aus St Petersburg, 


A der Evige ber meuerrichteten „, medichutich + philantropifchen 
Kommitte" eben die HH. Eratsrarte Freigang und Mielgten, 
der Koltesienrurh Elliſon und der Hojratlı den, — bie beruͤhm⸗ 
teen Petersburger Aerzte. — Cie bit die unentgeldliche Ber 
handtung und Verpflegung hilfsdbediteitiger Aranten zum Zweck, 
und ft vom Kaiſer beſtatigt worden. Petersburg iſt zu Dem 
SBchur im eilf Stadttheile abgetheilt, umd bei jedem demeiben ıt 
ein geſchickter Arzt mit 600 Rubel Base anzeſtellt worden, dem 
ein Gehulſe mit 150 Rubel zugegeben wird. Die Aufit ik 
unter den obgedachten Gltedern der Kommitte vercheilt, die ihre 
Gerimmte Veriammiura, ihr Siyungsiocale, eine Kumichei, Kants 
jeltsidirettoren und Sefretaire bat. Zu jeder Stande können fi 
dieistigen melden, welche per Aritlicdhen SHälre bedbiirfrig ſind, 
und beniihben forort berſichert ſeyn. Das Banye wird duch 
freimiltige Veitrage erbalien, Der Monarch bat sur Grüudieng 
Diejer vortreg̃llchen Anſtalt jähriih 24,000 Rubel fubjeritirt 


u 2 


—⸗ ⸗— ee — — — — — —— 


1804. 





Der Freimuüthige 


Eonnabend, 
ern f 


Die Großfürftin Maria Pavlowna. 
(Brief aus Weimar, d. 14. Mov. 1804.) 


Wise, wir. bedürfen die mißig fein: follenden 
Inſchriften nicht, die in der ſchon fo oft getäufchten 
Eleganten als Wißrafeten bei der Ylumination in 
pränumerirt worden find! Es ift nicht zu befcpreiben, 
in welchem Grad die Großfürftin Maria Pavlowna 
alles vom Erften bis zum Letzten unfers Landes, be 
glüdt und bezaubert, &ie erſcheint uns alle als ein 
überirdifches, himmliſches Welen. Cie iſt unter 
allen Marien, die uns die plaflifche und fingende 
Kunft als die Hochgebenedeite darftellte, uns als die 
fegenreichfte Ependerin aller Himmelgaben, aller 
Anmuth und Grazie erſchienen. Welch eine hohe, 
einfache Majeſtuͤt, welch ein Aufbli ihres demuͤthig⸗ 
gefenften, dann himmliſch gehobenen Auges, meld 
eine ſtille, auf innere Ruhe und Zufriedenheit. ge 
gründete Größe! — Ihr Einzug am 9. Mov. war un: 
gemein fefttich und mit großer Vorſicht und wahrem 
Geichmack angeordnet. Vom Eintritt ins Weimaris 
ſche Land bis an das Schloß, paſſirte fle ſechs Ehren: 
pforten, umd immer ſchloſſen fi neue Schaaren 
frehledender, mwohlgeordneter und in verſchiedenen 
Uniformen gefleiveter Bemillfommenden an. Zwölf 
verfchiedene Mufitchöre traten nach und nach in die 
Heipe. Es war ein unbefchreiblich rührender Antlid, 
als fich der mehr als eine Diertel Meile einnchs 
mende Zug unfrer kleinen, aber feſtlich geihmädten 


und 


den 24 Novrember. 
Sſcherz. 


Stadt nahete. Man konnte von der Altenburg an 
das Luſtgehblze hinauf, wo fie herkam, leicht an 
20,000 Menſchen zählen. Eine ſolche Huldigung, 
mit jedem Schritt der Annäherung fieigend, : eine 
folge Erfüllung, Uebertreffung der hochgeſpannteſten 
Erwartungen hat unfer Weimar noch nicht gefehn. 
In ſolchem Frohſian Archet fühner 

Des Volkes laute Etimm’ empor, 

Siltommen! ruien Weimar Fluren, 

Wilttonamen?! halt fein Ebrenther. 

Um» Glocken tönen, Herzen ſchlagtu 

Entgegen dem beglückten Paar; 

Erin il alles, was fo lange 

Nur ſehnſuchtevolle Hofnung war 


So beſchreibt einer unferer erften und erhaben⸗ 
ften Patrioten (bei uns ift das Wort Gottlob! noch 
nicht verrufen) die berjerhebende Einzugsfcene über 
die Ambruͤce in die Etade ſelbſt. Hier empfing 
fie, umringt von den Innungen und Zünften der 
Stadt mit ihren Bahnen, der Stadtrath beim Tri: 
umpbhbogen mit einer zweckmaͤßigen Huldigung. In 
dieſem Augenblick ſchwiegen alle Glocken der Stadt. 
Von den 4 Ecken des Triumphbogens dampften auf 
antiken Kehlenbecken 4 himmelanſtrebende Weih— 
rauchwolken empor, Das auf dem Ehrenbogen fom: 
metriſch geftellte Veufitchor fiel mit AJubeltönen ein. 
Hier (kom wurden aller Augen naß. Wie ein elek 
teifher Funken durchbebt' es aller Herzen: diefe holde 
Kaifererochter ift anſre kuͤnftige Kandesmutter, eim 
guter Engel aus fernen Zonen ju unfrer Freude er 





— 418 — 


fehienen! Der unter Goͤthes Direktion und Leitung 
gebauete Triumphbogen mit feinen Verzierungen und 
Voereliefs, werden in Kupfer erſcheinen, und nebjt ak 
len andern in Et. Petersburg und Weimar began- 
genen Feierlichkeiten ber Gegenſtand eines eignen auf 
Eubffriprion angefündigten Werks machen. *) 
Don bier ging es in den großen, fchönen Schloßhof. 
Der Zug von Keutern bildete bier ein Viered, der 
Stadtrath nebft den Handwerkern und Fahnen fland 
om Balfon in der Mitte. est flieg fie aus, die 
beide, alles bezaubernde Königin des Feſtes. Der 
Hof und die regierende Herzogin empfingen fie an 
der prächtigen großen Treppe. Die Herjogin Mut: 
ter erwartere fie oben an ber Treppe, Die Groß: 
fürftin kuͤhte ihr Eindli die Hand und dann den 
Mund. Machdem die Präfentation der Kavaliers 
und Käthe aus den Kollegien, die im großen Saal 
verfammelt waren, vorüber war, ging die Großfuͤr⸗ 
flin aus ihrem Zimmer auf den Balkon, wo fie fich 
huldreich verbeugte. Die gepreßte Bruſt der ganzen 
hochbezeiflerten Menge auf dem Echloßplage machte 
fich durch ein dreimaliges Vivat, wie es wohl felten 
herzlicher gerufen worden feyn mag, Luft. ®ie 
neigte ſich vor jeder Klaſſe der abziehenden Reuter 
und Fußgänger, Wenn der Befiß von taufend und 
aber taufend Herzen reich macht, fo war fie jeht ſehr 
reich. Macher war Fleine Tafel. Alles eilte ins 
Theater, wo Tages vorher das Mädchen von Orle— 
ang, biefen Tag aber eine Oper war. Sie bedurfte 
der Ruhe und hatte ſchon erklärt, daß ihr erſter 
Ausgang, in den Tempel des Allerheiligften ſeyn 
würde, und daß fie das Echaufpiel Überhaupt meit 
weniger liebe, als eine Eleinere, ausgefüchte mufifa: 
lifcpe Unterhaltung. Auf dem Stadthauſe mar in 
dem ſchoͤnen Saal, den unfer Herzeg mit fo vielem 
Geſchmack vor 3 Jahren bauen lief, für die Kauf 
leute, Artiften und deren Safe, eine Tafel mit 250 
Eouverts fervirt, mit Tanz und Muſik. Den 
10. November war größere Tafel, nachher Vorſtel⸗ 
lung der Damen. Hier erſchlenen auch die Repruͤ— 
fentantinnen der Töchter des Landes, Blumen und 
ein Gedicht vom Profeffer Voß wurde übergeben. 
Die ſchoͤne Rednerin, eine Mademoiſelle Klauer, 
wurde von der G@roßfürftinn auf der Stirn ges 
kuͤht! Ihre zwangloſe, hoͤflichkluge und doch natürs 
liche Herablaſſung gewann ihr aufs neue aller Her 





", Der Heftudidrucer Sihfing kündigt ein Wert an, das 
ſchen Yumiangd Decembers erſcheinen wird und neh der Tier 
fhreibung der Feierlichkeiten in @t. Vetersburg 
und Weimar (dies ift der Titel) bie überreichten Gedchte, 
Beiden u. f. w. auch 9 dlleninirte Kuwier enthatten wird, worun⸗ 
tee 3 Qwartplatten der oleherwahnten Ehrenpiorte acwidmet jegm 
werden. Der Ladenpreis wird 2 Nıbl. 8 Or, ſeyn. 


gen. Abends brachte die Buͤrgerſchaft eine feierliche 
Abendmufit mit Fackeln. Sonntags früh befuchte 
fie unfere evangeliſche Hauptkirche und betrat fe 
zum erſtenmal den Boden unferer Stadt. 24 Mars 
fälle, die aus der hiefigen Kauſmannſchaft beftans 
den, eröffneten den Zug und auf beiden Zeiten vom 
Schlotz bis am der Kirche, ftand die Bürgerichaft mit 
ihren Fahnen. Freude ftralte auf jedem Geficht, als 
fie ungern guten Herzog felbft zu Fuß ankommen 
fahen, Er erwartete fie felbft vor dem Fuͤrſtenſtuhl 
und führte fie da ein. Ueber 6000 Menichen waren 
in der Kirche. Der Kapellmeiſter Destouches 
hatte eine zwed maͤßige Kircbenmufit fomponirt, die 
in doppelten Choͤren, die fib auf dem Orgelchore 
und vor dem Alrare einander antworteten, gegeben 
wurde, Der neue General: Zuperintendent Vogt 
hielt feine Antritespredigt, und erwähnte zualeich fehr 
paffend und rührend die feltne Feier diejes Tages, 
Die Predigt fowohl als‘ der ganze, fehr verftändig 
angeordnete Gottesdienſt gefiel der Großfuͤrſtin fo 
fehr, daß fie erklärte, fie werde ihn oft befuchen. 
Mittags waren am Hof 3 Tafeln von Bo, 60 und 
50 Gouverts, Abends große Cour. Den Montag, 
als den ı@ November Abende, betrat das neue Ehe— 
paar zum erftenmal unfer feierlich geſchmuͤcktes Thea: 
ter, Schiller hatte erft in den letzten 6 Tagen, 
wo es befchloffen worden war, ein kleines Vorſpiel 
voll feiner Anfpielungen und zarter Beziehungen ges 
bichtet, morin auch Mademoiſelle Jagemann 
ſpielte. Cie nahm auch dieſe Huldigung mit fichte 
barer Rührung auf. Vom Stuͤcke felbft erzähle ich 
Ihnen ein anderesmal. Denn es verdient gar wohl, 
gefannt zu werden. Auf dies Vorſpiel folgte 
Mithridat, 


Man bewundert allgemein bie ſtille Faffung, 
die flets eingreifende Gegenwart des Beiftes und bie 
hohe Kultur diefer Unvergleichlichen. Sie war es 
werth, ſchon als Kind ber Liebling der großen Ka— 
tbarina zu ſeyn. Sie iſt ganz die Tochter ihrer 
über alles Lob erhabenen Mutter! Cie iſt vortrefk 
li von unfern Verhältniffen unterrichtet. Bei der 
erften Präfentation wußte fie jedem etmas nicht bloß 
verbindendes, fondern auch individuell treffendes zu 
fagen. Mit Wieland, Goͤthe, Schiller unter: 
biele fie fid am längften. Als ihr am Sonntag die 
Profefforen des Gymnaſiums nebit einigen Schuͤſern, 
die eine von dem jüngern Voß aedichtete Elegie über 
reichten, worgeftellt wurden, trug fie dem Pro: 
feifor Voß einen fehr freundlichen Gruß an feinen 
Dater, den ehrwuͤrdigen Dichter, auf, der nun ber 
unfre in Jena bleibe, Cie äußerte ſichtbares Wohl: 


— 49 | 


gefallen an der ſchoͤnen und geſchmackvollen Finrich: 
tung unfers Schloſſes und fagte mit unbefchreiblicher 
Anmuth die merfwärdigen Worte: Es gefalle ihr fehr 
wohl; wenn fie nur allen gefalle., Welch eine 
bimmtiche Demuth! Unſer würdige Erbprinz genießt 
fein Gluͤck, das fein reiner, zur wahren Humani— 
taͤt früh ſchon fo trefflich gebildeter Geiſt ganz zu 
fbägen weiß, mit dem Bewußtſeyn feines eigenen 
Werthes. Wir aber beten täglich für die geliebten 
Haͤupter! Unter allen zeichnet die Großfuͤrſtin ihre 
Schwaͤgerin, die Prinzeffin Karoline mit fihtbarem 
Mobigefallen aus. Aber dieſe verdient auch dieſe 
Auszeichnung. Eie iſt eine Perte unfers erhabenen 
Fuͤrſtenhauſes in hoher Jungfräulichkeit und beiel: 
dener Einfachheit. Der Prinz von Mirtenberg ift 
bier, imgleichen der Herzog won Oldenburg nebft 
feinen zwei Soͤhnen, und vielen anderen merfwärdi: 
gen Fremden, Wohl uns! Wir leben nicht mehr in 
den Tagen der Verheipung, fondern der Erfüllung! 


Sragmente, aus ber Screibtafel 
eines Keifenden 
von Liefland nah Italien. 
(Bortfehung.) 


Misa. Diefe durch blühenden Handel wohlha⸗— 


bende Stadt, gewährt das feltene Schauſpiel einer 
Verſchwiſterung des Kaufmannsgeiftes mit Kunftfinn, 
feiner Lebensart und dem Hange jur edelften Acht: 
thätigfeit. Man erlebt da ganz im Etillen Dinge, 
die, wenn fie in Deutfchland gefhähen, in funfjig 
Zeitungen und Journalen würden auspofaunt werden. 
Ich kann unmöglich der Begierde widerſtehen, dem 
Lefer ein Paar neuere Weifpiele mitzutheilen; die 
Namen bekannt zu machen habe ich Feine Erlaubniß, 
ich verſchließe ie in mein Herz. 


Einem. angefehenen, allgemein geachteten Bram: 
ten widerfuhr das Ungluͤck, daß die Öffentliche ihm 
anvertraute Kaffe um eine anfehnlihe Eumme (mo 
ich nicht irre achttaufend Rubel) beftohlen wurde, 
Des Morgens früh entdedte der Mann den Dieb: 
ſtahl, und ſchon zu Mittag wurde ihm bie ganze 
Eumme wieder ins Haus geſchickt, von Männern 
zufammen geſchoſſen, die feine Derdienfte und feinen 
Eharafter ſchaͤhten, fonft aber in feiner mweitern Der: 
bindung mit ihm flanden, Hoffentlich bedarf diefe 
prunflofe Erzählung für feinen meiner Lefer eines 
Gommentars. — Hier ift auch die zweite Anekdote, 
Ein Arzt, der fich befonders um die Öffentlichen Ars 
men: Anftalten fehr verdient gemacht, farb, von 
einer Krankheit angeſteckt, die er fi durch eifrige 


— 


Abwartung feines Berufs am Krankenbette der As 
men, jugejogen hatte, Sein Leichen » Brgängniß, 
durch eine treffliche, au gedrudte, Rede bes 
madern Dber : Paftor Sonntag verberrliht, war 
das rührendfte Echaufpiel, denn alle die zahlreichen 
Armen, denen er gebolfen, hatten fich auf dem 
Kirchhof verfammelt, empfingen feinen arg mit 
Schluchzen, und ihre Thränen floffen in feine Gruft; 
ihr Segen balite ihm nad. Er hinterließ eine junge 
ſchwangere Wittwe und wenig Vermögen, Ein an 
geiebener Kaufmann — es wird mir fauer ihn nicht 
ju nennen, — bat fi aus, Gevatter bei dem Kinde 
zu fliehen. Er machte feinem vor der Geburt ver 
waiſten Pathen ein Sefchenf von viertaufend Alberts⸗ 
thalern, und fügte eine Bedingung hinzu, die feinem 
Kopfe eben fo viel Ehre macht als feinem Seren, 
Das Kapital, fprach er, foll unangerührt Zinfen 
von Zinien tragen, bis der Knabe fo alt iſt, als 
fein Vater war da er flarb, (ich glaube etwas Über 
viersig Jahr) damit er im Vertrauen auf diefe 
Huͤlfe, nicht vernacläffige ſich Verdienfte zu erwer⸗ 
ben, die ihm auch ohne diefeibe fein Gluͤck zu grüns 
den vermögen. Dann aber, wenn fein Vater ſchon 
zu Staub geworden, genieße er in demfelben Alter 
die Früchte die feines Vaters Tugend fammelte, 
Stirbt er früher, fo füllt das Kapital an feine Ges 
ſchwiſter. — (Der leptere Fall trat leider ein.) — 
Der wadere Kaufmann beſchraͤnkte feine Wohlthaͤtig⸗ 
keit noch nicht hierauf. Er hörte, die Wittwe fey 
gefonnen ihre Equipage abjufchaffen, er mußte, fie 
war an dieſe Bequemlichkeit gewöhnt; fogleich ſetzte 
er ihr ein Jahrgehalt von fünfhundert Thalern aus, 
unter der Bedingung, nach wie vor Kutſche und 
Pferde zu halten. — 


Noch einmal, wie wärden die Deutſchen und 
Brittuchen Zeitungefchreiber ihre Druder : Preffen 
in Bewegung gefekt haben, mwenn fie folche Hand: 
lungen ju verkünden hätten, Ich freue mich des 
Vorzuges, der Erfte zu ſeyn, der fie, einfach wie es 
fi gebührt, (dern welche Feder könnte bier Schmuck 
leihen ?) feinen fhr hoben Edelmurh empfänglichen 
Landsleuten mittheilte. Wen, nachdem er dies ge 
lefen, fein Schickſal einmal nah Riga führt, der 
wird ſchon von ferne die Thuͤrme der Stadt nicht 
mit jener flumpfen Meugier erbliden, die den Meis 
fenden beim Anblid eines fremden Ortes zu ergreis 
fen pflege: Riga ift ihm nicht mehr fremd, er weiß, 
unter diefen Dächern haufen edle, wadere Menſchen, 
er fährt mit leichtem Herzen zum Thore hinein, 

Kogebue, 


(Die Fortſehung folgt.) 


— 420 — 


Riht-politifhe Zeitung. Nro. ga. 


Theaternachricht aus Berlin. 


m 19. November erfrente und, mad langer Seraefenheit - 
Maouf de Frequf wider, Dies Stuck, das eine fe Intereante 
Sabel und eime fo liebliche ruft bat, wurde dom Publikum 
mit hohem Jutereſſe erwartet und aufgenommen. Madame Un⸗ 
zyelmanı foielte den Sohn des Kerterinsifbers und biefe bewun⸗ 
bernswirdi5e Meifterim machte dieſe Nolte, im Rücklicht des 
Evield, a0 der erften des Stucke. Sie gab ben gurberiigen, 
proiigen Amaben mit einer fo großen umd tabei fo einnchmenden 
Wahrheit bis im ber Heinften Nuance, daf man ſich Gewalt 
anthum muhte wenn man fid erinnern mwonte, man fihe eine 
Sean, — und bafi die Erinnerung far wehe that, man febe 
nur ein Eviel. Much die fibrigen Hauptrofien, — Adete durch 
Madame Eciel , die Tochter des Kerkermeiſters dur Madame 
gmüter, Eraon de Erequi dur Due Willich, wurden fehr gus 
ausgeihrt. 

Am 20. gab man, nach udel kurzen Borisielen, ein neues 
tomiſch⸗ pantominiiches Ballet in 2 utten, von Hrn, Laucheru: 
Der Dpernidneider. Der erfte Alt spielt im der Woh⸗⸗ 
nung des Obernſchnciders, der eine vertußite Kram bat, Drei 
Pichhaber,, ein Ehrvalier, eim Opern Zaner und ein Urt, bes 
wühen fih um ihre Bunft, umd keiner ift unglüdtid, Der 
eiferflichtige Maun,entderfe immer newe Jutriguen, und wird ins 
mer wor neuen betrogen. Endlich, da er ansachen muf, ent 
fetteie fie ſich, mit dhren Diehbabern die Matauerade zu befus 
Ken. Er finder bei feiner Kücktehr das Haus leer, erfährt, 
weosin feine Sram gegangen iſt, und folgt ihr. Dieier etae At 
Hr dort komiider Einfalie und Abentteuer, die außerordentlich 
Belnftisren,' ob fie gleich noch micht mit volitommmer Praciſton 
ausgefuhrt wurden: daher icbeint er zu lang. e 


Der zweite Akt Öfnete dem Zuſchauern, nah ein Paar fur 
aen Scentu vor dem Balithauſe, den fehr practig und aeichmade 
you daerirten Vatlſaal, umd bier wurden viele tremiihe Tanze 
ausgeüber, Zuerſt erichienen mehrere Paare Jralieniider Mas⸗ 
fen, unter weichen voriiglih Die Hentchel als Eolombine und 
Kr. Sealen als Harletin ıntereitirten ; — dann entdett der Schnei⸗. 
der jeime Frau am Arm der &hevalier: großer Zwin, der ſelbſt die 


ade berkeisteht; der Chebalier entiernt fich, dann Berfohnung, | 


das — allyemeiner Tani. Zur erichien «ine alte Frau umd 
forderte einm Eatafomier, Hrn. Ecalefi, zum Tamı auf. Er 
weigerte ſichz Ne warf die Maske ab und die reizende Geſtalt 
der Dile Echulz hand — Benus aus einer Wolfe, — glamend ae 
puit, als Garaloneie da. Jegt erfolgte ein kühner, fentiger, 
tipviger Tam mit Caſtagnertten, der einige Aehalichteit mit 
den Fandanyo hatte. — Die Engel, als Pohle, Madame 
ertiebe als Poblin, führten, in fchr reicher geſchmackve Aer Mar 
tionaleracht einen jekonen Das de deur aus und ſchloſſen mit ei⸗ 
nem Maſuteck. — Zwei Meyer begannen einen milden Brotedte s 
Tanz; — doc eim wohltungendes Gtodenipiel machte Re animerks 
fan, und plöglich gautelte veisend nauthreillig, gleich einer Gottin 
der Fremde, Die Heutſchel mit dem @todenpiel in der Hand 
herein, und tampte mit ibmen ein Pas de Teoig der mit reizen⸗ 
din Artitiden und endilch damit saloh, dab ber eine Meyer 
Dlig Hentychel auf der einen Hand Achend hinausjutragen 
ſchien. — ent trat Hr. Lauchery, als Engliiher Miatrore, 
auf, und zeigt ins Horn « Pipe Tame bewundernsionrdige Kraft 
und Gewandtheit. Der Beifall war allgemein und fan au 
laut: aber das tregliche Halter werbient ion im ausgebehnteftem 


Maahe. 
Aus Riga 


Unner Theater it neutich wirtiich einmal durch imei weibliche 
Eutiekte, beides Gangerinnen, vermabrt worden, Madam Adern 
mann, ehemalige Lippert, im Auslaude bereits rübnılidh betammt, 
Bebutirte brev als Adaſia im Arur, mir entibiedenem Beifall. Ihre 
Geſtalt ader tomnie, beſouders im dieſer Role, dem Tadel nicht 


entgehen. Vor ihr trat Mad. Lehnbotd aufs Komflanie in ber 
Entithrung aus dem Geratl auf, te befriebigte bie Erwartun⸗ 
gem des Prblitumd weniger. Am Kronungsiele des Monarden 
wide ein Boripiel wom Ecamfbıeler Lange, „die Derren ” beriteit, 
an; die Gühme gebracht. Mom diefem Produft feines Mitichaus 
ſpitlers, behauptet Here Kafka im feinem Archiv: „der Inhalt 
beirelben drehe ſich größtentheild um ein Thema, das cher fur ein 
eettiſches ats Deutiches PubHkum berechnet iu fenm ſcheine.“ — 
— — — Herr Bange bar fi auch fihom durch cin Wann 
andere, bereits im Grm. erwähnte, titint Theateritüche nicht une 
vorrheilbaft bekannt gemacht. — Ihro KAalierl. Hoheit die Mrais 
fürtin Marta, wrhnten nebft Ihrem Giemabl, dem Erbprimen vom 
Beimar, einer Torkeilung im Theater bei umd beſchentten gleich 
nad Beendigung berielben, den Direlteur Meyrer mit einem Belle 
Tante Ringe, Te Ko hielt vor Anfang des Gtücds eine kurze 
Mede in Verſen, — Die fich von den gewohnlichen Theaterreden fchr 
im ihrem Borthell ausieihnere.. Der herr Gollegien +» Kiedor 
Ecdardt wird als Veriaſſer derſetben genannt. — 6. 


Aus Franzbſiſchen Blaͤttern. 


Di neuefle Nummer der trefflichen Archives literaires gießs 
ass Metaftafios nachgelaſſenen Werten Deren analifirende Beurthet⸗ 
dung des Neichulus und-Ermhotiet, Die Tragödien des erſtern bejon ⸗ 
Ders gewinnen eine etwas tomiſche GSeſtalt durch die Auftablung 
äbrer Gcenen, die aber dabır kommt, daß Metatafio die neuerm 
Repein des Zrauerjpiris auf fie anmwender, eb fie aleich mir der 
Pinfang dazu waren, auf der Bühne eine Begebenbeit zu vergegens 
wärtigen. Ihr Hauptitveck in immer noch, Igriicher Ausdruck des 
BGerübls der Im jene Benebenheit werwidelten Perionen, umb ber 
Werrachtungen, weiche fie verantaſſen konnte. Merafhifio läßt 
dibrigens den hoben Schönheiten der großen Griechiſchen Tragiter 
Serecht ateit widerſahren, und will durch das Außahlen ihres 
Mängel nur beweiſen, dag man jene nicht durchaus als Muſter 
aufftellen, fie nicht dazu maisbrauchen mußt, neue Dichter beratiufegen. 


— inter den jungen Malern, bie im ber Pariſer Kung ⸗ 
ausftelung Ruhm erwarben, zeichnet ſich vorzuguch ein Here 
NRichard durch die glückliche Wahl feiner Eijets aus. Das eine 
feiner Gemälde Meilte Franz den Erſten dar, der eben mit einem 
Demant in eine Genfendeibe zeſchrieben batı 

e Ssouvent demine varıez 
Bien sot quı s’y fie] 
and die Veröchen feiner Schweſter der berlikmten Margarelba vom 
Kalots zeigt, die 1: mait ſchalthaftem Lacheln licſt, und aicht zu 
widerſorechen ſcheint. 


Das jweite Gemalde ſtellt Kart VII. vor, der eben in Be— 
griñ ia, dem Kufforderungen feiner beidenmürbiaen Gelichten 
Waned Eorel, ji folgen und fib am die Eyıge feines Heeres zu 
Relten. Mit feinem Degen ichreibe er feine befammten Abſchiede- 
Werfe auf den Fuhbenen: 

Gente Agnes, qui tunt Join m’evance, 
Dans le mien <ter demorera 
Plus que l’Anglois en nosire France, 


Das dritte jelgt Orefierd Imtereanten Boſewicht Vertvert 

im feinem Kajig, und Das ſchont, Interne Nönnden Roſalit, bie 
Au ıetour des instines 
Lu poite des pralınes, 


Ein Gemälde von Serangeli ſteltt, wie eined von Friſch auf der 
Berliner Anskeltung, die Nücichr wurpdieend im die Oberweit dar. 
Es ih bei weitem weniger gel gedacht, aberladen, amd fehlerhaft 
ausgefiihrt, aber darin bat Serangeli mehr Geſchmack gezeigt, 
dat er Die Lichenden mirbe von den Furien, ſondern vom den 
Dırcen beobachten laut. Auch Das ik jehr alınklid, daß er Eure 
Dice nicht in irducher Nacktheit darſtelt, Ihre Rucktehr ins Leben 
micht bloß durch Fortſchreiten anknudigt: er läßt ihre Geſtalt 
aus einer Wolfe hervorgehn, ſich gleikrum aus derſelben wieder 
zu einem Körper verdichten. N, 





1804. 


Nro. 256. 





Der Freimüthige 


Montag, 


era f 


und 


den 26, November. 


Scherz. 





Entſtehungsgeſchichte des Theaters 
in Rußland. 


Ber ein Volk an theatraliſchen Vorſtellungen 
ſich ergögen fann, muß es ſchen eine hohe rufe 
geiftiger Ausbildung erreicht, feinen urfpränglich krie⸗ 
gerifchen Genius durch friedliche Künfte gemildert, 
und durch den Relchthum feines vaterlaͤndiſchen Wo: 
dens in diejenige Fülle des Ucherfluffes ſich verfrgt 
geſehen haben, die dem angeternen Hange des Men— 
ſchen zur Ruhe und zum müßigen Genuſſe den er 
wuͤnſchten Vorſchub gewährt. Die Geſchichte lehrt 
ung, daß dies die Entſtehung des Griechiſchen Echaus 
fpiels war, Mie würde Heilenien uns feine Muſter 
haben vorlegen koͤnnen, hätte nicht deffen mildes Ki: 
ma und die üppige Vegetation feiner Fluren dem 
Geiſte feiner Bewohner jenen hehen Schwung ver: 
liehen, der die Dichtkunſt, und mit ihr das Gewebe 
von Sagen und Mythen hervorzauberte, welches wir 
noch jetzt als den Erguß der boͤchſten Poefie anzu: 
ftaunen berechtigt find. Ihre Götter waren urſpruͤng⸗ 
lich aus Helden entſtanden; um die Dualltät des 
Menſchengeſchlechts auch in die höheren Negionen zu 
verpflangen, und den rauhen Heroengeift ihrer mytho⸗ 
logiſchen Dichtungen durch fanftere Tinten zu ver: 
wiſchen, ſchufen fie ihre Göttinnen, Dem freude 
fpendenden Baechus fangen die Zöhne bes Genuſſes 
die e<fien fröhlichen Lieder; tanzend jauchzte die Ju⸗ 
gend bei den Feſten, die der Segen bes Landes ges 
bar, Wer als Fremdling bei diefem Jubel voräber: 


fam, wurde dazu geladen; die Freude Äffnete das 
Herz des glüdlichen Landmanns, und er theilte gerne 
dem von dem Reichthum feiner Fluren mit, der we: 
der Trauben zu lefen, noch Früchte zu erndten hatte. 
Was Wunder, dab fi der Arme bei ſolchen Gele 
genheiten berzudrängte, und die Hand des Gebers 
auf Fräftige Meife zu djfnen bemüht war! Morh 
und Verürfniß lehrten ihn, die Gegnungen des die 
tbyrambifchen Gottes dem munteren Kreiſe der Win: 
zer auf mannigfaltige Weiſe an das Herz zu legen, 
und je neuer und reigender bie Anficht war, die er 
dem laufenden Haufen bdarzubieten wußte, deſto 
fihrer konnte er auf eine reihlihe Spende aus mild: 
tbätiger Quelle hoffen, Thefris wird uns vom 
Auterthum als der Mann genannt, der zur Zeit der 
Weinleſe auf einem Karren von Derf zu Dorfe zog, 
und, das Geſicht mit Weinhefe beſtrichen, durch das 
Rezitiren der von ihm verfaßten Lobgeſaͤnge auf die 
Götter und Hereen feines Voifs ſowohl, als durch 
die feurriten Ausbruͤche feiner Laune, der Öffentlichen 
Freude zu feinem Vortheil zu opfern verſtand. Auch 
die Staͤdter zollten ihm ihren merfrhätigen Beifall, 
als er die Szene feiner Karrendeflamationen In ihre 
Mauern verlegte. Bald trat Aeſchylus veredelnd 
in feine Fußſtopfen, und die Einführung mehrerer 
handelnden und redenden Perfonen in feinen Dich: 
tungen gab die Veranlaffung zum Bau bes erjien 
dffentlihen Theaters in Athen. 

Mehr oder weniger giebt ung die Geſchichte eines 
jeden felbiiftändigen Volles aͤhnliche Züge in dem . 


— 112 — 


Gange feiner poetiſchen Entwickelung zu erkennen. 
Lobgeſaͤnge ſeiner Heroen waren uͤberall die Erſtlinge 
der Dichtkunſt; Saͤnger der Heldengedichte uͤberall 
die erſten theatraliſchen Perſenen. Auch unter den 
Ruffen exiſtirten lange zuvor, ehe das Chriſtenthum, 
und mit ihm die Kenntniß der Griechen und Nömer 
zu ihnen fam, ähnliche Dichtungen und ähnliche 
Sänger. Der friegerifche Geift und bie: angeffammte 
Fröblichkeit des Ruſſiſchen Volks reichte {han ohne 
hiſtoriſche Zeugniffe zur Begründung der Angabe 
bin, daß Heldengedichte und Eiegeslieder im frühen 
Zeiten dort chen fo wenig vermißt wurden, als im 
fpäteren Zeiten Hiftrionen und Epafmader im 
Lande herumzogen, und tem Volke ihre Schnurren und 


wißigen Einfälle zum Beſten gaben, Die Yovicliräe 


des Ruſſiſchen Mationalkarakters ſicherte dieſen The— 
ſpiden überall die guͤnſtigſte Aufnahme, und das em⸗ 
pfängliche Volk ergeß ſich bei ihrem Debüt in den 
raufchendflen Ausbruch des Jubels. Eflaven ſah 
man dann niht; freudetrunfene Kinder der Freiheit 
ſchlenen das Gluͤck ihres Dafeyns in vollen Zügen 
zu ſchluͤrfen. Mit ganzer Eerle hieng der gemeine 
Mann an diefen Poſſenſpielen, (Igrischtsche, oder 
in der Mehrzahl Igrischtschi genannt,) die haupt 
ſaͤchlich in der Zeit von Weihnachten bis zum Feſt 
der heiligen drei Könige, und in der Butterwoche, 
zur Verkürzung der langen Abende von denen gege— 
ben wurden, die der Drang. poetifchen Feuers ergriff. 
Geläufigkeit der Zunge, Lebhaftigkeit der Geſtikula— 
tion, Weitſchweifigkeit im Vortrag, Unfinn in der 
Fiction, fhienen die Haupterfordernijfe des Handelns 
den zu feyn, und Fonnte er feinen Teig in Ob⸗ 
feönitäten und Nufticitäten figuriren laffen, fo ent 
fand ihm nie der Beifall des offenmundigen Bäbels, 
An. einen befiimmten Schauplatz war hierbei nicht 
ju denfen; die Helikoniſche Quelle fprudelte bald dort, 
bald da, und kündigte fi für wenige Kopejfen de 
nen, die aus ihr zu fehöpfen Luft hatten, durch eine 
zum Dache heraushängende papierne Leuchte, und die 
Karmonie zweier Waldhörner an. Noch jetzt haben. 
diefe Farcen ihr Bürgerrecht nicht ganz verloren. 


Eigentlihe theatraliſche Vorftellungen waren aber 
in Rußland bis zu Peters des Großen Zeiten 
faſt eben fo unbefannt, als in Deutihland, Was 
man dahin rechnen konnte, befchränfte ſich blos auf 
die rebnerifchen Uebungen, welche die Vorſteher der 
Geminarien in der form von Dramen und Schau— 
fpielen durch ihre Aöglinge anftellen liefen. &o wie 
nämlich die Jeſuiten, Piariſten und andere mit der 
Erziehung der Jugend fich befchäftigenden Keligiofen 
in Deutſchland, In den ihnen untergebenen Erziehungse 


anflalten von ifren Echülern, gemeiniglich am Ende 
eines Lehrfurfes oder zu Ausgang des Jahre, ein 
Schauſpiel aufführen Heßen, deſſen Gegenftand aus 
der heiligen Sefichte genommen war, fo geſchah 
dies auch von dem Vorflehern der Ruſſiſchen Kloſter— 
ſchulen in den beiden vorigen Jahrhunderten. Der 
Form nach die gottiofen heidniſchen Kombdianten, 
einen Euripides, Gophofles, Plautus und 
Terentiws zum Muſter zu nehmen, das fehien ib: 
nen wohl erlaubt zu fen; aber die liebe jugend 
durch Edilderung der Zeiten und @itten mit der 
Kuffifen Wels befannt ju machen, daju war ihrer 
Meinung nach das Schauſpiel nicht beftimmt. Froͤm⸗ 
melei und blinder Glaube fahen zu tief eingereurzelt, 
als daß etwas zum Gegenfiande einer DVorftellung 
hätte gewählt werden dürfen, was mit der bibliſchen 
Geſchichte nicht in Verbindung fiand, 

( Die Fottſehung folgt.) Reich. 


Aus Verona, den ıoten Okt. 1804. 


— — — WMein Gemürh mar ganz zur Klage 
geſtimmt; denn ich war fo eben von Venedig zurüd: 
gekehrt, und hatte das Ende dieſes einjt fo bluͤhenden 
Freiſtaats gefehn, eines Staats, der ehemals bis über 
Konſtantinepel fein Zepter hinaus firedte. Hätten 
bie Eitten der Venetianer auf jo feſten Grüßen ge 
ruhet, als ihre Häufer im Meere, dieſer Staat, ber, 
teie ein anderer Dieptun, ſich die Adriatiſche See 
vermählte, fände noch. — Ein Freiſtaat braucht Tu: 
gend, eine Monarchie Eoldaten und Geld. — Tre 
ihres Falles aber- Ift diefe wundervolle Stadt ein ge: 
maltig imponirendes Denkmal menſchlicher Kraft. 
Don Fufina aus fuhren wir auf der Barfe hinaus 
in das Adriatiſche Meer. Eobald man die Mün: 
dung diefes Fluſſes erreicht: fo erblickt man die ge: 
waltige Stadt, der man es anfieht, daß fie eine 
mächtige Herrfcherin des Meeres war. Wahrlid ein 
großer Anblid, vor dem alles verfehrwindet, was man 
fonft Herrliches und Großes gefehen hat. ine 
Etunde behält man diefen Anblid im Gefichte, und 
endiih naht man ſich Venedig, das mitten unter 
feinen umgebenden Infeln, die mit den herrlichſten 
Tempeln prangen, wie eine Königin thront. Nun 
ſchwebt man auf ſchwarzen Sondeln durch die Waſſer⸗ 
firaßen biefer einzigen Stadt; Überall ſplegeln fich 
prunfende Paltäfte in der Flut, die fi an ihre Ter: 
rajfen ſchmiegt. Im Innern zeugt alles von dem 
Reichthum, der aus den eroberten Königreichen bier 
zuſammengehaͤuft wurde. Der Marfuspiak gewährt 
ten erhabenften Anblid, Man betritt dieſen Plaß, 
unter welchen das Beer feine ſtille Wirthſchaft 
treibt, und fühle ſich wie erdrüdt von aller der Größe, 


— 423 — 


Erhabenheit und Herrlichkeit, die hier den Wanderer 
von allen Seiten umgiebt, Der ganze Plap ift mit 
großen Quadern fo eben gepflafters, daß man darauf 
wie in einem getäfelten Zimmer wandelt, ern auf 
der Terraffe, die das Meer beſpuͤhlt, Reben die zwei 
Saͤulen, die die Venetianer aus Aegypten entführten, 
Auf der einen ficht der Loͤwe, der drei Königreiche 
verihlang, aber — nicht verdaute; auf der andern Der 
heilige Theodor, ‚der Schutherr der Stadt, dar fie 
niche zu ſchlitztu verſtand. Hinter dieſen Eulen 
fpiegele ſich nun das ufernlofe Meer. Man ficht 
auf dem Marlusplabe vor dem Wieere, wie auf eis 
ner erhabenen Stuſe jur Unendlichkeit. Menſchen 
won allen Nationen bewegen fi in einer draͤngenden 
Geſchaͤftigkeit unaufhörlich durcheinander. Man glault 
fig mitten in einem großen Völkerfefte ju befins 
den, auf einem prächtig: feierlichen Saale, der den 
Himmel zur Dede bat, Aber welch ein Kontraft! 
Mitten in: diefer imponirenten Pracht, heult den 
Wanderer ein tauſendfach geſtaltetes Elend an. So 
viel ſchrecklich verkrüppeite Menſchen hat ſchwerlich 
eine andere Stadt der Welt noch aufzuweiſen. Ges 
gen — horribile dietu — vierzigraufend Bettler 
follen in diefer reichen Stadt leben! Sie ſchleppen 
ſich, laſſen fich tragen und friechen auf allen Pläßen 
und in allen Kirchen umher, Waͤhrend des Gctteg: 
dienſtes quälen fie die andaͤchtigen Chriſten aus der 
Andagı heraus, und flehen unabiafig um «in Al 
moſen. Ehemals pachteten die Bettler das Recht, 
an diefer oder jener Stelle berteln zu dürfen. Jetzt 
ift unter Bettlern Freiheit und Gleichheit; und fie 
bettein ohne Abgabe, — Die größten Palläfte ſtehn 
jeßt leer, Auch ſieht man ſehr bedeutende Epuren 
der Franzoͤſiſchen Invaſion. Der Uebermuth vers 
ſchonte die berrlichften Kunſtwerke nicht, Der Pak 
laft des Dogen zeigt eine Menge großer trefflicher 
Gemaͤlde, Etatuen und eine unendliche Marmorver: 
ſchwendung. Belonders reich ift er an herrlichen bi: 
ftorifchen Gemälden aus der Altern Denetianifchen 
Geſchichte. Das Ganze hat einen Charakter von 
Kraft und deutet auf Herrfhergewalt, Die Ausficht 
von dem Balkon dieſes Pallaſtes macht das Auge 
trunfen, und das Semüth erliegt faft unter den ſich 
ihm zudrängenden großen Geſtalten. Alles druckt 
eine Hoheit, einen Stolz aus, der eine Cwigkeit ers 
trogen zu wollen ſcheint. Aber doch die Krone die 
fer Hoheit fünf in Staub. Dahin ift die hohe 
Fompa ducalis, Der Doge, weicher der Adriatiſchen 
Eee jeinen King binwarf, ift nicht mehr, und die 
Ser ift — Wittwe, *) 
Tiedge. 


Doc hat fie der Freier gar viel. 





",anm. des Red. 


Das Jahr 1950. Eine Prophezeifung. 


Wenn das fo fortgeht, daß bie Zahl der Erfinduns 
gen und Entdecungen der Jeurnale, Leſe- und mils 
fenfchaftlichen Bücher ſich immer vermehrt: gätiger 
Himmel! was werden unfre fpäten Machkommen zu 


. lernen haben — Werden fie mohl zum Selbſtdenken 


kommen fönnen, vor lauter Motizen von. dem, mas 
andere gedacht haben? Werden fie fe zum Selbſt. 
handein gelangen, vor lauter Geſchichte und Ethik? 
Ran wird dann den Kindern im Mutterleibe fon 
Encyklexaͤdien vortragen muͤſſen. Ganze Bibliorhe: 
fen werden nicht won wäthenden Sarajenen, fondern 
ven weiien Obrigkeiten verbrannt werden, aus bloßer 
Anzſt vor Ueberiatung. Die befasinten Gemächer, 
in welchen Kaifer Augufius un D. & **r Hand: 
bielietheten hatten, werden alles Ernſtes, um die Zef: 
fienszeit zur Bildung zu bennfen, zum alltäglichen 
Gebrauche mit Buͤchern austapejiert werden. — 
An den Straßenecken wird in eignen Buden ge 
en ein Geringes eine flehende Lektüre zu haben 
on, um bie Zeit nuͤtziich auszufüllen, die man 
dort etwa in Ermartuny eines Aurbsffommenden 
zubringt. Die Witeehbibliothefen werden zu tif 
tungen des Staates geworden ſeyn, und die Leit: 
räthe und Juges de lecture werden nd nicht 
ſchlecht ſtehn. Die Nachtwaͤchter werden deflamiren 
und fingen gelernt haben, und nicht etwa bloß ein: 
eim geijtreiche weltliche Derfe, fondern die Oden 

riechenlands und ganze Chöre aus den neueflen 
Trauerfpielen mit Selhmad vortragen. Die Domen 
roerden gelehrter ſeyn, als dee ein afademifcher Pro⸗ 
feſſor feon jellte, und die Chapeaur werden früh auf 
feon müyfen, um Serica und Handbächer zu fludieren, 
* fie ihrer Gebleterin den Hof machen. Kleine 

äbchenpuppen, die noch feinen &trumpf ftriden 
können, werden nicht nur mit la Rocheſcher Vuͤtter⸗ 
lichkeit von Weibern wie fie ſeyn follten, fprechen, 
—— auch mit beklatſchter Beredſamkeit von Wei: 
ern, wie fie ſeyn möchten, (ein Thema, das, zur 
Ehre der Damen unfrer Zeiten, noch feine Behand: 
lung verdient). Kleine Jungen, von den Xeltern in 
den Winkel geflellt, werden diefen aus dem reinen 
Begriffe des Rechtes deduziren, dab eltern Eein 
Recht dazu haben, weil des Knaben Ich fi ſchon 
felbft ftellen und feßen, und fo das reine NBinfeljiek 
len an fidy, hervorbringen fann. Auf Univerfitäten 
wird nicht * über Kompendien, fondern über Kom⸗ 
pendien der Kompendien gelefen werden; und auf 
Schulen werden die Anmwelfungen, jede Wiſſenſchaſt 
in 24 Stunden trichtermäßig beijubringen, norımnali- 
ter im Schwange geben, tBeils weil alle andern 24 
Etunden mit gang verfchiedenen Fächern befebt fen 
werden, theils weil in dieſem Jahrhundert bes 
Schulllebens junge Leute werden eilen müffen, zu 
Brod zu fommen, ebe der Bart foınmt, Die Ge 
lehrfamfrit wird (mie, zufolge einer vor etlien Jah: 
ven gemachten Bemerkung eines NMaturforfhers, die 
Stroͤme) immer feichter werden, und ein Yiterator, 
wie Hotrarh Meuſel, wird ein eben foldıes Runder 
Er: wie jeßt ein Einefe, der feine Eproche voll 
ſtaͤndig Iefen und fchreiben kann. — Zur Tugend 


—44 — 


vollends werden die Menſchen wenig Zeit mehr übrig 
aben, und zur Religion gar £eine, wozu ihnen, wenn 
ichtenberg Recht hatte, noch Überdies die Begriffe 
fehlen werden, weil man viel zu fubtil geworden ijt, 
— Es wird vor lauter Leſen fein Denfen, vor laus 


ter Miffen feine Kenntinißß, vor lauter Ueberſicht 
keine Einficht, vor luuter Motiven fein Wollen, vor 
—— keine Seelengeſundheit mehr ges 
en. — ela! 


— a4 — 


——ñ“e — —'—— — ——— — 


Nicht-politiſche Zeitung Nro. 93. 


ud Paris. 


Du glänzende Wick, das Pärrd Camilla macht, bat verau ⸗ 
Loft, dafi auch Daiegrac'd Eompefition dileſer Dover wieder eins 
ſtudirt wird: ber erſte Weriſtreit eines Deutſchen mit einem 
Gramofichen Küunfiter auf den Pariier Bühnen ſelbü. 


— um die Einfuhrung der Velociferes zu beichleuninen, 
ciu veldciieriven, fast ein Pariſer Blatt,) werben Aetien ausge 
boten, von denen jede 1009 Frauten koftet, uud dem Gryertütis 
mer ſtatt der Proc. das Recht gitbt, dabrlidı ſo viel Waäaren 
ohne Porto⸗Koſten kommen zu Jagen, als er ſouſt der Poñ mit 
300 Sranten berahlen mußte, Nach ichn Jahren wird bie 
Summe jurudgsablt. 


— Im Publiciste ficht ein Brief, angeblich von einem 
Deutiben Baron geſchrieben, und aus einer Deutichen Zaltibrife 
Kbersogt), im meiden verſichert wird: „man wene in Parks vom 
Kant nichte weiter, als feinen Namen, und daf fein Enften 
mirchterlich duntel fen; auch werde man cher dahin kommen, 
den Eadıriiben Vauern, als den Pariser ſchenen Greifen Ber 
ſchmack jr daſette betzubringen.“ Das wird mit einem Tone 
geiaat, als wenu der arohe Purlofepb dadurch herabgetzt werde, 
und doch if es mur eine Sathre auf Paris. Kur folte Leute, 
als man Dort gewohnlich ſchöne Gritter nennt, find Kants Wahre 
beiten jreiiich muchbe berechnet, ſondern auf denkende Kopie. 
Daß die Sad dien Bauern dieſen Titel cher verdienen ſollten, 
als die Yariie Schongeiſter, med ih mitt behaupten: aber 
wie gefragt, es Recht in einer Pariſer Zeitung. 


— Ein Advotat Namens Dolin, bar ein Bericht im drei 
Seangen: „Dis Welrgerice” herireit, berausgegelen,. Es har 
nicht die genialiſichen Fehler, das Ecreckliche, das Ungeheure, 
woduarch Hr, von Sonnenberge Welltude“ — feinen Kunde 
genuff gewalfrt, aber es if bon Gadrerlichkeiten. Ein drittes 
mechte kei ver Trbamdiung dies Thema's jan unmegiich fen. 


Vaſet, — Oft. 1804. 

ie oͤſſentliche Mitlinthek der tiuiverkisat bat, durch das Ab⸗ 
ſterben cines Promefors, eine woatiandige Ichıraihe Sammlung 
alter Perireiatten des Kumtond Barıı erbalten. Sie beish faon 
früßer die Sammlung von Verdeinerungen, welche in Brugdgers 
Dentiwnrdtzteiten dir Land chaft Varel, abactildet und beibricten 
find. Holbeins Gemalde umd die Urwelt umierd Kantons, find 
alfo immer wori reichhatiige Gesenkande, die din Meiieriden 
einige Augenblicke anehen ten:en, wenn namlich Wediriger 
ſchafte nicht femme eimsigen Deibarte auf Dieier Erde find, 

Durb das Nlisrben des Buchdrucker und Vuchhändler 
2. % Thurneiſen haben wir eines unternehmenden, talentrolten 
Koof verlorin. Er erinnerte noch am dene Zeit, wo Die Vuch 
druckertunſt bie beſonders Kälte umd Die fahlaſten Kopie be 
ſchaftigte. Thurneiſen Ireferte ned Ahekiwiar in 23 Bänden, 
mit Kupfern, die aber nicht alle gleich gut aueidnet und ars 
chen find, Er bare ungerahr zwerhundert Trade der been 
Engliſchen Schriftſteller, ſehr correct und 4 ſehr billigen Pras 
fun geliefert. 

ESchoell bat dem däentlihen Turthandel Gier entſagt, oder 
vielmehr hat er aufschner, Iner eine Niederlage zu haben, Was 
man wohl daraus ſchlicüen fanın, da er einzig Franzbſeſche Vie 
cher bebirirte? 


Folgende nicht allein Für Baſel lehrreiche Tabelle wurde 
durch „ein Wort der Velchrung “ Lefannt gemacht: 
In der Stadt keſten jährlich 





a Die ſammtlichen Vfarrer und Delier . . fr. 16000 
b) sie Proicioren der Umiverfirät %) .  .  — 1070 
c) Die Practotoren und Schulmeiſter » — 11409 
d) Die DOrganiften, Eiegeiften und andere zum 

Dienſt der Kirche Angerelie . „6500 


Schmweiperfranten 44600 
Auf der Sandfchaft: 
a) Die fämmtlichen Viarrır . . » 
b) Die Scamehrer . R . “ » 
©) Die Sie zriden und andere zum Dienft der 
Kirce Muacheln . . D . m 7 


Sr. 42050 


Summa Sr. 86650 
Die Landſchaft zählt bie dopvelte Menge Sehen, die in ber 
Stadt beimdiich find, atſo umgrahr 30.000, — 

Die Murter Mater troſtete uns m dieſem Jahre für ale 
ñtberigen Leiden, " Eie fpindere Trauben, dau es Wein die Güde 
gab. Es waren der Fruchte mehr als des Laubes. Man zahlte 
am einem einzelnen Stocke hundert und swarsig Trauben, 


Nachrichten aus Breslau. 
Den zıfen Dos. 1904 

Fanaon — Nee liebliche Biume in Kotzebures biühem 
dem Dichterkramne, — hat ums die herplichile Freudt gewautt 
Ete iR amı Hren d. M. auch auf der hieſſgen Vuhne gegeten, 
and von Grob und Klein, Kennern mund Michtkermerg mir fol 
dom Beifan aufjenommen worden, als wer ihr deinem theatra⸗ 
lichen Kunſtwer? bier zu Thell ward. Die Harmonie, Die fie 
siıhmet, der Zartfinn, ber ſie belebt, die Einſackhelt, Die ihr We⸗ 
fen ausmacht, une Himmels Kompofition, viä Ugemein jur 
Vewunberung und Zicke bin. Das Haus war bei jeder Ron 
Geliung fo gedrängt voll, daß wiele wleder beimfchren und ſich 
den Benuß bis zur nachſten verſagen mußten. @ in mur 
Eine Stimme fire dies Einaeiel: — jubelnder Beifall. Man 
win font von nichts mehr wien! — Die Siebe Gandhom 
iR ihr großmüthig gewefen: fie bat pwoolefach beraht, was der 
gure, leider wertinnte — natüuriide Sohm im Reſt Mich, 
— Meidentheils ward fie gut dargeteltt. 

Dies Einsipiel uͤberbietet alen Operntand und wird ſtets 
ein fhönes Dentmal Deutſcher Fund bleſben! — — Michte 
es den Kon angeten, endlich allen Opernunſtun jur vertilzen!: — 

Vorige Woche wurde: Die Erben, Ludſolel von Mad. 
Welfeothurn, brav und mit Vera, umd nacctens wird 23 als 
lenneiuns Tod zum erſtenmal gegeben. Bewtiſe, das wnice 
Tbesteroirehion die Darſtellungen ber Mühne gm veredlen 
Brent, —⸗ 

Dieſer Theater⸗Rachricht alaube ich nicht uneigentlich noch 
einige audere aus dem Gebiete der Kunſt und vom Strebeu 
nad humaner Nutzbarkett im Breetau, aurelhen zu können, 

(Die Fortictzung folat. 
G Beipsig, den zıfkn Now. 1804. 
een trat Kerr Welnmann, Mitaiieb bes Verliner Mir 
tionaltbeaters, bier in der Note des Belmont, in ber Eutrlibe 
rung aus dem Gera, au. Sowohl fein Geſang als ſein 
Epiel erblelt »den verdienten Veifali. 5 

Heute wird herr Eieiimann im dem Meomiert, das 
wöchentlich im Hewanddane gegeben wird, eine Arie fingen — 
Gewiß wird er und eben fo Lerriedigen, als es in der asirigen 
over arte — — bit, 


*) 15 Vroieſſoren. 


Emm znGn EEE SEHE em 





Nro. 237. 


ARSTIDES. 
Der freimütbhise 


Dienftag, 


EeE rı f 


— ode 


und 


— — den 27 November. 


Sſcherz. 





Literatur. 


Parabeln von Friedr. Ad. Krummacher, Dr. und 
Prof. — Duisburg und Eſſen, bei Baͤdeker 
und Comp. 1805. 


n Rejenſionen ausführliche kritiſche Unterſuchum⸗ 
gen uͤber die Natur der Dichtungsarten aufzuſtellen, 
dazu iſt der Freim. nicht der Ort: ganz kurz alſo 
nur meine Anſicht der Parabel, damit man mein 
Lob oder meinen Tadel gan; verſtehe. 

"Die Parabel unterſcheidet ſich vorzuͤglich darin 
von ‘der Fabel, daß fie nicht, mie dieſe (ich meine 
die mahre, die. Hefopifche Fabel,) irgend eine finns 
lihe Beobachtung in der Matur, in eine Lege 
benheit verwandelt die eine moralifche Wahrheit vers 
ſinnlicht, *) — fondern fi moraliſche Ereig: 
niffe ſelbſt ſchafft, wie fic ihrer berarf,, um eine 
Wahrheit felgen zu laſſen. Das (SHeint ſehr 
leicht: denn es fordert nicht, wie die Fabel, ſcharfen 
Beobachtergeiſt, Witz und fehr hellen Berftand, ſon⸗ 
dern faft nur Phantafie, Erfindungegabe und mora: 
liſchen Sinn, — aber es geht hierin, wie in allen 
Diptungsarten, in welchen das Mittelmäßige leicht 
it: das Vortreffliche in denſelben iſt deſto 





* Herder fügt im fiin:r vorteeflihen Adrafteı drittes Stuck 


e. 89: die eigentliche Fabel fel ein herausgeriſenes Teatt aus 
dem Bude der Echdofung, Herder war. in feiner Bitderiorade 


nichts weuner als corrett. „Eine ſiutreich gedeutete Zeile“ 


wire richtiger gewelen, 


ſchwieriger und feltner. Auch einer Parabel 
muß firenge Natur: Wahrheit, d. h. nehmlich mora⸗ 
lifche, zum Grunde liegen; die Lehre zu der man durch 
fie führen will, muß feharffinnig gefolgert ſeyn und 
gleihwohl fo nethwendig und leicht aus ihr hervor⸗ 
gehn, daß der Dichter faft etwas Leberflüffiges zu 
thun feheint, indem er fie binzufeßt; noch mehr, da 
der Parabeln: Erzähler ein wirkliches Gedicht auf: 
ftellt (mas die Aefopifche Fabel eigentlich nicht ift, ) 
fo tt man auch zu der Borderung bereiptigt, daß die 
Ausführung Lünftierifch: ſchoͤn ſeh. 

Dieſe Forderungen wird der Hr. Verfaſſer ſi ſich 
wohl ſelbſt beſcheiden, nur in ſehr wenigen, ganz er: 
fuͤllt zu haben: aber. dieſe wenigen, z. B. S. 34 
das Krecodil, find vortrefſlich. Die übrigen Fleingn 


‚Dichtungen in diefer Sammlung, ſchweifen bald in 


das Gebiebt der Bilder, bald der Gleichniſſe hinuͤber, 
Das ift aber nur eine Küge des allgemeinen Titels: 
Parabel, nicht ein Tadel des Buches ſelbſt, denn 
auch die Gleichniſſe und Bilder find größtentheils, 
ſchoͤn, viele rührend gedacht und vorgetragen; — nur. 
fließen. die moralifchen Folgerungen die er aus -den: 
feiben ‚zieht, nicht ‚immer Kia genug, der Erzäplung, 
oder Schilderung an. ; 


Zur Probe feines einfachen _ aber Intereffanten 
Dortrages, will ich eine Erzählung herſetzen, die 
zugleich meine Ruͤge belegen mag. Die Fleinen Ab: 
änderungen darin, mögen dem Verfaſſer fagen, 
was ich fonft nch auf dem Herzen babe. 


— 416 — 


Der Hollunderfiab, 


Ein Jäger wandelte mit feinem Knaben über 
Feld und ein Bach war zwiſchen beiden, Da mollte 
der Knabe zu feinem Vater hinüber und vermochte 
es nice. Er ſchnitt fi einen Stock aus dem 
Gebuͤſche, und fepte ihn in das Baͤchlein und 
gab fich einen gewaltigen Schwung. Aber fiehe! 
der Stab war von einem Fliederbaum, und als 
der Knabe über dem Bache ſchwebte, da brach 
der Stab mitten entzwei, und der Knabe that einen 
tiefen Fall in das Waffer und die Wellen braufeten 
und ſchlugen über ihn zufammen. *) Diefes fah ein 
Hirt und lief hinzu, und erhob ein Geſchrei. Aber 
ber Knabe tauchte empor und ſchwamm lachend Ans 
Land, Da ſprach der Hirt zu dem Jäger: ihr fihei: 
net euren Sohn manches wohl’ gelehret zu haben, 
aber eins habt ihr vergeffen. Warum habt ihr ihn 
nicht auch gemöhnet, daß er vorher das Innere er: 
forfcht, ehe er dem Zutrauen fein Herz eröffnet? 
Haͤtte er das weiche Holz vorher geprüft, fo würde 
er dem zerbrechlichen Etabe nicht getraut haben. 
Freund, erwiederte der Jaͤger, ich habe fein Auge 
gefhärft und feine Kraft geübt, und fo fann ich ihn 
der Erfahrung überlaffen,. — Die Borficht die er 
son ihr lernt, wird nie, wie bie von Menſchen eins 
geprägte, in furchtjames Mistrauen oder Hinterlift 
aus arten. 

Der Verfaſſer ſetzt noch hinzu: „denn wer mit 
geuͤbter Kraft und hellem Auge. die gerade Bahn 
mandelt, der wandelt die richtige Bahn.“ — Aber 
wie gehört das dahin? — 


Entſtehungsgeſchichte des Thearerg 
in Rußland. 
(Bortfegung. .; 


Auoſtatt atfo durch Nachahmung der Alten den Geift 
der Jugend aufjuregen, Ein für das Schbne und 
Erhabene ju weden, den Geſchmack einigermaßen zu, 
läutern, und die Kultur der Sprache und des Volfts 
vorwärts zu ‘tliden, fehlen man gerade nur dhrauf 
bedacht zu feon, ben entgegengejekten Endjwed ber: 
worzubringen. In Rußland war dirs um fo mehr 
jm’verwundern, da die dortige Geifllichfeit wor der 


*) Batte der Merf. hier etwa fo geſchloſſen: „Siebe, fagte, 
der Vater, nachdem er ihn ans Land gerogen hatte; fieher 
Marh und Kraft obme Vorficht, ſützen pir in Giefabren, state 
Dienfie zu Teilen! ſo glaube ich, hatte er eine untadelbarre 
Yarabel gegeben: aber es gefiel ibm die Erzahlung fortzufpinnen, 





kloͤſterlichen Stillebens machte indeffen unter jener 
wie unter biefer, ihre Rechte geltend, und sur rell⸗— 
gibſe Gegenftände durften daher in den ob ngedach: 
ten Schauſpielen berührt werben. Um die “rt und 
Weiſe, wie folches gefchah, befümmerte man ſich 
im Ganzen wenig; es mochten daher die abge 
fhmadteften, lächerlichiten, ſchmuhigſten und niedrige 
ften Aufiritte mit unterlaufen: — das Vertrauen auf 
die Kraft des hierarchiichen Arms, und auf den 
Köhlerglauben der Schuͤler und der juſchauenden 
Laien war bei den Geiſtlichen fo groß, daß fie gat 
feinen Anftand nahmen, die heiligfien Gcheimniffe 
der Religion auf bie profanfte Weife handhaben zu 
laſſen. Die Kiofterfchulen und Eeminarien zu Mos— 


kau, Kiew, Nomgerod, Nifchegorod, Twer, Pſtow, 


Roſtow, Wolozda x. konnten unter einer beſſern 
Leitung bie erſten und. wohlthaͤtigſten Bildungs: An⸗ 
ſtalten fuͤr Rußland werden; aber die pfaͤffiſche Ten⸗ 
denz des Zeitalters ließ ſie nicht dazu gedeihen. 
Härte der Biſchef Dmitrii Noftomskn, anflate 
der verfificirten geiftlihen Schauſpiele von feiner 
eigenen Erfindung, die er in dem großen bifchöflichen 
Soale zu Koftew aufführen lief, weltliche Dramen 
gedichtet, fo würde jeine fo empfängliche Nation ge: 
wiß ſehr bald in der eigentlich poetifd; : dramatiſchen 
Kunft ſich auegezeichnet haben, ohne dazu des aͤuße— 
ren Anfloßes von fremden Nationen zu bedürfen. 
eine gelungenften Stuͤcke waren der Sünder, 
Eſther und Ahasverus, die Geburt Chriſti, 
und die Auferſtehung Chriſti, groößtentheils 
mit allegoriſchen Epiſoden durchwebt. Sie wurden 
noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts 
nicht allein von den Geminariften, fondern fogar 
noch ‚von der meiter unten genannten Wolkowſchen 
Echaufpieler: Geſellſchaft, auf dem Kaiſerlichen Hof 
theater mit Beifall gegeben. 

Die nähere Veranlaffung zur Verbreitung des 
Theatergeſchmacks in Rußland, gaben aber die unter 
Bar Alerei’s Regierung nah Mosfau gekommenen 
Ftanzoſen. Die, verfeinerte Sitten und der reinere 
Geſchmack Diefer Fremdlinge verfchaften ihnen eine’ 
günftige Aufnahme bei Hofe. Moliere’s Lufk 
fpiele wurden zum Theil ins Ruſſiſche uͤberſetzt, und 
nebft jenen geiftligden Schauſpielen nicht allein von 
den Studlerenden im Ikondſpaskojkloſter, fontern 
auch auf einem aus den jungen "Leuten am Hofe 
gebildeten Liebhaber: Theater, an deffen Spihe fich 
die Echmeiler Peter's I., die Prinzefin Sophia 
ſtellte, gegeben. Die der Thronbeſteigung dleſes 
großen Monarchen vorhergegangenen „Unruhen ſchie⸗ 
nen aber den Geſchmack an Schauſpielen wieder ver 
nichtet zu haben, und es blieben mur noch die jum 


——— — 


— 427 — 


gen Wundaͤrzte in Moskau uͤbrig, die den großen 
Saal des dafigen Hofpitals durch Spaniſche Wände 
zu einer Bühne umſchuſen, und darauf die lächer: 
lichften geiſtlichen und weltlichen &tüde in Nuffifcer 
Sprache zum Bellen gaben. Kaum hatte Peter 
feine neue Nefidenz an der Newa aus dem Nichts 
hervorgerufen, als ſich auch ſchon eine Deutfche 
Echaufpieler : Gefellichaft unter einem gewiſſen 
Mann daſelbſt einfand, und die erbärmliciten 
Deurfchen Stuͤcke dem reichlichtten Zulauf Pıeiß gab. 
Etählin erzählt, daß fie einft am 1. Aprıl den 
Aushängezertel Öffentlich anfchlagen, und dem Publi— 
tum melden mußte, daß an diefem Tage ein befonms 
ders merk: und ſehenswürdſges Stück 
aufgeführt werden würde. &s verfammelte ſich eine 
ve Deenge Zuſchauer; als aber die Vorſtellung 
anheben follte, mußten fi auf des Kaiſers Vefehl 
die Schaufpieler in der Stille nah Hauſe begeben, 
Unter voller Mufit wurde der Vorhang aufgezogen ; 
die Zuicbauer fahen ober nichts, als eine weiße illus 
minirte Wand, worauf mit großen Buchftaben ge 
fehrieben fand: Heut iſt der erſte April — 
Indeſſen ging Diele Gefellichaft auch bald mieder 
auseinander, und Petersburg fo wenig wie 
Moskau, erfreuten fich eines Theatere., Das Be: 
dürfniß deifeiben ward jedoch fo tief empfunden, daß 
die niederen Hof: und Stallbedienten zu einem Lieb: 

aber: Theater fich verbanden, und auf einem mit 

atten verfieideten Heuboden Thalien opferten. 
Deich. 
(Die Gortfehung folgt.) 


Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Keifenden 


von Liefland nach Ftaliem. 
(Bortfegung. ) 


Eine Luftfahrt Habe ich in Riga mit angefehen, 
Kobertfon war es der aufftieg, ch zmeifle Feis 
nen Augenblif, daß man die Direktion des Luft: 
ballone nächftens finden werde, ja ich bin gewiß, 
man würde fie fhon gefunden haben, menn nur, 
wie vermuthlich bei dem erflen Waſſerbeſchiffer ges 
ſchah, die große Lehrerin Not h Ihre Stimme erhe— 
ben haͤtte. &o lange die Lufireiſen bios angeſtellt 


werden, um neugierigen Gaffern ein Echaufpiel zu 
fo lange wird es mohl beim Auf: und Dies, 


eben, 
Eefabren, nah Willführ der Winde, fein Bewen—⸗ 
den haben; aber man laffe einmal irgend eine Art 
von Noth, befonders 2. erenotb und Liebes: 
norb, ein keckes nifches Genie ergreifen, und 
plörlich werden mir die Yufrballons fo zahlreich als 


= 


die Schwalben re fehen. Diefer Gedanke 


ift es, der mir jede uftfahrt doppelt intereffant 


macht. Ach denfe mir, wie bald vielleicht, ein lies, 
bender Süngling, ganz im Gtillen, obne_ diefe 
Dienge Dolks um fi zu verfammeln, aus feinem 


einfamen Hofe bei nächtlicher Weile auffteigen wird, 
um eine hunderte Meilen entfernte Geliebte mit gu— 


tem Winde zu befuchen; oder mie ein zärtlicher 
Haus vater, der in einer belagerten Stadt Weib und 
Kinder bungern fieht,- fi plößlich Fühn-in die Luft 
ſchwingt, Aber den Häuptern des Feindes höhnend 
dahin ſchwebt, auf Freundes Woden feine Gondel, 
Ratt des Ballaſtes, mit Brod befrachtet, und nach 
wenigen Etunden triumpbirend zurüdkehrte. Will 
ih laden, fo denke ich mir einen Sontrebandierer, 
mit berrlichen Spitzen beladen, der einem diden laus 
renden Zollvifitator, im eigentlichften Wortverſtande, 
Sand in die Augen freut; eder einen häbfchen mu: 
tbigen Faublas, ber mitten in den Garten eines 
tonnenklofters, zum großen Echreden der alten Do: 
mina, berabfinft. Ha! Mel’ ein neues unabfeh: 
bares Feld für die Komanjchreiber! wie werden dann 
die Nitter und Geiſter auseinander flieben, wenn 
die Yuftfabrer erfcheinen werden, 
Koberttons anfpruchlofe Kuͤhnheit gefällt mir, 
Er machte jeine Anjtalten mit eben fo vieler Ruhe 
als Giewandrbeit, ja er hatte dieſe Ruhe feibft feiner 
Gartin eingeflößt, die ohme fichebare Bewegung den 
Augenblick heran nahen fab, in welhem das une 
ermeßlihe Meer ohne Klippen fie von dem 
Gatten trennen follte. ein Eobn, ein bübfcher 
Knabe, lief fpielend unter den Zuſchauern herum, — 
est war der Ballon gefüllt; Rebertſon beftieg die 
Sondel, ließ fi, am &tride ſchwebend, einmal im 
Kreife berumiühren, und gab dann das Zeichen, 
ihn dem Winde Preis zu geben. Es geſchah, aber 
der Ballon fenfte fig wieder, und, um * u er⸗ 
leichtern, war Robertſon genoͤthigt, die —— der 
naͤchſten Zuſchauer mit Sand zu taufen. Jetzt 
hob er ſich zwar, doc nur wenig, der ziemlich 
frarfe Wind aab ihm fogleich eine ſchiefe Richtung, 
und er fchmebte, zu_unfer Aller Schrecken, grade 
auf ein Dach zu. Schon mar er im Bari an 
diefer Klippe zu ſcheitern, ſchon ftreifte fein Anker 
das Dach, als er noch au rechter Zeit, durch Auge 
werfen feines ganzen Ballaſtes, dem er fogar feinen 
Mantel nachſandte, fich der Gefahr entieg, nnd 
nun in der That majeftätiih dahin ſchwebte. Das 
Haͤndeklatſchen der jauchzenden Menge gab ihm das 
Helcite. Einige Meilen von Kiga, auf der Peters: 
burgiſchen &traße, flieg er glüdlih aus dem uns 
figern Slement auf den möütterlichen Boden herab, 
Was diefe Luftfahrt am merkwuͤrdigſten machte, 
war feines Mebenbuhlers, Garnerins Gegenwart. 
Diefer Feine Mann bat überall den Ruf der Hab: 
fucht binterlaffen, und vielleicht wiffen fogar die Voͤ— 
el, die er in der Luft befuchte, eim Lied davon zu 
ingen. Dan fah es ihm auch heute wohl an, daß 
er binter feiner fpöttifhen Parse den beimlid;en 
Wunſch barg, Kobertfons Unternehmen ſcheitern zu 
fehen. Hätte er Glauben gehabt wie ein Senfkorn, 


‘ und folglich Berge verfeßen koͤnnen, er würde nicht 


ermangelt baben, tem edleren Mebenbubler, ftatt je: 
nes Vaches, eine Alpe in den Meg au werfen, 
Mean fagt, er habe Kußland mit dem prechen 
verlaffen müjfen, nie wieder dahin zurüdjufehren; 
wenigſtens verficherte ein Peftmeifter, diefe ſchmeichel 
bafte Klaufel in feinem Paffe gelefen zu haben, 

Kotzebue. 

(Die Fortſehung folgt) 


Nichtpolitiſche Zeitund. Nro. 94. 


Aus Mannheim. 
Am 3. Noveniber, 

A. 20. v. M. vertheilte unfer theologiſch + mebisiniiher Pro⸗ 
feſſor May, die Preiſe unter feine Schülerſuncu ıc. im der 
Krantenwarter · Anſtalt, und war am Ende einer gar curioſen 
Ulnrede am Deutſche Hausnsätter. Zu dieſer Seierlichteit wurde 
ihm der größte Hörjaal der Lmiverfität sum Verdtußt eines 
großen Theis der Profeiforen, abermals gögnet. M. batte 
dem großen Mednertubl im dieiem Saal zu jenem Thron ertoße 
ven; neben ibm ſtanden — feine Trommeln, aber — Trompeten, 
Yauken und ein Ehor von andern Blafe: Inftrumenten, davon das 
Tegtere den Anfang der Feietlichteit mit einer Ouvertüre verfiinbigte ; 
erflere aber ſich beim Kuiruf des Namens einer jeden Preis: Cane 
didatin, umd mach dem Winken des Preis» Bertbeilers mit einem 
welßen Taſchentuch, jbmetternd Görem fliehen, Bor den Katheder 
fafen die ſammtliche Schülerinnen in einem halben Ziriel, ihm ges 
gemüber die Mngeichenen der Etabt; hinter diefen und am beiden 
Eriten des Gaald, das ſibrigt börs und La lufige Publl⸗ 
kun männlichen uns weiblichen ®eidylecbtd, und wiſchen dem 
Shükrinnen und dem Publikum fanden Tiſche, anf melden 
Die Ehrenmedainen, als erfte Brei, drei Ehrenbettſchiſfeln 
von Zinn umd einige große und Heine jinnerme Ebren Kim 
firiprigen, als zweite reife, umd einige Ehrenbucher, 4 B. 
Hufelands Matroblotit, als dritte Preife iur Schau hingelegt 
waren. Janen am Portal des Easid hand der Herr Kaplım 
Holdermann, Vuſenfreund des Redners, Verfifer im Dienft 
deſſeiben ganz allein, aber horchend auf den Evas, ber aus 
feines Jonathans Munde Aichen würde, und fi aufammenbier 
gend vor Baden, wenn diefer dem Imcroyables einen Trumpf 
dab. Wei inter Evafflostel lachte das Puhlinm mit, zum 
Thal, wie ich glambe, aus Mirleiden über den erif, zum 
Then aber auch, um dem Redurr damit ein Romptiment LI: 
Nerfalis gu machen. Wie woblriehend ibm bieier 
fein mußte, tonnte man am feinen dafür Dant ladelnden Ges 
fihtsjiigen bemerten, fo wie nam auch aud ſelblgen wahrnehr 
men kounte, wenn er der Entbindung von eindm redet ents 
feptihen Epaf nahe war. Denn in dieſem Rall wußte er 
danıit das Auditorium fo gut vorzubereiten, als wenn er wört 
koch geinat harte; Na aehrs Imiter abe, mu weill ich euch was 
rechts Tunis vormachen, mu kommes! — Eudiich ſchritt er 
zur Verrbeilung der Preife, Sein Bruder der Proſeſſor extra- 
orı. Cliemise überreichte jeder der fechs Preis; Kandidatinnen 
von Nr. 1. eime Ehrenmedailte, umd heitete ſolche der Empranges 
rin auch auf der Etele mir Stednadein an das Klad ın 
der Gegend des tieinen vor Freude abbelnden Herichens, und 
war mit einer jo ausuehmend zierlichen Geichicklichteit, daß 
fein alter Kammerdiener e⸗ hätte sierlicher thun könmen, Rei 
der Verteilung der Ehren» Klitieiorigen an bie Preis s Empfans 
gerinnen der imeiten Klaſſe, bediente er ſich Matt des eigentlichen 
Hramend won dem Wertzeug, des Ämverivafigen Muspruds: — 
Yauberflöte! So rief er 4. B. aus: Catharina Betzin befommit 
für ıhrem bisher bewieienen Sleifi, eine große (ober aub) nur 
eine Heine, Zauberflöte!t und hieraus Trompeten and Pau⸗ 
ten und dumpfes Gelächter! — Jch lege Ihnen das mertmwürdige 
üchelden bei, in weldem Hr. Pro. Dan von der Seierlichkeit 
ericht erftattet. Ueberiehen Sie ja nidıt die treiilichen Verie S. 26 
mit weicher der Birtuos feine Zauber» Inftrumente begleitete: 

Bomben, Mörfer und Kanonen ° 

würgen Menichen und verſchontu 

keines Bürgers Eigentum, 

Frag nice, Menſchenſteund! Warum? 

Beſſer find Kindirs Kanonen; 

denn fie helſen und verſchoncu 

kranter Menden Echmerjerhhl, 

jriiten oft des Pebensiiel. 

Ele find wahre Zauberfiöten 

dindern unires Leibes / Rothen. 

preifet, lobet, liebe Kinder. 

ehret den Kloſtir⸗ Erfinder, 


Siud des Kranken keiden groß, 
fordit bie Zinn ⸗ KQononen los. 

Was meinen Ele? IR es nicht ein wahre? Shmißen ber 
Giefigen Bildung, daß ſolche ſamutzige, alberne Coäfie bei 
Öfentiicen Feterlichteiten debitier werden bürien; von einem 
Öfentischen Lehrer? Kälte Ihnen nicht datei Das alte religiäfe 
Efeitie in Paris ein? — In deu Werfen, mit welchen die 
Medaillen begleiter wurden, werden Sie den Ausdrud finden: Zus 
gerborden. Zur Erflärung deſſelben muß ich Ihnen fagen, dal M. 
Sonntags Madmittus deu Schulerinnen Tugend predigt, 
aus biejen Tugends Predigten oder Norleiungen Mmer vopulare 
Moral aber mandımal auch vnhufiologifde Begriffe in die Könie 
der Yuhörerinnen fliehen, vor weichen Die Mütter möcht felten — 
erröthen und die Tanten — bedentlich die Kopie ſchütteln, weun 
die Töchter umd Niecen, ihnen von ihrer Aufimnerkſamkeit im 
dieſer Tugendſchule, Rechenſchaft ablegen. — Mit Iadignation 
verlieh der getildete Theil ber Zuhörer und Zuſchauctt deu Saal. 
W Hamburg, den 6. Nebemiber 1804. *) 

ir hatten bis jeht Leinen zur Mufit recht tauglichen Con⸗ 
wert: @aal, Die Kinftler waren daher genöthigt ihre Conerte 
im Ecnufvielbaufe zu geben, wo die Munſtt micht gut Klingt. 
Dem Alten iſt mun abgebolien. Herr Anderfon bat ums einen 
febr trefflihen Saal gebaut, Der Salon d’Apollon in grof, 
außerſt (bön detorirt, und die Mufit tönt darin heil, mit Kraft, 
und bob — wenn er nur einigermaßen vol iſt — ohne Nachhalt, 

Mir haben mum swei Comerte in dieſem Eanle gehabt, Das Erfie, 
welches die Einweihung genannt wurde, war Göchft mittelmänlg ; 
denn obateich Mad. Oel eine Arie von Baer ſehr (chön ſang, und auch 
Herr Peterſen ein Flotten ⸗ Eomgert recht {cher gut blies fo war Boch 
das Uedrige fo herzlich ſchlecht, daß man durch nichts gamı entſcha⸗ 
diat werben fomnte, Auch war bag Publikum ziemtlich klein. 

Von ganz auderer Urt war das Zweite, weiches ber bie 
rühmte Komponit und Violon⸗Cellit Herr Bernard Roms 
berg am 3. dieſes gab. Er fpielte ein Comert und eine Phamt 
tafie: wie er ſpielt, welf das ganye funfliebende Publitum in 
Deutichland umd Frankreich. Nicht mur Mad. lei und ſein 
Bruder Here Audreas Romberg, (ſowohl als Violiniſt, als 
and beſonders durch feine vortrefflichen Komvofitionen je ruhm⸗ 
vol befannt,) wnterflügten ihm, ſondern auch zwel Liebhaber, was 
bier Defonders ſelten IR; indem es vitlleicht auf Anrumenten, we ⸗ 
mige zu der dazu nörhigen Fertigkeit gebracht haben, und auch die 
Sanger und Sängerinnen, derem es wirktich votzisliche unter den 
Dilettanten gielz, ein thörichter, ganz vertehrter Stolz, bis iept dar 
von abgelmiren bat. ſich Öfentlid hören iu laſſen. Es war jienie 
U vol; doch wicht jo ſehr als man erwarten Durite. Mir amdern 
Orten, weih man Verdienſte wie die des Herrn Bernard Remberg, 
beſſer zu belohnen. — Im Deceniber wird gr eine Reiie nach Vers 
lin, Dreiden und Wien madıen ; doch haben wir Hoffnung ihn noch 
einigemal vor feiner Abreiſe zu baren. AR 

Mus Wittenberg, vom 18. November, 

Vor einigen Zagen hatten wir den entf, die berühmte Harmonika ⸗ 
foielerin Die Kirchgennergu hören. Der Einn fr Duft int in unſe ⸗ 
ver Stadt beimahe allgemein, was mir befomders den Eonierten dei O. 
Antshauprmarn v. Dawgwig und des jungen Kaufmann Seren Biefe 
verdanken. Es hatte fidı dader eim fehr zahlreiches Auditorium ver: 
fanımlet und die berichntte Kunſtlerin entüirckte durch ihr Soien alles. 
So eben int fieneht ihrem Begleiter, Hrn. Rath Teäler von bier nach 
Bertin angegangen, Eie wird mit dieſer Nachricht zugleich bei Ihnen 
eintreffen. «I 

Zuſahz. Die angenehme Antündigung ik chen eriitit werden, 
umd ic free mich dena Werlimer Vublitum die toillfommmme Nachricht 
mitrheilen zu donnen, das die treffliche Virtuoſin hrer bald cin Conert 
geben wird. Mer fie ion hörte, wird gewiß mit lebhafter Freude der 
Wiederbolung eines im ſetner Art einzigen Genuſſes entgegen eilem, 
und wen fie noch wicht entzuekte, Die Gelegenheit mit periauıem, 


gebenft, Sein gütiges Verſprechen zu erfüllen. Der Med, 


—— — — —— — — 


1804. 


Nro, 258. 





Der Steimüthige 


Donnerfiag, 


EeE rn f 


— der — — 


and 


den 29. November, 


Sherry; 





Literatur. 


Hiſtoriſches Taſchenbuch. Mit beſonderer Hinſicht 
auf die Oeſtreichiſchen Staaten. Erſter Jahr⸗ 
gang. Geſchichte des Jahres 1801. 

Zweiter Titel: 


Geſchichte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit 
beſonderer ꝛe. Erſtes Baͤndchen. Wien, 1805, 
bei Anton Doll. 


N erfie Titel bat den rubenden Mars, ber 
zweite das Bildniß des als Held und Menfchenfreund 
gleich innig verehrten Erzherzogs Karl zur Vignette. 
Beide, fo wie die im Buche zerflreuten biftorifchen 
Kupfer meiftentheils, find gut gearbeitet. 

Diefes Tafhenbuch muß jekt, da man noch um 
den Tod des verdienfivollen Poffelts trauert, eine 
allgemein mwillfommene Erfheinung fegn, denn es 
verheißet dem Merftorbenen einen talentvollen Dach: 
folger: der Oeſtreichiſche Staat befonders aber erhält 
in bemjelten eine Gabe, — dergleichen feinem 
großen Staate mangeln follte, und die daher nach 
geahmt zu werden verdient, Der Plan des Werkes 
ift fehr einfichtesel und die Ausführung deſſelben 
gelungen, 

Herr Fchmaldopler — der fih unter ber Vor: 
rede als Verſaſſer nennt, — giebt zuerft eine ge 
drängte, aber oft mit hiſtoriſcher Beredſamkeit ger 
fhriebene Leberficht der Kriegegefihichte des achte 


zehnten Jahrhunderts; dann folge bie politifche Ger 
ſchichte des an merkwürdigen Ereigniffen und Vers 
bandlungen fo überreichen Jahres ıgor in furjen 
Tableaur, jedesmal mit einem Auszug der Traftaten, 
ber jenen hellen, viel mehr als man gewöhnlich 
glaubt, feltenen Verſtandesblick verraͤth, der überall 
die Hauptzüge herauszufaffen vermag und dadurch 
feinen Befiger in den Etand feßt, in zehn Zeilen 
vellftähdiger über einen Gegenfland zu berichten, au 
ein andrer in eben fo viel Zeiten. Wie wichtig die 
fer Abſchnitt iſt, beweiſen die einzelnen Ueberfchrifs 
ten: der Lüneviller Friede; Geſchichte der nordifchen 
Allianz; Eroberung Aegoptens durch die Engländer; 
Friede Franfreihs mit Neapel u. f w. — Eine 
zweite Abtheilung iſt bloß der innern Geſchichte 
Deftreihs, während des genannten Jahres, gewid· 
met. Es mar ſehr wichtig für den Kaiferflaat, bie: 
fes Jahr. Die Kegierung mußte manniafache eilende 
Maaßregeln nehmen, um die Zerrüttungen ab zuſtel⸗ 
len, welche der mit ſo furchtbaren Anſtrengungen 
gefuͤhrte Krieg ganz unausweichlich hatte herbeifuͤh⸗ 
ren muͤſſen. Von dieſen ſowohl, als von den in 
literarifcher und artiffifcher Kinfiche merfwürbdigen 
Ereignüfen in Defireich, hat Herr Echwaldopter furz 
und bündig Bericht erflattet. Er ſchreibt faft durch 
gängig rein, hell, Fraftvoll und frei von Dranier, 
fo wohl von der überfhmüdenden, als von jener der 
affeftirten Kürze. Widmet Hr. Schwaldepler fich ganj 
dem hiſtoriſchen Face, fo haben wir in ihm einen 
ausgezeichneten Geſchichtſchreiber zu erwarten, 


— 430 — 


Die Fortſetzung dieſes Taſchenbuches wird ein 
kleines Archiv bilden, das zwar nicht dem eigent: 
lichen Gefcichteforfcher, aber jedem Denfenden zur 
Weberficht und zum DMachfchlagen wichtig feyn muß: 
denn — troß allen Epöttereien, mit melchen man 
das Mohlgefalen des Privatmannes an der Politik 
belegen Fann, giebt es doch mahrlich Eeinen anzie 
bendern und des Patrioten wuͤrdigern Gegenfland 
der Unterhaltung, als die Gefchichte und die Anges 
legenheiten des Staates, deſſen Bürger er ift, Gleich 
gültigkeit dagegen, iſt eine niedre Entartung. — 
Es ift zu wünfcen, daß Hr. Echwaldopler in dem 
naͤchſten Bändchen die Gefchichte zweier Jahre zu: 
fanımenfaffe: denn natürlich haben die geſchichtlichen 
Berichte defto höheres Intereſſe, je naͤher fie der 
Gegenwart find, i — 


Entſtehungsgeſchichte des Theaters 
in Rußland, 


(hortſetung.) 
Unter ber Regierung der Kaiferin Anna fand ſich 
eine Gefellfehaft von Staliänern ein, die Luſtſpiele 
und Ballete gaben ; das Perſonale war aber doch fo 
flein, daß einft, als eine Echaufpielerin ihrer hohen 
Schwangerſchaft wegen nicht mehr auftreten konnte, 


ein Echaufpieler zur Belufligung des Publifums . 


ihre Helle Übernehmen mußte. Im Jahre 1737 
konnte endlich die erfle Staliänifche Oper gegeben 
werden. Zwei Jahre nachher ward eine Deutſche 
Schauſpielergeſellſchaft verfeprieben ; fie gieng aber 
im näcgfifelgenden Jahre nach dem Tode der Kaifes 
rin wieder ein. Dafür follte eine Franzöfifhe Ge 
ſellſchaft nach Rußland kommen; allein die ſchnell auf 
einander erfolgenden Negierunasveränderungen liehen 
es nicht eher, als nach der- Thronbefteigung der Kal: 
ferin Elifaberh dazu gedeihen. Dun wurde au 
unter Staͤhlins Leitung das große Opernhaus zu 
Moskau erbaut; aus Mangel des nörhigen Perſo— 
nales machten aber bier, wie in St. Petersburg, 
die jungen Edelleute aus den Cadettenhaͤuſern die 
ſtummen Perſonen, die Saͤnger bei der Hoflirche 
fangen die Chöre, und bie Kinder der Hofbedienten 
tanzten die Ballete. 

Jetzt trat Sumarofow als Echaufpieldichter 
auf, nachdem er fich fihen durch feine lyriſchen und 
didaktiſchen Gedichte ausgezeichnet hatte. ein erftes 
Trauerſpiel Chorew, hatten fich einige Cadetten in 
&t. Petersburg zur Uebung im Deflamiren, ein 
ftudiert. Als die Kaiferin davon horte, mußten fie 
auf einem Beinen Theater vor ihr fpieien, und fie 
erndteten den lauteſten Deifall ein. Doch ehe aber 


in der Hauptſtadt an ein eigentliches Ruffifches Thea: 
ter gedacht wurde, bildete ſich 1750 eines in der 
Provinzialftadt Jaroslam. Den Anlaf dazu gab 
eigentlich Die im Jahre 1748 nah Petersburg 
gefommene Deutſche Schauſpielergeſellſchaft. Es 
hatte nämlich ein Kaufmannsjohn aus jener Provin: 
slalftade, Fedor Wolfom, an ihren Vorſtellungen 
fo großen Geſchmack gewonnen, und denfelden durch 
genaueren Umgang mit den Deutſchen Schauſpielern 
fo fehr genaͤhrt, daß er in einem großen Zimmer 
feines väterlichen Haufes ein Theater einrichtere, dafs 
felbe jelbjt mahlte, und mit feinen vier Brüdern und 
einigen andern jungen (freunden bald die geiftischen 
Erüde des obgedachten Biſchosfs Dmitrii, vald 
bie eben befannt gewordenen tragiihen Stuͤche von’ 
Sumarofomw und Komonoffom, bald Luft: und 
Poſſenſpiele von eigener Kompofition aufführte. Er 
fand mit feinem Unternehmen fo vielen Beifall, daß 
ber benachbarte Adel das nöthige Geld bergab, um 
1750 ein eigenes dffentisches Theater bauen zu Eüns 
nen, morauf um Geld gejpielt wurde, Der Ruf das 
von erſcholl baid bis nah Petersburg, und bie 
Kaljerin ließ daher 1752 die Geſellſchaft dahin kom⸗ 
men. Wolkow und noch einige feiner Genoſſen 
wurden nun dort in das Cadettenhaus gegeben, um 
in. der Ruſſiſchen Sprache und im Detlamiren be: 
fonders geübt zu werden. Auf Sumarokow's 
Betrieb Fam endlih 1756 das erjte Ruſſiſche Theater 
gu St. Petersburg zu Etande, und die Schau: 
Ipieler wurden förmlich vom Hofe befoldet. 1757 kam 
abermals eine Deutſche Geſellſchaft dahin; fie gieng 
aber bald wieder ein, weil ſich eine Staliänifche 
Opera buffa daſelbſt eingefunden hatte. Die im 
Jahre 1759 in Mos kau entftandene Opera buffa 
hatte bald dajfelbe Echidfal; daflır" gedieh aber die 
in St. Petersburg jurüdgebliebne deſto beifer, 
zumal da dem Geſchmack des Publifums durch Feuer: 
werke gejchmeicheit wurde, die man auf dem Theater 
als Nachſpiel abbrennen lief. Zur Krönung der 
Kaiferin Catharina gieng das Ruſſiſche Hofthea— 
ter nah Viosfau, Fam aber bald nachher wieder 
nah Petersburg zurüd, um für immer dort jüü 
beſtehen. Der Theatergeſchmack hatte fih nun ſchen 
fo weit feſtgeſetzt, daß nicht allein von den eriten 
Perfonen des Hofes in beiden Reſidenzſtaͤdten Kuffie 
ſche Stuͤcke aufgeführt wurden, fondern auch Italiäe 
niſche, Franzoͤſiſche, Deutfche und fegar auch Engli⸗ 
ſche Bühnen entſtanden, und längere oder Fürgere 
Zeit ſich erhielten. Als eine Merfwürdigkeit verdient 
noch angeführr zu werden, daß die große Kaiferin in 
Perersburg auf dein weiten Brumbergiſchen Holy: 
plape an der Aejta unter freiem Himmel für den 


— 431 — 


Poͤbel von einer eignen Bande (es ſey dieſer Ausdruck ers 
laubt!) fpielen ließ. Aber es fanden fich auch Vor— 
nebmere ein, und es war bier vielleicht der einzige Fall, 
daf auf dem Parterre irgend einmal Zufchauer in 
zwei, viers und fechsfpännigen Kutſchen zugegen 
waren. ben fo einzig mag wohl der Fall feyn, daß 
Schauſpieler ihrer Verdienjte wegen geadelt wurden, 
sie dies mit den beiden Wolfors, Fedor uud 
Gregor, im Sabre 1762 geſchah. Erſterer flarb 
ſchon als Juͤngling im folgenden Jahre. — Als aus 
gezeichnet großer Künftler, im komiſchen ſowohl als 
im tragiichen Sache, wird er vielleicht einft vergeſſen; 
aber als des eigentlihen Etifters des Ruſſiſchen 
Theaters gedenft feiner die dankbare Ruſſiſche Mach: 
welt gewiß für immer, 
Reich, 


(Die Fortfeßung folgt) 


Maria Pawlomna, *) 
Aus einem Brief aus Weimar, v. 18. Nov. 1804.) 


Nr muß einen fleinen Irrthum in meinem letzten 
Schreiben berichtigen. Als unfere angebetete, nie ge: 
nug gepriefene Großfürftin bei ihrer Anfunft am 
9.8 M. im Schloß angefommen war, und beim 
Ausfteigen faft im elgentliden inne auf den Häns 
ben getragen worden war, murde fie von unfern beis 
den geliebten Fuͤrſtinnen, der regierenden und ver 
wittweten Frau Herzogin, oben an der großen, 
prächtigen Treppe empfangen, und von beiden aufs 
zärtlichfte und mit unbefchreibliher Ruͤhrung um: 
armt, In diefem Augenbli blieb fein Limftchender 
ohne Thränen; mie denn überhaupt fehon bei ihrer 
Annäherung an die Zradt, indem der herrlich geord: 
nete Zug die Senalfche Landſtraße herab bei dem jetzt 
fo fhön geebneten Platz an der Altenburg ſich unab: 
fehbar ausdehnte, unter den 30 bis 40,000 Au: 
fhauern in dem Xugenblid, wo alle Gloden der 
Stadt ſchwiegen, die vollzähligen Fanfaren auf dem 
Ehrenbogen aber ihren feierlichen Bewillfommnungs: 
ball ertönten, und die Weihrauchwelfe auf demfelben 
zum günftigen Himmel (es hatte früh geregnet und 
regnete auch Abends wieder, aber während des gans 





m 


) Wäre ed möglich, daß für mande umfrer Beier Diele 
Wirtitel iu oft vorkommem tönnten? Nein! der Freimiithise bat 
Deutiche, (fen es and am der Newa oder Eeine: die Deutſche 
biteratur mache jege alten den Verband umiers raufendiach «er 
foattenen Beltes), zu Zeiten, und Marin Pawlomma gehörte und 
ſchon durch die erhabene Mutter und Großmutter wentgſtens 
sur Halfte an, und at jetzt ganz Die unfrige geworden. Und 
fie lebt, wirtt, entzuckt jogt in Weimar Wieviel kann fie 
grade im bieiem Umgebungen, im diefem berühmten Sitz der 





- Binien und Grazien, ſchöͤönes und herrisches wirken, wenn fie 


die borrigen Herven anſerer Literatur aufs meme begeiftert, 


zen Bewillfommnungs : Feftes war heitrer Himmel, ) 
malerifh in 4 Säulen aufıwallten, durdaus niemand 
trodnes Auges blieb, und die ſichtbarſte Kührung 
ſich auch den Härteften mittheilte, 


Die Form des wirflih fehr geſchmackvoll deko— 
rirten Ehrenbogens, die nah Gbthe's Angabe der 
Baumeiſter Schlüter errichtet hatte, werden Sie 
fih am beften vorftellen Lönnen, wenn Sie ſich den 
Bogen Conſtantins in Kom denken. Indeß war 
doch alles hier in eine weit reinere Proportien gebracht ; 
die ſaͤmmtlichen allegorifhen Statuen in den Nifchen 
ſowehl als den Basreliefs, bildeten einen einzigen, 
ſehr frei gedachten und brav ausgeführten Kunft: 
freie. In der Fronte gegen die Anfommenden, 
Rand Pallas Minerva mit Attributen die auf Ruß— 
land beuteten, in der Aegide den Ruſſiſchen Adler, 
und Ceres mit der einen Hand Aehren, in der ans 
bern den friedlichen, heute vreifach friſch grünenden 
Saͤchſiſchen Rautenkranz Haltend, als Symbol Weis 
mars und eben der fchönen Künfte. Auf der an: 
dern Seite fland der Pallas die Hoffnung mit 
dem Anfer, und der Ceres die Friedenegbttin mit 
den Deljmeig entgegen. . Ueber beiden Eingängen 
war der Thuͤringiſche Löwe gemalt. An der den Koms 
menden entgegen gefehrten &eite ſtand ganz oben: 
„Carl Friedrid und Maria Pawlowna der Kath und 
bie Buͤrgerſchaft.“ Auf der andern Seite: „den ſehn⸗ 
lich Erwarteten.“ Durchs Ganze athmete, wie fen 
gefagt, ein die todten Maffen augenfcheinlich beles 
bender, vereinender Geiftenhaudh. Aber Figur 
fann nur durch Figur deutlich anfprechen. Ver: 
tröften Sie alfo Ihre Meugierde bis zur mög: 
lichft beſchleunigten Erfcheinung der Kupfertafeln, im 
dem von unferer Hofbuchdruderei angefündigtem 
Werke. Noch ein Genuß diefes Etrenbogens erwar— 
tet uns da, wenn er mit farbigten Lampen beleuch: 
tet feyn wird, Diefe Illumination, fo wie die des 
Erade: und Rathhauſes, ift ſchon einigemal durch die 
unſtete und regnerifche Witterung unterbrochen mwors 
ben, wird aber gewiß Statt haben. 


(Die Fortſehung folgt.) 


Freuden des Lebens, 


JaAuchem Alter reichte Genuf der erhabenen Vorſicht 
Heiliger Wille: es ward dem folelenden Knaben der Ban, 
und dem Jüngling sum Kut das rofige Maädchen, dem Wiaune 
Ward das wirthlidhe Weib, tragend die Kleinen im Arm. 
Auch erhielt mit ſchuteigtem Haupte gelchnet am Stabe, 
Bon den Enkein umringt, lieblichen Rückblick der Greis. 


A. G. Witſchel. 


— 432 — 


Riht-politifde Zeitung. Nro. 95. 


Aus Franzbfifhen Blättern, 


Par Paneival hat em epirches Gedicht herauegegeben: Achille 
asScyros. Im Dioniteur find febe lange Proben aus demſelben 
gegeben und'ed iſt fehr gelobt werben: aber nad biefen Proben 
ſelbſt au urtheilen, in es tutſetzlich weitläuſtig und die Verſe 
find geiellt, aber kraftlos. 

Auf dem Place des Invalides ir in eimem großen Bruns 
nenbecken auf einem neun Fuf hoben Gocle der geflügeite Löwe 
aufgeftefit worden, ber vormals auf dem Obelist des Markuss 
vlatzes zu Venedig ftand, Er war felbit, als er u Paris ans 
tam, im fehr hohem Grade invalid: ihm fehlten die Glügel, alle 
wier Füne, und der Ehwans, 

— Ein Mann, der Überwiefen warb, mit imel noch leben⸗ 
den Frauen copwlirt zu denn, ward zu zwoͤlfiahriner Kettenftrafe 
verurtheilt. Wenn aber die Abneigung gegen das Hetrathen ſo 
flart zunimmt, als bisher: wer weiß, ob man nicht bald bie 
Bigamie — belohnt. v 

— Auch die Proſeſſoren der pharmacebtiſchen Schule zu 
Varie, wie alle Claſſen von Beamten, haben ein beſtimmtes 
Coſtume erbalten, Wenn man fi erinnert, daß bie Amts—⸗ 
oder Gerchäit » Coſtumes vorzuglich im I6ten umd zarten Jahr⸗ 
hunderte allgemein wurden, fo ſcheint die in die Eurepaiichen 
Staaten immer allgemeiner werdende Wiederelnführung deriels 
ben, ein Rüchbritt: aber fie it im der That eine fehr nützliche 
Einrikrung. Man kann vormglich junge Teamte nicht ort ges 
nu} Daran erinnern, dab ihnen der Staat in den verlichenen 
Armtern Wurden verlieh, und in ihrem fsmelicden Vench⸗ 
mein Würde verlangt. Artet dieſe in Hocemuth und Fiererei 
aus, nun, jo — wird die Satyre mit neuen ſehr fruchtbaren 
Gegenſtanden verichen. 


— Demaimitur, Erfinder der VUnfiaranbie, (dur deren 
Zeichen man im mehreren Sprachen zugleich ſchreibt, und ſich 
auch denienriacn verſtandlich macht, welche die Sorache dei 
Edreibenden nicht verftchn, und deren Soprache er mie mach⸗ 
dia in) wird cine offentliche Probe seiner Kunft ablegen, und 
wnaleich Die zwolr Regeln derjelben befannt machen, Er ver 
lauat keine Eubieripeion fir die Vekanntmachung jeiner Kun, 
und ertheilt Die Emtreebillers zu feiner Vorleiung uncutgeldlich. 


Hamburg, am 23. November 1804, 


Die Oper Pilfa ik mit der erbaulichen Tefegung, bie Ihnen 
mein letztes meldete, bereits gegeben worden. Gar flattlic 
hbatte die Direltion die Die Amalie Stegmann als Königin 
Iſabelle herausgeoutzt, ihre frühe Jugend aber gan; und gar 
mmverihleiert gelgſſen. Es war daher micht wenig voerlicd, 
als die funiiehniahrige Mutter mad ibrem Sohn, dem Infan— 
ten (here Kirchner) Ach ertundiate, der ohne alten Auſtos re 
ibren Vater bite gelten konnen. — O Tanihung! bedarf 
man deiner denm micht mehr auf unfrer Bihne? 


Ein neuer Stück, das Eoldatengeränanifi, aus 
dem Franbſtſichen des Diüpato, vom Proiefer Meyer überſetzt, 
wurde am ı6. ditſes sum erſtenmal ohne arosen Beifall gegeben, 
Die Herrem Ueberſetzer follten doch bedenken, dab es mit dem 
Veberügzu alteln nicht genug ift, ſondern dak einzig eine glitts 
fie Auswahl auf einiges Verdieat Unfpriiche giebt. Tem 
engel am guten Yufiivielen auf der Deutſchen Bühne if mit 
dieſer Uebericgumg um nichts abgebelfen. 

Die beimlibe Ehe von Cimarorfa wird mun ein— 
Nation, Ale doch endlich wieder eine neue Ower. Faſt möchte 
ee deinen. die Direktion wolle ihren bleiernen Fittig einmal 
raſcher ſchwingen. 

B. 


Aus Derlim 


Une Stadtrath bat die Bewohner Werlins in den Peitungen 
aur tinteritüneng des wahrhaft: patriotiichen Unternehmens aufs- 
gerordert. dem nrohen, moblithätigen @irerer fir Wahrheit, 
Luther, ein Dentmal zu ſezen, dad seiner und der Deutſchen 
Nation würdig iſt. Die EradtsKänmerel ſettſt, nimmt bie 
Beirriae dazu m Empiang, — Dne Zweirel qebührte es ber 
arosen Köntgeradt Mord s Deutichlands dies Veiiviel zu achen, 
dab Die Acıkerumg der Marionatr Dantbarteit auch als eine 
National: Anaelesenbeit bebaudelt werden muſſt. und dieſes Tele 
foiel war von den aurgellarten und edel Männern, die am 
dir Epige des hichgen Scadtraths fichen, zu erwarten. — 
Die Aufforderung it unteridbeieben von dem Seren Stadtorife 
denten Buſcing und den Hd. Geheimen Rathen Muller, Ger— 
resheim und Kols. 


us Mietam 
Kom sten Nov, alten Et. 


Genern vaſſſerte der Graf Pille, nur von jmei Wagen beglel⸗ 
tet, bier durch, und malım im einem Priwathauſe in aller Stille 
ein Frübhif ein. Mur dem Wege von Riga hierher, hat er 
mit feiner Begleitung in eimem Kruge übernachtet. Die 
Wirthin deſſelben fol das Bett, worin er gefdılaren, von allem 
tbrigen abaefondert und den ſtommen Entidluß aeiuft haben, 
es durch keinen andern menſchlichen Körver je wieder entweihen 
wu laſſen, fondern als Rellquie in Ehren au Kalten. 
— 8. 


Auszug der Zeitung fuͤr die elegante Welt. 


Mr. 137. Eine von ben Chaldäerm und Phhniitern anhe⸗ 
bende Antündigung, dat ber Hr, Reichsaraf von O — n feine 
Gemälde: und Kupiertichfammiung verlooſen wolle; — das 
Loos foll 3 Karolin oder 6 Dukaten koſten. (Wird die An: 
kündiaumg eingeſandt, fo wird es wohl feine Schwierigtelt fin 
den, fie im Int. BI. des Greim. abdrucken zu laſſen.) 


Nachricht dab ein Herr Mator von Welten, In Yamberg 
geſtorben id. — Auch eine Nachricht von den Feſtlichkeiten in 
Welmar. 

Auf den Wallen von Lubeck find Evasiergänge angelegt. 


Nr. 139. ine Ankündigung des 7ten nnd Sten Vandes 
non Klophorls Werken, 

Eine Pränumeratione Ankündigung des Freldhoriden Aus 
vferſtichs: Kiopfiects Berrdiguits. 

Ruͤge einer freien Stelle im der Eudora, weihe Sr. 9, 
Kuhn, ein talentwoller aber junger Manıt, vor anderihalb Take 
ren herausaab, und die wirklich fo wnbeiicar iſt, als wäre fie 
aus Hm. Erasterd Karl Pilger entichnt, 


Anm, des Red Dr. Anbau bat mir eine ſtart und 
witz ig geichriebene Vertheidigung fir Bas Iut. des Freim. über 
fandt: ich bite Ibm ater um Verzeſhung, dab ich dis Rolle er 
nes Altern und ruhisern Frexndes mhernchme, umd fie uicht am 
die Beherde ablieiere, Schweigende Beratung ih die einzige 
Antwort, welde Angeife gewiſſer Art verdienen, — Uebrigeng 
irrt ſich Hr. Eoaler in Rückſicht der Unterſcri — 6m. 
Ein aroßer Theil der fo unterzeichneten Aufſatze im Freim. if 
von nir, 

Mir, 139. Nachricht aus Weimar, wobei Hr. Erajier 
ammerkt: daf 92 Gedichte etwas viel find, — und jur 
font: dag man ans Olofengelaute das f(Könfe Inriihe 
Gedicht machen fünnte. 

Ein Hr. Tillich im mad Deſſau berufen, wm dort mit Hru. 
Dlivter eine Erziehunas⸗ Auftatt anpiegen, 

Wirthah aus / Aneldoren und dergleisben, 


1804. 


Nro. 259. 





Der Sreimüthige 


Sreitag, 


ern f 


und 


ben 30, November. 


Scherz. 





Entſtehungsgeſchichte des Theaters 
in Rußland, 


Schluß, 


Eben fo wenig wird fie je die Verdlenſte Suma⸗ 
rofom’s, als tragiihen Schauſpieldichters vergeſſen. 
Er zeigte zuerft, weſſen die bis dahin fo fehr vernach— 
laͤſſigte Ruſſiſche Sprache fübig ſey. Don abdrlichen 
Aeltern 1727 in Moekau geboren, legte er ſich mit 
Eifer auf das Studium der alten Klaffifer und der 
Kranzofen; diefe wedten fein poetifches Talent. Zus 
erjt dichtete er Lieder der Liebe. Die Nation berouns 
derte fie, und bald hörte man fie aus jedem Munde, 
Dur diefen Beifall ermuntert, machte er auch tie 
übrigen Früchte feiner Mufe nach und nach befannt, 
* Zrauerfpiele, Luftfpiele, Opern, Prologe, Monodras 
men, fo wie Pſalmen und geiftliche Lobgefänge, Epi: 
ftein, Oben und Lieder, Fabeln, Eatyren, Eflogen, 
Nyllen, Gefänge und Ehöre, Elegieen, Stangen, Sons 
nete, Epigramnie, Epitaphien, Madrigals, Raͤthſel, 
kurz, Gedichte aller Art floifen aus feiner Feder, und 
füllten nicht weniger als zehn Oktavbaͤnde. An feinem 
Trauerfpiele Chorem gab er feiner Natlon das erfte 
gute NMationalfchaufpie. Es war, wie die Übrigen 
von ihm verfaßten Trauerfplele Hamlet, Sinaw 
und Trumor, Artiftona, Gemira, Jaros 
polf und Dimifa, Wuͤſcheſlaw, der falfche 
Dmitrii, und Mſtiſtaw, in gereimten Alerandrie 
nern geichrieben, und man fonnte ſchon daraus, wie 


aus der Anlage, bem Gange, ber Haftung und der 
Epracde der meiften erkennen, daß er ſich an bie 
Dorbilder eines Corneille, Racine und Del: 
taire gehalten hatte. Obgleich ausgejeichnetes Ge; 
nie ihm keinesweges jufam, fo mußte er fih doch 
durch fein gutes Talent eine gewiſſe Originalität im 
feinen Trauerfpielen zu geben, die ihn von den Ira: 
gikern anderer Nationen auszeichnet. Indem er den 
Grgenftand dazu meiftentheils aus der vaterländifchen 
Geſchichte wählte, und feinen Karafteren Schwung 
und Holtung zu geben mußte, erwarb er ſich den 
lauteften Beifall feines Volke. Dadurch ward er 
aber fo fol; und eitel, daß er auch den leifeften 
Tadel nicht vertragen konnte. Eiferflichtig auf die 
Derdienfte, die fih Lomonoffow um bie Ruſſiſche 
Sprache erworben hatte, ſuchte er denſelben bei jeder 
Gelegenheit herabzuſetzen, und triumphirte nicht we⸗ 
nig darüber, daß die dramatiſchen Derfuche dieſes 
Schriſtſtellers ſo wenig geachtet, und bald wieder 
vergeffen wurden, 

Sumarofom fehrieb auch eine Menge von 
Lufifpielen, die ganz nach Moliereſcher Manier gemo⸗ 
beit waren; trotz ihres originellen niedrigkomifchen 
Geiſtes, feinen fie aber von feiner Nation nicht 
fonderlich beachtet worden zu ſeyn. Auch fehrieb er 
einige Opern, movon die eine: Cephalus und 
Procris, vom Kapellmeifter Araja in Muſit ge: 
fegt, im Carneval 1755 zu Petersburg zuerſt gegeben 
wurde, Die Schaufpieler und Schauſpielerinnen wa: 
ren nur noch Kinder, nicht Über vierzehn Jahr alt, 


. 


Um die Lefer des Freimäthigen einigermaßen 
mit dem Geifte diefes erfien Tragifers der Ruſſen 
befannt zu machen, folgt hier der erfte Auftritt aus 
dem vierten Aufjug des Trauerfpiels: der falſche 
Dimitrius, deſſen Gefchichte, als Lfurpators des 
Kuffifcgen Throns, bekannt genug if. Dimitrius 
fprige mit Kfenija, der Tochter des Fuͤrſten 
Schujſtkoi, die mit dem Fürften Georg Gas 
Lißkiz verlobt iſt, mit der er ſich aber ſelbſt vermaͤh⸗ 
len will. Die graufende Energie diefer E jene ift eben 
fo originell, als fie den Forderungen der Kunft Genuͤge 
leiftet. Der Ueberfeger bat ſich fo viel als möglich. 
treu an das Original gehalten. 

Dimitr. IR mir die ſußeſte der Freuden noch beicsiehen; 

ſo wird ein holder Blick von dir mid febon beſtegen, 

Und das vom Glans des Throns zu. brauſenden Ge⸗ 
fübien 

So fihr verwöhnte Heri im. Buſen mir erweichen. 

Es werden, ſizeſt du als Gattin. mir zur Seite, 

Die Unterthanen Ab iu deiner Gnade Hüchten.. 

Drum jeg, das Werkieng mir, das Bolt mir zu ber 
fobnen.! 

Der Waifen nimm dich an, der Wittmen Thränen: 
trockene, 

ls Freundin mildere die. Karte. meines Ginneh,. 

Seu das mitleid’ge Welb des oft jo harten Bartem, 

Und kannſt du meinem Grimm and keine. Green 

- fegen, 

So wird dein milder Sinn dir doch bie Herzen ſichern, 

IAndem zu dir im Leid fie ihre. Dufudie nehmen, 

Selbſt weun auch Hulft du zu ſchaſſen nicht vermöchteſt. 

Laß immerhin das Volt ſich qualen wie bisher; 

wis Stlave trägt da. doch, auf trugeriſche Hoffnung 

Vertraucud, jeder gern das augebornt Joch, 

und hoffend quält er. ſich die Scebeunzeit bindurch, 

Und fieht die Hülfe ſich von keiner Seite nahen z 

Doch immer ſagt er ſicht der Tag des Glück komme: 
morgen: 

Und ihm. genügt dabel. — Doch morgen. itis mie 
heute, 

und meie Leiden find ihm. wiederum bereitet, 

Vergtbeus wird das Volt, das ich beberriche, Magen; 

Dimitrius erbarmt fich keines aus demſelben. 

Site ſich nur lebt ja dech auf dieſer Welt ein jeden; 

as in ihr athmet, iſt verderblich umd verdorben. 

Tyrann nur will ich denn: Die Tugend mag. man 
lobınz 

Eie weilt: nicht auf der Wett, dei jeugt dad Weltall 
ſelber ; 

Die Höfte. ſchreckt mich nicht, mag immerhin fie drohen; 

Mitzieht tret ich darum die Menſchheit mir zu Fützen. 

Wohl magſt du Herr! mit Node den Voſcwicht vers 
nichten; 

Muß aber darum auch Die uinſchuld elend ſcemad ten? 

Sou deun die Rache nicht den Boſewicht nur ſchrecken? 

Der Raͤcht and' ich wertb, was ſterdlich iſt auf Erden, 


Kſenija 


Dimitr. 


Kſenija. Wenn fo Dimitrius den allen Menſchen dentet, 
So fdilieht er ſich aftein wohl nur von ihnen aus? 
Dimite. Evraa Elgenliche nicht 10 laut im jedem Vuſen, 
So wir Dimitriad fanaf durch ſich ſelbſt vernichtet: 
und wir ed möglich mare, fich von fich ſelbſt zu trennen, 
&o würd’ ich lang mid den am eigner Qual ers 
aögen, 
Kein Mitleid mit mir ſeit in eignem Jammer baten, 
md’ der Verzweiſtung fell ü veraweifelnd mid kingeben. 
Kfeniia. Wert‘ ihönes Loos hat dann die Battin zu erwarten, 
uud meld" ein Gluick in ihr von dir voraus verbeihen! 
Sie kann der Gattin ich der Watte mob erlarmen, 
Der nur aus Noth Ab ſelbſt nicht ſchon zum Dpfer 
machte? 
Dimitr, Wenn du vor Härte did, und Arenger Strafe fürchteſt, 
So ſuche dir die Gunſt des Garten zu erbalten, 
Gib ibm den hochſten Dlag von alten Erdeuweſen, 
Gehorchend ehr’ in ibm der Gioteheit Cbeubitd. 
Brofmadıtiger Monarch, beruhmter Zar und Hertſcher! 
Geliebte minſen ſich am Etande ſein wicht weichen. 
Wird eine Skladin ein mir idrem Serra verbunden, 
Sit fie danu Sklaviu mod, nicht Herricherin zu mer men? 
Drum fach als Gattin dir ein Madehen gleichen 
Standes. 
Dimitr, Zur @attin wahl' id mir ein Geldes ſAönes Madchen, 
’ Dean die Geburt macht doch das Angefihr mich 
ſchoner: 
Ole Blume oinht im Dorr, ſo gut als im den Etädten. 
Die Gattin, die ich mir vom Schlaͤfal ſelba ertohren, 
Sey das ergeline Kind des grosen Erdenherrichers, 
und durch Geherſam jeg fie feiner Liebe ficher: 
Und if dem micht alfa, fo bange fie und zittre. 
Georg urtheilt nicht yo won weiblichen Geſchlecht. 
Georg iſt Sklave nur, Dimitrius Gebleter. 


Reich. 
Sranzöfifhes Plagium. 


Die Franzoſen, ſagte jener Englaͤnder, ſtehlen uns 
unſre gute reine Waſche, und ſchicken fie ung, als 
wenn alles auf ihrem Boden gewachſen, vernußt und 
jerriffen, aber mit einee Manfchertenbefegung wieder 
zuruͤck. Ein neuer Thomafius follte uns jege wohl 
cin eigenes Werk de plagio Y'rancogillico geben 
fönnen. Es ift kaum nachjuzählen, mie oft die em 
findungsreichen Herren dort jenfeirs des Rheins unfern 
Erfindungen ihre Stempel und Brevers aufdrüder, 
Wir müjfen aber mwenigftens im Fade der Kuͤnſte 
und Wiſſenſchaften die emprunts Forces verbinten, 
und für unfer Eigenthum flreiten, fo large wir noch 
— Federn und Buchdruckerpreſſen haben. — Wer 
kat nicht von der berühmten Knecengallerte des 
Kern Cadet de Baus, eines Parifer Chemikers 
und Nperbefers, gelefen. Seine Nachricht daruͤber 
iſt auch ſogleich dienſtwillig ins Deutfihe überfegt 
und die Broſchuͤre in allen Buchlaͤden vertheilt wor: 


Kfenüin. 


Kieniia. 
Dimitr. 


- 45 — 


den. Man hatte ſie im erſten Bewunderungseifer 
in Deutſchland ſchon mit der bkonomiſchen Suppe 
des edeln Rumford im Parallele geſetzt. Indeß 
jedem das Seine! Der berühmte und durch 
Schrift und Wort gleich verdiente Profeſſor der Mies 
dizin in Tübingen, Ploucquet, ift der wahre und 
einzige Erfinder diefes Knochenextracts, und der Frans 
08 hat es dem Deutſchen blos abgeborgt, was er 
nun mit Blingentern Phrafen dem ftaunenden Europa 
vVorerjählt. Bei der allgemeinen Theurung von 177F 
gab Ploucquet auf 24 Quartfeiten eine kurze Ans 
weilung, wie man fih ohne Fruͤchte mit 
gerinzen Koften ernähren könne, zunaͤchſt 
für feine Wirtembergiſchen hungernden Landoleute 
heraus. Dort (S. 15) ſchlug er außer andern 
Subſtanzen, auch die Knochen geſchlachteter Thiere 
vor, und bewieß, daß darin eine ſehr nahrhafte Gab⸗ 
lerte aus völlig ausgearbeiteten animaliſchen Sub— 
ſtanzen zu finden ſeh, dab dieſe Speiſe weder efels 
baft noch ungefund fey, und daf ein Pfund folcher 
Gallerte mit einem Pfund Mehl verwiſcht, fo viel 
Nahrung darbiete, als 4 Pfund Mehl, folglich ein 
fund 3 Pfund Meht gleichkomme. Ploucquet berech⸗ 
net bei diefer Gelegenheit, daß man bloß in Tükins 
gen in einem Jahre 94000 Pfund Knochen, im 
ganzen Sande aber 6,142,857 Pf. erhalte, dadurch 
37,767 Scheffel Früchte eriparen, und 50,000 Diens 
Shen go Tage lang ernähren kön. In eben dies 
fem Auffag gab der patriotiſche Arzt auch die Derels 
tung und Mifhung des Knochenmahls an, Allein 
alle diefe Vorſchlaͤge hatten damals feinen Erfolg, ja 
fie zogen dem guten Willen des Derfajlers fogar 
Spott und Berachtung zu. 

Nichts war natärlicher, als daß der noch lebende 
wuͤrdige Verfaſſer jenes Vorſchlags jeßt, da alle Welt 
von Cadet de Vaurx's nüglicher Erfindung ſprach, fein 
Cigenthum zuruͤckforderte. Er that es in einer eige: 
nen Schrift, *) feßte aber noch mandes Lehrreiche 
jur DVerbreitung und Benutzung diefes Nahrungsmite 
tels hinzu, und geb alfo auch in jo fern feiner Schrift 
einen neuen Werth. Wer etwa fügen wollte, der 
Franzos habe ja auf denfelben Wegen, worauf ber 
Deutſche feine Erfindung machte, auch bie feinige 
machen und von ſelbſt darauf kommen koͤnnen, dem 
beweifet unfer kandsmann, (S. 27.) daß ber Parifer 
außer der Analyſe nach der neuern Chemie, die freis 
lich ig jenem erften Aufſatz noch nicht fiehn konnte, 
gar nichts eigenes habe, Es ifl wohl fehr leicht, 








Anmertungen über H. de Baur Schrift: die 
Galferte aus Knochen, von Dr. Ploucaue, Tübingen, 
bei Heeebrandt. Burg 40 S. ind. 3 ®t, 


felbft Über dieſen Eigenthumsſtreit einen fuffigen oder 
wihig fennfollenden Einfall zu ertemporiftren, als .®. 

Zwei Hunde zanten ſich oit fiber einen Knochen; 

Zwei Böker janten ſich: wer lieh zuerſt ihm kochen? 
und wers recht witzig zw fagen weiß, wird um f 
mehr den Lacher auf feiner Eeite haben, als ſelbſt 
ſchon, laut des Reicht anzelgers, diefe Knochengallerte 
unter uns manchen erheblichen Einwurf und manche 
fpoͤttiſche Gioſſe erfahren hat. Allein es kann auch 
dieſe Bemerkung nur dahin abzwecken, mehrere wackere 
Maͤnner von altem Deutſchen Schrot und Korn zu 
wecken und zu reigen, daß fie Im Freimuͤthigen 
frei die Anjprüche unfers Volks auf fo mande ges 
priefene Entdeckung des Auslandes geltend machen, 


— f£, 


Wilbelmsthbal®) 


O files Thal, von Buchenböhn umbügeh, 

Wo Kube ſanſt ſich im Das Herz ergient; 

Du re, im dem Des Himmels Blid fich ſpiegett 
Des Ufers Kran; Mich mahlt, fen mix gegrußt 
Du Ward, durch den ein Yabgrinih mh windet, 
© nimm mich auf, we file Dimmrung winkt! 
Wo das Bertrau'n die heilige Freiſtatt findet 
Und tuniger im Freundes Arme Finke. 


Tom Nachtgewolb' der Kiefern hold mmbüfet 

Nauſcht Labung hier der Nomphe Uare Flut. 

Bun Zelſenhang' im Bachenlaube ſtuſtert 

Der Ldiede Laut und weckt der Schunucht Blut, 
Hier, o Natur, wo beine Zauber walten 
Durchſchauert mic die hebre Dunteibeit, 

Ko Fels mund Wald zum Temoel ſich gefalten, 
Der Gotthert ſelbſt zum Heillgthum geweiht. 


Den Wieſengrund umleuchtet der Cascaden 
Errurnter Strom, der brauſend niederſchäumt; 
und magiſch tages Im Hain der Helladen, 7", 
Wo ihre Melt de Unihnid gem fi traumt. 
Beſcheiden glänzt die Wohnung, fo der Friede 
Eid ausertohr, hier, wo auf Tempes iur 
Ein edles Furſtenpaar, des Zwanges müde, 
Eid freier fühle am Buſen der Ratur. 


Im Schneegewand', im bunten Trülingsfleiide 
Gtrable wandelos dein Nez und immer neu. 
Hier weicht der Darm, bupfe frohlicer die Freude 
Jan Abendſraht, gelichtes Gorgenfreit 
Umgrünt vom Haiu vaht dert die Schwetzerhütte! 
Erinueungemahl des Volfes, eins begtuckt 
Um ſreſen Heerd, durch Eintracht, Biederſitte; 
Durch Zwieſpalt num vom jeemd.m Joch dedrücktn 


Gtüchjelig wem auf deinen Blumenmatten 
Der Heetden Ruf bier Eche wirderhalls ? 
Wo unseflöre, im Frieden deiner Schatten, 
Am Wieſenbach das Chor der Muſen waut: 
Gen hier des Gluͤcks Geheimmih fih enthütiet 
Zufriedenheit in jeder Blum’ erbiäht, 
Und wer dem Traum der goldnen Zeit erflilich, 
O trautes Thal, im deinem Hiumtl fücht! 
M— ⸗. 
PER Er EEE SINE GENERELLE EEE BCE Een. 
", Eine finflide Eormmerwohnung bei Eiſenach. 
+9) Phattrus Schwtſtern wwrben im Lerchenbaume wer 
wandelt, 


| — 46 — ’ 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 96. 


Maria Pawlowna. 
(Uns einem Brief aus Weimar v. 18. Rod. 1804.) 
(Sortiegung. ) 

Montag kam die Großfkriiin zum erſtenmal ind Theater, 
Sie wiſſen, wie feierlich am gewiſſen und allem theuern Tagen 
der Eintritt unſerer gelichten Sürden und Fürftinnen in unierm 
Heinen Ahalientempel it, und dad das dreimalige beimilitoms 
mende Klatichen bei ſolchen Gelegenheiten nicht blos Hande, 
fondern au, wenn ib mich fo alısdruden darf, Vrupfton if, 
Denten Ste fih nun ben Jubel und das Klatiden, als jegt das 
junge Gürftenpaor zum erſtenmal eintrat, Die losgereifelten 
Hände entihadigten fich wegen des aeiirigen Kirdenjwanges, wo 
die Tauſende, Die dort ber erſte Airchäang der erhabnem, durch 
thre reiue Neligiofitat noch ehriwirrdigere Kailertochter berbeiges 
sogen hatte, nur ungern ſich aller Zeichen des Veirralid enthiel⸗ 
ten, die ja (don vor vielen Jahrhunderten in den Bafıliten zu 
Conſtautinopel und Anttochia den frommen Biſchbſen vom acht ⸗ 
chrittlichen Gemetuden zugetlatſicht wurden. Doc dem ſen, wie 
ibm weile. Hier war alles au ſeinent Orte, Das Vorſorel 
von Schiller begann, Das Thema deſſelben iſt gam einfach: 
Die Künfe begrüßen Die Willtommenen, 
Das Sombol, um das ſich alles fdbiieht, AM ein feitner, freme 
der Baum, ber von einer Gruppe ſroher Landltute verpfiungt 
wird, Sie erdehen bie Ersnungen des Himmels mir jein (Wer 
deiben auf dieſem renden Boden. Mit dieſer Handlung ber 
ginnt das Grüf, Noch wunt' ich Feime bebemtendere und ans 
ſpruchloſere Wilsgorie, als dies Gleichuiz aus der Lieben Bauer⸗ 
ſchule. Auch Ihr NMiand bar es bei einer Aunlichen Gelegen⸗ 
beit ſehr paſſend gebraucht. Es latzt ſich Fein zarteres erſiuden. 
Oder mohen Sie etwa bie ven Rubens für Maria de Mediti, 
einer erſundnen, pruntvolen Olumre mad Helicone? eder der 
Prosshonen und Mummerein ganzer Wilttheife und Provinich, 
worte einſt Die reiben Kaufleute Der damaligen Welt auch eine 
Maria, die Erbin dev Turguadiihen Eraaren, mit ihrem Mari⸗ 
miltan ja Gent, Brirgge und Antwerben empfingen? Wir leben 
lieber im beſſeruden Idyllenlande. Die zarte Auegorie verichire 
ihre Wirkung wider auf Die Zuſchauer, noch anf die tief und 
fitar geruhrte Konigin des Fahs. Boa verſchiedenen Anhör 
ben herab Famen num von Merkur geruber Die Kimſte: die Tamı 
tun, Bildhaueriunf, Diettuun, Maſit, Tanitung, Mimit, 
miſchten ſich unter die Beute des Bandes, fraaten mad ihren 
Feſtet u. dw, und vereinigten ſich bebeidn zur allgemeinen 
Weihe, indem erſt Mertur, dann jede der Klımfle ihre Huldi⸗ 
gung beitigten. Das Ganze fand den gerechtenen Sera, Die 
Rede der bandleute eiguet ſich it ju Chöre. Wit einen Chor 
fblo5 auch das Ganze. Dies har bier und da einige grauelnde 
Tadlet gefunden, Allein das Ganze wurde bier mit jo vieler 
Pracifion ausgeruhre und lag fo naturlih und ungeſwungen in 
der Handlung ſeibſt, dab wo man and fonft mir Scillers Wie 
dereinführung der Chöre ſich nice ausjühnen kann, Boch hier 
geſtehen munte Die Cache verfehle ihres Eindrucks nicht, und fen 
hier wenigdens ganz am ibesm Dre. Hierauf folgte mit altem 
Aufwand von Dereranon und Umgebungen, Mithridat. Auch 
unſere Ediaurpieler harte die Feierlichteit des Tages gan; wun—⸗ 
derbar ergriſten. Sie ſtauden wirklich in einer Urt von artiti⸗ 
ſcher Vertlaruug da, und uberiraſen ſich bei dieſen Vorſtellun⸗ 
sen ſelbu. 

Unter den Feſten zeichnete ſich ein Ban beim Grafen Reull 
den XLVIII. aus, am 15. d. M, Im einem zeltſormig, bes 
fonders Dazu erbauieten und mit dem Zimmern jenes Hanns 
cominuninxrenden Salen, deſſen Himmel umd Bande in blau 
und Silber fon und geſchnackopoll descrier und init allen Ster— 
nen des Firmaments vernert waren, verſammelte ich eine Geſtll⸗ 
ſchaft von mehr als 200 Gaſfen, worumer ſich am 20 fiel, 
Verſonen beranden. Unter ibnen war auch der wahrhaft edle 
Herzoa von Oldenburg mit ſeinen zwei Bohnen, Die in Letorig 
ſtudiert baten, ein Den Weimaranern gan brionders will mn⸗ 
mer umd geehrter Gaſt. Bor dem Hame bramme Abends eint 
Jeſſpyramide reichlich beleuchtet und ausgeidumucde, 


J 





Aus Franzoſiſchen Blaͤttern. 


Das Journal de Paris (vom 20. November) künkigt am, 
daß Delile'$ Lieberiegung ded „veriornen Paradiejes " den Tag 
nach der Krönung cf ausgegeben werben. 

— US ber berühmte D’ärgenion " Wolizei s Lieutenant 
(das heit, Minifter,) In Paris war, Ueſen fal eben ſo viel 
Klagen Über die Brobheit und bie Preliereien der Flacres ein, 
als jegt im Paris und an — amdern Orten, D’Argen,on, um dies 
fen VBeſchwerden abzubelfen, ernannte den anfandigien und 
reichſten Mierhskurfcher zum Richter über die Adern, Der 
Mann bieht zweimal in der Wocht Gericht. Er fand in einem 
Gaale im der Linten das Verzeichn der Mierhstuticher, im Der 
Rechten einen tichtigen Kuorenflod. Eo bald ein Angeklagter 
aufgerufen mar, gab er ihm ein halbes Dutzend geiWichtveder 
Ediage, umd umterjuchte Dan, ob er ſchuldig ſey. War er's, 
fo ſchictte er ibm ins Dacktie; war ers nicht, je ſagte er: 
„Du taneh gehn, Camarad; Die Schlage die du Diesmal er— 
bietteſt, haſt du geftern werbient, oder wird fie-morgen verdie⸗ 
nen.“ Dies Verfahren fol die brutale Grideridbare im Kurzem 
fehr civilifire Gaben. ; 

— Auf dem Theater de ’Opera Comiqque bereitet man 
ein ſehr buarres Erik vor: das Schiſſ. Das Theater fol fe 
eingerichtet werden, daß es bas Verdeck eines grogen Schiffes 
vorſſeut und sche Bas Parterre fol cin Theil deſſetten hei⸗ 
hen. Das Stuck ſon mit einem Gefecht endigen und die Garapırahe 
feut der. Unterzang des Edles jeum. Od man den Redakteur 
des J. d. P, nicht wirder Anmal zum Werken gehabt hat? Er 
hat dies Schickſal beinatz eben jo art als der ſcharfſiunige Ver⸗ 
fertiger Der Zeitung fur Die elegante Welt, ) 


Yud Berlin 


Am 29. November, 


Aus bad Königliche Ober ⸗ Conſiſtoriunt hat nicht mur das 
Publilum zu Veitragen für das Dentmaal Butbers aufgerorbert, 
und ertlart, daß es fie in Empfang nehmen werde, — es bat 


„auch den Predigern im den Ktrisen Stadeen ber Mart Brandenburg 
% 


empfohlen, devgleichen zu ammeln. 


— Vor etwa act Tagen barte fich jemand, der noch nicht 
entdeckt if. einralten Laffen, die Gtaruen des General Bieten und 
des alten Furnen von Dean mit ihwarzer Barte ju beichunugen, 
Das Gouvernement bat eine Bramie vom 500 Thalern auf die 
Entdeckung des Thaters geiegt. Diefer Era wird hofentic je 
den abmlichen Umfug für Die Zuhupit verhuten. — Gluͤcklicher 
Weiſe it es der Sorgfalt, mit welder man die Neinigung der 
Statuen unternahm, geylüct, beinah alle Epuren des Frevels fort 
au.caden. 


Aus Engliſchen Blättern. 


Mi welcher Nachlaſſigkeit das gelbe Ficher im Gibraltar Ber 
handelt wird, srigen awei Beijpiele. 


Ueber 200 Perſontu, von 
denen die meiſten fon krant waren, wurden auf eimem 


Edi nah Maltha eingeibiit,. Dab die Seucht dorzinn 
werde verpfanit werden: Davon nahm der Gapıtalme keine Ns 
fir; aber er Her ſich vom Jeder Perſon 20 Guinten ur die er 
beriaher begahlen, Im eim anderes, mac Oran beikimmtes Edit 
wurben 30 Kramte aufgenommen. Gieben umd zwanzig dewiel: 
ben farben am demielben Tage; Die drei Übrigen fprangen, als 
fie eine Enaltiche Tresatte in der Nahe fahen, ins B ““, uud 


wurden audı wirtuch won derſelben auigefifcht, aber may Gibrui: 
tar zuruct geſchickt. 


— Dee berühmte For bat im den drei letzten Jahren an 
Vermachtunſen von ibm perſontich ganz untetaunten Verionen, 
9,000 Pfund (54,000 Thuler,) erhalten. Wie bie Karheiitat 
ſterbend ibren Heiligen, opfern die Britten Merbend ihrem pateie: 
trichen Redner. Die Britten find eine Natie 


1804. 


— —* 





Der 8 
Sonnabend, 


Ernſt 


Nro. 240. 
ARBIDES, 
rteimüuthbige 
— ààder — cen 1. December. 


und Sherry; 





Literatur. 


Alruna, ein Taſchenbuch für Freunde. ber Deufe 
ſchen Vorzeit vom Ernft Miller. Erſtes Jahr, 
1805. Mit 9 Bildern nach Uſteri von Lips. 
Züri) und Leipzig, bei Fuͤßli, in Comm, 
bei Schiegg. 


Ds die Mode ber Taſchenbuͤcher wirklich ſchon 
ſchwindet, und ob man — wie ein andrer Mitarbei: 
ter des Freimbthigen zu behaupten ſchien, Urſache 
bat, fich daruͤber zu freuen, will ich nicht unters 
fuhen, (felbft die überfläffigften gaben denn doch 
meiftentheils dem — Unnuͤtzen eine zierlihe Form, ) 
daß aber ihre Zahl fich vermindern werde, und 
müffe, ift gewiß. Es haben ſich nehmlich mehrere 
gute Schriftſteller einfallen laffen, auch die aͤſthetiſchen 
Tafchenhäcter die fie herausgeben, auf einen beſtimm⸗ 
ten Zweck zu berechnen: ſolche mäffen denn freilich 
wohl bald alle andre verbunfein, und folche zu 
Etande zu bringen, iſt — nicht jedermanns Sa he. 

Diefe Alruma gehört zu der erwähnten be ſern 
Kaffe. Die ihr zum Grunde liegende dee ift aut, 
und verdient eine fortgefeßte, gioefimäßige Aucfüks 
rung. @ie foll uns Zitten« und Charakter: &cilde: 
rungen und romantifche Gemälde dus Deutſchlands 
fräbern Jahrhunderten aufftellen. Dieſe Aufgabe 
ift ſchwer, — da man fich bei derfelben ftrenge auf 
der Mittellinie zwiſchen dem hiſtoriſchen und poeti- 
ſchen halten muß, wenn man nicht entweder das 


Romantiſche oder das Nuͤtzliche aufopfern will, — 
aber gut ausgeführt, muß fie allgemein, und jähr 
lih mehr interejfiren. 

Diefer erfte Jahrgand enthält zwei Schilderun⸗ 
gen. Die erfle: Muttertreue, ift ein haͤusliches 
Gemälde, oder richtiger, der Febenslauf eines wackern, 
edlen Weibes, aus dem 16. Jahrhundert. Die Hel: 
din ift eine fchöne, wohlerzogne Augeburgerin, die 
ſich als Tochter, als Liebende, .als Gattin und 
Mutter, — alfo in allen Phafen der weiblichen Be: 
ffimmung, mufterbaft gut und edel berimt. — Nech 
ein Weib felglih, wie es ſeyn follte, aber fie 
bat vor der berufenen Eliſa den Vorzug, daß fie 
durchaus ohne Leberfpannung, gut und jartfühlend 
handelt, daß ihre einfache Geſchichte — zwar nicht 
gedrängt genug, und bier und dort zu fehr mit mo⸗ 
ralifchen Betrachtungen Überladen, aber — rein und 
im Ganzen anziehend gefchrieben ift, und — von 
neun faft durchgaͤngig melfterhaft ausgeführten 
Kupfern begleitet iſt. Diefe Kupfer fcheinen gleich: 
fam die bouts rimes geweſen zu fegn, die dem Er 
sähler aufgegeben wurden. Bei einem fünftigen 
Jahrgange ift fehr zu wuͤnſchen, daß dem Erzähler 
überlajfen werde, dem Zeichner die Aufgaben zu 
machen. Dem erftern iſt die Freiheit fehr viel noch⸗ 
mwendiger, als dem Letztern, um etwas Dortreffliches 
zu liefern. Die bildenden Künfte find ihrer Natur 
gemäß der dichtenden Kunft untergeordnet und koͤn⸗ 
ten fich nie, ohne Machtheil des Ganzen, in einem 
gemeinfchaftlichen Werke die erfte Stimme anmaßen, 


- ih si Win ich 


KLGIA 
»AONACHNSIS 





Der zweite Artikel heißt: Bafine, Königin 
von Thüringen, ein romantifhes Gemälde 
aus dem fünften Jahrhundert, Es iſt in 
Küdficht der Eharafter: Echilderung, ein fehr gut 
gemähltes Gegenſtuͤck zu ber erften Erzählung, und 
mit poetifhen Feuer und Geifte geſchrieben. 


Das Titelfupfer ift von Echnorr trefflich ge 
jrichnet und von Bbhm gut geflochen; es ſtellt eine 
Alrune dar, — ein, wie der Verfaſſer behauptet, 
wohlthätiges, meiffagendes Beifter: Weſen, das bei 
den alten Deutfchen verehrt ward, Das Ganze ift 
Auferft fauber und gefhmadvoll, 

NR; 2. 


Fragmente, aus, der Schreibtafel 


eines Keifenden x. 
Don Riga mach Berlin durch Weſipreußen. 
ür einen Xeifenden, dem der Winter über den 


Hals zu fommen ‚droht, und der, meil er Stallens 
Grenze vorher zum erreichen wuͤnſcht, fo ſchnell als 


möglich mit Ertra« Poft reifen muß, giebt es zwiſchen 


Riga und Berlin wenig zu bemerken. Ich ſchuͤttele 


meine Schreibtafel, aber es fallen nur einzelne _ 


Broden heraus, 


Die kurländifhe Derfaffung öffnet auf 
Privat: Gütern noch wahrer Willkuͤhr die Pforten. 
Ein Edelmann, der felbft Gutsbefißer dort ift, and 
dem ich zu miffrauen um fo weniger Urfach finde, 
it bei diefer Behauptung mein Gewährsmann. Die 
Krone hingegen hat väterlih für die geringften und 
unentbebrlichften ihrer Kinder geforgt. ie 
behandelt ihre Pächter Alle auf einerlei Weife, die 
KRontrafte mit denfelben find gedrudt Ein be 
dräcdter Kronebauer darf fi ungehindert mit feiner 
Klage an die Kaiferlihe Kammer (Kameralbof) 
wenden, die ohnehin verpflichtet iſt, von drei zu drei 
ohren, durch eine Kemmiffion alle Kronsgüter ber 
reifen und deren Zuftand unterfuchen zu laffen. 


— Wer in Memelein Stuͤndchen Üibrig hat, der 
werfäume doch nicht, die alte Citadelle zu beflei: 
gen; die Ausficht wird ihm feine Mühe reichlich 
lohnen: denn er erblidt zwei Meere, rechts bie 
Dftfee, links das furifhe Haff. Bon beider 
Bellen befpält, liegt die ſchmale Erdzunge in ber 
Mitte, und befindet fi freilich fehr Übel dabei, 
denn noch bei Menfchengedenfen prangte fie mit 
dem fruchtbarften NBaigenboden, Aber Menſchen, die 
nicht meiter vor fi ſahen, als ihre Naſe reichte, 
bauten die fhügenden Wälder um. Seitdem ver 
ſandet die ganze Erdbjunge, und nur noch wenige 


grüne Plaͤhe legen wie Inſeln in diefem Sandmeer. 
Zwar bat man feit einiger Zeit wiederum angefans 
gen, Wälder zu fäen und zu pflanzen, aber ſelbſt 
diefe junge Anpflanzungen werden nur mit vieler 
Möhe vor dem Alles verfihlingenden Flugfande ger 
ſchuͤtzt. 

Unter manchen intereſſanten Gegenſtaͤnden, 
welche die Schloß⸗Biblkothek zu Könige 
berg enthält, (und welde von dem wadern Herrn 
Profeffor Genſike fehr gefällig gezeigt werden,) befins 
det ſich auch die Handſchrift einer Braunfchroeigifchen 
Fürftin aus dem Mittelalter, (Namen und Jahr— 
zahl Habe ich vergeffen) eine Inftruftion für 
ihren Sohn, wie er ſich während feiner Regie: 
rung verhalten folle, die durch Klarheit der Begriffe, 
durch faft republifanifhe Gefinnungen, und durch 
vorurtbeilfrele Würdigung der Geiſtlichkeit, 
in Erkaunen ſetzt. Warlich, fo richtig "und fein 
fonnte damals nur noch ein Frauenzimmer beobadh: 
ten; faſt möchte ich. behaupten, auch jekt noch. 
Das Ganze iſt dabei Fräftig, und oft mit drolliger 
Serjlichkeit geſchrieben. Es verdiente befannt ge: 
macht zu werden, und würde manchem Regenten 
der Ohren hat zu hören, noch Heute fehr nuͤtzlich 
feyn. Wie abftechend iſt dagegen eine in gleicher 
Abſicht, aber niche mit ‚gleichen. Kräften, gefchriebene 
Spmftruftien des erften Herzogs in Preußen. : ie 
ift nicht einmal vollendet, denn der gute Mann bat 
fih viel zu lange bei dem Neligionsunterricht 
aufgehalten, der ihm nichts anging, und hat ſich, 
ber das Weſen der drei Perfonen in der Gorkheis, 
in folhe Spitzfuͤndigkeiten verwickelt, daß ihm end: 
lich die Feder aus der Hand: gefallen, noch ehe er 
ju den Regenten: Pflihten Fam, die ihm vermuth: 
lih nur Mebenfachen ſchienen. 

Die herrlichen Briefe Friedrich des Zweiten an 
Bouquet find zwar gedrudt, aber es iſt doch aͤußerſt 
intereffant, fie bier von des großen Königs eigener 
Hand gefchrieben zu erbliden, 

Au einen eigenhändigen Brief Doktor Luthers 
an feine rau, wird man mit Vergnügen lefen. Die 
gute Frau harte alleriei Gewiſſenszweifel, das hieß, 
nah damalige Sprade, Anfehtungen vom 
Teufel. Luther tröftet fie, in feinem gewöhnlichen, 
fräftigen, drolligen Etil, und giebt ihr gute Kehren, 
sie fie es anzufangen habe, um den Satan los zu 
werden. Wolle er durchaus nicht weichen, fo felle 
fie endlich fprechen: „Wohlan, Teufel, wenn du es 


„beſſer verftehft,.fo fahre hinauf gen Himmel und 


„difputire mit unferm Herrgett.“ — Ah — wenn 
man doch überhaupt alles Difputiren über überfinn: 
lihe Öegenflände auf ewig dahin verweilen könnte! — 


Die Bedeutung des Wortes Bodsbeutel, 
iR heut zu Tage von Ihrer urfpränglichen fo fehr 
abgewichen, daß es wohl der Mühe verloßnt, zuicht 
noch einen Blick auf die kleine Antiquität zu werfen, 
die in der Schloß: Bibliorhef aufbewahrt wird; 
nehmlich eine Art von Tafıhe, von grünem Sammt 
mit Gold verbrämt, in welcher ein Pfalmen : Büch: 
kein ftedt. Solche Taſchen hängten unfere fromme 
Alt: Mätter an die Eeite, und fie waren fo bequem 
eingerichtet, daß fie die Pfalmen auffchlagen Fonn: 
ten, obne die Taſche abzunehmen. Solch ein Ding 
hieß ein Buch’s: Beutel, und mar — meil bie 
Eitelkeit fi auch in fromme Seelen ſchleicht — zus 
gleich ein nicht unbedeutendes Stuͤck des weiblichen 
Putzes, mie die noch vorhandene Figur zeigt. 
Warum in fpätern Zeiten gerade diefer Kleine Buchs: 
beutel erfohren worden, Überhaupt jede verfchollene 
Gewohnheit zu bezeichnen, daven möchte der Grund 
mohl fehmwerlich mehr zu finden ſeyn. 


Der neue AYuftize Pallaft in Marienmwerder, 
an dem der Reifende vorüberfährt, hat ein breifaches 
Intereſſe: erfiens als herrliches Gebäude; zwei: 
tens durch feine ſchoͤne Inſchriſt: Jedem Ge— 
rechtigkeit, (melde einen neuen Beweis liefert, 
daß unfere Sprache fih auch dem Lapidarflil fehr 
wohl zu fügen weiß,) und endlih drittens dur 
die frohe Ueberjeugung, die in der Bruſt jedes 
Preuhiſchen Untertbans lebendig iſt: daß die Im 
fchrift nicht luͤgt. 

Non Graudenz weiß ich nichts weiter zu 
berichten, als daß in feiner Mähe der ſchoͤnſte 
Gaigen fieht, den ich in meinem Leben gefehn 
habe. Zwar, der Galgen felbft unterfcheider fi 
nicht von feinen dreibeinigen Brüdern, aber der mit 
fteigen Eichen bepflanzte Hügel, auf welchem er fteht, 
ift fo ſchͤn, daß er die armen Suͤnder aleichſam 
einladet, ſich mit Bergnügen aufhängen zu laffen. — 
Ich fprehe nicht ganz im Scherz. Wenn man 
täglich fieht, mie ängftlih die Menfchen um ihre 
lehte Nubeftätte beforgt find, wie fergfältig fie das 
kleine Plaͤtzchen wählen, auf welchem fie einft vers 
modern wollen ; fo ift es ja wohl moͤglich, daß auch 
ein armer Salgenfandidat diefe Empfindung mit zum 
Richtplatz nimmt. 

Ueberall, auf dem Wege tur Weſtpreußen, 
trifft man Coloniften, die fi dem Anfehen nad 
wehl befinden. Wenn kuͤnftige Könige und künftige 
Miniſter fo fortfahren, fo möchte ich wohl nach fünfs 
hundert Jahren einmal wieder durch die Preußifchen 
Etaaten reifen. Schwerlich mürde Voltaire dann noch 
fagen fönnen; les etats longs et sablonneux du 


roi. Die Breite wird dann wahrſcheinlich fehr 
verhältnigmäßig, und aller Sand verfhmwunden feyn. 

Don Berlin will ich bdiefesmal weiter gar 
nichts erwähnen, als daß ih Schillers vortreff: 
lichen Wilhelm Tell babe aufführen fehen, und 
daf, nad dem herrlichſten, vier Afte hindurch wäh: 
renden Gienujfe, es mir in der Seele weh gethan 
bat, zufehen zu möüjfen, wie der fünfte Akt die 
vier erfien unbarmhergig ermordete, Ein vollfemm: 
neres hors d’oeuvre, als diefer fünfte At (menig: 
fiens für die Darftellung) ift, Fam mir noch nie 
zu Geſichte. Doch mill ich damit Schillers großem 
dramarifchen Genie warlich nicht zu nahe treten, 
denn ich halte ihn, mit dem aufrichtigften Kerzen, 
für den größten jegt fHreibenden Dichter, und 
muß immer mitleidig lächeln, wenn id nadplaus 
dernden Anbeter begegne, welche Goͤthe vor Schiller 
den Vorzug ertheilen. Ich fpreche nicht von dem 
vormaligen, fondern von dem heutigen Goͤthe. — 
Als einft die vortreffliche Echaufpielerin Adambers 
ger in Wien, aus Gefaͤlligkeit für mid, 
noch einmal die Gurli fpielte, zu welcher Rolle fie 
ſelbſt fih gu alt fühlte, und meinen Bitten lange 
tiderftand; da rief das dankbare Publifum am Ende 
der Vorftellung fie heraus, und bemwillfommte fie 
mit lautem Jauchzen. Die befcheidene Frau vers 
beugte fi und ſprach nur das einzige Wort: gem es 
fen. — Um mie viel mehr wuͤrde Gbthes Be 
wußtſeyn an der rechten Stelle ſeyn, wenn er jedes: 
mal, beim Zujauchzen des Publifums, aufträte, und 
befcheiden augriefe: gewefen! — denn er hat zwar 
nicht feinen Ruhm, aber warlich feine geiſtige Zeus 
gunaosfraft überlebt. eine &ugenia kann man eben 
fo wenig als die Offenbarung Johannis ein Theaters 
ſtuͤk nennen. Was wir bringen, iſt ein fo elens 
des Machwerf, daf nur er es wagen durfte, das 
Publifum damit zu narren. eine Ueberfefungen 
Franzöfifcher Trauerfpiele, kommen mir vor, wie die 
keeren Ruͤſtungen alter Helden, die man in Rüftfam- 
mern aufftellt: fie fehen zwar noch aus als ob fie 
lebten, aber fie rühren ſich nicht mehr. 

Kotzebue. 
Predigt-Eintheilung. 


Es⸗ vrediate jünaf Vaſtor Zehe 
Som Ehehrud; 

Im eriten Theil, fo Tautete fein Gorud, 
Abhandeln wir bie be, 

Im jweiten Theil — den Bruch. 


Opera omnia *’*®, 


Seine Werke, Gört ich meulich ſagen, 
Trogen jelbt dem Zahn der Zeit! 
Etelt fie fogar daran in magen? 


Ch. Schreiber. 


— 440 — 
Riht=-politifhe Zeitung Nro. 97. 


Aus Berlin 


Runen Weber hat für das Concert, das bie berüßmte 
Wirtuofin auf der Harmonıca, Diie Kirdarner uns been 
takt, den erſſen Monoiog von Schillers Junger von Orlcand 


in Mufit aefegt, und eine der beruhmteſten Kungierinmen unten, 


Bühne wird ibm declamiten. 


An 29Nem November führte man zum erjkumale auf: 
„die Stricknadeln, Ecdaufpiel in 4 Akten. 


Der mehr als viersigiährige Baron Durlach lebt auf 
dem Bande, imdeii feine swoniigiährige Sram, die er eimm ſelbn 
ersichen lieh, In einer benachbarten Gtadt, mit feiner Bewiltis 
gung, das Garnaval genieht, Geit vier Tagen bar er feine 
Macricht von ihr erhalten. Das beuuruhigt ibm, fo fehr er 
auch auf ihre Tugend taut, Eeime Mutter beſucht ihn, aus⸗ 
drirftich um ibn vom den Üben Gerüchten, die vom feiner Batı 
tim berumlaufen zu benachrichtigen. Cr vertheidigt fi. — Die 
junge Barenin ſelba ericheint mit ihrem Plscbaber, den fie zwar 
nicht erhort, von dem fe ſich aber gleidhwohl manden Verdacht 
gegen ihren Gemabt eimföfen Täht. ie jmingt dieien Ihren, 
the das Echmucttaſſchen ihrer verfiorbenen Mutter einyabandigen, 
und ehrt nach der Etadt zurücd, um den Abend auf einer 
Maeterade iuzubringen. Hochſt aufgebracht, dringt bie Echwi⸗ 
germutter in ihren Sohn, fid ſcheiden zu laſſen, umd da er ſich 
weigert, eilt fie fort, mm fehl die Scheidung im veranftalten. — 
Die unge Baronin, in der Stadt angelangt, öffnet das Schmuck⸗ 
taken in Gegenwart Ihres Liebhabtrs und findet darın — ei⸗ 
nige Ervicinadeln, einen rief ihrer vergorbenen Murter: biers 
nie habe fie, eine arme Örficherswirtioe, ſich und Ihre Tochter ers 
nähren mürfen, bis fie den edeln Varon kennen gelernt, der fie 
großmürtbig untertügt babe; — und einen Brief ihres Gemabis, 
der ibe erſt mad feinem Tode im die Hunde jallen ſollte. — 
Wis jept hatte die Baronin fich für reich aehalten, geglaubt, fie 
Kate ihrem Gatten ein eben fo großes Vermogen iugebracht, als 
er befige. Sein Edelmuth rührt die tier; fie fant Die beiten Ent⸗ 
fhtüfe: da eriteine die alte Baromıı und begegnez ihr fo hart, 
Ba ihr @roti erwacht, fie Harte mit Härte eriwidert, umd voll 
Kummer und unruhe — auf die Masterade gebt, Hier bat fie 
Bochit främtende Auftritte, im melden ber Liebhaber fie verlähtz 
aber eine unvetannse Maste mimmt fib ihrer an wid ſichert fie 
vor Beſidimoſung. — Gie durchwacht bie Nacht voli Bere 


wweilung. Ihr Liebbaber, der Grar Eiflingen, ſucht am folgen » 


den orgen ibre Serrüttung zu bemugen. Gin Advotat bringe 
äbr ein werfiegeites Pater, das fie ihrem Gemable zuſtellen joll. 
Eier kalt es fir die Echeidumgsflage. Der Graf erbricht ed, und 
fie finder darin — die Abſchriit des Teſtameuts, durch das ihr Ger 
mabt fie im feiner UmiverafsErbin ernennt. — Welche neue 
Seſdamung, oder vielmehr Zerkmirrihung! Uber ihr Kummer 
ſteiat noch höber, Kaum bat der Gprar ſich entferut, fo ericheine 
Pie alte Baronin aufer fih vor Fchmers: ihr Sohn hat ſich ges 
ſchlagen; fie glaubt ihm todt, wenigiens verwundet. Das wirt 
die junge Fram vollig zu Boden: denn fie errath ſogteich, dat 
der Barom die untefannte Maste gerveien. Ge iſt es wirtlich: er 
war feiner Mutter im die Stadt nachgefolgt, um eine tlebereis 
Jung su verhuten, fand feine Gattin nicht su Haufe und ging 
ihr auf die Masterade nad. Er kehrt zuruch nur leicht verwun⸗ 
der. Selne Gattin ſintt ibm jo rewevoll am bie Bruit, dan auch 
feine Wintter gerührt wird, und bie berslihfte Vereinigung aller 
feutieße das Stuck, — bas den ungerheilteften Beifalt erwarb, 


Der Veriager dieſes Grüdes war nicht auf dem Zertel ges 
Mann worden: fer bie glücliche Berihlingung der Sitwarionen, 
der leichre, ichöne, wigige Dialog und die Manier der Charat ⸗ 
fire, alles vervicch Kopebwe. Ueber die eimelnen groken Vorige, 
Über die menigen Fehler umd über die Darfielung des Stüdes, 


dm machten Blatt. 
R. 8. 


Nachrichten aus Breslau. 
Den zı. Borciuber 1304. 

cEchiuũ.) 
E oncerte And jest am ber Tagesordnung. Alles, was nur 
Argend es vermag, nebe und fehrt im Concerte j vor 15 Jahren 
mochte man bier kaum 60 Periomen jublen, die ib zu een 
foldyen Wernügen verbanden, jegt gewii Über 800. — Für 
Duft wird auftrordentlich wiel gethanz aues in muſſtaliſch, 
bie erde Geheimderathin fo gut, als die ſimpelſe Kiirgersitau: 
jene arbr ind Toncert dm Pammenerlenchteren Nedouten ſaal, birfe 
im Bierhauſe;z Wintit iM der ewige Refrain beinab' aller Tas 
milien und unter einem Dutzend ſchöner Namen figuriren Con 
cert⸗ Geſelliſchaften: Humanitat, Harmonta, Eunemin, Mpelle x. 
Aler ſchönen Weſenheiten Treblihe Kamen werden dazu ges 
wahlt; jeder Wochentaz zahlt feine vaar Concerte, die im 
Rıdees und Bierhauſern ungerechnet; und die heilige Zonfunft 
ſcheint alles berzaubert iu haben! — 

Mir einer noch interefantern Macheicht kann ich aber 
fliehen. Es Gar fih, mach einer Bekanntmachung im legten 
Stuck der Schleſiſchen Provinzial » Blatter, eine Merelt 
fbaft sur Beförderung ber Naturkunde unb Im 
dürrie gebildet, Die, ihrem Plane mac, jo ferm ihre Abm 
sicht bloße Siguriren if, ehr swetmang zu feim scheint und 
von der, in Being auf Schleſten, Nugen und Frommen am 
fo mehr erwartet werden kann, da jfehr würdige Manner ihre 
Etiiter find. ... 

Au Gotha 

Vorige Woche war eine merfwürbige Nuctiem bier, mo man 
ches lutereſſante Erik mit Erinnerungen an de Zage der 
Borseit, unter den Hammer kam. Ge waren Sachen ans der 
Verlaſſenſchaft ber Oberbofmeitterin von Buchwald, bie einfk 
an unſerm Hofe die Seele des geiftreichſten Birkels von alter 
feiner Grameniam Kultur war, — Die verwittwete Grau Herr 
sogin, die unter dem Namen cine Grafın ven Kode rein, if 
den menefren Nachrichten jufolge, ınit dem Hrn. von Zach ſchon 
in Wars anncetommen, Der alte Lalande IN vor Freuden 
ganz aufer fi. Der Witterien Gchaufvielers Gereichart ift 
nun das Horihenter im Edilofe eingeraume werden -und fie 
hat dem 23. November zum ertenmal dort geibielt. . 
Yud Weimar. 
Man zählt ſhon 94 Webichte, die unjerer allverehrten, allge 
liebten Erborinzeifin uberreicht worden find, Es kanıen darum 
ter auch ſehr drellige um» ſonderbargeſtaltete Muſentindlein zum 
Vorſchein. Allen die Art, womet die Öreßfürdin Died alle# 
aufnehmen weih, würde, wie ein birfiger grofer Dichter ger 
fagt haben fol, felhR Ware in Wrin verwandeln. Gie ber 
zaubert durch ihr bimmlikbes Wohlwolih die game Well, De 
fie mit der reinen Euyeluüre den böchften Anſtand und die 
feinite Menichentenntnif und Kiugbeit zu vereinigen weiß, fo ik 
fie in Arſſcht auf Eriqwette umd Hefceremoniel ſich ſett ſt Belek, 
und tiber alle kieiuliche abassirkiite Hoſordaung völlig erhaben. 
ie handelt in allem rein wmen ſchlich. Die Jageret, die bei 
ibrer Einbolung ich vor allen ausgezeichnet hatte, marke auf 
Her ogl. Untoſten bewirtliet. Unter der Zarel lieh fie ber iröptichen 
Biınrodg + Beiskiiebast durch einen Pagen jagen, daß fie jetzt Die 
Gerundbeir der Jäger trante, und dann brachte fie dieſe Geſund⸗ 
beit laut aus, 

Dan glaubte-allgemein vor ihrer Ankunft, baf ber Erb⸗ 
Prinz nicht mit im meuen Editoß wohnen, fondern die alte Alirs 
Menwohnung, das Landſchaftehau⸗, besiehen würde. Auein dar 
von if siegt Die Mode mit mehr. Die aamie Herroguche Fa— 
milie lebt in der beruhen Einigkeit unzertrenklich beifamımen, 
Nun er, da der Trouſſtas im $ Zimmern ausgeſtellt in, he 
ſich feine Kontarteit gan ermeien. (Er befragt orwih Mmeit 
über eine Million. Es find mehrere Serbices von Bermeil, 
goldne Toiletten und unglaubliche Konbarteiten dabei. Zu ihr 
rer Chatoulle befanden ſich 270,000 Dutaten baarı 





a ME 


1804 


Nro. 241. 





Der Jreimütbige 


Montag, 


Er nn f 


Dopuläre Aftronomie, 


Dr. Benzenbergsd Verfuche Aber die Bewer 
gung der Erbe. 





SF esetaufend Jahre hatten die Menſchen geglaubt, 
dab die Erde auf ihren Velten ruhe, als Copernicus 
fam und lehrte, daß fie ſich bewege. — Diele Lehre 
war fo unerhört und wid fo fehr von der allgemels 
nen Porftellung ab, daß man ihr anfangs nicht ein: 
mal widerſprach, und erft als der Scharfſinn Gali⸗ 
is und die vielen Entdefungen, die fo fhnell der 
Enfindung des Fernrohr folgten, fich für diefe Lehre 
erklärten, da that die Kirche fie in den Bann. 
Topernicus griff einen Irrthum an, der das 
Zeugniß der Sinne für fi hatte, und flellte eine 
Wahrheit auf, die es gegen ſich hatte, Er that die 
fes in einem Zeitalter voll Finfterniß, ws das Licht 
beiferer Kenntniffe faum anfing, aus der Macht ber 
ariftorelifch : fcholaftifchen Philoſophie hervorzubrechen, 


in einem Zeitalter, wo man nech feine Fernroͤhre 


hatte, mo man nech feine Pendel: Berfuche machte, 
mo man die Abplattung der Erde und die Abirrung 
des Lichts noch nicht kannte. 

GSalitäi, der größte Aſtronom feines Zeitalters, 
erflärte fich für diefes Syſtem, und — manderte in 
die Gefängniffe der Inauifition in Nom, — Er 
mußte dieſes Enftem als irrig „abfchmören, und ver: 
„ſprechen, in Zukunft nie etwas mündlich oder fchrift: 
„lich zu jagen, wegen deffen man ihn in Verdacht 


und 


Scherz. 


„haben koͤnnte, der Lehre zugethan zu ſeyn, Baf bie 
„Erde ſich bewege, und nicht der Mittelpunkt der 
„Belt fen. *) 

GSaliläi war damals ein ehrmärdiger Greis, nahe 
an fiebjig, und geachtet von gang Europa, als ber 
größte Naturforſcher feiner Zeit. Der Antheil, den 
man an den ungluͤcklichen Märtyrer der Wahrheit 
nahm, vermihrte die Theilnahme an der neuen Lehre, 
und mon ſuchte fie auf alle Weiſe zu beflätigen, 

Der erfie Weg, den man wählte, um die Frage 
von der Bewegung ber Erde beftimmt zu entfchei: 
den, war: fehr genaue Beobachtungen Über die Orte 
ber Firfterne anzuftellen; denn die Bewegung der 
Erde um die Sonne mußte eine fheinbare Bewegung 
der Fixſterne veranlaffen. Aber diefe Bewegung war 
zu Elein, und die Inſtrumente waren zu unvellkom: 
men, und erſt hundert Jahre fpäter entdeckte der 
berühmte Aftronom Bradley mit einem zmwanzigfühl: 
gen Zenithfeftor die Abirrung des Lichtes, wiewohl 
aber noch nicht die Parallaxe der Fixſterne, die nur 
hoͤchſtens ı bis 14 Set. betragen fonnte, 

Der jmeite Weg ging darauf bin, De Umdre— 
bung ber Erde um ihre Achſe durch Verſuche zu be: 
ftätigen, indem man von hohen Thürmen genau ge: 
drehte Kugeln herabfallen ließ, Fielen diefe fenfrecht, 
fo ruhte die Erde, — fielen fie nicht fenfrecht, fo be: 





wegte fie fid. 


Man glaubte anfangs, daß die Kugeln weit 
*) Die eigenen Worte Samme im der Moidwerungsan 
kunde, 


— 42 — 


mach Welten fallen müßten, weil der Thurm wäh: 
vend des Falles nach Dften fortrüdte. Indes zeigte 
Galilaͤt, daf die Kugel die gemeinfchaftliche Bewe— 
‚gung, nach Offen, während des Falles nicht verlöre, 
und deswegen aud am Fuße des Thurms niederfal 
ken muͤſſe. Eben fo fiel eine Kugel, die man von 
der Spitze des Maftes auf einem fegelnden Schiffe 
fallen lief, am Fuß des Maftes nieder, obſchon das 
Schiff ſich während des Falls um zo Fuß fertbe: 
wegte. — Verſuche die Gaffendi hierüber im Hafen 
von Marfeille auf fepnellfegeinden Echiffen anſtellte, 
beftätigen dieſes. 

Mewton war der erfle, welcher zeigte, dab wenn 
die Erde fi um ihre Achfe drehe, die Kugeln nicht 
fenkrecht fallen könnten &ie würden aber nicht 
weftlich fallen, fendern etwas oͤſtlich, weil die Spitze 
des Thurms entfernter von der Erdachfe fey, wie der 
Fuß, weil deswegen der Schwung, der von ber Um— 
drehung kommt, oben größer iſt, als unten, und weil 
die Kugel, die waͤhrend ihres Falles diefen größeren 
Schwung nicht verliert, dem Lothpuncte unten in 
der Bewegung nach Mergen voreilen, und alſo öfts 
lich ven ihm niederfallen muß. 

Die Akademie der Nöilfenfihaften in London 
fand diefe Berfuche fo wichtig, daß fie dem Dr. Hook 
auftrug, fe fogleich anzuflelen. — Er that diefes, aber 
nur bei einer Fallhoͤhe von 27 Fuß, und die Der 
ſuche miflangen, Diefes war ums Jahr 1670, Die 
Akademie und Doktor Hoof fanden für gut, dieſer 
Derfuche nit weiter zu erwähnen, vielleicht weil 
Dr. Hoof Sekretair der Akademie war, oder viel: 
„leicht, ‚weil man. damals die Frage über die Bewe— 
gung ber Erde noch nicht gerne Derfuchen nusfeßte, 
die wo nicht unficher, dach wenigſtens fehr ſchwierig 
und fein wären, 

Obſchon dieſe Berfuche der entfchiedenfte Beweis 
für die Bewegung der Erde waren, — weil man 
hier eine unmittelbare Wirfung der Bewegung fah, 
welche weder Tycho noch Riccloll aus ihren Syſte— 
men hätten erklären koͤnnen, — und obfehon die erſte 
Idee zu diefen Derfuchen von einem Wanne her: 
rührt, den ganz Europa faſt vergätterte, fo findet 
man do im einem Zeitraume von 112 Jahren Mie: 
mand, weder in England, Deutfchland, Frankreich 
oder Italien, der es gewagt hätte, fie anzuftellen. — 
Die Schwierigkelt, große Fallhoͤhen zu haben, und 
dann. die Feinheit der Verſuche, waren bieran wohl 
Urfache: denn bei einer Fallhoͤhe von 300 Fuß weicht 
eine Kugel unten noch E£einen halben Zell vom Xo: 
the ab. 

Am Jahre rrgr ſtellte Siuglielmini, ein junger 
Geemeter in Volegna, auf dem dortigen Thurme, 


degli Asinelli diefe Verſuche bei einer Fallhoͤhe von 
240 Parijer Fuß an. Er bewies bei biefen Verſu⸗ 
hen cine große Beharrlichkeit, eine eben fo große 
Gefchiklichkeit, und eine noch größere Geduld. — 
Dur alle Fehlfchlagungen Heß er fi nicht abhal: 
ten, fie fortzufeßen und ganze Nächte aufiucpfern, 
da er alle Derfuche des Morgens zwifchen 2 und 3 
Uhr machte, wo feine Wagen über die Straße fub: 
sen, weil Diefe den Thurm und feine aufgehangenen 
Kugeln zittern machten. — Bonfioli, Hausprälat von 
Pabft Pius VL, maß unten die Abweichung der Ku: 
gein-vem Loth. Und doch mißlangen diefe Verfuche, 
und auf eine Reife, die Guglielmini Außerjt (chmerze 
haft ſehn mußre, Als er die Merfuche völlig geen: 
digt harte und am Ziel zu fegn glaubte, da fand ſich, 
daß der Thurm ſich während der Zeir, um einige fi: 
nien gekruͤmmt hatte, und aller Aufwand von Zeit 
und Geduld war vollig vergeblich gemefen, 

(Der Schluß im nächiten Blatt.) 


Sonderbare Formalitäten eines alten 
Rechtshandels. 


Das Kloſter Dänebrot in Oſt friesland janfte 
fih im Anfange des fechjehnten Jahrhunderts meh: 
rere Sabre lang mit verfchledenen Eingefeffenen in 
der angrämjenden Kommune Bellingvolde im Groͤ— 
ningerlande, über den Befik einiger Yändereien. Ent: 
lich traten im Jahr 1521 der Graf Edzard von 
Oſtfriesland und der Biſchof Erich von Münfter 
ing Diittel, um den Streit zu ſchlichten. Sener 
fandte feinen Geheimen: Kath Ulrid von Dorsum, 
und biefer feinen Dreofen von Dieuenhaus, Hans 
Scherpenborg, ju den fireitenden Parteien. Die Ber: 
mittler ließen durch befondere Schiedsrichter die Par: 
teien verbören, und die befirittene Gegend in Au: 
genfchein nehmen. Sie wünfchten, daß der Kom: 
mendator des Kloflers zur MDermeidung größerer 
Koften und Mühe, den Bellingvoldern nur einen 
Eleinen Strich Yandes in der Guͤte jufommen laffen 
mögte, womit diefe fid begnügen wollten. Aber der 
Kommendator weigerte fich def, mit der Bemerkung, 
daß. er die Güter des guten Et. Jchannts (Tem das 
Kiofter gewidmet war), nicht weggeben dürfe, 
Hierauf wurde dem Klofter der Erfüllungs: 
eid auferlegt, fo daß der Kommendator bdeifelben, 
nebft zwei Konventualen, den feit undenkliiben ab: 


‚ren gehabten Befig der fireitigen Yandereien für das 


Kloſter beihwören falten. Der Kommendator über: 
nahm den Eid, und die Dellingvolder berubigten fich 
ebenfalls bei demſelben, nur verlangten fie zugleich, 
daß der Kommiendurer das kand, weldes er dem 
Kleſter zuſchudren wollte, verbir mit feinen Fü: 


Gen betreten, und von einem Ende zum andern 
darüber geben follte: eine Forderung, die ſich in 
damaligen Zeiten, und nach den verfchiedenen So— 
lemniräten, die bei einem Eidſchwur beobachtet wurs 
den, nicht verwerfen lief. Indeß war fie für die 
Klofterherren nicht ohne Schwierigkeit, und von den 
Gegnern mit Luft gewählt, — denn das fireitige Land 
war fehr niedrig, und fland an einigen Stellen tief 
unter Waſſer. 

So wenig nun die Geiſtlichen die verlangte Pro: 
menade für ihren feiften Korper interejlant finden 
konnten, fo muäten fie fich dech, weil fie den b. Jo— 
bannes mit herein gejegen harten, und ihre Ehre 
dabei auf dem Epiel zu fliehen ſchien, dazu entſchlie— 
gen, und fonach baten die Bellingbolder fo wie die 
gegenwärtige Kommiflion, das feltene Vergnügen, — 
den woblbeleibten Kommendator des Kloſters mit 
jwei nice minder begabten Konventualen, in Beglei— 
tung eines Notarius, Über das ſtreitige Land wan⸗ 
dern, und die uͤberſchwemmten teilen, fo gut fie 
fonnten, durchwaten zu fehen. Zum Frohlocken der 
Vellingvelder mußten fie zwar auf einigen Etellen 
ausweichen, bie ihnen gar zu tief vorfamen, dagegen 
fie jedoch auf den meijten felbf ihren Bauch an das 
Waſſer wagten. Nach der vollbrachten befchwerlis 
Ken Wanbderfchaft leisteten fie den verlangten ide 
fhwur, und der Streit war beendigt, 

Eg. 
Das Staͤdtchen Tuckkum in Kurland. 
Ein Votiv-Taͤfelchen. 
Pen Kurland laͤßt ſich nicht fagen, was dort im 
Telemach von Aegupten behauptet wird—: „ou l'on 
comptoit jusqu'a vingt deux milles villes, Des 
kanntlich giebt es bier, Deierau und — allenfalls 
Liebau eusgenommen, nur Titulars Staͤdte. Unter 
diefen zeichnet ſich aber eine vor allen ihren Schwe— 
ftern, vielleiche nicht allein bier, fondern au im 
heil, Roͤmiſchen Reiche, gar fehr zu ihrem Vortheil 
aus, in fofern fie fat durchaus keine Untugend mit 
jenen gemein, und manche Tugend vor ihnen voraus 
bat. Das ift das Staͤdtchen Tudfum, acht Mei— 
len von Mietau, von Riga zehn, — und wenige Diei- 
len vom Seeſtrand entfernt, An und für ſich giebt 
es darin gar Feine Merkwuͤrdigkeiten, nicht einmal 
ein Hirſchgeweih auf dem Rathhaus, — ja ſelbſt nicht 
einmal ein Rathhaus: denn der loͤbliche Magiſtrat 
haͤlt ſeine Sihungen für Geld, und die Gerechtigkeit 
tehrt bald ber dieſem, bald bei jenen Bürger ein. 
Aber Einheit, Frohſiun und Werugfer find Veerk 
wuͤrdigtenten in einer Elrinen Staot, Die bier den 
Fremen mehr fepfein, a Kunfl: uno Vudergaälle— 


’ 


rieen. in mancher Refidenz. e Met eiten 
ragen vielleicht dazu bei, dieſen Ort auch im Aus: 
lande befannter zu machen, als er es ift, weil Feine 
Landſtratze an ihn vorüber führt, und ihn daher fein 
Heifender paſſirt. Wenigſtens verdient er’s micht 
minder, als mandper, der ın feiner Nachbarſchaft fish 
brügiet, und flelz ſich über ihn erhebt, ohne in der 
erſten Tugend jeder Stadt — in der Tugend der 
Geſelligkeit ibm gleich zu Fommen. 

In einer anmuthigen Gegend, auf einem Hägel, 
von freundlich einladenden Gutsgebäuden nah und 
fern umgeben, jwifden anderen mwaldbekränjten Hl: 
gen verfiedt, erblidt man das beſcheidne Staͤdtchen 
erfi, wenn man es eben betreten will, Aus feiner 
Mitte erhebt fih nur fehr wenig der alte Thurm 
feiner einzigen Kirche, um melde die friedlichen Hät: 
sen feiner Bewohner fi im Kreife, wie gläubige 
Schafe um ihren Hirten, lagerten. Unter diefen 
ragt hie und ta ein höheres, au wehl ein brei 
Stock hohes Gebäude im neneften Geſchmack, ber: 
vor, das einen adelichen Beſitzer werkünde. Denn 
der ganze Adel von mehreren Meilen im Umkreiſe, 
bezieht im Winter das Städtchen, um frob zu leben. 
Er iſt der Schoͤpfer und die Seele der Winterver⸗ 
gnügungen des Städtchens, an melden jeder Be: 
wohner Defelben ohne Unterfchied des Standes Theil 
nehmen darf, der, außer dem Geſchmack dafür, ge: 
felihaftlihes Talent und den dazu erforderlichen 
Grad von Bildung befikt. Unter dem Damen Har: 
monie exiſtirt fogar eine geſchloſſene Geſellſchaft 
von Adelichen und Würgerlichen, die ſich wöchentlich 
breimal in einem eigends dazu errichteren Hauſe wer: 
fommeln, um mit einander frob zu ſeyn, und — es 
wirk.ich find, Das Kartenfpiel macht denn wohl 
freilich die Hauptunterbaltung aus, aber auch Die 
Freunden des Mahles behaupten dabei ihren Platz. 
Diere Abendmabljeiten werden auf folgende naive 
und herzliche Weiſe arrangirt. Des Morgens fon 
geht eine Lifte von Haus zu Haus dur die Hand 
jedes Mitglieds, welches darin die Echüffel oder 
Epeife notirt, die man für den Abend ven ihm zu 
erwarten habe. So beforge fich alfo jeder ſelbſt feine 
Koſt; und wenn alles beiſammen if, wird alles ge: 
meinihaftlih genojfen. Webrigens bat die. Gefell« 
fhaft fo viel Wirtbinnen, als fie Damen unter ſich 
zaͤhlt. Don einer großen Etadt würde man dies IA: 
cherlich finden: an einem Staͤdtchen if dieſe Kibe: 
ralität und Einigkeit zu loben! 

Auch der Tanz hat hier feine Tage, an welchen 
ihm befonders gehuldigt wird, Die Bälle und Mas- 
queraden, die in dem Locale der Harmonie gege— 
ben werden, loden fogar die Einwohner von Yiga 
zuweilen, — und die Mietauer fehr oft hinüber, um 
daran Theil zu nehmen. Ueberhaupt iſt Tudtum 
vorzuͤglich das Aſyl der letzteren, die, wenn fie nicht 
durchaus aller Freude atgeiterben find, dem Winter 
in Diterau eben Feine Kobrede zu halten Beranlaffung 
finden, — Autzer jenen Bällen, giebt es auch noch 
für die geringere Klaſſe beſtimmte Tanıgrlage in ei: 
nem bürgerikhen Gafibofe. Kurz, ungezwungene 
dreude und Gaſtfreundſchaft find an einem Vrte beir 
much, wo man es, fie zu ſuchen, kaum der Muͤhe 
weich achten möchte, 


— 44 — 


Aber au Im Aufegung des Tons, der bort 
herrſchend ift, verdient Tudfum eine ebrenvolle Er: 
wöähnung. jede kleine Start muß diefer hierin wei⸗ 
Ken, und manche größere darin von ihr beichämt 
werden. Da es der Abel ift, der, als die erite Kin: 
mohnerflaffe, ihm vornehmlich angiebt, — und der 
Adel diefer Gegend zu dem gebildereften und reichiten 
Landadel Kurlands gejählt wird, der ſich noch vorzäg: 
lich durch ein liebevolles, zuvorfommendes und feines 
Benehmen auszeichnet, außerdem aber auch mehrere 
angefehene bürgerliche Beamte und Gelehrte, und eis 
nige wenige gebildete Kaufleute an der Spitze ber 
Übrigen Bewohner des Erädschens ſtehen, zwiſchen 


welchen und dem erfteren feine Scheidewand von als 
tem Pergament den freien Umgang hindert; fo iſt 
es natuͤrlich und fehr begreiflich, daß, bei aller Herz: 
lichkeit im engen Lebenskreie, nicht nur fogar er 
ſchwack und ein gewiſſer Glanz in ihren Kirkeln 
herricht fondern auch die fieife Etikette und bie Freu⸗ 
deicheuchende Cemplimentirfuche — ein Paar Gögen, 
die nur in beſchrankten Aäumen, ſey's im engen Rös 
pfen oder Eleinen Staͤdten, haufen, — hier verbannt und 
bloß zumeiten Gaͤſte find. — Wer die Kinfamkeit liebt, 
ohne dabei der gejellfehaftliten freude entiagt zu haben, 
der ziehe nah Tudfum: dort empfangt ihn die eine, 
fobald ihn die andre aus ihren Armen entlajfen hat, 


— IT IT — — — — 


Nicht-politiſſche Zeitung. Nro. 9. 


Aus Berl im 
(Zortiegung des Zhenterberichtd,) 


er Perfonen find im dena neuen Ecaufviele: die Strick⸗ 
dadeln, mur wenige, aber es find lauter beſfimmte, gut ger 
wahlte und gut ausgeruhrre Charaktere; den Baron Duriad 
neh’ Ich aus, denm der mißfallt, teog feiner aiber ſchwenglichen 
@re und Edelmuthigkeit. Er ih em aus Liebe su feiner Gat⸗ 
tim fehr ſchwacher Diann trog einem hellen Verddande. Mau ger 
Yarh raft in Verubung, es ſeiner Gattin als cın großes Ver⸗ 
dient anzurechnen, dan fir wenlgttens den Merug bat, Hm 
treu su bleiben. Wolite der Verfaſſer einem jolchen Mans 
zeichnen, fo iM ibm feine Abſicht volrommen gelungen: aber er 
hät ihm bier nicht zeichnen Follen, er ſchadet den Banıen, 
Die Heriensichwäche, die an Weiher oft jo reujend dit, wird 
an Männern immer widerlich, wand ſetzt Nie herab. Iflaud 
fielite ven Varon mir übr hoher Pincbologuder Wahrheit darz 
auch gegen dieſen aroßen Küuſtler konn ich mid iudeß micht 
eined Aber ermehren: — aber — Inte er, mas er ſond io 
meißerbaft tut, den Misarif des Dichters uicht durch Abwel⸗ 
dungen mildern, verbeſſern jollen? — Die iunae Taronin if 
einer der wahreſten volleudete en Eimrattere, Die Kogebue, wenu 
er anders der Veri. if, auf die Vibme geikelis har; eine jumae, 
tebßafte, wohlersogene Sram, Die ſich menigpens das enfle Mal 
nicht dan emtfcbiighen wird, musreu zu fun, es aber ſehr 
Teiche, ohne es zu wollen, werden kanns die. ihren Werſh und 
ihre Wurde lebhaft fühle, fo oft man ihre Erespeste oder ihren 
Etotz trantt, aber jo ort man Diesen ſchmeicheit, nahe daran iſt, 
ſene 1m verſchleudern; eine Frau, deren Rechtlichteſt, ſo aut 
Hore Borfage auch find, durch die Zuverſicht, mat ber fie ſich 
jeden Augenblick Dir Gtiahr ausfept, ihnen wntrem im werben, 
fa mur durd den Zufall gerettet wird: kurz eine der gewohn; 
lichen iutereſſauten Grauen, bern Tugen daechichte Marmontel 
in feinem Heureusement liefert. Mad. Umelmann ſpielte fie 
waße, fein, reisend, let haft, kurs, die tie aeiwielt werden muß, 
und vie — wohl mit awel berühmte Kunttieriunen fie ihr 
nadyuipielen vermödten. — Dem. Döbbelin (eielte die Mutter 
des Barons mit fo großer Natiwlichteit und fo vollendet, daß 
man wahrend der Vorgellung far verleitet wurde, u Hauben, 
der Merjafer habe im dieſen Charatter ein Meitseiiunt gelieiert : 
aber dem it nicht ſo. Die alte Baronin iſt zwar melftentgeils 
richtig, aber doch nur mit groben umriſſen gielchmet: ibre 
Züge Gmd alle bon in mwanııd andern Gricden ıu einem Gum 
jen zuſammengeſtellt, und ber Dichter opiert mande ſchune Er 
tiatiom dem VBeramigen anf, fie komtiche Dinge Außern zu 
lagen. Wenn fir 4. B. im der Anaſt um ihren Sohn, der ſich 
eben ſchlaat, unter feinen Vorzugen aufäblt, daß er ſie bei ſei⸗ 
nen Gaſtnahlern immer habe oben an fügen laſſen, ſo iſt das 
freilich — nicht unwahr arichlidert, aber nicht jede Wahrhert 
ir Äberafi an ihrer Stelle. — Der Graf von Etlingen iſt 
ein etwas geiſtloſer Lovelace, doch Hr. Schwadke gab ſeine zart⸗ 
fichen Aeugerungen mit fo viel Feutt, dag er intererte. 


Berichtigung. 


Dr Herausgeber eimes öffentlichen Engliicen Blattes im wei⸗ 
em vor einiger Feit von einer angeblich swiiden den 
Mabriiben Brüdern Lin England gemeiniylih Niosı- 
vıms aemanat). umd den Meihovin:n in Yondon vorgefaluenen 
Erreirigkeit inber Den Gebrauch der Kapılle in Vinle end new 
tomn Nachticht gegeben wurde, ti. Nr. 199. Des Greimurbigen 
vom Sten oft. 1904. S. 276.) bat bald hernach im eben daſſelbe 
Blatt eine ihm von juverlajiger Hand zugekommene Anzeige 


: aufgenommen. aus welder zu erichen if, baj Die Evangelischen 


Bruder in London wicmuls einigen Untbed an gedacher Aa 
volle gehabt, aoch jemals ein anırfannter Prediger Der Granger 
Kichen Brudertirche im berfziben gepredigt, Folglich auch eim 
Streit inber deren (Gebraudı zwiſcheu Jegterer und einer am 
dern RMeligiousgeſellichaft miemnls habe State finden Tonnen: 
wie denn auch em eben der Nummer des Sertumgsblattes, milde 
dieſe Anzeige enthält, von dem Heransgeber ſeltſt bimiugaleet 
wird; „Bir vernelmen, das Die erwähnte Kapelle nucht von 
„den Moravians, fondera von dem Timhaugerm der Pro— 
mpherin Johanna Southaate gemierher worden.“ 
Berlin, d. 30. Nov. 1904. 
. Heinr. Chriflian Tichirpe, 
Prediger der Evangel, Ariderscweine alıbier, 


Yus Weimar 


Dar Eins und die Ärrigen darauf folgenden Feierlichkeiten 
waren mit dem feinſten Geſchmack angeordnet; — aber die 
Heeridiaar Der Anefigen Poeten — O weh! 

Um von dem Mittelmaßigen amurangen, fo bat sr —— 
(Wodenbiart. Ir. 89) dergleichen in einer Anrede an das hohe 
Paar gewiß geliefert, ud uns jrdhtirliche Proben feiner hera⸗ 
vietelichen Bersbunft ans Licht geſteilt. Ms dem lelieden Nadıe 
hall einer Poeſte, leſen wir ein Porm don den Jurtizämtern des 
Kürftentbums Eiſenach, im weichem Etröme, gleib einer Chams 
yagncrflaihe, entiiegelt, und noch andere ganı unerharte Wun⸗ 
derdinge vorgenommen werden, Die bon den Streben des Dich⸗ 
ters neh obem zeigen , dam aber feine Kräfte nichte weniger 
als Gienüge leiten, Du ranweg clecat find zwei, debr 
artig — Schade um das ſchouet Porier! — bi Bali: 
hört in Jena gedruckte Reimerelen. Der Vater der einen Heinen 
Mißgtburt iſt eim ſür die Poeſit völlig verdorbener Kovf, Herr 
Friedrich — — aus Burfädte. Die Roibreitung der Aruası 
unraben, burd welche „Das im Eigen jpinnende Schickſal⸗ Eurıva 
gerriitzet, ſcheint von der dm Kopie des Dichter idiom im Antar ge 
herrichenden Gahrung zu jeigen, die ihn denn, macdem er den 
Erbprimen die Vanloidin €) fi hat erringen laſſen, im wer 
Seen Verſe feines finmlojen Machnerts, in welcheru Duriadt, 
Pereräturg weit überteift (0 Patrietiemus, du bi mod miche 
verihwunden!) zut qeöitem Unvetſchamtheit verleitet har, 


( Die Fortſetzung folgt.) 





— wir al. 
d. 
Mag. 


1804. 


Nro. 242 





Der Freimütbhige 


Dienflag, 


ern tf 


— Oder —— 


und 


ben 4. December, 


Scherz 





Literatur. 


Taſchenbuch flr Freunde ſchoͤner vaterlaͤndiſcher 
Gegenden. Vom Verfaſſer der Streifzüge 
nach Venedig und Iſtrien. Erfter Jahrgang. 
Wien, 1805 bei Doll. 

Zwelter Titel: 

Mablerifche Streifzige durch die intereffanteften 

Gegenden um Wien, Erfted Bändchen, 


N. Literatur fcheint in Wien einen Auſſchwung 
zu nehmen, der nicht nur Aufmerkſamkeit, fondern 
lebhafte Theilnahme zu erwecken verdient, Wiederum 
hab’ ich den Leſern ein dort erfchienenes Werk anzu: 
kündigen, das faft ungemifchte Lobſpruͤche verdient, 
Der Derfaffer, Hr. Widemann, beginnt mit 
einer Vorrede, in melcher er darüber zürnt, daß 
Oeſtreichs Naturſchoͤnheiten fo lange Zeit uͤberſehen 
und vernachläffigt wurden, eine oft gehörte Klage, 
die aber allmählig anfängt ungerecht zu werden. In 
einer Cinleitung giebt er ftatiftiiche Nachrichten über 
Nieder: Defireih, *) die manches Meue enthalten, 
und fügt eine Echilderung von der Pebensart des 
wohlhabenden Landmanns in diefer Provinz binzu, 
die mit einer großen Unbefangenheit und Verſtandes— 





") Nieder: Deftveich hat 5634 Ou. M. alſo 5,382,492 Joch 
Bandes, von denen etwa 766500 fur Wohnnlape Straßen, Flüſſe, 
Exen u. f. w. abgerechnet werden milften, Es hat 1,677-490 Eins 
wihner; 300,009 derrelben fa Rien. Die Jahrtichen Ertugntife 
des ganen Landes betragen 15 Dilionen Gulden u, ſ. w. 


belle und dabei ſchoͤn geſchrieben if. Er zeigt von 
der einen eite, wie fehr die romantiſchen Ermwar: 
tungen, welche die Erädter aufs Yand bringen, un: 
gegründet find, aber er ſchildert dafür die wirklichen 
Annehmlichkeiten deffelben fehr reigend, — Dann folgt 
der erjte mahleriſche Ztreifjug nach Laxenburg, Schoͤ— 
nau und Böslau, drei berühmte Luſtorte in der Mach: 
barſchaft Wiene. Ob er die Gegenden und die An: 
lagen derjelben mit Wahrheit geſchildert hat, kann ich 
freilich nicht beurtheilen, da ich noch nicht fo glädlich 
geweſen bin, fie zu fehn; aber — und das ift doch wohl 
bie Hauptfache, da es bier auf Unterdaltung an: 
fommt, reijend bat er es gethan, ja, feine Echilde: 
rung kann als Muſter für alle ähnliche Unterneh: 
mungen aufgeftellt werden. Jeder Verfchönerung 
und Anlage, jedem Bau in einem Luftgarten folte 
eine poetifche Idee zum Grunde liegen; fie follten — 
wenn ich den Ausdruck wagen darf, — verförperte 
Gedichte ſeyn. Alles was die genannten Luſtorte ver 
sieren fell, mag wohl diefe Charakteriſtik nicht ver: 
bienen, aber der Derfaffer hat nur intereffante 
Dinge geſchildert, und feine Schildernngen ſelbſt 
find? — Kunſtwerke. Sehr glädlich oder vielmehr 
geſchickt, hebt er an allem die Idee, die ausgeführt 
wurde heraus, geht dann allmälig erft zu dem De- 
tail Über; — und wird dabei felbft von feinem Se 
genſtande zu einem feurigen, blühenden Stile begei: 
fiert, den er aber fogleich wieder abzulegen oder av 
ändern meiß, fo bald ein neuer Gegenftand es for 
dert, Mirgend daher ermüdendes, trodnes Aufjäh: 


ien, wodur fo viel andre Befchreiber mas fie vers 
berrlichen wollen, widerlich machen ; nirgend Ziererei: 
denn fein dichterifcherer Stil ſcheint aus dem behan⸗ 
deiten Stoffe von ſelbſt hervorzubluͤhen, — und die: 
fer verdient et, Vorzuͤglich in Laxenburg ſchaffen 
fböner Kunjt: Gefhmad, poetiſcher Geiſt und Eaifer: 
licher Aufwand gemeinfchaftlich. 

Die von Maillard gezeichneten, und von Blaſchke 
geftochenen Kupfer gehören zu den vollfommenjten 
ihrer Gattung. Wenn man in Wien fo fortfährt, 
mird man Mord: Deutfchland nicht lange mehr als 
den Hauptſitz der Gefhmads: Literatur betrachten 


Bü 
* Rt 


Populäre Aftronomie, 


Dr. Benzenbergd Verfudhe über 
die Dewegung ber Erde 


Schluß.) 


J. Jahre 1802 ſtellte Dr. Benzenberg bei feinem 
Aufenthalte in Hamburg dieſe Derfuche in dem dor: 
tigen Michaelisthurme bei einer Fallhoͤhe von 235 
Parifer Fuß an. 

Die Kugeln fielen 4 Linien vom Loth nach 
Dften, eben foviel gab die Rechnung, wenn die Erbe 
fi um die Are dreht. Aber zugleich wichen die 
Kugeln 15 Linien nach Suͤden ab, und dieſes wor 
gegen die Theorie, — Dr. Dlbers. vermurhete, daß 
diefes vielleicht won der ungleichen Erwärmung der 
Luft in den Thuͤrmen herruͤhre. 

Um hieruͤber mit Eicherheit entfcheiben zu koͤn⸗ 
nen, mußten die Verſuche an einem andern Orte 
und unter ganz andern Umſtaͤnden wiederholt werden, 

Dr. Denzenberg bat diefes jegt gethan und 
Diefe Derfuche in einem Werke befannt gemacht, daß 
den Titel hat: Verſuche über die Umdrehung 
der Erde Miete 8 Kupfern und einer 
Mignettee Dortmund, bei Mallindrodt, 
1804, 35 Bogen. Paris, bei Treutel und 
Wüuͤrz, in gr. 8. Preis, 3 Rthl. Er flellte im 
Dftober diefes Jahres dieſe Verſuche in dem Schachte 
einer Kohlen: Bergwerkes bei einer Fallböhe von 262 
Pariſer Fuß an. Er fand bier die Verſuche überein: 
ftimmend mit der Theorie, und die Kugeln die mit 
aller Sorgfalt gedreht und an Pferdehaaren aufge: 
bangen waren, fielen nicht fenfvecht, fondern genau 
dftlih von der Lothlinie, gerade fo mie fie fallen 
mußten, wenn die Erde fi um ihre Are drehe. 

Was mürde Tycho Brahe gefagt haben, wenn 
diefe Verſuche zu feiner Zeit wären angeftellt 
worden? — 


Außer den Verſuchen Über die Umbrehung der 
Erde, enthält das Buch noch DVerfuche über den 
Widerftand ber Luft, welche Dr. Benzenberg mit 
der Göttinger Tertienuhr, die ihm der geheime Juflige 
rath Heyne nah Hamburg ſchickte, im Michaelis 
thurm anftellte. — Dean fieht bier, welcher Ge - 
nauigfeit die Derfuche mit Tertienubren fähig find, 
da.das Mittel aus 70 Beobachtungen, oft nit um 
35 Tertie von der Rechnung abweicht. 

Bugleich ift eine Geſchichte der Eopernicanifchen 
MWelterdnung gegeben, und die Schickſale Galilaͤls 
find hier erzählt, und fein Urtheil und feine Ab: 
ſchwoͤrungs⸗ Urkunde find mitgerheilt. — Ein Ab: 
ſchnitt ift bios den tieffinnig theoretifhen Un: 
terfuhungen gewldmet; — man findet bier ein 
Memoire sur le mouvement d’un corps, qui 
tombe d’une grande hauteur, vom Kanzler La 
Place, ferner: eine Abhandlung vom Dr, Gauf, in 
welcher diefes fehwierige Problem, mit aller geomer 
triſchen Eleganz entwidelt wird, und Auszüge aus 
Driefen Über denfelben Gegenftand von Gauß, Dk 
bers und Guglielmini, 

Den Beſchluß macht eine hiftorifhe Abhandlung 
über die Frage: Kannten fehon die Alten die Coper— 
nicanifhe Welt: Ordnung? 

Man hat fi beionders in Frankreich bemüht 
u zeigen, daß die Sopernifanifche Weltordnung ſchon 
lange vor Copernicus vorhanden war, dafi fie das 
Eovftem der aufgeklärteften Griechen gemefen, und 


‚daß Eopernicus fie won bdiefen entlehnt habe, Der 


Verfaſſer führe zuerft alle Etellen an, die fich hier: 
über bei den Alten finden um die Frage zw entjchei: 
den: Ob die Alten wirklich die Copernika— 
nifhe Weltordbnung fannten? Denn auf den 
Fall fie fie nicht gefannt hätten, fo märe es doch 
nicht fehr wahricheinlih, daß Copernicus fie von ide 
nen entlehnt habe. 

Man findet bier in der Nota eine hiſtoriſche 
Nachricht von Möller, Über die wahrfcheinliche Abs 
funft Eoperne, Am Mittelalter gingen viele Aus: 
wanderungen aus dem füdlichen Wefiphalen nach der 
Oſtſee. — Ein Eolenie Dortmunder ftiftete Derpat, 
eine andere Thoren, — und Familiennamen und Aus: 
drüde find noch im Mutterlande und in der Eolenie 
diefeiben. Copernicus, der Vater, fehrieb fich Koͤper⸗ 


‚nit, Das Lateinifhe us fam erft mit dem gelebte 


ten Ruhme des Eohnes in den Kamilien : Namen. 
Eben fo Fam vielleicht das ik des Waters durch die 
Maͤhe won Pohlen in den Namen, und die Familie 
hieß urſpruͤnglich Köpern. An der Grafſchaft Mark 
wo noch die alte Hofes: Verfaſſung befteht, findet 
fih der Familien: Name Köpern jetzt noch auf meh: 


reren Höfen, Wielleicht das Eoperns Aeltervater ein 
weitgeborner Eohn eines Weltphäliichen Bauernho- 
es war, der fi zur Auswanderung entfchloß um 
eigenen Heerd zu gewinnen, wozu er auf dem Werft: 
phaͤliſchen Hofe Feine Ausficht hatte, — Wie ſehr ſich 
die Lehre des Kopernicus von den fehmanfenden 
Philoſophemen der Pythagoraͤer über den Ehrenplaß 
des Feuers in der Mitte des Univerfums, unterfcheis 
der, das ficht man aus dem Inhalte feiner ſechs 
Bücher de revolutionibus, der "hier vollſtandig mits 
theilt ift. Zugleih findet man bier eine Ueber: 
as feines Briefes an Pabſt Paul ILL. worin 
man den feiten ernften Charakter des großen Vian: 
nes fieht, dem fein Syſtem für Wahrheilt alt, und 
nicht für bloße Rechnungs: Hypotheſe, wie ſolches 
Bailly behauptete, \ 
Den Schluß macht das Leben und der Charaf: 
ter des Copernicus nach Lichtenberg: „der Genius 
wird nur vom Genius erfannt, die edle Narur nur 
von ihres Gleichen“ und Copern hatte das jelrene 
Süd großer Maͤnner, daß ein anderer ſpater feine 
Lebensgeicichte entwarf, und feinen Geift jeichnem. 
Don den 9 Kupfern ftelle die Vignene den 
Durchſchnitt des Kohlen⸗Bergwerks zu Schlebuſch 
dar, wo die Verſuche uͤber die Umdrehung der Erde 
emache wurden — Das Titeltupfer iſt der 
tichaetistyurm in Hamburg von der Weſtſeite ge: 
eichnet. Kine iweite Platte ſtellt feinen Durchfhnitt 
r. Eine dritte den Thurm Afinelli in Bologna, 
wo Riccioli und Guglielmini ihre Derfuche anftell: 
ten, Die übrigen Kupfer enthalten Abbildungen von 
Maſchinen die bei dieſen Verfuchen pe wur 
den, und Figuren zur Rechnung. 
— 9 —. 


Gedbanfen 


Di meiften Lefer des Freimüthigen Fennen gewiß 
fchon die Betrachtungen und Gedanfen über 
verf&hiedbene Gegenſtaäͤnde der Welt und 
der Literatur, wovon unter der Auffchrift Cbin, 
bei Peter Hammer im vorigen Jahr 2 Bänd: 
chen erfchienen find, die ihrem Vollgehalt nad, den 
michtigften Erfpeinungen unferer Literatur beigezählt 
au werden verdienen, Der edle Merfaffer, der als 
Dichter, General und Etaatsmann gleih wirk 
falm, jeßt in einem großen Reiche unter einem men: 
fchenfreundligen Monarchen das heiligfte Werk der 
Menſchheit, Erziehung, mit Rath und That Eräf: 
tig fördert, giebt in biefen Gedanken die Blürhe fel— 
ner Erfahrungen und Weltanficgten. Es wird jekt 
am britten Theile gedrudt, der zur Oſtermeſſe erfcheis 
net, Es ift mir erlaubt worden, unfern Yefern einige 
Aphorismen aus diefer Sammlung im voraus mit: 
zutheilen. @ie find kelneswegs jur Parade ausgele: 
fen. Es find nur Tirallleurs. Das Haupttreffen 
hätte hier weder Platz noch Erlaubniß ſich auszubreis 
ten. Den DVerfländigen gnügt an diefer Probe, 


— f, 





Was ich mit allen diefen Betrachtungen und 
Gedanken, in Deuter Sprache, ju diefer Zeit 
will? — Kraft erwecken! Selänge mir diefes, fo 


wirfte ich. ein größeres Wunder, ale Mofes, da er 
Waoſſer aus dem Selfen flug; doch die Juden war 
rendurftig. — Indeſſen erhalte ich durch diefe Gedan⸗ 
fen meine Kraft wach und mutbig; und fo ift hier 
der Autor feibft Zweck feines Buchs. Ich ſchreibe 
gleichjam hier nur Bündnijfe mit meinem eignen Geifte 
gieder, und er ſelbſt drüdt den Talisman daranf, 


Wer an der Gluͤckſeligkeit der Dichter zweifelt, 
(ber echten meine ich,) der betrachte nur den Abend 
ihres Lebens und vergleiche ihn mit dem Abend eines 
Welt: Staats: Sefhäftsmannes. Wenn das Gerippe 


der Wirklichkeit, ohne alle Taͤuſchung vor den lehten 


fritt, fo Beidet e8 der Dichter in den Duft der 
Phantaſie, und ermedt zu Afche gewordene Geftak 
ten, zu lieblichen, friſchen Bildungen, wenn fie ibm 
bie gegenwärtige Zeit verſagt. So verjängt ſich 
Wieland in Griechenland, wenn fein Zeitalter, 
deſſen Ihaten, oder jein Epiegel ihm zu laut fagen, 
er jei Greis geworden. Geine ‘Dichtungen fagen es 
ibm bis jegt nicht. 


Einem Philofophen, der einem Keligiofen bemies, 
wie wenig der Menſch auf feine Vernunft ftelz feon 
dürfe, da er fie jo wenig und fo fehlecht im Garen 
gebrauche, und dann bunzufekte: daß man menig: 
ſtens von ihr fagen Fönnte, fie herrfche fo wenig in 
der Welt, als ke diefelbe leite, — der Mienfch fey 
aljo wohl ein der Vernunft fühiges, aber fein vers 
nünftiges Weſen, antwortete diefer mit Triumph: 
Sie bemeifen für mich! der Menſch follte Fein bloß 
vernünftiges, fondern ein religidfes Geſchopf feun, 
und darum iſt nicht die Mernunft, fondern die Res 
ligion auf dem ganzen Erdboden, unter allen Völkern 

richend, darum berrfeht fie auch fogar unter jenen 

difern, bei denen die Bernunft noch nicht ausge: 
bilder ift, weil ihnen die Religion das Wichtigſte ift 
und feyn fol. Der Dbilofoph erwiederte: die Res 
ligionen find auch darnach, und eben hierin liegt die 
tie ſte Deinürhigung des Menfen, dag man den 
meiſten Keligionen anfieht, was für ihn genug if, 
weſſen er bedarf, weifen ihn feine Vernunft mwerth 
macht: Ferische! und diefe auch da noch, wo die er— 
ften Genies, dur die Vernunft das Erhabenfte 
aller Wefen, in feiner Würde aufgeftellt baten, 


Grimm über politifgen Unfug und über Ders 
brechen an der gefammten Menfchheit, ift ein Män: 
nergefühl, woraus fich mit der Zeit. etwas machen 
läßt, Drum möchte I ihn für die Zufunft in den 
Deutſchen erwecken. Die Frangofen, die nun wahr: 
ſcheinlich wieder die Alten geworden find, fühlten 
wahrſcheinlich nur Zorn. Der Grimmige ift gefahr: 
licher und flärfer als der Bornige, wenn fie juſam⸗ 
ſammenſtoßen. — — — 


(Die Fortfegung folgt.) 


Die gefällige Sattim, 


„Gold denn nicht auch einmal nach meinem Willen ach?" 

Evrab Hand erſurnt zu feiner Sram, Epbillen, 

„Da, Meter Mann, ad ja, das fol einmal gerchehm, 

„Und deinen Leygten wii ich germ genau rn. 
WR t. 


Niht=politifhe Zeitung. Nro. oo. 


ud Weimar 
Schluß.) 


5 ber andern Keimerei, „in treuſter Untertbänisfeit gervibe 
met, dom dem Stadtrath zu Butttadt,“ geidehen gan unerr 
hörte Curioſa. Man glaubt, in einen Gucdkafen zu ſehen, 
wenn man im ben erfien Verſen Aaumend die, wie „bes Yam 
des erſter Sohnn“ bie Braut, die er — o under! — bie er 
„dem Eisdmeer abgerungen “ die „„ Eonnenfttege" Keranführt, 
Eofite man nicht denken, der Prinz babe feine Braut wenige 
fiens aus den Wellen des Meeres gerettet. Und dann die 
Sonnenſtiege.“ Ja ja, meine Schönen, Im Weimar auf dem 

Schloſſe if die Treppe vom einer Eonne erlcuchtet: — alfo bes 
Lieben Cie nur die Gonnenftiege herauf zu jpngieren, wenn Sie 
mal nach Weintar fommen, und — was Schönes jeben wol 
ten! Uebrigens imvitiren der Hochedle Rath zu Vuttſtädt die 
Awei ſich dent am Korizomte zeigende Sterne“ auch, einmal 
bei ihnen zu ſcheinen, und ihr Licht ſtralen zu laſſen, und dan 
alte die mamentlih angeruhrten Raritäten zu befehen. Dod, 
beſchlieñt der Wort, geſchenkt muß fein, alle — 

So wolten wir zum würdgem Angedenken 

Dir unfre Herjen ſchenken. 

Dem wohlweiſen Gtadtrathe der Reſidenſtadt Weſmar, 
in war „ein schöner Stern am Werber ihres Stücks," ums 
aber ein mattes Licht am ummelkten Dichterhorijont, in Ihrem 
matten Yrobufre aufgegangen. 1ebrigens iſt ihr Patriotismus, 
und der Felienglaube, womit fie Sachſens Raute mit golde⸗ 
nen Früchten prangen“ laſſen, febr au loben; meniger aber 
ihre gewählte Vignette, an der die eleganten Aunftrichter, we⸗ 
gen der fallenden Poſition, gewaltig werben ausjufegen Gaben, 

Die Eradt Ilmenau, die Gemeinen der (sreikerel, Linde⸗ 
riſchen Gerichtgvnege (bei der Ebrenpforte wor Eüftenborn } 
fo wie die Mädchen des Fürſtlichen Amts Nieder» Noila, und 
mit ihnen zwei umbenamiete Garmina, eridöprften fi in Wlns 
fen, und zum Theil lintiſchen Gratulationen. — Doch 
nicht alte bei Gelegenheit dieſes froben Tees erſchienenen Ger 
dichte, find von eben ud zwar treulich, umd wahr deſchriebe⸗ 
ner Urt, Zwel find ſchön. Der junge Prof. Voß belingt im 
einer fehe schönen, bilderreiben Voefie, im Namen des Wei⸗ 
mariſchen Gommaft Die errreulide Heimuhrung ber Grant 
Das Gedicht zeichnet ſich daber vortbellbaft und rußmvon für 
ten Sauger auf, Der Kt: Vater am Deutſchen Parnak, der 
Piebling der Graien, deren jede ihm den auf der Wenbe 
sah, — Wieland, bat in einigen ſchmuckloſen, einer Buͤrzers⸗ 
locter in den Mund gelegten, herzlichen Worten, bie Antunft 

feiert. 
une Die Frau von Bebtolsheim aus Eiſenach, eine der 
gebildernen Damen, die Einfender gu nennen weih, hörte, als 
fie nach Weimar fuhr, dan die Primegin ſich wicht germ ararır 
firen lafe: — fie ſchritb alſo ſogleich ein aiberaus artiges Tramı 
söniiches Gedichte, ohngefähr im Charatter der des Chevalier 
de Bonufflers, unter dem Tiret P’Aurore, weldes fie im Chas 
ratter der Wurora, anf ber Redeute, wo bie Prinieriin im 
höcften Eclat erjbien, berielben mit der jeimen Wendung Übers 
wichte: Aurora verſchwiudet, aber bie Gonne geht auf! — 
Das artige Gedicht iblieht: 
la Verite succide au songe 
de I’1deal, qui nous charmoit, 
So fieht das Vorsliche Spiel aus, welches die Dichter bei 
dleſer Gelegenheit gröhtencheils ſich machten. Mur der Erwähle 
ten wenige verfianden zu Guldigen; bie Gchaar der Äierigen, 


— — (Mus d. Papieren eines Reiſenden.) 
eg 


Aus Englifhen Blättern, 


Von Voricks empindfamer Kelie, von Hubibrad umd einer Menge 
andrer Werte find jegt febr elegante Nusgaben mit Holſſchnitten 


erſchlenen. Sonderbare Wendung des Geſchmacke, ba be im ⸗ 
mer nur das höchſte Lob, das man einem vortrefflichen 
Holsihnitte ertheilem Mann, dl, c# nahere fih einem guten 
Kupieritiche. 

— Ein traueiger Borfall der ich fürlic zu Sonden em 
elgnete, wirft eim fehr Tacerkihed Licht auf die dortigen Anſtal⸗ 
tem zur wachtlichen Siderbeit. Die Frau eines Kadhtwädr 
ters Bam dem Geier zu nahe, es ergriff ihre Kleider und fie 
verbrauute, ohne dah ibe Ehemann ihr am Aflie kommen 
donnte. Er war zwar im Nebenzimmer umd bereitete fich feinen 
Wachtergaug amuiveten, aber er iſt 90 Jahr alt und ode 
taub — und doc ein Wachter. 

— Ein Jrlander Namens Jeruſalem Windel, Geihloß feine 
Namens: Ehiweter, die Kauptitade von Palaſtina, zu beſuchen 
un» kehrte jo Hug zuruck, als er binreite. Bein Bedienter 
beamte eine Garbe Eyriiben Walzen mit, und vermahrte fie als 
eine Miertwürbigfeit, drei Jabe lang. Endlich feste er eine Kleine 
Brantwein ⸗ Echenke an und brauchte jeme Garbe zum Zeichen, 
Nachdem fie vier Jahr fo gehangen hatte, fiel es einem Pächter 
ein, fie genauer im umterfuchen, Er fand drei Aehren mod 
unverborben, rieb die Körner aus und füete fi. Eie bekamen 
vortreilich, und — da diefer Wajen micht eimjeine Mehrem, 
fondern ganze Büfchel trägt, it er dent, vier Bahr mad dem 
erſten Berjuche, das belichtefke Getraide in Irland, 


ud Berlin 


©. Majettät der König, Deien menſchenfreundlichem Blicke 
keine Gelegenheit sum Wohlthun entgeht, hat zu der Nufalt, bie 
Armen mir Rumſordſcher Supoe zu verfeben, dir dieſen Win ⸗ 
ter 500 Thaler ſubſeribirt. 250 Menſchen werben alſo Seintr 
Milde es unmittelbar verdanken, die Schreckniſſe der rauhen 
Jahrs zeit, die dem Pürftigen fo flirdhtertich if, ruhiger ertras 
gen ım Können; werden Durch fie eben. Dieter Dumadıs dei 
königlimen Hofftaats in micht der am wenigen glänzende Theil 
beijeiben: er gehort dem großmürhigen Herzen unferd erhabs 
aen Monarchen. 
Lelpiig , den 22. Nodember. 


Mies an 21. Nov. gab Herr Weitzmann bei feiner Durchs 
reife den Belmont, in Belmont und Conſtanze, als Gafroke, 
Die Natur bar viel fir ihm gethanz denn mit einer für bie 
Nübne fo vortbeilhaften Geſichtebiidung, Kat fie ibm auch eime 
fo weiche und liebliche Stimme verliehen, dah er ſicher zum 
Herjen dringt, Cine forgialtsse und ditrebmreifende Bildung, 
melde dieſes Organ fo ſehr verdient, wurde ibm theits mehr 
Nündung und Feſtigtett geben, deren Mangel fi jetzt noch im 
dem Schweben einiger Tone ſeines Umfangs, und in dem are 
len Regitter / Wechſel beim Nusbalten eines Tones verrath; theild 
auch ihm vor Ueberladuug und dem bedeutungeleſen am Ko: 
nuertere arangenden raſchen Sdunauridlasen in höhere Tonreiben 
bewahren ; weiches anck er um fo mehr beherzigen sollte, da e— 
der Fulle und Pichlichkeit feines Geranges Eintrag thut. Eine 
feiner Kadenzen fehlte geaen die Harmonie. - Colde Mängel 
berühren um jo ſchmerilicher, und flören um fo mehr, wenn 
die Natur einen fo ichednm Gemah gewähren fönnte, wie bei 
Weigmann. Ms Schauſoreltr acht es ihm rar ebın ſo. Noch 
it fein Feuer miche zu jener ruhigam Lebendigleit der Kunfl ac 
lautert, die ſtin und ſicher wie ihren Begenſtaud, jo das che⸗ 
muth des Zuſchauers ergreiit, Daber auch im dieſtr Sphare 
mancher Veriton, ſogar gegen das Mechaniſche feiner Kun, und 
mancher Heime Uebelſand, der leicht zut Manier verharten tönnte, 
Die aibrigen Mitſchauſpteler der Eecondalichen Gereltiichafr 
ſecundirten nicht; fit die brave Sängerin Mad. Kobl nicht 
ausgenommen, melde den dies ahrigen Borfellungen durch ibrım 
Geſang unlinabur Glam verleiht, und dadurch für Den (led: 
gen Waldgsfang der Mad. Winter, die noch manche erne Var: 
tiem wernfuicr, eutſchadigt. Als Schauſptelerin bat die Icpte 
mehr Regſamkeit, dee man aber mit mit Spiel und Kun ver: 
werbfeln Darf. — 5-06—3— 





1804. 


Nro. 243. 





Der 5 
Deonnerflag, 5 
EeE rn f 
Literatur 


Philipp Auguft, König von Frankreich, und Inges 
borg Prinzeffin von Dännemarl, Ein biftoris 
ſcher Verſuch nach Da Theil und Engelös 
toft, frei bearbeitet von J. M. Schulz. 
Mit Kupfern. Kiel, in ber neuen academ. 
Buchhandlung 1804. 


Jahr 1193 heirathete König Philipp Auguſt 
von Frankreich, nach dem Abfterben feiner erften 
Gemahlin, die Dänifche Prinzeffin Ingeborg. Er 
empfing fie mit der Iebhafteften Freude als Braut, 
aber ſchon am Morgen nach der Vermaͤhlung äußerte 
er einen fo flarfen Widerwillen gegen fie, daß 
ihn, einige Stunden fpäter, während ber Krönung 
eine Art von Fieberfhauder, ihr gegenuͤber, ergriff, 
und er fie bald hernach ganz von ſich entfernte, fie 
zuerſt in ein Kiofter fhidte, und hernach Imangig 
Jahr bald auf dem einen, bald auf dem andern 
Schloſſe gefünglich verwahren lief. Waͤhrend Dielen 
Zeit drang der König anfangs bei dem Pahfte auf 
Edeidung, der Pabſt und König Canut von Däner 
marf noch Tebhafter darauf, daß Philipp feine Gies 
mahlin zu fih nehmen und als Königin behandeln 
felle. Endlich ermuͤdeten beide Parteien und die 
ganze Angelegenheit ruhete, bis endlih 1212 bie 
Unterhandlungen wieder anfingen und Phitiep ſich 
213 gutwillig dazu verftand, feine Gemahlin zu fi 
zu nehmen. 





— — ODE mm 


und 


ARISTIDES, 


reimütbige 
den 6. Derember, 
S er % 


Wären es Privatleute geweſen, welche diefe uns 
glädtiche Ehe führten, fo hätte man bie ganje Ber 
gebenpeit in die Chronique scandaleuse verwiefen, 
Da es Aöniglihe Perfonm waren: — bat man 
Recht, fie fehr umſtaͤndlich auseinander zu feßen, fo 
mweitläuftig abzuhandeln ? Gewiß um fo weniger, da 
fie weder auf das Schickſal Frantreichs oder Dina 
marks, noch auf den Gang der politifchen Angelegens 
beiten in Europa uͤberhaupt, weſentlichen Einfluß 
hatte. freilich darf fie miche ganz übergangen mer 
den, ba fie denn dech Öffentliche Verhandlungen und 
Maafregein veranlaßte: aber ich wiederbel es, fir 
aus fuͤhrlich, umftändlich abzubandeln, kann nicht am 
ders als nußlos und langweilig werden, Gleichwohl 
bat Hr. Prof. Engeletoft in "Copenhagen ein Wert 
von 280 Dftav: Zeiten darüber geſchriebeu, und Hr. 
Prof. Schulze hat «8, in vorliegenden Buche, durch 
Einmifhung fehr befannter fremdartiger Dinge, bie 
nur in ziemlich entfernter Desichung mit Ingeborgs 
Geſchichte ſlehn, zu 487 Geiten anzufhisellen ges 
nnußt: — und fo ein Werk geliefeit, daß dem eis 
gentlihen Geſchichtsforſcher nicht bedeutend ferne 
fonn, und foldden Leſern, welche hiſtoriſche Werke 
zu belehrender Unterhaltung lefen, aus der Hand 
follen muß. Sein Vortrag iſt rein und unge wun⸗ 
gen, aber von einer ebdelich ·· Meirfhmeifigkeie, 
Einen drolligen Beweis davon giebt ſchon die Der 
rede. Der Verfaſſer fängt fie mit der Berfiherung 
an: „er brauche fein Wert nur mit wenigen 
Worten bei dem Deutſchen Publikums einzu: 


— —— 


— 450 — 


fuͤhren“, und dieſe wenige Worte fuͤllen — 
12 Seiten. 

Jetzt vorzuͤglich, da das Fach der Geſchichte 
jährlich fleißiger bearbeitet wird, da eine Reihe jun: 
ger Männer von Geift ſich demfelben widmen, ift 
es nethmendig, diefen oft zu fagen, daß ber bleibende 
Werth eines hiſtoriſchen Werks vorzüglich davon ab: 
hängt, ob der Verfaſſer deifelben, die gefchichtliche 
Wichtigkeit feines Stoffes und ber einzelnen 


Theile, richtig zu würdigen weiß; — und daß dieſe 


Würdigung jegt, bei dem großen Fortſchritte aller 
MWiffenfchaften, durchaus nach einem ganz andern 
Maaffiabe geichehen muß, als in früheren Zeitaltern, 

Dei dem Entftehen der Sefchichte war das dem 
Hiſtoriker das Wichtigfte, was ſich durch feine auf: 
fallende, fonderbare Geftaltung am! meiften dazu 
eignete, Aufmerkfamfeit und Erflaunen zu erregen, 
und fich ſo dem Gemuͤthe einzuprägen: denn das 
mar ihre erfte Beflimmung. Diefe Anficht der Ge: 
ſchichte mußte natärlich zur Folge haben, daß fie faſt 
nur ein Gewebe ven Unmwahrfcheinlichfeiten und Fa: 
bein wurde: doch dafür intereffirte fie die Phartafie 
deſto lebhafter und angenehmer. — Da ſich der Geiſt 
der Völker von ber Herrjchaft der Phantafie loszu⸗ 
arbeiten begann, da das Beduͤrfniß der Wahrheit 
immer‘ lebhafter ermachte: da mußte es das Haupt: 
efchäft des Hiftoriters werden, jenes Fabelgeſpinnſt 
zu jerreißen, ſtrenge zu prüfen, zu vergleichen, über: 
au nach Veweifen, endlich nach Aftenftüden zu for: 
fen. Damals ward derjenige hiſtoriſche Stoff der 
wichtigfte, der ſich am helleften auf feine rwahre Be: 
ſchaffenheit zurüdbringen ließ und das meiſte Licht 
auf andre, ihm verwandte Gegenflände warf, den 
Forſcher am beften in den Etand fehte, auch in dies 
fen aufs Keine zu kommen. Diefe Behandiungsart 
der Geſchichte macht fie zu einer trocknen Aktenfchich: 
tung und Zeitrechnung; fie bietet der Phantaſie 
nichts, und dem Verſtande fehr wenig Ausbeute dar: 
aber fie wirfte fehr Eräftig darauf bin, die Macht 
des Aberglaubens zu zerſtreuen; fie lehrte Wahrheit 
finden, — und bereitete das Zeitalter vor, in wel— 
em man bie Gefundene philoſophiſch zu 
benußen verſteht. — Diefes Zeitalter iſt jetzt 
für uns da, oder es erfceint uns nie; — und 
jege muß ber Geſchichtſchreiber, wenn er anders die: 
fes Beitalters werth und ihm nuͤtzlich fern will, 
durchaus feinen andern Maapftab zur Würdigung 
hiſtoriſcher Stoffe brauchen, als die Prüfung, wie 
reich fie an philoſephiſchen Refultaten find, oder ge: 
macht werden koͤnnen. Diefe Art der Schaͤtzung 
wird ihn dawider fichern, Etoffe ju wählen, die der 
Behandlung ummerth find, fie wird ihn auch bie 


Art der Behandlung finden lehren, durch die allein 
große, vortreffliche, für alle künftige Zeiten durch ih: 
ren Werth bleibende hiſtoriſche Werke entſtehen 
koͤnnen: das heißt, Werke welche ſich auf tiefes For: 
ſchen gründen, ohne daß dieſes pedantifch zur Schau 
getragen wird; welche die Phantaſie und das Herz 
befhäftigen, aber nicht durch wunderbaren romantis 
{hen Anfteich, fondern durch lebhafte Darjtellung, — 
in welchen aber immer vorzüglich dahin geſtrebt wird, 
ben Derftand zu Kefultaten zu leiten, die den Mens 
fen und den Forticpritt der Menſchheit inniger und 
tiefer, und den Pelitifer das wahre Wohl der Staa: 


„ten, fo wie den Weg zu demfelben, kennen lehren. 


— Hätte der Hr. Profeſſor Schulze diefen Maafs 


flab an die ffandalöfe Chegeſchichte der Prinzeifia 


Ingeborg gelegt, fo hätte er ſie entweder gar nicht 
behandelt, oder das Werk des Herrn Engelsioft, ftart 
es noch einmal fo did anzuichwellen, als es (on 
war, auf wenige Bogen eingejchmiolzen. 


Die Tarantela 
Un den Herausgeber, 


Si⸗e fragen mich, ob der ſchoͤne Spaniſche Tanı 
mit Caſtagnetten, den wir kürzlich auf der Berliner 
Bühne von der reigenden Augufte Schulz und dem in 
ber That ausgezeichnet « trefflichen Groteske Tänzer 
Ecalefi aufführen fahn, mwirflid ein Fragment des 
Sandango it? — a, — und nein! Ya! denn eis 
gentlich könnte man jeden feurig: uͤppigen, jeden Liebe 
und Molluft ausdrüdenden Tan; als ein Fragment 
des Fandango anfehn, der alle Arten des wolluͤſtigen 
Ausdruds erihöpft. — Mein! denn fo kunſtgerecht, 
fo gefepmadvoll und fein auf die Zufchauer ber 
rechnet, als das was wir auf der Bühne fahn, if 
weder der Fandango, noch irgend ein wirklicher Volke: 
tanz in der Welt. ie fepütteln den Kopf, — aber 
es ift mein voller Ernft, und ich glaube, Eie werden 
mir Recht geben, wenn ie Folgendes bedenken 
wollen. Das Volk will durch feine Tänze fich ſelbſt, 
das heißt die Tanzenden beluſtigen, daher find alle 
Volkotaͤnze gleihfam nur Ausbruͤche fröhlicher oder 
leidenfchaftlicher Kegungen, oder angenehme Anftrenz 
gungen des Körpers. Die Tänze hingegen, die nur 
gegeben werben, damit man fie fehe, die Kunftränze, 
baben eine andre oberfte Kegel: fie wollen nicht den 
Tanzenden, fondern den Zufchauer vergnügen, 
daher berechnet man fie forgfältig, und zwar ı icht fo: 
wohl auf Wahrheit des Ausdruds und Mohirhätig: 
feit der Anftrengung, als auf den Anblit den fie 
geben, auf den Eintrud, den fie machen follen. 
„Hierin liegt der bleibende Unterſchied zwiſchen Natur: 


— 451 — 


und Bolfetängen auf der einen, und Kunſttaͤnjen auf 
der andern Geite; hierin auch die Urſache, warum 
nie auch der fhönfte Volksfanz, auch der Fandango, 
fig dazu eignen fann, einem gebildeten Publiftum 
bleibendes, oft- wiederkehrendes Vergnügen zu ges 
währen. — 

Um Ihnen das zu bemeifen, will ich Ihnen den 
Fandango beſchreiben, oder beifer: ih will Ihnen 
das kleine Atentheuer erjählen, durch das ich ihn 
kennen lernte, 


Als ih vor funfjehn Jahren in Meffina mar, 
und bald nach meiner Ankunft dafelbft, entſchloß ich 
mic eines Mittags, indeß meine Befährten und die 
Stadt Eiefte hielten, unter den Kuinen fpazieren zu 
gehn, mit welchen das Erdbeben, indem es die Stadt 
verheerie, die Gegend noch romantifcher ſchmuͤckte, als 
die Matur ſchon gethan hatte, Eine halbe Etunde 
mochte ich unter immer weicheren Gefühlen und fin: 
fterern Betrachtungen herumgeſtreift ſeyn, als ich in 
den Bezirk eines jufammengerättelten Pallaftes trat, 
deſſen Trümmer ſchon dicht und di mit Mooslagen 
bedeckt waren. Sinnend blieb ich ſtehn, — aber das 
Geibn einiger freudigen Etimmen wedte mid. Ich 
ging ihm nach, und bald börte ich eine leife aber 
feurige Guitarren: Mufit. Ich bog um die Ede eis 
ner halb umgeftärgten Mauer, und fah mich — vor 
einer kleinen Weinfchenfe, deren Wirth fich in den 
halb unterirdifchen Gewoͤlben des ehmaligen Pallafies 
angefiebelt hatte. Auf Bänfen und Trümmern faßen 
umher einige Meine Gruppen von Sicilianiſchen Lands 
leuten und Fiſchern; in der Mitte aber drehete ſich, 
nach dem Klange einer Öuitarre, eine Weibsperfon, 
mit wild rollenden Augen, mit flatterndem Haar, 
feuchend, mit fliegendem, bloßen Bufen, und ein 
Juͤngling der in eben dem Grade außer fi 
fdien, — aber beide immer matter und matter, bis 
fie piöglih auf eine Seitenbank niederfanfen, — 
ohne daß die Anwefenden viel Motiz von ihnen zu 
nehmen ſchienen. 


Meine Partie war bald ergriffen. Ich ließ mir 
von der Wirthin Wein geben, feßte mich zu der 
rechtlichften Gruppe nieder und fragte, mas denn 
bier vorgegangen ſey? Nichts, antwortete man, bie 
Gatalina habe nur mit dem Giacomo getanzt. Ich 
bedauerte, daß ich nicht früher gefommen ſey, um 
das anjufehen. „Das Vergnügen, ermiederte man, 
könnte ich leicht haben;“ und nach einer Furgen Ab: 
rede, erflang die Quitarre von neuem, aber fanft, 
einfach, unſchulds voll fröhlih, Das ſchien mir 
nicht der Anfang des Tanzes, den ich eben hatte 
endigen ſehn. — „Guckt nur zu," antwortete 


mir ein icilianer auf mein Bedenken, und — 
Eehrte mir echt: lajaroniſch den Rüden. 

Mach einigen Taten huͤpfte mit kleinen Echrit: 
ten und fehr züchtig verhält, ein junges Mädchen 
auf den Platz: Bid, Haltung, Bewegung, alles 
war aͤußerſt ſittſam, indem fie mit Eindlicher Frohe 
lichkeit einige Kreife beſchrieb. Die Mufit wurde 
lebhafter, aber nur wenig, — indem rin junger 
ftlanfer Burſche auftrat. Er machte einige Touren 
und erblidte das Mädchen ; aber fie nimt feine Notiz 
von ihm. Er druͤckt fein Entzuͤcken über ihren Ans 
blit aus, — feinen Wunſch ihr zu gefallen. End: 
lich erbafcht er einen flüchtigen Blick, den fie auf 
ihn wirft; er — und die Muſik jubeln, — indeß fie 
bold errothend und mit ſichtbarer Verlegenheit, nur 
immer forgfältiger ihre Schritte zu beachten ſcheint. 
Er kommt näher und fie weift ihn noch verfchämter 
zurüd. Er wagt eine Liebfofung: ſcheinbar erzürnt 
ſtoͤßt fie ihm zuräd, aber ihr Blick, das ſichtbare 
Wegen ihres Bufens verräth, welche Gewalt fie ſich 
anthut. Er fleht um Verzeihung; fie wird gerührt, 
fie verzeibt, und er dankt voll Entzäden durch eine 
noch lebhaftere Liebfofung. Sie zürnt nch einmal, 
aber halb lächelnd, mit erhigten Wangen. Er ums 
ſchlingt fie wieder: fie ahmt feine Echritte nah: ihre 
Haube wird locker, ihr Halstuch verfchiebt fich flie⸗ 

end, und läßt bald hier, bald dort die bloße Bruſt 
dn. Seine Liebfofungen ehren häufiger wieder, 
indeß ihre Blicke und der Tonerguß der Guitarre 
immer wilder werden. Möglich flürmen die Tanzen: 
den mit rollenden Augen von den entiernteften Punf: 
ten der Tanzbahn einander entgegen; fie falten bie 
hoch erhobenen Hände ineinander und — der Tanz 
mird zu üppig für jede Beſchreibung. Die Nepr 
Haube des Maͤdchens finft, ihr Haar flattert umber; 
ihr Buſentuch entfällt, — e6 mar eine Mänade 
im Rauſch der wildeſten Begeifterung. Endlich laſſen 
fie einander lss, machen ermattet noch einige Kreife 
und — verlieren ſich. 

Die Wahrheit zu fagen: Genuß gewährte mir 
das Schauſpiel nicht, — vielleicht weil die Sicilianes 
rinnen eher haͤßlich, als ſchoͤn find, — aber ich fland 
und flaunte auf den Tanzplatz bin, da die Tänzerin 
fon längft damit fertig war, ihre Gewaͤnder wieder 
ju erden. — „Das beißt die Tarantela,” fagte 
mir mein fajarone, indem er ſich wieder zu mir 
mandte. Ich legte der Wirthin ein Stuͤck Geld auf 
den Tifch, und bat fie, dafür die Gefellichaft zu bes 
wirthen. — Gpäter ſah ich die Tarantela auch in 
Calabrien, grade fo wie bier; ich ſah fie auch in 
Neapel, aber um der Anfländigkeit willen, fehr abger 
ändert. Sie ift Übrigens — ber Fandango ber 
Spanier und — der Kordar oder Faunentanz der 
alten Griechen. Er bat fich viele Jahrtauſende lang 
bei den Abfömmlingen- der Griechiſchen Coloniſten ers 
balten, weil — mas allein ein KRunftwerf unvergängs 
lich machen fann, — eine allgemein : verfländliche und 
Intereffante Idee in ihm ausgeführt ift. 


= 


—— nt j in 


— — — — 


Nichtpolitiſche Zeitung. Nro. 100. 


Mus Berlim 


A. zum Detenber gab man auf unſrer Buhne: om 
heute, ein Beitnüd in einem Alte, von Eulogius 
enter, — eine der ſeltſamſten, mitlungenſten Ausgebur⸗ 
ten, die mo eim pockich«poetifch geftimmter Konf u Staude 
gebracht bat. Der Titel: Zeitmürc iſt ſehr wafend; benm ber 
Berfasier befigt Die — übrigens nicht ſeitue — Kun, Zeit au 
machen: er verlängert die Stunde, bie fein Erüf etwa bauten 
mag, fr dem gebilderen Pmrninftigen Zubörer zu fechd Stunden, 
Das Ganie iſt fo finnios, dal man etwas MWortrefliches zu 
Hören glaubt, wenn man einmal auf ein Dupend Merfe dl, 
Die auch nur mittelmähig geramen find. Ei warb (ehe gul ge 
fsielt, und — das Publitum zeigte ſich fo anbiidet, wie viel 
feicht kein anders im Europa gethan hätte, Man hörte das Stuck 
von Anfang Dis gu Ende rublg am, und erſt am Schluſſe ſorach 
ein allgemeines Pochen das Urtheil, ohme baf auch ame ein einn⸗ 
gts apslamdirendes handevaar wibenproden hatte, — Man 
Fonnte ed der Direction fehr übel nehmen, dak fie mit dem Pu⸗ 
biitum darch Dinge dieſer Art erperimentiren däht, mühte 
man micht, wie ſehr Mand von bew Birmkelbaiten Dichterline 
sin geveinigt wird, bie jedesmal wenn er eine dramatiiche Mbs 
furdität zuruckweiſt, darin, da er jelbn dramatiicher Dichter iſt, 
Priv ſeha. Es vieibt ihm wirklich michıs übrig, als vom Zeit zu 
Zeit an einem diefer — Mader Gerechtigkeit u üben, Ihm — 
feinen Willen zu thun umd Das Publikum urtheilen zu Laien, 


Aus Franybfifhen Blättern. 


Dur Beier der Kalfertrönung fol eine große Anzahl von Gefan⸗ 
genen, vorzüglich von gefangenen Schuldnern in Greibeit geirgt 
werden, — Ichtere wahrſcheinlich dadurch, dag man ihre Glau— 
bigner beiriediat. 

— Paris bat 7 klieues alſo, 25 Lieues ZI 15 Deutiche 
teilen gerechnet, 45 Deutidhe MM.) ım umfange, 2 Liewes 
34 m.) im Durchſchnitt, und 60 Liewed (36 Wellen; betras 
en die Paberinrhe feiner Gaſſen. rbefit wird es durch 4,500 
Meverberen, 4 Enet.n, 68 Edmien und 17 gelehrte Geſellſchaf⸗ 
kn. Die Weperberen find, wie man weiß, vertrefflic, — 
Barid bar ferner 32,000 Haufſtr. Im I. 1789 gab es Duielbit 
36 Buchdrucker und 120 Buchbandier; jept belauft ſich die Zahl 
ber erſten auf 250, der andern auf 500, Es bat ferner 2,000 
Reſtaurateurs, 3,000 Kaferhäuftr, 2,800 Miethwagtn umd 2,000 
Cabriolets. 

Riga, *) den tı. November (a. &t.) 


Mir Gatten heut eim fehr interefantes Peicdhen: Begänanik, 
Der Garg war, mas bier moc nie oder äußern selten der Fall 
gereien, im Rathhauſe wiebergefegt. Mid Vealtiter Gatten ſich 
die angefehenften Männer aller Grande in drm Hanvtinale veer 
fonmmpit, wo die Küfe des Verſtorvenen umter dem Wilde Bıler 
randers aufgeftellt war. Der Geueral Gouverneur begleitete dem 
Ing Bid m dem einige Werlte emtiernten Vegräbaiiis Wine, 
Bier Rathaherrn gingen durch die Stadt und Vorſtadt, und zwolf 
der geachteteften und reishihen zungern Aaufleute bis am die Gruft 
neben dem Sarge her, welchen fir auf die Bahre umd vom ihr ab« 
hoben, Eine bortrefliche Mede des Ober : Paltord Bergmann und 
mehrere voctiſche Flugblatter brachten auch bie Huldigung des 
Geiſtes dar, r 

Der Verfiordene mar ein far drei and nditulalähriger Greiz 
Thrgermelfter Des durch bie Grabthafterihaits: Einrichtung 1787 
ohtrgeibreten, alten Dingiftratsz; vormaliger Rigifder Deputirter 
sur Geſetz Commminieon md Mitglied von deren emgerem Buuss 
eure, Tehaua Ehriteph Ehmarg. Um bie Diteratur bat er 


*) Splalı Werhaltuiſſe nöthigen dem Einfender zu ber Witte, 
ba der Herr Herausgeber begeugen möge, aus dieſtr Feder Feine 
frühere Beiträge erhalten zu haben. tg. — Beider is fo. D. Med. 





* 


gch durch viele anonpme Murfäge im Gadebaſchee und Huwels 
iftorifhen Sammlungen, umd durch eine Bibliothek der Rurlandis 

en Staatsichriiten verdient gemadt, Gin beneidenswertheref 
Wuiter als das feinige dann es micht geben, aher auch keinen ichr⸗ 
reichern pratiiichen Commentar über die Wrafrobiotik, ald jene Mes 
bensmweife. Xaſtlos mir Beeture umd Ecbriftitellerei beſchaſtiget, 
be⸗ anu er, als vr ſcheu über BO Jahrt Matte, mod ein Belchr: 
bes wivland, und bat es mei vollendet hinterlaſſen. Noch im 
den Ihren Zeiten forderte maam dh von Petersburg aus zur 
Mutheuung feiner Vormakligen Recherchen iter die Beitggebung 
auf. Er war bad Orakel jr Stadt und band über Alied mas 
einbeimiihe Verraſſung und Geſchichte betraf. Wo er fi 
weigte, erihien er am Würde und Milde, fo mie in ber allger 
meinen Verehrung und Biehe, als ein höherer freundlicher Benink, 
Erin Geheimnis, am Geiſt und Gemürh nie ju altern, war, ſich 
Mit der Zelt, nad allen Beyichungen, immer im enger Ichenbis 
ger Bermeimichait zu erhalten. Micht blos im Sreift feiner gleiche 
falts fahr actungswerchen Famdlie, fondern auch im fremderem 
größeren, senoh er das geſellige Beranligen, Bon feiner Feier 
lichtett der Humanitat, ſeibſt wenn fie ſeinem herzen viel Poitetz, 
wie mandıe Berrbigung, blieb er weg. Täglich beſachte er ums 
fere Muſſe. An allen Angelegenheiten ber gebildeten Meuſchheit 
nahm er warmen Anıheil; jedes geifige und ſutliche Taltat 
und Verdienft, auch an dem jünaften Wraumz, fand de ihm einem 
berztichen Freund. Phoſiſch comjerbirte er ſich Durch, bis gegen 
die legte Zeit, unausgejegte Spavierginges durch Swang den er 
ſich anthat, and 1eo die Körverkraft ibm durchaus verfagem 
wolite, und durch eine Nichrachtung von Pflege, die bis zur. Harte 
gegen fih gina. Gein Tod kronte erfreilichit das jdöne Leben. 
Wenige Wochen bettlagerig. Dos and Schwäche, bileb er an Grit 
und Her, im voller heitrer Thätigkeit, Als er micht mehr reden 
konnie, ford noch fein Handedruck. Und fo entidiwebte er jur 
bohern Welt einborz durch fein Alter und feinen Tod feibn eim 
Bürge mehr dafur, daß e# eine ſolche sicht! 


* tg. 

Auszug der Zeitung flr die elegante Welt. 

Kr. 140, Gin Pobelgeſchichtchen von einem Leinweber, der 
fliegen will. Dem armen Wanne wird vorgeworien, „er 
wiſſe wenig Phoſftt,“ weil er behaupte, er und feine 
Mardıine wegen drei Centmer, Der Tabler, um die elegamte 
Voraje madumabinen, „weis wenig jatiammenbängendes Schrei⸗ 
ben. „ 

dr. Duchet fol an Hm, Eyajier eine Berichtigung det 
Berichts won feinen biefigen mmemoniiben Proben, worin er 
den Beeihe für verfalſcht ertinet, geidickt, urb bieiee 
win fie guritchgeiamde haben. (Die Beichwidigung ig zu wöbel 
hart amd laderuch, um eine amdre als eine gerisstlidbe Wiberles 
gung zu verdismen, die ſogltich weleiitet werden kaum: aber wie 
widerfimmig mad fie wicht ſeya borgebradt worden, da fagar Der 
Bar. des Earl Pilger fie nice annehmen medte !) 

Nr, 1471. Eine Eviſtet, worin die Damen aufgetorden 
werden, zu Butiers Deutmaal beitragen, weil — er bewirkt 
habe, Dah fie Paſtoren, Bertern und Ghevattern Heirathen fünm: 
ten, auch bak Frauen mis rothen Auzen micht mehr verbrammb 
werden. (Die Schretderet in auch Air den Freini. eimgeiamdt, 
und wegen ihrer Fadheit und Undelicateſſe Dei Seite gelegt 
worden.) 

Nr. 142. Dem Orcheſter des Fraut furter · Theaters if eine 
Beneñce⸗ Voriteliung bewilligt worden. 

Die Zeit, für die eleg. W. fol, nad dem Willen te) Der 
andgebers, ned eim Jahr ferıbauerm. Er bebammpier zimem Ihe 
haftern Brierwedjel mit Paris (das ift in der That eine grofie 
Eorreivondentin!) eimgeleirer, und fdom cine Zeid nuug des 
Sramy. Staat ı Sitegels und des Ordenszeichens dir Ehreniestom 
Bergieiben eoulirten hier in Verlin (dem vor einem Wierttiahre,) 
echalten zu haben, Der Freim. wird dabei ein norlauter Tahıın 
genannt, und Hr. Gpaiter freut fih, dahı die Zeltichristen Ephunr 
Erbinr) ıc. angehört haben, 


1804 


Nro. 244. 





Der Sreimüthige 


Sreitag, 


ern f 


— 0008 mm 


und 


den 7. December, 


Sde r;% 





Ueber Peftalozzi und feine Unter 
rihtsmethode, *) 


UÜamssue kann ich Buchſee verlaffen, ohne Ahnen 
über das merkwuͤrdige Inſtitut des edlen Peflalozzi 
menigftens einige Bemerkungen mitzutheilen. Ya! 
es reuet mich feinen Augenblid, diefe Reife unter: 
nemmen zu haben. Dem Pädagogen eröffnet fich 
bier ein weites Feld intereffanter Beobachtungen und 
Erfahrungen, dem Menfchenfreunde die fichere Auss 
fiht einer befferen Zukunft, einer giüdlicheren Gene 
ration; und darm, fo iſt ſchon Peſtalozgi's und feiner 
Freunde Umgang und nähere Bekanntſchaft gemiß 
jedem, der in dem Meenfchen den Menfchen fucht 
und liebt, unendlich mwerth. 

Hier fehen wir Männer, die, ohne alle eigen: 
nüßige Abficht, zu einem guten Zwecke fich verbin 
den, diefen Zweck mit einer Kraft, mit einer Anftren 
gung, mit einer Ausdauer und Eelbftverleugnung 
verfolgen, die nur das Bewußtſeyn jenes erhabenen 
Zwedes bervorbringen fonnte, 

Die Kegierung in Bern bat den vormaligen 
Eiß des Anftituts, das Schloß zu Burgdorf, feiner 
früheren Beftimmung wiederum gemidmer, und Pefta: 
loiji dagegen einen Theil der Kioftergebäude zu 
München: Buchfee auf ı Jahr übergeben. 


2) Vom einem Manne bom angeichenem Range, ben 
Bloß feine Liebe zur Padagogit nad Wuchiee fuhrte, und ber 
daher mit deſto größerer Lmberamgenbeit beobadıten konnte. 

Der Rob. 


Durch diefe Veränderung des Localen hat das In: 
flitut eigentlich gewonnen, fo unangenehm «8 anfäng: 
lich auch Peſtalozzi ſeyn mogte, Burgdorf, deſſen Be: 
soohner fein Inſtitut aufblühen, und deren einige, 
vorzuͤglich der biedere Dr. Grimm, ihn fo thätig un: 
terftüßten, verlaffen zu müjfen. Die Zimmer find ge: 
räumiger und größer; der Hofraum bietet den Sina: 
ben einen ziemlih ausgedehnten Epielplag dar. In: 
deffen erfolgte auf diefe Beränderung bald noch eine 
wichtigere, nämlich, die der Direction. Felleberg, 
Eohn eines Berner Patricier, ein edler, überaus 
thätiger Mann, dem der fogenannte Muͤhlenhof, ein 
Landgut, eine DViertelflunde von Buchſee, zugehört, 
übernahm fie, Diefe Veränderung muß allen denen, 
die jenes Inſtitut näher kennen, als durchaus noth: 
wendig erfcheinen, — Die Beiträge, welche die Kna⸗ 
ben, die ſich im Inſtitute befinden, entrichten, find 
Außerft gering; fie bezahlen für Koft, Unterricht, 
Feuerung, Licht, Waͤſche, monatlich 22 Fl. Rhein, oder 
12 Thaler Gold; nur die firengfte und pünktlichite 
Deconomie fonnte unter biefen Umftänden das In— 
flitut erhalten. Peftalogji, immer nur mit feinen 
Planen, immer nur mit dem Wohle der Menfchheit 
beſchaͤftigt, vermogte nicht, fih um das Detail der 
Wirthſchaft zu befümmern; er vermogte es nicht, die 
ibm eigne Gutmuͤthigkeit, die ihm nur zu oft, in 
dfonomifcher Hinficht, in die mißlichfte Lage verfehte, 
auch nur einen Augenblick zu verleugnen. Er hatte, 
waͤhrend er an der Spitze des Inſtituts fland, fehr 
"beträchtliche Eummen, die er theils von der Helveti⸗ 


fen Regierung erhalten, theils aus feinen eigenen 
Mitteln bergefchoflen, zugelegt. Jene Quelle war 
längft verfiege, und diefe mußte durchaus geichont 
werden, wenn fie nicht auf immer verfiegen ſollte. 

Jene Anftalt war eigentlich eine Erperimentak 
Schule gewefen. Peftalozji's Ideen hatten die Lehrer 
geleitet; dieſe Ideen waren bei ihrer Anwendung. auf 
die Höglinge, durch diefe nicht ſelten berichtiget, es 
waren neue entwidelt worden. Gobald die Reſultate 
fiher und entſcheidend wurden, mußte man nothwen— 
dig den Weg, auf tem man zju ihnen gelangt war, 
als den wahren und richtigen anerkennen und vers 
folgen; dann mupte die Anjialt aufhören, fich jmit 
Erperimenten ju bejchäftigen. 

Jetzt konnte alfo Peftalozzi ohne Nachtheil für 
die Anftalt zurüdtreten; er mußte es, von der eiſer⸗ 
nen Nothwendigkeit geſwungen. — Eein Geiſt wird 
nichts deito weniger ın ihr fortleben, und wenn die 

ütige Worjebung das Leben ihm nur noch menige 

Kapre friftet, jo wird er, da ein fselleberg an der 
Spihze des Inſtitutes jeher, dieſes jchöne Werk feis 
ner Echöpfung in hoher Vollendung ſehen. 

Daß die Reſultate aber wirklich ſicher und enk 
fheidend. waren, davon hat mich nicht nur, fondern 
fat jeden Augenzeugen chne Ausnahme, der Augens 
fepein überzeugt. 

Die Zöglinge zeichnen fi durd Gefundheit des 
Körpers und Beiftes, durch eine ununterbrochene Heis 
terkeit, durch ein offnes, freies Wsejen, durch Bes 
ſtimmtheit im Handeln, durch richtiges Urtheil und 
einen ſcharfen Beobachtungsgeiſt aus; fie erhalten 
—5 9 Stunden, und dennoch ermuͤden fie nicht; 
felbji dann, wenn die Segenwart von Fremden die 
Lehrer veranlaßt, fie noch überbem in den Freifiun: 
den zu unterrichten , zeigt fich feine Epur des Viißs 
vergnuͤgens oder der Ermüdung. 

Deutſche und Franzöfifhe Sprache, Rechnen, 
Zeichnen, verbunden mit den Anfangegruͤnden der 
Maihematik, Schreiben, Geographie, Naturgeſchichte, 
und vorzuͤglich auch Religion, find die Gegenſtaͤnde 
des Unterrihis. Der Elementars Unterricht im Yefen 
iſt noch ſehr unvolllommen; die Bemühungen und 
Verdienfte eines Dliwier und Krug in biefer Hinficht, 
waren Peſtalozzi und feinen Freunden noch zu mes 
nig befannt ; indeffen wird man fie künftig benußen, 

Deutfhe und Franzöflfhe Sprache werden von 

li von v. Muralt und zwar gleichzeitig gelehrt, 
dap die Kinder zugleich die Regeln der Deutſchen 
und Franzbſiſchen Orammarif Eennen lernen, Diefe 
Methode dürfte es verdienen, nachgeahmt zu werden, 
Ibft da, wo nidt, fo wie bier, die Nothwendigkeit 
e vorfchreibe, indem bier die eine Hälfte der Abge 
linge urfprünglid. nur die Franzoͤſiſche, die anders 
nur die Deutſche Sprache verfiehen und ſprechen. 

Der Unterricht im Rechnen dürfte leicht der 
voll endetſte ſeyn. Beifpiele von den Aufgaben, weiche 
die Kinder im Kopfe auflöfen, bier anzuführen, 
würde zwecklos ſeyn, da ſich in Genners intereflanter 
Schrift, Briefe aus Burgdorf über Peſtalozzi, feine 
Methode und feine Anftalt,i Hamburg, bei Perthes, 
1804, und in dem neuerdings erſchienenen Gten Hefte 
von Peſtalozzi's Elementan®ädhern dergleichen genug, 


finden. Nur einige allgemeine Bemerkungen werden 
bier einen fchitliden laß finden. Der erſte Un: 
terricht im Rechnen fängt nicht mit den &lementars 
Dücern an, fondern biegen gehet eine Uebung vors 
au, in Folge deren das Kind das Cinjelne als einen 
Theil einer combinirten Grdße Eennen lernt, — 
Statt daß bei dem gemöhnlichen Linterrichte dem 
Kinde gejagt wird: x und ı if 2, 2 und a if 3, 
oder 4 mal ı ift 4.5 mal a if 5 u. f. w.; fo ſagt 
fagt man ıhım hier, indem man wgend eiwas, als 
3 D. Bohnen oder Cubus von Holz, zur Hand 
nimmt: ı und r ift 2; » iſt der halbe Theil von 2. 
2 mal ı ift 1 mal 2, ı mal 2 und der halbe Theil 
von 2 it 3 mal 1. 2 mal 2 iſt 4 mal 1. 2 mal 2 
und der halbe Theil von 2 ift 5 mal ı u. ſ. w. und 
denn umgekehrt. g mal 1, wie viel mal 27 Antın. 
4 mal 2 und der halbe Theil von 2, ferner: ı mal 
i ift ber zte Theil von 3 wat. — 2 mal ı if 2 
mal der Zte Theil von 3 mal 1. 3 mal a iſt ı mal 
3. 1 mal iſt der gte Theil von 4 mal ı u. I. w. 
— Zwiſchenher nimmt der Lehrer, z. B. wenn in 
der Uebung mit 3, 14 Cubus auf dem Tiſche liegen, 
6 weg und fragt: Wie viel mal 3 find nun noch 
da) Antwort: 2 mal und 2 mal der Zte Theil von 
3; wie viel find weggenommen? 2 mal 3. — Se 
lernt das Kind die 4 x pecies anichaulich, gründlich, 
unvergeßlich. In dieſer Antangelbung find alle fel 
genden ſchon mit enthalten, mie im Kerne der fünf: 
tige Daum. Erwachſene, die fich die Mühe nicht 
verdrießen ließen, dem Gange der Veethode von An: 
fang an zu folgen, haben die Bemerkung gemarht, 
dag fie zwar in der Fertigkeit, die complicirteften 
Aufgaben aufzulbſen, es tin Knaben gleich thaten, 
aber tei der Analofe der Aufläfung die Reihe der 
einzelnen lieder nicht fo felzubalten vermogten, a!g 
es Die Kinder ihun. Sobald der Lehrer fiebt, daß 
das Weſentliche einer Uebung dem Kinde klar und 
geläufig ift, gebt er zu der darauf folgenden’ Über, 
ohne ſich fo Ferne an die lementar: Bücher ju bin: 
den, daß er alles ohne Ausnahme, fo wie «8 dort 
angegeben ift, durchgehen follte. Die Knaben, die 
nach biefer Methode unterrichtet find, löfen die ver: 
wid eltſten Aufgaben ohne Echmwierigfeit. Doc, diefe 
Sertigkeit im echnen ift es nicht eigentlich, welche 

eftalogzi's Methode allen denen, die eine zwed maͤ⸗ 
ge Bildung der Jugend für gut und nothmwendig 
alten, empfehlen muß, fondern die Art und Weiſe, 
wie fie die Seelenkraͤfte des Kindes bildet und ent 
widelt, wie fie ihm einen Grad des Selbfibemußt: 
feyns, eine Klarheit und Beſtimmtheit der Begriffe 
giebt, die ſchwerlich auf einem andern Wege erlangt 
werden dürften. 

Dünen: Buchfee bei Bern, I m—#. 
gefeprieben im Erptember 1904 


(Die Bortfehung folgt.) 
Gragmente, aus der Schreibtafel 
eines Neifenden ıc. 
Nürnberg. 


Das man bier ſchon eine Staliänifhe Uhr ee 
und wire man fie findet, und warum man fie fin- 


= 45 — 


det, daruͤber bat man ſchon, wo ich nicht irre, ein gan: 
je6 Buch gexhrieben, auf welches ih, der Kürze 
balben, verweife. — Der mächtige ‘Preupiiche Ads 
ler bat jeine Flügel fehr dicht über Nürnberg ausge: 
breiter, denn man erblickt ihn hart amı Thore diefer 
freien Reicheſtadt: und mich dünfe, fie würde wohl 
tbun, ihm keber ein Meft mitten auf dem Markte 
ju bereiten; dann würden gewiß ſogleich die verma— 
lateıren Köcher verſchwinden, über die, mit Kifenftäs 
ben vergittert, man unter den Hallen des Rathhau— 
fes ftoipert. Doch wer and vorfihtig geht, und 
folglich niche ftoiperr, wird dennoch bald, gleich mir, 
durch einen pejiilenziatiicgen Duft auf dieſe Köcher 
aufmerfjam gemacht werden. — Wein Gott ! weher 
dieſer Geſtank? Antrert: Da unten find die Ge: 
fängnıtfe, die bis unter die Sebalduskirche im 
Dunkeln forılaufen. — Heiliger Howard! meld" ein 
Schauder würde dich bier ergriffen haben! — „», 
ſagie der Küprer, „die Befungenen befinden ſich da 
„unsen recht wohl, fie haben gur zu ejfen und zu 
„trinken. — Aler feine Zufr? — „Daran 98: 
„wohnen fie ſich.“ — Kun fo wollte ih, daß man 
die Nürnberger Grbauer fommt und fonders ein: 
mauerte, und ihnen täglich, durch ein ſchnell wieder 
zu verfchließendes Ko, die ſchmackhafteſten Rebhüh— 
ner und Trüffein in Champagner gefodt, vorfekte. — 
Der Gedanke an diefe, des Mittelalters wlrdige 
Darbarei, verbittere dem Reiſenden den Genuß an 
Albrecht Dürers fchönen Gemaͤlden, die auf dieſem 
Yarhhaufe hängen. Fünf der ſchoͤnſten haben die 
Branzofen — erobert. Sie hatten In den herrll⸗— 
Ken Saͤlen ihr Corps de Garde anfgefihlagen, Die 
prächtigen Defen Iprengten fie durch Leberhetjen, die 
geichmädsen Wande beipmierten und verwüteren ſie; 
Eurz, fie trieben es bier, 
— — Fuͤr den Liebhaber vateriindiicher Alter: 
thuͤmer iſt die lange Ballerie am merkwuͤrdigſten, bie 
fih draußen vor den zimmern berjieht. Idre Dede 
nämlich ſtellt in jchöner, woblerhaltener Stuccatur⸗ 
Arbeit, ein altdeurihes Turnier aus dem AlYten 
Jahrhundert dar. Die Figuren, deren viele Hunderte 
bier gefehen werden, find alle in Kebensgröpe, und 
das Sanye giebt den deutlichſten Begriff von diefen 
beliebten Schauſplelen unferer Bäter. Voran ziehen 
die Vrufifanten, dann folgen die Ritter, weiche Das 
mals furnirten, fümmelih an ıhren Wappen Fennt: 
lich, die fie, ausgemait, auf Helm und Schild tragen. 

eder wird von einem Supgänger begleitet, der einem 
Stock in der Hand hält, und gleichfalls feines Kit: 
ters Wappen auf die Bruft geheftet har. Weiterhin 
rennen die Kämpfenden wirfitch gegen einander, kan: 
jen brechen, Neiter werden bügellos, andre vom Roſſe 
geftochen. Grotze Haufen von Zuſchauern, unter 
welchen fi fchön gepugte Damen beiinnen, ſchauen 


von dem Bakon herab. Dieſe Darftellung hat mir 
fo viel Vergnügen gemacht, daß mein Nacken es den 
anzen Abend nden bat, und ich falle in Ber 


yet die * 5 zu rn weiche er Diafe 
tragen, ie, ohne ven Made » 
die Arbeit An Vo 


De Sebaldusfirde it ein ehrmährdiges 
Dentmal des grauen hums. Wie foll ſchon 
taufend Jahre — Yan ſieht da etliche Legend en 


vortre in Steln gehauen, Auch Alb Duͤrers 
Dee vo 8 34 on Tee m: 
flärt, daß diefes Abachmen vom r ein fehr 
ungluͤcklich gemählter Gegenftand die Kunft 


feine ; ich fehe es ungern, und wenn der heilige fir 
cas felbft, der nn der erſten Thriften, es —— 
hätte, Zwei der ſchoͤnſten Bilder aus dieſer e, 
wollten die Franjoſe — — — — mugehen bei: 
en, hatten auch ſchon das Maaß zu den Kiten ” 
nommen, als die Deftreicher fie ptöglich zwangen, 
Kiſten ſtehn und die Gemälde hängen zu laſſen. ar 
deſſen fit doch eines bderfelben, auf Holz gemalt, bei 
dem ungefhidten Maasnehmen gefprungen. — Sonft 
jeigt man noch In diefer Kirche des heil. Sebaldus 
Grab von Bronze. Der gute Mann ruht bier in 
eine Dienge Zärge eingefchachtelt, weil er vermuth⸗ 
lich anders Über das Brgraben dachte, ale ber 
von Gotha. Die ungeheure Mare von Bronze I 
bemerfenewerth, auch wohl die künflliche Arbeit, — 
Die zabllofe Menge von Wappen, die in der Kirche 
—— und noch taͤgilch angenagelt werden, 
eweifen, daß die Mücnberger Patricier, auch noch 
sach dem Tode, ihre Eitelkeit gern irgendwo anna: 
geln. — Hier belehrte mich auch eine Snfprift, daß 
es in Nuͤrnberg eine Zunft der Alt macher giebt. 
Mas biefe Zunft eigentlich treibt, wußte mir das ar; 
tige Mädchen, das ung herumführte, nicht zu jagen, 
und ich vergaß nachher mich näher darnach zu er 
digen. Dürfte man die Benennung nad dem Wort⸗ 
verſtande nehmen, fo würden bie limasır, bei 
den Damen wenigftens, ſchwerlich in Anfehen ſtehn. 


Die Kunftbandlung des humanen Frauenbol 
u bejuchen, —5 Niemand, Ge —8 
ser dos Braunſche Kabinet für 38,000 Gulden 
efauft hat, if feine Sammlung merfwürdiger als 
Smals, befonders durch gefchnittene Steifie und 
fhöne Gemälde, Eine Flucht nah Argppten, 
vormals das Eigenthum der unglädlicgen Kbnigin 
von Frankreich, zeichnet ſich befonders aus; und mie 
würde, felbft der Kenner, Teniers Pinfel errathen, 
der ſonſt nur niedrige, oft ge a er 
malte. Durch diefes Gemälde foll er feinem Ruhm, 
und mit Hecht, gegründet haben, Auch ein fie 
ches, mweibliches ‘Portrait von Kembranbe ziebt bie 
Dlide an fi, denn es iſt nicht im feiner gewoͤhnli 
«hen fatalen Manier gemalt, wo er feinen Pinſel in 
Aegyptiſche Finfternig taucht, und fein glich ſtes 
thut, um zu verhindern, daß der Beſchauer ja nicht 
errathen mag, mas er eigentlich ficht. Ich begreife 
nicht, wie diefe Manier jemals Beifall finden Fonnte. 
Mehrere fhöne Bilder von Kreupderg und Dan: 
DE jchmüden biefe Sammlung. — Der wadere 
zen bat den Entwurf ja einer Fotterie ohne 
ieten gemacht, in meicher ber eroinn aus 
tanfend gefcnittenen antiken en beftehen 
wird, Schade daß er zu folden Mitteln feine Er 
E- nehmen muß, um das reichere Deutfche Publi 
, das lieber Kafanen und Rheinwein, als Kunfk 
werde Eauft, aus dem Schlummer zu weden. 


Kotzebue. 
Die Fortſehung folgt.) 


ge 
Nicht-politiſche Zeitung. Nro. ıor. 


Wien d, 29. Novd. 2504 


E. neuet Trauerfpiel: Seelengrße und Made, hat auf um: 
ſerm Hoſtheater Fein Sluck gemacht. Der König Chriſtian 
von Dannemart, weicher eine ſehr liebens virrdige Geliebte hat, 
ſoil eine eben fo ltebenswirrdige Primeſſin hetrathen deren Ober⸗ 
hoſmeiſterin aber die Beliebte gu verdranges ſucht, und am 
Ende dogar vergiften daft. Dieſe Hof: Inteigue di obne Wars 
me, Geil und Kunſt ausgeruprt; aud iſt Der Ausgang gan 
unbefriedigend, denn der Konig eriahrt den Mörder feiner Ge⸗ 
Hebten nickt, fondern ein Unfbwidiger bleibt din dem Verdachte 
der Schaudthat. Auch hier foielt wieder der Zufall eine Haupt 
rolle, weicher gerade in dem entſcheidenden Augenblicke bie ver 
giftere Airiche dem Madchen in den Mund giebt. 

Herr Etentih vom Mündner Hoſtheater, bar im Hamlet, 
und einigen andern Rollen geiallen, vorüslih aber Jog eine 
Mademoii. Hartmann vie Auimertiamkeit Des Yublitumd auf 
ſich, weiche in den ſtarkſten Rollen der verflorbenen Noufenil 
lum erftenmale das Theater detrat. Auch aeigt fie merklich 
ausgeseisbmeres Talent ſur Rollen dieſer Art, Türe Geſtalt iſt 
angemenen, die Stimme rein und verſtandlich, Die Deklamatien 
feren in Verien richtig, und dag Epiel beiomders im den acht: 
vollem Steuuen von Kraft und Feuer. re aehel vorkalih ald 
Vautewna in den Etreligen und Attilia dm Regutus, meniger 
als Claudia in Enilia Galotti, wo man einige Fehler in der 
Haltung und Dem Konverfaronstone bemerkte, Miles laßt eine 
vormglicht Echaufbielerin hoffen, 

Die Herrubutherinnen, nad dem Aransdfiihen ded Picard, 
Mufit von Devienne, find durchgeſaſten, obgleich bie Muſik 
zuehrere ſehr hubſch inftrumentirte Gteten Gat, und gut ind 
Dir fat, Die Intrigue IR freilich ſehr abgenupt, dak ſich 
der Pirbhaber als Madden verkleidet ind Berſammlungshaus 
ſqhleicht, und der Bedlente fi für den Beftsliten ausgiebt; ber 
fonders da glei darauf Die Erkennung durch den Bater am 
fehteht, folglich das Stuch ehe au Ende geht, als die Verwick ⸗ 
lung angefangen bat. Aber vorzuglich war das Publikum barı 
fiber unwillig, ba das Stück, ungeachtet des ſpaten Anfangs 
umd feßr Jangen Zwiſchenaltes, den Abend micht fidite; ein Gall 
welcher feit Aniger Zeit Henrich haufig vorfemmt, 


Auch im Theater an der Wien traf eine Treitſchtiſche 
Dover mit Mufit von Galieri, ein ungünſtiaes Schickſal. Das 
Ganje dreht ſich darum, daß eim Cord Faitland durch Kabalen 
von einer Juſel vertrieben, in ber Bermummung eines 
Moöohren dahin guridtommt, bei feinem Feude Vediord 
Dienfte nimmt, deſſen Vertrauen gewinnt, und endlich jet 
,Unſchuld und Bediords Vert rechen deweiſt. Mun merben Eie 
wohl lelcht errathen, bah eine Tochter des Gouverneurs, Fait ⸗ 
lands Getiebte iR, deren Befig amd Bedſord wunſcht. Dazu 
temmt mod eine Vergiſtungsgerchichte, Die ſich durch einen 
Schlaftrunt eutwickelt, und eine ehrgeizige Lady Unna, die auch 
weableiben fonnte. Was die Mufit betrigt, fo weih man, wie 
Ealieri für das Iheater zu fchreiven, und befonder# die Eings 
fimmen zu Behandeln verficht, aber feine größtentheld amges 
nelme Mufit fonnte das fehlende Intereſſe bes Stoffes nicht ers 
fegen. Auch hat Hr. Zreitichke, der ſich durch Sonnette m. dal. 
in dem diediährinen Mufenalmanace offen als einen Anhänger 
der neuen Schule amtünder, fo viel Aligemeinbeit umd fo wenig 
Yadivibmalität im bie Ebaraftere gebradt, und das Ganje fo 
wenig belebt, daß der Fall mit wohl zu vermeiden war, Die 
Oper wurde dreimal geseben, und jofl, wie man jagt, ſchen dus 
ructgeltat worden ſeyn. Ein Meines Stack vom Richter , die 
Hauherrn, hat nur Lotal Intereſſt, aber doch ſchildert es einen 
Theil der heutigen Eitten mit Wahrheit und Peben, denn leuq⸗ 
nen kann nam es nicht, dak der größere Theil der Häuferbeiger 
ihre Mierhen fehr ins Ungebührliche gefteigert, und die Unhöf⸗ 
lichteit und Hartbersigkeit ziemlich weit getrieben bar Wim 
Zraueriviel, Karoline dOrmonte, if gefallen, und zwar mit 
dem voliten Rechte. Es iſt eine unveridiamte und ungeſchictte 
Nadahmung der Galotti, womit noch eine Berihworungsges 





ſchichte aufammengeftoppelt if. Der Vrinz, Orſina, Marinelll, 
ate finden hier ihre Kooleen nur in einem Hohlſptegel verzerrt, 
worin von ihren ehemaligen (denen KAunflformen gar nichts zu 
utdecken if. 

Ein Ball in den K. K. Redoutenfälen zum Bortheile ber 
Penfionsannalt bildender Kunflier, ift mit vielent Glame urge 
Kalten worden ; mehr ald 4000 Wienihen waren jugegen. Die 
ufit war men von Eberi und Molitor. Die Deutichen Tänze 
des erſten gefielen fo ſehr, dagß fie, selbe nach diem Edulufe 
des Balles, wiederholt werten musten. 


Aus St Peterdburg. 


n fir des Freimütrbigen Met ein 5. G. um 
terizschnete ſogenaunte Risge eines Aufiages im dem Exrptember 
Heite des Mordiihben Archtvs, Meval berreffend. Nice 
dieſe Ruge an ſich, deun die man vielleicht verdient, wenigſtens 
durch den Parriotismus des Eimenders zu eutſchuldigen ſeyn; 
aber der Ton in berieiben und die abfihrlih herabwlirdegenden 
Anaaben Derdicnen eine Gegen Rise. Dbae die Perfantichteit 
des Herausgebers Dieies Jourmals Hrn Auafita in Schutz nche 
men ju wollen, it doch die Art, mie d.gt einige inlaudiiche 
Schriſtſtener ihn bei jeder Geiegenbeit augreifen, gewih umge 
zedit, HSat ihn mum aber die Ladenſaitiſcatelt Dieier Herren 
dum Opfer ertohren, fo foliten fie (ich begaugen, ihn allein zu 
Hoden zu werfen, obme zugleich alıes was im irgend einer Ger 
meinſchaft mit ibm Mehr, jerreinen gu wonen. Das thur aber 
5.9.0. — Dali er das Norbifbe Archiv, das Are 
“bin der Laächerlichkerten nennt, tieibe magerügt, bemm 
über die individuellen Anſichten der Menſchen, vorsüglid wenn 
fe von den Gehirnfibern abhaugen, laht ſich nicht ſtreiten ;z 
daff er aber behauptet, Hr. K. ſchreibe dieſes Journal mit einis 
gen Schauſpielern im Petersburg, und auf jeder Eeite beranden 
ſich Klagen über Nichtachtung der Schauſpleler, in durchaus ums 
gerecht. Im allen teiden Jahrgangen bıfındet ſich kein eimzie 
ger Yurfag eines Schauſpielers aus Petersburg, ſondern die bier 
figen Mitarbeiter find bier allgemein und micht unruhmlich ber 
kannte Gelehrte, und anfer diefen gereichen die Namen Kid 
ter, Schlödier, Ebmidt iu Mosfwa, Albanus, Cam 
venhaufen in Liefland u. f. w. dem Journal gewiß zu kri⸗ 
mer Unehre. Es enthält mande ſchatzbare Murfitge ſtatigtſchen 
und äftberlihen Inhalts, umd eine interefante Correironden 
des Inlandes. Daf nicht auch mandes darin eben jo gut um: 
gedruckt geblieben wäre, wer wird das lüäugnen; aber mo das 


Gute jo vorberriht, es da nicht auertennen wollen, verrärb Feind⸗ 


deligkeit. — Klagen über Niechtachtung der Schaufpisier ſiad mir 
darin nicht betannt, wohl aber bünbige Kritiken über fie und 
mandıe bittre Wahrheit, Die ihnen geiagt wurde — Bußer 
dem hat dieſes Ardbiv aud noch dem Werth, daß es das erſte 
Inſtitut der Art nach einer finflerm Periode im Deutſchen Ru⸗ 
dande war, mit manden midt tmtedeitenden Schwierigkeiten 
au fampfen hatte amd manchen auffallenden Beweis gab, wie 
wenig Vefbrintung eim freies Urtheil, veibir fiber Geaentande, 
am denen bie Regierung unmittelbar Theil nimmt, amter Mic 
zandber zu befürdten hat, Mich duntt, ein ſoiches Zourgal 
au beben, wäre Pflicht des Patrioten. 

— n —. 


Aus Berlin 


Wa haten das Vergnugen, daq Dem, Schmalh, die vor mei 
Jahren als eine ſehr gute Sängerin von Gier nad Wien gina, 
— ad dem Urtheil juwerlärfiger Kenner, — als eine wortreif 
liche zu ums zuructzetehrt di. In dieſen Tagen wird fie dem 
Vubliktum den Beweis threx Gortichritte in einem Comer ge— 
ben. — Mochte diese bis zu einem scher hoben Grade der Muse 
bildung fertgefhrittene Deutiche Kunfllerin künftig dedı micht 
bios der Jtalteniſchen Overmdühne gehören. Es wire 
wahrlich kraukend, wenn wir mitten im Vatertaude Died vollendete 
Talent dem — Auslandiſchen ganı itberlafen muten. 


1804. . 





" ARISTIDES, 


Nro. 2435. 





Der Sreimüthige 


Eonnabend, 


EFF rı ft 


on 


den 8. December, 


d SS dh e r.; 





Literatur 


Wiener Hof: Theater Tafhenbud. 
‚Bweiter Jahrgang. 


E. enthält ein Verzeichniß des Perſonal-Zuſtandes 
der beiden KT. Hoftheater, ein Journal der diefeg 
Jahr hindurch aufgetaͤhrten Erde, (es iſt Fein einzi⸗ 
ges von Schiller und Goͤthe darunter), Tkeater: Mo: 
tigen, Anefdoten und Aufſaͤtze, wovon einige, 4. B. 
der über die merkwuͤrdige Nonne zu Öandersheim, 
Roswitha, die als EchauipielrDichterin im jehnten 
Jahrhundert berühme war, ſehr leſenswerth find. 
Einige Nachrichten über den jekigen Zuſtand ber 
Portugiefiihen Bühne find ebenfalls intereſſant. 
Die talentvolle Eängerin Tatalani, die im 
Jahr 1801 fehen in Liſſabon mit allgemeinem Beifall 
auftrat, foll fich feitdem außerordentlich in. ihrer 
Kunft versellfommnet haben. Ihre Etimme um: 
faßt drei volle Öftaven, und ift von ber jeltenften 
Staͤrke und Lieblichkeit. Merkwuͤrdig ift, daß das 
Liſſaboner Publikum nie ein Stuͤck von fünf Akten 
aushält, daher alle ihre Trauer: und Luftfpiele nur 
auf drei Akte befchränft werden. Man Überfeht jetzt 
mehrere Stuͤcke aus dem Deutſchen; unter ‚andern 
wurde auch Kabale und Liebe (Intriga & Amor) 
auf die Bühne gebracht, mit der Anfündigung, daß 
ee ganı neu ven dem beruͤhmttn und großen Daut⸗ 
‚fen Tragbdien : Dichter Geiler fey. Die Bearbei⸗ 
tung iſt den Auszuge nach, den der. Berfafler jenes 


Auffokes daven giebt, hoͤchſt mittelmäßig, demohner: 
achtet erhielt das Stuͤck den lauteſten Beifall, und 
veranlaßte die fpefulicende Theater: Direktion, den 
Abällline, ebenfalls verftümmelt, auch für ein 
Werk des Deutſchen Seiller auszugeben, Menfchen: 
haß und Reue ift fchen früher aus der Epanifchen 
Ueberfegung ins Portugieſiſche uͤberſezt, aber eben: 
falls verfümmert worden. 


Was Kerr Fran Horn Über den verlornen 
Sohn, und deifen Aufführung auf einem Marionek 
tentheater ſagt, iſt ficher nicht viel beffer, als das 
Stuͤck ſelbſt. Die Erfcheinung der Schweine auf 
dem Theater, und das Orunzen des Kafperle, der 
ihre Stimme nahahmt, (anderer Plattheiten nicht 
zu gedenken) hindert ihn nicht, es als ein Stuͤc 
voll muſikaliſcher (!1!) Einfachheit und echt: va: 
terländifcher Würde (!) zu preifen, freilich muß 
die Liebe zu ſolchen Dingen, wie er fih am Schluß 
feiner Paraphrafe fehr richtig ausdrüdt, in uns 
wohnen, von außen kommt fie nicht. 

—r 
Ueber Peftalogji und feine Unterrichts 
methode. 
’ (Bortfegung) 
An dieſen / Zweig des’ Unterrichts ſchlleßt fich genau 
‘der in der -Anfbauungs: Lehre der Maaß-Verhält— 


nife an. ch laffe es dahin geftellt feyn, ob nicht 
auf den Theil dieſes Unterrichts der. eigentlich nur 


— 458 — 


eine Anwendung der Zahl-Verhaͤltniſſe anf die 
Manf:Merbältniffe ift, zu viel Zeit verwandt wird, 

&o viel ift indeifen gewiß, daß die Kinder durch 
biefe Anſchauungs-Lehre der Man: Derhälmiffe ein 
fehr richtiges Augenmmaß, eine feltne Fertigfeit, 
geometrifche Figuren aus freier Hand richtig zu 
jeichnen, befommen. ind fie im Zeichnen und 
Eintheilen gerader Linien hinlänglich geübt, dann 
erlaubt man ihnen, in Diebe, die fie ju dem Ende 
mit dem Lineale entwerfen, mannigfaltig jufannen, 
gefegte Figuren, mie ihre Phantaſie fie erfchaft, 
zu zeichnen, eine Uebung bie fie angenehm befchäf: 
tigt, ihre Erfindungsfraft übt und fhärft und gewiß 
eine treffliche Morbereitung für bie höhere Zeichen: 
kunſt if. — Der Unterricht im Echreiben wird 
durch jene Uebungen im Zeichnen jfsedmäßig vorbe⸗ 
reitet. Ohngeachtet auch die Exhreibe: Uebungen 
Anfangs in Degen vorgenommen und alfo an eine 
beftimmte Ferm gebunden werden, fo waren’ boch 
alle Handfchriften, die ih zu fehen Gelegenheit 
hatte, wefentlich verfchieden. Mur ſchien es mir, 
ale wenn man auf das Echneli: Schreiben 
zu wenig Küdficht nehme, 

Der Unterricht in der Geographie wird zweck⸗ 
mäßig ertheilt, indem man mehr darauf fiebt, daf 
fih die Zöglinge nah den Himmels: Gegenden, 
nah dem Horizonte eines jeden gegebenen Punktes, 
erientiren, als bloß die Lage der Grädte und Län: 
der auf der Landcharte wiſſen. In der erften. geo: 
graphifchen Kiaffe müffen die Zöglinge ſich die erfor: 
derlichen Fand: Charten felbit zeichnen. 

Der Unterricht in der Naturgeſchichte ift noch 
jur Zeit befchränft, 

Dem Religions » Unterrichte iſt täglich eine 
Etunde gewidmet; außerdem hält noch Peftatozi 
Morgen : und Abend: Andachten mit den Zöglingen. 
Erftere bezwecken meiftentbeils gute Vorſaͤtze, Icktere 
eine Eelbft: Pröfung, vorzüglih in Anfehung des 
eben ablaufenden Tages, Die Tendenz dieſes Unter: 
richts, diefer Andachten ift: den religiöfen Einn in 
den jungen Peuten zu weden, zu befefligen, fie da 
bin zu führen, daß fie, mas wahr, recht und gut 
ift, erkennen, es um des Guten, um der Wahrheit 
Willen, lieben und üben. 

Auch die Gymnaſtik wird nicht verabfäumt, 
Die Knaben erhalten Anmeifung jum Schwimmen 
und Fechten. Ihre Koſt ift einfach, aber geiund 
und nabrhaft. " Ueber Keinlichfeit un) Ordnung wird 
firenge gehalten. Die Anftale ſelbſt bieter denen, die 
fih dem Lehrerſtande witmen wollen, binlängliche 
Gelegenheit zum practiichen Unterrichte, Die Naͤhe 
von Fellebergs Fand: ut, fein Wunſch, feine Be: 


‚ Dec, nicht um für ſich den hoͤchſten 


reitwilligkeit, fein vorzügliches Talent, junge Leute 
in den Grundfägen der Land: MWirchfchaft practich 
gu unterrichten, bieten den Zöglingen, die eigne 
Wahl oder Beftimmung diefem Fache zurühren, die 
ünftigfte Gelegenheit zur Krlangung gründlicher 
Kenntniffe in der Landwirthſchaft tar, Hier ſieht 
man alle neuere Erfindungen der Engländer und 
Srangofen, ſowohl in Küdficht der landwirthſchaft⸗ 
lichen Werkzeuge, als der Behandlung des Aders, 
zum Theil durch das erfinderifche Genie dieſes Van: 
nes vervollfommnet oder vereinfacht, benuken; bier 
ſieht man die möglichfte Vermehrung des Düngers, 
die forgfältige DBereitung, Aufbewahrung und Be: 
nußung der Mift: Jauche, wodurch ſich die Bewoh⸗— 
ner der Ufer des Zürich: Sees auszeichnen ; — überall 
erkennt man die Epuren des Genies des Belikers 
biefes Landgutes, der über dem Plane für das 
Ganze, auch nicht das kleinſte Detail verabfaume und 
nicht in dieſem den Plan des Ganzen vergißt. 
rtrag feines 
Eigenthums zu bewirken, bietet diefer edle, feltne 
Dann alle Kräfte auf. Wohlwollen für die Menfch: 
beit, der innere Beruf, nach einem höheren Ziele 
zu ſtreben, find es, die ihn leiten. Sein Linter: 
nehmen beruhet auf feften Stuͤtzen, fein Gang: ift 
ſicher und ummandelbar: — es wird gelingen, — es 
wird die Aufmerkfamkeit feines MWaterlandes und 
feibft ferner Länder erregen und verdienen! 


Peſtaloni und Felleberg,, fie ftreben nad einem 
und bdemfelben Ziele, wenn glei auf verfchiedenen 
Wegen. — Wer «8 früber, wer es ficherer erreichte, 
darüber wird die Machmelt richten. Peſtalozzi will 
eine beſſere Generatlon, durch eine fittlich gute, Na: 
turgemäße Bildung der Werdenden, bervorbringen ; 
Felleberg will die gegenmärtige und Fünftige durch 
die Gewißheit individuellen Vortheils zum Fleiße 
und zur Thätigfeit, und dadurch zur Tugend führen. 


Peſtaloni, Miederer, ein denfender Kopf, den 
perfönlihe Freundfchaft und Einheit des Zwecks anı 
erfteren feffeln, und Krüfi, der biedere, herzliche, 
einfache Krüfi, den die Kinder als ihren Darer lie: 
ben, bleiben für ewig verbunden; nur der Tod kann 
fie trennen. Ob fie nun, dem an den erfleren ex 
angenem Rufe zu Felge, nach Yiefland gehen, oder 
n der Schweiz, ihrem Baterlande, ein neues Inſti— 
tut gründen werden, iſt noch unentfchieden. 


Wo aber das Schickſal diefem feltnen Kleeblatte 
feinen Wirfungsfreis.anmweifen wird, da mird es 
Segen über die jehige und künftige ©eneration ver 
breiten. 

München » Vuchfee bei Bern, 
geichrieben im Sept. 1804. 


I—m—t 
Gragmente, aus der Schreibtafel 
eines Keifenden ıc. 
Yugsburg. 


Si mehreren Jahren Flagen die Perudenmacher, 
ipre Kunft werde nicht mehr nach Würden geehrt; 


man ſchneide ohne Umſtaͤnde de Zoͤpfe ab, oder laffe 
hoͤchſtens ein Rattenſchwaͤnzchen bangen, alles übrige 
inuͤſſe himmelan borjten, des erquidenden Puders 
entbehren, und ftatt dem fchöpferihen Kamm, mie 
vormals, die lodigten Reize zu verdanken, fahre 
man nur, gleich Katzen, Eichhörnchen und Fliegen, 
mit beiden —8 über den Gehirnkaſten, jo oft 
man beürchte, daß die Vorften nicht ganz aufwärts 
fireben möchten. An Perüchen, an jene edie Kopf: 
— unſerer Väter, ſei vollends gar nicht Zu den⸗ 
en. Allongen: Perüden, das Hoͤchſte der Kunft, kenne 
man nur noch aus Gemälden, und mit Wehmuth 
muͤſſe man fich der Zeiten erinnern, wo eine Allongen: 
Perüde dem Höfling wie dem Richter Gravität 
und Würde lieh. 


Diefe Klagen einer ehrfamen Perudenmacher:, 
zunft find freilich nicht ungerecht; wir machen es 
mit unjern Haaren wie mit unfern Pbilofe 
pbien: anfangs in jenen viel Wulſt, in diefer viel 
Schwulſt; nah und nach haben wir Alles megge 
ſchnitten, und nur auf dem Wirbel des Kopfes ſteht 
jetzt noch ein verworrenes Ding, das die Kunfivers 
fländigen eine Dolle nennen. Das Wort mag 
immerhin von der Philofopbie wie von den Haaren 
gelten, denn unfere Zungen: Weifen (vormals bes 
nannte man fie nicht nach der Zunge, fondern nach 
der Naſe, ) bürfien jene gerade fo aufwärts wie 
diefe, Die Perudenmacer möjfen fi damit trös 
fen, daß fie es in dieſen böfen Zeiten weit beffer 
baben als die Philofepben, denn den letztern mühte 
ich Feine Stadt anzudeuten, wo ihre Kunft fich echt 
erhalten hätte, wohl aber den erfiern, nehmlich Auass 
burg. Hierher flüchte jeder alter wackere Puder 
gott, dem das neue borflige Unweſen ein Greuel ift; 
bier werden ihm die ausgeftandenen Leiden übers 
ſchwenglich vergelten ; hier giebt es noch ehrmärdige, 
mit jehntanfend Loͤckchen prangende Allongen: Perüden, 
ja, was noch mehr iſt, der wadere Haarkraͤueler, der 
in feiner Baterfiade nur &terbliche bediente, ſchwingt 
fig bier zum Gipfel feines Ruhmes und frifire blos 
Götter! Der ganze chriftlihe Dlump nehmlich, den 
—— Geiſt, ausgenemmen, trägt in Augsburg 

Uongen: Perüden. Es ift herjerfreuend, wenn man 
in eine Kirche tritt, gleichviei in welche, und bie 
heilige Aungfrau in Brocat gekleidet, erblidet, von 
ihrem Haupt eine Alongen- Peruͤcke herabwallend, in 
ihren Armen das “efus: Kindlein, abermals durch «ine 
wohlgepuderte Allongen : Peräde verherrliht. Ya auch 
Gott dem Vater felbft ſchwimmen die Locken vom 
Haupte auf die Weltkugel herab. Wahrlich, Fein 
Peruckenmacher wird die Augsburger Kirchen betres 
ten, ohne Freuden: Thränen ju vergießen. 

Freilich meinen verftodte Weltkinder, bie herrliche 
Walferktunft, dur melde fo viele Der und 
Brunnen bequem und reichlich mit Waſſer verforgt 
werden, bringe den Augsburgern mehr Ehre, als 
ihre frifirte Dreifaltigkeit. efchreiben läßt, eine 
foiche Waſſerkunſt ſich nicht. Schnell, mie nuͤtzliche 
Gedanken durch Gott weiß wie viele feine Aederchen 
in das Gebirn hinauf gepumpt werden, und von da 
durch das Papier in die Welt ſtroͤmen, eben fo ſam⸗ 
miele fich hier das Waſſer vier Stockwerke hoch in 


großen Behältern, und fließt von da durch taufend 
Roͤhren in die Häufer der Bürger, denen es alsdenn 
frei ſteht, (gerade wie bei den Gedanken) zu ib: 
ren Hausbedarf davon zu fchöpfen, oder es unge: 
nügt vorüber fließen zu laffen. — Auf der Platte: 
forme des Thurms genießt man eine herrliche Aus: 
ſicht. Die Franzofen harten hier einen Telegraph 
errichtet, den fie auch jurücdgelaffen, und der noch 
geieigt wird, mit einer Wiiene, als jeige man Spu— 
ren des Blitzes, der ein Haus getroffen. — In 
ben verjchiedenen Stockwerken find viele Modelle von 
Kirhen, Brüden, Ealjwerfen u. dgl. aufgejtellt, 
die den Runftverftändigen ergeben mögen. Irgendwo 
ift au ein ſehr fchmerer &tein, mit einem daran 
befeftigren Kinge zu fehauen; wer Kraft genug befißt, 
mit einen Finger ihn aufzuheben, der erhält, zum 
füßen Lohn, die Erlaubniß, feinen Danıen an die 
and daneben zu fehreiben. Ah dachte dabei an 
den Taufendfünjtler, der, ich weiß nicht mehr mel: 
Ken König, dadurch in Erſtaunen zu feken glaubte, 
daß er Erbſen febr geſchickt durch ein Nadelbhr warf, 
und jur Vergeltung, auf die er ſich mwader fpikte, 
einen Scheffel Erbjen zum Geſchenk erhielt. Unter 
den vielen Danıen, mit welchen die Wand bekleckſt 
worden, ift auch der Manıe einer Jungfrau zu les 
fen. Mer einft diefe Heldin heitathet, wird doch 
wohl mit einigem Zagen den Entſchluß faljen, denn 
—— bat ihr Kräfte verllehen, die Herrſchaft zu bes 
upten, 


An der Kirche der heiligen Afra giebt es aller: 
fei Wunder ju (hauen. Eine Menge Genefungen 
von unbeilbaren Krankheiten, werden dur filberne 
Kinder und filberne Beine bezeugt. Wer Fönnte 
noch zweifeln? — Warum wird aber die heilige 
Apollonia mie Wachs, ſtatt mit Silber, abge 
fpeift ? — Cie figt da in ihrer ganıen Graͤßlichkeit 
an einem Pfeiler, und läßt fih alle Zähne aus dem 
Munde reißen, aus welchem das Blut reichlich her 
abſtrimt. Das Erperinient geſchieht wermittelft einer 

erdbhnlichen großen Kneiſzange. Bekanntlich empfing 
ie, zum Xobn er Leiden, die Gabe, die Zuhns 
ſchmerzen der Glaͤubigen zu flillen, und eine Menge 
Zahnfiefer von Wachs, neben ibrem Bilde auf 
ebangen, verfünden, daf fie ihre Wunderbüife noch 
mmer reichlich ausſpendet. — Verwirrt davon, wird 
das Auge durch ein Schauſpiel ähnlicher Gattung 
ergeht. Eine Menge arme Seelen ſchwimmen und 
patichen in den feurigen Wellen des Fegfeuers. Aus 
dem Munde der Badenden gehn, zu einer Kirche bin: 
auf, die btenden Worte: Ihr Freunde, gedem 
ker u. ſ. w.! — Dafnieen denn auch die gutmäthiz 
gen Freunde oben in der Kirche, und hören gläubi 
einem Pfaffen iu. der für ihr Geld Eeelenmeffe 
tieft. Die Wirfung iſt ficher und fchnell, Engelein 
fommen vom Himmel berabgeflattert,- jerren etliche 
E eelen aus der Glut, und tragen fie hinauf zum 
Herrn Ebhriftus, der augenfcheinlih feine freude 
daran bat, — Miederum irgendwo ift, mit großem 
Aufwand von Phantafie, das jüngfle Gericht anges 
pinjelt, Alm verblämt anzudeuten, daß die Hölle ger 
mwöhnlih dur fleiſchliche Eünden verdient wird, 
erblide man unter andern bier einen Verdammten, 


—— 4609 — 


eine Art won Laocoon, den eine Schlange umwun—⸗ 
den, die ihn grade an der Stelle entjeklich beißt, 
wo er im Leben die füßefle Empfindungen berberate, 
Ein ſchoͤnes, obwohl verdammtes Weib bat ein Teu⸗ 
fel auf feine Schultern geladen, um fie in die Kölle 
zu fleppen, und zum Beweiß, daß auch fie die 


— SID 





ewige Merbammmiß bios durch den Mißbrauch khrer 
Keige verwirtt babe, hat der wolluͤſtige Satan feine 
Klaue fehr unverfhant und graufam eingefchlagen. 
Kotzebue. 
(Die Fortſetzung folgt.) 





Nicht politiſche Zeitung. Nro. 102. 


Aus Franzdfifhen Blätterm 


ie Franzöfüfhen Blaͤtter fahren mo immer fort fange 
Heftige Derlamationen gegen Kogebues Erinnerungen, und 
dann — mod längere. Gragmente aus denſelben zur Lmterhals 
tung der Leſer abdrucden zw laſſen. 

Zu den Koilerten ⸗ Bebireimifen einer Dame redmet man 
ent auch einen jungen Kömtiden Waler, der den Kopfyug 
und de Draplrung ber Gewänder nach Munfregeln ordnet. 

Die Au—hrung von Mozarts Keaulem bat bis nad ber 
Krönung müren aufgehoben werden. Die Anicige iR von Eher 
rubind, Mehul und offer unterihrichen. Wan ficht, da bie 
Bade iweniaters in den been Händen Fi 

Rondonneau, Buchhandler umd Buchdrucker, bat ieht zu 
Yaris ein aus fünf Salen beſtehendes Muſeum eröffnen, das 
ungeiahe die Einrichtung des Weigangicden zu Beiviig bat. 

Auf dem Theater de la Porte Sr, Martın bat man: De 
Berförung von Liſſabon, eim Melodram, gegeben. Der erfle 
Bier Aclır eine gewöhnliche Lichesgeſchichte auf, im zweiten wird 
Pifsbon dur das Erdbeben verbeert, und baburd im beiten 
die Nurlöiang der Pirbedinswiaue eingeleitet, Das Etüf hat, 
trog der Pracht dee Auführung auferſt misfallen, und das 
madıt den Pariſerun Ehre, denn eime Lächerlichere Abentheuerlich ⸗ 
deit laßtt fr wohl nice denten, ald die Cataſtrephe einer Lie⸗ 
hesgeihichte durch ein Erdbeben berteiinführen, — das Keiüt, 
sine Guitarre durch eine Canonade atom vagniren. 

— Marmontels Memeiren find erihienen und werben ber 
gierig aeteſen. ie ichzinen wenig mehr zu jean, als was Die 
ineiften Gets Biographien find, ein baltremam, in weldem der 
Berrager ſeibſt die Rome des Heiden übernimt; — aber fie find 
sreirlih geichrichen, " 

Ledour, pormaliger Föniatiher VBaumeiſter, bat ein Wert 
berausgigeben, das den ſonderbartu Titel führt: L’Architec- 
ture vonsideree dans ses Ii»pports avec la Morale, la 
Fohtique et PArı, Welcher Zufınımenbang kann wohl ini 
fiben der Tautunit umb der Firtenichre fen? Und — iſt die 
Architettur nicht jeilft eine Kund? 

Das Janıns»] de Parıs hat im feiner 64 Kummer eine 
tiograubifhe Kerns von Morart gegeben, die mit den Toren 
dchlieit: „Kann man dich wohl dedenten, Mosart für den Klee 
len der Conwoniim alter Lander und auer Zeiten zu erken⸗ 
nen? Die Wahrheit zu fügen: dieſer Rusſoruch möchte im 
Deutſchland wohl nit untedinge unterſchrieben werden, aber 
er iſt mertwrdig alt cm Beweis, dafi die Framdıichen Ojes 
Ichrten jegt eime Hebemswirbiae Eigenihart angememmen haben, 
deren Manael man ihnen je oje bitter vorwarf: fie laſſen aus⸗ 
wartigem Werbiend mit areßer Warme Gerechtigkelſt wider⸗ 
fahren. 

Aus Petersburg. 
um „Item Kovenber, 


Deren haben mir selten ober ıgar mit, Meninftend nicht 
neue Das if unbegreiſſich, da es doch an mies weiter fehlt 
als am Eangern, vormglich an einem Waſſiſten. bSüpıid 
bat uns vorlagen und beglückt jegt Mewal mit feiner Gegen⸗— 
wart, Dagegen wird täglich Hr. Trull wieder erwarte — 
Hr. Trutt! Nun das dd ſchön. — Die Meinen pantenink 
ſchen Vatlerte bes Hrn. Pamiral fangen an das Partiitunm 
gan angenchm-zu-mntarhalten, Er ſcheſut den Geſang erſetzen 


— —— — — — 


* 


wu. ſollen. Schade, daß er nicht die Chöre in den Huffiten 
tamite, die in Ermangelung vor Sangern ganz mweghlieden. — 
Hr. Brüdtt ſoll (ich wieder (che ermilih um einen veuen 
Contract bemühen, umd von feinen Forderungen bereits gewaltig 
berabfteigen. 

— Hr Steimdberg fährt, mach Briecſen and Mei 
ka, immer noch fort gu foielen, umd da er ich auf Kleine 
@tude beichränte, Die er gim Theil ganz atlein ansrültt, je 
fett er eben mict dabel zu kurs kommen. — Uehrisens iR im 
Anjchung feiner der Druchiehler in den Freimüthiaen vom 
30000 Rubel, die er Dei feiner erfken Unternehmung in Mos⸗ 
twa erobert hätte, dur 3000 Kurbel zu verbeirern, jo wie daß 
im der eleganten Zeitung eben micdht elegant gerügte DB wjchem 
der 300 Wagen. Dieie Zahl beimmite das akgemeine Gerudit 
bier, und daß dies taufdhen kaum, vorzüglich wo Die Zaubung 
fo wahrikeiniih und unſchuldig war, wird die eirgante Sek 
tag ha audı wohl wien. Au ihre aber auch die Zahl der 
Magen midt genügend, fo bofen wir der Anhalt wird 24 
mehr ſeyn, bemm ber wird dech wohl ende Beiteu füllen. — 

Sir haben bier auf dem Grampöfiiden Theater wel Mom 
Reltungen von La Casavarıne de Caire, grand Opera - 
Ballet, musique de Gretiy.achaht, avec tout son spec- 
tacle. Die Mufit IR (döm, des Eyettätels viel, die Musfühe 
zung vradtvel wud Das Ganje dennoch — etwas langweilig. 
Echwerli wird ſich dieſe Over lange haltens — und wenn 
fie ſich hatt, ſo har fie dies eimiia und allein dem tieklidhen 
Zamjen zu verdanten, welche Didolot arramıler dat, u der 
Ecene, wo an dem herrlichen Vazard von Korfinis Heiler 
vinjel, dem Pacha ( HSrn. Miees) die Stlaven vorschelt Yon 
den, fanit zuert Dem. Nofes Eolinet ein Pas de 
Shaw] gan; unvergleichtich. Die Nırttüden und Dravverita 
dieſet Kunſulerin ſind a das Wert Ber Grazien. Darauf 
fotgt ein pas Laalien von Hru. Didelor ih, Dim. Roſe- 
Eolinet, Tem. Mary Lubind, eine Enalinderin won unpeiuhr 
16 Yabren , Die gemid batd im ihrer retienden Fun are; fen 
wirde Hrn, Diddors Schaltrin, — und von ander reiner Efeven, 
Bee ihm Ehre machen, geramit; damı tie Pornsis: von Auguſte 
und in pat Lemgo vom ML, Tallerg umd ad, Kolojef, 
eine dehr vormaliche Tangrınz uud dan ein pas Indien, 
ben Dem. Mary Lupino, Joſcohlne Cainclair (ein reisendes 
Kınd von ı2 bis 13 Zaren), Iton'na, Kıramanı, Sazonawa 
uud Bellen. — Hrn. Didelors Starte bedcht vorrualich dar 
dir Waumig⸗altigteit und Schonheit der Grubben, mwerin er 
wahrer Dichter if. WE Divetor dee Tänser Cerve leitet er 
auferordentlich viel und Bier fdeimt fein toi gu denn. — 
Die reuende Baradıre Man Lurino, um) ihr Hebenstwurdiger 
Hetmer baut nichtaaer Jo. Eatrelatr, feinen ihm sam berritan 
fhn zu belohnen. — 

Die Parenſtreiche hesbrte menlih die Vrinze ſin mas 
lie, Schweſtet der regierenden Kathi, mit ihrer Gegenwart, 
Cie wurden mit moglichtten Nachdrucke gegehen und ımıfem 
der edlen Kürkim einen fehr vorthesibarten Segrif von. dam 
GSeſch macke une Deutſcheu Schaupieler gegeben haben. — 

Das Blaͤtt des Grcimürbigen, worin uılanafi eine Anmer ⸗ 
kung des Redakteura über Den derigen Zudand der Betten fand, 
wurde von dir Vor: Ceriur aniamglicd yurliciehalten ‚ Mad eir 
higen Poftsgen ater nachaeleert. Dies ih jumeilsn mit nich: 
ren Blattern der Fau geweſen; nur ſelten, das ein Blatt 
san) zuructachatren wird, — 


Die Sortſchung folst.) 


1804. 





Nro. 246. 


Der freimütrbige 


Montag, 


ernd 


und 


den 10, December, 


Sſcherz. 





Literatur. 


Vorſchule der Aeſthetik, nebſt einigen Vorleſungen 
in Leipzig über bie Parteien der Zeit, von 
Sean Paul, Drei Bände. Hamburg, bei F. 
Perthed, 1804. 


Mir eine Aeſthetik von — Jean Paul? If 
das etwa eine Buße, die er fich für feine zahllofen 
Derfiöße gegen die Kunft, aufgelegt har?" — fagte 
neulich jemand, und in der That: wäre jene litera: 
rifhe Merkwuͤrdigkeit nicht wirklich ſchon da, fo koͤnnte 


man an der Möglichkeit derfeiben zweifeln. Doch — 


fie ift da, und nicht etwa ein humoriftiiches Quid- 
proquo, auch nicht, wie der befcheidene Titel jagt, 
eine bloße Borfchule der Aeſthetik, fondern nah 
der Abfihe und Erklärung bes Derfaffers in ber 
Vorrede, — eine wirtlihe wahre Aeſthetik, mit 
mwelher — ein neues Wunder, — feine philoſophi— 
rende Mufe über gebntaufend Tage ſchwanger 
gieng und woran folglich das Heraziiibe: Nonum 
prematur in annum! mehr als dreifach erfüllt 
ward. — ?? 

Das Werk it — fehr gelehrt! — in Pros 
gramme eingetbeilt, deſſen erftes fih mit der 
Poefie überhaupt beichäftige. Der Herr Ders 
faffer macht es aber darin mit feinen Vorgängern 
faft, wie jener Echulmeifter, der die Antworten feis 
ner Schüler auf die Frage: wie hech der Berg Ei: 
nal geweſen fey? alle mipbilligend verwarf, und nad: 


ber ſelbſt mit wichtiger weiſer Miene, darüber die 
entfcheidende Auskunft gab: — „Man fann das fo 
eigentlich nicht wiffen!” — Damit man ſich davon 
überzeuge, möge der erfte Paragraph des angeführ: 
ten Programms feiner Länge nah, mit Bemerkun— 
gen in Parenthefi, Hier eine@telle finden, Er bes 
ginnt folgendermaßen: 

„Man fann eigentlich nichts rei befiniren, als 
eine Definition felber, und eine falfche würde in dies 
fem Folle fo viel vom Gegenftande als eine wahre 
lehren. (Welch eine fonderbare Behauptung ohne 
allen Beweis!! Hätte der Herr Verfaſſer naiver ge: 
fagt: Ad, Jehann Paul Friedrih Richter kann nichts 
real definiren; — fo wuͤrde ich nicht wagen zu mi: 
derfprechen. Da er aber fo ganz allgemein durch 
man fi vernehmen läßt; fo erdreifte ich mich, ihm 
zu verfiern, daß man allerdings real definiren 
fönne, nur-grade eine Definition felbft nicht, nämlich 
im Ganzen, denn die einzeln darin liegenden Be 
griffe laffen fich fehr gut von neuem zergliedern und 
erklären, wenn fie nicht einfade find.) Das We 
fen der dichterifchen Darftellung iſt, wie alles Leben, 
nur’(?) durch eine zweite darzuftellen; (Wieder eine 
fonderbare petitio principii. In einem philofophis 
(den Syſteme verlangt man intellectuelle, nicht 
bildliche Darftellungen, und nur derjenige ift fü 
big, ein foldes aufjuftellen, wer fi mit Leichtigkeit 
vom Sinnlichen zum Ueberfinnlichen zu erheben ver: 
mag.) mit Farben fann man nicht das Licht ab: 
malen, das fie ſelber erft entſtehen läßt. (Das ift 


— 462 — 7 


eim Gteichniß,, aber Bein Verweis.) Sogar bloße 
Gleichniſſe koͤnnen oft mehr, als Morterklärungen 
ausfagen, (Freilich menn. die Definition nichts taugt, 
wenn fie, wie feit Kant gar viele, mehr eine Verdun⸗ 
felung, als Erflärung des Definitums iſt, fo daß wer 
mit diefem nicht fchon befannt war, nachher, wenn 
er die Definition gelefen bat, vollende nicht weiß, 
mas er davon zu denken bat; dann freilich if ein 
trefendes Gleichniß * ob es gleich nie: 
mals die Natur des Merglichenen ganz genau 
fennen lehrt; mithin den Afterphilofopben „Der thös 
rigt genug ift, daraus Folgerungen abauleifen, zu 
fa lichen Kefultaten führt.) z. B. die Poejie ift die 
einzige zweite Welt in der hiefigen, Was jagt mir 
das von der Natur der Poefle? Am Grunde iſt 
die Behauptung nicht rinmal wahr; denn die Poefie 
gehört auch mie zur biefigen Welt: fie entficht aus 
erjelben und foll in ihr wirken) oder: wie Eingen 
jum Keden, fo verhält ſich Poefie zur Proſe. ie 
Eingfimme ſteht (nah Haller) in ihrer größ- 
ten Tiefe doch höher, als der hoͤchſte Sprechton und 
tie der Sington ſchon für fi alleın Muſik it, noch 
ehe Takt, ohne melodifhe Foige und ohne harmo— 
niihe Verſtaͤrkung, — (Das ff Fatih. Muſſk iſt die 
tuͤnſt eriſche Anwendung jenes Tone. Der Geſang 
der Vögel iſt keine Mufif,) fo giebt es Poeſie fchon 
che Metrum, ohne dramatifche oder epiſche Reihe, 
oͤhne Inrifihe Gewalt, (Daß es Poefie ohne Vie 
trum giebt, ift wahr, würde aber auch ohne Gleſchniß 
fbon von ſelbſt eingeleuchter haben. Ob fie aber 


auch ohne dramatiſche oder epifche Reihe und ohne 


Igrifche Gewalt beſtehen, iſt eine Frage, die ich troß 
dem von der Muſik bergenommen Gsleichnuffe, zu 
verneinen geneigte bin, Eine von den augeführ: 
ten drei Bedingungen muß nerhwendig da feyn, 
wenn Poeſie vorhanden jenn fol, und dieſe iſt auf 
jeden, Kall mehr als eine biofe Modification der 
prache, oder des Stils, mithin verleitete bier grade 
das unrichtige Gleichniij zu Fehlfchläfen.) We 
nigitens würde in Bildern fich das verwantte Leben 
beſſer fpiegeln, als in todten Begriffen, — nur aber 
für jeden anders. (Das bemweißt eben: daß man fich 
babei denken kann, was man mill und folglich dieſe 
unbeflimmte Manier, durch Bilder und Gleichniffe 
ju belehren, in der Philoſophie nichte taugt.) denn 
nichts a die Eigenthuͤmlichkeit der Menſchen 
mehr zur Sprache, als die Wirfung, melche die 
Dichkunſt auf fie macht; (Die Vorjtelungen, welche 
Sean. Paul davon. hat, beweifen, daß er mehr ein 
Nebensmürdiger, phantafirender Dichter, als ein Phi: 
loſoph iſt ) und Daher werden ihrer Definitionen eben 
fo viele feyn, als ihrer Lefer und Zufchauer, (Alle 
aber merden. nichts taugen, «ine einzige, die rechte 
—— — 
Nur der Geiſt eines ganzen Buchs — der Him⸗ 
mel ſchenk ibm dieſem! — kann bie rechte enthaiten. 
Ch dies wirffich der Fall, fo wird fie ſich auch mit 
Worten ausſprechen laffen.). Will man aber eine wort 
liche kurze: fo iſt die alte ariſtoteliſche, melche das 
Weſen der Porfie_in einer ſchoͤnen — geifligen — 
Rachahmung der Natur beftehn läßt, darum vernei⸗— 
nend (? die befte, weil Me zwei Extreme auefcbließt, 
nehmlich den: poetischen Nihiiemus und den Mate— 


rialismus. (Diefe alte Difinition des tree ift, 
meiner Meinung nach, gerade eine der fchlechteften, 
die jemals gemacht wurden. &s til ganz falſch, taß 
die Porfie die Natur nahakme; fie entlehnt zwar 
ihren Stoff aus derjelben, aber fie veredelt ihn und 
{daft fo mit Freiheit, aber nach den Gefeßen des 
Schönen , etwas Neues.) 

Man ſieht hieraus, daß Sean Paul fetbft nicht 
ganz deutlich mußte, mas er in diefem Werke eigent: 
lich zu leiften babe und daß er es fotalıch auch nicht 
teilten Bonnte — Mach dem Programm über 
Porfie im allgemeinen kommen jwer andere über die 
Erufenfolge poetifher Kräfte und dus Genie, «ie 
find trefflichz nur unterfcheidet der Verioſſer nicht 

iſchen dem rohen und gekildeten Wierie, er 

Alt die Vorzüge des letzteren iriig für narürtıce, 
So fagt er zum Beifpiel: Im Bbenm feon alle, 
Kröfte auf einmal in Blüte, Das gil: aber durch: 
aus nur vom gebildeten Genie; im rohen bil: 
ben einzelne, indeß die Übrigen war vorhanden find, 
aber nur noch im Keime Durch Kultur erft wer: 
den fie harmoniſch entwidelt, durch Uebung geftürft 
und gefchärft und fo wird jenes - Gleichgewicht 
ren ihnen allen bergeftellt, weites Dem 
ihrer Befonnenbeit giebt, fo daß er mitten 
im Feuer der hoͤchſten Begeiflerung, wie ein Gott, 
über feine Schoͤpfungen nah den Gefehen der 
Echönheit zw berufen vermag, Diefe Befonnenbeit 
oder dieſes fehnelle, jederzeit fichre Geruͤhl des Schoͤ— 
nen, Jahren, Rechten und Schicklichen kann das 
Genie nur in fih entwickeln: angeboren ift 
ibm nur die Anlage dazın Jean Paul hätte alfo 
rote gefagt, zwifchen natürlichen und durch forgfältige 
Pflege zur Meiſterſchaft gereiftenn Genie unterſchei⸗ 
den jellen. Auch haͤtten beide Programme, melche von 
ten Seelenkraͤften des Dichters bandeln, wohl ei: 
gentlich dem erften über Poeſie vorbergehn follen; 
denn das Genie iſt ja eher und vor aller Poeſie, 
und der Echöpfer derfelben. Hierauf folgt eine Ein: 
theilung der Poefie in die griehifche oder plas 
ifche; und in bie romantifche,— die eben ſo vag 
und grundios ift, als es die Definition oben war, 
Jean ‘Paul betet fie Friedrich Schlegeln nach, fo viel 
ich weiß. Iſt denn aber griehifch und plaftiich 
einerlei? und war denn Die griechifche Poeſie nicht 
gar oft auch rom antiſch? Wenn fie uns nur tel: 
ten fo Scheint; fo kommt das bios daher, weil uns 
der lebendige Glaube an die Wahrheit Gricchiſcher 
Mipthen mangelt. Noch mehr: follte es wirklich eine 
romuntifche Poeſie geben, die nicht zugleich plaftiich 
in er —— iſt eine nicheplaftifche 
doeſie gar nicht denkbar, — 
* K H. g, R— de 


(Die Fortſetung folgt.) 


Eragmente, aus der Schreibtafel 
eines Neifenden ıc. 


Augsburg. 
Fortſehung.) 
Eine in Marmor gegraben⸗ Anfhrifft, und die mo: 
dernden Ueberrefie eines Baldachins, verewigen bier 





das Andenfen amj die berühmte Reife Pabſt Pins 
des Secheten ; bei welcher Gelegenheit fogar der evans 
gelifche Hector Mertens beinah den heiligen Vater 
vergdtterte, und dafür von hundert Federn ge: 
zuͤchtigt wurde. — Einen fleinen Erſatz für alle den 
Unfinn, den man in der Wehnung der heil. Afra 
beichauen muß, gemährt ein Gemälde von Merten 
leiter, die Auferſtehung. 


Mit großen Erwartungen betritt man das Rath: 
baus, wel von dem berrlihen Saale diefes Ge— 
baͤudes Wunderdinge erzähle werden. Groß iſt er, 
das muß man befennen, aber auch ſchoͤn? Mit nice 
ten! Er ift fo bunt und vollgepfropft von taufenderlei 
Vergoldungen, Echnikwerfen, Malereirn, Injchrif: 
ten; Kollern an den Wänden, Kuͤchenmaͤgden an der 
Dede; kurz, es ficht aus, als habe man eine zweite 
Eimdflurb befürchte, und alle dieſe Gegenfiände 
bier zufammengemwärfelt, um eine Arche damit zu be: 
frachten. Sieht man vollends zum Fenſter binaus 
in den Hof binab, fo ziehe ſich das Herz noch enger 
jufanmen, denn bier erblide man unterirdifche 
mit Blei gedeckte Wohnungen, in melden Gefan— 

ene ſchmachten. Gretzer Sort! baben denn die 

Reicheſtaͤdte allein das Recht, in einem Jahrhundert, 
in welchem Howard lebte, — nicht Verbrechen zu be 
firaten, — tondern Menfhen zu martern?! — 
Mögten doch die Rathsherrn den Befehl ertheilen, 
dieſe fchändlichen Bleitdcher, Me an die venetianifche 
Inquiſition erinnern, niederjureißen, und mentcliche 
Schlachtopfer an das Tageslicht binzuführen, die, 
als Verbrecher, nur den Tod, aber nicht diefe Qua: 
len verdient haben können. 


Fliehen wir von dieſem Schauder erregenden An: 
beit zu einem ſchoͤnen Gemaͤlde des Lucas Kra— 
nach, Simſon und Delila, das in einem untern 
Zimmer hängt. Je länger man es betrachtet, je 
ſchwerer reift man ſich taven los. Simſon ſchlaͤft 
fo tief, fo ſorglos, und in Delila iſt, trotz ihrer & hön: 
beit, auf den eriten Blid die berilofe Buhlerin zu 
erkennen. — In einem andern Zimmer ſteht ein 
aroßes Bild, nicht als Kunſtioerk, aber als treue 
Darfiellung alter Coftumes merfwördig, umd in diefer 
Hinſicht empfeble ich es den Herausgebern der, jehe 
beftweife ericheinenden, altteutichen Trachten. Es frellt 
das Rathhaus und den Marktplatz vor, wie beides 
vor ein paar hundert Nahren im Winter ausjab, mit 
großem Menſchengewimmel am Markttage. Käufer 
und Verkäufer bewegen fich durcheinander ; die Kate: 
bern ziehn in corpore von den Stufen des Yard: 
bautes .berab; den ‘Polizeimeifter reitet herum, auf 
Drönung ju halten; ein junger Elegant fährt eine Dame 
im Schlitten. er felbit ſieht hintenauf, und die Dame 
ſitzt gegenöber, eine Kite, die vielleicht nur det: 
wegen abgefommen ift, weil der junge Herr mehr der 
Dame ins Geſicht. als auf feinen Weg gefeben, und 
fie daher oͤſter, als heut zu Tage, umgemorfen bar, 


Kurı, eine mmendlihe Menge von Figuren bemegt . 


fir auf diesem Bilde, und das wohl ausgedrurte, 
ſehr manswgraitige Coſtum macht eine jeve overielben 
intereſſant. 

Endlich muß ih doch auch noch eines Dinges 
erwähnen, das dem Seiſenden von feinem Fuͤhren 


mit großen Pomp angekündigt wird, viel Gelb zw 
ſehn ‚Eoftet, aber der Erwartung nice im geringften 
entfpricht: es ift der fogenannte alte Einlaß. Zu 
den ‚Zeiten des Fauftrechts nämlich, wurden Bie 
Stadtthore bei Nacht unter Feiner Bedingung ge: 
Öffne; man mogte draujfen minfeln oder flerben, Fein 
Augsburger Hahn Frähte darnach. Vermuthlich war 
man dur —— dazu gendthigt worden, und ein 
hochedler Kath mogte ganz recht daran thun. Nun 
begab es ſich aber, daß Kaifer Marimilian eine Zeits 
lang in der Stadt berbergte, und, wenn er etwa 
auf der Jagd oder fpazieren war, nicht immer Luft 

tte, hinein zu eilen, um, mie die Yeipziger, ber 
Ihorfperre zuvorzufommen. Dem vornehmen Gaffe 
weite man nicht gern Zwang auflegen, und doch 
auch von der alten &itte nicht abweichen, Da ge: 
rieth man endlich auf den Einfall, einen Gang unter 
dem Malle zu wölben, durch mehrere ſchwere Pfor: 
ten Ihn zu verfchliefen, und über den Graben eine 
fdmale Zugbräde zu führen. Auf diefem Wege 
fonnten nunmebr einzelne Reiter und Kußgänger in 
bie Stadt gelaffen werden, ohne die Sicherheit der: 
felben in Gefahr zu ſetzen. Um aber auch biefen 
Gang möglıchft vor Einbruch zu fehöken, trof man, 
durch eine eben nicht kuͤnſtliche Mechanik, die Kin: 
richtung, daß die Riegel der Pforten nur von einem 
unfichtbaren, in der Höhe befindlichen Pförtner gebffe 
net und wieder verfchloggen werden konnten, grade wie 
man beut zu Tage mande Hausthuͤre im erften 
Etodwerk entriegeln kann. Die Zugbrüde und das 
Gitter gehorchten einem äbnlihen . Viechanismus. 
Das ift nun die ganze Merkwärdigkeit, Weil die 
ſchweren Pforten fih auf: und zuthun, ohne daß 
man eme Menſchenhand gemahr wird, die fie in Be⸗ 
megung feßt, und meil man zugleich den £leinen 
Kunftgriff anmendet, immer eine ‘Pforte in dem Au: 
genblide fi) Öffnen zu laffen, in dem bie andere fi 
verschließt, fo frappirt das in der Sekunde, 
in der zweiten lacht man aber über ſich felbft, daß 


m d Ta ſich überrafche 
Heß. Dos einglae, wahrhaft Aherknhrdige, war bın 


burger, die ſich diefe Einrichtung bis 1768, fchreibe 
Ein Taufenn, firbenhundert und acht und fechjig, ges 
fallen ließen, da doch fchor Kaiſer Marimition eibrt 
das Fauſtrecht abſchaffte. Bis zu dein erwähnten 
Beitrunft ‚müßte jeder Reiſende, der das Ungluͤck 
hatte, nach dem Thorſchluß vor Augeburg anjulanı 
gen, Wagen und- Gepaͤck draußen ſtehn laffen, eine 
Mache dabei fegen, feine Nachtkleider unter dem Arm 
nehmen, und durch die finftern Gewölbe, vom Gle: 
raſſel der zuſchlegenden fehmeren Pforten begleitet, 
mie in ein tiefes Gefaͤngniß in die Stadt wandern. 
— Wabriih, ‚man bärte, flatt den Buchsbeutel 


"zu veranıgen, jede alte unnüße Eitte den Augs: 


urger Einlaß nennen tollen. 

Ay vollende ein Diinlatur: Gemälde von Auge: 
burg, indem ic die moderne Bemerkung darunter 
feße, daß die Damen bier feblechr tanıen, und beim 
Tanıen ıbreXöde gewaltig hech aufſchuͤrzen. Honny 
soit qui mal y pense.. 

Kogebue. 


(Die Fortſetung fotat.) 


Nicht: 


D. Allgemeine Zeitung‘, bie ſich iumer an Jutereſſe wie 
an »olitifcher Freimithigteit gleich bleibt, gab turzlich eine Macs 
richt von merfwirdigen Neiienden, von denen die Wiſſenſchaften 
beträchtliche Erweiterungen und VBerichtigumgen zu erwarten has 
ben. Sechs derſelben find Deuticbe, und vier von dieſen Warlis 
mer: Hr. dv. Humboldt, der aus Amerika zurücktehrt, Hr. ©. 
Bartheldu, der Kieins Alien, Griechenland und Conflantinoped 
bereie, die HH. Kardend umd Wildenow, die Ungam.. Ochreich 
und Ziroi im mineralogiidher und botauiſcher Hınficht deſud ten. 

— In vergangenen Herbſt find 6 Leipager Polilions, wer 
gen ihrer Brutalitat gegen Reiſende, zum Feſſuagebau verur⸗ 
theilt worden. Diefe Nachricht verdient auf alten Poſttationesn 
angeſchlagen zu werden. 

— Der Rumſch- Kalſerliche Vice Admiral Hr. v. Tiebir 
tſchaaoc̃ hat durch die Petecsb. Atademie der W. einen Ptreis 
von 100 Dutaten auf die beſte Alhandiung: „Leber din W⸗ 
deritand der Fluſſigkeiten, mit Anwendung auf Die Safer und 
Schif bautunſt,“ ausgeitgt, 





Von der krefflichen Taſchenauszabe der Shakeſpearſchen dras 
matiſchen Werte, im Original, die bei Gerhard leider 10 
Leipzig verlegt, iſt der zweite Vand erſchiruen. Er enthalt: 

Twelftu- Nieht: or, WVhat you well, und Measutée dor 
—— Der Tert IR mad Steevens letzter Ausgabe abger 
druckt, und aus dem vielen Gommentaren iu ben Shateſpear⸗ 
ſchen Werken find die wichtigen Vemerkungen zugeigt. Das 
Untermebnsen eignet midıe zu einer beiondern ausnibeitdhen Ber 
urtheilung im Freimuthigen, aber ich din überzeugt, dan ich als 
len Piebhabern der Engliiben Literatur in Deutidland einen 
dantenswertben Diem leite, wenn ich fie darauf aufmertſam 
made Diefe Ausgabe ik fchr emprehlunsgwerih. 


Aus Berlim 


An Hrn December wurde hier im der Werdercchen Mirce das 
Amts s Iubilaum des Hm. Gch. Natks umd Framiöhihen YPredis 
gers Erman fchr feierlic beaangen. Die biefige vortreflice 
Singe: Akademie die unter Zeltera Direktion immer mihr eine 
der größten Zierden der Hanptlade wird, fuhere dabei eine Mu— 
fit aus, die ihrer wirdig war. — Ce Maleät der Koma bar 
ben Hu. Erman in einem ſehr huldreichen Dandichreiten Hochſt⸗ 
dero Theilnahme beseigt, umd dem alteſten Sohne deſſelben bie 
An wartſchaft auf eine eintraͤgliche Prabende eribellt, Ihre Mar 
jenat die Konigin aber ibm eine foßhare goldne Tadatiere übers 
fendet, und 20 Froor zur Vertheuung an Türsttae. 

Ein tranriger Nadfag! Teller, der verbiemvolle Teer 
int wicht mehr. (Er ſtatb im der Nacht wiſchen dem Bien und 
Hiem Deesinber, 


Minterbeluftigungen in St. Peterhburg. 
9 c Sortiepumg. ) " 
4) er Amerikaniſche Klubb ik eine bloße Topie des 
Buͤrgertlubbs, nur eine Etwie tieſer tin Innern, obgleich keinet⸗ 
weges im Aeußern. Ser if der Handwerkerſtand der here 
ſchende und Tonamgebende, Welch eim Unterſchied zwiſchen Touch 
einem Kıiubb und einer Deutſchen Tabagie! Wenn die ehriamen 
Bürger ſich in Deutidhland aus ihren Werkſtatten des Abends 
in der Tabagie verfammeln, um bei einem Vielichen und einer 
Kanıe Bier den Ubend zu verpolitifiven, ober böcdkeng um Solo 
oder eine Partie im Brette zu fpielen, fo versammelt ficb bier 
der Edmid , der Etelimader, der Schuſter, Saueider, Friſeur, 
Eattler, Echornfeinieger hier Vramdmeiiter gemamne) zu eimem 
Glafe Punſch, zu einer Partie Bodon mm 10 Kopeten (umge 
fahr 2 Bar.) den Point, auch wohl höher, und zu einer Partıe 
Billard um eimen filbersen Rubel oder einen blauen Hund, (ie 
heise im ihrer Kraftiorache eine blaut Bank: Anlianation von 5 
Rudel). Wenn er dort eim Burterbrode it Aaje oder Sleiich 
verichrt, und allenfalls einem Ebmupes trıntt, jo ißt er lier 





politifde Zeitung. Nro. 103. 


drei bi! vier Schlifein gu Abend, und trintt wohl allenfalis 
moei Ediaiben (Schnäpfe,, und eine Flaſche Wen. Yemn dort 
Kid einige drang Perronen im wenagen Heinen miudrıgca Zum 
mern zuſanamendrangen und ım Zobacsdampf gelmut kun, jo 
wandeln bier vier bis unhundert in gronen beimabe meſtlichen 
Euch, und werden vom Bedienten im vrachtiger Livree bedient, 
die nur auf ihren Lin? paſſen. Wenn dort dir Kirch oder 
die Frau Wirthin Dem lieben oftgeſehzenen Gaſt erenberiig Die 
Sand ſchurtein, und ibn wiute mmen keinen, ſo wird er bier 
von ermem Schwerer mer dem Bandeisere ehrerbictia emprangen, 
der ibm die Thuren effuet. Dort dreht ſich de zame Ins 
terlias.ung um Die polen Neutgteiten der Zatanugtun und 
um Dus hausliche Gewerbe; bier wird Das Letztere gar micht 
erwahnt; ſtatt deiien wird von Theatern, Bauetten, Bautn, 
Allsahrten uud — Banterorien gewrodben. Auch bier Außer 
man mehrere Zeitungen und Jourmaie. Dieſer Kiube ii wer 
beiuchtene von alten, amd er har gernih keinen unbedeutenden 
Einduß auf die Dentart der Gewerbetreibeuden Klsfe Daß 
nun audı hier Die Geſellſchart fee verunicht at, daß ſich auch 
bier Hofrathe, ja wohl ſelbit Etatsrathe, Ritter, mittlere uud 
niedere Krotn⸗beanite, Kaudeute und Burger im volliger Gleich⸗ 
heit benneen verſeht ſich won ſelbſt. Uetwigens wachen die Ger 
ſetze, die vom Wouvermement jelbit benatiat Mad, ſehr ſtreug 
uber Ruhe und Ordaußg, obalech cin etwas derber Streit bier 
wicht jo aufrallt, als in Den andern Kiubben. Auch dieſe Gier 
felichart besteht grontenihuls uns Auslaudern, und was von 
Erng.dormen da ih, gehort gewis im den hohern Klafenz Kauf 
man in das geringiie. — Ehemals wurde auch bier der Grifs 
tungstag mir einem gan atntichen Balle, als aus dem Burger 
Mubo ygereierr, nur das wo moglich Das Gcmrlch Gier ned bus 
ter und beiufigsuder war, Die Begierde der Frauen nad die 
fen Batlen war unbeſchreiblich, und ot wurde Der Edinten in 
der Lafita (die Deutſche Aramer- und Hockerbude vereinigt, ver: 
fegt, am ein Kleid fur Diesen feñlichen Abınd zu borgen, oder 
eine meue Haube im kaufen. Bor ſieben Uber Morgens wird 
deun von einem folden Balle nicht weggsgangen; alltaglich in 
dir Klubb am Feder Zeit des Tages geoiſnet; wird aber um 
wolf uhr geihlofm. Das es auch hier berſteckte Zimmer 
giebt, werdcht ſich. Unter Kaiſer Paul war dieſer Klutb 
mit einer der erſten, welcher geſchloſſen, unter Kaifer Aleran-— 
ber aber auch einer der erſten, ber wieder gtoffnet wurde, — 
Politiſch berrachtet af Diefer Kiubb nicht nur durchaus unſchad⸗ 
Kb, ſoudern jeibit von aroscn Augen; und in moriluder Hins 
fiat last er ſich in einer Stadt wie Petersburg recht gut ver 
Abhridigen. Nur möchte die Honommde Hinncht auf den inner 
Wolttand der Familien nicht eben ſo errreulich ausialen. Elue 
fehr gure, iur Erbaltung des Alubbd aber auch durchaus erſor⸗ 
derliche Einrichtung it Die, dan keine Schulden gemacht werden 
durfen, wenigstens nicht beträchtliche, und das ber der viermo⸗ 
natlichen Ermewerung der Mirgliedebiltette, alles berichtigt wer⸗ 
den muß, Der Einkauf betragt 25 Rudel, und der jabeliche 
Beitrag 15 Rubel. — Darur genieht man bios das perfomlige 
Recht, in der Geſellſchaft zu erſcheinen. 


— 


Wir find bier aus dem Sommer in den Winter hinſiber⸗ 
geiblüpit, wir wiſſen ſelbſt macht wie, Die Regemeit, die font 
gewohalich vier Wechen uns in umern Mauern Halt, if Dies: 
mal gar nicht erſchieuen. Bei dem heiterſten Vierter bat ſich 
die Newa mir Eis belegt, maghdem es einige Tage vorher, aber 
nicht jeher Mark und voringlch bei Nacht, geſchneit hatte, 


— I. — 
‚Unryeige 


Baber gab der Greimärhige monatlich wentaſtens Eine Heine 
muſttaluche Eompoltion. Im December mi er Mich Bieies 
veringen, da ſich Die, Materialten zu ſehr haufen, um Raum gare 
Munt uibrig zu lafſen. Dafur wird gleich zu Anfange des 
tunftigen Jahrganges cin beſonderes Blart mit Murit deigelegt, 
ad damit monatlich fortgeiahren werden. Der Rd. 


1804. 





Nro. 247. 


Der Freimüthige 


Dienſtag, 


Ernſt 


Literatur. 


Johann Joachim Spalding's Lebens-Beſchreibung 
von ihm ſelbſt aufgeſetzt, und herausé gegeben 
wit einem Zuſatze vom deſſen Sohne Georg 
Spalding. Halle, in der Buchhandlung bed 
Maifenhaufes 1804. 


Kane michtige Schrift, denn bas Gebiet des 
Wiſſens nnd Denkens mird durch fle weder ermei: 
tert, noch befonders erhellt; Beine befonders merk: 
würdige, denn was fie enthält, möchte fich wohl in 
keiner Ruͤckſiche fehr benugen laffen; — aber eine 
Außerft anziebende, denn fie füllt die Seele 
mit liebe: und hochachtungsvollen Bewegungen und 
feſſelt. 

Spalding, ein Mann von unetſchuͤtterlicher Ver⸗ 
nunft, mehr hellem als — mit Herder verglichen, ſehr 
energifchem Verſtande, befonders von fanftem, fie: 
benswärdigem, mehr feſtem als flarfem Charakter, 
trat in der Mitte des vorigen Jahrhunderts unter 
den thesiogifhen Schriftſtellern als ein uͤderraſchen⸗ 
des, bewundernswoͤrdiges Phänomen auf, beionders 
durch die lichte, flers confeguente Beziehung auf vie 
Moral, mit weicher er die Religion behandelte, und 
durch feinen reinen, gebiegenen Stil. Gr erwarb ſich 
Widerſacher, aber auch unter den denfenden Köpfen 
jener Zeit lebhafte Freunde und Derehrer, und fe 
führte ihn fein Hoher Werth eine ebrenvolle, — 
feine perfdnlicpe Liebesrohrdigkeit, eine glüdlihe Bahn 





und 


den 11. December, 


S err z3. 


— — — 


hinab bie in fein neunzigſtes Jahr. Er Marb: nicht 
feine Verwandte und Freunde nur, alle die ihn 
Bannten, fehen mit achtungsvoller Rührung auf das 
Grab des edein Mannes, — und der Schrift 
feller bat Feine Tadier, nur Bewunderer. 

Auch Spalding — mie wohl jeder denkende 
Kepf, der mit reine Herjen und ruhigem Bewußtſeyn 
ſich feiner Handlungen erinnern darf, — hatte &tun- 
ben, in welchen er gleihfam auf feiner Lebensbahn 
ſtill fand, auf das Zurüdtgelegte finnend hinblickte, 
fi das Merkwuͤrdigſte deſſelben aufzaͤhlte und fic 
in Betrachtungen darüber vertiefte. Er that es zu: 
weilen mit ber Feder in der Hand: fo bildete fich 
denn biefe Heine Sammlung von Auffäßen, deren 
Entſtehen zwar fehr fragmentarifh war, — (der 
erfie Abjchnitt warb 1757, der jmeite 1762, ber 
dritte erſt 1786, die folgenden aber find nach kuͤr⸗ 
gern Freiichen: Zeiten, die letzten kurzen an den Ge 
burtstagen tes, Derewigten geſchrieben;) — die aber 
gleihmohl ein Sanzes machen, da fie immer diefelbe 
Erzählung fortfeßen und — mas mir wirklich be: 
wundernewerth ſcheint, — immer mit demſelben 
Geiſte, demſelben reinen, tiefen aber ruhigem Gefühle 
abgefaßt find. In den Zufäßen feines Sehnes und 
feiner Freunde fpricht jene liebevolle Verehrung, die 
ein Mann mie Epalding allgemein, folglich feinen 
ihn umgebenden Verehrern noch lebhafter, einflößen, 
mußte, 

Das einzige mas in dieſem Werkchen misfallen 
wird, find ein Paar Hinblicke auf Herder, die ver 


_ 46 — 


jeihlich, aber nicht dazu geeignet find, den Werth 
des Buchs zu erhöhen. Herder griff einft als jun 
ger, feuriger Mann eine Schrift von Spalding an, 
die ihm — Doch ich will bier feine Erörterung auf 
ftellen, bei welcher ich leicht zu umſtaͤndlich werden, 
und die jekt zu nichts nüßen könnte; aber der Bemer⸗ 
fung kann ich mich nicht enthalten: um das Derdienft des 
ehrwuͤrdigen Epalding in helles Licht zu flellen, war 
es ja eben nicht nöthig, ein Laͤmpchen auf dem Altar 
eines der größten Männer Deutfchlands auspugen ju 


llen. 
wollen R.. 


Vorſchule der Aeſthetik, nebſt einigen Vorleſungen 
in Leipzig Über die Parteien ber Zeit, von 
Sean Paul, ’ 

(Fortſehung.) 

In ziemlich willkuͤhtlicher Ordnung folgen nun 
eine ganze Menge von Programmen uͤber allerhand 
äftperifche Themata. Was Jean Paul über das 
Laͤcherliche, den Humor, die Jronie und den — Witz 
fagt, ift wirklich zum Theil neu mund oft fehr fcharf: 
finnig und fein bemerkt, Ich habe indeß einige Ge 
genbemerfungen zu maden. Selne Definition. bes 
Läderlihen, als eines finnlih angeſchauten 
unendlichen Unverfiandes fcheint mir mehr 
ein Beifpiel, als eine adäquate Definition des Lächerr 
‚ lichen zu fein, ob fich gleich ihr Schoͤpfer nicht me: 
nig darauf einzubilden fcheint. Denn erſtlich iſt nicht 
bloß der Unverftand lächerlich, fondern eine jede 
Unvollfommenheit unter gemilfen Bedingun— 
gen; zweitens ift finnlid angefhamt, entweder 
ein Pleonasmus oder «8 fagt etwas Linrichtigesz 
drittens ift das Beiwort unendlich menigftens 
nichts fagend, (Es giebt wohl unendlihe Größen 
J. B. den leeren Raum; nicht aber auch, wie ran 
Paul erwähnt, unendlihe Kleinheiten, denn felbft 
das Atom dat Ausdehnung. *) Endlich fehlen grade 
zwei Hauptzüge in jener Erklärung. Der Unverftand 
ift nebmlich nur dann lächerlich, wenn ermafchäb: 
lieh iſt (im entgegengefeßten Kalle erregt er nicht 
Lachen, fondern Unwillen) und wenn er verfläns 
dig au fein prätendirz,“ Ich wuͤrde daher das 
Laͤcherliche lieber erklären dur: Prätenfion et 
ner Dollfommenbeit, deren Mangel plöß: 
lich einle ucht et. Man mende diefe  Deflnifftn 
= * an Sara eine Pinie zwar bid ind unendliche veriam 
arrn. nicht aber auch bis ind unendliche verkürzen, deun da ger 
rath man anlent an den minrbematiichben Vuntt, von meldıem 
fie amfıra und aber dieſen hinaus it — dichts; de non enie 
autem mil potest praedıcarı. Died gilt eben ſowohl vom 
Woraliihen, wie vom Phnfifcben. Ein unendlich großer 


Mernand 3, 8. it der gottlichez eim umenblich Bleimer Ginger 
wen latn ſich micht denten, er wurde gar feiner fein. 


an, auf melden Fall man wolle und fie wird jedem 
zeit paffen, Ein bäßlicger Kruͤpel z. B. ift an und 
für fih nicht lächerlich, wird es aber ſogleich, wenn 
er ein Adonis zu fein präiendirt, — 

Eben jo wenig Fann man zufrieden fein mit den 
Gründen, wodurch Jean Paul jenen mit Wiß und 
Bildera oͤberladenen til zu rechtfertigen fucht. 
Freilich thun Bonmots bei einer zweiten Lektuͤre 
kaum noch halbe Wirkung; aber um ihretwillen wie: 
derholt man auch nicht den Genuß eines Kunſtwer— 
fes; fondern um von den Schoͤnheiten der Compoſi⸗ 
tion im Sanzen gerährt gu werden, und zu unters 
uchen, warum alles fo ift, mie es tft und ob nichts 

(fer fein Fönnte, Dat ein Werk fonft Feinen Vor⸗ 
zug, als eine reiche Fülle von eingeinen guten Eins 
fällen; fo iſt deffen Werth aͤußerſt problemarifch, 


° Uebrigens verfenne ih gewiß Feinesiwegs den hoben 


Werth des Witzes, wenn er mit Beſcheidenheit fich 
in das Gefpräch miſcht und nicht immer das große 
Wort zu führen ſich anmaßt. Salz ift eine liebliche 
Würze der Epeifen; wirft man es aber ſcheffelweiſe 
in die Brühe, fo wird eine ungeniefbare Heringss 
late daraus, Weberbaupt kann ‘a Stil, der Kopf⸗ 
brechen verurſacht, ſchon darum kein ſchoͤner ſein; 
denn es liegt in der Matur des Schoͤnen, daß es 
mit Leichtigkeit empfunden merden fünne; davon 
eben heißt die Wilfenfchaft des. Schönen Aeftberik, 
Jeder trefliche Einfall muß däher durchaus ifolirt 
werden, wie ein nr Tempel, wenn er wolle 
Wirkung thun fol. Diele in einen engen Raum 
jufammengedrängt, beiweifen, daß der Baumeiſter — 
jwar einen Ueberfluß von: Materialien, viaber micht 
den mindeften Geſchmack hatte. K. H. L. R— bdt 
(Der Schluß folgt u... 


Ueber Erlangen. 


Dr Wuͤnſche jedes Patrioten, mein Freund, für 
die Univerfität Erlangen geben wirklich in eine Er: 
füllung, die jede Erwartung übertrifft. Wäre aber 
Auch diefe ehrwuͤrdige Anftalt ihrem eignen Schickſat 
überlarfen geblieben, fie hätte gewiß das unglinflige 
Loos nicht verdient, daß fie unfehlbar betroffen ba: 
ben würde. Denn bedenft man, ‚was, feit, der Bes 
gruͤndung auf ihr ſchon für die Wiſſenſchaften ger 
ihan worden if, und wie fehr die glüdliche Lage 
und andere Vorzüge ihr zur Empfehlung dienen, fo 
koſtet es wenig mehr, fie, wenn man nur will, au 
einer der erſten und blübendften Univerfitäten Deutſch⸗ 
lands zu erheben, 

Sie muͤſſen mir fon erlauben, meinen Gegen: 
ftand etwas näher zu beleuchten, um den Derdacht 
der Warteilichfeit zu entfernen. Ich hoffe noch 
überdies, ein Wort zu feiner Zeit zu fprechen. 

Dor der Univerfität beftand in Erlangen eine 
Kitterafademie, deren Erifter Chriſtoph Adam 
Bros von Troccan war. ie blühte über vier 
ig Jahre mit abmechfelnden Gilde. Marfgraf 
Friedrich von Brandenburg: Batreuth hob fie auf, 
und fliftere dafür 1742 am ı4. März eine Akademie 
in Baireuth; fand aber aus ſehr einleuchtenden 
Gruͤnden für gut, diefe ſchon im nächften Jahre nah 
Erlangen zu verlegen, Hier wurde fie zu einer 


Univerfität erhoben, am 4. November 1443 einge 
weiht. Die Jen Bauart der Eradt, Ihre ange 
nebme und günftige Lage an einer jehr gangbaren, 
öffentlichen trage, in der Dähe von veitreichen 
Handelejiädten, im Mittel zwiſchen dem ſuͤdlichen und 
nersishen Peutichland, verbunden mit dem wohl: 
feilen Preiß aller Kebensmittel, dem Auf Ihrer Lebe 
rer und anderen giüdtichen Umfländen, erhoben ſie 
bald Über die Mittelmaͤßigkeit. Sie erhielt von ih⸗ 
rem Etifter den Mamen Fridsriciana. Aber ale der 
legte Markgraf Alerander, bei der Vereinigung 
der beiden Fuͤrſtenthümer Ansbach und Baur) 
3769, durch eine an ehnliche Vermehrung des Fouds 
ihre Dauer feſter gründete, fo wurde fie auch nach 
deffen Namen, und alfo von dieſer Zeit an kıiue- 
rico- Alexandrina genannt, Indep flieg ihr „ler 
nicht höher. Sie wurde vieimchr abwecbjelno bald 
mehr bald weniger, bejucht, fo fehr auch berühmte 
Männer, (wie Geiler durch Errichtung rines 
Prediger: E eminarıume und einer Geſellſchaft für 
Dioral und ſchene Wiſſenſchaften 1773, wie Darles 
duch Begruͤnzung eines philolegtihen Erminariums 
1777, und wie Wendi durch vırichrung eines Kli— 
niſchen Inſtuut 1779,) ıbr neuen Ganz gaben; 
fo ehr durch Iſenftam, verſteht ſich den Water, 
die Anatomie, durch ven Schreber ber kotanifche 
Gurten, und durch Hildebrandt der phyfifuluche 
Apparat vermehrt und verbeffert; fo fehr endlich ihre 
angenepnie Limgebung durch die Kunſt verfchönert, und 
obgleich zur Cidiliſtrung der Etudierenden ein muſiko⸗ 
licher Klubb und ein Caſino fehr zweckmähig er 
richtet wurde, Der bochgefliegene Preiß auer Be 
duͤrfniſſe Ichränkte die Erndierluft ein, und felbft 
der Studierzeit wurde Abbruch gethan. Neue Unis 
verfiraten entſtanden, alte regenerirten fi, Politiſche 
Ruͤckſichten mochten die Quratel, die befanntliy aus 
den einfichtevollen und edelgefinnten Miniftern, Frei— 
berrn von Hardenberg und von Maffom be 
fteht, hindern, billige Dorichläge früber zu realifiren, 
und zweckdienliche Mittel zu treffen. Es murde viel 
mehr einigen Lehrern, welche auf fremde Univerfitäs 
ten berufen worden find, obne Aufihub ihre Ent: 
laffung ertheitt. &o ſchien die Liniverfität an der 
Abzehrung darnieder zu liegen, Kein eignes gelehr: 
tes Blatt verkündete ihr Daſeyn mehr. Der Patriot 
trauerte. Und weich’ ein Pofaunenton durchdrang 
von der Nachbarfchaft ber Europa? Aber plbhlich 
murde man mit dem Beginnen einer Radikalkur der 
— Art auf das angenehmſte uͤberraſcht. 

ie &tellen ber abgerufenen ——— wurde 
ſchleunig wieder befegt, und mit Männern, worun⸗ 
ter Ammon, Korn und Gros entfihiedenen Auf 
haben. Wo «8 am fühlbarften fehlte, wurde am 
kräftigften geholfen. Der Fonds murde mit 18365 F. 
vermehrt, und erhält jährlich noch 26504 F. beiltinm: 
ten Zufhuß. Damit muf aber au die Organifa: 
tion der woiffenfchaftlichen Inſtitute anfangen, menn 
fie von Dauer und mohlrhätigen Folgen ſeyn foll, 
Es ift nichts verderblichers für diefe, als der beftäns 
dige Wechſel der Lehrer, welcher unausbleiblich er: 
folgt, fobald nicht Manner, die fi einmal gebildee 
und mit ihren Fächern vertraut gemacht haben, durch 
erhöhte Üefoldung feftgehalten, und andre die ſich im 


Ausland Verdienfte und Ruhm erworben baten, ge 
mwonnen werden Fönnen. Grlangen murde lange ge 
nug von guten Köpfen gleichſam nur als Bildungs⸗ 
E chule ur Akademiſchen Yaufbahn betrachtet. — Auch 
der Sonde der Umiverfiräts- Bibtiothek daſelbſt wird 
verfiarkt, die ohnehin erst kürzlich aus der Echwa: 
bacher Kirchen Wibliochek einen Zuwachs von eint 
gen hundert Drudifeltenbeiten, wie aub die Erlaub— 
ni erhalten bat, ficb aus der anſehnlichen ink 
baber Schloß Bibliothek für ihren Zweck zu be 
reichern. Denn obgleich diefe größteniheils durch die 
Deiträge der Ansbaher Dienerſchaft feit ihrer Be⸗ 
gröndung bejleht, desmegen zu einem Fidel Sommiß 
namentlich für das Fuͤrſtenthum Ansbach gemacht 
worden ıft, und bei ihrer gegenmärtigen Einrichtung 
mehr beisecht und benakt wird, als ſich fo manche 
Untverfieäis + Bibliorbet ruͤhmen kann; fo fo 
fie doch zum Vortheil der Bibliothek in Erlangen 
auf, eine bloße Gefhäfts:Bibliorhef einge 
ſchraͤnkt werten. Erhält auch jene nur den reichen 
Schotß berjeiben von beinahe taufend Incunabeln, 
fo muß fie bei ihrem ohnehin ſchon aroßen Vorrath 
an diegen Zeltenbeiten, leicht alle Univerfiräs: Biblioe 
thefen Deutichlands hierin übertreffen. Das nicht 
unbedeutende Naturolien⸗ Kabiner wird ebenfalls an: 
fehntich vermehrt. Nicht nur iſt die zu Baireuth 
gefiandene Maturalien: Sammlung völlig damit vers 
einiget worden, jondern auch das Kabinet des Pro: 
fefor Efpers, das jeder Kenner auf 10000 F. 
Iwapt, foll Dazu angefauft werden. Zur Auflellung 
wird das Lokale der Bibliothek und des Naturalien- 
Kabinets entweder erweitert, oder für lehtes ein 
nenes Gebäude angefihaft. Ein eiones Krankenhaus, 
auf königliche Koften fehr prächtig und zmedmäßig 
errichtet, ſteht ſchen fait vollendet da, Die Reit⸗ 
ſchule wird völlig reformiert. Die auf den übrigen 
Univerfitäten angeortnete Zahlungs: Kommiüllien {ft 
bier gleichfalls in vollem Gange. Das Univerfitäts « 
Studium der Yandestinder ift wieder, wie im Jahr 
1773, auf drei fahre ausgedehnt und feſtgeſetzt wor: 
den, Letztes war bei dem frinelen Geiſte der Zeit 
auf der einen, und der machfenden Maſſe ber Wiſſen⸗ 
ſchaften anf der andern Seite, befonders zu wuͤnſchen. 

Dies, mein Freund, find die einftmeiligen An: 
flalten und Reformen. Sie davon fen in 
andern griehrten Blättern gelefen baben, iſt theils 
unvolländig, theils übertrieben. Und nun fürchte 
ich nicbas «mehr diefe Liniverfitätz; fie wird eine 
neue $ innen, ſchoͤner ais He Erlangen 
befigt si Borzüge, bie einer Univerfität wünfchenes 
werth find; und nichts wüßte ich in ihrer —* und 
ihren U gen aufjufinden, mas ihr nachthellig 
rohre, Sie können es bejeugen, daß ich Erin Lehrer 
‚auf derfeiben bin. Auch Ye ich miche die Abficht, 
‚je zu werden. Mein Zengniß ift durchaus unpar⸗ 


en, 
: ich 













Nicht 
Ueberſicht der Literatur in Helvetien, 
im Jahr 1804. 


V. der Ebelichen „‚Uinfeitung, auf die mügpfichnte und genuf⸗ 
reichte Art Dre Gchrbeis zu bertiſen,“ dt eine neue Mueanbe 
Hei Dreii, Zahl und €. in Zurich erſchlenen, umd am ein 
Fran. Ueberf, wird gearbeitet. — Eben daſelbſt erihienen: der 
meunte und gehnte Wand der Eſchenburgichen Ueberſetzung des 
Shakeivearz; der 7ie und gte Band von M. Hubers Hands 
buch Über die vormehmfen Kupferfieder und 
inre Werte, und der gie und Tote von Marthiffen's 
tarifcher Untbolegtes — Die Pringeffin von Wels 
fenbüttel, ein Halbreman von Bidhofte; — Jarobi’d 
Yris und der Helverifhe Almanach; — breigefte vom 
Beiträgen aur mähern Kennenih des Memiden von Cramır, 
Die von allen im der Schweiz erichienenen Schriften das meifte 
Interene erregten, 

Bei Seiner Im Zürich erſchien ein ſehr genauer und wohll⸗ 
feiter Aodruck der Flora beittanıca von Smub, Das Wert 
iR Hafiic, aber die Originals Ausgabe fchr thener,. — Beier 
wechfel der Shwetjer Bodmer, Enljer und Geb 
ner, aus Sitime Nablaf vom Körte heramsgrgeben. 

Ohne Angabe des Vertegers erihienen: Ueber bie 
Ehweisertiöher, — und: bie ehemalige umd ge 
genwärtige Schmelz, mei ehr mertiwürbige Echriiten. 

Bei Diegler und Ulrich eribien: Simon, ober Unter⸗ 
Baltungen für betagte Ghrifien, vom (sligen 
Lapvater, 

er Steiner in Winterthur: der te Band von Aichotkes 
Dentmlrdigkeiten der Helveriichen Revolution; — ein zter 
beit von Ereinmüher'd Ehteiieriiche Alven und Landwirtke 
Waſt, — das dritte Bandden bon: Auch ib warin Das 
vis — Heinrich Boökhardte Pebensarfhichte, vom 
im ſaton gefchrichen, herausgegeben von J. ®. Müllen 

ei Ani im Lizern: Hauntepoden der Erhweier: Ger 
Eichte, von Vater Arauer. 

Der Pfarrherr Stalder von Eidolimatt und der Diakonus 
Gruner arbeiten am einem Shweiseriiben Jdlotifom, 
dee eine ſehr wichtige Bereicherung der Sorachkunde werden 
ann. 
= Die merfwürbisften eridienenen Kupferwerte find: bie 
Erpmannsböble, beſchrieben von Lembte mit 10 Aaıtas 
tinta Blättern von Meibelt, bei Ehöli in Baſct, und 
das zte Heit Der colorirten Schweijertrachten nach König, 
uferi w, a. bei Füehlt au Zürich. 

i Erwartet werben bei Gehner im Zürich: die ergen Blärter 
der Gouaches des berühmten Didters Gefiner, 
geäjt von Astkr, — eine malerifbe Neife auf den Niak 
berg und eineandre burd das Bernerfhe Oberland, 

An Karten find erichienen: Die verbeiierte allgemeine Schwei⸗ 
serfarte bei Smehli, — eine Kurte des E. Numbeen, bei 
ehe; — Fine Karte ded C. Aargau von Scheurmann; — 
eine milktärıihe Karte der Gegend um Zürich. 

Gerichiedue Schwencriſche Zeitſchriſten haben im biefem 
Jahre aufhören müiten, & B. die Minerva umd die Schweue⸗ 
eiiche National⸗ Zeitema. ergenwärtig ericeinem inden mod 
adt velitifhe Zeitungen und ſechs gemiſchten Inhalts, unter 
dein verifiafich die „ Brmeinmügigen iweizeriichen Nachrichtea,“ 
Surtlit Freitags + Zeitung und Zſchottes Schweuerdote ger 
fandgt werden. “ 2 

Ven den Deutſchen Biternriichen Blättern werden die inter 
refanreten baufis geleſen, unter andern, fagt der Bericht, bie 
beiden Piterasur » Beitungen, Die beiden? Keumt 
man denm die dritte — Ib würde vieleicht fügen Die bee, 
wenn ich hier Raum hätte Gründe anzufiiren, — die Beinziger Biter 
ratur· Zeituug dort noch wicht ? Wie ed scheint, reicht bei Beitfebrife 
ten die inmere Iredlichteit fo wenig bin, GSlück u machen alt 
bei Minſthen ort Talent, Fleig and Rechtlichkeit. D. M. 


— 4693 — 
:politifhe Zeitung. Nro. 104 


Aus München: Buchfee, bei Bern. 


Di Trhrer am dem Inſtitute gm Buchſet ſind sent: Dobler, 
v. Muralt, Steiner, Echmidt; beide Iegtere find im Yurtitute 
gebildet worb:n. Der Toalfnge ſud 67. 


Turfe und Barranıd Gaben, mit Borwiſſen und unter beim 
Beiſtande der Regierung des Kantons Prman, eim eigned Inſli⸗ 
tut in Joerdun errichtet, mo fie mac Pedaloni““Grandſaͤtzen 
unterrichten und erziehen werden. 


In Mern, Lucern, Bawjanme, Bafel, Aarau, „find Privat + 
Errichungs > Justitwre, im denen gleihialis Veratsi’d Grumd 
füge mit dem glucdkichiten Erfolge angewendet werden. 


Im Birrih werden vom iwei Lobrerinmen, die der €b 
Geäner zu Diefem Ende mad Burgdorf faubte, unter” feiner 
Seitung viele Mädchen mach chem dieſer Mietbode unterrichten. 
Eeith einige Land ⸗Schulichrer haben fie hie und da mit bemm 
yiuctiichiten Erfolge im ihre Schulen eingefilbrt. 


Ein weientlider Wortbeit, dem fie, imäbefondere fire Öfemte 
liche Eduten, gewäber, beitehet wohl barin: dal jeher Anabe, 
der nad ihr unterrichtet warb, ambere, bie ein ober eimige 
Etufen umter ibm fichen, eben fo gut und mit eben dem Girr 
folge im unterrichten verrmag. ald der Vehrer ſelbt. — Es ber 
dar keiner welter Musiuhrung, daß bies für une miederm 
Eculen, wo aicht feten ein Mann 60 bis 150 Kinder im 
unterrichten hat, von dem alüctlichſten Eiufuſſe jeym würde. 


Auch einige Mütter fab ich ihre Kinder im Prüalouls 
Beifte unterribien, und fe gehanden mir, dafi im ihmen ſeibit, 
während biefes Imtereihts, Arafte und Gabigteiten fi ent: 
wickelt hatten, deren fie ſich zuvor micht bemunt waren; eigent⸗ 
ih nicht wich erfahrner als ihre Kinder, waren amd blichen 
de doch wenigftend eine Sture vor ihnen voraus. 


Ya! eh wird dereinft dahla kommen, daß wir ber Elemen⸗ 
tar» Schulen, bie bei dem ſchlechten Zufande im dem fie rad 
hbera find, unendbiidh viel limbeit weitiftet haben, nicht mehr 
bedürien, dan mieberum die Mütter den Kindern dem Clemens 
tar Unterricht ertbeilen, moin bie Natur fie berufen zu haben 
fheint; das ide, was Peſtaloni vorziigtich welinicht, Gewif, 
micht Leicht wird irgend ein Dann ſo rubig, mit einem jo Kor 
ben Temuftfenm, fi der Sache der Wenakeit ammeiht, bad 
Stück und die Zuiciedenbeit tunftiger Wemerationen fe aegeinm: 
bet, feime irdiiche Lauipahn, auf eine der Nachvelt wohltbarige 
Weiſe vollonder zu haben, bieit Kaufbaln verlafen, ais ber wohl 
wolende, beicheidene Deitaleni ! 


Cie wünisten su wien, ob das Yaftitut noch kinmer fo 
fieföig von Fremden beſucht werde? Hier Die Namen - einiger, 
bie es in biefem Eommer beſuchten 


Die Heriogin von Kurland mit ihrem Geſotge. Graf 
Yanin umd Varon vom @tidiibers aus Xuffland. Graf 
Molite aus Dännemarf, Dr. Ewald aus Bremen, der Karsm- 
von Camwenhauſen aus Ehıwerim, ‚der Dufiith vom Turt 
aus Neuirclie, die Vaſtoren Witte und Kiaudin aus dem’ 
Wasdebursiichen , Magiſter Tillih aus Leipzig, Bial, Framdfir 
ſcher Geſandter im Vera; eim Graj and Ewiefien, been Ni: 
men mir entjallen ii; Grar von Salis ans Königsberg im, 
Greifen. 


Zum Ediufe einige Worte des verewisten Bavater ⸗ 


Person: . 
Einziger! Dit Mibfannter, do 
Hoch Vewunderter Wider ! 
Echneuer Berfucdher deien, mas vor Dr 
niemand vwerischt, 
Schente Gebeiben Die Bett 
mb tröme Dein Alter mit Rahe: — C1tE 





1804. 


j 4 


Donnerſtag, 
ern fi 


Literatur 


Niederrheiniſches Taſchenbuch für Liebhaber des 
Schoͤnen und Guten, von 3. Mohn. 1805. 


Mies gehaltvolle Taſchenbuch befließt die Reihe 
feiner Vorgänger, da es dem SKerausgeber, bir in 
der Vorrede Abſchied von feinen Leſern nimt, an 
Muße, und aufmunternder Meranlaffung "fehlt, 
fein — ohnehin zu einem Meinen Ganzen angewach⸗ 
fenes Wert, noch weiter fortzufegen. Für diejenigen, 
welche die Düffeldorfer Gallerie mit gehöriger Vor⸗ 
bereitung beſuchen wollen, iſt dieſe Reihe von Alma: 
nachen befonders nuͤtzlich, aber auch andere Freunde 
der Kunft lefen fie nicht ohne Vergnügen und Inte: 
reife. Die Kupfer biefes Jahrganges fiellen vor 
a) eine Himmelfarth des Eriöfers nad einem Ge: 
mälde von Adrian van der Werff, vorzäglih ſchoͤn 
und fauber geflochen, b) Rembrandto Grablegung 
(von welchem Gemälde fih eine treue Darftellung 
in ben nach Rembrandt radirten Blättern von Hrn. 
Prof. Herb befindet, ) ©) eine heil, Magdalena von 
Karlo Dolce (die Gefichtsgäge find im Kupfer etwas 
verwiſcht,) d) eine Landfchaft von dem berühmten 
d.ifolaus Wergheim (oder, wie er eigentlich hieß, 
von Harlem,) e) Aubens Knaben mit der Frucht: 
auirlande, f) das Bruſtbild Gran Seyders von 
Anton van Dok u. n. a. ; 

Was über den Zweck und die zweckmaͤhlge An: 
wendung der Kunf gejagt wird, iſt zum Tpeil trejfe 








. . TDEr 
Der reimüthbige 


—— Oder mem 


und 


Nro. 248. 





den 13. December, 


S er 3. 


— —— 


lich und beherzigenewerth, doch nicht durchaus philo— 
ſophiſch uͤberdacht -und erörtert. Die Bemerkungen 
und Marimen von Vogt find — mo nicht treffend 
und originell, — doch wahr und gut, nur hätten: 
nit alte befannte Broden aufgetiſcht werden follen, 
wie . B. S. ı124.:* 

„die Natur wird ſchoͤner, wenn man ſie an 

der Hand eines ſchoͤnen Raͤdchens durch⸗ 

wandelt. 

MNoch ein Wort Über die Gedichte, welche faſt 
bie Hälfte diefes Almanachs füllen. 

Was die Herren Eder, Eriegler, Kaufmann, 
Erider u, a. Vortifches geliefert, will eben nicht 
viel bedenten. Dagegen findet man einige Gedichte 
von Buri, A. Kuhn, und J. Maus, die man nicht 
ohne Vergnügen lejen wird. Die Epigramme des 
„ern 5 — 96 find etwas gefucht, und eben darum 
nicht ausgeſucht. Druck, Papier, und äußere Form 
find gefällig. 


— b — 


Vorſchule der Aeſthetik, nebſt einigen Vorleſungen 
in Leipzig Über die Parteien der Zeit, von 
Jean Paul, 

(Schluß.) 

Auch feine bekannte Manier in fentimentalen 
Werfen überall humoriſtiſche Digrefionen anzubrin: 
gen. bat Jean Paul, mie ich fürchte, nicht fonderlich 
verrheidigt, Wenn er fügt: Mach jerer parbetifpen 
An cannung gelüftet der Meni ordentlich nach hu⸗ 
moriſtiſcher Abſpannung ; — fo giit das nur ven dem 


- 10 — 


Derfaffer, der Fahre lang an feinem Werke ſchreibt, 
nicht aber vom £efer, der es vielleicht im wenigen 
Stunden burchblättert. Für diefen kann gar nichts 
widerlicher ſeyn, als aus einer intereffanten Materie 
in eine völlig heterogene berübergejogen zu werden. 
Mein Rath an Jean Paul wäre daher: zwei Werke, 
ein humoriftifches und fentimentales zu gleicher Zelt 
anzufangen, und je nachdem ihn feine Laune diſpo— 
nirte, bald an diefem, bald an jenem fortzufihreiben, 
So mürde er ung vielleicht mit zwei Meifterwerfen 
beſchenken, anflatt daß er jeßt, indem er durchaus 
feindfelige Dinge, die fich geaenfeltig vernichten, zu 
paaren fucht, in der That Produfte zu Tage fördert, 
die ein reiner Einn nidt billigen kann, fo genial 
und geiftreich fie auch im Übrigen find. — Den gering: 
ſten Werth endlich haben J. P's Urtheile uͤber ans 
dre Schriftſteller: denn feiner Befangenheit gemäß, 
fagt fein Lob oder Tadel nichts, als daß er mehr 
oder weniger Uebereinftimmendes mit ihm felkft in 
ihnen zu entdeden glaubt Ein richtiger Maaßſtab 
zur Würdigung fremden Verdienſtes fehle ihm durch: 
aus, da er nur mit der Phantafie denkt. 


Es folgen nun ferner Programme, in welchen 
über Charaktere, Gefchichtsfabel des Drama urid 
Epos, Über den Roman, Über den Stil oder die 
Darftellung, und fragmentarigh Über die Deutſche 
Sprache gehandelt wird, Da ih aus Mangel an 
Raum von allen diefen Materien nicht genug fagen 
Tann; fo ſchwelge ich für diesmal lieber ganz. Ich 
behalte mir aber vor, noch gelegentlich in biefen 
Blättern darüber zu ſprechen. Man fieht wohl, 
Sean Pauls Aeſthetik ift kein philefophifches Syſtem; 
denn es fehlt an deutlichen Begriffen in der Haupt: 
fache, an richtigen und fruchtbaren Eintheilungen, 
an logifch : rengem Zufammenbang und endlih an 
Vollſtaͤndigkeit; (der Verfaſſer ſpricht bles von der 
Poeſie und ſogt von den uͤbrigen ſchoͤnen Kuͤnſten 
gar nichts,) allein dennoch iſt dieſes Werk nicht uns 
wichtig im aͤſthetiſchen Fache. Was haben wir denn 
bier, das auf Vollendung nur einigermaßen An: 


for&che machen durfte? — Auch find mehrere einzelne . 


Materien vortrefflih behandelt. Ganz originell und fehr 
artig find, die drei Morlefungen in Leipzig, — phans 
toftifhe Schnihwerke der Humoriſtik. Was der Verf. 
darin Äber die Partheien der Zeit fagt: — iſt gan 
treffend und lehrreich. Der Edluß des Werks 
verieht den Leſer in eine Stimmung, die wohl noch 
durch Fein Lehrbuch aufgeregt ward. Jean Paul 
fpricht da aus vollem Überftirömenden Herzen einige 
Worte der Dankbarkeit und Verehrung über den 
verereigten Herder, die Jeden innigft rühren möffen, 


der den Geift des großen und guten Mannes Eennen 
zu lernen, das Gluͤck hatte. 
2. g, R —— Ina dt. 


Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reiſenden ꝛec. 
Zwiſchen Augsburg und Inſpruck. 


ie Nacht brach ein, als ich Schwabmänden 
erreichte. Aus dem Pofthaufe toͤnte mir großer us 
bel entgegen, die Hausthuͤr war mit Blumen ger 
ſchmuͤckt, über derfelben prangte ein geldner Kei 
auf rotbem Grunde, und aus den Fenftern gleich 
neben dem Kelche, erfchallte das bekannte kied aus 
dem rothen Kaͤppchen: OD o 0, Hans Ehriftopp, 
das war dumm! — 

„Vermuthlich wird bier eine Hochzeit gefeiert?" 
fragte ich beim Ausfleigen. — Ja, verfeßte bie ges 
pukte Hautmagd, indem fie zugleich erklärte, mir 
müßten weiter fahren, denn heute könne man uns 
nicht beherbergen. — Wird vielleicht die Tochter 
vom Hauſe verbeirathbet?“ — Dicht doch, ein 
Herr Pfarrer bat feine erſte Meffe geie 
fen. — „Ic börte ja aber Fngen: 0 Hans Chri⸗ 
fiepb das war dumm?” — Dben wird ge 
ſchmaußt. Wenn Sie ein wenig binauf 
fpazieren wollen, wird es Jedermann 

ern ſehen. — ch ließ mir das nicht zweimal 

en. ‚Oben fand ich denn einen großen Tiſch in 
Farm eines Hufeifens gededt, der mit allerlei ehr: 
famen Bürgern und Bürgerinnen bejeßt war. Den 
Ehrsnpiag nahm der Bräutigam ein, und bie 
Tiſchecke der luſtige Vorfänger, den ein paar 
kreiſchende Violinen aus Yeibesträften aſſiſticten. 
Sechs bis ſieben Amtsbruͤder von reifen und über: 
reifen Jahren, waren auch gegenwärtig, und noch 
mehrere fanden fih ein, während ich dem lufligen 
Weſen zufab. Unten hatte ich geglaubt, die Wrabı: 
jeit ſey no in vollem Gange, denn in der Küche 
wurde, bei einem prajfeinden euer, noch gar gewal: 
tig gen und gebraten; ji ſah ich aber, daß nur 
no uchen, diefe Schlußfteine einer foliden Gaſte— 
rei, aus ziemlich leeren Flafchen mit Mein befeuch- 
tet wurden. Die Anftalten unten in der Küche deu⸗ 
teten alfo auf eine Abendmahlzeit, weiche dem mit: 
thgigen Echmaufe ſchweſterlich die Hand zu reichen 
im Begriff ſtand, und ich wollte wetten, daß. die 
Säfte es miche der Mühe werth gehalten, zwiſchen 
beiden ihre Sitze zu verlaffen. Die Anfmerffamfeit 
der Anweſenden war fo ganz auf die Saͤnger gerichs 
tet, oder hatte ſich dermaßen in Rebenſaft gejenkt, 
daß wir Aremdlinge gar nicht bemerkt wurden, fons 
bern —— hoͤren und ſehen konnten. Außer dem 
obenerwähnten Liede brülre der Eänger noch meh— 
rere andere, die jum Theil noch weit lufliger waren 
als Hans Ehrifteph, und mit dem goldnen Kelche 
über der Hausthür gar contraſtirten. Die 
männlichen, ſchwarz oder bunt gefleideten Gaͤſte, lady: 
ten ohne Scheu aus vollem Halfe, und ihre Gef 
ter leuchteten wie der Miond bei einer toralen Fins 
fterniß; des Herrn Bräutigams weiblide Sippſchaft 


* 


aber geberdete fich ein menig felerlicher, und ſchmun⸗ 
elite nur, 
—5 Poſthorn nur allzubald wieder in ben 
Wagen, aber herjlich vergnägt, doch wenigſtens «is 
nen Begriff von einer geiftlihen Hochzeit er 
halten zu haben, fuhr ich wgjter, 


Die ftille Nacht Iud mich zu flillen Betrachtungen 
ein. Ein Feſt mit anpaffender Felerlichkeit zu bege: 
den, ift eine Kunft, die man zewoͤhnlich Fir fehr 
eiche hält, dle aber warlich einiges Genie jordert, 
Beſſere Kleider anziehen und eınen Tiſch mir Wein⸗ 
flofpen und Schinſeln belaſten, hochſtens das Ganze 
mit Blumen befranjen oder beſtreuen, das find die 
fogenannten Feierlichkeiten, mit weichen man ſowohl 
eine Braut ins &bebett als einen Todten zu Grabe 
trägt und einen Prieſter vor den Altar fleut. ms 
mer läuft die Freude darauf hinaus, die Empfindun: 

en des Herzens dur größere Thaͤtigkeit des 
agens an den Tag zu legen, und wenn einmal 
ein vernünftiger Menſch bei ſolchen Gelegenheiten 
die Magen der Gaſte vernachläffigt, jo wiro er un: 
barmperzig bekritteli. Moch Fürzigp erlebte ıch ein 
ſolches Beiſpiel. Einer meiner Freunde verlor eine 
eliebte Gattin; fein Nang machte ıyın ein fererliches 
eiche begangniß, das heißt vor allen Dingen einen 
Eamauß, zur Pflicht. Da er weder Liebhaber von 
ſolchen Gelagen, ned in der Ztimmung war &äfte 
u bemirthen, fo ruttonnirte er folgendergejlalt: „Nie 
och belaufen ſich ungefähr die Kofien einer vorneh: 
men Keichenfeier? — Doͤchſtens auf Taufend Aubel, — 
Wohlan, ich glaube, indem ich zugleih meinen 
Echmerz fhone, das Andenten meiner Gattin bejjer 
8 ehren, wenn ich dieſe tauſend Rubel an ihren 
egräbnißtage unter die Armen vertheile.“ — Das 
bat der wadere Diann wirflih, und nur ein paar 
Freunde geleiteten die Verſtorbene ſtill zu Grabe. 
Da ſchuͤttelte denn aber mancher Nachbar den Kopf, 
und manche Dachbarin verjog den Mund, „ or 
dentliches Yeicbenbegänanib hätte der Frau doch 
gebührt!“ fo hieß es hie und da; das Wort ordent 
Lich bedeutet in der Sprache felcher Leute: Schuͤſſeln 
—— Flaſchen ſo viel der Tiſch nur immer tragen 
ann. 


Beſonders werden die Blumen beiden meiſten 
Feſten gewaltig gemißbrauct. Alles follen die ar 
men Blumen finnbildtih darſtellen. Die Kokette 
vor dem Traualtar finder ihre welke Unfhuld 
im frifchen Myrt hen⸗Kranze wieder, der Bräutis 

‚ der um ibren Geldſack freite, befcheinigt feine 

iebe dur die Kofe im Knopfloch. Das Blu— 
menftreuen ift fo alltäglicdp geworden, daß ich Nie: 
manden rathen mollte, irgend einen grefen Herrn 
ju empfangen, ohne rin Dupend zwölfjährige Gaͤns⸗ 
hen in meiße Kleider zu fleden, und von ihren ros 
nden ganze Körbe voll Blumen auf den 

eg en zu laffen. Am aller unpaffendfien 
ſcheint mir die Eeremonie bei Königen und Fuͤrſten 
angebracht, denn die find nun einmal nicht auf der 
Welt um auf Blumen zu wandeln, ſondern ihr ſchoͤ— 
nes Amt ift es vielmehr, uns Blumen zu fireuen, 
und es wäre gewißlich bedeutender, wenn einmal ein 


Zu meinem Sedauren rief mich das 


Fürft, beim Ausfteigen aus dem Wagen, einen Korb 
voll Blumen unter den gedrängten Haufen feiner 
Unterthanen fchüttete, als wenn er ewig, mach der 
alten Leier, fi von naferveifen Kindern bewerfen und 
ſchlechte Verſe vorfagen läßt, Eben fo follte er ee 
auch mit den Schlüſſeln halten, die man ihm am 
Thore zu überreichen pflegt. Schluͤſſel geben follte 
er, niht empfangen, des wäre denn, daß er bie 
Stadt erobert hätte.) 


In Ehſt- und Liefland herrſcht der Gebrauch, 
den Weg, auf welchen eine Leiche zu Grabe getragen 
werden deu, mit gehadten Fichtenzweigen zu bejtreun, 
welches meniaftens den Leidtragenden, die zu Fuße 
der Leiche folgen, einen wirklichen Vortheil bringt; 
denn find die Strafen kothig, fo werden fie gangba 
rer durch die dickgeſtreuten Zweige, und liegt tiefer 
E chnee. fo leiden die Füße auch weniger von der er: 
ſten Kälte. Nun erinnere ich mich aber, daß 1783 
Die alte Derfaffung Ehſtlands durch die Kaiferin Las 
tbarina aufgehoben und eine neue mit großem Pomp 
eingeführt wurde, Ich felbft befand mid damals 
unter den neu ernannten Richtern, die ſich fümmtlich, 
unter Anführung des Gouverneurs, paarmeile nach 
der Kirche begaben, um ihren Eid zu leiten. Bel 
diefer Gelegenheit hatte man denn aud aehadte 
Bichtenzweige in den Weg geftreut, und was war 
natürlicher, als dag die ohnehin nicht ganz zufriede⸗ 
nen Ehftländer fi in die Ohren zifhelten: „unfere 
alte Derfaffung wird zu Grabe getragen.” — So 
wenig wird überall, bei Anordnung von Felerlichkel⸗ 
ten, Küdficht auf den Geift des det genommen, 
und der geiflliche Bräutigam in Shwabmüunden 
if wahrlich nicht der einzige, der den dummen Hans 
Chriſteph mit dem goldnen Kelche paar, — Doch 
der Portillon fährt ziemlich raſch, die Station iſt 
nicht ur, die Macht gebt vorüber, und wir befinden 
une in Kaufbeuren. 


Hier bin ich fo gluͤcklich geweſen, den eigentlichen 
Ehrentitel des Herrn Öhriftus kennen zu lernen, 
der im MWircbehaufe, auf einer Tafel unter Glas 
und Rahmen, mit herrlihen Fraftur: Buchftaben zu 
lefen ift. Er lautet folgendergeftalt : 


„Der Alermaͤchtigſte, Alleinweifefte und Aller 
„burchlauchtigfte und unüberwindlichfte Fuͤrſt, Der 
„Herr Jeſus Chriftus, wahrer Gott von Emigkeit, 
„gekrönter Katfer der himmlifchen Heerfhaaren, er: 
„mählter König zu Zion, und des ganzen Erdbodens, 
„su allen Zeiten Mehrer der heiligen chriſtlichen 
„Kirche, einiger Hoberpriefter und Erzbifchof der 
„Seelen, Churfärft der Wahrheit, Erjberjog der 
„Ehren, Herzog des Lebens, Markgraf zu Jeruſalem, 
u zu Yudda, Burggraf ju Galiida, Fürft 
„des Ariedens, Graf zu Bethlehem, Freiherr zu 


" „Mozarertb, General » Feldmarſchall der fireitenden 


„Kirche, Ritter der hoͤlliſchen Pforten, triumpbi- 
„render Siegesherr und Ueberminder des Todes, des 
„Teufels und der Zünden, Gioßrichter der Lebendi— 
„gen und der Todten, auch des himmlifchen Vaters 
„wirklicher Geheime Rath, et caetera et caetera, 
„unfer Allergnädigfier Schutzherr und Gert!" — 


— 472 — 


Man muß wohl vor alten Zelten Willens gene 
fen ſehn, Kaufbeuern zu einer großen Stadt zu 
matten, denn die Etadtmauern find bei weitem von 
größerm Umfang als bie Stadt felbit, welches ſich 
drollig ausnimt. Die heilige Erefcentia thut bier 
dicke piratel, und eben jetzt begegneten wir heiligen 
Mallfahrten, die ſich bunte Bilderchen und Ablaß 
ihrer Suͤnden geholt hatten. 

Der Ort — vormals auch eine erbärmiiche freie 
Heicheftadt, — gehört jeht dem Churfuͤrſten von 


Balern. Eben als wir durchglengen, waren bie aften 
Raths herrn — abgefege worden, und ein for 
genannter Stadt: Commiffair regierte, ie 
fragte unfere gute dicke Wirthin: ob man mie ihm 
zufrieden fen? — „D ja, verfeßte fie, er ift auch ein 

alanter Mann.“ — Das hieß nämlich in ihrer 

prache, ein wacker er Mann, und ih erflaunte, 
in Kaufbeuern das Franzdſiſche galant homme in 
feiner richtigen Bedeutung gebrauchen zu hören. 

j Kokebue. 


—, RITTER — — 


Riht=-politifhe Zeitumg. Nro. 105. 


A, Aus Franzdſiſchen Blättern, 

f der Kühne de ’Opera -Comiqur Hat eine Oper in Eb 
nem Afıe, Milton, großes Glück gemadıt. Die Babel deſſel⸗ 
ben ih nicht hiſtoriſch ⸗ wahr, und es ind mande abgebrauchte 
Dinge darin, aber dır Chatatter des areien, unglückliden Dich⸗ 
ters it ſehr atereſſant aeieichnet, die Torte find vom Dieusias 
Soi, und die treffliche Muße iR von Spoatiai. 

— inter dem Titel: Manuel Imperal if ein neuer 
Wegweiſer dur Parid erfdienen, aber alle Zeitungen rugen 
feine Unrictigkeit. j 

— 3n Wr, X. der Archives Hiteraires ſteht ein Brief 
von einem Ruſiſchen Cutsbefiger am feinem Freuad in ber 
Stadt, Der Verfaſſtr erzahlt er habe chemals feinen Sauren 
voiige Freiheit gelafien, aber Dabei waren fie faul und arm ger 
worden. Nun bremwirthicbarte er fein But ſeibſt, und habe feine 
Strrenrechte wieder jnthefarnonmen, und mim wären bie Ranern 
Reisig und wohlhabende, Er argumentirt daraus gegen die 
menihenrveumdlichen Grundſatze, denen jufeige mon Die Feibeiges 
nen sur Greibert vorbereiten und führen will. Obne Namen 
and Datum ir das garıe Schreiben nichts als ein Lonte bleu, 
ein Mahrchen, desgleichen ſich altenfals and zur Rechtſerti⸗ 
gung der Herenproetſſe und jeder Abicheulickeit ernnden liche, 
ur das if mertwürdia, daß bie einfichtsvonen Redatteurs jer 
ner Zeitiersit die Edhreiberei aufnahmen, Die Trage lag doch 
fo male: IR de Etzahlung wahr, {ft es denn micht bios bie 
vorhergehende Etlaverei geweſen, was bie Vanern jo abrutıre 
harte, Da fie die Freihelt mochte du beugen verſtanden ? Die 
frech Bauren in Srantreih und Überali befinden ſich ja ſe 
weht — Heer folite darch dem Muffag etwa ber Werth des er⸗ 
habuen menfhenfreundiiden Mansregein herabgeſetzt werben, 
durch weile Alerander in Beinen weiten Staaten den Bauer 
Mand erſchuf, und Die Geinen Namen heligen werden, fe lange 
Das Rufe Reich exiſtert? — Es giebt Feine verachtlichere 
Entwirbigung der Piteratur, als die Merkieingrung des mahrs 
hajt Broken und Unſterblichen — aus politi,.cen Ruckſichten. 

— Zu dauſanne hat ein Privatmann ein Theater erbaut, 
und eine Schauſpleteraeſtil chaft aus Paris hat am 14ten Nov. 
jun erſtenmel darauf gefpielt. 

Das Partier Athenaum hat fein zwaniaſtes Jahr durch 
eine frierliche Gigung eröfnet, Quer bat Hr, Verignon, im 
Mirchficht währibeiniih auf die Dielen gegenwärtigen Fremden, 
die Verdienfe des Athenaums und feiner Mitalieber ſattjam 
verkündet; darauf hat eim Kr. Chazet, Berrafer einiger Baus 
deriie : Stucke, daburch Pob im verdienen geſucht, daß er Bakırpe 
und and deren Tadler Element, und auch sogar Geoffrot jeher 
iotte. Die Iegterm beliebte es ibm, die größten Gritifer des 
Jahrhunderts gu nennen. Darauf hat Ka Ehabeaufitere ein Ge 
dicht vorgelefen, und um za uhr in der Nacht it die Verfamms 
lung auseinander gegangeni. 

Die Bruder Gtrard baten eine meue Gattung von Lamben 
erfunden, weſche fie bndroftatiibe nennen, weil das Oel im den⸗ 
feiben sch mach Kudronariiden Geittzen au dem Tocht erhebt, in 
dem Maaße, wie die Flamme es verehrt. Die Heinften dieſer 
Sampen geben, öfenttihen Verſuchen zufolge, fo viel Klarheit 
als firben Wachtterzen. i 


— Ale Fran. Journale find eintimmig im Bobe eines 
Eirinen eben erichienenen Komand: Irons-nous à Paris? ou 
la famille du Jura, Meniwentenntmih, Witz uud Patrierige 
mus find feine Anibriche auf Beirat: fe deht er alle ofenbar 
fchr hoch Über der Atala, die bloh durch ihre religtdre Ehwär 
merei, und über der Deiobine, Die durch ihre Geutimentalität 
und ihr fchiefed Käfounement Aurfehen erregte, 


Yus Gtralfund, deu 16m Kom, 


Bor furzem jah die Ohräfin Guldenftiold, eine Dame won 
Brei, und gleich hochgeachtet von ber Arnigin umd dem Könige, 
bei der Tafel neben dem Inhaber eines Regimenzs, Dberk Graf 
von Sture. „Sagen Sie mir,” — fragte die Grarim ihren 
Nachbar, — „ons folten bie Zerſe ben Herrn vom ımierum ir 
‚‚Itair, ba man unter einen Edimwebentonf ſich ein furzes haar 
„obme Zopf dent?" Der Graf zuckte bie Achſeln. Cie ſawieg. 
Mach Tiibe Band fir hinter dem genannten Oberſten mit ber 
Scheere in der Hand; fie faßte letſe den Hopf deſſelben, und ihr 
Blick fragte den König: Ob es erlambt ſey? echt aut gelaunt 
wintte der Freundliche ihr ein Ja. Ein Druct ber Hand, und 
ber Arvendir lag am Roden, Es ward wiel Darüber gelacht, 
und dent dankt die game Echwediiche Armer der ſchönen rin 
eine Seqweintichteit, denne jegt fcbom fieht man feinen beiopften 
Krieger mehr. Auf des Abnigs Befehl erkieiten am andern 
Tage alle Schweden ıhre nationale Haartracht ohne Zonf. 





Das Publikum hat aus andern Schtumgen od aus Intelligenie 
Blatter erſehen, dab Herders ſammtliche Echwaften zur chem 
Ausgabe Von Wicanb, Heume, Joh, ©. Mutter, Thorild und 
J. ©. Mütter bereitet, in der Cottaſchen Buchhandlung ericheir 
men; das fie in drei Abtheilungen geordnet Merden: thtolegie 
Kr, vhltofophide, poetiſche uud triciiche; — endlich das die 
eriten Bande jeder Abtheilung im Oſtern erſcheinen folen, und 
das man, um die Anſchaffung derſelben zu erleichtern, eime 
ESubſcrrotion erögttet hat, bei welcher icher Wand anderes 
halb Tmnier bone. Folgende nahere Beſtimmungen find fpäters 
bin beſchloſſen werben: 

Die ganze Ausgabe, in (BrofisDktan, wird 30 Binbe Hart, 
alſo im Banıın Den Hd. Eutieribenten nur 45 Thaler teilen. 

Es wird auch Eubierivrion auf iede eimjeine Abtheilung 
beſoaders angenommen, — auf itde 15 Thaler. 

In 5 Merten wird die game Ausgabe erſcheinen, ide Pie 
ferung den Hä. Eubieribenten alio nur 3 Thater Boden, 

Einer Empfehlung bedarf ein Unternehmen micht, durch 
welches von ber einen Eeite auch Minderbegirterte in ben Grand 
gelegt werben, ohne Beſcawerde die fammeliden Schriften eines 
der vornehmiten, genttoeſiden Rational: Schriitärdter zu eriams 
gen, unb von der andern. — (ine Rückſicht, Die jedem edeln 
Herren wichtig ſeyn mu! — der Familie des grosen Mannes 
wenigſtene einige Gruchte feiner lebens laugtichen Andrengung 
geſichert werden. 

Anzeige. Das treſſliche Stangedicht: Füritenerof, 
kann leider nicht abgedruckt werden, aber ich eriuche den ae 
vollen Hn. Verfaſſtt angelegentlih um Erfüllung der Sofnung, 
die Er mir bei der Ucherſenduug gab, De Ked, 





1804. 





Nro. 249. 


Der Sreimütbige 


Freitag, 


ern f 


— der — — 


und 


den 14. December, 


Scherz. 





Schriften für Kinder 


Da Theil unferer Literatur, ber für die Jugend 

berechnet wird, iſt vielleicht der vollendetefte, reifſte. 

Man ift mwenigftens damit auf dem Reinen, was 

für Kinder gefchrieben werden, und wie es gefchehen 

fol. Mean weiß, dab es mehr darauf ankommt, den 

Kindern helle, richtige Begriffe zu verſchaffen, als 

ihr Gedaͤchtniß zu füllen, daß man nur deshalb ihre 

Phantaſie befchäftigen mäffe, um ihnen die Hebung 

Ähres Verſtandes und ihrer Bernunft unterhaltend 

und angenehm zu machen. Alle gute Kinderfchriften 

ftreben nach diefen Zwecken, und die Verſchiedenheit 
zwifchen ihnen liegt nur in der mehr ober weniger 
olditlichen dee der Form, im welcher es gefchieht. 

Ach habe die Freude, den Lefern einige neue, fehr 

gute Schriften der Art anzeigen zu können, 

Die Naturforfcher, zur angenehmen Belehrung für 
jede Klaffe von Keferm, vorzüglich für die Ju— 
gend. Erſter Theil. Berlin, bei Dieterici, 
1805. Leipzig in Kommiſſ. bei Mittler. Präs 
num, Preis jeded Bandes ı Thlr, 

Dies Werk verdient zuerſt genannt zu werden, 
ſowohl wegen feines Gegenſtandes, als wegen feiner 
Neichhaltigkeit und Behandlung ; nur die upere Koran 
giebt allenfalls Stoff zu einer Fleinen Rüge. 

Unftreitig ift es das wichtigſte, dap bie Kinder 
die Natur kennen lernen: nichts anders ift fo ganz 
dazu geeignet, fie vor unzähligen ſchiefen Begriffen, 


vor Aberglauben und Ueberfpannung ju fichern, und 
ihren Fortſchritt in andern wiſſenſchaftlichen Renntnif 
fen zw erleichtern, Diefes Werft, effenbar aus der 
Feder eines Wannes, ber ein fehr ausgebreitetes 
Studium der Natur und der naturhiſtoriſchen Werke, 
mit unbefangenem, hellem Geifte werbinder, iſt auf 
biefen Zweck trefflich berechnet. Seine innere Form 
iſt: Ein Vater macht mit feinen brei Kindern Spa: 
siergänge; die Gegenflände die ihnen auf denfelben 
in die Augen fallen, führen Gefpräche herbei, in des 
nen, mit ber unterhaltendften Mannichfaltigkeit, bald 
bie Naturgeſchichte eines Thieres ober einer Pflanze, 
bald Materien aus der eigentlihen Naturlehre, bald 
auch Produkte der Kunft erklärt werden. Der Dors 
trag, der fehr oft in ein fürmliches Gefpräch über 
geht, iſt Leiche, verftändlich und angenehm: lebhaft, 
Wie reich diefer erſte Band ausgefallen, bemeift ſchon 
das Sachregiſter: es iſt zwanzig Zeiten lang, und 
gleichwehl ift fait jeder Segenftand fo gut und voll 
ftändig bebandeit, daß auch Erwachfene und Unters 
richtete manch Neues und Anziehendes darin fin 
ben werden. Dur bin uud wieder ift dem Verfaſſer 
eine Definition mißgluͤckt. In Rüdficht der äußern 


Form babe ich indeß, wie gefagt, eine Ruͤge. Die 


S payiergänge find zu lang; biefer erſte 360 Seiten 
ftarfe Theil enthält deren nur fieben. Es märe 
wohl befier, wenn kuͤrzere Abſchnitte gemacht würden, 
befonders da das Werk in wöchentlichen Lieferungen 
erfiheint. Diefer letzte Umſtand macht es für Berlin 
und nahgelegene Derser noch empfehlungswerther, weil 


«6 den Rindern eine fortlaufende, immer neue Unter: 
haltung gewährt. Möchte es dem Verfaffer nur ger 
fallen, feiner Echrift ganz den Zufchnitt eines eigen 
liefen Journals für Kinder zu geben, 


Der erfte Band ift mit einer trefflich gearbeite: 
ten. Titel: Vignette von Gubitz verſehn. 


Der MWeihnachtsabend im der Familie Thalberg. 
Für Minder befchrieben, von J. A. Chhr, Mit 
15 Kupfern. Leipzig bey ©. Fleiſcher, dem 
Juͤngern. 


Eine der gluͤcklichſſen Ideen zu einem Weih— 
nachtsgeſchenk für Kinder, die ſich auffinden-Iäßt, und 
fie ift meifterhaft; ausgeführt. Der Verfaſſer, ein: 
ſchon befannter und fehr helichter Rinder: @ chrift: 
ſteller, erzähit: feinen jugendlichen Leſern bier einem: 
einen Roman, der die Freuden einer liebenswürdigen 
Familie zu eben der Zeit, Im welcher ihnen das Buch 
in die Hände fallen foll, ſchildert. Ein intereffantes 
rer Gegenſtand ließ ſich nicht. denken, denn die Weih— 
nachtefeier ift ja für die Kinderwelt die fröhlichfte 
Begebenbeit des Lebens, und da fi alle Scenen die 
fes Buches an dasjenige anfnäpfen, was um die mei 
ften kleinen Leſer felbft vorgehen mag: melden Eine 
druck kann es machen! Es muß, glaub” ich, durch feine 
Wahrheit und Lebhaftigfeit, auf Rinder fo binreißend 
wirfen, mie eine wahre Schilderung der Liebe — 
L DB. der Werther, — auf Juͤnglinge und Mädchen, 
Die aufgeflellten Eleinen ımd großen Perfonen find 
alle ohne Affektation, natuͤrlich und intereffant; — 
und‘ der Verfaſſer hat das Sintereffante zugleich nk: 
lich zu machen gemußit: jede Scene in der Ramilie 
führt zu einer lehrreichen Erbrterung oder Erzählung.. 
Nur ein. Paar Fleine Fleden hab’ ich gefunden. Der 
Derf. hat die Reifebefchreiber wohl nicht aufmerffam 
genug gelefen, denen er naderzäßlt: die Kamtfchada: 
ten feßten den zeiten Fuß immer dabin, wo fie mit 
dem erften bingetreten find. Das ift ja unmöglich. 
Mur das erinnere ich mich gelefen zu haben, daß 
immer ber jmeite Kamtfchadale (nicht der zweite 
Ruß) beim Wandern im Schnee in die Fußſtapfen 
bes erften tritt. — Auch möchte die Erzählung vom 
einfältigen Etadtmagiftrate, am Ende des Buches, fich. 
wohl in Feiner Rüdficht für Kinder eignen, 


Das find indeß Kleinigfeiten: Das Ganze iff 
fo: gut: und intereffant, und die illuminirten Kupfer 
find; fo: brav- gearbeitet, daß ich den. Aeltern Gluͤck 
wuͤnſche, die das Buch ihren Kindern ſchenken koͤn⸗ 
nen,, und. den. Rindern, die. es erhalten, 


(Die Fortfehung folgt.) 


Rhapſodiſche Gedanken über bie Entftehung 
und Ausbildung der Poeſie. 


De Poeſie ift ein Eigenthum des Menfchen, mie: 
wohl von erhabener und adtelicher Natur. Cie iſt 
gemifcht aus finnlichem Stoff und geiftigem Leben, 
das Irdiſche ift ihre Hülle, das Unſichtbare, Ueber: 
finnliche ihre Seele. Sie iſt nicht bloß geiflig, fon: 
dern reinmenſchlich. 

Von Anbeginn bie treue Begleiterin der Rort- 
ſchritte menichlicher Kultur, — trat fie bald in fiblich: 
ter Finfalt einher. bald berührte fie mit ihrem Fluge 
die Geſtirne, drang ein in bie Tieien der Natur, und 


. fpleite mit den Blüten der Empfindung und der Liebe, 


Ahr ewiger Wohnfip war die menfbliche Pbantafie, 
und jenes wunderbare Welen in uns, das wir Be: 
müth nennen, und welches mit Liebe, Glaube, und 
innerer Anfhauung unzertrennlich verbunden iſt. 

Sie will nur das Schoͤne und Liebliche, das Er: 
habene und Große. Are Eprache unterfcheider fich 
mwenig von der gemeinen Sprache der Eterblichen. 
Sie dringt in das Innerſte der Seele, und entzädt 
die Einbildungstraft mit: reitenden Bildern. br Ge: 
fang ift harmoniſch, ift Einklang der Empfindung und 
der Gedanken, Sie fheint höher au feum, als die 
Menfchen, und doch entfpringt fie bios aus der menſch⸗ 
lichen Natur, aber fie knuͤpft eine ſchoͤnere Welt an 
die irdifche, und ſtellt das Ideale in leichten aͤtheri 
ſchen Gebilden bar. Alle Kultur, alle Wiſſenſchaft, 
alle Aufklärung des Derfiandes, und der Gitten, dan- 
fen ihren Urfprung ber dichtenden Kunſt. Rob und 
ungebüdet, und nur ‚von den Händen bes. Snflinfts 
geleitet, trat das erſte Menſchengeſchlecht aus dem 
Schooße der Matur. „Ein Funke gbttliher Kraft 
glühte in ihm. Die Poeſie fachte ihn an jur bele— 
benden Flamme. 

In jenen goldenen Zeiten, wo der Menſch noch 
einfach, rein und Findlih war, — und alle Erfchei: 
nungen um ihn ber ibm Wirkungen einzelner höhe: 
rer Weſen, und alfo Gegenſtaͤnde der Ehrfurcht, der 
Dantbarbeit, oder des Vertrauens wurden, —da mar 
ren Poefie und Religion noch unzertrennt. Die Ent: 
ſtehung der Erde und der Menfchen, die fit bewohn— 
ten, war das erſte, mas die Aufmerkſamkeit der&terb: 
lichen an fi zog. Die Phantafie ward rege, ange: 


flammt von der Üppigen Natur, die ihre Außern 


Sinne umgab; Die Leidenſchaften erwachten all« 


maͤhllg, aber der Berftand fchlummerte noch; Dunfle 


Sagen. verbreiteten fich ‚von einem. alten duͤſtern 


Chaes, aus dem die Welt gebilder ſey, von höheren 


Weſen, welche die Wunder der Natur leiteten und 
bervorbrachten.. Man betere fie an. man zelare ibnen 


ECEhrfurcht durch Opfer und- Gaben. Mas. kounte ih⸗ 


= 15 — 


"nen — noch den kindlichen Begriffen jener Menfchen 
— angenenmer ſeyn, als Biumen und Früchte, als 


der Rauch von üÜbieren, 


deren 


Fleiſch die Bewohner der Erde naͤhrte? 

Damals war die Poeſie Findiich und einfach, 
wie der Menſch, zu deifen Bildung fie berufen war, 
Cie war noch Feine Kunft, die allen Zeiten ange 
hört, fondern der Augenblid brachte fie hervor, und 
die Begeifterung, und mit beiden verschwand fie wie: 
der, Alles war dem, menſchlichen Sinn fombolifch, 
und es gab feine andere Anficht, als Die poetiiche, 
Man harre noch Feine Einzelheiten, Peine Klaſſiſtka— 
tionen von Dingen, die eine iange Erfahrung erft uns 
teıjcheiten und beftimmen Pornte, man mar nech 
nie zu dem Begriff dee Cinheit aufgeſtiegen, in 


welche fish die 
Krüften fajfen läße, 


wohlſchmecken des 


anje Noatur nit ihren Jormen und 
Settren innern Zuſtand 


trug der Menſchauf die ußere Adele über, 
die ihn umgab. Ter miigen Sehnſucht, die ihn 
ergriff. antwortete das Wehen der Lüfte, die Quelle 
redete mit feinem Schmerz. Mit ihm freute ſich die 
ganze Matur, fein Weſen fand mit ihr in. under 


trennlicher Verbindung. — &s war fein Einres 


Ns 


wußtlſeyn im Menſchen; fein Herz kebte, wo es ſich 
angezogen fand, «8 haßte, wo feindfelige Mächte es 
zurüdfiegen. — 

So ſchwand der glädfiche Zeitraum des Kindes: 


alters der Wenden 


bin, und bie erwachende Ders 


nungt zerfiörte den Tüßen Wahn, in welchem das 


Herz-frei und unbefümmert 


und Wüntchen überließ, 
Als die Vernunft den Edpleier vom dem menſch⸗ 
lichen Geiſte zog, und ihn deufen lehrte, wo er 
fonft nur Inffinfrmäßig empfunden harte, da machte 
die findifche Phantaſie den Philoſophemen des Vers 
: Handes Kaum, Border hatte der Menſch nur in der 
- Öegenwart gelebt, der augenblidiihe Cindrud bes 
ſtimmte ihn, und die Dergangenbeit lag fpurlos ım 

intergrunde feiner eek, Yes verknüpfte er dag 


ſich feinen Dleigungen 


ergangene mit dem Grgenmärtigen, und der Ges 


‚danke der Zufunft glühte wie ein flammender Funfe 
in feinem Innern auf. Er ſchaͤmte fich jeiner thieris 
fhen DBegierden, die höhern Kräfte feines Geiſſes 


waren erwacht. 


Furcht trat an die Etelle ver 


„Unerfahrenbeit, die Unſchuld der Meigungen rich, 
weil der Geiſt ihre Folgen uͤberdachte. Die Mängel 
des menfchlichen Weſens wurden fichtbar, — aber auch 
feine bisher verborgenen Vorjüge und Krälte, und 

man war genelgt, den Grund von beiden nicht in 
ſich ſelbſt, ſondern in der Cutſtehung und Berwaffen: 
heit des ganzen Untwerſums — wie es damals ven 
den Begriffen der Menſchen gedacht wurde, ju Juchen, 
liche Eeſellſchaft geflaitere fich ındeg um: 

Se im Echmeibe feines Angefichts feine 

Nahrung und feinen Unterhait verdienen. H 

da jondrite fiy ein Haufen von ven Übrigen ab; der 

Ackerbau, die Jagd, die Viehzucht gewährten ver: 
ſchiedene Beſchafugungen. Der Neid und der Cigen⸗ 

nitz, dieſe feindſeligen Dämonen. der menſchuchen 
Matur, ersengren Zwietracht und Hab, und bae erſte 


Die men 
"man mu 


Wenſchenblut floß vom den 


(Der Schluß im naaften Blatt.) 


Die und 


Handen Des Stegers! — 
Ch. Schreiber. 


Singers Abendlied 


im Srüßling. 


er Himmel ſchwimmt in Roſenglut, 
Der Sonne Purburibieier 
Umweht des Meeres blaue Flut 
In abendlicher Feier, 
Und Keime Voͤglein fingen 
Ihr Schlummerlied im Bat, 
Und meine Gaiten Hingen 
FW Im banger Wehmuth beein, 
Dean im der Abendröthe Gans, 
Uni Wegen und anf Stegen, 
Wie in des Haind ſmaragdnem Kran, 
Tue mir ihr Bild entaegen: — 
Bald blicke es aus den Fernen 
Des Himmels fanit mei am. 
Bald ruft es zu den Steruen 
Dich liebevoil binan, | 


Und Silbertone lich und ſchön 
Sort ich mit leiſein Beben 
Dann durch die Haren Pure geht, 
Und su mir niederſchweben; 
und Rul' und heil'ger Frieden, 
umd reine Kimmeistan, 
Ft dann mir Pchensmitden 
Die jehnfuchreotte Vruſt. 


And menn im Killer Mitteruacht, 
Ren Bunens Glanz verſchonet, 
Wo nur mein teile Auge wacht, 
Der Liebe Nur ertöner, 
Dann jicht mins zu ben Stermem, 
Die droben ſtralend gluba, . 
Durd jene Sonnemernen 
Zu Ida madıria biw. 


Dann öde duntet mich die Weit, 
Und tief in Macht verialsiert, 
Weil droben überm Sternemelt 
Die Helüachehte feiert; — 
Und dudre Wolten ſchweben 
Wol um mein Vaterlaud, 
Seit das bluhend veben 
Bon feinen Auen ichwand. 


Terlaſſen geht der Blumenhaumn 
Den fie jo oft durdimalite, 
Wenn fib der Früh: und Mbendicheim 
Auf Blaͤtt und Blüten malte; 
Beriaiten auch die Linde, 
Bo Amor nice mehr lauſcht, 
Die jegt dm Abendwinde 
Nur Klagetöne ramicht, 


Sie Bıhtenlauben fin® verwaitt, 
Und od’ und Icer bie Walder, 
Und audı das ſtiue Bachlein Acufit 
Jetzt traurig durch die Felder; 
Denn was nur Wald und Blüten, 
und Bachen Anumurb sub, 
Das beit ım beiligem Frieden 
Das ewig: dunkie Grab. 


Doch werd" auch ich ind Band der Lufk 
und Liebe bard entſchwinden, \ 
Wir in der tiefbeweaten Brun 
Wir teire Grimmen: tunden: 
Eh noch anf That umd Haidem 
Die Baum ihr Laub verſtreuc 
Ummiden Trauerweiden 
Du Sangere Tat miein." 
Avon Kubn. 


Betrachtung. 


ie prunkendſten, duftendſten Blumen wachſen 
auf dem fetteſten Duͤngerbeete; — die kraftvolſten, 
änzenditen, heilfamften Grohthaten murden von 
enfhen von dem leidenſchaftlichſten Charakter be: 
gangen. — Noch mehr! Meine gefunden Hyazın 
tben : Zwiebeln, die ich vor einiger Zeit auf Gläfer 
voll reinen Waſſers ſehte, trieben lang’am, jebr lang: 
fam, bis — das Waſſer in das fie ihre Wurzeln 
geſenkt hatten, in die Bährung der Faͤuluiß Üderges 
"gangen war: nun wuchfen fie in Tagen ſchneller als 


v in Wochen und prunken jetzt in. voller 
Bluͤthe. — Auch kenne ich Menſchen voll edler 
Geſinnungen und Gefühle, die troh dieſen, alles 
um ſich ber beim Alten liegen, bis — eine £eidens 
ſchaft ın ihnen aufbrauſte. Aber was, meinen Wie 
wohl, meine Herren, waͤr' es jehr vernünftig gerhan, 
wenn war, flatt fih an dem lieblihen Duft ber 
‚Kyazinthen: Glocken zu laben, die Date immer auf 
den Rand des Glaſes drüden wollte, um die Be 
ſchaffenheit ihres — Meotivs zu erjepnobern ? 
. RL 


— — — —— —— — — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 106. 


Theater: Notiygem 


D Leipnis den Seen Dei. 1804. 

ie Oper: „Aline, Könısın von Gottonda,“ die in Vers 
fin vielen Beifall erhalten baben fol, ii bier vor kurzem durdır 
seralien. Warum lası aber auch die Dircetlion bie line von 
Madame Muller darſtelen, deren Geſang jo Übelautend dit, 
als wenn man Eiſenbleche an einander flug? eHatte bie treff⸗ 
Ude Sangerin Madame Koch die Aline geiteit, ficher hatte 
man ſtatt der Podmunt ein lautes Bravo umd Handetlatſchen 
sehort. Der Madame Köb! wird aber auch hier — und mit 
voltommenem Recht, — febr gchwidiat., Die Ehre des Den 
ausıemiens ward ihr fchom weimal zu Theil, außer ihr aber im 
Bierem Yinterhalbiahre mod niemanden. Auch bat man es bios 
ihrem lieblichen Geſang zuzuſchterben, dat bis ieyt in dem 
biefigen, etwas unrmhigen Parterre, moc Bein eigentlichat Excch 
vorgeialien iſt. : 

Madame Mittler wird die bitfige Bühne verlaſſent. Grid 
af den West Dem. a — ta —  tonmte ihr felgen, und 
wie wurden wie ich alanbe, nicht verlieren. 

Nachſtens fol, wie ich here, Fanchon gegeben werden. Ger 
wiß wird fie uns ehem fo emtärden, wie Die — dreimal glüde 
lichen Verlmert! bie ſie uerſt ſahen. Wird Diele lieblſche Dorr 
bier gegebenz fo bleibe ib Ibm gerwin Die Nachticht davon 
nicht ſchuldiq. 

In Wien im vor kurent eine neue Oper, „die Megers 
ſtlaven,“ von Treitſchte, mit einer fontıhen Muſit von Gar 
Kieri, ſunſmal nacheinander mut rosem Vetfali gegeben worden. 
Voruglich Hat ein ſezr aut ausgefuhrter Nerestam geſallen, im 
weichem die Sklaven Thyrſusſtabe mir greßen "blauen Glas— 
Enöpien getragen Laben, auf deren Müciefte ein erleuchteter 
Buchſtabe ſichtbar geweſen tft; und bei jeder Gruppirung ka: 
ben tie die Blastnspie jo wenden müſſen, daß Imichriiren sum 
Vorſchein gelommen find, Hodentlicy Werden wir uns auch 
bald in Rords Deutſchland am diefer neuen Ehöpfung Salieris 
ergögen fönnen. 8: Kuhn. 


Brestau, im DE. 1904. 
Warten Reind Tot vn Schitter, bat auf dem biefigen 
Theater nicht den Effett gemacht, den man erwarten mochte. 
Ohne Beifall giengen die erſfen, und beinahe bei einem leeren 
Hanfe die folgenden Gerhltungen voriber. Freilich, ein Theil 
der Urſache davon mag an Der nice lobenswertheu GErefution 
von Seiten der Schaumleter geiegen haben, Ar Schwatz, als 
Wallenftein, bewies 1war, das er ſeine Kolle ſudiert und wer 
fanden hatte, Mad. Julias gab die Thekla und Hr. Mütter den 
Buttler ſehr brar, aber Die andern — — genug, Fauchon, 
Die altgelirbee, muũte auch fur diesen — Tod entidadıgen, — 
Nah langem Entbebeen, ward vorise Woche die Hodzeit 
des Figaro, mem einſtudiert, gegeben, und fand freudige Mur: 
nahme; ward aber auch eben jo froh und gut geisielt, Hr. 
Muller, als Aimaniva, Mad, Ber.beiim, als deſſen Gematın, 


Dad. Edler, alt Suſanna, und Hr. Gehlljaar, ald Figare, 
berieien chen ſowohl Kran, als Gertuflichtet, und es bleibe 
aus*sgemacht wahr, Das wir der beffern Einwirtung der i:gis 
gen Theater⸗ Direktion auch dieſe beſſere Darkeilung werdanten, 
Aber — warum de Walrenſteins Tod niat?“ — Die wahre 
Antırort hierauf, erfordert eine Detarlerung bon Umſtanden, 
melde bier mine Raum finden kann, und dieſt Umftande dirfe 
gen micdht wenig im Publikum feibit gerenden werben , deun — 
nur eins zu erwahnen, — mod ds der nicht dahin gedichen, 
daß Das Publikum einen Schriftſteller recht zu wurdigen winäte, 
nech mus daher nicht ſelten der Ediwanipieler entgelten, mas Ian 
am Scartiftſteler — miübehbagt, was es am dhım wicht verdand, 
und umgetehrt. — — Nacſtens warden: die Gefaungeneun 
auſgeſuhrt werden, und auch die Stridnadeln haben wir 


“zu erwarten und Freuen uns daraufſ. — — — Aber — trau—⸗ 


zig iſts, — Neteſdunſte, mit Regen ſchawanger, in einem alten 
BSumpie erzeugt, Hchen wieder gegen unſern Thenterhimmel her⸗ 


A — ohne Hy⸗erbel —: ber Teidenidiartliche Iheatertriniter, 
der v. J. durch feine Ertravaganıen im Schleſ. Broninsialblatt 


rumorte umd Unfvieden fliftete, foult wieder, und tundiget Oras 
teloridie an. Wir glaubrem, er würde durch die Macht der 
geiumden Mernamit erulint tuorden feun: mie midten! es be 
wabrbeiter ſich dene fehr Märkich, bah diere Macht ſur ihn — 
inaseeprabel I, und er erſcheint fogar neotoriſch, d. 6. in dops 


„pelter Geſtalt, wie Died Die, chen fo wıwahren, als verlaumde⸗ 


riſchen, so manchen wirdigen Mann beieidigenden, Nachrichten 
dm dent eleganten Hofwiral zu Peinjig, Ar. 140 u. ſ. w., aus 
theutlich darthuu. Mogee dieſt Streitſucht doch weiter nichts 
als — Lachen erregen! — ... 


—— 


Nota. Dem Seren Nedatteur des Freim. Gemerkt der 
Verf. daß obige Nadericht hauotſachtich auf Uchereinfinimung 
mehrerer wurdigen Gelehrten in Br. eingeſaudt wird, und 
ibre Einrückung, em bes Guten willen, das fie deabſſchtigt und 
Dad im Ambiwinwelien gewiſſer Umfäande verborgen bieiben 
mu, sche gewinne wird, 


uns Berlin 


Mare Atademie der WW. befindet ach in einer bedentlichen 
Situation. Die Wiſſenſchaftslehre halt fie eng belagert, Jeden 
Eeonntag darakreriiire fie ins Borfaal derſelben das Zeitalter, ums 
glanır even nicht, Aber doch umiefen, von einer zierlichen Au⸗ 
jaht Damen umb Herren. Bis jest find Die Thiren bei Ala— 
demtſchen Verramattungsſaales ſorgfattig verſchloſſen gebniten, 
ſente dad aber einmal vernachta ſigt werben, — Die Folgen find 
micht absuftım; wenn der Echöpfer aller Weſſenſchaften und aller 
Dinge, das arode Lirs Ic, #4 einmal, unterfügt vom dem bıms 
ren Heere feiner, wie alles, vom ihm felbR gercäffenen Gtalbis 
gen erſturmte. 3 


nn nn ln nm — — 


1804. 





Nro. 250. 


Der Freimüthige 


Sonnebend, 
Ernſt 
Muſikaliſche Neuigkeiten. 
Anſichten, — feine Rezenſionen. 


9 Sechs Geſaͤnge, mit Begleitung des Pianoforte, 


De Verf. iſt dem muſikaliſchen Publifum dur 
mehrere trefflihe Sonaten und Tiavierftüde fchon 
befannt. Hier zeigt er ſich auch als glüdlicher Ge: 
fangs: Compenift. Es ift durchaus Fein gewöhnlicher 
Geift, der im diefen Lienen weht; die Anordnung 
und Ausführung der Melodien ift ſo verftändig und 
gut, mie die Sprache derfelben gefällig, Leicht find 
fie nicht, aber auch nicht ſchwierig. Cie alten bie 
ohne Mitte, Es ift doppelter Text, Stalienifher 
und Deutcher, unterlegt, Welcher den Yefern am 
beften zu gefallen verdient, mag eine Probe — gleich 
der Anfang — entſcheiden. 

Or che un istante o Fille 

Tirsi ad udır t’appresti, 

dimmi dove apprendesti 

Parte d’ınamorar. 

Ah se cosi tu credi 

d’aver pıü amıco amorse 

te ıl dıce il tuo pastore 

nd, Fille, non & ver. 





i 


Lak in der Wehmuth Tönen 
Die Hagen Edmen und Sehnen, 
Eüf find der Diebe Thranen, 

Un trener Bruf geweint! — 


und 


den 15, December, 


© er; 


— — — — 


Tauſcka denm ew ges Tähnen 
Mein ungeſtiuutes Gchnen ? 
Eos faun es nimmer währen, 
So fan es nimmer ſeyn m. ( ww, 
b) Sonate pour le Piano - Forte eom- 
posee par D. Steibelt. 

Der echten Sonaten giebt es jebt fo wenige, 
wie der echte lgrifchen Gedichte. *) Morliegende ger 
böre zu den beiten ihrer Art. Da iſt feine Reihe 
unzufammenhängenter, und nur einzeln ſchoͤner Ser 
banken, — fondern ein muſikaliſches Ganzes, eine 
ausgeführte, in fich felbft vollendete Harmonie. Nur 
fheint der Verfaſſer zumeilen das Schwierige etwas 
gefucht zu haben, und dann iſt er dunkel, und der 
Fluß feiner Gedanken wird gehemmt. Dies ift ber- 
Fall bei der enharmonifchen Veränderung im erften 
Theil, und bei einigen Webergängen im Rondo. 
Für ungeuͤbte Epieler ift diefe Sonate gar nich, 


c) Fantaisie pour le P.F.compos&e etc, 
par G. Schneider. 

Diefe Phantafie — fie ift einer Dame gemid: 
met, — zertheilt fih im zwei Abſchnitte. Die erfte 
bat die Ueberfährift: Ballet der Furien, der zweite: 
Ballet der Gragien. 

Ob das galant Hk, mögen die Damen entſchei— 
den. Goviel ift gewiß, daß die zweite Hälfte Werth 

*) Man mühte denn \bas Slockengelaute dazu rechnen, 


welch es (laut dem Auszuge im Sreim.) Dr. — Epmier in jek 
. — Z. actulich zu einem luriſchen Gedicht erheben 


— 478 — 


hat, und für weibliche Hände beſonders geeignet iſt. 
Sie mögen ſich alſo an die Grazien halten, und die 
Furien in den Tartarus weiſen, wohin fie gehören, 
— r. 
(Die Fortſehung folgt.) ‘ 
Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Keifenden ıc. 
T yr oo l. 
Warum reift denn alles was reifen kann immer 
nur nach der Schweiz? Warum befuchen fo wenige 
Menſchen Tyrol? Warum fehreibt denn alles was 
ſchreiben kann, Bäder über die Schweiz? und 
warum liefen wir fo felten etwas über Tyrol? — 
Ich Habe die Schweiz auch gefehn, wenn gleich nur 
obenhin, aber ich muß laut befennen, daß die Na— 
tur: Schönheiten Tyrols mir jenen der Schweiz in 
nichts nachzuſtehen fcheinen. 

Das Einzige was ich vermißt habe, find Waf 
ferfälle, die freilich in Tyrol nur fparfam und um: 
bedeutend find; aber auch ohne Waſſerfaͤlle, wage 
ich zu behaupten, daß man Tyrol vielleicht befriedig: 
ter verlaffen werde, als die unaufhoͤrlich hoch geprie: 
fene Schweiz. Welche romantiſche, gewaltig ergreis 
fende Ausfihten! — Gleichwie man aus eimem fens 
tenzenreichen "Autor die beften Etellen ausjujiehen, 
und zufanmengedrudt feinen esprit zu nennen pflegte, 
fo möchte ich, zum Epempel, den Weg zmwifchen 
Gueffen und Keitti einm esprit de Ja nature 
nennen, denn es fcheint in der That, die Natur 
habe ihre ſchoͤnſten erhabenfien Gegenflände aus der 
ganzen Welt jufammengelefen, und bier, auf einem 
engen Raume mieder ausgeſchuͤttet. Fahre dach ja 
kein Reifender diefe Straße im Dunkeln, er würde 
muthwillig den fuͤheſten Empfindungen aus dem 
Wiege fahren. Geht, es bergunter, von Zermos 
nah Naffomeit, fo fleige er aus, und gehe ganz 
gernächlich zu Fuße. Die fehroffen Felſen, die ihn 
am erdrüden drohen, die berabriefeinden Quellen, 
die durch Vitriol fo herrlich grün gefärbte Eern, 
der Wald von Lerchenbäumen, die Wände von Ber, 
berisfträuchen, das alte zerflörte Schloß auf einem 
ifolirten Hügel mitten im dunfelgrünen See, — dann 
wieder der herrliche Lechfirom, bald ſchaͤumend und, 
murrend im engen Felſenbett, bald fill und majeſtaͤ— 
tiſch durch blühende Ebnen fig waͤlzend, — Dein, ich 
babe. fehon öfter erflärt, daß ich Gegenden nie be: 
ſchreiben merde; aber wer Einn bat für die er:. 
habenfien Decorurionen der Natur, der traue auf 
mein Wort: ihm werden auf dirfer Reife mehr als 
einmal die Thränen unwillkuͤhrlich ins Ange fich, 
drängen, = 


In der Echmeis muß man ſich gefallen laffen, 
mit vorgefpannten Schneden, die fie dort Pferde 
zu nennen belieben, fein langfam herum zu £urjihen, 
und bie foftbare Zeit an den eigenfinnigen Schlen— 
drian eines theuren, fehr theuren Fuhrmanns 
gu vergeuden, denn Poften giebt es dort nicht; hier 
hingegen trabt man immer rafch mit muntern Poft: 
pferden durch das Land, fpricht und ſchlaͤft, verweilt 
oder zieht fürder, Alles nach Belieben. Und iſt es 
nicht ein großer Vorzug, den Torol vor der Schweiz 
behauptet, daß alle feine unendliche Schoͤnheiten 
an der Landſtraße liegen? Daß man nicht nörhig hat, 
wie dort, links und rechts abjuweichen, und mühs 
ſam herum zu Plettern, um die verſteckte Reije der 
Mater zu belaufen? Hier komme fie Dir überall 
mit majeftätifchem Ernft und doch wieder fo freund: 
lich entgegen. Und wo finde Du, wie in Torol, 
dieſen erſchuͤtternden Contraft zwifchen der mildeften 
Natur und den Hieblichen Bildern des regften menfchs 
lichen Fleißes7? — Eiche wie dort die jadigten ek 
fen Dir die Melt und den Himmel zu verſchließen 
feinen! Ein Erdbeben hat diefe Maſſen fo eigenfins 
nig ineinander geſchoben, der brüllende Strom ftürßt 
aus ihnen hervor, fie beugen fi auf ihm herab, ale 
wollten fie den Weg ihm fperren und er fprißt fek 
ren Schaum, fie verhöhnend empor. Da liegt aber, 
dicht neben dem eigen Kampf der Elemente, ein 
ftilles Hhttchen von Weinreben umrankt, bloͤkende 
Kühe weiden, und ein fröhliches Kind bäde fi 
forgies Über die tobende Flut und ſchoͤpft ſich einen 
Becher voll Waffer. Dan möchte ihm ängftlich zus 
rufen: fall nicht Kleiner! aber er verfieht das nicht, 
er ſieht hier keine Gefahr. — So ift es Überall; 
wie Blüten auf Wellen ſchwimmen, fo überall in 
Tyrol das Bild wohlthätigen Fleißes gemalt auf den 
Grund einer feheinbar zürnenden Natur, Große 
Felder, mit Türfifhem Korn bebaut, breiten 
eine goldene Dede Über die Thaͤler, mehr als drei 
hundertfältig lohnt diefe fegenreiche Frucht, und hat 
der Landmann fie geerndtet, dann erft erfiheinen die 
Kohlk bofe, bie dazwiſchen gepflanzt waren, und 
bas Feld prangt von neuem, als ſey es bloß dazu 
beftimmt gewefen, ‚mit der Hoffnung reicher Erndte, — 
Bunter gefpmädt als in Tyrol, finder Du nirgend 
die ländlichen Hätten. Die Legenden, mit welchen 
die Wände bemals find, werben überfchattet von aufs 
gereibten Tuͤrkiſchen Kornähren, die rine liebliche 
Tapete bilden, gleihfam zur Begrüßung des im Tri 
umpb vorbeijiehenden Herbſtes. 

Doch was find die reichfien Gaben der Natur, 
wenn fie ihr Fuͤllhorn niche Über gute, fröhlice 
Menfhen ausſchuͤttet? Auch diefe findet Du hier, 


ein biederes, treuherziges Volt, das feſt an Gott 
und dem Kaifer hängt, auch ein wenig ſtolz auf den 
lebten Landſturm tft; und mit Ned, denn es vers 
wehrte den Franzofen das Eindringen in fein Ges 
birge, indem es die Kräfte der Daterlandsliebe 
gegen die der neuen freiheit abmeg, und das 
Bönglein mächtig zu fi heräber rif. Gern erinnern 
fi die Tyroler jener gefahr: und ehrenvollen Zeit, 
durch mancherlei Bilder fuchen fie an ihren Häufern 
das Andenken daran zu veremigen, Ueberhaupt moͤ⸗ 
gen fie gern intereffante Erinnerungen feft halten, 
befonders wenn fie balebrechende Dinge betreffen, 
So finder man zum Beifptel aa der Landſtraße: die 
beftändig Über ſteile Gebirge führt, oft Bilder auf: 
gerichtet, auf weiche hier Einer von den Raͤubern 
Üüberialfen wird, dert ein anderer in Waſſersnoth 
fett, dert wiederum ein dritter von ſcheuen Pfer— 
den die Feljen binatgeichleift wird. Durch fehnelle 
Huͤlfe eines Heiligen, zu dem die Verungluͤckten eis 
nen Etoßleufier fandten, wurden fie gerettet, und 
dankbar bezeichneten fie die Erelle, wo ein Wunder 


ihr Leben erhielt. Ich finde dieſe Gewehnheit ſehr 


bi, ebgleich antangs die gräßlichen Bilder den 
furchtſamen Heifenden zuweilen Schreck einjagen. 
Aber was gehn den braven Tyroler die furchtſamen 
Reiſenden an? iſt er dech in feinem Lande, und nie 
mand foll es ihm verargen, wenn er bie-Erinnerung 
an überfiandene Gefahren durch finnliche Denkmaͤler 
ſtets wieder hervorzurufen firebt, denn warlich jene 
Erinnerung ift eins der füßeften menſchlichen Gefühle, 
qh ſpreche aus Erfahrung. 
a Kotzebue. 


(Die Fortſehung folgt.) 


Rhapſodiſche Gedanfen über die Entftehung 
und Ausbildung der Poefie. 
Schluf. 


Da nahm die Einnesart der Menſchen eine andere 
Kichtung, und mit ihr dir Poeſſe. Sle, die alles 
vermenfehlicht, und dem innern Einn auf Bilder 
zurödführt, lehrte jept, wo fie fonft nur die zar⸗ 
geften Empfindungen des Menfchen gefaßt, und mit 


ihnen gefpielt hatte. Aber ihre Lehren waren nicht‘ 


trodene Ausfprüche des Derftandes und der Abftrafs 
tion: — fie hüllte die Wahrheiten, Die der menfd: 
Hide Geiſt nur zu ahnen vermochte, in reijende 
Farben, und knuͤpfte die geiftige Erfenntniß an bie 
finntihe Wahrnehmung. Eile ward ein Eigenthum 
nur weniger Sterblichen, da fie vorher faft in allen 
Gemuͤthern ſich Außerte. Aber um fo mächtiger 
ward ihre Wirkung, Taufende hörten dem begeis 


ſterten Saͤnger zu, und feine Nusfpräche wurden 
den entflammten Hoͤrern Orakel der Götter. Im 
biefem Beitraume enrflanden die Myocthen (nice 
Fabeln, fondern ſymboliſche Darfiellungen der 
Begebenheiten und Erfceinungen in der Natur, 
oder deffen, mas die alte Belt Über verſchiedene 
Segenftände dachte.) 

Es entfiand eine Reihe von Gbttern, mir 
menſchlichen Eigenfchaften umd nach menſchlichen 
Vergriffen geflalter. Alle ihre Kräfte und Handlun⸗ 
gen wurden unter der Form, wie fie bei den Miens 
fehen gewoͤhnlich war, nur höher und goͤttlicher ge 
dacht. Ein Aufruhr der Natur war — ein Kampf 
derfelben mit unfichtbaren Mächten, ein Donner die 
Stimme einer erzärnten Gottheit. Man ſtaunte 
Über die wunderbaren Wirfungen der Natur, und — 
perjonifizivte fie; da wurden Titanen, bundertarmige 
Kiefen, himmel: ſtuͤrmende Giganten. Die Phantas 
fie belebte den farbenreihen Bogen, der wie eine 
Sörterbrüde vom Himmel fich niederließ, fie befeelie 
das Drausen des Sturms, und bas Kaufen der 
Mafferwogen. Die ganze Matur lebte, — weil der 
Menſch ihr Leben und Empfindung gab. 

Jetzt, als die Bewohner der Erde fi von eins 
ander abjonderten, theils in Städte und Mauern 
fid ſammelten, theils in rohen Horden umherzo⸗ 
gen, — ward die Poeſie bie Bildnerin und Lehrerin 
des menfdlichen Geſchlechts. Sie verbreitete fanftere 
Eitten unter ihnen, und mußte alles für ein höhe 
res Intereſſe zu entflammen, Ihre Kraft, fagen 
fpätere Dichter, bewegte Felfen, und vermeilte die 
Sluten der Cewaͤſſer in ihrem Lauf, 

Man erfand die Leier, indem man Darmfaiten 
über die Schaale einer Schildkröte zos. Dan hörte 
das Flöftern des Windes im bewegten Schilfrohr — 
und bildete darnach die Syrinx, die Fioͤte, und ans 
dere Inſtrumente. Nun floß die Eprache der Dich: 
tung in den Klang der Saiten, — die Poefie ward 
Iprifch, und erhob fi zur Kunſt. Vorher mar fie 
nur das Organ der Matur, ijt das Organ bes. felbft: 
thätigen freien ſſchaffenden Geiſtes; — fie entzüdte' 
durch Ehilderungen wunderbarer Begebenheiten, fie 
lehrte und unterrichtete durch Verherrlichung ruhm⸗ 
voller Thaten. 

Damals war der Zeitpunkt, mo ihre ganze Kraft 
ſich äußern, wo fie den Saamen der Bildung, und’ 
alles Schoͤnen und Guten für alle kommende Jahm 
taufende aue ſtreuen konnte. 

Unter allen Vblkern hoben damals die Griechen 
fr Haupt empor, Die Morgenröthe der Kultur 
war Über Hellas aufgegangen. Die Dichtkunſt mil 
derte die Rohheit feiner Bewohner, und erjog fie zu‘ 


— 480 — 


ihren treuften Anhängern und Merebrern. Orpheus, 
Muſaͤus, Linus, Anıhes, Thamyris, Dlen, Epimer 
nides und andere, machten ſich verdient um bie Bil: 
dung einer Mation, die fig bald zur größten und 
geiftvollften der Erde erhob, Da bluͤhte die Kunft, 
und die Poeſie fand — zwar nicht an ihrem Ziele, 
aber auf einer Höhe, nad der ewig die Macwelt, 
wie nach einem leuchtenden Pharus, das Ziel ihrer 
Belebung einrichten wird. - Eh. Schreiber. 


Die Dichtkunſt. 


Die Dichttunſt fell, nach Lohengein, 
Der Weisheit erſte Wiegt fon: 


— — 





Was Wunder dann, wenn vol Vergnügen 
So viele Kinder ſich drin wiegen. 


Auf einen theologiſchen Schriftſteller. 


Das if ein Theolog, er weiß fogar 

Ein iedes Thier, das ım der Arche war, 
Mir ſchien es mwirtrich ſo brim Leſen, 

Er ware ſeibſt darin geweſtu. 


Betrachtung über bie Ehe 


„dar willſt auch Di das freie Leben 
„In Das Einband vermweben? 

Narrben, ſorach fie halb erſchreckt 
Konnte ich ein Bedenten finden? 

Wie viel Vander hab ich aufgeleft, 
Die mid doch mie dm geringſten binden. 


— — —— 


Nicht —politiſcheZeitung. Nro. 107. 


Aus Berlim 
um ı%. December. 


D. Vorllebe für die Muſit ſcheint Hier jährlich ausunchmen 
und ficb zu verfeineen, und das iſt wahrlich kein macbrbeiliges Zei⸗ 
dien von der Wendung, melde die Bidung bes Geſchmackes 
hier nimmt. Wuher den wöchentlichen Concerts die bier im gronen 
Saale dei Ebauipleihaufes, amd den baufigen Opern bie bier 
asgıben werden, find auch aufsrerdentlidhe Comgerts wicht fels 
ten, und werden gemehntich ſtart beſucht. Vorgeſtern gab 
Die Edimalg eined, heute Die Kirdigeiner bei einem überfülls 
ten Eaale, denn viele Zuhörer mußten im Vorſaale bleiben. 
Madame Fleck Deiinmirte den Monolog aus dem 4. Ftt der 
Qungirau v. O. Der Zauber ihrer Stimme und das Gefühl 
wolle ihres Bortrages eutzuctte: doch glantte man su bemerken, 
dafi fie zu frei, aleich im Tunfange wo fie nur NRefletrionen 
vortragen bat, im Vathos fiel, und daher bei Dem Inrilchen 
Erhrwunge des Schluſſes ein wenig erſchepft war. Die Begleis 
ang war fdıom. , 

— Auf der Bühne gab man indeh: der geabelte Kauf 
manı, ein wraltes Eruc von Brandes. Werth bat das Gruft 
gar nicht, aber Ifland machte dem gendelten Gimrel und man 
hörte wide auf, bewundernd u Inden, jo lang’ er auf ber 
VBuhne war, 


Aus Franzdfifchen Blättern, 


J. Laufe des Jahres 1904 bat. die Juquiſttien zu Madrib 
unter anderm folgende Ecriiten verboten: 

Warivpa's Trattat: von der Vortrenflichteit und dem Vorzü⸗ 
gen des Weibes, — als gotteslaſterlich. 

Die Werte vom Peter und Thomas Gorneille, — ald ver⸗ 
fütrerich und fmfitrlic. 

Menrelie'd Boriefungen über, bie FCosmograpgie und Chrons ⸗ 
Togie, — als gottlos und aottesladerlich. 

Dopens Werte, — als obſcen. 

Mabiv's Werte, — als aufriihrerifh und ketzeriſch. 

. Lodens Beriuch te.: die Rede des Senators Portalid, bie: 
sur Telerany verführt, — mad die Dicade phulosophique, 
eine gotttoſe Zeitichrift, 

Herr Gerfrni gab Mürlich wieber gar erbamliche Proben 
feiner cinſcatevollen ritit. Mei Gelegentzeit des Pürlich er⸗ 
wahnten Eingipiels: Milton, zahlt er alle die Derbheiten auf, 
die Witten ein gegen Saumaiſe geichriehen hat, um ıu beweiieh, 
dab man ſich mit Für dem großen Dichter inteveifieem muihie, 
Bei Belegenbeit des Machbeth, dem Ducid bearbeitet, und den 
man fegt in Paris, aus Ruckſicht auf die anmeienden Fremden 
gegeben hat, vermeint er: es gabe wohl einige Perlen 
in dem Shatefpearfben M— et; vorsüglicd aber findet: 
we das tadelhait, „das Ch Bady Macberh bei ihrem, 


Nabtwandbeimibren Bohn ermorden lalfe” Der, 
uUnwiſſende keunt alio GShateprar gar nicht, dent alte Abge 
ſchmadtheiten, weide Ducis bimeinmiidıre, auf Ei's Rechuung, 
und — wagt dech Loctönend Über ihn absprechen, — 

Die Bataviſche Geſturchaft zum algemenen Velten," bat 
folgende literariihe Anigaben gemacht: ä 

1) Die Geſdechte eines Chrelen oder die Relie eine? Chrirken 
im bie Ewigtelt.  Eohte Iner nicht eiwa erne Meberiegumg des 
bekannten „Ebrifttimen Pilger’ von Tinchapam gememe icon?) 

2, Ein Gemalde des hauslichen hide. 

3) Eine raklıdıe Beſchreibung des Gebrauche melden bie 
Dienichen von deu verſchiedenen Wroduften der deei Matirreiche 
machen, oder machen kommen. (Ein ſolches Werk, wenn e6 er» 
fchöpiend ſeyn folıe, könnte bumdertiuniig darte Bünde fülen, | 

4) Eine verulare Naturgeſchichte, jur Zerurcuung des Aber - 
glaubens. ¶ Mochte auch wohl eime gafchniihe Zahl von Hansen 
dulen. ) 

Der Preis für dieſe Arbeiten IR — eine goldue Mebailte, (11!) 


Yu Sachſenu. 


€, verdient in jeder Ruckſicht augemerkt zu werben, baf. 
durd ‚Fin Generale, welches ins ganze Churütekmibum er 
ganarn ifi, allen voracticirenden, schreibenden und ſcoreiben 
laſſenden Sad waltern und Advokaten anberehlen wurde, vom 
1. Januar 1605 am, auf jeder Folio-Kotumne 23 Zeilen, und 
aßr jede Zeile 12 Enxiben zu bringen, worte aber aud nur. 
das Doppelte Uquidirt werben darf, Kir kann man mirıt 
ſagen, daß das Geich die Eiinden machte, ſondern ofenvar 
wide das Geſez durch die Sünden gemacht und neceſſitirt. 
Man verfichert, dag der wahrhaftedie Graf von Hohen: 
thai, einer der thätigtten und einfichtsvoudm Churſachſijchen 
Saſchafte manner und deut Präfident des ApcHarionsgerichts, durch 
feine nachdructliche und wieberbolte Rüge des fat unglaublichen 
Mißbrauchs der im der meween Zeit mit Sperrung und Dei - 
nung der Zeilen und Geiten in ben Alten gerrichen wurde, 
dies heitiame Gebot zunachſtt veranlaft Habe. Dank ihm und‘ 
alien Sachſichen Yatrıoten, die Kierbei thätig waren. Die 
Variervergeudung mar aufs hoͤchſte geiiiegen und man hatte. 
Buchfabenausdehner, die mir einem und oder wegen bie 
game Zeile voutemmen amsjuiien wunten. Freitich würde: 
num auch ein eignes Amt der alten. mafpretischen Schulen zu 
Ziversas. und Vagdad nörbig ſeyn, die alle Vuchſtaben ums 
apires ihrer beiligen Schriften je melſtertzaft nadhımjählen 
wunten, wenn eim Coder legittmirt werden fohie; allein wenn 
* nirs erſte Dem ſchreſendden Misbrauch begenutt wird: jo 
iſt schon viel Zeit, viel Papier, viel Eur zum Aktenleſen, die 
den veraudigen Referenten faſt gauz ungenteßbar waren, ge— 
wonnen. Weniger Pariermuhlen, ruftn uns die redlichen 
Finanuers zu, und miche Kormielder 


1804. 





Nro. 251. 


Der Sreimüthige 


ernf 


Univerfitäts - Nefrolog. 





Pie bloß auf Individuen, au auf ganze Ge: 
meinfhaften und Corporationen paßt noch immer je: 
nes berühmte Homeriſche Gleichnißwort: 
Gleich wie Blätter im Walde, fo fimd die Gefchlechte ber 
j Denichen, 
Blatter derweht zur Erde der Wind mem, andere treibt dann 
Wieder der Mmosvende Wald, wenn neu auftebet der Frühling. 

Welchen Wechfel hat nicht in dem letzten Jahr— 
zebende auch das LUniverfitätsweien in und außer 
Deutfhland erlitten! Neue hohe Schulen fproften 
und blüheten im raubern, aber durch Aleranders des 
Menfhlihen Willen immer mehr gemilderten und 
entwilderten Norden. Alte Akademien und hohe 
Edulen- fanfen mit der einft hochgepriefenen Sor— 
bonne im Süden Europa’s, in Frankreich und Ja: 
lien, da wo einft der langfam, doch ficher erziehende 
Genius der Menfchheit die Wiege aller Univerfitäten 
Binftellte. Welche Sarben für die nie raftende Si— 
Gel des Univerfitäts: Hiftoriters Meiners, den, 
wie wir in Englifhen Blättern lefen, bald der Pros 
feffor der Griechiſchen Eprache zu Edinburg, Andreas 
Dalzel, mit feiner Sefchichte des Europaͤiſchen Uni 
verſitaͤtsweſens ablöfen wird, 

Den neueften Todenfall diefer Art berichteten uns 
die unträgligen Eibvllenblätter unferer politifchen 
und literarifhen Weisheit, vie Zeitungen, beim Ab: 
fterben der-uralten Univerſitaͤ Erfurt. Wenn au 
in der deswegen ergangenen Königl, Berorbnung rs 


und 


den 17. December, 


S her: 


— 


nicht ausdruͤcklich erwaͤhnt worden wäre, daß hoͤhere 
Staatsgruͤnde den vollendenden Todesſtreich herbei; 
geführt haͤtten: fo wuͤrde ſchon der allgemein bekannte 
Zuſtand dieſer Univerſitaͤt in ihrer letzten Lebenspe— 
riode, die Weisheit jenes Beſchluſſes vollkommen 
rechtfertigen. Denn jene Wachskerze, bie laut unfe: 
wen Alterthumsforfihern, bei denXoͤmern jeder unrei: 
fen und vorſchnellen Leiche vorgetragen wurde, gebührte 
dem entfeelten Leichnom dieſer Uniwerfität ſchwerlich. 
Sie ftarb hochbetagt, niedergebeugt vom Alter, und 
Außerft fraftlos, aber doch nicht Iebensfatt, Ja es 
war, wie näbere Zufchauer verſichern wollen, in den 
legten acht Tagen diefer bejahrten Matrone ein ganz 
eigener Umftand mit ihrem harten Todesfampf, in: 
dem fie viele Jahre zwiſchen Leben und Sterben fich 
gar fehr abängftigte, und gewöhnlich nur durch Dof: 
tordiplome in der mebdicinifchen Fakultät noch einen 
Laut von fi gab. ie konnte, wie in folhem Fall 
der gemeine Mann zu fagen pflegt, gar nicht flerben 
und hatte es fehr hart. 

Doch die allmachtige June, der fangen Aual fi erbarmend, 

und wie fhrwer fie weridiied, fandt' Iris herab vom Olnmpud, 

Daß fie die ringende Gel’ auddn’ umd die Bande ber 

Blicher. 

Daß diefe Iris bier nichts anders ſeyn koͤnne, 
als das allergnädigfte Föniglihe Aufhebungs: Dekret, 
verfteht ſich von felbft. Aber fern fen es, der Aufgelds: 
ten ihren ältern und neuern Ruhm noch im Grabe 
f&mälern zu wollen. Auch ie har ihre fehönen Tage 
gehabt, und ift aus manchem Bade der Wiedergeburt 


482 — 


fhöner und herrlicher hervorgeſtiegen. Welch ein 
Stoff für einen Parentator, der ihr in diefen Tagen, 
wo man, um mit Eterne ju reden, aus jedem Tod: 
ten Gold zu prägen und Münzen zu fihlagen weiß, 
gewiß nicht fehlen wird, 

Unter einem Schiema der Paͤbſte von Avignen 
und Nom zwiſchen 1378 — 1389 geberen, wurde 
fie im Jahr 1392 amı Eonntage Misericordias Do- 
mini vom Pabft Boniſaz IX. getauft oder einge: 
weibt, und — man denfe die damaligen Zeiten, — 
zum vierten Rang der Deutfchen Univerfitäten erhoben, 
Ahr ver gingen nur noch die alten Univerfiräten von 
Prag, Heidelberg und Kölle, (Welch ein Stoff zu 
neuen Betrachtungen bietet allein Liefe Kanglifte dar, 
Auch Köln iſt aufgehoben. Heidelberg aber feiert 
frölich feine Palingenefie und verwahrt ſich ruͤſtig ge: 
gen gewiſſe Gerüchte von den noch fordauernden Fol: 
gen eines frühern Schlagfluſſes.) Die erſten 50 Jahre 
bluͤhete die Univerfität wie eine ſchmucke Aungfrau, 
Auf 523 Erubdierende belief fich die Unlverſitaͤts⸗ 
Matrifel unter dem erfien Rektor, ie zähle große, 
wenn auch oft nur auf Augenblide erfcpeinende Eterne 
unter ihren früheften Literatoren, Ein Johann Kres 
tus, Euritius Kordus, Coban Heffe, Georg Eturm, 
Juſtus Jonas und Joachim Camerarius ftreiften ihr 
manche Hülle der Scholaſtik und Möndeaferik ab, 
Allein mit. der Reformation Jiengen auch ihre gröfern 
Leiden und Prüfungen an; denn was Seuchen und 
Seuersbräönfte, Handmerfeaufftände und Siudenten⸗ 


tumulte (im Jahr 1510 wurde das Univerfirätehaus, 


das fogenannte collegium. majus, förmlid von den 
Eoldaten und Handmerfsjungen mit Kanonen bes 
ſchoſſen und erftürmt, was von Studenten nicht durch 
die Gera. geſchwommen war, gefangen genemmen, 
hie ganze Bibliethek und alle Manuſeripte zerriffen, 
Bänke und Katheder jerträmmert, und von allen 
Eeiten ſchrecklich gewuͤthet,) zu bewirken nicht ver: 
mocht hatten, gieng nun. durch die unfeligen Reli: 
gionszmiftigfeiten zu Grunde. Immer mußten fich 
babei die Proseftanten zuruͤckgedraͤngt ſehn. Wer an 
dem lichtfcheuen, Geiſttoͤdtenden Einfluß der Jefuiten. 
zweifeln koͤnnte, dürfte nur die Geſchichte der Linie 
verfirät. Erfurt ſtudieren. Im Jahr ıCor fingen die 
Sefuiten an, ihre bis jet nur als Miſſion bier be: 
flandenen Vedette zu einem formlihen Kriegepoften ju 
erheben, und in eine fändige Reſidenz ju verwandeln. 
Der großmuͤthige Retter Deutſchlands, Guſtav Adolph, 
erſchien auch den Erfurter Muſen als «in Engel des 
Heils. Die Raͤnke der Eojoliten wurden. vernichtet, 
Die Univerfirät feierte im Jahr 1632 ihr erſtes glan: 
jendes Neflaurationsfeft, Doch diefe Sonne gieng, 
bald unter, Kalferliche Erecutions: Commiffionen, von 


den Vätern der Geſellſchaft Jeſu angeführt, raubten 
den Proteftanten ihre Kechie und Lehrſtuͤhle. Des 
großen Orenftiernas Eoncordienformel für dieſe Ei: 
multan: Univerſtaͤt wurde ver pottet und alles in den 
vorigen Zujland verfeßt, Zur Belohnung ihres Ei: 
fers kamen 2651 die Jeſuiten auch in die theologiſche 
Fakultät! Im legten Jahrhunderte feierte 1768 die 
ſchon zweimal wiedergeborne ihr drittes Keftaurationg: 
Feſt. Was der edle Eratthalter Milben Graf von 
Boineburg zu Anfang des Jahrhunderts, während 


‚feines langen Rektorats beabſichtigt hatte, brachte der 


edle, Aufklärung aller Art foͤrdernde und pflegende 
Kurfürk Emmerich Joferh wirtüch zu Stande. Er 


ſtellie ſeibſt theologiſche Proſeſſoren der HAugsturgie 


ſchen Cenfeſſion an, ftiftete eine beſtaͤudlge academiſche 
Conmiſſion, einen Freitiſch, und berief gelehrte und 
geiſtreiche Naͤnner. Dazumal harte Erfurt einen 


‚Wieland und Meuſel aufzuweiſen, und ſo war 


das dritte Neftaurationefeft im Jahr 1708 fein bio: 
es Ceremenien· Gepraͤnge. Gern hätte der Statt⸗ 
halter und nachmalige Coadjutor von Dalberg (vom 


Jahre 1772 an). auch für die Univerſitaͤt etwas 


namhaftes gethan, wenn er nicht in den Finanzen 
und in der ganzen Verfaſſung unuͤberwindliche Hin: 
berniffe gefunden hätte. Er begnügte fig alſo, die 
ſchon von Kurfürft Johann Friedrich 1754 gefliftete 
Akademie der nüßlichen Wiſſenſchaften aufs neue 
zu beieben, die unter der Sanctien dieſer Afademie 
erfipeinende gelehrte Zeitung ju unterſtuͤtzen, und 
uͤberau thaͤtig einzugreifen. Mitten unter den fern: 
ber dannernden Revolutionsfiurmen, die bald tarauf 
Erfurt zu einem Zufluchtsore fuͤr Geflüchtete mad: 
ten, feieite der Unverſſtaͤts-Sengat, foft jo zahlreich, 
als das eingeborne Studenten: Corpe, im Jahr 1792 
jum viertenmal fein Jubuaum, das (hen damals 
viele ein Aequiem nannten. *) 
(Der Schluß folgt.) 
Sragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reiſenden ꝛc. 
Tyrol 
(FZortfehkung.) 
— Denn wahrlich, die Erinnerung. uͤberſlandner 
Unglüdsfälle iſt eins der ſuͤßeſten menſchlichen Gefühle, 
Ich ſpreche aus Erfahrung. 
Als ih nah Sidirien geſchleppt wurde, begab 
es fich eines Tages, da wir die Grenzen jener Ein: 


— r. 











*) E. Jacob Dominicnscem vielſentnig gebaldeter Pros 


ferrar der Umveristat, Dem die Reglerung gewin einen ſegens⸗ 


vonen Wirtungskstis geben wird) sum Andenten der 
wierten araoemifhen Zuhelfeier Erſurt, Cor 
ung, 179 8. ; 


öde ſchon Überfihritten hatten, daß wir, bei regnigtem 
Wetter, einen langen fieilen Hügel, am Fuße des 
Uralſchen Gebirges, hinauffabren mußten. Die Wege 
waren fihlüpfria, die Pferde ermäder, firaudelten 
oft, blieben öfter firhen, Fonnten nur durch Eräftige 
Peitſchenhiebe fehr langfam vorwärts getrieben wer 
den. Ich ſtieg aus, und gieng ju Fuße bis auf bie 
Epige des Hügels, Da fland, auf zwei hölzernen 
Etufen, ein Gricchifches Kreuz unter einem Heinen 
Dache. In meinen Mantel gewickelt ſehzte ih mich 
auf die obere Etufe, lehnte meinen Rüden an das 
Kreuz, blickte feufjend herab auf das Dürfchen, in 
dem wir eine elende Macht zugebracdht hatten, dann 
wieder auf die Uralſche Bergfichten, deren Gipfel aus 
dem Walde hervorragten, dann grace vor mich, auf 
die muͤhſam berauffeuchenden Roſſe, deren Henker 
auch die meinigen waren, und die den engen Schau— 
plaß meiner taufendfachen Leiden — ich meyne den 
Wagen, — mir wieder zuführten. — Dann ließ ich 
auch wohl einen Blick in die Ferne fihmeifen, nad 
der Himmelsgegend, wo Weib und Kinder um mich 
meinten, — furj, es war ein Chaos von unausfprech: 
lichen Gefühlen, die während der Miertelftunde, als 
ich unter dem Kreuze faß, mein Herz zerriſſen. End: 
lich hatte der Wagen bie Anhöhe erreicht, und wir 
fuhren meiter. — Als ich einige Monate nachher, 
auf meiner Zurkdreife aus Eibirien, bei ſchoͤnem 
heitern Wetter, mit. hoffuungsreicher Seele, wieder 
an diejes Kreuz kam, da ergriff wich eine Empfin 
tung, der ich Feine Worte zu leihen vermag. ch 
tonnte dem Verlangen nicht widerftehn, noch einmal 
unter dem Kreuze zu fiken; ich ließ den Magen 
alten, fprang heraus, widelte mich auch wieder in 
meinen Mantel, obgleich die Sonne warm fchien, 
befahl den Huͤgel langjam hinab zu fahren, Ichnte 
meinen Xüden, wie damals, auf der nämlichen Stelle, 
an das Kreuz, blickte auf das Dörfchen hinunter, 
das mir nun fo freundlich vorfam, dann auf die 
Uralſche Bergfichten, deren Gipfel im hellen Sonnen: 
licht ſtrahlten, dann auch hinuͤber nach ter Himmels: 
gegend, wo Weib und Kinder des geretteten Gatten 
und Baters fehnfuchtsyoll harreten, — o es war ei: 
ner der genußreichften Augenblicke! und noch jekt er- 
greift mich zuweilen recht heſtig der Wunſch, nur 
noch einmal in meinem Leben unter dem Kreuze zw 
figen! denn grade wie die Tyroler, babe ich im imieir 
nen Sebanken dies Kıruz errichtet, jur Eriunerung 
an überjtandene Gefahren. — Auf mebreren der er 
mwähnten Bi.der find auch junge Mätchen da gefeile, 


denen Böfewichter ihre Unfchuld rauben wollen, die 


aber, durch ein wohlangebrachtes € toßgeber, die Huͤnfe 
irgend einer keuſchen Heiligen, noch zu rechter Zeit 


berbeiriefen, Auch elnem- alten Mann, ben ein 
Schlagfluß auf dem Felde traf, hatte man auf der 
Etelle, wo ber Tod ihn fo plöglich Überrafchte, ein 
Denkmal errichtet. Sehr vergänglich find diefe Denk: 
mäler freilich, denn gewöhnlich beftehen fie aus klei⸗ 
nen hölzernen Tafeln, etwa ein Schuh ins Gevierte, 
welche, mit groben Farben bepinfelt, jeder Witterung 
preis gegeben find, aber was ſchadet das? wenn fie nur 
fo lange ausdauern, als die Menfchen leben, welche 


die Degebenpeit intereſſirt. — Kür Leute, die ſich's 


gern beguem machen, gern gut effen und trinfen, 
gewinnt die Neife durch Tyrol abermals neue Neige, 
denn ich wuͤßte Fein Land, mo ich, auch in diefer 
Hinficht, lieber reifen mögte. In jeden Dorfe findet 
Tu mehrere gute, oft elegante, immer ſehr reinliche 
Zimmer, mit weißen bequemen Betten verfeben, Eine 
Etunde, oft auch nur eine halbe Stunde nah Dels 
ner Ankunft, wird Dir ein Mahl aufgetifcht, beſte— 
bend aus Fleiſchſuppe, Fiſch, Wildbraten, bdelicater 
Dechifpeife ; zum Defert Confect und Früchte. Alles 
iſt trefflich zubereitet, Dann trinkeft Du einen recht 
guten Yandwein, der Deinen Gaum befriedigen wird, 
wenn Du auch font an Boucdeauxwein gewöhnt 
waͤrſt, und der auch vermuthlich oft genug im lieben 
Deutſchen Vaterlande für Bourdeauxwein verkauft 
wird. Der ſogenannte ſcharfe, (das heißt, nicht 
füheyiff nach meinem Geſchmack dem füßen vor 
zuziehn, denn der legtere, da er eigentlih nur halb 
füs iſt, ſchmeckt etwas widerlich, Schnelle und freund: 
liche Bedienung wuͤrzt das Mahl, und am Ende 
if die Zeche fo mäßig, daß auch der Beutel weit 
länger gefüllt bleibt, als in der Schweij. — Mas 
ließe ſich wohl noch mehr zu Empfehlung einer Luſt⸗ 
reife fagen? Ein herrliches Land, zauberifche Ausfich- 
ten, reoblunterhaltene Chauffeen, gute Pferde, weil 
lige Poftyalter, Höfliche Poftillons, bequeme Nacht: 
lager, leckre Epeifen, guter Wein, freundliche Bedie— 
nung, mwohlfeile Zeche. Ohne Bedenken darf ich felbit 
ſchwaͤcklichen Damen den Rath geben, fi im näch- 
fen Eommer Geſundheit und Heiterkeit in den Ty— 
roler Gebirgen zu helen. — Fuͤnf Stunden von 
Anfpruf giebt es auch Blerfher von ungeheuerm 
Umtang, weiche dieſes Jahr von vielen Kreniden, be: 
fonte.s ven Engländern, bereift worden find. Dun 
ſchilderte fie mır als außerordentlich merkwuͤrdig. Der 
hisdjiie Berg im Lande liegt gegen Graubuͤndien zu, 
und heißt der Dexter, Er foll Äber 13,000 Fuß 
v4 ſeyn. Manche Patrioten reollen ihn jogar zum 
tebenbubler des Montblanc machen, der — 
über 14,000 Fuß halt. — CEine treffliche Specia 
Chatte von Theet bat, hles durch Huͤlfe feines er 
nes, ein Daner, namens Peter Honig, verfer 
tigt. Auch ein Paar ſchoͤne Globen, die noch auf 
einem Schloſſe unweit Inſpruck gezeigt werden, find 
fein Werk, Maria Thereſia = ihm eine kleine 


— 484 — 


Penſion, auch widerfuhr ihm nach ſeinem Tode 
die große Ehre, daß fein Leichnam mieder. ausge 
raben, und, von dem Kirchhofe in bie Kir: 
e felbft gebracht wurde, die übrigens weder eine 


Werlminfter: Abtel, ei ‚ fondern 
Bewapnlie ira — 3 * 
| (Die FSottſehung folgt.) . 





Niht-politifdegeitung Nro. 108. 


On iR vielleicht das ſchönſte Land in Europa; aber es 
ſcheint and zuglech eind der uugluickliſten zu ſcuu. Legt end⸗ 
dich beſchaſtigen ſich mehrere einheimiſche Schriftſteuer damit, 
die Gebrechen ‚der Verfafung und ber öffentlichen Verwaltung 
gu erörtern, und der Regierung die Nothwendigkeit ihrer Abſtel⸗ 
Tumg zu eigen. — Syrakus bezahlt, wie einer bier Schrift⸗ 
fteher verſichert, dem Thron in einem Jahre zchuntal jo viel, 
als jede andere Stadt in Sicillen, und hat alerchwohl keinen 
Handel, Much iM die Zahl Ihrer Einwohner im eiwigen Jahr 
jehenden von 24,000 auf 13,000 herabgefunten. 

— In Weimar if der diesjährige Kunjipreis rür das beſte 
Gemälde nicht zugethellt, aber für das Himitige Jahr find 120 
Dutaten, als der reis fiir die beſte Ausführung irgend einer 
Scene aus dem Leben des Herkules, ausgeiegt worden. 

— zu Golumbia. der Haubtſtadt von Eid: Earellina, iſt 
ſchon im April eine geue reich dotirte Unfverſitat eröfner amd 
gu Neo s Dort eine Miadensie ber ſchönen Kunde errichtet wer 
den. Dieſe Isgtere bat ſich Gyosal jufe der beiten aniiken Gta: 
tuen und Vnsrelieis aus Europa vericdrieben. In eim Paar 
hundere Zahren folgen vielleicht die Originale mad. 

— Hicts ſcheint im der neuen Melt ſo ſehr zu gedeihen, 
als — die Aoloniten felbh. Die Heine Schwediſche Inſel St. Var⸗ 
thelemi harte, als Frankceich fie 1785 an Schweden abttat, im 
allem nur 408 Einwohner; im Jahr 1800 ſchon 117000, Ja 
Den letzten Jahren deſchaſttare de Hanser show FKibriid - 1330 
Bagrieuge, umd  veramlaßte eine Girculation von 3 Milionen 

aſter. 
v — In dem Armlichen Stadichen Corſor⸗ von es bie Lieder 
Fahrt über dem großem Vett geſchicht Gat ein Prediger Namens 
"Heri, eine Defebiplipihe sum Vehuf der Meifenden angeltat, die 
etwa durch widrige Linde jurüchgehniten werden. Paſfender 
angebracht iſt wohl feine Bitlioihet in gans Europa, : 


Aus Hannover. 

V Vom 3. Dec. 

teilt futereſrt es Sie, im erfahren, wie hier zeſtern 
Napoleons Krönung geitert wurde, Alm 7 ubr Morgens ward 
Das Fen ums duch Kanonen betannt gemacht. Um 10 Uhr 
war groäe Parade, dann jeſerliche Meſſe in der catholichen Kirde, 
nachdem umire Autoritaäten dem gommandırenden General ihre 
Yufıwartung macht hatten. Um 12 ward anf allen Türmen 
eine Etunde land gelautet. Das Edaujpiel nam bon um 5 
uhr feinen Anfang; es war Je Collaterul, in 5 Acten, von 
Dicard, umd die Dper le «hateau de Montenero in 3 Hera, 
von Dafanracz alſo sufammen 8 Aufzuge! Biel fürs @eld, in der 
Thart Das Haus war jo voll, dak ichs bald wieder verlieh, 
Beionders da ich mid an den Donnerilag erinnerte, wo ich 
mid im 'Lheodor A Vense 4 Grunden durch laugweilte. 
Yairiello mags verzeihen, ich fand im der Muft nur alte Ges 
danken aeumodig verbgimtz; und den Echanfpielern ward anzu⸗ 
ſehn, dad fie 2 Monate das Sthick ſich eingerricbtert hatten; 
{fo lanae ſtauds en attendint}) Der beiiebre Cartıgny und die 
Nadırigalt Hauregard boden es ned etwas, 

um 7 Uhr ward auf der Erplanade ein Feuctwerk abger 
Grannt, umd eine Grunde darauf hob die Fhumimation am. 
Ihr war's ansufehn, dal den Tag zuvor augeſagt war: „auf 
Befcht des. Herrn Grabtcommandanten fol morgen bei Strafe 
erleuchtet werden.” Daher kann ich denn mur berichten, daß die 
Hanne veraner im jedem Jenler ein Licht brennen Liehen, Ganiı 


- - 


etig war Inden das Kielmannsegufde Dalais erfeuchtet, mo tar 

ayeur general Peyrurmse wohnt; die ganie Fronte brannte, 
und darunter leuchtete dm Transparent: vıve lemptteut Na- 
polron ete. Der Pallaſt des Heriogs von Cambridge, wo ein 
Transparent einen Bligeſchleudernden Adler uber dem Bucılar 
ben N. und einem Sterne jelgte, war ein imsorant:r Anbiuk. 
Gegenüber am Schloſſe brannte Bein umd beicheiben Die Zus 
frift: paıx et amitid, France Hanovre, in zwei verrdluns 
genen Vorbeerfrangen. Man hielt das nie ein gutes Zeiden, 
und deutete es auf baldigen Frieden, beionders da die Ernias 
dungstarten sum Balle des Generni Eble daſſelbe Motte tru⸗ 
gen. Hierzu waren alle Honoratiscen geladen; er fing um 8 
Uhr an, und dauerte bis mad E fort. 

Indeh Hatte auch der bal masque im Redoutenſale feinen 
Anfang genommen. Allem unfre Redouten jind, befonbers felt 
der Framoſen Zeit, des pracdtigen Lois ungeadie, fehr im 
VBerſall gerathen, weil zu viel Hetaren dort erſchienen. Auch 
diesmal ward der Saal zum Tempel der Venus vulsıynga, 
blieb imdeh siemlich leer, da kein Hannoveraner Theil nahm. 


[3 


Rüge des neuefien Kaffee Surrogats, 


Fa einem Blatte, das ein fo ſtarkes and wermirchtes Publitum, 
as der sreimithiar hat, kann es mit umiwertnmakig jenm, wenn 
bisweilen auch der Werth dererienigen nenn entperdungen, ‚die 
voruglih im Öfonomiiher Ruͤckſicht einen nicht unbedeutenden 
Vortheil veriprechen, gehörig arprüft und armiıcdigt wird. Hier ⸗ 
ber gehört num eine der neueſten: Mus Soargttſaamen einen 
Kaffee zu bereiten, der ganı dem Judiſchen gleich fon je, Da 
bieres Hafer: Eurrogat, oder der fogenannte Gtollidhe Kaffee, 
überali keine geringe Nufmertfamteit erregt hat, umd ſogar nad 
einem der meneiien Stücke der NKationals Zeitung, Die Resierumg 
von Bamberg tin Anbau der Evargeivflanze zu jenem Zweck 
dringend emvfohlen hat; fo können die eigenen Erimhrumnger 
mehrerer Voruriheilsfeeien dem Publikum miche frühe genug ber 
Kanpt gemacht werden. Manche Familie, und umter anderu 
eine ſehe erfahrme und verikimdige Sausmutter, hat ſogleich, und 
vieleicht am friiheiten, vorichriftsmanig eimen Verſuch Damit ger 
macht, umd Nie ſowohl, ats ihre ganze Familie, bat Dies beitraune 
Waſſer, deſſen Geruch ſchon ſeine Abluunft verrietth, von einer 
widerlichen Sutigteit gerunden, der ſogleich noch zu allem Leber: 
Rus nicht die angenehme Bitterkeit des Indiſchen Kartes, ſon⸗ 
Sern die des Wermuths macdrolgte, Uederdem ift jenes Gurre 
gar von der Veichafenbeit, das nur ber hiufigere Anbau deiiet: 
ben von Nugen ſeyn fünnte, und baber mehr Land, als jedes 
amdere erioderm wurde; auch fehle ihm das dalſamiſche Del des 
Kafees, und es hat noch die große Unbeauemtichteit, dak die Kögr 
ner wegen ibrer Härte, ſich miche aiahlen, ſondern nur mut 
Mühe serftonen laſſen. Wer indeſſen, tie "wielleicht der Ent 
Drder, ein Freund von dergleichen, oder Harmtreibenden Detot⸗ 
ten id, und Eimbildungdtvaft genug bat, in ibm alle Aualitär 
ten des Indiichen Kaffers im finden, mag Dies neue Trantden 
annchmen, und c# ich, gewig von allen umbeneidet, wohl ſame⸗ 
den laſſen. Indeſſen fefte man Boch schon aus Achtung gegen 
das Publikum, vor der Befannimachtng jeder neuen Entdedung 
erft die Urtheile amderer daruber vermehmen, damit jeder, der 
nun iu eigemen Gerſuchen fchveitet oft in feimmm großen Scha⸗ 
den, wicht Die Michtigteit derſelben biihe, ; j : 
58 


1804. 





Der Freimüthige 


Dienflag, 


Eee rn f 


Schriften für Kinder. 
(Bertfegung. ) 

Neuer Drbispictus in ſechs Epraben — — — 
von Seibel, Zweite Auflage, Nürnberg und 
Reipzig, bei Eampe 1804, 

> Dazu: 

Kehrreiched Familienbuch über den neuen Orbis⸗ 
pictus, von C. Philipp Funke, Ebendafelöft, 
bei demfelben 1304. 





D. uralte Einfall des Commenius, den Kindern 
in ſeinem Orbispictus Abbildungen mannigfaltig ge— 
miſchter Gegenſtaͤnde vorzulegen und daran den Uns 
terricht anzufnüpfen, ift einer der glüdlichften, die 
man je für die Unterweitung gehabt hat, — und eigent⸗ 
lich der Keim, aus dem alle unfre unzähligen Bil: 
derwerke für die Jugend hervorgegangen find. Uns 
ftreitig ift er in vielen derjelben ſehr veredelt und 
ermeitert worden, aber. auch in feiner erſten Einfach 
beit hat er bleibenden — ja, einen gewiſſen eigen: 
thuͤmlichen Werth, der nicht auf alle feine Umge— 
ftaltungen übergegangen ift: er eignet ſich nehmlich 


fo fehr wiel mehr dazu jede mögliche Art der unters, 


richtenden Unterhaltung herbeizuflihren. 


Der Gedanke, ihn aufleben zu laffen, verdiente 


daher großen Beifall — und fand ihn, denn die erfte 
Auflage des neuen Orbispictus war verfauft, ehe das 
zum Begleiter deſſelben beſtimmte Lehrbuch fertig war, 


und 


den 18, December. 


S er 5; 


— — — 


Er enthält vierzig Tafeln und auf dieſen 172 
meiſtentheils gutgezeichnete und illuminirte Figuren, 


die Damen ber dargeftellten Gegenflände in fechs 


Epraden und bei denen die defien am meilten bes 

burften, eine foßliche und umſtaͤndliche Beſchreibung. 

Er liefert alſo Eltern und Erziehern, Me ihn zu be: 

nußen Kenntnis und Fähigkeit genug haben, reichen 

Stoff zu den nuͤtzlichſten Unterhaltungen; um ganz 

und allgemein brauchbar zu fen, mußte aber auch auf 

folge Ruͤckſicht genommen merden, denen erft das 

Machlefen über die Materien nothwendig ift, und 

biefes iſt in dem beigefügten Funke'ſchen Fami: 

lienbuche geſchehn. Dieſes liefert vierzig Vorleſun⸗ 
gen zu den Tafeln, die in einem gefällig: ernften und 
dabei fo leichten Tone gefrieben find, daß ſelbſt 
ſchwierige wiſſenſchaftliche Materien angenehm und 
unterhaltend werden. Man kennt und ehrt den Ber: 
faffer länäft als einen der erſten Schriftſteller für 
die Jugend; er hätte ſich durch dieſes Werk, das 
faft als eine Fleine wiſſenſchaftliche Encvelopädie für 

Kinder angefehen werden Fann, berühmt gemacht, 

wenn er es nicht fihon waͤre. 

Le Fabuliste des Enfans par PAbbé Reyre. — 
Der neue Kinderfreund in Fabeln und Erzäpe 
lungen, nach dem Franz. des Abbe Reyre 
metrifch bearbeitet. Mit 96 (ed find nur 93) 
eolorirten Abbildungen, Leipzig, bei Richter 1804. 
Eine wahrſcheinlich koſtbare, aber leider durch 

aus verunglädte Epeculation. — Schon Kouffean 


bewies im Emil dur eine f&harffinnige Analyfe ek 
niger der beften Lafontainifchen Fabeln, daß Fabeln 
durchaus nicht als eine taugliche Unterweifung, oder 
auch nur Unterhaltung für Kinder anzufehen find. 
Die Gründe dagegen find unmiderleglih. Nie wird 
man dahin gelangen, Kindern begreiflih ju machen 
was eine Kabel ift; marum man ihnen etwas als 
geſchehen erzählt, von dem man ihnen gleihmehl 
gefteht, daß es weder gefchehen ſey, mod fünne; 
weshalb ihnen ein Ereigniß, das ſich nie zugetragen 
bat, noch zutragen Fann, zum Beifpiel, zur Lehre, 
zur Lebensregel dienen folle, — ja, auch nur worin 
fih eine Fabel von einer Unwahrheit unterfcheide, 
u. ſ. mw. Eigentliche Fabeln füllen den Kindern alfo 
den Kopf mit ſchiefen unzufammenhängenden Degrif: 
fen, deren Schaͤdlichkelt durch die moralifche Lehre, 
die dabei gelernt werben fol, ſchlechterdings nicht 
aufgewogen wird. Es war daher gewiß, obgleich der 
Ueberſetzer in der Vorrede das Gegentheil behauptet, 
eine unglüdlihe Idee, einen Fabuliste des 
Enfans jufdreiben, und eine noch unglüdlichere, 
ihm fo zu Überfegen, und fo herauszugeben, als hier 
geſchehen iſt. 

Man findet hier 93 nicht Übel gezeichnete, aber 
nachläjfig colorirte Abbildungen, und eben fo viel 
foft durchgehends geiftlos gedachte und noch geiftlofer 
erzählte ‚sranzöfifhe Fabeln in ſchlechten Verſen, je 
der Frangdfifgen Seite aber, gegenüber, eine Seite 
von Deutfchen Zeilen, die auch eine Art von Derfen 
und eine. Ueberfegung des Franzdfifchen Originals 
feyn follen, aber feines von beiden find, denn ber 
Ueberſetzer hat ſich jede mögliche Bequemlichkeit fo 
wohl in Küdficht des Versbaues als des Wortver— 


flandes genommen,. die ihn gut dünfte, — kurz dag‘ 


ganze Buch feheint mir eine lirerarifche Handarbeit, 

bei welcher der Herausgeber nicht mit fich einig war, 

was er leiften wollte, DR 
(Die Fortfehung folgt.) 


Univerfitäts-Nefrolog, 
(Schluß. ) 
Sitten nun der Abgefchiedenen etwa noch in 
Epanien oder Neapel Erequien gehalten und Gerlen: 
meffe gelefen werden: fo möchten wohl noch einige 
andere Univerfitäten, von deren ferneren Lebens dauer 
man gleichfalls mit einiger Sorglichkeit fpricht, fich 
ins Gebet mıt einſchließen laffen, als da ift Duie 
burg, Altdorf, Rinteln und Greifswalbde, 
(ern fen es von ung, biefen ebrwürdigen Matronen, 
die zu ihrer Zeit alle ihre Männer und im gelehrten 
Eheflands : Kalender ihre rothe Striche hatten, und 
die noch jeht einzelne. vortreffiiche Lehrer zählen, ein 


— 46 — 


böfes Prognoſticon ſtellen zu wollen. Allein fo viel 
fpringt doch in die Augen, daß bei der entfchiedenen 
Abnahme der Studierluſt oder vielmehr bei der all: 
gemein fi verbreitenden Lebergeugung, daß man 
eben nicht Univerfitätsmäßig geftempelt ſeyn muͤſſe, 
um ein ſehr braudbarer und fo gar gelebrter 
Eraatsdiener, Echriftfteller und Erzieher zu ſeyn, 
und bei dem ſich immer mehr ermeiternden Kreife 
biftorifher und praftifcher Wiſſenſchaften, die alfo die 
größte Zahl von Lehrern und Lehrmitteln in allen 
Fächern, organifch ineinandergreifend, auf unfern 
boden Eulen erfodern, mehrere einft zweckmaͤßige 
Anftalten der Art aufhören es zu ſeyn, — und eben 
darum zu ſolchen Zwecken beftimmt, wobei man nicht 
nah den vier Fakultäten fragen darf, viel gedeih— 
lichere Früchte für Meitwelt und Nachwelt bringen 
mürden, Denn das Palladium unferer gründlichen 
Selehrfamkeit und Wilfenfchaftlichkeit in Deurfchland 
find eben diefe echten, allumfaffenden Universi- 
tates literarum, mo fih alte Wiſſenſchaften im 
ſchweſterlichen Bunde vereinigen und ben heiligen 
Reigentang bilden, durch welchen der liberaler dene 
kende Studierende außer feinem Brodſtudlum, auch 
noch für fo viel andere Kenntniffe und Wiſſenſchaf⸗ 
ten aufgeregt und empfänglich gemacht wird, Nice 
iſt gefährliger, nichts würdigt fo fehr zur mechant 
fen Fabrikfertigkeit herab, eis die Berftüdelei und 
Einjäunung der Wiſſenſchaften. Auch hier ef 
Aleranders des Menſchlich en neueſte Univerfis 
täts : Kegielatur Kimmelmeit von der bloß utilifirenden 
Gemwerbfiugheit andrer Etaaten entfernt, wo es in 
fo viel Staͤdten bloß medizinifhe, in fo viel andern 
bloß Jurisprudenz⸗Schulen u. ſ. w. giebt, oder we 
nigftens geben fell. ‘ 
Dank auch und tiefe Derehrung dem hellſchauen 
den Monarchen, der unheilbarfränfelnde Inſtitute 
mit fefter Hand auflöfte, damit fie nicht durch eins 
feitige Mittelmaͤßigkeit mehr ſchaden als nußen, und 
gleichfam noch im hohen Alter Sterblinge gebähren ; 
der aber dafür die jugendlich Fraftvolle hohe Lehran⸗ 
ftalten feiner Monarchie mit wahrhaft Föniglicher Frei: 
gebigfeit ſchmuͤckt und ausflatte. Was that fries 
drich Wilhelm III. für Halle, — was thut er in dieſem 
Augenblif für Erlangen! — davon ein andresmal! 


— 1. 
Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reiſenden ꝛc. 
Die Gemfenjagd. 


Au⸗ Tyroler ſind leidenſchaftliche Liebhaber von der 
Jagd. Ehe ich nach Inſpruck kam, wurde mir er 


— — 


zaͤhlt, man babe ihnen zwar die Jagdfreihelt nicht 
ausdrüdlich jugeftanden, aber, als man in Briten 
der Gefahr ihrer Hälfe bedurfte, Habe man den un: 
befugten Jaͤgern durch die Finger gefehen, und thue 
das auch noch jegt, um fie für ihr Wohlverhalten zu 
belohnen, ja man verpachte deshalb die Jagd nicht 
mehr; modurd es denn aber freilich gefchehe, daß die 
Menge des Wilde fi täglich verringere. Aber in 
Inſpruck wurde ich bald eines andern belehrt. Rur 
damals, als der fede Feind vor den Toroler Ge 
birgs: Poͤſſen das Ziel feiner Eiege fand, und bie 
Muthige Treue von Schuͤtzen, bie nie Soldaten 
waren, der zitternden Hauptflade zur Vormauer 
diente, nur damals gefland man vel quasi den 
Tyrolern die Jagdfreiheit zu, Jetzt aber, heißt je 
der jagende Tyroler wieder ein Wilddieb, wird 
ergriffen, und ohne Gnade unter die Eoldaten ger 
fiedt. Es if aber nun einmal ihre Yeidenfchaft, der 
fie mit mehr Wuth anhängen, als ein Epieler den 
Karten und Wuͤrfeln. Daber ſchrecken weder Dro: 
bungen no Straſe fie ab. Einer, der fehon mehr: 
mals ertappt worden war, befannte laut: „und 
„wenn ich gleich wüßte, daß der nächlie Baum ein 
„Bolgen für mich ſeyn werde, fo müßte ih doch 
jagen.” — KEigennuß fann ihn nicht antreiben 
feine Freiheit zu wagen, denn eine gefhoffene Gemſe, 
die hoͤchſtens 50 bis 60 Pfund, oft weniger wiegt, 
trägt ihm, mit fammt der Haut, die nur, im Herbſt 
brauchbar ift, etwa 10 bis ı2 Gulden ein. Um bie: 
fen elenden Preis feßt er fich taufend halsbrechenden 
Gefahren und noch obendrein dem Schimpf und har: 
ter Beitrofung aus. Um biefen elenden ‘Preis bringt 
er die fälteften Winternächte auf Klippen zu, vers 
gräbe fi im Echnee, und lauert ſchlaflos. Mit eis 
nem geringen Vorrath von Lebensmittel verfehen, 
ſchweift er oft mehrere Tage lang in den Öden Ge: 
bürgen umher, hungert und durſtet, und findet 
dennoch fein höchftes Gluͤck in diefer Lebensart. Die 
Beute kann er Überdies nur mit aͤngſtlicher Vorſicht 
verkaufen, doch wird ibm das fo viel möglich durch 
die Herrn Geiſtlichen zu Wiltau erleichtert, 
welches ein Klofter im Gebirge ift, mo man gern 
MWildbraten fpeift, auch das ganze Jahr hindurch 
reihlih und mohlfeil damit verfehen ſeyn foll. 
Gleichermaßen bieten die Gafthöfe zu Anfprud ihm 
gern die Hand zum Abfag des Gefchoffenen, das 
ihnen bei nächtlicher Weile zugetragen wird, — Eis 
nem Jäger allein kommt felten oder nie eine Gemfe 
zum Schuß; mehrere muͤſſen fich vereinigen und das 
Wild umfreifen. Eine Gemſenheerde ftellt immer 
eine Schildwache aus. Auf einer Feljenfpibe, die 
nicht mehr Raum darbietet, als etwa die fünf Fin 


gerfpiken menn man fie zufammenpreßt, ſteht 
dennoch die Gems mit allen vier Füßen; ſchon in 
weiter Ferne mittert fie den Menſchen, augenblidlid 
giebt fie einen lauten, pfelfenden Ton von fi, und 
huſch iſt die ganze Heerde mit entfeklichen Spruͤn⸗ 
gen verfhmunden. Außer den Gemfen giebt es bier, 
doch felmer, auch Hirſche, häufiger Bären, Woͤlfe, 
Lucie, Dächfe, Murmelthiere; von dem fett der 
lehtern trinken £reiffende Frauen, um eine ſchwere 
Entbindung zu erleichtern. Schwarzwild findet man 
nicht. 

Die Wilddiebe pflegen verlarvt zu gehen, oder 
fonft auf irgend eine Weiſe ihre Gefichter unfennt 
lich zu machen. Erbliden fie von ferne einen Jaͤger, 
fo winken fie ihm mit der Hand, fich ſchnell zu ent: 
fernen, rufen ibm auch wohl ju: gebt oder man 
wird euch bedienen. Thut er es nicht, fo legen 
fie an, und fucht er fein Heil nicht bald in der 
Flücht, fo druͤcken fie auch wohl los, doch nur wenn 
fie fich ſelbſt nicht anders mehr zu reiten wiſſen. 
Erkennt der Jäger dennoch einen unter ihnen und 
giebt ihn an, fo mag er ſich vor der Rache huͤten. 
Es giebt davon traurige Beiſpiele. Cin Wilddieb, 
ber viele Jahre unter einem entfernten Regiment 
batte dienen muͤſſen, kam endlich in fein Vaterland 
zuruͤck, kletterte fogleich wieder auf die Jagd, bes 
geanete ſeinem Angeber und fchoß ihn tod. — Ich 
weiß doch nicht, ob Die Kegierung nicht beffer thun 
mwürde, dieſem unberwingbaren Hange Heber nachzu⸗ 
geben, Einem Bolf, das im Mothfall feine Grenzen 
vertheidigen muß, follte es immerhin erlaubt feyn, 
fih im fleten Kriege mit wilden Thieren zum Kriege 
mit wilden Menfchen vorzubereiten. Ich möchte doch 
wiffen, ob bie Tyroler fich fo tapfer gegen bie 
Franzofen vertheidigt haben wärden, wenn fie nicht 
lauter geborne Jäger wären? Kopekue, 

(Die Fortfchung folgt.) 


Luther. 


Eu Mann, von Gottes Bein erweckt, durchdrungen, 
Tritt auf, entſlammt von edler Beidenihaftz 
Nicht achtend der Verlaumdung gift'ge Zungen, 
Frei ſteht er da im ſeiner Deutſchen Kraft. 
Der Beiftesohnmadht hat er ſich eutrungen, 
Der Menibenragung muthig ſich entraſt; 
Und ktuhn aerırimmert er des Irrthums Bande, 
umd machtig dringt jein Kur burd alle Lande. 


Som Nacken warf, durch feinen Muth beiligelt, 
Teutonien des Prieteriohes Dructh 

Die Wilttibe ward, der Herrſchſucht Trieb amügett, 
Den Ejeoter brach er dem entlaruten Trug; 

und herrlich nahm, vom langen Bann eritfiegelt, 
Die Fretheit wieder ihren Eonnenfug ; 

Da trat das Her, der Geift im feine Mechte, 
und Friebe kehrt Dem menſchlichen GHeichkechte- 


Eprifian Schreiber. 


— 48 — 
Riht-politifdedeitung. Nro. 109. 


m Mremen ift mit bem Darm „vom z2ten Nov.” aud mit der 
Unterichrift von 32 lutheriſchen Diatonen (das beift bon wahricht in⸗ 
Kicdh Vorſteher der Gemeinde and der Mürgerfbaft,) eim langes 
Memorial erfcbienen über die betauuete Veiegung eine Prediger 
eue an der reformarten Kirch⸗ er, Ansgar mi Atem ucherie 
feben Geitlichen. Die Unteribrichenen Arandın Wi, noch amınır 
Dagegen. 
ı2tn Febr. 1803 worin verſorochen wird: „dab der turberimbe 
Gottes unverändert foridauern folle.” Der Grund ift jo soms 
derbar, daf man ibm wohl obme tmgerechtigteit facherfich nennen 
könnte. Das Beripreben des Magutrate jagt offenbar nichts 
weiter, ald daß die bisberigen Rechte Der Qurberaner mir ar 
fd mälert werden folten ; aber eine Erweiterung derſelben chliest 
a micht aus, wenn, wie wirtlich ber FJau id, die Keformirten 
fie, weit entieemt ihr im widerfpreben, freiwillig zugeſtehu. 
Eenn Lutheraner gegen die Verbefferungen der Lage ihrer Glau⸗ 
bensaeneffen vroteſtiren, ſo tft «6 ſchwer, nicht m glauben, 
daß Fanatismus ober eigenfüchtige Ructnchten le dazy bewegen, 
md diefe Auſcht wird durch die Gründe ber Unterichriebenen 
nicht widerlegt, Eie führen am: 1) ‚bie fier die luthertſchen Ars 
menfchuten beſtimmten SKtingelbeutel + Gaben wirden durch bie 
Spaltung der Gemeine verringert." ‚Das it offenbar yaribtig, 
denn jept wird der Klingelbeutel für die Armenichulen im zwei 
Kleben umgehn, Matt dak ed vormals nur in einer geſchah, 
und die Fall der Soendenden bleibt wentaftend vieſelbe. — 
2) „Die Emolumente der Domorediger werden dadurch geichma ⸗ 
tert." Das kann wohl fenm, aber das darf mit in Anichlag 
Eenmen, wo von dem Woehl der Gemeine Die Mebe iR, Die 
grediger find um ber Gemeine willen dba, nicht 
aber die Gemeine, Damit bie Yrediger viri Eim 
fünfte haben. Won den 36 bi 40 taufend Einwohnern 
Drenens find mehr als 20,000 Lutheraner, und bueft harten 
eigeusthich deine Kine, do» hamge der Donr sm VOanuvver ge · 
börte; fie find bei den reiprmirten Kirchen eingeprarıt, befinde 
ten aber det Dom als bie einzige Sutheriiche. ent gehört dier 
fer der Grabe, aber mit mtidrenn Date Pönmen die Prediger 
deſſelben die fremben Eingepfarrten, die ihre Kirche befuchten, ir 
Ihre Brmeinde anfehen? — und daß fünf Prediger fiir die mannigs 
fadhen aeınlihen Bebiermife von 21,000 Menſchen nicht kinreis 
nd find, — fdeimt unwiderivrechlich. 


Nachſchrift des Redakteurs. 


In Mr. 68. dieſer Nicht- Pol. Ziug. Rebr eine Noachricht aus 
Bremen Die niit dem Worten fhlteit: Audei bat ſich auch hier 
Die alte Bemettung bewaßrt: me Einer Ehre ermdter, (det ein 
Anderer Eande. Mehrere lutheriſche Prediger selten ſich eifrig 
Bemühen, ihre Velditfinder vom Neitreren zuructuhaiten 111% ⸗ 
Mol dorn über dieſe Aeugeruug haben De ſamtlichen HS. Doms 
prediger au Bremen, im-Wir. 177. dei Damb. Eorrefo, den Ein 
feuder jener Masbricht fir einen Calumaianten erflart, wenn er 
Die Euahrdeit derfetben misbt bemeiie. Ich moßte Die Hh. bitten 
das nicht arıkan.' Ihre Erflärung kann fie in gar mißtiche Eror⸗ 
terumgen verwickein, Gie nenmen denjenigen der ihmen mafügt, 
Dad fie den weifen Meichluf der Gt. Nnsgarii Gemeinde hinters 
treiben wollten, einen Calumntanten, — trtenmen alfo, daß 
ein folcher Verſuch erwad — um mic gelinde aufudrücden, — 
fehr Tadelhaftes, Verwerfliches wäre, — ein Anerfennen auf 
das man die‘ Einwohner Bremens micht laut und oft genug 
aufmertiam wenden En. 
de4 Doms einen folden Verſuch im ihrem Memorial öffentlich 
demacht. folglub dem Mnsivrun der HH. Prediger gemäß, etwas 
fehr Tadelbaftes, Werwerflides mit ihrer Namen tim 
teripenft begangen, aiwas deſſen Anichmidigung eine Eniummie Wu 
Daruder mögen fi deun bie Herren unter einandır verfandis 
gen, — aber jeme Ertiarung im Eorrefb. int auch durchaus nichts 
fagend. Es Gieh vom Freim. > „Die Drediger fallen" das if: 
„es tauft das Serucht, fie harten," — und dieſes 


Ir Rectsritel if ein Vrociam des Si. eat vom 


vum haben aber bie Hh. Diaconem 7 


Gericht hat in Bremen fehr laut geſorochen. Daburd aber wirk 
niemand ein Salunmiant, dab er dus Daſcyn eines Geruchtes 
akjeigt. Wan ficht der heilige Dorn handelt jo oft überent, als 
der weltliche. und — Me Aufforderung verdient Peine Antwort, 

Außerhalb Bremen ſicht man aligemcm im dem Verfahren 
der reformierten Clomeinde von St. Antgarii, Aufttarung und was 
triotiichen,, edelm Yiuraerfinm; denn man weiß, das die Weiner 
miren Das Recht batım, ber Vermehrung der Iucherucdhem 
Geinlichen su wideriprehben, fican verbinsern Die 
itriace des Widerſtredeus ber lutheriichen Denprediger und Dias 
canen gegen dire Erweiterung der Rechte ibrer Glaubensgenofen, 
glaubt man eben im der erwahnten Verminderung der Emolus 
mente der Dontprediger zu finden, Da biefe Urſache leicht allge⸗ 
meinen Ummwilten ercegen konnte, wäre 06 Im der That gut, 
wenn die Herren ebiere, teiftigere Urſachen betaunt machten. In 
dem erwähnten Memorial it es micht geichehen. — 


— Bei Eotta in Züihlmgen ericheimen jet, außer dem reich ⸗ 
haltigen Englifdien,, wand den Franioiiden ANıscelien, auch Ita— 
tieniide. Die Unternehmung ſcherut in auten handen, aber noch 
nicht recht Im Gange zu fenm: das erſte Stuck enehait umter anderm 
ein Paar bidoriise Auflage die an uud für fach Werth baben, 
aber fein Zeitintereie, 


— Der Pabft bat, trog dem ſchlechten Suftande feiner Fir 
wanjen, die groge Eammiung amtiter Statuen, welche ber (Enge 
lauder Fagan befahi, getauft, und Inät eine lange Gatierie im 
Rotitan jur Aufſtelluas dieſer großem Theils vortreflichen Rum 
werte einrichten. 


— Das Taubſtummen-VJufitut bei werbienftwolten V. War 
rotti zu Genua nimt einen ruſtigen, zlucklichen Oang. Ju diefem 
Herbie hatte er eine Öffentliche Prurumg feiner Zöaliage verans 
ſtattet. Et warden ihnen 1660 Fragen aut veriti,denen Wiſſenſchaf⸗ 
on vorgelegt und vorzuglich zwei ditſer Unglucktichen blieben Beine 
Antwort schuldig. Much Gaben fie verſchiedut algebratſche und 
geometriſche Brobkeme glirchicdh geiökt. 

Won der Prachtausgabe des Dante, die im Yifa veranſtaltet 
wird, find Die erſten beiden Bande erüchienen, 


Yuıs. Bien 
Um ı6fien Novemder, 


Am ıstem dies Monats wurde Gier auf Serchl Ihre Maieſtat 
der Kalfesin cın großes Toncert, um Beten der Armen geaeben, das 
4000 Gulden einbrachte, — aetzen sum Beſten Des Peuſton⸗ 
Juſtitutes für bildende Künnier eine grofe Redoute, Die fan 
10,000 (Hulden eimirug. Sie war fehm glaniend, aber das 
moeiſte Aufieben erregtem fedre Nufliiche Madchta, die Er Maier 
nät dem Kalfer, der, nach riner fü hattjahri zen Deife durch 
Seine Staaten, heute jum eriten Male wieder Bei einer Ach: 
Tichkeit unter Erinen ihn (ten und innig verchrenden Wienern 
erihien , folgendes Gedicht uberreichten : 


Die Mädchen aus Morden, 


Was könnte (hömer ſich vereinen? 
Sier, mo verforgte Waifen meinen, 
Wo Zmgend bei der Freude wohnt, — 
Da tritt im feiner Kinder Mitte 
-@um erftenmal mit heiterim @dirinte 
En Hürfenpaar! — das Liebe Iekat! — 


Ja Elebe fol den Aftar främen 
Be AMillen Serths die Thaten alängen ; 
Wo Hänstihteit und Tugend ihront! — 
Uns mögm dann die orte fehlen: 
Wenn aus dem Augs' ſich Thranen ſtehlen 
So find die Bütigen belohnt, 


1804. 





Nro. 253, 


Der Sreimüthige 


Donn erſtag, 


Ernſt 


— — 


und 


den 20. December, 


She r; 





Literatur 
Wiener Tafchenbuch für 1805. Wien, bei Degen, 


Eu prächtigee, und dabei gut und nuͤhlich berech⸗ 
netes Tafchenbuch. Es enthält verfchiedene Tabellen 
amd Nachrichten, weiche den Bewohnern. von Wien, 
vorzüglich aber Fremden, die dorthin kommen, (ehr 
nuͤtzlich feyn fünnen, aufertem eine trefflich geſchrie⸗ 
bene Befchreibung des Leopelds⸗, Kallen: und de 
benzl's: Berges, und — was eigentlich feinen Zoupt: 
heil ausmacht, — unter dem Titel: „Hiſtoriſch⸗ 
maleriſche Reife durch Syrien, Phönicten und Nieder: 
Aegypten,“ eine Golge von zmanzig Kupferſtichen, 
die wahre, meifterhaft : gelungene Kunſtwerke find, 
Gleichwohl wird man das Buch mit Verdruß aus 
der Hand legen. Wahrſcheinlich in der Abfiche, die 
Kaufer des Dierjährigen Taſchenbuches zu zwin: 
gen, daß fie auch das Fünftigjührige kaufen, 
und umgekehrt, hat man die Erklärung ber 
Kupferftiche weggelajfen: fie foll im näciten Jahr 
geliefert werden, Diefe Eleinlich:merfantilifhe Be— 
rechnumg ift um fo widerlicher, da die abgebildeten 
Gegenftände fehr intereffant find, und id erinnere 
mich faft nie, daß ich mit fo viel Unmillen den Krä- 
mergeift in literarifehen Unternefmungen vormwalten 
ſah, als in diefem Taſchenbuch. Ich rathe den Les 
fern, es nicht ‚cher zu kaufen, als fünftiges Jahr, — 
es in diefem nicht einmal anjufehn, — wenn fie 
ſich einen ähnlichen Unwillen erfparen wollen DD, 


Allgemeine Geſchichte der Jefuiten, von dem Ur- 
forunge ihres Ordens ‚bis aufdie gegemwärtige 
Zeit, vom Peter Philipp Wolf. Vier Bde, 
Zweite durchaus verbefferte und verm. Aufl. 
1803. ‘ 


Diefes Werk, deffen Derfaffer felbft ein Yefuk 
ten: Schuͤter war, und das feit einer Reihe von 
Jahren feiner Gruͤndlichkeit, feiner hellen Anfichten, 
und des ruhigen, aber forgfältigen Prüfungegeiftes 
wegen, der in ihm fpricht, faft als klaſſiſch betrach 
ter wird, — biefes Werk, fage ich, bedarf es nicht, 
daß bier noch fein Werth anerfannt werde. Selbſt 
die neue Auflage zu. empfehlen, wäre, nad dem 
Plan des Freimüthigen, da fie ſchon ein Jahr alt 
iſt, zu ſpaͤt. Aber laut und lebhaft die allgemeinfhe 
Aufmerkfamfeit für diefe Gefchichte zu fordern, das 
iſt dem Freimäthigen Pflicht, und dazu iſt grade 
jet der dringenbfte Moment, Sept, da der Jeſui 
ten: Orden in Neapel hergeftellt ift, da, mie es heißt, 
an allen Farholifhen Höfen intriguirt wird, um 
ihn allgemein wieder im Gang zu bringen, ba er, 


“in mannigfacher DVerfappung , felbft proteſtantiſche 


Schriftſteller, — die zu beſchraͤnkt find, zu ahnen, 
daß es vielleicht nur ein Zeichen der Knechtſchaft iſt, 
mas fie als eine zierliche Dekoration annehmen, — 
für fein Intereſſe Handeln zu laffen verfuchen folt; 
jest, da die umfafjendfien und die geringfügigften 
Triebfedern für ihn in Bewegung gefeht merden: 
jetzt iſt es Zeit, dieſes Werk in alle lebende Epra- 


— 490 — 


chen zu uͤberſehen, es allen Regenten und Miniftern 
- zu bdediciren, feinem Inhalt auf jedem Wege die 
allgemeinfte Berbreitung zu geben. Nicht mit Des 
flamationen, nicht mit Echmähungen muß die Sache 
der Menfchheit geführt werden; beider hat fich der 
Merfaffer au faft durchaus enthalten: aber er legt 
aus geprüften Quellen eine Reihe von Faften vor, 
deren Reſultat fehaudern wacht. Seine Schreibart 
iſt micht immer richtig; feine Darftellung eben nicht 


biühend und ſchoͤn: aber man vergißt alle Neben: . 


forderungen, die man an ein biftorifhes Werk zu 
machen gewohnt iſt, Über den wichtigen Inhalt und 
die Gruͤndlichkeit, mit welcher er behandelt iſt. Es 


ift eine ausführliche Relation aus Aftenfläden, eine 


Verhandlung, die das Wohl aller Vblker der Erde 


betrifft. Laͤßt ſich etwas gegen die Gültigkeit der ' 


Kefultate, die aus ihr hervorgehn, einmenden, ſo 
wird es gefcheben; läßt fi nichts einmenden, — 
Wer kennt nicht die Hüifsmittel der Arglift ? Auf jeden 
Fall muß die alte Sache der Jeſuiten, fo oft und fo all: 
gemein aud fen in ihr von Höfen und von der 
Öffentlichen Stimme abgeurtheilt ward, aufs neue 
und Eräftigfte zur Sprache gebracht werden, da fie 
felbft es errungen haben, wieder aufzutreten. 


3. 8. 


Bruchſtuͤcke aus der Charakteriſtik 
der Mannheimer. 
Mannheim, den 10. Der. 1804. 
Theurefter Freund! 


Du preifet mich gihclich, daß ich mir ſchon feit 
einiger Zeit die fehönfte und freundlicfte Stadt in 
den fruchtbaren und anmuthsvollen Gefilden des 
Mheines, zu meinem Wohnfipe ermähler Habe; und 
Du urtheileft nicht unrichtig. Denn das breite 
fruchebare Rheintbal, an der Morgenfeite von den 
Gebirgen der Bergftraße und des Odenwaldes, und 
auf der Abendfeite von dem Haardtgebirge begränzet, 
in deſſen Mitte die Stadt Mannheim gelegen ift, 
gehört unftreitig zu den ergiebigften und reijendften 
Theilen Deutfhlandes. Die Natur ſcheint bier bei⸗ 
nabe alles wereiniget und erfchöpfet zu haben, um 
den freundlichen Bewohnern diefer gefegneten Gegen: 
den, zum Lohn geringer Mühe, nicht nur das 
jenige darjubringen, was ihre Nothdurft erheifcht, 
fondern auch mas ihnen ihren Aufenthalt froh 
und angenehm machen kann. Das Klima if 
in diefen Gegenden fo milde, daß die Erndte gemöhn: 
ih auf den biefigen Fluren um einen Monat früher, 
als in andern Gegenden Suͤd⸗ Deutſchlandes einge⸗ 
fammelt werden kann. Man ſieht hier mehrere Gat⸗ 


tungen füblicher Produkten, als Raftanien, Manteln, 


‚ und fogar Feigen im Breien gedeihen. Die Frucht⸗ 


barkeit des Bodens iſt fehr groß, und der induftriöfe 
Fleiß der thätigen Bewohner beifelben, hat fie noch 
erhöhet, Einem Garten ähnlidh, in dem die Matur 
durch Kunft geleitet, alle ihre Koftbarkeiten tändelnd 
bingeftreut hat, von den ſchoͤnſten Fluͤſſen durch 
ftrömet, bat dieſe herrliche Gegend um Mannheim, 
ohne Zweifel vor vielen andern Gegenden, auch 
darinnen einen großen Vorzug, daß fie in einem 
fleinen Bezirke jedem aufmerffamen und gefühlvollen 
Beobachter, nicht allein große und mannigfaltige ims 
mer abmerhfeinde Natur: Schönheiten vor Augen 
ftelle, fondern auch alle zum Unterhalte und Vergnuͤ⸗ 
gen des menfchlichen Lebens dienlihe Gewaͤchſe, fehr 
reichlich hervorbringt, Diefe ganye Gegend ift über: 
haupt ein wahres Eden, und der Wanderer müßte 
ganz gefühllos fegn, weicher, indem er an einem 
heitern Morgen oder angenehmen Abende, auf die: 
fen reijenden Gefilden luſtwandelt, nicht fein Herz 
den fanfteften Empfindungen geöffnet fühlte. 

Doc nicht eine Beichreibung der Gegend, — Du 
verlangeft eine Charakter: Schilderung der Bewohner 
diefer trefflichen und anmurhsvollen Stadt. Fürwahr 
keine leichte Aufgabe, Doch mill ich's verfuchen, Dir 
einige Bruchſtuͤcke oder einen leichten Umriß diefer 
Charafteriftif zu entwerfen. 

Die igigen Bewohner Mannheims find feit ber 
degten Erbauung der Etadt, aus ſehr verfchiedenen 
Mationen zufammen gefommen. Ja es giebt beinahe 
keinen europäifhen Etaat und Fein Laͤndchen in 
Deuſchland, das nicht in größerer oder minderer An: 
zahl feinen Beitrag zu Mannheims Bürgern geliefert 
bärte, Mur der Fleinfte Theil ſtammt noch von den 
alten früheren Bewohnern des Landes und der 
biefigen Stadt ab, daher man bdenfelben auch kel— 
nen befondern und eigenthämlichen Volkecharakter 
beilegen ann, Indeſſen iſt es immer ein gutmuͤ— 
tbiges und liebenswuͤrdiges Volk. Noch paffet ein 
großer Theil jener Lobfprüche auch auf die itzigen 


‚Bewohner der Stadt, mit welchen einft Hachenberg 


und Heiß jene früheren Einwohner erhoben haben, 
Erfterer fagt in feiner Rede von dem Lobe und den 
Vorzuͤgen der Pfalz: „Die Einwohner der Pfalz 
und Mannheims bejeigen ſich gegen Fremde fehr 
freundlich, leutſelig und bienfifertig, find religice, 
zuͤchtig im häuslichen Leben, und gegen ihre Freunde 
fehr aufrichtig. Daher der Pfäler an allen Orten 
mit Gluͤcke feine Wanderungen unternimmt, durch 
feine Redlichkeit beliebt, wegen feiner Gewandheit 
angenehm, und wegen feiner Deunterfeit und. Befchei- 


denheit überall willtommen iſt.“ Und Heiß ruͤhmet 


— 492 — 


von ihnen:,, les peuples du Palatinat sont les 
plus polis et les plus civilises de PAllemagne, 
ils sont francs et aiment les etraugers.“ Und 
biefe Echilderung paßt wie gefagt, noch auf Manns 
heims freundliche Bewohner, Sie find gröftentheils 
von einer aufgeflärten Denfungeart, und die Buͤr⸗ 


ger verſchiedener Religienepartheien, leben in brüder:. 


licher Eintracht neben und von einander, So fihr 
auch die religidfe Stimmung hier, fo wie an vielen 
andern Drten ſchon abgenemmen bat, fo muß man 
dennoch zum Lobe der Mannheimer geftehn, daß die 
gottesdienftlihe Verfammiungen immer noch zabirei: 
der und eifriger, als in vielen. andern Gegenden 
Deuſchlands befuht werden. Wohlthaͤtigkeit und 
thaͤtige Bereitwilligkeit des Ungluͤclichen Jammer zu 
lindern, iſt der ſchͤne Hauptzug in ihrem Charakter, 
das haben fie vorzuͤglich bei jener verheerenden 
Ueberſchwemmung 1784 und bei dem zerflörenden 


Bomtardemente der Stadt 1794 und 1795, fo, wie 


bei den reichlichſten Eolleften, welche bier öfters zu 
milden Behufe erhoben werden, ermwiefen. Die Ein: 
wohner zeigen viel Gewandheit in ihrem Betragen, 
find fehr geiprächig, und bemeifen in Gefahren fehr 
viele Gegenwart des Geiftes und Muthes; dies foll 
fie vorzüglich in den gefahrvellen Jahren des letzten 
Krieges, in einem fehr vorteilhaften Kichte gezeigt 
haben. Mannheims Bewohner verrathen viel Kunft: 
talente, vorzüglich zur Mufit und den bildenden 
Künften. ehr beträchtlich iſt die Anzahl der be: 
ruͤhmten Künftler, deren Talente in Mannheim 
geweckt und ausgebildet worden find, mwoju unter 
Kari Theodors langer und friedlicher Regierung außer: 
ordentlich viele und mannigfaltige Gelegenheit gege 
ben wurde, Der als Kuͤnſtler und Kunſtkenner be 
ruͤhmte Schubart urtheilet daher mit vieler Wahrheit: 
„Mach Hamburg (!) wird ſchwerlich eine Etadt ſeyn, 
bie fo richtig fuͤhlet und urtheilt, wie Mannheim, 
Die Mufit und Singkunſt haben dafelbft einen ho— 
ben Grad ber Vollkemmenheit erreicht,” Die Mann: 
heimer, fo mie überhaubt die Pfälzer haben in Hin: 
ſicht ihrer Munterkeit, Jovialitaͤt und ihres leichten 
Einnes, fehr viele Aehnlichkeit mit ihren Nachbarn 
jenfeit des Rheins. ie find auch gleich dieſen, 
überall bald an jedes Klima und jede Eittte ge: 
möhnt. In allen Zonen und Erdtheilen findet man 
Mannheimer, doch Überall begleitet fie ihre Liebe 
zum Daterlande. Ich felbft Fenne deren mehrere, 
welche aus Afrifa, — vom Vorgebirge der 
uten SKofnung, aus Aſien kefonders Dftindien, 
Datavia” Eeilon und fegar aus China, und andere 
die aus Amerika, wieder bieber in ihre Vaterſtadt 
jurüdgefommen find. Die biefigen Einwohner 
zeichnen ſich, im ganjen genommen, auch durch 
eine ſchoͤne Förperlige Bildung und durch eles 


gante und geſchmackvolle Kleidungen aus. Wie 
nun aber unter dem Monde nichts vollfommen if, 
(0 it auch der Charakter des jo gutartigen 
Volkes nicht ganz ohne Fiecken. Eine flarfe Gabe 
£eichtfinn, — Hang zu ſinnlichen Vergnuͤgungen, 
Tanz, Spiel und Kicderpup, —— itten und 
rtheilen, große Neugierde, vorzügliche Liebe jum 
Neuen und Glänjenden, uͤbertriebene Vorurtheile für 
Mannheim, Eigenliebe, Luxus und großer Hang zu 
port und Eatyre find leider hier feine feltene Ex 
ſcheinungen. tt. 


Miscellem 
Seltene Genuͤgſamkelt. 


Aus einft die Einwohner der Stadt Keval in Pief: 
land ſich Chriſtian dem dritten Könige von Dänne 
marf, in dem Jahre 1558 freireillig unterwerfen woll⸗ 
ten, antmortete der genüglame König den Abgeord: 
neten: „ich kann euch eure Bitte nicht gewähren, denn 
Sort hat mir Känder und Staͤdte genug ju regieren 
gegeden, ja eine größere Bürde aufgelegt, als ich zu 
tragen im Stande bin,“ *) 


DPaffende Strafe 


Karl Ludwig, Kurfürft von der Pfalz hatte einft 
in Erfahrung gebracht ‚„. dap eine Wirthefrau in Wein⸗ 
beim ſich über jeine Zuräftungen ju einem Feldzuge 
lufiig gemacht hatte, er erließ daher folgendes Des 
frei: „Nachdem des Pfaizgrafen Churfürftliche 
Durchlaucht in gewiſſe Erfahrung famen, daß des 
Wirthofrau zum Bot zu Weinheim, unlängft ſich 
gegen hehe Perſonen verlauten lafjen, Ehurpfalz bins 
führe eine Anzahl Gaͤnſe zu halten, damıt man lieber 
mit Federn, als im Feld Krieg führe; als haben ihr 
Anbieten in Gnade angenommen, und ift Dero gnäs 
ann Defehl, daß gedachte Mirthefrau die Chur: 
pfälzifhe Ganzlei jährlich mit Schreibfedern genug: 
fam verfehen, folche alle Jahr auf Martini das erfte: 
mal liefern, auch daß biefes alfo geſchehe Canzlei⸗ 
Direktor von Wolljogen darob halten folle. Heidel: 
berg, den 20. Auguft 1669, 

Carl Ludwig,“ 


Macht des Aberglaubens, 


Es ift bekannt, daß in jenen finftern Jahrhun⸗ 
derten der Vorzeit, das Kloſterleben und Moͤnchsthum 
für eine Pforte des Himmels gehalten wurde Wer 
mit einer gewiſſen Hoffnung, von den Freuden des 
—— einſt nicht ausgeſchloſſen zu werden, dieſe 

elt verlaſſen wollte, der erkaufte ſich von irgend eis 
nem Kiofier eine Moͤnchekutte, und ließ fich eingehäl: 
let in diefelbe unter die Mönche begraben, &elbit Kurs 
fürft Friedrich der Eiegreihe von der Pfalz, ein für 
fein Zeitalter fehr aufgeflärter Fürft, verordnete, daß 
man ihn in der Kutte eines Franzisfanermöndhs nach 
feinem Tode beerdigen ſollte. Diefes geſchab auch in 
dem Jahre 1476, und in biefem, einem Helden nicht 

br angemeſſenen Coſtuͤme prangt er no ın der 

ranzisfaner: Kirche zu Heidelberg. 


», Bem. des Ned, = furchtete nämlich dadurch im 
einen Krırg mit Schweden und Nußland vermicelt zu werden. 


— 9 


NRihts-politifhe Zeitung. Nro. rıo. 


YusPBerlim 


A. ıyten Der. gab man: „Die Gternentöhigie, ein rose 
mantiiches Feenmährchen, mit Mufit von Hauer.” Es machte 
Bein Gtüch, obgleich — oder weil — man es werbeifert hatte, 
Die Handlung, oder richtiger geforochen. Die eimeluen wundertu 
en Finialte des Berraſſers, hatte man in Zufanmeahang zu beim 
gen und vernünftiger zu machen geſucht; bie Role der &rernen 
tonigin, wahricheintich weil bie Gängerin, bie ſte machte, Dir 
buriesten Poſſen und Werwandiungen, die fie fomft härte voruu⸗ 
nehmen gehabt, ſcheute, war gäns umigearbtiret umd ins Ernie 
gebradit; eine Menge tomiider Etreide und no mehr Rue 
ftünte von Kamer, warem wengelaffen worden; mau hatte andre, 
in ber That treffliche Conwontionen von Weitern,. i. B. von 
SHımmel, Rigbini, Weber, Winter, eingelegt, umd ſo hatte das 
Stuck — feinen Charakter verloren. Der größte Theil des dus 
Plitumd mochte nicht appiandiren, weil das Gaue nit taugte, 
und nicht pochen, weil manches Eimielne vortrerlich war; «6 
wurden alſo alle Ausbruche von Verrat und Tadel unterdrüdt, 
und man gieng ſchweigend auseinander, Die Ausruhrung mi 
lang im wichen Erüden, Zu witderholten Malen blich Die 
ühne Minuten fang ler; mande Verwandiungen gerieben 
nicht, doch mande andere freilich fielem wieder fehr gutt 
aus; die Dessrationen waren großtentheiis men und practig, 
alter fie wurden in mander Scene verwirrt bebiem; endlich — 
wa? man am ungernften vermiäte, und was wirklich im dem 
Stucte ein großer Dertuß mar, — ferr Umieimpen hatte mp, 
nis und mur Unbedeutendes zu thun. Kurz: das Grüd har nicht 
gefaden, trog seiner Pracht und den einaetegten jchomen Arien, 
Eigentlich Drurtheilen läßt fidh's ern mac einer aelungenen Dars 
Weung. Im Fach der theatraliſchen Maͤhrchen Acht Die Zauber⸗ 
flote wir no einyg und smrereicht ta, Mhe Nachahmun ⸗ 
din find in einer oder der andere Küdfat armidig. Dian has 
imdeh jent Hoffnung, etwas Wuroeieidmetes zu erhalten. Ein 
Junger Dieter in Berlen hat aus Gonfs Zodels eine romautt⸗ 
ſae Over gemacht, und Himmel it eben ſchr mfg wit Der 
Compohtion derfejben Teihaitigt. 


Aus Franzdfifhen Blättern 


te Mater die in Varid leben, und viele Wermde, die dort 
nur der großen Feierlichtelt wegtu hingelommen waren, haben 
fh an dem Arönungstoge und am folgenden ehrig damit ber 
(dhäffier, Sceuen, von denen fie Zeugen waren, zu malen. 
Melde manntafairige Bereicherung an Kunfwerten bat mar zu 
erwarten! Dayib mar während ber Krönung in einer beſondern 
kleinen Poge der Kirche allein, amd flipirte die Hauptſtenen bei 
Gererlichteit, 


And die Parkfer Dichter find gewaltig Reifkg gewefen, aber, 
wie es (deine, nicht mit befonderm Gtüd, Das Journ. d. D. bat 
mit Yohrserbebungen ein Lied mitgetheilt, das mad der Melodie 


von V’lä c’que d’aller aux bo1s, gefingen werden tauu. und- 


unter andern ebden fo genioliiten Giropben, au folgende 
Alt; 
i * 1 hruloit d'ſtre au champ d’honneur, 
V’lä c’que c’est d’avom du coeur; 
l.e canon ne lu: faıt pas peur, 
Par des füarts de marque 
Bientöt on I’ r'marque; 
1) obtient um grade supeneur; 
V’lä „’que c'est d’avoir du coeuz, 


Rev "nant d’Egypie, ıl prend d’i’'humeur: 
V’la c’'que c’est d’avois du coeup;.. 
1) voit chacun dans la stupeur,: . 


Et partout la France 
Dans la decadence, 
11 monte A ch’val avec viguenr, 
Vi c’que c'est d’avom du co, etc. — 


Ws Parodie auf das Mielobram, der Iimteryang von Bias · 


Con, bat ein wigiger Kepf ein mens Melodram augetitubigt: 
‚das Ende der Welt und das jüngte Gericht.” Cine Ehinefs 
ſche Prinyein rein nach Marokte, um dem iungen, liebens witre 
digen Abdalla, Grbprinien von Diaroflo zu heitathen. Eine 


Horde nimmt fie gefangen. Ihe Brautigam baut die Araber 


Mn Stuten. Ein grotzes Menbuiches Heer belagert Marotte. 
Das Wit macht einen Nufland umd mapfacrier die Princeflig, 
Atvana maſſatrirt das Welt. Die Araber erobern die Stadtz 
Atdala ſprengt ganz Marorfo in die yurt. Gert, vol Tor 
über Dieie Borgange, befieble den Lintergang der Well. Bier 
hundert Gewitterichiage detoniren auf einmal, Gonne, Mond 
un» Eterne fallen iu Boden, die Elemente vermiſchen fd: und 
das Chaos eutaeht, woraus aber der Edhönicr bald das Thal 
Jofapbat hervorgehn lat. Im legten Att geht bus Gericht 
vor ih aud Das Stück fahltee mit einem maen atiſchen Ballet 
der Seligen und Engel. — 

Der inwge Bildhauer Esgenidywpier aus Golorhurn, hat 
feiner Vaternadt das Baserliei geichentt, durch das er im Bari? 
den arofen Preis ım der Bildhauertunſt erlangte. Mur feiner 
Reiſe durch Solotthzurn m db Nom, gaben ihm die vornehmfen 
Beamten bes Cuntond ein Gaftmahl, und diberreschten ihm 
beim Schtu degelben eime goldue, zu feiner Ehre geſchtagene 
Medailie; Die eine Seite derſciben zeigt das Wabren der Meonr 
biit, anf der amdern Adır Das Derrer, welches das Gonitl für 
ibn erlich. diehntiche Ghrenbeseigunaen hatte man dem jungen, 
gleichfalls in Parıs gehrönten Matır Obevarr aus Belgien, im 
feiner Batrrſtadt erteilt. Sollte man micht glauben, die Zeiten 
waren wiedergetehrt, im meichen bie Oiriediihen Stadte ibee 
Birrger, die Eirger zu Dlasmpia gemweien waren, mit Prozejlies 
nes «iubelten? 

— Am ıfen Dec. bar Pochen zu Wrüel einem öffentlichen 
Verſuch mie einer Maſchtne zemacht, wie er. den Enfnidhifer 
megnt, und barb Die zwuer Wrrniben ehne eine andere bewe⸗ 
gende Krait oder eimen Mügemden Puatt als die ſreie Furt, im 
dieſer ſchneller -fortemderten, als mia ach tarm. Der Hauaı- 
theil ber Maſchine it aim hohler Ealinder, der eimen che ſrart u 
Burtsug veranlaht, unb daher im ben Ihnspitäfern und in den Far 
briten auf fehr wieliache Mer benutzt werden kant. 

— Die erte Mummer det von Blinden geſchriebenen und 
orbrudten Journals IN erfäpienen, und euthait elmige midt mm: 
imterefjante Arritel. i 2 

— Bon Marmonteld Memeiren find im einem Tage goo 
@remplare vertauft. 

— Mad, Sentie bat wiederum einige chriſtuche Ergickunr 
gen im die Welt geicdickt, unter dem Titel: Les monumens 
relipieug. Eine Frau vom dieſen Charakter die Religton emtr 
viehien zu hören, donute eigen sum Wibeiften madırn. 

— Fin ſehr wichtiges Wert für die Kennunih von Korb: 
meriba IR Die vor einigen Wonaten erihienene: Voyage & 
Y’Ouest «les Monts Alleghaunys, anfrepris, pendant FAn 
X. — par Michwix. Der Retfaſſer reſſete am allein mid 
einem Jadianer in einer Wirpaue, die I8 Zoll treit war, ben 
Obte 75 Deutiche Meilen weit hinunter, Erme Nachrichten vom 
Innern Rerd-Amerita's find, tretz den vielen Reichreibungen, die 
man vom deifen eimpelmen Theilen beſegt auferit intereſaut. 
(Privat: Nachrichten zu/olge wird die Neifebeichreivung des Im, 
von Humboldt bei Eotta im Tubtnaen, eribeinen. im ihrer 
Ticher Mann, dieſer Herr Cotta! Er made fo viele große und 
slüfliche Unternehmungen: es ift nichts Äbrig, -als ihm recht 
olftie amufeinden. — wie kürzlich fogar im Jar. Bi. des Frum. 
bei Gelegentzert der Herderichen Gcrirten, ein Peimyiger Bud: 
bändier verſuchte.⸗ 


u 


1804- 





Nro. 254. 
— 
Der Freimüthige 
— oder — den 21, December, _ 


Greitag, 


ern f 


und 


Scherz. 





Literatur 


Beſchreibung bed Vorgebirges der guten Hoffnung, 
von Mobert Perswal. Aus dem Engliſchen 
hberfegt von Seume, Leipzig, bei Wilhelm 
Nein, 1805, 


D wir gleich fen viel Über das Vorgebirge der 
guten Hoffnung gelefen haben, fo muß vorliegende 
Heifebefchreibung den Etatiftitern und Maturhiftoris 
fern doch ein fehr willkemmenes Gefchent ſeyn, mel 
der Verfaſſer viele irrige Angaben fremder Geogra⸗ 
phen berichtigt, und zugleich fehr wiele neue Bemer⸗ 
tungen mittheilt. Dabei hat diefe Befchreibung aber 
noch einen Vorzug, den eigentlich die Herren Reife: 
befchreiber, Topographen und Geogtaphen ihren 
Schriften immer zu gebin fi bemühen follten. — 
Diefer Vorzug befteht darin, daß fie größtentheils — 
immer war es freilich nicht möglich, — auch für Nichte 
Geographen und Nicht-Statiſtiker, alfo für Lefer, die 
ein Buch nur der Unterhaltung wegen in die Hände 
nehmen, intereffant ift. Sehr angenehm Iefen ſich 
4 B. die Motigen über die Bewohner des Vorgebirs 
ges der guten Hoffnung, Über ihr Leben, ihren Cha— 
rafter, ihre Art fich au betragen: — bie Männer 
find plump, die Damen ſchoͤn, artig, geiftreih, — u, 
ſ. w. u. ſ. w. 

Auch verdient die Vorrede, die Her Seume 
jugegeben hat, aufmerkſam gelefen zu werden. Was 
ar, lehr freimüchig, Über England und Frankreich 


ſagt, fcheint treffend und mahr, und mas er von ber 
Zukunft erwartet oder befürchtet, dürfte einſt wohl 
in Erfüllung geben. — Uebrigens verbinde ich mit 
der Anzeige des vorliegenden Werkes die von einem 
andern, in daffelbe Fach einfchlagenden Buche, das 
in derfelben Buchhandlung erfhienen ift, und gleich 
falls fehr befannt zu werden verdient, Es find: W. 
Wirtmanns Reifen dur die Europäifche Tärkel, 
Eyrien und Aegypten, in den Jahren 1799, 1800, 
ı8or und 1802. Der madre J. A. Bergf hat fie 
überfegt. Dieſem letztgenannten Werke, deifen erfter 
Theil nur erſt kürzlich erfchienen ft, geben auch feine 
Kupfer ein beſenderes Intereſſe. 6 
— hn. 
Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reiſenden ꝛc. 
Tyrol. 
éFortſehung.) 

Zonchen Zeit und Inſpruck iſt eine Grotte, an 
ſteiler Felſenwand, in ſo ſchwindelnder Hoͤhe, daß das 
Auge ein daſelbſt errichtetes großes Crucifir kaum 
unterſcheidet. Hieher fol Kaiſer Maximilian ſich auf 
der Gemſenjagd verirrt haben, und durch einen En: 
gel herabgeleiter worden feyn, Eine wahre Begeben: 
heit ſcheint diefer allgemein verbreiteten Volksſage 
zum runde zu liegen; auch kann ich es Nieman— 
den verdenfen, wenn er glaubt, daß man von dieſem 
ſchroffen Felfen nur an der Hand eines Engels her: 
abgleiten fann. 


— 44 — 


Inſpruck, vom grünen Inſtrom umfloſſen, 


iſt eine ſchmutzige Stadt, und zähle troß ihrer Groͤße, 


nicht mehr als zehn bis zmälftaufend Einwohner, ein 
GSarnifon: Regiment ungerechnet, Es ift da wenig 
Merkwuͤrdiges zu befchauen. Kaifer Maximilians 
Srab in der Domfirche,. hat. ſchoͤn gearbeitete Bas: 
reliefs von weißem Marmor, des Kaifers Leben und 
Thaten vorftellend, aufjumeifen. Im Grabe felbft 
liegen. nur die Eingemeide des Helden; ich babe 
vergeffen, wo man feinen Kopf gelaffen hat, der doch 
wahrlich das Beſte an ihm. mar. — Auffallend und- 
einzig iſt der Einfall, in. die Mitte der Kirche «ine 
doppelte Reihe von (mo ich recht zählte) acht und 
zwanzig coloffalen. Büdfäulen in Bronze zu: fiellen, 
die faft alle im Jahr 1528 gegoffen find, und da 
ſtehn, als ob fie bei Hofe an einem Courtage auf die 
Erſcheinung des regierenden Herrn warteten, Es 
find. aber lauter. Leute, denen man, ju ihren. Lebzeis 
ten... ſelbſt die Cour gemacht bat, auch bie reiche 
ſchoͤne Tyrolerin, ‚Margaretha Maultafch, befinder fich 
Varunterr Daß man biet Eeine Aehnlichkeit fu: 
chen darf, begreift ſich leicht, denn viele der. Origis 
nale, 3. B. Rudolph won Habsburg, Gottfried von 
Bouillon u. fi m., haben wahl nie einen: Bildner ges 
feffen.. Da. nun dieſe coloffalen Puppen weder Kunff: 
werth noch Intereſſe der Aehnlichkeit beſitzen, fo 
thäte man eben fo wohl, Canonen daraus zu gleßen. 
Doch nein! bier ſtehen fie ja fo unfchädlich, hoͤchſtens 
verfieht. fih dann und mann eine ſchwangere Frau 
an ihnen ;, warum follte. ich wuͤnſchen, fie in Mord: 
fhlinde verwandelt zu. fehn? 

Wer dem Küfter eine Treppe hinauf zu felgen 
Luft hat, der. tritt. in die fogenannte filberne Ka: 
pelle, weil eine fchlechte Bildſaͤule der heiligen Jung: 
frau, und einige andere Kieinigfeiten von &ilber, 
darin, befindlich find. Die Kapelle der Lieben: 
den follte man jie nennen, denn bier ift das Grab 
der ſchoͤnen Philippine Welferin, jener reijenden 
Buͤrgerstochter, welcher die Liebe den herjeglichen 
Hut aufſetzte. Ahr Gemahl ift ber Stifter der Ras 
pelle, und auch der Tod bat ihn nicht von feiner Ges 
liebten getrennt, fie ruhen bier nebeneinander, Glich 
Philippine dem. Marmorbilde, das auf ihrem Sarge 
Hiegt; fo war. fie wirklich ſchoͤn, und mehr als fhön; 
biefe edlen Züge haben dem Fürften: Purpur Glanz 
verlichen,. nicht ihnen der Purpur. 
gern von dem flibernen Tand, und. ſelbſt von der 
trefflihen Mofaif: Arbeit, welche die Gräber um: 
giebt, immer wieder in dies ſchoͤne blaſſe Geſicht, 
deffen erhabene Ruhe freilih Feine Epur mehr von 
Leidenſchaft träge: Man gäbe viel darum, die Frau 
Iädeln zu fehn, dann wäre fie gewiß eben fo herjen: 


Auch blickt, man. 


feifeind, als Preußens ſchoͤne Konigin. — Reicher 
Ablaß if allen den Öläubigen vom Pabſte verliehen, 
welche in diefer Kapelle beten werden, Ich bin 
meine Suͤnden bort nicht los geworden, denn nur 
für Philippinen Härte ich beten mögen, und die ſchien 
es nicht zu: bedürfen. Woher mag es do kommen, 
dap wir an der Ruheſtaͤtte einer kiebenden weit mehr 
empfinden, als am Grabe des tarferjien Heiden? 
Die Antwort ift leicht: zum Lieben find wir alle 
geboren, zum Tod ſchlagen, dem Himmel ſey Dank! 
nur menige, 

Ein veiches, aber firenges Kloſter von lieblofen 
Urfulinerinnen entweiht Die Etadt, in melcher die 


liebende Philippine Welſerin Legraben liegt. Der 


Schlachtopfer, die hier jeufzen, follen viele ſeyn, und 
fiejellen oft vermehrt.werden. Das Einlafbillet ju der 
Eldfterlichen Seligkeit ift ziemlich konbar, denn zwei: 
taufend Gulden wenigilens muß eine Movize mit 
bringen, um des Kloflerhimmeis und der ewigen 
Reue theilhaſtig zu werden. Dap die laftere jebuch, 
ſelbſt innerhalb den Mauern, nicht allzu laut werbe, 
dafür wiffen. die frommen Schweſtern Rath. Sie 
haben nämlich, einige flile Wohnungen bereit, die 
man im unhöfligen Mittelalter Burgverließe ju 
nennen. pflegte, da Überlajfen fie die Reuige der jüßen 
Einfamteıt — auf ewig! — Unlaͤngſt batte ein 
Fraͤulein Pfeifersdorf; diefes Schickſal; glüdlicher: 
weiſe — fo erzählt man, — börte ein Edharnfteinfe: 
ger in feinem Beruf das unterirdiſche Winjeln, zeigte 
es der Polizei an, und das arme Madchen wurde 
gerettet. Line andere junge Nonne, (eine Apotheke: 
rin des Klofters) entfprang vor £urzem, und — man 
denfe fih den fremmen Abſcheu der alten. Urſu— 
linerinnen, die verfiohlnen Seufzer der jungen 
Ionnen, — heirathete wenige Tage nachher einen 
Eoldaten vom Regiment Jordis, deſſen Commiß- 
brod ihr. beifer. ſchmedt, als die Eiöfterlichen Leder: 


biſſen. Jett foll die vormalige Braut Chriſti Hoff: 


nung haben, bald ein lebendiges Kind an den 
märterlihen Buſen zu drüden, 
Aber melde göttlihe Ausfichten. eröffnen fich 


‚wieder, fobald man Inſpruck verlarien bat! Mögen 


des Kummers fcharfe Klauen ein armes Herz noch 
fo. feft zuſammengedruͤckt haben, bier mu es fich 
wieder aufthun. a, ih muß es wiederholen: bie 
Schweiz bat wahrlich niches Schoͤneres aufjumeifen. 
Verſchiedene Denkmäler, an wohl unterhaltenen- We 


‚gen errichtet, find bald. mehr, bald minder merkwuͤr⸗ 


dig. Daß der Pabſt hier vorbei ſuhr, — mich kuͤm⸗ 


merts nicht. — Daß auf einer andern Stelle ein 
fürfllicher Bräutigam feine fuͤrſtliche Braut empfieng, 


— das mag, interejlant. fepn für das fuͤrſtliche Paar, 


= 45 — 


wenn es, nach froͤhlicher Begehung einer filbernen 
Hochzeit, etwa einmal wieder den Platz betritt, wo, 
mit großer Verlegenheit, ſich beide zum erſtenmal ſa⸗ 
den, und mir fepüchternen Biden prüften, ob die 
gemalten Miniatur: Portraits ähnlich geweſen oder 
nicht? — Aber vor einem dritten Wionumente vers 
weilt man gern einige Augenblicke. Hier iſt zu defen: 
daß diefer, wirklich vortreffliche Weg, juerft von den 
Römifchen Legionen unter Septimius Severus und 
Julian: in: bie Feljen geiprenat, nach Jahrhunderten 
wieder aufgefunden, die alten Roͤmlſchen Meilenzeiger 
zum Andenfen. in einem nahen Exhloffe verwahrt 
worden. Nachher ſey er oft durch Ueberſchwemmun— 
gen zerſtoͤrt, durch menſchlichen Fleip- wieder ausge: 
bejfert worden, bıs endlich Kaiſer Joſeph ihn fo voll 
kommen berjtellen lajjen, alg er noch heute gefunden 
wird, — eine Wohirhat, für die jeder Reifende ihn fegnet. 

In diefer Gegend von Tyrol bemerkt man an 
dem weiblichen Geſchlechte eine reijende National: hr: 
fiognonnie, ovale Gefichter, ſchoͤn gefchnittene braune 
Augen, eine weiße Haut, Sie gle.chen fick alle wie 
Schweſtern, aber wie liebliche Schweſtern, Schade 
nur daß ihre geſchmackloſe Kleidung ihre Relje ver: 
unftalter. — In jedem Wirthshaufe findet man nun 
eine Tare für. Mahlzeiten, eine löbliche Gewohnheit, 
nur die Clajfiwirung der Mahlzeiten hat mir ein 
‚Lächeln entlodt. Die erfie große Eintheilung ift in 
Fleiſch- und Faſttage gemacht, dann giebt es 
Herrnmahlzeiten, Fuhr manns mahlzeiten, Hoch: 
jeirmahle, und bei den letztern iſt beim Frauen: 
immer die feltfame Einfchränfung gemacht, daß fie 
acht Kreuzer weniger bejablen, als die Manns: 
prifonen. Das ift übrigens fehr billig, und follte 
wohl überall jo jeyn, denn fie effen und trinken in 
der That weniger, — In dieſen Gegenden wird 
fon, wie nachmals in ganz Sjtalien, das Leinenzeug 
nicht mehr geplärter, fondern. bios gewaſchen, weiches 
einem verwöhnten Auge unjanft thut. — Die 
ſchoͤne Landſchaft wird bie und da durch die unend- 
liche Menge von abgelaubten Bäumen, (ich glaube 
es find Cſchen) verunftalter; man freue fich aber deoch 
zu. fehen, daß der Landmann nichts vernachläffige, um 
feinem Dich im Winter Futter zu verfchaffen. Kine 
Bäuerin verficherte mid, das Vieh freyje die Blätter 
ſehr gern, und befinde ſich wohl dabei, Warum 
ahmt man dies Beifpiel im Morden nicht nach? be: 
fonders in Lief- und Ehfiland, wo das Dieb fo oft 
im Winter Stroh freffen muß? Kehle es etwa an 
Händen, um. die Blätter inzuſammeln? Aber. cin- 
einziger Baum giebt ‚reiche Aurbeute, und erfodert 
wenige Zeit,-ihm- zu entiauben, An taugligen Baͤu— 
men iſt auch Fein Mangel, denn nicht blos die Eiche 


dient dazu, auch die linre, ja’ fogar der Eich baum, 
wie ich nachher oft in Jtalien zu fehn Gelegenheit hatte, 

Bis Mittewald kamen die Franzofen. Hi.e 
ſteckten die wadern Toroler ihrem Vordringen ein 
Biel, Aber freilich erfauften fie ihre Siege oft theue-. 
Der Pojimeifter zu Vlitterwald liefert ein trauriges 
Beiſpiel, wie viel Unglöd zumeilen das Schickſal 
plöglich über einen Menſchen zuſammenhaͤuft. Er 
wear ein wohlbabender Mann, ein glüdlicher Gatte 
und Hausvater. Da kamen bie ranzofen, raubs 
ten ibm alles, und ſchoſſen ihm zwei Häufer in 
den Grund; Keine Sartin wurde vor Schrecken 
wahnſinnig. So irrte fie in den Feldern umher, 
er mußte fie einfperren Kaum war der Feind 
verjagt, fo ftellte fich die Pferdefeuche ein, und ihm 
fielen 36 Pferde, So blieb er auf den Truͤm⸗ 
mern feines Gebäudes, vor der verriegelten Thür ei⸗ 
ner wahnfinnigen Frau figen. Sept war feit drel 
Wochen wenigſtens diefe in der Beſſerung, nur noch 
melancholifch ; fie nahm fick aber doch ſchon wieder, 
iu des Mannes freude, der häuslichen GSejchäfte an. 
Ich meyne, der Kopf, der fo viel Elend zw ertragem 
vermag, muß fehr ſtark oder fehr ſchwach feyn. 

Kotzebue. 
Bei Erbffnung der optiſchen Vorſtellungen 
des Herrn Buſch. 


Den 19ten December 180% 


D. Schorſung bin, Nur ferne Echinmer malen, 
Mu matter Glut, ben Schleyerſaum der Nacht, 
Aurora ſchwebt empor. Die Welt erwadt, 
Treintt Valfamtbau aus Florens Opferidalen, 
Erquickt fib an der Eonne Thorgenftrablen, 
um ſtaunt Se Gottin am im ihrer Pracht. 


DBeröltert durch der Memchen veges Leben, 

. Echt nun das NMuge Thal, Geburg' und Flut. 
Diem fiche dem Fleih, ein auf Anni und Mutl;- 
Ya leichtem KRuderibiff den Strom dardıdweben, 
Und, kuhmern Fiug's, im Meer die Segtl beben, 
Den. Klıpoen trozend umd der Brürme Wuth. 


Der Abarund ſchaumt empor! — Orfane brauen! 
Durdinngelt von ber Elige Widerſchein, . 
Sult Grabe⸗duntel Mes und Himmel eur — 

Dan ſiehts und bebr zurück Man wahnt, vol Graufem 
en Ramoſ dev Elemente deibat zu hauſen 

Und ſchon das Hpier ihres Grimnts zu ſeyn: 


Doch dieſes Schauders amaflınde Berunhle 
Sind cım Zriunpr der kuniliersiben- Kraft, 
Die der Natur getreues Racbild fat! 
Berichwiſtert ſtehn Natur und Kun am Ziele, 
eton auf ihr Wert, vor deſſen Zauberſpiele 
Durch Tauſchung, jeibt Die Phantafie erffant, 


Burlin, C. En 3 
\ j Drudfebler ⸗ 


Im Sreimlitbigen Nr. 251. S. 483. 3. 4. von unten: 
aufları honig lies Anich. 

Eigentlich Gaben vie Karte Z Bauern, Peter Auich und 
Blanu⸗ Hueber aufgenommen. Der ehemalige Prof. au Inſoruck 
Yınaz Weruhard, bat die Zeichnung rebigire, wilde 1774 auf 
20 große Bogen geſtochen ift, 


= 99 = 
NRiht:politifhe Zeitung Nro. ııı. 


Aus Würzburg, vom 6ten Deremb. ®) 


underliche Dinge gehn bier vers beſouders ı die Whdlofen 
phit Hier im einem bmweriibenifcben Zuftande, dem man — am 
andern Orten einen weniger mebizinch » aulanten Namen gebem 
wirde, Ecbelling hat bier Dei den fundia Zubdrerm, dencu ee 
mit einen derben Etrobbafe aus seinen Herten vprdiet eimem 
Enthufasmus bewirkt, der — wie es bi dem Enrbufiasmms fur 
meraphafiihe Gomfindigkeiten immer il, nicht rede wrih, was 


er will, und ſich Daber oft fehr — — jonderbar aunert. Dee 


als Profefor ber Aefiberit hier amgerelite beruhmte Ebiriitkenir 
Ebhr. A. Fiſcher lie vor eimem großen Auditorium als Hr. 
Gchelling. mit allgemeinerm Betiallz er aufert ſich attegentluch 
auch wohl uber mandıe Dinge auf eime Weiſe, Die eben nicht 
mit der Schellingſchen Pbantatie + Phılefephie nberzinkinumt, 
Was arktah? Eines Tages fanden fib 20 bir 30 ZJuborer des 
letzteru ım dem Fircherſchenu Auditorium ein, und wermeinten eim 
abfolutes, micherichlasendes, imanpellables urtheit, Das Diejem 
Granır Echrliings vernichte, zu fallen, wenn fie tuchtig achten 
und ſcharrten. 2a, ia, es ik freilich eine gar enticheidende, 
wictige Gentem über einen Gelehrten, wenn ſich zwanzig Gtws 
denten gegen ibm — miche artig berragem Bros. Fiſcher bes 
nabm ſich iades io tiug und murbevoll, bah er fie beſchamte. 
Nidrsochomwentger waren fur den folgenden Tag meue Erccidfe 
proiceturt, bie inden der edle und feide Graf von Thurheim 
wurd Die Dolciı vereitdte, Das nr. Schelling Nuırter davon 
gewajen fen. Tant ſich nicht beweiſen: aber im Publitum chut⸗ 
teir man haufig den Kopf, — denn das er Die ſogrnauuten 
Aratautſeruugen ber lichen lniverntars Jugend nicht haft, weiä 
man. — Wie Überipannt die Kopie der dumam Gene durch 
ihn werden, bauon mur Ein Neiipiel. Ein Vroieſſer — mo 
ich nicht irre. war eb Fifcber; vielleicht hatte er dadurch den 
Gun werunbct, — führte auf dem Catheder Jatov Töhnae 
als cın berubmtes Beiibiel von Unfinmigteit an. Ein Nabansı 
ger von Hn. Ebeling aber bermeinte: „Das heißt dieſen ans 
greifen. Der Schuſter ſey Johannes, Hr. Schelling der. Chri⸗ 
us. dem jener vertündigte, “ 

In der Bamberger Zeitung Aand Birzlich ein amaeblicher 
Merief aus Paris, mrır der Nachricht: „Dr. von Sumbeibt mode 
Sierber fommen, um bie Scheilingſche Philoſorhie zu findieren." 
Das bat ber viel Pücheln und Scherz erregt. Einige meinten, 
es ſty it unmmahricheindih; da Hr. von Humtoldt bie Kal 
mans in End: Amerika beſucht babe: warum vohte ihm die News 
gier miche auch mm Würjburger Jdentitätsı Lehrer führen? — 
Undre erisuierten, daß dieſer große amd unermiblide Naturfers 
fdrer, in der Philoſophie wie im der Karur, immer nad Eurios 
fitaten geba;cıt, umd daher eliriger Anbandger jeder neuen Hyper 
there geweisu dab alſo jeim Urtbeit auf Dierem' Feide — keine 
Autorität jey. Mod andre machten auf ben Umſtand asfmerts 
fan, daß der Yirief vom z7fhien No». in Paris datirt, and am 
aten Dee. ſchon im der Wamberger Zeitung gebruch war, und 
erklärten ibm gradtſu fir erdidhter, 

Der neue Schulolan gilt bier bei fehr vielen Mir das Yrar 
dut einer geheimen JefuitensKabale Durch ihm erklare, 
fagt man, fib die General⸗Schul Direktion für ein umabbangiges 
Landes » Eollegium,, wolle die protehantiden Schulen <arhelisich 
umiormen, mit carholiichen Lehrern deſetzen, delbit Die Umiverfis 
täten Wurſburg und Landshut unter jeine Curatel bringen, 
Man Hofe indeh, der Dlam werde bei Erite gelegt werden, 


us Breslau. 


Kannqh tioh ſich ein anenomer Gteibler beigehn, Im einer ges 
wien Zeitung einen Muriag iber Breslau vol grober Imwahrr 
heiten und Echmabımgen drucken zu laſſen. Aurer anberm 
nannte er die Breslautſchen Kauflenie Kramer Line Wider 





*) om einem Retſenden. 


feaang verdient der Menſch mid, aber — a mehr ald einer 
Kirtfiht, IM wohl ein: Nadridt von den Geſchaften, weiche vie 
Brestauiide Kramersharn im Comm Sabre trieb, antereffant, 
Die foisende Tabelle wirt zwar von dem Handel des ganzen 
Schleſiens: doch der größte Theil deſſelben gcht durch die Hande 


anirer aufeute. 
Eingeführt it Unsgerutet 
Un Werth nach den Zoltreginern;, 


Arbir. Acthit. 

dur Ste, ſcher Hamburg Erettim, mit Englaud, 

Holland. Epanien Srankresch u. Weſtindien 1791591 4498236 
Bu vande. Wit Jtulien 169956 154761 
mit Frankreich 62589 60 
— Schweden 80760 14708 
— Tannemart 85372 17688 
— Kukland 5796 12 1481 106 
— Usngarn und der Thrkei 1754098 373998 
— den Drfireichiihen Staaten 85:914 131468 
— Eadıicn 14315 970905 
— den andern Deutſchen Eranten 133352 96124 
Auf den Meſſen 1083620 $36084+ 
Mir OR:, Wer:und Gübpreuien, 2313902 1746064 
Mit andern Kömgl, Provimien 1877523 1724284 





10798344. 11645456. 

Es if alio mehr aufs ale eingeführt 347142 Krb. Der 

Zroniitohandel ohne dieſes betrug 1399499 Rthl. Das ganıe 

Handelsverkehr mut dem Auslande Kar alle in 25 Millionen 
dedanden. 


Aus Bremen 


Dar hiefige Eemat, ber im seinem Menchmen durchaus mit 
der hellenen Ein icht mannliche Feigfeit umd weiie Milde vers 
einigt. bar auf das in Mr. 109 dieſer Zeitung erwalnite Wie 
morial der Vurger die ſich Tiaconen des Doms nanntın, und 
geaen die Ernennung eines Lorberiichen Predigers an der refor⸗ 
mirten Kirche Et. Ausgarii proteſtirten ſehr nr; geautwortet: 

„Dah er die Vertrage der Gupplicanten weder mit ben 

Grämen ibrer Verhaltniſſe, noch mir den Collegiatrediten der 
Gemeine von Er. A., aoch auch endlich meit den unbenritmen 
Befugtuſſen der in den Kirdiprenaein der Etadt mebnenden 
Zutheraner verenbarlih finde, die übrigen Aeußerungen der 
Suvvliranten aber umerdrtert dafen wolle.” 

Der Borgang verdient in der That die Aufmerkiamtelt vom 
gamı Deutihland, Der Magtärst bat ofentar die sehr weit 
Apdficdr, in umierm Heinen Staat allen Unterſautd der Conieſſto⸗ 
nen in ſtaatsburgerlicher Niechicht, aufhören su laſſen, damıtt alle 
Bewohner Bremens. mit gleichen Nechten verichen, fich aus einen 
Körper, ald Brüder anfchen mogen. Daher bat er Lutberamer 
u Eenatoren aufgenommen; Daher bitigte er den Beſchluß der 
Reforsurten , ihren Lutheriſchen Mirbiirgern am der Ansgarte 
Kirche eigene Prediger zuzugen ehn. Das man beum in’ zu areı 
Kem Widerfpruc mit den Plar,n gewifer anderer Leute ſtehn, 
Die vielleicht Darauf gerechnet hatten, aus alien hiefigen Luthe— 
ranern (die den grönten Theil der Eliuwohner ausmaden,) eine 
große Gemeine zu dilden, und an deren Epige ſich volitiſchen 
Einfluf zu erringen. — Mnwiltiihriih wird man dabei am 
den Hamburgifhen Prediger Krumbols erinnert, der im Ansınge 
des vorigen Jahrhunderts einen abmlichen Ehrgelz enderch auf 
dem Viutgerü bufte Devgleicden if denn ſreilich Gier nicht 
su fürchten, denn die Einwohner Yremens find im Altarmeinen 
zu rechtlich und heudentend, als daßj fie fih ven Efmseiiigen zu 
Bertjeugen ſollten mirbrauchen laſſen. Gleichwohl, — tonnen 
Eirs glauben? — behaupter man, der nenerwablte Prediger, 
ber treflihe Aöppen, den mean zu Aufang des Nimtinen Jahr 
red hier trwarttt, fen im anenumen riefen. hart bedrohet wor⸗ 


den, menu er fich umterfkamde, fein ümat amammerm. Weicher 
Graucl, wenn ed wahr iR! 


1804. 





Nro. 257. 


Der Freimuͤthige 


Sonnabend, 
Eernf 


Literatur 





Non dem ganzen, Überreichen Segen den ung bie: 
fer Herbft an Almanachen verliehen bat, Rechnung 
abzulegen, reiche felbft der Freimuͤthige, troß feinen 
woͤchentlichen fünf Blättern, nicht zu. Er bat in: 
dei von vielen gefprocdhen; gegenwärtige Nachleſe 
mag den Artikel für diefes Jahr beſchließen. 


Tiroler Almauach für 1805. Wien, bei Degen. 
Diefer fehr elegante Almanach möchte außerhalb 
Tirol wohl nur Geſchichtsforſcher und Statiſtiker 
interejfiren. Das iſt Fein Tadel: er iſt dazu bes 
ſtimmt, die Natur Tirols, ſeine Merkwuͤrdigkei— 
ten und feine Gefchichte kennen zu lehren; diefe Be: 
fiimmung erfüllt er fehr gut, und das ift beffer, als 
wenn er, mie die meilten andern Almanade thun, 
mit einem halben Dußend von Zwecken — cöquettirte 
und keinem einzigen Gnuͤge leiftete, Es emshält an 
Kupfern das Bildniß des Erjberjogs Johann und 
das des berühmten Tiroler Gelchrien Taͤrtarotti, 
zwei Ecenen aus der Geſchichte und zwei romantis 
ſche Gegenden Tirols, und die Abbiltung eins 
merfwärdigen in den Tiroler Gebirgen gefundenen, 
dem Mithra gewibmeten Denfmals; zwei verfificicte, 
leider aber nicht poetifche Erzählungen, die Geſchichte 
des Bauernkriegs, der fich auch nach Tirol’ verbrei: 
tete, aus einer Chronik, — aber wohl den meijlen 
Lefern, der veralteten Eprache wegen, feine anziehende 
Unterhaltung; die Gefchichte der Herjoge von Dieran 


— oder — — 


und 


den 22. December. 


S er; 


— — — 


und dann mancherlei Nachrichten Über Vorarlberg 
u. ſ. w. 


Helvetiſcher Almanach für das Fahr 1805. Zr 
rich, bei Orell, Füepli und Comp, 


Hat eben fo viel lobenswerthe Einfachheit des 
Zweckes, aber einen allzu ärmlichen Inhalt. Die 
weniger als mittelmäßigen Kupferchen ſtellen Schweis 
zer: Öegenden, Häufer und Trachten dar. (Wozu 
vorzüglich dieſe letzten in einem Helvetiſchen Alma 
nache? Die Schweizer ſelbſt kann das nicht intereffi- 
ren, Mir ſcheint die Kleinigfeit anmerfenswerth, 
als ein Beweis, daß man in Helvetien noch immer 
nicht aufhört vorzüglich darauf zu rechnen, was 
Fremde anziehen kann, — und diefe Anficht, diefe 
Gewohnheit immer nur auf das Ausland hinzu: 
blicken und binzubören, iſt eins der Kauptübek, 
durch welche Mationalität und. Patriotismug unter: 
graben werden.) — Der Wortinhalt befteht 1) aus 
einer geographifch = ſtatiſtiſchen Darftellung (Be: 
fohreibung) der Kantone Urj und Unterwalden, 
wozu eine forgfältig gearbeitere Karte gehört; — 
2) der Helvetifchen Chronik vom Januar bis Okt. 
1803 und 3) einer Eurgen leberficht, mas im Jahr 
1504 in der Schweiz für Literatur und Kunft geſchah. 


Almanach des Dames, pour lan. XIII. 
(1805.) A. Tubingue, ches Cotta, (à Pa- 
ris, ches Henrichs, ) 


— 40 — 


sapho. Almanach pour l’Annee 1805. 
A Amsterdam, ches Hesse. - 

Die Franzöfifchen Taſchenbuͤcher entfliehen auf 
eine andre Weife ale die Deutfhen. Die Heraus: 
geber bemühen ſich nicht fehr eifrig um Vitarbeiter 
und Veiträge: aber fie ſammeln aus Altern und neu⸗ 
ern Zeitfchriften kurze intereffante Auffüge und Gere 
Dichte, die, allgemein gefielen, und — leiften fo ihren 
Lefern ohne Zweifel einen beffern Dienft, als wenn 
fie ganz neue Sachen, deren Werth und Gluͤck noch 
problematifch if, zufammen trommelten. Ein Paar 
gute ungedruckte Sachen von entfehiedenem Werth, 
reihen dann bin, der Sammlung auch den Yieij 
der Meubeit zu geben. Dieſes Verfahren verdiente 
in Deutfchland nachgeahmt zu werden, Unfre ſchoͤue 
Literatur ift alt und reich genug um fehr interejfante 
Eammlungen zu geftaiten, wenn mon — mit Ge— 
ſchmack wählte, und nicht zu den alten Minnefäns 


gern, oder Eohenflein und Hofmannsmwaldau u. ſ.w. 


griffe, fondern mit den beiten Zeitſchriften von ber 
Mitte des vorigen Jahrhunderts anfınge, 

Das erſte der benannten Franz. Taſchenbuͤcher 
ift von einem Manne von Geift und Geſchmack ars: 
fammelt, und enthält ein fehr mannigfaches Gemiſch 
größtentheils intereffanter Gedichte, und proſaiſcher 
Auffäpe, Die intereffanteften unter den legtern find 

. eine Fleine Abhandlung über Madame Deshoulie- 
res und eine furze Biographie der Die d’Espinasse, 


der Geliebten d'Alemberts. Die Kupfer find Kopien 


berähmter Gemälde, aber in dieſem Jahr nicht fehr 
gluͤclich auegefallen. Die Titel: Bignerte — Amor 
reicht Wochen, die auf einem Gewoͤlt Eniet, Nektar 
und Ambrofia, — nehme ih aus: fie ift fehr ſchoͤn. 

Das zweite hat zum Titelfupfer das Wildniß 
der Madame Necamier, das auch in einigen Deuts 


ſchen Zeitfehriften copirt erſchien, und ift übrigens — - 


eine Sammlung wie das vorige, nur mit weniger 
Geſchmack angeftellt, Meiner und ohne Eleganz ger 
drudt, T. 


Das Zaubergewand. 


Eben Int? aus aold'nen Merreimelten 

Naſch fein Stralen⸗ ſchaumendes Geſpaun 
Vhobus, um den Erdtreis auf au beten, 

Und die Dammerung der Madıt serrann: 
td der Stadt am Jithmus von den Spitzen 
Irer Königeburg die Fageln biigen, 

Bon des jungen Tages beiterm Blick 

Ahnet niemand mahes Mißgeſchict. 


Alles unter frendigem Gedränge 
Echickt ſich hier zur Königs Hodgeit am, 
Und Frohlocten raſet durch die Menge, 
Ehe noch dus Tertaelag begann. 
Schon hört man in weit gewolbten Hallen 
Dis Pallaſtes, Wedireibdre ichalten, 





*, Der Water ber Kröufa, 


Eich! da tritt, begrüßt vom frohen Pant, 
Selbſt Kreuſa ein, Jaſons Traut, 
"ie der Wogen Flut im Abendlande, 
Henn jum Meer der Sonnengott fich fentt, 
Glüht der Faltenwurf am Brautaewande, 
Das Medecns Aral ihr gidıchfk, 
Echt: wie fie den Nacken ſtotz erhebet, 
Wie die Fun ihr Innerſtes dure bebet, 
Triumohireud wirt Ne einen Vd 
In des Gplegels Stibertreis zuruck. 


Deun fie eilet in Jaſon⸗ Armen, 
Der von Keuiglichen Ahnen Anmmez 
un Jafons Yrun wird fie eriwarmen, 

Der, von ediem Thatendurſt entflammt, 
Durb ber Enmwickaden jcharje Klippen 
Eteuerte dor Argo Auctenrmpen 

Hiu sum Land, wo des Vartarın Macht 

Abentheuerlich ein Wlien dewacht ; 


Der nicht ſcheute ſchreckliche Gerichte 

Bon dem Draden, er am Wiek fich bläßt, 
Dinibig eindrang auf das Eriergeslichte, 

Das mir Flammenzungen um ſich maht; 
Einer von den Blitzen ihres Schlundes 
Todtete die Helden Ines Bundes 

Au auf einmal, dech Inſons Mırth 

Lacht des Schnaubens, ſpottet ihrer Wuth. 


Dann, geſchert durch Medeens Milde, 
Hat er fie dem Diamant'nen Plug 
Ungeiocht, dutchactert Dis Meride 
Das Die Saat behelmter Krisger trug, — 
— Sagt mas ift ed? Jumer, immer ſchwacher 
Wird der Ehöre Laut, Durd die Bennicher 
Wandelt Schreden und cin jammernd Ad 
Ruft durch hundert Kammern Eſch o nach. 


Rings des Todes ſchrecktiche Geſtatten 
Wo invor der Chore Hymena'n 

Durch betranzte Matmorpiorten hallten, 
Seußen Klaggehtul und Augſtgeſtöhn: 

Seht die Diener, die ihr Haar jerranien, 

Die versweirelnd burbeinander laufen ! 
KArcon auigeſchreckt vom Jammerfrel , 
Eilt vom Hodjeitopier jelbit herbei, 


‚Uuh! Die junge Braut liegt auf der (Erde, 

Ihr Gebein durchiuctt ein Todeitrampf, 
und mit furchtbar ⸗ wuthender Geberde 

Haucht fie amd dem Munde gift'gen Dampf. 
Wo beimnit fon Haare lodig Antterm, 
Ziſchen Sauberdammen gieib den Nattern, 

Bangen, wo das Roſenroth gebküht, 

ind ;u Abe ſchrecklich ausgegluttt. 


Saum', o Alter, nicht, jetzt au entrinnen, 
Eh and dich Mebeens Rab’ umftrickt, 
Eh des Wahnfinnd Flammen dich umfpinnen, 
Ja den Adern dir Verveſtung zückt! 
Eofi dein Hans zu einem Grafe werden? 
uch! werierrt von angflliden Geberden, 
Wit er ihren Armen fi entziehn, 
Doch entgeißtert first er mit ihr bin, — 


— Bild ruft num Medea: In dem Reiche, 
Wo das Dunkel fi mit bangem Graun 
Surdtbar gatter, wo ſich wechſelnd bleiche 
Schatten ihren Kummer anpertraun 
Und um Heulen des Kotytos wimmern, 
Wo der Erinnoen Fackein fhimmern, 
Wo allmächtig Hetate regiert, 
Werde jept als Braut fie beimaeführt! 








— 499 — 


Doc Yüfon hühte feine fündte 

Untrem durch Krinjens Tod mod nicht 
— Are a zu hohen im die ode 

Lebenswire wagt Der Voſcwicht! — 

Wie ihr Kinder, die ich ihm erzeugte, 

Un der Brut mit Mutterliebe ſaugte, 
Eontet heiind am der Brite firbn 
und mie it Burcb’s ſchwache Alter sehn? — 


Wein! dem Frevet mag ein zweiter gleichen, 
Euer Nitermutter if verbrannt, 

Fun io faht auch ihr von meinen Etreichem, 
Eterbet von der eignen Mutter Hand! 

Kinder, in dem leyten Tebedtrampien 

Bolt ihr meine Wurh mit dacheln bimpfen? 
Sporicht's — und mas fie laͤngſt bedacht, 
Auch das Echrechlidke wird nan vollbradt, — 


Spottet alcht der alten Ohriechen Gast, 

Eterbliche! bedente, Das Mebermand 
Wagt die Gottheit mit gerechter Wage, 

Die noch wie den Greweluden vergaß. —⸗ 
Treibt den Mann die Leidenſchaft sum Böfen, 
Kann er wohl bie alten ande ldien, 

Ja er kann mit frevelndem Vertraum 

Dr Gewalt fein elgnes lud ſich bau'nz 


Doch die Macht fehlt ihm es iu beſchũnen, 
Sich ıu fichern in des Hauſes Pracht 
Bor des Schictſals attzewiiten Vligen 
In der fommienden Gewitternacht. — 
Steia, Medea, auf den Drachenwagen, 
Ldan dich durch Die weiten Lüte tragen: 
Doch enttehn di mie der ſhwarzen Schaar 
Mir den Zackeln und dem Schlaugenhaar! 


Dresden, 
Leugang. 


Betrachtung. *) 


Einige unferer jegtlebenden erſten Dichter find fo 
erhaben groß, daß fie gar feinen Sinn mehr für 
das Wirflihe und wirklich Große im Menfchen zu 
haben ſcheinen. Durch ihre fehmülftig = ſophiſtiſchen 
Theorien, in melden fie uns nun fchon ihre bloß 
aus dem Reich der Pbantafie zufammengefekten 
Darftellungen, als die einzigen, mahrbaft: dichte: 
rifchen aufftellen, bemweifen fie uns fogar logifch, daß 
fie gar feine Achtung mehr für die wirfliche, pelitifche 
Größe des Menſchen haben. Diefe Theorien ſchei— 
nen, wie die Werke diefer Dichter, den Genuß, das 
Heil und Gluͤck, die einzige Möglichkeit recht zu 
eiftiren, allein in ein myſtiſches, phantaſtiſches, ges 
heimnißvolles, dunkles Gefühl zu feken, vor dem 
der Verſtand zum Marren oder Sklaven merden, 
oder doch menigfiens anerfennen foll, er fei das 
Läftigfte und Plagendfte mas dem Menſchen gegeben 
worden. Man möchte fagen, diefe Dichter ftrebten 
vorſetzlich darnach, dem Menſchen die wahre Anficht 
der Dinge und bes Lebens recht zum Efel zu machen, 
für immer die Kraft in ihm zu erfliden, womit er 


— — — 





*) Ad dem dritten mod ungedruckten Bande der: Gebans 
ten und Betrachtungen ıc. (von Klinger, ) 


feinen pelitifhen Zuſtand rrfennen, veredlen und 
das dieſem Miderftrebende befümpfen kann. “Der 
Geiſt Jakob Boͤhms, und die Geiſter der Verfaffer 
der Legenden ragen aus den duͤſtern Darſtellungen 
einiger diefer großen Dichter, fo hervor, das man 
gejwurgen ift zu denfen, fie hlelten die Verfinfte: 
rung des Verſtandes und den ihr werbrüderten 
Defpotiemus, für die moralifche Seligkeit des Mens 
fen und die wahren Quellen der dichterifchen Be: 
geifterung. So möchte dann wohl ein gewilfer paras 
dorer Kopf recht haben, wenn er fagt: der Defpos 
tismus, die Unterwerfung unter dunfle, alle Geiſtes⸗ 
fraft jermolmende Gewalten, die nur der Einbik 
durgefraft Thätigfeit verftatten, und nur den Ger 
nuß erträumter Groͤße erlauben, feyen die wahren 
Schoͤpfer der Dichtkunſt. Aber find wir Deutſche 
in diefer Lage? Und find wir es gar nicht werth, 
daß man auf unfre moralifhe Kraft, auf unfern 
poliriften Charakter beftimme binarbeite? Iſt gar 
feine Hoffnung da, daß diefer fih auch jekt auf un: 
ferm Boden Eräftiger entwidle, da er doch auf eben 
dieſem Boden, in dem rohen Zuſtande unfrer Dors 
fahren da mar? Und find Gefpenfier von Edidjal, 
Aufall, Mofticiemus, Aberglauben und Drafel, nebft 
allen den feheußlihen Echredlarven, durch die man 
jetzt das Erbabene und Kührende hervor zu zaubern 
fucht, der Zeit gemäß, in der wir leben? Eind fie 
wirklich der einzige Stoff der Dichtkunſt? Oder iſt 
das Menſchenweſen Überhaupt einer Art von Auflös 
fung nah, daß unfere Dichter wie finftre Wahrſager, 
unfer Elend im voraus beheulen, und uns auf das 
nabe, gewaltige Zermalmen des Echidfals vorbereis 
ten? Der Fragen ließen fich noch viele thun; aber 
entweder find unfre Dichter des Publifums nicht 
werth, oder das Publikum iſt ihrer nicht werth ; wie 
es fey, ich bin überzeugt, daß wenn Sophokles heute 
eribiene, er würde in dem Geift und Weſen der 
Menfhen dichten, die jetzo leben; denn fo erhaben 
auch feine Dichtungen find, fo feft und fräftig find 
fie au auf den Geift und das Weſen ter Menſchen 
feiner Zeit gegründet, — Sollte bier, bey einer feurls 
gen Einbildungstraft, nicht Mervenichmäche zum 
Grunde liegen? Wer für das wirkliche Leben feine 
Kraft fühlt oder davor erfchridt, der träumt ſich 
jum Heiden in dem Lande der Phantafie, um doch 
auch eine Rolle, und zwar ohne Gefahr zu fpielen. 
Und damit auch mir ihn für einen Helden halten 
mögen, fucht er uns die Wirklichkeit erbärmlich zu 
machen. Haben die uns unbekannten Dichter zu 
Piatos Zeiten fo gedichtet, fo finde ich wahrlich bie 
Derbannung derfeiben aus feiner Kepublif eben fo 
meiie, als dem gemeinen Weſen nuͤhlich. 


— 5 oo — 


Nicht politiſche Zeitung. Nro. 112. 


Aus Mannheim. 
Die Jeſuiten ⸗- ober. große Hoftirche in Mannheim 


in nun zur kathotſchen Stadtofarrkirche beitimmt, mnd cam 
a2flen Nodember dieſes Jahres, als an dem Beräbinihtage 
der Obchurtsfeier des Kurfirden, von den Pfartern und Kapldr 
nen ber Stadt, zum erfienmale in berfeiben feierlicher Hottem 
mit gehalten worden. Tiries ſcheuswerthe und prachtvote 
Gevaude verdient als rine der ſchonſten mund ſreundlichnen Sir 
den Deutſchlands aus zeſeichnet zu werden, Die Jeſuiten waren 
derſelden Erbauer. In dem Jahr 1733, den 12ten Wei wurde 
der Grunbitein zu dieſem berrlichen Tempel gelegt, 1756 dem 7ten 
Movamber ward es vellendet, und am ıSten Wondeme nats 
1760 ven Heil. Jymarius von Lomola und dem Heil. Gramstus 
Raverius gimweibet. Kurfurlt Karı Dhllivp überfieh dem Bäterng 
der Geſeltſchaft Jeſu den Rheſnnoll und Rheinbrüdens Ertrag 
fo fange, bis diefe Kirche völlig erbauer ſeyn würde. Die Flur 
gen Vater bauten mum aber fo langiam, daß Kurfürd Karl 
Theodor dadurch genothigt ward, denenſelben endlich eine ber 
ſtinmte Zeit ferksufegen, zu weiber die Kine vollendet ſeyn 
mußte. Echnell eilte nun dieſes ichöne Wert feiner Vollendung 
enrgegen. Der Rau ſoll 690000 Gulden gekoftet heben. Die 
Kırde iM 125 Schritte, oder 250 Geub lang und So Schritte, 
oder 100 Schuh breit, moren das Langhaus eime Lange von 
200 Schuhen und eine Höhe von 108 Eduben bat, Der 
hohe Altar il orachtvoll mir Statuen von weitem carariſchen 
Pharmor, melde die Heil. Janatius und Franz. Xaver borikes 
fen, und mit @aufen von Marmor, Achat und Vorshtr ger 
nert. Auf scher Seite der Kirdıe beiimden ſich Drei Nebenaltart 
mie fdönen Statuen und Gemalden verichen. Die Wande (ind 
am untern Theile, fo wie die meinten Saulen derſelben, von 
Wurmor, und das Deckenſtuck IM iche gur al frasco gemalt, 
umd me die Bebehrung Per Inbianer durch den Heil. Kaver, 
und deſſen verzichtete Wunder bar. Reben der Haupisbäre 
halten au beiden Seitten Engel das Weihwaſſerl eden, in a 
Opftalt einer Niefenmaidel, aus ſcawarzem Akarmor, rl 


aus einem Stucke, Das drei Fun im der Lange und 25 Bub 


um der Breite bat, veriersigen ul, und sie fehr torlbar gehal ⸗ 
ven wird, Dicſer Werhteſel, die Statuen vom Alabaſer id 
Diarmor, find von der Kuufierband des Herrn von Verſchaßeit, 
die Gemalde aber grogteutheuus von Krabe gearbeitett. Eins 
fihr ſchöne Kuppel und eine -aute Orgel alerem ditſe Kirche. 
Es gehort zu dem biefigen VBoltsmährben, dah im der Kumpel 
en Goldduck an einem ſeidenen Stricke aufsrbänge werten, 
welches von dem sum Bam dieſer Kirche beſtimmtin Beide; 
wo übrig geblieben ſey. Drei Thurme, mwormmen „db das 
ſonne Gelaute in der Stadt befindet, ragen über Mefen Tem: 
pel hervor, und find mir Gewitrer « Abfeiterm verichen. Nach 
Au⸗bedung tes Jemiten : Ordens wurde dieſe im neueſten Stile 
erbaute Kırde, jur großen Hofpfarrtirche erhoben, und madher 
der Gottesdienst im derfriben von den Vortcbern und Lehrern 
dr funf lateiniſchen Schulen verjehen; jetzt aber il er der 
Butheliichen Etadigemeine ald ihre Dirrrlirce eimgerammt, 

Es ih betanat, das umire Etadt chemals mit hoben und 
Ereiten Geflungswallen, und tiefen Gräben umgeben war, und 
feıne eigentliche Etadimauern hatte. Dieſer Wal war min 
23 Bouwerten oder Bafionen werwahrt, umd auf dem Walle 
vngeumler Prangte eine fdone Mile von Lendenbaumen und 
Rostoflanten. Kurſürtt Johann Wilhelm ieh die Feſtung nad 
des. berilimten Ingenieur Cohorms Angabe anliegen. ir baıte 
sur Brucken⸗Schamzen, und die Werke waren aröktentheils 
von gehaumen @rteinen, In dem digten frantijchen Mevolur 
rtonstriege wurden fammtliche Werfte, Baſtionen, Echamen um» 
Watte demelirt z und nicht mr die hieſigen Einwohner, fon 
dern auch viele Wewohner des umliegenden Landes mußten, 
bold auf Bericht der Kaiſerlichen, bald auf Veranftaltung ber 
Fennpofichen Trappen, am Diefer Demolisung arbeite, Das 
Diausrwert wurde anfänglich, von den Kubferlichen und nachher 


don dem Framdſiſchen Ingenirurs geſprengt. Madh Sem feier 
benejdlufe entwarf der geſchickte Bere Direftor und Oberhof 
gartner Skeel ju Ehweiingen, auf höchnen Befcht einen ichr 
(onen Plaw, wie dieſe demolirte Sefimgswerke au uüglichen 
nad angenehmen Garten verwendet, und dadurch die Stadt umd 
Brgend ausmehnend verſchönert werben könne; md fcbon dit 
man feit geraumer Zeit mit der Ausſuhrung deſſelben beichan 
Hat. Der ebeimüfhige neue Regent der Pfaligraſſchant moies 
mibt nur jur aiajlichen Sdletſung der Feftungsiwerte und Mcı 
fung der ſcagdlichen Feſtunasgraven, dondern auch iur Malt: 
sung nuplider und fruchtbare Gärten mm die Stadt, bie ber 
fradilidıe, Summe von 90,090, Gulden, aus bödhd eigenen 
Mirtein buldreieit au. Die Urbarmabung diefer ohngetahr 
320 Mergen Feldes, awerimäßhige Beıtung der Gräben, Uunfes 
sung eines Dammes rings um die Stadt, gegen Waſſeregefah 
ren, und ylanmdige Veribönmung der Stadt if beifäufig auf 
300,000 Gulden Stoften beredhmet ; der Werth des gu verankern 
den Landes aber anf deren Halſte. Um die noch Klein fehr 
lende 60,020 f. nach und nach aufubringen, wurde verorbmit: 
daf von dem Mrennhohe, Holtohlen umd Sieferreiien, weide 
im die Stadt gebracht werden, ledesmal von dem Käufer eine 
beſtimmte Abgabe folite emtrichtet werben, weldıe ohngefahr eine 
jäbrlihe Gamme von 6 bis 7000 fi betragen durfte. don 
feit einiger Zeit wirb aun am der Musjuhrung dieſes vortreff⸗ 
Ken Vlanes thatig gearbeiter. Schon if bereits ein betracht⸗ 
Uber Theit des geuen Dammes um die Stadt veriertigt, große 
Strecken des pormals ſtinkenden Etadtgrabens jugeweiiin, ein 
Zocil des aufgemauerten Stadrdammes erbaut umd eine, beirächtr 
Hide Strecke Laudes in ſchonet Gartenanlagen verwandelt wor 
den. Eine Menge arıner Geute werden Dadurch du Nahrung 
Bert und müplih Deminftizer, und bie Vewohner Mannheims 
Veben frob dem Fortgange umd der Vollendung einzs Wertet 
enrgzgen, welches für die Stadt bödfi wohlikätig fm wird, 
gi Wabrheit- konate Daber des Heurn Ötiatsmimkers Heeir 
ca von Edetehrum Erceilen; in Der Nede vom Throne het 
der Hutbiguması Teierkictäit, iehe für- Manntrcims Bewohner 
fo erirculiche Worte Torben: „die vetiſtandige Temofirung der 
eg bie Anvflanzung ofenttidre Garten werden mit 
widiehung einer betrachtlachen Eumme eifrig berrieben, Das 
dur wird Manubeim in wenig Jahren eine geiundere Bmff 
mit dem Angenelmfben Mufentonire ir Sintzeimiſche um» mob 
batınde Fremde, veremigen.“ Tiere Woblthat in für Mann 
h.im altıreinas von ber amncrfien Widtigteit, denn Piel find 
Der Uchel, weldie dadurch geheben, und manderisi die Bor 
ihr, melde der Stadt hierdurch zu Theiul werden: Pnit, 
Lafer, Evctien uud alles was jur Ocfendücht der Einwohner 
dirmt, wird bierburd werben. Man har Dre Bemerkung ger 
mitt, dab seit zener Demotirung Des Malle die Mortalitat im 
der Stadt ſich ſehr vermindert har und nun, mas im wor 
Jahzren nicht der Kafı war, Die Anzahl der Gebornen die ber 
Berfrorbenen jahrtich wert überfkeist, ’ 


Aus Franzdfifhen Blättern. 


aman vor dem gelben Fieber auch in Deutſchland hier und 
„ders amaüitiche Preforgmik bat, fo indie Folgende Bercchnung 
den Leiera und verüglih den Poferinnen des Foeimmerkim 
west emterefan form. Es arciit in der Megef mur Uente bar 
Narter Tonfitwtion an, und iſt deko gerahtlicher, ie ſtarker der 
Aorver iſt, den es engere. Vom 100 Soldaten, Matrei 
“ad Haudwertern ſtarben zu Gadir 35, von 100 Personen der 
hohera Gtände, 15; von 100 Fruueniimmern Mur 2, und 
alte Frauen waren fat vor alien Anfall fiber, \ 


Aus Englifhen Blättern. 


Soeruaa hat cin nenet Singſoiet fir ſein Theater 

ai Baba, ober die vierzia Rauber; die Fabel ik aus den Arm 
büden Malachen entiehmt, «Cine reiche Fund irube für Open, 
die auh von Deutſchen Dichtern beaupt Werden jelite. ) 


— — nn * 


1804. 





Nro. 256. 


Der Treimüthise 


Montag, 


ben 24. December, 


Sſcherz. 





Ernſt und 


Amſterdam, den 10. Dec. 1804. 


Briefe über das Holländifche Theater und 
die dramatifche Literatur in Holland. 


Erfter Brief 


as Holländifche Theater hat feit der Erfcheinung 
der bewunderneiwärdigen Wattier einen Schwung 
erhalten, der ihm mit deſto fichrerm Recht einen 
Ehrenplag unter den größern Theatern Curopens ers 
werben muß, da Hollands befie Dichter fich jeit vie: 
len Jahren mit großem Cifer dem dramatiſchen Fache 
gewidmet, und beionders für die Amfterdammer 
Schaubuͤhne fowohl durd Driginale, als durd gut 
gerathene Ueberjeßungen gearbeitet haben, 

Erlauben Sie mir, Ihnen, ehe ih zum Theater 
felbft uͤbergehe, einige hiſtoriſche und Fritifche Bewer: 
tungen über die dramatifche Literatur in Holland 
mitzutheilen. Es ift eine allerdings michtige und 
wahre Bemerkung, daß die Holländer, wiewohl fie 
gegenwärtig im tramatifgen Fach weit hinter den 
Deutfhen zurüditehen, dennech in fruͤhern Zeiten, 
da die dramatiihe Muſe Deurfchlands noch in der 
Wiege lag, die Mufler waren, nad welchen die Deut: 
fhen Schauſpieler und Ecaufpieldichter ſich bilde: 
ten; — eine Bemerkung, die um fo viel meniger 
ung wundern muß, da wir Deutſche im Fache ber 
ſchoͤnen Wiſſenſchaften uns Überhaupt erft feit einem 
halben Jahrhundert ane Licht zu treten gewagt ha: 
ben, Eine Truppe Hollaͤndiſcher Komddianten, welche 


in Deutſchland herumgog, brachte zuerft im Anfang 
des XVII. Jahrhunderts einige Regelmaͤßigkeit im 
das Deutſche Drama: aber auch, leider! jenen ge 
f&madiofen abfcpeulihen Hang zu den fchändlichften 
Gewalt: uhd Word: Scenen, die alles übertrafen, 


was die Einbildungskraft Echredliches und Ekelhaftes 


ſich denken kann. Die erften Itiederländifhen Dice 
ter lieferten fo manche tragifomifhe Stuͤcke, in wel: 


‚hen die ſchaudervollſten Scenen mit den gemeinften 


und lächerlichften Hanswurſtiaden abwechſelten, mo 


‚Helden und Harlefine, Nonnen und Zechbrüder, Phi: 


Iofopben und Darren aufs wunderbarſte durcheinan: 
der verwebt wurden. Meben biefen Echauerftüden 
paradirten zugleich bibtifche, biftorifche, und Sitten⸗ 
gemälde, geiftliche Monodramen und Duodramen auf 
die Ärgerlichtte Weife in langweiligen Keimen vers 
faßt. Schon im XIV. Jahrhundert fingen die Hok 
länder an, ſich durch ihre fogenannten Epreefers 
oder Kamerfpeelers, die einzigen Redner der 
damaligeh ‘Zeit, zum dramatifhen Fade vorzubereis 
ten. Diefe reif’ten allein, oder zwei zufammen, an 
den Höfen der Fürften umher, defiamirten erdichtete 
oder wahre Geſchichten, und begleiteten ihre Stimme 
mit allerhand Gebärden, Unter diefen wird befons 
ders Willem van Hillegardsberg genannt. Im XV. 
Jahrhundert erjchienen die Redenrykers oder Rheto— 
rykers, die fi durch ihre Gedichte und Schauſpiele 
allgemein berühmt machten, und befondere Geſell⸗ 
ſchaften bildeten, die man Redenrylkamers, Rheto— 
ryt:Famers nannte, So fannte man ſchon im Jahr 


_- a — 


1430 die Rhetoryk⸗ famer zu Midbeiburg in Zerland, 
(het bloempje van Jesse) deren Mitglieder auch 
Eproof:fpreefers (rhetores proverbiorum) genannt 
wurden. Auf diefe folgten die Ahetorgk: famers von 
Dlaardingen, von Mieumfert und von Gouda (in 
den Jahren 1433 bis 1447.) So wurde ſchen im 
Jahr 1401 die Auferftehung Ehrifti in Gegenwart 
des Herzogs Albrecht von Baiern geirielt, und im 
Jahr 1418 wurden allerlei bibliſche Sefcbichten, 5. ®, 
Herodes und feine Thaten, in ber Demkirche zu 
Utrecht vorflell, Unter den moralifchen Gemälden 
kommen z. E. vor: „hed schaakspel gemernliseerd‘* 
— „de Nlorslisatien in de destructie war Troye 
u. f. m. Im Jahr 1452 ward ein Zinnespel van 
de Maegd Maria vor dem Rathhauſe zu Arnheim 
vorgeftellt. Das aͤlteſte Stuͤck, das man hat auffin⸗ 
den fünnen fühtt den fonderbaren Titel: 

„Meyspel amoureus, daar Pluto Proserpina 

ontscaect. 
(Derliebtes Maifpiel, worin Pluto Proſerpina 
entführt. 

Philipp der Schöne ſelbſt ſchaͤmte fich nicht, 
Mitglied der Ahetorgk : famer von Brüffel (het boek) 
gu werden, Ja noch mehr! Er errichtete zu Me: 
cheln eine „souvereyne Kamer“ für bie Rhetorvker, 
und machte feinen eigenen Kaplan Pieter Aelturs 
zum Haupt (souvereyne Prince der Kamer), ek 
turs verfeßte In der Folge diefe Kammer nad Gent, 
und Marimilian J. und Earl V. bejtätigten feine 
€inridtungen. 

Aus allen Beſchreibungen dieſer erften Morftel: 
Bungen erhellt; daß im Anfang, bier wie überall, die 
Geiftlihen die erften Dichter und Schauſpieler was, 
ren. Um diefe bibliſchen Echaufpiele und Borftelluns 
gen noch mehr zum Gegenſtand des öffentlichen Der: 
gnügens zu machen, wurden fogenannte Battementen 
@uftfpiele), und Kluchten (Poffenfpiele), die man 
auch zotte- Kluiten nannte, bdenfeiben beigefügt. 
Der moralifhe Zweck diefer Vorftellungen ward ge 
wöhnlich durch einen Prolog oder Epilog näher ent; 
wickelt; und nicht allein die weltlihen Fuͤrſten, fon 
dern auch ſelbſt Erzbifchäfe und Paͤbſte beguͤnſtigten 
dieſelbe. Allein die ſittlichen Zwecke verloren jfich gar 
bald, und man erlaubte fich ſelbſt in diefer Stuͤden 
fo viele Bitterkeit, Anfpielungen und Zügellofigfeit, 
daß fie [hen im Jahr 1445 bier und da verboten 
wurden. Aber dieſe Sittenloſigkeit herrſchte doch 
noch lange fort, und das Volk ließ fich fein Vergnuͤ— 
gen nicht rauben; fo daß man menigftens in der 
Folge diefe Vorftellungen und die Schauſpieler ſelbſt 
an den meiflen Orten der Obrigkeit fuocıdiniren, 
und alle Stuͤcke erft durch diefelbe unterfuchen laſſen 


mußte. Bis gegen das XVIte Jahrhundert Kin 
waren es bie Seiftlichen, welche von diefen Spielen 
oder Borftellungen Mißbrauch madten, um ihre pos 
litiſchen oder Privat Zivede zu erreihen, und den 
AWeltlichen übel mitzuſpielen. Allein ſchon im Anfang 
bes XV !ten Jahrhunderts waren «8 im Gegentheile 
die Weltlichen, melde die Geiſtlichen auf alle nur 
mögliche Meife im ihren Dramen herabwuͤrdigten, 
und Geiftlichfeit und Religlon nur ju oft zum Ge: 
genftande ihres Gefpöttes machten. &o hatten zu 
Amfierdam einige Rhetorykers im Jahr 1533, obne 
Wiſſen der Megenten, eine Ramer errichtet, und ein 
Lufiipiel aufgeführt, in welchem fie die ſchlechte Les 
bensweife und Eitten der Geiſtlichkeit auf die aus 
gelaſſenſte Weiſe zur Schau ftellten. Allein die 
Etrafe folgte ihnen auf dem Fuße. Nicht allein 


wurden ihrer neume'verurtheil, nach Kom zu walls 


fahrten, fondern man machte auch sin Geſetz, wo: 


durch alle Battemente verboten wurden, welche nicht 


zuvor durch die Regenten der Etadt unterfucht und 
jugelajfen waren, Ein gleiches geſchah zu Wosmeer 
und zu Zierifjee in Zeeland, und an verfchiedenen 
andern Plaͤtzen. Allein weder Gejeke noch Profla 
mationen, noh Strafen waren im Etande, bie faty: 
rifche Geiffel der Rhetorykers zuruͤckzuhalien und «6 
kam fo weit, daß im Jahr 1564 zu Harlem durch⸗ 
aus alle Epiele verboten wurden, die nicht durch den 
Biſchof oder feine Kommiffarien unterſucht und ges 
billige waren. Doch die Geiſtlichen „ergriffen ein 
noch viel fichereres Mittel, dem Schlmpf und der 
Schande, denen fie durch diefe Kamerfpelen ausge: 
feßt waren, fürs Fünftige vorzubeugen; und dies be 
fland darin, daß fie alle Mitglieder einer ſolchen Re 
denrpffamer, Schaufpieler und Echaufpieldichter, bei 
dem Volke in das gehäffigfte Licht zu flellen, und mit 
den ſchwaͤrzeſten Farben abzuſchildern bemüht waren; 
fo, daß von der Zeit an durch der Einfluß der Geiſt⸗ 
lichkeit die Schaufpieler auf lange Zeit hin Alle Achtung 
bei ihren Mitbärgern verloren, und ihnen eine (wahr⸗ 
lich nicht blos levis- notae) macula angehängt wurde, 
wevon fie fih niemals vollfommen reinigen konnten, 
und die felbft noch in unferm erleuchteten Zeitalter 
unverfennbare Epuren des Priefterhaffes zurüdgelaffen 
baten. Freilich trug, mie überall, fo auch bier die Le— 
beneiweife der Echaufpieler am meiften dazu bei, um 
die Derunglimpfungen der ganzen Klaffe, (welche alle: 
zeit unverdient find, und gerügt ju werden verdienen) 
wenigſtens bei dem größten Theil derſelben als ge⸗ 
gruͤndet anfchen zu muͤſſen. €. F. Yang: 9) 


(Die Fortſetzung folgt.) 


Anm. des Med. Der Verfaer if ein Bruder dei 





— 503 — 


Auszüge aus Briefen von Venedig 
und Rom. 
(Nicht vom Hu. v. Kotzebue.) 

Venedig, den 7. Sept. 1804. 
© fann nicht beſchreiben wie ſchon das Land if, 
Don Bozen an führt man in einem Weingarten. Die 
Märkte in ben Fleinften Orten find mit Obſt ange: 
füllt, befonders mie Trauben, Feigen und Pfirfichen. 
Vorgeftern mar ich in Vizenza und ſah für Einen 
Gulden mehr Merkwuͤrdiges, als zu Haufe in 25 
Jahren. Heute fuhr ih ı2 Etunden von Padua 
hieher, und ſah ein Landhaus am andern, und bar: 
unter gewiß 50, die manches fuͤrſtliche Luſtſchloß übers 
trafen, Dei dem ſchmutzigen Volke bier ift die Um: 
reinlichkeit und das Betteln zu Haufe, 

Denedig, den 12. Eept. 

Immer glaubte ih, das, was man fo häufig 
son der milden Italieniſchen Luft lieſt, von der fühl 
baren Veränderung, wenn man den Brenner herab⸗ 
kommt, ſey, mo nicht Autorlijenz, wenigftens Über: 
trieben; allein. meine eigene Erfahrung beftätigte 
mirs. Schon binter dem Paß in Füßen fonnten 
wir die Ueberroͤcke miffen, Thären und Fenſter wären 
die ganze Nacht offen, wenn uns die rotundi Culi- 
ces, die fhon ten Florus plagten, nicht zum Schlie⸗ 
fen nöthigten. 
uns, aber andere, Der Italleniſche Menfh bat Eh 
genthämlichfeiten, bie ihn, feiner Bettelhaftigkeit, 
feiner gaͤnzlichen Entfagung alles rechtlichen Anfehens 
ungeacptet, zu einem böcpftintereffanten Geſchoͤpfe 
für den Deutfchen machen. Schon in Welfd:Tgrot 
verfchwindet alles Gefchmier, und das Vernuͤrenbergte 
ſcheidet bei Roveredo. Dann fommen die großen 
Formen erescemdo bis Verona, felbft in kindlichen 
Gebäuden, die Falladio in Wizenza auf ihr Maxi- 
mum brachten. Hinter Roveredo find alle Ochien 
weiß, ſchoͤner geftaltet, gleichen den Opferftieren in den 
Basreliefs, und werden von allen Thieren beinah 
allein, fehonend behandelt; denn ich fah gewiß 10000 


Alles ift hier, nicht beffer, ats bet- 


Paare um Verona und Padua, und nicht eines abs - 


getrieben. Führen fie die Gabe des Bacchus, fo find’ 
fie auf antike Art befränzt. Was ich aber für eine 
conventionelle Lüge der Reiſen und Romanſchreiber 
halte, ift die von ihmen angegebene hohe Echönheit 
des Venetianiſchen Frauenzimmers, Lüge in Aäufige 
auf die niedern Claſſen. Im mittleren Etande fand 
ich Ausnahmen, allein dieſer iſt ſehr der mindere 


berühmten Evigrammen / Dieters. Eine gemiä ſehr milttemmme 
Nachricht: zu Dem 1805 haben wir eine Eimnilung der 
geiftreichen Gedichte des Letztern zu erwarten, Sie crichtint bei 
unser In Berlin, 


Theil. Dei den Schbnen hoͤhern Etandes, die nicht 
umberwandeln, nahmen Titian und Paul von Verona 
ihre Modelle. — Der Marfusplag ift die Encyklo: 
pädie aller möglichen- Genuͤſſe, aber dies hat er ein: 
sig für den Wann von &efühl, daß er zugleich bie 
ſchoͤnſten Naturfcenen, die der Eee mit den Jaſeln 
bei Sonn⸗ und Mondfcheine darbietet, genießen 


kann, 
Benebig, den 17. Sept. 

34 wohne im Scudo diFrancia, Die Nächte 
find fo warm, wie um Johannis bei uns, und bie 
Tage nicht beichwerlih „id, weil von der See im: 

“ner Luft Eommt, und in die Straßen, wo man ju 
Buße geben kann, wegen der Höhe und Enge der 
Käufer, kein Sonnenftrahl eindringt. Es wimmelt 
von Menſchen. Man zählt 100,000 Einwohner, Das 
Sedränge iſt um fo größer, weil die Handwerksleute 
vor dem Haufe auf der Straße arbeiten. Männer 
taufen ein, bieten fell. Auf den 2 langen Seiten 
des Warfusplages ift eine Boutique, ein Kafferhaus 
om andern. Da drängt fich alles bin in buntem Ges 
miſche? — Damen, Prieker, Eaiferliche Soldaten, Tuͤr⸗ 
ken, Bettler, u. fe w. Die Kirden, die marmornen 
Palläfte find voll der trefflichſten Kunftwerke, das 
Gefchrei der Verkaufenden if entſetzlich. Ueberall 
llegen Bettler in der elendefler und ſcheußlichſten Ges 
ſtalt umher. Unſere Bettler fehen gegen bie Italie— 
niſchen wie rechtliche Bürger aus. — Theuer iſt es 
wicht. Der Fremde wird zwar ſcharf geprellt, lebt 
aber dech-wohlfeiler, als bei uns, Van richtet mit 
6 Kreuzer mehr aus, als bei ung mit ı Il 

Imola, 7 &tunden jenfeits Bologna, Rimini ju, 
den 23, Sept. 1804. 

Em Veturino liefert uns Über Ancona und Los 
retto in 14 Tagen um 10 Careun per Kopf, ohne 
daß wir mehr für etwas forgen dürfen, nach Rom, 
Er bat nur 3 Maulthlere vorgefpannt, mit welden 
er des Tags 14 Etunden macht. Sie marſchiren 
unverdroffen, Ihre Gloden: und Rollen: Diufif ha⸗ 

‚ben wir in den Kauf. Welch ein milder Himmel! 
Eeit 20 Tagen fah ich feine Wolfe, Heute kamen 
mir in Volegna herrliche Kunſtwerke zu Gefichte, 


Unſere Vietualien, ſelbſt unſre Weintrauben, find bef 


fer, als hier, Reiß ausgenommen. Funfzig Stunden 
habe ih nun ſchon gemacht zwiſchen Pappelne, Ulmen⸗ 
und Moulbeerbaum; Alleen, wo die Weinſtoͤcke wie 
Ouirlanden von einem Baume jum andern reichen, 
und voller find, als bei uns die vollften Traubenge 
länder. Ein Eimer unferes Maaßzes koſtet nur 4 gl. 
— Mir fühlen es wohl, dab wir den Garten von 
Stalien, die Komoardie, verlafien haben. ‘Dem Flecke, 
wo mir find, merkt man die tauſendjaͤhrige Pfaffen 


— 504 — 


regierung wohl an. Zwar gehört er nun der Cieal. 
piniſchen Republik; allein von ihren Segnungen vers 


ſeht geblockk. Wie mag es uns erſt im Stato della 
zum esgehen? Sichẽt waren bisher die Straͤßen 


rs man noch nichts. Der Reiſende wird mut bt: Tage. 
isıren, Plombiren, Püyfe: Vorzeigen, Contraſigniren sc. C(Die Fortfegung folgt.) 





— —— 





Niht-politifhegertung Nro. 113. 


Aus Engliſchen Blättern, 


& 
da Amerika veriertigt man jept vortrefliches Drucvapier aus 
den Burzeln ber Maulbeerbaume. 

Era Ehtutter bat url das. Mittel erfunden, dem xupfer 

die Harte uud Farbe des Stahls zu ertheilen. Die enigiginges 
fegte Ernndung, Etſen ım Kupier au verwandeln, ware wohl 
Wiwtiger geweſen, da das Kupier bei weitem das theuerſte der 
beiden Vetaue iſt. 
—Ein Ebene, der im Dienſt der Engliſchen Kompasmie nach 
Enstand gelommen ıft, vertlagte turjlib eine aefallige Dirne, 
das ve hu beiichten babe. Das gab Veramlarung, bie Weiſe 
der Eidesleiſtung bes dem Übıncem kennen zu lernen. Etbuu, 
fo bieh ver Wann, Ineit cımen Napf auf ber nadıen pand, jagte 
Dem Spimericher, der ıbm Den Sid ubmalımı, eimige Worte 
nad, umd bnieiterte dann den Napı auf Den Boden. 

— Um dom Kanye am Schedemnumze ntgermaßen abzu⸗ 
helfen, Mes sont in Jaland gebamaaiicı, Dan Kramer und andre, 
Dis cum Gewerbe treiden ta wu vom es und Dres 
Pince ausneuen. ins von dieſen Leuten brachte man Furl 
eirım yrogen ounpa 00 Eweiden, Die er atsgicht harte, 
Er uhwer, te waren jenen unecht, arm einer ausgenom⸗ 
Min, ju Arien Ermromny er ſeine Sram zum MNasbbar ſcuckte, 
um jede Pente ‚vier Groſcuen etma,) zu borsen. 

— Em Atchaniter zu Birmingham har cıme Verbefferung 
ver Dampimadıne vorgerdlagen burd; werche jchr viel Breun ⸗ 
matertauen eripart_ werden konnen. Grat das Waſſer deden 
im. man, ſcatagt er vor, es auf gukend- erhaltene Metaut⸗ 
Eviihder oder Ylaftem Aurzen zu lagen, und es jo im Damme 
auimidien. Bugefehie Berinme nelen ehr gur aus. j 


24 


Aus Weimar. 


Gar Glefiger Eorreivondene it, im Nüchfihr der Muſengaben, 
wilde dir Srogfurſtin, unſerer allverchrien Erborime ſin darge⸗ 
brasır wurden, wicht zanz gerechte geweſen. Er har ein wahres, 
txefflid es Gedicht uberſehu, das im Namen ber Stadt Eijenach, 
der junge Tichter von jo ausgeztichnetem Taleut, von dem auch 
der Artimutligerswmeciien einen Beitrag erhalt, geſungen hatte. 
Zum Verche, dab es Die Ausztichnung und die Waraut, mit 
ver Wielaud es lobte verdient babe, in Paar Strophen daraus: 
Und ald entirrnt dem iheuren Winiterlande 
Ihe zarter Sinn in Wehmuth ſich verlor, 
Sanecbt am der Jime licderreibem Straude 
Der alte Schutzgent Thuringens empor: 
„Un ſaon're Zeiten inüpf ib Eure Vaude, 
„Zend mir geſegnet im der Guter Ebor! 
no jeiche Herzen liebend ſich geiuaden, 
„Breblient ich ein Finger Areis von beiden Etunden, 


Euch hat ein Wort zu hohem Poof erfahren, f 
„um Vorbild der Beglückung auseriehn ; 

Was Ihe erichant im ihmelen Flug der Horem, 
‚Was Ihe begründen, ewig wird es ſtehn. 

nDen Olanı des Hauſes jch’ ich mein geboren; 
Atin Wechiel wird dem alten Ruhm verwchn! 

Et ſttahlt hellleuchtend aus der Zeiten Urne, 

„And hebt ih deli auf goldenem Kochusme" 





Erde, Korean, u unterbaiten, 


Ein Kloftergeitlicher gu Wien Hat ein Naturafien + Cabtmet 


geyammeit, das im jeruer Art einzig und ſehr origimett at, nach 


fenem Tode aber wol ſchwerlich Kaufer, umd on ietzt wenig 
Beſchauer inden modie Es beiicht aus Ercrementen won 
allem m mad vielen ausliandiichen Vogelzattungen. Et bat 
bieres Tach der Naturgeſchichte fo tief Mudıcrt, Das er beim ers 
Ken Bist anterſchtiden kann, ob der Fund, der ala auf einem 
Zwige oder Eicine in Entzucken zetzt, vom einer Kon: oder 
Blaumäre it. Beſportelt man ſeine Wiſſenſchaft, wie sumertem 
geibeuen jol, jo Jawelt er umd chweigt. Nur einmal antwor⸗ 
tete er flog: Ars non dster Oswrem, Lila IEDOT ATEM. 
Seine Prebungsienteny id, Man ma die Große Gottes di 
der Natur udteren. — Mad tonnte das für eine Eatire auf 
die Moraliten anıchn. aber Das Fattum ut durchaus wahr. 
Das Gerüche dası ſich indes micht verburgen, daß er ſein 
Cabenet wolle in Kupfer fechen laſſen, und deshalb mit dem 
Berieger der Gedichte ım Grecourtſcher Manier, und dem des 
Riualdo Kınaldını, in Umterkandiung Hche. Soute das Wert 
su Stande tommen; jo werden, jagt mam, Vrobeabonide der 
erſten Zafein, der Zeitung fur die eleg. W. zu Neuſjcht beigelegt 
werden. 


Aus Dresden 


Une Theater : Direetiom bieter in dieſem Winter ales auf 
wm das Publikum durch anannigjaljsteit und, Meuhent 
Die Menber 
hat bier weniger Zchrwicrigkeiten ‚well eine bedeutende Dahl 
neuer Stucke von Schiller und Gothe aus mandıriet Urruchen, 
mom immer nicht gegeben werden founten, und ale der einbeß" 
milden Dresdner Welt völlig neu waren. So if in diciem 
Binıer von der Deuticen Dofibaniviehergerelfepart. mer Matia 
Stuart von Ehiher, zweinal, Macheth aach Schillers, Zum 
ad nach Berhe'd Bearbeitung, einmal gegeren worden. Das 
Beine, Air die Schauluſt des biefigen Publikumg ud der able 
reichen Äremden, die den. Winter bier jubeinaen, vi zu fteme 
Haus, jaht die herberiromenden Zuſchauer nicht, und at um 
ten mehr als Gumdert, zum großen Serjclad des chriidım Ges 
conda, abgeıpisien werden. Maria Stuart und Wiacherb erbielt 
allgemeinen Beifau, gerheilt war er bei Tamered. , Auffallend 
war es, dai bie Au⸗—ihrung Des letzten Stücks um wolle 1 


Tage veridhoben werben mußce weil yelbrt Die genbreiien Scaau⸗ 


fBisder verſicherten, es faut üben ungſaublich fdtwer, dies Emd 
nach Gebuhr auswendig zu leruen. Unter dem Kuvbrelen mach⸗ 
gen Reue und Erjag von Vegel, und das neue Drama vom 
Aotzebue die Stricknadein, Das gronte Gluck. Wie viel frohe 
and kraftige Lebensteime umfaht wicht das letzte Stuck, und 
was hatte ſich aus dieſen Gtof machen laſſen, wenn «6 dem 
Veriaſſer uberalt gehele, zu motiviren, mund wenn er es nicht 
beſonders ‚im legten Aete auf ſo Aucidende und greife Setua— 
tionen aulegte. Die letzten 14 Tage im Decccuber ih das 
Deut che amd Italienijche Theater bier aeichloſen. Diefe Zerien 
benugte die Kurinriiliche Kavelle iu immer außerorden tlichen Con⸗ 
certe im Gewandhauſe, amd Mad, Hartwig, die Prıma 
douna unjers Theaters, zu einer Derlamationg  Meabemie im 
Saale dis Hotels de Pologne, wo sie mir untergennischter Mu— 
ſit die Glocke von Schiller, mebt uigen Gedichten von Burger, 
GSothe und Matthiſon -Derlamirte, —F 


1804. 


Dienſtag, 





Nro. 257. 
Der Sreimüthige 
— oder —— den 25. December. 
und Scherz. 


eErnf 


Nu fi 
Etude pour le P. F, en'quarante-deux 
Exercices, calcul&s pour faciliter les pro- 
gres de ceux, qui se proposent d’etudier 
cet instrument à fond etc. par J. B. 
Cramer, 


E. reichhaltiges Wert — bei dem nichts zu wuͤn⸗ 
ſchen übrig bleibe, — als daß ihm einige Hauptres 
geln, die in unferen muſikaliſchen Lehrbuͤchern zu jers 
freut liegen, oder zu oberflächlich ausgebrüdt find, — 
vorangeſchickt feyn möchten, ehe man zu den prafti- 
fen Uebungen uͤbergeht. Der Berf, ſeht dieſe vor 
aus, und will nur bei den Portichritten, die man 
auf dem Clavier zu machen bat, huͤlfreiche Hand 
leiſten. Doß die Uebungen vom Xeichteren zum 
Schwerern fortgeben — braucht wohl, da das Werk 
omt iſt, — nicht erft gefagt zu werden. Auch ift die 
Ningerfegung bei fchwierigen Stellen bemerkt, 





h) Grande Sonate pour le P. F. com- 
; posée par C. H. Gabler. 


Warum das Wort „Grande bei einem Tlaviers 
FÜR, das eben nicht größer d. h. ausgedehnter iſt, 
als es gewöhnlich feyn fol? Do diefe Ruͤge betrijft 
nur den Titel, nicht das Werf ſelbſt. In diefem ift 
das Ernfte des Ausdrufs und der Darftielung, mit 
dem Lieblichen fo ſchoͤn gemiſcht, daß es niemand bei 
dem erſten Durchfpielen bewenden laffen wird, 


— — — 


Dan findet fein ſte fes ſchulgerechtes Fortſchrei— 
ten des Haupfjafes und der Modulation, eben’ fo 
wenig das noch widrigere füßliche Geſchwaͤtz, das in 
einigen neuern Tompofitionen berrfcht, fondern das 
wahre „ Dolce‘ bei echter Kraft. Es giebt uͤbrigens 
gute Eormponiften, die vorzüglich bei Sonaten Ruhm 
darin fuchen, kuͤnſtliche Schwierigkeiten zu Haufen; 
bier ſcheint gerade das Gegentheil zu feyn. Der Mer 
faffer ſucht, fich Leicht auszudräden, das if beffer, und 
es iſt ihm ziemlich gelungen. 


i) Deux Sonates pour le P. F. compo- 
sees par W. H. Riem. 


Don beinah gleihem Werth mit der vorigen, 
wlewohl in anderer Manier, Wenn es Dichter giebt, 
weiche die Keflerions: Poefie in Ausübung bringen, 
fo. gehört Hr. Riem zu den Reflegions: Componiften — 
aber zu den guten. Er ſcheint noch ein junger Wann 
‘ya feyn, aber ein braver Künftler im feinem Face 
Yu werden. — Das erſte Allegro in der erften 
Sonate ift befonders intereffant, 


k) Trois Sonate pour Je P. F. avec 
accompagnement d'un Violon, com- 
posees par J, Wolfl. 


Der Derfaffer ift dem muſikaliſchen Publikum 
ſchon vortheilhaft befannt. Auch Hier IM er feiner 
Kunft und feiner Manier treu geblieben. Unſtreitig 
würden diefe Sonaten noch gewonnen haben, wenn 
außer der Violine auch noch ein Violoncello zum 


— 506 — 


Accompagnement geſetzt wäre, In das Einjelne tin: 
zugeben, iſt gegen die Abſicht dieſer Blaͤtter. 


1) Jaͤgerlieder, componirt von C. Shuly 

Allen edlen Waidmaͤnnern ju empfehlen. Schon 
das grüne Gewand diefer Gefänge muß einladend 
für fie ſeyn, — noch mehr aber der einwohnente 
heitere Sinn, und das freie fchöne Leben, das aus 
ihnen ſpricht. Die Dichtung iſt meiftens aus dem 
beliebten Forft: und Jagd: Kalender des Hrn. von 
Wildungen entlehnt, und man findet alle bekannte, 
v. Münhaufen, Bunfen u. a. wieder, Ein Jaͤger⸗ 
Trinklled von Eramer woͤrde — fo artig iſt 8 — 
ganze Komane von ihm aufwiegen, wenn es nicht 
einige höchft gemeine Ausdrüde enthielte, — als da 
ind: 

— Dort ſchheft das Morgenroth herauf, 
und gleich darauf: 
„Erkt, feht! der Sonne kehrt ſchon dert 
Das Morgenrorb die Tabne!! 

Die Mufit ift gefällig, fangbar und volfsmäßig, 
alfo gut. Die Lieder find zwar für das Fertepiano 
gefeßt, (man Eann fie leicht für alle Anfrumente 
darnach einrichten) aber die Waldhorn: Begleitung 
iſt beigelegt. ö 
m) Anmweifung, bie Mandoline von felbf 

su erlernen, nebft einigen Hebung 
füden von Bortolajzt, — 

Die Mandoline (und zwar die Cremoneſiſche 
oder Brescianiſche mit 4 Saiten) iſt ein aͤußerſt 
ſanftes und zartes Inſtrument. Die Saiten dürfen 
aber nicht, wie es einige gelehrt haben, mit dem 
Finger der rechten Hand geſpielt, und eben ſo wenig 
mit einem Federftei deruͤhrt werden; fordern man 
bedient ſich am ſchicklichſten dazu eines kleinen Blaͤtt⸗ 
chens von Kirfhboumrinde, welches im Italieniſchen 
Patacca heißt, Die vorliegende Anweiſung, dieſes 
Inftrument von ſelbſt zu erlernen, gemdgt allen des 
nen, bie ſchon ein ähnliches (Kaute, Gultarre, auch 
Vloline) fpielen können, — indef auch andere wer 
den mit Beihuͤlfe eines Lehrers recht gut darnach 
fortfommen. Zuletzt folgen einige Uebungsftüde, die 
leicht und faßlich find. Am fihönften nimmt ſich die— 
fes Inſtrument aus, wenn es mit Öefang und einer 
Violine begleitet toird. Auch mit dem Elavier kanm 
man daju accompagniren. Y% 


Beitrag, zur Gefchichte der Aufklärung. 


In der Mitte des 17ten Jahrhunderts wuͤthete die 
Peſt auf den Spaniſchen Küften, und mard von 
dort nach Italien verpflanse, der Kirchenſtaat, und 
mehrere andere Gegenden biefes fchönen Landes wur⸗ 


den von ber Seuche ergriffen. (1656) Auch in der 
großen und wolfreihen Stadt Meapel zeigten ſich 
Epuren der Anftedung, und es haftet ein ſchwerer 
Verdacht auf den damaligen Epanifchen Unterkoͤnig 
von Meapel,- Don Garcias von Avellano und Haro, 
daß er, durch Nachlaͤßigkelt oder eine ſtrafbare Polis 
tie, das Ungluͤck Über die Stadt gebracht habe, 
Eden maren mehrere Einwohner derfelben eines 
verbächtigen Todes geftorben, dennoch wurden von 
Eeiten der Regierung Feine Anftalten wider die Ber: 
breitung der Krankheit getroffen, und bie zu einer 
Confultätion zufammenberufenen Aerite erklärten, 
entweder aus Unmiffenbeit, Furcht oder eigennüßigen 
Bemwegungsgränden: daß das Uebel nicht peflartig, 
fondern ein gemöhntiches faulichtes Fieber fen; mo: 
bei fie jedoch den Rath ertheilten, in allen &traßen 
Feuer anzuzuͤnden um die Luft zw reinigen, und 
den Derfauf gefaliener Fifche zu unterfagen. Indeß 
nahm die Kranfheit einen immer furchtbarern 
Eharafter an, und zeigte ſich bald in der drohend⸗ 
ften Geſtalt. Alle Hülfsmittel dagegen murden 
fruchtlos verfucht; men fie einmal ergriff, der war 
ohne Kettung verloren, und fon flarben die Kran: 
fen zu Hunderten des Tages, Die Etraßen boten 
nur Öegenftände der Trauer und des Schreckens 
dar, Ueberall begegnete man Leichenzuͤgen, oder dem 
Eoframente, welches zu den Cterbenden getragen 
ward. 

Furcht und Entſetzen bemächtigten- ſich der Ein: 


mohner Meapels. Sie ſahen fich Überall nad Ret— 


tung um, und fuchten endlich Hülfe, — nicht im Ge: 
biete der Mernunft, fondern in den fmflern Hbhlen 
des Aberglaubens. Bahlreiche Proseffionen von Mär 
nern, Weibern und Jungfrauen, in Bußgemandeh 
und aufgelöften Haaren, ziehen durch die Stadt, 
und fordern mit Gebet und Geſang, Gott und die 
Hefligen zur Rettung auf. Mon ohngefuͤhr erinnert 
fih ein fanatifcher Priefter am einen Ausſpruch der 
frommen Schweſter Urſula Bennicafa , einer Einfied: 
lerin, welche obnlängft im Geruche der Heiligkelt 
geftorben mar, und noch Fur) wer ihrem Tode gefagt 
batte: Mürde einft ein ſchweres Dranafal über 
Neapel tommen, fo wuͤrde man ihre Einfiedelei in 
ein Prachtgebäude umſchaffen. Diefe im halben 
Wahnwitz geſprochene Worte einer elenden Schwaͤr⸗ 
'merin, gelten jetzt für ein goͤttliches Orakel, Die 
Zeit der Drangfate iſt gefommen, und die Augen 
der verjmweifelnden Eitewohner Meapels find voll 
Hoffnung und frommen Bertrauen nach der Einfieder 
lei der heiligen Urfula, auf der Höhe des Martins 
berges über der Stadt, gerichtet. Es iſt ihnen ge: 


wiß: der Aufbau diefer ehrwürdigen Kuinen tft das 


— 607 — 


ſicherſte, iſt das unfehlbarſte Rettungsmittel in der 
allgemeinen Noth. 

Soglelch wird der Grundriß zu dem neuen 
wunderthaͤtigen Gebäude entworfen, und der unwuͤr⸗ 
dige Vicekönig felbft, träge mir eigenen Händen bie 
erften zwoͤlf Körbe voll Erde nach der Bauftelle, und 
befiegelt dadurch feine Schande auf immer, Die 
Bewohner der Stadt folgen den Ermahnungen ih: 
rer Priefter, und dem Weifpiele des Oberhaupts. 
Greife und Juͤnglinge, Handwerker und Ritter, 
Künftter und Kaufleute, Matronen und Yungfrauen 
firömen herbei, und bieren Geld und Kräfte dar. 
Die zur Aufnahme den Opfer aufgeftellten Gefäße 
find in kurzer Zeit mit Bold: Eilber: und Kupfer 
muͤnzen angefült. Willig giebt der Aermſte den letz⸗ 
ten Heller, und bie eitelfte Frau ihr liebfies Ges 
ſchmeide zur Errichtung des heiligen Gebäudes ber, 
Eben fo bereit ift Jeder zu den ſchwerſten Handbiens 
fien bei dem Bau. Die Vernehmften vom Adel und 
die reichiien Bürger belafften ihre Schultern mit 
Balken und Brettern, ſchleppen Zteine und Kalk 
berbei, und dienen den Maurern und Zimmerleuten 
als Handlanger. Bald fliegen die Mauern des Ge: 
bäudes zur Ehre der Schweſter Bennikafa empor: 
aber nie rächte ſich auch die beleidigte Vernunft fo 
ſchnell und fürchterlich, als bier. Das thörichte Mit: 
tel felbft, wovon dieſe verblendeten Dienfchen Het: 
tung erwarteten, vernichtete ihre Hoffnung auf eine 
fhaudervolie Art, und beſchleunigte ihr Verderben 
anftatt es abzumenden. Das Zufammenftirömen der 
Menſchenmenge bei den Prozeffionen und dem Baur, 
und die Anfrengung und heftige Erbigung bei der 
ſchweren und den Meiften ungewohnten Arbeit ver 
breiteten ſchneller der Seuche toͤdtliches Gift. Bor 
ber nur auf wenige Bezirke der großen Stadt eins 
gefchränft, ergriff fie jegt die meiften Quartiere ders 
felben. Nun erflärten auch die Aerzte das Uebel für 
eine wirkliche Peſt. Es wurden vernünftige und 
wecmaͤßige Anftalten dagegen getroffen, aber leider 
jegt zu fp&t und ohne Erfolg, Michts Fonnte mehr 
die Verheerungen der Krankheit hemmen. Taufende 
fforben an jedem Tage. Alle Kirchhöfe, alle Höhlen 
und die meitläuftigen Katafomben um bie Etadt 
wurden mit Leichen angefällt, Ueber das ganze 
Königreich verbreitete fih die Seuche. In wenigen 
Monaten wurden in der Hauptftadt allein 280000 
Menſchen ein Opfer ihrer Wuth. 

Anderrbalb Jahrhund erte find feit jener Bege— 
benheit verfloffen. Selbſtſuͤchtig nennen wir unfer 
Beitalter im Derglei mit jenem, worin fie ſich er: 
eignete, das aufgeflärte und philofephifche. Aber 
verdient es auch mit Recht diefe chrenvolle Auszeich⸗ 


nung? Haben vie zahlreichen Reſormatoren und 
Philofophen, welche jener Zeitraum bervorgehn fah, 
durch fo viel neue Dogmen und Soſteme als fie 
aufitellten, ihren flolgen Zweck, die Veredlung bes 
Menfhengefhlechte, wirklich erreicht! Iſt das Gebiet 
der Wahrbeit ermeitere? Sind WWunderglaube und 
finntofe Keligionskegriffe verdrängt ? Hat die Menfch: 
beit am Aufklärung und Geiftesfultur gewonnen ? 
Faſt follte man daran zweifeln! Man vergleiche bie 
nachfolgende Geſchichte der gegenwärtigen, mit jener 
der’ früheren Zeit, und das Kefulrat mwird den Men—⸗ 
ſchenfreund mir Wehmurb erfüllen. 

Da unfere Etadt — beift es in einem Berichte 
aus Livorno, vom Zuflen Oktober 1904, — feit eini: 
ger Zeit durch ein anfledendes bibiges Fieber — fo 
nannten die dortigen Aerzte diefe Krankheit, ob man 
gleich allgemein beforgte, daß es die nebimlicdhe ſey, 
welche in den füdlichen Spaniſchen Provinzen unter 
dem Namen des gelben Fiebers fo große Verheerun⸗ 
gen anrichtete, — heimgefucht wird: fo mollte unfere 
Obrigkeit nicht von der Arzneikunſt allein, Huͤlfe er 
marten, fondern ſah fich auch nach himmliſchem Bei: 
ſtande un, Zu diefem Ende ward geftern früh auf 
Deranflaitung des Generalvikarius das wunderthätige 
Diurtergottesbild, von Montenero, unter dem Schaͤll 
aller hiefigen Glocken, auf die an bie Kirche ‚von 
Montenero floßende Wieſe getragen, und von dort 
aus der Stadt Yivorno der heilige Gegen ertheilk, 
Ge waren dabei wenigfiens 30000 Menſchen, und 
anter ihnen auch der Franzbſiſche General Verdier 
zugegen, die mit Wachsferjen in den * die 
Fcſerache der Madonna anfleheten. ach dem 
@egen, ber unter dem Donner ber Kanonen von 
der Feſtung ertbeilt ward, trug man das wunder 
thätige Bild im feierlicher Prezeſſſion durch Die 
Stadt. Funfrigpfündige Wachsferien und andere 
Geſchenke wurden der Mutter Gottes dargebracht; 
und dieſe feierliche Andacht zu dem Wunbderbilde von 
Montenero beruhbigte De Einwohner Livorno's 
außerordentlih über die ihnen drohende Gefahr, 
Epäterhin wurden auch die Gebeine der heiligen 
Ania, welche feit vielen Jahren die Echukbeilige 
der Stadt iſt, unter einem großen Zufammenfirdmen 
des Voifs umbergetragen, und das Herz der heiligen 
Diailia ward aus einer Kapelle in die Domfirche 
gebracht. z 

Nachtrag des Ned, Der Derfaffer hätte him: 
aufegen fünnen, daß die Krankheit nach jenem Bolfe: 
geftänge mit doppelter Wuth ausbrad, und daß 
man demungeachtet, troß allem Miderfprucdh der 
Aerzte, bio dem Molke zu Gefallen, am ı2ten Nor 
vember eine neue dreitägige Prozeſſion anftellte, 

Einen merkwürdigen Contraft mit diefen Maafk 
regeln macht der befannte Vorgang zu Mosfwa 
im Jahr 1771. Die Peſt berrfchte daſelbſt, und 
wurde dadurch Immermebr verbreitet, daß fich dag Volk 
in großen Schaaren vor einem wunberthätigen Ma— 
rienbilde in der Sauprfirche jufammendrängre. Auf 
Befehl des Griehifchen Erzbiſchofſs Ambrofius 
ward das Wild meggehommen. Der Pöbel wurde 
rouͤthend, fürmte den Pallaft des Prälaten: aber 


— 508 


er biieb bei feiner Verordnung. Es ermiordete ihn: 
doch bie — hlelt mit feſter Hand die weiſe 
Maofregel des Maͤrtyrers aufrecht, — und bie Peſt 
ward bald nachher geaämpft, 


Sonett 


im_neuefen Gefchmadcke. 


O Heil, wer meifternd ‚feiner Düfte Wallung, 
Verſchmahend Zurſtenhzuld umd Pöbeltnir, 
I angeerbiem Haus, im Feld und Gtaflung, 


NRiht-politifde 
Aus Franzbſiſchen Blättern, 

V. Chenter, dem berühmten Verſaſſer des reboluttonären 

Trauerſpiels Karl ber Neunte, iſt turilich ein neues aufgefuhet 

worden: Enrus, Die Fabel bat ſehr viel Mehmlichkeit nut her 

wer der Merope: Aſtyages, Kentg vor Aſſorien, bringt feine 

Tochter Mandane dabim, dan fie ihren wıanen, in ber Ferne 
eriogenen Cobm, Corus, win tödren damen; ein alter Sreund 

tommt zeitig aenug, He aus ıbrem Irrtzum zu sich m. h 1 

Das Etüc ſon einzelne gute Eirmatonsu und aut ausgeführte 

Ecenen haben, aber der Verraſſer last bie handelnden Perios 
nen — wie eim großer Deutſcher Dichter — in Yagen, in welchen 

fie nur Gefühle ausbrücen fohten, wrachtige Reden halten, 

portiiche Gleihnife ausmalen, und — bie Parırze prien 6. 
ans, Keim Unglüd indeh ohne Glücdt Chenſer bat wenigiiens 

einen Troft: das haus war fo voll, das Hr. Geogrol, wir 

er je bekannt macht, nicht bincn konnte, 

— Der Kaifer der Framzoſen hatte Fri eines Tages 
gu 6 uhr Def Abends zum Souper einladen laſſen. Das Jour- 
nal de Purıs verfiimdigt das und rt frohtockend Gimu: e# 
mare ıu beffen, dab ma bald in gum Fraufreich der Gebrauch 
anftommen werde, fo früh zu Abend zu em. Eine andre 
Beitung zweifelt Daran, — v0» Lange man nicht auch die Ge 
Wwoguteit anwehme, mm 10 Uhr Des Morgens zu Mlittagb au 
eifen, Wenigſteus ware feine Urſache, datuber zu rroblodfen, 
wenn ime Gewehnheit auftıme, und in feiner andern Euros 
paiſchen Reiden; würde e& jemand einfallen, u glauben, daf 
eine blofe Einladung zum Abendeſen am Kore, eimen Um—⸗ 
(twung in den herrichenden Gebrauchen veramianen Komme. 


Aus Englifhen Blättern. 
Dar jumse Roſcius, mußte Im Stockdale da fein Emgasement 
in Sonden ihm midt erfanbte, Meet Tage zu berweilm, an 
er-m Tage imeimal auftreten. Das erſte Schaufel begann 
um ı2 Ube Mittags, das imeite um Die gewübasiche, Zeit, 
Fiir jedes Auftreten erhielt er 60 Guinsen (360 Rt.) — 
Endlich bat er audı im Coventr Garden Theater sefvieht, und 
war ald Adımet im Barbarofa. Die ungarteriicete Aritit 
tadt ſeinen Anlagen Gereditigkeit widerrahren, geſteht das er 
peeaeht, was er foricht, dah er euer umd freien Anitand ber 
fiat, — fügt aber doch binza: das er dem Auspruck d⸗ iefern 
Gefubla und Die Kun des Nuancirens nicht bat, und daf 
feine fihrisened angenehme, lante Etimme, fo oit er fie ım 
feet anfirengt, eim Bindiidhes Kreiſchen wird, Iudes war 
das Purtifumm aufer fi vor Enczucken, — „grade wie jumelr 
dem bei dem ſchatzbaren Darfteuungen, welche die Zeminner 
Eauitnasen jabrlich geben,“ regt der PBenriheer him, — 
Ser Werth der Eincke und die wabre Kunſt wird ſreilich bei 
Darfteuuugen wenig beachtet werden, mo man uſammen to mmnit, 
um die Anlagen eines Knaben zu bewundern. Man karlet nur 
a dent, was dieſer Gutes leiſtet, und alles andere wird uber 
ben. — Wie jeher er nbrigend augemeines Intereſſe im dem 
taufmarniſchen London erreat bat, zeigt aud der Umff and, dan 
man ibn ogeutiih ım Weets aim gemefm und gewogem 
bat. Er im vier Fuß zehn Zou hoch umd wiege 6 Ettin, 


Eub lebt, o Vochm, Matur und Erucifirt 
Ride ſcheut die durdtbare Zuſamment auung 

Der Riefeniaun des feindlichen Geſchicke, 
Und lähelnd bei der Todestunde Hallung 

Nur denkt: „Elifium bingt überim Star!" — 
Dem Geligen im bes Gemuthe Veſchauung 

Id nied'ver Tand, mas finniicd lockt, was prunft, 
Sei? Ihm gemlge am geiliger Verdauung, 

An Moſtik, die Gemeinen Wabawig duntt, 
Und freudig ahnt er bei der kLocken Grauu'ng 

Den Aufflag in der Gorcheit Souncupuntt. 


29: 


Zeitung. Nro. 114. 


35 Pfund. Bravor — Der arme Keine if dur die großen 
Yuftrengungen ſchon fehr erkbäoft und krintlicd. 

— King Antundigung in den Euglſſchen Zeitungen begann 
kürzlich folgendergefiit: „Um Die Damen, Ehönheit, Gew 
fundheir und gure Zahne erkalt Bis ins Marche Alter — 
mern Zahnpulver.“ Man sicht, Die Eomducr Quackſalber 
verſtehen ſich ſo gut auf Antundigungen, wie unfre fogcnannten 
Vheiloſovhen. Jene erbalten ſchon und zeſuud, darch — ein Jah 
vpulver, dieſe lehren die ſinatiche Weit begreifen, und emtrangs 
ſeln Die über ſiunticat durch — ein Dutzend Deiinmionen, 

— Ach, welches Schickſal bat die innigfie, Jartliche Piche 
it! Kurslich wurde ein gerliblvolies Madden von dem geſalligſten 
Charalter und — 55 Jahren, in Loudon vor einem Adermanıds 
Gerichte amgeklagt: he ſtore bie Muhe einer Familie dur die 
taalichen, liebevollen Veſuche, die fie einem Herrn G. made, 
Wie graujam und befihianprend!. @ te munte in wohl gm ihm 
sun, dean der arme Shlahrige ar m wurde durd das Der 
dagra am feinen Lebaſtuhl gereicht, Bicidwohl gab ihr der Nichr 
ter einen Verweis uud beisbl ihr, bie Beſuche eimmfelien. 
mRiein, erwiederte fie, ich Bann von meinent Eduard wicht laſen; 
ich liebe ihm zu jebr, and gewiß, er erwiedert meine Gefulle. 
Er als man Ihe vom GCinfoereen ſprach, erzab fie ſich mit 
heiten Thrinen im ihr Schickſal. Aber melde Note beiad denn 
der gute Dana modı? Und was machte feine Verwandte ſo iies 
beoou jorgiam zur fine Nuhe? Er befigt — 60,000 Pfund. 


Ueber das Breslauer Theater. 


aſter Nühme ſteht in Pursemı ein großen Merkut Keber, den 
bie Direftion weht ſchawverlich wirder erſetzen wird; die Herrn 
Mittler und Raeder, imire braven erſten Tensritn, und 
mehrere ichr brauchbare Glieder des Srtamfielt achen frmmetich 
au Oſtern ab. Leider iſt, wie ed feine, Bad Wublikum seibft 
fauld daran, weil es feine Sinfiee. nicht genug zu wiirdigen 
fur, md zu bequem, ſelbſt zu merbeilen, ſich der Meirung 
einiger Menſchen überläßt, De thells aus anımasıte, Ihre 
Bus Dartheifichteit, — oder auch ſelbſt aus Unwillengeit, bie 
ungereimiteten Urtheile fällen, Der Tonanzeter if ein miiige 
gebend:r Kauſmanng Eohm — dirfelbe, der ſich durch bie 
ſcharfſiuniae Theatertritie in dem -beriichtigten VBrovinsiats: Vlatt 
b.rübemt gemacht bat. Eonderbar muß es freilich ſcheinen, 
Dane games Pablitum fit dem Urtheile fo warciier Kerne 
fenten unterordnet und deao fonderbaver, da Wirte, Die biefen 
Herren naber kranen, fehr. gut wien, dah es mit feiner Kennt 
nch wicht viel zu bedeuten habe und dieſe weiter nichts als eim 
Schall — eim Nichts des Nidis nit Scieagen, genannt 4 
werden verdient, Anderen fehlt ed dierem entweder an Mur, 
ihre Diermung Öffenttich zu behampren, oder fie kimd Vbnlo ſe⸗ 
oben genug, eden denken umd reden am laſſen, was er will, 
Dabei mu denn aber matürlıh das arme Theaters Vırfonafe 
unmer das Küriere sieben, umd will es wehl oder übel, — 
endih das Feld raumen. — Es iſt daher m fürdten, daß 
dent Beifpiele dar Abgehenden bald noch mehrsre folgen werden, 
Grit dann, wenn es zu ſoat it, wird wieheicht Das Vablitum 
feinen Febler einſchen und ihm gerne verbtfern wouen. Da, 


1804. 





Der Treimütbige 


Donnerflag, 


rn f 


— — 


E 


Ein Wort an echte Humanitatsſteunde! 





J. London, dem Miſtheet aller Laſter und dem 
Treibhauſe aller himmliſchen und Köllifken Erfin⸗ 
dungen, hat ſich ſeit 3 Jahren eine ſehr adıtunge: 
werthe Geſellſchaft zuſammengethan, die ſich den 
Merein zur Unterbrädung des Laſters 
(Society for the Suppression of Vice) nennt 
und ihre Verhandlungen auch in einem ‚eigenen, perio- 
diſch⸗ erſcheinenden. und zur Ausführung eines Lond⸗ 
‚ner Sittengemaͤldes ganı unentbehrlichem Werte) 
bekannt macht. Der König Georg 1. erließ einſt 
‚eine Procdamation, worin ‚er ‚gegen bie Sittenloſig 
‚keit der damaligen Zeit (ein Zwerzlein gegen die 
‚Angige Diefenform) heftig dennerte,. und «6 fand 
Ach bald ein Klubb redliher Tugendireunde, die un: 


‚ser der Leitung einiger frommen Viſchoͤſe die Ei - 


‚sencenfür, jo viel an ihnen war, ſtreng zu vermalten 
‚and. durch geheime Aufpalfer alle Schlupfwinkel des 
Laſters, die dem Auge der geſchlichen Auffiche fich 
eutzogen, ausſpaͤhete. Er betitelte ſich nach ber 
-thnigtichen Procdamation die Proclamations : Eocie: 
‚sat. An diefe Dereinigung ſchließt ſich nun dieſe 
neue Eittenpolijei an, -und unter dem zahlreichen 
Perſonal derfelben, das feine regelmäßige Zigungen 
in einem eignen Haufe (Effer: ſtreet, Strand Nr. 31.) 
hält, feinen eignen Präfidenten, Vicepräfidenten, 


the Suppresson of Vice. Printed for ihe Society. 
Paıt I. ı809. Part Il. 1803. 


ober 


und 


S er; 


— — — 


Schatzmeiſter und Eefretär und einen Fond ven 
6oco Pf. Et. beſitzt und aufs thärigfte fortwirkt, 
befinden fi Lords, Admirale, Biſchoͤſe und eine 


. große Zahl Parlaments: Veirglieder., Die Sache iſt 


alſo weit ernfthafter, als einige glauben wollen, bie 
in der ganzen Geſellſchaft nichts als eine merhodifli- 
ſche oder Herrnhutiſche Heilandekaffe erbliden. Des: 
vor bürge aud der Umftand, daß der wadere 
Schotte Colquhoun, der Verfaffer der. zwei merfe 


‚wörbigen Büder on the Police of the Metropo- 


lis und on the River Police, (dergleidden nor 
Feine andere Haupıftadt Europas aufjumeifen hat,) 
ein fehr actives Mitglied dieſes Vereins iſt. Die 
Goefellichaft hat ihrem Stiftungsbrief zufolge vorzüg: 
lich ihr Augenmerk auf alles was Sottlofigfeit (Pro- 
phanenels) und Sittenloſigkeit heißt, alfo ı) auf 
die Entheiligung des in Alt: England und Ecottiand 
noch immer hoͤchſt feierlich und andächtig begangenen 


Sonntags; 2) auf falfhes Mach und Gewicht, 


wodurch die Armen, die nur im Kleinen kaufen koͤn⸗ 


"nen, zwiefach leiden; 3) auf Lotterie: Misbraud und 


Epieihäufer; 4) auf Grauſamkeit gegen die thieri: 
ſche Echbpfung, deren ſich der Engliſche Poͤbel wehr 
als irgend einer in Europa ſchuldig macht (man 
denke nur an Hogarth's four staiions of cruslty, 
und was uns neuerlih Goͤde in feinen lefenswärdi- 
gen Bemerkungen über England auc hierüber mit: 
geiheilt Hat), und 5) auf alle Verfuͤhrungen jur 
Wottuf, Gelegenheitsmacherei und Kuppelei. Dieſe 
Punlte ſcheinen die Mitglieder unter alien am ſtreng 


fien und eifrigften ſich zu Kerzen gehn zu laffen, 
Eine Hauptquelle des unfäglichen Eiends, das aus 
der ungeregelten Wolluſt entfpringt, findet die Ges 
ſellſchaft in den ſchmutz igen Buͤchern und obfehnen 
Büdern, die vorzüglich die Jugend vergiften und, 
mie ein Mehlthau, die kuͤnftige Erndte der Menfchs 
beit noch in der Blüte tödten. Es heißt daher aus: 
drüdlich in einem Fundamental: Artikel: 
„Eittenlofe und unreine Bücher und Kupfer: 
ſtiche, da fie dahin abzmeden die Begierden 
zu entjünden und das Grfühl der aufwach: 
fenten Generation zu verderben, werden aufs 
fergfältigfte aufgefucht und nichts wird gefpart, 


um ihren DBerfäufer jur verdienten Strafe 


zu ziehn.“ 

Wirklich bietet bier die Frechheit und Verwor⸗ 
fenbeit bald mit offener Etirn, bald auf heimlichen 
Schleichwegen, verlarvt und unverlarot ihre Gift: 
und Arſenikdaͤmpfe in unbefhreiblicer Anzahl feil, 
Dan denke z. B. nur, daß der Oberſte Hanger, der 
bei dem jekigen Prinzen von Wales eine lange Zeit 
diefelbe Kelle fpielte, den Shakſpear feinen Piſtol 
und Poins bei dem nachmaligen König Heinrich IV. 
fpielen läßt, in einem Buche, das er feine eigne 
Lebens: Befchreibung nennt, alle feine Bordell: &ce 
nen und Auftritte mit einer ſchoͤnen Prieſterin der 
Enntbia (with a fair Cynthian) felbft zu erzählen 
nicht den gerinaften Anftand nimt, dafür aber auch 
in einem begleitenden Kupfer ſich felbft am Gialgen 
bängend abmalt. Die Englifhe Zeitungen erzählen 
uns von Zeit zu Zeit fehr erbauliche Verböre folder 
Böferichter, die fih in den Penfions : Anjtaften und 
Schulen einſchleichen, und an Mädchen und Knaben 
hiefe faubere Waare vertrödeln, endlich aber von den 
Betrauten der Gefellfhaft zur Unterdrädung ‘des 
Kofters, auf der That ergriffen und vor Gericht ge 
ſtellt wurden. 

Es fragt fi nun, märe nicht grade in dieſem 
Punkt jekt auch in unferm Vaterlande (alles mas 
Deutſch redet und Heft gehört dazu.) eine Verabre— 
dung und Mereinigung tugendhafter und aufge 
flärter Menſchen fehr noͤthig und wuͤnſchenswerth? 
Daß nicht bie in ben volfreihen und üppigen 
Kefidenzflädten, fondern auch in fehr m ttelmäßigen 
Prosinzialftädten. ſolche Giftbuden und Gifthändler 
gar emfig und wohlgemuth ihr Werk der Finfiernig 
treiben, und daf mir befonders im Fache der Ko: 
man:Sefröre nach jetem neuen Meßkatalog mit 

friſchen Etinfbiumen aus den Luſt- und Ziergärten 
der, Herrn Karl Airhing (es foll ein Profeſſor der 
„Menfchentildung auf einer nahmhaften Deutſchen 
Univerfität fi hinter diefen Namen verfiedt haben!) 


und feine Gefellen, mit Seftändniffen einer 
Siftmifcherin, wenn au nicht immer unter 
demfeiben Aushängefchilde, doch mit derfelben Ten: 
denz, und mit andern dergleichen Fliegenfhwämmen 
und Pilfenkraut Überfläffig heimgefucht werden, wer 
vermag dies zu leugnen? Die gewöhnliche Polizei: 
Quarantaine gegen dies gelbe Fieber unferer Fitera 
tur, Cenſuten und Bücherverbote, die theils gegen 
einzelne Schriften namentlih ergehn, theils in der 
Aufficht über die Öffentlichen Lefezirkel und Leib: Bir 
bliotheken fi fund thun, find, wie jedermann meif, 
der fich nur etwas darum befümmert, durchaus uns 
länglich, oft nur Herolde der Schande, die man nun 
erft mit dem rechten Damen zu fodern weiß, und 
hoͤchſtens nur — Merfuriatfalbe, mo doch das chi: 
rurgifche Meffer weit tiefer geführt werden müßte. 
Es war z. B. gewiß fehr löblih, daß neuerlich vom 
Kirchenrath in Dresden eine neue Leberfegung eines 
alten ſehr ſchluͤpfrigen Fraxzöfifhen Komans, einer 
böfen Wolfsbrur (ihm mehr zu bezeichnen, trage 
man billig Bedenken) fireng verboten wurde. Allein 
wer verbietet nun auch den Verkauf des Originals, 
das ums Sranfreih in allen Formaten mit und ohne 
tsille douce znfendet, und mie viele Eremplare 
der Ueberfekung waren nicht ſchon verfauft, als die 
Wache erft Feuer rief, und — ift nun der Brand auch 
wirklich gelöfht? Was die befondere obrigkeitliche 


: Aufficht auf Lefe: Bibliotheken und Winkelbuden an: 


betrifft: fo bat die Sache nicht allein ſchon an ſich 
mancherlei Bebenklichkeiten, indem oft das Mittel 
ſchlimmer iſt, als die Kranfheit und auch bier, nad 


- jenem alt: juͤdiſchen Sprichwort nicht felten, der Teu: 


fel durch Beelzebub ausagetrieben wird: fondern es 


iſt auch alle Cenſur der Art mit und ohne Stempel, 


beſtechbar oder unbeftechbar, immer nur eine augen 
blidliche und mo fie nicht monatli erneuert wird, 
bald gar einſchlummernde Noth wache. Frage man 
in Caſſel oder Eifenach, wo nach äffentlichen Blaͤt⸗ 


«tern jedes in einer Leid: Bikliothet umlaufende Buch 
‚noch vor kurzem einer ficengen Genfur unterworfen 


mar, oder frage man felbft in Berlin, mo den hoͤchſten 
Anordnungen gemäß jede Öffentlich feilgebotne 
Schrift einem anftändigen Sittengericht unterliegt, 
welche Folgen für die Unterdrüdung over. auch nur 
für die Verminderung ſchluͤpfriger und. unverfländie 
ger Schriften dies alles gehabt hat. 

Gleichwohl ift das Merderben, bas durch die 
Verbreitung folcher Schriften unter die Jugend in 


.2ebranftalten, und mitunter auch wohl im älterlichen 


Haufe angerichtet wird, fo auch, daß gar nichts zu 


thun, und in dumpfer Pallivirät Die Hände ruhig in 


den Schooß zu legen, wahrer Hechverrath an der 


— 511 * 


werdenden Menſchheit und die wahre Suͤnden ges 
gen den heiligen, d. h. reinen Geiſt der Humanitaͤt 
feyn würde. Was ift alio zu thun? Der Deutſche 
greift in folchen Fällen am liebften aleich zur Feder, 
Mean erinnere fih nur, was gegen ein gemifles Las 
Her, das die Menfchheit in ihren Keimen zerfiört, 
vor einigen 20 Jahren gefchrieben und gepredigt 
wurde, " Gewiſſenhafte Aerzte und Menfchenbesbacdh: 
ter moͤgen entfcheiden, ob durch die Publicirät, bie 
dadurch der im Finftern ſchleichenden Seuche gegeben 
vourde, mehr genußt oder gefchadet morden iſt. 
Leicht möglich, daß wenn man gegen jene unreine 
Ausfläffe beflefter Phantaſie die kritiſchen Vlätter 
auch nur als Warnungstafeln brauchen wollte, man: 
che doch auch diefe Tafel für ein bloßes Aushänge: 
und Anfagefhild halten Fönnten. Man hat Mei: 


fpiele, daß auf folhe Anzeigen die Nachfrage um ° 


defto dringender und häufiger geworden iſt. Der 
Erorciemus muß von befonderer Art fern, mo nicht 
der ausgerriebene Teufel mit fieben andern zuräd: 
ehren follte, Selbſt die Satire, fobald fie Namen 
nennt, beffert bier nichte. Und hat etwa ein gemif: 
fer Verleger, den ein Eatirifer vor einigen Jahren 
auf einem befannten Bilderfeine Schweine ausireiben 
ließ, feinen Stall ſeitdem nicht mit neuen Ulyſſesge— 
fährten angefülle? 

Alſo laßt uns lieber auch an eine Geſellſchaft 
zur Unterdrüdung des Lafters wenigftens in die: 
fer Ruͤckſicht denken. Wir ſchreiben [8 viel, und 
thun fe wenig! Die Sache ift mit etwas gutem 
Willen gar wohl auszuführen. Es verbinden fich 
wadre Männer, und warum nicht auch Frauen, — 
Mütter, Erzieherinnen, es gilt eure Sache vor allen 
andern, — in den verzüglichften Erädten Deutjch: 
lands zu einer geheimen Zirkel: Correfpondenz,, die 
Moß die Abficht hat, dergleichen Geift: und Herzver— 
aiftende Producte in ihren geheimen oder öffentlichen 
Mertftätten aufjufpären, und Thäter ſowohl als 
Fehler der oberften Behörde mit dem actenmäßigen 
Belege zur Eeite, anzuzeigen. Keine Odrigkeit fann 
und wird hiezu ihren Arm verweigern. Aber ihr 
förmliches, durch die Derfaffung fteifes Benehmen, 
ſtellt nur felten einen giüdlichen Vogelheerd, Und 
bier hat man es zum Theil gar nicht mit ©impeln, 
fondern mit abgefeimten &pajen und Dohlen zu 
thun. — Und wie, wenn die Geſellſchaft, die fi 
dies Derdienft um die Mitwelt und Nachwelt erwer: 
ben £önnte, nicht erft geftiftet werden möfte, wenn 
fie fihon da wäre und nur eines Fräftigen Anſtoßes 
bebürfte, um ihre Thaͤtigkeit auch auf diefen wichti 
sen und bis jegt unverantwortlih bernasbläfigten 
Tunft in der Erziehung und Derwohrlofung der 


# 


Menfchheit zu erſtrecken? Man fagt une In vielen 
Öffentlichen Schriften, die Freimäurergefellfchaften 
hätten die ehrwuͤrdige Abficht, da zu rathen, zu ber: 
Ten, zu (hoffen, wo weder die Kanzel, noch der Se: 
fichteflubl ausreichte. Hier blüht ein feifcher Kranz 
für ihre Bürgertugenden. Eey fie auch bier die 
unverfülfcte, Doch geheime bocca di veritä, wie fle 
es laut ihrer Innern Geſchichte da Überall gemefen iſt, 
wo weder Schwaͤrmerel, noch Eigennug, noch Eitel 
keit und Herrſchſucht ihre rein: menſchliche Tendenz 
trübten und verunreinigten. Wo märe ein edlerer 
und gemeinnüpliherer Zweck für fie, als Erziehung? 
und giebt es einen freifendern, giftigern Rrebsfchaden, 
(o wenn doch die Penfions: und Schulmauern reden 
fönnten!) als diefer moralifche Gifttroͤdel ? 

Ehrwärdiger zürnender Juvenal, lehre uns deine 
Spruͤche ausführen: 

Nil dictu foedum visuque haec limina tangat 

Intra quae puer est. — 

—r 


Ueber das Wort Herr. 


& giebt Wörter in der Konverfationsfprache, von 
melden man fagen mögte, dab fie falt ohne alle 
Vedeutung find, &o bedeutet z.B. das Wort Herr, 
fo wie jegt die Sachen fichen, eigentlih — Nichte, 
In uralten Zeiten harte dies Wort im Deutſchen eine 
doppelte Bedeutung. Es hieß nicht allein der Erfte 
und Vornehmſte, fondern auch Heilig, ve. Man 
nannte decfalls die heiligen Tage heere Zeit, heere 
Zit, (Wachters Glossar. vocs Her.) In Hinfiche 
auf diefe Bedeutung liefen die Geiftlichen in 
Deutſchland fich ſchon feir den älteflen Zeiten Herren, 
d. i Heilige nennen, In mehreren alten Schrif— 
ten findet man fie ſchlechthin ſo genannt, Dttfried 
nennt in feinen Evangelien den oberfien Pricfler 
Herosto. Die katholiſchen Priefter vor der Refor— 
mation biegen ſchlechthin Herren, im Plattdeutſchen 
Heeren oder Herum. Daher der Domine’s Te 
tel, den die niederländifchen Prediger führen, — eine 
Reliquie der Vorzeit. Eben daher nennt man einen 
Farholifhen Geiſtlichen in Weſtphalen Ileer- Ohm, 
d. i. ſovlel als: heiliger Ohm. Doch follen die 
legteren, felbft wenn fie Patres find, (woran fonft 
eine noch größere Heiligkeit kleben foll) ſewohl den 
Heer-Ohms als Pater: Titel nicht gern mehr 
bören, fondern lieber in Pafloren umgetauft feyn 
wollen, ohne Zweifel — aus Demuth, und weil 
fie auf die Heiligkeit ihrer Vorfahren verzichten, — 


Getroffen! 
Pi fommen unfere tebenswärdigen Etußerchen 


— ss. — 


von ı2 bis ao Jahren (nachher geht das Greiſenal⸗ 
ser bei ihnen an), noch mehr, wie kommen unfere 
Schbaen dazu das Haar Über der Stirn allein made 
fen zu laffen und es hoch aufjufträuben? Iſt es 
ſabn? Mein! — Iſt es bequem? Meint Wohl aber 
it es fehr ausdrudsreli! Cie repraͤſentiren dadurch 
die Goͤttin Gelegenheit (Occasio) melde bie Al 
ten bekaantlich binten kahl, vorn wohl behaart — 
abſchilderten. Gewiß, eine einladende Moden paßt 
auf, ergreift Die Gelegenheit! — predigt fir & 


Nah dem Franzbfifchen. 


Für ale acht ber Wrieder himmel 
Sir alle ſtreitet der Golbat, 

und alle wahre ber Adersmann; 

Doch alle friät der Adrotat. 


Un Mifandberm 
Ben du euch, langweiliger Mifanber, 
Ws der in nicht allein, und wicht feibanker 


Barrula’s Grabſchrift. 
Das Eprüstwort ſodte wichtig rum? 
“Wer Alx ba, bat ausgelerat“ — O aela⸗ 
Di kann vom Degentheile zaugent 
Gr al⸗ ich todt ar, lernt ih Shweigem 


Deconomie 
Mad dem Enstiidem 
Sonſt tiefen für Geime Maieflät 
Ein Hornarr in Sold, und ein Hoinentz 
Don jur Eriparung der halben Koflen 
Gerficht Heer Gibder mum beide Vom, 


Hs. 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 115. 


Aus Franzdſiſchen Blättern 


HD: Bäter vom Blauben, (eine Wbtheihemg bed Yes 
Auiten eÖrdens?) haben die Erfaubuik erhalten, 
fit u Pnom am etabliren, mnb bie Ernchung der Zus 
gend zu Übernehmen. Abr Superior wird in Fraukrrich vefis 
Siren; der. General» Euperior zu Rom bat der Aufmcht über 
fie entſagt. ASolite das etwas muchr fenm, als ame For⸗ 
alitit ?) 

Palande hat mit großer Metieligkeit eine meue Baltung 
zen Thermometer angefündigt, die er auch ühen zum Bertauf 
nurfertigen laöt. Er tadelt fomohl das Zahlen der Ehrade vom 
@reirierpumtte, als das von der Fine des Nedendem Waſſers. 
u feinen Thermometern zeigt 1 dem mittiern Urad Der Warme 
Des Erdbatlle an, — derſelbe den an den gewehnlichen Torrme⸗ 
meter die Zahl 94 bereichnet. Amter den Mokingen, durch 
weiche er Diefe Art des Zühlend emurichit, führt er and amt 
wie Zahl 30 werde ſowonl eime gewöhnliche Emumerbige, aid 
eine gewöhnliche Winterfalte, — Die Zahl an einen sehe beints 
Ermmer, und einem fche kalten Winter arucigen, aud — bie 
Zapfen 30.und 40 kaͤrnen ja doch ſo ort im Beben von — — 
Der geichrte Balande if, wo ich nicht Iren, 78 Jatzt alt 


Aus Frankfurt an Main. 
Richtig eingetroffen 
„Wr wollen fehen ob dad Eneihwort: 24 if Leiter 
tadeim als beffer maden, and bier ſich bewahrt“ — 
biej «8 im einer Nachricht, welde der Freimüthige vor einem 
Jılre (1804 Mr. 6 oder 7.) über das Kranfreier Theater 
mitiheilte. — Dammid machte eine oft getadelte Direktion 
einer andern Dlag, welche wirklich ihre Rebler auch alucktich 
vermieden hat. — Die Heimide Detonomie wurbe ver 
dannt: — bie alte Direttion hatte Schuſden bezahlt; Die neue 
vergeoflert diefe amfehntid; — die alte Direftion war einig, 
die auf einen, — bie meinen Monßeher lauter wackere Matıner, 


ur wit alle am ihrem vwechten Ylape) tursbremten Ach sus 
Theil in ihrem Wolen und Wirken, amd mmnder (der Aa 
melde ju verlieren haste) mmÄte Haare laſen. — Es giebt 
Bitterteiten, SEchulden und bie Aund — gina lerr aus — 
Das theuer bezahlte Nefultat: #3 iM Leichter tadeln als beifar 
kmadıen! e 


€ 

Auszuge aus Briefen 
eBorifegung.) 

Kom, den ztem Okt. 104 


An Kirchenftante IM das Band elend, der Bein zut meld jüh, 
das andre Siekütedit Üver meime Eiwartiing, Schon in Ancen⸗ 
ficbt man wie edeiaen Formen und Gefbihtge, mb en Hier 
Unier Bergeino, von dem alle Deutſchen Lohntutſcher Seren 
follten, wie man beheben, forgiätig, gerdiig umb bieder 4, 
brachte uns ſchen in 13 Tagen nah Rom 2 bälte-Tage, Die. 
auf unieriörriangen ſich auihielt. mit eiügsmeime: Wit 4 en 
bem hätte bei amd Beimer geleitet, wol er mit 3 Marithieren 
Wir Gatten 5 Wochen das Mone Wetter, und nur do. vi Re 
gen, als sum Staublegen mörhig war. Pils wie Lam andre 
Kadıtlager per Rem auſdrachen, ſchüttere es Standen fang. ge 
Eorio liefen unſte Manirhiere bis fiber die Berels Im Magte 
ec hab’ Ib Kom mur zum ſehaten Theil, Miditig im dire 
Wetter geicben. Wices iM beleuchtet, wie es ſeun fett. Sein 
Grmälde ericheint deutlich, Iefonderd im den Mirden. De 
feſfelt mid Rom unmeferedilich. Aues it ſo ern, eo Die — 
genen den Wienenidinwarın im Venedig abiebente Geile Acht 
beiträgt. — Nech weh ich-im Deubihen Miürihehaft, ms 
mas ihr billig dd. — Nar auf dem Totſo if es Gier Tckknftı 
con dreimal war ich auf dem Gabttal. Diekd wirkte üser 
allen Ausdruck auf mich, beionders ‚ANart Harris Wifbiägie, 
Zwei Triumpbbögen,, die cingeſunken waren, bat man ausge 
graten, Schid mahlt ein berriides Bin. Echmeigfe 
bat das Moden gm einem fhönen jungen Amor fertig. j 
(Die Gertjegung folgt.) 


— — —jh — 


1804. 





Der Sreimüthige 


Breitag, 


E rn ff 


— — — 
Literatur. 
Bruchſtucke zur Biographie J. ©. Naumanns, 
von A. G. Meißner, ır Theil, 1803. ater Th. 
1804. Prag, bei Barth. 


RoAMano Geſtaͤndniſſe machten die Selbſtbiogra- 
phien Diode. Jetzt — liest man dieſe, wie man fie 
leſen muß, als eine neue Gattung von Kalbromanen, 
und die eigentlichen Biographien gewinnen wieder ihr 


altes Anſehen. Eignet ſich irgend eine dazu, es ſchnell 


und glänzend herzuſtellen, fo iſt es bie vorliegende, 
Naumann genießt als Künftter ungetheilte Berun: 
derung; als Menſch liebte und ehrte ihn, wer fo 
glüdlih war, ihm nahe genug zu fommen, um feis 
nen reinen, menfhlic : ſchoͤnen Einn, die hohe und 
edie Rechtlichkeit feines Charakters kennen ju fernen, — 
und diefer Mann hatte, das nicht ſeltne Schickſal 
romantifh: geſtimmter Seelen, eine Bahn zu durch: 
laufen, die an Mäannigfaltigkeit und Sonderbarkeit 
faſt die Geſtalt und das Intereſſe eines Romanes 
hat. eine Xeltern waren arme Bauersleute zu 
Blaſewitz; fonderbare Fügungen verfhafften aber den 
glänzenden Talenten des Eohnes Spielraum und 
er — erwarb fih durch Fleiß und Rechtlichkeit fo 
febr als durch fein Genie, nicht nur lauttönenden 
Ruhm und ehrenvolle perſoͤnliche Auszeichnung in 
Meapel und Denedig, wie in Stockholm und Kopen- 
hagen, — nicht nur diefes, fage ih, fondern auch 
das Gibßere, im Vateriands geehrt und forgenios, 


— — oder — — 


und 





den 28. December, 
S 


erz. 


die füßeften Freuden des häuslichen Gluͤces und der 
treuen Freundfchaft eines Zirfels zu genießen, deffen 
Ölieder faſt alle feibft dem Publitum von vielen 
@eiten als ausgezeichnet achtungswerth be 
kannt find, — und noch im hohen Alter dachte und 
fühlte er fo einfad und indlich rein, mie einſt der 
llebens wuͤrdige Bauerknabe zu Blaſewitz gedacht, ges 
fuͤhlt und gehandelt hatte. 


Anfpruchlos, aber mit herzlicher Waͤrme und 
febr anziehend erzähle Meißner — in werfen Anden: ' 
fen leben feine &fijjen, feine Bianka Capello nicht, 
und wer las feinen Jullus Caͤſar nicht ſchon mit 
Genuß? — die oft fehr fonderbaren Degebenpeiten 
feines Freundes, tbeils aus dem Briefwechfel deſſelben, 
theils aus mündlichen und ſchriftlichen Nachrichten 
andrer, theils nach dem, was er feibit von dem Hins 
gefhiedenen hörte. Eine große Anzahl intereffanter - 
Anekdoten find in die Erzählung verwebt, oder ihr 
in Noten beigefügt, und ein Reichthum von ſcharf⸗ 
ſinnigen pſychologiſchen und wiſſenſchaftlich en Bemer⸗ 
kungen beſchaͤftigt das Machdenken, und gewährt ihm 
richtige Refultate; — leider haben fi aber auch 
eine ganz ungeheure Menge von Drudffeblern einge: 
ſchlichen und entftellen diefes treffliche Buch, das nur 
etwas gedrängter geſchrieben ſehn dürfte, um als 
Biographie ein gelungenes Kunftiverf ju ſeyn. 


Naumanns Bildniß ziert den erſten, ein gut 
erfundenes allegoriſches Kupfer den zweiten Theil 
deſſelben. Mit Vedauren tege ich es aus der „Hand, 


— 514 — 


daß mir die Beftimmung dieſes Blattes nicht erlaubt, 
Auszüge daraus zu machen. — 


EHriftian Felix Weiſſe. 
Ein Blümchen auf ſein Grab, 


Wenn ein Dann ſtirbt, der uͤber ein halbes Jah: 
hundert lang raſtlos bemüht war, wohlchätig auf fein 


Zeitalter zu wirken: fo ift es wohl füße Pflicht, 'feis 


nen Hintritt mit einigen Worten der Liebe und 
Danfbarkeit zu begleiten, und unfer Vaterland, das 
ohnehin feine befferen Schriftſteller leicht zu vergef 
fen, und den neueren, nicht ſelten den fhlechteren, 
anzubängen pflegt, von neuem auf die DVerblenfle 
eines ſolchen Mannes aufmerffam zu machen. — 

Der unvergeflihe Weiffe gehört unter „die 
Schrifiſteller, die viel, unendlich viel wirken, ohne 
großes Geräufch zu machen, und etwa felbft eine 
fteahlende Glorie um ihr Haupt zu ziehen. Ganft: 


muth und Befcheidenheit waren die Hauptzuͤge 


feines Charakters, man ficht alfa wohl, daß er ſchon 
aus diefem Grunde in ber Literatur kein Schreier und 
kein Zervorift werden fonnte, — Eeine literarifchen 
Merdienfte, um alfo zuerft von diefen zu: fpreshen, 
find fehr ausgebreitet. Vor etwa ſechzig Jahren, In 
der Zeit, wo der Deutfchen Podfie eine ſchoͤne Mors 
genrörhe bervorzudämmern begann, trat er zuerſt als 
Dichter auf, und war, wie das wohl niemand läugs 
nen wird, nebſt Up, Hagedorn, Gleim und 
Rammler, — lauter Männer, mit denen er in den 


freundſchaftlichſten Verhaͤltniſſen Rand, — einer der 


erſten Lyriker der damaligen Zeit, Aber feine Lieder, 
die befonders warmes, Tebhaftes, aber einfaches Ges 
fühl aratterifirt, waren nicht bles für jenes Zeital: 
ter geichrieben; — mer eines guten, unverborbenen 
Geſchmacks ſich erfreut, und frei blieb von den Ein: 
fluͤſſen der Fantafterei und Plattheit, die fo fehr zu 
dem Tharafteriftiihen unfers Zeitalters gehören, wird 
gewiß jene Pokfieen, die Ausbrüde eines fchönen, 
reinen Gemüths, auch jekt noch mit Vergnuͤgen le: 


fen. Seine Amazonenlieder werden immer als Meis : 


ſterſtuͤcke der Lyrik geſchaͤtzt werden. 

Doch Weiffe verſuchte ſich auch in andern Fel: 
dern der Dichtkunſt mit vielem Gluͤck. Seine Trauer⸗ 
ſpiele ſind die Produkte eines reifen, mit ſich ſelbſt 
einigen Derflandes, und haben alfo wohl weit mehr 
Werth, als die Werklein mancher unferer Theaters 


Diterlinge, von deren Tragödien, follte man auch 
Kühe 


jetzt viel nens und Preiſens davon machen, die 
Nachmelt nicht ein Wörtchen erfahren wird, — Es 
iſt nicht gut zu begreifen, warum man fo treffliche 
Srauerfpieie, wie Weiffens ran Talas, die Flucht 
und Romeo und Julie find, bei unferm großen Man: 
el an guten Tragoͤdien, nicht wieder auf die Bühne 
Bin tt!, Daffelbe gilt auch vor. feinen. Kuftipielen, 
die 6 unterhaltend find, daß fie auf der Bühne ih: 


res Zwecks auch ie nicht verfehlen koͤnnen. Wie viele 
Verdienſte har ſich Weiffe endlich nicht auch um 
die Ausbildung des Deutſchen Eingfpiels erworben! 
Wären nur die neuern Dichter auf dem ven ihm 

bahnten Wege fortgegangen, es mürde um unfere 
Dper gewiß bejfer Pan als es jekt wirklich fiebt. 
Wie ſſeblich iſt Die Jagd, das Roſenfeſt; wie ver: 
treffid — wenn wir an einen Tyroler Waſtel oder 
eine Zauberpitter denken!! 

Was foll ich aber von Weiffen als pädagoai: 
(dem Echriftfteller fagen? Es würde Enımeihung der 
Verdienfte ſeyn, die fih der edle Abgefchietene in 
diefem Felde erwarb, wenn ich die Vortrefflichfeit fei: 
nes Kinderfreundes und feiner übrigen Jugendfchrif: 
ten erft auseinander ſetzen wollte. Es find Werke, 
die fchon Io unendlich viel genüßt haben, als fie, 
durch ihre geiftreiche Einfachheit, einzig in ihrer Aıt 
find, Wer von meinen Leſern erinnert fich nicht ncch 
immer mit Entzüden an jene feligen Zeiten der fr: 

eren Jugend, wo man fi noch jo angezogen, und 

Senlehen, belehrt und veredeit fühlte von dem 
berrlihen Kinderfreunde! 

So liebensmwärdig, als Weiffe in feinen Schrif 
ten erjchien, foll er auch in feinem Umgang gewefen 
fein. Er foll, fage ih; denn leider! war ich nicht 
fo gluͤklich, ihn perjönlich zu Eennen. Zwar empfing 
ich einmal vor einigen Sul, als ih noch in Mei: 
mar lebte, einen ſchoͤnen, herzlichen Brief von ihm, 
den ich immer als’ eine heilige Reliquie bewahren 
werde; auch bin ich verfichert, daß er mich, als ich 
nach Yeipzig kam, wie fo manchen andern jungen 
Schriftſteller, liebreich aufgenommen haben wärde; — 
aber eine gewiffe Schuͤchternheit, die bei mir aus dem 
Gefühl meiner —— Unbedeutendheit entſpringt, 
hält mich immer ab, mich zu großen, —— 
Männern zu draͤngen; auch hatte ich feinen Tod — 
er flarb an Entfräftung nach einem Katharralfieber, — 
wirklich nicht fo bald vermuther, — 

Weiffe ging, wie alle feine Befannte von ihm 
bezeugen, immer mit der Zeit und Literatur fort, 
und wußte über die meiften unferer Schriftfteller fehr 
richtige Urtheile zu fällen. Dabei verlies ihn aber 
feine ſchoͤne, mufterhafte Befcheidenheit nie; er ur: 
theilte nicht ſchneil und diktatorifch Über einen Gegen: 
gut ab. Er pflegte immer zu fagen: nach meiner 

rfahrung ſcheint mir es, daß fih das fo verhalte, 
uf w. Was für ein großes Mufter für manchen 
ungen arroganten Echmäker, der fich nicht entblödet, 
ber die gefeiertften und achtungswuͤrdigſten Echrift: 
feller unferer Nation bämifhe, pobeihafte, abfpre: 
ende Rritifen ausgeben zu laffen. ! I! 

Der Tod des edlen Weifje war der Tod eines 
Weiſen. Er entſchlief am ı6ten biefes Wonats 
Abends, im 7giten. jahre feines Blürhen: und Fruͤch⸗ 
tereichen Lebens. As Belchleunigung feines Todes 

iebt man die Nachricht vom Abſterben des Dber: 
onfiftorial: Rath Teller in Berlin an, mit dem 
er an einem Tage geboren warden war, an einem 
Tage fi verbrirarhet, und fein ganzes Leben lang 
eine innige Freundſchaft unterhalten hatte. Am zoften 
d. M. war fein feierlichen Yeichenbegangniß, an dem 
die halbe Stadt, und die Edelften von den Bewoh— 
nern. Zeipzigs, Theil genommen haben, Gelehrte 


m 5173 — 


und große Kaufleute folgten ber Leiche zu Fuße, 
Den Beſchluß machten 44 Kutſchen. Auch viele der 
biefigen Erudierenden, angeführt von dem Prinzen 


von Didenburg und dem Örafen von Sſcha um- 


burg:&ippe, begleiteten den edlen Greis zu feiner 
Ghrabflätte, die in: dem neueften Kirchhof befindiich 
if. Denn ee batte vor feinem Tode felbft angeord: 
net, daf man Ihn nicht in feinem Familienbegräbniß 
beifeßen, fendern feine Weberrefte der Erde übergeben 
fele, Bier junge Etudierende, unter denen ein Graf 
von —— ſich befand, trugen auf geſtick⸗ 
ten feidenen Kiffen Kraͤnze, und legten fie mit eini- 


gen Merten der Liebe und Danfbarfeit auf feinen: 


Sorg nieder, nachdem bie * Thomasfchlier 
des berühmte: „Wie fie fo fanfe ruhn!“ gefungen 
batten. Dieſe artige Idee foll von dem würdigen 
Profeſſor Ehrhard herruͤhren. 

Ob man den Manen bes liebenswuͤrdigen 
Weiſſe wohl ſonſt noch eine Todtenfeier bereiten 
wird? — Am beiten ließe ſich ſo etwas wohl auf 
dem Theater veranſtalten, um das der ſeelige Weiſſe 
fi fo verdient gemacht bat. Doch — mir geziemt 
es nicht, bier etwas vorfhlagen zu wollen. Sowohl 
der afademifche Senat, als Ner biefige böchft ach: 
tungsmwürdige Stadtrath, beftcht aus Männern, die 
es wiffen, daß wer den wahren Verdienſt mit Herz 
lichkeit huldigt, fich feiber ehrt. — In meinen ge 
ringen Kräften fland nur die Entwerfung diefer we: 
nigen Zeilen. 3 ſchrieb fie mit einer innigen Ruͤh⸗ 
rung nieder, mit 
durdpdringen wird, wenn ich mich den ebrwürdigen 
und guten Weiffe, der ja auch mein beiebrender 
Freund in den rofenfarbenen Tagen der Kindheit 
war, erinnern werde. Freude, ewige Freude feinem 
hingefchiedenen Geifte, Ruhe feiner Ace, — und 
nie verballender Ruhm feinem } 

Leipzig. 


Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reiſenden ıc. 
Muſaum zu Portick 


eider befinden fich jet bier nur wenige Sehenewuͤr⸗ 
digfeiten, denn, mas nur irgend durch Materie oder 
Kunft einen höhern Werth zu haben fchien, bat man, 
aus Furt vor den Franzofen, weielich nach Paler— 
mo gefchit, wo es in zwei und funfjig Kiften rube, 
bis die brennende Frangöfifche Lava ſich einft abge: 
fühle haben wird. Doch merkwürdig bieibt noch im: 
mer auch das wenige Vorhandene, Wer kann, ohne 
bie feltfamften Regungen der Verwunderung, die Lie: 
berrefte der vorjüglichften Dinge anfchauen, weiche 
feit achtzehn Jahrbunderten der gersaltigen Zeit fpot: 
ten! Da iſt nch Brod, Korn, Teig, der eben in 
den Dfen gefchoben werden ſollte, &eife, mit der 
man ſich eben gewaſchen hatte; da find Feigen, 
Jo hannisbrod, ja fogar Eierfhalen, völlt 
noeiß und wohl’erhalten, als habe der Koch 
vor einer Etunde — Da iſt eine Kuͤche 
mit allem nöthigen Geraͤth verſehen. Dreifüße 
und Töpfe flebn auf dem 
hängen an den Wänden, Schaumloͤffel, Zan— 


einer Wehmuth, die mich immer . 


e er 


werd, Saiferollen » 


gen, in der Ede ein metallnee Mörfer auf einem 
alten Saͤulenſchaſt ruhend; Gewichte, Hammer, 
Eenfen und allerhand Adergerätb; Helme 
und Waffen; ——— und Meſſer; eine 
Menge artig geformter Glaͤſer, große und kleine 
gläſerne Flaſchen; Lampen, daten, Möbel: 
verzierungen; ein Stuͤck Tuch, Nepe, Schuh— 
ru kai allerlei Damenfhmud, Hals: 
Ander, Obrgebänge, Ringe; ein höljernes, 
u. verfohlees Schach fpiel. Au⸗ dieſe Dinge 
ind mehr oder minder vom Feuer angegriffen, aber 
doch alle auf den erſten Bli kenntlich: Unverfehrt 
bat Mietall in Stein fich erhalten. Alle Zimmer bes 
Diufeums find mit den berrlichfien antiten Fußböden 
belegt, theils Mo ſaltf aus Pompeji, theils Mars 
mor aus Herculanum, Gtatuen, Spring: 
brunnen, Bafen, Büſten, Sanbdelabers, Als 
täre, Tifch e von Marmor und Bronze, find alle noch 
fo befchaffen, als wären fie geftern aus der Hand 
des Künitiers hervorgegangen. Tanfende von Muͤn⸗ 


» zen füllen die Schraͤnke. Eine fonderbare Zimmer: 


verzierung der Alten ift mir aufgefallen, An bronzer 
nen feinen Ketten hiengen runde Medaillons von 
Marmor von der Dede {ea ungefähr fo wie heut: 
zutage Kronleuchter oder Dogelbauer zu hängen pflegen. 
Dieſe Medaillens find auf beiden Seiten mit Bas: 
reliefs verfehn,, die mir feinen großen Kunftwerth zu 


- haben ſchienen. Sie biengen fo, daß man fie mit 


der Hand erreichen, alfo nach Belieben bin und her 
menden und betrachten Fonnte. ch will nicht uns 
terfcheiden, welche Wirkung eine folche Zierrarh ge: 
tban haben mag. Da alle, welche man gefunden, 
bier in einen einzigen Zimmer zjufammengepfropft, 
von der Dede —— fo iſt der Anblick unan⸗ 
enehm. — meiften Gemälde in Herculanum, 
Dempon und Stablaͤ = man befanntlich von der 
and gefägt, und im Muſeum eine lange Reihe von 
Zimmern damit tapejirt. kann nicht fagen, daß 
abl getroffen; es {fl viel faft 

tes darunter, Es fcheint, 


der 
nes ven Bronze aufgejtellt. 
et hr — — vier gruen aber nur Bes 
der. — die —5 — ——— 


GE mn abete, 


— 516 — 


Nicht-politiſche Zeitung. Nro. 116. 


St. Petersbdurg, den zoden November 
alten Stils 1804. 

m dieſern Monate erlitt die hieſige Frammdriide Bühne einen 
‚bedeutenden Verluſt. Der brave Schauſpieler Gainclair flarb 
an den Folgen der Auslehrung, welche durch einen ungluchlihen 
Fau auf der Bühne noch mehr beförderr wgrde, Er feicite 
erite jugendliche Liebhaber mit vielem Beifalle, um fein Io 
wird allgenseim bedauert. Seine Beerdigung war io veiertich 
als möglich. Die EAnger der Framoſtſchen und Ptaliamiicen ' 
Oper führten die fetertiche Todtenmeie auf, welche Kosoisig 
iur Beerdiaung des Künyes von Polen geicgt bat. Zhr wohnte 
der Obertammerherr Nariſcatla als Oberdivecior ber Karierlis 
den Theater, die game Theater ı Direction, das Perſonale der 
Katierl. Schauſpiel⸗ Ceſelſchaſten und mehrere Freunde det 
Gerflordenen, mebft vielen anbern Zuhören aus dem Yublice 
Dei. In der herrlichen fatholiihen Kirche Kaud wer Sarg auf 
einem Garafalte, und es wurde eim seierliches Hochamt gebal 
ten. Den Abend vorber war ſein Beuem geweſen weiches 
sum Velen der Wittwe umd jeiner einzigen Tochter, der Dem, 
Suinclatr, deren umlangkt in dieſen Blärtern als ainer hofnungss 
vouen Känirein. Didelots Schulerin, erwahnt wurde, außerers 
dentlich eintraglih ausfiel, 

Gam auf gleiche Art als Gainclair, wurde Giornovicht, 
der aubttannte große Violtniſt, begraben, welcher dem I2rm 
Diefes, Abends, an dem Folgen einer Jubigeflion Plöglih farb; 
nur mit dem Unterſchiede bafi umfere Deutihe Mara, die fich 
anf ihrer Durdreiie nad Wiodtan hier befinder. ſich es kur Ger 
falisteit ausbat, eine Partie in ber Tobtenmaife isbernehmen au ' 
durien um ihrer Marung für den Verſtordentn, als Kinihier, 
ein Geungt au Jeiften. Hier erhielt ıhe großes Talent dem voll 
Nandisken Triumph. — Der Hofbankier, Dr, Baron Rail, 
ein Ptebhaber umd Kemmer der Kumft, und fsibl ein Wirtmofe 
abi der Btolime, barte auf jene Koken vice aläniende Todtens 
feier beforgt, denn aus Biormovichis Anchlah konnte kaum eine 
einfache Geerbigung beitrittem werben, Wie man erzählt. wäre 
es beinahe ſonderbar mit dem Beritorbenen gegangen. Ein bier 
figer belannter Kamimann, in deſſen Haufe ber Sünfler ot 
Ga gewern war, übernabm bie ganıe Weerdigumg. 7720 
aber nach der Tag derielben bestimmt werden Eonnte, gerieth er’ 
in io grade Verlegenheiten daß er darüber bie veiche ganı wer 
sah. Da fih num miemamb darum zu belümmern ſchien, und 
der Wir den Todten nicht Tanger in feinem Dane behalten 
mochte. fo meldete er eh der Poltzei, und mum follte die Deiche 
ans der Armentafa begraben, oder wie andere fagen, auf 
Die Anatomie abgeliefert werben, Sobald dies der Baron Mall 
hörte, übernabm er die Beerdigung um fo cher, da er schen 
vorher feinen Beitrag dazu jenem SKauimaune angeboten haste, 


(Die Gortfegung folgt.) 


Aus Franzbfifhen Blättern, 


er von hinten s Morvean erfundene, und jetzt von Moullay 
iu Yarid zum Vertauf angefertigte Apparat me Berbefferung 
der Yark, wird jegt faſt im allen Arankenhaäuſern gebracht. Er 
beflcht aus verwahrten Flaſchen, weiche mir Ingrediensien gefülıt 
find, aus denem fich ſchnetll umd viel Lebentluft entwickelt, fobald 
man fie Öffnen. Im einer Minute dann man fich im dem dum— j 
pfigſten Hofpitale mit einer Armoſphare gefunder Luſt ummeben. 
Die gewöhitihen Flaſchen find fo eingerichtet, Dali man fie in 
der Tasche, auf Meifen u, (. m. bei dich tragen kann. Sie te 
balten wenigkens ein Jahr ihre Araft, und das Stück koſtet 
mur ſechs Granfar; eim großer Mpparat, um gane große Kramı 
Ienjale mit gefunder Luft zu ullen, 24 Franten. — . 


Bom Rheine 


WB ese: Eine Heintihe Beid-Epecntation drobt, dad Tinte Sheikr - 
ufer einer feiner ihönden Zierden zu berauben. Wie Runen 


seiten als National Dominen am Miifttiersmde verkauft mer 
den. So find Die wrähtigsromantiiken Ueberrehe von Fürs 
ſtent erg eur Das Eigenthhum eines Cobienjer Raufmanns, 
der die heiiigen Hallen abbrechen will um aus Dean Steinen — 
vielziche Speicher aufufihren. Der mertwurdige Adnigittußf 
bei Xbeaſe mo Neichstage gehalten, wo Katıer deoablr und 
atgeicpt wurden, if von Bauren dem gamlıh ernon 
Die getonen Eummen find immer Göch unbedeutend. Mächte 
grNapolcon fch uns be JIm Innern von Frankreich ber um 
deit man jedes Uebertleniet der Borseit mir Soraamteit, ber 
mwabrt es fat als heilig aui, Es kann Dein Walle micht Kan, 
baö man unfre Heiligchimer zernort. — 


Aus Weimar, 


Mesen dem Wildbauer Tick Hält fich Hier auch feine Schwe ⸗ 
fer Madame Berahardi, und die bekannte liebenswetithige 
Wablerin, Demotfelle Hiberzts auf. Voptere ſteute in der tus 
ſteuung von Gotha ıhre Madonua auf, die fie aus dem beruhen⸗ 
ten Holden im der Dresdner önikerie, der Bürgermeiher 
von Baſel, im lehten Eommer in Dresden topirt bat, tine 
treñliche Arbeit. Die allen Kumfireumden greie Freude machte, 
Zu dem Kupiertichen,, welche bet dem Werke ericheinen werden, 
weiches über die Petereburgiſche und Beimariſche Sermäblungd 
feterkichteit beim Kirigen Hocbuchdrucker Gluſing no vor Ende 
dieitd Jahres beranstommen fol, hat Prof. Mener die Zeich ⸗ 
mungen gemacht. Es IN aber auch Dom Triumphbogen und 
von den Versierungen deſſelben eine treue Abbildung im No⸗ 
venberſtuct des hier heraustommenden Modelourmals zu nmden, 
wobei aud eine kurze, doch genugende Erjäblung und (rfids 
rung befimdtih iR. Das Bertuhiiche tandesimdudrit 
Cemptoir macht täglich grökere umb aubachr.itetere Geidarte, 
heilt ſich im mehrere Branden, fir Die Naturgejdrichre, dir 
die Geographte. Britetes Itnternelimen hat ein eigenes Burcau 
und beichaftigt eine Menge Kubferſtecher und Jeihmer aan; auf 
faliehend. Der Atlad von 60 Kurten in mum erllondit, md 
bat den Vorzug das dach eime sehr Ammilficırte Wanimslatien 
dede neue Grensberichtigung, am mwelder es bei ber iehigen Page , 
und Stimmung Europas jobald wohl mob nıdt fehlen Brite, 
fogleth madıgetragen werden Fann. Erbe beauem imb emmpfchs 
lungswirdig u auch der bier erichienene Atlas mınınnıs, In 
dfpiem NAugenbtik Ütmdigt Verrüch en wieder ein werd Home , 
mal mir Kupierm (das Kte im der Keihe) für Kigder, Neb 
sern und Erzieher, mit dem verdienten padagsgiſchen 
Echriftiehier, dem Infpecter Fake in Dean an. Man mus 
den Muth bewundern, mit welchem die Unternehmer ſich bier auf » 
einen See wagen, auf welden die Trummern von mehr at! 1O 
Jourualen padagosiicden Imbalts, die feit wenigen Jakren Ech ĩ ⸗ 
druch erlitten, mod immer hexumtteiten. Uleim man bann⸗ : 
dem alten Piloten, der bier das Steuerruder in die Hand 
nanmt, zutrauen daß er dem Klivyen und Korsiienririen, am 
weiden feine Vorfahren ſtrandeten, gltudtich ausbeugen wird. 
Der Plan it king erfonnen, verſtandig und locend. des 
Monatsfirf jerjält in mei beſondre Journaiheſte, das cine mit 
den Interefantelen Bildern, blos für bie Kinder bis ins Inte 
Jahr, das andre blos dur Aeltern um» Ersieber, do Aers im 
Besichumg auf erſſere. Aues zuſammen koſtet den Ab onacaten 
aufs Jahr nur 4 Laubthaler, und amı Ende des Jabres erhalt 
ever noch aim Weihnachtsgeſchent, ı Thaler an Krb, als 
Pramie, 





Die Rabricht vom der Arretirung dei Am. v. Kopehue in 
Stalien, iR durchaus ungegrunde. — Er bat zu Neapel in der 
Rönigl. Vibllothet eim imterefanteer Manwicrrpt mit dem Titel: 
Veterder Große, entbert, und die ausdrüufliche Eriaubs 
mih vom Könige erhalten, es zu bemugen. Gr brimat mödents 
Hd dreimal mehrere Etunden in der Bitliotbet zu; das Vud li ⸗ 
fum bat vom feinem Fietßt eime tuteregantt Mudbeute du 
boffen. 


öâ—â——r r Gö G—r ——— — — — 


1804. 





Der Freimuüthige 


Eonnabend, 
ern f 


Amſterdam, den 10, Dec. 180% 
Briefe über das Holländifhe Theater und 
die dramatifcye Literatur in Holland. 
(Fortſehung.) 
Zweiteer Brief 





Dir Rhetorykers nun, und Ihre fogenannten 
Kammern oder Gefellfpaften waren es, weiche in 
fpätern Jahren zu der eigentlichen Schaubuͤhne dem 
Grund legten, deren Mirgrieder nicht gerade Dichter 
feyn mußten, fo wie von der andern Geite die Dice 
ser nicht mehr Mitglieder der Schaubühne waren, 
wenn nicht beide Talente ſich zufällig in einer Pers 
fon vereinigten. Denn fhon im AVII. Jahrhuns 
dert wurde durch Samuel Coster, ber ein Wits 
giied der alten Amſterdamſchen Kamer der Eglantie⸗ 
ren (unter dem Wahlſpruch „in liefde bluei- 
jende“) war, der erfte Grund zu ber großen 

tationaltäöhne in Amfterdam gelegt, deren Ruhm 
in der Folge durch die großen Echaufpieler Adam 
Eareljoon van Zjermesj, Js. Duym, Jan 
Bunt, Corver, uud befonders durch die unver: 
gleichliche Wattier fo außerordentlich zunahm. Die 
fer Dr. Coster errichtete nehmlich, troß den Bann: 
firalen, die vom Predigtſtuhle gegen ihn ausgingen, 
im Jahr 1617 auf der Keijeregragt, wo 20 Jahre 
nachher das große Theater erbaut wurde, die foges 
nannte Nederduytsche oder Costers Aka— 


— — ober 


und 


— — den 29. December. 


S dh er; 


bemie, im weicher die beften Stuͤcke der dermaligen 
Beit gegeben murden, . 


Hierzu gehören befonderse Brebdero’s und 
Eoesters A Stuͤcke, die wenigen Schauſpiele 
des berühmten Geſchichtſchreibers Brand, und des 
treffiichen Dichters und Gefchichtichreibere Hooft, 
einige Trauerfpiele von Jan Bose, Ansio u. f.w. 

ooft, der fehon früh für das Theater gearbeitet 

e, gab demielben feine zwei hiſtoriſchen Trauer 
fpiele wBato“ und Gerard van Velsen, 
und fein geiftvolles Kuflfpiel „Warenar met de 
por“ melde drei Etüde diefer Bühne und dem 
Berfaffer jur größten Zierde gereihten. Der be 
ruͤhmte Eareljoon van 5 der vortrefflichſte 
unter den Hollaͤndiſchen Schauſplelern der damaligen 
Beit, trug durch feine großen Talente am meiften 
dazu bei, um dem Verfaſſer und der Bühne Ruhm 
und Ehre zu bringen. Er war es auch, dem feine 

roße Gabe der Beredfamfeit die Ehre bewirkte, die: 
em Miederländiichen Homer die Leichenrede zu hak 
ten. Gerard Brand, als Verfaſſer der Reforma- 
tions: Geſchicht, und als Biograph des großen De 
Ruhter allgemein berühmt, zeichnete fi ſchon in 
feinem fiebzehnten Jahre als Schauſpieldichter aus, 
und fein Trauerſpiel „de veinzende Tor- 
quatus‘* erhielt allgemeinen Beifall. Allein die 
Liebe machte aus dieiem Ecautpieldichter einen Pre— 
diger, und Brand ging für das Theater verloren. 
Aub der Glaſer Jan Bas gehört unter die beifern 
Dichter feiner Zeit, die für die Echanblihne arbeiter 
ten. Sein Trauerfpiel Aran und Titus erwarb 
ihm aber ſoviel Ruhm, daß er, im ſtolzen Gefühl 
feiner Taiente, ein jweites Trauerfpiel „Aedea* 
entwarf, in weldem er, mit Hintanſetzung aller dras 
mariichen Regeln gan) feinem Genie folgte, und im 
Vorbericht dem Dichter Horaz juruft: 





— 518 — 


„Gy zyt een lierpoöet, en schryft het treurspe 
wetien? 

„Zoo tergt seen hadersfluit de klank der krygstrom- 
petten! 

„Uw les is overlast: de kunst gedoogt geen pyn: 

„Het spel wıl wel bepaald, maar niet gedwongen zyn !** 


In feiner Poffe „Oene,‘ ſchildert der Dichter 
die Eitten der niedrigften Vollxklaſſe zu Amfterdam 
auf die ausgelaffenfte und unſittlichſte Weiſe; und 
überdies verdient er die Ruͤge, daß unter feiner Lei 
tung der Echaubühne die beflen Stuͤcke anderer 
Dichter entweder von ihm vermorfen, oder doch die 
Rollen fo fcblecht befegt wurden, das außer feinen 
eigenen Stuͤcken, Bein anderes Gluͤck machen fonnte, 
Allein, fo fürchterlich auch die Scenen find, welche 
fein Aran und Titus enthält, fo iſt doch der 
Schwung feiner Finbildungskraft bewundernswuͤrdig 
und groß, feine Gemälde find fchredlich : fchön ; feine 
Derfe vortrefflich; nur flatt der Ordnung und Regek 
mäßigfeit, liegt alles gleichfam in einem wilden 
Chaos durcheinander, Hochtrabende, gefchraubte‘, 

emeine Gedanken fiehen neben den erbabeniten 

teilen. Schubarts Alasveros und ähnliche 
&töde fommen noch am meiften damit überein, 
Don Ansle, den Vondel einen zierlihen Dichter 
nennt, iſt mir nur fein Trauerfpiel „de Parysche 
bruiloft‘“ (die Parifer Hochzeit) vom abr 1649 
befannt. Mehr und beffere Stuͤcke lieferte Bredero 
für die Bühne. Wieropl er auch manche, mit hıfli: 
gen &cenen durcdhmengte, Trauerfpiele ſchrieb, fo iſt 
er doch nur als Pufkfpieldichter, und befonders in der 

offe, berühmt. Er begab fich fehr oft auf dem 
Die: und Obftmarft feiner Baterftadt, um Sprache, 

on und Sitten der Amfterdammer Poissarden und 
der gemeinen Klaffe Überhaupt vollfommen in feine 
Stuͤcke zu verweben. Unter diefen verdienen befons 
ders „het Moortje‘* und „de Spaansche Bra- 
bander‘ genannt ju werden, wovon das erſte eine 
Nahahmung des Ferenzifhen „Kunuchus“ if. 
Don Costers Grlden felbft bemerte ich vorzüglich 
feine „ligenia* ein Trauerfpiel, und feine an 
Wis fehr reichhaltigen Poſſen. Doch alle biefe 
großen und Heinen Lichter des Parnaſſus murden 
durch das heilfhimmernde Eonnenlicht des unſterb⸗ 
lichen Vondel verdunkelt Joost van den Von: 
del mit dem Beinamen des Holländifchen Wirgilius 
verehrt, uͤbertraf alle feine Vorgänger. Edln fah ihn 
in der Wiege (im Jahr 1587), aber Holland erjog 
und bildete den großen Mann, Er gab durch die 
Menge feiner treffiichen Trauerfpiele,, fo fehr auch 
Kan Dos ihn au unterdräden bemüht war, "er 
tationalbühne zu Amfierdam einen neuen Schwung; 
und ift unter allen bisher genannten Dichtern der 
einzige, teffen Stuͤcke noch bis auf den heutigen 
Tag mit ungemeinem Beifall gegeben werden. ein 
erſtes Schaufpiel „Pacha‘ (vom Jahr 1612) ward 
noch durch die Rederykers aufgefübrt ; die übrigen 
waren alie für die Amſterdamſche Bühne beſtimmt. 
Sein „Palamedes“, ein Trauerfpiel vom Jahr 
1625, machte ungemein viel Aufieben, weil er in der 
Perfon des Palamedes den berühmten Oldenbarne⸗ 
feld ſchilderte, und ſich fehr ſtarcke Ausdruͤcke gegen 
den Prinzen Moriz von Dranien, gegen die Eiynode 


von Dordrecht u, dal, erlaubte. Nom Haag erfchien 
ein Mandat zu feiner Auslieferung; allein die Ne: 
genten von Amfterbam meigerten bdiefelbe; dennoch 
ward Dondel zu einer Geldbuße von dreihundert 
Gulden verurtheilt. Die übrigen Echaufpiele, welche 
in den folgenden Jahren mit ausnehmendem Beyfall 
auf der Schaubuͤhne zu Amferdam vorgeftellt wir: 
den find folgende: Electra, — Joſeph in Dothan, — 
Joſeph am Hof, — Joſeph in Eaypten, — Die Brö- 
der, — Zalmoneneus, — Phaeton, — Jephta, — Das 
vid in feiner Verbannung, — David mieder einge: 
feßt, — Salomo — Eamfom, — Dedipus, — Die 
Bataviſchen Brüder, — Lucifer u, few. Doc das 
ſowohl durch den Gegenftand, als durch die Behand: 
lung am wichtigſten gewordene Stuͤck ift das be 
rühmte Trauerfpiel „Gysbrecht van Amstel" 
beritelt, durch welches die neue große Schaubuͤhne 
S Amfterdam im, Jahr 1638 eingeweiht murde, 
doch heut zu Tag wird diefes merfiwürdige, Mon: 
dele Zeitalter angemejfene, aber dem heutigen Ge: 
fhmad ganz nicht entiprechende Stuͤck, feiner vielen 
Gebrechen ungeachtet, alle jahre gegen Weihnachten 
5 bis 6 mal hintereinander auf der hiefigen Schau: 
bühne aufgeführt, weil der Dichter in diefem Ftüde 
die erſten Schickſale und auffeimende Größe biefer 
merkwürdigen Weltſtadt fo ſchoͤn und treffend fchik 
dert, und am Ende des Erüdes durch einen Engel 
die jufünftigen Schickſale derfelben im prophetifchen 
Geifte verfünden läßt. Daher die Thelinahnte, was 
fage ib? der Enthufiasmus, mit welchem noch all: 
jährlich die Amfterdammer ihrem Gysbrecht zujauch⸗ 
en, und zugleich das Antenten ihrer auffeimenden 
röße und ihres großen Dichters feyern, Grabner 
(der in diefem Xevelutionskrieg feine -militärifche 
Laufbahn beſchloß) hat in feinen „Briefen über 
die vereinigten Niederlande" dieſes fonder 
bare Stuͤck einer nähern Entwicklung gewürdigt, 
und den Ausländer mit dem Inhalte und den Feb: 
‚teen deifeiben befannt gemacht Neu bearbeitet, und 
mit Weglaffung des 5 — 6 Seiten langen Mono: 
logs Cdeffen_biftorifcher Anhalt in einem dialegiſi 
renden Ton fi viel beifer ausnehmen würde) möchte 
Gysbrecht van Aemftel eher den Beyfall rechtfertigen, 
der ihm in feinem alten Gewande nicht zukoͤmmt. 
Dondels Schickſale und Armuth find aus verfchiede 
nen Biographien hinlaͤnglich befannt. Er flarb 1679 
im 92 Aapre feines Alters, und ward durch vier 
sehn Dichter zu Grabe getragen. Am Jahr 1772 
‚ward ihm in ber Meuen Kirche zu Anıfterdbam eim 
marmornes Denfmal errichtet, das flatt aller me 
ſchriften und Yobeserhebungen, bloß mit dem Namen 
Dondel gejiert wurde, C. 5. Haug. 


(Die Fortſehung folgt.) 
Gragmente, aus der Screibtafel 
eines Keifenden ıc. 
Mufeum zu Portich 
(Scluf. ) 


Das Merfwärdigfte in dem Mufeum zu Portici 
find die Manuferipte, welche man in Hercula 
num, in zwei Zimmern ei.es Kaufes fand, So 


viele Beſchreibungen man auch daven geleſen haben 

ag, fo iſt es doch Faum möglich fih eine "deutliche 

te zu machen, wenn man fie nichr feibft gefehen 
bat. bi gleichen verfohlten, zum Theil auch vers 
—— Selen ppeln, fi u war; und Kaftanien: 

un, liegen in mehreren. Ölasihränfen und find 
leider forbrödlich, daß man unter jedem derſelben 
eine Menge Staub und ——— gewahr wird. 
Saͤmmtlich, nach Art der A aufgerolit, vielleicht 
au nach und nach von der durch die Aſche drin: 


gende Reuchtigkeit beichädigt, ſcheint es jebt faft ganz, 


unmöglich, jemals wiederum einen Buchſtaben —8 
das Yicht au bringen, Aber des Menihen Ge 
e und lei nichts unmdglih, und feine Erb: 

f a die 9 1 egier, macht ihn zum Schoͤpfer der 
innreichften Erfindungen. Die Maſchine, vermittelſt 
welcher die Mianuferipte oufgewunden werben, beuts 
lich zu befchreiben, muß ich. faſt verzweifeln. Sie 
gleicht, doch nur dem Aeußern na, dem —* ta· 
geräth der Buchbinder, auf welchem fie die Buͤcher 
En beften pflegen. Im Echoos von zwei Bändern, 
it den vier Enden oben befeitigt, ruht auf etwas 
Paummelle das ee ‚ger fo wie der Vor: 
bang ver einer Bühne in Etriden rubt. Dann wird 
mit Eomeis auf die Äußere Seite deffelben © old: 
PunT in ganı kleinen St den 


amas zu haben, 
% in Ya neben den 
den, wie eine Wiolin 
nun der Arbeiter einen 
es nur immer nötbig ſchien und thunlich war, mit 
dem Häutchen befieht, und mit einen fpigen &tifft 
I erfte Blatt fo vn 
— on er 


—— 


56 vu überall durch) 
ein ganzes, 


“ Arbeit zu * 









— 8 und * 
ai 


weiche an Tugenden — all 


——— 


darüber; herfahren, umd jeder mach feiner Weiſe die 
Ergänzungen eeritteln, oder andere an deren Etelle 
feßen Be i4 mäb Sefeä 
ie unendlid muͤhſam das ganze Geſchaͤft fe 
begreift jeder leicht. Mor einlger Bet hatte man % 
bereits ganz liegen laffen, wie man bier Alles liegen 
läßt; befanntlih hat aber jegt der Prinz von Wallis 
fi deifen angenommen und giebt die ‚Koften * 
er, ohne daß der jagdliebende König von Neapel es 
beinimmt. Elf junge Leute wickeln —— — 
ab, zwei copiten fie, und an der Cpige der Unter⸗ 
nebmung ein_verdienftvoller, von Enthuft pie 
* ender Engländer, Namens Halter. Er verfic 
daß die Leute jekt ſchon 34 viel ſchneller und % 
faidler arbeiten als. vor einigen Jahren. Er giebt 
die Hoffnung gar. nicht auf, die noch vorraͤthigen 
fehjehnbundert Manufkripte ſaͤmmtlich gu ent⸗ 
aiffern „und zweifelt fein s, daß er einen Mer 
nander, einen Ennius uf. w. entdeden werde, fo 
wie er biefen ana einen Ps bius in der 


vorher, ehe ih das 


Dis jept dar 
— 
ie meiſten Werke gefunden wer⸗ 


den, —— ein a von den Kaflern, 


ae 


— 520 — 


RNiht-politifde Zeitung. Nro. 117. 


Aus Leipzig 


Klo nr su seit einigen Jahren eine ſe arohe Zahl ach⸗ 
ser Klinker und Kunſttenner an den Hermes Viochovonpes 
abae zeben, das der jüngere Machrwucds fie Awerlich ſobald zu 
erſehen im Grande ſeyn mochte. Genſer, Kreudbani, Sir 
ber, wer kannte um» ſchayte micht dieſe Manner, bie su den 
Dierden wuiter Stadt gehörten? Bon Srrmbans Kumeriicds 
famminng wird num im der Notiihen Aunkbanniung ein ae 
drudıes Ancromsuemerdnii ausge dh Kenner und 
Biebhaber ihrer Aufmerkiamteit niglet entgeht Fafen follten. Es 
enthalt bie Handgeitingen abscrefgker, arade ao Nummern 
aus alten Saulen, mebi einer "Sam ntiing te Kupfer» und 
Kunfbüchern und einem bedeutea@in Anbang. Der Titel heißt: 
Verzeichnis der Kupferitichlammlung des verforbe 
nenhru.FransWillbelm Kreuhbanf vomAnfange 
ber Kunſt Did auf gegenwärtiae Zeit, bie vom 2m 
Mai 1805 am im veioiig verfielgert werden ſouen. 233 umb 
.o@&. ing — €. ©. Martini, unter deſſen verkandiger 

Beitung die ſollde Roche Kunkbandiung ihren alten Ruhm 
wo immer bebamptet, hat einen lehrreichen Vorbericht vor dich 
Dereihnid gefege und dem Merlorbenen ein kletnes f 
errichtet, Artuchauf war den 76. Januar 1727 in Eelmig ge 
voren und Harban demfelben Tag 1903. Wis Kaufmann durch⸗ 
eeifte er im feiner Jugend Gugland, Frantreich und Sralten 
und bracdte die dramgialvpllen Jahre bed ſiebenahrigen Artewes 
in votommener Klintiermuße in hamburg iu. 6 er nad) 
dem Frieden 1764 uruckkam, übergab er die Hapdlung und 
Serıpaltung feines Banrliben Erbes gan allein frinum Bruder 
und widmete Ab man ausichliehend einen Alten un® Runftie 
denden Vrivarieben. Geine zahlreichen und genamzm Verbie 
dummen mit den gefdichteten Kunfiern und Kunithändiern bed 
Iuianas und Auslandes machten es ibm mg, von autern und 
wen Meiften die eritiemiten Eremolare zu erhalten und alt 
deine Kupieniithfammlang zu 19,002 Blrtter angeragich war, 
verminderte er fie wieder um Die Halite, indes er alied minder 
Bure ausibloi. Er war and Beriafer der bitoriiben 
ertlarung des Winklerißen xunfttabimers, wel 
&e 1769 ber Berietonf eribien und noch jeht in Kunndiblios 
tbeten geſchatzt wird, — Mierhenrdig find in biefem Werbeircht 
von Dyirtini mod bie ITeen, die deſer gelibte umb er— 
führne unfiammier Uber ben dreifachen Giefichtseund hatte, 
nach wem cine kieimere oder aröhere Kupierkichimmmgng ans 
gelegt werben könne. Diefe Jdeem, fo wie fie hier mpktgerbeilt 





werden, verdienten wohl im einem unferer Kunftieurnale, wie, 


4 8. in der neuen Bibliotbek der fhömen Wiilfen 
fbaften, an welder auch Arcuchauf einigen Theil hatte, um? 
die noch Immer unter M. Duts, det Verlegers und Heramsa 
Gerd Peitung ihren Werth behaubtet, eine genauere Prüfung — 
Von dem Ciedem iebhaber durchaus umentbehriiden) Haud- 
Ducd fur Kunfklichhaber und Gammier über bie 
vornehmhenKupferkeher und jbre Werte weides 
nad Hubers frambfiihen Original ber obrngenannte Mars 
tind deutſch bearbeitet, in num auch der 7 und Kre Theil, melde 
Die franzdfifche Kupierteberichule volutandig enthält, bei Hünli 
in Zur und in der Roſtiſehen Kunfthaudlung im Leipsig 1m 


haben. 
Din, den 19. September 1904. 


Ans Heftheater wurde ein meues Stüd, der gewiſſenhaſte Erbe, 
ganz ohne Berfall awfgerihrr, Hundertmial beifer angewandte 
Dinge, ein Zeftament, weldies dem Erben zugleich eine Gattin 
Beilimmt, ein Erbe der eine andert liebt, die Zuneigung ber bes 
Miınmrcn Vraut zu einem dritten, altes das if fo gewohnlich, 
und suleich im dieſem Stücke fo ganı obne Intereffe ausgeführt, 


das der Erfolg davon ohue viele Mühe voramssmichen acweſen 


wäre 
Im Theater am der Wien fiel: die gute Launec, wölig burn, 


und war gan mit Recht, ed ſehlt am Plan, Eharatterinit, Eituas 


tlonen, Diafog — kurz am allem. Auch eine neue Ober b’ilege 
was: das Scloqj von Miontenero hat nicht gefallen. Made, 
Eigenian fplelte Die Role der Laura, fie wurde auch bei mehreren 
Vorkteltungen Imrausgerufen, aber Das gebildete Yublifun war 
mit Ahrem Soiele wicht zufrieden. Im der Gene, wo fie dem 
Rauber ihre Verachtung zu erfennen giebt, war es midt die edle 
KBürde der Tugend, Des gehaltenen Bewunfeond — es war der 
obmuntchtige Troy eines icdhmodenden Mädchens, welchen fie ihnz 
entgeaengeltie, Auch im erſten Are mar ihr Soiel halt und ohne 
Theilnahme. Die Miwiit hat michıs Ausgeztichnetes; im dritten 
Alte ın eine Romane artig. 

Wir haben ſchon mehrere geöfitentheild emnlich Mark beſuchte 
Fonzerre gehabt, Madem. Vlangint gefiel fo ziemlich" auf der 
Bioline, deſer M. Bigot de Morogues auf dem Pianeferte; 
aud Herr Wolf erhielt auf ber Guitarre Beifall, und mwirtiich 
trattirt cr fie artig und malt wiefer Leichtigkeit, 





Die Sedanken und Werrachtumgen u. f. w., Cbelanntlich 
von Klinger) die fo manden Bliß durch mädhtlih buntie Cr 
senden verfenbeten, fe mauches Geipeuf, das ſchrecten wollte, im 
feiner lacherlichen Geſtalt verrietien, aber auch Wbgründe mars 
men» beleuchteten, — haben gewih anf einen gronen Theil des 
im Seien bentenden Publikums unausıdidlche Eindrucke ger 
macht, Der dritte Theil berieben, aus welchen der Freimuthigt 
Proben miitgerbeitt hat. wird mit er sur Odermeſſe fertig, fon: 
dern um Neuzaht zu Beipsig ausgegeben und beriender werben, 





In einem Briefe, als hätte Hr. Spalier ihn geſchrieben, 
(ber lacherliche Echiuh *) wenigkene if zewig von ibm, 
wenn mich nicht alle literariſche plofognomtt taufcht,) eryablt 
bie Hufe Bettage zur Zeitung ir bie eig. W. ad wäre 
«erw Für den Freimuthigen gewaltig Nachtheiliges, ber 
Weriajer einer vor mehrern Monaten im fireim. aedruck⸗ 
ten Schilderung vom Kiel, ſet ein dortiger Student, und 
wirft mir vor, bakı ich „himtiunge Mitarbeiter“ aufnahme u. L m. 
Die Nabride it mie vonkumdig: der Verfaſſer hatte Aigen 
folten, bai ich manche Kiterariich s Arinalte uad fche befammız 
Herren, die ſich zu Mitarbeitern andoten, höflich jurücwies, 
weil ihre eingeſendeten Beträge nicht bald fo aut waren, als 
die der „blutzungen.“ — Den Werfaffer der Schilderung won 
Kiel teune ich wur ald Verfaſſer einiger nicht mislamgenen 
Werte, die dm vorigen Jahre bei Unger erſchicucn find. 
Uchrigend it mir, wie wohl jedem Vermünftigen, Bılter, Gtanb 
und Gbarafter der Mitarbeiter durchaus gieibgikig: id 
febe mur auf bie Veihafeubeit der Aufiape feiba, und if 
beriomae, der mir etwas Gutes einidridl:e, eim innger noch 
unkefannter Mann, do freue ich mich, ihn beim Publttum 
einjwfirhren. Bon Leuten aber, Die abgeſamackt genug den⸗ 
ten tintm guten Kopf feine Iwaend ernſthaft um Vormurfe zu 
macden, würde ich nichts aufnchmen, vnd hatten fie eidgranei 
Barte die ihnen die Ebuhivigen kehrten. — Das Übrigens um 
ter den Mitarbeitern am Freim. Maunner vom erften Kireeiie 
ange find, braucht wicht er aefast zu werben, GM. 
— — ———— — — — —— 

Dieſer Schlus iM im der That, ein Meifterfick der Batour⸗ 
bie, Zbm amioige iſt es „unerbört und in Gobem 
Grade emodrend, daß ein Manm wie ich,” Mufige 
wie die Edilterung von Kiel, „einer Zeitschrift eins 
werierbt bat, dte —“ - Was meine man weht? — 
Ver gerechten Berachtung bed gehbilbeten Baur 
Biitums preis gesehen IR. Nun, wenn das Icptere 
wäre, könnte es doch wohl midt untrhort und entpärcend kom, 
ſotrate Arbeiten darin zu ſehen. — Offenbar hatte der Verf, 
des Schreibens, trog ſcinem Zorn, etwas Tortbeilbarts vom 
Hreim geſagt; ein andrer — wer, errath man leicht, ſchrich 
Matt deſſen eine Brobheit him, harte aber nicht Verfland genug 
den Widerſpruch eimamfchen, der mw. entſtand. 





1804. Nro. 261. 
Der Sreimüthige 
Montag, — er — den zu December, 
ern f ııv Sherry, 


——— 
Leiteratur. 
Klopſtocks Werke, 7ter Band, Oden. Geiſtliche 
Lieder. Epigrammen. 1804. 
Klopſtocks Werke, Ster Band. Der Tod Adams, 
ein Trauerfpiel. — Hermanns Schlacht, ein 
Bardiet. Leipzig, bei Gbfchen, 1894. 


Var Zeiten, — freilich vor lange ſchon entſchwum 


denen Zeiten, — da man die Schriftſtellerei noch nicht 
als ein Zweig der Gewerb: und Handels: nduftrie 
betrachtete, wurden bie Derleger zugleih mit den 
Schriftſtellern, deren Werke fie druden liefen, be 
rühmt, denn man fah es, — was es denn auch wirf: 
lich war, — für etwas fehr Derdienftliches, für einen 
Beweis von Muth und Einfiht an, wenn ein Buch: 
händler eine Summe Geldes daran wagte, die fir 
teratur durch ein beträchtliches Werk zu bereichern, 
Sept, — obgleich verhaͤltnißmaͤhig fehr viel weniger 
Werke gefhrieben werden, die als eine Bereicherung, 
aber deito mehr ſolche, die für eine Derunzierung der 


Literatur angeſehen werden könnten, — jetzt iftes ans 


ders mit den Verdienften der Verleger: jeßt werden 
die fleißigften durch ihre Unternehmungen faſt nicht 
berühmter, als ein thätiger Aufternhändler durch die 
häufigen Transporte und die gute Beſchaffenheit 
feiner Waare werden kann. Aber die meiften find 
nicht unzufrieden damit. Wir find Kaufleute, fagen 
fie, und der Zweck des Kaufmanns ift Geld, Geld! 
nicht Ehre, Wohl wahr, aber wenn der Kaufmann 





nicht nach Ruhm geigen foll, fo — follte er doch 
wenigftens Schmach vermeiden, und DVerlageartikel, 
welche den Geſchmack fehänden und die Sitten vers 
giften, — warum follten fie nicht eben fo veraͤchtlich 
machen, wie der Handel mit fhmußigen Werkzeugen 
der Wolluſt, oder mit — doch weg von ihnen! 
Unter den wenigen ebrenvollen Ausnahmen von 
jener Bemerkung, flcht der Verleger der Klopſtocki⸗ 
fhen Werke oben an. Eben fo fehr ein Mann von 
Geiſt, Kenntniß und Ehrgefuͤhl, als gut berechnender 
Kaufmann, mählte er bisher jede feiner groͤßern 
Unternehmungen von der Art, daß fie felbit der Ma: 
tion zur Ehre gereichte, und der Literatur Schaͤtze 
lieferte, Ruͤhmlich geſellet ſich dieſe Ausgabe der 
Klopſtockiſchen Werke zu ihnen. Ihrem Urternehs 
mer verdanken wit es, die Geſaͤnge des Unſterblichen 
in einem Grade der Vollendung zu beſitzen, der ib: 
nen wahrfheintih fonft nicht geworden wäre, 
Die erten ſechs Bände, welche Klopſtods fruͤ— 
here Oden und den Meſſias enthalten: wer hat eine 
Buͤcherſammlung und ſtellte ſie noch nicht mit dem 
Bewußtſeyn darin auf, er habe ihr einen Schmuck 
verliehen? — Die Oden des ſiebenten Bandes ſind 
alle neu, von den Jahren 1796 bis 1801. Klopſtock 
war unter allen Deutſchen Dichtern derjenige, der 
mit dem tiefften Gefühl für Keche *) und Wahrheit, 


) Wie lebhaft das Werliht bes ebein Greiſes für Recht war, 
davon gicht bie dritte Ode des 7ten Bandes einen Beweis, dem 
man mit Lacheln, aber gewii auch mit chriurdtsvolter Kübrung 
bimerten wird. Klopftocd floh fe, ehe Neliom ihm beſuchte, 





— 522 — 


den ſtammendſten Patriotismus verband, "Das zeige 
sen feine frübern Oden, das zeigen. auch dieſe. Im 
diefer Küdficht verdient er am meijlen den Ehrens 
namen eines National: Dichters, obgleich nur der ges 
bildeteſte, edelſte Theil feines Dolfes im Stande ift, 
ihn ganz zu verfiehen, und mit Genuß zu wuͤrdigen. 
— Die geifilichen Lieder zeigen den Dichter von eis 
ner &eite, von welcher ihn. wohl fehr wenige Eennen, 
und noch mwenigere ihm mögen zugetraut haben, daß 
er fie befüßes Der heilige Adler, der ım Vieffias oft 
fo hoch in die IBoifen emporſtieg, daß ihn jedes ge 
mwöhnliche Auge nicht mehr erreicht: er läßt fi in. 
dieſen Liedern freumblih und verftändlich in die 
tieffte (um. nicht den. leicht: zu verdeutelnden Aus: 
druck, niedrigfte, zu gebrauchen,) Reglonen hinab, 
in melden die flügellofe Andacht auf den Knien 
liege, und nur den Blid gen Himmel zu. erheben 
vermag: aber nicht, zu werden mie fie, fondern durch 
feine Bliße ihr Dunkel zu erbellen, fie mit fich em: 
por ju reißen an ben Thron des Ewigen, — ber 
felber die. Ewigkeit ſchuf. Diefe Lieder find großen 


Theils Umarbeitungen der gewöhnlichen allbefannten , 


veralteren Kirpengefänge, aber auch in den neuen 
ſpricht der erhabene Dichter religiös : verftändlich und 
einfah. — Gollten fie, wenn man den aͤſthetiſchen 
Kunftmeffer. an fie legt, nicht als vortreffliche, jedem 
Zeitalter angemejfene Gedichte. befunden werden, fo 
ift das’ die Schuld des Stoffes, der zu ſolchen fich 
eben nicht eignet. — Den Schluß bes 7ten Bandes 
machen 67 Cpigramme, — nur einem ſehr Fleinen 
Theile na, witzige Einfälle, — aber faft durchges 
bend flarke, wahre, treffende Gedanken. . 

Der achte Band enthält: die berühmte, religiös 
tragifche. dialogifirte dolle, Die Kiopftod ein Trauer 
fpiel betitelte, und die auch als ein folches ins Fran— 
zöfifche Üüberfegt worden iſt: „der Tod Adams" — und 
das mit. Flammen gefchriebene, lyriſche Charakter— 
gemälde, „Hermans Schlacht," vom Verfaffer Bars- 
diet genannt. ch glaube nicht, daß es in der gans 


ijen poetifchen und wirklichen Menfchengefchichte zwel 
ergreifendere,. reichere Momente. giebt, als der Stoff die, 


fer beiden Dichtungen ift, und der Dichter bat ‚fie. 
mit. fo majeftätiicher Kraft, mit fo hochpoetiſchem Ger. 


fühle und doch ſo wuͤrdevoll einfach behandelt: — 
„Die Deutfhen hatten große Dichter!‘ wird jedes’ 


künftige Volk nach Jahrtaufenden fagen, dem auch nur 
dies Dardiet noch in die Hand fällt: — 

Das Vorftchende ift keine eigentliche Beurthei— 
lung der Klopſtecſchen Werke in dieſen beiden Bän— 


mit einem Lobausruf om ibm, wegen bes Steges ba Nbulir, 


und ſtrich dieſen Autruf, mach dem, Gerüche, weg, weil. Keliem, 


ine Gapitulation brach. 


den. Eine ſolche ließe fi nur in einer Abhandlung 
ausführen, und fie kaͤme zu ſpaͤt: die Bewunderung 
mehr ats Einer Öeneration bat ſchon Über Adams 
Tod und Hermans Schlacht entſchieden. Ich wollte 
ner das Publifum erinnern und benachrichtigen, 
weich’ eine treſſliche Gabe ihm dargebracht worden, 
— und nebenher einiges fagen, das ich für nüßlich 
bielt. R. L. 


Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reiſenden ꝛc. 
Pompeji, 

Ein brennender Berg ift allerdings ein großes 
Schauſpiel, aber die Natur giebt es an mehreren 
Drien. Eine Stadt hingegen, eine große, reihe 
Stadt, die achtzehn Jahrhunderte lang tief im 
Grabe lag, dann zum erftenmale wieder von ber 
Sonne beſchienen wurde, und jeht fo fremd da ſteht 
unter den Übrigen Staͤdten, wie Einer ihrer vorma⸗ 
ligen Bewohner unter feinen heutigen Enfeln ſtehn 
würde; eine ſolche Stadt iſt einzig in der Welt. 
Die Gefühle, die an ıprem Thore mich ergriffen 
haben, diefe Wehmuth, dieſer Schauer, diefe traum: 
ähnliche Beklommenheit, — diefe Neigung zum Wei: 
nen, wie man fie mohl empfindet, wenn man etwas 
Edles, Großzes erzählen hört, — ja fagen kann ic 
ungefähr, wie mir zu Murhe war, aber lebendig 
barftellen nicht. Als die gläubigen Heerſchaaren 
Sortfrieds von. Bouillon zum erjienmal SJerufalem 
erbliften, und, von frommen Gefühlen überwältigt, 
niederftürgten auf ihre Knie, da mogte eine äbnlie 
he Empfindung fie durchbeben. — Es giebt Augen: 
blicke tm menſchlichen Leben, die einzig da fiehn, und 
ſich nicht an die Kette der Übrigen Erinnerungen an: 
reichen laſſen; es find Puncte, die noch hell leuchten, 
wenn au ſchon Mebel und Nacht die Übrige Ders 
gangenpeit umhüllen; es find die lekten Gegenflände, 
auf weichen unfer Auge noch verweilt, wenn Charons 
Kahn bereits vom Lifer ſtieß. Ein folder lichter 
Punct bleibe mir Pompeji, diefer Epimenides un: 
ter den Staͤdten, und was ich dert in wenigen Stum 
den fah, wird mein Geiſt noch oft, an ftillen heitern 

Tagen, der Welt entruͤcken. — 

Der Weg von Mearel nah Pompeji — nicht 
viel über zwei Deutſche Dieilen, ift eine ununterbro: 
Gene Kette von blühenden Staͤdten, die, des Dul: 
Fans Tüde vechöhnend, jeinen Fuß befränzen und 
den Meertufen fümüden. Leber Portici und Reſina 
gelangt man nach Torre del. Ureco, jener unglüd: 
lichen Etadt, die überall noch Epuren rer gräßiichen 
Verwuͤſtung träge, wo das Xuge den geronnenen 
ſchwarzen Lavaſtrom bis Ins Vecer verſoigt, und ver: 


— 523 — 


wundert die neuen Wohnungen zwiſchen den Ruinen 
erdlickt, welche vergebens zu. warnen ſcheinen. Noch 
haben Witterung und Menſchenfleiß die Lava bier 
nicht geebnet, und Überall reckt fie noch ihre ſcharfen 
Baden empor, und ungeheure ſchwarze Steinmaffen, 
einſt feurig ins Aſchenbett gewaͤlzt, fharren länge dem 
Wege. Leichtern Achem schöpft die Brut, wenn 
man die hop gethürmten Schlacken hinter fi, und 
das von Dienfchen wımmelnde Torre dell’ Auuon- 
2idta vor ſich ſieht. Wan da fährt man zwiſchen 
Weinbergen und Baummollenpflanzungen, durch eine 
lachende Gegend, vormals Vieeresgrund. Nicht lange 
mehr, jo gewahrt das Auge linfer Hand zwilchen den 
Nebenhügeln die Stadt, die, das Keichentuch von. 
Arche von fich werfend, aus ihrem Grabe bervorgieng, 
Ohne Daͤcher find die Gebäude, unvorbereiter hält 
man fie für zerfiört durch Feindeswuth oder abge: 
deckt durch einen Orkan. — Jetzt hält der IBagen, — 
zitternd ſteigſt Du beraus, und zitternd fchreiteft Du 
dur das unberachte Thor dejfelben Pompeji, wel: 
des Seneca und Tacitus einft die berühnite cam: 
panifche Stadt nannten. Ja damals, als fie noch 
vom Vleere umflojjen war, flarrte ein Maſtenwald 
in ihrem verfhwundenen Hafen, der Handel blühte, 
der Luxus ſchwelgte, Käufer und Verfäufer wimmel 
ten vor diefens Thore, in diefen jeßt dden Straßen. 
Dein Fuß betritt noch daſſelbe Pflaſter, noch find 
ihm die Epuren der Räder eingedrüdt, die hier vor 
achtzehn hundert Fahren rollten, Zu beiden Seiten 
der Häufer läuft ein erhöhter Gang für die Fußgaͤn⸗ 
ger, und, damit fie auch bei Kegengliffen, queer Über 
die Ötraße, bequem auf die andere Seite gelangen 
mögten, bat man in verſchiedenen Zwiſchenraͤumen 
große flache Steine zur Brüde gelegt, deren drei die 
ganze Breite des Fahrweges einnehmen. Weil nun 
die Wagen, um dieſen Eteinen auszuweichen, immer 
die Fleinen Räume zwifchen denfelben benutzen muß: 
ten, fo find au die Spuren der Raͤder am fihtbar 
fien. Das ganze Pflajter iſt ſehr wohl erhalten; es 
bejteht aus lauter anjehnlichen Lavaſtuͤcken, die jedoch 
nicht, wie jetzt geſchleht, zu Vierecken behauen find, 
vielleicht eine Urſach ihrer Dauerhaftigkeit, 

Dan hält dieſe Straße für die ehemalige Haupt 
firaße von Pompeji, woran ich faſt zweitein mögre;. 
denn die Häuſer zu beiden Eeiten waren, vielleicht. 
ein paar ausgenommen, nur Wohnungen gemeiner 
Bürger, ale klein, meiftens mit Buden verjehn; die 
Erraße feibfi gt eng, nur jwer Usagen Eonnten ſich 
ausiweigen; auch iſt es wohi noch ſeht ungemip, ob 
fie durch die ganze E taot lief; denn von der Steue, 
wo man zu graben aufborte, bie zu der, ıvo nian 
wieder anfing, und Diewide Stratze wiedergefunden, 


4 baben glaubt, iff noch eine fir weite Strecke mit 
einbergen bededt, daß fehr bequem die prächtig: 
len Maͤrkte und Straßen fi darunter verbergen 
können. Doch ohne ergrübeln zu wollen, was der 
neidifche Afchenfchooß bier noch verbirgt, laßt uns 
bei dem verweilen, was offen vor ung liegt, und ges 
fegner ſey das Andenken des ehrlichen Winzers, der, 
als er im vorigen Jahrhundert Baͤume pflanjen wollte, 
mit dem erſten Etoß der Schaufel in die Erde, das 
Reihen zur Auferflehung. einer Stadt gab, — Blei: 
ben wir einen Augenbli vor diefer Bude flehn, in 
der man warme Getränke verfaufte- Wir mögten 
den Hausherrn bei Namen rufen, er fcheint nur, um 
eines Eleinen Geſchaͤftes willen, fih auf kurze Zeit 
entfernt zu haben, vielleiht um die Gefäße wieder 
zu füllen, die in biefen Vertieſungen ſtanden, denn 
ſeht, der Marmortifch trägt ja noch die geringelten 
Epuren der Taſſen, welche von Teinfern, die eben 
mweggegangen find, hier niedergefegt wurden, Will 
niemand ericheinen ? Wohlan, wie geben in das näche 
fie Haus. Hat doch auf der Schwelle der Hausherr 
ein Salve von fihwargen Steinen auslegen lajlen, 
wir find alfo willfommen und wollen ohne Bedenken 
die Neubegier flilien, Das wir Wohnungen betre: 
ten, deren Bauart uns völlig fremd it, fehen wir 
gleich auf den erſten Blick. Die Mitte des Haufes 
nimmt ein Viereck ein, ungefähr wie der Kreuigang 
eines Klofiers, oft von Saͤulen umgeben, reinlich, 
bunt und zierlic mir Moſaik gepflajtert, ın der „Viitte 
ein Fühlender &pringbrunnen, ju beiden Seiten kleine 
Zimmer, nur etwa jehn bis zwölf Fuß ins Gevierte, 
‚aber bog, mit fhönen Fronten, roth oder gelb ges 
mahlt, der Fußboden von Moſalk, das Licht blos durch 
die Thür empfangend, denn nur in einem einzigen 

aufe fand man ein Fenſter von didem blauen 

lafe. Diane diefer Zimmer hält man für Schiaf 

mädchen, weil eine erhöhte breite Stufe darinnen be 
adlich, auf welcher das Der mes jeftanden haben, 
und weil einige der Gemaͤlde ai en in ein Schlaf⸗ 
immer ju pajfen ſcheinen. Andere glaube man zu 

oilett zimmern beftimmt, meil an der Wand noch 
jebt Venus von den Grazien gefhmüdt wird, und 
weil man allerlei Flaͤſchchen und Buͤchschen darin 
fand. Größere Gemäcer dienten wohl als Speife— 
füle; wiederum in andern find bequeme Anftalten jum 
kalten und warmen Baden getroffen. Die Art, mie 
man ein ganzes Zimmer [ehr fiarf erwärmen Eonnte, 
ift mir befonders aufgefallen. &s wurde nämlich an 
ber gewöhnlichen Wand eine zweite, von der erften 
etwas abjtehende Wand errichter. Dazu nabm 
man große vieredte Ziegel, die an der inwendigen 
Seitt, gleich unfern. Dachziegeln einen tlumpfen Ha: 
Een oder Spitze hatten, fo daß fie gleichſam die erfte 
Wand damit von ſich abbielten; «6 biieb alfo ein 
bebier Raum rings umber von oben bis unten, 
‚und in dieſen waren die Nöhren geleitet, weiche hie 
Wärme hineinfuͤhrten, daher war das ganze Zimmer 
gerojjermaßen ein Ofen. — Auch den Lampendunſt 
‚oder Weruch wußren die Alten Fünftlich zu vermeiden. 
In einigen Häufern iſt für die Yampe «eine Jtuche in 


"der Dauer - mit einen trichterförmigen 
Fienen Schornſtein, Mg weichen der. Dampf bins 
A — Der Ha gegenüber. ficht man ge: 


— 524 — 


Me das größte Zimmer, eigentlich eine Art von 
Halle, denn fie hat nur drei e und iſt vorne 
nz offen. Hier, ſtelle ich mir vor, ſaß die Haus: 
Fan mit ihrer Arbeit, von ihren Andern umgeben; 

ie Kühle genießend, welche der Epringbräiinen vor 
ihr verbreitete, und bie eintretenden Gaͤſte willfom: 


men beifend. — Die Almmer an den Selten haben 
keine Berbindung unter einander, fie find alle wie 
die Zellen der Winche atgerheitt, die Thhr eines jes 
den führe zum &pringbrunnen. 

Die Bortfepung folgt.) 





Riht-politifhe Zeitung. Nro. 118. 


St. Yeteriburg, ben zoſten November 
alten Stile 1804, 
Us biefige deutſche Mühne ſcheint wieder dem MUngenbiice 
einer neuen Revolution mabe zu deum. Mor eimigem Zagen 
wurde fogar behauptet, es few bereits vertauft und iwar am ei 
nen ebriamen Schnetder und zwar ine bie Guuume von 30000 
Rthl. andre. und Mad. Mire, und z20p0 Kihir, Sulden, 
«6 fühlte aber nur am eimer Kleinigkeit, — am Gelde. Ei ware 
Doch ein gan; beionderes Schickſal, wenn mu gar ein Gchneir 
der Directene würde. Doch behaupten Andere, ber Gdmeider 
hätte nur dem Namen dazu geliehen. Kntideiden wird es fi 
wohl bald, denn bei der bach verſchuldeten KWwachen Etanas⸗ 
me, kann ed, vorsüglich bei dem degigen fan uneridwwingiis 
den Etat, unmiglic lange haften. — Mit welder Nachlatig / 
feit jegt die Vorſtellungen gegeben werden, Das it unbegretilich. 
Zu Cabale und Liebe Samen neulich in der Exene, wo bie 
Pad Defichlt, daß ihr ganzer Haushalt heremiveten fol, drei 
Madden md ein armichger Vedienter; im Don Juan batte 
der arme Mann micht einmal ein Tiſchtuch, fondern eime ſcamm⸗ 
gie Grrviette, im Domaumeishen begand Das erfe Ihr 
gercorps aus drei Perjonen. Dabei gebt allıs fo fbläfrig., ie 
ohne aue Achtung für das Yuabkicum, dat man ofentar jehen 
Tann, es bereit unter der Geſellſchait Die emiibirdenke Auat⸗ 
öte. — Mad. Mantovami vom Wiener Hoftbeater trat 
unlänga als Margaretbe in den Hageholien au und 
Beikiedigte jedermann durch ihr finniges und «hr maives epid, 
Exltvem it fie aber auch als Cora in Kollad Te» aufse 
treten und — fie mu durchaus bei ben Margarerben biels 
ten. Sonn pieat Mad. Lindenfiein, die ehemalige Sch ol, 
dir Gora zu falelen, aber eine Goxra war. fie eben ſo we⸗ 
ni. — So fpielte auch neulich Dem, Göwe bieLonife 
In Tabate und Kiebe, sehört aber für eine Louife 
zu fehr dieſer Weit am, jo wie Mad. Eindenketn, welche Putz 
vorher darin aufgefreten war, Dagegen dem Grabe bereite ent· 
Miegen ſchien; ein wahres lebendes Memento mon! — Hr. 
Mritch’t, der ſichtbar mach Rahe fich fehmt, weiche Hm das 
Yubtifum amd gewiß herilich winfht, bat mod immer die 
Güte, den Dichter, umd forte es auch ein Intaud fcum, Erafts 
yolt gu erganem In den Hagefolpem minzmelte er ale 
Hofrath Reimhold dem Johann nad: geb und brid 
dir den Hals! Hoffentlich wird der Dichter dieſen ccht cha⸗ 
gasteriniicden Ausdruck eines Hofrach Meinhoild bei einer 
fünitigen neuen Auflage nicht vernabisöigen, und wenn er fidh 
an Hr. Br, wendet, fo wird dieier ihm mit wichtern Atınkie 
ben Zügen dienen fünnen. war fdeinen fie bei diefm bione 
Impromtrs zu feom, Kinder augenblichtihen Gerlibid,. dadı wer 
weiß micht, daß bei dem wahren Kinftter das tiefe Fimdinm 
wie Natur eribeint, und daun die Kunft gerade ihren becſten 
Triumph feire. — Hr. Gudit ſch fol angefommen feun; er 
kann aber noch micht auftreten, meil, wie mam fügt, er bie 
Goutifien mehr beieſtigt werden follen. — Unläng@ wurden auf 
bobes Verlangen Er. Saiſert. Hoheit des Groffirken Com 
Ramtim, Kotzebues Kleinhädter und bag neue Gonms 
taastimd gegeben. Wie man behaupter folem die deut: 
fben Kieintädter auch mäcditens wor dem Hofe in ber 
Eremltage aufgefinhrt werden, Der dritte Theil des Donanı 
weibchend iR amgefindigt. Der erſte Theil, der vorgeſtern ne 
geben wurde, füllte das Haus fo kemlich, ſitl aber nur ſchr 
mittelmägig au — 
(Die Gortiegung folgt.) 


Aus Franzbfifhen Blättern, 


Eure, Ober: Wundarit der Franzoſiſchen Kualfergarde, hat 
von Er. Maleſtat Dem Könige von Preunen für feine chirurgt⸗ 
ſche Relation über die Erpivition mad Egubten, eine goſdne 
Medaiue, funfiis Lonisd'or am Werth, erhaiten und eim ſehr 
buldreiches Echreiben. 

— Die Yoramide, weldhe die Fransöfiihe Armee dem 
Kaifer bei Zen errichtet hat, hat vier Griten von 150 Fuf 
Brette. Sie beſteht durchweg aus fruchtbarer Erde, bie mit 
fieben Zub diem Karen bedeckt id. Zu ihrer Epige frhrem 
Stufen von 18 Fon Höbe und Breite hinauf. Mur ber 
Erige keit ein hohler Obelist, im deſſen Innern eime Trevpe 
angebracht it, — und von dem man die Süderſet und aufiee 
Unperdam, noch ſunſſehn Stadte ſteht. Du Wadern dieſes 
Dentmaals bat man swei Zramefide und einen Bataviſchen 
Soldaten amaefelit, fir die man Hnnfer erbaut und einen 
82 Buf tiefen Brunnen gegraben hat. — Die Paramide iſt 
im Kupfer gelioden, 





Die Dünifbe Nesierung, die mit erfeuchteter Sorgfalt 
jede neuen Erfindung mm allgemeinen Beten zu Temupen 
fucht, bat Merfuche mir dem Snobeumehl anfteliem Kafem, 
Es ergab Ad, dah dieſes ein vortregliches Nahrungsmittel 
in, und dak die daraus bereitete Guppe fi von einer Jieiſch⸗ 
fuope aur darch den Manga des Geſchuafs und durch Kar 
Helofigteit unterſcheſde, denen ſich aber duch Quſatze abhelien 
Irör. Man glaubt, dag 88 künitig ein Haupto⸗Artikel dee 
Edi! + Drodidonen fen werde. Ein Prund Knocheamein 
giebt darrch mwrlmaliged Aochen fo vie gute Gupve ald 11 Di 
Fileiſch, uud wir 70 Rthl. kana man durch das erikere fonieh 
leiten, ald mit Borillontaſeln fir 4,000 Thaler. — Mer 
dient Die Brfindung micht überall, vorgiglih in: Armenauſtal⸗ 
ten, eben fo jorgfam benutzt su werden, als im Kopenhagen? 


Eingefendete Anmerkungen zum Freimütbigen Nr. 259. 


. ©. 514 3. 7. anfate NRofenfel il. Nerndtetrank 
Die Overette das Mofenieh if nicht von Werttt, fonderm vom 
Muſaus. — ©. 513. 4. 515, und im der Dritten. Zeile BOB me 
ten, iR die Geſchichte der Quadriga im Hertulumen (mopom 
man nicht eigentlich gewiß weiß, ob es eine Quad acweſen/) 
gam unrichtig erzählt. Damme nicht aber habdegterige 
Mer ſchen zeigten ſech daber. Sie haben micht breg Vierde exe 
rRüdelt, und chem fo wenig it Eins gerettet worden. 
Aue Vrerde waren gerftücdelt, man an zwei Grufbiüder de 
Könias und ber Königken ans den Stücken, und aus dem ie 
‚gen Erürfem fegte man das noch vorhandene Pferd zuſammen, 
und of hinzu was fehlte. Winkeſmann ind Bendidireir 
ben über die Hertulanifben Entdedumgen, ©. 24 
25. 26. ergählt die Geſchichte dieſes Wierkes, wie fie eigent ⸗ 
lich ia. Diele Stelle könnte vicheicht im Greimltbigen abge 
drucdt werden. — Zu ©. $19: Winkelmann bat S. 87 Fi. die 
Diafdıine sum Abwickeln der Bucherroken deutlib beſcheicden. 
@. 519 if mod yu bemerken, Dai br. Haiter die Folien amfı 
wickelt, Die der König von Meapel bein Prinzen won Walis ge 
ſchentt hat, 8. 14, v. unten Demotrius 1. Demetrius, 


(Das Dienttagsblatt wird diefmal mit ben Donnerkinges 
Slatt ausgegeben und verſendtt. 








* 


: 


No. XXXVIL 


Literarifher und artift 





iſcher Anzeigen 


Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804, 





D. 9. 2. W. Voͤlker's 
Handbuch der oͤkonomiſch- technifchen 
Mineralien 
für Cameraliſten, Fabrikanten, Manufafturiften, 
Metallurgen, Land» und Forſtwirthe, und eben, 
ber fich über dem bfowomifchen Gebrauch der Mi: 
neralien zu unterrichten wuͤnſcht. Erſter Band, 
8. Weimar, verlegt bei den Gebrüdern Gädide, 
(gegenwärtig in Berlin, Scharrofiraße No, 4. 
wohnhaft, und dafelbit für ı Thlr. 
ı2 Gr. zu haben.) 


Hiermit beginnt ein Werk, defien Gegenftand fah für 
Jedermann Intereſſe bat, und nach welchem umfaſſen⸗ 
den Plane der durch feine Forſttechnologie fchen ber 
fannte Hr. Berfuffer gearbeitet bat, giebt er felb# in 
folgenden Zeilen an: „ Eine dfonsmifche Mineralogie 
muf 3) der die vbufifchen und chemifchen Eigenſchaf⸗ 
ten der Mineralien Überhaupt belehren, und dadurch 
um richtigen Erkennen und Unterſcheiden berfelben 
Anleitung neben, — Sonſt thut ber Oekonom und 
Technologe leicht Fehlgriffe. 2) Muß fie angeben, wie 
und unter welchen Verbältniffen jedes äronomifche 
Foſſil auf dem Erdboden vorfommt, um das Hufjuchen 
und Eritdeden deffelben zu erleichtern. 3) Muß fie be 
fchreiben, auf welche Art und Weife die verfchiedenen 
Foffilien über und unter der Erde gewonnen und er= 
fchrotet werden, und 4) wie fie aus den rohen zu nute 
gemacht und in den Handel gebracht werden. 5) Muß 
fie volliäudig angeben, zu was fuͤr öfonomifchen Awet- 
ken cin jedes Foſſil brauchbar it, und mas es in diefer 
Hinficht für Eigenfchaften haben muf. 6) Endlih muß 
fie die Art und MWeife, mie ein Foſſil zu den verfchiede- 
nen öfonomifchen Zwecken wirklich gebraucht mich, 
4. B. mie diefes odemjenes Kuniproduft daraus yuge« 
richtet wird, mit der noͤthigen Gründlichfeit auseinans 
derſehen.“ Es braucht wohl über die allgemeine Nuͤt⸗ 
lichkeit diefes Buchs nichts weiter angeführt ju werden, 


Anzeige für Botanifer. 


An der Schüppelfchen Buchhandlung in Berlin if 
erschienen und durch alle Buchhandlungen zu haben + 


DEI DIS — 


Wildenow, D. Carol. Ludov., Hor- 
tus Berolinensis, sive icones et de- 
scriptiones plantarum minus cognitarum 
horti regii academici berolinensis, 


Ein Werf, wie das vorliegende, in welchem einer 
ber eriten jet lebenden Botaniker eine Menge der fel» 
tenften, noch nirgends abgebildeten und größtentheils 
bisher gänzlich unbekannten Pilangen aus allen Theis 
len der Welt befannt macht, verdient mit Recht die 
Aufmerkfamleit eines jeden freundes der Botanif. 
Aus diefen Gründen hielt fih auch obige Verlanss 
handlung verpflichtet, durch genaue, fchön geftschene, 
auf das fauberfe mach der Natur ausgemablte Kupfer, 
and durch korrekten und fplendiden Druck auf ſchoͤnem 
boRändifchen Papier, für die moͤglichſte dufere Ele 
ganz zu forgen. Alle Kenner fällen einmütbig das 
Urtbeil: daß es den erſten und theuerften Werfen des 
Auslandes an die Seite gefeht merben kann, und daf 
4 Tolr. und 4 Gr. in preuf. Gourant für ein Heft 
von 12 fauber ausgemablten Kupfern und eben fo vie- 
len Blättern Tert auf dem fchönften Pavier in gr. Fol. 
wirklich ein fehr mäßiger Preis für das find, mas das 
Bublitum erbäft, 

Es if übrigens von diefem mit allgemeinem Bei— 
fal aufgenommenen Werte ſchon der dritte Heft er— 
ſchienen und da die Berlansbandiuug durch einen bin- 
länglichen Abſatz ſchon gededt fit, fo leidet die unun⸗ 
terbrochene Fortſehung deffelben keinen Zweifel, 





Ss eben bat die Preffe verlafen und if fomehl bei 
mir als auch in allen guten Buchhandlungen ju 
baben ; 
Beleudtung 
des 
Herrn J. 8. Reichardts 
vertraute Briefe uͤber Frankreich. 
Bon 
einem unpartheüſchen deutſchen Reiſenden. 
gr. 8. 1804. 20 Gr. 


J. W. Schmide, 
Breite Straße No. 8. 





Ir 


CXLVAI 


Gartenzeitung 
oder 
Repertorium newer, gemeinnuͤtziger und wiſ—⸗ 
ſenswuͤrdiger Dinge in allen Zweigen der 
Gartenkunſt. 
In Geſellſchaſt mehrerer praftifcher Gartenkünftler 
berausgegeben 


von 
Kurt Sprengel, 


Yrofefior der Botanikb in Halle 





Erfter und zweiter Band, 
Mit ſchwarzen und illuminirten Kupfern. 


Diefe Zeitfchrift, welche jeden Gartenfüniler, Guts« 
befiger und Oekonomen intereffirt, wird auch im jmei= 
ten Jahre mit gleichem Eifer des Herausgebers und 
der verlagshandlung fortgefeht. Ein füchtiger Ueber⸗ 
blick des eriten Jahrganges lehrt, daß fein Theil der 
Gärtneret im demfelben unbearbeitet geblieben iſt. Bes 
fonders zablreich und wichtig find die Auffaͤte über 
Obuzucht, Veredlung aller Arten von Obi, über Spar— 
gelbau, über den Anbau aller Farbeträuter, ſeltener 
Gemuͤfe Bilanzen und Fabrilen-Gewaͤchſe, Über mehr 
als 300 fehon blühende oder Zierpfangen; ferner die 
Aufſaͤhe uber Verbeſſerung des Bodens, Mifchung der 
Erdarten, uber die Wirkungen des Frofes und Froits 
abfeiter, über die dem Gaͤrtner noͤthige Kenntniß des 
Klima’s u. ſ. f. 

Der bisherige Beifall des Publifums if uns Bürge 
dafuͤr, daß unfere Zeitfchrift zur wahren Verelcherung 
der Kunſt und zur Verbreitung nuͤtzlicher Kenntniſſe 
nicht menig beiträgt. Der zweite Band wird mit ei» 
ner Abhandlung des Herausgebers Aber den Brand am 
Bäumen eröffnet, auch felgen näcitens wieder pwei 
Abbildungen von feltenen Zierpflangen, der Primula 
davurca und Ixıa hyalina. 

Jeder Band von 52 Nummern koſtet = Thlr. 
42 Gr. fäcf. oder 4 Fl. 30 Kr. Reichs-Eourant. 
Dan kann bei tem Schluſſe eines Bandes abgeben, 
wenn dieſes zwei Monate vorher angezeigt wird; wer 
aber vor Comrletirung eines Bandes beitritt, muß ſich 
gefallen laſſen denſelben gang zu nehmen. 

Auch erbicten wir die Gartenzeitung jur Bekannt⸗ 
machung der Avertiffements, wenn felche unter unferer 
Adreffe ganz frankirt, und mit Beifuͤgung der Juſer— 
tionsaebühren, die gedrudte Sraltenzeile zu s Pfens 
nige ſaͤchſ. gerechnet, eingefendet werben. 

Liebhaber menden ſich mit ihren Beſtellungen an 
die Ruchbandlungen, Poſtaͤmter, Zeitungs: Erpeditie- 
nen und Intelligenz « Comtoire, 

Kalle im July 1804. 
Gebauerſche Buchhandlung. 





Kleine 
Abenthbeuer 


zu Waffer und zu Lande 
Eine Sammlung 
der intereffantefien neuen 
Keifebefhbreibungen 


berausgegeben 
von 


Chriftfian Weyland. 





Dierter Band mit Aupfern. 


Hof bei @. 4. Grau, 1504. (Preis: 1 Thlr. ſacht. 


oder 4 Fl. 48 Kr, rbeint. 





Diefer neue Theil eines hoben befannten und belich- 
ten Werkes enthält folnende intereſſante Auffäge: 
1. Gefchichte von dem Schiffbruch, der Sklaverei und 
dem harten Schidfale des Herrn von Beiffon. 2. Mes 
ber die Caramanen, die aus den innern Kindern von 
Afrika nach Egyoten kommen, und über die Waaren, 
die fie mitdringen. 3. Geſchichte der beinabe 2ofähri« 
gen GBefaugenichaft von Mobert Knox in dem König 
reich Cando, im Innern von Ceylon, und deſſen wun⸗ 
derbare Beſreiung aus derſelben. 4. Schreiben des 
Herrn Hoft. Böttiger uͤber die Trinkutte der Cey— 
loneſen und der alten Griechen. 5. Reiſe durch die 
vereinigten Staaten von Amerifa, von Wilhelm 
Briei. 





XNeuefie 
alfgemeine Geographie 
der 
gegenwärtigen Zeitem 
Ein 
volfkändiges geographiſch⸗ Aatittifches Handbuch ber 
gefammten Erd= und Länderfunde : 

von 


Chr. Adam Miller, 
Zweiten Bandes zweite Abthbeilung. 





Hof bei G. A. Grau, 1804, 





M ir diefer Abtbellung iſt mum der gweite Band der 
mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Neuen 
Geograpbie vollſtaͤndig, umd in beiden Theilen 
ganz Europa abgehandelt. 

Der dritte und vierte Band merden die übrigen 
Welitheile enthalten, und es wird damit ein vollkän« 
diges geograpbifhes Handbuch geliefert, das 


CXLVII 


nicht nur als ein foikemmatifches Lehrbuch, ſondern auch 
als ein nüpliches Handbuch dem Gefchäftsmann, dem 
Leſer von Zeitungen und politifhen Schriften, dem 
Kaufmann, und überhaupt jedem denfenden und gebils 
deten Menfchen zum Unterricht über Länders, Volker⸗ 
und Staatenfunde empfohlen werden fann, 

Dee Preis des erſten und weiten Bandes komplett 
iſt 3 Thle. 4 Gr, ſaͤchſ. oder 5 Fl. 45 Kr, rheinl. 





Neue Original» Ausgabe von Shafefpeare. 


Von diefem klaſſiſchen Werke erfcheint bei Unter: 
geichnetem eine neue forrefte Ausgabe in Tafchenfors 
mat auf Schreibpapier unter dem Titel: 


Lu # PIE 
of 


William Shakespeare, 


accurately printed from the Text of Mr. Stee- 
ven’s last Edition, with a Selection of the most 
important notes 


Der erſte Band, 30 Bogen fiarf, bat bereits 
die Preſſe verlaſſen, und if in allen Buchhandlungen 
à 1 Eple, zu haben, Alle drei Monate wird cin Band 
erfheinen, und jeder mit einem Kupfer geziert fenn, 
fo wie es diefer Erjie mit dem fehr fhonen Biltnif 
Shakeſpeare's von Heinrih Schmidt if. 
In zwei Jahren wird die ganze Ausgabe beendiget 
ſeyn. Ich babe die Einrichtung getroffen, daß man 
jeden Theil einzeln baben und besahlen kann, melches 
den Liebhabern zur allmaͤhligen Anfchafung nicht ans 
ders als angenehm ſeyn wird, 

Gerhard Fleifcher der Jüngere, 
Buchhandter in Leiptis. 





In allen Buchhandlungen iſt zu baben: 
Botanifhes Handbud 


der mehrſten, tbeils in Deutschland wildwachfenden, 
tbeils ausländischen In Deutfchland unter freiem 
Himmel ausdauernden 


Genwmidhfe 


on 
Chriffian Schkuhr. 


Erftier Theil. 
Mit mehr als 300 illumin.. Abbildungen, 








Neue Ausgabe. 


Diefes, für jeden Defonomen und Botaniker une 
entbehrlid,e Wert, babe ich vom Herrn Berfaller an 


mic gefauft, und if fünftig bei mir, als Verleger, 
allein zu baben. 
Gerhard Fleiſcher der Jüngere, 
Buchhandler im Leiniig. 





Anfündigung. 





Genius des Chriftenthums, oder Schönheiten der 
chriſtlichen Religion von Franz AugufiChas 
teaubriand. Aus dem Franz. überjegt und 
mit berichtigenden Anmerkungen begleitet von 
Dr. Carl Benturini, 4 Thle., 5 Thlr. 
Münfter bei Peter Waldeck. 


Diefes Werf, wovon der berühmte Verfaſſer ſagt, es 
ſey das Kefultat der Geiltesbemühungen feines ganıen 
Lebens, iſt als folches unendlich mehr, als der Titek 
vermutben läßt. Es enthält außer dent, was das Chris 
ſtenthum ausmacht, oder doc zunaͤchn fich darauf bes 
giebt Dogmen, Lehre und Eultur), böchit intereffante 
Meflerionen und Betrachtungen über die Literatur, 
insbefondere über Werke der Poeſie und Beredſamkeit, 
über Philofonbie und Gefchichte, über bildende und 
andere ſchoͤne Künfte, fo wie über die phmüfche und 
moralifche Natur: über das alles, in fo fern fich der 
Genius des Chriftentbums darin offenbart. Daber 
findet man unter andern auch bier des Verfaſſers 
Nachforfchungen über die Sitten der amerifanifchen 
Milden, und fo als Epifode die reigende Gejchichte der 
Atala oder der Liebe zweier Wilden in der Wuͤſte; 
und zwar im einem ganz andern, fchonern Gewande, 
als die Eramerfche Heberfegung il. Mäber kann 
in diefer kurzen Anzeige der reiche Inhalt, eben feis 
ner Reichhaltigleit wegen, nicht angegeben werden; fo 
gewiß aber derſelbe für jede Claſſe von Leſern hohes 
Intereſſe bat, fo gewiß wird man feine Erwartung 
von diefem Merfe, ſowohl mas der Stoff als was die 
Behandlung angeht, weit übertroffen finden. Die Ans 
merkungen geben der ſchoͤnen Copie einen bedeutenden 
Borzug vor dem Originale, 





Neue Mufifalien 


im Breitfopf und Härtelfhen Verlage 
in gZeipzig 


Singefchule des Eonfervatoriums 
der Muſik im Paris, ° 
enthaltend: 
Die Grundfäge der Singekunſt nebit Stimmäbun- 
gen, Solfeggien aus den befien Altern und neuern 
Werfen, und Arien in allen Taltarten und Charafte- 


CXLVIII 


ren. Der bdeutfchen Ueberſetzung iſt ber franzoͤſiſche 

Driginaltegt beigedrudt. 

Clementi, M., Oeuvres complettes p. le Pianof. Cah, 
Y. cont. ı7 Sonates p. le Pianof. Prän. Pr. x Thir. 
12 Gr, Ladenpreis 3 Thlr. 

Der 6te Heft ift unter der Preſſe. 

Durand,A., 3 Duos p. » Viol. conc, Op. 1, Liv. =. 
ı Thir. 8 Gr. 

Duffet, J. 2., 6 Gefänge (ital. und beutfch) Begl. 
des Pianof. ı Thlr. 

Gustave Biron, Due de Courlande, Quatuor 
p. le Pianof. av, acc, de Viol. Alto et Vlle. ı Thlr. 12 Gr. 

Haydn, J. Alt- ſchottiſche Balladen und Lieder, mit 
Klavierbegleitung, 2. Heft 12 Gr. 

— — Ocuvies comp]. p. le Pıanof. Cah. X, cont, 
8 Sonates p. le Pianof., (5 Sonates av. acc. de Violon 
et Ville. et 3 Sonates av. acc, de Violon,) Prän, Pr, 
ı Thlr. 12 Gr. Ladenpr. 3 Thlr. 

— — Mefie d. Partitur. Pränumer Br. 2 Tplr. 
Ladenpreis 4 Thlr. 

Klaus, J,, Polonoises 4 3 et 4 Voix, 6 Gr. 

Mozart, W. A., Oeuvres compl. p. le Pianof, Cah, 
XVI. cont. 6 Sonates p. le Pianof, av, acc. de Vie- 
ion, et 16 Canons, Prän, Pr, ı Thlr, 12 Gr, La» 
denpreis 3 Thr, 

— — Piece d’Harmonie p. @ Clarin, in B, a Bas- 
sons et a Cors, Liv. III. No, 6. ı Thir, 

— — Dperngefänge, welche zu feinen befannten Opern 
nicht gehören, im Klavierausing von C. Schulj. 
Erſter Heft. No. — 6. 2 Thlr, 

Diefe Operngefänge werden auch einzeln verfauft, 

Sie enthalten: 

No. ı. Arie; Mia speranza, (Ach fie flirbt.» 8 Gr. 

Mo. 2, Arie: Bella mia fiamma, (Theureſtes Maͤd⸗ 
chen ich fcheide.) 8 Gr. 

No. 3, Tergett: Mandina amabile. (Wild du mein 
Riebchen.) 8 Gr. 

Mo. 4. Scene: Ah lo providi! cAch meine Ahn⸗ 
dung!) 12 Gr. 

Mo, 5. Scene; Ah questo seno! (In meine Arme:) 
s Gr. 

9. 6. Quartett: Dite almeno. 
ich denn verbrocdhen.) 
ih) 12 Gr. 

Naumann, J. 4, Skalen mit untergelegtem Baß 
gur Mebung der Stimme für angehende und geuͤh— 
tere Sänger, 8 Gr. 

Reicha, Ant., gr. Quätuor p. 2 Violons, A. et Vlle, 
Op. 52. 18 Gr. 

— — Gr. Duo p. # Violons. Op. 53. 16 Gr, 

— — Sonate p. le Pianof, av, acc, d’une Flüte obli- 
gie. Op. 54. 16 Gr, 

— — Sonates p. le Pianof. ar. acc. d'un Violon. 
Op. 55. ı Thir. 8 Gr, 

— — Grand Quatuor p. 2 Violons, A. et Ville, Op. 
58. 18 Gr. 


Sagt was hab 


Riem, W,F., Sonate p- le Pianof. Op. 4. 12 Gr. 

— — Sonate p. le Pianof, avec acc. d’un Violon. 
Op. 5. 16 Gr. 

— — 12 Ecossoises p. le Pianof. 8 Gr. 

Rode, P., Variation⸗ p- le Pianof. 8 Gr. 

ve. Ares G., 16 Lieder mit Begl. des Bianof. 
ı Thlr. 

Schubert, J. F., Neue Ginge » Schule oder 
gründliche und volliändige Anweiſung zur Singe⸗ 
funft, mit binlänglichen Nebungsitüden, 2 Thir. 
16 Gr, 

Schwegler, 3 Duos p. a Flütes. Op. ı. ı6 Gr. 

Wölfl,J,, Sonate à 4 mans, Op. ı7. ı Thle. 

— — 3 Sonates progressives p. le Pianof, av, acc, da 
Violon. Op, 24. ı Thlr. 

— — Romance de l’opera: Une Folie, p. Mchul, va» 
ride p. le Pianof. 8 Gr. 

— — Ariette, No. 3. aus ber Dper: l’amour roma- 
nesque (Die romanbafte Lirbe,) Le cheval m’a rompu 
les os (Ganz zerſchlagen war ih.) Klavierausjug, 
8 Gr. 

— — — No.7. ebendaraus. Au sein d’un bonheur, 
Es floſſen Juliens Tage.) 8 Gr. 

— — — Mo. s. ebendaraus: Eh refuse t'on sa fille, 
(Wer ſaͤh gern die Tochter leiden.) 8 Gr. 

— — — No. 9. ebendaraus, Lucile est seduisante, 
(Bucile iſt ſchoͤn.) 6 Gr. 

Zumfteeg, Die Fruͤhlingsfeier; Ode von Klovled, 
zur Deflamation, mit Begleitung des Orcheſiers. 
Partitur, ı Thlr, 8 Gr. 

— — detto. Klavierausjug, 12 Gr, 

— — Kantate: Ein Hauch iſt sunfer Beben, Barti« 
tur, No. 5. 18 Gr. 

— — Geſaͤnge mir Begleitung der Buitarre, arr. 
von 9. Harder. 

Auch find jegt wieder 

3. ©. Bachs, Vierfimmige Choralgefänge A Theile, 
welches Werk font 5 Thlr. 8 Gr. foflete und feit 
langer Zeit fehlte, bei uns komplett ju haben für 
ı Thlr. 5 Er. 


Durch alle Buchhandlungen iM das fo eben bei 
a. Froͤlich in Berlin erfhienene Buch zu 
aben: 


Syſtem ber bffentlichen Erziehumg von D. 9. 
Stephani, ı Thlr. 16 Gr, 


Der den Pädagogen bereits ruͤhmlichũ befannte 
Berfafler bat in Diefem Buche eine Sache entwickelt 
und erörtert, welche bei den auf dem Felde der Exiies 
bung feit 30 Jahren getbanen Fortfchritten nicht 
mehr unter die frommen Wünfche gebören, fon« 
dern von denen, welchen das Wohl der Menfchbeit an⸗ 
vertrauet iſt, recht beberziget werden ſollte. Micht blog 
Ersichern, Schulmäunern ıc., fontern auch Staate- 
minnern und überhaunt jedem Menfchenfreunde vers 
dient diefes Buch näher befannt ju werden, 





EEE —— 


No. XXXVIL 
Literarifher und artiftifher Anzeiger, 





AS Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 








Kalender auf das, Fahr 1805, 
welche in der Leipziger Michaelismeſſe 1804 bei 
Johann Friedrich Unger zu haben find: 


1. Hiforiſch-genealegiſcher Kalender, ents 
bält: 


1. Anna von Delerreich und Kardinal Mazarin, 
Beichlun, mit 13 Kurfern. 

2. Chronoloaiiche Heberfebt der wichtigern Weltbes 
gebenbeiten von der Regierung Karls des Gro⸗ 
fen bis 1804. 

#. Chronologifches Verzeichnif der merkwuͤrdigſten 
Erfindungen und Entdeckungen feit dem Anfange 
der chriſtlichen Zeitrechnungen. 

4. Die vollſaͤndige Genealogie. 

5. Das Verjeichniß der Pofcourfe, mit denen in 
den neunequirirten Provinzen vermehrt, 


HM. Militärifher Kalender, enthält: 

4. Eine chronologiſche Tabelle der enropäifchen 
Kriegsbegebenbeiten vom 30jährigen Kriege bis 
1804. 2 

. Eine feitifche Weberficht des Feldzuges in den 
Niederlanden 1793, mit einer Karte des 
Kriegsfhauplakes; von einem berühmten 
militärifchen Schriftfteller. : 

3. Charafteritif des Grafen Wilhelm von Lippe⸗ 

Bückeburg, nebit deſſen aͤhnlichem Bildniß. 

4. General» Tableau der europdifchen Armeen. 

5. Befchreibung militärifcher Orden, neb ſt Ab⸗ 

bildbungen, 

a. Chur⸗Heſſiſcher Orden, 

b. Chur: Saͤch ſcher Militär- Orden Kaifer 

Heinrichs II. 
(Die Fortſehung erfcheint baven jährlich.) 

6. Die vollſtaͤndige Genealogie, 

7. Das Verzeihniß der Boreourfe, mit denen in 

den neuncauirirten Provinzen vermehrt. 

DBerlinifher Damen-Kalender, enthält: 

4. Die Königinnen, 

2. Kleopatra. 

3. Ideal und Wirklichfeit. Eine Erzählung. 

4. Erflärung der Kupfer. 

5. Die vollſtaͤndige Genealogie, 

6. Das Verseichnif der Poſtcourſe, mit denen in 

den neuacquiritten Brovinjeh vermehrt, - 


” 


I, 


—— 





—ñ— — — 


IV. Egeria. Ein Taſchenbuch mit dem Kalender für 
das Jahr 1805. Herausgegeben von CarlMüchler. 

Vv.Gencalogifher und Por Kalender mit 
12 Kupfern zu dem Roman: Die Margaretben- 
böle; berausgegeben und nad) dem Englifchen bear- 
beitet von Soybie Mereau, enthält: 

1. Statiſtiſche Tabelle uͤber die europdifchen Staa- 
ten, nebſt einem Anbange über die Befitungen 
der Europder in andern Welttbeilen. 

2. Verzeichniß der vornehmfien curopdifchen Muͤn⸗ 
jen. 

3. Ackermaaße. 

4. Tabelle, welche eine Vergleichung wiſchen ber 
föllniſchen Mark und andern Geld und Si- 
ber» Gewichten enthält. 

5. Tabelle über die merkwuͤrdigſten Arten des Me: 
dicinal⸗ oder Apotheker - Gewichts. 

6. Juwelen» und Berlen s Gewicht. 

7. Körperliche Maaße fir trodne und Rüfiige Dinge, 

8. Die neuen Maaße, Gewichte and Münzen in 
Franfreich. 

9. Tabelle der merkwürdigen Ellen - und Fußmaaße. 

10. Meilentabefle, 

11. Die vollftändige Benealogie. 

12. Der volliändige große ausführliche Poſteourc, 

mit Inbegriff der neuen Provinzen. 

VL Großer Etuis-KRalender mit 12 Rupfern zu 
» Babeln von Bafontaine, franzefiich und deutfch, 
VI. Kleiner Etuis: Kalender mit 12 Kupfern, 

welche Trachten fremder Nationen darjiellen, 





Für Chemifer und Pharmacevtifer. 


Sn allen Buhbandlungen iſt zu haben: 
VBourguet, D. Ludw., demifches Danbd: 
wörterbuch, nach den neueſten Entdeckun— 
gen entworfen, mit einer Vorrede von D. &, 
Fr. Nermbftädt; fortgefegt von D. Rich— 
ter (DBerfaffer des Werks: Ueber die neuern 
Gegenftände der Chemie,) 5 Bde, gr. 8. 1804. 


Sowohl der Herr D.Bourgmet, der die beiden er» 
fen Bände geliehert hat, als auch Herr D. Michter, der 
die Vollendung übernahm, find als Chemiter binläng- 


GL 


lich dekannt, auch baden laͤngſt bewaͤhrte Männer über 
den Werth dieſes big jeht in feiner Art einzigen, und 
für jeden Chemiter und Pharmacevtifer unentbehrlichen 
Werks entichieden; fo daß es von unſerer Seite feiner 
weiteren Empfehlung bedarf. 

Ale fünf Binde zuſammen foften 6 Thlr. 16 Gr. 
Seder Band einzeln 4 Thlr. 5 Gr. 

Berlin im Auguſt 1504. 
SE chüppelfche Buchhandlung 


in Berlin 


Reiſen und Abentheuer Roland's 


und feiner Gefährten. Ein Robinſon für Kinder, 
zur Erlernung geographifcher und naturhiftorifcher 
Borkenntniffe. Nach dem Tram. des Jauffret. 
68 Heft. 8. Weimar, verlegt bei den Gebrüdern 
Gädide (Gegemmärtig in Berlin, Scharru⸗ 
firaße No. 4. wohnhaft und daſelbſt 
für 12 Gr. zu haben.) 


Mir diefem Hefte ih uun eines der umterhaltendfien 
und nuͤhlichſten Leſebuͤcher für junge Leute, defien Werth 
aber nicht in Bilderchen beſteht, geichlofien- Mile ſechs 
Hefte foren 3 Tplr. 





Anzeige. 


Leben Peterd bed Großen von G. U, von Has 
lem, ır md ar Band gr. 8 Mlnfter bei 
Peter Walded, 1804. Velinpap. 7 Thlr. 
Schreibpap. 3 Thlr. 20 Gr. 





Mir Hecht, beißt et im der Einleitung, fagt ein großer 
Schriftſleller (Voltaire): nach ber Eutdeckung von 
Aınerifa babe die Gefchichte feine größere Begebenheit 
als die tittlich politische Ambildung Ruflands. Eben 
fo richtig bemerkt der Verfaſſer: eine Biographie Pe— 
ters des Großen fen mehr, als bei irgend einem andern 
Regenten bie geitige Gefchichte feines Reichs; „denn 
was in Rufland geriet ward, geſchah durch ihm, den 
Sxlbüberrfcher in der vohiten Bedeutung des Morts. 
Befler kann wohl die Wichtigkeit dieſes Werkes nicht 
angedeutet werden, melches fchen als Diogranbie eines 
der größten Monarchen, die es im der Univerfalgefchichte 
giebt, an und fire füch aͤußerſt intereffamt iſt. &o viel 
auch über Peter den Großen if gefchricben worden, fo 
baben wie doch nichts, rend ſich mit diefer vergfeichen 
biefe, indem der Verfaffer wie der Vorbericht auswei⸗ 
fet ; überall aus den been, dem Deutſchen bis jet zu⸗ 
gaͤnalichen Quellen geichöpft, und alles aufs Heifinte 
denutzt bat, ein eben fo treues als fchönes hißorijches 


Gemälde zır Tiefern. Mebrigens bedarf diefe Schrift ums 
fo weniger Empfehlung, da die Affentliche Keitif bereits 
über den Werth derfelben entichieden bat, und da auch 
fhon der Name des geiſtreichen Verfaſſers nichts ge= 
meines erwarten läßt. Sie id mit neuen Unger ſchen 
Eupen gedruckt, und mit dem Bildniffe Peters 1. und 
einigen Vignetten von Bolt geyiert. 


Bei C. 9. Reclam in Leipzig ift erfchiegen und 
in allen Buchhandlungen zu haben: 


Bleune, D. , Geundlinien der Thierarzneikunde, 
aus, dem Engl. überfeßt von D. W. Domever, 
Staahsarjt der englifhen Armee, ze Thl. mit zwei 
Kupfern ar. 8. 1304 2 Thlr. 

Hauy, Lehrbuch der Mineralogie, ans d. Franz. übers 
Fehr vom Geb. Dber-Bergratb Karten, mit vielen 
Kupferu, ır, Zr Thl. gr. 3. 1504 10 Thlr. 

— — Anfangsgruͤnde der Phyſtk, aus dem Franj. 
uͤberſeht vom D. C. S. Weiß, a. 2. Abth. mit wien 
len Kupfern gr. 8. 1504 2 Thlr. 

Karften, D.C. J. B., Resiion der hemifchen Afıi- 
nitaͤtslehre, mit befändiger Nüdficht auf Bertbul« 
Lets nene Theorie, ar. 8. 1503 ı Thlr. 

Scherer, D. J. L. W., KRatecherifch - praftifchee Hand⸗ 
buch über die Bibtifche Geſchichte, 2 Thle. 8. 1303 
ı Tolr. 

Tableau de Valence par C. A. Fischer, traduit par 
Ch. Fr. Cramer, gr. 8. 1804 ı Thlr. ı2 Gr. 





Fourcroy's, A. F., Syſtem ber demi:- 
ſcheu Keuntniſſe im Auszuge von fr. 
Wolff, 4 Thle. gr. 8. Konigsberg bei Fr. 
Nicolovius, 10 Thlr. 





Fo urceroy's Werk ih der voliändigfte- Lehrbegriff 
der Chemie, der bisher erichienen it. Man findet nicht 
allein alle wichtige Thatſachen in dieſem Merfe verci« 
nigt, fondern auch auf eine zweckmaͤhige Art pufammen ⸗ 
geſtellt und auf eine angenehme Art vorgetragen. Was 
dem Verfaſſer vorgeruͤft werden koͤnnte, iſt ein etwas 
zu wortreichet Vortrag und Wiederholung, auf welche 
man an mehreren Stellen des Originals trifft. Es war 
daher ſehr zweckmaͤßig, einen Auszug aus dieſem Werke 
zu liefern, in dem mit Beibehaltung alles Weſentlichen 
und Aufführung aller Thatfachen, die Beichtänfungen 
nur den Ausdruck betschen. Dadurch, daß manche zu 
wortreiche Periode mehr ins Enge geſogen, eine Sadıe 
nur einmal gefagt wurde, lichen fich die gebn Binde 
des Drigimals auf vier zurirk bringen. Nur muf man 
bemeifen, daf die Bände des Auszugs an Bogenzahl 
die des Originals bei weitem übertreffen, und daß der 
Auszug ungefibr nur mn ein Drittheil fürger if, als 
das Original: Wir dürften nur die Juhalts- Anzeige 


cLi 


berfehen, um jeden Liebhaber der Chemie zu übergeu- 
gen, daß diefes Lehrbuch u dem umentbehrlichiien Hülrg: 
witteln gebort, um ihn im feiner Wiſſenſchaft weiter zu 
bringen: allein der Raum dieſer Blaͤtter erlaubt es 
nicht. Wir wollen ung daber begnügen, dem Käufer zu 
verfichern, daß dieſe deutſche Bearbeitung das Original 
vollkommen erfeben kann, da der Heberfeher bei feiner 
Arbeit feine Miübe und Gorgfalt gefsart, und ihr 
durch die großere Bricition des Vortrags, durch manche 
Berichsigungen und Zufige noch Vorſuͤge vor jener er- 
tbeilt bat. Das Pubdlikum bat auch bereits entfchieden, 
daß durch diefen vollſaͤndigen Auszug eine woͤrtliche 
uuabgelkuͤrzte Ueberſetzung nicht nur unentbehrlich, fon⸗ 
dern auch ganz überflüfig gemacht iſt, daher auch diefe 
gar nicht weiter zu erwarten if. 


In der Ehrift: 
Smmanuel Kant 
in 
feinen legten Lebensjahren 
von 
Waſiaunski 
bat ſich wegen Entfernung des Drudorts neben andern 
Druckfehlern auch folgender eingeſchlichen: Seite 164 — 
ı67 muß es jedesmal flatt Eleftrometer beißen: 
Elaterometer ( Elaftisitätsmeffer, von elater bie 
Springfeder.) 





Monatlidhes 
Garten-Handbuch 


über 
Obſt- und Gemüfegärenerei 
Bon 
Theodor Theuß. 





Unter diefem Titel erſcheint in unſerm Verlage eine 
Schrift, die alles enthalten ſoll, was zur Etrziebung 
und Bebandlung aller Kühengemädie, 
Obfibdume, des Weinſtocks, Hopfens und ei—⸗ 
niger gewöhnlichen Blumen nnd Orange» 
riegewächfe su wiffen nötbig id. — Die Ge 
genſtaͤnde find in der Ordnung vorgetragen, mie ihre 
verfibiedenen Behandlungen im Jahre nach eiminder 
vorfallen, wodurch dem Leſer in jedem Monate eine Uc« 
berficht der nothwendigſten Arbeiten gewährt wird. — 
Der ſchon durch mehrere Auffäge und Schriften be- 
fannnte Verſaſſer bat feinen Fleiß aefpart, um nach 
feinen eigenen Erfabrungen and nadı den Meinungen 
der befien und neueſten Schriftäeller, eine vollfiäns 


dige Unweifung zur Behandlung jener Ge— 


mädfe ım lieſern. Das Buch wird alfo nicht mur 
den Kiebbabern der Gärtnerei Genuͤge leiten, jondern 
es wird auch dem gelernten Gaͤrtner bei feinen oft uͤber⸗ 
haͤuften Giefchäften, als Handbuch zur Erinnerung an 
die monatlichen Arbeiten im Garten, dienen konnen. 

Um die Anſchaffung deſſelben zu erleichtern, werben 
wir das Ganze in zmwolf Monatsheften liefern. Der 
erite Heft erfcheint im bevorſtehender Michaelismeife, 
und enthält, außer allgemeinen Vorerinnerungen ber 
Anlage und Behandlung aller Gärten, die Bartenarbeis 
ten des Monats Tanuat und eine tabellariiche Ueberſicht 
der Dauer und Aufgebereit verfchiedener Garteniäme- 
reien. Diefer erſle Heft wird die Käufer deffelben am 
beiten belehren, was fie in der Folge zu erwarten haben, 
und ob fie weiter faufen follen oder nicht. 

Feder Heft koſtet 6 Groſchea. Liebhaber wenden 
Ah an die Buchhandlungen, Pofdmter, Zeitungs: Ep 
peditienen und Intelligenz⸗ Eomptoire, 

Sale im Auguft 1304. 


SGebauerfhe Buchhandlung. 





Neue Mufikalien, welche in allen Buch- und Mus 
fifpandlungen zu befommen: 


£ieder der Liebe und Einfamkeit, 
zur Harfe und zum Clavier zu fingen 
von 
Joh. Friedr. Reihardt, 


er Teil, ar. 8. Reivzig, bei Gerhard Fleiſcher 
dem Juͤngern, 1504. Preis: 2 Thlr, 13 Gr. 


Die in diefer zweiten Sammlung fomponirten Licher 
find von Götbe, Tick, Schtller, Bof, Mabl- 
mann, Beder, Herner, Offian, Schlegel, 
Tiedge und Andern. Die Eompofitionen aber fammt« 
lih von Reichardt. 
Aus obiger Sammlung ift auch apart zu haben: 
Monolog aus Goͤthe's Iphigenie, ald Probe 
mufikalifcher Behandlung diefed Meijterwerks, 
12 Gr, 





Fuͤr Leipbibliorhefen. 


Die Gräfin von Rofenberg, oder das biedere Maͤd⸗ 
den. 8. Leipzig, bei Gerhard Fleiſcher, 
1804. Preis: ı Thlr. 


Diefer intereffante Roman bat fo eben die Preſſe ver⸗ 
laſſen, und it in allen Buchhandlungen zu befommen. 





cGLıı 


Anleitung zur Aetzkunſt 
befonders 
in Crayon» und Tufhmanier 
nad 
eigenen praftifchen Erfahrungen 
berausgegeben 
von 
Johann Heinrih, Mepynier. 
Mit ı2 Rupfertafelm 





Hof bei G. U. Grau, 1504, (Preis: ı Ehle. 4 Gr. 
ſaͤchſ. oder 2 Fl. 6 Kr. rbeinl.) 


e 

Man findet im dieſem Werke nicht nur eine deutliche 
Anmeifung ju der gemeinen Art in Kupfer zu radiren, 
fondern auch vorzüglich zu der fo beliebten Grayon » und 
Zufchmanier; und da der Verfaſſer alle zu diefer Kunft 
gehörigen Broceduren genau befchreibt und zugleich 
Nachricht und Zeichnungen von den Werfjeugen mit- 
theilt, deren man fich dabei bedient, fo wird «# für je» 
den Lichhaber der Kunit unterrichtend ſeyn. 

Die Abbildung und Beſchreibung verfchichener von 
dem Berfaffer erfundenen Infirumente und Maschinen 
ift gewiß auch ſchon geuͤbten Künfilern willtomnıen, und 
fie werden manches Neue und Autereffante darin Anden, 





Fortfesung der neuen Werlageblicher von Carl 
Friedrich Enod Richter, Buchhändler in Leip⸗ 
zig, welche in allen fsliden Buchhandlungen 
zu haben find: 


Hoffmann, I. E., Beichreibung und Möbiltung 
qweier neuen Dampfmafchinen mit 2 Kupf. 4. 10 Gr, 
oder 45 fir. 

— — Beſchreibung und Mbbildung eines neuen Ap⸗ 
raratt, das Waſſer mit Luftarten zu füllen, mit ı R. 
4. 6 Gr. oder 27 Ar. 

Beide Meine Piccen enthalten neue Anfihten und 

Bemerkungen. i 

Schreibebuch, meuerfundenet, um im weniger denn der 
Hätfte der gewöhnlichen Eehrzeit eine ſchoͤne und deut⸗ 
liche Hand fchreiben ju lernen. Für Schulen, Kinder 
und Erwachfene, jum Privat. und Selbſtunterrichte, 
4. deuticher Curſus In 2 Heften, neue Auflage 12 Gr, 
oder 54 Kr. Emglifcher Eurfus 12 Gr. oder 54 Kr, 

Wer von dieſen Elementarbächern 4 Ercmplare ver- 
langt, erbält das ste gratis, 

Steimfbives, F., erſter Unterricht in den Aufangs- 


gründen der Ebemie und im einigen davon abbängen-- 


den Künfen. Zur nüplicen Belehrung und ige 
nehmen Unterhaltung. Mus dem Engl. überfeht von 
Dr, C. ©. Senteifen und mit einer Vorrede vom 


Brof. J. C. Hoffmann, 8 ı Thle. 4 Gr. ober 
2 Fl. 6 Ar. . 

Diefes Buch gehört zu den deutlichſten Schriften 
über die Chemie, und wird jedem Liebhaber gewähren, 
mas derfelbe fucht: nigliche Belehrung. 

Thieme, M. K. T., ſaͤmmtliche binterlafene Scheif« 
ten, ır Theil enthält: Grundlinien zur biſo— 
rifhen Kenntnif aller pofitiven Reli— 
gionen,at.s. r Thlr. ı2 Gr. oder 2 Fl. 42 Kr. 

Dieſes Werk mit Kreimürbigfett verfaßt, getramete 
ſich der verfiorbene Thieme bei Lebzeiten nicht berauss 
zugeben; jeht ik es erfchienen und fieht an der Spike 
feiner gebaltvollen theologischen, paͤdagogiſchen und bi« 
florifchen binterlaffenen Schriften. 

— — Die Gutmannifche Schule, 2 Tble. 8. mit 
1 8. (39 Bogen» ı Tblr, oder ı Fl. 48 Kr. 

auch unter dem Titel: 

Gutmann ober ber fähf. Kinderfreund, gr Ar und 
Ichter Theil 5. mitı ®. 

Wir vermeifen alle Belber der erfien zwei Theile 
auf die davon erfchienenen Rezenſionen in den allgem. 
giteratur- Zeitungen, und fügen nur das 
binzu, daß die Ichten Theile von dem feligen Vers 
faſſer bedachtſam angelegt wurden, um gleichfam dem 
Kreis feiner Unterhaltungen und Belehrungen würdig 
zu endigen. 

Bei einer Bejielung von 6 Exemplaren wird bas 
rte gratis qegeben. 

Der nee Vignola oder Aufangsgruͤnde der Baukunſt, 
dem Fafungsvermögen der ungeuͤbteſien Bebrlinge 
angenieffen. Aufs neue bearbeitet von J. N. Chams 
pion. Erfier Theil, welcher die fünf Saͤulen-Ord⸗ 
nungen enthält, mit 42 Rupferplatten, theils in Xsua« 
tinta geſtochen, nebſt einer Anleitung zum Tujchen, 
feangöf. und deutſchen Tert, fol. 7 Thle, 12 Gr. oder 
13 Fl. 24 fr. (Subferiptionspreis 6 Thlr. 16 Gr, 
oder ır Fl. 43 fr.) 

Diefet Lehrbuch liefert bei weitem mehr als alle 
feitber fehr unvolftändigen Lehrbücher der Baufunk 
und fünf Säulen» Drdnung und Alademien und Lchre 
anftalten tonmen nicht leicht ihren Zöglingen beffere 
Zeichnungen und WVorlegeblätter geben, ais bie mitje- 
lieferten Platten gewähren, welche mit der größten 
Sorgfalt geseichnet und gefiochen worden Und. 





La Eroir’d, S. $., Anfangégrunde der Arithe 
metif als Einleitung zur Algebra; a. d. Franz, 
hberfeist und mit Zufägen begleitet von C. M. 
Hahn, gr. 8. 1 Thlr. 

fü fo eben bei Heinrich Frölich in Berlin erfchie- 

nen und durch alle Buchbandlungen zu erhalten. Keine 

Lehrbücher eignen fich beffer zum Umterrichte in der 

Mathematik, als die von Ka Eroir, von welchem der 


ganze mathematiſche Curfus nah und nach in der Ver: 
lagsbandlung des oben genannten Werfs erfcheinen wird. 





No. XXXIX. 
Literarifher und artiffifher Anzeigen, 





AS Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 








Neue Verlagsblicher, welche bei Joh. Friedr. 
Unger zur Michaeliämeffe 1804 erfcheinen: 

Adreßkalender für das Jahr 1804 gebunden 12 Gr. 

Half, F. D., Neuche Sammlung Meiner Satiren, 
Gedichte und Erzählungen, 1 Tblr, 

Handbuch über den Königl. Preuß. Hof und Staat für 
das Jahr 1804, welches mit dem Verzeichniß def 
Berfonale und der Innern Einrichtung ver neuen 
Provinzen vermehrt iſt, 2 Thle. 

Neuer Anhang dazu, ı6 Gr, 

Juan de Marlana oder die Entwidelungsgefchichte ei 
nes Jeſuiten; vom Herrn Brofefor Buchholz, 
1 Thlr. s Er. 

Jaͤgers Abendlicd von Goͤthe; fomponirt vom Herrn 
Kapelmeifter Weber. (Als Probe eines neuen 

Heinen Notendruds zu Tafchenbüchern. ) 

Italien. Eime Zeitfitrift von pwei reilenden Deutz 
ſchen, A Stüd 12 Gr. 

Mufikbegleitung zu dem Monolog aus dem Trauers 
fpiel: die FJungfrau von Orleans, vom Deren von 
Echiller; fomponirt vom Ken. Kapclimeifter 
Weber. Im Klavier: Nuszuge. (Mollendeter Nor 
tendruck.) 

Moriz, K. B., Goͤtterlehre oder mytbologiſche Dich⸗ 


tungen der Alten. Mit 65 in Kupfer geſtochenen 


Atbildufrgen, nach antiten geſchnittenen Steinen 
und andern Denfmälern des Alterthums. Dritte 
unveränderte Ausgabe, 1 Thlr. 


Murfinna, ©. L., Mede über die Gefchichte der 


Prenf, Chirurgie im isſsten Jahrhundert, gebalten 
am Stiftungstage der medizinifch« chirurgifchen Bes 
‚viniere, den sten Auguſt 1504, 4 Gr. 

Pilat, R. 3, über Arme und Armenpflege, 8 Gr. 

Zur Dftermeffe 1804 waren neu: 

Albert und Albertine. (Von der Verfaſſerin von Jul 
dien Gruͤnthal, 8. 1 Thlr. 

Alfieri von Ali, des Grafen Vittorlo, fämmtliche 
Trauerfpiele. Aus dem Stalienifchen metrifch übers 
fept von Joſeph Mebfues und Joh. Friedr. 
Tſcharner, ır Band, mit dem Bildniß des Ver: 
faſſers, ı Thle. 12 Gr. 

Dafielbe auf Welinpapier, 3 Thlr. 

Auffäpe, bumoritifche. Vom Doktor Schmid, 16 Gr. 

Babo, Genua und Rache, ein Trauerfpiel in 5 Hufe 
gügen, 8. 16 Gr. Auf Velinpapier x Thle. Auf 
Drudpapier ı2 Gr, 


— — —— — — 


Babo. Der Buls, ein Luſtſpiel in zwei Aufzügen, 8. 
Mit einem Kupfer von Fury, 8 Gr. Auf Belin« 
papier ı2 Gr. Huf Drudpapier 6 Gr. 

Buchols;, E. A., Hiſtoriſch romantiſche Skinen aus 
Rom und Griechenland, 8. Mit Kupf. von Fury, 
2 Thlr. . 

.. Daffelbe auf Belinpapier 3 Thlr, 12 Gr. 

— — Romantische Gemälde, 8. Mit Kupfern von 
Kurg, 2 Thlr. 

Daſſelbe auf Belinvapier 3 Thlr. 12 Or, 
(Gortfehung folgt.) 





Die Erde, 
oder Schilderungen der Natur und Gitten ber 
Länder und Völker. ine Lectüre für Freunde 
nuͤtzlicher Unterhaltung, von J. C. M. Reinede, 
ar Theil, 8. Weimar, bei den Gebrüdern Gaͤ— 
dicke, (gegenwärtig in Berlin, Scharrnftrafe 
No. 4. wohnhaft, und daſelbſt für ı Thlr. 
8 Gr. zu haben.) 





Das von. diefem eben fo müplichen als angenehmen 
Werke bie Fortfepung erfchienen ik, wird allen Bells: 
seen, des eriien Theils eine Freude machen, befonders, 
menn man dabei anzeigt, daß auch der dritte Theil 
bald erfcheinen fol, 





Literarifche Anzeige 


J der Schüppelfcen Buchbandlung im Berlin 
if erfchienen und durch alle Buchhandlungen zu haben: 


Bothe, 2. F., Frühlings: Almanad) mit 
Kupfern von 5, Catel und Fügel, gr. 16. 
fauber gebunden in Futteral ı Thlr. 12 Gr. 


H. D. Bothe, durch feine vortreffliche Ueberſen⸗ 
zung des Euripides und mehrere literariſche Arbeiten 
ſchon ruͤhmlichſt befannt, bat das Bublifum mit dies 
fem neuen Almanach befchentt, der fich ſowohl durch 
Innern Werth als dußere Eleganz fehr auszeichnet, 
Er enthält eine Sammlung mit Geſchmack gemähl- 
ter Gedichte und profaifcher Aufſaͤtze, theils vom Hrn. 
D. Bothe felbfi, theils von 9, A. F. E. Laugbein, 


sLıVv 


Klamer, Ehmidt, Gramberg, Gleim ımd 
mehreren andern gefchägten Dichtern und Brofaiiien. 
Trefflich aufgeführte Kupfer, nach den beliebten Zeich« 
nungen des H. Catel, von Jügel und ein fauber 
geſtochener Umfchlag von Meno Haas, vereint mit 
dem fhönften Drud auf feinem Papiere, vollenden dic 
dußere Elenang dieſes Werfchens, das auch als ein an—⸗ 
genebmes Gefchent für das ſchoͤne Gefchlecht empfob- 
len merden kann. Die bereits erfchienenen vortheilhaf⸗ 
ten Recenionen deifelben im Freimütbigen, der Zeit, 
f. d. eleg. Melt umd mehreren öffentlichen Blättern, 
überbeben uns, ein Mehreres zu feiner Empfehlung 
zu ſagen. 





Der durch aefrönte Preisfchriften rühmlichht befanmte 
Herr Prof. Harl zw Berlin bat von Er. Churfürff. 
Durchlaucht von Wirtemberg für feine mitgetheilte 


Schrift: „Deutfchlands neueite Staats- und 


Kirhenveränderungen,’ ein höchſteigenhaͤndig 
unterjeichnetes ſehr buldreihes Schreiben und zugleich 
eine fehr fchöne geldene Dofe, 25 Louisd'or am Werthe 
mit einem eben fo vortrefflichen als intereffanten Email; 
reelches das Portrait eines der erſſen Weiſen des Als 
tertbums enthaͤlt, belommen. Außerden bat Hr. Prof. 
Harl noch von mehreren Fürften und Etaats > Mini 
fern ſehr ichmeichelhafte Belobungsfchreiben erhalten. 
Ein berühmter und im ganz Deutſchland verehrter 
Staatsmann drüde ſich im feinem verbindlichen 
Schreiben am ihn auf folgende Art aus: „, Em. 
Wohlgeb. haben durch die mir guͤtigſt uͤberſandte 
Schrift: Deutfhlands neuehe Staats - und 
Kirhenveränderungen, Fbre flaats- und fir 
chenrechtlichen Kenntnifie und Ihre fchriftielerifchen 
Talente nach meiner Meinung binreihend beurfundet 
un der Aufmerkſamkeit und des Beifalls aller derer 
verfichert zu fenm, welche durch ihre Verhaͤltniſſe auf: 
gefordert werden, fich mit dem in diefem Werte behan⸗ 
delten Materiem zu befchäftigen, wie Ihnen denn andy 
br Eifer für die Nechte der Vernunft und des Ge 
wiſſens jur wahren Ehre gereicht. ’ 





Dei Horvath in Potsdam ih herausgekommen: 
Kabinet zum Unterricht im der Naturgeſchichte, 
zum Echuf = umd Privat: Gebrauch ; nach dem 
Linmeifchen Syſtem geordnet, auf 13 Ku— 
pfertafelm in gr. 4., worauf 260 Abbildun⸗ 
gen aud dem drei Reichen der Natur abges 
bildet find, fauber illuminirt 4 Thlr. 2 Gr., 
in ſchwarzen Abbräden 2 Thlr. 2 Or. 
um dieſes Kabinet für die Jugend im Schulen, 
mie auch zum Privat» Interrichte recht brauchbar sw 
indem; babe ich einige Eremplare in 13 faubern Kab« 
men unter Glas legen laſſen, damit es in dem 


Klaffen beim Unterricht, ober auch im je— 
dem andernZimmer, als eine fhonedierbe 
zur beftändigen Anfihr fann aufagebangen 
werden. Elterny welche ibren wißbegierigen Kins 
deru ein nüßliches und zugleich hödt unterrichtendeg 
Geſchenk zu machen gedenfen, kann ich mit allem 
Mechte diefes Kabinet empfehlen. Es foflet bei mir 
ganz fertig unter Glas und Rabm 9 Thlr. 
20 Gr. Auswärtige Liebhaber fönnen von mir bie 
13 Rabmen obne Gläfer für 3 Thlr. 6 Gr, er: 
balten, alsdann können die Glaͤſer in jedem Orte ein« 
gepaft werden, Tas Echrbuch der Naturges 
fhichte gm diefem Kabinette koſtet befonders 
ı8 Gr. (JA in Perlin bei Heinrich Froͤlich 
Scharenfrage No, 12. zu haben.) 





Der Buͤchertroͤdler Kafffa im Riga, der fo gern 
für einen Buchhändler gebalten ſeyn weil, bat neulich 
in der Qualität eines DVerlegers, Herausgebers, Re 
dafteurs und auch fat einzigen Mitarbeiters des ago⸗ 
nifirenden nordiſchen Archivs, das jmar bie Farbe 
der Hoffnung anf feinem Umſchlage, aber die Verzweif⸗ 
lung an der Etirn und die Verwertung im Herjen 
trägt, im dem 35fen Intelligenzblatt der Zeit. f. d. 
eleg. Welt zu behaupten gewagt: daß ich mich deshalb 
von der Redaktion des ermähnten Journals yuridge- 
zogen habe, ‚‚meil er jwei, gewiſſe Stände in M. 
und RM. perſifflirende Aufſaͤße von meiner Hand ju- 
ruͤckgewieſen hätte, «7 

Wer den Heren Alter Kafffa näher kennt, dem 
mird auch wohl befannt ſeyn, dafi der gute Mann eben 
fo menig dohne fich ſelbſt zu verſiffliren Perfifflage zu 
beurtheilen als überbaupt nur im Stande iſt, das 
Ente vom Schlechten zw unterſcheiden — wie fein 
von ibm (aber auch nur von ihm allein) fo oft citir- 
tes Journal ausweißt. Mas er alfo für Perſifflage 
bält, mag Gott wien! Feder aber, der da weifi, daß 
ich die Redaktion des n. A. für diefes Fahr übernoms 
men ımd bernah von aller Theilnahme an demfelben 
mich losgeſagt hatte, wird leicht feine Behauptung 
für das, was fie iſt, für eine boshafte Luͤge erfennen, 
und ihm, der bisher immer nur für einen Plaaiarius 
und finnlofen Abfchreiber galt, einmal einrdumen 
müffen : bei diefer Gelegenheit meniaitens mus fich ſelbſt 
geſchoͤpft zu haben. Demm: bitte ich Theil an dem 
Journal, und alfo, wie es vom ihm ſelbſt früher be 
kaunt gemacht war, die Redaktion defielben; fo iſt es 
eine Lächerlichkeit des Hrn. K. zu behaupten, er hätte 
einen Huffah von mir zurüdgemiefen. Hatte ich mich 
aber davon ſchon losgefaat, fo wire es eine Laͤcherlich⸗ 
feit, gm glauben, ich hätte ihm überbaunt ımur einen 
Auffag zufommen laſſen. — Die eigentliche ur— 
fache, weshalb ich weder mit ibm noch mit feinem Are 
iv meiter zw ſihaſſen baten wollte, if: weil er mich 
in mehr als einer Hinficht — um mic glimpflich aus⸗ 


CLV 


judruͤcken — angeführt bit. Wenn ich bier die aus— 
führliche Geſchichte davon, die ich umſtaͤndlich zu docu⸗ 
mentiren im Stande .bin, nnd einige andre dahin ge 
börine ‘Raritäten vor der Hand noch verfchmeige; fo nes 
ſchieht es nicht fomohl um Hrn. Kafffa, als vielmehr 
um PTapier und Zeit gu fchonen, und weil ich glaube, 
daß man nicht alle Munition auf einmal verbrauchen, 
fondern das ſchwere Gefdrug und die ſtaͤrkſte La- 
dung bis zuleht verfparen muf. — 
Mitau den 27flen Augu 1504. 
Albers. 





Rußland 
unter 


Ylerander dem Erftem 
Eine hiſtoriſche Zeitſchrift 


herausgegeben 


von 9. Stord, 


“botrtekieferung <(Juny 1804) 


Verordnuug, die Bauern des lievlaͤndiſchen 
Geuvernements betreffend. 

1. Inſtruftion für die Mevifionstommiffige 
nen zur Anfertigung befonderer Wacken⸗ 
bücher auf den Gütern des lievländifchen 
Gouvernemente. 

2. Beilagen, 

XV. uUeber die Berfchönerungen von St. Petersburg 
und die neuen bürgerlichen Einrichtungen die 
fer Reſidenz unter Aleranders Regierung. 

XVI. Edle und patristiihe Handlungen. 

XVU, Vermiſchte Nachrichten zur Gefchichte des öf- 
fentlichen Unterrichts. 
XVII, Miszellen. 
Leipzig den 37. Auguſt 1804. 
ob. Fr. Hartknoch. 


xv. 





Anzeige 
eines richtigen Werkes, befonders für Freunde der 
neueften Zeitgeſchichte, Etaatsverfaffung und Erdbe 
ſchreibung, für Geſchaͤfts maͤnner, Reiſende, 
Kaufleute und Zeitungslefer, 


Neuefes 
Staats » Zeitungs = Reife - Poft - und 
Handlungs » Lerifon 
oder 
geograpbifch = Hiftorifch = ſtatiſtiſches 
Handbud 


allen fünf Theilen ber Erde; 


enthaltend: 


eine genaue and volfländige Befchreibung aller in den 
fünf Erötbeilen befindlichen Staaten, Herrſchaften, 
Volker, Gewaͤſſer, Gebirge, Waldungen, Städte, Fer 
fungen, Scehäfen, Handelg « und Fabriforte, Baͤder, 
Gefundbrungen, Flecken, und überbaupt aller, für Gie« 
ſchaͤftemaͤnner, Reiſende, Kaufleute und Zeitungslefer, 
in hiſtoriſcher, politifcher oder commercieller Hinſicht, 
bemerfungswertben Drtichaften, mobei ganz vorjügliche 
Nüdjicht auf deurfche Leſer und Deutfchland genom ⸗ 
men, und davon alle Borlitationen und Dörfer, 
fo wie die vornehmien Höfe und Weiler 
angezeigt worden find, 
Nah den 
Friedensſchluͤſſen zu Sünesille und dem Hauptſchluſſe 
der außerordentlichen Neichsdeputation vom 
25. Februar 1803, 


aus 


den neueften Meifebefchreibungen, Toyograpbien, Staats ⸗ 
fchriften und Handichriftlichen Nachrichten, auch 
auf eigenen Reifen gefammelt und verfaßt 
von 
PU. Winkopp, 
Kurfintich + Erskansteriihem Hoftammermth, 





Leipzig in der vom Kleefeldichen Buchhandl. 1804. 





Der Herr Verfafter bat alles getban, um in diefem 
Werke dem Bublitum dag zw geben, mas ibm der 
ausführlihe Titel verfpricht. Fleiß, Fuge Auswahl 
und DVorficht kann auch der Partbeiifchiie nicht ver« 
kennen, und es if die einfahhe Wahrheit, 
daß diefes Berifom im feinem Umfanne, tbefonders mas 
das Hiflorifche und Statiſtiſche betrifft) in Comfeauenz 
bei Ausführung des Plans, an Bründlichkeit und Ber» 
baͤltnißmaͤßigleit In der Ausarbeitung feiner Theile, 
gegenwärtig feines Gleichen nicht bat. Einen eignen 
Dorzug.erhält es durch die befondere Vorficht des Ber- 
fafers, dastenige, mas wahrſcheinlich bald noch veraͤn⸗ 
dert oder gemiffer beſimmt merden dürfte, menn es 
irgend möglich. war, unter fpätere Artikel ju verwei⸗ 
fen, inden er fein Werk durch die tbeils noch zu lie 
fernden, theils fchen gelieferten Zufäge und Berichti- 
gungen in einer befländigen Neuheit zu erhalten und 
zu einer gröfern Volllommenheit hinzufuͤhren bes 
muͤht ii. 

Durchaus und von jedem ſachkundigen, umbefan- 
genen Beurtheiler if dem Fleiße und den Einfichten 
des Herrn Verfaſſers Gerechtigfeit widerfahren; na— 
mentlich das politiſche Journal, cJanuarſtuͤck 1804) 
die Nationaljeitung der Deutſchen, die Würzburger 
nelehrte Zeitung u. a. m. haben fein er? dem RPu— 
bliftum auf eine fo ausgezeichnete MWeife empfohlen, 
daß es überlüffig ih, noch viel darüber zu fagen. 


eLvi 


Sorgfältig iſt der neueſte Zuſtand eines Landes, einer 
Stadt u. f. w. gefchildert, und die Iufammenflellung 
deffelben mit dem frübern Verhaͤltniſſen führt den Le— 
fer zu intereffanten Betrachtungen über Gegenwart 
Bergangenbeit und Zukunft. 

Durch die Erfheinung biefes Werks in Abtbeilun« 
gen, deren jede ı Thlr. bis höchhens 2 Tülr. koſtet, 
erhalten die Lichhaber auf das beauemfte nah und 
nach ein fo volftändiges Werk, daf ihnen dadurch bie 
weit koſtbarere Anfhafung mehrerer geograph. biilor. 
und flatifi. Werke entbehrlich wird, Ueberhaupt wird 
man dem Preis diefes Lexikons, im DVerbältnif zu 
dem, was geleiitet worden if, cdie Vorzuͤglichkeit des 
Aeußern ungerechnet) gemiß fehr billig finden. 

Bis jebt find davon jmei Bände in fünf Abtheis 
Tungen, welche die Buchſtaben A bie @ enthalten, er⸗ 
fchienen, und bie Fortfekung wird bis zum Ende 
ſchnell und ununterbrochen erfolgen. Der Preis der fer» 
tigen Abtheilungen iſt 7 Thlr. 





Anzeige, bie Umgebungen von Leipzig betreffend, 


Romantifche Gemälde. von Leipzig, eine Folge von 
vierundzmanzig Proſpekten, gezeichnet und ges 
fiochen von 8. B. Schwarz, in gr. 4 


Die tImgebungen von Lelozig baben fich feit einigen 
Fahren fo fehr gm ihrem MWortbeile verändert, daß es 
ein glücjicher Gedanke war, die fchönfken Punkte der 
neuen Anlagen aufjufuchen und in einem ganzen Werfe 
den Freunden des Schönen und Angenchmen mitzus 
tbeilem. Herr Mahler Schwarz bat diefen Gedanken 
aufgefaft und dag Werk mit der ihm eigenen Treue 
toflführt, und, wo dem Künftler ju enge Grenſen ges 
fledt waren, bat die Musarbeitung eines zu den Blät- 
tern gebörigen Tertes von einem beliebten Schriftitel- 
ler folche erweitert und ergänzt. Wie vieler Werehrer 
und Freunde dürfen ſich nicht die fehattenreichen An⸗ 
lagen, melche Beivgig umgeben, ruͤhmen? Welchen 
mannichfaltigen Genuß gewährt. nicht ihr Anblick 
Fremden und‘ Eingebornen? Gollten es nicht dieſe 
dem. Künfllee verdanten, daß cr ihnen durch feine 
Arbeit jene Freuden erneuert und fie folche im der leb⸗ 
baften Erinnerung noch einmal genießen läft! Das 
game Werk in farbigem Umichlage brofchier koſtet in 
allen Buchhandlungen 6 Thlr, 
Beipgig im Auguſt 1804. 
Earl Tauchnitz. 





Unter dem Titel: Nachträge gu der vollfändir 
gen. Bleihtunf der Bürger O-Reilly und 
Ghavtal, herausgegeben von Dr. und Prof. Efdhens« 
bach. Mit 10 Kupfertafelm gr. 8. Leipzig bei F. C. 


Hinrichs, Preis ı Thlr. 12 Er. find alle die Schwie- 
rigfeiten gehoben, welche bei Erfcheinung der mit Bei: 
fal aufgenommenen vollſtaͤndigen Bleichkunſt von 
D-Reilly, vieleicht noch übrig waren. Die Kupfer 
erläutern vollfommen den Tert, befonders auch in Hinz 
ficht der neuen, auch für grofe Hausbaltungen febr vor« 
theilhaft anwendbar gefundenen Waſchmethode. Durch 
biefe Nachträge iſt daher das Ganze der O+-Neilly- 
fhen von Dr. Eſchenbach herausgegebenen Bleich- 
funit nun als ein Vollendetes zu betrachten. i 





Mon dem Neuen allgemeinen Fournal ber 

Ebemie herausgegeben von Bucholi, von Erelf, 

Hermbſtaͤdt, Klaprosb, Richter, Scherer, 

Trommsdorff, Geblen, iſt des an Bandes 26 

Heft erichlenen und verfandt, 

Inhalt; 

L Abhandlungen, 

6. Neue Beiträge iur nähern Keuntniß der Natur 
bes Gerbeſtoffs. Vom Prof. Trommsdorff 
in Erfurt. 

. Unterfuchung uͤber die Verzinnung des Kupfers, 
die jinnenen Gefäße und die Glaſur. Bon vB. 
Brouf, 

8. Verfuche über bie Fettſaͤure. Vom Dbermedick- 
nalaſſeſſor Mofe. 

9. Ueber Darkellung der Alkalien aus ihren Verbin⸗ 
dungen mit Schmwefel. 

I, Weber die Zerfehung der Schmefelalfalien 
durch Blei und Manganesorpd, Don J. 
J. Dipe. 

IL. Verſuche hberdie von Dize angegebene Zer⸗ 
feßungsart des Schwefelbargts durch Mans 

„„ ganesord. Bon C. 5. Bucholz. 

20. Prüfung verfchiebener angegeberten Scheidunge« 
methoden des Niels und Kobalts. Von C. F. 
Bucholj. 

II. Literatur; Correſpondenz; Notigem, 

1 Riteratur. 

Afademifche Schriften. 

2. Eorrefponden;. 

Schreiben des Hrn. Hifinger aus Köping, 

3. Notizen. 

9. Ueber eine einentbümliche vegetabilifhe Sub- 
Hanz. Dom Dbermedieinalafefor Rofe. 

20. Ueber einige galvaniſche Verſuche. Won Gio- 
bert, 

11. Meber die Strengflüfigkeit, welche die Talkerde 
den andern mittheilt.. Bon Demfelben. 

12. Fortgeſetzte Bemerkungen über den Chromge- 
balt verfchiedener Foſſilien. Ben J. C. €. 


Schrader. 
Heinrich Froͤlich, 
BuhbbändierinBeriim 


* 


—— — — — u nn 


No. XL, 
giterarifher und artiffifder Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymuͤthigen oder Ernft und Scher; 1804. 





Fortfegung ber Bücher, welche bei Joh. Er. 
Unger zur DOftermeffe 1804 erſchienen find: 


Coltin, Geriolan. Ein Trauerfviel in fünf Aufjä- 
gen, gt. 8. 12 Gr. Daſſelbe auf Belinpapier gehef⸗ 
tet 1 The. 

— — Zolytena. Ein Trauerſpiel in fünf Aufzuͤgen, 
gr. 8. Daſſelde auf Belinpavier gebeftet ı Thlr. 

Gedichte von Karlvon Haugwiß, 8: 16 Gr. Die 
felben auf Belinpavier gebefter 1 Thlr. 8 Gr. 

Große und aute Sandlungen ruſſiſcher Megenten, Feld⸗ 
herren, Staatsbeamiten und Anderer. In Eommife 
fin.) 16 Er. 

Huzard, X. B., Bericht über die Verbefferung ber 
Schaafzucht zu Rambouillet. Aus dem Aranzöfifchen 
ar. 8. 6 Gr. 

Kleift, Ewald Chr. von, Frühling, kritiſch bear 
beitet, 5. (Vom Herrn Grafen von Fintenſt ein.) 
12 Gr. Huf Belinpapier 1 Tbir. 

Melanie das Findelfind. (Bon ber Berfafferin von 
Aulchen Girunthal.) 8. Mit einem Kupf. von Jury 
neheitet 1 Thlr. 

Moſes und Kefus, oder über das intelleftuche und mo⸗ 
ralifche Verhaͤltniß der Juden und Chriften; eine bis 
ftorifch « polisiiche Abhandlung ven äriedr. Buch- 
bols, 8.1 Thlr. 

Murfinna, C. 2., nenes Journal: je die Chirurgie, 
Arzneifunde und Geburtshuͤlfe. 1. Bdes 15 u. 2488. 
Mit Kupf. 16 Gr, 

Die Pilgrimmſchaft nah Eleufis, 8. 
Auf Belinpapier 2 Thlr. 

Drei Preisfihriften der Akademie der Wifienfchaften zu 
Berlin, gr. 8. 

1) Wie weit die moralifche Schägung einer Handlung 
bei der Feietung oder Anwendung eines Gtrafae 
fees in Betrachtung fommen darf. Bon J. G. 
Gebhard, Könige. Preuß. Kirchenratb, 8 Gr. 

2) Verfuch einer Beantwortung ber von der philoſo⸗ 
pbifchen Klaffe der bochlobl. Kontal. Akademie der 
Wiſſenſchaften zu Berlin für das Jahr 1803 anfge- 
gebenen Breitfrage: Wie weit, wenn anders uͤber⸗ 
baupt, darf die moralische Schaͤtzung einer Hands 
lung bei der Feſſetzung eines Strafgeſetzes und bei 
der Anwendung bdefielben in Anichlag kommen? 
Bon Friedr. Aug. Bonfen, Prediger an ber 
Schloßkirche zu Quedlinburg, 1 Tblr. 

» Verfuch einer Beantwortung der Preisfrage: Wirkt 


4 Thlr. 8 Gr. 


— — —————— U I III nn 


die Eleftricität auf Stoffe die gähren und wie? 
Befoͤrdert oder hindert fie die Gaͤhrung, und werän- 
dert fie die Produkte berfelben? Wie ließe (ich 
durch die elchtrifche Materie die Kunſt Wein zu 
machen, das Bier- und Efügbrauen und das Di- 
ſtiliren des Weingeiſtes vervolllommnen? Bon 
Eruſt Friedr. Wrede, Prof. am Friedt. Wilb. 
Gymnaſium in Berlin, 8 Gr. 

Rofenmüller, 3. Chr., die Merfwürbigteiten der 
Gegend um Muggendorf, auf Belinpapier gedrudt 
und mit feche fehr fanber illumin. Kupf. Fol. 10 Thlr. 

(Bon dieſem Werke kann nichts & Cond, gegeben 
werden.) 

Sammlung neuer Romane, a. b. Engl., berausgegeben 
von Sopbie Mereau, Zr u. 3e Bd. Auch unter 
dem Titel: Die Margaretbenhöble, zr u. 3e Bd. 8. 
a2 Thlr. Alle Drei Binde 3 Tblr. 

Spiele, dramatifche, von Bellegrin, berausgegeben 
von 4. W. Schlegel, 8. 1 Thlr. Diefelben auf 
Belinpavier 2 Tolr. 

Stoll, J. L., Emit und Scherz, ein Spiel in Bers 
fen, 8. ı2 Gr. 

Teller, Dr. Wilh. Ab., Weber die Aufklärung der 
Feldbauern, 8. 6 Gr. 


Mufter-Charte 
flhr angehende Kaufleute. Gefammelt auf der Reife 
durchs Leben von einem Kaufınanne, 8. Weimar, 
bei den Gebrüdern Gaͤdicke, (gegenwärtig im 
Berlin, Scharrnftraße No, 4. wohnhaft und 
dafelbft flr ı Thlr. 12 Gr. zu haben.) 





Man findet bier drei Erzählungen, von einem wirkli- 
chen Kaufmanne gefchrieben, und der Here Verfalfer 
fagt darüber in der Vorrede Folgendes: „Mufter-Ebarte 
nenne ich die Sammlung kurzer Erzählungen ans dem 
‚Beben noch lebender Menfchen, weil ich wünfche, daß 
zriunge Leute Ach bier ein Mutter auswählen möchten, 
rund ſich im Handlungs = und gefellfchaftlichen Leben 
„darnach zu bilden, in Stunden der Freuden und der 
Leiden darnach zu verhalten, und befonders für alle 
zrdie Fehler und Sünden zu hüten, an deren gefährlis 
hen Klivven das Gluͤck werdender und angebender 
sr Kaufleute befonders gern gu fheitern pflegt.“ Diefe 


eLvi1lı 


zu einem reellen Zwecke gefchrichenen Erzählungen, 
fönnen alfo wirklichen Nuhen ftiften, und unterbalten 
doch auch cben fo gut als Ritter», Geiler: und Ban« 
diten : Romane, 





Durch alle Buchhandlungen iſt zu haben: 
Laugbein, A. F. E., Neue Schriften, mit 
Kupfern von Meyer und Juͤgel, nad 
Zeichnungen von 5. Eatel und 2. Ram: 
berg, 2 Bände, 8.5 jeder Band ı Thlr, 
9 Gr. 


Meld;em Freunde einer fröhlichen Unterhaltung 
ud wohl die Schwänte, Feierabende, Tas 
Tiemann gegen die lange Weile und andere 
frühere Werte diefes allgemein beliebten Gchriftilel« 
lers micht befannt? — Mit Recht können wir das 
Yublitum verfihern: daß treifender Witz und dcht ?o- 
miſche Laune, die nur wenigen Momantifern in fol 
dem Grade wie ihm zu Theil wurden, auch diefe 
neuen Schriften beleben, die ganz füch dazu eignen, in 
Erbolungsttunden Mißmuth zu jerſtreuen, und jedem — 
felbt dem finfieritien Mifantbrepen — ein Lächeln der 
Freude abjugewinnen. Auch fauber geflochene KRunfer 
und ein forrefter Druck auf fchönem Bapier erhöhen 
den Werth des Ganzen und eignen es für jede befle- 
triſtiſche Bibliothel. 

Scchuͤppelſche Buchhandlung 
in Berlin, 





Don der unter nachfiehendem Titel in meinem Bere 
lage erfchienenen beliebten Sammlung italiänijcher 
Dichter: 
La sublime Scuola Italiana ovvero le piü 
eccellenti opere di Petrarca, Ariosto, 
Dante, Tasso, Pulci, Tassoni, San. 
nazzaro, Chiabrera, Burchiello etc. 
etc. Edizione di Giuseppe de Valenti. 


if der gte Theil enfchienen, welcher auch unter feinem 
befondern Titel: 


Il Morgante maggiore di Messer Luigi 
Pulci, Vol. L 


für 1 Thlr. verkauft wird, Herausgeber und Verleger 
ſchmeicheln fih dem Wunfhe und Beduͤrfniſſe, der 
Liedhaber der italidnifchen Literatur entgegen gefom, 
nen zu feon, da nur wenige und feltene Aufgaben 
dieſes Gedichtes erifliren. Der Tert ift mit aͤußerſter 
Sorgfalt und Korrektheit abgedbrudt — Die Fortfep 
jung wird ohne Aufenthalt nachfolgen, und fo nach 


und mach das ganze unternehmen beendigt werden, 
Die acht früber erfhienenen Binde der Poeti enthal« 
ten den Petrarca, Ariost, Dante und Tasso. Bon der 
Sammlung ber Prosatori if bis jegt in 6 Bänden er⸗ 
ſchienen: Opere di Nivolo Macchiavelli und il Deca- 
merone di Giovanne Bocaceio, die fÄmmt!ich auch ein⸗ 
zeln für fehr billige Preife zu haben find. 

Um jedoch Liebbabern die Anfchafung des Ganzen 
zu erleichtern, erbietet fih der Verleger, die Gamm- 
lung der Prosatori auf gutes Drudpapier für 3 Thlr. 
12 Gr. und die der Poetı für 5 Thle, zu erlaffen. — 
Diefe beruntergefehten PBreife fönnen jedoch nur bis 
zum Schluſſe diefes Jahres fatt finden, wo dann der 
gewöhnliche Yadenpreis von 12 Thle, 12 Gr. für die 
&ammlung ter Poeti und Prosatori nieder eintritt; 
auch müflen fich die Liebhaber an den Verleger felbft 
wenden. Für die Ausgabe auf Schreibpapier fann fein 
beruntergefehter Preis gemacht werden, da nur noch 
menige Eremplare davon vorrätbig find. — Da ih 
dieſe Husgabe der italiänifchen Tlafilter beſonders burch 
vorzigliche Bilinfeit im Preife auszeichnet, fo hofft 
der Verleger, dan fe fich Äbnlicher-Unternehmungen 
ungeachtet, im ber bis jeht befundenen Brauchbarfeit 
erhalten werde und von Kichhabern nicht unbenutzt ges 
laffen werden wird. 


Berlin im September 1504. 
Gottlieb Auguft Lange, 





Ruffifde Miscellen 


—— 
von 


J. Ricchter. 


No. 1X. 


1. Bericht des Grafen Rotfchubey, Minifter des 
Innern, über die vier erſten Monathe feiner Ad⸗ 
minifiration. Aus dem Gt. Petersburgifchen 
Journale. 

Tl. Sitten und Gebraͤuche der alten Ruſſen :«. nehR 
Baralelen. (Beſchluß.) 

11. Briefe eines zu Moskwa Tebenden Deutfchen Über 

Rußland. Siebenter Brief, 

IV, Achter Brief, (Beſchluß.) 

V. Die Lipesfifhen Mineralauellen. 

VI. Der Gefunddbrunnen gu Sarepte. 

vis, Die adlihe Verfammlung zu Moskwa. 
VIII. Das Gatbartneninfitut zu Mostwa. 

IX, Nekrolog. Der Schaufpieler KRrutiiky, 

X. Kurje Nachrichten. 

xl. Nahfchrift des Herausgebers, 
geipjig den Zıflen Nuguf 1504, 


ob. Fr. Hartknoch. 





6‘6Lıx 


Enepyelopädie 
‚von 
Birmann 
Drofeſſor der Handelswiſſenſchaften und Mathematik, 
und Borficher der Kurfürfil. Badifhen Handlungsala⸗ 
demie zu Mannheim, Ein Handbuch für Kauf- und 
Gefchäftsleute, für Cameraliſten, für öffentliche und 
Privatlehrer, A Theile median quer Dartformat, mit 
30 ſchoͤnen Aupfertafeln. Weiſſes Schreibpanier und 
prächtigen Drud. In Pränumeration und Subſcrip⸗ 
tion 4 franz. Laubthaler, im Ladenpreife 6, Mannheim 
4805. — licher diefes lange gemangelte Werk, das im 
mäßigen Raume von 4 Alphabeten eine Bibliothef ent- 
hält, it ein ausführlicher Proſpectus mit einem geilo- 
chenen Mufter fhöner Hauptbücher erfchienen. 
Diefer durd) den guten Stich, noch mehr aber durch 
den Inbalt ſchaͤrdare Kupferabdruck, empfangen bie 
Rränumeranten und Eubferibenten unentgeltlich: ans 
dern Perfonen wird felbiger im wohlfeilen Preiſe von 
2 Paubthaler oder 9 Groſchen Saͤchſiſch, zur Empfch- 
lung des Werkes, abgelafien. — Darum, weil der Hr, 
Merfafer feiner Contor- Encyelopädie eine auferordent- 
liche Reichhaltigteit gegeben bat, kann ihr ganzer In- 
balt unmöglich bier Plab finden, Folgendes giebt mur 
einen geringen Begriff davon. — Erſier Theil, auf den 
man bis Ende 1804 mit einem Baubtbaler pränumerirt, 
entbält 1) Anweiſung zu einer Hüctigen und ele=- 
gänten Gefhäftsband mit 30 Alpbabeten der befien 


Eontor- 


Eurrent-und Zierfchriften, und unter andern, die noch 


nicht geflochene Eurrentband ter Juden. 2 Bewie- 
fene Rechenkunſt, für deren Vortrefflichkeit des 
Herrn Verfaſſers matbematifche Arbeiten bürgen, um 
welche er Anfangs diefes Jahrs zum Gorrefpondenten 
des Barifer National» Anfituts der Wiſſenſchaften vor⸗ 
geſchlagen ward. 2 Sahkunſt, oder Wiſſenſchaft aus 
den Bedingnifien der Aufgaben den Satz durch Ver— 
nunftichlüffe zu beflimmen, 4 Tabelle der 1000 erfien 
Logarithmen in 10 Decimalflellen, und das Wefentliche 
aus Neltenbrechers Tafchenbuche, vornehmlich die fran« 
zoͤſiſchen Maße und Gewichte in genauern Zahlen nad) 
Delambre's Merlvianmeffung. — Zweiter Theil, Han- 
delsfpracke, Correfponden; von 100 ausgemählten Brief⸗ 
muftern, Briefliol, Moral und Politik ter Geſchaͤfte. 
Formeln für Wechfel, Quittungen, Gontracte, Gut: 
achten und andern Gefchäftsaufiägen, Ortbograpbifche 
Regeln und Verseihniß der gmeifelhaften Wörter, 
Leichte Tachraranbie oder Schnellſchrift für Concepte 
und eilende Abfchr:ften, unvertilgbare Tinte. Geld: und 
Wechſelkunde m. dal, mit mehrern. Kupfern. Dritter 
Theil. Doppelte Buchhaltung in einem volliändigen 
Gefchäfte nach dem beſien DVerfahren, mit den nöthigen 
Erklärungen. Muſter der einfachen Engliſchen, ver 
gewöhnlichen einfachen. und doppelten Stalienifchen, 
Anmeifung jedes Gefhäft der befiern Buchhaltung zu 
unterwerfen, 4. B. Kleinverläufe, Manufarturen und 


Landguͤter, Bandeslafien und Gefälle, Regimenter und 
Armeen, Hofbaltungen, ja ber Staat felbi. Die ge- 
hochenen Mufler der Hauptsund Nebenbücher werden 
an Zwedmäßigkeit und an Schönheit des Stiches das 
den Profpectus begleitende noch übertreffen. Mit vie 
len Kupfern. — Vierter Theil. Handels: Statifif. 
Ertlaͤrung der mit dem Handel mehr oder weniger ver 
wandten öffentlihen Anſtalten, Geſchichte, Paͤdagogitk 
und Literatur. Mit Kupfern und dem Bildniſſe des 
Verfaſſers. — Der Contor⸗Enchelopaͤdie ferner etwas 
zur Empfehlung zu fagen, wire überflügig, da es noch 
in feiner Sprache ein folches Werk giebt, Ihr Hr. 
Verfaſſer, von dem wir mehrere benannte und unbe» 
nannte belletrillifche Arbeiten baben, bat es fich aber 
auch noch im hoͤchſen Grade amgelegen feon laſſen, 
den gründlichen Vortrag , fo angenehm als möglich zu 
machen. — Solide Buch-und andere Handlungen, 
Poſtaͤmter, Gefchäftsleute und andere Freunde der Wiſ⸗ 
fenfhaften werden biermit gebeten, zur Verbreitung 
dieſes allgemein nuͤtzlichen Werkes, das ihrige beyiu- 
tragen, und Theilnehmer nach den Bedingungen bes 
Profpectus zu fammeln, Wie die Pränumeration und 
Subfeription ſtaͤrker ausfalt, befommt die Contor⸗ 
Enepelopädie mehr oder weniger Kupfertafeln, dußern 
und innern Werth. Bekannte Hdufer menden ſich ge- 
faͤlligſt in unfraufirten Briefen an ung um Erempla- 
rien des Profpeetus und des geflschenen Buchbaltungs« 
mufters. Die Gelder können bei ihnen, bis zur Ablie- 
ferung des erfien Theils depomirt bleiben. Minder 
befannte Berfonen müffen gefälligit den Betrag der ger 
fiohenen Dufter baar oder im guten Anmeifungen bei« 
fügen. Da die biefigen Hofbanquier, Hrn. Schmalz 
und Sohn, in gan; Europa Gorrefpondenz; haben, fo 
bat man alle Gemädlichteit und Sicherheit für die 
vorläufige Deponirung und nachherige Uebermachung 
der Gelder, 
Mannheim im Yuguft 1804. ' 
Meues Anduftrie: Contor, 
unter dem Kaufhauſe. 


In Berlin und defien Umgegend mendet man fich 
für eben genanntes Wert an den Buchhändler 
Erölich Scharrnfrage Nr. 12.) 


Bei C. Friedrih Barth jun. in Breslau ift feit 
dem Jahre 1804 erfchienen, und in allen gus 
ten Buchhandlungen zu haben, 


Aehrenleſe gemeinnuͤhiger und unterhaltender Gegen⸗ 
Hände aus den befien Zeitſchriften des Jahres 1804. 
Eine Monatsfchrift für unbemittelte und ihre Freunde. 
Erfler Jahrg. in 12 Heften. 8. 2 Thle. 

Biograpbie des Schauſpielers Kobermein von ihm 
felbfi befchrieben. 8. neh. 8 Gr. 

Blicke auf den unentdeckten Weg zum Tempel der Un— 
ſterblichkeit. 18 Hft. mit 1 color, Kupf. ar. 8.20 Gr. 

Bruͤhwein, I. 8. C. Adeona oder Etwas in das 


cLx 


Midichtchen des fchönen Geſchlechts. Ein Taſchenbuch 
für 1804 mit 1 Kupf. geb. 12 Gr. 

Denfmal des Hrn. Im. J. Gerh. Schellers von 
J. 5. J. Heufer. Mit Schellers Portrait, 6. 10 Gr. 

Emil oder belehrende Unterhaltung für die Jugend. 
Ar. Jahrg. 1804. 8. 3 Tblr. 16 Gr. 

Enbdler F. ©. illum. Abbildung fchlefifcher Gegenden 
416 — 198 Stud à 12 Br, 

Erbauungen und Betrachtungen chriliche, zum Todt- 
fadhen, ein Seitenſtuͤck zu den Predigten sum Todt- 
lachen. 8. 8 Gr. 

Erzähler, der, eime Wocenfchrift. sr Jahrg. 1804. 8, 
geb. 3 Thlr. 16 Gr. 

Etzler B. I. Lectiones statarie ad usum scholarum 
accommodatz. 9. so Gr. 2 

Deffen Grammatif der latein. Sprache. 8. 14 Er. 

Formationstabelle der latein. Declination und Gonjur 
gation zur Erleichterung für die erften Anfänger, 
Fol. 2 Gr, 

Gedanken und Borfchläge eines Menfchenfreundes sur 
Entwerfung eines Criminalgeſetzbuches. Nebil einem 
Anhange über Corrections-und Arbeitshäufer. 8. 12 Gr. 

Gedicht, ein hiſtoriſches, am Schluß des Jahres 1503. 
v. J. F. Krebs gr. 8. geb. 3 Gr. 

Geſchichte der feit dreihundert Jahren in Breslau ber 
finvfichen Stadtbuchdruckerei, als ein Beitrag zur 
allgemeinen Geidichte der Buchdruckerkunſt. Mit 
A Bitdniffen und 4 erfäuternden Kupferplatten, 4. 
geb. 2 Thlr. 8 Br. 

@läfer das durch Wohlthätigfeit aus feiner Aſche fchö« 
ner wieder aufbitihende Woisnit als ein Denkmal 
edler Menſchenliebe, oder die Mechenfchaftsablegung 
der für die Abgebrannten zu MWoignit eingefammelten 

° und vertheilten milden Beiträge s. 4 Gr. 

Henfel J. D. Handtuch der ſchleſiſchen Gefchichte 
für Liebbaber und Schullehrer in niedern Schulen, 
auch als Keiefaden in obern Clafen gu gebrauchen, 
Aweite, mit der Geſchichte der neueſten Zeit ver- 
mehrte Ansaabe. 8. geb. 12 Gr. 

Deſſen kurzer Abriß der ſchleſiſchen Geſchichte als Beit- 
faden beim Unterricht in niedern Schulen in Berbin- 
dung mit dem Handbuche der fchleliihen Geſchichte. 
Ste vermehrte Aufl. 3 Gr. 

Jungnitz, £. 9. Grundriß ber Naturlehre, zum Ge⸗ 
brauch für Vorlefungen. 2 Thle. gr. 5. 1 Tblr. s Or. 

(Fortſetzung folgt.) 





Berichtigung. 


Aus uebereilung it im Catalog der Leirziger Michaelis · 
meſſe, Bag. 465, unter den beceits fertigen Buͤchern 
„Die Belagerung von Hambutg im Jahre 1216, 
Trauerfpiel in fünf Aufzuͤgen von Frambach,“ mit 
angeführt. Unterzeichnete Buchhandlung fland würflich 
mit dem Verfafler wegen Anfaufs diefes Stüuds in Un⸗ 





terhandlung. Da er aber eben von mehrern großen 
Theatern, denen er eine Abſchriſt davon mitgetheilt 
batte, ſehr vorrheilbafte Anträge um die Werfit erung 
eines anfehnlichen Honorars erbielt, im Fall er fi 
entichliefien wollte, gedachtes Manufeript vor einem 
Sabre nicht in Druck ergeben zu laflen, fo batte um» 
fere Unterbandlung deswegen ein Ende, und das Stud, 
das übrigens noch nicht zur Prefie gegeben war, wird 
nun erſt in der Michaslismeile des kuͤnftigen Fabrs 
1805 erfcheinen. 
Hoffmannfbe Buchhandlung 
in Hamburg. 





Befanntmadhung 





Die vor mehreren Monaten im verfchiedenen literar. 
Blättern angekündigte deutfche Heberfegung von dem 
zu Paris erfchienenen Buch: 
Medecine maternelle, ou l'art d’elever et 
conserver les eufans pr. A. Leroy 


iñ bereits unter der Vreſſe und wird in kurzem erfcheis 
nen. Der Ueberfeher iſt der durch aͤhnliche Arbeiten 
{chen befannte biefige fürfl. Hofrath und erſter beib⸗ 
arzt Hr. Fifcher, 
Hildburgbaufen im Sept. 1504. 
Haniſch' ſche Buchhandlung. 





Anfündigung eines neuen deutſchen 
Sprachwerks. 


Zur Dfiermefle 1505 erſcheint, im Verlage des Buche 
bändlers Heinrih Froͤlich in Berlin, ein von mie 
ausgearbeitetes, vollidnbiges Lehrbuch des ger 
fammten dbeutfben Gprahumterrichts im 
vier Binden. Der erite Band wird eine Sprachlehre 
Mbetorif und Synonymil, der jmeite eine Beiſpiel⸗ 
faımmlung und draftiſche Anleitung zur Kectüre deut: 
ſcher Klafliter, der dritte eine Deklamatorik, und der 
vierte eine Weberficht der deutſchen, befonders poeti⸗ 
fihen, Kiteratur und wenn es der Maum verfatter) die 
wichtiafien Regeln der deutfchen PBrofodie enthalten, 
Fr beftimme vdiefes, einige 70 Bogen Harte Merk vor 
al 





(ich für gelehrte Schulen und afademifche Lchrans 

ten, da ich das Bedürfniß des Elementar s Inter: 
richts durch meine fleine tbeoretifch-praftifche 
deutfche Sorachlehte (Berlin_bei 9. Frolich 
4801.) befrichigt ju haben alaube. Der Werlanfspreis 
des gansen Werke, defien einzelne Theile auch unter 
befondern Titeln gu haben fegn werden, wid vorliufig 
auf 2 Thlr. 16 Gr. Br. Cour. gefeht; ubferibenten 
aber erbalten 28 für 2: Thlr. 
Theodor Heinfius 


Proicher. 





Ich mehme auf obiges Werf bis Ende Februars 
Subfeription an. 
Heinrich Froͤlich. 





No. XLL 
Literarifher und artiſtiſcher Anzeiger, 





Ad Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz; 1804. 





Für Entomologen. 





In der Schüppelfcen Buchhandlung in Berlin if 
erfchienen und durch alle Buchbandlungen zu haben: 
Klug, D. Fr. Monographbia Siricum, 
cum tabulis aeneis VIII coloratis, 4. 
3 Thlr. 12 Gr. 

Der Herr Verfaſſer, der als ein fcharflichtiger 
Beobachter der Natur, dem entomologijchen Bublitum 
bereits bekannt it, hat im diefem Werke, meldyes als 
Mufter einer guten naturh iſtoriſchen Monographie auf« 
gehellt zu werben verdient, durch genaue Angabe und 
Beſchreibung der einzig wahren Gattungscharaftere, 
fehr befimme die Gattungen: Oryssus, Hybo« 
notus, Sirex, Astatus und Sapyga auseinander 
geſeht, im melche das alte genus Sirex zerfallen mußte, 
Auch hat er zuerfi ducch Mbfonderung der Varietäten 
und Gefdlechter, die wirklichen Arten (wozu mehrere 
neue bis jeht unbekannte gefommen find) beſtimmt, 
und- mit vortreflichen, auf beide Gefchlechter durchaus 
vaſſenden Artdiagnofen verfchen, fo daß in dieſer Gat⸗ 
tung ſchwetlich noch etwas zu leiten übrig if, Die 
fauber ausgemablten Kupfer werden fich duch ihre 
richtige Zeichnung und vortrefliche Ausführung, beim 
erften Aublick von ſelbu empfehlen. In aller Ruͤckſicht 
verdient dies Werk eine Stelle in jeder Bibliothek. 





' Die Garten + Feld» ud Wald: Nanpen 
und die Mittel zu ihrer Bertilgung, von Chriſtoph 
Fuüldner. Durchgeſehn, verbeifert und mit einer 
Morrede begleitet vom Profeffor Gotthard, 8. 
Meimar gedrudt und verlegt bei den Gebrüdern 
Gaͤdike. . (Gegemwärtig in Berlin, Edarrn= 
ſtraße Nro. 4. wohnhaft, und dafelbit 
für 18 Gr. zu haben, ) 


2 Prof. Gotthard fagt im feiner Vorrede von 
diefem Werte Folgendes: „Der Berfaffer war feit vie» 
len Jahren ein leidenfdaftlicher Freund der Anfecten: 
funde, wendete jede Stunde, bie er feinen Gemwerb- 
verbältnifen eutjiehen fonnte, zum Auf: und Unterfus 
chen der mancherlei Raupen, Schmetterlinge und Kaͤ— 
fes an, und benußte da, wo eigene Erfahrungen nicht 


DIDI — — — — 


binreichten, die Schriften der erſten Entomolsgen, und 


ich fuchte in feiner Schrift vorzuͤglich die Bertilgungs- 


mittel der Mauren zu vermehren und die bereits de— 
kannten noch mehr auseinander zu ſetzen.“ Jedem 
Freunde des Pflanzenbaues, der nur einigermaßen die 
Berheerungen kennt, melde die Garten» Feld und 
Baldraupen anrichten, wird alſo dieß Buͤchelchen wohl 


willkommen ſeyn. 


Neue Verlagsbuͤcher 
zur Oſter-und Mihaelis-Meffe 1804. 


von 
Gottlieb Auguft Lange in Berlin. 





Es lebe der Fruchtwechſel: Ein Beitrag zu Karbeng 
er über die Einführung der Wechfelwirthfchaft. 
gr. 8. d Gr. = 

Herbſt, J. EM. Verſuch einer Naturgefchichte der 
Krabben und Krebfe. an Bds. 48 St. mit iMumin, 
Kupfern. gr. 4. 3 Thlr. 8 Gr, 

Martini, M., der verbefferte und geſchickte Haus— 
balter oder fogenannte faule Rechentnecht. Fünfte 
verbeſſerte Auflage. gr. 8. 1 Thlr. 12 Gr. — Bei 
bedeutenden Beftchlungen und banrer Zahlung findet 

‚ bei dieſem Artifel ein Parthiepreis ſtatt. 

Meyer, über den Fruchtwechſel und Futterhau zur 
Dieb + Früchte: und Dünger » Vermehrung. gr. 8. 8 Gr, 

Meblen, Anleitung zum fummarifchen gerichtlichen 
Prozeß. gr, 8. 12 Gr, 

— Binleitung zum gerichtlichen Prozef. Zweiter Band 
4 Thlr. 12 Gr. 

— Anleitung zum ordentlichen bürgerlichen Vrozeß mit 
Ruͤckſicht auf die Gerichtsordnungen Schwediſch 
Pommerns und Meflenburgs. 2 Bände, 3 Thlr. 

Morveaus, ®., allgemeine theoretiſche und prafti- 
{che Grundjäge über die fauren Ealje oder Säuren 
vum Gebrauch für Chemiſten, Herite, Apotheker, 
Künfller und Fabrifanten. Aus dem Franz. von 
D. 2. Bourguet und mit einer Vorrede von 
S. F. Hermobſt aͤdt. ar und lehter Bd. ı Thlr. 20 Gr. 

Rong, tbeoret. prakt. Handbuch der Zonartenfennt- 
niß. gr. 4. broihirt, IIn Gommiflion.) 16 Gr. 

Rudolpbi, K. A, Bemerkungen für Naturforfcher, 
Aerzte und Tbierdrjte, auf einer Reife nach Frant: 
reich gefammelt, ir Thlr. 8 gr. 


cLxıı 


La Sublime Scuola italiana overo le piü eccellenti Opere 
dı Petrarca Anosto etc. 
Valenti. Poeti Vol. IX, auf Drudyapior 1 Tblr. 
auf Schreibtpapier 1 Tele. 4 Gr. 

Diefer Theil bat auch den befondern Titel: 

11 Morgante maggiore dh Messer Luigi Pulcı. Edisione 
di Agostino de Valenti. Vol, ı. auf Drudpapier 
4 Thlr. auf Schreibpapier. 4 Thlt. A Gr, 

Wilmfen, F. P., Gallerie merkwürdiger Thiere, ein 
unterbaltendes und belehrendes Bilderbuch für Kin« 
der von 7 bis 12 Jahren. 18 Bdch. gr, 8. mit 12 
fauber iluminirten Kupfern, febr fchön geb. 2 Thlr, 

Wolf, A. F., Über die Nervenübel; ein Tafchenduch 
für das fhone Geſchlecht, nebit einem Anhange für 
das männliche, über Hyrochondrie, Gicht und ver 
wandte Hebel. 8. 16 Gr. 





Anzeige. 





Halem's Schriften iſter und ater Band. Auch 

unter dem Titel: Proſaiſche Schriften von G. A. 
von Halem ıfler und zter Vand (mit einem 
Titelfupfer und einer Vignette nach Zeichnungen 
von Ramberg) Miünfter bei Peter Walvdef 
1804. 8. 3 Thlr. 8 Gr. 


Der erfie Band enthält, nebft einer Einleitung über 
den Mittergeit des Mittelalters, und die Troubadours, 
Erzählungen aus dem Mittelalter: Franzöfifhe, Enge 
liſche, Spanifche, Deutſche und außer biefen noch ver 
miſchte Gefchichten; in melden allen fich das hiſtoriſche 
Intereſſe mit dem dfiberifchen auf ‚eine folche Urt ver- 
einigt, daf eins das andere erhöhet. Der zweite Band 
enthaͤlt neugriechifche Erzählungen ( Parampiben) und 
Idyllen, dabei einen Auffap über die Eleufinifchen 
Gebeimnife und eim mptbologifches Geſpraͤch. Die 
Paranwthen ſind Blüthen aus Trümmern der Vorzeit, 
originelle Darſtellungen kleiner Scenen aus bem neuen 
Griechenlante,, die befonderg durch die lichliche Bere 
ſchmelzung althellenifchen und neuosmannifchen Gei« 
is, für jeden Lefer von Phantafie und Gefühl etwas 
ungemein Anziebendes haben. Die Idyllen find im 
Seite und in der Manier des Bonaus, zum Theil 
nach demfelben : zarte Dichtungen in Acht: griechifchem 
Gewande, Alles zufammen fann mit Recht eine Ber 
reicherung unfter giteratur genannt werden, die an 
Bocfie, welche durch Griechifche Simplieität und Hafs 
fiiche Correltheit, wie diefe, fih empfiehlt, in der That 
beinahe fo arm, als an profaifchem Bombaſt reich if, 








Bremen 





Am s0ten u. f. Moremb. d. J. wird hier die erfte 
Adtheilung der von dem Harn’ J. 4, Engelbrecht 


Eihzione de Agostino de . 


nachgelaffenen fehr anfehnlihen Bücher: Sammlung 
öffentlich verfauft werden. Das Verzeichnifi diefer er- 
ſſen Abtbeilung beträgt 26 Bogen und umfaßt folgende 
Rubrifen: A. Theologie. B. Kirchengeſchichte. 
C. gitteratursund Kunſtgeſchichte. D. Erde 
Kändersund Städtebefdreibungen, Rei— 
fen it. ic. E. Staatengeſchichte. F. Hand« 
lungswiffenfhaft. Da der Beſiter nicht eigent- 
lich Gelehrter von Profeflion war, fo findet man in 
diefen Fächern hauptſaͤchlich nur die intereflanteften 
Werke in deutfcher, englifcher und franzönfcher Sprache, 
Gatalogen find zu befommen, in Altenburg bei Hrn, 
Proclamator Boigt, Augsburg, Ken. Bachmeyer, 
Lehrer am Gymnaſium, Berlin, Hrn, Nuctionss Come 
miſſarius Sonnin, Braunſchweig Hrn. Antiguar 
Beuerfade, Gufel, Hm. Buchh. Griesbach, 
Dresden, Hen. Ronnthaler, Erlangen, Hrn. Ans 
tiquar Kummerer, Frankfurt a. M. Hrn. Antiquar 
Hader, Göttingen, Hrn. Proclamator Schepler, 
Gotha, Erpedition des ReichsAnzeigers, 
Halle, Hrn. Auctionator Kaden, Hamburg Hrn. 
A. Fr. Ruprecht, Hannoder, Hrn, Antiquar Gfel- 
lius Jena, Sn. Hofeommiflarius Fiedler, Leipzig, 
Hen. Proclamator Weigel, Luͤbeck, Hrn. Auctionator 
Rombild, Nürnderg, Hrn. Buchb. Kechner, Stutt ⸗ 
gard,; Hrn, Antiquar Cotta, Zur Uebernehmung aus« 
waͤrtiger Aufträge, wenn fie foftenfrei eingeben, 
erbicten fich die Herren: de Gerh. v. db. Bufch, 
Domprediger H. Bredenfamp, G. Ph. Hunkel, 
FF Miemann, D. Gravenborf, Fr. Diter- 
lob, und der Auctionator J. G. Heyſe. 


Zur diesjäprigen Leipliger Michaelis · Meſſe, oder bald 
darauf, erſcheint mit aller mur möglichen Elegany, in 
einem farbigen Umſchlag, und mit einem Titelfupfer 
and ſechs andern Kupferflichen von den beften Meijlern 
geziert, im Verlage des Unterjeichneten : 


Nordiſcher Almanad, 
für 
bas Jahr 1805. 
Serausgegeben 
von 


5 2% Albers 


Anbalt: I Herzog Jacob von Kurland, 

1) Schilderungen und Züge aus der norbifchen 
Geſchichte. 

1) Heren= Brosch in Schweden. D Die Ahnfrau. 
Nah einer liefländifchen Sage, 3) Die fhone Ko— 
Iumbula. Eine Szene ans dem Leben des daͤniſchen 
Königs Chriſtictn. A) Lieflaͤndiſche Aneldoten. 5 Ber: 
mäblung des Herzogs Friedrich Katimir von Kurland, 
Nach einem bantfchrirtlichen Bericht feines Kammer: 
dieners. © Theedor Reinking. Eine biegrapbifche 





CLXIı1II 


Elise. 7 Das Schlof Bausfe. 9 Lurus im alten 
Yiefland, © Parkuls Charaktertiſtick. 21) Norbifche 
Blumenleſe. 





Der dazu gehörige Kalender, nach alter und neuer 
Zeitrehnung, ter unter andern die Genealogie des 
Kusisch= Kaiferlichen Haufes, die Staatsfefte in Rufe 
land ac. sc, enthält, wird auch beſouders abgelaſſen. 

Wild, Ehriftian Andreas Müller, 
Buchhandler in Riga, 





Bei C. Friedrih Barth jum. im Breslau ift feit 
dem Jahre 1804 erfchienen, und in allen gus 
ten Buchhandlungen zu haben, 

(Gortfehung.) 


Kapf, K. G. Taſchenbuch für patriotiſche Bürger. 
8. geh. 8 Gr. 

Koübarteiten für Kopf umd Her. Oder auserlefene 
Fruͤchte der neueflen Zeitfchriften in hiſtoriſch, mora- 
liſch, ötonsmifch, techniſch und rbofifalifcher Hin⸗ 
ficht, zur Belehrung und Unterhaltung. 2 Bde. 8. 
och. ı Thlr. 16 Gr. 

Krebs, J. F. W. Erfilingsfrüchte der Dichtkunf, $. 
Schreibpapier 1 Thlr, 

geupert E. G. das landwirtbfchaftliche Gleichgewicht. 
8. 20 Gr. 

Mambdel, J. ©. tbeoretifche Darfielung der Kunft 
leſen und rechtichreiben zu lehren, gegründet auf 
das Princip der Schrifterindung 8. geb. 3 Gr. 

Defien etrmologiſche Leſetaſeln nebſt einem Auhange 
4. geb. 8. Gr. 

Defien Anmweifung zum Gebrauch feiner etymologifchen 
Lefetafeln. 8. geb. 3 Gr. 

Meisner, ©, ©. Gundriß der Privathandlungswiſ— 
ſenſchaft. Mebit Anzeige und Würdigung der vorjüge 
lichfien bieber erichienenen kaufmaͤnniſchen Schriften. 
8. 1 Thlr. 8 Gr. - 

Deſſen neu erjundene deutſche WBuchbalterei. Neue 
wohlfeile Original⸗Ausgabe. 4. 1 Thlr. 12 Gr. 

Deſſen Dardelung und unpartheiiſche Vruͤfung der 
neneiten Verbeſſerungen des kaufmaͤnniſchen Bud- 
baltens. Veranlaßt durch die ſchiefen Urtheile des 
Herren Hingſtedt in feinem Werke, betitelt: die neuern 
praftifchen Fortſchritte im toppelten faufmännifchen 
Buchbalten. Ein nötbiger Anhang ju der neu er 
fundenen deutfchen Buchbalterei 4. 8 Gr, 

Pappenheimer, Salomon, ©. ſpekulativiſches Dis 
lemma für die Exiſtenz Gottes, als Beweis aufge: 
ſtellt. 5, 4 Gr. 

Quinteſſenz ber launigiien und witzigſten Aneldoten 
und Gedichte. 17 Jahrg. 1504. 19 Gr. 

Ratbichläge für Eltern und Hauslehrer, betreſſend die 
Erziegung eines Kindes bis zum 12ten Jahre. 5. 16 Gr. 

Schilling, P. S. das Microscop zur Verbreitung 





gemeinnuͤhiger Kenntniffe für jeden Freund und Be 
pbachter der Natur. 8. geb. 8 Gr. 

Werner, I. Art und Weife das Ungeziefer obne Gift 
zu vertilgen, 2te Aufl. 8. 6 Gr. 

Deſſen Haudbuch für Oekonomen und Landleute von 
ten Seuchen und andern gewöhnlichen Krankheiten 
des Horn · Viehes, der Schaafe Pferde und Schweine ıc., 
8. 3te Aufl. 1 Tblr. 

Bimmermann, über den Getreide» und Holzpreis 
von Echlefien. 8. geb. 8 Gr. 

Muficaliem 

Auswahl der neucſten Operngefänge im Glavierausjuge 
ar Jahrg. 35.43 und zn Jahrg. 18 Et. Fol. 412 Br. 

Blumenleſe, n.uicalifch > fchlefifche. 3n Jahrg. 18 — 38 
Heft. Fol, & 16 Gr. 

Ernſt, B. ©. zwei Sonaten für das Glavier oder 
Borte» Piano mit Begleitung einer Violine. Fol. 
16 Gr. 

Flemming, W. Lieder für die Guitarre Fol. 12 Gr. 

Liebhaber, der wohlgefinnte. Eine Ballade von Bür- 
ger, in Muſik gefeht fürg Clavier von®. Simon, 
El. 6 Gr. j 

Otto, F. drei Sonaten fürs Glavier und Forte» 
Piano Fol. 16 Gr, 

Deux Quintettos pour deux Clarinettes, deux Cornes 
et Basson, Composces pr. Fr. H, Wollf, Fol, 
so Gr. 

Variationen neun, über das böhmische Volkslied und 

sechs Walzer, componirt fürs Clavier von Simon, 
Fol, 10 Gr, 


Wiffelint’s MW, Seelenlehre für Kinder einer 
guten Erziehung nach dem einfachften und faßs 
lichften Grundfägen entwicelt, mit ſteter Hin⸗ 
ficht auf die Thierwelt. Cine Einleitung zum 
Unterricht in der Religion flır die häusliche Er: 
ziehung. ır Bd. Kbnigäberg bei Friedrich Nis 
<oloviuß, 1804. 18 Gr. 








Ueber die Wichtigkeit eines pfochologifchen Unterrichts 
für jeden nah Bildung und Aufklärung firebenden 
Menden war man wohl von jeher einig. Es bedurfte 
nur, wie bei mehreren Wiffenfchaften, die Benntwor- 
tung der Frage: wenn und wie eim folcher Unterricht 
bei der heranmachienden Jugend ansufangen fei? Herr 
Campe lofete beives durch die Ericheinung feiner 
Heinen Seelenlehre, eines anerfannt trefflichen Werk: 
hend. Jedem Erzieher, dem fein Amt lich war, mufite 
diefes Werkchen befonders lieb ſeyn, denn es füllte nich 
nur eine bedeutende Luͤcke aus, jondern gab, was der 
Verfaſſer auch wünfcte, Veranlaſſung über die Beant: 
mwortung und den Vortrag eines ſolchen Stoffs nade 
zudenfen. Schade nur, fonnte ein jeder denten, daß 
die Schrift, welche mehrere Auflagen erlebte, nicht et- 
was ausführlicher und für den Verſtand des fortfchrei- 


cLxııy 


tenden Alters noch inhaltäreicher ausfiel. Es blich im⸗ 
mer noch ein großer Sprung von dieſem Werkchen bis 
zu den Lehrbuͤchern Ähnlichen Inhalts für die Jugend, 
namentlich, eines Hoffbauers, Kirftens, Ols— 
baufense Diefem Mangel glaubte der Verfaſſer durch 
gegenmärtige Seelenlchre abzuhelfen, und feine ange: 
legentlichſte Sorge war, ihr eim fo intereilantes Ee⸗ 
wand zu geben, als der Stoff es nur erlaubte, Er bat 
fich deshalb bemüht, das Nothwendigſte aus diefer 
Miffenfchaft heraus zu beben, durch mannigfaltige er- 
laͤuternde Fragen die nenen Begriffe zu befeſtigen und 
der Seele zu entlocden; durch die Vergleichung mit der 
Thierwelt den Unterſchied der menfchlichen und thieris 
ſchen Geintesfäbigfeiten Har zu machen, fo wie durch 
untermifchte feine Erzäblungen das Ganze genufreicher 
zu erbeben. Diefes Werk iſt auch als Kortiegung 
der früheren Schrift des Werfaflers, welche unter dem 
Titel „Morgenftunden eines Vaters mit ſei— 
nen Kindern’ erfchienen it, anzufchen, und bat 
daber auch ben Titel bes dritten Theils derfelben er⸗ 
halten. 

Bei uns ift erſchienen und an alle gute Buchhandluns 

gen verfendet worden: 

Enslish Library, Vol. 3. Enthaltend den Zten 
Theil des Tom Jones von Fielding. 8. Auf 
Echreibpapier 12 Gr. unb auf Drucdpapier 
10 Gr. Der gte Theil des Tom Jones und 
der erſte Theil von Miltons Paradise erſchei⸗ 
nen in 6 Mochen, 

Biblioteca italiana, Vol, 1. Enthaltend ben 
ıften Theil von Tasso’s Gerusaleme libe- 
rata. 8. Auf Schreibpapier 15 Gr. und auf 
Drudpapier 12 Gr. Der 2te Theil wird in 
einigen Wochen fertig. 

Biblioteca espannola, Vol, a. nthaltend den 
ıften Theil von Historia de las (suerras ci. 
viles de Granada. 8, Auf Echreibpapier 15 
Gr. und auf Drudpapier 12 Gr. 

Die bäufige Nachfrage nach der english Library 
laßt ung erwarten, daß die fo mohlfeilen umd correct 
gedrudten Ausgaben der’ italienifhen und fpanifchen- 
Glafiter nicht minter Interefie erwecken und Käufer 
finden werden, da fie befonders für Deutſchland mahres 
Beduͤrfniß And. Ueberzeugt, daß die beutfchen Liebha- 
ber der ausländifchen Literatur eine in Deutfchland 
erfchienene, correcte und wohlfeile Ausgabe einer frems 
den und theuern vorziehen und fomit Deutfchland 
manche Summe erhalten werden, geben wir unfern 
Meg muthig und entſchloſſen fort. Alle 2 bis 3 Mo- 
nate erfihelnt ein Band von einer jeden Sammlung. 
Der Preis bleibt immer —— 

uguft 1804. 
— — Steudel und Keil. 


Ankündigung. 


Zur Micaeli-Meite dieſes Jahres wird fertig und an 
ale Buchhandlungen verfendet: 


Wilibalds Anfichten des Lebens, ein Roman in 
2 Bänden von Emft Wagner. 


Mit gutem Gerwiffen Fonnen wir das Werk allen 
Freunden der fchönen Fitteratur empfehlen, wenn gleich 
bis jet moch nichts von dieſem Verfaſſer im öffentlichen 
Druck erichienen it. Es beftebt aus vier nadı den 
Fahreszeiten benannten Abtheilungen. Der erfie Band 
enthält ten Winter und Frübling. Mit den Jahres 
geiten, und deren Entwickelung aus einander, bält 
auch der innere Bang des Romans gleichen Schritt 
in Ruͤckſicht auf Ergäblung, Darttellung und Reflerion. — 
Wir verfprechen den Käufern dieles unfers neuen Ver— 
lagsartifels eine angenehme und nuͤtzliche Lektüre, und 
werden — flatt viele weitere große Vorfpiegelungen iu 
mischen — den Leſern Wort halten, 


Haniſch' ſche Buchhandlung 
in Htieturghaufen, 





An allen Buchhandlungen it zu haben: 


Taſchenbuch 
für 
Das Jahr 1805 





Der Liebe und Freundjihaft gewidmet, 


In Maroauin, als Taſchenbuch 

-» Diaroguin mit filbernem Rand und 
Shi »- ı + > 

» Maroquin mit filbernem Rand und 
einer wirklich fchon gemahlten Alles 
gorie in Medaillon . . 44Thlr.— — 

- Butternl mit einem allegorifchen Umfchlag wohlfeile 

Ausgabe. 

Ich darf mir ſchmeicheln, daß dieſer ste Jahrgang 
feine Vorgänger an innerm Gehalt und duferm Gewand 
übertrifft. Die Kupfer von dem beliebten Turn find 
meiſterhaft dargeftellt und der dabei befindliche Kalens 
der f. d. J. 1505 iſt für fich ein liebliches Angebinde, 
der auch einzeln für 6 Gr, zu haben iſt. 

Da id noch eine Meine Anzahl von dem erſtern 
Jahrgaͤngen diefes Tafchenbuchs vorräthig habe, fo will 
ich folche zu 2 Thlt. 16 Gr. oder A fl. 48 fr. erlaſſen, 
wenn naͤmlich alle 4 Fahrgänge zufammen genommen 
werden. inzelm aber foflet ber Jahrgang 20 Gr. 
oder 1 d. 30 fr, 


Frankfurt a. M. den 1. Sept. 1804. 
Sriedr. Wilmans, 


i2 Tple 12 Gr. 
14 Thlr. — — 





No. XLI. 
Literariſcher und artififher Anzeiger, 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernſt und Scherz 1804, 





An ben Hofrath Epazier. 


Sie find alfo doch, wie aus einem Eeptemberfüd Ih⸗ 
rer Zeitung erbellet, in die Falle gegangen, die ich 
Ionen Durch die Meberfentung meiner 3 Werke, des 
Arions, Erlfönigs und der Klage der GCeres 
geftellt Hatte, und haben fich mir und dem ganzen mu» 
ftalifchen Publikum in Ihrer eigenthümlichen Größe 
gereigt! — Eu, ey, Here Hpfratb! mo blieb Diefch- 
mabl ihre Borfichtigkeit? — Sie fonnten alfo in der 
That glauben, daß es mir mit dieſem Antrage eim 
Ernit fen; mir, dem doch Ihre eingefchränfte Einſicht 
in das kritiſche muſikaliſche Geſchaͤft und befonders 
Ihbre Meynung Über die einzig gute Baladenfompes 
fition, die Sie befonders in d. m. Zeitung, an den 
Tag gelegt baben, binlänglih befannt waren! — 
Von mir fonnten Sie alfo in der That glauben, daß 
ich die gute Mbficht haben würde, einen ehrenvollen 
Platz für meine 3 Werfe in Ihrem Bafin — wie Sie 
ihre truffliche eleg. Zeitung ſelbſt nennen, wo nur hoͤch⸗ 
tens Weisfifche oder Studentenprodufte ſchwimmen — 
u verlangen! — Es würde ja ſehr grauſam von mir 
gewefen ſeyn, wenn meine Hechte Ihre MWeisfifche vers 
jehret bitten! — 

Das muſitkaliſche Publifum wird mir diefe ſchein⸗ 
bare Unbeſcheidenheit aus der Ruͤckſicht verzeihen, meil 
ich es bier mit einem entlarvten theoretiſchen und 
praftifchen mufitalifchen Stümper su thun babe! — 

Meil Ihre von Ihnen vergätterten mußfalifchen 
Bögen und Cie felbit nicht auf den Einfall gefommen 
find, die Balladen auf meine Art zu bearbeiten, er⸗ 
Mären Sie ſelbige für ungereimt! — Ich dächte doch, 
Sie bätten flüger gethan, che Sie fich Uber diefe, ganz 
ans Ihrem Geſichtskreiſe liegende Materie berausge- 
laſſen, erf über dem Unterſchied zmifcben-der Ballade 
und Romanze nachzudenlen, und: den Arion von 
Schlegel zu prüfen, ob felbiger unter die Romanen 
oder Balladen geböre! — Nach meiner Einſicht qchos 
tet diefer Arion unter die Balladen und zwar wegen 
der vielfeitigen Charakteriñik, die er enthält, wodurch 
die Ballade gleichſam als ein Drama in nuce betrad)s 
tet und auch fo bearbeitet werden muf, nehmlich: „die 
Erzählung des Dichters recitativiſch und die fpredsens 
den Berfonen ſingend.“ — Auf diefe Weile babe ich 
mein beſtes Wert, Lenardo und Blandine und 
meine übrigen Balladen fomponirt! — Daß ic) die ei- 


—— — DIT — — 





gentlihe Romanze, auch ohne Ihre Erinnerung und 
vorgefchlagene Verbeſſerung, wobey Sie fich zwar als 
ein großer Hof- aber als ein winzig Heiner Muſit Rath 
gezeigt haben, richtig behandelt, habe ich am der Ro— 
manze: Hero und Leander von Bürde,die Andre 
verlegt und Eder machgefischen bat, fattfam an den 
Tag gelegt! — Laben Sie fi immer an der Schd- 
pfung und dem Jabrszeiten von Haydn, Diefes kommt 
FIhnen ganz wegen Ihrer antiten griechiſchen Ohren 
und niederlaͤndiſchen Aeſtbetik zu; nur laffen Sie mie 
die Freiheit, mich blos an feine Quartetten und Sin⸗ 
fonieen zu halten! — Zulept noch einen guten Math: 
Denten Sie doch ja bei Ihren fünftigen Recenfionen 
an dag „ne sıdor ultra crepidam!“* und glauben Sie 
ja nicht, wenn Ihnen auch durch eine frampfbafte An« 
firengung irgend eine mufitalifche Kleinigkeit gelungen 
if, daf die Venus Urania an grammatifalifche Incroya- 
bles ihre GQunfibezeugungen fo verfchmendet, als die 
Venus vulgıvaga am bloße Incroyables! — Sollten &ie, 
mein lieber Here Hofrath und Ritter Spazier — 
oder, wie Sie ſich licher fchelten laffen: Spaytir — 
fünftig noch meiter fortfahren, Ihr kritiſches Mefen 
zum Machtbeile der Kunſt und Künſtler zu treiben, fo 
werde ich auch nicht ermangeln, trotz der Megide vom 
Foren todten Greifen, noch gan; an Tönen zum 
Mitter u werden! — 
Zeiß. 
G. Bachmann, 
Schlonorganit. 





Reife durch einen Theil des fhdlichen Deutſchlands 
Helvetien und Stalin 4 Thle mit 4 Rupfern 
8. Berlin. Yimburg’fche Buchhandlung. 
(Preis 2 Thlr. 8 Gr.) 


Diefe Reife enthält vorzüglich in militäcifcher Hin⸗ 
ſicht ſehr intereffante Bemerkungen, indem der Herr 
Verfaſſer die Gegenden, melde durch merkwürdige 
Kriegsbegebenbeiten der neuern Zeit berühmt geworden 
find ausdrücklich im der Abſicht befuchte, um durch ei⸗ 
gene Unficht fich eine genauere Kenntniß derfelben zu 
verſchaffen. In dem politifchen Journale ift die Wich- 
tigkelt biefer Bemerkungen, vorziglich deſſen, mas 
über die Schlacht bei Marengo erzählt wird, bereits 
anerkannt worden. — Wie ganz anders erfcheinen bier 





CLXVI 


manche dieſer Vorfälle, als in dem framzöſiſchen De- 
richten. Uebrigens it die Schreibart durchgebends leicht 
und fließend, und bie Kupfer ſind icht fauber gearbeitet. 





Abwechfelumgen 


ernſthaft, Fomifch, rührend, finnreich, nuͤtzlich. 
Ein Erfag für Romane 
Mit einem Titeltupfer. 


8. Berlin, in der Buchhandlung des Commerlienraths 
Mapdorf. Preis ı Tbir. 
iſt in allen guten Buchhandlungen zu haben. 


VBollftändiges Lericon 
ber 
Gärtnerei und Botanif, 
r ober 
alpbabetifhe Beſchreibung 
vom Bau, Wartung und Nusen aller in- und aus⸗ 
ländifcyen, dkonomiſchen, efficmelien und zur Zierbe 
dienenden Gewaͤchſe, 
von 
Friedrich Gottlieb Dietrich, 
Herzogl. Weimar, Hofgärtner. 
Vierter Band. 


gr. 8. Weimar, gebrudt und werlegt beiden Gebruͤdern 
Gaͤdicke, (gegenwärtig in Berlin, Scharrnfrage Nr. 4, 
wohnhaft, und dafelbit für 3 Thlr. zw haben.) 





Die ununterbrochene Fortſetzung dieſes die ganze Gaͤrt⸗ 
nerei und Botanik umfaflenden Werts, giebt den ſchoön⸗ 
fien Beweis, daß dafelde großen Beifall erhalten. Auch 
tragen die Verleger dazu bei, die Anſchaffung deſſelben 
gu erleichtern, denn moch immer laſſen fie ben Pränn- 
merationg: Preis, fie jeden Band 2 Thlr. 6 Gr. oder 
Afl., gelten, und die Liebhaber fönnen fich deshalb 
am ung wenden. Wer auf den sten Band pränumerirt, 
erhält die erſten vier Wände für 9 Thhr. welche im 
Rodenpreife 12 Thle. koflen. 





In allen Buchhandlungen it zu haben: 
Dekonomifches Taſchenbuch für Frauenzimmer, oder 
Anweiſung zur Gelbjt-Bereitung aller Arten 
von Gonfect und Backwerk und zum Einmachen 
der Baum =: ımd Gartenfrüchte 12. gebunden 15 Gr. 
Diefes Taſchenbuch enthält 111 Recepte, worunter 
man fehr viele finden wird, welche man in Koch- und 


Fauskaltnngsbüchern vergebens ſucht. Es zerfällt in 
vier Abtheilungen: 


I. Bon Mandel s Zucker - Ener» und Mehl» Conferk, 

N. Bon Torten und den dazu gehörigen Guͤſſen. 

HM. Butter : Blätter «und Spritz - Backwerk. 

IV. Bom Einmachen der Baum»und Gartenfrlchte, 
von Bcliers und Saͤften. 

Frauengimmern bie ſich mit der Küche und Hause 
baltung befchäftigen, iſt · es gewiß ein fehr nüßliches 
und angenchmes Geſchenk. 

Umalie Waldenfels, eine Unterhaltung fhr erwach⸗ 
fenere Töchter vom Verfaffer der Winterabende, 
8. 20 Gr, 

Fuͤr den, welcher die mit fo vielem Beifall anf- 
genommenen Winterabende zur Unterhaltung für Kin⸗ 
der ſelbſt, oder die in der allgemeinen Ziteraturgeitung 
und mehreren fritifchen Blättern, darüber gefällten 
ſehr vortbeilhaften Urtbeile fennt, wird dicfe Unterbal 
tungs- und Bildungsfchrift für erwachfenere Töchter 
feiner weiteren Empfehlung bedürfen, als daß fie von 
demfelben Verſaſſer it. Sie umſchließt vicle und man« 
nichfache Gegenflände des weiblichen Wiſſens, deren 
Inhalteameige gu weitläuftig märe. Der Vortrag if 
won der Art, Daß er den darin abgekandelten Sachen 
einen leichten Eingang in Kopf und Herz der jungen 
Leſetinnen verſchafft und daf ihnen auch die ernitbaf- 
tern davon eine angenehme Unterhaltung gewaͤhren 
müfen. 

Minterobende, zur Unterhaltung für Kinder mit 
5 illunt. Kupf. ı2. gebunden. 

Hiervon ift eine mene wohlfeilere Auflage zu 12 Br, 
an ale Buchhandlungen verfandt. 

Halberſadt im September 1804. 


I. 9. Groß. 





So eben if erfchienen und im allen Buchhandlungen 
zu befommen ; 


Elpizon 
ober 
über meine Fortdauer im Tode. 
Zweiter Theil, 8. 44 Thlr. 12 Or. 


auf Koſten des Verfaſſers und in Kommiſſion bei 


Gerhard Fleifcher d. Juͤngern, 
Suchbändier in Leipyig, 





An Leftürfreunde und Lefebibliorhefsbefiger. 


An meinem Verlage find folgende der Unterhaltung 

gewidmete Schrifren erichienen: 

Amödne, die Braut eines Verbrechers; Roman in 
2Tbeilenvon K. Stein; m. Kupf. von Rosmds-» 
ler. 8. ı Thlr. 10 Gr, 

Cafar Cafaralli, Graf von Gäfara der kuͤhne 


eLxvıI 


Mäuber- Herzog von H. Frohreich 2 Theile in 
8 Buͤchern m. 2 Kupf. 8. 2 Tblr. 16 Or. 

Fifher C. 4. neue Reifenbentteuer A Thle, 8.4 The. 

Honig» Monate, Roman in 2 Tbeilen; neue mit Kupf. 
vermehrte Ausgabe 5. 4 Tblr. 16 Er. 

Moraldino, Guſtav, der edle Banditenfohn, ber 
ausgegeben von Fioraventi. 3 Thle. m. Kupf. 8. 
2 Thlr. 18 Gr. 

Shüse, 3. 3. (Verfaſſer des allgemein gelefenen 
Moderomans die Sitten unfrer Zeit) humori- 
ſtiſche Novellen enthält: 1) die Tabatiere, 2) der 
Neujahrs- Abend 2 Amönens Reife durchs Leben, 
mit 1 Kupf, von Rosmäsler 8. ı Thlr. 

(Auch unterJdem Titel: ) 

Sägers mahre Begebenheiten im remantifhen Ge» 
mwande 5tes Bändchen. 

Die Wahl der Braut, oder Feier» Abende im Eonnen- 
blumen» Bosguet (von H. Frohreich, Verfaſſer des 
Caͤſar Cafarellh m. 1 Kurf. 8. 1 Thlr. 12 Or. 

Sämtliche dieſer Romane baden das Glüc gehabt, 
ein ausgebreitetes Lefepublifum zu finden und ohne 
anuiaßend zu ſeyn, fann ich behaupten, Leetürfreunde 

Äind damit angenehm befriediget und ergoht worden. 

Mer fie aber doch noch nicht kennt, wird mie Danf 

wiſſen, daß ich durch diefe Anzeige darauf aufmerliam 


gemacht habe, 
ob. Fr. Kühn 
im Poren, 





Versuch einer Aesthetik der Toilette 
oder Winke für Damen, sich nach den 
Grundregeln der Malerei geschmackvoll 
zu kleiden. Won Ernst Müller und 
F. G. Baumgärtner. Mit bunten und 
schwarzen K. in $. 





Die Damen hatten bisher zu ihrem Potæ keine festen 
Regeln, keıne Anleitung, keinen Unterricht. Alles war 
ihrem Gefühl und den Lannen der Mode überlassen, 
Wie weit daher manche Dame das Ziel ihres Pıtzes 
verfehlte, ergab sich unter andern aus einigen Urthei- 
len, welche ein Kenner im Leipziger Mode-Magazin 


1804. über den grofsen Ball in Leipzig und nebenbä - 


auch über den weiblichen Putz zur Sprache brachte, 
Die Theilnahme. mit welcher diese Kritiken gelesen 
wurden, veranlafste uns, die französische und deutsche 
Literatur nachzusehen ımd da wir weder hier noch 
dort ein mat Ernst bearbeitetes Gesetzbuch der Toskette 
fanden, dem Publicum einen Versuch einer Aesıhetik 
der Toilette anzukündigen, Diese Ankündigung zog 
die Aufmerksamkeit, selbst em ger französischer Ge 
schmacksrichter auf sich, dals se bekannten: die ern- 
sten Deutschen würden nun dem schönen Geschlecht 
enen sichern Weg zur gefälligen Anmuth des Putzes 
babuım, 


Dieses Handbuch ist nur ein Versuch, enthält abeı 
die Grundsütze der Kunst, die jede Dame am Putztisch 
durchaus wissen sollte. Die Damen lernen daraus den 
Grischischen, Römischen, Hetrurischen und Orienta- 


lisıhen Kopfputz genau kennen und die Verhaltnisse 


dır Farben zu einander gründlich beurtheilen. Wir 
können es daher dem schömen Geschlecht als das erste 
gründliche Lehrbuch über den Putz mit Recht empfeh- 
len. Ist auf holl. Papier mit ı8 K. für 3 Thir. zu 
haben im Imdustrie- Comptoir in Leipzig. 





Don tem vhrfifh-hemifhen Hausfreumd, 
der fünftig auch unter dem Titel: phufifch-hemi- 
fhe Enenchopddie um Gelbkunterricht 
und zum Gebraud für Schwulen ericheint, und 
wovon ich die Herausgabe beforge, in der erfie Band, 
welcher aus 6 Heften beficht, in allen folıden Buch- 
bandlungen zu baden. Diefer erſte Band entbält fol- 
gente Artifel: 1) Allgemeine Anficht der chemiſchen 
Thaͤtigleit. Als Einleitung. 2 Wärme, Hihe, Feuer. 
3) Wafler. 4 Atmosphaͤriſche Luft. 5 Gas im Allge- 
meinen und Sauerſtoffgas insbejondere. 6) Säure und 
Kali, 7 Kohle, Koblenfof und Koblenfofffäure, 
8 Berſchiedenheit der. Abdampfung, Deflillirung und 
Sublimiruna. 9) Ueber Zerfehung und Zufammenfes 
Hung des Malers, Waſſerſtoff und Waſſerſteffgas. 
10 Einige phyſiſche Mertmale der Körper, melde auf 
hemifche Unterfuchungen Bezug baben. 11) Chemifche 
Afinität, Auflofung und Miederfhlagung. 12) Schwe ⸗ 
fel und Schwefelfdure. 19 Ehemifche Defen, 1% Phe · 
phor umd Phosphorſaͤure. 
Joh. Fr. Aug. Gbttling 
Prof, iu Jena, 





In der vergangenen Oſtermeſſe find von dem 


Saͤugthierwerke 
bes 
Herrn Präfidenten von Schreber 


folgende Fortfehungen erfchienen: 
4) Bon der erten Ausgabe das 6eſte Heft, ilum. 
auf hollaͤnd. Papter, und ſchwarz, gr. 4, 
S Born der dritten oder monatlihen And 
gabe das 88 bis gafle Heft, illum. auf hollaͤund. 
Bapier, gt. 4. 


Den dem 


Shmetterlingswerfe 
des 


Herrn Profeffors Efper 


erfchien ebenfalls: 
» =. erften MWusgabe das Safe Heft, 
gt. 


CLXVIIAI 


S Bon ber dritten oder monatlichen Aus— 
gabe, das 88 bis arte Heft, gr. 4. 

Erlangen im Aug. 1304. 
Waltherſche Kunft: und Buchhandlung, 


Nachricht am das pädagogifhe Publifum, 


So even find die 
pädagogifch » amtlichen Berichte tiber bie Eles 
mentarınethode ded Herm Prof. Dlivier 


an alle nute Buchhandlungen Deutſchlands verſendet. 
Die Herren Berfafler, umter welchen Hr. Kirchenrath 
Berichte, Schulinfpeftor Schelz, M. Tillich ſich befin« 
den, leben alle an verfchiedenen Orten, und fennen fid) 
um Theil nicht einmal. Daß ibre Berichte competent 
find, dafür werden fchon ihre Namen bürgen. Und die 
Erfabrungen welche fie feit Jahren mit diefer Methode 
gemacht, werden hoffentlich ein größeres Gewicht haben, 
als manche andere Urtheile welche ohne Sad: und Er- 
fahrungstenntnif nieder gefchrieben murden, 

Das Intereſſe der Sache und andere paͤdagogiſche 
KReflerionen, melde in dieſer Schrift mit eingewebt 
find, werden ihr hoffentlich einen bleibenden Werth 
fihern. Der Preis iſt 16 Gr. 

Leipzig im Yug. 1504, 








Heinrih Gräff, 
Verlagsbuͤcher 


von 


Adolph Schmidt in Hamburg. 


Heite, 3. €. landliche Gemälde und Lieder s. 15 Gr. 

Fonffret, 2. 5. Idyllen und Erzählungen. 2 Thle. 
mit Kupf. 18. 1 Thlr. 2 Gr. 

Dafielbe, deutſch und feangöfifch A Thle. mit Kupf. 18. 
2 Tble, 4 Gr. 

Reinhard, Carl, über die Wichtigfeit des englifchen 
Handels im gegenwärtigen Kriege. gr. 8:6 Gr. 

Shint, 3. F. NRomantifche Erzählungen. mit Kupf. 
8. 1 Tblr. 12 Gr. . 

Volks» Stimme Hannovers, unter Daritellung der Rage 
ber Chur⸗ Braunſchweigſchen Lande, gr. 8. 6 Gr. 








30oflora 
oderbie gute Negerinu 
von 


Pieqaquenard, 
Don dieſem Moman it dag zweite und lebte Baͤndchen 
erfchienen. Die Verlagshandlung darf ihn dem ge— 


bildetern Vublikum mit Mecht. empfehlen, da er 
fchon durch den Ping, worauf er fpielt, San Do— 


mingo, im unſern Tagen vorzuͤgliches Anterefle bat. 
Er enthält den Aufſchluß der merfmürdisen Vegeben- 
beiten, die im Jahre 1759. auf diefer Unglüͤckeinſel vor- 
fielen, und woraus die nachherige greuelvolle Revolu—⸗ 
tion und alle Schreden entiprangen, von melchen jcht, 
wie von einer rächenden Remens, die Europder baielbit 
ereilt werden, Außer dieſem biftorifchen Intereße, 
bat auch der Berfajler feiner Schrife ähberiiches zu 
geben gemuft, intem er, wenn er fich auch nicht bis 
ium Ideellen erbebt, was jchon die Natur feines Gie- 
—— nicht zulleß, die Liebe, den großen Hebel 
er Menfchbeit, mit einer, Zartbeit und Inniakeit be- 
bandelt, die unfern gemöh' liinen Romanen gebridht, 
deren Verfaſſer, Hatt, wie Bicauenard, die einfache 
Sprache der Natur und des Herzens zu reden, in min« 
— Sent imentalitaͤt verfallen, und wo fie ſtark und 
ubn ſeyn wollen, beulen und wütben. 
Beide Bändchen koſten 1 Thir. 8 Gr. und find in 
au guten Buchhandlungen um diefen Preis ju be> 
ommen. 


Rink'ſche Buchhandlung 
in Altenburg. 





Bon dem als Blienenſchriftſteller ruͤhmlichſt befannten 

Heren, Oberpfarrer Matuſchla if fo eben erſchienen 

und für 4 Thlt. 14 Gr, in allen Buchhandlungen zu 

befommen: 

Beiträge zur Kenntniß ber Bienen und ihrer Zucht 
für Naturforſcher und Bienenfreunde. ır Bd. 
8. Züllihau bei Darnmann. 

Diefes interefante Merk enibält unter vielen an⸗ 
bern nuͤzlichen Belehrungen auch Mittel, durch derem 


. Anwendung eim jeder Stof in einem jeden Jahre und 


in allen Gegenden fchmärmen mu nad Bann nicht nur 
allen Bicnenfreanden fondern auch Naiurforichern fehr 
empfoblen werden. ‘ 
Luna ein Taſchenbuch auf das Jahr 1905 here 
audgegeben von Franz Horn. mit Ecbillers 
Portrait von Yips. 8. Züllihau bei Darn⸗ 
manı ift fo eben erſchienen und in allen Buche 
handlungen für 2 Thlr. 6 Gr. brochirt zu babe, 
Diefer Jahrgang zeichnet fih an reichhaltigen Bei— 
tehgen von Louiſe bradmenn, Francesco, 
Gleim, Kind, Rohlig und andern beltebten Dich- 
tern vortheilbafe aus. Schillers Portrait it von Kine 
fehr brav gearbeitet, 





Dei dem Buchdruder Beich in Stettin find gedtuckt 
und in Berlin bei dem Buchhändler Froͤl ich Scharrn- 
ſtraße Nr. 12. zu haben: 

Ueber den genauen Zuſammenhang bed negenmäre 
tigen Lebend wit dem zukünftigen. Cine Pree 
digt amı 1. Eomntage nach Trinitatis 1804. 
gryehen von Gap, (Feldprediger in Etettin) 
2 r 


Beiträge zur Verbreitung eined religibfen Sinnes 
in Predigten von Gas (Feldyrediger in Stet— 
tin) 16 Gr. (zweite verbejferte und vermehrte 
Auflage. ) 

Suky’s Mariage-portion. Translated from the 
original french by Seymour. ı Thir. 





No. XLIII. 
Literarifher und artiffifher Anzeiger 





Ald Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 





In der Bofiifchen Buchbandlung in Derfin ind nach⸗ 

ficbende Bücher fo eben berausgefommen: 

Steuerverfaffung des platten Landes der Kurmark 
Brandenburg, von P. ©. Wöhner. Erfter Theil 
gr. 8. 2 Thlr. 

Graf Eugen von Roferau, Ein Roman von R, 
Woyda, (Merfüffer der vertrauten Briefe Über 
Franfreid und Paris.) 2 Bände, 8 2 Tflr. 
12 ©r, 





Die Fleifhöfonomie, 
oder vollftändiger Unterricht, das Rind⸗, Echmeine:, 
Ehaaf:, Ziegen: und Federvieh, wie auch File, 
zu mäften, ihr Fleiſch einzufalzen, einzupöfeln, einzus 
beigen, zu mariniren, Würfe zu machen, und ſowohl 
bei gewöhnlichen als auch bei Torf» und Steinkoh⸗ 
ien au räucdern, und nach diefem gehörig aufzubes 
wahren, von 9. F. Breitenbad, Zweiter Theil, 
8. Weimar, verlegt bei den Gebruͤdern Gaͤdicke, 
(gegenmärtig in Berlin, Scharrnſtraße No. 4, 
wohnhaft, und dafelbft für 1 Thlr, 
4 Gr. zu haben.) 

Dies ih der letzte Theil eines für jede Haushaltung 
ſehr nüßlichen Werks, indem doch Fleifch eine tagtäg« 
liche Sveiſe iſt, und es wohl der Miihe werth iſt, diefe 
Speiſe auf jede deonomifche Art benutzen zu lernen. 
Beide Theile zufammen koſien 2 Thlr, 12 Er. 


Von der Micnelis- Mefe an find im allen quten 
Buchbandlungen Deutſchlands und der Schmeis zu 
haben: 


r. Iris, ein Taſchenbuch für 1805, herausgegeben 
von 9. G. Jakobi, ı2. 15 Bogen mit 6.R. 
von Küffner, und muſikaliſchen Beilagen geb, 
in Futteral. 

Diefer deitte Jahrgang der Fris geichnet fich durch 
die anziebendite Mannigfaltigfeit und das Gehaltreiche 
feines Inbalts, noch vor feinen beiden Vorgaͤngern 
aus. Der berühmte Herausgeber felbft befchenft ung 
darin mit mehreren der jarteften Bluͤthen feines ewig 
jugendlichen Geiſtes, und eines vortrefflihen Herzens 
mie es ihrer menige giebt. Der geiivolle Aufſatz; 


DIRT oma — 





An Leonoren, und das Heine rührende Lieb: Au 
meine Gefhwiner find, neben andern, die Ber 
lege daflır. Daum brachten, nach Gewobnheit, fo viele 
feiner Freunde und Freundinnen ibm abermals wettci« 
fernd ihre beiten Giaben dar. Neben den befanntern 
Namen von Friedr. Keop. Grafen gu Stollberg, 
Bfeffel, Salis, Klamer Schmidt, Haug, 
Krieberife Brun u. a. erfcheinen diesmal, theils 
von neuen, tbeils von ſeltner genannten, ſowohl als 
von mehrern ungenannten Verfaſſern verſchiedene Auf- 
ſaͤhe, melde die größte Aufmerkſamkeit verdienen. 
Dabin gebören z. B. die hiſtoriſche Skinne über Jo⸗ 
hanna 1. Königin von Neapel, von dem Hrn. von 
Rotteck; Heinrich der Schwarze (die Brofe von H. 
Rath Schnesler, die Poeſie von H. Ufteri, mel: 
her lehtre auch die Zeichmungen für die zu dieſem 
Stuͤck gebörigen Kupfer geleitet bat;) das chen fo 
ſchoͤn gedachte als gierlich verfaßgte Tagebuch einer 
Meife von Freiberg mach Carlebad, von einer unge> 
nannten Dame; bie garten Lieder von Theone, 
und ein vrofaifches Sendfchreiben von ihr, melches we⸗ 
fentlich die Erzaͤhlung einiger Xmpromptü's von der fel. 
Karfhin um Gegentand bat, beildufig aber von un« 
frer neueſten deurichen Dichter « Art und Kunſt mit der 
edelſten Unbefangenbeit und mit mehr Wahrheit fpricht, 
als es fo viele unfrer fogenannten — Kun» Richter 
thun. Von dem neuen munderfamen allemanntichen 
Dichter (Hebel) finder fich dann ein Lied, das feinem 
feiner fruͤhern weichen darf; und felbit der Schatten 
eines unfrer wenigen Unfterblichen (Heinfe) bringt 
feinem Freunde noch eine — man kann denfen mie ge: 
nialifche — Gabe, in feinem Journal einer Reife über 
den St. Gotthard u. f. f. dar. 

Daß diefer newe Jahrgang der Arie mit beutfchen 
Lettern abgebruct if, muͤſſen die Verleger mit dem 
wahrhaft patriotifchen Gefchmade der großen 
Mehrbeit ihrer Leſer entfchuldigen. 

2. Helvetifcher Almana für das Jahr 1805, ges 
bunden in Futteral. 


Derfelbe enthält diegmal: 1) Eine in gebrämater 
Kürje verfaßte vortreffliche, geograpbifch ſtatiſtiſche 
Darftellung der beiden Rantone Urt und Unterwal« 
den, von H. Zfchoffe, mit einer Karte von Schent- 
mann, welche an Genauigfeit und fchöner Ausfuͤhrung 
mit den bemundertfien franzdäichen und englifhen 
Kunfiproduften diefer Art wetteifern darf, 2) Die Fort⸗ 


CLXX 


ſehung der helvetiſchen Chronik vom Anfange des 
J. 1503 bis zum Schluſſe der erſten Tagſatung, mit 
derjenigen Vollſtaͤndigkeit im einfacher Erzaͤblung der 
Thatſachen, wie ſolche der einbeimiſche Leſer bisher nir⸗ 
gends zuſammengereihet findet, zugleich aber mit angen 
meſſener Beſchtaͤnkung auf dad Wiſſenswuͤrdigſte darges 
Kelt, wie es das Beduͤrfniß des auſſerſchweizerſchen Gie« 
fchichtsfreumndes einzig erbeifchen kann. 

Huch diefer Almanach (nm der ficbentein der 
Reihe) it mit einem dußerſt lieblichen Titelkupfer, ( die 
Eennhütte) von Hegi, nach Röntg, in Aqua Tintas 
Manier — dann mit drei geiſtreich von dieſem letztern 
rare tem Blättern cden Flecken Altorf, Stanz und 
Bürglen) und den Ruinen von Stanzſtaad im 
$. 1799 von J. X. Bidermann— mit bier gemabl- 
ten Koſtume's aus den Gegenden der beiden genanntes 
Kantone, und endlich mit zmei Bauarten aus eben den⸗ 
felben, geziert. 

Zürich, im Sept. 1304. 
Drelt, Fuͤßlt und Comp. 


Anzeige 
eines wichtigen Buchs für Mater und Muͤtter. 





Bor zwei Fahren erfchien in meinem Berlage der erſte 
Band der Erziehungsichre von F. 9. C. Schwarz, 
eines von allen Reyenfenten als vortrefflich erflärten 
Buches. Er belehrt uns von der Befiimmung des Men« 
fchen mach feinen Anlagen, und mußte vorausgeben, 
mweil niemand feine Kinder erziehen kann, wenn er nicht 
ihre Anlagen kennt, und weiß, wozu ber Menſch nach 
diefen Anlagen erzogen werden fol. Hierauf folgt ieht 
in dieſem zreeiten Bande die Belehrung Über alles das» 
jenige, was gute Mütter fir ihre Kinder in dem erſten 
Lebensjahren, von dem Mugenblide ihrer Enttehung 
an, zu thun haben, damit ihr Körper gefund und ibr 
Geiſt gebörig entwidelt werde. Der Verfaffer, felbit 
Erzieher, Vater und vortrefflicher paͤdagogiſcher Schrifte 
fieler, bat diefen zweiten Band feines Werkes unter 
dem Beiſtand des großen Phyfiologen und Arztes So m⸗ 
mering fo ausführlich, fharfünnig und deutlich bears 
beitet, daß fein Buch allen Eltern, denen das Wohl ihrer 
Kinder am Herzen Hegt, nicht genug empfohlen werden 
fann. Wer fein Kind im den eriten Zeiten des Lebens 
verwahrlofet, der kann hernach vom feiner Erzichungs« 
und Lebrmetbode, fie ſey fo vortreiflich als fe wolle, 
erwarten, daß fie das Kind fo vollfommen und glücklich 
mache, als es, feiner Natur gemäß, hätte werden 
können. 


Georg Joachim Goͤſchen. 





Die Rofen, nad der Natur gezeichnet und kolorirt. 
Mit fursen botantichen Beſtimmungen begleitet vom 
D, Rößig, 11. Bd. 16 9. mit 5 K. auf Belin in Fol. 
In biefem Heft ind 1) die große Mohnkopfrofe: 2 tie 


immer grüne Roſe; » bie gewölfte Dort» und. Lanfa 
fer» Rofe; 4 die hohe englifche weiße Roſe, und 5 die 
vielblumige Mofe abgebildet und befchrieben. Iſt für 
2 Thlr. zu haben im 
Induftrie: Eemptoir 

in Peinjig. 





Konftantinopel und St. Petersburg. 
Der Drient und ber Norden. 
Eine Zeitfhrift herausgegeben von 
Friedrich Murhard. 


Teac langen und grohen Vorbereitungen And wir 
endlich im Stande, die nahe Erfheinung dieſes neuen 
Fouenals anzukindigen, das an Jutereſſe und Mannich 
faltigfeit des Inhalts wenige feines @leihen haben 
wird, Es fol die merkwuͤrdige, fets in taufendfältigem 
Wechfel begrifene Tagesgeſchichte der beiden genannten 
Hauptiädte enthalten, das Leben in denfelben in feinen 
unendlichen Kormen fihildern, von ben interefanteften 
Greigniſſen auf biefen nnermeßlichen Schauplägen Res 
dhenichnft geben; cs fol für das Morgenland und den 
Norden eben das fepn, was die Englifchen Miscellen 
eine Reihe von Fahren für die brittifchen Jufeln wa 
ren: die Kunſt, Litteratur, Induſtrie werden unter 
baltende Artitel abgeben umd die Sittengeſchichte wird 
tbeild mit Schilderrien ron Städten und Gegenden ab« 
wechſeln, theils duch die Erzählung mannichfacher 
Unchvoten und Begebenheiten tes Tages eine bobere 
Mürze erbalten. Endlich wırd im diefem Journal auch 
alles Play finden koͤnnen, was überhaupt eine nähere 
oder entferntere Beziehung auf das Morgenland und 
den Norden bat, umd darum veriprechen wir ven Leſern 
außer ber reigemdfien Unterhaltung zugleih auch die 
ſchoͤnſte Belehrung. — Eine Menge angefebener Gelchr- 
ten in Europa und Afien kat fich mit dem Herrn Her- 
ausgeber gu diefen großen Unternehmen verbunden und 
man wird darum im jeder Hinſicht etwas Vorzügliches 
erwarten föunen, Für Rußland merden fich kefonders 
der befannte Leibbibliorhefar Hr. KRollegien-Ratb 
von Köhler, der fich jest auf faiferliche Kofen im 
Innern des Reichs befindet, um Materialien zu einer 
voyage pittoresue ju ſammeln, von der wir Bruch- 
fücde in wnferer Zeltſchrift zu liefern hoffen, — und 
Sr. Kolleaien-Ratb von Reimers, der Ber 
faſſer der auf Faiferl. Koften gedrudten und bei ung in 
Commiſſton ganz neu erfchienenenaroßen ruffifhen 
Gefandtfchaftsreife an die ottomannifche 
Biorte, — für umfer Unternehmen interefiiren und 
wis mebft mehrern andern angefebenen Männern des 
ruffiichen Reichs die angenehmien und lehrreichſten 
Peiträye fchenten, Eine ununterbrodene Correſpon— 
ten; mit Konftanıinopel, Smirna und Ale— 
tandrien wird uns in den Stand ſehen, periodifch 


CLXXI 


die intereffanteien Nachtichten über die Tuͤrkey, 
Berfien und Aegypten mitjutbeilen; aus Eng- 
land, Galentta, Combay und Madras befoms 
men wir regelmdfig Nachrichten fo wie aus HDinbofan; 
ein gelehrter holdndifcher Negoziant in Kantan bes 
ſchenkt und von Zeit zu Zeit mit merfwärbigen Notigen 
über China und ein Gelehrter bei der ruffifchen Er» 
pebition in Japan wird unfre Zeitfchriit mit feinen 
Meifebemerfungen bereihern. Ein journal, das unter 
fo glänygenden Aufpizien und fo vielen glüdiich zuſam⸗ 
mentreffenden Umſtaͤnden erfcheint, berechtigt allerdings zu 
den ſchoͤnſten Erwartungen, und der blühende Styl, die Le⸗ 
bendigfeit des KRolorits, die Eleganz des Aeußern, wird es 
bald zu einer der gelefeniten Zeitfchriften des Tages erheben, 

Es ericheint davon regelmäßig ale Monate ein 
Heft von 8 bis 10 Bogen mit den möthigen Kupfern 
und GCharten, und der Preis des ganzen Jahrgaugs 
it, ohnerachtet der Gtärte der Monatsheite und der 
großen KRorrefpondeng:- Koften nicht mehr als 6 Thlr. 128. 
Der Januar « Heft wird fchen im December diefes Jabres 
mit einem Kupfer, die Anſicht des Eerails zu Kon 
hantinspel vorſtelend, geyiert erfcheinen. 

Man erhält diefes Journal durch alle Buchhand-⸗ 
lungen und Voſtaͤmter Teutfchlands. 

5. Dienemann und Comp. in Pentg. 





Bei Friedrich Nicolovins, Buchhändler u Kö- 

nigsberg in Preußen, if fo eben erſchienen: 

Tmmanuel Kant in feinen Ichten Lebensjahren, 
ein Beitrag jur Kenntniß feines Charafters und ſei⸗ 
nes häuslichen Lebens aus dem täglichen Umgange 
mit ibm von ©. 9. Ch. Waſtanski. 18 Gr, 

Heber den Schädel Kant’e. Ein Beitrag gu Gall's 
Hirn- und Gchädelledre von Dr. W. ©. Kelch. 
8.5 Gr. 

Wißelinks MR. Eeelenlehre für Kinder einer guten 
Erziehung nach den einfachiien und faßlichfien Grund« 
fäpen entwickelt mit ſteter Hinficht auf die Tbier- 
melt, Eine Einleitung zum Unterricht in der Reli» 
gion für die hinsliche Erjichung 17 Bd. 

Muh unter dem Titel:) 

— — Morgenikunden eines Vaters mit feinen Kindern 
ar Bd. 8. 15 Gr, 

Schmals Theodor. Encyelovaͤdie des gemeinen Rechts, 
zum Gebrauch afademiicher Vorleſungen. Zweitt 
gänzlich umgearbeitete Aufl, gr. 8. 1 Tblr. 

— — natürliches Staaterett. Imeitevermehrte Huf. 

Auch unter dem Titel:) 

— — das Recht der Natur Or Bd, 5 Gr. 

Schuly Jobann) Anfangsgründe der Mechanik. 
Mit Kupf. gr. 8. 12 Gr. 

— — Entmidelung, fehr leichte und furje, einiger der 
wichtigiten mathemntifchen Theorien 4. 1 Thle. 20 Gr. 

Baezko's Budwig vom Lehrbuch der Welt: und Men« 
ſchengeſchichte zum Gebrauch der Schulen 2 Theile 
mit Tabellen 8, 1 Tbir. 16 Gr, 


— — Lehrbuch der Breufifhen Geſchichte zum Ge 
brauch für Schulen 3. 3 Gr. 

Elsner (Chr. Er.) oratio de nove pestis Americane 
eıtu a Gr. 





Sn allen Buchhandlungen if zu haben: 

Beweis, unumfößlicher, daf obne bie fchleunige Nie- 
dermehlung aller Juden und den Berfauf aller Juͤdin⸗ 
nen zur Eflaverei, die Melt, die Menfchbeit, das 
Ehrifientbum und alle Staaten nothwendig untergeben 
müfen. Ben Dominicus Hamann Epiphanes, dem 
Audenfeinde. Ein Sendfchreiben an Herren Juſti— 
Gommiflarius Brattenauer. 8. 7 Gr. 

Gedanken und Meinungen über Manches im Dienft 
und über andre Giegenflände. Zmeite vermehrte Auf, 
ı Thlr. 6 Br. 

Anbang dazu. Für die Beſitzer der erien Auflage befon- 
ders abgedruft. 8 Gr. 





Bortfegung des von Dr. Scherer heraus: 
gegebenen Schriftforfchers. 





Den Freunden der bibliſchen Literatur und Religiens- 
wiſſenſchaft machen wir biermit befannt, daß der von 
Dr. Scherer beransgegebene Schriftforfcher 
sur Belebung eines gründlichen Bibel- 
HKudiums und Berbreitung der reinen 
verfihönernden Religion, mit dem zweiten 
Bande in unferm Verlage erfcheint. Die Aufmerk- 
famfeit, welche ter erfle Band auf fih zog, wird 
auch die Fortfehung erbalten dürfen, da unfere vor 
zuglichtten Theologen, Ballentädt, Badbans, 
Böhme, Cannabich, Hartmann, Hesel, 
Horf, Juſti, Balmer, Ritter, Thurn m. a. 
ferner Mitarbeiter an dem Magazine bleiben, dem 
der Herausgeber feine ganze befannte literdrifhe Sorg ⸗ 
falt widmet, Das unter ber Preife fich befindende erite 
Stüd des weiten Bandes beginnt mit einer inte: 
reffanten Abhandlung von Gannabih: Beleuchtung 
einiger Stellen des neuen Telaments, 
deren religiöfe Forderungen überſpannt 
zu fegn feinen; und gehörige Würdigung 
diefer Forderungen. 
Altenburg, im Auguſt 1804. 


ES chnuphafifche Buchhandlung. 


Neue Erfindung. 


An der Erufiusfchen Buchhandlung in Leipzig ii 
{9 eben fertig geworden und fir 8 Thlr, zu haben die 
fhon lange erwartete geogranbifche Ubrtafel nebfl An- 
meifung sum Gebrauch diefes Inſtruments von Yuguf 
Bottlich Meifner, Amanuenfis bei der daligen 
Sternwarte. 





CLXXII 


Diefe von Heren Meißner ausgeführte Idee it 
folgende: die Oberfläche der ganzen Erdkugel bis gu den 
;olarkreifen iſt auf einer ebenen dlaͤche von 175 Parifer 
Zou Länge und 11 Zoll Breite, mit Berichtigung ber 
Längen und Breiten der vorgüglichtten Derter der Erde 
nach dem neueſten Tafeln umd Karten aufs genauefe 
entworfen, mit meſſingenen Dioptern, einem Zeiger 
und Stativ verfehen. Dabei ift am duferer Elcgany 
nichts vergefien worden, indem der Stich rein, die Il⸗ 
{umination fauber, und um der Witterung zu widerſte· 
hen, mit einem feinen Lackſirniß überzogen und fo eine 
gerichtet ih, daß fie 2 alt Welttarte zur Weberücht der 
Bage ber MWelttheile und ihrer Meere gegeneinander, 
9 als allgemeime Sonnen « und Sternen s Uhr für alle 
Derter der Erde zu gebrauchen il, I vorzüglich Febreris 
beim unterricht und angebenden Geograpben ein Mit« 
tel mehr darbietet, auf eine leichte und richtige Art bie 
geograpbifchen Aufgaben 4. B. Sonnen- Huf» und Un—⸗ 
tergang, Tages« und Nacıtslängen, Unterfchied der Tas 
geszeiten verfchiedener Derter gegen einander sc. aufzu⸗ 
Töfen, fich und feinen Schülern durch Daritellung einer 
neuen Anficht unfrer Erde das Studium der Geographie 
zu erleichtern. 


— — 

Folgende interefante Schrift hat dte Preffe verlaſen, 

und tit in allen Buchhandlungen für 20 Gr. gu haben: 
Ueber 


Thaͤtigkeit und Unthaͤtigkeit, 
die nathrliche Anlage 
und 
den Hang der Menſchen zu bdenfelben, 
und über die Mittel, 


wodurch die Arbeit, vorzüglich unter dem untern Bolls« 
Mafen, hauptſaͤchlich unter den Bauern und deren Wej« 
bern und Kindern, zur Gewohnheit und zum Be⸗ 
dürfniß gemacht werben koͤnne? 


Sson 
Dr. Friedrich Benediet Weber. 
3. Reipgig, bei Gerbard Fleiſcher d. Jüngern 1904. 





An alle Freunde der Geſchichte, befonders. 


an alle Gebildete der jüdifhen Nation, 





Flavius Joſephus vom juͤdiſchen Kriege. Ueberſttzt 
von J. B. Friſe, und mit einer Vorrede vom 
Herrn Rath Oberthuͤr in Würzburg. Erſter 
Theil. Altona bei Hammeridh, 180% 





Dies Wert erzuͤblt die von einem Augenzeugen verfer⸗ 
tigte Geſchichte des untergangs eines Staats, aus deß 


fen Mitte das Chriſtenthum bervorglng, der in feiner 
Aufloͤſung noch univerſalhiſtoriſche Wichtigkeit bat, und 
deffen überall zerſtreute Glieder jept mehr als je die 
Aufmerkſamkeit des gebildeten Vublikums durch gute 
und böfe Gerüchte auf fich geyogen haben. Der Ueber⸗ 
ſetzer uud Verleger boffen bei diefer Unternehmung auf 
den Beifall deifelben, befonders von denen, melden das 
Original unverfiändlich oder doch zu meitlduftig mar. 
Erfterer bat fich bemüht, die in tiefem enthaltenen 
Wahrheiten im einer reinen und fließenden Sprache 
wieder zu geben. Herr Dberthür, deſen Verdienſte 
um den griechifchen Joſeyhus von allen Gelehrten an⸗ 
erfannt find, bat einen großen Theil dieler Ueberſetzung 
vor dem Druck durchgefeben und fie würdig aefunden, 
ihr durch feine gelehrte Borrede von 4 Bogen eine Em⸗ 
pfeblung zu geben, die alles weitere Anpreifen unnoͤthig 
macht, Diefer erſte Baud, dem der zweite und letzte 
innerhalb einem Fahr nachfolgen wird, koſtet in allen 
Buchhandlungen 1 Thlr. 16 Gr, 





Fick Elegant Extracts. 


Sn der Waltherfchen Kunſt- und Buchbandlung zu 
Erlangen if erfchienen und in allen foliden Buchhand« 
lungen zu baben: 

Elegant Extracts, Instructive and Impro- 
ving, from Classical English Authors, 
with a short View of their Lives and 
Writings, colleeted by John Chri- 
stian Fick, Lecturer of the English 
Language at the University of Erlangen. 

-In two Volumes. Vol. I. contining 
Prose. With three Portraits 142 8. 
gr. 8. Preis ı Thle. ı6 Gr. 


Der Name des Bearbeiters und Sammlers dicfes 
Handbuchs der englifhen Literatur bürgt 
wohl binlänglich für defien Güte und Brauchbarkeit. 
Man fann es als die Fortichung von dem befannten 
Kefebuch beffelben Berfaffers, wovon bereits vor ei« 
nem Sabre die zweite Auflage erfchienen if, anfeben. 
Es enthält die furgen aber zweckmaͤßig bearbeiteten Bio⸗ 

rapbien und literarifche Nptigen von funfzehn der bes 
sten englifchen Profaifer, und die beiten, unterhaltend: 
den und Ichrreichien Aufſaͤhe aus ihren Werfen. Die 
diefem eriten Bande beigefuaten drei, nach enalifchen 
Driginalien ſchon efiochenen Kupfer find: Bove, 
Goldfmirh und William Birt, der Bater des 
jebinen Minıfters gleiches Namens. 

Erlangen im Auguft 1504. 





Von Kohebue's Erinnerungen aus Bari 
it die Dritte rechtimäfige mit Iufäken —8* —* 
Inge (mit einem febr ſaubern Holzſchnitte von Gubitz) 
bei dem Buchhdndler Seincich Arolic in Berlin 
erichienen und um den Breis von 2 Thlr. bei ihm ſelbn 
und in jeber foliden Buchbandlung zu baben. 








No. XLIY. 
Literarifher und artiffifher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804, 





Spuren der Gottheit 
im anfcheinenden Zufalle. 


Wohlthaͤtige Nahrung für Zweifler und - Denter. 
Son 


Samuel Chriſtoph Wagener. 

Erfler Theil. Mit einem Titellupfer. 8. Berlin, 
in der Buchhandlung des GCommerzienratbs Map: 
dorff, Preis ı Tplr. s Gr. FR in allen guten 
Buchhandlungen zu haben. 


Meue Berlagsbücher der Voß iſchen Buchhands 
lung in Berlin, 1804: 

Amalie Mansfield,, aus dem Feanzöfifchen, 2 Bände, 
mit Kupf. 8. 3 Thlr. 8 Gr. 

Funke, G. Ph., neues Elementarbuch, ze Theil 1fte 
Hälfte, mit 26 Kupf. 8. 1 Thlr. 2 Gr. Mit illum. 
Kupf. 2 Thlr. 8 Sr. 

Daffe'be unter dem Titel: 

— — Dorbereitung jur Maturgefchichte, 8. mit 26 
Kupf. ı Thlr. 12 Gr. Mit illum, Kupf. 2 Thle. 
s Gr. 

Hamilton’s, G., Reife um die Welt. Nebit Ent- 
defungen in der Südfee, Aus dem Engl. Mit An« 
merfungen von J. R. For ſter. Neue Auflage, ar. 8. 
10 Gr. 

Heinfe, ®., (Verfaſſer des Ardingbello), Hildegard 
von Hobenthal, 3 Theile, mit Kupf. Neue Aufl. 8. 
3 Thlr. 18 Gr. Auf groß Schmeijerpapier, 6 Thlr. 
16 Gr, 

Hiprel,von Tb. G., Heber Geſehgebung und Staa- 
tenmwehl. Ein Naclaf, 8. 18 ®r. 

Jeniſch's, Dr., Vorlefungen über die Meiftermerfe 
der griecifchen Poeſie, mit befonderer Hinücht auf 
die poetifchen Meiſterwerke der neu» europälfchen Zi» 
teratur, 2ter und lehter Band, gr. 5. 2 Bände, 
3 Thlr. 16 Or. 

Kofegarten, Ludwig Theobonl, Legenden, 2 Binde, 
mit Rurf. 8. 3 Thlr. 12 Gr, 

— — Die Inselfährt, oder Aloysius und Agnes. Eine 
ländliche Dichtung in sechs Eklogen, mit ı Kupf. 8, 
ı Thlr. 8 Gr. Auf Schweizerpspier gr. 8. 2 Thlr. 

Lafontaine, A., Sagen aus dem Altertiume, 2ter 
Band <Romulus.) Neue Aufl, 4 Thlr. 12 Gr. auf 
Velinpapler, 3 Thlr. 12 Gr. 


— 4 4 34 





Meifen,, engliſcher Scefahrer nach den nordamerikanl⸗ 
ſchen Küfen und ins Innere von Mordamerifa, 
2 Bände. Mit vielen Kupfern und Karten. Zweite 
unveräuderte Ausgabe, gr. 4. 4 Thlr. 16 Gr, 


Phyfiolegifhe Beobachtungen Über den Umlauf 
des Safts in den Pflanzen und Bäumen und 
ber Eutftehung der Erdſchwaͤmme. Eine von 
der kaiſerl. Wademie der Naturforfcher in Ers 
langen gefrönte Schrift, von F. 3. Frenzel, 8. 
Weimar, verlegt bei den Gebruͤdern Gaͤdicke, 
(gegenwärtig in Berlin, Scharruſtraße No. 4. 
wohnhaft, und daſelbſt für ı Rthlr. 16 Gr. 
zu haben.) 


Dies Buch iſt für Gartenfreunde, Defonsmen, Korft: 
männer, Botanifer und Naturforfher berausgege- 
ben, und wird dieſen Ständen wahrfcheinlich auch au⸗ 
genchm feon. 








Gefundheitsalmanad 
sum 
Gebrauch für diejenigen, 
welde 
Berfchönerung des Körpers, Erhaltung der 
Gefundheit und Verlängerung des Lebens 
wünfchen. 
“om 
5% © Yuguffim 
Mit Rupfern 
16. Berlin, bei 3. W. Schmidt, ı Thlr. 8 Or. 


Maurerifches Tafchenbuch 
auf 
die Jahre 5803, 5804 und 5805. 
3 Jahrgänge 


16. 18063—5. Berlin, bi J. W. Schmidt. jeder 
Jahrg. 1 Thlr, 12 Gr, 4 Thlr, 12 Er. 


Dr. 








CLXXIV 


Anzeige für Prediger, Schullehrer ꝛe. 
Der ſchoͤne Tag, ein rührendes Feſt gefeiert in 
der Kirche zu Exhottenfiein, und als Beitrag 
zum Guten gezeichnet von einem Augenzengen, 
8. broch. Leipzig bei Heinrich Gräff, 
1805, ı0 Ör. 
Da man seht die Konfirmation oder die Einſegnung 
der Catechumenen aus fehr gerechten Gruͤnden zu einer 
öffentlichen fehr feierlichen gottesdienſtlichen Handlung 
su erheben gefucht hat, fo darf man überzeugt fenn, daß 
diefer Beitrag, reelcher die Feterlichkeit der Gonfirma- 
tion befchreibt, wie fie in Schottenflein voriges Jahr 
volljogen wurde, Bredigern und Lehrern fehr willtom« 
men ſeyn wird. Er enthält fomobl die feierlichen herz⸗ 
ergießenden Reben, die der Geiſtliche des Orts fprach, 
ferner die Gefänge, welche von der Gemeinde und ins⸗ 
befondere von den Catechumenen gefangen wurden, als 
auch die Prüfung ſelbſt in der atechetifchen Form, wie 
fie Statt gehabt hat. — Kein chriilicher Kefer von wab- 
rem Gefühl wird diefes Heine Buch ohne Näbrung aus 
der Hand legen, und Lehrer und Prediger werden dar- 
aus manche fche heilfante Ideen fchöpfen fönnen. 


Ynfündigung 
eines allgemeinen Syſtems des Aſſekuranz⸗ und 
Bodmereimefens, 


Es bedarf wohl feines Beweiſet, daß unter allen kauf⸗ 
männifchen Gefchäften feines verwidelter und ſchwie⸗ 
tiger fey, als das Beichdit der Aſſekuranzen und Bod— 
wereien. Die darin vorfommenden Fälle find fo man- 
- atgfaltig, daf auch die längite eigne Erfahrung eines 
Einzelnen nicht binreicht, fie alle fennen au lernen; 
und nicht felten bringt der jufammengefehte Giang des 
großen Handels Aſſekuranzvorfälle zuwege, die micht 
ohne die genaueſte Sachkeuntniß und vielen Scharf 
ſinn richtig entfchieden werden fonnen. — ber felbit 
minder ungemobnliche Vorfälle ſehen Kenntniſſe vor 
aus, deren Mangel nur zu oft Beranlaffung großer 
Verluͤſte und foftfpieliger Proceſſe wird. 

Jeder denkende Kaufmann macht es ſich gewiß da— 
ber zur Pflicht, ſich über einen fo wichtigen Gegen: 
Hand hinreichende Belehrung zu verfchaffen; mer aber 
wicht ungewöhnlich viel Zeit umd Mühe darauf ver- 
wenden fann, der wird fich immer mit ber mangels 
Baften Kenntnih begnügen muͤſſen, melde eigne Erfabs 
rung und beiläufige Velchrung unterrichteter Freunde 
ibm gewaͤhren. Kommt er aber wirklich dahin, ſich 
über alle Rechte und Gebräuche des Staats, worin er 
lebt, zu unterrichten, fo reicht er doch damit nicht auf, 
fobald vom ausmärt gen Aſeluranzen die Rede il, bie 
ihm doch oft eben fo wichtig ud, als die feines «ige 
wen Bandes. 

Schon lange if der Mangel eines Werkes gefühlt 
worten, welches im möglichder Bolt’ndigfeit und bins 


digſter Kürze alles datienige entbiehte, mas dem Ver- 
Ücherer, dem Kuufmanne und dem Mechtsgelehrten von 
allgemeinen Afeluranggrundjigen, fo nie von ben 
Rechten und Gebraͤuchen aller wichtigen handelnden 
Etuaten, wiſſenswerth if. Vergebent jucht man Dies 
fen Unterricht in allen bis jeßt erfchienenen Werfen, 
So vortreflih Magen’s Verſuch für feine Zcit war, 
und fo brauchbar er im gewiffer Hinſicht noch jeht if, 
fo if dies Buch doch bei wertem nicht dem gegenwärs 
tigen Beduͤrfniſſe angemeſſen. Westett’s Theorie 
und Pragis der Aſſekuranzen erfiredkt fich nur auf Enge 
and, und verdient bei allen feinen Vorzuͤgen, fo wie 
befonders Engelbrecht’s Fortſehung biefes Werkes, 
den Bormurf einer ermüdenden Meitfchweifigkeit auf 
der einen, und der Invollüändigfett, mie auch der Auf⸗ 
fchung mancher wnrichtigen Prineive auf der andern 
Eeite. England, Franfreih und Italien haben jmar 
unſchaͤtzbare Werke im Fache der Aſſekuranzen aufzu—⸗ 
meifen, fie behandeln aber alle ihren Gegenſtand mur 
in Hinficht auf ihr Land, und belehren uͤberdem mehr 
den Reditsgelehrten als den Kaufmann. 

Sch hoffe daher den Beifall des unterrichteten Pub 
Klums zu verdienen, wenn ich, als die Frucht des 
Fleißes und der Nachforfchungen mehrerer Jahre, ein 


Sy fe m 
des 
Affefuranz » und Bodmereimwefeng, 
aus den 


Geſetzen und Gebraͤuchen Hamburgs und der vorzug⸗ 
lichſten handelnden Nationen Europens, fo wie aus 
der Natur des Gegenftandes entwickelt, 


antundige. Der Zweck, den ich mir bei der Ausarbei⸗ 
tung diefes Werkes vorſehte, if: lichtvolle Daricdung 
der Natur der Aſſeluranzen bei deren Anwendung auf 
jeden ihrer Gegentände; leichte Heberficht der Geſehe 
und Gebräuche jedes wichtigen handelnden Staates 
für die verfchiedmen Arten der Berficherungen; Aufflels 
fung richtiger und Widerlegung falſcher Aftefurany- 
prineipe; Zufammenfchung der wichtigften Meinungen 
Aber Materien, die noch nicht durch Geſetze oder Uſan⸗ 
zen außer Zweifel gefeht ind; Anmeifung, jede Ber- 
fiherung mit möglichfiem Vortheile, und in Gemdß- 
beit der Geſehe und Gebräuche des Landes, wo fie ge 
fchlofen werden fol, einzurichten; Belehrung, Strei⸗ 
tigteisen bei Aſekuranzen vorzubeugen und bie entilan« 
denen mach Recht und Willigfeit zu fchlichten; Anlei- 
gung zum richtigen Derbalten bes Verlidierten bei vor- 
fallenden Schäven und zum Dispachiren derfelben nach 
den Geſetzen und Uſanzen der vorzüglichien bandeln« 
den Staaten; Aufftellung einer höchſt einfachen, auf 
die Natur der Cache gegründeten und leicht anmend- 
baren Theorie dir bis jeht fo vermorrenen Materie der 
Bedue eien. 

Um dieſen mir vorgefehten Zweck zu erreichen, babe 


CcLXXV 


ich fremde und eigne Erfadrimgen forafältig geſam— 
melt; die vorzüͤglichten Werke aller Nationen benupt, 
jedoch Feine wichtige Machricht aus Büchern aufgenom⸗ 
men, ohne mich über deren Werth bei angefehenen 
Kaufleuten oder Mechtsgelehrten an Ort und Stelle 
erfuniigt zu haben; befonders aber babe ich in den ges 
richtlichen Berbandlungen ſowohl biefiger als auswär« 
tiger Affefuranskreitigfeiten, Belehrung Aber dunkle 
Stellen der Giefege, und unterrichtende Beifpiele ge- 
fucht, auch häufig gedrumgene Erzählungen wichtiger 
Aficturangprocefie zur Erläuterung und zu Belegen 
mitgetbeilt. — Was einer matbematifchen Demonfira> 
tion fähig war, babe ich immer ſtreng, bach allgemein 
werftändlich, bemwiefen; was auf Erfahrungsfägen be— 
ruht, durch Beifpiele belegt. Wo es auf Autoritäten, 
Meinungen anderer Schriftteler und Gefehe anfam, 
babe ich Überall die vollſtaͤndige Nachweifung gegeben. 

Weber die Anordnung der Materien darf ich, der 
Kürze wegen, weiter nichts fagen, als daß ich bemüht 
gervefen bin, diefelbe dem natürlichen Gange der Sache 
gemäß einzurichten. Dadurch, ſo wie durch eine voll« 
ſtaͤndige Inhaltsanzeige vor jedem Bande und durch 
ein Regiiter im lehten, wird der Gebrauch des Werkes 
in einzelnen Fällen ſehr erleichtert. 

Bon mehrern fenntnißreichen Männern, die mein 
Mannferive gelefen und ihrer Mufmerkfamfeit werth 
neachtet haben, nenne ich nur den Herrn Uhr ich Mole 
ler, Bevollmächtigten der fünften Alfefurany » Eom«- 
yagnie, und den Herrn Johann Meinbardb 
Schmidt, Bevollmaͤchtigten der zweiten Aſſekuranz⸗ 
Gompagnie; Männer, deren tiefe Einfichten und lang« 
jährige Erfahrungen im Fache der Aſſeluranzen, fie zu 
vollgültigen Richtern über ein Werk diefer Art machen, 
Sie baben mir erlaubt, mich auf ihr Urtbeil zu berufen, 
und Öffentlich zu fagen, daß fie meine Arbeit ihres Bei- 
falls werth gefunden haben, ’ 

Dias ganze Wert wird aus drei Bänden befichen 
und in groß Oetav auf Schreibpapier mit neuen Lettern 
gedruckt werden, Der erfte Band erfcheint zur Leipziger 
Dftermeffe 1805 und die übrigen beiden noch im Laufe 
defielben Jahres. Der Gubferivtionspreis für jeden 
Band ift ein Species: Dufaten, welcher bei Ablieferung 
des Buches zu besablen if. Die Herren Subſeriptions · 
fammler erbalten auf Zehn Eremplare Eins gratis. Sie 
werden erfucht, die Namen der Herren Gubferibenten 
welche dem erſten Theile vorgedrudt werden follen, bis 
Renjahe 1805 an mich felbft franco einzufenden. Nach 
geichlofiener Snbfeription wird dad Wert nur gu einem 
anfehnlich erhöheten Preife zu haben feyn, 

Kamburg den ıflen Dftober 1504. 
Wilhelm Benede 
In Berlin and deſſen Umgegend nimmt der Buchbaͤnd⸗ 
ler Heinrich Frölich Subferivtion aufı vorbe⸗ 
jeichnetes Werf an, von deflen vorzüglicher Güte er 
duch Brivarnachrichten aus Hamburg näher unter 
richtet ıl. 


Bei J. W. Degen, Buchdruder und Buchhaͤnd⸗ 
fer in Wien find in der Jubil. und Michaelis: 
Meffe 1804 folgende neue Werke erfchienen: . 


Jeobann Peter ty poetiſche Werke; nach feinen ei⸗ 
genhaͤndigen Verbeſſerungen herausgegeben vom Kreis⸗ 
feuer · Einnehmer Weißee. Pracht: Ausgabe in gr. 4. 
auf Veliupapier, 11. Theile mit Kupfern von Kohl 
und Jobn, 40 Tblr. 

Diefelben in 8. auf Belinpapier, 2 Theile ohne Kupfer 
12 Thlr. 

Diefelven, wohlfeile Ausgabe, 2 Theile 5. Drudpapier 
418 Gr, 

€. 2. Reinbold’s Anleitung zur Kenntnif und Be- 
urtterlung der Bhilofopbie in ihren fämmtlichen Lebr- 
gebäuden; ein Lehrbuch für Vorlefungen und Hand« 
buch füc eigenes Studium, gr. 5. 1 Tblr. 

9. Waldinger’s Wahrnehmungen an Pferden, um 

‚ über ihr Befinden urtheilen zu können, in 8. auf Be 
linyapier 3 Thlr. 5 Gr., auf Schreibpapier 1 Thlr. 
8 Gr, auf Drudparier 20 Gr. 

Chaptal, Rozier, Barmentier md Düfieuer 
theoretifch = praktifche Abhandlung über den Weinbau, 
neb der Kund, Mein, Branntmwein, Weingeiſt, ein- 
fache und infanımengefehte Efüige zu bereiten, aus dem 
Franz. uͤberſeht und mit Anmerkungen und Zuiäken 
verſeben, welche fich auf den Weinbau der öfterreich. 
Monarchie bezichen, 2 Theile mit 2ı Kupfertafeln 
gr. 8. 5 Thlr. 13 Gr. 

€. 5. Wiebekings vraftifche Anleitung zur Aufühe 
rung, Wiederberitchung und Erhaltung beguemer, 
das Eommerz befordernder Landſtrahen mit Kupfern, 
gr. 8. 1 Thlr. 4 Gr. 

3.9. Schultes Reife auf den Glodner, 2 Theile mit 
Kupfern 8. auf Schreibp. 4 Thlr. 8 Gr. , auf Drudy. 
2 Thlr. 20 Gr. 

— — Reife durch Saljburg und Berchtolsgaden, 
2 Theile mit Kupfern 8. auf Schreibp. 4 Thlr. 5 Gr. 
auf Drudy. 2 Thlr. 20 Br. 

€. Stredfuf, Gedichte, 8. auf Belinpapier 2 Thlr. 
21 Gr., auf Schreibp, 1 Thlr. 

Annalen der Literatur und Kunſt in den Öfterreichifcher 
Staaten, zr Jahrgang 1804, Tanuar bis December 
4. 4 Thlr. 

Dom ıflen und 2ten Fabrgange dieſer Annalen, 
welche ununterbrochen fortgefeht werden, find 
auch daſelbſt nach komplette Exemplare zu har 
ben. 

®. 9. Griefinger, Denkwuͤrdigkeiten aus der öfter 
zeichifchen Geſchichte auf jeden Tag des Jahrs gefam- 
melt, in 8. auf Schreibp. 1 Thlr, 16 Gr. auf Drudp. 
4 Thlr. 8 Gr. 

Wiener Tafchenbuch, ar Jahrgang für 1805, enthaltend 
die Fortfehung der hiſtoriſch⸗ malerifchen Reife durch 
Sprien, Phönirien und Mieder« Hegnpten von Bol 
aey, Caffus ic. mit 77 Rupfertafeln von Kohl, 


GCLXXVI 


Gerfner und Blaſchke, auf Velinpapier in Ma⸗ 
roquin und in Vapierband mit Goldſchnitt. 

Tyoroler Almanach auf das Fahr 1805 mit Kupfern ge⸗ 
geichnet von Mail lard, geflochen von Bonbei: 
mer, Neldt und Richter, in 12. auf Belin-, 
Schreib» und Drudpapier, in Maroquin und in Pas 
vierband mir Goldſchnitt. 

Mufen « Almanach für das Jahr 1805 beraufgegeben von 
Streckfuß und Treitfchfe, 12. auf Velin- und 
Drudpapier. 

Collectio auctorum classicorum latinorum, Tomus 6. 
et 7. contin. Val, Martialis Epigrammata, ® Tomi 8, 
Charta velina 7 Thlr. ı6 Gr. — Charta scriptoria 
ı Thir, 37 Gr.— Charta impress. ı Thir. 2 Gr. 

Collectio etc, etc. Tomus 6. contin. A. Persii Flacci 
at Dec. Junii Juvenalis Satirae, 8, Charto velina 4 Thir. 
Charta script. 21 Gr. — Chasta impress. 14 Gr. 





Auen Ropiriten und Defonomen if folgendes Buch 
als eins der vorzüglichiien zu empfehlen und in allen 
Buchhandlungen ju haben: 

W. Taplin’s 
vollfändiges 
Pferdearzneibuch. 

2 Theile. Mus dem Engliſchen, 8. Leipzig, bei Ger— 


hard Fleifcher dem Jüngern. 1804. Preis für beide 
Tpeile ı Thlr. 12 Gr. 





Yu allen Buchhandlungen find zu haten; 
Cannabichs, ©. Eh. 


Reue Prepisgten 
über die 
— vangelien 
auf alle Sonn» und Feſttage des ganzen Jahres, zur 
Beförderung eines reinen und thätigen Chriftentbums. 
42 Band. Leipzig, bei Gerhard Fleiſcher dem Juͤngern. 
Preis ı Thlr. 12 Br. 





Bei B. Friedr. Barth in Breslau fürd folgende neue 
Werle erfchienen: 


Blicke auf den Meg zum Tempel ber Unfterblid) 

feit. 18 Heft mit 1 color. Kupf. gr. 8. 20 Gr. 
Dies Werkchen if der 2te Heft der, mit fo vielem 
Beifall im v. 3. erfchienenen, Anlichten der Literatur 
und Kunft unfercs Zeitalters, von einem vorurtheils— 
freien, reifen Genie. Es iſt ein Inuniges Gemälde 
der Wanderung unferer Bhilofopben nach dem Tempel 
der Unſterblichkeit und diefe heilige Fahrt üellt das 
Kupfer fomiich wahr vor. Eine fchr vortheilbafte Res 
cenfon in No. 118. des Freimütbigen von d. 5. cms 
pfiehlt es und das iſt genug zu feinem Lode. 


Emit oder beichrende Untergaltungen für die Zus 
gend, mit Kpfru. von P. Schilling ır bis 
4r Jahrg. der Jahrg. 3 Thlr. 16 Gr. 

Wenn die Belehrung der Jugend zwedmaͤßiger im 
zeisenden Spiel des Anmuthigen befichet, als im der 
ernfien Anſtrengung, und wenn lieblihe Spiele mebr 
anfenern, ben Geift zu erwedien, als fchwerer Antrich, 
fo erwirbt üch gewiß biefer Emil cin ichönes Verdienſt; 
denn er belehrt auf die gefäligiie Weife durch die man 
nigfaltigiten Anfichten und führt die wißbegierige Ju⸗ 
gend im Mofenglanze des Spiels und ber Freundlich- 
keit zu dem gehaltreichiten Nuhauwendungen. 


Der lebthin vorfdufig angezeigte Tafchenfalender auf 
das Jahr 1805. oder Taſchenbuch für Freunde und 
Freundinnen des Schönen und Nüplichen, befonders 
für edle Gattinnen und Mütter und folche die es wer⸗ 





den mollen, vom Hofratb Fr. Heremann, ift bereits » 


nun bei Hinrichs in Leipzig erichienen, und erfüllt 
jebt in der Wirklichkeit ganz das mas von ihm vers 
fprochen und von dem ſchon ruͤhmlichſt befannten Her: 
aufgeber erwartet werben fonnte. Sein anziebender 
Anhalt beficht in. folgenden Erzählungen: h Der Ad⸗ 
bitionsfebler, eim Verſuch Märchen sufammen zählen 
zu fernen, 1 Wie kann eine Prije aus einer goldnen 
Dofe fo große Dinge thun! Il Die Rofe, Anetdos 
ten, Ansiprüce, Bemerkungen, Eittenfpriche und 
Marimen macen den Beſchluf. Zur Fierde des Gans 
zen tragen 4 Szenen aus den Erzählungen von Bött« 
her, 5 Landfchaften von Günther, 1 Taiel colos 
rirte Strich und 2 Tafeln Stickmuſſer im neuften Ge⸗ 
ſchmack eben fo viel bei, als der Nutzen dieſes freunde 
lichen Büchleins dadurch noch um ein großes erhöht 
wird. Der dußerit billige Preis, ſchoͤn gebunden mit 
goldnem Schnitt if ı Eblr. A Gr. 


Bei dem Buchhändler Heinrich Froͤlich in Ber- 
kin if erfchienen: 


Kleine thepretich = practifche deutſche Sprachlehre 
für Schulen und Gymnaſieu. Bon Theodor 
HMeinfius. Ein Auszug aus beffen größerer 
Epradjlehre. Preis 12 Gr. 

Schon lange war es der Wunſch vieler Schulmän: 
ner daß Here Doctor und Prof. Heinfius einen Aus _ 
zug aus feiner größern überall mit Beifall aufgenom- 
menen Sprachlehre veranftalten mochte. Er bat diefen 
Wunfc mit vieler Sorgfalt in oben genaunter fleinen 
Sorachlehre erfüllt, und bereits mebtere Schulen 
baden diefe beim Unterrichte in der deutfchen Sprache 
zum Grunde gelegt. Der wohlfeile Preis von 12 Er. 
für 165 enggedrudte Bogen erleichtert die Einführung 
derfelben in Schulen und Lehranflalten jeglicher Art, 
Menn fih letztere unmittelbar an mich felbft wenten 
und micht unter 40 Erempl. nehmen, vermillige ich 
ibnen noch einen Rabatt von 15 pro Cent. 





— r rt—n — —— 


No. XLV. 
Literarifher und artiffifher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scher, 1804 


— — — ——————— —— — 


Marnungs » Anzeige 


Nicht aus bedeutender Mürfficht für meine Perſon und 
meinen Namen, fondern um meine Ehre vor der Welt, 
und meine Ruhe mir ſelbſt zu erhalten, febe ich mid 
notbgedrungen, das mir wohlwollende Vublilum auf 
einen Menfchen aufmerffam gm machen, der feit lur- 
gem unter meinem Namen Kurland durchſtreicht, und 
mit Zueignung meiner befannten traurigen Schidfale, 
durch Erzählung und Schilderung derſelben das Mit- 
feid und die Woblthaͤtigleit für fih gu gewinnen 
fucht. — Schon in No. 190 des Freimüthigen if 
durch eine aus Mitau ‚eingefandte Notiz, Diefes Mens 
fchen Ermäbnung geicheben ; da aber der Einfender je 
ner Anzeige bios Das Faktum berübet, ohne diefen 
falfchen Seider genauer zu bejeichnen: fo glaube 
ich es meiner Reputation und meinem getränften Ehr · 
gefühl ſchuldig zu ſeyn, bier Durch Dffentliche Mitthei- 
fung folgender, in Beziehung auf dieſes Attentat, durch 
die Mitaufche Zeitung, von Sr. Ercellens dem Kurlän- 
difchen Herrn Dice : Gouverneur, wuͤrklichen Etatsrath 
von Brisforn ins Publifum gefhidten Bekannt- 
machung, auf die Perfon diefes Betruͤgers eine nähere 
Beleuchtung zu werfen. 


Belanntmahung. 


Ich babe vor kurzem Gelegenheit gehabt, mich zu 
überieugen, daf ein Menfch, der unter dem Namen 
des durch feine Schickſale befannten Herrn Paſtor 
Seider, im biefigen Tublico aufgetreten, nichts we— 
niger als diefer mir fo fehr veriönlich befannte Mann 
it; — Nach einem bei fich führenden und mir vorge: 
jeigten Paſſe des Drenburgichen Herrn Kriegs: Gou · 
verneurs vom Bachmetẽeef, iſt derſelbe elgentlich 
ein verabſchiedeter Soldat des Orenburgſchen Garnis 
fon» Megiments, und fein wahrer Name Jacobi; eim 
Menich, der eine flarfe Neigung sum Trunke befißt. 
Ich fühle mich um fo mehr aufgefordert, diefe von 
mir gemachte Entdefung öffentlich mitiutheilen, da 
nicht nur der gute Name eines braven Mannes durch 
diefen Kerumtreiber aufs aͤußerſte compromittirt zu 
werben in Gefahr ſteht, fondern auch das biefige Publi« 
fum von demfelden anf mancherfei Art bintergangen 
zu werden befürchten muß. Mitau den 22. Auguſt 1504. 

J. Brisforn, 
würtiiher Etatd-Rath, 
# 





Diefe Belanntmahung if zu Tarakterirtifch, als dag 
fie. ihren Imed! verfeblen koͤnnte. Schon die gute Wür- 
fung, welche fie in jener Gegend, mo fie zuerſt erfchien, 
hervorgebracht kat, würde mic von jeder weitern Ver⸗ 
breitung derſelben zurädhalten, wenn ich nicht befürdh- 
ten müßte, daß biefer Kandfteicher (die Benennung 
Abentbeurer, welche ibm die Mitanfche Anzeige im 
Freimütbigen giebt, ift in der That für ibm noch zu vor⸗ 
nehm ) fih auch. nach meinem Baterlande Preußen 
fchleichen, und dort durch ein neues Rollenfpiel mit 
‚meiner Berfon, Unruhe und Belümmerni bei meinen 
Berwandten veranlaffen fönnte. — Uebrigens ifies fein 
under, bag diefer Jacobi fich fo geſchickt in meine 
Perſon und Verhaͤltniſſe zu verſehen, und auf eine kurze 
Zeit Täufhungen und Verwechſelungen bervorjubrin» 
gen gewußt hat, da er nach allen Merkmalen offenbar 
derfelbe Menfch ift, welcher als ein Kandidat diefes Na- 
mens, von Hamburg gebürtig, mich vor zwei Jahren bier 
in Betersburg befuchte,, und fich mir als einen aus Si— 
birien zuruͤckehrenden Verwieſenen zu erkennen gab. 
Ob er mir gleich als firtlicher Menſch ſehr tief zu fteben 
ſchien, fo nabm ich ibn doc) freundlich auf, hörte die 
Ersählung feiner Schickſale theilnehmend an, und ließ 
ibn auch Manches von den meinigen vernehmen. Sch 
tbeilte mit ihm Speife und Tranf, und gab ihm beim 
Abfchiede ein Reiſegeld, mie es meine Lage und meine 
Kräfte erlaubten. Er bat, wenn er derfelbe Jacobi 
ik, als Unverfchämter und als Undankbarer doppelt 
ſchlecht an mir gehandelt, und die Verachtung aller 
Rechtichaffenen mag, wenn fein Gewiſſen, wenn Neue - 
und Schaam es nicht fönnen, feine ſchaͤndliche Handlung 
und feine Nichtswurdigfeit beftrafen. 

St. Petersburg den 24. Sept. a. St. 1504. 


Sriedrih Seider. 





Anzeige. 


Gewiſſen Leuten kurz und gut ihr albernes Spiel jun 
verderben, theile ich bier ein treues und. vollitändiges 
Berzeichnig meiner Schriften mit. Dan wird Sachen 
darunter finden, die ich jeht micht fchreiben wuͤrde, 
aber auch manche, die ich noch heute mit eben fo kuͤh⸗ 
nem Muthe, und grade fo fchreiben möchte, wenn es 
nicht fhon geſchehen wäre, und nichts, deifen ich mich 
zu fhämen babe, 


CLXxYIIL 


Verſuch über Dichtfunft.. 
1794 bei Hartinodı. 
Die Lerten in Liefland, von G. Merkel, 

1796 bei Gräff. 
Zmeite vermehrte Ausgabe, 1800 bei demfelben. 

4. Popens Lockenraub, meiriſch überfcht von ©, 
Merkel. Leipzig 1707 bei Feind. («Eine mißluns 
gene Taͤndelei. 

Hume und Nouffenu über den Urvertrag, nedſt 
einer Abhandlung über Beibeigenheit von G. Mer- 
tel. Leirzig 1797 bei Gräft. 

Die Ruͤckehr ins Vaterland. Ein Halbroman. Kos 
renbagen 1798 bei Broft. 

Supplement zu den Ketten, von G. Merkel. Beis 
mar 1798 bei Hofmann. 

Die Vorzeit Lieſlſands. Ein Denkmal des Pfafen- und 
Hittergeiflies, von G. Mertel; 2 Bode. Berlin 
1798 und 99 bei Bo. 

Eine Reifegefchichte. Ein Halbroman, vom Berf. der 
Ruͤckkehr ins Vaterland. Berlin 1709 bei Frölich. 

Voͤlkergemaͤlde, nebſt einer Abhandlung über die Ge 
fchichte der Menichheit, von &. Merkel. Kübel 
1500 bei Bobn. 

Erjäblungen von G. Merfel, Berlin 1500 bei 
ander, 

Briefe über Hamburg und Luͤbeck, von G. Merkel, 
Keipzig 1500 bei Hartinoch. 

Briefe an ein Frauenzimmer über die wichtigften Pro« 
dufte der fchönen Literatur, 26 Hefte. Bon 18500 — 
1803. Berlin bei Quien. 

Randzeichnungen von G. Merkel. Sechste Auflage. 
Berlin 1802 bei Quien. 

Wannem Ymanta. Eine Lettifhe Sage. Bon G. 
Merkel. Leipzig 1502 bei Hartknoch. 

Bruder Anton, ır Bd. Leipzig 1905 bei Hartfnod. 

Kürzere Arbeiten. 

Das Feben der Königin Fobanna 1. von Neapel; 

Biographie der Königin Ehriſtina von Schweden ; beide 
in den drei Srabrgängen der Ylala. 

Briefe über die Dichtfunf der Betten; über die daͤniſche 
Literatur sc. in Wielands deutfhem Merkur. 

Ein kurzer Nuffag im Genius der Zeit, der zufällig auch 
in der Geißel abgedrucdt wurde. 

Was beift Humanitdt ? Eine Rede. Ind. Eunsmia 1501. 

Ein vaar Aufſaͤhe in Woltmann’s Gefcichte und 


Politit. 
Zeitſchriften. 
Ernf und Scherz, herausgegeben von G. Merkel. 
Berlin 1903 bei Froͤlich. 
Der Freimirtbige oder Ernfi und Scherz, berausgeg. von 
Kopebueund Merkel. Berlin 1504 bei Froͤlich. 
Die literarifchen und artittifchen Artikel in den Berlir 
nifchen Nachrichten von Etaats » und gelebrten Sa— 
chen, bei Haube und Spener, vom isten Dftober 
1802 bis zum 15tem Geptember 1904. 
Berlin am 30. Oftober 1504, ©. Mertet 


(Ein LBehrgedicht.) . Riga 
Reipiig 


Bei Johann Wilhelm Schmidt in Berlin 
find folgende neue Werke erfchienen: - 


Mronsfon’s, Dr. J. E., Anleitung jum diätetifchen 
Gebrauch der Bäder, Nebſt Befchreibung der Wel— 
perfchen Badeanſtalt auf der Spree in Berlin. 2te 
mit einem Zweifel und Bedenken gegen die gewöhn⸗ 
kiche Lehte der Merjte von der Erfältung enthaltenden 
Anhange vermehrte und verbeiierte Ausgabe. Mit 
einer Vignette und drei Kupfern, 8. 1804. 18 Gr. 

Yuguflin, Dr. 5. C., Gefundheitsalmanadı zum Ges 
brauch für Diejenigen, weiche Berfehonerung des Höre 
vers, Erhaltung der Gefundheit und Verlängerung 
des Lebens wuͤnſchen. Mit Kupf. 16. 1 Thir. s Gr. 

— — Baus bat Deutichland und befonders der Preuß. 
Staat vorm gelben Ffeber zu befürchten ? 8 1305. 8 Gtr. 

Guücen’s erde Manderihaft ins A: DB» E oder 
Neuehte Berlinifbe Bilderſibel. 8. Mit As illumi⸗- 
nirten Kupfern. 12 Gr. 

Missellen, Preußiſch Brandenburaifche. Herausgeg. 
von Bratring, 1%, 28 Quartal, gr. 8. 1804. 2Thlr. 

Taſche nhuch, maurerifches, auf die Tabre 5503, 5804 
und 5305. 3 Jahrgänge. 16. 41803 — 5. Jeder 
Jahrgang 1 Thlr. 12 Gr. a Thlr. 12 Gr. 





Anzeige 
für Erzleher und Liebhaber mechaniſcher Känffe, 





Die von mir gegen Ende des Jahres 1803 angekuͤndig⸗ 
ten Apparate von Inſtrumenten zur Varvarbeit, durch 
welche sich die Befiger des Parparbeiters den Gebrauch 
diefes Buchs ſehr erleichtern fonnen, find bei mir forte 
während gegen voflfrei eingefendete Vorausbezablung 
des Betrags zu befommen. Das Eremplar koſtet o Tblr. 
8 Gr. fächiifch oder 16 FI. 48 Ze. rheinifch, wobei die 
Koften für Emballage mit eingerechnet find. — Die In—⸗ 
firumente find gegenwärtig noch volllommner und fihö« 
ner gearbeitet, und fie werden in dieſer Hinſicht in der 
Folge eher gewinnen als verlieren. 

Huch habe ich für diejenigen, welche fich mit einer 
Reihe der nothmwendigiien Inſtrumente begnügen mol 
len, eine woblfcilere Ausgabe von Apparaten veranfdak 
tet, wovon der Preis des Exemplars nur 4 Thlr. 12 Gr. 
fächfifch oder 8 Fl. 15 Er. rheinifch betrdat, 

Schnepfenthal bei Gotha dem 10. Dftob. 1504, 


Blaſche. 
Anzeige 





BGhbttingifdber 
Tafdhben: Ralender 


auf 


aber 


Mit Kupfern, 


» as 805. 


CLXXIX 


Diefer intereffante Kalender wird jedem Lichhaber der 
Kun und tes Geftmads wilfommen ſeyn, da er aus 
fer dem affronomiichen und genenlogifden Theil zabls 
reiche febr unterhaltende Muffäge enthält, melde ansies 
bend und belehrend gefchrieben, oder von dem ruͤhmlichũ 
detannten Verfaſſer aus aͤchten im Deutſchland wenig 
benuhten Quellen entlehnt find. Wir begnügen uns, 
einige Hauptrubrifen mitjutbeilen, da der Platz für 
dem ganzen Inhalt bier zu befchränft ti. 1) Der Her- 
j09 von Bug ingham und die Königin von Frankreich. 
2) Die Macht der Umſtaͤnde. 3: Die neue Nafe. d Jean 
Jacques im feiner Klaufe auf der Beters : Infel in der 
Schweil, 5 Wunderbare Errettung des Bertrand de 
Molevile, bei der unglüdlichen Septembrifirung zu Pa⸗ 
is u. f mw. Als cine Zugabe find verfchiedene Heine 
bierber gebörige Notizen abgehandelt, 5. B. über bie 
Groͤße, Vollemenge, Kriegsmacht umd Einkuͤnſte ver⸗ 
ſdiedener Staaten; über die Muͤnzfuͤße; über das neue 
Maß» und Gewicht: Soſtem in Frankreich ic. So ſehr 
ſich diefer Kalender durch die Bearbeitung der Materien 
ausjeichnet, fo iſt anderfeits fuͤr zwegmaͤßige Zierde 
durch Kupfer nicht minder geſorgt worden. Die An« 
zeige der Vorſtellungen und der Künfiler mögen dies vor⸗ 
läufig beweiſen. Zuerſt eim treilich gehochenes Bild niß 
des Herru Geh. Rath von Goͤthe nach Tiet’s Buͤſte 
ven Fr. Bolt. 1) Ein Mädchen vom Dberbasli. 
2) Ein Bauermädchen aus der Gegend von Bern. 
(Weide folorirt.) 
Moden vo ſtellen. Frühling, Sommer, Herbit und Win- 
ter; vier von einem berühmten Künftler verfertigte 
Blätter. Nun folgen im Tert: 1) Staubbah. 2 Bill: 
nis. 3) Auguſtenburg. 4 Eine Gegend bei Garlöbad. * 
5) Die Ruinen auf dem Schlofiberge bei Toplig. 6 Die 
Spike des Serails, von dem Pallaſt des engl. Befand- 
tem zu Peru ans gefeben. 7) Pallaft von Aquaviva bei 
Neapel, 8) Anficht der Stadt Valette auf Malta. 
9) Serlla an der Kühe von Kalabrien. 10) Cabillario 
auf den Avenninen. 41 Garten und Klofter der Kapu⸗ 
ziner bei Syracus. 12 Ausſicht zu Lago auf der Inſel 
Jichia. 

Alle diefe Kupfer, welche von dem geſchickten Herrn 
J. A. Darntedt geſtochen find, werden, fo mie der 
faubere und geſchmackvolle Druck, bemeiien, daf ich in 
allem Betracht und aus allen Kräften nach dem Beifall 
des Publitums gefirebt habe. 

Heinrih Dieterid. 





Abendzeitung. 





Bekanntlich fümmern wir Schriftteher und Druder 
ung insgefammt wenig um unfer Zeitaiter, und fchrei- 
ben und drucken licher gieich fiir die Ewigfeit. Yu 
mannichfaltigen Formen. So fhiüten wir ihr vormals 
fol lauter Folianten und Quactanten u, und feßten 
auch wohl wichtige Dinge hinein. Da aber. die meiſten 


Bier Kupfer, melde die neueilen - 


Buͤcher auf dem langen Wege liegen geblichen maren 
fo ſchoben wir das auf die Korpuleni der Bücher, uni 
fingen an, ihr forperliches und geiüiges Gewicht 11 ver- 
mindern. Mit taufend Screen jedoch mußten wir 
inne werden, daß von diefer nieblichen Waare beinabe 


. noch weniger die weite Ewigkeit erreichte. Vie lleicht 


zwingt man's durch die Menge, dachten wir hetnach, 
und fchicten folche Haufen Bücher ad, daß die ganze 
geräumige Emigfeit damit bitte angeſuͤllt werden fons 
nen. Allein furios genug! je mebr und ie niedlichere 
Sachen wir abſchickten, deilo weniger Tamen an. Die 
Eiteratur wurde immer dünner und dünner, und es 
giebt bereits verschiedene, die es mit einzelnen Blaͤttern 
darin veruchen, entweder, weil dergleichen durch einen. ı 
guten Windktoß in die Emigfeit geführt werden fönnten, 
oder — aus dem Tirel Zeitung zu fliehen — weil 
fie überdehifig find, die nabe Zeit diejer unerreichbaren 
Ewigkeit wegen, ju übergeben. . 

Unterzeichnete Haben fich daher ebenfalls entichlof- 
fen, wöchentlich zwei balbe Bogen, nicht dem Winte 
allein, fondern auch dem Zeitalter unter der Bench 
nung; 


Abendzeitung 


Preis gu neben. Um Lefer und Leſecinnen aus dem 
einförmigen Ernfte der Gefchäfte des Tages ein 
wenig berausgubeingen, fol Mannichfaltiafeit 
und Heiterkeit der Hauptcharafter tiefer, von aller 
Politik weit entfernten, Zeitung fegn. Im Berbindung 
mit auggejeichneten In = und Yusländern find wir im 
Stande, Angenehmes und Nüplidhes, fo wie 
eine birtreichende Verſchiedenbeit der Gegenſtaͤnde und 
des Ton's zu zufügen. Wenn auch unfre Zeitung in 
Anfehung des Inhalts mit der Zeitung für bie 
elegante Welt, dem Greimütbigen, der Au- 
rora, der Sphnug m. f. w. einige Mebnlichkeit er- 
balten muß, fo hoffen mir uns doch von den genann- 
ten Blättern dadurch zu unterfcheiden, dag wir allen 
Gegenfländen wo möglich ein heiteres Gewand 
umjugeben denfen. 

In welchem Berbältnife übrigens der Gehalt un- 
fres Blattes mit den eben genannten fich zeigen werde, 
darüber wird das gebildete Vublikum am beiten zu ur« 
tbeilen vermögen. Wir können bier blog ein eifriges 
Beſtreben verforechen,, ihm und uns ſelbſt Genuͤge zu 
leiten. Briefe und Beiträge bittet man unter der 
Adreſſe: An die Nedaftion ber Nbendbzjeitung - 
mit. einem gieiten Umſchlage an die Arnoldſche 
Buchbandlung im Dresden, oder aud, ohne 
lehtere bierber zu fenden. 

Dresden im Dftober 1504. 


Sr. Laun und Ronforten, 





i Diefe Zeitung wird mit Anfange des Jabres 1805 
wöchentlic; und zwar jedesmal Sonnabends ausge 
geben werden, und am biefem Tage auch in Leipzig 


u CLXXX 


bei der Churfuͤrſtl. Zeitungserpebition, fo mie in allen 
Buchhandlungen zu bekommen ſeyn. 

Es eng Sendung ein Titerarifhes Intelli- 
genzblatt und monatlich ein Kupferflich oder Mufl- 
blatt beigefügt werden und der ganze Jahrgang auf 
feines franzöfifches Medlanpapier gebrucdt nicht mehr 
als fünf Thaler often. 

Mir erfuchen ‚alle Lefegefellihaften, Fournalunters 
nehmer und Leibbibliothefare, daß fe den Titel biefer 
Zeitung ihrem fünftigen Journalverzeichniſſe einverlel- 
ben und fich die erſten vier Blätter beim nächiten Pofl- 
amt oder der Buchhandlung ihres Orts als Probeblät- 
ter geben laffen möchten. 

Arnoldfche Buchhandlung, 





Anzeige und Empfehlung 


für Eltern, die ihren Soͤhnen etwas gutes und lehr⸗ 
reiches ſchenken wollen, 


Der 
gute Züngling, gute Gatte und Vater 
oder 
Mittel, um e8 zu werden. 
Ein 
Gegenſtuͤck zu der Kunft ein gutes Mädchen zu werden 


von 
Johann Ludwig Ewald, 
amei Bände mit 8 Kupfern von Jury. 








Der Mann, der mit fo viel Kenntnif der Menfchen 
und ber Zeiten fo viel Gefühl und fo viel Wärme für 
das Gute verbindet — der Verfaſſer, der mit fo unges 
theiltem Beifall aufgenommenen Kunit, ein gutes 
Mädchen gu werden — mar vorzüglich dazu betu« 
fen, ein Wert, mie das bier anzujelgende ausjuarkei- 
ten — doch nicht zu bearbeiten — fein volles, lie⸗ 
bendes Gemüth bedurfte nur, fich auszuſprechen. 

Mit Ernit und Liebe fpricht cr zugleich zu dem 
Kopfe und zu dem Hergen des Jünglings, lebrt ibm 
das Schöne in dem ‚Guten, das Gute in dem Schoͤ— 
nen lieben, warnt ibn vor den Modethotheiten unierer 
Zeit, und int ibm allenthalben nicht gefürchteter Men« 
tor, fondern geliebter und vertrauter Freund, 

Diefes Werk it bei mir und in allen Buchband» 
Tungen Deutſchlands in folgenden Husgaben und zu 
beigefchten Preifen zu haben: 

Auf Schreibpanier, gebeftet 3 Tblr. 13 Gr. Daſ⸗ 
ſelbe in einem jchonen Einbande 4 Thlr. 5 Gr. Auf 
geglättetem Belinparier mit verändertem Formate im 
Pape 5 Thlr. 12 Gr. Auf Drudpapier ohne Kupfer 
wohlfeile Husgabe 2 Thle. 8 Gr. 

Frankfurt a. M. im Ditober 1804. 
Friedrich Wilmans, 


In allen Buchhandlungen iſt gu haben: 


Kants Todtenfeier 
»on 


Friedrich Auguft Chriſtian Merlin, 
PBrofeffor am Hriedriche » Gomnafium zu Altenburg. 





AYuf Drudpapier 10 Gr. auf Schreibpapier 12 Gr. 
auf Engl. Bapier 16 Br. auf das fhönfe Belin- 
Bapier 21 Gr.) 





Die Dichtfunft kann den Namen des verewigten 
weiſen Greifes nicht nennen, um über feinen Tod zu 
Magen; denn er iſt nicht au fruͤh für fein Wert ges 
florben, und lebt in feinem Merle fort. Gie wird 
vielmehr in der Erinnerung an das, was Kant als 
Menfc und als Gelehrter war, und in den Ideen, die 
feiner Philoſophie eigen find, wuͤrdige Giegenflände der. 
Bearbeitung finden, und einen Kranz von Blüthen, 
bie auf ihrem Gebiete forofiten, nicht als einen Schmud,, 
fondern als ein Dpfer dankbarer Liebe auf den Altar 
legen, den die Aulturgefchichte des menfchlichen Ge: 
fchlehts den Manen des Philofopben von Königsberg 
weihet. 

Genug uͤber den Zweck einer Schrift, die durch 
Beſorgung der unterzeichneten Verlagshandlung in 
einem wuͤrdigen Gewande erfcheiner. 

Altenburg, im Auguf 150%. 

Schnupbafifhe Buchhandlung. 


In der Schrift des nimlichen Berfaffers : 
Briefe über die Nachbildung der griedis 
fhen Tragödie u. f. m. 
fichet in der Anzeige der Druckfehler 
Aidonius ſtatt Aidoneus. 
Einige andere nicht angegebene Druckfehler wird der 
Leſer ſelbſt leicht bemerten. 


Der ſo eben in Hamburg erſchienene 
Unpartheiiſche Weltbericht. 
nal hiſtoriſch. politiſchen Iuhalts, 
ih in Berlin bei dem Buchhaͤndler Heinrich Froͤlich, 
Scharrnfirage No. 12. zu baben. Möchentfich erfcheint cin 
Bogen in 4.;3 der Jahrgang follet 2 Thlr. 16 Gr. Die 
erſten beiden Nummern, melche gleich geliefert werben, 
(1. Die. und 8. Dit.) enthalten: Einleitung, 
frans. Kaifertbum. Franı. Erpveditionnad 
England. Allianz; zwiſchen England und 
Rußland Deutfhland Dänncemart. 
Schweden Nordamerifa. Spanien No— 
tisen. Türfei. Bortugalf. Nufland. Groß: 
brittannien. Admiral Cornvallis. Die Abon- 
nenten können beftimmen, ob fie es wöchentlich oder 
monatlich verlangen, 


Ein Four: 





No. XLVI. 
Literarifher and artififher Anzeiger. 





* 


Als Beilage zum Freymuͤthigen oder Ernſt und Scherz 1804. 





Pe J. W. Schmidt, Breite Straße No. 8., ik 
erſchienen: 
Was hat Deutſchlond und inſonderheit der Preuß. 
Staat vom gelben Fieber zu befürchten, und 
welche Mittel find gegen die Ausbreitung Diefer 
Krankheit in unfern Gegenden zu ergreifen ? 

8. Berlin 1805. , 10 Br, m 
Dieſe fo eben cericienene Schrift entbält seine 
gründliche Unterfuhung über die Gefahr der nörbli- 
hen Gegenden vor jener Seuche, unb die Angabe ſeht 
wectmaͤßiger moch nicht geachteter, aljo neuer Sicher⸗ 
beitsmittel. Die gegenwärtigen Zeitumſtaͤnde geben 
derfelben eim ganz befonderes Intereſſe, melches durch 
die Art der Einfleidung und die Gruͤndlichkeit des 
BVerfafiers erhoͤht werden muß. 2 


+ 
1 





Berihrigung 


Pei der Anzeige der Breitfonfs Härtelfien 
Singſchule in No. 205 des Freimuͤthigen wird auf uns 
fere Geſanglebre bingedeutet, als erfcheine bic erſte Abe 
tbeilung (die eigentliche Lehre) nur im Auszuge. 
Alein die erfe Abtbeilung unferer Geſanglehre enthält 
die vollfiändige Heberfekung der Methatle de Chunt, 
folglich nicht im Auszug. Dies kbaͤtte der Nee. auch 
willen fönnen; denn unfere Ausgabe wurde weit früßer 
ausgegeben, als die Brettkopfſche. Daß. unfere 
Ausgabe wohlfeiler if, "dazu trägt bei? 1) eine woblbe⸗ 
rechnete kompreſſe Eintbeilung der Motenplatten, 2. die 
Reglafung des, hier ganz überflüfftgen fram-, 
zöftichen Terxtes, 3) die Sorafalt in der Auswahl der 
zum Unterrichte nötbigen Solfeggien und Arien im der‘ 
weiten und dritten Yerbeilung,; von benen das patifer 
Driginal eine ziemliche Menge von ganz alten Meiſtern 
enthält, dic das Werk nur volnminos und thewer 


machen. 

Auch ift es falſch, daß Br. und H. die Neberfehung 
feüber angefändigt haben, vielmehr Aft unfere Ankuͤn⸗ 
digung in vielen Zeitungen vom 1. Auguſt, jene von 
Br. und H. aber vom-3o. Auguſt. 

Hoffmeifter und Kuͤhnel. 


. 2 ' r — 1* nr 1 
Von.den in Dentichland geröhnlihen Gebraͤuchen bei 
Duellen , und über die Mittel, die Duelle abzuftellen, 
12 Gr, Diefe Imtereffante Schrift empfiehlt Ach ſelbſt, 


— 





ihr Verfaſſer, det viel Erfahrung gu haben ſcheint, um⸗ 
faßt die ganze Materie, und der Leſer wird in feiner 
Erwartung auf alle Weife befriedigt. 

Comptoir für Literatur, 


Runft- Anzeige 





Unterſchriebener und der Kunſiſchul- Direftör Brofeffor 
Brepfig in Danzig, haben imlepten verflofienen Fruͤh⸗ 
jahr ſechczehn dee ſchoͤnſten Gegenden bei und in Dan« 
sig angefangen. 

Bereits find ſchon einige Dem berühmten Bands 
{d)afts » Aunfiler und Kurfürfl. Hof -Kupferſtecher 
Halbewang in Garlsrube zugeſchickt, der fie ale in 
feiner umter allen Kunfifreunden fo fehr belichten 
SHarztufchmanier vervielfältigen wird... Die Blätter 
find exclusve des Mandes und der Unterfchrift 1 Fuß 
8 300 rheinl. lang und 1 Fuß 23 Zoll boch. 

Der Größe des Unternehmens wegen gehen wir dem 
Weg der Subfeription. 

Der Subferiptionzpreis iſt a Stück braunſchwarz 
gedruckt 2 Dutaten in Gelde und foloritt 3 Dufaten, 
in Gelde. “ ! ? 

Bis din A. Januar 1305 fleht die Subſeribtion 
offen, aledann iſt der Ladenpreis A Stuͤck braunſchwarz 
3 Dufaten und foldrirt A Dufaten in Golde feitgefeht. 
Die Blätter werden einzeln in drei' und drei Monat 
erfcheiten, fo wie der Kupferſtecher fie liefern Ham, 

Beſtellungen darauf nehmen an: in Hamburg, das 
miederfähfifche Literaturs und Indufttie- 
Eomptsir, Weimar, das Indufrie-&omptoir. 
Berlin, Hr. Fröl ich. Beimig, Hr. Barth. Wien, 
Hr. @eiflinger. Brag, Hr. Calve. Coprenhagen, 
Sr. Schubothe. Linden, Hr. Lackington Alten“ 
und Comp. Petersburg, Hr. Bisner: Moscau, Hr)’ 
Horn. Magdeburg, Hr. Keil. Riga, Hr. Hart⸗ 
mann. Dresden, Hrn. Gebrüder Walther. Po— 
fen, Hr. Kuühn. Paris, Hr. Henrichs. Bredan, 
Hr. W. ©. Korn. Warfhau, Hr. Pfaff. Luͤbech 
Sr. Bohn Dansig, bei 

+ Zobann Daniel Hindel, 
Maler aud Sachſen. 





Epanien nach Bangle von L. F. Freiherrn v. Bit: 
derbeck. Ein Taſchenbuch für 1905. Mannheim 
in der Goͤzſchen Buchhandlung. In Maroquin⸗ 


OLXXXII 


papier elegant gebunden 2 Thlr. 8 Gr. oder 4 Fl. 
12 Ar. 


Diefes huͤbſche Taſchenbuch, das in allen Buchbande 
lungen zu baten it, enthält ein aͤußerſt inreceſſantes 
pbilofopbiich > fentimentales Miniatur » Gemälde von 
Spanien, einem Lande, defien reijende Gefilde man 
mit Fifcher fo gerne durchwandert. Der rübmlichd 
befannte Feeibere von Bilderbed verdient gewiß 
durch feine launige Bearbeitung des pikanten Kangle 
den Dank der deutfchen Lefewelt. Die Berlagshand: 
hung bat es durch einen netten Drud auf Schhweigere 
Velinpapier und durch niedliche Anfichten von Spanien, 
(die adriatifche Hole — Malaga — Toledo — Alham- 
ber — Hardiales — Eadie) von Kunz gezeichnet und 
von Biffel geſtochen, fo elegant ausgeſtattet, daß fie 





bofen darf, man werde es nicht hinter feinen vielen Ges 


ſchwinern fichend finden, 


Eruft Morig Arndt's 
R-eifen 
due ER 
einen Theil Deutſchlands, Ungarns, Italiens 
und Franfreihs in den Jahren 1798 
LE und 1799 _ 





4Thle, 2te verbejerte und vermebrte Auflage. mit 


4 fchönen Holsichnitten von Gubitz, gr. s. & Thule, 
ohne diefe Holjfchnitte 6 Thlr. 





Endlich bin ich Stande, das Publifum von der völligen, 


Een diefes- Werks benachrichtigen » zu können. 
$ lag an den vier Holjfchnitten, welche, als Meiſter⸗ 
Hüce des ruͤhmlichſt belannten jungen Künfllers Gu⸗ 
biß,. dazu verfertigt, warden And. ch zwelffe, ob 
man je in Teutfchland etwas dem gleich in Holz ge- 
hnitten. aufzumeifen. ‚bat... Durch diefe Blätter: hat 


diefes Buch, welches einen allgemein anerkannter eis, 
gentbümlicen Werth. befint „ «ine Zierde erhalten, 
welche. dafelbe mit Fug und Recht verdient. — Ich. 


Habe, Troy diefes bedeutenten Aufwandes, dem Preis 


Diefer Neuen Auflage nicht erbeht. Die Erfie Auflage. 
in fchs Bänden. El. 8; follete.8 Tblr., dieſe in vier: 


Bänden gr. 8. mit dem Verbeflerungen, Vermehrun⸗ 
gen und Verfhönerungen koſtet eben fo viel. Obne 
die vier Blätter von Gubih auf ordinatrem. Bapier 
ib der Preis 6 Thlr. 

Die refp. Pränumeranten werden bei Ynficht die 
fer Anzeige Ihre Exemplare bereits haben. Wer ſich 
bis Ditermeffe 1805 an mich directe wendet, fol das 
Exemplar mit den vier Wlättern von Gubih nach 
für 6 Thlr. Cout. erhalten.» 

Leiprig im Oltober 1804. 
a Heinrich Graͤff. 





RR up land 
unter 
Ylerander dem Erſten. 
Eine Hiftorifche Zeitfärift 


Geraudgegeben 


von 9, Stord. 


Behnte Lieferung (<Julw 1804) 





1. Wohlthaͤtige Wirkfamfeit der Kaiferin Mutter, 

U. Wiederhergeſtellte Freibeit- und Anordnung der Fi⸗ 
fchereien am Kaspiſchen Meere, 

N. Verordnungen für die Ratierl. Univerfität zu Dor⸗ 
pat, in Betreff der Aufficht über die u ihrem Bes 
zirk gebörigen Schulen, 

IV. Der Gefundbrunnen zu Live. cMus einer noch 
nnacdrudten Abhandlung des Hru. Dr. Albini 
in Mostau. ) 

V. Fortidritte der Kolonifrung in Nufland. 

"Leipzig den’ Aten Oftober 1904. 
J. 5 Hartknoch. 


Anzeige 
für das leſende Publikum. 








Das ausgebreitete Oranienburger Leſe⸗FJIn— 
ſtitut dauert nicht nur fort, ſondern es find auch nach 
einer dreijährigen Erfahrung in dem Innern defielden 
vortheilkafte Neränterungen, vorgenommen worden, 
welche die Theilnahine, an demfelben srleichtern. Der 
nene Plan, melcer einem, jeden auf Verlangen zu⸗ 
gefandt wird, befagt das Naͤbere. — In diefem Monat 
exicheint auch der 22e Anhang des deutichen und, 
ein neues Supplement des franioffchen Katalog, 
welche durch Meichhaltigkeit die vorbergebenden noch 
übertreffen. werden. — — — Huch in dem Mufil« 
LeiheJInſtitute find zum Vortheile ver Treilnch- 
mer Feränderungen vorgensmpien morben. Wer beide 
Inüitute zugleich benugt, genießt mehrere Begunfi 

gungen. b 
Dranienburg den 1. Nov. 1804, ui * 
a ‚Audolph Merfmeifter, 
Duft Berlagshindter und Befiger dee 

großen oje: Jupkituts, 


— + ur 


Zeit: Tafel fr das Jap 
Re 


jum gemeinnhgiichenGebraud für Jez, 
dermann.' le iduminirte Kupfertafel 
auf einem halben Bogen. 


"4 





rn nr Au N 


OLXXXIII 


Dieſer auf eine eigene Art bequem geordnete Kalen⸗ 
der gewaͤhrt ſchon dem Auge einen gefaͤlligen Anblid, 
Die prachtvollen Farben des Regendogens find bier 
richt blos zur Zierde, ſondern bauptfächlich zur fchnel« 
fern teberficht angewandt worden. In tabellarifcher 
Form zeigt dieſe Zeit» Tafel die vergleichende Zuſam⸗ 
menftelung von dreien Kalendern, dem verbeflerten all 
gemeinen, dem rufifchen und franzößfchen, und wird 
beim Augenſchein jeder uͤberzeugt werten, daß dieſe 
Einrichtung dem Nuhen angemeſſen iſt, und fie we⸗ 
ſentliche Borzuͤge vor den gewöhnlichen Wand» Kalens 
dern babe. Erreicht fie den zu beffenden Beifall, fo 
wird jährlich die Fortſetzung rricheinen. 

Das Ganze beſteht aus dreizehn neben und herun⸗ 
terwaͤrts zufammengeftellten Heinen Täfelchen, beren 
gwölf für die Monate beſtimmt und iduminirt find. 
Das dreisehnte obenan fehende gröfere aber enthält 
aufer dem Titel folgende allegorifche Borfiellung : 
Saturn, der fabelhnfte Bott der Zeit, entfchleiert durch 
einen zurüdgegsgenen Vorhang ten Schauplatz der 
Natur, die von der aufnebenden Morgenfonne, dem 
fihtdarem Repräfentanten des alles belebenden und ers 
baltenden Urweſens, erleuchtet und fruchtbar gemacht 
wird, Der flaunende Saturn vermag den Glanz des 
blendenden feurigen Koloſſes nicht zu ertrasen; daber 
it ibm der Schatten des Vorbanges milltommen, Ges 
genüber sichen dichte Molten: eine Scheidewand zwi⸗ 
fhen Tag nnd Nacht. Eine Gegend des märhtlichen 
atſtirnten Himmels zeigt das praͤchtige Geſtirn des 
Dirton; einen fleinen Theil der fogenannten Milch: 
firake nnd den untergehenden blafen Mond. 

Diefe mit Fleiß gearbeitete Tafel wird auf fchd« 
nem Papier abgedrude und illuminirt bald nach der 
Micnelismefle oder doch ſpaͤteſſene im Anfange des 


Dejembermonats fertig und für 12 Gr. au baten fern.’ 


12 Etentplare gufammen werden für 1 friedrichsd’or 
oder 5 Thlr. in old; 25 Exemplare aber flır 5 Thlr. 
in Konied’or 4 5 Thlr. verlafen, wogegen aber baare 
aablung WÄD portofreie Einſendung der Gelder und 
Briefe erwartet wird. 

AIn' Hamburg bat die Bachmann-Gunder⸗ 
mannſche Buchhandlung die Kommiſſton üͤbernem⸗ 
men, bei welcher die uͤbrigen Buchhandſungen und 
loͤblichen Poſtaͤnter ihre Pefellungen ja machen bes 
lieben. Leipziger Michaelismeſſe 1504, 





Nadhıridhe, 
das Nordiſche Archiv betreffend, 


Unter cichnete Buchhandlung ermangelt nicht, kier: 
durch bekannt zu machen, daß bie feit mei Fahren 
vom Bublifum gütig aufgenommene Zeitfchrift: Nor 
difhes Archiv, auch im Jahr 1505 ununterbrochen. 
erfcbeinen wird. Um fie den Leſern in Deutſchland 
fo geſchwind als möglich- in die Hände zu bringen,’ 


damit durch Werzug diefes Fourmal ben Mei der Neu: 
beit micht verliere, iR mit dem Königl. Preuf. 
Grenz « Boftamt zu Memel die Werabrebung ge: 
troften werden, es monatlich für 4 Thlr. ſaͤchſ. oder 
preuß. den Buchhandlungen in Deutichland france 
mit der Bot zu liefern. Zur Meſſe ift künftig der Las 
denpreis 5 Thlr. Man wendet fich daher mit feinen 
Befielungen an die refpectiven Poſtaͤmter jeden Orts 
oder au an unfern Gommiffiondr, Heren Wilhelm 
Rein und Comp. in Leipiig. 
Miga im Oktober 1904. 
Mordiſche Tommiffionshandlung. 


DAB. Fr. Barth jun. im Vreslan find folgende 

Merle erſchienen: 

Chriſtliche Erbauungen und Betrachtungen zum 
Todtlachen. Ein Seitenftü zu den Predigten 
zum Zodtlachen. 8. 8 Gr. 

Auch Betrachtimgen zum — Lachen koͤnnen heilfam 
ſeyn. Die gegenwärtigen bezwecken dies, indem fie — 
zwar als Seitenſtuͤck ju den genannten Predigten an« 
gegeben — aber mehr auf Tbatiachen begründet find, 
deren Läcberlichfeit Reſultate, die nuͤhen, herbeiführen, 
und — — mas das Todtlachen betrifft — Scherze um 
Scherje drehen, S 


Der Breslauiſche Erzaͤhler. Eine Wocheuſchrift 

mit Kpfru. Erſter bis flnfter Jahrg. Heraus⸗ 
gegeben von Fuͤlleborn, hernach von Rhode. 
8. der Jahrg. 3 Thlr. 16 Gr. 

Dieſe Wochenſchrift, die bereits den Beifall mehrerer 
Literaturzeitungen erhalten hat, kann man um fo mebr 
empfehlen, als fie durch Meichhalttgkeit aus dem Ge⸗ 
biete des Schönen und Müplichen fich dazu eignet, auch 
dem Auslande eine unterbaltende Lektuͤre zu gewaͤhren. 
Die Tendenz diefer Wochenſchrift gebet dabin, durch 
Erzählungen, dramatiſche Aufſaͤhe, Gedichte, hiflorifche 
Anfichten der Vor: und Jetztwelt, Anekdoten, Raͤthſel 
und Chataden, das Schöne mit dem Nuͤtzlichen zu ver- 
binden, und alle Klafien von Leſern zu unterhalten. 
Der feel. Fuͤleborn führte diefe Tendenz fihon aus und 
Hr. Rhode bleibet ihr mit Fülle und Kraft getreu, 
Handbuch der fehlefifhen Gefchichte fr. Liebhaber 

und Schullehrer von J. D. Henſel. ate Aufl. 
8. 12 Gr. FRE 
Kurzer Abriß der .fehlefifchen Gefchichte, ald Leite 
faden zum Unterrichte in niedern Schulen von 
demfelben. 2te men vermehrte Aufl. 8.3 The. 

Diefe imei Buͤchelchen, deren erfie Aufl. in der 

Fenaifchen Eiteraturzeitung und in der allgemeinen 


deutſchen Bibliothek ſehr vortheilhaft rejenfirt wurde, 
find zum Unterricht in den niedern Schulen zwellmä 


gLXxXxXIFı 


fige Kompendien, deren Nuten anlaͤugbar If, da de 
in einer nolfdndigen und gedrängten Darfiellung der 
ſchleſiſchen Geſchichte bis auf bie neuchen Zeiten die 
Jugend faßlicdh belehren und ben Lehrer ſelbſt leiten. 


Der muſtkaliſche Kinderfreund. Eine Aus— 
wahl von Liedern zur veredelnden und fröhlichen 
Unterhaltung im häuslichen Kreife; herausgegeben 
von J. ©. Engelmannn, Frankfurt a. M. 
bei J. € B. Mohr, 

auf welchen, befonders die zahlreichen Beſitzer des 

neuen Rinderfreundes, herausgegeben in Verbindung 

mit mehreren prattifchen Erziebern von J. B. Eu⸗ 
gelmann, gewiß mit Verlangen harten, — if fo 
eben fertig geworden und im jeder guten Buch» und 

Mufitbandlung — der Tert auf fehonem Schrelbpar. 

roh, die: Muſik gefhmadvol gebunden, unzertrennlich 

für 2 Thlr. oder 3 Fl. zu haben. Epemplare des Ter 
tes fann man auf weichem Drudpap, für 8 Gr. ober 

36 Zr. auch einzeln haben. 

Die Sammlung enthält 43 Lieder mit ihren Me— 
fodieen fürs. Clavier; — fie if nach dem Plane des 
Herausgebers fomohl für Zünglinge and Jungfrauen, 
als für Knaben und Mädchen beftimmt; es ifl darin 
aufgenommen, mas leicht, einfach, edel if, mas find» 
lich and gut if, wie es für den reinen Menſchen 
pÄßt 1c. — und darum Aonnen Eltern und Jugend« 
freunde ihren Lieben fie ohne Sorge in die Hände 
schen, 


An Eltern und. Erzieher, 


An. der. Buchhandlung der Erziebungsanfalt if er⸗ 
{dienen und in allen Buchhandlungen zu baben; } 
Gymnaſtik für die Jugend, enthaltend eine prak⸗ 
tifche Anweiſung zu Leibesübungen. Lin Bels, 
trag zur: noͤthigſten Verbeſſerung ber koͤrperli⸗ 
chen Erziehung. Bon J. €. fr. Gutsmuthe, 
Fuͤrſti. NW. Hofralh und Mitarbeiter an der, 
Erziehungsanftalt zu Edjnepfenthal. Breite 
durchaus umgehrbeitete und ſtark vermehrte Aus⸗ 
gabe mit 12 von dem Derfaffer gezrichneten 
Kupfertafeln. 1804. XVI u. 528 ©, gr. Died. 8. 

Preis 3 Thlr, 

Der Gegenſiand diefer Schrift ift für die Erziehung 
det nufmachfenden Jugend von Wichtigfeit, wenn es 
anders wahr if, was die gründlichiien Paͤdagogen be» 
baupten, daß auch der Körper ergogen werben müffe. 
Der Verfaffer bat im diefer zweiten Ansgabe feine feit 
sehn Jahren forgfam fortgefehten Erfahrungen nieders 
gelegt, dadurch if eine neue Schrift entitanden, bie mit 
der erfien Husgabe wenig gemein bat. Die Hebungen 
find im diefer zweiten voltändiger,, foRematifcher und 
durchans fo praktiſch beicrieben, daß jeder Ersicher, 
der fe einſtudirt, die Ausführung mit feinen Zöglingen 
übernehmen fan. 


Da ih einmal als Groß + Prior des meltlichen Stifte 
Ritter» Ordens des heil. Joachim, alſo als der nächte 
Beamte nach des Herrn Großmeiſters Erlaucht, in ber 
Zeitung für die elegante Welt öffentlich genannt wor« 
den bin, fo babe ich mich gedrungen gefeben, über die 
Urt und Weife, wie mir biefe unverdiente Ehre zu Theil 
geworden dt, mich im der mämlichen Zeitung Öffentlich 
zu erflären. Inter die vorgiiglichhen Gründe, mir jene 
Ehre nicht zu verbitten, gebörte der fchöne Zug der Dr« 
dens · Statuten, daß er nicht einzig dem zufälligen Vor⸗ 
gügen der Geburt, fondern auch dem Verdien ſte ge 
Öffnet fegn, alfo nicht adelige Ehren - Mitglieder auf 
genommen werden follten. Dies ift feit kurzem ju mei 
nem großen Vergnügen mit einigen fhägbaren Gelehr⸗ 
ten der Fall geweien, Defte midriger war es mir, fürpe 
dich in ver Berichtigung einer irrigen Nachricht im 
Hamb. unyartb. Correfvond, eine wohl nicht abfi.utliche, 
aber doch immer eine Kräntung des Herrn Doftors und 
Aſſeſſors Reinhard zu Giöftingen zu finden. Ex war 
nämlich als Ehren» Ritter angefündet worden, und dies 
wurde im jener Berichtigung mit der Bemerkung zurüde 
genommen, daß er blos Ehren» Mitglied fey. 
Allerdings ik Hr. M. als Ehreu-Mitglied aufe 
genommen, und kann mach den Statuten nicht Ritter 
fepn, bat auch daramf mie Mufpruch gemacht, Aber diefe 
Urt der Berichtigung , diefes berbe , den höchſten ariſto⸗ 
tratiſchen Geiſt athmende, einen verdienten Mann ber 
mütbigen follende Wort blos Hätte der Berichtiger 
nicht wählen ſollen, wenn anders die Sache der Berich⸗ 
tigung wertb warı oe 
Ich ehre Die gefehlichen Borzuͤge der Geburt, wenn 
ich ſchou Hol; darauf feon würde, fie als eines Auſprucht 
auf Achtung, miche zu bedürfen; aber ich fehe mich, 
durch die gerechte Beſchwerde des würdigen Hrn. Dofs 
tore und Afichhers Reinhard, und durd den Antheil, 
den ich am feiner Aufnahme hatte, veranlaft, öffentlich 
su erklaͤren, daß ich den Drden durch den Beitritt ver- 
Dieniivoller Gelehrten, alfo namentlich auch des Herrn 
Doktors und Aiefforse Reinhard; geebrt finde, alſo, 


in fo fern die gedachte Berichtigung nicht einzig. bie: 


Beurkundung der Einhaltung der Statuten beugedt, 


mit der Eigemjchaft eines Ehren » Mitglieds wenigſtens 


den nämlihen Grad von Auszeichnung, als eines 
bloßen Epren » Ritters verbinde, daß ich den 
Geit und Sinn der Statuten fo und. nicht anders zu 
faſſen vermag, und, wenn ihm eine andere Deutung. ge 
geben werden mollte, mich eher davon zurudjiehen, als 
jene Grumdfäge aufgeben.wollte. . +. 

Bürjburg dem 23ſten Ditober 1804. . 

Aulius Graf von Soden. 


Urah der Wilde, 


Koman aus ben Mitterjeiten, 2 Bände mit Aus: 


pfern und Vignetten. 8. Feipgig, bei Th. See⸗ 
ger. Preis: 2 hie, 16 Or, 
Mer am Lefen der Ritterromane Vergnügen findet, 
wird gewiß durch diefen Urach volllommen befriedigt. 





No. XLVIL. 
Literarifher und artiſtiſcher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 





Dei Anton Doll, Buchhändler in Wien, if er- 
ſchienen und bei A. ©. Biebesfind im Leipzig in 
Kommiffion zu baben: 


Hiftorifhes Tafhenbud. 


Mit befonderer Hinſicht auf die öfterreichifchen 
Staaten, — Auch unter dem Titel: Gefchichte 
des ıgten Jahrhunderts, 18 Bändchen. Ge: 
f&hichte des Jahres 1801. Mit 4 prächtigen Ku: 
pfern, dem ortraite des Erzherzjogs Karl und 
einer Vignette. Auf fehr ſchoͤnem hollaͤnd. Papier. 
8. Wien 1805. In gefhmadvollem Umfeplage 
broſchirt 3 Thlr. 


Nicht gang verdienſtlos dürfte ein Unternehmen 
feon, wodurch jährlich alles das zuſammen getragen und 
mit Giedrängtbeit dargefellt wurde, mas in der Ge 
fchichte des Jabres überhaupt, und insbefondere für Des 
fierreich, intereffant if. Ein ſolches Jahtbuch würde 
bei einer zwedmaͤßigen Einrichtung allerdings eine nuͤtz⸗ 
liche und unterbaltende Lectuͤre für jede Klaſſe von Bes 
fern gewähren; koͤnnte vieleicht zur Belebung des Nas 

tionalgeiftes und sur Ermunterung des Patriotiemus 
fräftig wirken; dürfte felbt dem fünftigen Geſchicht⸗ 
fchreiber Defterreihs willlommen ſeyn. — Wie dieſes 
Bänden die Gefchichte des Jahres ısoı enthält, Toll 
jedes künftige die Begebenheiten eines folgeuden ab: 
res umfaſſen. Diefer Jahrgang zerfält im folgende 
Haupttbetle: 4. Nusländifche wichtige Begebenkeiten 
des Jabres: Einleitung, befichend aus einer Ueberſicht 
des verfloßnen Jahrhunderts, um den Faden an die dir 
tere Geſchichte anzufihliefen. Der Lüneriller Friebe, 
Gefchichte der Nortiicen Allianz. Eroberung Egyp- 
tens durch die Engländer, Friede zwiſchen Frankreich 
und Neaptl, Vortuqgall, England, Mufland und der 
Bforte. 
rungsveränderung in Holland und der Schweiß. Kö« 
niareich Hetrurien. Mepublif der fieben Anfeln. Neue 
Gonftitution von Lucca. Ciſalviniſche Mepublif, Ver⸗ 
einiqung Irrlands mit England. Pius VI. Wicder- 
berfielung der Religion in Franfeeich. Paswan Dalu, 
Toufaint Ouvertuͤre. 2. Innere Angelegenbeiten De: 
erreiche: Verbefferungen im Finanzfach, im Geſchaͤfts⸗ 
gang, Errichtung des Staats- und Gonfereny « Miniite- 
riums, neue Draanifation des Hoftriegsraths, Beförde— 
zung der Induſteie, Verbefierung der Balizei n. f. w. 


— — O DI DIS 


Entſchaͤdigungsſache in Deutichland. Regie: 





Heberficht der inldndifchen Literatur. Theater. Muflf. 
Bildende Künfte. Neue inländische Erfindungen. Kurs 


« ger Mefrolog der merfmürdigiien Verſtorbenen in Oeſier⸗ 


reich während biefes Jahres. — Drud, Papier, Kupfer 
und Umſchlag find fo fchön, daß man diefes Tafchenbuch 
den fchönken deutfchen Ausgaben an die Seite fchen darf. 


Taſchenbuſh 

für Freunde ſchoͤner vaterlaͤndiſcher Gegenden. 
Dom Verfaſſer der Streifzuͤge nach Venedig. — 
Auch mit dem Titel: Maleriſche Streifzuͤge durch 
bie intereffanteften Gegenden um Wien, 16 Bands 
hen. Mit 6 präctigen Rupfern und 2 Vignet⸗ 
ten. Auf fehr ſchoͤnem bolländ. Papier, 8. Wien 
1005. In geſchmackvollem Umſchlage broſchirt 
3 Thlr. 

Der ſchon ruͤhmlich bekannte Verfaſſer dieſer Stteif⸗ 
jüge wagt es bier, nicht nur von Deſterreichs bluͤben⸗ 
dem Körper, ſondern auch von feiner Seele den Bewoh⸗ 
nen ein Bild zu entwerfen, und gu vereinigen, mas 
beinahe immer getrennt ericheint: Naturmalerei, Sta⸗ 
tiſtif und Voͤlkerbeſchreibung. — Diejes Bändchen 
enthalt eine malerifhe Schilderung von Lareınburg, 
Schoͤnau und Röslau. Als Einleitung flieht ein Aufſatz 
über Miederofterreichs Große, Bevölkerung und Lande 
bemohner im Nlgemeinen ; über die Sucht der Städter, 
auf dem Lande fich amzuficdeln, und ibre Verhältnire 
zu den Landleuten. — Die von Matillard prächtig 
gezeichneten und von Blafchfe ſehr fhöm geſtochenen 
Kupfer ſtelen folgende Gegenfiände dar: 1) den Waſſer- 
fall beim Fifcherdörfchen, 2 das Ritterſchloß, 3 das 
Haus der Laune in Larenburg, 4 die Fiicherhütte, 
5, Alringer’s Dentmabl, & den Waileriviegel beim, 
Tempel der Nacht in Schönau; bie zwei Vignetten 
über Fofenb's Dentmahl in Larenburg und des Gras 
fen Fries Denkmahl in Röslau. — Bon den Aeußern 
diefes Werfes gilt eben das, mas oben von dem hiſtori⸗ 
{chen Tafchenbuche gefant wurde. 





Don denen ale Bewunderung erregenden, mit ber, 
böchten Kunst verfertigten Schwimmen Deiterreichs iſt 
nun die dritte Lieferung erfchienen, und verdient, wie 
die vorbergehenden, den größten Beifall aller Bewunde⸗ 
rer des Schönen und Nuͤhlichen. — Der Tert, welcher 
diefes fchöne Kabinet bekleidet, iſt überaus lehrreich 
und fahlich. 


CLXXxxwriI 


Beim Verleger dieſes feltenen Werkes — bei Bei- 
ſtinger zu Wien — iſt auch zu haben: 

Meue Zeitung der Indufrie und Epefulation, 

herausgegeben von einer Geſellſchaft Freunde 

bes GButen und Gemeinnügigen. Wien 1804 

Johrlich 3 Tpir, 





Anzeige 
von nützlichen Werten für Damen. 

Henriette Jü gel, Desscins nouveaux de broderie 
sur le Canevas, 4. 6 Thlr, 

Johannot, Desscins nouvesux de broderie d’aprös 
les plus nouve ux medelles frangois, anglois et de 
propre invention, fu. 8 Thlr. 

Mufer, neue, zum Sticken in Seide, Bold, Silber 
und zum Weißnaͤhen auf Mouſſelin und Pıitiner, 
2 Hefte, der erſte und jmweite a 2 Thle,, der dritte 
4 Thlr. 

Bectionsöiätter fir Blumenzeichner und Zeihne-innen, 
mit beigelegten ſchwarzen Abdruͤcken, um das Sticken 
darnadı ju erleiäteri, 4. 6 Tble, 

Diefe verſchiedenen Werke find in Leipzig bei 

Frieder, Auguſt Leo und im den meiſten auswaͤrti— 

gen Buchs und Kunſthaudlungen ju betommen. 


Sandbud 
r 





fa 
Jäger, Jagdberechtigte und Yagdliebhaber 


von 

Georg Franz Dietrich aus dem Minfell, 

Erſier Theil, 30 Bogen Tegt, 1 Kupfer iu Folio, 4 Ta» 

bellen und Mufif. ger. 8. Preis: 2 Thlr. 12 Gr, 

auf Drudpapier, 3 Thlr. 8 Gr. auf Schreibpapier, 
Pei Anſſcht diefer Angelge werden die reſp. Subſeri⸗ 
benten, melche fich beſtimmt gemeldet, ihre Eremplare 
erhalten haben. Ich fchmeichle mir, daß ich die Zufries 
denheit aller befördert babe, denn ich bin mir bemußt, 
mein Berfprechen vedlich erfüllt iu. haben. — Ob der 
Herr Verfaffer den Danf des Publikums verdiene? dieſe 
Frage au beantworten liegt aufer meinen Kräften; 
mern aber das Zeugniß eines Laien: daß der Herr 
von Wintel mit rafilofem Eifer dahin ger 
arbeitet bat und woc arbeitet, diefem 
Buche die mönlichf aröfte Volltommen— 
beit sn geben, nicht ganz zu verwerfen it, fo lege 
ich diefes Zeugniß hiermit öffentlich ab. 

Der zweite und lcehte Theil fol, wenn es anders 
möglich if, bis Ende dieſes Jahres erfcheinen. Der 
Ladenpreis des ganzen Werkes auf Drudpapier wird 
5 Thlr., auf Screibvap. 6 Thlr. 16 @r. ſeyn; für die 
Liebhaber Hchen einige wenige Exemplare auf Schmei- 
jerrapier gu 8 Thle. zu rss 

keipjig im Dftober 1504. - 
* Heintich Graͤff. 


Anzeige fir Eltern und Erzieher. 

An Georg Trachsler’s Verlagshandlung in Zü« 

ri find feit kurzer Zeit erfchienen und in allen Buch⸗ 

bandiunnen ju haben: 

Galleriv ice vernehmien Kuͤnfte und Handwerk, Ein 
lehrreiches und unterhaltendes Bilderbuch fiir die 
Sugend, Ar TEL 8 Mit ausgenalten Kunfern 
2 Thle. 8 Gr. Mit braunen Fupf. 1 Thlr. 14 Or, 

Galiırie der merkwuͤrdigfen Sdugetöiere, Ein fehes 
reiches und umterbaitendes Bilderbuch für die Fur 
gend. Zwelte verbefferte Auflage mit 21 Kupfern, 8. 
1 Thle, Gr. 

Fabelleſe, kleine, für die Jugend, von Pfeffel, 
Tiedge, Weiße und amdern, Mit iluminirten 
Kupfern, 12. 20 Gr, 

A:B>C: Buch, neues, mit Leſcuͤbungen aus der Nar 
turgefchichte und 25 ilum. Kupf. 8. 16 Gr. 

Dieſe Schriften empfehlen fich foreobl durch ihren 
Inhalt, als auch durch richtige Zeichnung, acichnarfe 
vole Flumination der Aupfer umd ichönen Druck vor 
vielen andern Jugendfchriften und eignen ſich daber 
vorzüglich zu Weihnachts» Geſchenken. Sie find ſaͤmmt ⸗ 
lich fon gebunden. 


Dei une ik erfchienen:: 
Krummacher's (Profeffer in Duisburg) Pas 
rabeln, 8. brechirt zo Gr. 
Ein Außert vortrefliches Werfhen zur angench- 
men und nühlichen Leetüͤre. 
Duisburg den 2siien Dftoner 1804. 
Baͤdeker und Comp. 


Jacob Glag 


Naturhiſtoriſches Bilder : und Lefebuch, oder Erz 
zählungen Über Gegenſtaͤnde aus den drei Reichen 
der Natur. Mebſt 300 illuminirten Abbildungen 
von Horny und einer kurzen Erklärung berfelben 
in Derfen; gr, 8. gebunden 4 Thlr. 


Dies Buch eignet ſich gewiß vor vielen andern zu 
einem eben fo annenehmen als nthlichen 
Weihnachtégeſchenke. 

Der Tegt liefert eine Folge intereſſanter Erzaͤh⸗ 
lungen, welche die Zur gu einem fortentatifchen Unter 
richt in der Naturgefchichte erwecken und befeben ; der 
deutliche micht enge Drud auf ſchoͤnem weißen Pas 
vier erleictest den Kindern das Leſen und reist fie 
dazu an; die Kupfer find richtia gejeichnet, ſinnvoll 
gruppirt und febr forgfältig iNuminirt. So bildet das 
Buch ein Ganzes, zu dem bie Kinder mit immer ers 
neuerter Freude zuruͤclehren. 

Jena. 








Friedrich Fromman. 





cSLXXxvıı 


Unzeige 


Gefanglehre 
des 
Eonfervatoriums in Paris. 


Enthaltend die Grundregeln des Geſanges, Hebun- 
gen für die Stimme, Sol⸗eggien aus den beften dltern 
und neuern Werfen, und Arien in jeder Art von Be; 
megung und Charakter. Verfaßt von Bernardo 
Mengossi, Cberubini, Garat, Boffer, 
Mehul, Nicher, Ginguend, Langle, Blans 
tade und Guichard. 

Die Namen der berühmten Künftler, die ihre Ein« 
fihten und Erfahrungen über den richtigen und fchö« 
nen Geſang in dieſem Werke niedergelegt haben, lafs 
fen am fich ſchon erwarten, daß bier etwas Vorzuͤgli⸗ 
ches und zum Theil noch nicht Vorbandenes geleitet 
morden it. So fcharf und genau, als die fehr mefents 
lichen Megeln des Atbemtolens, des Treaaens ber 
Stimme u. f. m. bier tbeorerifch und praftifch gegeben 
find, fo viel fpezielle Bemerkungen über den Charafter 
einer jeden Gefangsart, über den Ausdruck und Vor— 
trag u. f. w. durchgängig durch inſtruetive Beiſpiele 
in Noten erläutert, befonders aber folche planmaͤßig 
geordnete Mufer von Gefängen — finden fich im feis 
nem andern Lehrbuche. 

Wir boffen alfo, den angebenden Sängern und 
Eingerinnen mit der treuen und gefchmadvollen He: 
berſetung dieſes Merles ein willommenes Geſchenk 
gemacht zu baben; um fo mehr, da wir durch eine 
ſchicklichere Auflage cdie ſranzoſiſche Ausgabe koſtet 
9 Tblr.) daſſelbe nicht zu volumineus und folglich viel 
mwohlfeiler haben erfcheinen laſſen. 

Im Pränumerationspreis, welcher aber nur bis 
Ente Oktober d. J. geltend war, Koſtete es 2 Thlr. 12 Gr., 
welche franco an ung einzufenden find. Sammler er« 
balten das 5te Exemplar frei. Der Badenpreis if 
böher. In der Michaelis- Meile ih das Werk aus— 
gegeben. 

Leipzig, 1804, 





Bureau de Musique. 
Hoffmeifter und Kübnel, 


Berlagsbüder 
bei 
Chriſtian Gottlieb Rabenporft, 
Buchhaͤndler in Zeinzig. 

Die Preife find zugleich in Fonventiond + und Reichsgelde angegeben. 
Beine Drude in Tafhenformat: 
Dictionnaire de poche (nouyeau) Frangäis-Alle- 
mand et Allemand-Frungais, enrichi des mots 
mouveaux gencralement regus dans les deux 





langues, des tables des verbes irreguliers, des 
nouvelles mesures et des poids et monnaies 
de la Republique frangaise. Troisieme edi- 
tion originale, revue, corrigee, augmentee d’un 
grand nombre d’articles, et specialement des 
termes de la nouvelle nomenclature chimique, 
II Parties, 

Di:zionario portatile (nuovo) Italiano Tedesco 
e Tedesco - Italiano, compendiato da quello 
d’Alberti; arriechito di tutti i termini proprj 
delle scienze e dell’ arti, ed accresciuto di 
molti articoli, e della geografiaa Tomi II, 

Pocket - Dictionary (the new) of the English 
and German lenguages, composed chiefly af- 
ter the Dictionaries of Adelung, Johnson and 
others of the best authorities, In which the 
parts of speech, and tlıe genders of the ger- 
man nouns, are properly distinguished; each 
word accented according to its just and na- 
tural pronunciation; and the irregularities of 
the english and german verbs duly marked, 
U Parts, 

Alle drei auf franz. Schreibpap. und broſchirt. 
Preis eines jeden: 2 Thlr. oder 3 Fl. 36 Er, 

Mit Hülfe des zarten und fomprefien Berl Drut- 

fes in dreifachen Kolumnen fonnte man dieſen Ta— 
fchenmwörterbüchern der frangöffchen, italienifhen und 
englifchen Sprache die zweckmaͤßige innere Einrichtung 
und das Gefällige der Form geben, wodurch fie fich 
von andern Buͤchern ber Art fo auffallend unterfchei- 
den. Es werden daher Reifende und folche Perfonen, 
die bei einer ausgedehntern Kenntnig der Sprache über 
ein Mort fchnele Auskunft haben wollen, nicht leicht 
ſelbſt nach fehr langem Gebrauche in den Ball kom⸗ 
men, bier vergebens nachzufchlagen und Anfänger fo 
wohl die Grundbedentungen als die gewoͤhnlichſten me= 
tapborifchen, fo beilimmt angegeben und gut geordnet 
finden, daf es ihnen nicht ſchwer fallen fann, die paſ⸗ 
fende mit Sicherheit auszumäblen. Lehtern bietet ſich 
auch befonders in den erlduternden Zufäpen und ben 

Übrigen für dieſen Endzweck zunaͤchtt berechneten An⸗ 

gaben ein zuverlaͤſſiget Mittel dar, an Zeit und an 

oründlicher Keuntnig der Eprache zu gewinnen. Zu 


„der Folge diefer Wörterbücher gehört noch ein viertes 


von etwas größerm Format und Drud, unter dem 

Titel: 

Handwoͤrterbuch der deutſchen Eprache, zum Ge: 
brauche des Lefens, Sprechens und Echreibens, 
mit Angabe der naͤchſten finnverwandten Wörter 
und einer einen Sprachlehre. Nach ben beften 
deutfhen Sprachforſchern. 2 Thlr. oder 3 Sl. 
36 £r. 

welches ſchon als der erfle Berfuch eines deutfchen 


CLXxXxVvısı 


Handwoͤrterbuches in dieſer Geftalt Aufmerkfamkeit 
verdiente, wenn es fich nicht auch durch eine gedrängte 
und doch ſehr voltändige Weberficht bes deutichen 
Sprachſchates empföhle. Wer alfo Luft und Beduͤrf⸗ 
niß fühlt, die deutfche Sprache genauer kennen und 
richtig gebrauchen gm lernen, mird fich dieſes Hand« 
buches gewiß mit großem Nuten bedienen, 





Anzeige 
fuͤr 


Baͤcker, Bierbrauer, Eſſigbrauer und Brandtwein⸗ 
brenner. 


Ein Oekonom im Weſtyhaͤliſchen, der von früher Fur 
gend an bas Branntweinbrennen, Bier: und Eifigbrauen 
nach pbinfal. Grundfägen getrieben, und alle im diefe 
Fächer fchlagende Geheimniſſe und Rezepte mit ſchwe⸗ 
ren Koften an fich kaufte und erprobte, hat ſich, einer 
armen Familie zum Beiten, entichloffen, die nach mans 
hen kofifpieligen Verfuchen bemährt gefundenen Re— 
jepte, jedermann zum Mugen, auf dem Wege ber Brä- 
numeration im Drud berausjugeben. Die folgenden 
Buntte beſtimmen das Nähere: 

1) Zwanzig verſchiedene Bdhrungsmittel, welche für 


Baͤcker, Branntweinbrenner, Bier» und Eifigbrauer- 


mit entfchiedenem Vortheil zu gebrauchen find. Einige 
derfelben find von auferordentlichem Nutzen für Bier 
brauer, die immer, auch wenn fie nicht brauen, fo viel 
Hefen bereiten können, als fie abzufehen gedenken, mite 
bin niemals verlegen find; andere für Bäder, indem 


fie ſich zu allen Zeiten in ber Gefchwindigfeit den wohl⸗ 


feilften Hefen bereiten fönnen, ohne dabei des Bierhe⸗ 
fens zu bebürfen, mebit ficherer Anweiſung, Bierbefen 
su trocknen und zu conferviren. Auch befinden fich da- 
bei das Braunfchweiger, Hamburger und das vor eini⸗ 
ger Zeit in Berlin berausgetommene,. für Branntwein⸗ 
brenner fo fehr berühmte Kittel ſche Gaͤhrungsmittel. 
Belanntlich koſtet fonft im Ankauf erieres 1, zweites 2 
und drittes 2 Friedrichsd’orz imgleichen find noch mit 
beigefügt die kürzlich im Drud erfhienenen „‚erprobten 
Bärmes Rezepte für Brauer, Branntmeinbrenner und 
Bäder,’ welche in der Berliner, Altonaer und Ham« 
burger Zeitung unter dem Titel: „, Gährungsmittel, 
zu 12 Gr. angelündigt find. 


2; Eine deutliche und ausführliche Anweiſung über 


das Branntweinbrennen aus Korn und andern Früch- 
ten, nach der vortheilhafteſten Art befchrieben. Vers 
fchiedene ſehr wichtige Geheimniſſe ber dabei zu beob- 
achtenden Regeln find diefen beigefügt. Auch befindet 
fich die Anweiſung dabei, den wahren und aͤchten Genes 
ver ſowohl, als aud alle Sorten der beiten Liqueure 
aus ganz ordinirem Kornbranntmwein in Zeit von einis 
gen Minuten zu verfertigen. 

3 Eine genaue und autbentifche Angabe, wie man 
zu jederzeit und jedesmal die berühmteiten engl. und 
deutihen Bierforten dauerhaft, mohlichmedend und 





klar braunen kann, nebſi ſichern Mitteln, ſauer Bier ſo⸗ 
gleich wieder gut und truͤbes hell und klar zu machen. 

4 Den Eſſigbrauern kann folgende Anweiſung, bes 
fdyriebene Sorten Effig auf die mohlfeilite und zmed. 
mäßtgfte Art zu bereiten, nicht genugfam empfohlen 
werden, als: Wein-, Bier-, Obſt⸗, Branntwein- und 
Nolinen » Eilig. Auch find bierbei die ſichern Mittel 
enthalten, jeder Sorte in furzer Zeit eine liebliche an 
baltende Säure gu verfchaffen ; imgleichen allen famichter 
und verborbenen Eſſig vollig wieder berzuftellen. 

Damit auch meniger Bemittelte an diefer Heraus⸗ 
Habe Theil nehmen konnen, jo it der mäßige Praͤnume⸗ 
rationspreis für obige vier Punkte ein vollmichtiger 
boldnd. Dufaten, welcher nach diefer Bekanntmachung 
alfobald poſifrei an Herrn Commiſſtonͤr Jobft 
Schramm, wohnhaft an der Neuwallsbruͤcke in Hame« 
burg, eingefendet wird, als von welchem bie Herren 
Pränumeranten a dato bis Ende Monatbs December 
d. J. Sich ehrlich und prompt bebient fehen werden. 
Meitentfernte werden erfucht, noch einige Grofchen 
mehr für Voftgebühren und Einfchreibegeld mit beizule- 
gen. Noch iſt gu bemerken, daß auf einzelne von biefen 
Bunkten nicht pränumerirt werden kann, wie auch fchon 
aus ders fo niedrigen Preife zu erfeben if. — Die Zeit 
a dato bis Ende Monatbs December if zur Beorms 
Tichkeit der Herren Bränumeranten beflimmt; iſt abee 
dieſer Termin verflofien, fo werden aus mehrern wich⸗ 
tigen Gründen feine Exemplare weiter verfauft. Mer 
fechs Exemplare bejahlt, erbält das fiebente gratis, 
Jedermann wird fich in ber Folge von dem Nuben dies 
fer Rezepte felbft Überzeugen, weswegen fie auch Feiner 
weitern Anyreifung bebürfen. 

In Berlin nimmt der Wollenfabrifant Hr. Oft- 
mann, wohnhaft in der Schuͤhenſttaße No. 53, Ptaͤ⸗ 
numeratien an. 





Don dem durch feine lebhafte Phantafle, verbunden 
mit leichter romantifcher Darflelung, belichten Schrift: 
ſteller D. Albrecht, if fo eben bei Roͤßler in 
Naumburg erfhienen: 
Papierblfümden 
ober 
Novellen mwonniger Liebe und Freundfchaft. 
Breit: 1 Thlr 





Folgendes fo eben fertig gewordene michtige und 
Auer intereffante Werk it in allen Buchhandlungen 
zu haben: 

Die ehemalige und gegenwärtige Schmelz, in 
Ruͤckſicht ihrer politifchen und militärifehen Lage 
gegen das Übrige Europa, 2 Thle gr. 8. Zuͤrch 
und Bern, ı Thlr, 4 Br. 


No. XLVII. 
giterarifher und artiſtiſcher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 





An Eltern und Erzieher. 


So eben ih im Drud erſchienen und in allen Buch⸗ 
handlungen zu finden: 


Die Familie Bendheim, 


fehrreiche Unterhaltungen für die Jugend 
vom 


Heren Rektor Hahn. 
Zweiter Theil, 


In Tafchenformat mit 13 illuminirten Kupfern. 
Berlin 1805. 
Mreis in fauberm Einbande: 3 Thir, 
”,  Ebendeflelber Buchs: 

+ H (> . 
Erfter und Zweiter Theil. 
Wohlfeilere Ausgabe für unbemittelte 
Käufer. 

Auf Drudpapier mit 9 illuminirten Kupfern. 
Berlin 1805, 

Vreis beider Theile in bunt Pap. geb.: 4 Thlr. 

Der vorziigliche Werth biefes fih unter der grofen 
Menge von Kugendichriften ſo auszeichnenden Merkes 
iR turch die Hallifche, Jenaiſche und Leipziger All= 
gemeine Literaturjeitungen, duch Guths— 
muths Bibl. und andere kritiſche Blaͤtter zu befannt, 
ols daß bier zu defien Kobe noch etwas gefagt werden 
müfte. Hoffentlich merten ale Eltern und Erzicher, 
weiche ibren Kindern und Zöglingen ein Geſchenk mit 
einem nüplüben Buche machen wollen, dies nüpliche 
und angenehme Werk nicht uͤberſehen. 

Von ebendemſelben Verfaſſer erfcheint am Ende 
des Noremders: 


Kinderfrenden. 
Ein GSeitenftüd des Stoffe 
jur 


Bildung des Geiftes und bes Herzens. 
8. Derlin 1805 


Auf Schreibpap. mit 2 Kupfern fauber gebunden ı Thlr. 


een 7 


12 Gr.; auf Drudpap. mit i Rupfer gebeftet ı Thlr. 
2 Gr. 

Beſtellungen bierauf kann man in jeder foliden 

Buchhandlung machen. 





Sriedr. Maurer, 
Bucbändter, in der Yonrafe Die, 29. 


Für Eltern und Freunde ber Jugend. 


Sn der Michaelis» Meſſe iſt in meinem Verlage fertig 
geworden und in allen Buchhandlungen für ı Thlr. 
zu baben: 

Jacob Stille‘s Erzählungsbuh, oder Fleine 
Bibliothek für kleine Kinder, die das Lefen anı 
gefangen haben, und ſich gern etwas erzählen 
laffen. Den 9. Glatz. 48 Bändchen, zı Bo: 
gen mit einem Titelfupfer und Dignette von 
Böttger. 

Der Titel ſagt und befiimmt, welches Alter der 
belichte Here Verfaſſer, dem die Jugend ſchon fo 
manche angenehme und nuͤtzliche Unterhaltung ver— 
banft, bei diefem Buche vor Augen hatte, daß ich es 
überfüffig halte, darüber etwas weiter zu fagen. Sich 
will blos bitten, ihn mit eben dem gütigen Beifall 
anfjunehmen, den die drei eriten Bändchen fanden, da 
ich alaube, daß dieſer es ganz vorzüglich verdient. 
Mit demfelben wird diefe kleine Bibliotbef geſchloſſen, 
meil weder ber Herr Verfaſſer noch ber Verleger ae 
neigt find, ihre Beinen Lefer gu ermüden. Ale vier 
Baͤndchen foiten 3 Thle, 12 Br.; auch iſt bei mir er 
fchienen: 

Glatz, J., kleine Komane für die Jugend, zwei 
Baͤndchen mit zwei Titelfupfern und Wignetten, 
gebunden 2 Thlr. 8 Gr. 

” Altona, im November 1504. 
3.5. Hammerid, 


Neue Verlagsbuͤcher 


jur 
Mihaelig-Meffe 1804 
4. Beiträge zur Philoſophie der Kriegsfunft von Ju⸗ 
liusvon Bof; 8. 20 Gr. , 
2. Bemerfungen über die kuͤrzlich erſchienene Schrift: 
über Napoleon Kaifer der Franzoſen ꝛe. 6 Br, 





cxc 


3. Bildniſſe berühmter Helden neuerer Seit, Zweites 
Heft, enthält: Carl den Zwölften, Beter den Giros 
ben, Guſtav Adolph und Bernhard von Weimar, 
Jedes Heft 16 Gr, 

4, Militeiriiche Biographien berühmter Helden neuerer 
Beit. Dritter Band, welcher die Zebensbeichreibung 
König Guſtav Mdolpbs von Schweden und des 
Prinzen Eugen enthält. Mit 2 Portraits und 
4 Planen; 8. 1 Tble. 16 Sr. 

5. Bolte, J. H., Anleitung jur Kenntniß des öfs 
fentlichen Geſchaͤfteganges in den Königl. Preuß. 
Staaten. Dritte vorbei. Aufl. ar. 8. ı Thlr. 12 Gr, 

6. v. Bülow, uͤber Napoleon, Kaifer der Franzofen ic 
8. 16 Gr. 

7. Mars, Eine allgemeine Zeitung für Militairpersonen 
und Freunde «ds Miılitairs. ° Erster Band erstes bis 
sechstes Heft. 2 Thlr. Jedes Heft einzeln 9 Gr, 

$. Reise durch einen Theil des südlichen Deutsch“ 
landes, Helvetun und Ober-Italien, mit 4 Kupfer- 
tüfeln; 8. a Thlr. 8 Gr. 

9 Weigel's, J. A. W., geographiſch- naturbitori« 
ſche und technologiſche Beſchreibung des ſouverainen 
Herzogtbums Scleiien, ge Band; gr. 8. 20 Gr, 
Ale 9 Bände 7 Tele. 16 Gr. 

Himburgſche Buchhandlung 
in Verlin, 





Zweckmaͤßiges Weihnachtsgeſchenk. 
©. € Claudius 


allgemeiner Brieffteller, 
nebit 
einer kurzen Anmeifung zu verſchiedenen fchriftlichen 
Auffägen für das gemeine bürgerlihe Ge: 
ſchaͤftsleben ix. 
Zweite durchaus verbefferte Auflage, 
oder ber 


Nüglihen m. f. w. Briefen. ſ. m. 
Schte ganz umgearbeitete Huflage. 44% Bogen. Preis 
48 Gr.; fauber in Maroquin: Papier in Bappe 
mit Titel. + Thlr. 

Gür Schulen und für dem, der 12 Exemplare uf 
einmal nimmt, gilt für immer der Parthie- Preis von 
12 Gr. das Eremplar. Doch kann ich diefen aͤußerſt 
niedrigen Preis, wo der Bogen eirca 3 Bf. kommt, 
fchlechterdings nur bei 17 und miebreren Eremplaren 
und wenn man den Betrag unmittelbar an mich fendet, 
balten, Die VBermittelung einer andern Buchbandlung 
Tann nur bei dem Ladenpreife von 18 Gr. ſtatt finden. 

Ueber den Werth diefes Buches, das in ganz Deutfch» 
Tand und jest auch im Rußland rühmlichh befannt iſt, 
kein Wort mehr. 

Leipzig, im Oftober 1904. 
Heinrich Gräff. 


(Diefes Buch kann man roh und gebunden in alen 
Buchhandlungen befommen.) 

Obiger Briefiteller iſt nicht fiir Lefer dieſes Blat« 
tes beſtimmt, wie der Titel des Breitern befagt; allein 
mancher Leſer möchte fid) berosgen finden, feinem Pas 
tben oder einem unbemittelten Knaben ein Befchent zu 
machen, oder er bat Einfluß auf Bürger = Schulen, 
darum acht die Anzeige bier, 


Anzeige 

von vorjuͤglichen Kinder: und Jugendſchriften, welche 

als Weihnachtegeſchenke beſonders anzuempfehlen und 

gleich gebunden in allen Buchhandlungen zu 
haben find, 
1) Für das erſte Jugendalter: 

Anscedaıre utile ou petit Tahleau des Arts ‘et Metiers, 
ornde de 24 Fig. enlum. 16 Gr. 

Kleines Y:-D-E+ und Bilderbuch mit illum, Kupfer 
12 Gr. 

Kleine Bilder für Heine Leute zu einem (+ BC = und 
Leſejwecke eingerichtet, 1 Thlr. 16 Er. 

Naturbitoriiches Bilderbuch mit illum. Kupfern 2Tolr. 
12 Gr., mit ſchwarz. 1 Thlr. 

Le prömier Livre @lömentaise, orne de 50 figures en 
—* douce 5 Thlt. mit ſchwarzen Kupfern 2 Täler, 
12 Gr, 

böhrs erſtes Bilder» und Lehrbuch zur weckmaͤfigen 
Beſchaͤftigung des Verſtandes und zur angenehmen 
Unterhaltung, mit 50 illum. Kupfern 5 Thlr., mit 
ſchwarzen Kupf. 2 Thlt. 12 ir. 

— — A⸗B-⸗CE-— und Bilderbuch mit illum. Kupf. 


18 Gr. 

— — feine Geſchichten für Kinder zur fittlichen 
Bildung, 18 Gr. 

— — Materialien zur Erweckung und Hebung des 
Nachdenkens, 18 Gr. 

_ * Inbegriff gemeinnühiger Kenntniſſe, 1 Thlr. 
2 Br. 

2) Für das 1weite Jugendalter: 

Oeuvres complettes de Mr, Florian, ı3 Vol. g Thlr. 
2 Gr, 

Fables de Florian, ı4 Gr. 

Numa Pompilius par Florian, 18 Gr. 

Hellmurh’s Maturgeichichte, s Theile, illuminirt 
10 Thle, 8 Gr, umd ſchwarz 9 Thlr. 8 Gir. 

Talles de Lxfontaine avec un nouvem Commenta’re 
par Cöste, 3 Vol. ornee de 216 figures enlum, 
4 Thir, ı2 Gr., fdhwar; 2 Thlr. 12 Gr. 

Lafontaine Fabeln nach dem Franz. frei bearbeitet 
für die Jugend, 3 Theile mit 216 idum. Kuyfern 
4 Tblr, 12 Gr., mit ſchwarzen 3 Thlr. 

Löhr, die Natur und die Menichen, ein Inbegriff 
vieler Merkwürdigkeiten, 3 Theile 4 Thle. 14 Gr. 
Neue Mannigfaltigkeiten zu einer nuͤhlichen Unterhal⸗ 

tung für die Jugend, 1 Tplr. 2 Gr. 


cıcı 


Raͤthſel und Charaden, 16 Br, 

Reichard's Lieder fit tie Jugend fürs Clavier, 
2 Heite, 2 Thlr, 

Schmiedtgen's Theobalde Morgengabe an feine 
Enfeltochter Pauline, 1 Tkir. 10 Gr, 

Sintenis Syllegon, ober der Sammler edler Cha- 

ralterzuͤge, 2 Theile, » Tblr, 20 Gr. 

Sämmtliche Bücher find bei Gerhard Slei- 
fher d. Jüng. in Leibzig berausgefommen und in 
den vorzüglichhten gelchrten Zeitungen mit Beifall re» 
cenfitt. 





In allen Buchhandlungen it su haben: 
Wie fann man fünftige Ereigniffe erforfchen ? 
der: 
Die Kunft das Schickſal zu fragen, 
(Ein angenehmes Weihnachtsgeſchenk.) 
Preis: 12 Gr, 

Zu bieferm Imtereffanten Büchlein, welchem man 
mit Necht viele und jablreiche Käufer wuͤnſchen muf, 
gebören fünf befondere Tabellen, die als das eigent- 
liche Geheimniß dieſer Kanſt im einem verkegelten 
° Eomvert beigelegt find. Die Anreeifung zum Gebrauch 
diefer Tabellen it mit Deutlichfeit abgefaft, und zur 
nähern Würdigung durch ein paar intereffante Bei⸗ 
fpiele erläutert worden. Möge doch das Drakel jedem 
Fragenden immer nur erfehnte und erwünfchte Ant» 
morten ertbeilen, jo wird gewiß Mancer gern eine 
Heine Ausgabe machen, und fich dieſes Büchlein an» 
ſchaffen, um als eigenthümlicher Beliger ju jeder Zeit 
und Stunde davon Gebrauch machen zu koͤnnen. 





Anzeige 
nuͤtzlicher Schriften fuͤr Kinder, 
melde 


beifriedrib Auguftleo 
in Beipsig 


erfchicnen und in den meiſten Vuchbandlungen zu has 

ben find. 

A⸗B⸗C⸗, Syllabir und Lefebuch, neuches, für Kin⸗ 
der aller Stände, nac der Methode des Guth— 
manns, von G. U. Eberhardt, neueite Ausgabe 
mit illum. Kupfern, 8. 16 Gr. 

Anleitung für das praftifche Menſchenleben, erwach- 
fenen Söhnen und Töchtern gemeibt, 8. 1 Tblr. 
Atlas, Heiner, von ı7 Karten, zum Gebrauch in Schu⸗ 

fen-und Privatunterricht, geb. ı Thir. 22 Gr. 

Atlas, Heiner, von 12 Karten, nad den neuchen Vers 
änderungen, ıfle Fortfegung, geb. 2 Thlr. 

Auswahl aͤſeviſcher Fabeln mit vielen ilum. Kupf. 
8. ı Thlr, 8 Gr. 


* Huswahl ausgefuchter Fabeln für die Jugend, mit 
illum. Kupfern, 28 Bändchen. 

Bilder» Kibel zu Erlernung der Bofalen und Konfe- 
nanten nach der vereinfachten Methode bes Herrn 
Dlivier, 

Blicke, erſie, in ben weiblichen Wirkungskreis, ein Bes 
febuch fiir gute Töchter, ir Theil, ı Thlr. 16 Gr. 
Desgleichen er TH. 1 Thlr. s Gr. . 
* Bilder vaterländifcher Thiere, nebſt ihrer kurzen Bes 
fchreibung. Text framoͤſiſch und deutfch, mit vielen 

ilum. Kupfern, 8. 2 Thlr. ı2 Gr. 

Des Enfans en commerce de lettres, ow l’art dpisto- 
laire et la maniere de composer, discuter dans la 
pratique, 18 Gr, 

Erwartung, die, oder: bitte, bitte, licher Water, gute 
Mutter, ſchent' uns dies Bilderbuch, ax Theil, 8. 
ı Thlr. ıs Gr. 

Desgleichen 28 Theil, x Thlr, 12 Sr. 

Neueſte Fibel, oder: Ol ivier's Methode vereinfacht 
bargeftcllt, gr. 3. ı2 Gr. 

Geierabende, oder: Erzählungen und Unterhaltungen 
über allgemeine Gegenflände des Lebens, 8. ır Thl. 
ı Tble. 12 Gr. 

Desaleichen er Thl., ı Thle. 16 Gr, 

Sifher’s, M. Gottl. Euf. Guſtav, ober der Paya- 
goy, oder; Heine Giefchichten für Kinder, 8, 20 Gr, 

© (Sallerie der Menfchen, ein Bilderbuch für bie Ju⸗ 
gend, zur Erweiterung ihrer Kenntniffe und Befrie- 
diaung ihrer Mifibegierde, 8. ır Tbeil, 

* Desgleihen er Theil, x Tblr. ı6 Gr. 

° Desgleichen 3e Tbeil, 2 Thlr. A Gr. - 

Günther’s, A. G., Landschaftszeichenschule, oder: 
Anweisung zu einer deutlichen Methode, sich zum 
Landschaftszeichnen gut vorzubeieiten, 4. a Thlr. 
ı2 Gr 

— — Darstellung der Biume nach ihrem Character 
und zu Erlernung des Baumschlags etc, 3 Thlr, 

— — OT Theil. 

Graͤßße, J. G. M., Lehrbuch zum Unterricht in der 
Rellgion, für Schulen auf dem Bande und in der 
Stadt, wo fie Bürgerfhulen heißen, 8. 11 Gr 

Deifelden griehifhe Grammatik für gelehrte Schulen, 
8. 16 Gr, 

Handbuch, geographiſches, für die Jugend und Lich- 
baber der Geographie, von M. Haufius, mit 17 
Kandfarten in A Abtheilungen, gr. 8. geb. 5 Thir, 
ıs Gr, 

Jabres eiten, die vier, im bildlicher. und ergäplender 
‚Darkelung für Kinder zum Unterricht, 3 Wände, 
geb. 10 Thle. 16 Gr, 

Jeſus, ein Buch für Kinder, die anfangen in der 
hrifilihen Religion unterrichtet zu werden, von 
M. €, 9. Albrecht, mit Kupf. 12 Br. 

Kinterforreipondeng, Über die Mittel zur Hebung im 
fcheiftl. Gedaukenausdruck, 8, 2 Thle. ı The, 12 Gr. 

Bestionsbiätter von Blumen und Grüchten, für ſchon 


6x014 


geübte Blumenzeichnerinnen und Stickerinnen, Fol. 
6 Thle. 

Mufeum, fleines, von Länder« und Reifebeichreibungen 
für die erwachſene Jugend, 2 Theile, 2 Thlr. 14 Gr. 

Mufter, neue, zum Gtiden für Damen, 18 26 Heft, 4. 
A 3 Thlr. 

Desgleichen, 38 Heft, 4. 

* Nahrung, erite, für den feimenden Verſtand guter 
Kinder, 8. mit ilum. Kupfern ır Til. ı Thlr. 12 Gr, 

° Desgleihen zr Theil, ı Thle, 16 Gr. 

Ertlaͤrung der Kupfertafeln zur erfien Nahrung, 8. 
16 Gr, 
Erklärung der Kupfertaf. zur zweiten Nahrung, 8. 
20 Gr. 

Natur, Belimmung und Pflicht des Menſchen, ein Le⸗ 
ſebuch für die Jugend, 8. 6 Gr. 

Schreidemeiſter, der deutſche und engliſche, quer Fol. 
a ı Tblr 12 Gr, 

Tafchenbuch, Heines paͤdagogiſches, für Eltern, Lehrer, 
Erzieher und Kinderfreunde, 8. 6 Gr. 
Vorfchriiten, deutiche, von Rud. Müller, quer Fol. 
a ı Tılr, ı2 Gr . 
Worleneblätter zur leichten Erlernung der Schoͤnſchrel⸗ 
befunfi, 16 Gr. 

Weisheit, die, an die Menfhen in Gentengen und 
Natbgebungen, 8. ı Tblr. 6 Gr. 

Zeichenfchule, Meine, 2 Hefte, & 2 Thle. 


Anm. Dieienigen Bücher, melde mit einem * ber - 


zeichnet find, haben beutfchen und franzöfl« 
ſchen Tett. 


Def Schwan und Goͤtz in Mannheim find zur 
Michaelis: Meffe 1804 erſchienen und durch alle 
Buchhandlungen gu haben; (melde nicht im Leip⸗ 
ziger Meßkatalog ſtehen.) 

1) von Bilderbed’s Taſchenbuch für 1505. Spa⸗ 
nien nah Bangle, mit 6 treflichen fpanifchen in« 
üchten, elegant gebunden, auf Belinpapier 2 Thlr. 
8 Br., A FI. 12 Kr, Auf beffer Velinpap. 3 Thlr. 
s Ör., 6 $l. 

2) Taſchenbuch für Tanzlnflige, gebeftet 4 Gr., 15 Er. 

3) Bokmann’s Handbuch für Ingenieurs und Baus 
fcute, enthält die reine Theorie des Druds der Erde 
auf allerlei Mauern, mit Kupfern und Tabellen, 8, 
4 Thlr. 4 Gr., 1 Fl. 48 Er. 

4) — — bie Zahlenrechnung als Wiſſenſchaft, 1. Th, 
$. 16 Gr., 1 51. 

Der 2te Theil erfcheint zur Oſtermeſſe 1805. 

5) Weldhe von dem Etantsbienern ber fäkularifirten 
und vertheilten Kur» und Fuͤrſtenthuͤmer baden auch 
noch in Deutfchland Penfion ꝛe. und mie viel zu 
fordern ? 8. gebeftet 9 Gr., 36 Kt. 

6) Weiträge und Xorfchläge zu einem Finanz » umd 
Steuerſoſtem von Portugal bis Rußland, 8. 14 Br., 
54 &r, 





7) Skinge gu einer böhern Schulanſtalt, 5: B. Alade⸗ 
mie, AUthenaͤum u. dal. in einem vermifchten Heinen 
Staate Deutichlands ı. 8. 2 Gr., 6 Er. 

Von den zwei Tafchenbächern liefert Hr. Feind 
in Leipzig gegen Zettel mehrere aus, 





Bei B. Fr. Barth kan. in Breslau find folgende 

Werte erichienen: 

Grundriß der Maturlehre, zum Gebrauch für Vorle— 
fungen, Bon L. X. Jungniz. ır arihl, gr. 8. 
8 Ihr. 

Das Gemeinnüßigiie des erperimentalen Theils 


‚der Naturlehte für angebende Freunde deſſelben, in el« 


nem Grundritz dargefielt, giebt der durch feime aſtro⸗ 
nomlichen und vhnWfalifcben Kenntniffe berühmte Hr. 
Berfaiier mit diefem Werke ein Handbuch zum Ges 
brauch fir Vorlefungen, das um fo böhern Werth ge 
mwinnt, als es zum ſichern Leitfaden des Studiums bie» 
fer Wiffenfchaft dienen kann. R. 


Koſtbarkeiten fuͤr Kopf und Herz, oder auserleſene 
Fruͤchte der neueſten Zeitſchriften, zur Belehrung 
und Unterhaltung. 2 Bde 8. geb. ı Thlr. 16 Gr. 

Die Hrn. Herausgeber diefer Koftbarteiten haben 
zum Zweck, sur Belehrung und Unterbaltung haupt⸗ 
fächlich derfenigen beizutragen, denen tbeils wegen ber 

Koſtſpleligkeit, theils wegen Mangel an Zeit und Ge- 

legenheit nicht möglich iſt, die neueſten Zeitichriften 

ſich anfchafen und lefen gm können; — ein Zweck, ber 


als Veforderung der Aufklärung, auch bei Hermern, 
Achtung verdient, j M. 


Merkel und Diemembration, oder Prüfung der 
Beiträge tes Hru. Landſchafts- Enndifus Merz 
fel, zur Unterfuhung über die Zuläffigfeit und 
den Nuten der gänzligen Dismembration adeliger 
Güter in Edilefien; 8. 8 Gr. 

Schon der Hr. von Arhembolz bat in ber Mis 
nerva den Gegenſtand deruͤhrt und Binke daruber ge« 
gen. wovon diefe Schrift handelt. Dies if eine 

zeilage ju obengenanntem Werke und gewiß feine un« 
nötbige, denn fie beleuchtet daſſelbe auf eine unvar- 

theiiſche Weife. G. 





Von dem 
System of Chemistry in four Volumes by 
Thomas Thomson, The second Edi- 
tion, 1804. 
welches in Edinburg erichten, und wovon die erfte Auf⸗ 
lage in ir Brit vergriffen wurde, beforgt Herr Pro⸗ 
oe Wolff in Berlin eine Heberfekung, welche in mei« 
nem Verlage berausfommen wird. Ich hoffe, wenn nicht 
alle vier, doch wenigttens drei Theile ichen zur Ofter- 
meſſe zu liefern. Das Orinimal if in einem edlen und 
leichten Style gefchrieben, welcher in der Ueberſetzung un- 
ter der dem chemischen Vublikum fchou befannten Feder 
des Deren Prof. Wolff nicht verloren gehen wird. 


Berlin, 1504, 
Heinrich Frölic, 





No, XLIX. 
Literarifher und artiſtiſcher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 





So esen ift erfchienen: 

Reiſe von Glogan nach Sorrent 
über Breslau, Wien, Trieft, Venedig, Bor 
logna, Florenz, Rom und Neapel, 

Bon 
GE. €. Benkowitz. 
Dritter und leßter Theil 
mie zwei Kunfertafen und einem Houſchnitte, 8. 
Berlin bei gr, Maurer. Pteis: 1 Thlr. 16 Br. 


Anzeige 
für alle Landwirthe, Gihterbefiger und Vieheigen⸗ 
thuͤmer. 
Die mit Verlangen ermartete weite verbeſſerte und 
vermehrte Ausgabe der fo allgemein belichten und von 
der Maͤrt. öfonom. Gefellichaft zu Potsdam gefronten 
Breisichrift, betitelt: 


Allgemeines Vieharzneibuch 
oder 
Unterricht, wie der Landmann feine Pferde, Rind: 
vich, feine Echaafe, Echweine, Ziegen und Hunde 
aufjiehen, warten, füttern und ihre Krankheiten 
erkennen und heilen foll; nebft einem Ans 
bange: 
von 


ob. Nik. Rohlwes. 
Mit einem Kupfer. 8 Berfim, 
bat feit vier Wochen die Preffe verlaften und iſt num in 
allen Buchhandlungen Deutfchlands zu befommen, auf 
Drudper. 2ı Gr. und anf Schreibpap. ı Tblr. 

Die Zufäge und Berbeferungen zur eriien Anfs 
Tage dieſes Vieharzneibuchs befonders abgedrudt, auf 
Drudvar. 2 Gr, und auf Schreibrap. 3 Gr. 

Bon demfelben Verfaſſer if vor kurzem erſchie⸗ 
nen: 


Der Tafchenpferdearst, 
Ein Handbuch für alle Zrände, vorzüglich zum Ge 
brauch der Kavallerie. 
Dit zei Kupfern. 8. Berlin. Breis: 1 Thlr. 


mn us DE, OMU. Sn tn — — ————— 


An Eltern und Erzieher. 


Naqlehende vor uͤglich lehrreiche und aͤußerſt ange ⸗ 
nehme Bücher konnen mit größtem Rechte als ſehr 
nügliche und gwedinäßige 

Weihnachtögeichenfe für die Jugend 
empfohlen merden, und find in den angefehenflen Buch⸗ 
bandlungen fauber eingebunden für beigefeßte Breife 
zu befommen: 

1) Elife von Hanau und ihrer Erzieherin Eula- 
Iia Waller Int rredangen in Briefen. Allen 
gefühlvollen Mädchen bei ibrem Eintritt im 
die große Welt gemidmet, Mit 1 Kupf. 8. Berlin 
1804, geb. 1 Thle. 

2) Blumen und Fruͤchte zum Geſchenk für die 
Jugend. Von A. F. N. Scemann. Mit Kupf. 
und Muſit, 8. Berlin geb. 1 Thle. und mit illum. 
Kupf. geb. 1 Thlr. 4 Gr. 

3 Buatimogim über die Melt, die Erde und 
den Menſchen. Koswmopolitifches Lehrbuch jum 
Unterricht feines Sohnes. Aus dem Mer. uͤberſett 
von H. Ritiner, mit einer Borreve des Königl. 
Aftronoms Herrn Brof, Bode, gr. 8. Berlin geb. 
1 Tolr, 18 Gr. 

Fabeln und Erzählungen aus verſch. Dichtern 
geſammelt. Bon K. W. Hamler, Prof, 8. Bert. 
auf Schreibpap. geb. 1 Thlr. 6 Gr, und auf Hol. 

Bar. 1 Thlr. 14 Gr. . 

Dentwürdigfeiten ausder alten und neuen 

Weltgeſchichte und aus der Stants- und Böl- 

kerfunde. Ein Weihnachtsgeſchent für die Jugend. 

Mit 12 illum. und 2 fhwarz. Kupf. gr. 8, Berlin 

geb. ı Thlr. ı5 Gr. 

Contes moraux pour former le cocur et Vesprit 

de la jeunesse, à l’usage des enfans, avec des notes 
explic. II Tomes 8. à Berlin rel, ı Thir. 

Moritz, Brofefor, allgemeiner deutfcher 
Brieffteller, welcher eine deutfhe Sorachlehre, 
alle Hauptregeln des Stols und eine 
vollfändige Sammlung aller Gattun— 
gtn von Briefen entbält. Ate Ausgabe vermehrt 
vom Herren Dr. Th. Heinfius mit einem An— 
bange, welcher alle nötbigen Vorkennt— 
niffe gue richtigen und fihern Führung der Kor⸗ 
reſpondenz, befonders ber faufninnifchen, ein 
alppaberifches Verzeichnig aller gebräuchlichen kauf⸗ 


4 


= 


5 


= 


_ 


— 
— 


CXCIV 


männifher Kaänſtauchrücke; einen ausfuhrlichen 
Unterricht von Wechſehn und Wechſel geſchaf⸗ 
ten; eine kaufmaͤnniſche Statifiif oder Kenntniß 
der deutfchen Staaten, ihrer Lane, Größe, Gemäfler, 
Natur- und Kuniprodufte, ihtes Handelt 
der Maaß- und Gewichtsfumde, der Givils 
anfalten des offentlidhen Gefhäfts- 
gamges, des Poſtweſens enthält. 42 Bogen, 8, 
Berlin, fauber geb. ı Tblr. 4 Sr. 

8 Notb- und Hülfsbüchlein für Deutiche, 
oder: Tafchenbuch fuͤr Yung und Alt, zur gänzlichen 
Vermeidung deuticher Sprachiehler, von S. Chr. 
Wagener ı2 Berlin ach. 9 Gr. 


Der nnififalifche Kinderfreund als Lehrer der Tonkunſt 
oder Bianoforte - Schule für Kinder; in dinlogifcher: 
Form mit 16 Kupiertafeln, meldie 212 Figuren entbal« 
gen. Zum Selbſtunterricht entworfen, ır Band mit 
einem. allegorifchen Titelfurfer. Auf dieſen erien Band, 
wovon das ganze Wert, durch die darin verwebte Yaune 
und finnlihe Da ſtelungen, veliy dazu befiimmr if, 
Die Theorie der Tonkunſt dem Kinde zu erleichtern und 
möglichit angenehm zu machen: da es überdies zwiſchen 
dem Lehrer und feinen Zoalingen gefprächsmeife und in 
Lectionen abgefaßt if, wird bis Mirte Kebr ı Tblr. 
12 (Ar. Brän, von dem Königl. Hofpoflamts- Seeretair 
gran. Meißner, Hrn. Böheim oder von mir felbit 
angenommen. (Ladenpreis 2 Tblr.) Der Heberichuf 
der Koften ift für eine arme hülflofe Gsiähriae Wittwe, 
die im Auslande dem Hungertode beinab unterliegt, 
Gott! für — meine gute Mutter beftimint. Buche 
bandlungen und diejenigen, welche der Sammlung fd) 
geneigt untersiehbn wollen, erhalten den gewoͤhnlichen 
Rabatt. Die Namen werden vorgedrudt. Briefe were 
hen: aber franco erbeten. Berlin ven 1. Der. 1204. 
W. Rong, 
chemal. & Pr. H. Kammer: Mufitus und Leinen 
der Tontunf, Taubenſtraße No, So, 


In turem erſcheint: 
Die Reiſe nach Paris zur Kaiſerkroͤnung, mit 
einem Kupfer, 
worauf wir das Publifum im Voraus aufmerfiam mar 
den zu müfen glauben. 
Leipzig den zıten November 1804. 
W. Rein und Comp. 








Darffellung der Reformation Luthers, ihres 
Geiftes und ihrer Wirkungen von Carl Villers, 
Aus dem Franz. nach der zweiten Ausgabe über: 
feßt von M. P. Stampeel mit einer Dorrede 
vom Dr. und Euperintendent Nofenmäller, 
gr. 8. Leipzig bei Hinrichs, + Thlr. 4 Gr. 

Dies Wert, das im katboliſchen Franfreih als Preis 

fehrift bei aller Gradheit und Freimüthigteit vom Mar 


tionalinftitut gekroͤnt wurde ein Wert, das menen bes 
fo wichtigen Gegenſtandes, in Hinſicht der Bolitit und 
Aufklärung fo außerordentlich viel umfaft, fand an dem 
Ueberſeher einen Mann, der tem Geiſt des Driginals 
der deutichen Nation treu wiedergab, und an dem wuͤr⸗ 
dinen Borretner den, der den Beier im den richtiyiten 
Gcfichtspunft dellt. Alſo nichts weiter zur Empfehlung 
dieſes in jener Art einigen Werts, das Lurbers Hefore 
mation nebſt ibren großen Erfolgen in allen Beziehungen 
darftellt, und daber in jedermannsspänten ſeyn jellte, 


So eben if erſchienen und an alle Buchbandlungen 
und Kalender Bitreaus verfandt worden: 


Almanach der Reifen 
oder 
unterbaltende Darftellung der Entdeckungen des acht 
jehnten Jahrhunders im Rückſiſcht der Lünder:, 
Menſchen-⸗ und Prorukienfunde für jede Klaſſe 
von Leſern 
vom 
Fr. A. W von Zimmermann 
vierter Jahrgang für 1905, 

Bie vereinigten Staaten von Mordamerifa enthaltend 
mit neun Kupfern und einer Karte. 
geipzig. bei Eerhard Fleifcher d. Yüng. Preis: 
2 Tolr., in Maroouin 3 Tole, 





An zeige 

für Kaufleute, Schulen und jeden Freund ber fran: 

zöfiichen Sprache. 

Meues volftändiges franzoͤſiſch deurfches und deutſch⸗ 
franzöfisches Hand» und Tafchenwörterbuch. Mit 
ben neuen feit der Revolution gebräuchlichen franz 
joͤſiſchen Wörtern, der neuen Maaße, Gewichte 
und Münzen Franfreihs, Bon M. 8. ©. 
Schade, 2 Bünde Leipzig bi 9. €. Hin: 
ride. 

Ds wir auch ſchon große und kleine frangöfliche Wör- 

terbuͤcher haben, fo wird doc diefes neue, das befon« 

ders jun Handgebrauch für Comptoire und Schulen 
geeignet üt, gewiß noch eine erwünfchte Erfcheinung. 
feyn. Bei einer zweckmaͤßigen Innern Einrichtung 
merteifert «8 mit feinen Vorgängern in Anichung der 
Vollſtaͤndigkeit, und mit ganz neuen didotſchen Lettern 
auf weißes Gchreibyanier gedruckt, iñ es fuͤr die Aus 
gen weniger angreifend als die gewöhnlichen Tafıhene 
mörterbücher. Endlich bat der Verleger die Anſchaf⸗ 
fung deffelben durch einen Auferit niedrigen Preis zu 
erleichteen gefucht, da beide Binte — ber 90 Bogen 

Hart — nicht mehr als 1 Thlr, 21 Gr. koſten, wofür 

es mit aefchmadvollen amihlage in allen foliden 

Buchhandlungen zu baden iſt. 


cxcYr 


Mit dem fo eben erfchienenen umd verfendeten gten 
und Aten Theile find nunmehr 


Die Brüder;z 


sin Familiengemälbde 
son 


Ludw. Fr. Freiberrn v. Bilderbed, 


In 4 Teilen. 5. Mit Kupfern von Benpel. 
Preis: 6 Thir. 12 Gr. 
wolltindig in allen Buchbandıungen und Leiebiblior 
theten iu bavem 

Dar diefes Buch die nenefle Arbeit des Berfafers 
der Schritten, die Urne im einfamen Thal, 
der Todtenaräber, Wilbelmine von Noſen, 
uni Ludolphs Lehriabre iſt, darf ich wohl wie⸗ 
derbolend bemerfen, Die jableeichen Beſitzer und Leſer 
derjel'em ſehen in dieſer Ruͤccſiicht die Erſcheinung 
der Brider gewiß mit großem Vergnuͤgen. 

Geſtüht auf den Beifall, welcher dem gefhäbten 
Herrn Freihern von Bilderbed durch teine ſcho⸗ 
nen anzichenden Darſtellungen fo fchr iu Theil ae 
worden id, und durch dieie neue Schrift jwverläifig 
noch vermehrt wird, macht es mir um lo größere 
Freude, meine fruͤbetn Verlicherungen von den Nrbeir 
tem viefee B fallers, die Ür Daſeyn nur den Muße- 
Hunden defielben zu verdanfen haben, gerechtfertigt zu 
ſehen und die gewogene Meinung der Freunde ange- 
wehmer Leetuͤre ſuͤr mich zu baden. 

Die zweite verbeiierte Auflage von des Verfaffers 
eben"emerftem Roman: der Todtengräber, in 
4 Tbeilen, wird mun auch bald wieder zu baben 


ſeyn. 
Beipjig im Oktober 1304, 
Georg Voß. 


Le Neuton de la Jeunesse, etc, Der Memton 
für die Jugend, oder pbofifaliich: aſtronomiſch⸗ 
chemiſcher Kinderfreund, herausgegeben von M. 
Fr. Herrmann, mit ‘Portrait und Kupfern, & 
r Tbir. 8 Or. 

Wicklich Gnd es belehrende Geſpraͤche, welche Erxie- 

ber und Kirder bier über die genannten Wiſſenſchaf⸗ 

teu finten. Um fo befehrender, da der fon fo ruͤhm⸗ 

Tich bekannte Meberfeger das vermieden bat, mas im 

Driginat für die Faͤhigkeiten eines Kindes noch zu 

dunkel mar. Beide Sprachen, die franiöfifche and 

deutiche, feben von Seite zu Seite einander gegen» 
über, wodurch dies Werk zugleich eine nuͤtzliche Sprach: 
übung wicd. 


Von Schlihtearoll’s Nefrolog if jeho der 
eriie Band von 1740 erfihienen und an alle dr 
banolungen verſchict mworcen, Kr enthilt folgende 
Biograpkien: Hoftath und Profeſſor Gatterer in 








Goͤttingen, dee berühmte Geſchichtsforſcher; Grab: 
ner, ein Dffisier von feltenen Talenten; Gteeb, 
Pfarrer im Wirtembergifchen,, um die Landwirthſchaft 
ausmebmend verdient; Fiſcher, der gelchrte Profef: 
for und Rector der Thomasfchule in LBeipgig; Re— 
gine Ausfeld, eine file Gebälin am Sabz⸗ 
mannifchen Erziehungsinfitute; Brandes, der bes 
fannte Schaufvieler und dramatiſche Schriftſteller, def 
fen unrubiges und lehrreiches Beben dem größten Theil 
dieſes Bandes aus uͤllt. (Preis: 1 Thlr.) 
Gotha im Oktober 1804. 
Juſtus Perthes. 





Dier ſchoͤne Holzſchnitte von Gubitz 
zu 


Arndts Reifen u. ſ. w. 


Um ten Wunſch einiger Kunfifeeunde zu erfüllen, laſſe 
ich eine feine Auzabl Eremplare von obigen vier 
Blaͤttern in Quartformat auf ſchönem farfen Schmei- 
zepavier abdrucken. Vielleicht ih dieſe Nachricht man- 
chem Veüper der Eriten lage der Reiſen wife 
men — dem Kunftliehbaber aewif. — Man kann ſeine 
Belellung bei jeder Buchbandlung machen. Der Preis 
wird 2 Thlr. fenn. 
Leipzig im Ditober 1504. 
Heinrich Gräff. 





In der Dykiſchen Buchhandlung in Leipzig find 

kuͤrzlich erfchienen : 

Neue Blbliothek der fhönen Witenfchaften und der 
freier Kuͤnne, or Wo. 19 Stud, mt Matrpifr 
fen's Porrrait, ge. 8 12 Gr. 

Envfinzungstaute, Hefväch eines Vaters mit feinen 
Kindern, als Anteitung sum Gebrauch der Befema- 
fihine beim Privarunterricht, & 3 Gr. 

Sammlung auserlefener Abhandlungen zum Gebrauch) 
für prafsifche Aerzte, Zır Band 38 As Stüd, geb. 

20 Gr. 
Weiffers, Chr. Friedr., acht Romanen, 8. 8 Gr, 


In den verfloffenen Ofter: und Michaelisnreffer find 
bei Job. Frieder. Korn d. eltern, Buchhänd: 
ker in Breslau, nachitehende neue Bücher erichie: 
nen und dafelbit bei ihm und in allen andern 
guten Buchhandlungen um beigefeßte Preiſe zu 
haben: 

L«s Avantures de Felemaque fils d’Ulysse, nouveile 
Edit. 8. 18 Gr. 

Blätter, verſtreuete, zur Belehrang umd Unterbaltung 
für Frauenzimmer, von Amalien, 5. ı Tble. A Gr. 

Bremersdeek” $ Verſuch über den gegenwärtigen 

Standpunff der Theorien der Medizin, 3. 12 Gr. 

Handbuch für Schullehrer im Städten umd Dorferm, 


excvı 


worin Auffäpe in Ftagen und Antworten find, 8, 
ı0 Gr, 

Hübner blumiſt. Bemerkungen vom Jahre 1802, vor« 
züglich für Nelkenliebhaber, 8. 4 Gr. 

Letthrin, Dr. F. C., Taſchenbuch für Naturforfcher 
beſonders auf Reiſen, 8. 20 Gr. 

Bange, Bemerkungen über den Verfall und die Ver— 
befierung der Eittlichfeit unter den niedern Volks⸗ 
Hafen, befonders auch in Hinficht auf Schleſien, 8. 
10 Gr. 

Monetaͤ, Bolnifche Grammatik, heruusgegeben von 
D. Vogel, ate verbeſſerte und vermehrte Auflage, 8. 
4 Tolr. 

PVolsfuß, A., volnifches Lefebuch für Anfänger, neue 
Huf, 5. 14 Gr. 

Struve, Dr. E. 9, Triumoh der Heiltunit, ein Res 
pertorium für Aerzte und Wundärjte, se Band, $. 
12 Gr. 

3aug, Dr., und Briefe, Dr., Archiv der vraftifchen 
Heilkunde, Ar Bd. 18 Erd. gr. 8. 12 Gir, 


Kommiffions: Artifel: 


Diöeefanblatt für den Clerus der füribifchöflichen 


Discefe, ir Jahrgang, 8. 1 Thlr. 

Mein Gutachten uber Dismenbrationen ber Landquͤter 
veranlaßt durch die meulich erichienenen Gedanfen 
über Me Schwift des Heren Grafen M. über Dig: 
membration u. ſ. w., 8. 8 Gr. 

Hübner's volliändige Charakteriſtik der Gartennelfe 
oder Grasblume Dyantlıus caryophillus hortensis ges 
nannt, 8. mit einem Kupfer 20 Gr, 





G. &. Lhhlein’s Klavierfchule oder Anmeifung 
jum Klavier: und Fortepiano-Spiel nebjt vielen 
praftifchen Beifpielen und einem Anbange vom 
Gheneralbaffe. Sech ſte Auflage, gan; umgearbei: 
tet und fehr vermehrt von X. E Müller, Mit 
einer Kupfertafel, 

Hat auch folgenden pafiendern Titel: 

%. €, Müller’s Klavier: und Fortepians : Echufe 
oder Anweifung zur richtigen und geihmadvollen 
Epielart beider Inftrumente nebft einem Anhaug 
vom Generalbaß. Mit einer Kupfertafel, 48 Bor 
gen in groß Querquart anf ſtarkem Echreibpapier 
meift Moten, 3 Thlr, 8 Gr. 

welches’ fo lange mit Begierde erwartet wurde, iſt 

endlich im voriger Michaelismeile wirklich erfdienen, 

Die flücztigte Bergleichung wird bald zeigen, daß 

diefe Bearbeitung des Herrn Kantor und Mufikdireftor 

Müller im Leipzig ein ganz neues Bud, geworden, 

und zwar ein fosches, welches in keiner Hinficht feinen 

ähnlichen Vorgaͤngern nachſteht, in den meiñen aber 
fie bei weitem überteifft. Zum Beleg fen es mir er— 
laubt, auf das Urtheil eines Kenners in der eleganten 





Zeitung No. 129 a. c. hinzuweiſen und deu Schluß 
jener Anzeige bier folgen iu laſſen: 

„Wir Deutſchen mögen es uns immer als einen 
Vorzug antehnen, baf wir im dieſem Werfe ein fo 
alfeitig umfaſſendes praftifches Lehrbuch über das For- 
tepianofpiel befiten, wie es, obne alle Widerrede, feine 
andere Nation aufjumeifen hat. ’ 

Ein durchaus anfändiger, deutlicher, gefaͤlliger 
und bochh forrefter Drud, fo wie ein ungemöbnlich 
billiger Preis, werden bei fo viel innern DBorjigen 
auch zur Empfehlung beitragen. Es iſt uͤbrigens ſo⸗ 
wohl in allen Buch - als Mufit- Handlungen zu ba« 
ben und Icktere werden es vielleicht besuemer von dem 
Bureau de Musique in Leibzig — weiches davon ſets 
ein Kommifliond» Lager haben wird — als von mie 
feld erhalten fonnen. 

Sena, im Novemoer 1804, 


Friedrich Frommann, 





An unferm Verlage iſt erichienen: 

Derjuch einer pbnfichen Anthropologie, oder Dar 
ſtelung des phyſiſchen Menfchen nach den neuern 
Anfichten für Michrärste von C. Bernoulli, 
8. 1804. ır Theil die Naturlehre des ermachfes 
nen Menfhen, zr Theil, Entwidelungsgefshichte 
und Naturgefhichte des Menſchen. 

Die vielen neuen Entdedungen in der hoff und 
Chemie find Für die Kenntniß der Ichenden Natur fo. 
feuchtbar geweſen, daß diefe Willenfchaft in dem Ich« 
ten Jahrzebend eine andere Geſtalt annehmen mußte, 
Der Here Verfaſſer hatte, da diefe Erfahrungen beis 
uabe nur dem Gelehrten verüändlich blichen, daber 
vielleicht eine glüdliche Idee, fie in einer gedrängten 
Darfichung, mit Vermeidung aller ſchwierigen Termi« 
nologien, und obne zu viele Vorkenntniſſe vorauszufegs 
gen, für den gebildeten und denfenden Lefer zu bears 
beiten, und alle einzelnen Theile der Wiſſenſchaft, 
mehr als bisher geichab, in ein anichauliches Ganze 
zu vereinigen, Und dag die Arbeit ihm wobl gelun— 
gen ſey, beidtigt ſchon eine öffentliche umſtaͤndliche 
Beurtbeilung im der Jen, Allg. Lit. Zeitg. v. 6. Sept. 
Der zweite Theil wird boftentlih noch um fo mehr 
wilfommen und felbit dem Gelehrten nicht unbedeu« 
tend ſeyn, ba er nad) wenig bearbeitete Begenilände 
umfaßt. Gr entbält naͤmlich eine vergleichende Ph⸗ 
fiofogie des Menfchen, und fo wie das erfle Bändchen 
den Zuftand aller phyſiſchen Verrichtung im erwachſe⸗ 
nen Menichen an fich darftellt, fo betrachtet das zweite 
Bändchen die menichliche Organiſation, in fo fern fie 
nach den verfchiedenen Lebens» Altern, unter den ver⸗ 
fchiedenen Klimaten verändert ericheint. Beide Theile 
koſten ı Thlr. ı2 Gr. und find in allen Buchbandlun« 


iu baben, 
Hemmerbe und Schwetſchke. 


No. L. 
Literarifher und artiſtiſcher Anzeiger, 





als Beilage zum Frepmüthigen oder Ernſt und Scherz 1804. - - 





Entlarpte 
Gaumer » Lift und Räuber » Schliche, 
Prellereien und Tänfchungen, 
Yntereffant für die Befemelt, nüpFich für Inqui⸗ 
fitoren und Polizeibeamte. 
Erfter Theil. Mit einem Titelkupfer. 
® Berlin, in ter Buchhandlung des Kommerziens 
raths Mab dorff. 
(Breig: ı Thaler) 
An 127 alaubmwürdigen und duferft intereffanten Ges 
fhichten ſiellt diefer erite Theil des Werks eben fo viele 
verſchiedene Hintergebungen und Heberlirtungen dar, 
wo ge gen ſich gröfitentheils auch der Borfichtige kaum 
zn hüten vermochte; fo daß es gewiß feinen Kefer ges 
reuen wird, fich durch dies Buch damit befannt ge» 
macht zu baben, 


Anzeige 
für alle Baukuͤnſtler und Liehhaber der Baukunſt. 


So eben iſt im Druck erſchienen und in allen anſehn⸗ 
lien Buchbandlungen für 2 Thlr. zu befommen: 


Sammlung nützlicher Aufsätze und Nach- 
richten, die Baukunst betreffend. Für 
angehende Baumeister und Freunde der 
Architeetur. Herausgegeben von iheh- 
reren Mitgliedern des Königl. Ober- 
Baudepartements unter Aufsicht des 
Hrn. Geh. Oberbauratlıs Gilly. 10. Bd. 
oder Vr Jahrgang ar Band, mit Kupf. 
gr. 4. Berlin. 








Bäarme-Hezepte 
für Bäder, Bierbrauer, Effigbrauer und Branntmein: 
“ brenner. 
Saͤmmtliche feit bundert Fahren bis jet erfundene 
Gaͤhruugkemittel, To bicher einzeln von 1 — 15 Tölr. in 
Golde verfauft worden und wovon „dr. Schra m mäin 
Hamburg einen Nachdrud für 3 Thlr. oder einen Spe⸗ 
ziesdakaten angekündigt hat, Ne Brauer, Bäder, 
Branntweinsrenner und Eſſigbrauer höchſt 


— —— ——— ⏑ — 





nothwendig, find in Commiſſton bei Bollmer in Al⸗ 
tona, Vert he in Hamburg Schulbuhbandlung 
in Braunſchweig, Hahn in Hannover, Troſchel in 
Danzig, Nicolovins in Königsberg, W. Korn in 
Breslau, Mittler in Leipzig und Schöne in Ber— 
lin für 12 Br. zu haben. 


Befanntmahung. 


Mit Berichung auf den Huffah‘ „die Netgrire- 
chen’ im Mo. 226 des Greimürhigen ‚ teigen wir bier» 
durch an, daf von dem angeführten Werte „Eaton 
Veberfiht des agegenwärtinen Zuftandes 
des türfifhen Reichs“ eine Meberfehung von 
Hrn. Bergt unter ber Preſſe iſt und nächkens bei ung 
erfcheinen wird. 
Leipzig dem ı6ten November 1504. 
Wilhelm Rein und Comp. 


Nachricht für das Publikum. 


Peſtalozzi's, H., Anfhaunngsicehre ber Zahlen 
verhaͤltniſſe, 38 Heft ar. 8. 18 Gr. 

bat feit dem Sommer die Breffe verlafen, und ift einzig 
und allein bei mir und durch mich in allen Buchhand 
lungen zu baben ; ebem fo bie eriien 5 Sefte der Elemen- 
tarbücher, memlich ıftes Heft: Buch der Mütter, 
oder Anleitung für Mütter, ihre Kinder 
bemerfen und reden zu lehren; — 23 und 3 
Heft: W-B-E der Anſchauung, oder Anſchau— 
ungslehre ber Maafverbältniffe; — 48 und 
56 Heft: Auſchauungslehre der Zablenver- 
bältniffe; — find von nun an allein bei mir und für 
immer um ten von Beftalozyi von Anfang an durchaus 
beitiminten Preis vonı Thir. 12 Gr, zu haben. Wer leider 
übern Span bat zahlen müflen, Mage nicht Peſtalo zzi 
an, er iſt ganz unfchuldig — ibm Aof von dem willlühr- 
lich erhöhten Preife nichts zu. 

Bei der Vermandtfchaft der Fdeen ein Wort über 
die Anflndigung des neuen Verlegers der Herder: 
{hen Werte: Wen empört es nicht, nach einer fole 
hen Anforderung: etwas für das Andenken des 
verewigten Herders gu thun, zu leſen, daß die Sub: 
feriotion für das Alphabet 1 Thlr. 12 Gr. ſeyn ſoll? 
Heißt das nicht das Andenken des unveraehlichen 
Herders zu ciner Kinanzoveration mifbraucen? Wo 
iſt je dem Nachdruck mehr Thor und Thür geöffnet wor⸗ 


cxXcvııı 


Den, als bier? Und hat das Bublitum je etwas zu fei- 
ner Entfchuldigung bei Anſchaffung eines Nachdrucks 
für ſich gehabt, MB if es bier; obgleich es noch unent- 
ſchieden if, ob diefe Ausgabe unter die Originale 
aber Nachdrüde gu yäblen if. 
Leiprig im. November 1804. 
Heinrich Gräff. 


Neue Mufifalier 
im 
Breitkopf- und Härtelfchen Verlage 
‚ in Beipsig. 

Singeſchule des Konfervatoriums der Muſil in Barisı 
Vollſtaͤndige Ausgabe (nicht im Auszuge) mit frane 
zöfiihem und deutichem Terte, in drei Ahrbeilungen,. 
enthaltend ; 

1) Die Grundſaͤhe des Befanges und Singeuͤbungen. 
2) Solmifationen aus den vejien. aͤltern und neuern 
Werten. 
3) Arien in allen Taftarten und von allen Charak⸗ 
teren. 6 Thir. 
Sede Abtheilung wird auch einzeln: verfauft, und 
koſtet 2 Thaler. 

Bortolasyi, Anweiſung, die Mandoline von ſelbſt 
ju. lernen, nebũ Uebungsſtüͤcken, ı6 Gr. 

Elementi, Oecuvres compl.. p. le Pıanof, Cah. VI. 
cont;, 7 Somates, 1 Tocrata. et = Caprıcas. Pranu- 
merationspr. x Thlr. ı9 Gr., Eadenpr. 3 Thlr, 

€ramer, Etudes p. le Pianof, 1 'Ihlr, 8 Gr. 

Danzi, Sonate p: le Pianof, av. acc. d’un Cor ou 
Violoncelle. Op. »8: 16. Gr. 

— — Kantate: Das Freudenfeh, für vier Singfl. 
mit Orchefler, 2 Thlr. 16 Gr. 

Gabler, 9 Variations p. le Pianof.. sur l’air:. Nel cor 
piü non mi sento. Oeuv, 25: 12 Gr.. 

— — Gr. Sonate p..le Pianof.. Oeuv. 26. 16 Gr.. 

Hugot, Concerto p. la Flüte, Oeun, 5. ı Thlr. 

Möller, J. C., Eantaisie et Fugue p. le Pianoforte, 
Oeur. 4 8 Gr.. 

Mozart, Concertos pour le Pianof. No, ı7 und 18. 
Pränumerationspr. ä a Thlr., Ladenpr.. ä a Thir.. 





Mariane von Gotter 


habe ich, ver vielen Nachfragen megen, aus beffen in 
Sabre 1502 bei mir erfihienenem Machlaffe, der zus 
aleich als der dritte Band feiner Gedichte anzufer 
ben. il, befonders abdruden laſſen. Sie iſt eine von 
dem: Dichter binterlaffene umagearbeitete Ausgabe, Fa 
allen Buchbandlungen: iR fe für 10 Gr. fächl. oder 
45 Er. rheinl. zu baben. 
Gotha, im Oktober 1604. 


Yuftus Perthes. 


Dei E. F. Steinader in Leipzig find letzte Mi 
harlis: Meſſe erfchienen: 


Anwelfung, das Pädal der Orgel zu treten; theore: 
tiich und praktiſch erläutert. Für Organiften in 
Erädien und auf dem Lande; 4. 3 Or. 

Da es noch vielen Drganisten an Fertigfeit auf 
dem Paͤdal fehlt, fo mird dieſes Werfen, das bie 
richtige Aplikatur enthält, gewif von Nuhen ſehn. 

Ueber zweckmaͤßige Anwendung der Univerfitätsjahre, 
Ein Handbuch für Afademiften und die es wer: 
den wollen; auch Lehrern auf Univerfitäten und 
Gomnofien zur Prüfung und weitern Empieh: 
lung gewidmet, won $. € A. Heydenreich, 
Paſtor Senior und Konfiftoriat: Affeffor in Mer⸗ 
feburg, gr. 8. r Thir. 12 &r, 

In diefem Werte bat der Verfaſſer die Mefültate 
feiner eignen Erfahrung und vieljährigen Vruͤfung nie 
deraelegt, 88 verdient daher jedem Afademiter, ber 
feine Zeit meife benugen will, empfoblen zu werden, 

Katechismus der Technologie für Bürger: und Yands 
ſchulen von. M. W. £ &teinbrenner, 8 
18 Gr. 
Diefes Buch, welches die Werkzeuge, Handqriffe 

und zu bearbeitenden Stoffe fait eines jeden Künfllerg 
und Profeſſſoniſſen anaiebt und befchreibt, fan ſehr 
gut dajı dienen, der Jugend des Bürsers und Bande 
manns von dem zu wählenden Metier einen deutlichen 
Begriff zu: geben, und fie dazu vorjubereiten. 


“ Leipziger Meffcenen, 28 Heft mit 4 Folorirten. Ku: 


pfern, 4. 1 Ibir. 8 Or. 

Wer die Leipziger Meffe je ſah, wird nern manche 
Scene bier wieder finden, und durch bie launige Er— 
Härung der Kupfer fich aufgeheitert fühlen. : 

Der Bühnenfhwarm, oder das Epiel der Schau— 
. fpieler. Eine Tragödie von Ralph Nym ge 
nannt. der Weibel, 8. 12 Gr. 





Anzeige für Damen. 
Das mit der größten Achtung und Vorſorge für das 


ſchoͤne Geflecht veranflaltete Tafchenbuch,. unter dem 
Titel; 


Erffes 
Toiletten: Gefdent, 
Ein Jahrbuch 
für 
D a m e 
1805. 
Mit ı7 Kupfern und 8 Mufifblättern, kl. 4 
Breis: 3 Thlr 8 Gr 


7", 


GXCIK 


if nunmehr fertig geisorbem und im aflen guten Buch, 
dandlungen zu. erhalten, 

Menn fich je der unterzeichnete Verleger auf eine 
Unternehmung der Net etwas zu qute mei, fo iü es 
bei diefer Die Ausſtellung feines reichhaltigen durch« 
ang wertbvollen Inhalts, bei feinem ſchoͤnen Aeußern 
und dem dafür fo billig beſtimmten Preife, wirb ges 
wiß die bofte Veranlaſſung werden, das lebhafteſte Fur 
tereſſe des: gefchähten meiblichen Publitums dafür zu 
gewinnen und bei näherer Prüfung des Buches felbi 
des vollen ganı allgemeinen Beifalls verfichert zu ſeym 


Unter der Erſten Heberfchrift: Bildung sur 
Kunſtund zum fhöneren weiblihen Leben, 
findet man folgende Aufläge, als: 1. die Meihe, 
2. Mober die Intoleranz der Damen gegen weiblidie 
Genialität? 3; Heber'das weibliche Talent, fich zu 
Meiden. 4 Wober der ungraviofe Gang? 5: Die Mo: 
defranfheit- 6. Weibliche Goterien. Die Zweite Her 
Bericheiftr Zeihenfumit wnd Malerei, enthält: 
ueber das Maleriiche in der Natur und Kıml, eine 
Meibe fehöner lehrreiber Briefe. Die Dritte Ueber 
fchriit: Tanrkuuſi, enthält ı. über die Bildung tes 
Körvers zum Tanıe. 2. Unfer jehiger Tanı. 3. Et ⸗ 
was über Maskenbaͤlle für Kinder, 4. Zwei neue Tänze; 
le Triolet und la Quadrille arrötie; mit Touren. 
5. Leibchen für junge Damen, um die fihönere Hals 
tung des Koͤrvers gır befördern. 6. Der Watzer. 7. Die 
Tanzvartie. 8. Tanzmufifen, Die Vierte Ueberſchrift: 
Meufif, enthält 1. Muſiktreiben. 2. Ebitarren Spiel, 
3. Gründliches Erlernen des Klavierfpiels. 4. Hebung 
in einener Begleitung beim Gefange 5. Anleitung 
zum Singen, und Winke für Sängerinnen. 6. Einige 
Gefanglüde. Die Fuͤnſte Ueberſchrift; Weibliche 
Kunttarbeiten, entbält 1. das funfimäfige Strik⸗ 
fen nach einer ganz neuen ſyſtematiſchen Bezeichnung 
der Muſier. Das Tambonrins Striden. Mit böbmis 
fchen Granaten, Sammetähnliches. Durchbrocener. 
U, Künftliche Stiderei. Carre Sticken. Knötchenitis 
derei. Das neue Mul-Sticken. III. Künfllibe Naͤh⸗ 
arbeiten. Einundzwanzigerlei Arten Hoblnadeifiiche. 
Das Tambourin-Hohlſterpven. Vom Durchdrechen und 
Ausnäben nach Art des Enalifchen Marly. Das Pes 


tinett- Auenähen zu Vrabanter Kanten, mit Batiil.. 


IV. Kuünſtliche Arbeiten mir dem Schiffchen zu knuͤpfen, 
als Franzen, Allongen, Erepinchen und Agremens zu 
verfertigen. Die Sechtte Weberfchrift endlich, haͤue⸗ 
kihe Defonomie entbält: Sımmerverzierungen, 
Draperien, Berfchleifungen und Kabelirungen zu Fen- 
ſter Gardinen, Bett: und Teilettenbehaͤnge ohne Bei: 
bülfe eines Taperierers felbit zu beforgen. Häusliche 
Karbenlchre. Leinwand, Mouflelin, Taffet, Baͤnder, 
Seide, Stick⸗, Strick⸗ und Näbgarn zu färben. Up- 
preturen und Neinigungemittel für Kleidunasstüde, 
feine Wäiche, Svigen,. Pettinets, Floͤhre, geſtickte Sa- 
hen. und feidene Steuͤmpie Wirtoſchaftliche Beleh— 
zung über Porzellan, Fahence, Glas, Silber, Gold 


und plattirte Sachen, Enalifhe Delikateſſen. Ein- 
machen allerhand Früchte, Eifig - und Senfbereitung sc# 
Einige chemifche Bedärfnifle; aromatifche Näucherpuf: 
ver und Waſſer, Waſchwaſſer, Mittel wider Sommer: 
Herten, Seifenpulver, Schminke, Pomaden, Zabnpul⸗ 
ver ꝛe. Außer den Mufitblättern und dem ſchoͤnen Tis 
telfunfer von Schnorr, find Eine Doppelfanferplatte 
zu Tanztouren und Leibchen, Zwei zu Stridmuitern; 
Sechs yı Stidmuftern, Zwei zu Näbarbeiten, Zwei zum: 
Schiffchenknuͤpfen und Zwei zu Zimmerverzierungen 
beitimmt. Das Ganze umfchließt eim huͤbſcher Um⸗ 


lag. 
ke Georg Bof 
im Belang. 


Lehrbuch der marhematifhen Wiffenfhafr 
ten; theils für deu öffentlichen, theils für den 
Privatunterricht derfelben, befonders auf gelehrten- 
and Buͤrgerſchulen eingerichter, dann auch zur eig 
nen Delchrung zu gebrauchen. Zweiter Band, 
welcher die angewandte Arithmetif und die bürgers 
liche Baukunſt enthält, von J. G. Schmidt, 
mit Kupf. Leipzig 1805 bei Hinrichs, 1Thlx. 
4 Gr. 

Der Titel zeigt binlaͤnglich den Zweck und Inhalt 

diefes Lehrbuches. In dieiem zweiten Theile find im 

der angewandten Mathematit bie vier Species mit bes 

nannten ganzen und gebrochenen Zahlen ausgeführt, 
imgleichen die ordenrliche und verfehrte Regel de tri, 
mebſt Anfeirung jum Gebrauch der Reeſtſchen Regel, 

Ber jedem Falle ift auch gereigt, wie die Rechnung. 

abacfürt werden fonne, — Bei dem Bortrage bat der 

Verfaſſer immer die Feftigteit, Bequemlichkeit und 

Schönbeit der aufiuführenden Gebäude vor Aunen ge 

habt, und alſo auch in diefer Hinficht ein volkfommes 

nes Werk geliefert. 


Gallerie hiſtoriſcher Gemälde 
aus dent ı$ten Jahrhundert. 
Ein. Handbuch für jeden Tag bes Jahres 


Sam. Baur. 
Dritter und vierter Band. Hof, bei G. A. Grau; 
150% 

Dieres in vielfacher Hinſicht intereffante Biforifche 
Werk ift num mit dem vierten Bande vollſtaͤndig und 
enthält die charafteritifchen Schilderungen vom 365 
der merfwuͤrdigſten Perfonen des ısten Jabrhunderts, 
die als berühmte oder beruͤchtigte Menfchen eine aus: 
gejeichnete Molke gefvielt haben, und deren ganzen Le— 
bensgang man bier mit einem Blidk überfeben fanın. 

Der Verfaſſer hat durch die glüdliche Bearbeitung 








diefes Wertes einen neuen Bewels negeben, wie er 
mit Achter biſtoriſchet Kunſt die anzlebendſten Gemälde 
darzuftelen weiß; und da es zugleich die intereffantes 
fien Notigen von dem Geiſt und den Bitten eines gan 
zen Jahrhunderts enthält, und fo vieljeitige Belehiung 
als Unterhaltung gewährt, fo wird es jür jede oͤſfent⸗ 
fiche und Privatdibilothek, fo wie auch für Schufpiblie- 
thefen ſehr weckmaͤßig anzuſchaffen fern, und fein 
Freund der Gefchichte und Literatur wird es entbehren 
fönnen. 

Alle vier Bände koßen komplett 6 Thlr. ı6 Gr. 
fächfifch. . An Berlin zu baden bei Heinrich Brö« 
lid, Scharenfrage No. 12.) 


Die lange vermißte 
Saͤch ſiſche Geſchichte mit ſynchtoniſtiſchen 
und genealogiſchen Tabellen, von G. A. Schep⸗ 
pach, 
Zweite vermehrte und verbeſſerte Auflage, it zum Bes 
fen der Schulen vom 18auf ı2 Gr., fo wie die fon« 
qroniſtiſchen Tabellen einzeln von 4 auf 3 Gr, herab» 
geicht, und in der Hinrichs ſchen Buchhandlung in 
Leir zig zu baden. Dem Lichbaber der Gefchichte muß 
diefe Anzeige eben fo angeuchm ſeyn, als das Buch 
felbit feiner anerfannten Güte wegen für das Tuch der 
Gefchichte als unentbehrlich zu betrachten ift, 


Meuefte Derlagebüger der Afademifhen Dud- 
bandlung in Jena: 


Beenſtein's, J. Tb. Ebr., Beiträge zur Munde 
arzneitunit u. gerichtlichen Argneigelabrtbeit, 8. ı Zölr. 

Bafelius, J. A. L., Beichreibung ber Herjogl. 
Sicht. Reſidenz⸗ und Univeriitätstadt Jens, gr. 8. 
18 Gr. (in Rommiflon. ) 

Genslers, 3. C., Altenſtücke über alle Haupt» und 
Zwifchenhandlungen des bürgerlichen ordentlichen 
Prozefies, fo wie alle Summar » Verfabrungsarten 
nach den Regeln der ſaͤmmtl. Herzogl. Saͤchſ. Altern 
und neuern Prosefiordnungen ; zum Behuf praltiſcher 
Vorleſungen, befonders aber mündlicher und fchrifts 
licher Nelationen, foitematifch geordnet und in der 
Form ſaͤchſtſcher Aktten gedrudt, aud mit einem Re 
giter verfeben, ıfle Abtheilung. Folio. 

Deifen Aftenfiäde über ale Haupt« und Zmifchenhand- 
lungen des deufichen gemeinen, bürgerlichen, ordent⸗ 
lichen Wrogeffes ıc. in der Form fchriftlächer außer⸗ 
fächfifcher Aften gedruckt ic. ze Abtheilung. Folio. 

Deſſen Aktenüͤcke nach ſammtlichen Arten. des Krimis 
nalprogefies ꝛc. iſte Abtheilung. Folio, 

Goͤttling's, J. 5. A., phyſiſch⸗ chemiiche Encyelo⸗ 
paͤdie zum Selbſtunterricht und zum Gebrauch für 
Schulen, ir 28 Baud, 8. 3 Thlr. 

Auch unter dem Titel: 

Hauefteund, der pünfiich = hemiiche; eine Zeitfchrift, 
herausgegeben von 3. F. A. Götsling. Jahrgang 
1804, 12 Hefte, 8, 3 Thlr, 


cc 


Harles, T,C., Supplementa ad Introductionem in 
historiam linguae graecae, Tom, L 8 maj. ı Thlr. 
12 Gr. 

Jacobs, Fr., Observationes in Aeliani historiam ami- 
malium et Philostrat, vitam Apollonii, 8. 4 Gr. 

Keitit des Kommentars über das neue Teftament von 
Herrn D. Paulus, ar. 8. 20 Gr, 

Boder’s, J. C., Journal für die Chirurgie, Ge— 
burtsbüffe und gerichtliche Armeitunde, Ar Band 
28 Stuͤck, gr. 8. 16 Gr, 

Markus, U. Fr., Magazin für iveriele Therapie und 
Klinit nach den Grundſaͤtzen der Erregungstheorie 
ır Band 35 Stüd, 8. Der Band von 3 Erüden 
2 Thlr. 6 Gr. 

Speyer's, Fr., Ideen über die Natur und Anwen—⸗ 
gungsart natürlicher und laͤnſtlicher Bäder, Nibk 
einer Vorrede von Dr, U. 5. Markus, gar. & 
20 Gr, 

Succom’s, W. E. F., Pharmacopea für kliniſche 
Inſtitute und für felbüdispenfirende Aerzte, ır Bd, 
ar. 8. 

Trarler’s Verſuche in der organifchen Phyſik, 8. 
ı Thlr, 16 Gr. 

Zeitung, medizinisch: hirurgifche, berausgegeben vom 
J. J. Hartenteil. Jahrg. 1801. gr. 8. 6 Thlr, 
16 Gr. (In Kommifiion,) 

— — Erginungsblätter ju derfelben, ze Bd. gr. 8. 
2 Thlr. 6 Gr. 


Hoffmann’s Hepertorium der Preuß. Branden⸗ 
burgifchen Landesgefete für Kameral: und Yurtig 
bediente, ze letzte Fertfekung oder gr Bd. ar. 8. 
Zuͤllichau bei Darnmann, Preis; 2 Thir. 12 Gr, 

Mit diefem Bande ii das nuͤhliche, mit fo vielem 

Fleiße ausgearbeitete Merk geſchloſſen, welches mit vers 

dientem Beifall vom Publikum aufgenommen murde. 

Es ih diefe dritte letzte Fortſetzung bauntiächlich mit 

auf die Forſt⸗ und Jagdgeſehhe der fÄmmtlichen Preuf. 

Staaten gerichtet und kann daher auch jedem Yande 

Tiebbaber, fo wie Forfiteamten als ein zweckmaͤßiges 

Handbuch empfolen worden. 


An Pferdeliebhaber. 
Bei Theodor Seeger in Leipzig if erfchienen und 
für ı8 Gr. zu baben: 

Meues Leipziger Taſchenbuch für Pferdeliebhaber, 
herausgeg. von Valentin Trichter, 28 Bbn. 
Mit einem Kupfer. 

Auch unter dem Titel: 

Rebensgefchichte ber Meklenb. Stute Amante x. 
26 Bänden, 

Das erſte Bändchen, melches in ber letzten Dfter- 
meſſe erfchienen ift, Foftet unter dem einen oder dem 
andırn Titel x The, ° a, 





No. 


LI 


giterarifher und artiſtiſcher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymuͤthigen oder Ernſt und Scherz 1804. 


— — ——— ———————— DIDI —— 


Anzeige. 
Die Herausgabe einer Sammlung von Gedichten mit 
meinem Namen veranlaßt mich zu der Erklärung: daß 
ich meine Beitrage zum Freimätbigen Cauch zu 
Ernft und Scherz) bisher gewöhnlich blos mit 
— dt. umterzeichnete. Ich wählte dieſe Chiffre, um 
nicht, wie oft in der Zeitung für bie eleg. Welt, im 
Bedfer’s Erholungen und Taſchenbuͤchern, in der 
Eunsmia und andermärts, mit meinem Namensvetter 
Heren Aſſeſſr Reinhard im Göttingen vermechfelt 
ju werden, und um das Publikum daranf aufmerkiam 
zu machen, daf ih mein Name von dem feinigen 
durch eim doppeltes dt. unterſcheidet. 
R&. Heinr. Leop. Reinhardt. 





Aufforderung 


an ben Herausgeber ber Zeitung für die elegante 


Melt. 
Nas fordere den Hochfuͤrſtlich ⸗Neuwiedſchen Hofrath 
Heren Carl Spazier in Leivlig, als den Herausge · 
ber der Zeitung für die elegante Welt, hiermit öffent⸗ 
lich auf, mir den Namen des Verfaſſers oder Einjen- 
ders eines im ugten Stud der gedachten Zeitung ge= 
gen mich gerichteten Aufſahes sm Nennen, damit ich 
diefen Verläumder megen der darin enthaltenen Inju⸗ 
rien zu gerichtlicher Verantwortung zieben kann. Erſt 
vor weninen Tagen ward mir dieſer Auffah befannr; 
daher konnte meine Aufforderung vicht früher erfolgen. 
Hambürg den 27. Nov. 1804. 
Joſeph Heinrib Scholi. 
Abdreſſe: Vottmer ſche Buchandiung. 


Magdeburgiſches Theater 
in Beziehung auf den im Oktober-Stuͤck No. 209. 
enthaltenen Auffa. 
Unſre Dper befindet fich keinesweges in der in dieſem 
Stuͤck geſchilderten Lage, und it fo organifirt, wie fie 
bei einem Provinzial Theater und nach dem Girade 
der Hnterfiäikung von Seiten des Publifums nur ſeyn 
fann, Das Kollenfach der Madam Mönfe ik durh 
alte und neue Mitglieder völlig erſeht, fo mie bie von 
Herrn Köpfe aeivielten Rollen fehr fuͤglich uͤder tra⸗ 
gen werben können. Zur Hehung der Oper hat aber 
Gere Kiel um deshalb nichts beitragen fünnen, weil 





die Direftion ihn im einem Tränflichen Zuftande von 
Anfang des Enaanements befommen, der bis zu feinem 
Abgang fortgedauert, fo daß er für die Oper fait völ- 
fig unbrauchbar gewefen, indem er zum größten Nach- 
tbeil für die Tpeaterkaffe nur wenigemal bat auftreten 
fonnen. Die Verbindung mit Madanı Kiel mar aber 
bis zu Oftern fünftigen Jahrs feſtgeſeht, und hatte nicht 
nur wider Willen, fondern auch der Proteflation der 
Direftion obnerachtet ibr Engagenicnt verlaffen. In— 
bei mird ihre Etelle durch eine gewiſſe Madam 
Schmidt wiederum erfeht, die nebſt Madam Men 
des im erſten Rollenfache auftreten wird. 

Vom Heren Zaharid, der Fleiß mit Geſchick⸗ 
lichkeit verbindet und es mit der Andalt gut meint, 
fann man ſich den beiten Erfolg verfpredhen, um fo 
mehr, als er die Direktion im ihren Anordunngen wer 
gen der Wahl der Opern, wobei für das Vergnügen 
des Publikums geforgt wird, unterfiiht. Der bisher 
ununterbrohene Gang der Dper zeigt auh, daß es 
nidt an Sängern und Sängerinnen in Hauvt und 
untergeordneten Fächern fehlt, mwesbalb man Mich anf 
die Darftellungen der neuen Arcadier, des Belmont 
und Conſtanze und Waſſertraͤger bejicht, und wenn 
übrigens auch bierunter noch fü manches gu mwünfchen 
übrig bleibt, fo Liegt dies micht in der Drganifation 
der Anſtalt, fondern in der ſehr befchränften Ein» 
nabme. 

Madbam Menges ift endlich eine Schülerin von 
Rigbini, und ihrer ſchon font in öffentlichen Blaͤt⸗ 
tern befiens gedacht. Auf eine vollendete Kuͤnſtlerin 
mil he auch jur Zeit feine Anfoeüche machen, und fich 
nur befireben, nach ihren Kräften meitere Fortſchritte 
im machen; daß es ihe aber damit Ermit äf, bat fie in 
den aenannten Borftelungen bewleſen, im welchen fie 
mintaftens einen Theil der Zubbdrer nicht unbefriedigt 
oelafen bat. In den letzten beiden Vorſtellungen trat 
Herr Weizmann vom Konigl. Nationaltbeater bei 
feiner Ruͤckreiſe nah Berlin als Belmont und Graf 
Brand auf, und erndtete verdienten Beifall, empfahl 
fich auch durch ein anforuchlofes und beſcheidenes Weſen. 





Anzeige für Brandtweinbrenner, 
Das 
Kittelfche einfache und foftenfreie Gährungds 
mittel zum Brandtweinftellen, 


ccıı 


welches befanntlich 2 Friebeicheb’or koſtete iR um den 
äuferfi mohlfeilen Preis von 16 Gr. bei mir in Kom⸗ 


miffon zu haben. 
Wwe Barkı, 


nühlendamm No, 3 





m Verlage der unterzeichneten Buchhandlung if fo 
eben erfchienen und um beigefehten , in Ruͤckſicht der 
Reichhaltigkeit des Inhalts und der Nettigkeit der 
Kupferftiche, gewiß billigen reis in allen Buchhand⸗ 
lungen Deutihlands zu haben: 

Augendfalender für das Jahr 805, 
herausgegeben vom Diaconus Seidel und 
Eonrector Bauer zu Nürnberg. Mit fieben 
Kupfern und einer Reiſelbielcharte. 12 Bogen 
auf Schreibpapier, 8 gebunden # Thir, 

Diefe Jugendſchrift, deren erfier Jabrgang ſchon 
mit Keifal aufgenommen worden iſt, trägt eigentlich 
den Namen Kalender mehr um der Form als um Des 
Inhalts willen, obgleich der vorangefchickte eigentliche 
Kalender im der dritten Spalte als eine meienrliche 
Eigenichaft die Namen der mertivärdigien Gegen» 
fände aus der Motbologie entbält. Nice nur von 
den Verfaſſern konute der Inhalt, fondern auch von 
den Künfilern Herrn Gabler, Nußbiegel und 
Schwarz fonnten die Kupfer diesmal mit mebr Mufe 
als im vorigen Jabre ausacarbeitet werden. Wir als 
gen, mit Borbeigebung deffen, was zum Kalender ge⸗ 
hört, den Inhalt biemit an: 3 

Etwas zum Berkändnig der in der Kalenderſpalte 
beigeichten Worte, — Borfäge am Morgen. — Die 
behrafte Eitelteit, Geſchichte und Drama — An die 
Kinder. — Geograpbiicer Aufſatz, aefliſſentlich falich 
durchgeführt. — Der Köme und das Hüudchen, Fabel. — 
Man fol Niemand erfchreden, Geſchichte. — Der Bir 
ber und der Affe, Fabel. — Gutgemeinte Belebung 
für Geſchwiſter. — Die Katze und der Hund, Zabel. — 
Belobnte Ebrlichleit, Gefchichte. — Der Wetterdahn, 
Fabel, — Ordnung il das halbe Leben, Geidichte. — 
Der Schornfein und der Kamin, Kabel, — Willions 
Miffongeeife. — Die beiden Vögel, Fabel. — Bert 
febung der geſellſchaftlichen Unterhaltung im vorigen 
Kabrgang diefes Kalenders. — Der Dietrich und das 
Schloß. — Denkfprüche nach Jeſus Sitach. — Anden 


Stifter der chrififichen Religion. — Der Kiefel und 


der Demant, Fabel. — Solbenraͤtbſel oder Chataden. — 

Eitelfeit. — Der Mann mir dem Gudtaten. — Die 

Keife von Prag nah Wien, ein gesgrapbifches Soitl. 
J. €. Seidelfhe 

Such: und Kunfhandiung zu Nurnberg. 





In allen Buchhandlungen iſt folgende Meine Schrift 
in Tajchenformat und ſauberm Einband a ı2 Gr. zu 
haben: s 


F 
Hausmittel 
für 
junge Ehemänner 
ſich 


die Liebe und Treue ihrer Gattinnen zw ver— 
fibern. 





So eben if erfhienen und in allen Buchhandlungen 
zu haben: 


Der Weihnachtsabend 


in 
der Familie Thalberg 
für 
Kinder beſchrieben 
von 
J. A. 2. !bhr, 


mit funfzehn illuminirten Kupfern 2 Thlr. 8 Gr. 
geipijig, bei Gerhard Fleiſcher. 

Der Verfaſer, den Freunden unſerer Jugend ſatt⸗ 
ſam befannt, beſchreibt die Unterbaltung und Bege⸗ 
benbeiten, die in der Familie Thalberg in den Tagen 
vor Beihnachten und an diefem Feſte felbit vorficlen. 
Anden er feine kleinen Leſer bios ſcheint unterhalten 
za wollen, belehrt er fie auf vielfättige leichte Weife, 


“md wirft auf die Veredfung ihres Heriens. Die 


funfschn großen iluminirten Kupfer werden heffents 
N dayız beitragen, das Wert ned angenehmer zu 
machen. 





In allen Buchhandlungen iſt zu baben: 
Allgemeiner 


englifcher Briefſteller; 
oder 
Muſter engliſcher Original: Briefe für alle, melche 
die englifhe Sprache lernen wollen, befonders 
für Kauf: und Geſchaͤftsleute. 
8. Reirzig, bei Gerhard Fleifcher d. J. 1803. 
Preis: ı Tolr. 8 Gr. 

Die literarifchen Ereugniſſe der englischen Nation, 
welche die Kenntniß ihrer Sorache fd netbiwentig ges 
macht baten, und die großen Handelsverbindungen, In 
welchen fie mit der deutfihen liebt, muͤſſen dieſer Sa m m⸗ 
lung engliſcher Original» Briefe uͤber Gegenſtaͤnde als 
fer Art den Ruf eines ebem fo unentschrischen als ge⸗ 
meisnikigen Werkes verihafen. Das Banze zerfällt 
im drei Abtheilungen, wovon die Erhie für den Unter⸗ 


60111 


richt im der engliſchen Srrache eine Menge Briefe in 
einem leichten und fließenden Stule als Muter aufftellt, 
und dem Lernenden befonders turch eine Auswahl von 
%0:d Cheſterfield's Briefen an feinen Sohn Bes 
lehrung und Vergnügen zugleich gewaͤhrt. Die 
Zweite giebt angebenden Kaaf- und Geſchäͤftsleuten 
wicht nur in mannigfaltigen Handelsbriefen, ſondern 
auch in Muſtern von Wechſelbrieſen, Handſchriften, Ver⸗ 
ſchreibungen, Schuldſcheinen, Fafturen, Rechnungen, 
Kaͤufen, Vacht- und Wirth Kontraften, Teſtamenten, 
Bittſchriften, verſchiedenen Rechtsformeln 10, eine 
ſichere Anleitung, ſich im emalifchen Brietſtyl und ders 
gleichen Aufſaͤtzen vorzüglich zu bilden. Die Dritte 
endlich, welche Freundfchafts > und vermifchte Briefe 
nebi einem Anhange von Empfehlunastarten und Ein- 
ladunqsbillets enthält, verschafft den Geuͤbtern in der 
enaliichen Sprache eine angenehme Leetüre, und fie 
werden das Werf nicht unbefriedigt aus der Hand le: 
gen, befonders wenn fie die darin aufjenommenen ſchoͤ⸗ 
nen Briefe Dorid (Sterne) an Eliſa Draver wer— 
den gelefen baden. Diejer Umfang des Ganzen nicht 
nur, fondern auch eine allgemeine Unmweilung 
zum Brieffchreiben und zu englifdben 
Adreffen, mebit einer Erfldrung der ſchwe— 
ren Wörter und Redensarten, melde dem 
Merfe zum Behufe des Heberiehens ins Deutſche aus 
gehängt iſt, geben demfelben den Wertb eines eben fo 
vollüändinen als nüglichen Buches, das zum Unterricht 
und zur Unterhaltung in der englifchen Sprache, vor: 
zuͤglich aber zur englifchen Korreſpondenz in Hantels- 
aeichäften und andern Vorfaͤllen des Lebens ganz gecige 
net id. (In Berlin bei Heinrich Frolic.) 


An Eltern und Lehrer im Gingen.. 
In allen Buch⸗ und Mußfbandlungen iſt zw baben: 
Reichardit's Lieder für die Jugend, 28 Heft 4 
ı Ihr, Leipzig, bei Gerhard Fleifcher. 
Da man fo wenige unter der Menge von Mufifas 
lien bat, die ſowohl in Hinficht auf die Faͤhigkeit der 
Jugend, als in der Wahl der fomponirten Lieder nanz 
für diefelbe geeignet waͤren, fo daß man We derſelbru 
obne Gefahr, entweder bie Luf zum Singen durch die 
Schwierigkeiten in der Kompofition zu benehmen, oder 
durch den Anhalt der femroniiten Stuͤcke ihrer Mo» 
ralität au fchaden, in die Hände geben konnte; fo müf 
fen alle Eltern dem Herrn Rapellmeifter Reichardet 
für diefe gut gewäblte Sammlung Dank wilfen, in der 
zugleich zu Erleichterung des Unterrichts die Finger 
fegung mit angebracht if, 





Eontor: Enenchopädie, von dem Prof. Bürmann, 
Vorſteher der K. B. Sandlungs : Nrademie zu 
Monnheim, 4 Baͤnde. Median Quart mit vielen 
ſchoͤnen Kupfectafeln, 1805. 


Bis zu Ende 1504 kann man noch auf dieſes ſchon bin- 
länatich befannte Werk um die 2 des kuͤnftigen Laden- 
preifes Theil nehmen; nämlich ein Laubthaler für den 
erien Band und vier Laubthaler für das Ganze, — 
Die Brinumeranten und Subferibenten can deren Spihe 
Se. Maleſtüt der Railer Napoleon fich gu Helen ges 
rubt bat,) werden vorgedrutt und erhalten jeht unents 
geldlich das Mufter eleganter Hauptbücher, 
welches für andere Perfonen 40 Tr. koſtet. — Wegen 
des fernern wendet man ſich an die Verlagsbuchband- 
lung Mannbeim, in dem neuen Indufrie« Eomptoire — 
bei Hrn. Anton Gerhard unter dem KRaufbaufe und 
bei dem Burtbändler Hrn. Erölich in Berlin 
Scharrnfeaße No. 12. 

In den Buchbandiungen, auf den Poſtäͤmtern ıc, 
der dornehmſten Städte Deutſthlands befinden ſich ae» 
genwirtig ausführliche Plane und Murerkupfer jenes 
fo gründlichen als fchöm geichriebenen Wertes, das beim 
jebigen Grade der Kultar nicht allein dem Kaufmanne, 
fonderm auch dem Kameraliien, dem Verwalter von, 
Landguͤtern, von Militke - and andern Kaſſen, von 
Staatsaefälfen und dergl., mit einem Worte, jeder Art 
von Gefchäftsleuten vom größten Nupen ſeyn wird. 


Mir empfehlen uns mit folgenden mufitalifhen In 
firumenten: 


£yra-Guitarren, für 4 bis 5 Carolin. 
Guitarren, für 10 bis 15 Thlr. ſaͤchſ. 
Dergleichen Fleine für Kinder, für ı Ca— 
relin bis 8 Thir. 
Die Emballage wird noch befonders mit ı2 Gr, 
bezahlt. 
Ale diefe Inſtrumente find Auferit geichmaduo 
gearbeitet und baben einem reinen und ſchönen Ton. 
Da Infirumente diefer Met oft zu Weihnachts: und 
Neuiabrsgefchenten gebraucht werden, fo fanın auch auf 
Verlangen ein Name mit Elfendein ausgelent, am Dem 
ſelden amgebracht werden. Die Heinen Guitarten, dle 
denielden guten und vollen Tom mie die grofen baben, 
find nicht allein für junge Beute, fondern auch für Da 
nen brauchbar. . 


Gotha, im Nov. 1804 
* Steudel und Keil, 





An allen Buchhandlungen ift gu haben: 

Guſtichens Geſchichte, oder — eben fo muß «s 
tommen, um Jungfer zu bleiben! ein Zeiten 
flüt zu Hanchens Hin» und Kerjägen, von 
C. Althing. Mir 1 Kupfer und ı Vignette. 
8. Etambul und Avignon. ı Thlr. 8 Or. 

wie es kam, daß @uächen Jungfer blieb? ob fie dabei 
ein Verdienſt babe oder nicht? findet der, dem daran 
gelenen in cs gu wiſſen — im Romane feld, deſſen Exr- 


einung hiermit anzeiget 
—— er Der Berleger. 


ccıv 


Anfündigung 


So eben if erſchienen und in allen guten Buchhand⸗ 


lungen gu haben: 
I er an 
Ein 
Taſchenbuch fr Freunde ber deutſchen Vorzeit 


von 


Ernft Müller 
Mit neun Bildern zur Muttertreue, 
Zürich und Leipzig, 
1 Tommiſſon bet I. ©. Ediesg. 

Müderinnerung an die Dentart und Gitten unſe · 
ver Vordltern, Erweckung der Vaterlandellebe und 
Belebung des Sinnes für häusliche Tugend nach alt- 
dentfcher Weile, find die Zwecke, welche der Herausge⸗ 
ber diefes neuen Taſchenbuches, der dem gebildeten 
vublitum nicht unbefannt it, bei der Austellung der 
darin enthaltenen romantifhen Schilderungen vor Aus 
gen hatte; und fo wie ſich derfelbe bemüht bat, ‚feinen 
Lefern durch den Inbalt eine angenehme und nupliche 
Unterhaltung zu neben, ſo tt auch von Seiten der 
Berlagsbandlung alles mögliche geicheten, um ibm cin 
ſchoͤnes Aeußere zu ſichern, damit es auch in dieſer 
Hinficht werth ſey, ein Plaͤtzchen auf den Vuhtiſcheu 
der eleganten Welt zu finden. In den ncun Haupts 
bildern, von Mfleri und Eins, if die Tugend ber 
Muttertreue in einer Meibe bäuslicher Situationen aus 
der Mitte des ı6ten Tabrbunderts dargeftelt, und nad) 
dem einfimmigen Urtheil anerfannter Sachtenner von 
den Künflern meitterbaft ausgeführt, und auf dem 
Tireltupfer ericheimt, von Schnorr gejichnet und 
von Böhm gefohen, Alruna. Drud und Papier 
find der fchönen Kupfer würdig. — Ein Eremplar 
mit fein ausgemalten Kupfern, gebunten in englifch 
Marsauinleder mit vergoldetem Schnitt, koſtet 4 Thlr. 
oder 7 Fl. 12 Er. ıhein. Eins mit Kupfern in engl. 
Kufehrmanier, braune Abdruͤcke, gebunden in Maroquin⸗ 
yapier; 2 Thlr. 16 Gr. oder 4 FI. 48 Kr. rhein. 
Eins mit radirten Kupfern, fchrtarge Abdruͤcke; gebun · 
den in Marosulnpnpier: 2 Thlr. oder 3 Fl. % &r. 
eheinifh. (In Berlin bei Heinrich Frölich.) 





Neue Mufifalien 


im 


Breitfopf- und Härtelfhen Verlage 
in Zeipsig. 
Pir, 11797 Die Begelagerer (1 Fuorusci) Dper im 


Klavierausjuge, ital. und deutich, 5 Thlr. 
Pettoleiti, 3 Duos pour 2 Violous, Otuvre 4. 


Liv, ı Thik. 





Reicha, A.. L’art de varier ou 57 Variations pour le 
Pıanof. Oeur. 57. ı Thir, ı2 Gr. 

— — Fantiisie p. le Piauoforte. Oeuv. 59. No. I. 
6 Gr. 

— — de do No... 6Gr. 

Riem, Quinterto pour 2 Viol., A, et Vile, Op. 6, 
z Ihr. 

— — Sonate pour fe Pianof. Op. 7. ı Thir. 

Schneider,s Wılhelm, Fantaisıe ( Ballet des Fu- 
ries et Ballet des Graces) pout le Piamof. 12 Gr. 

— — F., 3 Sonates pour le Pianof. ı Thir. 8 Gr. 

Schulz, E., 12 Jaͤgerlieder mit Begl. des Klaviere 
und 2 Hörnern. ı Thir. 

Steibelt, Sonate pour le Pianof. Oeuv. 60. ı Thlr. 

wölfl, 3 Sonates p. le Pıianof, av. acc. d'un Yıol. 
Oeuv. 19. 2 Thir. 

— — Concerto pour le Pianof. Omıv. 26. 2 Thlr. 

— — Arien aus der Oper: Die romanbaftte Eiche. 
(l’Amotr romanesque.) No. 2 et5. 4 Gr. 

Zumfleeg, Kantate: Des Eigen if die Erbe ır. 
für 4 Singkimmen mit DOrchefterbegleitung, in Par« 
titur, Mo; 6. 18 Gr. 

— — do Die Himmel entitanden. No. 7. 18 ®r. 

— — do Dem mir mit tindlichem Bertrauen, No. 8. 
ı8 Gr, 

— — do Lieber eure Feinde. No. 9. ı2 Gr. 

— — do Lernt Beicheidenheit. No. ı0. 18 Gr. 


Romio und Yulierte, 
Pramatifches Gedicht nach Dilla Cartes Geſchichte von 
Verona. Don Julius Graf von Soden, Preis: 
ı Tble.,, if im der Röglerfhen Buchhandlung er 
fchienen. 





Neues Handbuch für Lakkirer und Maler, 
welches bie praktiſche Bereitung und Anwendung 
aller Arten von Firniffen und Farben enthält, aus 
dem Franz. des Prof. P. F. Tingry"s, heraus: 
gegeben von Dr. €. &. Efhenbad, zr und lc 
ter Band, gr. 8. Leipzig bei Hinrichs, ı Thir. 
8 Or. 

Emwfohl ſich der erfle Band diefes gründlichen Wer⸗ 

fes, welcher die Ladfirfun enthält, durch fein wefent: 

liches \nterefle, fo muß es dieſer sweite Wand eben- 
falls, welcher jedoch unabhängig von jenem in und dem 
mechanifcheh Theil der Malerkunſt aufs gluͤclichſte um⸗ 
faft. Er löft dem Maler von Metiet alle Zweifel, uns 
teritüpt den Kuͤnſtler und Liebhaber der Malerei, um 
dem Fluge der Pbantafle ungehindert zu folgen, und 
wird dabucch zugleich mit dem Erſten ein wirklich 
praftifches Handbuch für jeden, der die Malerei und 
Ladictunft als Brodfudium oder als Kunf betrachter. 


No. LIL 
giterarifher und artiftifher Anzeiger. 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 








Auswahl müglicher Schriften 


iu 
Weihnachts » und Geburtstags + Ge: 
ſchenken. 


Allen, für die Bildung des Verſtandes und Herjens 
ihrer Kinder beiorgten, Eltern fonnen nachliebende neue 
Bücher Als angenehme und fehr nüsliche Schriften 
mit Mecht empfohlen werden. Sie find nebit vic- 
Ten andern vorrätbigen und fanber gebun« 
denen vorgügliben Kinderfchriften und 
neuen Tafhenbücdern für beigefehte Preife 
bei mir zu befommen. | 
Wilhelm Debmigfe der Jüngere, 
Budhandler 


Um Badbofe Ro. 9. 


Bartbeltn, ©. W., (Brofefor der Mathematik 


am Gommafium su Stettin; Anleitung wur mathe: 

matiichen, phyſiſchen und Staats» Geographie, 2 Thle, 

mit Rurfern und Karten, 2te vermehrte und verd, 
Aufl. gr. 4. Berlin ıs02 4 TMr. 12 Gr. 


Neue Bildergalerie nach Eampe Lehrart für junge‘ 
Söhne und Töchter, zur anaenelmen und mühlichen' 


Selbſtbeſchaͤft gung ans dem Reiche der Natur, Kunſt, 


Eitten und des gemeinen Kebens, 13 Bände, mit 


2500 Abbildungen, ar. 9. Berlin 18502 — 1501, mit 
fchwargen Kupfern 50 Thlr. 8 Gir., mit bunten Kus 


pieen 50 Tblr., auf engl, Schreibpap. mit auszes - 


malten Kupfern 61 Thlr. 

Les «ontıs jannes oder das Buch der Kindheit, nach 
Freville frangöfifch und deutich mit illuminirten 
Kupfern fauber gebunden, ı Thlr. 

Euterve, ein Meihnachtsaefhent für die Freunde der 
Dichtkunſt und des Geſanges, Lieder von Karl 
Miüchler, in Muſtt aefeht von Himmel, Hurka, 
Gürlich, Zelter und andern belichten Tonkuͤnſt⸗ 
lern. Folio, 2 Thlr. 20 Gr. . 


Gallerie der Welt, in einer bildfichen und beſchreiben⸗ 


ten Darſtelung von merfwirdigen Lindern und 
Dölteen nach ihrem förperlichen, geiftigen und bürs 
gerlichen Zufande, von Thieren, von Natur » und 
Khnitergenanifien, von Anfichten der fchenen und ers 
habenen Natur, von alten und neuen Denfmälern, 
in beddmdiger Hinficht auf Verorderung der Dumas 
nität und Aufflärung, Zı Hefte mit 84 ſchwarzen 


III U DIET — — — — 





Kupfern in Ato 24 Thlr. 12 Gr., mit ausgemalten 
Kupfern 40 Thle. 6 Gr, and auf emglifch Bapier 
mit geglätteten Kupf. 49 Tole. Berlin 1304. 

Fiſchers, Brof., Mechenduc- fürs gemeine Leben, 
2 Bände, 2 Tplr. 

Gellerts Fabeln und Ersäblungen, 2 Theile, neue 
Auflage, 8. Berlin 1804 5 Gr. 

Daſſeide Buch mit 12 ſchwarzen Kupfertafeln, 8. Ber: 
lin 1804 12 Gr. 

Daſſelbe Buch mit ı2 illuminirten Suletikie, 9. 
Berlin 1904 18 Gr. 

Daffelbe Buch auf Sichreibpapıer mit 12 Kupfern von 
Meil und Chodomiedy, in gr. 8, recht fauben 

gebunden, ı Thlr. » Gr. 

Mila, Prediger in Berlin, Heine Bildergalerie für 
junge Söhne und Töchter, ein moralifches und an⸗ 
genehmes Leſebuch aus allen drei Reichen der Na— 
tue in franzöäfcher und deutfcher Sprache, mit vies 
Ten illam. Kupf., und fauber gebunden gr, 8. Berl, 
1504 4 Tolr. 

Hirſchmanns Bilderfabinet für junger Söhne und 
Tochter, mit ium. Kupf. gebunden ı Thlr. 8 Gir. 

Der Jugendfrcund, eine Sammlung vorzüglich interef- 
fanter Cegenſtaͤnde, aus den neueſien theuerſten 
Merten der Musländer. Für Söhne und Töchter 
edler Erziehung, von GBottlich Gutmannz mit 
‚Kupfern gr. 8. Berlin 1505, 4 Thfe.. 

Zrrehufe, Geihicte der Mark Brandenburg, für 
Deutfchlands Söhne und Töchter edler Er; jiehung 
bearbeitet, mit ſchönen Kupf. ar. 8. Berlin 1504 
2 Tolr. 8 Gr., mit bunten Kupf. 2 Thle. oh Kir. 

Voyageut, le, autour du monde, à l’usage de la jeuiherse 
pır Schäfer, tradut de Vallemind par Mila, 
Tom. I. avec figures enlumindes, 4. Berl:n 1304 
4: Thlr. 

Meuer Schauplatz, der Natur, in einer Meihe merk⸗ 
wuͤrdiger Gemälde, von vorzüglichen Volkerſchaften, 
Tpieren, Pflanzen und Anfichten fchöner Gegenden, 
9 Bde. mit 190 ilum. Rupfertafeln, 36 Tbir. 

Der —— oder Reiſe durch alle fuͤnf Theile 

der Erde, mit vorzüglicher Sinficht auf ihre Bemob- 
ner, auf die Schönheiten der Natir und Kun, um 
Selbiunterricht der Jugend nah Campe Merhode 
zwedmaͤßig abgefatt von Schäfer, Konigk. Vagen⸗ 
hofmeitter in Potsdam, 3 Bde. mit 21 illum. Kupf. 
und Karten, von SSH sk: 4. Berl. Bränumes 
tationspreis 9 Thlr., Ladenpreis 12 Thlr. 5 Gr. 


escvri 


Der Naturfeeund, in ahmechfelnden und intexeffanten 
Darflellungen aus der gemalten Welt, fr wißbegie⸗ 
tige Kinder, Dritte vermehrte Yafl. mit 10 ausge» 
malten Rupfertafeln fauber geb. ı Thlr. ı7 Gr. 

Oalle, 3. F., Giftpflanzen, jur Verbitung trauri— 
ger Vorfälle im den- Hausbaltungen, nach ihren bo— 
tanifchen Kennzeichen, mebi den Heilungsmitteln, 
mit 24 Kupfertafeln nach der Natur ansgemalt, äte 
Auflage, ar. 5. 1803 3 Tblr, 

Birfhmann, E. A., Heine moralifhe Kinderwelt 
in angenehmen Erzaͤhlungen, iur Bildung junend- 
licher Herzen, mit iduminirten Kupf. M 8. Berlin, 
gebunden 16.Gr - 





MWeihnachregefchenf für die reifere Jugend; 


Als ein folches glaubt man nicht mit Unrecht dem 
Nachlag eines verſtorbenen Jugenblehrers, des hie ſigen 
Subrectors Hoffmann, und die von einem Freunde 
deſſelben abgefafte Lebens» und Bildungsgeichichte dies 
fes feltenen Charakters, dem Bublitum ins Gedächt: 
niß bringe zu muͤſſen, da es zufäliger Weile weit 
weniger befannt geworden if, als es zu ſeyn verdient, 
Bewoaͤhrte Erzieher haben die Biographie diefes Ihres 
Kollegen nicht nur mit inniger Rübrung,. fondern auch 
mit der Meberzeugung gelefen, daß eblen junendlichen 
Gemuͤthern feim anziebenderes und erhcbenderes Mutter 
zur Nacheiferung vorgehalten werden könne, als dickes, 
Und wahrlich, et wire den Manen des Seligen wohl 
zu wünfchen, daß ſein Geiſt, der leider fo früh dic du⸗ 
here Hülle verlaſſen mußte, noch recht lange fein ſchoͤ⸗ 
nes Gefchäft auf der Erde fortfehte, die Jugend für 
das Gute und Schöne zu entfiammen, und ein leider 
faſt erfiorbenes Gefühl, von dem er felbit fo vol war, 
wieder zu erwecken und zu. beichem Der Titel der. 
Schrift if: 

Ein Wort Über die herrſchende Irreligieſitaͤt und- 
einen zweckmaͤhigern Religionsunterricht, als das 
fiherfte Deittel dagegen. Don C. W. D. Hoff: 
mann. Mebft dem Leben des Derfaf: 
fers (meiches 3 des Ganzen ausmaht.) Ber— 
lin bei Erötich 1804, 16 Bogen (15 ®r.) 


Zu Welhnachta geſchenken für Damen verdienen föl- 


gende bei Hinrichs um Leirzig erſchienene Werke des‘ 


Hrn. Netto empfohlen zu werdem: 
1) 2) Zafibenbuch der Strick-⸗, Mh: und ande 


rer weiblichen Mode: Arbeiten. 2 Bände mit- 


48 Folorirten und ſchwarzen Kupfertafeln. Neue 
Auflage, jeder Band 2 Thlr, 12. Gr, 

3) Mufter der neueften Mode zum Zeichnen, Ma: 
len und Etiden, jur Selbſtbelehrung für Da: 
men, mit 8 folorirten Folio-Kupfertafeln; ge— 
kunden 4 Thlt. 


Die beiden Tafchenbücher lehren nicht nur aufts 
volftändigite alle anwendbate, gewodnlihe und künfi⸗ 
liche Moder, Strid» und Näharbeiten zu verfertigen, 
fondern ertheilen auch Unterricht im kuͤnſtlichen Step⸗ 
ven, Tambourıren mit der Tadel, im Färben der 
Stitk⸗ und Ninfeide und Binder, fü wie in vielen 
andern häuslichen Verrichtungen. — Das dritte Werk 
zeichnet ſich durch neue Deffeins zum Sticken auf 
Ofenſchirme, Tifchtepviche, auf Mouffeline, Kafemirs 
Halstuͤcher, Schawls und deral. nicht minder wortheil 
baft aus. Man wendet ſich dieſerwegen ditelte an den 
Verleger oder an die nächte Buchhandlung, 


So eben it das auf Ruffifdy» Kaifert. Koſſen gedrudte 


Prachtwerk: 
A SE Se ee 


der 
Ruſſ. Kaiferl, anferordentlichen Gefmbffchaft am 

die Othomanniſche Pforte im Jahr 1793. 

3 Theile vertrauter Briefe eines Efib- 

Tänders an feine Freunde in Keval. 

Quart. Mit dem Portrait Sultan Se— 

lim I1l, einer Charte und ſechs arofen 

Kupfern in Roval=- Folio. 
wovon mir für Deutichkand und die angrenjenden 
Länder einzig und allein den ausfchliefenden Debit er 
balten baben, von Et. Petersburg angekommen und 
durch ‚ale Buchbandlungen zu befommen. Nur dieje— 
nigen, die fich mit baarer Zahlung an uns ſeldſt wen⸗ 
den, erhalten diefes Werk für 3 Louisd'ot in Golde 
oder 16 Thlr. ſaͤchſ., andere Buchhandlungen. werden 
es mit einer feinen Erböbung des Preiſes verkaufen, 
da fie von und nicht den vollen Mabatt erhalten. 

. Die fechs arofen ſchoͤn geſtochenen Kupfer enthal- 
ten: 1. Die Anficht von Konflantinopel von Pera aus, 
2. Burmddereh,. den Eommeraufenthalt der Franfen 
in Konfantinoyel, 3 Das Innere der großen. St. 
Sophienkirche in Komfantinopel, 4. Mtmeidan oder 
Hippodrom, öffentlicher Play in Konſtantinopel. 5. Ruje 
nen von Eultan. Muratbs Serail auf der aflatiichen 
Kuͤſte, gegenüber Kenttantinopel. 6. Beierlicher Diarch« 
zug der Ruſſiſch Kaiferlichen anferordentlichen Ges 
fandfchaft durch Kiatkana bei Vera. 

Dan wird dem Preis dieſes auf fhones Schreib⸗ 
papier jehr fdön gedruckten Werks gewiß Außer billig 
— zumal da. es in Petersburg ſelbſt 20 Nubel 
koilet. 

‚ Wie melden zunleich bei diefer Gelegenheit, daß 
die erite ftarke Auflage von Murkards Gemälde 
von Konftantinopel, wozu mir durch obiges Wert 
einen ſehr alänzenden Pendant liefern, ganz vergrifs 
fen, und die zmeite ſehr vermehrte und verbeſſerte 
Auflage gegen Oſlern die Breife verlaffen wird, 

Dienemann und Comp. 
iu Penis, 


ecvir 


Jatob Hellmigs Reife nah Dresden, oder: Eo 
reift man mit Nutzen. CEin Volksbuch zur Teich: 
ten Kenntniß und Anwendung der churſaͤchſiſchen 
Landtsgeſehe. Foͤr Schulen und für den häuslis 
chen Gebrauch; 8 1005. 

Dis Buch bat bereits die Preife verlafen, wobei ich 

als Merfafer, ſtatt der gewöhnlichen Kobpreifunnen 

nener Schriften, - felbit mit Ueberzeugung befannt 
mache, daß ich mit Fleif und Treue die churfächfifden 

Geſehe in der Form einer Reiſebeſchreibung faßfich 

und unterhaltend darzuſtelen geſucht habe. 

Kath 3.9. D. Shmiedtgen, 
Obige Schrift ih bei €. A. Hempel in Leipzig 
verlegt und durch alle gute Buchhandlungen für 16. Gr. 
zu befommen. 





Neuer Verlag 
5 vor 
Soffmeiffer und Kühnel 
(Bureau de Misique.) 
Leipzig, Michaeliemeſſe 100% 
Bach, Joh. Seb., Otuvres complettes Cahier XVI, 
cont, Preludes p. Meue. (Pranum, 16 Gr, ı Thlr. 
8 6r 
Beethoven, Louis van, denx Sonates pour le Pia- 
nof, Oe. 14. r Thls. 


— 10 Vasiations p. le Pianof. sur: La Stessea, No; 8 


ı2 Gr. 

Cherubini, Lodoiska, eine Beroifche Oper. Bulls 
Händiger Klnvieranszug im zwei Abtheil. Iite Abth. 
3 Tble. 

Cramer. I. BE, Etude p. Je Pianof, en 42 Exercices 
doiptẽs dans les differents tons. Caleulös pour facil- 
ter les progrös de ceux qui ge proposent d’ctudıer cet 
instrument ä fond, L. J. II. dr Ihirn v2 Gr, 

— Divertissoment p. le Pianol, No l. 16 Gr. 

Dotzauer, a Sonates p, Violoncelle av. B. Oe. Il. 
ı$ Gr. 

Dussek, Grande Sonate p. le Pianof. Oe. 43. 10 Gr. 

Florschütz, Grande Sonate à 4 mmıns p. le Pianof, 
Oe. a. » Thlr, +Gr. . 

Geſanglehre des Koönſervateriume d. Mur 
fit in Paris. Entbaltend .tie Grundregelt des 
Geſanges, Uebungen für die Stimme, Solfeggien m. 


Verfaßt von Bernardo Mengossi, Eherur 


‚bini, Garat ıc 3 Tble. 8 Gr. 
Harder, Ergebung. von Salis, mit Guitarre, 4 Gr. 
Haydn, COLLECTION des Quaweors orıgım p. a V, 
‚A. Violonc.. Caluer 1X. (Prünum; » Ihlr. 4 Gr.) 
#ihlr. 
Hinkelmann, Six Menuets 4 4 mäins ps le Pıanof,. 
Ro, l, ı6 Gr. “ S 


Hoffmann, F. A., 'ra Pibces favorites p: 2 Clarin, 
a Cors, a Bassons.' r Thlr. 

Kanne, La Fempesta, Cant. di Metastasio p. voce sola 
c. acc, di Pianof. .(Mit untergelegtem deutschen 

Text.) Op.ı7. 20 Gr. 

Kneferl. B., Dix Varistions p. le Pianof. za Gr. 

Lehmann, A. von, Six Marches qui peuvent s'exi- 
cuter aussi Bien en Entr’ctes à plein orchestre, quiem 
harmonie par les instrumens & vent. 2 Thir. 22 Gr. 

Mozart, COLLECTION des oeuvres p. le Pıanof. 
Gravee etc. Cah. VIIL (Pränum. ı Thir., a Thir. 

Pär, Scı Ariette ital. e. acc. di Pianof, ı Thir. 

— 3 Duettini per due voci di$oprano c. acc. di Pıanof. 
Parte ı. 2. 4 16 Gr. 

Pleyel, 3Ams varids p. le Pianof. 16 Gr, 

— KRondo favori pour le Clav, ou Pıianof. No, II, 
8 Gr. 

Righini, Sammlung deutfcher und italienischer Ger 
finge mit Begl. d. Rianof. IL. Heft. 16 Gr. 

Rode, Polemoise p. le Pıanof. 8 Gr. 

Sichulz, C., VER Pieces d’harmonie de diverses Co 
medies favorites, dont 3 & 6 Parties, et 5 & 7 Parties, 
ı6 Gr. 

Sterfel, Gefange mit Begleit. des Pianof. zote 
Sanmtung, » Thilo. 

Faubert, Concert p. la Flüte-traversitre avec a V. 

Ob. etc. Oe. 2. des Cone. ı Ihlr. 8 Gr. 

— Varistions p. la Flüte-traversitre av, a V. 2Ob, eic. 
Oe. 3. des Var. 15 Gr. 

Weber, Bernb. Anfelm König. Kavellmeifier. 
Geſaͤnge beim Bianof, zu fingen. 2te Sammlung. 
er} Gr, 

Weber, F. D. de Prague, Ecossoises er Quadrilles 
p- le Panoſ. # Gr. 

Brandl, die Fürkengruff, von Shubart, 12 Gr. 

Müller, A. E., Tros Sonates p- le Pianof, Nouv. 
‘edition. Öe, 14. 2 Thlr. 8 Gr. 

Schiſſerliedchen: L.. J. . E. B.. &.., mit Pianof. 
oder Guitarre, 4 Gr. 

Musiea vocale per 0so de’ Eoncerti. Let, A, Scena 
da Pär. (Mit Orchester umd im Klavierauszuge, > 
» Thlt. 8 Gr. i 5 

Kortraits: 

Ulbrechtsberger, 8 Gr 
‚ Ebetubimi, 12 Gr. 
“ Auch find Bei ıms zu haben? 

a) Sorfimentsniufifalien von den voruͤglich⸗ 
fien Mufifbandiwugen, woron bereits Zehn Wer« 
geichntfie erſchienen find, j 

by Gefhriedene Mufit, Kirchenſtuͤcke, Partituren 16, 
: Ferner theoretifche Werke. 

€) Forteviano's in Flünel- und Klavierform von 
den rübmlichtt bekannten Aunflern: Brodmann, 

FJakefch, Katholait,, Müller, Schanz, 
Seydel, Andreas Stein ic. Es ſind echte, 
beſonders ausgewählte Inſtrumente. 


£cvrııı 


.d> Klaviere; Muitarten, Italieniſche Vigkinen, Har⸗ 
montfa’s, Harfen, Barifer Bogen, Heolsbarfen, Mo: 


maniſche Seiten, Stimmhammer, Otimmgabeln,. 


Italieniſches Notenpapier ꝛe. 


Nenueſte raid 
allgemeine Geograpßie 


der 
gegenwärtigen Zeit. 
Ein volltändines geogranbifch = Matiflifches Handbuch 
der gefammten Erd » und Laͤnderkunde 
von , 
Ehre. Adam Müller, 
Vier Binde. b 
Hof, bei © A. Grau, 1804. 


Don diefem, ‚mit allgemeinem Beifall aufgenomme- 


nen Werfe it fo eben der dritte Wand erfchienen. 

Der Verfaſſer bandelt darin Aiien, Afrika 
und Weſtindien — als den Uebergang zum feſſen 
Lande von Amerika — ab. 


Nah dem Heilimmten Plane diefes Werkes wird‘ 


man auch in dieiem Bande möge Bolkiändinfeit mit 


zweckmaͤßtager Musführlichteit verbunden, und. befonders. 


was die neuefien Veränderungen) betrifft, die 


richtige Darkchung. nach den bemährteflen Quellen 


finden. n 


Ge iſt bereitd als eim befriedinendes Handbuch der ' 


Erd» umd Laͤnderkunde anerfannt, und wir fonnen 
den Freunden diefer Wiffenfchaft die Verficherung ge 
ben, daf der vierte und lente Band bereits unter 
der Preffe it and auverldfiig noch vor Dfiern fünfte 
gen Yabres erſcheint. \ 


Fir Defonomen bat. in der Michaelismeſſe 1504 die 
Ireſſe verlafen, und. in in allen Buchhandlungen zu 
haben: 

Cadet de Paur vom Maulmurfe, oder: Anmels 
fung, denfelben auf die ficherfte Weiſe auszurot⸗ 
ten. Aus d. Franz. mit Anmerf, von &. G. 
Leonbarbdi; mit 8 KRupfern, 8. Leipzig, bei 
Gerhard Fleiſcher. ı Thlr, 

Laftronis, Geſchichte ber. Einführung. ber fein: 





wolligen fpaniichen Schaafe in den verfciedenen _ 


europhifchen Provingen und auf dem Vorgebirge 
der guten Hoffnung. Aus d. fr. mit Anmerk, 
von Herzog Friedrich von Hollftein Bed. 


ar Theil, Leipzig, bei Gerhard Fleiſcher. 


' 20 Gr . 





So eben it in Hamburg.eine neue Schrift erfchienen 
und für 16. Gr. in allen ABuchhanbhungen zu haben: 


n und Pitt 

Bder 

. Wer wird fiegen? 

Dom Verfoffer des Mapoleon, 
Mit einer illuminirten Greng: Karte, 


"Die Hausthiere, 

Ihre Zucht, Kenntniß, Pflege, Abrichtung, Heilung 
und Handel. Von mehreren praktiſchen Männern 
bearbeitet, und herausgegeben von S. von Tens 
neder gr. 8. Leipiig, bei Theodor 
Seeger. 

Da mit dem vierten Bande die vonTennedferihe 
Zeitung für die Prerdapuche geſchloſſen iſt, fo tritt am 
deren Stelle diefe, um ein Betraͤchtliches erweiterte, 
Zeitichrift, wosen das erſte Heft durch jede Burchband- _ 
lung bereits zu befommen: iſt. Vier Hefte machen cis 
neu Band aus, und werden, wenn es au der Ertlaͤ— 
rung des Textes und zum Nusen des Ganzen abzmedt, ' 
mit Rupfern geriert Man verbinder ſich nur auf eis 
nen Band, der 2 Thlr. ſaͤchi. Vorausbezahlung foftet, 


Napoleo 








Anzeige 
Ich fehe mih aus Gründen veranläßt, die beiden 
Bändchen der er 
Boflora oder die gute Negerin 


bei dem Verkauf nicht trennen zu Lafer, wenigſtens 
das ıfle Bändchen micht ohne das 2te ausugeben. 
Bunleich muß ich das Publifum vor einer andern Auf⸗ 
lage des zweiten Bandes diefes intereſſanten Mo- 
mans warnen, die neben der meinigen erſchienen if, 
Ein Blid in das franz Original lehrt; welche große‘ 
Verſtuͤmmelung jeme:erlitten bat. Es Ünd darin dus 
gelaſſen: V. 15— 17, 19— 20, 69— 70, 123: 124— 106, 
128, 112, 153, 156162, (die fchöne poetische Anrede 
an Bernhard von Saint: Pierre) 176 — 177. 
. Rink'fhe Buchhandlung 
in Altenburg. ; 


Neeuuerheiratieten in mu empfehlen: 
Der Rathgeber 


vor, bei und nad dem WBeifchfafe, 

oder faßliche Anweiſung, denfelben fo auszuüben, daß, 
der Geſundheit kein Nachtheil zugefügt und die Ver— 
mebrung des Geſchlechte darch geſunde, ſchoͤne mb 
ſtarke Kinder befördert wird. Nebſt einer Auwelſung, 
worin die Geheimniffe des Geſchlechts und der Zeugung 
bes Menfchen erHärt find, Von einem praftifchen Arıte, 
berausaegeten von Dr. G. MW. Neder Naumburg 
in. der Röpterfhen Bachhandlung / ie Gr. 





No.- LIIL 
Literarifher und artiſtiſcher Anzeigen, 





Als Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz; 1804. 


— — — ——— —⏑ — 


Anzeige. 
Man hat mir bie und da einige Romane und andere 
Werte, die von meinen Namensverwandten, Karl, 
A. W. und A, Schreiber, herausgegeben find — mit 
Unrecht gugeichrieben. Ohne dem Wertbe diefer Schrif⸗ 
ten im gerinaften zu mabe au treten, oder meine fchrift« 
Meherifchen Kleinigkeiten für böber zu achten — finde 
ich aus andern Urſachen «6 mötbig, dies bier Öffentlich 
anınieigen. Derienige aber, den Hr. Spazier im feiner 
Zeitung mißfälig gu ermähnen die Güte gebant bat, bin 
nur ich, und es bat lich feiner von meinen Herren Na- 
mensvettern die Ehre, von diefem großen Manne ges 
tadelt zu werden, weiter jujurechnen, 
Ehriftian Schreiber, D. 
Privanmann in Elſenach. 





So eben if bei uns fertig geworden und an alle Buch 
bandlungen verfendet: 

Zwoͤlf deutſche Lieder für's Klavier, von Friede: 
rita Dallas; Fl. fol, gebunden ı Thlr. 4 Gr. 
Mit voller Hebergeugung koͤnnen wir dieſe geſaͤlli⸗ 

gen Kompofitionen der Demoifele Ballas zu einem 
recht angenehmen Weihnachtsgefhent den Greunden 
ver Mufif empfehlen. 
- Halle, im Dezember 1904. 
Schimmelpfennig und Tomp, 





Neue angenehme und nuͤtzliche Weihnadyts- 


Gefchenfe. 

Neues Tafchenbuch für Kinder zum Mugen und Der: 
anügen auf 1805, in angenehmen Erzählungen und 
Geſchichten zur Bildung und zum Gpradunters 
richt, herausgegeben von M. Ar. Herrmann, 
Enthält: Heinrich und Lucie, Aranı. u. Deutſch. 
Mit Kupf. 8. » Thlr. 6 Gr. Daſſelbe auch Eng— 
liſch und Deutſch, ı Thlr. 6 Gr. 

Die Jugend erhaͤlt hier eine einfache, durchs wirkliche 

Keben fortlaufende Geſchichte, die fie angenehm unter 

hält. und fie vom leichtern zum fchmerern Beareifen 

binleitet, Man könnte daher dies Wert mit Recht 


eben fo nut ein Lehr» als ein Leſebuch nennen. Daß 


aber das Frangöniche und Enalifche dem Deutſchen 
beigefiat iſt/ dieſer Nugen wird hoffentlich von ſelbſt 
Sedem einleuchtie. 





Meues und faßliches Lehrbuch zumZeihnen und 
Malen nah richtigen Grundſätzeu. Enthält: 
IJ. ſyſtematiſche Anweiſung zur Beichnung aller 
Theile des menfclichen Körpers; II. der Thiere 
nebft &felerten ; Ill. der Yandfchaften; IV. der 
Blumen; V. die Karbenmifhung; VI. nebft neuer 
Methode, Kindern Zeihnen und Malen zu lehren, 
von der Frau ven Genlie, Mit 27 Folorirten 
und ſchwarzen Kupfern, gr. 8. ı Thlr. ı2 Gr, 
Daſſelbe au Franzoͤſiſch. 1 Thlr. ı2 Gr, 

Ohne durch viele Regeln weitlduftig und ermüs 
dend zu ſeyn, giebt dies Lehrbuch in gedrängter aber 
doch deutlicher Kürze den noͤthignen Unterricht, und 
befcheänte fich nicht blos auf einen Gegenſtand diefer 
Künſte, fondern umfaßt das Ganze. Was aber dies 
Lehrbuch befonders empfiehlt, find die beigefügten Ku⸗ 
vfer, -mwelche den Unterricht febr anfchaulich machen, 
worauf es, wie befannt, am meijlen anfommt, 


Leipzig. 
J. € Hinrichs, 
Buchhandler. 





* 

v. Scharnhorſt, ©, K. Preuß: Obriſt, Hand: 
buch für Officiere in den angewandten Theilen der 
Kriege : Wiffenfhaften. Erfter Theil, Artillerie, 
Bweite gaͤnzlich umgenrbeitete und ums. vierfache 
vermehrte Auflage. Mit 13 neuen Kupfern, gr. 8. 
"Hannover, im Berlage der Helwingfcen Hof: 
:buchhandlung, 1804. Belinpap, 4 Thlr., Drud: 
‚pam 3 Thlr, - 

Es würde uͤberfluͤſſg feun, ein Werk angupreifen, def- 

fen Verfaſſer durch die vor breischn Fabren erſchle— 

nene erite Auflage, fo wie durch mehrere militärifche 

Schriften bereits zu großes Anfchn erlangt bat, um 

nicht in vorfiegender durchaus umacarbeiteten und an— 

gegebener Mafen vermehrte Ausgabe das Mefultat der 
feit jener Zeit in der Artillerie> Miffenfchaft eingetre- 
tenen von ibm beobachteten wichtigen Veränderungen 
obne Zweifel zu erwarten. Es it alſo binlänglich, 
bier nur einiges über den Anbalt des erſten Theils 
insbefondere aus dem allgemeinen Morberichte des 

Heren v. Scharnborft bemerflich gu machen: „Die 

vorläufige Abbandlung hat ten Gana, 

welchen die Artillerie in ibrer Vervolllommnung bisrer 
nahm, die Hinderniſſe, welche ihr. bei den mweirern 


Cox 


Fortfchritten entgegen ſtehen, und die Mittel, dieſe gu 
itberwinden, sum Gegendlande. Sie if das Reſaleat 
Tangiäsriger Erfabrungen und Beobachtungen. Das 
bin.ugefünte Verzeichniß der wichtigen Werte tiver 
die Attillerie und die kurzen Bemerfungen darlider 
lönı.en dem Sammler einer Artillerier Bibtiothek von 
Nasen fin. Der erfle Abſchnitt enthält die 
nethigen Bor'enntniffe zu den im dieiem Werte vors 
kommenden Nobandlungen Der jweite Abfchnitit 
bat das Schie pulver zum Gegenſtande; unſere Rrunt: 
niſſe von demſelben ſind noch immer höchſt unvollkom⸗ 
men, daber man hier die bieher falſchen Begriffe zu 
berichtigen und auf mehrere wichtige Reſultate zu fuͤh⸗ 
ten veranlaft worden. — Der dritte Abichnitt 
bandeit von dem Kanonen » Merall, Da in neuern 
Zeiten das Metall des Geſchütes von ftaıtem Caliber 
fo ſelten die abſolute Refigkeit hat, fo find hier für 
diefen wichtigen Genenitand nicht allein alle bishexi« 
gen Erfahrungen geſammlet, fondern auch forgfältig 
unterſucht und anzuwenden gelehrt. Zwei wichtige 
Gegenſtaͤnde der Artillerie bat man in dem beiden Ab⸗ 
fehnitten über Bulver und Metal in eim neues Licht 
zu fehen fidh bemüht: die Art, wie das Pulver probirt 
und die Metallbeichaffenbeit des Geſchuͤbes unterfucht 


wird. Es iſt bier dargethan, daß die bisherigen Pros 


ben und Unterſuchungen ſowobl fchlechtes Bulver als 
umbranchbares Geſchuͤtz zuließen, und die Erfahrung 
bat dies auch haufig betätigt. Der aröfte Theil der 
Verſuche und Erfahrungen id am Ende in Tabellen 
zur bequemen MWeberficht und leichterm Nachſehn der 
Mefultate gebracht, fo mie einem jeden Blan eine ne— 
benſtehende umftändliche Erflaͤrung binjugefügt, welche 
dem Leſer in vieler Hinſicht angenehm ſeyn wird.“ 
Hannover ben 24. November 1804. 
Helwing. 





Neue Englifche Chreſtomathie, aus den beſten Schrift: 
fiellevn der Nation zufammengetragen, mit den nd: 
thigften Sachanmerkungen begleitet und mit Ton: 
und Lefezeihen verfehen von F. R. Ridleffs, 
2te Auflage. Bremen, bei Carl Seyffert. 
ı Alphabet und 7 bogen, ar. 8. zı Gr, 


Der Inhalt diefer ſehr smemdfigen Chreſtomathie 


zerfaͤllt in vier Morbeilungen. 1) Epifoden aus 
Momanen, nämlich: a. die Befchichte des Mannes 


vom Hügel von Fielding, b. die Geſchichte des - 


Dichters Melopeye von Smollet, c. die Geſcichte 
bes le Fevre von Sterne, und d. aus @oldfmiths 
Bandpredigee Kap. 18—21. 2) Befchichte. n. Ber 
bor und Hinrichtung Karl des ılien vonnume, h. is 
tbers Tod und «. die Verſchworuug des Fiesto von 
Mobertfon, d. die Eroberung Kontlantinopels von 
Gibbon, uud «. die Schlacht bei Mantinea- von 
Gillies. 3 Bbilofopbic. Allgemeine interej- 
jante Abſchnitte aus Shaftesbury, Hume und 


. Chefierfield, und A).eine ausgewählte Sammlung 


von Briefen von Swift, Bope, Sterne, Ges 
Herfieldun. — Schon um diefes Inhalts wilen 
verdient dies Buch vor vielen. andern empfohlen zu 
mwerien, mehr noch wegen der Ton: und Leiegeichen 


nah Shberidan, die den Anfänger febe fchnel über 


bie Schwierigkeiten ber Ausfrrache binmegführen, und, 
mas wenig fonnen, richtig accentuiren lerren. Ver— 
äntert if, laut der Vorrede, dieſe ete Auflage nicht, 
Der DBerleger bat aber dem reinen Druck der ıflem 
Auflage beibehalten, - und, as febr'zu rühmen if, den 
Preis fo billig geicht, ala man nur immet von einche 
Schulbuche verlangen fann, 6, 


Taſchenbuch zum gefelligen Vergnügen. Funfzehnter 
Sahrgang 1805, SKerausgegeben von W. G. 
Becker. Leipzig, bi € 4, Hempel. Prels: 
ı Thlr. 8 Gr. 

ir glauben jagen gu duͤrfen, daß dieſes beliebte Ta⸗ 
ſchenbuch mit jedem Jabrgange an Werth zunebme. 

Auch dieſer 15te Jahrgang hebt ich wieder vor andern 





bervor und bleibe feinem Zweck volfemmen getreu. 


Die Erzählungen in Brofa find: ») Zauberfünfte, von 
4. ©. Eberbard; 2) alte und neue Zeit, von 
Kretſchmannz 3, die Geſichtspunkte, von W. G. 
Becker. Die Gedichte find von W. ©. Becker, 
gouife Brachmann, A. G. Eberbard, Gram« 
berg, Haug, v. Köpfen, Kretfihmann, Kapfı 
Kuhn, v. Kyaw, Langbein, Mablmann, 
Manfo, Mefierfchmid, Müller, Nöltte, 
Ratſchky, E. 9 8. Reinbardt, v. Schiller, 
G.% Schmidt, Klamer Schmidt, C. Schreir 
ber, Schüpe, Starke, Tiedge, Beiße,, 
Binfler, und Ungenannten. Uebrigens enthält 
diefer Jahrgang abermals 36 Charaden und Mätbfel 
von beliebten DVeriaffern, Mufit von Bergt, von 
Burgwedel, Mafhel, E. Schreiber, Sey— 
delmann und Zelter, Täne, und 13 Kupfer, 
nebmlich cin vortreffliches Titelfupfer nah Correg= 
gie von Krüger, 6 bifvrifche Blaͤtter nach Schnorr- 


von Kobl und Meno Haas, und 6. Profpelte nach 


4. Zingg von Darnitedt. 





Leipzig bei F. X. Leo iſt erfihienen und in. ben Pen 
fen Buch: und Kunftibandlungen zu befommenz 


Eanddaukunſi, oder Ideen und Vorſchriften zu Bands 


bänfern, Heinen Villas, Defonomie» Gebäuden, Pa= 


villons, Badehaͤuschen, Bewächshäufer, Gartenſale, 
Kaeinetts ꝛc. 
deutich und framzoͤſ. Tegt. 


Blaͤtter, artiſiſche, der Vertierungs- und Verſchoͤne⸗ 


rungstunũ geweiht, 2r Band 38 As Heft « 4 Thlr. 
‚Man finder in dieſen Heften Ideen und Borichtife 


sen jur Verzierung der Gaͤrten. Idcen zu ger . 


ar Band 18 Heft 4 Tple., mit: 


— —⸗ — 


ccxı 


ſhmackvollen Moͤbels⸗ und Zimmer» Verzierun⸗ 


gen. 

Daffelde Werft mit framoͤſiſchem Tert, gleicher Breis. 

Deine, A., Sammlung iniruftiver architeftonifchen 
Blätter, oder Stadien für den angebenden Architel- 
ten, 5 Defte, 4. 5 Thle. ı8 Ür. 

Meiners, F., Zeichenbuc für Baufünfler und Baus 
bandwerter, 4 Hefte, 2 Tbir. 16 Br. 





Im Laufe diefes Jahres find nacpfiehende Schriſten 
in meinem Verlage erfchienen, deren vorzuͤglichſte 
Beſtimmung ift: dem leſeluſtigen Publikum Un— 
terhaltung zu gewaͤhren: 

Amoͤne, die Braut eines Verbrechert, Roman in 2 

heilen yon K. Stein. Mit Kunfern,.s. ı Thlr. 


16 Gr. . 

Stein's, K., bilorifch: romantische Gemälde in dra⸗ 
matifcher Form. Mit ı Kupfer. Entbält: 1) das 
Grab der Mutter, ein Ramilienaemäblde; 2) Si⸗— 
mon Mateın, der furchtbare Raͤuberhauptmann; 
9) die Zuruͤckkunft des Vaters, 8. ı Tblr. 8 Gr. 

Dedes diefer Stuͤcke iſt auch einzeln zw haben, 
naͤmlich: 
Das Grab der Mutter, 12 Gr, 
Simon Matern wozu ein Kupfer ı6 Br, 
Die Zurüctunft des Fürfen, 4 Gr. 

Henrico; Roman in 2 Tbeilen von Zr. Horn, Mit 

Kupfern, 8, 


Honigmonatbe, Roman in 2 Theilen; meue mit Rus 


pfern von Schubert und Böhm vermehrte Aus- 
gabe, 8. 1 Tblr. 16 Gr. 
Vom Verfaffer von Guſtavs Verirrungen.) 
Jaͤgers wahre Begebenbeiten im romantischen Ge— 
wande, 58 Bändchen mit ı Kupfer, 8. ı Thlr. 
Auch unter dem Titel: 
Ehübe, J. 2., humorifiſche Novellen. x) Die Ta: 
batiere, 2) der Neujahrsabend, 3) Amoͤnens Reife 
durchs Leben. 


Das Ate Bändchen von Jigers Begebenheiten ent⸗ 


bält den binlänglich befannten und eben fo beis 
fälig aufgenommenen Moderoman: 
Die Sitten unferer Zeit. 
Die Wabl der Braut, oder Feierabende im Connen: 
blumen » Bosquet, von H. Frobreich cVerfaſſer 
des Caͤſat Cafarelli. Mit » Kupfer, 8. ı Thlr. 


ı2 Gr, 
ob. Friedr. Kühn 
in polen, 





Anzeige von drei vorgäalihen Romanen, melde fo 


eben die Preſe verlafen und in allen Buchhandlungen , 


und Keibbidliorheten zu Anden find: 


Fedor, der Menſch unter den Bürgern; . Bruce, 


Hüde aus dem Leben eines *** Offigiers, ır Th, 
B 2 Thu. 


Der Mann mit der eiſernen Maske; vom Verfaß 
fer tes Magdalenenkirchhofes. Aus dem Franz. 
ır ar Thl. 8. 2 Thlr. 

Molly's Bekenntniſſe, oder: &o füßrt Unbefangens 
heit ins Verderben. Cine. wahre Geſchichte zur 
Warnung für alle Wildfuͤnge unter ben hel athe— 
Infiigen Mädchen, 2 Theile, 2 Thir. 8 Gr, 

Reipzig. 

Gerhard Fleifcher der Jüngere, 





Die botanifhe Pflanzkunſt 
nad) 
Dämont = Courfet 
von 


Mm € ® Berger, 
Verfaſſet des Taichenbuchs für Blumen » Freunde, 
Erfier Theil, 38 Bogen, ge. 8 Preis: 2 The. 
artenfreunde und Botanifer kennen die Arbeiten 
des Herrn M. Berger ſchon binlänglich aus defien 
Taſchenbuch für Blumenfreumde 2 Tble., und aus 
mehreren Echriften über dieſen Gegenstand. Naͤch⸗ 
ſtens erſcheint vom ebengenauntem Taſchenbuche ır Th. 
eine Neue Auflage. Ein Beweis, daf das Bublitum 

für die Brauchbarfeit defielben entichieden bat. — 
Der 2re und lchte Theil der Pſlanztunſt wird dem 
iſten bald folgen, — 
Leipzig/ im Ditober 1504, 
Heinrich Gräff. 





Xeltern, welche ihren Kindern ein angenehmes und 
nüpliches Geſchenk zu machen wuͤnſchen, machen wir 
auf folgende Bücher aufmerffam, welche in allen 
Buchhandlungen zu baten find: 


Meiten der Zöglinge zu Schnepfenthal, 2 Bändchen, 
ı Chir, 12 Gr. 

Ealymann, C. ©., Erfier Unterricht in der Sitten⸗ 
Ichre für Kinder von 8— 10 Jahren, ı8 Gr. 

— — Henri Gottſchalt in feiner Familie, oder 
erier Mterricht im ter Meligion für Kinder von 
10—12 Jabren, ı8 Gr. 

Conrad Kiefers Vilverbüchlein, herausgegeben von €. 
G. Salymanrn, ır und 2r Heft, wovon jeber 
18 Kupfer enthält, fehmarz jeder Heft ı Thlr. 12 Sr. 
ſauder iNuminirt und gebunden 2 Thlr. 16 Gr. Der 
Tett dazu ſauber gebenden, beide Teile 15 Gr. 

/ Derfelde auch noch unter dem Titel: 

C. Kiefess A . BCund keiebichlein, von E. ©. 
Salzmann, 2 Theile, 12 Gr. 

Der ununterbrechene Harfe Abſat dieſes Büchel: ' 

Gens iR wohl der ſcherſte Beweit, daß «5 mit Nuben 

und Beifall gebraucht wird, Die Kupfer werden Müts- 


60X1ı 


fern und Ersieherinnen zahlreichen Stoff iur tinter- 
haltung mit ihren Kleinen geben, befonders wenn fie 
ſich die Sprache, 
machen fnchen. Mehr darüber fagt der Serantgehen 
in der jedem Hefte beigefügten Vorrede. 


Buchhandlung der Erziehungsanftalt 
is Schnerſenthal. 





Dei uns ift erfchienen und an alle Buchhandlungen 
. verfandt worden: 
English Library, Vol, 4. containg the 4th, and last 
„part of Tom Jones, 
— — Authors ın Verse, Vol. £. 
pirt of Mi'tons Paradıs- 
Jedet Band, über ı Alphabet ftarf, fofet 19 Gr. 
auf Drikfpar. und ı2 Gr. auf- Schreibvap. 
Bibliotera stalıına, Vol, 2. contiene ıl serondo 1omo 
della Gestis_ I-mme. lıberata dı Torquato, Tasso, 
Drudpan.' 12 Gr. usd Schreibpap. 15 Gr. 
Jacobi's nenes Journal für Kandfchullebrer, ar Bd, 
18 Heft, brochirt 9 Gr. 
Gotha, im Noveniber 1801. 
Steudel und Keil, 


cont. the first 





Sn unterjeichneter Handlung it erfchienen: 

Sendſchreiben über Poſſelt's Leben und Charakter 
von Schubart: u. broid. 8 Gr. oder 36 Zr. 
rheinl. 

Wen Poſſelt, der Menſch und der Schriftiteller, 
intererfirte, dem wird dieſe Heine Schrift nicht unwill⸗ 
fommen jenn, die in. einer kurzen angenehmen Darts 
ſtellung viele Aufſchluͤſe uͤder dieſen ſeltnen Mann 


l * 
eure Ecere efäe Buchhandlung 


Münden. _ 





Neuerfundenes Parifer Wafchwafler, 
.. als 


Schönheitsmittel. 


Diees aus ganz unichädlichen Gubflangen gejonene 
Schönbeitsmittel, melches von einem der beruͤhmteſten 


Doltoren kürzlich in Paris erfunden worden, macht” 


nicht allein eine weiße fanfte Laut, fendern nimmt 
auch alle Unreinigfeiten, als Leberflede, Finnen, Flech⸗ 
ten, Sommerſproſſen und uͤberbauet alle Nusfchläge 
und Fleden, binnen furzer Zeit ohne den mindenen 
Machtbeil, gänzlih aus dem Gerichte wer. Alle di- 
flinguirte Berfonen in Paris bedienen ſich diefes Mit⸗ 
tel, Eine Dame dafelbit bat dem Erfinder 100 Louis⸗ 
dor. für das Mejept geboten, 


zer ſchlug es ab, weil er nicht das Meient abſtehen, 
wohl aber das Mittel felbit zum allgemeinen Beren 


äberlaffen wollte, Diefes Schönheitsmittel, welches in 


melche im Terte berefcht, eigen jw 


unter der Pedingung, 
felbiges weiter am niemand gu verkaufen; allein leßtes 


einem Waſſer beficht, ift non dem Erfinder num auch 
nah Deutfchland gefchidt, und dem Kommiriionde 
Hrn 5. ©. Wintber, in Dpernbof zu Hamburg, 
einzig und allein im Kommiifion gegeben, mofelbft man 
ſolches in Bouteillen, unter dem Namen Bartier 
Waihmaffer, befommen kann. Jede Boutellle 
mit des Ernuders Vettſchaft verſiegelt, nebfi Gebrauchs⸗ 
unterricht, koſtet einen Loulsd'or oder deſſen Werth in 
Courant⸗ Münze, welches von Auswaͤctigen, nebſt et⸗ 
mas wehreres für Emballage und Abſendungskoſen, 
poſiftei erbeten wird, 

Auch bat dies Waſſer den Nuben, daß es ben 
übeln Geruch des Mundes vertifgt. 





So eben it an alle Buhbhandlungen verſendet morben 
(Breis 12 Wär.) 

Das Dorf Familieneub, in dem ferner 
feine Klagen über fchlechtes Befinde 
gebort werden; oder Anmweifung, mie das 
Gefinde durch bie Herrſchaften verbefs 
fert werden tönnte, diefen in Dorf 
und Stadtgewidmet, vom Vaſtor Winks 
Ier,. dem Verfaſſer der mit allgemeinem Beifall 
aufgenommenen Schrift: Notbmebr gegen 
den Dieb, oder Büdhlein, aus weichem 
su fernen if, wie man ſich gegen Diebe 
verwahren folle, 6. ®r. Ladenpreis, 4 Gr, 
Eich. Netto. 

Man kann mit Recht hoffen daß erfiere Schrift ben 


„ nämlichen Beifall wie letztere erhalten werde. 


. Altenburg, im Augufl 1804. 
Schnuphaſiſche Buchhandlung. 





Es bedarf mur der Anzeige, daß bei mir 


Gonzalez, D, P. M., 
über 

das gelbe Sieber, 
welches im Aahre 1800 in Cadiz herrfchte, und über 
die zweckmaͤßigſten Echukmittel gegen daffelbe, und 
andere anſteckende und peftartige Krankheiten, _Bels 
gefüge it: Don J. M. de Arejula’s kurze Dar: 
ftellung des gelben Fiebers, welches 1803 in 
Mallaga herrſchte, nebſt deifen Denkichrift über die 

faurer, Käucherungen; aus d. Epanifchen Übers 

fegt von D. W. H. 2. Borges; gr. 8. 

erſchienen it nnd der Mertb des Werks leuchtet von 
feloit ein. Es koſtet im allen Buchbandlungen ı Thlr, 

j Helnrich Krölid, 
Ich erſuche dieienigen Buch - und Mufif- Hands 
lungen, welche mir Annoncen für. diefe Beilage ſen⸗ 
den, wenigfiens Ein Ercmplar der anzu. eigen den Sache 

zu novıtate —— Den im Dee. 1804. ° 


Heiorich erou⸗ 


— — — — — — 


No. LIV. 
giterarifher und artififger Anzeigen, 





As Beilage zum Freymüthigen oder Ernft und Scherz 1804. 


— — — — ———— BD DT — —— 


Pränumerations: Anzeige, 


Den Menichen fennen gu lernen, wie er auf ber 
ganzen befannten Erde dem Beobachter erfheint, um 
fo das zu finden und zu beſtimmen, was er feinen ur: 
forünglichen Anlagen nach und durch mehr oder min« 
der voliindige Entwickelung und Ausbildung berjel« 
ben it und werden kann,“ dies if dic Tendenz eines 
Wertes, womit feit einigen Jahren Hr. Stuart in 
Amßerdam ſich befchäftigt. Die Fortichritte der Wiſ⸗ 
fenfchaften überhaupt, fo mie die neueflen Entdefun« 
gen in der piofiolsgifchen Anthropologie und ber Zins 
der « umd Völkerkunde insbefondere ,. laſſen Die Erreis 
hung jener Tendenz jeht mebr als jemals bofen, und 
Herr Stuart, deſſen ausgezeichnete Darielungsgabe 
das der holländischen Sprache tundige Publifum ſchon 
aus mebrern feiner Werke, befonders aus feiner roͤmi⸗ 
ſchen Geſchichte, kennt, ih vor andern jur Bearbei- 
tung dieſes wichtigen Feldes geeignet, da fein rafllofer 
Kleiß durch die beiten Sülfsmittel unterhügt wird, und 
er, um die nötbigen Kupfer vorzüglich gut su erhal» 
ten, fich mit dem braven Künfller J. Kunper ver- 
bunden bat. Der Titel diefes Werkes, wovon bis. ieht 
zwei Bände erfchienen find, der dritte aber im kurzem 
die Breife verlaſſen wird, iſt folgender; De Mensch, 
z00 als hy vooıkomt op den bekenden Aardbol, Der 
Zert in mit Vorficht aus den beſten, glaubwuͤrdig · 
fien und geboͤrigen Ortes immer angeführten Quellen 
geichöpft. Auf eine gebaltwolle Einleitung, melde den 
Leſer auf den gehörigen Standvunft führt, folgt die 
lebendige Beſchreibumg der verſchiedenen Nationen 
und Bölfer, und zwar nach dem verfchiedenen Welt 
theiten und nach den Stufen der Kultur in aufileigen- 
der Kinie, Auer kommen die Bewohner der Anfeln 
des Hillen Meeres, dann Aufralien, Amerika, Afrita, 
Afen und huletzt Europa. Die Kupfer enthalten die 
genauefien und treueſten Abbildungen, mach den Ze ich⸗ 
nungen der vorzüglichiten Reiſenden und Reiſebeſchrei⸗ 
ber, und find, beionders in Hinficht auf das bier fo 
wichtige Kolerit, mit aan; feltinem Fleiße nenrbeitet, 
Dabei bat Kunper, dieler treffliche Künfler, im ie» 
des Blatt fo viel Charakter und Beben zu legen ge» 
wußt, und das Ganze ik fo geſchmackvoll angelegt, 
daß. es ſelbſt einen Münfiler nicht unbefriedigt laſſen 
wird, . 

Die Meberzeugung von ber Wichtiafeit dieſes in⸗ 
tereſſanten Wertes veranfafte ern Molenaar, ei⸗ 





nen Deutichen, der lange in Holland gelebt hat, eine 
deutiche Ueberſetzung davon zu bearbeiten, welche in 
meinem Verlage erfcheinen, und woju Herr Profeſſor 
Eroriep in Halle, ein Freund bes Meberfegers, An: 
merfungen und eine Vorrede liefern wird. Die Weber 
febung, unter dem Titel: 


Der Menfch, wie er erfcheint; 


. oder 
Darſtellung aller Voͤlker der be— 
kannten Erde. 


wird in einzelnen Heften, in groß Oetav, mit menen 
Lettern gedruckt, und in einem gefchmadfvollen Um— 
ſchlage berausftommen, Da die fhönen Kupfer hier 
ein durchaus wefentlicder Theil (nd, fo dienet beilies 
gendes Kupier, welches die Bewohner der Sandwich⸗ 
Inſeln vordellt, und in den bier angegebenen Hand⸗ 
lungen zur Einſicht Hegt, zur Probe, die auch bewei- 
fen kann, daß vorbim nicht zu viel zu ihrem Lobe ge: 
ſagt wurde, 

Au Berlin bei den Herren Joachim Bauli, 
G. A. Lange und 9. Frölid. Bremen, Hr. €, 
Seyffert. Kleve, Hr. Steinert Dortmund, 
Hrn. Gebr. Mallintrodt. Düffelderf, Hr. J. H. 
Ch. Schreiner, und Madame Wwe. Dänier, 
Duisburg, Hru. Bädeder und Comp. Elberjeld, 
Hr. Büſchler. Frankfurt a, M., Ar ®. 9. Guif: 
basmann und alle dortige Handlungen. Halle, orn. 
Hemmerde und Schwetfchfe Hamburg, Hr. 8, 
@. Hoffmann. Hannover, Hrn. Gebr. Hahn. 
geipgig, Hr. Gerb. Fleiſcher, umd Hr. Georg 
Voß. Lüved, Hr. Fr. Bohn. Tübingen, die Got- 
ta ſche Buchhandlung. Wien, Hrn. Schaumburg 
und Comp. Zuͤrich, Hrn. Orell, Fuͤßly und 
Comp. 

Zu des Käufers und meiner Erleichterung ſchlage 
ih den Weg der Pränumeration ein, wobei man fi 
jedesmal nur auf ein Heft verbindlich macht. Jedeg 


Heft wird drei’ illuminirte Kupfer enthalten, und dag 


erite gu Dftern 1805, und fofort jede Meile eins ers 
fcheinen. Die Pränumeration für ein Heft auf ſehr 
gutem Drudpapier beträgt x Thlc. 18 Gr. ſachſ, 3Fl. 
15 Xr. rbein. oder 2 Tblr, 10 Stbr. hieſig. Auf Des 
linyarier 2 Tblr, 12 Gr. ſaͤchſ., 4 Fl. 30 Er, rhein, 
oder 3 Thlr. bieſig. Wer auf 10 Exemplare pränus 
merirt, erhaͤlt das zıte gratis. Der Praͤnumerations⸗ 


ccxıv 


Termin feht bis zur Oſſermeſſe 1805 offen; nachber 
wird’ der Badenpreis, merklich erhöht werden. Da die 


Namen der Herren Pränumeranten dem zmeiten Hefte“ 


vorgebrudt werden follen, fo bitte ich um deutliche 
Angabe von Namen, Charafter und Wohnott. Alle 
folide Buchhandlungen nehmen Pränumeration an, 
Briefe und Gelder aber erwarte ich portofrei. 
Erefeld, im Dftober 1504. 
Abr ter Meer, 
Buchhandler. 





Ankündigung. 
Wenn gleich in unferm Zeitalter in allen übrigen 
Künflen der feientifiiche oder von Gründen ausgetende 
Unterricht an die Stelle des ebemaligen mechaniichen 
getreten if, fo dauert diefer letzt ere dach noch {ehr häufig 
in der Meitfunft fort. 

Auf ſehr vielen Reithabnen wird die Reitfunfi nur 
mechaniſch gelehrt; faht auf eimer jeden. berrſcht eine 
von der andern werfchiedene Methode, ſowohl den Sitz 
des Reiters, als auch die Führung umd Behandlung 
des Bierdes betreffend; jeder Lehrer preift feine Mies 
thode gemöhnlich für die beite am ohne doch feine Behr: 
Ahe durch einlauchtende Grimde zu bemeifen. 

So viele und mannigfaltige, zum Theil vortreifs 
Uche Schriften wir auch über die Neitfunk beiten; 
fa fehlt as doch am einem Handbuche, melches dem Ele⸗ 
mentar« Unterricht ertheilt, und aus Gründen die Reit» 
Zunft entwidelt. Eine Schrift diefer Mer duͤrfte nicht 
nur Vielen in der Reitfunf Unterricht Gebenden und 
Nehmenden, fondern auch demienigen böchrt: wiikkom«- 
men fenn, der einen praktifchen Unterricht zu gemieher, 
durch feine individuelle Lage oder Umſtaͤnde behin⸗ 
dert ifl. 

Ich kuͤndige hierdurch eine ſolche Echrift unter 
dem Titel an: 


Gruͤndliche Anleitung zur Reitkuuſt, 


oder 

über bie zweckmaͤßlgſte Art, Unterricht im Reiten zu 
geben, als Hilfsmittel für angehende Bereiter, Offis 

nere der Kavallerie, befonders auch zum Selbſt⸗ 

unterricht für Liebhaber des Reitens, 

welche zu Dftern fünftigen Jahres 1505 auf fchönem 
weißen Bavier bei Job. Frieder, Korn dem Neltern 
in Breslau gewiß erfcheinen wird. Da ich diefe Schrift 
felbſt verlege, fo muß ich, um mich wegen der Koſten 

zu deden, ben Weg der Branumeration einjchlagen. 
Mer baber von icht bis Ende Februars 1505 ent- 
weber bei mir oder im genannter Buchbandlung mit 
a Thlr. darauf pränumeriet, erbält ein Eremelar auf 
Schhreibpapier dafür, da bingenen ber naberige Kar 

denpreis auf Drudpapier ı Tblr. 3 Gr. ſeyn wird, 
Diefe Schrift enthält die allerdeutlichite Belehs 
zung über alles dasienige, mas man mothreendig wiſ⸗ 


fen muß, um im, gemeinen Leben mit Sicherheit und 
Anſtand einen zwedmaͤßigen Gebrauch vom Pferde ma⸗ 
chen zu können, und ift im der Art bearbeitet, dafi bofe 
fentlih jeder meiner Kefer Befriedigung darin finden 
wird. „Die Herren Dffiiiere der Kavallerie und ange 
bende Bereiter werben darin theeretiſch⸗ praftiiche An⸗ 
feitung finden, wie fie andere nach beſtimmten Grund« 
fügen unterrichten müßen, und der unmilfendfie Laie 
im Reiten wird gewiß fo viel zu feiner Belehrung 
darin finden, als es durch fchriftlichen Unterricht nur 
immer möglich ik. 

Diejenigen, melde bon mir ober vow meinem 
Kommifiondr im Breslau zu entfernt find, belichen 
Ah an die ihnen naͤchſtgelegenen Buchhandlungen zu 
wenden, welche hiermit erfucht werden, PBränumeration 
anzunehmen. 

Sale, den aten Dftober 1501. 
Andre der Jüngere, 
König, Preutiſcher Etalmeiher und Adjunktus 
bei ber Fricbrichsuniverfität, 


Ruffifder Merkur. 
Eine Zeitſchrift 
berausgegeben 


vom 
Probfte Heideke. 


Erſtes Stuͤck, mit 2 Kupferflichen. 








- + . Tara temporum fehcitas, ubı sentire 
quae velis et quae sentias dicere licer, 


Facır, sıstor.L 1. 





Sabrgang 1805 
JInbalt bes erfien Heftes: 

Sarütfchers Reife durch den nordöflichen Theil Si— 
biriens, das Eismeer und den öflichen Ocean in den 
Fahren 1785 bis 93. 

Ueber die newe ruffiiche Befchichte. 

van: Dfero oder der Johannis-See. 

Lkomonoſſew's Nachlommen. 

Rede an den König Stanislaus Yugufus vom 
Erjbifchofe Georg. 

Der treue Untertban von Orechoweky. 

Plagiat dee bochw. Herrn Constantin, Archimen- 


driten des griechiſchen Riem: Katbarinen « Klofters vom 


Berge Einai, 
Nachricht von dem Iuflande der Moscovichem nis 
verſitaͤt im ber erflen Hälfte des Monats September 1504, 
Motbgedrungene Vertbeidigung eines moscobſchen 
Öffentlichen Benfionsbalters gegen bösliche Angrife. 
Korcefvonden; » Nachrichten ; 
Baraufiesf: der Taiſcha. 
Wibutg: ber Waſſerfall bei Imetra. 


er ER Er 


ecıirv 


Kistir: Poden » Inwfung. 
B...: Seltene Gemeinnüsigkeit. 

Welchen Blan ich bei dieſer Zeitichrift zum Grunde 
lege, kann ich kurz erflären. Was Bölfer-, Länder 
und Eridtelunte bereichert, was Beziehung auf die 
merkwuͤrdige Periode bat, im melche wir ung durch die 
jetzige Mezierung, bie fich der Idee des Volkes weibt, 
geſetzt feben, mas eine pbilofophifche Anſicht darbeut, 
die dem Denfer nicht gleichgültig fenn fann, was in 
das Gebiet der Piteratur, Kunft und Hirmanitaͤt von 
Rusland und zu deren Gedeihen auf rufiiichem Grund 
und Boden gehört, das Liegt innerhalb des Kreifes, 
den ich mir gesonen babe, Sch will feine voetiſche 
Blumenlefe, keinen Muſenalmanach, feinen Theaters 
falender, fein Mudejournal, feine literdrifchen Befch- 
dungen liefern. Sollte Ach bei dem Wunfche, das An—⸗ 
genchme mit dem Nüplichen zu vereinbaren, etwas vom 
gang leicht verdaulicher Koft einmifchen, fo gefchieht 
es, um die Menge derer nicht zu verſcheuchen, bie ges 
rade in Journaͤlen nichts anderes fuchen. Aber auch 
da werde ich mich wohl vor Allem, was Kinderfpiel 
heift, zw hüten wiſen. Bisweilen möcht es fehmer 
ſeyn satyram non scrbere. Das übrige befagt Tas 


Inu. Heideke. 


Ban dieſem intereffansen Journale eeſcheinen mit 
dem Anfange des kuͤnftigen Jahres in meinen Verlage 
jährlich 4 bis 6 Hefte, jeder von 12 bis 14 Bogen, im 
einem farbigen Umfchlage und mit faubern Kupiern 
verfehen. Sch werde mich bemühen, dieſer gebaltreis 
chen Zeitſchrift durch einen forreften Drud und ein 
geſchraack oolles Meufere die möglichfie Eleganz zu ge 
ben. Mile folide Buchbandlungen nefmen Beſiellun— 
gen darauf an, die Hanntverfendungen aber gefcheben 
durch dın Hrn. Buchhändler J. A. Barth in Leipzig. 

Wil. Chriſt. Andr, Müller, 
VBuchhaudler in Wiga, 





In Hamburg ift erſchienen: 
Geſangbuch fuͤr Freimaurer 


und . 
alle Nerebrer der 


Religion, Tugend und Wahrheit. 

Eine Sammlung von 700 Maurergefängen mit 5 Rus 
pfertafeln umd einem in Kupfer geſtochenen Umſchlage. 
Gefammlet und beransgegeben von Georg 
Heinrich Mahnde. 

Diefes Wert enthält außer den Gebeten mit Inſchlutj 
18 franzöfiicher Gefänge, 700 Lieder, mie auch ein Cache 
und Lieder» Regiſter. Das Werk if cin and ein halbes 
Alphabet Hark; das Format in Tafchen - Format, 
Eriidrung der Kupfer, 
aftes Kurfer, Der Genius der Menfchheir erleuch⸗ 
tet vor dem Angeſſchte Gotles, vor dem ferne Welten 


im Wirbeffreife worüber rollen, mit dem dreifachen 
Lichte der Religion, Tugend und Wahrheit den von ung 
bewohnten Erdball, Aur Linken drebt ſich der Tbier- 
freis, wovon Löme, Jungfrau, Wage, als die Enm- 
bole der Stärfe, Schönheit und Gerechtigkeit, ſichthar 
find. Unterfchrift: Co ſchwimmet Welt an Welten bin 
umd jede hält die Bahn, die Gott ihr wies; im froben 
Ein bir’ Ew'ger ich Dich an! 

etes Kupfer. Ein Greis führt einen Jüngling die 
Stufen der Erfenntnif und der Wahrbeit binan, er von 
dem noch nicht gewohntem hellſtrahlenden Lichte geblen⸗ 
bet, bededt mit der Hand das Geſicht. Die Mauer des 
Aberglaubens und Truges ik miedergelürzt, aber bie 
3 Säulen: Religion, Tugend und Wahrheit hat die 
Zeit nicht erfchütterm noch vernichten fonnen. Hinter 
ber fallenden Mauer des Truges erhebt fich der Tempel 
der Wahrheit. 

3tes Kupfer. Kier führt der Greis den Juͤngling 
in den Tempel der Wahrheit ein. Zur Rechten, auf 
den d:el Stufen die zum Tempch führen, ficben die 
Statuen: Schönbeit, Stärfe und Weisheit; pur Linken: 
Liebe, Hoffnung und Religion. Unterſchriſt: Hier gebt 
man beßer an Berfland den Weg des Lichts an Freun⸗ 
des Hand. . 

ätes Kupfer. Der Kirchhof zu Binnom in Schwe⸗ 
diſch Pommern. Ein Dentmabl welches der Herause 
geber aus kindlicher Dankbarkeit feinem dort ruhenden 
Vater weihte. Unterfhrift: Ruhe fanft vom Kampf 
des Schickſals müde, ſchlummre nun zum befieen Beben 
bin! Heil nun deiner Gruit und Ruh und Briche ſtroͤm 
anf deinen Leichenblgel bin! 

stes Kupfer. Die Abbildung des Freimaurer-Bogen- 
Dauftsauf der großen. Drebbabn in Hamburg, No. 306. 

Die Skingen zu Diefen Kupfern find vom Herausge⸗ 
ber entworfen, vom Herrn Turretin in Copenhagen 
gezeichnet, von Heren Wolf in Altona die 3 erſten und 
von Herrn Cortiffos in Hamburg die 2 Ichten Blaͤt⸗ 
ter gefiochen. 

Diefes Buch kann gewiß ohne Bedenken jedem 
Freunde der Religion, Tugend, Wahrheit und- reiner 
gefelliger Freude empfohlen werden. 

Der gewiß fehr mÄrige Preis für 700 Lieder, 5 Ku⸗ 
Hfer und einen in Kupfer geſſochenen Umſchlag iſt 7 Marf 
8 Schilling Hamburger Eourant, oder 3 Rthlr. ſaͤchſiſch 
in eont. Zahlung pr. Egempl. Wer minbeftens 5 Erempf. 
vom Herausgeber, Filfterfrafe No. 48. in Ham 
burg, daar und dircete nimmt, erFäft ſelbige zu 30 Mark 
oder 12 Rthlr. ſaͤchſiſch, den Kowicd’or zu 13 Mark 
8. Schillinge gerechnet. 





Von folgenden Büchern find fo eben Fottſehungen 
erfhienen, und in allen Buchhandlungen zu baden: 
Elpijon, oder: über meine Fortdauer im Tode, 
ar Theil, ı Thlr. 12 Or. 
Ochhar dt Europens monarchiſche und republifa 
niſche Staaten, nah ihrer Groͤße, Macht und 


ccXviı 


wechſelſeltigen Verhaͤltniſſen, im ſlatiſtiſch· po!itis 
ſchen Gemälden vorgeſtellt, zte Lieferung, gr. Fol. 
3 <hir. 

The Plays of William Shakspeare sccurately 
printed from the Text of Mrs. Steeveus, 
last Edition with a selection of the most 
importaut Notes. Volume 1I. ı Thlr. 


iptig. 
en Gerhard Fleifiher ber Jüngere, 





Pi Friedrich Nicolonins, Buchhändler zu 
Königsberg in Preußen, it erfchienen: 
Ueber Immanuel Kant, 3 Theile, 2 Thlr. 
12 Gr. 
ir Bd. Darftellung des Lebens und Charakters 
Kants, von &. E. Boromsfi, 
Don Kant feldii genau revidirt und berichtigt. 
ar dr. Immanuel Kant, geſchildert in Brie⸗ 
fen an einen Freund, von R. B. Jachmann. 
zr Bd. Immanuel Kant in ſeinen letzten 
Lebentjahren von €. A. G. Waſ iansfi. 
€ Theil auch ſchon fruͤher einzeln er⸗ 
— * u die beiden erften an die Befiger 
derfelden für ĩ Thlr, 18 Gr. befonders verfauft. 





In untergeihmeter Handlung wird künftige Oſtermeſſe 
eine Ueberſehung der 
Lecons elementaires de Chimie, ä& Vusage des 
Lycees de France, Ouvrage redige par 
ördre du Gouvernement, par P, A; Adet, 
Pırefet etc, etc, r 


feinen, 

Diefes Handbuch, von einem berühmten Verfaſſer 
verfertiget, und zum allgemeinen Gebrauch der Eneden 
Frantreichs beftimmt, bat vor allen erfchienenen Hands 
büchern den großen Vorzug, daß es in einem Bande 
die ganze Ebemie umiast, Diefe leicht faßlich vor 
trägt, und alle überlüfige Digreflonen vermeidet, 
Der Ueberſetzer wird das Driginal treu wiedergeben, 
die nötbigfien Zufäge dem Tert eingellammert beiiü« 
gen, ich aller Noten und Anmerkungen, die bloße 
Banfen im dem Tegte ſeyn fönnen, enthalten. — Das 
Handbuch ſoll auch im deutscher Sprache ein Handbuch 

Borleiungen, eine demtliche und kurze Ueberſicht für 
imiten ſeyn. 
Mr Samuel Flickſche Buchhandlung, 





Das 
Große, vollſtaͤndige, auf fiebenjährige Erfah: 
rung gegründete Frankfurter Ko: und 
Hauspaltungsbug; morinnen alle Frauen: 





zimmer in der Im jeder Racſicht Außerft wich: 

tigen Koh + und Haushairungefunft den jmed: 

mäsigtten und faßlichiten Unterricht befommen ıc, 

Derf. von Chriffian Werner, in 2 Bon. 
it nun mit dem en Bande volländig erfchienen und 
in allen auten Buchhandlungen für 2 Thlr. oder 
3 5. zu baben. 





Briefe einer Öräfin. Ein But für die ganz: 
liche Zufrienenheit mit Gott in Leiden, von M. 
€. H. Sintrenis Maumburg, bei KRöfler 
20 Gr, 

Diefe vor kurzem erfchienenen Briefe find im mehreren 
feitiichen Blättern am vortbeilhaft bemrtbeilt, als dag 
man noch befonders nötliig hätte, daruͤber eine Beurtheis 
fung nieder zu fchreiben. Sowohl die Verfaſſerin als 
der wuͤrdige Herausgeber ſtifteten ſich durch fie ein blei⸗ 
bendes Denkmal. 


Unterhaltungen eines Hofmeifters mit feinem 383: 
linge über die vorzuͤglichſten Merkwuͤrdigkeiten der 
Datur. Herausgegeben von J. J. Ebert, Prof. 
zu Wittenberg, 18 Bändchen mit ı1 Kupfern, 
Preis: auf Drudpap. ı Thlr. 16 Gr., und auf 
E:chreibpap. 2 Thlr. 

Der Name des verdienfvollen Herrn Verfaſſers buͤrgt 

für die Brauchdarkeit dieſes Nirslich bei mir erichiene- 

nen Buchs, woren das 2te Baͤndchen in bevorkehen- 
der Offermeſſe erfiheinen wied. 
£eipgig, im November 1501. 
Theodor Seeger, 
Buchhand let. 





Ideen uͤber den Menſchen, uͤber Lebensgenuß, Le— 
bensphiloſophie und Lebenspflichten, von 6%. F. 
Miemeyer, Verf. des Greiſes an den Juͤngling, 
des Vermaͤchtniſſes an Helene ıc. 18 Bändchen 
mit Muſik. 8 Bremen, bei Carl Seyffert, 
20 Gr. 

Was in den beften eritifchen Blättern Deutfchlande 

über des Verfaſſers dktere Schriften, als: der Greiß 

an den Füngling und Bermächtniffen Des 
dene se. gefagt worden, das finder fih auch ım dem 
vorliegenden reichbaftigen Werke vollfommen beftätigt- 

Immer fich gleich bleibende Wuͤrde im Yusdrud, Wärme 

fiir individuelles und öffentliches Gluͤck, eine Lebens⸗ 

pbilofophie, welche eine gluͤckliche Mittelſtraße pwiſchen 
den blos fiunlichen Darſtelungen des Empirifers und 
der myfliſchen Bahn des fvefulirenden Tiefünnes ges 
nommen bat, charafterifiren auch dieſe Ideen und ver» 
dienen den frübern Schriften dis Werfaflers an die 
Seite gejeht und allgemein geleſen au werden. 


— —— nn DIDI N ——— — — 


V. den in meinem Verlage erſcheinenden periodiſchen Schriften find nachſtehende Fortſehungen fertig gewer— 
den und an alle Buchhandlungen verſandt. 


2. Neues allgemeines Journal der Chemie, von Bucholz, Crell, Hermbſtädt 
Klaproth, Kichter, AD. Scherer, Tromsbdorfi, Gehlen, 4ter Bd. 6tes Heft, 


Inhalt: 

19. Neue Verſuche, um Andronie zu erbalten, vom Prof. Winterl. 20. Beitrag zur naͤhern Kenntnif 
des Molybdaͤus, von C. 5. Buchol. Correſpondenj. 1. Schteiben an Hrn. Bergr. Selb, die Art 
des Leuchtens verſch. Mineralien betreff. 2. Schreiben des Hrn. W. Naſſe Metcorſteine, Baryt und Ealie 
Äther sc. betreff. Pitteratur: Becherches «lumiques sur la vegetation. p, Ih, de Saussure, 


Bünften Bandes, 1tes Heft. Inhalt: 


1. Beitraͤge jur chemiſchen Kenntniß der Mineralförper. 2. Chem. Uuterſuchung des Fahlerzes vom Ober⸗ 
M. R. Klaproth. 3. Chem. Unterſuchuug einiger Graugiltigerze, von demſelb. 4. Chem. Unterſuchung des 
Spießglanzbleierzes, von demſelben. 5. Aeußere Charafteriiit des Ichtovbalm, von Oder-B. M. Karſten. 
6. Chem. Unterſuchung deſſelben, v. OmR. Roſe. 7. Verſuche Über die eudiometriſchen Mittel und das Vers 
bältnig der Beftandtbeile der Mtmofpäre, von Humboldt und Guy-Luſſac. 8. Heber bie Bildung des 
Waſſers aus den beiden Basarten duch bloße Zufammendrüdung, nebſt Bemerkungen Über die Natur des elek— 
tiifchen Funfens, von Biot. 9. Schreiben des Heren Bertbollet, in Paris, cine Bemerkung des Herrn 
Dr. Richter über feine Theorie der chem. Action der Körper betreff. 10. Schreiben des Hrn. Prof. Pfaff 
in Kiel, Verfuche über Das Athmen, das orydirte Stickgas, die rauchende Bitriolfäure, Winterl’s Soſtem 
der Gbemie ıc. beteef. — Kiteratur: 4. Kleine Schriften phyſilal. hem. und technichen Anbalts, von 
J. J. Weſt rumb. 1. Bd, 2. van Manen dissertatio chemico - medica, sistens alımentor, v. fascıl, comp ration. 
Notizen: 1. Neues Verfahren den Hanf ju röfen, von Bralle. 2, Analyſen verfchietener amerifnnifchen, 
von Hrn. dv. Humboldt mitgebrachten Foffilien. 3. Neue Einrichtung des pneumatiſchen Apyarats sur Verbü— 
tung der Abſorbtion; von A. 5. Geblen. 4. Bemerfung Über die Verbindungen der Effinflure mit VBlciornd, 
von 5. 9. Baife. 5. Musjug einer Abhandlung Seauin's über dis Degrad. 6. Nachtrag zu der Notiz 
über die zum Feuerlöſchen nöthige Maffermenge Bd. 4. ©, 131. f. diefes Journals, 


2. Berliniſche muſikaliſche Zeitung, Herausgegeben ven J. F. Reichardt. No. 51 — Co. 


Inhalt: 


Einige Bemerkungen uͤber die Macht der Tonkunſt. — Einige Bemerkungen ton Ditirst. (S. Rameau's 
Neffe.) — UAnelroten. — Das Pathos im Geſange — Einige Bemerkungen von Gethe. (S. deſſen Unmerf. 
von Diderots Nameau’s Neffe) — Vermiichte Nachrichten. — Unfre Concerte. Autwort der Herausgebers. — 
Recenſionen — Unfre Concerte (Beſchlußg. — Nachrichten aus Paris — Auteblographle von J. F. Rei: 
hard — Ueber die Prüfüngen der mufitalifhen Fähigkeiten, — Das Cöliſon. — Nachricht. — Ideen und 
Worfchläge zur Berbefierung des Kirchenmufitwefene. — 


Der 
Nordiſche Merkur. 


Ein Journal, 
piftorifhen, politifden, literarifhden Inhalts. 
4 Gür die Preußifhen Staaten « 
Herausgegen 


Karl Sualius kanyg ee 
ztes Heft. July 1805. Anhalt: 


4. Der Minifler von Kretichmann und feine Feinde. Mit einer Nachſchrift vom Herausgeber des Norbi- 
fchen Merkuts. — 2. Warum bat der tegierende Herjog von Koburg dem Bice : Bräfidenten von Wangenheim 
den Aufenthalt in der Herzogl. Reſidenz verboten? Vom Herausg. d. Nord. Merkur, — 3. Der Doktor 
April und der Preußifhe Minifter von Plopom, — 4. Taubſtummen -Inftitut in Berlin, Bon Hrn. Prof. 
Eihte. (Schluß) — 5. Briedend - Verhandlungen zwifchen Franfreich und Rußland. Vom Herausgeber 
des Nord. Merfurd. — 6. Drganifation des katholiſchen Kicchenrechts im Fuͤrſtenthum Leiningen. — 7. Ab⸗ 
dallah Menou. — 8. Zur Geſchichte der Juſtiz - Verwaltung in den ehemaligen geiflidhen Staaten, — 
9. Einige merkwürdige Stellen. aus einer neuern MReichs ſtadt · Nürnbergifchen Verordnung die Ehefcheidungen 
detrefſfend. Mit einer Nachſchrift vom Herausg. d. N. M. — 10. Der Marquis von Lucheſini. Königl. 
Preuß. Staatsminiſter und Geſandter in Paris. 11. Michellen Vom Serausgeber des Nord, Merkurs. 1. Ita 
tien. — 2. Die Zahl Fünf. — 3. Charafter und Eunw, 4. Was beißt, eine natürliche Allan? — 5. Grieche: 
fche Ausgewanderte, — 6. Einer ift genug. — 7. Der verlorene Ring. — 8. Weftindien und die Flotten. 


Heinrich Frölid, 


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